Sie sind auf Seite 1von 455

Über dieses Buch

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Regalen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfügbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde.
Das Buch hat das Urheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch,
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist.
Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei – eine Erin-
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat.

Nutzungsrichtlinien

Google ist stolz, mit Bibliotheken in partnerschaftlicher Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nichtsdestotrotz ist diese
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch
kommerzielle Parteien zu verhindern. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen.
Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien:

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche für Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden.
+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials für diese Zwecke und können Ihnen
unter Umständen helfen.
+ Beibehaltung von Google-Markenelementen Das "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht.
+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein,
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA
öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben.

Über Google Buchsuche

Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser Welt zu entdecken, und unterstützt Autoren und Verleger dabei, neue Zielgruppen zu erreichen.
Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter http://books.google.com durchsuchen.
MENTEMALIT ET EXCOLIT

THIH HITTTH HAHIN IHH

(a u e d| Ո ||u C Ո ն|
K
K . K . HOFBIBLIOTHE
OSTERR . NATIONALB IBL IOT HEK

3 .G . 3
--
--7---–
-*
------ -
--
-
---A
-“-
-
. .“ - -.
* * * ...
eM.
-- ------ - - ---
---- ------ --* - - - -
- - ----
--
--
----
«-- F .
-- - - -Sº s---- --
- -
-W.
«
--
--
- --
--
--
»--
---

- - -
-
A
-,--
> .-,
A
>--
"
v.
--
-«--
--
-
--«V
- ---
--
--
--
- --*
- ---
--- -
---
W - -
-
. -.“
- »
-
-----

-*. . --
. . ."

-
------- "T;-„v .
d-
»*
»- “ : "--
----- --- v
----
- -
-
- ---
-

- --
-
-
- -
--
-
-

- -
-
-
--
-- -««
sº - --
-G -
. . > >- -- ---
--
-- - - -
--
-*.
-
-- - -
-
- --
- --
-
- " -V
–--
--
- * ----
«“--
-
---
-
--
-
> -
-
« -
--- v'->

-

Y-> -»
-- B-
es -
“A-«
-, - >. . . - -
-:»
4'º-- -
--
- -
- - -
»---
- ---
--
-“« . .- - --
- -»
--
-
-
--
-
--- - - ->
3. 63 (%. 5)
Die
heiligen Handlungen

de r C h r i ft e nt; '.
archåologiſch dargeſtellt
von

D. Johann Chriſtian Wilhelm Auguſti.

3 we y tér B a n d.

Ueber Gebet und Geſang in der chriſtlichen


3 . Kirche.

Leipzigi ,
n der Dykchen Buchhandlung.
; . 1 8 2 2.
- - -
, -

Denkwürdigkeiten
aus der

chriſtlichen Archäologie;
- - sässer Rückſicht
- se -

gegenwärtigen Bedürfniffe der


chriſtlichen Kirche, -
-

von

D. Johann Chriſtian Wilheln Auguſt. -

Fünf t er B an d.

v. Leipzig,
in der Dyk ſchen Buchhandlung.
1 8 2 2. -

- -
Y
* -
»
.
К. 1.н

й

TH
E
. . ,'

V o r e o

Uuf die im vierten Bande dieſer Denkwürdigkeiten


gegebenen Einleitung in die Geſchichte des chriſtlichen
Gottesdienſtes folgt nun in dem gegenwärtigen Theile
eine geſchichtliche Darſtellung des gottesa
dienſtlichen Gebetes und Kirchen:Gefanges.
Bende Gegenſtände mußten mit einander verbunden
werden , da es daben keinen materiellen , ſondern bloß
einen formellen Unterſchied giebt. Ben dem beſonderen
Intereſſe, welches dieſe die Liturgie unmittelbar ange
hende Punkte in der gegenwärtigen Zeit haben , ſchien
eine ausführlichere Behandlung, als man in den ar
chäologiſchen Werken , beſonders Bingham , findet,
erforderlich. Insbeſondere aber glaube ich , durch
Mittheilung der älteſten Gebets - Formulare, welche
wir beſigen , den Wünſchen derjenigen Leſer entſpro
chen zu haben, welchen die Werke der älteſten Kirchen
TV , '"

lehrer und die Conſtitutionen der Apoſtel nichtzugång


lidh find. Daſſelbe wird. künftig auch in Anſehung
der Tauf- und Abendmahls - Formulare, deßgleichen
ben den übrigen heiligen Handlungen , welche entweder
Sacramente' genannt oder dieſen doch gleich geſetzt
werden, geſchehen. Dadurch wird man die beſte Ge
legenheit haben , die Agenden und Liturgien unſerer
Zeit zu vergleichen und zu beurtheilen.

Für den évangeliſchen Geiſtlichen iſt eine ſolche Ver


gleichung auf jeden Fall wichtig , indem , nach den
Grundſågen ſeiner Kirche, das Berſpiel der alten
Kirche zwar kein Geſetz (welches nur aus dem Worte
Gottes in der heiligen Schrift aufgeſtellt werden kann),
aber doch eine ſehr bedeutende Empfehlung iſt. Es iſt i
von der höchſtenWichtigkeit zu wiſſen , nicht nur was,
ſondern auch, wie die alten Chriſten gebetet und ges
fungen haben ; und beydes, Inhalt und Form der ältea .
ſten Gebete und Gefänge, bietet einen würdigen und
lehrreichen Gegenſtand der Forſdjung dar. Wie es
überhaupt einen eigenen theologiſchen Sprachgés
brauch giebt, welcher ſich ſo leicht nicht erleinen läßt,
alé Manche glauben mögen, ſo hat auch beſonders die
Liturgie ihren eigenen Styl, welcher nicht we
niger wichtig iſt, als der ſogenannte Canzler - und Cu:
rial-Styl, wogegen zu verſtoßen , auch jest noch, we
nigſtens nicht überall, für gleichgültig gehalten wird,
Selbſt die allgemeinen, im ganzen Cultus ſo oftwie:
· derkehrenden , liturgiſchen Formeln (formulae
solemnes) ſind von Bedeutung, und es lohnt ſich wohl ..
der Mühe, ſid, über Sinn und Gebrauch derſelben zu
unterrichten . Schon allein die große Verſchiedenheit
im Halleluja-Gebrauch zwiſchen der orientaliſchen und: ..
occidentaliſchen Kirche iſt ja eine merkwürdige. Er
ſcheinung!

· Aus dem Hymnario der lateiniſchen Kirche ſind ben


der vorauszuſeßenden allgemeinern Bekanntſchaft, keine
Proben mitgetheilt; bey der griechiſchen und fyriſchen
Hymnologie aber ſchienen einige, der Vergleichung,
wegen , erforderlich. Der legte Abſchnitt håtte leicht
ein ganzes Buch werden können ; aber es ſchien hins
långlich, bloß die allgemeinen Geſichtspunkte anzuges
ben und nur an einigen Beyſpielen zu zeigen , wie viel ..
dogmatiſches und polemiſches Element der alten Litur:
gie zum Grunde liege.
1 . VI
Der nächſtens erſcheinende fedhfte Band wird
fich über den guttesdienſtlichen Gebrauch der
heiligen Schrift in ſeinem ganzen Umfange vera
breiten . '
Bonn, am 25ſten Julius 1822.

Der Verfaſſer.
-
Sinhalt. . .

Erft er abschnitt.
Algemeine Bemerkungen über Gebet und Gefang in der
, chriftlichen Kirche " ,". . . . .3 87 .
... 3weiter 46fdhnitt.
Ueber den Gebrauch des Gebets des Serrn in der chriſtlis
chen Kirche . .' . . !
Dritter Abſchnitt.
Bon den verſchiedenen Arten des Offentlichen Gebetes S . 135 – 196.
Į, Gebet für die Katechumenen i. i . S . 138 .
* II, Energumenen . .. . . . . . o 156.
III. - - Läuflinge :: . . : 160 .
IV . men Bußfertigen . . . · · !! 162.
V. e Glaubigen . . .. . . .. 11 165 .
VI. Sonntag8 :Gebet .' . ' : i : a 177
VII. Einige Feft:Gebete . . : . 1 181.
A . Gebet für das Weihnachtsfeſt. -
B . Ofter:Gebet der ſyriſchen Scirche.
· C , Pfingſt:Gebet.
VIII. Morgen- und Abend- Gebete i
IX . Von einigen anderen Gebeten i . u 191.
Gebet für die Entſchlafenan . ;
Uiöis

Soldaten -Gebet.
i Vieſter Xbfchnitt.
Von den liturgiſchen Formeln : i . . S . 197 - 233.
1. Ueber das Schlußwort: Umen . . .
II. Halleluja . • , ; ; . O16
209 .
III. Soſianna ! " .
IV. Kyrie eleison !
V . Gloria ! . . .. . . : 222.
VI. ueber die GrubeForneyn : Dominus vobiscum ! und "
-- Pax vobiscum ! . . . . S . 226
VII. Ueber die Ermahnungs :Sprüche: Oremns! undSur
sum corda! . 228 .
Fünfter, abſchnitt.
Bon der chriſtlichen Pſalmodie und Hymnologie
mnologie . . 234 .
I. Qugemeine Bemerkungen über die chriſtliche Pſalmo:
die und Gymnologie : . i. . S . 235 – 289
II. Die Hymnologie der lateiniſchen Kirche . ii 290 - 334.
A . Ueber den Charakter der lateiniſchen Hymnologie ..
überhaupt . . . . .. .. o 290 .
B . Die vorzüglichſten øymnen Dichter der lateinis ...
fchen Kirche . . .
:: C . Ueberſicht der in die liturgie der römiſchen Kirche
aufgenommenen Hymnen . . . . 314.
. D . Einige hiſtoriſch-kritiſche Bemerkungen über die
• lateiniſchen Hymnen . . . 320 .
III. Von den Hymnen der griechiſchen Kirche . . S . 334 - 350.
IV . Ueber die øymnologie der ſyriſchen Kirche of 350 - 377.
. Sechfter Abschnitt. ,
Ueber die äußerlichen Gebräuche beym Gebete und Ge
; fange .. . . ? i . . . : S . 378 - 405.
' Siebenter abſchnitt.
Ueber die dogmatiſche Richtigkeit der öffentlichen Gebete
und Gefänge. lii . . S 406 - 424.
. ueber

. Gebet und Ge ĭ ang

i in ser

chriftlichen Kirch

Fünfter Band.
--
. -
-
- -
.
-
* -

-
- -
- -
. - - /
-
A -
/
-
-
-
- -
-
- -
-
-
- - . . -
-
- - - s -

-
“ - -
-
- . . .
-
. v, / >
'.
- Y
*
« . . - - A
- » 1 --
-

*
- . -

-
- / -.
- t

A - - - -

«
-
- -
-
-
- – -

W - - - - -
- - - -
- -
.
- - - -
-- -

-
º
- -
--
--
-
" . - -
-
- -
. -
> -
- .
„ - -
-
- - -
-
- - «- 5 v .
-
* - -
- - - - V
-
-
-
-
-
- . .
- /
- -
-

- - -
-
-
-- * -
- -
-
- - -
-
- - -
. d ". !
- . -

- -

- - /
-

- - -,
-

- „- s - - -
- ) - - - - - -
x -
-
-
- - - -
- - - -
- * -
-
-
W . -
- - -
. - - - -
-
-
- - -

-
-
º
-
-
- - -
-
- --
« / - - - -
-
-

/
- v - -
3 -
x > -
-

-
-
-

-
- - -

-
-
-
-
-
-
-
»
- - *
-
- - - - - W
- / ". A
-

- - -
- -
- -

-
-
-

- - s - -
-
- - - - - -
-
- -
- -

?
- -
- -
-
- -
A-
-
- - -
-
- - -

» -
-
- - - -

- - -
- -
-
-
-
- V.
-
- -
- -
-
-
- -
-
-- -
- -
-
»
- X- -
«
/
-
« f - - - -
- -
- - - «
-

-
-
-
-- ---- , -
Y - -.
,
- - - «
-
-
- -
-- - -
- - - -
-

- -
-

- - -
-
- - - -
-
-
-
- -
- - - - - -

- - • – - - *
-
". -
** - - -
"
- >«
- W - -

-
r v – º A - -
- -
,- / -
>
-
«.
- , - - -
-

- - -
-
- W
-
* -
- -
- -

-
-- A -
-

- > - - 1.
".
- . .
- - -

- ?
- - t
»
» /
- -

- -
-
- t
. . A - -
-
-

- - -

-
- ---
- - - - n - - - /
- -
- -
- -
-
- -
- -
-
-
- / - -
- v
-

- « 4 -

- - - 1 -

">- - - - > , -
- - -
>
. . -

/ -
-

-, --
- - -
-
- -- -
- -
-
-

-
- - .
- -
A -
-
- . "
> »
- - - -
-
--
- -
-
-
, / -
-
"
- - -
- - >
".

N / - .
- -
- - -
-
-- - W

-
-
. -

/ -
-
- -
-
-
-
-
-

- . -
-
-
-
- -

-
-
- -

-
& r ft e r 6 ch nitt.
-
.

Allgemeine Bemerkungen über ..


; Gebet und Geſang in der
chriſtlichen Kirche.

Sebet und Geſang find urſprünglich nicht verſchieden ;


!
wenigſtens kein oppositum , rondern nur ein diversum
sum

quid . Beide ſind der Ausdruck religiöſer Ueberzeugung


und Empfindungen durch Worte und Tóne. Zwar giebt
es auch ein Gebet ohne Wørt, Lon und laut: das ſo .
genannte fiille Gebet, das Gebet des Hergens , der
fromme Sedanke u . . w . , wie ſchon der Pralmiſt unters
fcheidet' das Gebet des Bergens foas innere Uns
denken an Gott ) und das Gebet der kippen .
Aber es gilt hierbei der Grundraß : de occultis non judi
cat ecclesia. In 's Innere des Menſchen ſchauet nur der
unſichtbare und unerforſchliche Herzenstündiger ( Apoſtg.
1 , 24 15, 8 . 1 Sam . 16 , 7 .) ; oder , wie es der
Pſalmift ( Pf. 7 , 10 . vgl. Pf. 139, 1 ff. ) ausdrückt:
nur Gott iſt es, welcher Derzen und Nies
ren prüfet . Soll der Menſch verſtehen , was im .
Innern des Menſchen iſt und vorgehet, ſo muß das dunkle
Gefühl in ſeiner Seele zum Bewuſtreyn gebracht, oder,
was daſſelbe iſt , in eine Sprache überreßt werden , wels
die, wenn ſie auch nicht als Vocal- Sprache dem Obre
tónet , doch eben ſo verſtändlich wird , wie die Sprache .
des firmaments , ober der Zeit, von welcher der Prals
mift ( Pf. 19, 1 . - 5 ) To wahr und fahón handelt.
42
udgemeine Bemerkungen
? Nach Diogenes son laerte , Jamblichus u . a.
war es ein Gebot des Pythagoras : daß man laut
beten rollte , um zu verhüten , daß man nicht, wie
- von Unverſtändigen geſchehe, Dinge zum Gegenſtande
des Gebetes mache, welche den Begriffen von Gott nicht
· angemeſſen waren . * ) . Dieß harmonirt mit dem Grund.
raße der Juden , welchen Grotius ( Adnot. ad Ro
man . c. VIII, 26 . ) mit folgenden Worten anführt :
„ Judaei nullas preces valere censebant , nisi voces sal
tem intra labia exprimerentur. Christiani etiam solo
animo conceptas preces non perdunt ( fou wohl'heie
ßen : spernunt oder damnant? ) . “ Siermit ſtehet nun
Das Chriſtenthum im Gegenſaße. Ueberal eifert Chriſtus
wider die Sebet : Sucht und Schwashaftigkeit der Seio ,
den und wider die Eitelkeit der Phariſåer , welche fich bei
ihrer Art zu beten an den Tag lege. Die Vorſchrift ,',
welche er ſeinen Jüngern deshalb ertheilet , lautet dage.
gen ro : „ Wenn du beteſt , ſollſt du nicht ſeyn ,
wie die Seu chler, die da gerne ftehen und
beten in den Schulen und an den Ecken auf
den Garren , auf daß ſie von den Leuten geri
rehen werden . Wahrlich , ich ſage Euch , -
fie haben ihren Lohn dahin . Wenn du aber
I beteft, ſo gebe in deine å mmerlein und
rohreuß die Thüre, fu und bete zu deinem
Vater im Verborgenen ; ' und dein Vater ,
der in ’ s Verborgene ſiebeti wird dir' s

* ) Im Widerſpruche mit Pythagoras behaupteten Molinos, die


Frau de la Mothe Guion , Poiret und andere Myſtiker , daß
das mündliche oder laute Gebet durchaus berwerflich ,
und nur das ftille Gebet ohne Worte einen Werth ' s
habe. Die Bertheidiger dieſer Meinung wurden Quies
tiften genannt. S . Joh. Ben. Carpzov de religione
Quietistarum . Disput. acad . p. 536 seqq. Bossuet rela
tion sur le Quietisme. Par. 1698. Baldh ' & Rel. Streitigk.
außer der evang. Kirche. Ih. II. S . 982 ff. .
über Gebet,und Gefang.
vergelten offentlich , und wenn ihr betet,
follt Ihr nicht viel plappern , wie die seis
den ; denn ſie meinen , ſie werden erhåret, . .
wenn ſie viel Worte machen . Daru'm ſollt
Ihr Euch ihnen nicht gleichen . Euer Vater
weiß , was Ihr bed úr fet, ébe denn Ihr ihn -
bittet. (Matth . VS, 5 - 8.)
Ganz in Uebereinſtimmung mit dieſen Foderungen
ſteheri ſo viele Ausſprüche der Apoſtel , ſo daß man mit
Rech : behaupten kann , der Inhalt des ganzen N . L .
gehe dahin , die chriſtliche Gottes . Derehrung zu einer
Anbetung im Geiſte (a pooxúvnois ÉV ATVEÚUCT4 "
Job . IV , 24 .) zu erheben. Das ro oft empfohlene
Beten im Geiſte aber erfodert nichtnur , als erſte,
unerläßliche Vorausſegung , eine wahrhaft fromme,
gottergebene, findliche Gefitnung ( den Geiſt der Kind.
ſchaft, Liebe und Freiheit ) , ſondern wird auch dem Gea
bete nach beſtimmten Formeln und einem gewiſſen Ritual
und Ceremoniefl' entgegen gereßt. So iſt es in der Er.
mahnung des Apoſtels Judas : Betet im heiligen
Θείte ( προσευχόμενοι εν πνεύματι αγίω Jud. V.
20 ). So ganz vorzüglich in der Neußerung des Apoſtels
· Paulus : Der Geiſt hilft unſerer S chmach
beit auf. Denn wir wiffen nicht, was wir
beten ſollen , wie ſich ' 8 gebühret; ſondern
der Geiſt ſelbſt vertritt uns auf' s beſte
bei unſern wortloren Seufjern . * ) . Er :

. *) Die drevayuòc dláintol ſind dieHerzens - Seufzer und ftillen


Wünſche , welche nicht in Worte eingekleidet werden , und es ;
nicht können , (álóantoi mie deonta enuata ). Wie die
Worte geſtellt ſind: ÚTEREVTVYZÉVEL vine viuov OtevQy OTs .
dhalítols iſt es zweifelhaft : ob der h . Geiſt dieſe ſtummen .
Wünſche in uns hervorbringt ; oder ob er dieſelben , wenn ſie
ſich in unſerm Innern erzeugen , gleichſam 'verkörpert , boul:
metſchet und bevorrortet. Es läßt ſich für Beides ohngefähr
; : Allgemeine Bemerkungen

aber , der die Hersen erforſchet, weiß was


des Geiſte $ Sinn ren ; denn er vertritt die ,
Heiligen nach dem , was Gott gefällt.
Bei dieſer Stelle macht Grotius ( Adnotat, ad
Rom . VIII, 26 . ) , nachdem er eine kurze, aber treffende
Wort: Erklårung vorausgeſchickt, die rehr richtige Bes
merkung : „ Id autem Spritui S . ideo tribuitur, quia
preces ad Deum nobis dictat. Docet autem nos Spiri
tus precari Deum ea , quae Deo sunt gloriosa , ratio
nibus nostris sepositis , imo et cum nostro , si ita res
ferat, incommodo. Exempluin vide in Paulo Phi
lipp. 1, 20. 21. 22 . - 25. et in amicis Pauli,
Actor. XXI, 14. Pari modo Galat. IV , 6 . clamare
dicitur Spiritus ille, id est : ad clamandum nos excitare.
In Ecclesia Diaconus imaginem quo dam - ;
modo gerit Spiritu's Sancti. " Die lebte
Ueußerung erregt zwar Ubraham Calod ' s Unwillen ;
allein er hat im Grunde , da er in der Erklärung des Gan .
gen ſeinem Gegner , deſſen Uebereinſtimmung mit Luther
er anerkennet , beipflichtet , weiter nichts dagegen einzus
wenden gewußt, als ; „ Simile tamen Grotii de Diaco
nis nec dignitati Spiritus Sancti convenit , nec rei
exprimendae idoneum est , quum cordibus piorum
inspiret et suggerat S . S . ipsas preces , fatente
Grotio .“ Wahrſcheinlich hat er hier ſich vor dem Ver . ...
dachte des Macedonian is in us gefürchtet. Aber ein
anderes iſt es doch , den heiligen Geiſt, wie Macedonius
that, reiner Natur und Weren nach für einen daxovos
nat unnontns erklären ; und etwas anderes , das Lehr.
· und Troft . Amt des 1 . Geiſtes mit dem ehrenvollen Ges
ſchäfte der Diafonen in der alten Kirche, zum Gebete ju
ermahnen und das : Orate ! und Sursum corda !

gleich viel fagen . Ich habe dem Lertern den Vorzug gegeben ,
weil es dem Begriffe des heil. Geiſtes , als Paraklet, beffer
entſpricht.
über Gebet und Gefang.
auszurufen , zu vergleichen . Sonſt müßte es ja über.
haupt eine Pneumatomachie und Blasphemie reyn , von
Aemtern des. 5 . Geiftes überhaupt nur zu reden ,
und ihn (wie Apoſtg . XV , 28 : EDO & & tố dyío atveVuO
Ti, sai nuīv ) zum Affiftenten der Apoſtel und Glăubis
gen zu machen !
. Im N . L . wird des Gebetes , ſehr häufig erwähnt.
Sowohl Chriſtus als die Apoſtel ermahnen , zum Gebete :
ohne Unterlaß ,“ und regen den Charakter eines religió . .
ſen Menſchen darein, daß er ein fleißiger Beter rey . Uuch
wird berichtet , daß nid )t nur Jeſus ſelbſtund ſeine Jinger
bei allen wichtigen -Vorfällen des Lebens ſich durch Gebetan
Gott gewendet, ſondern auch , daß die erſten Verehrer Jeſu ,
ſo oft ſie ſich verſammelten , ihre Andacht und Erbauung
durch Gebet und Gefang erweckt und geſtårkt håtten .
Die evangeliſche Geſchichte theilt auch öfters die bei a
ſolchen Veranlaſſungen von Jeſus oder den Apoſteln aus. .
geſprochenen Gebete , mit den eigenen Worten derſelben ,
mit. Im IV. B . dieſer Denkwürdigkeiten S . 131. ff.
find die vorzüglichſten Stellen des N . T ., worin folche
Gebete vorkommen , angezeigt worden . Dody iſt beo
merkenswerth , daß, außer den Formeln ' Aunn , cionon .
juiv , xdois vuij u . f. w . , wozu man auch noch viel.
leicht das Epiphonem Maoar ata , und die Erfecra .
tions - Formel dvd gaua otw rechnen könnte , teins
dieſer Gebete wiederholt vorkommt, ro daß alſo die in
Jose eines beſtimmten Formular's nicht Statt finden ,
kann . Dicß iſt ſelbſt bei dem ſogenannten Gebete des
Herrn , oder Water - Unſer (Matth . VI, 9 – 13 .
Luk. XI, 1 . - 4 . ) , der Fal ;' und daher iſt es zu erkla
ren , wie ſich über die Natur , Beſtimmung und Uuwen .
dung dieſes Gebetes , weldes , obgleich ein Theil der .'
Geheim - Disciplin , dennoch allein den Charakter der
Deffentlichkeit und Augenreinheit erhalten hat, ſo ver
ſchiedene Meinungen ausbilden konnte , wovon in nådh
ften Abſchnitte ausführlicher 311 handeln regn wird. '
Allgemeine Bemerkungen
Dennoch ſind die im N . L . vorfommenden Gebets =
und Glückwunſch : Formeln in der Regel die Grundlage
aller Gebete und liturgiſchen Formeln , weldeman in der
alten Kirche findet. Doch zeigt ſich bald , daß man in
, der chriſtlichen Kirche in dieſer Beziehung auch vom U . so
; I . einen fleißigen Gebrauch madite ; ja , daß man ſich ,
für berechtiget hielt, die ganze Dorologie , Þralmodic
und Symnologie des U ."L . herüber zu nehnien und der .
ſelben eine chriftliche Deutung unterzulegen . Außer der
wortlichen Beibehaltung und Uebertragung altteſtamento
· licher Formeln , Sprüche , Geſänge ec. findetman håufig
ſolche Centonen , wobei es nicht ſchwer iſt , jede einzelne
Phraſe - und Formel auf ihren Urſprung zurückzuführen
und im 4 . I . nachzuweiſen . . .
C . Es kann für den Zweck der gegenwärtigen Unter .
ſuchúng weder auf die Erörterung des Begriffs vom Ge..
bet überhaupt, noch auf die beſonderen Beziehungen an .
kommen , welche hierbei für die Dogmatik und Moral
eintreten ; * ) ſondern wir haben uns hier bloß an das
öffentliche oder gottesdienſtliche Gebet der
alten Chriſten zu haiten , und nach den verſchiedenen

* ) Unter den Reformatoren hatwohl keiner gründlicher die Lehre


vom Gebet abgehandelt , als Cardin . Man . deſſen In - .:
stitut. chr. relig . lib . III. c. 20. ed. Genev . 1612. p .
298 ff. Er ſagt åcht -religiós : „ Est quaedam hominum cum
Deo communicatio , qua ' sanctuarium coeli ingressi, de
suis promissis illum coram appellant: ut quod verbo
duntaxat annuenti crediderunt non fuisse vanum , ubi
necessitas ita postulat experiantur. Itaque nobis proponi
nihil videmus a Domino exspectandum , quod non et
precibus' jubeamur postulare ; adeo verum est , oratione
effodi thesauros , quos evangelio Domini judicatos fides
nostra intuita fuerit. " Hierauf werden die Gerege und Bes
dingungen eines chriſtlichen Gebetes ( p . 299 ff. ) . angegeben .
Esſind ſummariſch folgende: 1.) UtDeum revereamur. 2.) Ing
piae nostrae sensus. 5 .) Omnis superbiae abdicatio .
9 .) Certa fiducia exauditionis nos ad precandum animans.
åber Gebet und Gefang. i 9.
noch vorhandenen Beiſpielen den Charakter im udgemeinen
ju beſtimmen . ; . . i , '
Die meiſten Ausleger ſtimmen darin überein , bas
in der Stelle 1 Timoth . II. , 1 ff. von dem offentli .
chen Gottesdienſte die Rede ren ; und zweck und
Zuſammenhang des Sendſchreibens iſt dieſer Meinung
allerdings günſtig . Der Apoſtel erflårt aber nicht nur
das Gebet überhaupt für nothwendig, ſondern giebt auch
die verſchiedenen Arten deſſelben näher an *). Es find
folgende:
1.) dentais , rogationes , Bitten , vorzüglich um
Ubwendung der Gefahr und des Uebels.
. . . 2.) [1000evgai, Gebete , ſowohl zur Verherrlichung .
Gottes , als zur Erlangung zeitlicher und ewiger
Güter , wie Ephef. I, 16. VI, 18. u . a .

Die ganze Tchöne Ubhandlung verdient von allen geleſen zu


werden . Zu vergleichen iſt damit, was Johannes Ger : .
Hard und Reinhar o úber denſelben Gegenſtand bes . .
- merken . . . .. .
*) Die neuern Ausleger ſind hier , wie überhaupt, gar zu freie
gebig mit ifrer Synonymit. In Noſenmüller' s Schos
lien - ( T . V . p . 18 . ed . IV. ) heißt es : AeroELS , Rogevyal,
* ŠvteúỀELS pro Synonymis possunt haberi. Vulgo ita
distinguunt, ut dengels sint : deprecationes pro ma
lis a verténdis ; nodevyai preces ad bona nobis
obtinenda ; ŠVTEVÉELS : preces pro aliis . “ Von ;
Heinrichs (Nov. Test. edit. Koppianae Vol. VII. p . '
43. ) wird bemerkt : „ AENGELS. - - Év AQLoteas. sata-
gunt Intt. in discutienda harum vocum differentia , quas
ego , sicuti Hebr. 139 ( ? ) , jban, agiann, oupa 7 ? ) ,
synonymas eumque in finem cumulatas credo, ut eo vehe
mentius ( ? ) efferatur sententia impensissimae pre
ces, retenta tamen naturali illa precum distinctione,
qua vel poscimus numen aliquid, vel voti compotes gra
tịas reddimus."
Hier iſt doch gewiß ein Principium indiscernibilium !
10 . Allgemeine Bemerkungen
3 .) EVTEVEELS , deprecationes , Fürbitten , um
Andern durdy unſer Gebet zu verſchaffen , was wir
ihnen wünſchen , oder was ſie bedtirfen . ' .
4 .) Evyapiotiai, gratiarum actiones, Danko
ragung für Wohlthaten , welche wir ober, Andere
empfangen haben . Auch Philipp.IV, 6. ſind: év
παντί τη προσευχή, και τη δεησει με
Ta & V X Q PLOTias mit einander verbunden .: .
Auch bet den Kirchen - Vatern finden wir dieſe ver.
ſchiedenen Gebets , Arten angeführt und durch zahlreiche
Beiſpiele erlåutert.
In Beziehung auf das Objekt dieſer Gebete, Bit.
ten u. r. w . führt der Apoſtel an : 1.) UTèo TÓVTOV
évfoonov für alle Menfchen ; und darin offenbart
fich derweltbürgerliche Charakter des Shriften .
thums. Der Chriſt betet nicht bloß für die Brů .
der und Freunde, ſondern auch für die Fremden
und Feinde - ganz in Uebereinſtimmung mit den
Grundfågen Jeſu ; Matth . V , 43 - 48. Joh . X ,
14 - 18 . 4 . a . ' zu einer ſolchen Freiheit und Ers
habenheit über National • Vorurtheile konnte ſich der
Jude nie erheben , und daher wird es auch als die wich .
tigſte Entdeckung angeſehen , was der Apoſtel Petrus
Upoſtg . X , 34. nach langem Zweifel als Wahrheit fand.
Aber auch der Paganisnius konnte, ohngeachtet ſeiner ges
ringeren Beſchränkung auf Nationalitåt , Geburt u. f. w .
nie zur Idee einer allgemeinen und reinen Menſchen
· Liebe, welche alle Völker und Individuen der Erde mit
gleicher liebe umfaßt, gelangen . 2 .) ÚNÈO buorkeav
xài návrov. Tõv v Unepoxñ Övrov : für die Res
genten und alle Machtbaber . Die baothels
ſind , nach dem beſondern Sprachgebrauche, die romie ;
fchen Kaiſer; obgleid , auch an die Tetrarchen ,
welchen , wie dem Herodes , der königliche Ditel suges
ſtanden ward , gedacht werden kann. Die Šv. ÚTTEpoxn
ởvtes aber ſind vorzugsweiſe die von den Rómcra anges
über Gebet amb Gefang: 11 ,

fepten Provinzial - Gouverneurs , landpfleger, Pro.


conſuln u . 7..w . .
Billig mit dieſer apoſtoliſchen Verordnung übereins
ſtimmend berichtet Tertull . apologet. C. 39 : ;, Wir
bitten auch für die Kaiſer und ihre Verweſer, für die
Gewalthaber auf Erden , für die Ruhe aller Stånde, und
Daf die Tage dieſer Welt eher verlangert, als verkürzt
werden nogen , (pro rerum quiete , pro mora finis)."
Daffilbe finden wir auch in den andern Schriftſtellern ,
welche vom Gottesdienſte der alten Chriſten handeln . : .
:: Auch die Geränge und lieder, deren in den
ålteſten Urkunden des Chriſtenthums Erwähnung ges
ſchieht, können zunächſt unter keine andere Kategorie,
als die des Gebetes , gebracht werden . Das Chriſtene
thum . erfennet feinen andern Gefang , als den zum lob
und Preis des Schöpfers, zur Verherrlichung ſeiner
Wohlthaten und zur Erweckung und Stärkung des
Glaubens und frommen Sinnes und Wandels . Es giebt
hier keinen materiellen , ſondern bloß formellen Unters
fchied. Man möchte fagen : es rey hier nur ein Gradaa
tions . Verhåltniß , wie Poſitio , Comperativ und Su.
perlativ .
Schon die inſtinctartige Neigung, unſers Inneren
zum Göttlichen wird als religioſes Gefühl und als Sea
bet betrachtet, Ia, nach Tertullianus, iſt das Gea
bet nid )t.bloß eine Eigenthúmlichkeit der Vernunftweren
( Menſchen und Engel ) , ſondern es liegt auch in der gaus
gen Natur ein gewiſſes Streben , ſich zum Schöpfer om ,
por zu ſchwingen , und dieſes Streben iſt als das Ger
bet der Natu € zu betrachten . Daher ſagt Seri
tullian u 8 (de orat, č. 23 ) : „ Orat omnis crea
tura. Orant pecudes et ferae et genua decli
nant, et egredientes de stabulis ac speluncis , ad coe
lum non otiosi ore suspiciunt , vibrantes spiritu suo
movere. Sed et aves nunc exsurgentes eriguntur ad
coelum et alarum crucem pro manibusextendunt,
. 12 : : Allgemeine Bemerkungen
et dicunt aliquid , quod oratio videatur *)... Man
könnte zur Rechtfertigung undUnterſtüßung dieſes Sprach .
gebrauchs fich auf die enoxapadoxic tñs xvideos
(Róm . VIII, 19 ) , und auf ſo viele Perſonificationen
des U . . berufen , wo den Bergen , Flúffen , Elemen
ten , Thieren u . f. 10. eine Anerkennung und Verherrs
lichung des Schöpfers zugeſchrieben wird, (f. B .
: : Pf. 65, 14 . Pf. 19, 1 . 69, 35. ' 96 , 11 - 13 . 98 ,
1 - 9.148, 1 – 13. 2 . 44, 45, 49, 13, 55, 19.
u . a. ) . Aber , wie laut und deutlich auch dieſe Dorolo .
gie das religióre Gefühl anſpreche, ro iſt ſie doch nur eine
Symbolie, welche nur dem Religiöſen verſtändlich , für
jeden andern aber gar nicht vorhanden iſt. Der eigenta
liche und wahre Beter iſt der Menſch , welcher vom Scho
pfer das unſchåßbare Geſchenk der Töne und Sprache er.
halten , damit er den Schöpfer preiſe , reine Brüder und
ſich ſelbſt zur Gottesfurcht auffodere, und für ſich und
Andere Hülfe und Beiſtand in den Nöthen des Lebens erá
flehe. Das Vermogen und die Bereitwilligkeit zu beten ,

- *) Die Vorſtellung: daß das Kreuges : Zeichen ( signum


crucis ) ein in der ganzen Natur und in den mannichfaltige
ften Erſcheinungen derſelben , uns dargebotenes Symbol rey ,
' , finden wir bei alten und neuer chriſtlichen Schriftſtellern fehr .
häufig . Schon Justin . Mart. ( Apol. I. S . 72 . ) 'ſagt : „ Das
Zeichen des Kreußes iſt der ganzen Natur überall eingedrückt.
Es iſt beinah kein Handwerksmann , welcher nicht die Figur .
. . si deſſelben ' unter ſeinen Inſtrumenten braucht. Selbſt der
Menſch hat ſie an ſich ſelbft , wenn er Teine Hände zum Ges
bete ausbreitet. " Ferner Minut. Felix Octav . c . 29 : ,, Das
Kreuz beten wir nicht an ; aberwir Tcheuen es auch nicht. -
Selbſt die Natur ſcheint uns dieſe Figur einzuprågen. Wir :
haben ja ein natürliches Kreuz auf jedem Schiffe , deffen Se:
gel ausgeſpannt ſind ; oder , wenn man ein Joch aufrichtet ;
oder, wenn der Menſch mit ausgebreiteten Armen zu Gott
betet. So iſt das Kreuz theils in natürlichen Verhältniffen ,
theils ſelbſt bei Eurer ( heidniſchen ) Religion zu finden . "
Mgr. Athanas. adv. gent. c . 1. 1 . a .
über Gebet und Gefang.
iſt der Vorzug des Menſchen . Das Gebet war, nach
Tertulian's Bemerkung, zu allen Zeiten den Menſchen
heilſam und bewirkte Wunder - Dinge. Aber erſt das
. Chriſtenthum hat die wahre. Natur und Kraft des Gesa ;
betes offenbaret. Das Gebet des Chriſten treibet die
Verſuchung zurück , tröſtet die Kleinmüthigen und erfreuet
diejenigen , welche guten Muthes, ſind. Das Gebet iſt
die Mauer des Glaubens , Wehr und Waffen wider den
Feind , welcher uns allenthalben auflauert. “
Der Gefang iſt zunächſt nichts weiter , als eine
feierlichere Art des Gebetes . Als ſolches iſt er aus dem
júdiſchen Dempel und der Synagoge unmittelbar in B
Chriſtenthum übergegangen. Das reben wir an den
dorologiſchen Formeln , an den Antiphonen ,
Collecten , Choren u. f. 1 . Dieß erhellet aus der
ganzen Pralmodie und dem Gebrauche , welche von
den ålteſten Zeiten her in der chriſtlichen Kirche von der.
ſelben gemacht wurde. Dieß endlich wird deutlich aus
der kirchlichen Gewohnheit , das Gebet des Herrn ,
das Glauben 8 . Bekenntniß , die Evangelien
und Epiſteln , die kitanen u . f. w . , in den chriſtlichen
Verſammlungen nicht bloß bérzubeten , ſondern auch ab .
jufingen *) .
Dieſe Sitte iſt nicht bloß der rómirch - katholia
fchen Kirche, ſondern auch der orientaliſch , griechiſchen
eigen . Bei der Reformation haben die lutheraner
und Epifco palen in England fie gleichfalls beiber
halten und bringen ſie , in der Regel und nur hin und
wieder mit Ausnahmen oder Modificationen , bis auf den

* ) In der auch von Luther beibehaltenen Préfation vor der


Confecration des Abendmahls werden bekanntlich die Worte :
Laßt uns beten ! nicht recitirt , ſondern wie das folgende
Bater - unſer und die Einſeßungs : Worte abgeſungen . . .
Einen fprechendern Beweis von Identität des Gebets
und Gefangen kann es ſchwerlich geben !
14 Allgemeine Bemerkungen :

heutigen Dag in Ausübung. Blog die reformirte


Kirche' und die fich derſelben anſchließenden kleineren
Sekten haben hierin eine Ausnahme gemacht, und zwar
nicht den Tirchen . Gefang überhaupt, aber doch dieſe
uralte Form des Sing . Gebets oder Gebets. Sina
gen verworfen * ).
. .. Als die feierlichſte Art des Geſanges ward von jes
her der $ ymnus betrachtet. Er iſt gleichſam ein tied
im höhern Chor. ' Es iſt nicht der einzelne Beter ,
welcher für ſich und für reine Perſon das Lob Gottes vers
fundet oder das Gelübde des Gehorſamis ausſpricht; es
iſt nicht der Prieſter , welcher als Stellvertreter der Ges
meine im Namen aller ſpricht und das gemeinſchaftliche
Dpfer des danferfüüten Herzens darbringt; ſondern es iſt
die Gemeine ſelbſt , welche hier mit Einer Stimme
den Herrn preiſet. Es iſt die höchſte Gluth der Undacht,
deren die menſchliche Bruſt fåhig iſt. Es iſt der Ton aus
einer andern Welt; der Wiederhaul von den Preis . Ge.
Fången , welche die Chöre feliger Geiſter dem Herrn der
Geiſter anſtimmen . Es iſt das Dreimal beilig der
Seraphim ( Sef. 6, 1 – 4 .) und das neue Lied vor
dem Throne, welches niemand lernen kann , als die
Hundert und vier und vierzig Tauſend , welche erkauft
Find von der Erde. ( Offenbar. Joh . XIV , 3 . 4 . .).

* ) Die bekannte Handlung Zwingli' s , daß er vor der ,


Raths : Berſammlung zu Zürich ſeine Bitte um Abſtellung
der Mefle abrang, mag durch die Verhältniſſe der Zeit und Pers
fonen hinlänglich entſchuldigt revyt; aber man ſollte doch auf
tören , darin ein 'r,ausgezeichnetes Reformators . Talent " gu '.
bewundern . Wahrlich , wenn der watere Zwingli ſonſt nichts
gethan håtte , ſo würde er ſeinen Ruf als Kirchen - Verbeſs :
ſerer ſelect begründet haben , und man dürfte ſich verſucht
fühlen , dem Herfaffer der Memoires de Brandenbourg
( edit. Berol. 1789. p . 26. ) beizuſtimmen : das auch hier die
Reformation , l 'ouvrage d ' une chanson " gewe
Ten fey ! .
über Gebet und Gefang.
: Schon Gregor. Nazianz. (ópoi naguuspers edit. Hoe
schel, v. 142.) fingt :
'Επαινος εστίν εν τι των εμών φράσαι,
" Αινος δ' έπαινος εις Θεον σεβάσμιος,
' 0 $ üuvos, divos šupsins, ws oľouai. '
Chryfoftomus (Homil. IX . in ep. ad Coloss.)
drůdt fich über das Verhältniß der Pſalme und Syma'
nen ſo aus : ór woduoi nóvta éxovoi , oi de ülla.
VOL. I alev, oud é v avtoonivov; und er meint
nicht bloß das Objekt ; denn er nennet die Symne auch in
derſelben Stelle : TELÓTepov npãyua -*).
In keiner Stelle, wo vom Zuſtande im anderen
Leben und von den Beſchäftigungen der Frommen gem'
redet wird , findet man etwas vom Gebete; aber deſto ..
mehr von lobs Gerången und dem ewigen Hal.
lelujah der Seligen . Die Erde iſt das Land des
Gebets , beſonders der Bitte , wegen der vielen Bedürfs .ai
niffe des armen Erden : Lebens. Aber im Sinnel, wo :
jede Thräne abgetrocknet wird , und nicht leid , noch !
Geſchrei, noch Schmerz mehr ſeyn wird (Offenbar. XXI,
4 . ) , ertonen nur Lieder des Dankes und der Freude. .
In materieller Sinſicht iſt zwiſchen Gebet und Gc.
Yang durchaus kein Unterſchied . Zweck und Abſicht, Se='
genſtand und Inhalt, Wirkung und Folge find bei beiden
dieſelben . Die chriſtliche Gemeine, welche in ihrer Zus
Tammenſeßung , nach dem Ausdrucke der Alten , nur
Eine Perſon ausmacht und wo due für Einen gleichſam
wie bei einer sponsio et cautio in şolidum ) handeln , ers
klårt, gleichviel ob betend oder fingend , ihren Glauben

* ) Nach Hoſchetos Conjectur follman: TEXELOTEPOV


çl npayua leſen : perfectius quid . Uber auch dann hålt !
Chryſoſtomus, die Hymne für den höchſten Grad der Gottes:
verehrung , worin die Menſchen mit den Engeln und hdheren
Geiftern fich vereinigen . :
Aðgemeine Bemerkungen
an Gott und ihre Ergebung in ſeinen Willen , oder , mit
andern Worten , fie erklårt ihre religióre Geſinnung ;
oder , fie bittet für ſich oder - Andere um leibliche oder
geiſtliche Güter ; oder ſie flehet um Gnade und Sünden
Bergebung in ihrem und anderer Glåubigen Namen ; oder
fie ſtimmt Dank. Gebete und koblieder an, ,für gefuns
dene Kettung und bewieſene Gnade ; oder fie fodert über.
baupt zum Preiſe der göttlichen Majeſtåt auf; oder fie
. : ſpricht das Gelübde eines frommen Sinnes und Ban .
dels vor Gott aus. Kurz, es iſt Ein Geiſt, welcher
- die Gemeine zum Singen oder Beten treibet. .
Betrachtet man nun aber den Inhalt der chriſtli
chen Gebete und Gefänge, wie ſie in der Kirche aufber
wahret find , nåber , ro ergiebt fich leicht, daß das
Charakteriſtiſche derſelben hauptſächlich auf folgenden :
Punkten beruhet:

Jedes chriftliche Gebet und Lied iſt ein Bekennt.


niß des Monotheismus und feßt den Glauben
an Einen Gott voraus , gang ſo , wie es der foge:
nannte chriſtliche Glaube (das .Credo ) ausſpricht:
Wir glauben all' an Einen Gott,
Schópfer Himmels und der Erden u . . 10.

genſaß mit dem heidniſchen Polytheismus , welcher das


pantheiſtiſche Deos Deasque veneror fodert, oder
erſt die Gottheit , oder den Halb . Gott , oder die Halbs
Göttin , welche man anrufen will , namentlich angeben
niuß , damit kein Irrthum und keine Colliſion der Be.
börden entſtehe! Dagegen iſt hier vollkommene Harmonic
mit dem Judenthume und deren erſter Foderung : Sore
Israel. der Herr unſer Gott iſt ein einziger
Gott u . r. w . Nicht minder ſtimmt die Religion
: Jeſu freundſchaftlich zuſammen mit dem Grundgeſebe, -
C i über Gebet und Geſang i 17.
welches der foran (Sur. 112, 1. tt. A .) mit den
Worten aufſtellet : . . . .
Sprich : Allah iſt Einer ; .!
Nur Er iſt Gott, ſonſt Reiner!

Gde
Deshalb nennt auch Muhammed den Islamismus : 5
die Religion der Einheit und behauptet , daß
keine andere Religion einen ſo reinen Unitarismus lehre,
. als die Mittel - Religion der Patriarchen . Keine Litur.
gie hat ſo viel Formeln aufzuweiſen , als die muham .
medaniſche ; aber eben deshalb hat auch keine ſo viel Eins
förmigkeit, als dieſe , wo das dreifache A . (nämlich ;
Allah , Ahad , Acbar ) ro oft wiederkehret , daß viele
Gebete faſt nur aus dieſen Worten und aus dem Epithes:
ton : Malic (Kónig ) beſtehen * ).

' II.

i elle Gebete und Gefånge in der chriff .,


lichen Kirche find an den dreieinigen Gott
i gerichtet, oder reßen doch das Bekenntniß
der 6 . Dreieinigkeit voraus . Hierin unters

. . ) ueber ſolche Gebets : Formeln vgl. Henning. Hennin . '.


gii Muhammedanus precans. Sleswigae 1666 . 8 . Der
Verf. bemerkt p . 528 : „ De Deo uno et unico perpetuus
est sermo Muhammedanis , ita ut hujus unitatis
cum in precationibus eorum , tum in Alcora
no vel plus millies fiat mentio . Excludunt au
tem a Deo hac formula non solum Deos gentiles et
quaecunque idolorum simulacra (ut partim Sur. IX . et
XII . , partim aliis locis in Alcorano videre est ) , sed et
secundam ac tertiam S . S . Trinitatis personam . Atque
haec est praecipua causa , cur toties loquantur de Deo
uno et unico , ,nimirum in odium Christianos ?
rum , ut eos hac ratione tacite sugillent , falso sibi per i
suadentes , quia tres credunt personas Christiani, tres
quoque ab illis credi Deos. “
Fünfter Band. : :
udgemeine Bemerkungen

fcheidet fich das Chriſtenthum von allen andern Haupt :


Religionen des Alterthums auf eine weſentliche Urt * ).
Gegen das Heidenthum verwahrt es ſich durch
die ſtets wiederholte Verſicherung : daß es allen Polye
theismus verwerfe , und daß die Trinitat durchaus fein
Tritheismus rey . Man muß, wenn man dieſe håu.
figen Verſicherungen der Apologeten vernimmt, wenig .
ſtens ſo viel einräumen , daß die Chriſten , durch ihre
Verehrung des Vaters , Sohnes und heiligen Geiſtes,
nicht die Anbetung dreier Götter einführen wollen .
Den Unterſchied zwiſchen dem Juden - und Chriſtens
thumein dieſer Beziehung finden wir bei Tertull. adv.
Praxeain c. 31.mit folgenden Worten angegeben : „ Ju
daicae fidei est, sic unum Deum credere , ut Fi
lium ei adnumerare nolis , et post Filium , Spiri
tum Sanctum . Quid enim erit inter nos et illos
nisi differentia illa ? Sic Deus voluit novare Sacra
mentum , ut nove unus crederetur per Filium et Spi
ritum , ut coram jam Deus in suis propriis nominibus

* ) Was es auch mit der von Witſius , Jablonsky , Wo:


gel, preſſing u . a. Gelehrten dargeſtellten å gyptiſchen
Iriaden : Lehre für eine Bemandniß haben mdge, ſo hat
doch bis jeßt noch keine Collectiv - Berehrung nachgewieſen
werden können , ſondern Pytha , Oneph und Neitha er :
ſcheinen zwar als verwandte und verbundene, aber im Culs
tus doch getrennte Gottheiten , wovon jede ihre Tempel,
Altåre , Fefte u. f. w . hat.
Dagegen kommt die Irimurti Indien ' s am nächſten ,
indem die Indiſchen Religions: Bücher. ausdrůdlich lehren :
,, Das Brama, Wischnu und Schiwen nur drei Formen
des einen göttlichen Weſens find , und daß an eine der dret
Formen im Gebete fich wenden , fo viel Ten , als ſich zu allen
..dd .. 5 . zum höchſten Gott wenden . Sie lehren , daß kein wahs
rer Unterſchied Statt finde und daß es , wenn es ſo ſcheine,
nur eine J & uſchung ren. “ Man vgl. Wagner ' s Ideen
zu einer allg . Mythologie ; friedr . Schlegel' s Weiss
heit der- Indier. p . 108. ff. 3 . a.
.. . über Gebet und Gefang. 19
et personis cognosceretur, qui et retroper Filium et
Spiritum S . praedicatus non intelligebatur. “ Mit
dieſer Unſicht ſtimmen auch Sieronymus , Auguſtinus,
Cosnias Indicopleuſtes u . a. überein . Die jüdiſchen
Dogmatiker und Polenifer drücken ſich in der Regel ziems
lich ſchonend über die chriſtliche Trinitats - Lehre aus,
und M a imonides erklärt ſie in der Schrift More
nevochim für den alten Grund. Charakter des
Chriſtenthums.
Wie man fich von Seiten der chriſtlichen Apologen
ten , Dogmatiker und Polemiker bemüht habe , in den

· Juden , in ihren Gottes. Namen , Dorologien , Epiphos


nen ú. .f. w . die. darin verborgen liegende Irinitát nach ,
zuweiſen , und alſo den Juden , wider Wiſſen und Wils
len , das Bekenntniß des dreieinigen Gottes unterzuſchies
ben , fann man unter andern aus Jo. Henr. Maji .
Synopsis Theologiae Judaicae vet. et novae. Gies.
1698. 4 . p. 29 5 6. (beſonders p . 47 - 48,
wo von den 3 Namen , Formen und Graden gehandelt
wird ) erreben .
Mit den Muhammebanern beſtehet feit dem
Urſprunge des Jslamismus die Fehde über die Drei.
beit in Ⓡott, wie ſich der Koran ausdrückt. Ihr
follt nicht ſagen Drei, (ſpricht Muhanimed ). Ent.
haltet Euch dieſes Ausdrucks, Úlah iſt der Einzige;
fern alſo rep es, ihm einen Sohn beizulegen . '' Sur.
IV , 169. 70. Ferner: „ Die Ungläubigen ſprechen :
udah iſt der Dritte von Dreien . Es iſt aber
kein Gott, außer udah.“ Sur. V , 82. vgl. V , 125. ff.
Wie fich Muhamined die chriftliche Trinitåt vorſtellte , iſt
ch . III S . 52 - 54. näher angegeben worden . Er
hatte ſonſt eine ziemlich günſtige Meinung von den Chriſten
und hielt insbeſondere den Stifter ihrer Religion , wels ,
chen er aber von dieſem Irrthume gånzlich freiſprach, für
einen wahren Geſandten Gottes und aller Ehre werth ;
B2
udgemeine Bemerkungen
aber die Lehre von der Dreieinigkeit erklärte er für einer . -
grobén Irrthum , für eine freche Lüge, ja , ſelbſt für
eine offenbare Gottes - Låſterung.
- Nicht bloß im Koran wird dieß oft wiederholt, fon.
dern auch in andern muhammedaniſchen Schriften . Hoto
tinger (Histor. Orient. p. 221. ) führt aus der
Sunna (Tradition) folgende Aeußerung an : " Man wird
am Auferſtehungs , Tage die Chriſten fragen : was war .
der Gegenſtand Eurer Verehrung (ma contom tâb
dun ) ? Sie werden antworten : wir waren Verehrer des
Meffias , des Sohnes Gottes. Hierauf wird ihnen zur
. Antwort : Ihr lüget ! Gott hat keinen Gefährdten (Zah
bah , socium , Senofſen , Theilnehmer f. Gottheit) und
keinen Sohn." Die chriſtlichen Apologeten Johannes
Damascenus, Theodorus Ubukara , Nicol.
Curanus, Marraccius , u . a . führen dieſe Vors
würfe der Muhammebaner an und ſuchen die Ungerechtig ,
teit derſelben zu beweiſen .
Außerdem batte die katholiſche Kirche ihre Udoration
der Trinität gegen die zahlreichen Håretiker zu ver.
theidigen , welche dieſe kehre verwarfen und daher den
gemeinſchaftlichen Namen Unti . Erinitarier erhals
ten haben * ). Die átteſten hierunter waren die Pas
tripafrianer , wie Tertullianus die Anhänger des
Praxeas nennet , welche die Pluralitåt im göttlichen
Weſen läugneten , und ſich Monarch iften ( d. h. Vers
ehrer des Einen Gottes ) nannten . Sie erklärten die
Anbetung des Sohnes und heiligen Geiſtes für Duotheis.
· mus oder Dritheismus und behaupteten , daß die Trini.

* ) In den Actis Concil. Carthag . a. 256 , n . X . wird erklårt :


„ Ecclesiae catholicae veritas semper apud nos et man
sit et manet , et vel maxime in baptismatis Trinitate,
Domino nostro dicente: Ite et baptizate gentes in no
mine Patris et Filii et Spiritus Sancti. Cum ergo mani.
feste sciamus , Haereticos non habere nec Pa .
trem , nec Filium , nec spiritum Sanctum “ etc.
über Sebet und Gefang.
tắt ber fich ro nennenden katholiſchen Kirche eine ganzuns
vernünftige Lehre ren . Tertull. adv . Praxeam c. 3 .
drückt ſich hierüber mit folgenden Worten aus : „ Duos
et tres jam jactitant a nobis praedicari, se vero
unius Dei cultores praesumunt, quasi non et
unitas inrationaliter collecta haeresin faciat; et trini.
tas rationaliter expensa veritatem constituat.“ Dera
ſelbė Schriftſteller nennet recht bedeutungsvol die Kirche
mden Kórper des Vaters , Sohnes und bei. ;
ligen Geifte 8 , " um dadurch anzuzeigen , daß dieſe
Verehrung der chriſtlichen Kirche weſentlich und vor ans
dern Religionen eigenthümlich rey * ). . . ;
Die Sabelliancr waren keine Anti- Trinitarier ,
· indem ſie vom Bater , Sohn und Geiſt redeten und fie . .
anbeten lehrten , aber nicht als drei Peč rone ato
( TpEiS ÚTOOTUGELS ) ſondern als drei for å fte
( TOELS dúvquets dQETOL) oder manifeftationen
und Formen des gåttliden Werens ( TOELS ,
ovouaoidi ). Die Anbetung des dreieinigen Gottes war
daher bei ihnen nur eine nominale oder ideale ; und die
Alten erklärten ſich rehr nachdrücklich gegen dieſen Ideas
lisnius. ' i .
Die Gnoftifer und Manichå er nahmen zwar
ebenfalls eine Trinitåt an ; ja , nach Einigen haben ſie
ſogar in dieſer Lehre nichts Reßeriſches behauptet. Dena
noch fan dieß nicht zugegeben werden ; wenigſtens gab es
unter ihnen einzelne Setten , (beſonders die Marcioni .
ten ), welche von den Alten wegen ihrer Irrthümer in .
pieſem Punkte heftig getabelt werden . In dieſer Sin .

* ) Tertull. de bapt. c. 6 . : „ Quum autem sub tribus et


testatio fidei et sponsio salutis pignerentur , necessario
adjicitur Ecclesiae mentio , quoniam ubi tres i. e. Pater,
Filius et Spiritus Sanctns, ibi Ecclesia, quae trium
corpus est. “ Vgl. de orat. c. 2., 100 er von der Kirche
in dieſer Beziehung den Namen Mutter braucht.
en
29 Augeincine Bemerkung

ficht verdient die Heußerung des Dionysius Roma ,


nus, wie fie Athanasius de decret. Syn. Nicen.
p . 275 . aufbewahrt hat, angeführt zu werden . Diony.
fius ſagt : „ Ich muß gegen diejenigen ſprechen , welche
die ehrwürdige Lehre der Kirche von der Monarchie auf
heben und trennen , indem ſie drei Hypoftaren und
abgesonderte Gottheiten annehmen . So ſollen,
wie ich höre , einige Eurer Lehrer die Sache vortragen .
Dieſe ſtehen geradezu dem Lehrſage des Sabellius
entgegen , welcher den Sohn den Vater ſelbſt nennet
( Beide identificiret ). Sie predigen gewiſſermaßen drei
Götter , indem ſie die heilige Mones in drei fremde, gånga
lich von einander abgeſonderte Sopoſtaſen eintheilen .
Nothwendig muß mit dem höchſten Gott der göttliche los
gos verbunden werden . Der h . Geiſt muß dann auch
neben den höchſten Gott gereßt werden , ro daß die heilige
Trias gleichſam auf einen Gipfel, nämlich den höchſten
Gott , den Weltbeherrſcher , zuſammenlaufen . Denn es
iſt der Lehrfaß des unſinnigen Marcion 's , die Mos
narchie in drei Grundweſen ( dexas ) zu theilen – eine
teufliſche, nicht aber für folgfame Júngér Jeſu anſtåndige
Lehre. Denn dieſe wiſſen , daß zwar die Trias in
der heiligen Schrift gelehrt wird , daß aber
weder das alte noch neue Teſtament drei
Góttér lehret. "
Gegen die Arianer , Macedonianer u . a .
war nicht ſowohl die Trinitats : Lehre überhaupt, welche
fie nicht Bermarfen , zu vertheidigen , ſondern bloß die
Ünrichtigkeit ihrer Subordinations : Theorie in
9ητεβung be8 λόγος μην πνέυμα αγιον 1 betreiten.
Daher ward zu Nicåa (325) und zu Conſtantinopel (381)
( nicht nur die Somoufie ) dieſer beiden Hypoftaſen
mit Ber erften ( ομοούσιον τω πατρι και υιω ) bertheis
diget, ſondern auch auf das : OVVTI O O OXUVOV U E –
νον και συνδοξαζομενον ( gleider Mfnketing
und Ehre theilhaftig ) ein beſonderer Nachdruck gelegt:
über Gebet und Gefang. "
Hierbei erhielt auch der ſo lange fortgeführte , und noch
jeßt nicht aufgegebene, Streit' zwiſchen Griechen und
Sateinetn uber δις εκπορευσις έξ ( s. απ') αμφοτε--
pov ſein eigentliches Moment. Die in die orienta :
liſch • griechirche Liturgie aufgenommene : Unrufung
des heiligen Geiftes ( énixanois TvEVMATOS
dyrov ), wogegen an ſich nichts zu erinnern ſeyn konnte,
wurde in der abendländiſchen Kirche ſtets als ein Verſtoß
gegen die Analogie und Dekonomie , und als Beweis ei.
ner hier nicht zu duldenden Dreunnng ( dialpeol ) gee
mißbilliget.
In allen Streitigkeiten mit den Håretifern ſuchte
die katholiſche Stitche die Trinitåts : Lehre in ihrer ganzen
Integritåt zu vertheidigen . Unſere Hoffnung , ſagt
Cyrillus von Ierufalem ( Cateches. XVI.
C. 4 . ) , iſt auf den Vater, Sohn und h . Geiſt geregt.
Wir fündigen nicht drei Götter an (die Marcion iten
müſſen verſtummen !), ſondern wir fündigen mit dem
b . Geiſte , durch den einzigen Sohn , Einen Gott an .
Der Glaube iſt ungetheilt , ungetheilt die Frómmigkeit.
Wedes trennen wir die 5. Dreiheit , wie Einige thun ,
noch vermiſchen wir ſie , wie Sabellius; ſondern wir
kennen mit Frómmigkeit einen Pater , welcher uns den
Sohn zum Erlöſer geſendet ; wir kennen einen Sohn,
welcher verſprochen hat, uns den Tröſter vom Vater zu
fenden ; wir kennen den h . Geiſt, welcher durch die Pros
pheten geredet hat, und am Pfingſt - Feſte auf die
Apoſtel in Geſtalt feuriger Zungen herabgeſtiegen iſte
hier zu Jeruſalem , " in der obern Kirche der Apoſtel.
Denn alles Merkwürdige hat sich bei uns ereignet.“
Bei dicſer ſo entſchiedenen Tendenz der alten Kirche,
die Trinitats - Lehre zur Unterſcheidungs , Lehre des
Chriſtenthums zu erheben , darf man ſich nicht darüber
wundern , daß das Bekenntniß derſelben bei jeder Gelea
genheit, beſonders aber bei der Doxologie , Pralmodie
und Symnologie wiederholt wird. Daß die bekannte
Allgemeine, Bemerkungen
Doxologie : Ehre und macht ren Gott dem V a : .
ter, und dem Sohner unſerm Herrn Jeſus
Chriftus, fammt dem heiligen Geifte , von
Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen ! (Tô & Q notoi,
και υιώ τω Κυρίω ημών Ιησού Χριστώ , συν τω.
αγίω πνεύματι, δόξα και κράτος εις τους αιώνας
Tõv aivov, durv ) bei jeder gottesdienſtlichen Vers
ſammlung geſprochen und faſt mit allen einzelnen liturgis
ſchen Handlungen verbunden wurde, wiſſen wir aus vie .
len hiſtoriſchen Zeugniſſen undaus allen liturgiſchen Samni.
lungen und Agenden von den apoſtoliſchen Conſtitutionen
bis auf die Liturgie des h . Bafilius , Chryſoſtomus , Ges
laſius , Gregorius X . und den ſpåtern nach und aus
ihnen zuſammengeſeşten Ugenden . Die Alten beſchloſſen
damit jeden homiletiſchen und katechetiſchen Vortrag, wie .
wir noch aus allen Ueberreſten in der griechiſchen , fyris .
ſchen und lateiniſchen Kirche erſehen . :
Mit welcher Pünktlichkeit und ängſtlicher Genauigkeit
man hierbei verfuhr, iſt unter andern aus B a sil. M .
de spiritu sancto àd Amphil. c. 25 – 29. zu erſehen .
Hier handelt er ſehrweitläuftig über die Dorologie und
über die ſtreitig gewordene Formel : Ôn , die und
ouv, welches lektere er für das richtigere bált. Er ſagt :
strir brauchen beide Formeln ( dià und ouv ) , die lege'
tere aber dient beſſer dazu , uns von den Gegnern zu un.
i terſcheiden . Wenn ich ſage: dem Vater, rammt dem
Sohne und heiligen Seif , ſo ſage ich damit ſo
vicl, als Vater und Sohn und heiliger Geift. Wenn
ich rage: Paulus und Sylvanus und Dimo.
theus , To ift's eben ſo viel , als wenn ich ſpråche :
Paulus
P " ram mit dem Sylvanus und Timotheus. Allein
es iſt hier nicht von einer Sylbe oder Partifel, ſondern
von der Sache die Frage. Daß aber ſchon unſere Våter
fieber den Ausdruck rammt ( ovv ) gebraucht haben , iſt
um des Sabellius willen geſchehen ; denn es liegt
in dem Uusdruck ein gutes Zeugnis von der fteten Vereis
åber Gebet und Gefang: - 25

nigung des Baters und Sohnes , außerdem , daß auch


das Eigenthümliche der Hypoſtaſen dadurch bezeichnet ift.
Will man aber lieber dafür fagen : Vater und Sohn,
ſo werden wir nicht widerſprechen . Aber fie larren
lieber alles , als ihre Ausbrücke , die ſie
einmal ang enommen haben , fahren ; und fie
ftreiten unaufhörlich dafür, daß man Gott im heiligen
Geiſte , aber nicht dem heiligen Geiſte Preis und Ehre
und Herrlichkeit geben müffe. " ( R . 25 ).
Dieſe Stelle iſt von der größten Wichtigkeit; 'bec
ſonders weil wir aus der legten Heußerung erſehen , daß
es ſchon im vierten Jahrhunderte Erſcheinungen liturs
giſcher Léngftlichkeit und Hartnäckigkeit gab, wie wir :
fie im rechzehnten und ſiebzehnten Jahrhunderte, bei den
liturgiſchen Controverſen in Deutſchland, Helvetien ,
Holland , England , Frankreich , Schweden u . f. w . nur
immer finden !
.: Die Berehrung der Dreieinigkeit im öffentlichen : :
Gebete war im vierten und fünften Jahrhuuderte ro all
gemein , daß man auch in den Fåden , wo bloß das einfache
Wort Gott gebraucht wurde, eine Anbetung des
dreieinigen Gottes vorausſekte *) . Ja , man
nahm hierbei eine vodkommene Stellvertretung und Cols
fectiv . oder vielmehr Communicatio - Form an und bes
hauptete : daß jedes Gebet , welches an eine einzelne
Perſon der Gottheit gerichtet fen , dennoch als- an die

* ) Dieſe Vorſtellung zeigt ſich am deutlichften in der Erklärung


der alten Kirche: da jedes Gottes : Baus , oder firche
(NvQlaxn Oluos , Dominica) dem dreieinigen Gott ge
weibet Ter . Eben ro nahm man an : jeder Sonntag (Do
minica ) und jedes Feft in der Chriſtenheit werde zu Ehren
bes. dreieinigen Gottes gefeiert. Eben deshalb wollte man
ja auch ſo lange Zeit von einem beſonderen rinit åts .
Fefte nichts wiſſen . Hieher gehört auch der dogmatiſche
trhrran : Opera Dei ad extra sunt communica- .
tiva h . e. omnibus personis communia ,
26 Allgemeine Bemerkungen
ganze h. Dreieinigkeit gerichtet, angeſehen werden müffe.
Durch die Statuten der Synode zu Hippon in Afrika
( im I . 397. can . 21. S . Fuchs Bibliothek der Kirs
chenverſamurlungen . Th. III. S . 78 ) wurde verordnet :
In den Gebeten ſoll niemand den Vater für den Sohn,
oder den Sohn für den Vater nennen . Bei dem Ul.
tare foll das Gebet immer an den Vater geo
richtet werden ( cum altari adsistitur, semper ad
patrem dirigatur oratio ) In dem Concil. Carthag.
a. 525 ., wo die Sippon'ſchen Statuta beſtåtiget wer. '
den , heißt es : ,, Sed ad patrem semper dirigatur
intentio, et ipsae preces cum prudentioribus discu .
tiantur , “ d . 6 . man roll ſich nur ſolcher Gebets : For.
meln bedienen , welche zuvor von Einfichtsvollen und
Sachverſtändigen gebilliget worden ſind. Ueber Grund
und Beranlaſſung dieſer Verordnung weiß man nichts
Nåheres auzugeben ; um aber Mißverſtändniſſe zu vers
hüten , gab Fulgentiu 8 , Biſchof von Ruspe in
Afrika , eine Erklärung hierüber, welche allen Anſtoß bes
feitigen mußte. Er ſagt: „ Si qui catholici fideles hu
jus sacramenti nunc usque videantur ignari, deinceps
scire debent , omne cujuslibet honorificentiae et sacri.
ficii salutaris obsequium et Patri et Eilio et Spiritui
Sancto , hoc est , sanctae Trinitati ab Ecclesia catholica
pariter exhiberi. In cujns utique uno nominemani
festum est, sanctum quoque baptisma celebrari. Neque
enim praejudicium Filio vel Spiritui San .
cto comparatur, dum ad Patris personam .
precatio ab offerente dirigitur: cujus
consummatio , dum Filii et Spiritus S .
complectitur nomen , ostendit, nullum
esse in Trinitate discrimen . ' Quia dum ad
solius Patris personam sermo dirigitur , bene creden
tis fide tota Trinitas honoratur; et quum ad Patrem
litantis destinatur intentio , sacrificii munus omni
Trinitati uno eodemque offertur litantis officio . “ S .
über Gebet und Gefang.
Fulgent. Rusp. ad Monimum ' lib. II. c. 5 . edit. ,
Basil. 1621. p . 328.
- Uebereinſtimmend hiermit iſt, was Basil . M .
( de Spiritu sancto ad Amphil. c. 12.) über den Uma :
ſtand : daß im N . I . zuweilen von einer Saufe auf
Chriftus ( oder den Todt Chriſti), ohne des Baters
und heiligen Geiſtes zu erwähnen, die Rede Peny, bemerkt
hat. Er ſagt nämlich : ,,Wenn auch nur Chriſius
allein genannt wird , ſo iſt ' s doch ein Be.
fenntniß vom Ganzen, ( tov TavtOS &OTIV Quoc
aoyic ); denn es begreift und zeigt den Gott, welcher
geralbt hat , den Sohn , welcher geſalbt worden , und
den heiligen Geiſt, welcher die Salbung iſt. Doch fin
det ſich audy, daß nur des Heiligen Geiftes bei der
Laufe Erwähnung geſchiehet , wie 1 . Cor. XII , 12 :
wir ſind alle zu einem Geifte getauft; und in
der Apoſtelgeſchichte : Er wird Euch mit dem : h .
Geifte taufen . Wenn bei der Taufe den Geiſt vom
Vater und Sohn zu trennen , für den Taufenden mißs .
lib , und für den Getauften unnůß iſt, wie kann man
beim Glauben und in der Lehre eine ſolche Trennung vor. . .
nehmen ?" Daffelbe ragt Ambros. de S. S. lib. I.
6. 3 : „ Nomine Christi tota sacrosancta
Trinitas exprimitur. " ,:
Dergleichen Erklärungen findet man bei den Alten
häufig , und es iſt die zuverläſſigſte Chatſache, daß die .
alten Gebets . Formeln und Geſänge die Chriſten als eis
frige Trinitarier darſtellen . Daher behauptet auch
Bingham Orig. T. V . p . 67. mit vollfomimenſten
Rechte : „ Ex omnibus planum et perspicuum est , tres
personas S. S . Trinitatis jam inde a primis jactis fun
damentis ecclesiae christianae divino honore cultas
fuisse et adoratas, neque adeo religiosam Filii et Spiri
tus Sancti, tanquam Dei, venerationem in ullo poste .
xiorum saeculorum inventam esse vel additam . "
: : 28 Allgemeine Bemerkungen
Auch in der ſpåtern iKirche
e hat das Bekenntniß der
Trinitåt dem öffentlichene r Gebete nie gefehlt , und die
e bog
Ausnahmen von di dieſer Regel kommen relten vor * ). Die
Proteſtanten insbeſondere ſtanden in dem Verdachte,
daß man ihnen die Grundſåße von Campanus, Genti
lis , Socinus, Blandrata u . a . Anti Drinitarier imputi:
ren könne, eine beſondere Auffoderung, in ihrem Cultus
die Trinitats : Lehre beſonders hervortreten zu laſſen .
Deshalb legten ſie auch dem Drinitåt 8 . fefte eine
höhere Wichtigkeit bei , als man , bei dem ſpätern Úrs ?
fprunge deſſelben , vermuthen follte.
: III,
. Hicher gehöret auch das Gebet an Chriſtus ,
ſo wie das Gebet im Namen Jeru , wodurch fich
die chriſtliche Kirche gleichfalls von allen andern Religio.
nen auf eine ro charakteriſtiſche Art unterſcheidet. Es
gilt hierbei, das eben Bemerkte , und jedes folche Gebet
oder Lied kann für eine Verherrlichung des Dreieinigen
Gottes gelten . Doch liegt hierbei noch eine tiefer lies
gende Abficht zuin Grunde. Die chriftliche Kirche will
dadurch zugleich ihr Bekenntniß der Lehre von der
Gottheit Chrifti und ihre Anſicht von der Pers
ſon des Heilandes an den Tag legen . Die kirchli
chen Gebete und Gefånge ſind ein lebendiger und fortlau
fender Commentar der logologie und Chriſtologiei

* ) Merkirürdig iſt die Heußerung der Quietiſten , welche von


. : J. A . Schmidt ( Quietismi Revolutio. Helmst. 1696. 4 .
p. 20.) mit folgenden Worten angeführt wird : „ In oratio
ne necesse est , subsistere in fide obscura et universali
cum quiete et oblivione omnis alias cogitationis parti
cularis et distinctae de attributis Dei et Trinitate , atque
ita coram Deo se sistere ad adorandum eum , sed absque
produetione actuum ; Deo enim satisfit hoc apparatu . “
Doch liegt hierin burchaus kein dogmatiſcher. Unti : Irini
tarismus .
über Sebet und Geſang. . . 29
Schon Plinius ( Epist. ad Trajan . lib . X . ep. -
97. ) redet von den Verſammlungen der Chriſten an einem
feſtgefesten Tage , ( stato die o. h. dem Sonntage ) in
der Abſicht , Chriftus zu verehren . Er ſagt: „ Quod
essent soliti stato die ante lucem convenire, car
menque Christo , quasi Deo , dicere 'secum
invicem . “ Man mag nun hier „ carmen dicere “
von einem Geſange, Hymnus u. f. w . zur Ehre des Stif.
ters , erklären , oder von einem Gebete , welches an ihn
gerichtet wird ( eine Bedeutung , welche carmen , wele
ches nicht ſelten für Sprud) , Formel zc. gebraucht
wird ,“ ebenfalls haben fann ), ro bleibt doch immer
Chriſtus, der Stifter der Religion und Kirche , bir Ges
genſtand der Berehrung. Und wollte man das „ quasi
Deo “ im ftrengſten Sinne nur für eine Vergleichung
und Apotheore nehmen , ro wiirde doch der Pro . Conſul ,
von dem Stifter des Chriſtenthums etwas ausſagen , was
ſonſt weiter in dieſer Art nicht vorkommt. Vgl. Dent.
würd , Th . IV. S . 32. - 34.
Der apoftoliſche Mann und Märtyrer Polykar .
pus von Smyrna fagt in ſeiner Epist. ad Philipp. c. 12 .
( edit. Coteler. T . II. p . 189.) : ,, Deus et pater Do
mini nostri Jesu Christi; et ipse sempiternus Pontifex ,
Dei Filius, Christus Jesus, aedificet nos in fide et
veritate , et in omni mansuetudine, et sine iracundia ,
et in patientia et longanimitate et tolerantia et casti
tate; et det nobis sortem et partem inter sanctos suos
et nobis vobiscum , et omnibus, qui sunt sub coelo, qui
credituri sunt in Dominum nostrum Jesum Christum , i
et in ipsius patrem . “ In dem Berichte, welcher Na. . .
mens der Gemeine von Smyrna über den Mårtyrera .
Lodt dieſes Mannes erſtattet ward, heißt es : ,, Was
für Lhoren find fie (die Verfolger ) nicht, daß ſie nicht
wiffen , daß wir Chriſtus , welcher , ein Unſchuldiger für
Súnder , für das Heil aller Menſchen , welche felig wer :
den wollen , geſtorben iſt, niemals verlaſſen , noch jemals
30 Hagemeine Bemerkungen
einen Unbern verehren können . Diefen beten wir
an , weil er der Sohn Gottes ift ( TOUTOV,
vlov O ' ta TOU Eov , AQOOMUVOVMev ) ; die Mår:
tyrer aber lieben wir , wie fie's verdienen (dyanw u sv
džios) , als Jünger und Nachahmer unſers Herrn,
wegen ihrer wohlwollenden und treuen Geſinnung gegen
ihren König und Meiſter . Möchten auch wir ihre Ges
noffen und Mit - Jünger werden !" ( Epist, eccles.
Smyrn. S . Euseb . hist. eccles. lib . IV . c . 15 . ). .
. . . : Drigenes redet in ſeiner Schrift wider den heid.
niſchen Philoſophen Celſus mehrmals von der Unbetung
Jefu , welche bei den 'Chriſten Gereß und Gewohnheit
rey Man . Contra. Cels. lib . V . p . 233 : , Alle uns
ſere Anliegenheiten , Gebete Fürbitten und Dankſagun
gen -müſſen wir an den höchſten Gott richten (narav den -':
σιν , και προσευχην, και εντευξιν , και
ευχαριστιαν , αναπεμπτεον τω επι πασι Θέω ) ,
durch den über alle Engel erhabenen Hos
hens Prieſter, welcher das lebendige ' Wort
und Gott iſt. Auch dieſem Worte tragen
wir unſere Anliegenheiten , Gebete und
Fürbitten vor “ u. r. w . Nach Lib . VIII. p .
1 385. hatte Celſus den Chriſten vorgeworfen : , wenn fic
(die Chriſten ) , außer den Einen Gott , feinen andern
· verehren , ſo zeigt ſich hierin vielleicht eine Verachtung
der andern Gdtter, Nun aber verehren ſie dieſen neu
erſchienenen Gott dennoch mit ( vuvi de Tov évayxos
JUVEVTO TOUTov 'ÚTofonoxeoVOL) ; und dennoch mei
nen fie ſich nicht gegen dieſen Gott zu verſündigen ,
wenn ſie a uch reinen Diener verehren &
και υπηρετης αυτου θεραπευθησεται ) . • ie
Antwort des Drigenes hierauf iſt diere ; or wenn Celſus
jenen Sprud : Ich und der Vater ſind eins ,
oder den Ausſpruch), welcher in dem Gebete des Sob.
nes Gottes vorkommt: gleich wie ich und Du eins
find , verſtande , fo würde er nicht wähnen , daß
über Gebet und Sefang.
wir einen andern , als den höchſten Gott, verehren .
Chriſtus ſpricht : Ich und der Vater find ein s .
Wollte dieß jemand ſo deuten , als ob wir uns, zu den :
jenigen binneigten , welche låugnen , daß Vater und Sohn
zwei Subſtanzen ſeyen , der erinnere ſich an den Ausſpruch :
Die Menge aber der Glå ubigen war ein
Herz und eine Seele ( Apoſtg. IV , 32 .) ; und
vergleiche dann damit den Spruch : Ich und der Va.
ter ſind eins . Wir verehren alſo , wie ichon ans
gegeben worden , Einen Gott , Vater und Sohn. Wir
beharren feſt in dem Widerſpruche gegen diejenigen , wels
che behaupten , daß wir außerdem noch meinen neu
erfchienenen , vorher nicht vorhandenen
Gott“ verehren . Denn wir glauben ihm , der geſagt hat:
Ehe denn Abraham war, bin ich ; ferner : Ich
bin die Wahrheit. Niemand unter uns iſt ſo vers
Fehrt, daß er fich einbilde , das Weſen der Wahrheit
(đangetas ouold ) rey nicht ſchon vor den Zeiten der
Erſcheinung Chriſti geweſen . Wir verehren alſo den
Vater der Wahrheit und den Sohn , die Wahrheit * ), . .
Zwei, der Perſon nach, Eins aber nach Uebereinſtimmung,
Gleichheit und Identitåt des Willens. Wer alſo den
Sohn fiehet, welcher iſt der Glanz feiner Herre
lichkeit und das Ebenbild reines Baters
( Hebr. I, 3 . ) , der fiehet in ihm , welcher dns Bild
.
.
Gottes iſt , Gott den Vater. Celfus wähnt, weil wir
Gott und ſeinen Sohn zugleich verehren , To folge daraus,
daß wir nicht Gott allein , ſondern auch deſſen Diener
verehren . Benn er annahme, daß wir die wahren

* ) Nath der Lesart: xal tov vlóv triv din decaV 8 . h . welcher
die Wahrheit ift, nach dem obigen Sprüche: ich bin die
Wahrheit. Die andere Lesart : tis áin elas, filium ve- ;
ritatis giebt zwar an ſich einen guten Sinn : dintès oder
dindivos, paßt aber nicht ſo gut zu dem unmittelbar vor:
bergehenden : Tòv matéga tñs eintéder
Üdgemeine Bemerkungen
Diener Gottes, nach dem höchſten Gott , Gabriel , Min
chael und die übrigen Engel oder Erf. Engel verehren :
Yo wiirden wir vielleicht , an dieſem Orte und nach unſes
rer Einſicht , etwas über den Geſichtspunkt , aus wel.
chem wir dieſen Gegenſtand betrachten , bemerkt haben .
Da er aber behauptet , daß wir folche Diener meinen ,
welche von den Seiden al8 Dåmonen angebetet werden :
To beziehet fich reine Folgerung nicht auf uns, die wir
durch das Wort Gottes belehret ſind , die Diener des
Bören , des Fürſten dieſer Welt , welcher , wen er vers '
niag, von Gott entfremdet , nicht zu verchren . - - -
Wir verebren nur den Einen Gott, und is
den Einen Sohn Gottes , das Wort und
Silo Gottes ; und wir verehren ihn, so viel
wir vermogen , mit aller Anbetung und
Ehrfurcht, indem wir dem Herrn des Welts
alls durch reinen Eingebohrnen unſere Ges .
bet'e barbringen . Wir bringen ſie zuerſt
.- ihm 'dar, indem wir ihn für w ůrdig halten,
daß wir ihm (welcher iſt die Verrohnung :
für unſere Sünden ) ,, als unſerm Hohens
* Prieſter , unſere Gebete , Opfer und fürs
bitten an den hód, ſt en Gott darbringent .
W ir reben alſo unſer Vertrauen auf Gott,
welche 8 rein Sohn in uns befefiiget . Cels
ſus bat daher keinen Grund , und in Bes
ziehung auf den Sohn Gottes eine Empós
rung (OTA GIV , Aufruhr wider Gott) vor .
i uwerfen . Denn wir verehren den Vater ,
indem wir ſeinen Sohn bewundern , welcher
Wort, Weisheit , Wahrheit , Gerechtigkeit
und alles iſt, was, nach dem uns mitges .
theilten Unterrichte, der Sohn Gottes, der
von einem ſolchen Bater Erzeugte ift . "
: Dieſe wenigen Stellen mogen hinreichen , um die
Meinung der älteſten Kirche bierüber zu beweiſen . Eine
über Gebet und Geſang. 35
ganze Wolfe von Zeugen aus den reche erſten Jahrhun:
derten findet man bei Bingham Orig. T. V. p. :
31 - 59. und in einigen dieſem Gegenſtande beſons
ders gewidmeten Abhandlungen . Dahin gehören vors
zugsweiſe folgende:
Jo . Fried . Cotta : ' de gloria cultus religiosi ;
Christo asserta . Tubing. 1755 . 4 .
Ch. W . Thalemann : Jesum Christum eodem
quo patrem modo colendum atque adorandum . '.
Lips. 1776. 4 .
Man hat aus den zahlreichen Zeugniſſen der Als
ten von jeher ſowohl die Gottheit Chrifti, als das
vom Vater ihm übertragene Mittler : Amr ( vermoge
deſſen er der Fürſprecher bei dem Vater und der Vers -
treter unſerer Bitten iſt ) bewieſen .
Auch hierbei iſt die neue Kirche nicht hinter der
alten zurückgeblieben ;.' und vor allen haben die prose
teftanten ſich beeifert, die Lehre von der Gottheit
Chriſti auch in ihren liturgiſchen Schriften überall auszua
drücken . Auch hier fónnen einzelne Uusnahmen nicht
das Gegentheil beweiſen . * )

*) Man kann es nur als Verirrungen eines in ſeine angebliche


Kritit verliebten Zeitalters. betrachten , daß ſelbſt angeſehene
und fonft achtungswerthe Theologen und Kirchen : Vorſteher
in eine offenbare Oppoſition mit dem chriſtlichen Alterthume
und ihrer Kirche treten. Wer einige auffallende Reußerungen
über unſern Gegenſtand zu'vernehmen wünſchet , der findet in
@ annabichi & Kritik der praktiſchen chriftr. Religionslehre
1 h . 1810 . S . 202. ff. reichen Stoff dazu . Man vgl. uns
ter andern S . 229 . , 10 über das . Sebet im Namen
Jeſu bemerkt wird : „ Was kann und ſoll dieſe Formel ans
ders anzeigen , als daß Gott um Chriſtus Berheißungen oder
um feines Berdienftes willen uns unſere Bitten gewåhren ſoll.
Sener Sinn läßt fich rechtfertigen , aber dieſer nicht. Und es
ift Entehrung Gottes ( ? ) , wenn man um eines Undern wil ,
Ten etiqas von ihm bittet , das man um ſein ſelbſt willen ,
um feiner eigenen Liebe und Güte , von ihm bitten kann :
Fünfter Band . Fins
Allgemeine Bemerkungen
( IV . - .
. : Pom vierten und fünften Jahrhunderte an
tonimen auch , anfangs feltenere, ſpåterhin aber immer
håufigere, Spuren eines an Märtyrer und
Heilige, an Engel und die Jungfrau Maria
gerichteten Gebetes in der chriſtlidyen Kirche vor.
. Es iſt dieß ein bekannter Streit. Punkt zwiſchen der
tatholiſchen und proteſtantiſchen Kirche. Zwis
fchen den Griechen und lateinern iſt in dieſem
Punkte kein Unterſchied ; und Leo Allatius hat in
feinen befannten Werke , worin er die beſtåndige Har:
monie der orientaliſden und occidentaliſchen Kirche zu er:

und ein anderer kann unmöglich To viel Liebe haben , als


Gott ſelbſt ; und wenn Gott vergeben will und kann , To -kann
und icill er es durch ſich ſelbſt, durch ſeine eigene Güte, nicht

nicht endlich einmal Zeit , unſere Gebete bon


ſolo en und & hnliden nid, tsjagenden und mit
dem Geiſte des Chriſtentbum s nidt zu vereins ?
barenden Formeln zu reinigen ? " Vgl. S . 280 . : .
So dürfen wir auch gerus nidt anrufen und
30 ihm beten , noch weniger aber ibn an :
beten . " 1 . 1. w .
So laſſe gern jedem ſeine Ueberzeugung und bin weit von
Perfeßerungs: Sucht entfernt ; aber erlaubt muß es dod ſeyn,
ſich über ſolche: Meinung zu verwundern ! Dennoch wird
dieſes Recht noch iinmer angefochten , wie dieß aus der Bes
handlung erhellet , welde neulich Herr D . Ståudlin dars
über erfuhr, daß er löffler ' d Wund : ',,daß der urs
heber der wohlth åtigen Religion, welche don
ihm den Namen trågt, der chriſtlichen Welt
immer unbekannt, geblieben ſeyn mochte, damit
ſie nur der Wohlthaten ſeiner Wahrheit ge :
nollen , nicht den Mißbrauch ſeiner Perſon em . .
pfunden håtte" , ( S . Verſuch über den Platonismus
der Kirdenvåter. 2. Uueg . 1792. Vorr . S . X . ) - gemiß .
billiget und ® . einen ,, unkirchlichen I heologen " ges
über Gebet und Gefang. 35
weiſen ſucht. ) , njé eine leichtere Aufgabe, als bei der
Fagiolatrie , gehabt. Wenn es hierbei einen Vorzug gea
ben fónnte , ſo wurden ihn die Drientalen baben ; denn
es iſt erwieſen , daß fie nicht nur viel früher die Heiligens
Verehrung eingeführt, ſondern auch durch mehr Ueber :
ladung und Uebertreibung in dieſem Stücke von jeher fich "
ausgezeichnet haben , wie fchon in dieſen Denkmür.
digkeiten , bef. Th. III, S . 15. ff. S . 253. ff. gezeigt
worden iſt. ļ
Die Geſchichts Beweiſe der Proteſtanten findet
man vornåmlich in Mart, Chemnitii examen. Con
cil. Trident, P . III. ed. Francof. 1-599. p . 221 – 362.'
Jo. Dalla ei de cultu relig. Lib . III. c. 25.
Stillingfleet' s Defence of the discourse of
İdol. Part. I. c. 1.
Bingham Orig. T. V . p. 68 - 84.

ausgezeichneten Mannes , wie Wenige , und habe in mehre


jährigem vertrautem Umgange mit ihm Gelegenheit genug gee
habt , mich zu überzeugen , daß ſein perſönliches Ber :
dienſt noch ungleich großer war , alb ſein ichriftſtelleriſches ;
aber ich bedauere es aufrichtig , daß er ſeine großen Jalente
nie in dem Grade zur Vertheidigung der kirchlichen Lebre
anwendete , wie er ſie zur Beſtreitung derſelben , ſelbſt in
Sdriften für's Boik , aufbot. Es hat mir wehe gethan ,
wenn er , was ich oft ſelbſt uns Undere noch öfter gehört has. .
ben , ſo Tehr gegen die in den Schulen und Kirchen gebrauche'
liche Sitté , - bei Nennung des Namens Jeſu die Knie oder
das Haupt zu verbeugen , eiferte. Er hielt dieß durchaus für
uberglauben und konnte nicht die Ueberzeugung gewinnen ,
daß man tolerant dagegen ſeyn dürfe . Ich habe, ' To oft ich
mit ihm darüber Diſputirte (was der freiſinnige Mann To
gern that ) , die Gewiſſenhaftigkeit , welche ſich hier zeigte, . . .
geehrt ; dennoch bin ich überzeugt , daß ohne einen zu hohen
Grad von Condeſcendenz zum Geiſt und Geſchmack der Zeit,
eine folche Anſicht nicht möglich geweſen wäre.
+ ) Leonis Allatii: De ecclesiae Occidentalis atque
Orientalis perpetua consensione libri tres. Colon . 1648. fra
Ejusd . Graecia orthodoxa . T . I. II. . .
Allgemeine Bemerkungen
Die einſichtsvollen Vertheidiger der katholiſchen
Sirche ſelbſt fönnen die Richtigkeit dieſer Chatſachen und
den ſpätern Urſprung des Heiligen - Dienſtes nicht låug .
nen . Gewöhnlich beruft man fich auf,die Disciplina
arcani, zu welcher auch der Punft von der Unrus
fung der Seiligen und Verehrung der Bilo :
der gehört haben rod. Dieß iſt der Haupts Punkt,
welchen Eman." a Schelstrate in ſeiner Schrift:
De disciplina arcani. Romae 1685. 4 . zu erweifen ,
ſucht. Die Heiligen - und Bilder - Verehrung ren in der
chriſtlichen Kirche von den älteſten Zeiten her üblich ges '
weſen , man habe aber gegen Profane und Satechumenen
hierüber Stillſchweigen beobachtet , damitdieſe nicht aus
Ünverſtand einen ihrer Religioſitåt fchädlichen und der
. : Ehre des Chriſtenthums in den Augen der Juden und Heis
den nachtheiligen Gebrauch davon machen möchten . Erſt,
als man das Chriſtenthum für gehörig befeſtiget gehalten
und die Sacra publica eingeführt habe; hätten die Kira
chen Lehrer fich über dieren vorher verſchwiegenen Ges
genſtand deutlicher ausgedrückt * ). Das Wilführliche
und Unerweisliche dieſer Annahme iſt aber ſchon von
Lenßel, Bingham , Erůger, Schedius u . a .
hinlänglich gezeigt worden .
So viel iſt gewiß , daß die fatholiſche Kirche den
ihr ſtets gemachten Vorwurf der Hagiolatrie von ſich abs
zuwehren geſucht hat. Im achten und neunten Jahrhuns
dert zeigte ſich die Rivalität zwiſchen den Griechen und
Lateinern beſonders auch darin , daß die regtern in dem
Punkte vom Bilderdienſt , Anrufung der Heiligen u . r. w . .
liberalere Grundfåge befolgten und von einem von den
Griechen zu Ehren des Bilderdienſtes eingeführtn Feſte
der Orthodoxie (ſeit 842) nichts wiſſen wollten .

* ) Daffelbe wird wiederholt in der Schrift : Ueber religidre


Myfterien ; ein Berſuch für Vereinigung der chriſtlichen
Religions - Partheien u . ſ. 70. München 1818 . 8. S . 125. ff.
über Gebet und Gefang " 37
Die Reichs. Synode zu Frankfurt am Main (794 ) und :
du Mainz ( 813 ) , ſo wie die Carolinischen Bů .
cher ( Caroli M . de impio imaginum cultu libri IV . )
ſprachen hierüber Grundſåße aus, welche den auf dem
Concil. Nicaeno II. ( 787 ) aufgeſtellten völlig entgegens
geregt waren . Rabanus Maurus , Alcuinus ,
Radulphus Tungrenſis und andere angeſehene
Lehrer der'abendländiſchen Kirche empfehlen zwar die An.
rufung der Mårtyrer , Engel und Seiligen , aber nicht
als eine Adoration, ſondern nur als eine Hülfe deri
Frommigkeit bei unſerer Anbetung Gottes und Jeſu
Chriſti. Der Leştere fagt ( de canon. observat. propos.
. 17 . p . 559. ) ausdrücklich : „ Non enim Sancti Dei ' .
appetunt indebitas laudes , sed ut rationabile fiat obse
quium nostrum . " ' . . , ' ;
Auch das Concilium Tridentinum verordnet über ,
den Artikel : de invocatione, veneratione et
reliquiis Sanctorum et sacris imaginibus
in Ausdrůden , welche den richtigern Geſichtspunkt der
alten Kirche andeuten . "Es heißt Sess. XXV . p . 231.
( edit. Lugd . 1677. 8 .) : ,, Sanctos una cum Christo
regnantes , orationes suas pro hominibus Deo offerre, .
bonum atque utile esse suppliciter eos
invocare, et ob beneficia impetranda a
Deo per filium ejus' 'Jesum Christum , "
Dominum nostrum , qui solus noster re
demtor et salvator est , ad eorum oratio
nes, opem , auxiliumque confugere. “ Daſs ,
felbe bemerkt man auch in den Worten , womit die irrigens
Grundſåße 'verworfen werden : „ Illos vero, qui negant,
Sanctos aeterna felicitate in coelo fruentes , invocan
dos esse ; aut qui asserunt, vel illos pro hominibus non
orare , vel eorum , ut pro nobis etiam singulis orent,
invocationem esse idololatriam ; vel pugnare cum
verbo Dei adversarique honori unius Mediatoris Dei
it Domini Jesu Christi ; vel stultum esse, in coelo
Allgemeine Bemerkungen

regnantibus voce vel mente supplicare ; impie sentire;


Sanctorum quoque martyrum et aliorum cum Christo
viventium sancta corpora , quae viva membra fuerunt
Christi et templum Spiritus Sancti, ab ipso ad aeter
nam vitam suscitanda et glorificanda a fidelibus vene
randa esse : per quae multa beneficia a Deo hominibus
praestantur : ita ut affirmantes Sanctorum Reliquiis
venerationem atque honorem non deberi ; vel eas alia
que sacra 'monumenta a fidelibus inutiliter honorari ;
atque eorum opis impetrandae causa Sanctorum me
morias frustra frequentari ; omnino damnandos esse
prout jam pridem eos damnavit et nunc etiam damnat,
Ecclesia. 66 :
Auch die Vertheidiger und Erklärer des Tridentinis,
ſchen Concil's ſuchen angelegentlich zu 'beweiſen , daß die
katholiſche Kirche durch den Heiligen - Dienſt keine Abs
götterei treibe und der Ehre des dreieinigen Gottes und
des Mittlers Jeſu Chriſti feinen Abbruch thun wolle.
Dies ſucht beſonders der gelehrte Jeſuit Rob. Bellar
min in der Abhandlung de Sanctorum beatitudine lib .
I. c . 11. - 20. vgl. Lib . II. c . 3 . 12. u a . auf
· eine überzeugende Art darzuthun. Er bemerft Lib . I.
.C. 12., wo er die Meinung der katholiſchen Kirche aufs
ſtellet , daß man drei verſchiedene Afte der Verehrung
(adorationis tres actus ) unterſcheiden müſſe. Dieſe ſind
folgende: 1.) Excellentia divina et infinita , cui re
spondet prima species cultus, quae a Theologis dicitur
Latria ( at DELO ). 2.) Excellentia humana , seu
naturalis , quae posita est in humanis virtutibus, di
gnitatibus, gradibus etc .. cui respondet secunda spe
cies cultus , quae dici potest cultus civilis , et
observantia quaedam humana , ' quamquam haec in
multas alias species dividi potest. 3 .) Excellentia
quaedam media inter-divinam atque humanam , qualis
est gratia et gloria Sanctorum ; ista enim dona sunt
supernaturalia et excellentissima; et huic excellentiae
über Gebet und Gefang. : 89
respondet tertiæ species cultus, quam Theologi vocant
Duliam ( dovhetev ). Et quia inter sanctas crea
turas humanitas Christi, si seorsum consideretur ,
singulariter excellit propter unionem et verbum , et
siiniliter b . Virgo , ut mater Filii Dei, ita praestat
aliis Sanctis , ut dici possit · Domina et Regina ,
nostra , quod aliis Sanctis non convenit, nisiadmo
dum imperfecte; ideo Theologi hanc tertiam speciem ,
quam vocant Duliam , dividunt in Duliam pro
prie dictam et Hyperduliam ( Unedovelav) ,
tribuentes illarn Sanctis ceteris , istam soli humanitati
Christi et matri ejus, Hae tres adorationis species non
sunt univocae, sed analogae“ - u . r. w .
Dieſe von den Scholaſtifern angenommene,' wea
nigſtens nach ihnen gebildeté , Diſtinction iſt allerdings
ſcharfſinnig ung zur Beſeitigung vicler Einwürfe brauchs
bar ; allein ſie iſt eigentlich nichts weiter , als ein Poſtus
lat , indein die Segründung derſelben in dem Sprachge.
brauche der 5 . Schrift und alten Kirchen - Lehre nicht
nachgewicfen werden kann *). So viel iſt indeß gewiß,
daß Sellarmin dadurdy reine Kirche von dem Ber:

Er bemerkt weiterhin c. 17. mit deutlichen Worten :


„ Sancti non sunt immediati intercessores

*) In Bingham Orig. T . V . p. 58. findet man hierüber for:


gende Bemerkung : „ Et quod ad distinctionem illam inter ,
absolutum , relativum et mediatorium cultum ; vel inter
Latríam , Duliam , et Hyperduliam ( Gifficilia verba
ad recentiorum saeculorum idololatriam solvendam excogi- .
tala !) , attinet, quidquid praesidii recentiores idololatrae in
illa invenisse sibi videntur , veteres caussae suae robur ex
istiusmodi subtilibus distinctionibus potere , necesse non ha - o
bebant.. Nullam isti distinctionem inter Latria i , Du
loquentes , sed omnem cultum religiosum soli Deo deberi
aperte profitebantur. Et quamquam inter cultum absolutum ,
Augemeine Bemerkungen
nostri apud Deum ; sed quidquid a Deo nobis impe
trant , per Christum impetrant. - - - Itaque .
Sanctos invocamus ad hoc solum , ut fa
ciant id quod nos facimus , quia melius et
efficacius ipsi facere possunt , quam nos,
melius illi et nos simul, quam nos soli.
Nihil a Sanctis petere possumus , nisi ut
intercedant apud Deum , quo nobis Christi
meritum applicetur, et per Christum gra
tiam et gloriam cons'e quamur. “
Die Augsburgiſchen Confeſſions - Verwandten aber
haben niemals behauptet: daß jeder Heiligen Dienſt eine
Gottesläſterung rey ; vielmehr haben ſie anerkannt, daß
die Kirche das Andenken der Mårtyrer und Heiligen , als
Beiſpiele der Frommigkeit und Tugend - Külfen , ehren
und heilig halten dürfe und müfle ; auch könne man ein
Gebet der Heiligen für die Kirche ( Apolog .
der Augsb. Conf. Urt. IX . p .425 . edit. Baumgarten )
nicht geradezu abläugnen ; aber man dürfe nicht behaup .
ten , daß die Anrufung der Heiligen in der 6 . -
Schrift geboten rey , oder das Erempel derſelben für ſich
babe. Auf keinen Fall dürfe man ein nothwendiges Stück
des Gottes - Dienſtes daraus machen und die Gewiffen
damit beſchweren wollen . Man vgl.August. Conf. art.

relativum et mediatorium discernebant, hos omnes tamen


Filio exhibebant ; mediatorio illum cultu honorantes,
tanquam unum et verum mediatorem in utraque natura inter
Deum et homines ; rogantes ipsum propter sua ipsius merita ,
tanquam summum pontificem suum , ut preces suas patri
offerret; et cultu relativo tanquam Filium Dei, cujus
honor ad patrem redundet; et absoluto cultu, ut creato
rem ac auctorem vitae suae , idololatriam , si quis allum
ejusmodi honorem merae creaturae exhibere auderet , decla
rantes. Atque adeo aut Christum vivum ac verum Deum
esse illi crediderunt, aut fieri nequit , ut homines ex suis
ipsorum verbis et praxi intelligantur. “
über Gebet und Geſang.
XXI. Apolog. art. IX , Kuther ſagt in den Schmal.
fald. Art. P. II. art. 2 : 1,Uncufung der Heiligen iſt auch
der Endechriſtiſchen (antichriftifchen ) Mißbräuche einer
und ſtreitet wider den erſten Haupt - Urtikel und tilget die
Erfenntniß Chriſti. Ijt auch nicht geboten und gerathen ,
hat auch kein Exempel der Schrift , und haben ' s
alles tauſendmal besser an Chrifto , to éan
jenes gleich tóftlich gut w åre, als doch nicht
iſt .
Das Leştere iſt eigentlich der Saupt. Geſichtspunkt,
wovon die proteſtantiſche Kirche ausgehet. Es iſt das
Princip der Abkürzung und Vereinfachung,
nach der Regel: quod fieri potest per pauca , non fieri
debet: per multa. Es iſt eine Verwehrung gegen die
Beſchuldigung einer zu weit getriebenen Demuth
und Bercheidenheit, nach der Analogie deſſen,was
der Apoſtel Paulus Colorf. 2 , 18. 23, beſchrieben hat.
Es iſt die Zurückfoderung der Freim 'ů tbigkeit und
des unmittelbaren und freudigen Zugangs
zum Vater , wozu der Chriſt ein durch den Seiland
und Sohn Gottes erworbenes Recht hat. Und hierin
iſt die evangeliſche Kirche allerdings in Uebereinſtimmung
mit Theorie und Praxis der alten Kirche.
i V.
Der Charakter des chriſtlichen Gebetes ift Rind .
lichkeit und Freimuthigkeit. ..!
Die allgemeine Lehre des N . I . ift: daß wir durch
Chriſtus die geriffe Ueberzeugung haben , daß wir Gott
als unſern Vater betrachten dürfen , und daß wir mit
der Freimüthigkeit ( Qoonoud ) , welche das Vorrecht
und Eigenthum des Kindes ift, worauf der Sclave keinen
Anſpruch zu machen hat, alle Wünſche und Anliegen
unſers Herzens , Gott unſerm Vater vortragen und , une !
ter der Vorausſeßung , daß es .der göttlichen Weisheit
und Gerechtigkeit entſprechend reg , mit Zuverſicht Erhd.
udgemeine Bemerkungen
rung erwarten dürfen . Dieß iſt der große Vorzug , wel.
chen das Chriſtenthum ſeinen Befennern gewährt, und
'wodurch es ſich als die Religion der Freiheit und des
Geiftes andzeichnet. Der Apoſtel Paulus lehret : Ihr
"babt nicht einen kned tiſchen Geiſt empfan
gen , daß Ihr Euch abermal fürchten müßs ,
tet (avavuc dovelas Taher eis popov di b . wie es
im Judenthume, welches bloß Furcht lehrte , war) ,
sondern Ihr habt einen findlichen Geiſt ,
( Ttvevuo. Ulogerias ) enpfangen , durch welchen
wir rufen: Abba, das heißt, lieber Vater .
Dierer Geiſt giebt Zeugniß unferm Geiſte,
Daß wir Gottes Kinder find . ( Róm . VIII,
15 . 16 . ). . .. i
Indem 'aber das Chriſtenthum dieſes Vorrecht in :
Anſpruch nimmt und dem Judenthume den Geiſt des wahs
ren Gebetes abſpricht, will es feinesweges das Urtheil
der Verwerfung über den Geſammts Cultus des Volkes
Gottes und über die aus dem höchſten Ulterthume abs.
ftammenden Hymnen und Gebets - Formelu deffelben ausa:
, fprechen . Wie wäre es audy móglich geweſen , die ſo . '
genannten vuvous sal LIVEGELS TOV TOTEOWY , deren
- fich Jeſus und ſeine Jünger bei feierlichen Gelegenheiten ,
bedienten , und fo viele Muſter - Gebete aus dem hebr.
Alterthume zu verwerfen , ohne zugleich den Geiſt åchter
Frömmigkeit zu verdammen ? Die fühne Foderung des
Patriarchen Jakob : Ich laſſe dich nicht , du rega
neft mich denn ( 1 Mor. 32, 26 . ), die muthigen
Foderungen , welche More , der Mann Gottes, an Gott
that, und die zuverſichtliche Sprache, womit David,
Soſua , Nehemia und ſo viele Propheten des alten Bun .
des Erhörung von Gott als ein Recht verlangen , — konn .
ten unmöglich von einer Religion gemißbilliget werden ,
welche freudiges Vertrauen und unerſchütterliche Zuvers
ficht zur erſten Bedingung eines religiöſen Gemüthes
madte. Linn . is ,
: über Gebet und Geſang. .. . .
Fenes Urtheil fonnte daher nur das Fudenthum in
ſeiner gegenwärtigen Uusartung 'treffen . Chriſtus und
die Apoftelmeinen , wenn ſie som Geifte der Knecht. '
ſchaft reden , das einförmige, ſteife ; langweilige Gesi
bets Ceremoniel , wodurch der freudige Aufſchwung des
Geiſtes und Herzens zum Unendlichen gehemmt wurde.
Sie meinen " jene Affectation , womit die Phariſåer ihre
Gebete zum Gepränge machten , und durch ihre Gebet .
und Denk , Zeddel zu glänzen ſuchten . Sie tadeln das
elende zwangs . Gebet, welches für jede Zeit und Stunde,
nach vorgeſchriebenen , auswendig gelernten Formeln ,
verordnet , als opus operatum , nicht ſelten mit irrelio
giöſem Sinne dargebracht wird. Sie verwerfen endlich
jene Viel - und Wohlreonerei ( Bartoloyid , novac ,
alo ) derjenigen Menſchen , welche', wie Chriſtus ſagt,
erhörlich zu beten wähnen , wenn ſie viel Worte machen ,
und ſich nach der Vorſchrift richten . *)
Unterwirft man die in der heutigen Kirchen
Ugende der Juden ( in dem Orach chajim , Seder
-

* ) Eine fchöne Heußerung hierüber findet man bei Euther :


,, Das Beten iſt ein feltfam Werk , das Niemand thut,
denn Shriften , und doch To gemein in der Welt geweſen ,
ſonderlich bei den Juden in Schulen und an allen Eden
auf den Gaſſen , und ist in ſo viel Kirchen , da man ſich zil: . .
murret und zuplårret , daß die Welt allenthalben deffelben
poll iſt , und an dem Werf nicht fehlet, und doch alles auf
einem Haufen nicht eines Sellers wežth iſt. Ein ernſtridz ind
higig Gebet bricht endlich durch Himmel und Erde , - '
wollte Gott , daß ich mit ſolcher bige Gott anrufen könnte,
To oft , als ich gern wollte. Denn wenn ich etwa auf die
Weiſe gebetet habe, hat mir gedeucht , daß mir ſichtlich oder
begreiflich dieſe Antwort gegeben würde : fiat, quod petis,
es poll ja fenn . Ich habe oft auch mehr gelernt in einem
Gebete, weber ich aus viel leſen und Dichten hatte kriegen
können . Darum . liegt die großeſte Macht daran ,
dass ſich das erz zum Gebet ledig und luſtig
ché, " .
machée
ma : . .
44 . . .. Allgemeine Bemerkungen
thephilloth , Machsor u . f. 10. ) enthaltenen und gereke
mäßig vorgeſchriebenen offentlichen Gebete einer ſtrenges
ren Prüfung , ſo findet man darin zwar manches vor.
treffliche, achts religioſe Geſinnung athmende Sebet und
Lied ; allein bei näherer Betrachtung zeigt ſich , daß wir
hier nur Stimmen aus einer Vorwelt vernehmen , welchen
auch die Chriſten gern Gebór geben . Die meiſten Fors
mulare; welche, wenn ſie auch zum Theil aus Bildern
und Sprüchen des 4. L. beſtehen , als eigene Compoſis
tionen des Judenthums zu betrachten ſind, athmen nicht
jenen Geiſt der Kindlichkeit und Freudigkeit , welchen nur
das Chriſtenthum einfldßt. Die jüdiſche Gemeine preiſet
Jehova's Größe und Herrlichkeit; aber es iſt das Rex
tremendae majestatis und eher dazu geeignet , Furcht
und Ehrerbietung, als Liebe und Vertrauen zu erwecken .
In den Bitten um Hülfe und den Klagen über Druck und
Elend ſpricht ſich meiſtentheils ein geångſtigtes und vers
zagtes Gemüth aus. Selbſt die Soffnung und der Troſt ,
Israel's laſſen , auch bei den freudigſten Ergießungen ,
etwas von der Verlegenheit ahnen , daß das seil .
Israel' s nicht erſcheinen wolle. . "
Es iſt hier der Drt nicht, in eine nähere Vergleis
chung einzugehen , und die einzelnen Punkte durch Beis
ſpiele aus den jüdiſchen Kirchen - Büchern , worin ſie ſich
in großer Menge finden , zu belegen . * ), Uber ſo viel

*) Man vgl. von neuern Schriften : Die deutſche Syna:


I goge, oder Ordnung des Gottesdienſtes für die Sabbath =
und Feſttage des ganzen Jahres 26. herausgegeben von D .
E . Kley unb D . E . S . Günsburg . 1 Ih. Berlin 1817.
2 Ih. 1818 . 8. Von der Andacht : Malache Rach 'mimi
Sh. I. S . 238 ff. fagen die Herausgeber in einer
Note : ,,leider , ftehet dieſes Gebet noch immer , feinem Ins
halte nady, an der rechten Stelle. Wenn es doch bald ers '
håret und dann für immer ausgelaſſen werden könnte ! " fer:
ner : Sal. Iac. Cohen 's hiſtor. kritiſche Darſtellung des :
jůdiſchen Gottesdienſtes. leipzig . 1819. 8. S . 189 ff. S . ,
270 ff. vorzüglich die Bemerkung S . 272 .
über Gebet und Geſang.
ergiebt ſich leicht: daß der betende Judé entweder einem
abgelebten , hoffnungsloſen Greiſe gleicht, welcher , von
der Bürde eines fummervollen Lebens niedergedrückt, nur
ſeufzet und jammert; oder aber, daß er das Bild eines
Jünglings darbietet, welcher, fich ſeiner Phantaſie über . . ,
laſſend , fanguiniſche Hoffnungen & ußert , welche, nach
dem Urtheile jedes Beſonnenen , in 's Reich der Unmögs
lichkeiten gehören . Dagegen gleicht der betende Chrift
einem Manne, welcher , durch Vernunft und Erfahrung
geleitet , einen ſchönen Mittelweg zwiſchen kleinlicher Vers,
jagtheit und ercentriſcher Erwartung einſchlågt. Wåhs
rend der Jude den Beiland noch erwartet und ihm
entgegen gehet , hat ihn der Chriſt gefunden und in fich
aufgenommen . Der Chriſt weiß in jedent Momente reis
nes religioſen Lebens , an wen er glaubt ; und er fühlt
eß mit erhebender Zuverſicht , daß ihm niemand das
Kleinod feines Glaubens und ſeiner Hoffnung rauben
fónne. Wo wäre im ganzen Judenthume etwas, was
fich mit dem chriſtlichen Bravour - Spruche: . ..
Seſus meine Zuverſicht
Und mein Seiland iſt im Leben -
vergleichen ließe? . "
Faſt dieſelbe Erſcheinung bietet ſich beim Jsla .
mismus dar. Der Urheber deſſelben empfiehlt im . .
Koran wiederholt das Gebet, als unentbehrliche Hülfe :
der Frömmigkeit und Jugend - Mittelund macht zuweilert .
treffliche Bemerkungen über die Natur und Wirkungen
des Gebetes. Dennoch fodert Muhammed daſſelbe als
eigentlichen Gottes . Dienſt und legt auf die
Pünktlichkeit" in Beobachtung der vorgeſchriebenen Ges
bets : Zeiten , ſo wie den Gebrauch beſtimmter Oes
bet $ , formeln einen viel höheren Werth , als ſich mit
den Begriffen einer gereinigtern, Religions . Lehre vers :
trågt. . .. .. . :
Der Moslim ift vielleicht unter allen Religiofen
der fleißigfte und eifrigſte Beter. In Henning. Hen
46 . Angemeine,Bemerkungen
ningii Muhammedanus precans find p. 12 ff. viele
Zeugniſſe von dem Eifer und der Pünktlichkeit, womit ,
die Muhammedaner ihre häuslichen und offentlichen Ges.
bete verrichten , beigebracht. Der Verfaffer ſagt p . 13 :
» Etsi Muhammedani sunt Battohoyor , qui damnan
tur à Christo Math . VI., tamen indefessi sunt
precatores, precationumque haud pertaesi,
.. ut etiam hoc nomine Christianis ruborem ' ,
incutiant, dum , praeter preces domesticas, quin .
quies singulis diebus in publico coetu orandi caussa
conveniunt" etc. Uuch hat die Geſchichte hinlånglich
bewieſen , daß der Islamismus ſeine Bekenner begeiſtern
könne, und vor allen das Gebet in Krieg und Schlachtert
den Muth derſelben in einem hohen Gradé entflammt und
zu großen ' Thaten angefeuert habe. Der Ruf: Nur
Allah iſt Gott und Muhammed iſt rein Gen'
sandter (La illahe illa Allah , Muhammed rasul
Allah ) hatwie ein unwiderſtehlicher Zauber gewirkt, und
den begeiſterten Sarazenen unzähliche Lånder , Städte
und Herzen eröffnet . Das Schwerdt des Pro :
pheten und feiner Chalipben hat nicht allein die
Großthaten erzeugt, welche Arabien , Syrien , Perficn ,
Aegypten , Mauritanien , Spanien u . f.-w . bewunderte .
Das Wort. Des Propheten und das Gebet der
Moslim hat eben ſo viel Antheil daran gehabt. Die
chriſtliche Kirche hatnur in der Gerchichte der Kreuß.
3 úg e' åhnliche Beiſpiele aufzuweiſen. Auch hier wirfte
das Gebet Wunder - Dinge, und der Ruf : Gott will
- es haben ! und: Gelobt ren Jeſus Chriftus !
begeiſterte zu åhnlichen Thaten , wie einſt der Spruch :
Bin Schwerdt des serrn uns Gideon ! .
1 . In den Gebets , Sammlungen der Muhammedanec
findet man allerdings auchmanches ſchöne und erhabene
Gebet , voll Undacht und Salbung; aber die Mehrzahl
beſtehet doch in einer widrigen Bąttologie, in Zuſammens
Hoppelung koraniſcher Sentenzen und Doxologien , und in
.

über Gebet und Geſang. - / 47


einer beſtändigen Wiederholung der ſogenannten ſchönen
oder heiligen Namen (Isma hosne). Von dieſer Art
ſind die meiſten der von Hennings angeführten For
meln, wobei man doch nicht ſagen kann, daß der Ver
faſſer abſichtlich bloß die ſchlechteſten ausgewählt habe.
Zur Probe mag das bei den Muhammedanern vorzugs
weiſe geſchätzte Gebet dienen, welches in der angeführten
Schrift N. VIII: p. 298 – 305 arabiſch und latei
miſch mitgetheilt wird. Es lautet wörtlich überſetzt ſo:
Im Namen Allah's, des all barmherzi
gen Erbarnt er s.
O Allah! O Allah! O Allah!
O Erbarmer! O Erbarmer! O Erbarmer!
Es iſt kein Gott, außer Dir, o Allah;
Ich flehe zu Dir in Wahrheit, o Allah!
O Erbarmer! O Barmherziger! O König!
O Starker! O Mächtiger! O Herrlicher!
O Schöpfer! O Erzenger! O Allah!
O Vergeber! O Allah! O Sieger!
O Gnädiger! O Erhalter! O Allah!
O Geber! O Richter! O Gott!
O Weiſer! O Allah! O Zuſammenhalter !
O Ausdehner! O Beſtand - Verleiher! O Allah!
O Erhöhrer! O Allah! O Unterſtützer!
O Anfang! O Allah! O Mächtiger!
O Allah! O Allmächtiger! O Allah!
O Seher! O Hörer! O Gelehrter!
O Gerechter! O Gütiger! O Allah!
O Langmüthiger! O Großer! O Allah!
O Beobachter! O Beſchützender! O Allah!
O Erhabener ! O Edler! O Allah!
O Ruhmvoller! O Allah! O Geſchmückter !
O Allah! O Ehrwürdiger! O Allah!
O Schauer! O Ernährer! O Allah!
O Langmüthiger! O Liebender! O Allah!
O Sachkundiger! O Erwecker! O Allah!
i 48 Allgemeine' Demertungen
D lebendiger ! D Ewiger ! D Allah ! '
Majeſtátiſcher ! D Glänzender !
König aller Beherrſchten ! D Befreier aller
! Geångſteten !
O Allah ! O Udab ! D Herr ! .
meine Hoffnung ! O Lebendiger ! D Ewiger ! !
Dudah ! Erbarmer aller , welche Erbarmen
i. . erlangen !
Beſchüßer aller Beficgten ! Dudah !
D Dertheidiger aller Schmachvollen ! D Allah !
Zuflucht aller Perbannten ! Dudah , Einer,
ſonſt Keiner ! .
D Seelen - Stårker im Leiden ! 0 Hoffnung im
Unglück !
: Gefährdte in der Einſamkeit ! Wichter im
berlaßnen Zuſtande !
D Panier in meinem Schrecken ! Helfer ini
.. Såmpfen !
Führer in Noth ! D Leiter in Blindheit des
' Geiſtes und der Augen ! :
Hülfe in dem Urtheils - Spruche in meiner
Sache ! ' .
Lob Dir ! Es iſt außer Dir kein Gott ! !
Allah ! Allah ! Dudah !
Erbarmer ! 0 Erbarmer ! Erbarmer !
Albarmherziger ! O dabarmherziger ! DAN.
barmherziger !
D Vortrefflicher , der keinen Betrug über !
D Gnådiger , der Du Keinen verlåſeft !
D Ewiger , der Du nicht ſchlafft !
o fortdauernder ! D Lebendiger , der Du nicht i
: : ſtirbſt !
D . Beſtehender , der Du nie untergeheft !
AUwiffender , dem nichts, unbekannt iſt ! .
D Selbſtſtändiger , der Du keine Berminderung
erleideft !
über Gebet und Gefang:
no Herr des Heiligen Hauſes ! . . . in
D Herr des Anbetungs : Ortes !
i Herr des Heiligen Plages ! * )
* D Herr des lichts und der Finſterniß !
Herr des Segens und Glückwünſchens !
D Einer ohne Gehúlfen ! O Allah! D Einziger !
Beharrender ohne Beſchränkung ! ,
Einziger , den man auf keine Weiſe erkennen
12 fann !
:: D Nah , Unausſprechlicher , ohne Beiſpiel !
Dadah , utmächtigèr , ohne Schwäche! -
D daah , Reicher ohne Urmuth !
Duuab , an deffen Gegenwart niemand zweifelt !
Mah ! Es 'ift kein Gott , als Du ! .
Lob Dir ! Ich bin ein Ungerechter ! Lob Dir !
Es iſt kein Gott , außer Dir ; kein Gegenſtand
der Verehrung, denn Du !
Vergieb mir meine Sünden ! Vergieb die Süns ,
I den aller Moslemin ! ..
: : - Duabarmherziger ! D . Erbarmer !

; * ) Henning' s dat durch die Weberlegung : „ O Domine


templi Meccani, et o Domine Oratorii Mercani et
loci stationis Abrahami, " den Sinn gwar richtig qufges
faßt ; aber sie unterſtrichenen Ausbrücke ſiehen nicht im Septe,
ſondern find erklärender Zuſas . Beit - al - Haram ift .
allerdings die heilige Caaba zu Mecca . Maschid (al
masdschid ) ift : locus , in quo adoratur , und das Stamms
wurt sachad' entſpricht dem ApOGHUVELV . Das Wort
Moſchee wird davon abgeleitet. Das dritte Wort : Ma
kaam entſpricht genau dem hebr . Mak om und wird von
jedem Verſammlungs : Orte gebraucht. Uuch im Roran ift
oft die Rede von der Heiligkeit des Dites, wo Abraham
feine Undacht verrichtete , als et , nach der koraniſchen Iradi:
tion , nach Arabien tam , um ſeinen verſtoßenen Sohn J8
mael (den Sohn der pagar ) zu beſuchen. "
Fünfter Band. , ;
50 . Allgemeine Bemerkungen
D 'rechne uns nicht unter die Geſellſchaft der
Derworfenen ,
Welche teine Scheu und Traurigkeit (vor Gott)
. It haben ! .. . . .

Man könnte freilich auch aus der chriſtlichen Liturgie


manche.Gebete anführen , welche faſt nur aus ſtets wie.
derkehrenden dorologiſchen Floskeln zuſammengeſeßt ſind,
beſonders zu Ehren Chriſti , der heiligen Jungfrau und
der Seiligen . Dennoch machen ſolche Gebete oder Ge.
fånge nur Uusnahnien ; und auch dieſe haben mehr Mans'
nichfaltigkeit des Gegenſtandes , als dieſe muhammedania
.: Tchen Formeln , worin eine faft unerträgliche Monotonie.
Herrſcht. ;
1. Im Soran wird auch zuweilen der Fürbitte der
Engel und Propheten bei Gott gedacht ( S .
Eludius Muhammed's Religion aus dem Koran . Als
tona. 1809. S . 276 - 79 ); fo wie ſchon die polna
theiſtiſchen Araber den Grundraß hatten : „ Wir ver
ehren die Götter nur, weil wir uns ſch 'm eis
cheln , daß ſie uns nåber zu Gott führen
werden " ( Brucker Histor. philos. T. I. p. 224 ).
Dennoch findet man in den muhammedaniſchen Gebet.
Sammlungen nicht häufig. Beiſpiele von einer ſolchert
Fürbitte. Nur zuweilen komint die Formel : Zali
alaina ja Muhammed ( Bitte für uns , o Mus
i bammed ! ) vor, und dann noch beſonders die Vorſtellung,
daß die Fürbitte Muhammed's bei der Auferſtehung und
dem jüngſten Gerichtwirkſam ſeyn werde, um die Glåubi.
gen vor dem Feuer der Hölle zu bewahren . Mehrere
Schriftſteller behaupten : daß bei den Muhammedanern
auch Gebete für Muhammed , und ſogar die Fors
mel : - D Gott, bitte für Muhammed ! gebräuchs
lich ren . Es iſt aber in Henningii Muhammedanus
precans p . 134. ff. gezeigt worden , daß dieſe Bes
hauptung aus Mißverſtand der To gewöhnlichen Formel:
über Gebet und Gefang. .

o Gott; beglüce Muhammed mit Heil uns ia


Gnade ! entſtanden ren . !
· Auf jeden Fall entbehret das islamitiſche Gebet
jener liebenswürdigen Freimüthigkeit , Freudigkeit und
Kindlichkeit , welche das chriſtliche auszeichnet. is
Dieß iſt auch der Fall, wenn man einen prüfenden
Blick auf den Gottesdienſt der alten Völker wirft , welche
man unter dem geineinſchaftlichen Namen der Heiden
zuſammen zu faſſen pfleget. Auch bei ihnen findet fich
das Gebet, als die Wurzel aller Religion . Es rey vers
gónnt, über dieſen Punft das Urtheil eines einſichtsvolleit
Sachkenners , welcher das unlåugbare Verdienſt hat, die
Mythologie von der Knechtſchaft des todten Buchſtabens
zu erldren und die Alterthums • Wiſſenſchaft auf Ideen
zurückzuführen , zu vernehmen . S . Friedr. Creus
Ber’ s Symbolit und Mythologie der alten Všlfer , ben
fonders der Griechen ; im Auszuge von G , H . Moſer.
· Leipz. und Darmſtadt. 1822. 8 . In dieſer lehrreichen
Schrift heißt es S . 54 - 56 : , Unter den gottens
stenftHchen Handlungen und Gebråuchen fålt unſere Bes
trachtung zuerſt auf das Gebet, worauf ſchon Herodos !
tus . (II, 52. ) in der Beſchreibung des Cultus der
alten Pelasger leitet. Schon in der Rosmogonie der
Indier tritt es bervor und iſt noch jekt vorzügliches .
Element der Religionshandlungen derfelben . Eben ſo ift
das Gebet in der Zoroaftriſchen Religion ein Haupt
theil des Cultus. In Beziehung auf den Inhalt der
Gebete iſt, bei der leßtern Religion , beſonders die
Nachricht des Herodotus ( I. , 132. ) wichtig , wornach ,
beim Opfer fein Perrer allein für ſeine Wohl.
fahrt beten durfte, ſondern für da's Wohl
aller Perrer und des Königs , weil in der
Zahl aller Perrer ein jeder Einzelne Pelb ft
inbegriffen rep . So ſchön dieß iſt, ſo hatten ſie
doch auch anderſeits , gleich den Chaldåern und verſchieden .
nen andern Bilfern , den Glauben an die die Gottheit ſelbſt
e gen
59 Pidgemein Bemerkun
zwingende, magiſche Gewalt gewiffer Gebets . Formeln ,
wovon ſich auch Spuren in den Gebets - Formeln der
Legyptier finden ( Jamblich . de Myster. Aegypt. I. 15.
p . 27 . Amamian. Marcell. XXII. 6 . Kircher. Oedip.
T. II. P . 2 . p . 453. ) , ſo wie ſich auch an die ſpäteren
Formeln der Jüdiſchen Liturgie theurgiſche Vorſtellungen
und andere Mißbräuche anhangten . “ (Vitringa' de
Synag. vet. lib. III. Origen . 11& or &vans ed. Wettst.
: 1695. Casa u h . Exercit. in Baron , XIV . 8 . p.
287. seqq. ). ..
:: . ,, Daß fchon das Pelasgirche Griechenland
betete , ſagt Herodotus ( II. 52 ). Bei Homer ſind die
Bitte n fchon perſonificirt , ja Göttinnen ( Iliad . IX .
498 ). Der Prieſter iſt in der älteſten Sprache als
Beter (contne Iliad. 1. 94.) bezeichnet . Reich iſt auch
die Griechiſche Sprache' an Wörtern liturgiſcher Bedeus
tung ( #vyai , Senosis , ixécial , hitai, aitnucta ,
* ¿VTEVŠEIS , 10060dor und andere ) : und wenn auch erſt
Pythagoras und Sofrates die Griechen im beffe .
ren Sinne beten lehrten , ſo kann dieß doch von der 'era
weislichen uralten , beſſeren Geheim , lehre nicht gela
ten , wie ſich aus dem Hymnus auf die, Ceres zeigt, aus
dem ein ſehr geläuterter Sinn ſpricht. Merkwürdige
. Griechiſche Geb'e te finden ſich bei Homer: Donit.
XIX . 457 ff., ein Beſchwörungs - Lied ; Iliad . 'J. 451 ff.,
. ein Sühn - fied ; daf. I. 94 ff., ein Verwiinſchungs ,
Lied ; Iliad. XVI. 232 ff. , ein Nothruf ; bei Pindar Oe.
I. 112 ff. das Gebet des Pelops an den Neptun ;
Volkss Gebete an vie Luft (Clem . Alex. V . p. 673); ..
an die Horen ( als Jahreszeiten bei den Uthenern (Phi
lochorus ap. Athen. XIV. p . 656 . p . 387. ) ; das Gier
bet um Regen (Marc. Antonin . V . m . p . 37 . 146 ).
Mit den Fortfdheitten der Ethik låuterte ſich die Lehre
vom Gebete ( S . das Gebet des Sofrates am Schluſſe
des Platoniſchen Phådrus und den ganzen zweiten Ulcis
biades , bef. p . 143. 281. Anthol. gr. T . III. p . 250.
über Gebet und Geſang. 53
IV. p. 217. ed. Jacob.), und der Platoniſche Philoſoph
Procus ſucht in dem Gebete ein vorzügliches Mittel der
Vereinigung mit Gott (Platon. Tim. p. 65).“
„Wenn im alten Rom das Gefühl des Unendli
chen ſtärker und reiner hervortrat (Gellii noctes Attic.
II. 28 u. a.), wenn viele ihrer Gebets - Formeln einen
großartigen, tiefen Natur- Sinn verrathen, wenn in
ihren Gebeten die Pontifices durchaus keine Gottheit
übergehen durften (Serv. ad Virgil. Georg. I. seqq.);
ſo finden ſich doch auch hier, im ſchlimmen wie im guten,
Sinne, dieſelben Vorſtellungen, wie bei anderen Völ
kern, wozu noch insbeſondere der Gebrauch des Gebetes
and der Formeln als eines Organs der Römiſchen Politik
kommt (Liv. V. 21 seqq. Plin. hist. nat. XXVIII. 2.
Br is so m. de formulis I. 184 – 94. Cicer.de
nat. Deor. III. 2o. Gell. noct. Att. XIII. 22. vgl. auch
die ſchöne Aenderung in einem öffentlichen Gebete, die
Scipio zubrachte bei Valer. Max, IV. 1, 1o).“ So
weit dieſe Darſtellung. . .
Wenn man aber auch nicht verkennen kann, daß in
den hier angeführten und vielen andern Beiſpielen ein
ächter Geiſt der Religioſität wehet, und daß ſich dieſer
nicht ſelten in ſchönen Formen ausſpricht: ſo hält er doch
die Vergleichung mit der Einheit, Einfachheit und Würde
des chriſtlichen Gebetes nicht aus. Bei dem gewöhnli
chen polytheiſtiſchen Cultus, welchem bei Griechen und
Römern das Volk anhing und wo das Dees Deäsque,
veneror das Glaubens- Bekenntniß war, bleibt immer
die Schwierigkeit, worüber nicht bloß die römiſchen
Pontifices zu klagen hatten: beim Gebete und
Opfer keine Gottheit zu übergehen. Die
chriſtlichen Apologeten unterlaſſen nicht, auf den großen
Vorzug des Chriſtenthums aufmerkſam zu machen, und
die Beſchwerlichkeit und Gefährlichkeit der heidniſchen
Gottes - Verehrung zu zeigen. Treffliche Bemerkungen
hierüber findet man beim Arnobius (Disputat. adv.
v
54 : Allgemeine Bemerkungen
Gentes ; lib . III. C. 42 - 44. ). Er ſagt unter ants
dern : ,, Et quemadmodum poterit an sit Deus aliquis
sciri, si ignorabitur et nescietur quid sit ? aut postu
latio ipsa beneficiorum valere , si exploratum non erit ,
non certam , quis ad quamque debeat consultationem
vocari ? Omnis enim , qui quaerit alicujus numinis
impetraro responsuni, debet necessario scire, cui
supplicet , quem imploret , a quo rebus auxilia et ne
cessitatibus exposcat humanis : maxime cum vos ipsi.
et non omnes omnia Deos' posse praestare et dissimili
bus ritibus singulornm animos referatis offensionesque :
placari. .
: . Dann zeigt Urnobius, wie gefährlich eine faſt un.
vermeidliche Verwechſelung der Behörden und der Wün .
ſche für den Betenden werden könne und wie dieſer Ges
fahr laufe , ſtatt Gnade und Hülfe zu erlangen , Zorn
und Verwerfung zu berirken . Dann reßt er c . 43 . hins
zu : „ Finge, me ipsum incommoditatis alicujus et de
clinandi periculi causa horum cuipiam numinum sup ..
plicare dicentem : Adeste , adestote , Dii Penates, tu
Apollo , tuque Neptune, omniaque haec mala, quibus
uror , torreor , vexor, vestri numinis averruncate cle
mentia : eritne spes aliqua referendae ab his opis , si
Ceres , Pales , Fortuna , Jovialis aut Genius, non
Neptunus et Apollo Penates Dii erunt? - - -
Usque adeo res exigit propriatim Deos
'scire , nec ambigere, nec dubitare de
uniuscujusque vi, nomine; ut si alienis
ritibus et appellationibus fuerint invo
cati, et aures habeant structas, et piacu
lis nos teneant inexpiabilibus obligatos. “
Wenn man aber auch bloß auf jene vergeiſtigte und
veredelte Gottes . Verehrung fieht, wozu ſich Sofra .
tes und andere Weiſe allerdings erhoben hatten : ſo
zeigt ſich doch gar bald der große Abſtand vom Chriſten
thume. Das oben erwähnte Gebet des Sokratesy
. . . über Gebet und Gefang 65
in Verbindung mit den Grundraßen , welche Fenophon :
(Memorab . Socr. lib . I. c . 3. ) dem Sokrates in den
Mund leget , wird imnier für das Köſtlichſte erklärt,
was das Alterthum in dieſer Art aufzuweiſen hat. Es
lautet for baß mich , o Gott, inwendig i'ch 8 n.
werden , und was ich von außen habe, laßi;

Laß mich wahre Weisheit als den hoch ſten


Reichth um anſehen , und son zeitlichen Gů . : ;
tern nur ſo viel befißen , als ein måſiger
und g någramer Mann Dagon nehmen möchs
t'e , Ein theologiſcher Schriftſteller macht darüber
folgende Beinerkung : „ Wenn Salomo dieſes Gebet ,
gemacht hätte , fonnte es nicht wcifer feyn. Es iſt im
Grunde einerlei mit dem Gebete dieſes weiſen Kiniges,
welches Gott ſo wohl gefiet, daß er ihm auch dasjenige
gab , warum er nicht gebeten hatte. ( S . Start' s
Gefch . der chriſtl. Kirche des erſten Sahrhunderts, Lh. I.
S . 209 ). Die Vergleichung iſt gar nicht unpaſſend.
Es iſt das ſchöne Gebet eines W eifen , welcher durch
reine Reflexionen und Weltbetrachtungen zu der Uebers
geugung gelangt iſt, daß Seelen - Udel das Höchſte rey . " , " .
Es iſt , wenn man auch nicht au Sokrates Individualitat
( deſſen ſchöne Seele in einem håßlichen Körper wohnte ) ;
denken will, das Bekenntniß einer fchönen Seele ; aber
nur als ſolches ift es ſtets betrachtet worden und nie als
ein Gebet für alle Zeiten , Wilfer , Stånde und Alter .
s Hochſt intereffant find auch die Neußerungen über
das Gebet, welche man bei dem berühmten Satyrifer
Juvenalis Sat. X . V . 346 seqq. edit. Ruperti. 2 . '
1820. T . I. p . 212. findet. Die Menſchen ( fagt
dér ernfte, aber trefflicheMenſchenfenner und Sittenrichter )
rollen nicht um Reichthum , Macht, Beredſamteit, Ruhm .
langes Leben und Schönheit beten. Wollen ſie dennoch . .
um etwas bitten , ſo werden fie am beſten thun , wenn
fie es den Göttern anheim ftellen , was ihnen gut und
56 Allgemeine Bemerkungen
nüßlich rey . Dieſe werden ihnen alles geben , was junt
Beſten der Menſchen dient; indem . Die Unſterblichen den ,
Menſchen mehr lieben , als dieſer ſich ſelbſt. Wir bitten
getdhnlich aus einem blinden und unvernünftigen Iriebe
um Weib oder Kind; aber die Götter allein wiſſen , wie
dieſe beſchaffen feyn werden . Dann folgt B . 356. die
Anweiſung zum Gebet mit folgenden ſchönen Worten : . ;
· Orandum est , ut sit mens sana in corpore
sano ,
Fortem posc e animum , mortis terrore carentem ,
Qui spatium vitae extremum inter munera .
. . . ponat .
- Naturae , qui ferre queat quoscunque labores;
Nesciat irasci, cupiat nihil et potiores
Herculis, aerumnas credat saevosque labores
· Et Venere , et coeniş et pluma Sardanapali.
Monstro , quod ipse tibi possis dare: Semita
de certe ,
Tranquillae per virtutem patet, unica vitae.
Nullum numen habes, si sit prudentia ; nos te,
Nos facimus, Fortuna, Deam coeloque locamus!,
Wenn das Sebet des Gokrates das Bekenntniß .
einer fchönen Seele genannt werden muß , ſo iſt diefe
Gebets Lehre die Teußerung einer ſtarken Sets
le. So betet der S toiter in ſeiner Vollendung.
Nicht die mythologiſche Beziehung auf siercute $
(welcher auch von den Kirchenvåteřn ſo oft mit Chriſtus
Verglichen und als das Bild der im Kampfe vollendeten
und herrlid , belohnten Menſchheit dargeſtellt wird ) und
nicht die hiſtoriſche Vergleichung mit dem fáſtling Sats
danapalu s iſt es allein , modurch dieſe Gebets - Ans .
weiſung unpopulår und particulariſtiſch wird. Die Haupts
fache iſt, daß hier Grundfäße und eine Bildungs - Stufe
sorausgeregt werden , welche, wie die Erfahrung aller
Zeiten lehret , nur das Eigenthum einiger Weäigen
über Gebet und Gefang. .. 67 ,
waren und der Natur der Sache nach feyn können . Eine
Univerſal Religion darf nichts enthalten , was bloß den
Weifen offenbar iſt , von den Schwachen und Kindern am
Geifte aber nicht begriffen wird . Das Gebet der Chris
ften befriedigt die religiofen Bedürfniſſe aller Menſchen .
ES ftellet ſie alle als Kinder Gottes dar, welche fich
freudig Gott nahen und mit Zuverſicht , um , Chriſti
willen , von ihrem Vater bitten dürfen .
M . Auch der Chrift betet mit Ehrfurcht und heiliger
Scheu juin Herrn des Himmels und der Erde, dem Herrn
der Geiſter , und dem Gebieter alles Fleiſches ; er tritt
mit Demuth vor den Unendlichen und Uncrmeßlichen und
blickt aus dem Staube“, als der Sohn des Staubes, zu
dem , der im Himmel thronet, und den alle Himmel nicht
faffen . Uber in dieſer Demuth und im Gefühl feiner
urſprünglichen Inwürdigkeit erhebt er fich dennoch durch
das Bewußtrenn einer Kraft , welche ihm Muth und
Stårfe verleihet und die Scheidewand zwiſchen dem endlis
chen , ſchwachen Geiſte zum erhabenen Welt - Geiſte , .
zwiſchen Erde und Himmel, wegnimmt. * ) Es ifi dieß
die Kraft des heiligen Geiftes, welchen Chriſtus ,
damit wir nicht verweiſt blieben , als unſern Tröſter und -
Wortführer Cotopaxantos) geſendet hat. S . Joh.
$ . 14 – 16 . Dieſer Geift giebt zeugniß
unſerm Geifte , daß wir Gottes Kinder find
(Róm . VIII , 16 ). linoweit Ihr denn sein .
der reno, hat Gott geſandt den Geift ſeines

* * ) Das Bekenntniß der driftlichen Kirche iſt in der Gtrophe


aus dem bekannten Liede enthalten : , ,
* Rex tremendae Majestatis ,
- ci i Qui salvandos salvas gratis;
Salva me fons pietatis.
Recordare , Jesu pie , ,
Quod sum causa tuae viae ;
d . Ne me perdas iHa die .
Allgemeine Bemerkungen
Sohnes in Eur e herjen , der fchreiet: 466 an .
D . h . lieber Vater (Galat. IV , 6 . ) ! Daher iſt
der chriſtliche Beter oft führt und fodert mehr , als
er bittet; aber es iſt der Geiſt der Kindſchaft , welcher
ihn treibet 'und (wie es der Apoſtel ausdrückt) ſeinere
Schwachheit aufhilft. Dem Juden und Muhame!
medaner mogen ſo viele Gebete und Gefänge in der
chriftlichen Kirche zu fühn, unſchicklich , felbft blasphes
miſch vorkommen ; und es iſt kein Wunder , wenn ihnen
der Gottesdienft der Chriſten ein Stein des Unſtoßes und
Aergerniffes wird. Aber bierin liegt der offenbare Ben
weis , daß im Chriſtenthume etwas enthalten reyn můffe
was einen Geiſt des Bertrauens und der Zuverſicht eins .
fidßt, wie ihn keine andere Religion zu geben vermag. .
: Sat man doch ſelbſt in der chriſtlichen Kirche den
Geiſt der Kindlichkeit zuweilen verkannt und manche Gea ,
bets . Heußerungen für Ver toBe gegen das Coftum
erklärt, welche doch nichts anders als Ergüffe eines åchts
religiofen , feines Kindes - Rechtes fich bewußten , Ges
! müths find. Wer hierbei die Kritik ausüben will , geo
råth leicht in Gefahr, nicht ſowohl den einzelnen Beter ,
als vielmehr den ganzen Geiſt des Gebets felbft anzus
klagen . In Wun demann ? $ Geſchichte der chr.
Glaubenslehren vom Zeitalter des Athanafius bis Gregor
d. Gr. 1 Sh . 1798. 8 . wird S . 80 - 81 folgendes
Urtheil über den berühmten Kirchenvater Auguftinus
gefågt: „ Selbſt reine Frömmigkeit konnte nicht in dem
gewöhnlichen Gange bleiben . Ginger nicht mit
dem lieben Gott um , als wenn er ihn peri
rönlich vor fich båtte? So futraulich , und
faſt möchte ich ſagen , ſchwashaft fprad er
im Gebete mit ihm ( vgl. Confession . lib . XIII.
C . 8 . 29 . und in den Soliloquiis an mehrern Orten ).
Und ſo glaubte er denn um ſo gewiffer , überall unter
dem nahen Einfluſſe der Gnade zu ſtehen . Was hier
am Auguftinus getadelt wird , dürfte ihm als Asceten
über Gebet und Gefang: 59.
gerade zum größten Vorzuge gereichen . Was iſt unſer
Beten anders, als ein Umgang mit Gott ? Und wer mag
fich anmaßen , den Grad der Vertraulichkeit beſtimmen zu
wollen ? ' . i. ;; ; .. . ; . , ; ..
1 . Wir haben in den neuern Zeiten Kritiken über alte
Kirchen : Gebete und Kirchen - Gefånge erhalten , welche
zwar nach den Bedürfniſſen und dem Geſchmack des Zeite
alters waren , aber Hundert Jahre früher für eine freche
Berhöhnung alles Religiöſen gegolten hårten , und wahrs
ſcheinlich fchon in der nächſten Generation Berwunderung
und Mitleiden erregen werden. Die von Henke angea
fangene, aber bald wieder aufgegebene Zeitſchrift Eu .
febia (welche die beſtehenden liturgiſchen Formeln einer
fortgehenden Kritik unterwerfen ſollte ) ſtimmte in den
wenigen Proben , welche in dieſem Fache mitgetheilt
wurden , einen Don an , welcher diere Euſebia in eine
A rebia zu verwandeln drohte. Wir wollen den über
dieſe Zeitſchrift erhobenen Streit und die Art, wie er ges, i
führt wurde, nicht billigen ; aber ſo viel ſcheint uns ges
wiß , daß der geniale und hochherzige Henke, welchen
das Schickſal dem Vaterlande und ſeinen Freunden zu
frůb entriffen hat, jeßt eine ſolche Kritik nicht anſtellen
wurde. . . . .. . .. .. .
V. Wir befißen neue Kirchens Agenden und
Gebets - Sammlungen , welche, wie man ſich aus .
drückt , nach dem Geiſte einer gelåuterten Religions :
Lehre " abgefaßt ſind und daher von vielen hochgeprieſen
werden. Wir gönnen gern jedem die Freiheit, fich nach
ſeiner Art zu erbauen ; aber wir egeſtehen eresunumwunden ,
daß ten Enichts
bernſwir emsw ilig es und
18 diere wo, blLangweiliger
nft . Trockneres in Froſti.
geres kennen , als dicſe wohlausſtudierten und im mo. .
dernſten Coſtum ausgefeilten Gebets . Formulare. Die
Araber haben einen Glückwunſch : „ Gott w å fre
Dich ( Şacaceha Allah ) ! “ welcher für ihr trockenes
Clima recht paffend iſt. Dieſer Wunſch ſcheint bei den
meiſten neuern Agenden und Formularen in buchſtäbliche
60 . Allgemeine Bemerkungen
Erfüllung gegangen zu reyk ! Benjamin Schmolte
und Eubach find fühne, faft möchte man ſagen , zu
dringliche Beter ; aber wer wollte ihnen nicht den Vorzug
geben , vor jenen Modernen , welche ſich in langen Eins
leitungen von dem Verdachte zu reinigen ſuchen , als 06
ſte durch ihr Gebet etwas bei Gott zu erlangen ſuchten !
Bei Gott, wenn es eine Battologie und Kenophonie giebt, a
To iſt es dieſe ! Hier iſt zwar keine zutrauliche Schwakas
haftigkeit , aber deſto mehr hohle Phraſeologie na furg,
eine. Art zu beten , welcher die Freudigkeit und Kindlich.

;; . , . VI.

i :: Nach den mitgetheilten Anſichten der Alten läßt fich


auch das Urtheil über den Gegenſtand und Inhalt:
unſers Gebete 8, oder über das, was die chriftliche
Kirche Gott vortragen , oder von ihm erbitten ſoll , einia
germaßen beſtimmen.
Das Kind hat andere Rechte und Freiheiten , als
der Senecht, Diener , Unterthan und Frembe. Was für
dieſen unziemlich und unanſtändig wäre, iſt es nicht für
dieſes . Der Vater verzeihet dem Kinde relbſt thòrichte
Wünſche und Bitten , welche er dem Diener nicht zu
Gute halten würde. Was man dem Hausvater vertrågt,
tvůrde man nicht immer und auf dieſe Art dem Regenter
und Landes - Herrn vortragen dürfen . Der Einzelne hat
andere Anliegen und eine andere Form , fie anzubringen ,
als die Gefauimtheit, in deren Munde mancher Wunſch
und manche Foderung auffallend und unſchicklich reyn
würde. Was Auguftinus in ſeinen Befenntniſſen
- und Selbſtgeſprächen Gott vorträgt, iſt ganz individuell,
und fou nicht als eine Bitte der Gemeine zu Hippo , nod
weniger der ganzen Chriſtenheit , angeſehen werden . Das
Gebet des geiſtreichen und findlich - fromment lichten .
berg , worin er Gott bittet , metwas aufa $ . Loppa
über Gebet und Gefang:
- chen zu bercheeren, würde im Namen einer Ger
meine eine ungereimtheit und Thorheit reyn. : )
17/07 . Zwei dogmatiſche Punkte konimen hierbei in ndhere !
Beziehung , als 'man auf den erſten Blick vermuthen : :
Toute : . '* . 2 :es i i on :
: 1 .) Die Lehrevon dem Anthropomorphism U8
und Anthropopathismus: Die Doginatifer find
zwar über Begriffs - Beſtimmung und Anwendung vete :
ſchiedener Meinung ( S . Reinhard und Ståuds
lin ) ; aber darin ſtimmen ſie überein , daß man bei der
Vorſtellung des gåttlichen Berens den menfchlichen
ler ' s bekannter Ausſpruch :
. .. In Teinen Göttern mahlet der Menfch fich , " .
welcher mit den bertvandten Sentenzen des Fenophanes,
Parmenides u . a . ro ſchôn barmonirt, enthält eine Wahr
Heit , welche beſonders in der Lehre vom Gebete ihre gange
Anwendung finden Aus den Gebeten und gottesdienſte
lichen Gefangen eines Volkes werde ich deffen Religion
und Gottheit mit ziemlicher Gewißheit beſtimmen können.
Dieß erſtreckt fich ſelbſt bis auf einzelne Religions - Bar
theien und Confeſſionen , und man hat daber beſtimmte
Kriterien aufgeſtellt, woraus man den Katholiken und
Proteſtanten aus ſeinen Gebeten , Dorologien , Sym .
nen u . T. 10. erkennen kann. :
Unter allen Anthropopathien giebt es vielleicht
teine, welche frappanter , zugleid ) aber auch liebenswürs
diger wäre , als die bekannte Grabſchrift : .
Hier liege ich Sans Haſchebrodt ;
Und bitt Dich , lieber Herre Gott:
Das ewige leben wolleft geben mir ;
Gleichwie ich 's würde geben Dir ,
. Wenn ich wäre der liebe Gott,
Und Du 'wäreſt Hans Hafdjebrobt!
Wer méchte es wohl wagen , bier als Kritiker
aufzutreten ? Daß die Kritik hier viel Sroff finden würde,
62 . . . Allgemeine Bemerkungen -
kann niemand läugnen ; aber ich denke , daß jeder Bers .
ftåndige hier an das a posse ad esse , und an das Paulis
niſche: Sich habe es alles Macht, aber es frommet nicht
alles , — denken werde.
Dieſem Beiſpiele eines Individuums kann man ein
Collectiv - Gebet kat' evewitov, welches ein Predis
ger in England , als Repräſentant feiner Gemeine und
Nation , im Namen der Verſammlung ausſprach , an die
Geite reßen . Vor dem Ausbruche des Krieges zwiſchen
England und Holland im I. 1783 wurde für beide Låns.
der ein allgemeiner Buß - und Bet , Tag ausgeſchrieben .
Die kirchliche Feier fand in Holland acht Tage früher
Gtatt , als in England. Hier nun bielt der Prediger
eines Küften . Dorfes die vorgeſchriebene Predigt und
las nach derſelben das Gebet ab , wprin Gott um Segen
zum Kampfe für die gerechte Sache angerufen wurde."
Er regte am Schluß deſſelben hinzu : ,, Du wirſt Dich
erinnern , o Herr , daß heute vor acht Tagen die Predia
ger in Holland auch um Deinen Beiſtand für ihre gerechte
Sache geflehet und uns , wie Jakob den Eſau überliſtete,
Deinen Segen gleichſam wegzuſtehlen verſucht haben .
Allein fie find Falſche und Lügner und die Wahrheit iſt
nicht in ihnen . Daher, o Herr, regne und hilf uns,
und laß uns, dem gottesfürchtigen Volfe von Alt - Enga
land , Alles wohl gelingen ; Amen ! ".
Audy bier tritt der Fall ein , daß die Kritik eben
: : deshalb , weil ſie nicht weiß , wo ſie anfangen und wo fie
endigen roll, gånzlich verſtummen und ihr Unvermögen
bekennen muß. Und ro iſt es faft überall , wo das Menſche '
liche auf eine ſo auffallende Weiſe hervortritt , daß das
Göttliche gleichſam abforbirt wird. "
.. 2 .) Aber auch das Dogmen de providentia Dei
specialissima , oder de cura minima, fommt hier in
beſondere Betrachtung. Ferner zeigt hier einen beſondern
Einfluß die Lehre von dem Concursus Dei ad actio
nes humanas, 'und ob dieſer ein Concursus ad ma
über Sebet und Gefang.
teriale oder bloß ad formale fey ? Desgleichen die Lehre
von der Prådeſtination, vom Terminus vitae,
Fatum christianum , u . f. iv . Die dogmatiſchen
Beſtimmungen hierüber müſſen nothwendig auf die Faro
ſung der Bitten Einfluß haben ; und das öffentlicheGebet
wird daber die Farbe der Dogmatif tragen . Doch leh .
ret auch hier die Erfahrung , daß das religiöſe Gefühl
zuweilen die Feſſeln der Dogmatit durchbricht; was blog
fonders bei denjenigen Confeſſionen der Fall iſt , welche,
Wenn ſie das, Dogma von der Prädeſtination in reiner
ganzen Confequenz befolgten , wo nicht das Gebet úbers
haupt und den ganzen Cultus, doch das einzelne Bitt .
Gebet verwerfen müßten . Dennoch ertheilt çalvin . ..
einen höchſt lehrreichen Unterricht vom Gebete ;. *) und
in den Ugenden der nach ihm genannten Kirche findet ſich

' * ) Jo. Calvini Institut. Lib . III. c. 20. Daß Calvin


. . . keinesweges für die jedem Geiſtlichen zu ertheilende Freiheit,
. nach Gutdůnken zu beten , ſtimmte, erſieht man am beſten . . .
aus deſſen Sendſchreiben an den Protector von England ,
worin er ſein Gutachten über die unter Eduard VI. einges
führte Reformation und über die im J . 1548 confirmirte
liturgie abgiebt. S . Epist. ad Eduardum Somersethum .
Ep. Calvini p . 39. Es ſtehet auch vollſtåndig in Gerdes
sii Historia Reformat. T . IV . Monum , antiq. p . 212
27. Es heißt p . 221 : „ Quod ad formulam precum et
rituum ecclesiasticorum , valde probo, ut certa illa extet ,
a qua Pastoribus discedere in functione sua non liceat,
tam ut consulatur quorundam simplicitati et imperitiae,
quam ut certius ita constet omnium inter se Eccles'a
rum consensus. Postremo etiam , ut obviam eatur de
saltoriae quorundam levitati , qui novationes quasdam
affectant, uti eo pertinére , catechismum ipsum ante
ostendi. · Sic igitur statum esse catechismum oportet,
statum Sacramentorum administrationem , publicam item ,
precum formulam etc. “ " Wie kommt's , daß man ſo we's
nig auf Calvin 's einſichtsvolle Rathfcblåge und Vorſchriften
· achtet'? * *
Allgemeine Bemerkungen
manche treffliche Gebets. Forinel, woran auch der ruftigſte
Polemiker nichts auszufeßen findet. . . .
Man könnte aus den Zeugniſſen des Tertullianus,
Drigenes , Auguſtinus u . . w ., ſo wie aus den älteſtent
Formularen in den apoftol. Conſtitutionen und den åltes
ften Liturgien und Sacramentalien die einzelnen Punkte
und Gegenſtande , welche die alten Chriſten Gott im Ges
beté vorzutragen pflegten , aufſuchen , um ſich hierüber
eine náhere Auskunft zu verſchaffen . Allein es bebarf-im
Grunde dieſer mühſamen Arbeit nicht, da wir noch einige
Documente aus dem Alterthume befißen , aus welchen
man ſich hierüber ziemlich volftändig unterrichten fann .
Es gehören hieher die Suvantae (collectae ) aus
der orientaliſch : griechiſchen , und die Litania e sa
Rogationes , aus der lateiniſchen Kirche. Die Griechen
verſtehen unter den Synapten die ffentlichen Fürs
bitten , worin die Wünſche und Bitten der Einzelnen als
eine Angelegenheit der Gefammt · Kirche angeſehen und
als ein Gemein . Gebet Gott vorgetragen werden . Sie
werden in große und kleine und GUVOTTAL Lonni
xal ( pro pace ecclesiae ) und OUVUITTAL: TOV áttn
GEWV (Beth - Collecten ) eingetheilt. Der Diafonus
recitirt das Gebet , und nach jeder einzelnen Bitte , rufet
der Chor oder dieGemeine die Formel dazwiſchen : Herr
erbarme Dich ( uvole èdénov ) oder : Herr vers
Veibe es. (xVQLE Taoaoſov.) ! In Jac . Goari
Eucholog. Gr. p. 33. 48. 776 . u. a. , und Hei
neccii Abbildung der alten und neuen griech . Kirche,
Th. III. S . 223. u . a . iſt die ſogenannte große Cola
lecte vollſtåndig mitgetheilt. Diefelbe Bewandniß hat
es mit den Litaniis (A .TAL S. NITAVELO ! , bei den
Lateinern : Rogationes ) , welche ebenfalls in majores et
minores eingetheilt und für getiffe Jahress Zeiten feſts
gereßt waren . Sie erhielten ſeit dem V . und VI. Jahra
hundert in der abendländiſchen Kirche, beſonders durch
Gregorius d. Gr., ihre beſondere Form und wurden
über Gebet und Geſang.
Häufig mit Proceſſionen verbunden . S . Bingham .
Orig . Vol. V . p. 21 seqq. .
: Dieſe alten Formeln können mit ziemlicher Sicher:
beit als ein allgemeiner Dypus , und als eine authentiſche
Erklärung der alten Kirche über das Objekt des Gebetes
angeſehen werden . Was darin enthalten iſt , konnte
ohne Unbeſcheidenheit und Verlegung der Schicklichkeit
im Namen der ganzen Gemeine und Stirche vorgetragen
werden . Was noch von Wünſchen und Bitten für beri
ſondere Fålle, Verhältniſſe und Bedürfniſſe hinzu kommen
follte , ward der Einſicht der Biſchöfe und Vorſteber
überlaſſen. In der proteſt. evangeliſchen Kirche hat
man bei dem allgemeinen Kirchens Gebete die Norm und
Form der alten Kirche beizubehalten geſucht und daher ii.
findet man darin in der Regel die Fürbitte : a .) für die
ganze Chriſtenheit - und chriſtliche Kirche; b .) für die
Erhaltung der reinen evangeliſchen Lehre und den rechten
Gebrauch des göttlichen Worts und der heiligen Sacras' i
mente ; c.) für die Erhaltung des Friedens und ein rus
bigeß und ftilles Leben in aller Gottreligkeit und Ehrbare
keit ; d .) für die chriſtliche Obrigkeit , für alle chriftliche
Kaiſer , Könige, Fürſten und Herrn ; insbeſondere aber
für den Landesherrn - und den zur Res .
gierung verordneten Beamten und obrigkeitlichen Perfos : :
nen , Kirchen - Patrone, Vorſteher u. F. 10. ; e. ) für
die Wohlfahrt aller Stånde, beſonders für die Wohlo
fahrt des chriſtlichen Hausſtandes und Familiens Lebens ;
f. für den Segen des Feldes,' der Früchte und des Gesaj
werbes (wobei auf die Individualitåt des Clima's , Bos
dens , Sandels u . r.'w . die meiſte Rückſicht genommen
wird ). Auch in der allgemeinen Zuſammena
faffung aller chriſtlichen Wünſche und Bits
ten und alles derſen , was jeder auf reinem
Herzen und Gewiffen hat, wie ſie in den ålteren
Gebets - Formularen der evangeliſchen Kirche ausgedrückt
zu werden Pfleget , findet man eine faſt wörtliche Uebera
Fünfter Band.
aldgemeine Gemerkungen
einſtimmung mit den ålteſten Formularen aus der Zeit
vom vierten bis achten Jahrhundert.
Man hatalſo eine allgemeine Harmonie in Anſehung
deffen , was Inhalt des allgemeinen Gebetes ber Chriſten :
reyn roll. :
Dagegen iſt es hierbei, ganz wider die gewdhnliche !
Regel , ungleich fchwieriger , das Negative, als dass
Poſitive , zu beſtimmen . Man weiß , wie viel Streit in
den neuern Zeiten die Frage : wenn eine Predigt
aufhöre, eine chriftliche zu reyn ? veranlaßt
bat. *) und dennoch ſcheint die Anwendung dieſer Frage
auf das Kirchen -Gebet noch weit ſchwieriger zu feyn .
1 . Im Augemeinen dürfte nur etwa Folgendes hierüber
. Ju beſtimmen ſeyn :
1.). Jedes Gebet iſt unchriſtlich zu nennen , welches
gegen einen Fundamental . Artikel des chrift :
lichen Glaubens verſtößt und mit der Glaubens
Analogie ( Analogia fidei) nicht zu vereinigen iſt.
m ; Man darf hierbei chriftliche und kirchliche
Drthodoxie nicht verwechſeln . Der vernünftige Proa
teftant wird ein Gebet , worin der Fürbitte der Heiligen
Jungfrau Maria , oder der Heiligen erwähnt wird, oder
ein Gebet an die Mutter Gottes , givar für ein unpro
teſtantiſches, aber nicht für ein un chriſtliches
Sebet erklären . Eben ſo wird der vernünftige Katholie
ſelbſt in jenem bekannten Bravour..Spruche Euther' s . .
Erhalt uns Herr bei Deinem Wort,
Und ſteur des Papſts und Dürfen Mord u . F. m .
zwar einen ſtarten Grad des Anti - Papismus , abec

* ) S . Loffler: Benn eher eine Predigt aufhöre , chriftlich zu


Tenn ? S . Baffler's Predigten B . IV. Deſſen kleine Schriften .
Ih. III. S . 235 ff. Ummon : Was ift eine chriſtliche Pres
digt. S . deſſen Anleitung zur Sangelberedſamkeit. Göttips
gen . 1799. 8 . Einleit. Bgl. Neues Journal für Prediger B .
XV. S . 1 ff. B . XVII. S . 279 ff. 3. D . hieß Uns
dachtsbuch . Ih. I. S . 362 ff.
über Gebet und Gefang. 67

keinesweges eine Neußerung des Anti-Chriſt's erkennen .


Und zwar dieß um ſo weniger , da ja noch gar nicht aus .
gemacht iſt, ob hier unter dem , Pap fte" gerade der
Birchof von Rom , oder nicht vielmehr jeder , wels
cher , auch in der evangeliſchen Kirche , nach einer abfo :
(uten Glaubens - Dictatur ſtrebet, zu verſtehen ſey . * )
Schon die alte katholiſche Kirche hat zwiſchen Schismati. . .
kern und Håretikern auf der einen , und Apoftaten und Unti.
Chriſten auf der andern Seite einen Unterſchie8 gemacht.
Sie erkannte in der Regel , und nur mit einigen Ausnah
men gegen gewiſſe Håretiker , - f. B . die Eunomia . . .
ner ( jedoch auch hier nur ex jure retorsionis ), die von
den Håretikern vorgenommene Uominiftration der
Sacramente (wenn ſie nur rite vorgenommen wors " :
den ) für gültig an , so ein Grundſaß , wodurch ſich die
katholiſche Kirche io vortheilhaft über den engherzigen
Particularismus der Novatianer und Donaſten erhob.
Uuch trugen rechtgläubige Kirchen - Lehrer fein Bedenken , -
* ) Eine officielle Erklårung hierüber gab , auf Beranraffung des
.. zweiten Reformations : Iubit&ums 1717, der .Fürft von Naf:
faus Idſtein in einem öffentlichen Mandate , worin geſagt
wird : ,, Damit aber dieſer Vers bei Ndmiſch : Katholiſchen ,
To in dieſem Fürſtenthum befindlich , deſto weniger Anſtoß .
gebe: To wåre etwa in der Nachmittags : Predigt das Volk
auf bequeme Urt zu unterrichten , daß dieſe und andereiders :
gleichen Worte niche gegen die Perſon noch gegen das biſchöf: .
liche Umt des Römiſchen Papſtes an und vor ſich ſelber , To
fern es in denen nach Gottes Wort geziemenden oder erlaubs .
ten Schranken (nach der erſten Rdmiſchen Biſchofe löblichſten
Erempel ) verblieben , ſondern nur gegen das antichriſtiſche
Berfahren aller derer , welche ihr geiſtlich Umt und Bürbe
gegen Chriſtum und ſein heiliges Evangelium zu mißbrauchen
mitten in der Chriſtenheit fich unterſtanden , oder noch unters
ſtånden , eigentlich gerichtet und davon zu verſtehen wåren , To,
daß man auch die lutheriſchen P å p ft ê , wo dergleichen
unter uns erfunden würden , hiervon nicht wollte ausgeſchloſſen
haben . “ S . E . S . Cyprian 's Hilaria Evangelica . Th.
I. c . 132. p . 4450
Allgemeine Bemerkungen
aus den Einrichtungen der Håretifer Vortheil zu ziehen
. . und manches aus den Inſtituten derſelben in den Cultus
der katholiſchen Kirche zu verpflanzen . Dieß war unter
andern der Fall, als Chryfoftomus , beini Gottess
dienſte zu Konſtantinopel, um demſelber mehr Intereffe
zu verſchaffen , manche Einrichtungen der Arianer zur : ,
Nachahmung empfahl und wirklich einführte. Man 'vgl.
Socrat. hist. eccl. VI. c. 8 . und Sozom . hist. cccl.
VIII. 'C . 8 . S . Denkwurdigk. Th. III. S . 891
92. Lehnliche Fälle ſind in der Geſchichte nicht reltcu .
Man verwarf immer nur das , was auf Asgåtterei ,
Påſterung Jeſu , Verachtung des göttlichen Worts und
der Sacramente u . f. w . führte. Man enthielt ſich jcder
Gemeinſchaft mit dem Anti , Chrift und dem Mens
fchen der Sünde (avionos tus duaptias), wie !
ihn der Apoſtel Johannes ( 1 Joh . 2 , 18 . 22. 4 , 3 .
2 Joh . 7. ) und Paulus (2 Theffal. 2 , 3 . ff. )
fchildern . .
i Eine Schwierigkeit indeß entſtehet hierbei: ob mart
. : bloß auf den Inhalt oder auch auf die Quelle zu res :
ben habe,und ob bloß auf das quid ? nichtaber auch auf das
quis? zu achten rey ?. Einige Beiſpiele werden dieß nás
her beſtimmen .
Man nehme folgende Gebets - Formel: : .
glob Gott, dem Berrr der beiden Wel,
ten ! Dem barmherzigen Erbarmer !
Dem Könige des Gericht8 . Lag e8 ! Dich
verebren wir ! Dir weihen wir unſern
Eifer und Dienſt! Peite uns auf den
Weg der Gerechten ; auf den Weg
derjenigen , gegen welche Du Dich .
wohlwollenő: erweifeft; nur nicht der.
jenigen , über welche Du furnéſt , und
nicht den Weg ) der Frrenden !"
Wo were in dieſem Sebete etwas enthalten , was
· nicht ber Chrift zu allen Zeiten und von allen Confeſſionen
über Gebee und Gefang. : ) i 69

ſicher durch ein ſolches mit Würde und Ausdruck ausges


ſprochenes Gebet fich erbaut fühlen und nicht ahnen , daß
hier etwas ganz unchriftliche 8, ja Unti- chriftlis.
ches mitgetheilt werde. Uber' welch Zergerniß würde
nicht dieſes Gebet vor einer Verſammlung orientalis
scher Chriſten geben , wo jeder weiß, daß dieſes ,,Eröff
nungs . Gebet " (wie es genannt wird das Glauben 8 .
Bekenntniß der Muhammedauer, oder das
türkirche Pater , Unrer (wie man es oft genannt
bat ) iſt, und daß dieſes Alhamdo lillahi (lob ; '
dem Allah !) vålig gleichbedeutend mit unſerm : Gelobt
rey Jeſus Chriſtus ! gebrauchtwird ! Nicht zu ges '
daniſchen Ausleger , unter denjenigen ,' , über welcheGott
zúrnet ,“ . die Juben , unter den „ Irrenden, aber die
Chriften verſtanden werden , und daß alſo , obgleich)
etwas ſchonender , als gegen die Juden , dennoch wider
die Chriſten gebetet werde.
Dine viele Beiſpiele aus griechiſchen , rómiſchen
und indiſchen Schriftſtellern , welche, wenn man bloß
quf den Inhalt ſieht, für chriſtliche Beter und Hymnos
logen gelten könnten , anzuführen , rey es genug , auf ein
Exempel aus derGegeurrart aufmerkſam zu machen . Das
befannte Glaubens . Befenntniß von Göthe:
Wer darf ihn nennen ?
Und wer bekennen :
Ich glaub' ihn ? u . F. to.
, ( S . Gothes Werke. IX . B . Dübingen . 1817. .
S . 171 72 ).
iſt nicht nur mit großein Beifall aufgenommen worden ,
fondern auch in liturgiſche Schriften ( f. S . von
Scherer u . a . ) und wahrfcheinlid ) auch hin und wie.
der in officiellen Kirden . Gebrauch übergegangen . Über,
abgeſehen davon , daß dieſer Glaube wenigſtens nicht
- . 70 Allgemeine Bemerkungen . .

woher und aus weſſen Munde iſt er genonimen , und un .


ter welchen ilmſtånden iſt er ausgeſprochen ? Es iſt der
dåmoniſche Fauft, das moraliſche Ungeheuer, welches,
um die unſchuldige Margarethe zu berücken , wie ein Ens
gel des Lichts redet. Die beſte Kritie darüber enthalten
übrigens , wie es mir ſcheint, des Dichters eigene Worter
. . . ä . a . D . S . 172: . i

Margarethe:
Das iſt alles recht ſchön und gut:
Ungefähr ſagt das der Pfarrer auch ,
Nur mit ein Bischen andern Worten .
Fa u ft :
Es fagen 's aller Drten
Alle Herzen unter dem himmliſchen Dage ;
Jedes in ſeiner Sprache ;
Warum nicht ich in der meinen ?
Margarethe :
Wenn man's po hört, mở ch t ’s leidlich
ich einen ,
. Steht aber doch immer ſchief dar um ;
Denn Du haſt kein Chriſtenthum !

Die froinme Einfalt mochte ,wohl jene Fauſtiſche


Gebets . Formel erbaulich finden ; aber gewiß würde jeder,
der ihren Urſprung und Zuſammenhang kennte , dadurch
geårgert werden . Wehe aber dem Menſchen , durch
welchen Hergerniß foimmt !
. In manchen ältern und neuen Dramen , Volkslies
dern u . f. m . fommen Sentenzen vor, welche ihreu Ins
hatte nach und an ſich ganz unbedenklich einer chriſtlichen
Gemeine in Predigten und Gebeten vorgetragen werden
könnten (und auch wirklich vorgetragen worden ſind,
8: B . aus Schiller ' s Jungfrau von Orleans,
über Gebét und Gefang.
Soßebue ta a . ), aber dennoch von keinem einfichts.
volen Religions - Lehrer gebraucht werden können , weil ..
dieſer nichts ro ſehr, als Profanation des Heiligen, ſcheuen ;
muß. Die alten Liturgen håtten an ihrem Euripides ,
* Sophofles , Ariſtophanes , Plautus , Lerentius , Virgin
líus , Cicero , Seneca u . f. w . einen trefflichen Vorrath
von Materialien gefunden ; aber fie verſchmåhten einen
Folchen Reichthum und waren mit der evangeliſchen Ar. .
muth zufrieden . Sie befolgten den Grundfas des sie .
ronymus ( Epist. XXII. ad Eustoch . ) : „ Quae
communicatio luci ad tenebras ? Qui consensus Christo
cum Belial?. Quid facit cum Psalterio Horatius ? Cum ; ..
Evangeliis Maro ? Cum Apostolis Cicero ? Nonne scan . .
dalizatur frater , si te viderit in idolo recumbentem ?
Et licet omnia munda mundis, tamen non
bibere debemus simul calicem Christi et
calicem Daemonum !“
2.) Bei der zweiten Foderung : daß kein Gebet et
was enthalten dürfe , was deni Geifte der Sitten .
febre Seru und den befonderen Vorſchrif .
ten derſelben widerſtreite, gilt größtentheils daſſelbe,
was bisher bemerkt wurde. Einige beſondere Punkte
aber kommen noch hinzu .
a.) Viele neuere Puriſten , beſonders aus der Kano
tifchen Schule , tadeln an manchen alten Kirchen , Gebeten
und Gefången , daß ſie zu viel Eud å monis mus ents
hielten und den Foderungen einer reinen Noralitåt und
Religioſitätnicht genug entſprechen . Dieſer Tabel aber trifft ,
eigentlich die 6 . Schrift ſelbſt ; denn es laßt fich leicht
zeigen , daß in allen dieſen Fåden entweder Worte der H . ;
Schrift , oder ſtreng - bibliſche Unalogie enthalten ſind .
Dieß iſt beſonders der Fall bei den finnlichen Moti.
veri, wodurch zur Tugend ermahnt und vor dem faſter
gewarntwird . Es wird auf die guten und boren
folgen der Handlungen aufmerkſam gemacht,
Wohlthat,Belohnung und Gnade verheißen , und Ungnade,
72 . Allgemeine Bemerkungen ,
.. Zorn und Strafe angedrohet u . P. . Und dieß gehet
von der Bibel aus durch das ganze, chriſtliche Ulterthum '
ro19 hindurch , daß man entweder daſſelbe in einen augea
meinen Unflage - Stand verſetzen , oder ſich nad) einem
anderen Wege, wie man diere , endåmoniſtiſchen und
anthropopathiſchen Motive beſeitigen oder befriedigend er:
klåren könne, umſehen muß.
- Ueberhaupt wird es nicht möglich reyn , die Vora
ſtellung von einer theurgiſchen Kraft und Wirkung
des Gebetes aus dem chriſtlichen Alterthume heraus zu
erklären , da ſich die Spuren davon ſo häufig zeigen . .
Man kann indeß ſchon dabei ſich beruhigen , daß die Lehre
von der moralirchen Wirkung wenigſtens nie , ganz ' . ..
verfannt wurde und daß es nicht wenig kirchliche Gebete
und Gefånge giebt , wo ſich die Anipendung davon bes
merklich macht. " . . .
In Anſehung der ſpeciellen und angewandten Site
ten - Lehre bieten diejenigen Gebete und Geſänge, welche
fich auf das pflichtmäßige Verhalten gegen
den Feind beziehen , den meiſten Stoff zum Tabel dar.
Es iſt allerdings gegründet, daß man von der Lehre Jeſu :
liebet Eure Feindei regnet, die Euch flus
chen , u . ſ. w . ſeltener die Anwendung findet, und daß
die Bitten um Beſtrafung und Vertilgung der
Feinde keine Seltenheit ſind. Es ſcheint , daß man ,
fich hierbei mehr an die im 4 . E., beſonders im Pralter,
vorkommenden Beiſpiele hielt , oder auch die Exempel der
Apoſtel Paulus , Petrus , Jakobus und ſelbſt des fonft.
i fo liebevollen Johannes hierin befolgen zu dürfen glaubte. ..
Zum Glück find indeß ſolche Gebete in der chriſtlichen
Spirche nur eine Seltenheit , und die berreren Lehrer und
Vorſteher derſelben haben es ſtets erkannt , daß Version
wünſchungen (dirae ) der Feinde , wie ſie Juden . und
Heidenthum und der Islamismus geſtattet , nicht im
Geiſte der Religion Jeſu , des Friedens . Fürſten , find.
über Gebet und Gefang.
: Das bisher Bemerkte mag hinreichen , um das
öffentliche Gebet der Chriſten , in materieller. Hinſicht, im
Allgemeinen zu charakteriſiren. Ueber das Formelle
können erſt in den folgenden Abſchnitten , welche den ber
ponderen Gebots , Arten und den mit dem Gebete
verbundenen å ußerlichen Gebrå uche n gewidmet :
find, nähere Unterſuchungen angeſtellt werden . Doch
mogen auch hier ein Paar allgemeine Erinnerungen vors
ausgeſchickt werden .
1.
. . : : Da der Geiſt des Gebets und die Geſinnung
des Betenden den alten Chriſten die Hauptſache war, und
da man ſich , nach der Warnung und dem Beiſpiele Jelu .
und der Apoſtel , vor allem vor der Polylalie und Batto :
logie zu húten ſuchte , ſo zeichnen ſich die ålteſten Gebete
durchgehends durch Einfach beit, Natürlichkeit
und Kunſtloſigkeit aus.
. Man hat geſagt: diefe Kunſtloſigkeit ren keine.
Jugend , ſondern Natur und ein Werk der Nothwendige
keit. Wenn dieß auch bei Ieſu und den Apoſteln (da
felbft der gebildetſte unter allen , Paulus , fich einen
idiot1V TOU dogov nennet ) , ſo wie bei den apoſtoli.
fchen Våtern und erſten Lehrern angenommen werden
könnte , fo läßt ſich doch bei den Kirchenvåtern des zweis
ten und dritten Jahrhunderts das Vermogen und eine
gewiffe Kunſtfertigkeit nicht bezweifeln . Die meiſten dara
unter waren ja in den rhetoriſchen und , philoſophiſchen
Schulen gebildet , und hatten vor ihrem uebertritt Ger
legenheit genug, zu förmlichen Diſputationen und öffent
lichen Verhandlungen in foro gehabt. Man denfe an .
Juftinus martyr , Theophilus von Antio .
chien , Clemens Alexandrinus, Origenes ,
Tertullianus , Cyprianus, Arnobius , face:
tantius und ſo viele andere. Alle dicſe Männer håtten
gewiß die Gabe gehabt, für den gottesdienſtlichen Ges
Adgemeine Bemerkungen
brauch recht wohlgefegte Gebets - Formulare und kunſte
mäßige Lieder zu componiren . Sie unterließen es aber,
hier ihre Kunſt zu üben , weil ſie die Ueberzeugung hatten :
Das Reich Gottes beftehet nicht in Wor .
ten , ſondern in Kraft ( 1 Cor. Iy , 20. ) !
: Daß dieß wirklich Grundſatz der alten Lehrer war,
mag , ſtatt vieler andery, ein ſchönes Zeugniß des Ar .
nobius (Disputat. adv. Gentes ; lib . I. c. 58. 59. )
beweiſen . Der Verf. führt den Vorwurf der Seiden an,
daß die H . Bücher der Chriſten von Ungelehrten fehlerhaft
und gemein geſchrieben wåren . Hierauf erwiedert er :
„ Nunquam veritas sectata est fucum , nec quod ex
ploratum et certum est , circumduci se patitur oratio
.. nis per ambitum longiorem . Collectiones, enthyme
mata , definitiones , omniaque illa ornamenta , quibus
fides quaeritur, assertionis, suspicantes adjuvant, non
: veritatis, liniamenta demonstrant. Caeterum , qui
scit , quid sit illud , quod dicitur, nec définit , nec :
colligit , neque alia sectatur artificia verborum , qui
.. bus capi consueti sunt audientes, et ad consensum rei ,
circumscriptionis necessitate traduci." Dann heißt
es weiter c. 59 : ' „ Poinpa ista sermonis, et oratio
missa per regulas concionibus, litibus, foro judiciis .
que
e
servetur , deturque illis immo, qui voluptatum
d
. delineamenta quaerentes , omne suum studium verbo
rum in lumina contulerunt. Cum de rebus agi :
tur ab ostentation 'e submotis , quid dica .
tur, sp 'ectandum est, non quali cum amoe
nitate dicatur: nec quid aures commul.
ceat, sed quas afferat audientibus utili.
tates; maxime cum sciamus , etiam quosdam sapien -
tiae deditos non tantum abjecisse sermonis cultum ,
verum etiam , cum possent ornatius atque uberius elo
qui, trivialem studio humilitatem secutos, ne corrum
perent scilicet gravitatis rigorem , et sophistica se po
tius ostentatione jactarent. Enimvero dissoluti est
. ! Aber Gebet und Geſang. 75 ;
pectoris in rebus seriis quaerere voluptatem ; et cum
tibi sit ratio cum male se habentibus atque aegris , som
nos auribus infundere dulciores, non medicinam vul- .
neribus admovere. : Quanquam si verum spectes,
nullus sermo natura est integer , vitiosus similiter
nullus. “ . .
1 . Aus den weiterhin mitzutheilenden Proben wird fich
diefe ungekünftelte Einfachheit der früheren Jahrhunderte,
welche gegen die Künſtelei, Pretioſität und Schwulſt
ſpåterer Zeiten fo vortheilhaft abſticht , am leichteſten
darſtellen laſſen. Doch iſt im Allgemeinen zu bemerken ,
daß Natürlichkeit und edle Simplicitåť,
wenn ſie dem Bombaſte und der hochtrabenden Phraſeo .
logie der Juden und Muhammedaner entgegengefertwird ,
zu allen Zeiten das Eigenthum der chriſtlichen Kirche ges
weſen iſt. is ;
: Es war dieß auch um ro leichter zu erreichen , ohn
geachtet einer noch ſo großen Verſchiedenheit der Zeit und
des Geſchmacks , da man in der Regel mit bibliſchen
Worten betete , und ſich vom bibliſchen Sprachgebraus i .
che fo wenig als möglich entfernte. Daher konnte die
Mode nie eine zu tyranniſche Gewalt auf die Dauer aus.
üben .

Hiermit ftehet die Kúrfe, wodurch ſich die Ges


bete und Geſänge in der Regel auszeichnen , in Verbina
dung. Die Maxime ift : quod potest fieri per pauca ,
non debet fieri per multa. Auch hier behauptet das
Alterthum einen entſchiedenen Vorzug ; aber auch in den
ſpäteren Perioden , wo man långere Formulare einführte,
fehlte es nie an einſichtsvollen Lehrern , welche das Feh .
lerhafte'davon einfahen und verbeſſerten .
Die von Barilius. d. Gr. verfertigten und für
i den öffentlichen Gebrauch beſtimmten Gebete, mißfielen
wegen ihrer fånge und verurſachten bei Bielen eine ube
Udgemeine Bemerkungen
neigung gegen den Kirchen Beſud . Daher rab er ſich
í : zu Abkürzungen genöthiget ( S . Procli de trad. Missal. ,
hom . XXII. p . 580 ). Auch nahm Chryfoftomus
damit zweckmäßige Abkürzungen vor und verfertigte felbft i
neue , fürzere Formulare. Dennoch finden wir in ſeinen
Schriften zuweilen Ermahnungen an ſolche Zuhörer, wel.
che gleich nach der Predigt aus der Kirche wegeilen und
das öffentliche Gebet verachten . S . Der heilige Chrys
Poſtomus , und die Kirche , beſonders des Orients , in
deffen Zeitalter ; von A . Neander. 1: 2h. 1821 . 8 .
S . 329 - 30. Den heutigen Griechen find indeß .
die Formulare des Chryſoſtomus zu kurz, und fic
brauchen daher an den Feſten die ausführlicheren des
Barilius ! Vgl. Thom . Smith de statu Eccles,
Graecae hodierno p. 22 seqq. Heineccii Abbildung
der alten und neuen griech . Kirche. Lh. III. p . 227 ff.
Ein ähnliches Abkürzungs , Geſchäfte nahm in der
abendländiſchen Stirche Gregorius. d . Gr. mit dem
Codex Gelasianus vor. S . Jo. Diaconi vit.
Gregor. M . lib . II. C. 17 : „ Sed et Gelasianum co
dicem de Missarum solemniis multa subtrahens, pauca
convertens, nonnulla superadjiciens, in unius libelli
volumine coarctavit , “ wiewohl ſich dieß nicht bloß
auf die Formulas precum beziehet. Seit Gregor's
Zeitalter zeichnet ſich die abendländiſche Kirche durd , eine
zweckmäßigere Stürze vor der griechiſchen aus ; und das
Breviarium behauptet auch in Anſehung der Gebete: -
den Ruhm ſeines Namens.
. In der proteſt. evangeliſchen Kirche hat man fich
bicrin mehr der orient. griechiſchen genåbert, obgleid ),
futher , Zwingli und . Calvin ſelbſt ſich darauf .
beſchränkten , aus der römiſchen Liturgie eine
giveckmäßige Auswahl zu treffen und durch Ueberſegung
in die Landes . Sprache gemeinnügiger zu machen . Allein
ihre Nachfolger haben ſich einer großern Uusführlich .
keit, wozu ihnen die griechiſchen Euchologien den meiſten
. ůbei Gebet und Geſang. 7
Stoff geliefert haben , befliffen . Wir befißen in unſern : :
Agenden Kirchen . Gebete von einer ungebührlichen Långe. : : . .
Statt aller kann das ſogenannte folennė Bußtags .
Gebet, welches in den Sachfiſchen Agenden für die
großen Buß . Tage vorgeſchrieben iſt und knieend gebetet
werden muß , zum tadelnden Beiſpiele dienen . Aber auch
in anderen Particular • Kirchen in Deutſchland, Schwen
den , England u . a . iſt der langen Gebets- Formulare'eine
zu große Anzahl. Ueberhaupt iſt es eine alte Klage,
daß , ſowohl bei Lutheranern als Reformirten , ju viel
und zü - lange gebetet werde. Die neueren Verbefferer
Ser Liturgie , 3. B . Zollikofer, Baſtholm , Seix
lér, Wolfrath , uoler , Sintenis . u . a. haberi
dierem Uebel nicht genug abgeholfen ; vielmehr eine Menge
ſogenannter moraliſcher Gebete mitgetheilt, welche
eben ſo lang und noch viel langwelliger ſind, als die alter ,
dogmatiſchen und myſtiſchen .
į . 3.
Hauptgrund zum Kosmopolitismus des Chris
ſtenthums lag darin , daß es die Gottes . Verehrung
auf teine Sprache beſchränkte. Es fand hier reine
Anwendung, was Petrus ragte : in allerlei Voll,
wer Gott fürchtet und recht. thut, der iſt
ihm angenehm ( Apoſtg. X . , 35. ) ; oder noch bes" ; ; "
ſtimmter das Pfingſt. Wunder , Apoſtg. II., 1 . ff. und
beſonders die Heußerung V . 11 : Wir horen ries ;
mit unſern Zungen die großen Thaten Goto
tes reden . Dadurch und mit Vergleichung von

Konſtantinopel und Rom auf liturgiſche Adeine',


herrſchaft machten , ihre Zurechtweiſung. Indeß hat die
alte Streit - Frage: in welcher Sprache Jerus
und die Upo ſtel ihren Gottesdienſt gehala
ten ? allerdings ein liturgiſches Intereſſe. Die Annahme,
daß es die griechiſche Sprache geweſen, wie in
» »

78 / A
Allgemeine Bemerkungen
den neuern Zeiten gewöhnlich behauptet wird, ſcheint für
die Behauptung der griechiſchen Kirche, daß ſie die Form
des Ur - Chriſtenthums am treueſten ausdrücke, wenig
ſtens in dieſer Hinſicht zu ſprechen. Aber bewieſen
- kann dadurch nichts werden, weil ſonſt bei der Annahme,
daß es die hebräiſche oder ſyro- chaldäiſche
Sprache geweſen, die Nothwendigkeit,- dieſe zur
gottesdienſtlichen zu machen, weil ſie die urſprüngliche
war, folgen würde. Dann wären aber nur die Chriſten
in Paläſtina, Beröa, Pella u. ſ w. die Ur - Chriſten,
und die Syrer, beſonders die Edeſſener, hätten
den Ruhm, der urſprünglichen Form, womit ſie durch
Philippus und Thaddeus bekannt wurden, am nächſten
zu kommen. - -
Schon im zweiten und dritten Jahrhunderte finden
wir Beiſpiele von Gebeten und Geſängen in der Volks
und Landes - Sprache. Der Philoſoph Celſus
hatte den Chriſten den Vorwurf gemacht, daß ſie fremde
und barbariſche Namen und Ausdrücke in ihren Gebeten
vorbrächten, worunter er wahrſcheinlich ſolche Formeln,
wie Amen, Hallelujah, Hoſianna u. ſ. w.
meinte. Hierauf erwiedert Origenes (contr. Celsum
lib. VIII. p. 4o2.): 'Evratg vzaugoi usv 'E) -
vé gé//yvtxoug, oi de Pou a tot gouaixoug, was
oürog éxaGrog xarc Tyvéavtov Ötalsztov évystat
- - d J. f

to Geg, xat Üuvst avrov ög Övvarat «at ö raong


Ötasarov xvgºog tov cto Traong Ötalextov évyo
Ausvov cºovet, oög utag (iv övrog övouago) po
vºg, tyg kara ta ouatvoueva cxovov, önovus
vng éx tov trotzt?ov ötalextov. Aehnliche Zeugniſſe
finden ſich bei mehrern Schriftſtellern. Auch kann man
mit ziemlicher Zuverläſſigkeit annehmen, daß die Ueber
fetzung und Einführung der h. Schrift beim
Gottesdienſte in gleichem Verhältniſſe mit der litur
giſchen Sprache ſtehet, und daß bei allen Nationen ein
National- Cultus war, wo man eine National
über Geber und Gefang.

-
Bibel hatte. Da nun , nach den Zeugniſſen des Eur :
febius ( orat, de laudibus Constant. M . p. 706 . ) unb
des Chryfoftomus (Homil. I. in Joh. p .' 13: ) ,
ſchon im vierten Jahrhunderte Bibel. Ueberſegungen bei dert
Syrern , Hegyptern, Uethiopiern , Perſern , Indias, ..
inern u . f. w . in Gebrauch waren , so kann man auch eben
ſo viele National Liturgien annehmen . iii .
Die römische Kirche hat ſelbſt zu der Zeit, wo
fie die lateiniſche Sprache des Gottes - Dienſtes als Ges
reß fodern zu können glaubte, ( ein Recht, was ihr långt
vor der Reformation ſtreitig gemacht war ) , in Anſehung
der Maroniten , Armenier , Neftorianer,
Slavonier und unirten Griechen eine Ausnahme
verſtattet , und auch in der neuern Zeit der franzöſis
fchen und teutſchen Meire fein offenbares Veto
* entgegen gereßt. Doch hat man zu keiner Zeit verfannt,
daß die Bibel. Verſionen ( worüber der Streit mit
Pafcharius Duesnel der berühmtefte ift ) mit der
Liturgie in genaueſtem Zuſammenhange fiehen . In deri
orientaliſchen Kirche wurde die griechiſche Sprache
zwar die herrſchende , ohne jedoch die fyeiſche , føptiſche, :
anchariſche,
p
rången . Duarabiſche
r m K pSprache
und ruffiſche
and us irche irche oria zu vera
nna
Nach Durandus ( ration . divin . offic. lib. VI.
C. 77. 81. ) hat die römiſche Stirche die orientaliſchen
Formeln : Amen , Halleluja , soſianna u . a .
beibehalten , um an den Urſprung des Chriſtenthums aus
der Religion des alten Bundes zu erinnern . Die Beia
behaltung der griechiſchen Gebets - Formeln : Kyrie :
eleison 4. a ., ſo wie der vollſtåndigen griechiſchen
Dorologie : Agios, ischyros Theos u . r. w . in
bem Officio Sabbati Magni ſoll eine Andeutung der Unis
verfalitåt des Chriſtenthums reyn , weil die griechis !
ſche und lateiniſche Sprache die Geſammtheit aller Natio.
nen und Zungen repräſentire ! Eine ähnliche Erſcheinung
bietet die ſyriſche Liturgie dar, worin man volftändige
udgemeine Bemerkungen
griechiſche Formeln aufgenommen findet; - dergleichen
auch in der rufriſchen Liturgie vorkommen . Auf eine
ähnliche Art war es ehemals (und zum Theil noch ) in
der proteſtantiſchen Kirche gebräuchlich , an den hoheni
Feſten nicht das gewohnliche Ehre rey Gott in der
i Hobe ! ſondern das lateiniſche ( freilich weitmehr fing :
bare und in muſikaliſcher Hinſicht zu empfehlende) : G100
ria in excelsis Deo ! worauf der Chorusmit et
in terra pax cinfált, vor dem Altare zu ſingen .

in . . So wie die alte Kirche zu feiner Zeit ein allgemeis


: : ines Gerek über Zeit und Drt des Gebetes und über die
dabei zu beobachtenden Gebräuche, 8. B . Richtung des
Geſichts, Siniebeugen , Håndelegen u. ſ. w . , gegeben ,
( eine Liberalitåt, wodurch ſic fich vor dem Judenthume
und Muhammedanismus ro ruhmvoll auszeichnet ): fo
hat ſie auch niemals eine beſtimmte Gebets . Formel
oder einen Geſang , als allgemeine Norm ,
vorgeſchrieben . Selbſt beim Gebrauche des Vater
Unrers geſtattete ſie die Freiheit und es findet ſich
wenn man die Verordnung für den Privat . Gebrauch in
den Constitut. Apost. lib . VII, c. 24. abrechnet , vor
der Synode zu Girona in Spanien im I . 517 (Concil.
Gerund . c . 10 .) und der vierten Synode zu Toledo im
I . 633 ( Concil. Toled. IV. c. 9 . ) , kein Beiſpiel
irgend eines Synodal- Beſchluſſes hierüber. Jede Partie
cular - und National. Kirche hatte die Freiheit, die Art
und Weiſe, wie der Gottesdienſt cingerichtet werden ſollte ,
felbſt zu beſtimmen . Ja, wir finden viele Beiſpiele, daß
die Abfaſſung der kirchlichen Gebete bloß der Einſicht und
dem Gutdůnken des Birch of $ überlaſſen wurde.
../ Man kann es nicht oft und laut genug wiederholen,
ne

daß alle Liturgien und Agenden urſprünglich nichts weiter,


als ein Wert der Freiheit ſind. Aber gerade hiers
bei zeigten ſich von jeher die größten Mißverſtåndniſſe,
über Gebet und Geſang
indem man die Strenge der einzelnen Kirchen - Ordnungen
nicht mit dem Poſtulate der allgemeinen Freiheit zu ver.
einigen wußte. Dieſer Punkt iſt von Bingham Orig.
lib . XIII. c. 5.: de origine et usu Liturgiarum in
praescriptis et statis precationum formulis in ecclesia
primitiva init viel Einſicht und Gelehoſamkeit abgehandelt :
worden . Man vgl. Beſonders die guten Bemerkungen
Vol. V . p. 111 - 113 ., puth e r ' 8 freimüthige
Deußerungen über die Wittenbergiſche Kirchen . Drdnung
find oft so verſtanden worden , als wolle er jebem Geiſta
lichen geſtatten , ju beten , was ihm der Geiſt eingebe.
Man hat daher oft über den Ågenden , 3 wang ges
feufft und daß der Geiſt der Liberalitat aus der lutheria
fchen Kirche ganz verſchwunden ren . Die ſo klagen, muiſſen
nicht bemerkt haben , daß gerade in den politiſchen
Frei . Staaten der ſtrengſte . Formalismus herrſcht,
und daß der einzelne Bürger oder Beamte mit unerläßli. :
cher Strenge an die angenommene Form gebunden iſt.
Die Geſchichte von Venedig , Genua , Helvetien , Holai
land, Nord . Umerita u. a. fann dieß am beſten lehren ;
aber auch die Geſchidite der alten Republifen bietet dies .
felbe Erſcheinung dar.
bhne hier in eineweitere Erörterung über Urſprung,
Abfidit und Nugen feſtſtehender Gebets - Formulare ein . :
jugehen , mag es genug reyni an das zu erinnert , was
ein einſichtsvoller Geiſtlicher unſereë Kirche zur Vertheis
digung derſelben bemerkt hati , Die Formulare fouten
ein feſtſtehender Dyp us reyn , in welchen über den .
Sinn und die Bedeutung einer einzelnen Religionshanda
Jung, nicht der vorübergehende Gedanke des
Individuum si fich ausfp richt, rondern der
Geiſt der Kirche; eine Mutter . Stimme; die; '
gleich der Natur , j u den Kindern aller 30 .
nen , aller Jahrhunderte mit denſelben Do.
nen redet ; ein unfter blides Wort des Glaui
bens, der lieber der Soffnungi das über :. . .
fünfter Bando
Nagemeine Bemerkungen
den Gråbern vergebender Geſchlechter uns
verandert und immer darrelbe bleibt. Dem
zu Folge müſſen hohes Alter und Allgemeinis
beit bie &ußern Charaktere dieſer Formuláre reyn'; ro
wie Salbung und tornige Kůrge die inneren .
Die erſte Foderung kann ein neues Formular ganz und gar
nicht erfüllen , und die lektere nicht ſo leicht, da die
neucre Cultur dem Geiſte rehr oft an Einfalt , Innigkeit
und Diefe das nimmt, was ſie an Feinheit , Erhebung ·
und Univerſalitåt ihm giebt. Die älteren Formulare der
teutſchen proteſtantiſchen Kirche kind oft nicht ohneNachs
druck und Salbung ; aber ſie ſtammen doch nicht aus hos
bem Alterthum und haben nicht einmal eine beſchrånkte
Allgemeinheit ; jede Provins, ja faſt jede Gemeine hat
darin ihr Abweichendes. Solen demnach , wie billig ,
neue Formulare unter uns eingeführt werden , ro wird
Les gut fenn , in die früheren Jahrhunderte
der chriſtlichen Stirche zur ú ck zu gehen ; dort
fließt der Ur - Duell aller chriſtlich en litur :
gien ; dort waltet, der Geiſt des Chriſtens
thums, wenn auch mitunter durch dogmas
tiſche Perirrungen getrübt, dennoch in an . . .

' Die zahlreichen Synodal . Beſchlüffe , Beſonders in


Spanien und Frankreich aus dem V . und VI. Jahrhun
dert, wodurch die Gleichförmigkeit des Gottesdienſtes
feſtgeſent worden , reben råmmtlich die liturgirde
Freiheit voraus, erkennen aber die Nothwendigkeit an ,
daß fich jede Particular - Kirche eine eigene liturgiſche
Gerez • Gebung vorſchreibe. So heißt es im Concil.

*) Ioh. Grindler' s. Gedanken über eine Grund · Neform


der proteft. Kirchen : und Schul: Verfaſſung im Ullgemeinen ,
beſonders aber in der Preußiſchen Monarchie. Zůlichau und ',
Freiſtadt. 1809. S . 112 13. ogl. die Tchine Stelle
s . 117.
. ; '! über Sebet und Gefang.
Tolet. IV . ( a . 633. can. 2 . ) : ,, Unus igitur ordo
orandi atque psallendi nobis per omnem Hispaniam
atque Galliciam conservetur , unus modus in missa
rum solemnitatibus , unus in vespertinis inatutinisque '.
officiis , nec diversa sit ultra in nobis ecclesiastica con
suetudo , qui in una fide continemur et regno .' Hoc . .
enim et antiqui canones decreverunt, ut" unaquaeque :.. ...
provincia et psallendi et ministrandi parem consuetudi.
nem teneat. “ , :

: 5.
. Auch úber die Zahl der öffentlichen Ge's
bete gab es nie ein allgemeines Geren , ſondern nur
Particular - Vorſchriften und Gewohnheiten . Die al.
gemeine Gewohnheit war, den Gottes . Dienſt , oder auch
jede einzelne heilige Handlung mit Gebet anzufangen und
zu beſchlicßen . Das Alterthum liebte auch hierin die
Einfachheit , wie wir aus Juſtinus Martyr, Tertullian.
' nus , Cyprianus , Jrenåus , Drigenes u . a. erſchen .
Spåterhin verfiel man auf Vervielfältigung und Uebers :
ladung ; und in den einzelnen Kirchen . Syſtemen findet
man Scrupuloſitåt und Superſtition. Vor allen hat die: : :
orientaliſch , griechiſche Kirche durch beſonderr Rigoris ,
mus fich ausgezeichnet. Doch fehlet es auch in der room
miſchen Kirche nicht an Perioden , wo ſich in der Abzáha
lung und Abfugelung der pater noster, ave Maria u . 7. .
eine große Entfremdung von Geiſt und Geſchmack der als
ten Kirche offenbarte .
. Bei den Proteſtanten warð ons Gebet bei der
Predigt håufig als die Hauptſache angefehen . Daher :
finden wir , daß die Homileten des XVII. Jahrhunderts :
und aus der erſten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts fich
ſehr ernſthaft mit der Frage beſchäftigten ; wie viel in
Gebete und Vota eine Predigt enthalten
múffe ? Damit ſtand in Verbindung : wie oft in jes
der Predigt und beim Gottesdienfte über
Allgemeine Benierfungen
båupt das Water . unfer zu beten rey ? End,
lich waró auch durch mehrere Kirchets Agenden verord .
net , daß der Geiſtliche an gewiſſen Tagen oder Arten des
Gottes Dienſtes gwei oder drei verſchiedene
Gebets : Formeln hintereinander vorleſe und zu
einem Collectiv . Gebete verbinde. Die Weglaſſung eines
derſelben , oder eines Vater - Unſers bei der Predigt ver.

cin nicht geringes Aufſehen .


Dennoch iſt auch hier in der chriſtlichen Kirche miehr
:: Freiheit, als im Judaismus und Islamismus. ;
... 6. .

Die Eintheilung des Gebetes in lautes und ftil.


les und die noch jest vorkommende Beobachtung dieſes
Unterſchiedes , ſchreibt ſich aus den Zeiten der. Disci.
plina arcani her. Urſprünglich war das ſtille
Gebet ( &VXn did ownñs , precatio per silentium )
wohl nichts anderes, als das Gebet des Herrn ,
welches
. . . Wh ile , nach den Kirchen . Ordnungen , den Profanen
und Katechumenen nicht bekannt gemacht werden durfte.
Die Glaubigen (iLOTOL S. TENELOL) beteten dafelbe
im Beifenn der Katechumenen nicht laut, ſondern für ſich ,
oder in Gedanken (weshalb es auch èuxn nata dióvoiav,
das Gedanken . Gebet, hieß ). Bei der Communion ,wo
die Profanen und Katechumenen entfernt waren , ward es
alsdann , nach vorhergegangener Auffoderung des Dias
fon ’s , laut gebetet ; und dieß hieß : ¿vX ) dia 11000
Qovýgens ( per pronuntiationem s. acclarnationem ).
Sodann ward das RidleGebet auch von jeder frommen
Selb ft Betrach tung, welche man beim Eintritt in
die gottesdienſtliche Verſammlung für ſich anftellte, ohne ſich
einer beſonderen Formel zu bedienen ,unterſchieden . Eine ſol. ·
che meditatio sacra fonntenun eigentlich &vXÒ Hata dido
über Gebet und Gefang:
voicv heißen und war mit dem neutefamer
&UZEOIOCI ÈvhvEVMATI einerlei. .
Dicfes fille Gebet iſt bekanntlich auch bei den
Proteſtanten gebråuchlich. Beim Eintritt in die Kirche
begiebt ſich der Ankommende auf ſeinen Plat , ſchlägt die
Augen nieder , faltet die Hände oder bedeckt ſich Geſicht
oder Augen . Gewohnlich beſtehet dieſe Betrachtung in dem
ftilen Serragen des Vater , Unſers. Hiervon aber iſt
noch das ftille Vatér : Unſer verſchieden , welches
in manchen proteſtantiſchen Ländern an gewiffen Tagen
( 8. B . Buß - Dagen ) knieend, während der Predigt und
nad) erfolgtem Aufrufe , gebetet zu werden pfleget.
; Ueber die Art des Still - Gebetes drückt ſich das
Concil. Laodicen . c . 19. folgendermaßen aus : 1 Nach
der von dem Biſchofe gehaltenen Rede an das Volf ,
Gourdias ) wird zuförderſt für die Katechumenen gebetet.
Wenn dieſe fich wegbegeben haben , geſchieht das Gebet
für die Búßenden ; und wenn dieſe, unter Handauflegung
und Segnung , entlaſſen wordent , ro folgen die drei
Gebete der Glaubigen (TV TUOTÕK tpeis
&Uy( ). Das erſte davon geſchieht ganz in der Stille
( toamnv did , olon13) ; das zweite und dritte aber
durch lauten Ruf ( Triv DÈ PEVTOAV vai toitnu dio :
T000€wvngews). Hierauf wird der Friede ( čionin ,
das : ite in pace ; nach Undern der Friedens . Kuß, oder :
Qanud dylov ) ertheilt. Nachdem die Presbyter dem .
Biſchofe , und dieſer dem Volke ( TOVS Raïxovs ) den .
Frieden ertheilet , wird das heilige Opfer vollendet .
( dyrav a poogopav & TELE109al) , und bloß die zur
Prieſterſchaft Gehörigen ( uóvous Tois iepatixois )
dürfen ſich dem Altare zur Copimunion nahen . - * ) .

*) Ohne Grund hat man aus den Worten : not uovois cov
είναι τοις ιερατικoις εισιεναι εις το θυσιαστηριον, και
Algemeine Bemerkungen
Es iſt zweifelhaft : ob das fille Gebet des
Prieſters vor, der Communion ; welches Bona
( rer. lit, lib . II. c. 1. ) unter dem Titel: Apologia '.
Sacerdotis , als urſprünglich zu Gregor's d. Gr. Sacra
mentarium gehårig , anführt, hiervon verſchieden war,
oder nicht.

3 . In der jüdiſchen Synagoge'beſtehet von den


ålteſten Zeiten, ber eine eigene Regel für die Recitation
dés Gefeßes und des ſangartigen Herſagens der Gebets -
Formeln . Eine ähnliche Einrichtung beſtehet bei den
Muham medanern , ſowohl beim Koran , als bei den
" Gebeten .
, , . Von einer ſolchen Regel weiß die chriſtliche Kirche
nichts . . Dennoch war es von den älteſten Zeiten her
Sitter die Gebete in einem befonders feierlichen Zone
und mit etwas gedåmpfter Stimme zu recitiren . Auch
gehört hieher die gleichfalls rehr alte Gewohnheit, die ro .
genannten Collecten , die Moſaiſche Segens - Formel,
das Vater - Unſer und die Einſetzungs - Worte beim h .
Abendmahle , die Evangelien und Epiſteln und dergl. a bo
jufingen . Doch möchte id nid )t das Ilrtheil unter .
fchreiben , welches in Flügge ' $ Geſchichte des teuts
ſchen Stirchen - und Predigtweſens 1 TI). S . 254. (nach
dem Vorgange. Spittler 's in deffen Kirchengeſch .

· MOLVOVECH die Keget herleiten wollen , daß blog die Geiftlis


chen das Abendmahl unter beiderlei Geſtalt empfangen
- hatten . Die Rede iſt bloß davon , daß nur die Geiſtlichen
die Communion am Mitare empfangen ſollen . Die Eaien
empfingen daſſelbe, wie aus Iuſtinus Martyr u. de erhellet,
an ihren Plagen , wo es ihnen von den Diakonen in beiderſei,
oder vielmehr dreifacher, Geſtalt (Brodt, Wein , Waffer -
upana ) , gereicht wurde.
* Totes über Gebet und Gefang. 1 87
S . 246. ) über Karl's 8. Gr. liturgiſche Unſtalten ges
fågtwird : „ Es iſt ein Beweis , wie man der ungereimtes
ften Sache bald ſo gewohnt werden kann , daß man fie
gar nicht mehr achtet , ſeit Gregor & Zeiten wurde es
bald allgemeine Sitte, daß man dem lieben Gott das
Gebet vorſang." Wie mag man , der individuelle Ges
ſchmack mag reyn , welcher er wolle , fich für berechtiget !
halten , über das ganze ulterthum (nicht bloß das
chriſtliche ) das Urtheil der Ungereimtheit auszus
ſprechen ?
. d“ - -
- -- A
-
". - - -

-- -

-,- -

-
- -
-

.
-
-

- - –

- »
-
>. -
-
- -
-

I
Zweiter Abſchnitt.
. ueber den Gebrauch des Gebets
des Herrn in der chriſtlichen
Kirche.
-“

"

Herm. Wit sii: Exercitationes sacrae in Symbol, Apost. et


Orationem Dominicam. Edit. IV. Herborn. 1712. 4.
J. A. Schmid: Oratio Dominica historice et dogmatice
proposita. Helmstad. 1723. 4. •

J. Ge. Walch: De ſusuorationis Dominicae apud veteres


Christianos. Jenae. 1729. 4. S. Walch Miscellanea sacra.
Amstelod. 1744. 4. p. 58 – 80. - /

Jo. Ern. Ostermann: Commentat. de communi Chri


stianorum precatione. Viteb. 1710. 4, - -

Jo. Ge. steinert: De peculiari indole preeum Domini


nostri, quarum in N. T. fit mentio. Ossit, 1817. 4.

Noch bis auf den heutigen Tag ſind die Meinungen der
Ausleger über Zweck, Bedeutung und Sinn des Gebe
tes, welches Jeſus ſeine Jünger lehrte (S. Matth. VI,
9. ff. vgl. Luk. XI., 1. ff), ſehr verſchieden. S. die
Commentatoren und exegetiſchen Handbücher. -

Es ſind vorzüglich drei Meinungen hierüber aufge


ſtellt worden: -

I. Nach Einigen hat Chriſtus weder für ſeine Jün


ger, Nych weniger für alle Chriſten der folgenden Jahr
- »
- -
*

v
'. . .; Gebet des Herrni

hunderte , ein allgemeines Gebets , Formular mittheilen ,


rondern nur den Geiſt der findlichen Liebe und
des Vertrauens, wovon der betende Chriſt beſeelt
reyn roll , bemerklich machen wollen . Chriſtus habe , im
Gegenfaße mit der jüdiſchen und heidniſchen BartoloyiQ
(welcher Ausdruck von Lukas ſelbſt durch nolvadála er : ' ,
flårt wird ) an einem Beiſpiele zeigen wollen , wie man
mit wenigen Worten viel Bitten und in einem kurzen
Spruche alle Hauptbedürfniſſe des Lebens , Seiſtes und
könne. * ))
szerzens zuſammenfaffen tonne. .
Dieſe ſchon von ålteren Eregeten vorgetrageneMeis
nung bat in den neueren Zeiten an Pott ( de natura et
indole orationis montanae' p . 20. seqq.), Nórfelt
( Observat. ad orat. Dominicam . S . Opuscula p. 2 .
seqq. ) und Kuinsi ( Comment, in libros N . T.
Vol. I. p . 171. seqq. ) ,, drei gelehrte und ſcharfſinnige
Bertheidiger , und überhaupt großer Beifall gefunden .
Doch muß man ſich wundern , daß man gewöhnlich auf den
Hauptgrund, nåmlich auf den Nicht . Gebrauch diefes

. ) Das güros (Matth . 6, 9, ) erklärt Paulus ( Commentar


über das N . I , Ih. I. p . 565.) , mit andern Auslegern : Ei
Nach folgendem Beiſpiel ; nicht aber gerade immer in fols !
genoen Morten ." Schon Grotius bemerkt: „ In huuc .
se'ns um . Non enim praecipit Christus verba recitari,
quod nec legimus Apostolos fecisse, quamquam id quo .
que fieri cum fructu potest, sed materiam precum hinc
promere . " Dagegen wiro von Carovius ( Biblia N . T . .
illustr . T . I. p . 230. ) erinnert : ,, Illud ootas non tantum .
sensum , sed etiam modum ; non materiam solum
petendorum designare voluit, sed formulam etiam cer.
tam praescribere , qua utendum sit. “ Doch ſegt er weiss .
terhin hinzu : „ Quamvis vero Christus hic certam preca . .
tionis formam et normam , ad quam reliquae omnes
revocari possint, quaeque vitandae rolvloylas caussa ad .
hibenda sit , praescribat, non tamen hoc vult, ut hac
unice formula , et non alia unquam utamur. Unius enina .
formulaç traditio , non est alterius exclusio. .
. : 90 '; Sebet .

Gebetes in der åtteften Kirche, nicht genug Gewicht leget. "


Es iſt wenigſtens ſehr ſchwierig zu erklären , wie es zur
ging , daß im ganzen N . T . und in den Schriften der
apoſtoliſchen Våter zwar des Gebetes oft genug, niemals
aber des Gebets des Herrn Erwähnung geſchieht. :
II. Im Gegenſaßemit der vorigen Unficit hårt man
das Vater - Unrer ( oder Unſer . Bater ) für eine Ges
bet's , Vorſchrift, welche nicht nur für die Jünger
und Apoſtel unſers Herrn , ſondern auch für die Chriſten
aller Zeiten und Zonen , zwar nicht als ausſchließlicher
aber doch unabånderliche Norm gelten ſollte. Man vers
gleicht dieſe Gebets.'s Formei mit der von Chriſtus gleichs
faus vorgeſchriebenen Laufs Formel ( Matth. 28,
19. 20 . ) ; und zwar nicht bloß in Unſchung des Umſtans
des , daß nur zwei Evangeliſten (oder, da es in Anſehung
der Lauf - Formel bei Marcus noch zweifelhaft ist, nur

der ſpätern Geſchichte darüber beobachteten Stille


* fchweigens. in .. . . . .
. Wenn manche Ausleger , & B . lightfoot,
Schottgen , Vitringa u . a . auf die große Harmd,
nic dieſes Gebetes mit dem rabbiniſch - cabbaliſtiſiten
ſuchten , daß dieſes Gcbet im Grunde, nach Materie und
Form , nichts cntia !te , was nicht ſchon in den noch vors
handenen älteſten Gebeten der Juden vorkomme: po war
dieß keine neue Meinung, ſondern nur eine beſondere Mo.
dification der gangbaren Vorſtellung , daß der Stifter
unſerer Religion hier eine allgemeine Gebets - Formel .
mitgetheilt habe , welche ſich der Denkwcife 'und dem
1 Sprachgebrauche der Juden po nahe als möglich anſchlies :
Ben ſollte, um dieſe deſto leichter für fich zu gewinnen .
Auch die von H . Fr. Pfannkuche. ( in Eichi
horn ' s Aug. Biblioth . der bibl. lit. B . X . St. 5 . )
"aufgeſtellte Fypotheſe , nadiwelcher Chriſtus ſeinen Jün .
des Herr N . v . .

gern auf eben die Art , wie Johannes der. Täufer reinen
Schülern , ein Symbolum , wodurch ſie ſich als Anssi
hånger des neuen Meſſias . Reiches auszeichnen ſollten ,
vorgeschrieben habe, nimmt das ſogenannte Vater . Unſer
als ein zuſammenhångendes Ganzes und erklärt daſſelbe
für einen Spruch , woran man den Jünger Jeſu uns den
Zweck reiner Lehre nicht undeutlich erkennen könne. .
IIL Gang verſchieden hiervon iſt die Anſicht, welche
von S . R . Moller (zuerſt in der theol. Monatsſchrift
II. Jahrg. 1802. 1 Heft , und ſodann ausführlicher in
der Schrift: Neue Anſichten ſchwicriger Stellen aus den
vier Evangelien . Gotha. 1819. 8 . S . 34 . 7 .) gegeben
wird . Nach dieſem Verfaſſer ſind die ſieben Bitten nichts
anderes , als die Anfangs , Worte verſchiedes
ner in der damals vorhandenen Gebetss
Liturgie der Juden vorkommenden Gebetci
weldie von Jeſu ſtatt ro mancher langen , weitläufigen und
unjweckmåßigen Gebete, empfohlen werden. In der leßten
Schrift S . 45 driickt ſich der Verf. hierüber init folgenden
Worten aus : Die Jünger verlangten , wie aus Jeſu . "' .
Antwort echelet , keine Anweiſung wie ? ſondern was
fie beten und was für Formulare fie gebrauchen ſollten .
Wenn ihr betet, ſollt ihrſprechen : Vater unſer u . f.1 . —
Das kann doch nicht heißen ; ich will euch zeigen , wie man
reine frommen Empfindungen ohngefähr in einem Gebete :
ausdrücken müſſe. Unmöglich konnten die an das For:
mular - Weren gewohnten Jünger etwas anderes , als
Gebets - Formulare verlangt haben . Jeſus war auch
nach reiner toleranten Denkart weit entfernt, die gewohn.
lichen Gebete der Juden ohne alle Ausnahme als 'un.
brauchbar und zwecklos zu verwerfen , beſonders jene
Gebete , die unter den Juden im Umlauf waren , welche
frommeWünſcheum diebaldige Ankunft des Meſſias enthiels
tena Er , der kurz vorher verſichert hatte , er werde das
Sereß nid t eher abſchaffen , als bis die nöthigen Vorans
ftalten getroffen waren (Matth. 5 , 17.) ; er , der nichts
. . 92 : ! Sabet .,
in dem Ritual der Juden ung ihren gottesdienſtlichen Ges
bråuchen ånderte ; er, der ſelbft das Faſten nicht geradezu
verwarf, ſondern nur wollte , daß man dabei nicht das i
důſtere , trúbſinnige Weren der Seuchler annehmen ſollte
(Matth . 6, 16 .), – ſollte der alle damals vorhandenen
jüdiſchen Gebete als unbrauchbar verworfen , und ihnen
ein anderes ſubſtituirt haben , in welchem doch lauter jů :
diſche Ausdrücke und Ideen vorkommen ? Würde er wohl
ſeine Jünger für ſich gewonnen haben , wenn er ihnen auf
einmal alle ihre Gebets , Formulare, an die fie gewohnt
waren , hätte ichmen wollen ? "
Hiermit iſt die richtige Schlußbemerkung zu vergleie i
chen : ,,Wollte Jeſus hier ein zuſammenhængendes Gebet
geben , ro fragt es ſich : fonnte er denn nicht mit reinen
eigenen Worten eins zuſammenfeßen , wenn es mit der
novàoyici der Juden contraſtiren route ? Sonnte er diere
Abſicht nicht anders erreichen , als wenn er gange Niedens .
arten der Juden beibehielt ? Warumi behiclt er denn in
reinen andern Gebeten , f. H . 906. XVII. nicht auch die
fråftigſten Driginal - Uusdrücke der Juden bei ? Warum
- finden wir nicht diemindeſte Spur, daß die Jünger des
Berrn , oder die erften Chriſten fich dieſes Gebetes bès
dicut haben ? Begründet das nicht ſchon die Vermuthung,
daß in dem P . U . nur interim 8 . Gebete vorgefchlas
gen worden , deren ſich die Jünger einſtweilen bedienen
rollten , bis ſie im Stånde waren , mit eigenen Worten zu ,
beten ? Warum iſt denn im P . u . To Manches weggelaſ
rinn , was ſich ein guter Chriſt von Gott erbittet ? Warum '
finden wir in demſelben keine Fürbitten , keine Dant.
ragung für Gottes Wohlthaten ? Denn die ange.
hingte Dorologie kann nicht hieher geredinet werden , da
fie aus hinlänglichen kritiſchen Gründen für unácht erkannt
iſt. Kurz, çobald man das M . u . als ein zuſammenhans
gendes Gebet betrachtet, fiehet man ihm fo vicles Mana
gelhafte an , daß man nicht begreift , warum Jeſus nicht
etwas Vollfommineres gegeben habe.
-
-

-
s des Herrn 93

Dieſe Erklärung, worüber ſchon Th. IV. S. 132


ein allgemeines Urtheil der Billigung gefällt worden, ſcheint
unter allen den Vorzug zu verdienen. Sie ſetzt nichts
voraus, was dem Charakter und der Manier Jeſu, und
dem Bedürfniſſe der Jünger und den Verhältniſſen des
Zeitalters unangemeſſen wäre. Auf die Art, wie es hier
geſchieht, pflegte man im Oriente allerdings zu citiren, z
wie auch vom Verf. S. 42 in Anſehung der Pſalm-Ue
berſchriften, der Rabbinen und des Korans angeführt
wird. Wir haben aber an 1 Chron. XVII., Esra 3,
10. ff und andern Stellen, noch näher liegende Beiſpiele;
und es würde leicht ſeyn, auch in der chriſtlichen Kirchen
Sprache ähnliche nachzuweiſen. -

Man denke ſich einen, der aus dem römiſchen Bre


viar diejenigen Hymnen angeben ſollte, welche ihm die ge
haltreichſten, erbaulichſten und ſchönſten ſcheinen.
- Nun zählte er ſie folgendermaßen auf:
Savete flores Martyrum!
Vexilla Regis prodeunt.
Aeterna lux, divinitas; -
Verbum supernum prodiens;
Veni creator Spiritus.
Ave maris stella;
O lux salutis nuncia.
Ad perennis vitae fontem;
Y.
Coelestis urbs Jerusalem! *.

Wie leicht würde nicht die Aufgabe ſeyn, in dieſe


. Strophen eine Art von Zuſammenhang zu bringen und ſie
als ein Ganzes darzuſtellen? Und doch könnte die Zuſam
menſtellung, bei einiger Sorgfalt in der Auswahl, noch
viel mehr zuſammenhängend und gleichſam ſyſtematiſch ge
macht werden.
In Anſehung der Sache ſelbſt möchte es nicht um
dienlich ſeyn, mit dieſer Angabe Jeſu, was er aus dem
jüdiſchen Breviar als zweckmäßig beibehalten wiſſen wollte,
das Verfahren zu vergleichen, welches Luther im J. 1526
94 Gebet

bei der Herausgabe reiner teutſchen M effe, odër


'. Drdnung des Gottesdienſtes , beobachtete. Ueber dieſes
Verfahren urtheilt ein einfichtsvoller Sd;riftſteller gang
richtig : „ In der Ordnung ſelbſt ſchien Luther bloß auf
Zeit und Umſtånde Rückſicht genommen zu haben, denn er
behielt nicht nur von der alten Einrichtung , ſo viel nur
behalten werden konnte , ſondern bezeugte ausdrücklich ,
daß er Manches um der Zeit und Umfånde willent darein
.

aufgenommen habe, das er ſelbſt noch verändert zu ſehen


wünſdhte und hoffte.“ S . Plank' s Geſchichte des :
proteft. Lehrbegriffs . II. B . 2 . Ausg. S . 850 .
i Da Jerus im deußerlichen des Cultus überhaupt
nichts ånderte und die Form der Gottes - Verehrung für
die Zukunft nicht beſtimmte, ro fonnte die hier gegebene
kurze Notiz für die mit den jüdiſchen Ritualien hinlänglich
bekannten Jünger befriedigend reyn . Sie konnten darnach
für ihren eigenen Gebrauch auswählen und für die von
ihnen gegründeten Gemeinen , nicht als unabånderliches
Gefeß , ſondern als guten Rath und Beiſpiel, verordnen .
Bei dieſer Annahme låßt fich , wie es ſcheint, Fole
gendes am natürlichſten erklären : 1 .) Der Mangel an
Zuſammenhang in den einzelnen Bitten und das jüdiſche
Colorit in Bildern und Ausdruck, wovon man in der
evangeliſchen Geſchichte kein ähnliches Beiſpiel findet.
2 .) Der Nicht . Gebrauch bei den Apoſteln und erſten i
Chriſten . In keiner Stelle der Apoſtelgeſchichte , wo des
gemeinſchaftlichen Gebetes erwähnt wird , fin.
det man eine Spur vom V . u . Eben ſo wenig in den
apoſtoliſchen Briefen ; auch nicht 1 Cor. XIV ., wo dochy
am ausführlichften von dem , was in der chriſtlichen Vera
fammlungen zur Erbauung vorgenommen werden ſoll, ger
handelt wird. * ) Dieß kann nicht befremden , ſobald

*) Die Worte 1 Cor. XIV, 16 .: rws ipsi tò durivčni zy on


kuyapigtią können weder vom h. Abendmahle , noch von dem
3 . 4 . verſtanden werden , weil die Rede nicht von einer vors
des Serrn. . .. 95

das V . U . nur eine fummariſche Angabe jüdiſcher Gebete ,


iſt , welche als die gehaltreichſten und paſſenoften für die
Erbauung der Chriſten ausgewählt wurden . 3.) Die
Dhatſache, daß das V . U . im dritten und vierten Jahr.
hundert allgemein als ein Theil der Disciplina arcani bes
trachtet ward. Man vgl. Constitut. Apostol. lib . VII.
C. 44. Chrysost.Hom . VI. in ep . ad Coloss. Homil. II.
in 2 epist. ad Corinth . Augustin . Enchirid . č. 71. u . a . -
Es wurde ¿UXN TWV TLØtov genannt und kein Katechus
men durfte daſſelbe und das Symbolum fidei herſagen .
Scheint dieß nicht dafür zu ſprechen , daß man dieſes Ges
bet als ein Symbolum betrachtete und von den übrigen
Gebeten ſorgfältig unterſchied ? Aber die Schwierigkeiten ,
über welche inan bei dieſer Unnahme niemals ganz hin .
auskommt, ' Tcheinen zu verſchwinden , wenn man die Ges
heimhaltung daher zu erklären ſucht, daß man die Abſicht
hatte, dem Anſtoße vorzubeugen , welchen Manche an der
Beibehaltung jüdiſcher Gebets . Formeln nehmen mochten .
: : i Die Sache låßt fich auf verſchiedene Art vorſtellen :
1.) Man wollte den Juden den Triumph nicht gönnen ,
daß die Chriſten , in gottesdienſtlicher Beziehung, fich nur
aus dem júdiſchen Ritual bereichert håtten . 2.) Die -
Heiden , welche ohnedieß lange Zeit hindurch ro geneigt
waren ( wie wir aus Suetonius , Tacitus u . a. erreben ),
die chriftliche Kirche nur für eine Seite des Juden : .
thum 8 zu erklären , rollten dadurch keine Beſtåtigung
ihres Vorurtheils erhalten . 3.) Bei der engeren Ber.
bindung der vorher ſo getrennten Juden - und Heiden .
Chriſten , woraus die ſogenannte katholiſche Kirche
entſtand , welche feit der lebten Hälfte des zweiten Jahre

ſchriftsmäßigen Handlung, fondern von einem Freien Portrage ?


" ift. Bei allen öffentlichen Vorträgen aber ward von der Ber:
fammlung das Umen geſprochen , wie dieß Tchon aus den
Moſaiſchen Verordnungen und aus den Geſchichtsbüchern ers
hellet.
96 . . ' Gebet
hunderts ihr Daſeyn hatte, gaben , wie es ſcheint , auch
in dieſem Punkte beide Partheien einander etwas nach .
Den Heiden . Chriſten ward nicht"Zugemuthet , einen ganz
zen Theil der jüdiſchen Liturgie anzunehmen und hierbei
** zu judaiſiren ( iovdoïſeLV ) ; den Juden . Chriſten aber
2 . bezeigte man ſich darin gefådlig , daß man wenigſtens die
Andeutung jener Gebets , Formeln , wie ſie Jeſus gegeben
hatte, beibehielt. Man konnte dieß auch um ſo mehr,
da dieſe Formeln ſelbſt als ein Bolftändiges Gebet betrach
tet werden konnten , und auf jeden Fall nichts enthielten,
was ein rechtgläubiger Chriſt nicht zu jeder Zeit hatte
beten können . Wahrſcheinlich theilte man es anfangs
bloß de'n volkommenen Chriſten (den niotois oder te
RELVois, welche auch uauunuevo, hießen ), zugleich mit
der Erklärung des eigentlichen Urſprungs , mit , und . .
fchloß die Katechumenen (oder rudes) von deſſen Gebrauch
aus , weil man beſorgte , daß dieſe einen Anſtoß daran
nehmen möchten . Spårerhin kam vielleicht die ganze
Geſchichte des Urſprungs in Vergeſſenheit, man fuhr aber
gleichwohl in dieſer Unterrichts , und Gebrauchs - Methode
' fort, da man einzelnen Redensarten und Ausdrücken des
V . U . eine Deutung untergelegt hatte, welche dem Ganzen
das Anſehen eines Myſterium ' s geben und daher eben
fo, wie das Symbolum , eineGeheimhaltung für Profane
und Anfänger, welche man mit den eigentlichen Kern des
chriſtlichen Glaubens nicht bekannt machen wollte, rathram
zu machen ſchienen .
i' . So viel zur Rechtfertigung einer Anſicht, welche vor
den beiden andern in mehr als einer Rückſicht den Vorzug
zu verdienen ſcheint. Uebrigens iſt die Erflärung des
urſprünglichen Sinnes des W . u . an ſich ziemlich gleich
gültig , indem der kirchliche Gebrauch deſſelben von feince
folchen Erklärungübesabhängig iſt. So viel aber kann man
inlich,t udaß
fürigewiß
Hoohlfür
wohl ebrungbehaupten n die Meinung, welche bloß
eine Belehrung über den Geiſt des Gebets annimmt, ami
wenigſten mit der Anſicht und dem Verfahren der alten
des Herrn .
Kirche in Uebereinſtimmung zu bringen iſt. Die zweite
Meinung, welche das . U . als ein von Chriſtus vorges
ſchriebenes Sebets Formular betrachtet , kommtder Ano
ficht,der alten Sirchen - Lehrer am nächften ; doch findet
man auch unter dieſen nur felten einen , welcher dem
2 . U . ein privilegium exclusivam zugeftanden båtte. :

Nach dieſen vorläufigen Bemerkungen wird ſich das


- Biſtoriſche über den kirchlichen Gebrauch des B . u . auf
folgende Punkte zurückführen laffen : :

Nimmtman die zulegt gegebene Erklärung über det


Urſprung des P . H. nicht an , ſo verurſacht der ſchon era
wähnte Nicht. Gebrauch im apoftoliſchen Zeitalter einige
Schwierigkeit. Die ſpätere Bekanntſchaft mit den Evans
gelien und geſtrebung eines neuteftamentlichen Kanon's
erkläre zwar Etwas, aber nicht das Ganze. Denn man
iſt zu der Erwartung berechtiget , daß die mündliche
Tradition den Mangel an ſchriftlichen Ueberlieferungen
wenigſtens einigermaßen werbe: erreßt haben . Die An
nahme aber : daß in allen Fällen in der Apoſtel- Geſchichte,
wd von dem gemeinſchaftlichen Gebete der Jünger Jeſu
und erſten Chriſten die Rede iſt, der Gebrauch des V . u .
vorausgeſeßt werden müſſe, wie Mande behauptet haben ,
iſt doch gar zu willkührlich und unſicher . * )

. * ) In Gregor. M . Epist. lib . IX . ep. 11. heißt es : „ Ora . .


tionem Dominicam id circo mox post precem dicimus,
quia mos Apostolorum fuit , ut ad ipsám so
lummodo orationem oblationis hostiam con il
. secrarent. Allein diefes Zeugniß fou hier wenig Ges
wicht haben und ſchiderlich, in einer ſchriftlichen Tradition ges
gründet ſeyn. Øgl. J. A . Schmidt de orat, dom . histor,
et dogmat. propos. p. 68 . Doch bemerkt 3. G . Walch
Fünfter Band
.. . Gallet .
L ' Auch in den Schrifter der apoftoliſchen Våter findet
man keine Spur von einem Gebete, deffen Erwähnung
'man doch eben ſo wohl erwarten ſollte , als andere von
Chriftus berçúhrenbe Anordnungen . Der altefte Kirchen
Bater , Iuftinus Martyr ( Apol. I. p . 222. edit.
Oberth . ) berichtet fogar : „ daß in den chriftlichen Bere
fammlungen der Vorſteher (iPDEGTOS) Gebet und Dant.
ſagung verrichte , ſo viel er vermağ : ( oon 'Suvauis
àUTO ); und daß hierauf das Volf mit ſeinem : Amen !
antworte.“ Dieſes : fo viel es germaġ, fann freio
lich auch beißen : mit aller Seraft : Unftrengung (wie man
zu ſagen pfleget: aus Leibes - Kräften ) , fo daß vorzüge
lich auf die laute,' ſtarke Stiinme, womit das Gebet hers '
geſagt werden ſollte , geſehen würde , man was auch die
alte lateiniſche Berfion durch ihr: totis viribus zu
beſtätigen scheinet. Indeß verſtehen es doch die M :iften ;
von dem Nicht. Gebrauche eines vorgeſchriebenen Fors'
mularºs , ſondern vom Gebete aus dem Geiſte und Herzen ,
oder , wie ſich Tertullianus einmal ausdrückt : ex pro . .
prio ingenio . Sie nehmen mithin an , daß es den
Geiſtlichen erlaubt geweſen ſey, in ihren Offentlichen Ger
- (Miscell. sacr. p. 60.) dabei : „ Quacunque autem ratione
momentum hocce de Eucharistia sese habeat, sane Apo . . i
2 stolos dominica oratione usos fuisse , haud negari , nec
in dubium quidem vocari potest eam ob causam , quos'
niam de ejusmodi usu scriptura sacra haud quidquam rem :
ferat. Multa sunt facta , quae sanctissimus codex haud
euarrat. Quis dubitaret, Apostolos baptizasse in nomine ;
patris, filii et spiritus sancti ? licet de eo haud quidquam .
: expresse in scripturis divinis inveniamus. " " Ein Schrifts
fteler , wie J. G . Walch , konnte ſo etwas annehmen , ohne
fich der Gefahr , für einen zu 'eifrigen Bertheidiger der Irde
dition gehalten zu werden , auszuſehen ! Uebrigens kann die . . .
Behauptung des Gregorius noch durch eine Stelle, aus" Hie
ron . adv, Pelag. lib . III. c. 3.: Christus docuit Aposto
los suos, ut quotidie in corporis illius sacrificio credentes ,
Audeant loqui. Pater noster etc. beſtätiget "werden ,
Bgl. Garanti Thesaur . sacr, rit. T. I. p . 258. ,
δε 8 β εεε. η. . 99
beten ſich nach ihrer individuellen Empfindung und nach
den beſonderen Bedürfniffen ihrer Gemeine zu richten .
Indeß wird auch alsdann der Gebrauch des B . u . bei
gewiffen heiligen Handlungen nicht ausgeſchloffen. Weniga
kens ſcheint Juftinus bei der vorbergehenden Beſchreibung :
ber. Lauf : Ceremonie ( Ibid . p . 212.) unter dem
dabei erwähnten Gebete das V . U. zu meinen . Er ſagt :
επονομαζεται το έλομενω αναγεννηθηναι , και με
τανοησαντι επι τοις ημαρτημενοις το του Πα
τρος των ολων και δεσποτου Θεου ονομα: *
αυτο τουτο μονον επιλεγοντες, τουτον λουσομενον .
άγοντες επι το λουτρον· όνομα γαρ το άρρητω Θεω
ουδείς έχει ειπείν. Oamit frebet in 3erbίησμηg,
weiterhin (p . 220 .) von der Confecration des b .
Abendmahls geſagt 'wird : : xar došas too lates
των ολων δια του ονοματος του γιου , και του
Πνευματος του αγίου αναπέμπει . . m. pier
mδήte mo54 όνομά του Πατρος των ολων eben fb auf .
δα8 πατηρ ημών ο εν τοις ουρανoις α. β. ν. 3u begie»
βεη fenn , mie δίε ευχή απο Πατρος αρξαμενος , beren
in ( Lucian's d. I .) Philopatris p . 199 . (vgl. Th . IV
€ . 60.) errodbnt bits.
Auch Iren &us fagt über den Gebrauch des V . u .
nichts Náheres . Doch iſt ihm die Kenntniß deffelben nicht
abzuſprechen ; denn er fagt adv, Haeres. lib . V . c. 17 .
mit deutlichen Worten : „ Quapropter et in oratione di
cere nos docuit (Christus : et remitte nobis de
bita nostra ; utique quoniam hic est Pater noster,
cujus eramus debitores , transgressi ejus praeceptum .“
Dieſelbe Bewandniß hat es auch mit Clemens
Alexandrinus, welcher in mehrern Stellen (beſ.
Paedag. lib. III. ) auf das Gebet des Herrn deutlich
anſpielt.
:. : Das altefte und beſtimmtefte Zeugniß würden die
Constitutiones Apostolorum enthalten , mean
100 : - : ' Bebet :

ifnen die Kritik nicht långſt ein viel ſpäteres Zeitalter anti
gewieſen hatte. Daher iſt es , nach den Regeln einer firena
gen Kritif , nicht erlaubt, aus denfelben etwas zu beweis
fen , was durch Schriftſteller aus dem zweiten und drita
ten Jahrhundert nicht bewieſen oderwahrſcheinlich gemacht
werden kann . Daher wird erſt weiter unten von dieſem
Zeugniffe Gebrauch gemacht werden können .

Dagegen ſetzen bie Zeugniffe des Bertullianus,


@yprianus und Origened den kirchlichen Gebrauch
des W . u. im zweiten und dritten Jahrhunderte außer
åüèn Zweifel.
Tertullianus 1 + 220 ) führtnicht nur in meh.
rern feiner Schriften die Oratio Dominica an , ſondern
fchrieb auch eine eigene Abhandlung : De Oratione ,
welche, wie der Inhalt lehrt, nichts weiter , als eine Ers
klärung des V : U . , mit einigen beigefügten Bemerkungen
über die beim Gebete angenommenen Gebråuche, enthält.
In dieſer merkwürdigen Abhandlung , welche er , nach
Muratori' s , Walch ' s und Norrelt' s Vero
muthung , nod) vor ſeinem Uebertritt zum Montanismus
(alſo noch vor dem F . 200 ) . geſchrieben hat, ftellet er
Sieſes Gebetnichtnurals eine Vorſchrift , welche Chriſtus fue
alle Zeiten gegeben , ſondern auch als die DüintsEffenzund den
Grund aller Gebeteund als einen Inbegriffdes ganzen
Evangelium ' s (breviárum totius Evangelii ) dar.
Er drückt ſich gleich Eingangs c . 1, Dårüber" To äus :
„ Dei Spiritus et Dei Sermo, et Dei ratio , sermo
žationis et ratio ' sérnionis et Spiritus. Utrumque
Jesus Christus Dominus noster , novis discipulis nos
vi Testamenti novama" orationis formam de
terminavit.“ . Dann fügt er weiter hinzu , nach
dem er den Unterſchied zwiſchen der Gebote des Tåu .
fers und Chrifti und den Vorzug des legtern angedeutet :
*.
des Herrn 101
„Et quid non coeleste, quod Domini Christi est,
ut hae c quo que orandi disciplina? – –
Neque enim propria tantum orationis officia com
plexa est, venerationem Dei, aut hominis petitio
Wem ; sed omnem pene sermonem Domini» omnem
commemorationen disciplinae, ut revera in ora
tione breviarium totius Evangelii compre
hendatur. (4 - 1

Hierauf giebt Tertullianus c. 2 – 8 eine Er


klärung, woraus weiter unten Etwas anzuführen ſeyn
wird, und fährt dann c, 9. mit folgenden Worten
fort: „Compendiis paucorum verborum, quot at
tinguntur edita Prophetarum, Evangeliorum, Apo
stolorum, sermones Domini, parabolae, exempla,
praecepta, quot, simul expunguntur officia! Dei ho
nor in patre; fidei testimonium in nomine; ob
latio obsequii in volunta te; commemoratio spei
in regn o; petitio vitae in pane; exomologesis de
bitorum in deprecation e; sollicitudo tentatio
num in postulation e tut elae. Quid mirum?
Deus so 1 us do cere potuit, ut se vellet ara
xi. Ab ipso igitur ordinat a religio ora
tion is et de spiritu ipsius jam tunc c um
ex ore divino ferretur, animata, suo pri
vilegio ads cendit in coel um, commen
dans patri, qua e filius do cuit. Quoniam
tamen Dominus prospector humanarum necessitatum,
seorsum post traditam orandi disciplinam, petite, in
quit, et accipietis; et sunt, quaepetantur pro circum
stantia cujusque, praemiss a legitima et ordina
ria oration e quasi fundamento, accidentium
jus est desideriorum, jus est superstruendi extrin
secus petitiones.“ Hier wird alſo zwar geſtattet, ſich
auch anderer Gebete zu bedienen, aber ohne Beeinträch
tigung des Haupt-Gebetes (welches er die oratio le
102 Gebet .
gitima et ordinaria d. h. von Chriſtus vorge
ſchriebene und als geſetzliche Vorſchrift angenommene,
nennet), welches vielmehr als die Grundlage (funda
mentum) aller übrigen betrachtet werden ſoll. «

Cap. 19 (nach andern Ausgaben c, 25.) erklärt


ſich T. über die Zeit des Gebetes, Er ſagt: „De
tempore ver9 non erit otiosa extrinsecus observa
tio eti am hor ar um quar und am Istarum
dico communium, quae diei interspatia signant, ter
tia, sexta, nona, quas solemniores in scripturis
invenire est. – – – – Etsi simpliciter se habeant
-

sine illius observationis praecepto, bonum tamen sit ali


quam constituere praesumtionem, qua et orandi ad
monitionem constringat, et quasi lege ad tale munus
extorqueat a negotiis interdum, ut quod Danieli quo
que legimus observatum utique ex Israelis Disciplina,
ne minus t er die sa Item adoremus, debi
tores Patris, et Filii, et Spiritus Sancti.
Exceptis utique legitimis orationibus, quae sine ulla
admonitione debentur ingressu lucis et noctis. Sedet
cibum non prius sumere, et lavacrum non prius adire,
quam interposita oratione, Fideles decet, Priora
enim haben da sunt spiritus refrigeria et pabula, quam
carnis, et priora coelestia, quam terrena.“
Deutlich iſt hier zwar nicht geſagt, daß jeder
gläubige Chriſt, außer der Morgen- und Abend - An
dacht und dem Tiſch- und Bade - oder Waſch- Gebete,
täglich drei Vater. Unſer beten ſoll (wie man
ſpäterhin angenommen hat), ſondern nur, daß man
täglich dreimal, zu Ehren des dreieinigen Gottes (oder
als Schuldner des Vaters, Sohnes und heiligen Geiſtes),
bete; dennoch dürfte dieſe Annahme im Sinne des Schrift
ſtellers ſeyn, der für jedes Gebet die Grundlage des
V. U. fodert. Hätte er die Doxologie gekannt (wie
.
des Herrn 108 .;

Ate ihr entſchieden unbekannt war, weil er forft nicht


8. die Worte : „ sed eveh e nos a malo “ als den
Schluß ( clausula ) angeführt haben würde ), ſo würde
er ohnſtreitig in der Formel: Reiche Seraft " und
Herrlich feit die drei Perſonen des göttlichen Weſens
und die Verpflichtung zur dreimaligen Anrufung derſelo
ben gefunden haben ,
Uebrigens Iehrt der Zuſammenhang , daß. L. hier :
nicht vom offentlichen , ſondern vom Privat:Gebraus ,
che des P . u . rede womit die Meinung , daß cs
nur den Glaubigen ( Fidelibus, im Gegenſaß von dent :
Katechumenen ) berſtattet feyn rollte , immer beſtehen
kann ,
Der Biſchof von Karthago, Cyprianus ( + 258 ),
iſt faſt in allen Lehrbeſtimmungen der Nachhall von Ter.
tullianus, den er offentlich als ſeinen Meiſter anerkann.
te ; doch dient er trefflich dazu , dieſen zu : ergången und
ju erläutern . Auch er ſchrieb unter demſelben Litel:
De oratione Dominica (Opp, edit.* Oberth .". T .
I, p. 366 - 388 ) eine Einleitung und Erklärung über
das P .H .,worin er,nach ſeiner Urt, zwar ziemlich weitläufig
undwortreich iſt,aber mitweniger Geift commentirt,als rein
Muſter . Doch verdienen einige reiner Heußerüngen über
Urſprung , Beſtimmung und Gebrauch des P . u . ausges
hoben zu werden . Es heißt bei ihm gleich im Eingange
p . 366 : ,, Dominus inter cetera gua salutaria"monita
et praecepta divina , quibus populo suo consulit ad
salutem , etiam orandi ipse ' Formam dedit:
ipse , quid precaremur, monuit et instruxit. Qui
fecit vivere, docuit et orare, benignitate ea " scilicet,
qua et cetera dare et conferre dignatus est, ut dum
prece et oratione, quam filius docuit , apud patrem
loquimur, facilius audiamur, Jam praedixerat horam
venire , quando veri adoratores adorent patrem in spi
104 Gebets.
ritu ' et veritate , et implevit quod ante promisit; ut
qui spiritum et veritatem de ejus sanctificatione accer
pimus, de traditione qua que ejus vere et
spiritualiter adoremus. Quae enim potest .
magis spiritualis esse oratio , quam quae a Christo
*nobis data est , a quo nobis et Spiritus S , missus est ?
quae vera magis apud patrem precatio , quam quae -
Filio , qui est veritas , de ejus ore prolata est ? . Ut
aliter orare , quam docuit , non ignorantia sola sit,
sed et culpa quando ipse posuerit etdixerit: rejicitis
mandatum Dei, ut traditionem yestram
statuatik, Oremus itaque fratres dilectissimi, sic
ut magister Deus docuit. Amica, et famili
. aris oratio est , Deum de suo orare : ad aures ejus
adscendere Christi oratione. Agnoscạt pater filii sui
verba , quum precem facimus, Qui habitat intus
in pectore, ipse sit et in voce. Et quum ipsum ha
beamus apud patrem advocatum pro peccatis nostris,
quando peccatores pro delictis nostris petimus, advo :
cati nostri verba ponamus, Nam quum dicat, quia
quodcunque petieritis a patre in nomine
meo , dabit vobis: quanto efficacius impetramus,
quod petimus in Christi nomine , si petạmys ipsius
prațione. “
Ferner heißt es p . 369 : „ Publica est nobis
et communis oratio ; et quando oramus non pro .
uno,sed pro toto populo oramus, quia totuspopulusunum
i sumus, Deus pacis et concordiaemagister, quidocuit uni- . .
tatem , sịcorare unum pro omnibus voluit , quomodo in
uno omnes ipse portavit.“ Was Cyprianus in der Erklå.
fung des V . 4 . Eigenfhuimliches bat, wird weiter unten
angefiihrt werden .
: Auch der glejdyzeitige berühmte Atexandfiner Dris
gene 8 ( + 254.) ſchrieb im Anfange des dritten Jahrs
hunderts eine ausführliche Abhandlung : Vom Gebete
. . Das serra 105 ,
(TTEDE Èuxns) S . Orig. Opp. ed. Oberth. T. III. p.
408 — 593. , deren zweiter Theil p . 481 ff. der Erfla .
rung des P . ll. geipidmet iſt . Drigenes bemerkt die
Verſchiedenheit der Formel beim Matthaus und Lufas
· und iſt geneigt , zwei verſchiedene, aber in der Hauptra .
che mit einander übereinſtimmende, Gebete anzunehmen .. .
( βελτιον ή διαφορες νομιζεσθαι τας προσευχας
KOLVO Tivo x800s ueon ). Auch er findet darin eine
für den Gebrauch aller Chriſten vorgeſchriebene Gebets .
Formel ( UNOTETUAWUevnu stoOS. TO DELV STOIS APOG
. .. EVXECIAL APOGEUXqV ) , worin alles , was der wahre
Chriftvon Gott zu bitten habe , enthaltcr fen . Der Com .
mentar über die cingclnen Bitten iſt ſchr ausführlich , und
enthält , neben vielam Trivialem , einige Bemerkungen , ' n
pelche weiter berückſichtiget 34 werden verdichen , . .

Uußer diefen drci alfen Schriftſtellern findet man


bei den ausgezeichnetſten Kirchenvátern des vierten und
fünften Jahrhunderts viele Zeugniffe über die Beſtim . . .
mung des D . U . zu einem allgemeinen Chriſten - Gebete.
Vorzugsweiſe gehöret hieher Augustin. epist,
LXXXIX ad Hilar. p. 407 , wo es heißt ; „ Omni
bus necessaria est Oratio Doininica , quam etiam ip
sis arietibus gregis , id est , Apostolis suis Dominus
dedit , ut unusquisque Deo dicat : dimitte nobis
debita nostra, sicut et nos dimittimus
debitoribus nostris, Cui enim haec in oratione
verba neccesaria non fuerint , ipse hic sine peccato
vivere pronuntiandus est. Quales si aliquos futuros
Dominus praevideret , meliores utique , quam extite :
runt ,ejus Apostoli , aliam illos orationem doceret,
qua non peterent dimitti sibi peccata , quibus in bap
tismo fuerunt omnia jam dimissa. " . Derſelbe verſie . .
chert Retractat. lib . I. c. 19 ; es In eisdem mandatis
est , quod jubemur dicere: - dimitte nobis debita na:
stra etc, Quam orationem usque ad finem
106 Gebet . '
saeculi tota dicit ecclesia. “ Derſelbe Gedan.
fe , daß die Bitte um . Sünden : Vergebung das
P . U . zu allen Zeiten und an allen Drten unentbehrlich
' , mache, wird, vom Auguſtinus noch rehr oft wiederholt ,

Nach demſelben Schriftſteller ( Chrysost. Homil. XLII.


p . 276. ), liegt in dem öftern Gebrauche dieſes Gebetes
ein Beweis , daß, unſer Chriſtenthum eine geiftige
Gottes . Verehrung ren ( dev veyoouev capxio
xov, anda TQVTO . NvEvpatixo ) . Derſelbe giebt : ,
Homil. XLIV. p . 288 an :. daß die, tågliche Bitte :
dein Reich komme- ein Zeugniß von der Hoffnung
einer Auferſtehung , womit der fromme. Chriſt erfüllt rena
ablege. Vgl. Cyrilli Hierosol, Catech . mystag.
V . p: 298. 4 . 4 . St. . .
till

Daß im dritten , vierten und fünften Jahrhundert


der Gebrauch des B . u . bloß auf die Fideles beo
ſchránft und den Katechumenen nicht geſtattet war, wesi
βat6 8 αυή ευχη των, πιστων bei Chryfoftomus ge:
nannt wird, iſt Pchon oben bemerkt worden , hier aber
.. noch näher zu erörtern .
Die wichtigſten Stellen hierüber find : Chrysost,
Homil. XI in 2 Cor. p . 740 ., wo er von den Nicht- Ein . ,
geweihten erzählt : daß man ihnen das als Ge.
ren eingeführte und von Chriſtus verordnete
Gebet noch nicht mittheile ( dero ÉvxNU ¢78
σι την νενομισμενην και εισενεχθεισαν υπο Χρι
OT8 ). Ferner Homil. LXII. p . 934 , wo er ſagt: daß
niemand eher Gott Vatér nénnen dürfe , bevor er
nicht durch die Laufe entfündiget worden . Nach dieſer
Entſündigung erſt ſprechen wir : narne uov , Ó '
• iv toissparous. Theodoret. haeret. Fabul.
1011

: €. 28 ." Tevrnu mnv Apotevx14 8 to$ diuvntes ,


αλλα της μυσταγωγόμενες διδασκομεν. έδεις γαρ
των αμυητων λεγειν τολμα , πατηρ ημών ο εν
τοις ου ρα νοίς , μηπο δεξαμενος της υιοθεσιας το
χαρίσμα. Ο δε του βαπτίσματος τετυχηκώς δω
ρεας, πατερα καλει τον Θεον, ως εις τους υιούς
TENEOUS TNS XQQitos. Daſſelbe berichtet auch Augu :
ftinus Serm . XLII . vgl. Enchirid , c. 7 . c. 71. , wobei
er bemerkt , daß man den Statechumenen erſt an dem
Lage, wo ſie zur Taufe vorbereitet wurden (welcher Dies
competentium hicb ) , das Gcbet des Serrn , welches er
quotidianam orationem Fidelium nennt,
bekannt mache. Man vgl. Walch Miscellan . sacr. p.
69 seqq . und Bingham Orig . Vol. I. p . 39 . Vol.
IV. p. 132 seqq. Vol. V . p. 246 --- 47;
Dennoch kann man eine gångliche Geheimhal.
tung dieſes Gebet es por den Katechumenen
nicht annehmen , ohne die alte Kirche einer auffallen .
den Inçonſequenz zu beſchuldigen . Das Gebet des
- Serrn iſt in der heiligen Schrift enthalten und ein inte.
grirender Theil des Evangeliums, Diefes aber map
nicht nur in den Kånden per Katechumenen , fondern felbfe
der Profanen und konnte daher ihrer Bekanntſchaft nicht
ganz entzogen werden . Eine andere Bewandtniß batte
es mit dem Symbolo oder der Regula Fidei,
weil diefes , ohngeachtet deg bibliſchen Fundamentes ,
dennoch als eine eigentlich kirchliche Arbeit betrachtet
werden konnte. Es ſcheint daber , daß es porzüglich die
dogmatiſch . myftischen Erkļårungen des V .
u . waren , welche man den Katechumenen fo lange por.
enthielt , bis Rie erſt gehörig vorbereitet und eingeweiher
waren . Dieß,wåren alſo die Sacramenta oratio
nis Domịn . , wovon Cyprianus und andere Kirchens
Påter reden . Bei dieſer Annahme dürften ſich die meia - '.
fen Schwierigkeiten hierbei am leichteſten lører laffen .
it' 108 . Bcbed
:
. . . Man ſieht, daß die Alten - Vorzugsweiſe die Bax
terrchaft Gottes (natporns Eov . d . i. die Anbea
itung Gottes als Pater der Menſchen , welchen dagegen
pie Kindſchaft, vlogold , beigelegt wurde ) als
fte noch nicht ge
t , warum unidie
ben Szauptgrund betrachteten
Statin idie
hårig unterrichteten und Geber
hes Geheimniſſe r Religion
deder
eingeweihten Chriſten fich eines Gebetes., welches das
nur im Chriſtenthume Statt findende Verhältniß zwiſchen
Gott und den Menſchen andeutete, bis zu ihrer vådligen
Reife, enthalten ſollten . Dennoch kann die Sache damit
noch nicht als erſchöpft betrachtet werden , ſondern bat
noch einen tieferen Grund ; und daher verdient aus den
verſchiedenen Erklärungen , welche die Kirchenvåter von
dem V . y . geben , dasjenige ausgehoben zu werden , was
fich auf das Verhåltniß dieſer Gebet8f0cm
mel zur kirchlichen Gebeim . febre (Discipli.
na arcani ) befiehet. '
. 1.) Darin ftimmen faſt alle Erflårer aus den ere
ften fünf Jahrhunderten überein : daß die Worte : sia
ang nu av ó É V TOUS o úpavons in einem prágs
nanten und geheimniſvollen , nur dem Chriſtenthumne cis
genthümlichen , Sinne zu nehmen Tenen . Der Name
Vater , fagt Tertullianus (de orat. c. 3 . ) war zu .
vor noch niemand., auch Moſe nicht bekannt gemacht.
• Uns,aber iſt er im Sohne geoffenbaret ; und in dieſem ſelbſt
iſt uns dieſer neue Vater - Namen gegeben „, ( jam enim
filius novum patris nomen est ) . Unmittelbar zuvor
( c . 2. ) batte er geſagt : " In dem Vater spird der Sohn
angerufen . Denn er felbft (pricht: Ich und der Va .
ter find eins. Nicht einmal die Mutter , oder
die Seirche, wird übergangen . Denn in Sohl und
Vater liegt der Begriff der Muttter; bei welcher
man den Namen Vater und Sohn denkt. Mit dieſem
einzigen Begriffe oder Worte alſo ehren wir Gott , und
dic .Seinigen , find ſeines Gebotes eingeben und bezeich .
des Herrni i 109 :
nen diejenigen , welche nicht mehr wußten , daß Gott
ihr Vater fen " *).
Ganz übereinſtimmend damit bemerkt Cyprias ,
nu 8 (de orat. Dom . p. 371 ) : 1, Es iſt eine beſondere
Gúte unſers Heilandes , daß er uns geſtattet, Gott uns
pern Datei zu nennen. Ohne ſeine Erlaubniß würde
es niemand gewagt haben , ihr im Gebete ſo zu nennen .
Wir müſſen alſo gel. Brudet , wiffen und bedenken , daß
wit , wenn wir Gott Väter nennen , uns als Soho
në Gotte 8 bitragen müſſen , und daß , wenn uns det
Vater -NameGottes gefälle, auch er deshalb einen Wohls
gefallen an uns hat. "

* ) Die Original: Morte lauten : ,, Item in patre filius invõi ;


catur.' Ego enim , inquit , et pater , unum sumus. Ne .
, mater quidem Ecclesia praeteritur. Siquis a
dem in filio et patre mater recognoscitur
de qua constat et patris et filii nomen Uno.
igitur genere aüt vocabulo et Deum cum suis honoramus
. et praecepti meminimúś, ét oblitos patris denotamus.it
Ueber dieſen Sag bemerkt Roßler Biblioth. der Kirchen .
våter Ih. III. S . 89, wo eden unſere Stelle Verſtümmelt
angeführt ift ) : ,, Ich will es jeden Leſer ſelbſt beurtheilest
laſſen , was hier für eine dunklė, verwirrte fbee von der
Rirche zum Grunde liege. Dergleichen Dinge haben in fola
'genden Zeiten viel Verwirrung in das dogmatiſche Stapitel von
der Kirche gebracht. Die beſte Erläuterung über dieſe aller
dings etwas ſchwierige Stelle finde ich Tertull. de baptismo
C: 6 , wo es beißt: " Quum autem sub tribus et testatio
fidei et sponsio salutis pignerentur , necessario adai .
jicitur Ecclesia e mentio : quoniam ubi tres ,
id est Patér ,,et Filius et Spiritus Sánctus, ibi .
Ecclesia , quae trium corpus, est.“ Dieſes corpus ,
giebt, wie mir ſcheint, den beſten Uufichluß über icnesMateri .
Vienfalls könnte man auch an die ſchon vom Origenes frz.
wähnte Vorſtellung , nach welcher der Heilige Geiſt die Mute
ter hrift i genannt rourde , denten . Nur misten arodenin
Ecclesia und Spiritus Sanctus identificirt werden .
-110 ebet

Unmittelbar vorher hatte er von dem unfchagbaren


Werthe dieſes Gebetes überhaupt gehandelt und die das
rin liegenden Geheimnifre (orationis dominicae sa
cramenta :) nåber aufzuklåren verfprochen .
* Origenes (de orát.) commentičt das qatne ♡
nuo v Ô ÉV TOLS ovpavois p . 493 - 505 . fehr aus.
führlich. Er bemerkt, daß zwar im A . D . Gott auch zur
weilen Vater und die Frommen Sohnie Gottes ges
nannt wurden ; aber er verſichert , daß nirgend ein Bei.
piel von der Zuverſicht, womit Chriſtus in dieſem Gebete
Gott unſern Vater tenne, gefunden werde Córu
εν προσευχή την άπο του σωτηρος κατήγγελμενην
παρρησίαν περί του ονομασαι τον Θεόν πατερα
ουκ ευρομεν πω ). G8 δient αυή δieres debet febr
gut dazu , um die niedrige Vorſtellung Bieler , als ob
Gott bloß im Himmel wöhne und gleichſam nur den Him .
mel8 : Bewohnern angehöre , zuwiderlegen ( ÚTEP TOU
ταπεινήν περι Θεου υποληψιν των νομιζοντων αυ
τον είναι τοπικως εν ουρανoις περιελειν , και μη
εαν τινα εν σωματικω τοπο είναι τον Θεον.p. 50ο).
Gregorius Nyssenus (Hornil. X . in epi ad
Coloss. p . 1385 ) , drückt ſich fo darüber aus : Wenn
uns der Serr im Gebete Gott als unfern Vater ans
rufen lehret , ro ſcheint er mir damit nichts anderes ,
als das höhere und vollendetere Lebert vorzuſchreiben
( ουδεν έτερον μοι δοκει πoιεν, ή τον υψηλον τε
και επηρμενον νομοθετειν βιον ). Denn Sie 213abr
beit fann uns ja feine fúge lehren , daß wir uns für
etwas ausgaben , was wir nicht waren ( d. b . Kinder
Gottes ) ! "
Auf eine ähnliche Art drücken fich faſt alle alten
Lehrer aus und man ſieht, daß die Schre von der Kinda
Pchaft (ulofeola ) und von der zuverſicht der
it Menſchen 3 # Gott ( napendia ) vorzugsweiſe als ;
de $ Herr n.
eine Wohlthat des Chriſtenthums betrachtet wurde, tooe
zu weder das Judenthum noch der beidniſche Polijtheiss
mus berechtige. Insbeſondere 'machte "rian noch auf
die chriſtliche Lehre von der Freiheit und Gleichheit
der Menfchen vor Gott aufmerkſami' ro daß auch
diejenigen , welche nach menſchlichbürgerlichen Verhalta
niffen Kinechte und Sclaven And , im Reiche Gottes
das Kindes Recht erlangt båtten : ro daß alſo das
Chriftenthum richt eigentlich ein "Beren Der Freis
beit ( vouos üheVIepias) rey), wie der Üpoſtel Jafo
bus 68 nenne, und daß die Verſicherung des Apoſtels
Paulus : Hier iſt kein Brecht, noch Freiern
ſondern wir ſind allzumal Einer in Chriſto
gefu, hier in Erfüllung gehe. Dicfe herrliche und .
troſtvolle Lebré aber wollte man erſt bei der Laufe der
Bekennern der Religion Jefu mittheilen . Es möchter
in den befondern Zeit - Verhältniſſen beſondere Gründe
zu dieſer Maßregel liegen ; denn ſonſt route man glauben ,. .
die Chriſten hatten dieſem Saße ihrer Religion nicht gem .
nug Deffentlichkeit geben können . Aber eben deswegen .
kann man dieſen Grund auch nicht für den einzigen gels
ten lanen . ;
2 .) Ein näherer Grund würde darin liegen , wenn
man die gedachten Unfangs - Worte für eine Andeutung
der Erinit å t$ . lehre, welche ein Hauptpunkt der
Geheim . Lehre war, erklärt hatte. Doch finde ich bei
den alten Kirchen Lehrern hierüber nichts Beſtimmtes.
Erſt als die Dorologie , welche den Ulten unbekannt
war, förmlich angenommen war , wurde fie in Serbine
dung mit dem ratno ~ oupavois gereßt und für
einen kobfpruch der b . Dreieinigkeit gehalten . Go in
der alten liturgie der orient. griechiſchen Kirche ,welde dem
b . Bafilius und Chryfoftomus zugeſchrieben wird. Hier heißt
e $ :Katašincov nads, DEONOTO ,UETA ttagonoidsdad
τακριτως τολμαν επικαλείσθαι σε τον επουρανιον
Φεον πατερα,και λεγειν' πατηρημων και εν τοις ουρα
. .. 112 Gebet .

vers , diao'anto to ovoja dov. Kar to sins óta


* σου έστινη βασιλεια η δυναμις, και η δο»
A ,TOURUTOos , ai tov Útov TO V T VEVO
MOTOS o yrov , VUV Wai Q & L'% a i eis a iw vog
TOV aiovwv. , Aunv. Nach Gregor. Nyss. de
orat. domin . lib . 2 . bedeutet das : Unrer Vaters,
την εστωσαν φυσιν , την αμητακινητον δυναμιν ,
alſo die ganze, volle Gottheit; doch hat er fich nicht
nåber darüber erklärt.
11 . Der Scholaftiter Alex à nder Hales i u s
( Summa theol. P . II. $ . 4 :) bemerkt ,, In verbis Ora :
tionis Dominicae : Pater noster Pater sumitur esa
sentialiter , prout convenit toti Trinitati, non autem
personaliter, quimodus paternitatis convenit personae
paternaë , respectu solius filii unigeniti
In oratione , quam docuit Christus, insinuatur petis ,
tionem debere fieri a Deo essentialiter, per hoc quod
dicitur : Pater noster ; ut ostendatur , petendum
esse assequendum indistincte ab ipsa Trinitate." Mart".
ugl. Forbesii a Corse Instructs histor. theol. lib . -
I. C : 18. Opp. P . 11. Fol. p . 32 - 33 , wo unter der
Rubrik : De Patre nostro , quem oratione
Dominica in vocamus gezeigt wird : „ In hac
oratione Pater noster est S . Trinitas: Pater, Fis '
lius et Spiritus S ., cujus nomen sanctificari et regnum
advenire et voluntatem fieri petimus “ étc. Doch fönnen
die aus den K . V . beigebrachten Zeugniſſe nichts entſcheia
dend beweiſen ; wenigſtens nichts für die Periode , wo es **
doch allein von Widtigkeit und Bedeutung feyn könnte.
3.) Dagegen findet bei einer andern Erklärung feint , : .
Zweifel Statt ; und hierin ſcheint der Hauptgrund som -
Urcan - Gebrauche des V . u. du liegen . Es iſt nåmlich
eine Thatſache: daß die vierte Bitte : Uurer tåglia ,
che 8 Brodt gicb uns beute, von den Alten faft .
ohne Ausnahme nicht nur in einein mp.itifden Sinne
des Herrn 113

aufgefaßt ; fondern auch geradezu pom beitigen


abendmahlé erklärt wurde. Einige Beiſpiele
aus den älteſten Båtera werden dies anſchaulich machen .
: Schon eine Ueußerung des Frendu s ( adv.
haeres. lib . IV . C., 18 ) fann hieher gerechnet werden .
Er ſagt nämlich : „,Unſere Lehre ſtimmet mit unſerer
Eu chariſtie überein , und dieſe wiederum mit jener. -
Denn wir bringen ihm dar, was ſein iſt , und verfündi.
gen die Vereinigung des Leibes und Geiftes auf eine an.
ftåndige Weiſe. Denn gleich wie das Brodt u . f. W .,
o das die Erde giebt , wenn es eingeſegnet wird ,
nicht mehr gemeines Brodt, fondern ein Dankſagungs .
Maht ( lVXALQLOTIC ) iſt , welche aus zwei Stofs
fen , einem irrdiſchen und einem himmliſchen , beſtehet: in
lo find auch unſere Leiber , welche die Euchariftie empfans
gen , hinfort nicht mehr der Vertefung unterworfen , ſon
dern haben die Hoffnung der Unſterblichkeit " 4 . . 'W . 5:
Aber wenn man auch dieß nicht zugeben wollte, fo find
doch die folgenden Ausſprüche deſto deutlicher. .. in
a.) Tertull. de orat. c . 6 : „ Wir nehmen die
Worte : Gieb uns heut' unrer tågliches Broot
- lieber im geiſtlichen Verſtande. Ich bin , fagt er ,
das Brodt des Lebens. Sernach denken wir
auch , daß ſein Leib im Brodte fen (bei den Worten ) :
Das iſt mein keib . . Indem wir alſo um unſer
tågliches Brodt bitten , fodern wir auch die ſtete
Gemeinſchaftmit Chriſto und Vereinigung mit ſeinem Leibe
( Itaque petendo panem quotidianum perpetuitatem

ejus ). “
b ) Cyprian. de orat. domin . p . 376 : „ Man
kann die Worte ; unſer tågliches Brodt dc. ſowohl
im geiſtlichen , als gewöhnlichen Verſtande ( simpliciter )
nehmen , weil beide zu unſerm Vortheile ſeyn können.
Fünfter Banb. . . .
114 . jir Bebe f .

Denn Chriſtus iſt das Srodt des Lebens, und dies


10 . Tes iſt nicht das Brodt aller , ſondern unfer Brodt
. .. ( nam panis vitae Christus est , et panis hic omnium
non est , sed noster est ). Und wie wir ſprechen : V a.
ter unſer , weil er der Vater der Vernunftweſen und i
Glaubigen iſt ( qui pater intelligentium et credentium
est ), to nennen wir ihn auch : unſer Brodt, weil
Chriftus das Brodt derjenigen iſt, welche ſeinen Leib beo
rühren und empfangen ( qui corpus ejus contingunt ).
Wir bitten aber um die tägliche Verleihung dieſes Brod.
tés , damit wir , die wir in Chriſto find und täglich die
heilige Srelen - Sprife empfangen , nicht durch irgend
ein ſchweres Vergehen um den Genuß und die Gemein
ſchaft dieſes himmliſchen Brodtes gebracht und von dem
Leibe Chriſti getrennt werden . Er ſelbſt ſpricht : Ich
bin als das Brodt des Lebens vom Himmel
gekommen . Wer von dierem Brodt 'errer
wird , der wird leben in Ewigkeit. Und das *
Brodty. das ich geben,werde, iſt mein Fleiſch ,
welches ich geben werde für das Leben der
Welt. ( Joh . VI, 51. ) Wenn er alſo das exige les
ben dem verheißet , der von ſeinein Brodte iffet, ro daß
alſo offenbar diejenigen leben , welche reinen Leib berühren
und durch das Communions - Redit das Danffagungs
Mahlempfangen (qui corpus ejus attingunt , et Euchari- i .
stiam jure communicationis * ) accipiunt: ro iſt hinwieder .
um zu beſorgen und dagegen zu bitten ,damitnicht derjenige,
welcher des Leibes Chriſti ſich enthalten muß und vom
Leibe Chriſti getrennt wird, vom ewigen Seil fern blei=

* ) Das jus communicationis wiró vom Vf. ganz nach


? ' dem Rechts - Verhältniſſe und im Gegenſaße von der ex - .
communicatio genommen . Jeder Glaubige hat ein
Necht auf die Gemeinſchaft mit Chriftus und ſeiner Güter,
und er gehet deſſelben nicht anders als durch ein Urtheil der
Kirche verluſtig.
b.es Herrn. i 115
be. Denn er ſelbſt drohet: werdet Ihr nicht
erren das Fleiſch des Menſchens Sohnes
und trinken rein Blut, ſo habt Ihr fein les
... ben in Euch ( Joh. VI, 13 ). . - - . Es
können dieſe Worte aber auch ſo verſtanden werden , daß
wir , nachdem wir durch die Gnade des Geiſtes der Welt,
ihren Schätzen und Serrlichkeiten entfagt haben , bloß
um die nothoürftige Speiſe und Nahrung bitten . Der
wahre Jünger Jeſu bittet bloß um Brodt für den heu :
tigen Tag , weil er nicht für den morgenben forget,
und weil ihm das Reich Gottes erwünſchter iſt, als eine
is langes Leben in dieſer Zeitlichkeit. Der Fromme ſtrebet
bloß nach dem Reiche Gottes und ſeiner Gerechtigkeit und
weiß , daß ihm alles andere von ſelbſt zufalle.“
c.) Mit großer Ausführlichkeit giebt Origenes
feine Erklärung über die myſtiſche Bedeutung der vierten
Worten angeführt zu werden .
Er beginnt p. 523. damit : daß die Annahme des
leiblichen Brodtes (o0uaTeXOV đotov ) ſchon
darum falſch ren , weil der Heiland in dieſem gangen Ses
bete nicht von irrdiſchen , ſondern bloß oon himmliſchen
Dingen rede und weil man nicht berechtiget ren , hier an
einen ſolchen Genuß der Speiſe zu denken , wie ihm die

pernaum berichte * ).
. Hierauf ſucht er zu beweiſen : daß auch der Aus.
druck : aptos ¿NLO VOLOS eine ſolche Erklärung

*) Origenes handelt hier von der manducatio Caper . '


naitica , welche im Euchariſtiſchen Streite. des XVI Fahrs
hunderts ſo berühmt geworden iſt , und in der Concordien -
Formel der : manducatio oralis et crassa erklärt wiro. .
Liebet :
116
durchaus nicht geſtatte. Hierüber ragt et p. 528 Folo
gendes : „ Man muß vor allem wiffen', daß der Auss
druck : & FT 1 O VOLO'S bei teinem Griechen , weder bei
einem Gelehrten (TV Gogav ) , noch im gemeinert
Leben , jemals vorkommt, ſondern daß ihn die Evangee
liften erfunden ( Tenthao Jai ) zu haben ſcheinen. Und
jwar brauchen ihn Matthäus und Lukas ohne alle Vers
ſchiedenheit. Es verhålt ſich aber damit , wie mit dem
Worte : N & PLOVOL06 , welches bei Mores von Gott
von ſeinem Volfe gebraucht wird , in der Stelle : Ihr
I rollet mein Eigenthum reyn vor allen Boli
fern ( 2 Moſ. XIX , 5 u . a . ) . Nach meiner Meinung
find beide Ausdrücke von dem Worte : óvoia gebilo
bet. Das erſte bedeutet Brodt, welches in das Werer
übergehet * ) ; das zweite ein Bolt , welches zum We
ren wird und deſſelben theibaftig iſt ( sis tnv ovorar,
Hatayıvouevov hcov , xai KOLVWVOVVTO
Sort wird g
icker Dinge vonestder
wird wvorzugsweiſe EBOLO),S
Báutn
ione Beſtehung
. Das erſtee Wort
( NOOTROIS ) untörperlicher Dinge gebraucht, welche ,
als ſolche, ein ficheres Gegn haben ( to sivat Bebauws
ŠKOVI ) und weder einer Vermehrung noch Verminderung
fåhig find ; das zweite iſt den körperlichen Dingen eigene
welche , weil ſie verånderlich ( Devota eig. Füßig ) find,
entweder Wachsthum oder Zerſtörung, oder überhaupt

; . * ) Die Worte : onkovou ' TOV kus onu ÓUGLAV ovubaalousvor


dorov rollen zunachft weiter nichts ſagen , als : dieſes Brodt
Tey keine zufällige, gewöhnliche, bloß körperliche Nahrung,
ſondern etwas den Geiſt und den ganzen Menſchen Stärkens
des und Erquickendes. So ift das Volk des Eigenthums,
daß wahre und wirkliche Bolt Gottes , welches von ihm nicht
bloß dem Namen nach , ſondern im eigentlichen Sinne ausgee
wählt und eines ſolchen Borzugs würdig ift. Von einer Wers
wanderung der Elemente. (petabolri , METOUGLU , ME
TOVOLOOGLS , transsubstantiatio , transitio etc. ) im b . Abends
mahle iſt hier nicht die Rede, wie ſchon Grnefti im Anti.
Muratorius hinlänglich gezeigt hat.
be $ Herra , 117
Beränderung erleiden. Weiterhin p. 582 fährt der
Berfaſſer fort: „ Weſentliches Brodt ( ĚTLOVOLOS 40
tos) iſt alſo dasjenige , was der vernünftigen Natur
entſpricht und den Weren derſelben verwandt iſt ( tn ove
i oid dvīņ, l. dvīņs , ouyyevns), was der Seele Wohle
seyn , Wachsthum und Stärke verleihet , und dem , der
daſſelbe genießt, die ihm eigenthümliche Unſterblichkeit
(denn das Wort Gottes iſt unſterblich ) mittheilet. Die
ſes weſentliche Brodt ſcheint mir in der Schrift auch : ..
Baum (Hols ) des febens ( & vàov sons ) yenannt
zu werden , wovon das gilt , was geſagt wird : Wer

wird in Ewigkeit leben . “


P . 536 fúgt der Verfaffer noch hinzu : „ Es könns i
te bietcit jemans ( agen : επιουσιος fen bon έπιεναι
(hinzugehen , nahen ) gebildet , ſo daß uns anbefobs .
, len würde, um das dem fünftigen Leben eigenthüme
liche Brodt zu bitten (aitei nuasxENEVEGJĄLTOV « p
TOV TOV Oixelov . Tov paddovtos diavos: das dort
gewöhnliche Saus · Broot ). Dieß würde gleichſam
eine Vorausnahme reyn , welche uns Gott aus Gnaden
geſtattete, ro daß wir ſchon Beute empfingen , was
uns erſt Morgen zukommen ſollte ; wo denn Heute
das gegenwärtige Leben , Morgen aber das zukünftige
erſte Ertlårung die richtigere, und Heute ( onuepov ) .
beim Matthaus, oder für Heute' (xaj ' nuepav ) ; ;.
beim lufas, iſt, ſo wie auch håufig inder übrigen Schrift,
fo viel als : zu jeder Zeit. "
: : : d.) Ganz kurz drůdt fich Cyrillus Hierosol.
in ſeiner Erklärung des V . U . ( Cateches, mystag. V . c.
15 ) fo aus : „ Gieb uns heute unfer weſenta
liches Broot. Das gemeine Brodt iſt nichtweſent:
lich ; aber dieſes beilige Brodt iſt werenlich , .
098 heißt, zum Weſen der Seele verordnet. Dieſes
118 . ,. Sebe't

.. . Brodt kommtnicht in den Magen und gehet abgeſondert


wieder von dem Menſchen *), ſondern es vertheilt ſich
unter alle deine Glieder , zum Beſten des Leibes und der
Seele; Das heute aber ſtehet für allt å glich , wie i
3. auch Paulus ragt: ſo lange es heute heißt. vis
Die angeführten Beiſpiele , welche leicht noch anſehne. . .
lich vermehrt werden könnten , mogen hinreichen , um
zu beweiſen , daß gerade die ålteſten Kirchen - Lehrer den ,
einzelnen Theilen des V . U eine Deutung geben, nach welcher "
daſſelbe geheimniſvolle Lehren enthielt , welche
man forgfältig vor den Profanen und Katechumenen :
zu verbergen ſuchte. Alles , was ſich auf das h. Abends
mahl bezog , gehörte zur Haupt- Myſterie, wobei
das : ne quis profanus, ne quis Catechumenus ! mit
größter Strenge angewendet wurde. Aber eben hieraus
läßt ſich die beſondere Beziehung , in welche wir den
Gebrauch des B . U . theils init dem Symbolo , theils (in
Verbindung mit dieſem ) mit der Abendmah 183
Fener in der alten Kirche gereßt finden , am natürlicha
ſten érklåren . Man 'würde ſonſt kaum die Wichtigkeit bes
greifen , mit weldjer die Frage : Db , und wie man das
V . U. Bei der Conſecration des . 1. Abendmahls brauchen
dürfe ? ſeit dem ſechſten Jahrhundert behandelt ward.

IV .

Der Doxologie iſt bereits erwähnt worden und

gåttlichen Weſens gefunden habe. Hier wird aber noch


die Fritische Frage über den urſprung der
relben , u åber zu erörtern reyn .

* ) Hierin liegt eine Unregung der Streit : Frage : de Ster


cora ni smo, welche im Mittel : Alter ſo viel Scandal gee . ;
geben hat.
des Herr *. . ; 119

. Darin ſtimmen fchon långſt atte ftritifer überein , dag ?


der urſprüngliche Text des Matthäus ( denn im Lukas iſt
nie davon die Rede" geweſen ) die Doxologie : oti Gov .
i dotiv dunn nicht hatte. Schon Grotius hat . "
recht gut gezeigt, wie dieſe liturgiſche Form el zur
erſt in einige alte Ueberreßungen , namentlich die Syria
fchen , und aus dieren in einige Handſchriften und Kirs
chen - Våter überging. Was Abrahan Calon gur
Bertheidigung gegen Grotius anführt ( Biblia illustr .''
. N . T. T . I. p . 236 ) ift höchft unbedentend und zeugt
bon Unbefanntſchaftmit den kirchlichen Verhältniſſen jenec
früheren Zeit, wo die fiturgiſchen Rückrichten einen ro
überwiegenden Einfluß hatten . Daß Tertullianus,
Cyprianus , Drigenes und Cyrillus von Jenis ,
rufalem die Dorologie nicht kennen , und daß erſterer
fogar ausdrücklich von der „ clausula " , welche in den
Worten ſer : sed evehe" nos, a malo ( Tertull. de orat.'
C. 8 . fin . ) redet, iſt hier von der größten Wichtigkeit,
und wurde das Urtheil zur Verwerfung beſtimmen fón .
den , ſelbſt dann , wenn das Zeugniß der. Handſchriften
und Berſionen günſtig wåre. Dieß iſt aber , nach den
forgfältigen Vergleichungen bei Mill, Wettſtein ,
Bengel , Griesbach , u . a. ro wenig der Fall , daß
gerade die älteſten und geſchåbteſten Handſchriften nichts
davon wiſſen . Treffend iſt daher das fritiſche Urtheil
Griesbach ' 8 _ ( Commet. crit. in gr. Matthaei tex .
tum p. 71 ) : „ Circa medium tamen quartum
saeculum Doxologia jam extitit in graecis codicibus
saltim nonnullis , unde et Chrysostomo et Go
thico interpreti innotuit. Byzantini clima
tis progeniem eam esse , et e Constantinopolitanis
regionibus in alias demum provincias pervenisse, scite,
jam observavit Bengelius. “ Bgl. Paulus . Coma
mentar I. p . 576 ff. und Kuinoel Comment. in li
bros N ., T . histor. Vol. I. p . 181 82. i .
; Die Vertheidiger der Hechtheit, worunter B aum - ' '
120 Gebot ; , ; : ;:
garten (Authentia Doxologiae Matth .VI, 13, obviae
a recentissimis oppugnatoribus vindicata. Hal. 1753.)
leicht der wichtigſte Reyn dürfte, legen auf die Constitut,
Apost. ( Lib . III. c. 1S. lib . VII. e. 24 ) . mehr Gewichte
als die Kritik zugeſtehen kann. Uuffallend iſt, daß wäb.
rend die älteſten Liturgien die Dorologie,wiewohl mit abs
weichenden Formeln ( S . I. E . Grab e Liturgia Graeca.
edit. Pfaffii. Hag. Com . 1715. 8. p . 517 ) , enthal.
ten , die neueren Euchologien und Breviarien der orientas
liſchen und occidentaliſchen Kirche fie ganz weglaffen und
bloß das Schluß , Amen beibehalten. In der ro.
mirchs fatholiſchen Kirche wurde es Sitte , nach :
sed libera nos a malo die Formel beizufügen : Per Je .
sum Christum Dominum nostrum . Amen.
Daß dieß aber nur zum Privat Gebrauch geſchehen ſollte,
erſieht man aus Hieron, Sayanarola e Expos.
orat. Dom . Lugd. Bat. 1634. p. 21, wo er ſagt:
„ Haec particula (per Jesum Chr. Dominum nostrum )
non incongrue a fidelibus additur , quando priva
tim orant, non publice , quia mos Eccle . -
sia e in publico est servandus. Quin et Ec
clesia in orationibus suis publicis quasi semper hanc
particulam jure subjungit. Cum enim omnia nostra
merita fundentur in merito passionis Christi,per quem
dona omnia nobis donantur , convenienter etiam per
ipsum omnia petere debemus, secut per ipsum Patri
de omnibus gratias agimus,“
. V .

. Es ift jest noch beſtimmter nachzuweiſen , wie und


bei welchen gottesdienſtlichen Handlungen die alte Kirche
dom V . U . Gebrauch machte ?

... Nach Gail. Durandi ration , div . offic. Lib .


V . c . 5 . iſt das Gebet des Herrn : „ Sal et condimen- ,
bé & ser r 11. 121 ,

tum in omni officio nostro juxta legis antiquae san


çtionem adspergendum . “ Uber ſchon in dieſer Bezeichs
nung und in dem , was er zuvor c. 3 über den verſchies
denen Gebrauch bemerkt hatte , liegt die Erklärung , daß
pas B . U . keineswegs dazu beſtimmt ren , alle anderen
Gebete zu verbringen . Dagegen erflårt fich auch Car.
dinal Bona ( de divina Psalmodia c. 1,6 . p . 430
431 ) nachdrücklich. Er ſagt: ,, De eadem oratione
dominica ) singulis horis praetermittenda, nihil me
mini me legisse apud Patres antiquiores ' - - -
Omnes autem Orationes praeter dominicam vanilo
quium esse haeresis fuit cujusdam Basilii, quem
Alexius Comnenusorthodoxus Imperator ignibus dam
navit, ut testatur Euthymius "Zigaben . in Panoplia.
Sunt et HaereticiMasaliani, 'sive Bogomili, qui
caeteras orationes rejiciunt et battologiam vocant , ut
Constantinus Harmenopulus (de sectis n. 19 ) scribit.
Et quidem quoad sensum nihil aliud peti potest, quam
quod in oratione dominica continetur ;. quod autem
pertinet ad formam verborum ,multae aliae sunt oratio
nes utiles et efficaces , quas sancti et orthodoxi viri
composuerunt. “ Ueber die hier angeführten hiſtoriſchen
Punkte vgl. Sam Andreae de Bogomilis in lo.
Vogtii Bibliotheca hist. Haeresiol. T . I. fasc. 1. p .
122. Walch Miscell. sacra p. 80. .

Es iſt ſchon oben bemerkt worden , daß man erſt


im rechſten und ſiebenten Jahrhunderte einige Synodal.
Beſchlüffe über den Gebrauch des V . u . findet. Es find
die Decrete des Concil , Gerund, a . 517. c. 10. und
Concil. Tolet. IV . a . 633 c. 9. Der lebte Kanon lau .
tet ſo : Quisquis ergo sacerdotum , vel subjacentiun
clericorum hanc orationem quotidiè aut in publico,
aut in privato officio praeterierit , ordinis sui honore .
privetur. “ Doch darf man hierbei nicht vergeſſen ; 1.
Daß ß nicht allgemeine Synoden , ſondern nur zwei
122 Gebe

ſpaniſche Provinzial. Synoden find, welche dieſe Anorðs


nung treffen ; ` 2 . daß nur von dem tåglichen Officio :
matutino et vespertino die Rede iſt. Man verordnete
es , weil manche Seiſtliche in der Meinung ſtanden , daß
1 , das . u . bloß am Sonntage gebrauchtwerden dürfe.
Man darf ſich übrigens über den Mangel einer Vera
ordnung über den allgemeinen Gebrauch nicht wundern ,
da , wie oben gezeigt worden , dieſes Gebet einen Theil
. der Geheim : Lehre ausmad)te und daher bloß den vols
kommenen Chriſten (den TEÑELOLS oder dyiois ) erlaubt
;. war. Wenn daher in den Constitut. Apostol. lib . VII.
C. 24. p. 372. für jeden Tag der dreimalige
Gebrauch anbefohlen wird (tpis ins nu epas
OUTW nQOGEVXEGJE ) , ſo kann dieß nicht von allen
Chriſten ohne Ausnahme, ſondern nur von den Einges
weihten verſtanden werden . Der Grund davon wird auch
gleich in den folgenden Worten angedeutet: nponapa
σκευαζοντες εαυτους άξιους της υιοθεσιας του πα
τρος , ίνα μη αναξιως υμων αυτον πατερα καλουν
Twv , wveidiolnte un avtov. Die Lehre von der
Sindſchaft ( violecia ) aber iſt nur den Chriſten beo
kannt, welche durch Laufe und Abendmahl wahre
Mitglieder der Kirche geworden ſind ; wie dieß aus den
Zeugniſſen des Chryſoſtomus , Theodoretus u . a . hervor.
gebet. Indeß wäre es doch möglich , daß die Conſtitu.
- tionen , welche allerdings das Singuláre lieben , hierbei
eine Ausnahmemachten .
Nimmt man nun auf die angegebenen Geſichts .
Punkte Rückſicht, ſo dürfte ſich der Gebrauch des V . U .
bei den einzelnen Religions - Handlungen auf folgende
Weiſe hiſtoriſch . genetiſch nachweiſen laſſen : 5
1.) Bei der Taufe. Die Constitut. Apostol.
lib. VII. C. 44. p . 385.'verordnen : daß der Täufling,
ro wie er aus dem Waſſer emporſteigt, fich binſtellen und
das vom Qerrn gelehrte Gebet herſagen ſoll ( éOTOSTO00
De 8 berr . ! 123

ευχεσθω την ευχην , ήν εδιδαξεν ημας ο κυριος).


Dieſes Hinſtellen bei dem Gebete roll an die Auferſtehung : .
Chriſti (das Wortſpiel ĉotavat , dvæotAVTO , ÉTEL
gouevov, ) erinnern , und deshalb foll'man dabei auch
das Geficht gegen Morgen (xatd á vetohas ) richten ,
u . P. w . Damit iſt zu vergleichen , was Chryfofton
mus (Homil. VI. in ep . ad Coloss. p. 201. ) bemerkt :
„ Sobald der Täufling aus dem Waſſer freiget, roll er
: die Worte ſprechen : Vater, unrer, der du biſt
im Simmel, " u . f. w . Mit dieſer Recitation war
zugleich das Glaubens : Bekenntniß (das Sym
bolum , oder die Regula fidei) verbunden . Damit die
Låuflinge hierzu geſchickt wären , wurden diejenigen , wele
che ſich in der lebten Claffe der Katechumenen , welche
Competentes hießen (weil ſie den nåchſten Anſpruch
zur Taufe hatten ), befanden , zuvor ſorgfältig unters
richtet und mußten beide Stücke auswendig lernen . Beiin
weiblichen Geſchlechte war dieſes Geſchäft der Einübung
in der älteſten Zeit der Sorgfalt der Diakonirren
überlaſſen . Dieß war die in den alten Schriftſtellern lo
oft vorkommende Traditio et redditio Sym
boli. . . .
i
Nachdem die Kinder , Taufe aufgekommen , muß. " ;
ten die Sponsores . Exceptores ( ávadoxou ) alles
das leiſten , was von dem erwachſenen Täufling gefodert
wurde . Im Mittelalter fing man an , davon zu diſpens
firen ; doch ward das V . U . und das Symbolum bei jedem .
Taufactus vom Geiſtlichen hergeſagt. So iſt es auch ;
in der proteſtantiſchen Kirche geblieben . * ) Die

*) In luther' s Dauf - Büchlein , welches in Sachſen als Norm


angenommen iſt , wird , als Porſchrift des Corporis juris
eccles. Saxonici, Dresden und Leipz. 1735 . 4. p. 118 ., bei
der Laufe dem Glaubens : Bekenntniſſe das V . u . vorausges
Tchidt. Es heißt aber , nach den Worten : So wollen wir nun '. .
dieſes Kind auch in 's Berrn Namen taufen und zuvor über .
124
in mehrern Låndern noch beſtehende Sitte : daß diejenigen
- Perſonen , welche zum erſtenmal als Tauf. Zeugen -zuges
laffen werden (was nur Confirmirten zu geſtatten iſt),
zuvor beim Pfarrer ein Satechismus : Examen ben
ſtehen múffen , beziehet ſich auf jene alte Einrichtung,
2 .) Beim 6 . Ubendmahl. .. .
. . Nach der fchon oben angeführten deußerung Gre.
gor' s d. Gr. ( Epist, lib . IX . ep . 12.) haben fich ſchon
die U poſtel bei der Confecration des Abendmahls dieſes
Gebets bedient. Ja, nach Hieronymus (Dial. con
tra Pelag. lib . III. C. 3.) hat Chrift u 8 felbft den Apo.
fteln dieſe Unweiſung gegeben . Auch dürfte es unwahr
rcheinlich reyn , daß Juftinus Martyr (Apolog. I.
p . 125. ) an dieſes Gebet gedacht habe, wenn er von der
Conſecration des Geiſtlichen berichtet : Qivo V X OT 80
ξαν τω πατρι των ολων , δια του ονοματος
του υιου και του πνευματος αγιου, αναπεμπει.
Außer Zweifel iſt dieſer Gebrauch beim Cyrillus Hie
rosol. (Cateches. mystag V. c. 5 .), denn dieſer ſagt:
čita UETO TAUTO (nach den Einfeßungs . Worten , der
Pråfation u . ſ. w .) TNU &vxnv deyouev ÈXELVTV , rje
ο σωτηρ παρεδωκε τοις οικειοις αυτου μαθηταις etc.
Ferner beim Auguftinu $ (Epist. ad Paullin . 59. p .
308. ) , welcher fich alſo ausdrückt: „ Precationes faci.
mus in celebratione sacramentorum , antequam illud,

die geſprochenen Gebete auch das Bater Unſer beten . – als


Notiz : „ Þie lege der Prieſt er die ande aufdes
Kindes Baupt und bete das Bater unſer ſammt
den Pathen , knieend." Bemerkenswerth iſt hierbei die . .
Beglaſſung der Dorologie, - wie beim Abendmahl.
Welche Wichtigkeit man dem V . U . hierbei beigelegt , erhelet
auch aus dem Unterrichte über die Noth : Iaufe. S . 122
: Beißt es : - Darauf frage der Pfarrer weiter : Habt Ihr auch
. ' den Namen des Herrn angerufen und gebetet ? Antwort : Ja,
wir haben Gott angerufen , und das heilige Bater
unrer gebetet. " 26.
e 3 st r r 11. 125 i

quod est in Dominimensa , incipiat benedici; ora .


tiones , quum benedicitur eť sanctificatur et ad distris -
buendum comminuitur, qüam totam petitionem
fere omnis Eeclesia Dominica oratione
. concludit. “ . . . ;

Da in der römirchen Kirche die Sitte aufgekoma


men war , das V . u . beim Abendmahle entweder ganzen
wegzulaffen , oder daſſelbe , gleichſam wie ein Anhängſel,
am Schluß der Handlung herzuſagen , To traf Grego :
rius d . Gr. in ſeinem Canon Missae eine andere Eina
richtung, und rechtfertigte in dem Sendſchreiben an den
Biſchof von Syracus ( Epist. lib . IX . ep. 12. ) dieſes
Verfahren mit dem Erempel der alten Kirche und der
Griechen. * ) Doch bemerkte er als einen Differenze
Punkt ausdrücklich ; w Das Bater Unſer wird bei den
Griechen vom ganzen Volfe bergeſagt , bei uns bingen
gen nur von dem Priefter. Dieß blieb auch in der Galli.
caniſchen , Hifpanifchen (oder Mojarabiſchen ) und Mais

' ; ) San - Marthanus und ſeine Benedictiner : Gehülfen läugnen ,


daß Gregorius das B . u . bei der Confecration zuerſt wiedes :
eingeführt habe, weil es nie reg weggelaſſen forben ; fondern . .
laffen ihn nur demſelben eine Poidlichere Stelle ans
weiſen . Nach bilienthal, Soord & h u . a . iſt dieß aber
unrichtig , weil es den eigenen Worten Gregor's widerſpricht,
Mit völliger Gewißheit låßt , ſich hier nichts beweiſen . Die i
Borte : „ Et valde mihi inconveniens visum est , ut prea
cem , quam Scholasticus composuerat , super oblationem
diceremus , et ipsam orationem , quam redemtor noster
composuit , super ejus corpus et sanguinem taceremus,“ . .
müſſen nicht nothwendig eine abſolute Uusſchließung des X . U.
anzeigen , ſondern können auch davon erklärt werden , daß
man daſſelbe bloß zum Beſchluß beifügte, wie es beim
Huguftinus heißt: totam petitionem oratione Dominica
concludit. Dann hatten die Benedictiner fo. Unrecht nicht. .
Man ogi. Pfaff de consecratione vet. eucharistica. S. 2 , ;
: p . 364. seqq. Aug. Krazer de Eccl. Occident. Litur.
: : giis. 2786. 8. g. 526 - 28. ' .
126 Gebet - *

ländiſchen (oder Ambroſianiſchen) Liturgie, welcher da


her ſo oft ein griechiſcher Charakter beigelegt wird.
r Auffallend iſt es, daß die Constitutiones Apost.
bei der Conſecration des Abendmahls das V. U. nicht
erwähnen. Man ſollte es, als Theil der Disciplina
arcani, gerade hier erwarten. Beſtätiget dieß vielleicht
die obige Vermuthung, daß die Conſtitutionen das V. U.
für den Gebrauch aller Chriſten beſtimmt glaubten und da
her einen dreimaligen Gebrauch für jeden Tag (außer dem
Gottesdienſte) verordneten? Es wäre wohl möglich, daß
auch noch andere Kirchen - Lehrer dieſe Anſicht getheilt
hätten, und daraus würde ſich auch die Erſcheinung:
s, necesse inter Patres antiquissimos priorum saeculo
rum , qui eam in Celebratione Eucharistiae adhibitam
fuisse dicat,“ (Pfaff de consecratione vet. Euchar.
p 364, was jedoch nicht ganz richtig iſt) am einfach
ſten erklären laſſen. - - -

Außerdem iſt der allgemeine Gebrauch unſers Gebe


tes beim A. eine entſchiedene Thatſache. Man vgl.
Pfaff notae in liturgiam Grabianam p. 5 16. und
Krazer de eccl. occident. Liturgiis p. 527. Hier
wird geſagt: „ De orationis hujus prisco usu in Missa
rum solemniis testimonium perhibent Liturgiae omnes
Orientis aeque ac Occidentis, quibus tota consentit
antiquitas. Loca S. S. Patrum congessit Hugo Me
mardus im Notis ad Sacramentar. Gregor. p. 21. In
decantandaautem Oratione Dominica mon una erat
ecclesiarum disciplina. Apud Orientales, Gallos et
Hispanos illam recitabat omnis populus, forte
quod e ommunis esset oratio, ut Cyprianus loqui
tur. Romae verosaltem a tempore Gregorii M.
et ultra illam solus de cantabat Sacerdos.“
Nach Augu ſtin us (epist. 92. ad Innoc. ep. 89.
ad Hilar. ) und Optatus Milevitanus (de schis
mate Donatist. lib. II. e. 29.) wollten die Pelagianer
A
Des Herrn. 127 :

und Donatiften von der fünften Bitte :. et remittei


nobis debita nostra etc. keinen Gebrauch machen
(was mit der Lehre von der Erbfände und mit ihrer Vor.
ſtellung von der Sünden - Vergebung zuſammenhing ) ; .
aber dennoch wagten ſie nicht, das Gebet des Herrn felbft
°HE
wegzulaſſen . Optatus ſagt ausdrücklich : „ Etenim inter
vicina momenta , dum manus imponitis et delicta do- '
natis ( condonatis ) , mox ad altare conversi
Dominicam orationem praetermittere non
potestis. Et utique dicitis: Pater noster,
qui es in coelis , dimitte nobis debita et
: peccata nostra. “ Die Donatiften ließen bloß die
Worte weg : sicuti nos remittimus debitori
bus nostris , worüber fie Dptatus tadelt. ;

Der Ordo Romanus II. n . 11. ſchreibt eine Pra e


fatio Orationis Dominicae vor . Db ſie ſchon
vor Gelaſius und Gregoriu 8 d ..Gr. üblich war,
oder erſt nach ihrer Zeit eingeführt wurde , iſt ungewiß.
S . Gavanti Thesaur. sacr. rit. edit. Merati T . I. '
p. 103. seqq. Krazer de eccl. occid . Liturg. p . 526 . ;
Dieſe Pråfation enthålt eine kurze Erklärung des Gebets
des Herrn , wobei zu verwundern iſt, daß bei der vierten
Bitte die Deutung des Brootes auf's H . Abendmahl,
nicht benußt iſt. Luther hat diere Vorrede gleichfalls
beibehalten . S . Corpus juris eccles. Saxon. edit. 1735.
4 . p . 136 . :. , Lieben Freunde Chrifti , weil wir hie vers
fammelt ſind, im Namen des Herrn , Fein heiliges Deſta .
ment zu empfahen , ſo ermahne ich Euch auf's Erſte, daß
Ihr Eure Herzen zu Gott erhebet , mit mir zu beten , das
Vater Unſer , wie uns Chriſtus , unſer Herr , gelehret
und Erhörung träftlich zugeſaget hat. " Hierauf folgt die
Erklärung ſelbſt. Und dann wird fortgefahren (p . 137 .) :
„ Zum Undern verinahne ich Euch in Chriſto , daß Ihr
mit rechtem Glauben des Teſtaments Chrifti wahrnehmet
4 . F. t . . In Sachen wird aber bei der Adminiſtration
.
128 . . .. Gebet
des Abendmahls gewöhnlich die Erklärung weggelaſſent
und die aus der Ugende angeführten Worte werden uns
mittelbar hinter einander hergeſagt.
3 .) Der Gebrauch des V . u . bei den übrigen heilis
gen Handlungen oder Sacramenten , namentlich der Con .
firmation , Abrolution , Drdination , Copus
lation , Porbereitung der Sterbenden ,
Funeralien und Exrequien leidet ebenfalls keinen
Zweifel , wenn man gleich den Urſprung nicht immer aus
dem Alterthume beſtimmt nachweiſen kann . Die
4 .) In der occidentaliſchen Kirche iſt es gebräuchlich
bei jedem Gottesdienſte das V . U . dreimal herzuſagen
( in principio , in medio , et in fine ) und zwar bald mit
lauter , bald mit gedämpfter und bald mit abwechrender
Stimme herzuſagen . Cardinal Bona (de divina Psal
modia . p. 429.) giebt hierüber folgende Erklärung :
„ Et apte quidem ab hac oratione initium sumitur
officiorum , ut abactis ejus virtute muscismorientibus
mens tranquillior facta ad pangendas Dei laudes prae
paretur et devotionis suavitatem admittat.' - Apte in
medio usurpatur, quia totiusPsalmodiae brevem con - :
tinet anacephalaeosin . Apte item in fine, ne ille
hostis antiquus semen bonum verbi divini, quod in
1 . Officii recitationeseminatum est, rapiatde cordenostro,
et conceptum a facie Domini spiritum ardoris fumosis
concupiscentiae flammis exstinguat. Quandoque vero
submissa dicitur voce , ut interna cordis humi
litas erga eum significetur , qui solus scrutator est cor
dium , simulque intelligamus non in clamore vocis,
sed in puritate cordis et compunctione lacrymarum nos
exaudiri. Quandoque tacita et in fine clara
voce pronunciatur, idque propterea fit , ut pa .
od
lam ab omnibus communi consensu confirmetur, quod
unusquisque oravit sub silentio . Orantsinguli pro omni
bus, orant omnes pro singulis , ut fiat , quod scri:
196
De 8 Herrn.
ptum est:' Particeps ego sum omnium timen , '
tium te et custodientium mandata tua. " ,
u . f. W . L . . . . .
So übereinftimmig aber auch alle römiſche Breviarien .
darin find, daß der Gottesdienſt mit dem V . u . angea
fangen werden müſſen , fo hat doch Meratus ad Ga
vanti Thesaur. T. II. p . 103 .04 . bewieſen , daß erſt
im XIII. Jahrhundert die Siftertienſer . Món che ' '
Urheber dieſer Einrichtung waren . Er ſagt: „ Id autem
in nulla Monastica Regula saec. X . XI vel XII. occur
rit , neque in Breviario Cassinensi saec. XI, neque in
veteribus consuetudinibus Cluniacensibus, ut tradit
· Grancolu's lib . I. c. 25. ubique enim officii divini
principium desumebatur ab illis verbis : „ Deus in ad
jutorium " etc . Seit dem XIII. Jahrhundert aber
ging dieſelbe aus den Kidſtern in die Kirche über.
. . 5 .) Dagegen findet man von der Sitte der Prom
teftanten , das v . U . in jeder Predigt gweimal gut
beten , in der alten Kirche keine Spur. Die griechiſchen .
lateiniſchen und fyriſchen Homileten pflegen ihre heiligent
Reden mit einem kurzen Voto zu beginnen , * ) und faſt
ohne Ausnahme mit der Dorologie zu beſchließen .
Aber man fucht vergeblich nach Beiſpielen vom Gebrauch
des V . u . Und bei der Genauigkeit , womit die Vorträge
aufgezeichnet wurden , låßt fich nicht annehmen , daß fie .
dieſes Gebet beim mündlichen Vortrage hinzugelegt håta
ten . Wird doch bei uns , wo die Sitte ro lange beſtes
het, in den gedruckten Predigten bemerkt, wo das V . U .
gebetet wird ! Bei den älteſten Somileten kann man das
Þ . U . Tchon aus dem Grunde nicht erwarten , weil daſſelbe

*) Nads Ferrarius ( de concionibus vet. lib. I. c. 8.)


- rühren die Formeln : {vloyncov ở xvpiɛ u . ſ. w ., welcheman "
in den Ausgaben der alten Homileten findet , nicht von dieſen . ,
Terbft , ſondern von den Mönchen und Abſchreibern des Mittels ,
Ulters her . . . ;
Fünfter Band.
Lebe
- 130
ein Stück der Geheim - febre ausmachte. Und hierin
liegt wohl ein Hauptgrund des Nicht : Gebrauchs auch in
der ſpåtern Zeit , wo dieſe Rücklicht nicht mehr Statt
fand.
. Aber es ift bemerkenswerth , daß auch futher und
. feine Zeitgenoffen und erſten Nachfolger von dieſer Sitte :
nichts wiſſen . In der teutſchen M erre oder Orda
nung des Gottesdienſtes ( 1526 ) erwähnt zwar Luther
das V . U .; aber ſo , daß man daraus erſteht, 8aß er es
nicht ſowohl zur Predigt, als vielmehr zur Abſolution
gerechnet wiſſen will. Es wird geſagt : „ Nach der Pres .
digt das Bater Unſer und Vermahnung an die Communi:
canten . Beides kann gleich auf der Kanzel , oder nach :
her vorm Altar geſchehen . Es ſcheint ſonſt auf der Kans'
gel geſchehen zu ſeyn ; daher noch blieben iſt , daß
man auf der Kanzel gemein Gebet ( das alle
gemeine Gebet ) thut, oder das Bater uns
fer vorſpricht, die Vermahnung aber gu :
einer öffentlichen Beichte worden iſt. Bal.
Flügge?$ Geſchichte des teutſchen Kirchen - und Prei .
i digtwefens. Th. II. S . 190 - 91. Auch in den ſpåtern
Kirchen - Ugenden findet ſich feine beſtimmte Verordnung
dacúber ; und man iſt daher berechtiget,diefe Einrichtung bloß
für eine bomiletiſche Eonvenienz zu halten . .
Wie ftreng man aber hierauf noch im Anfange des
achtzehnten Jahrhunderts hielt , beweiſet ein polemiſcher
Schrift - Wechſel zwiſchen dem Schleſiſchen Prediger
Tobias Höpfner und dem Sächſiſchen Theologen
Job Dav. S chteroner. Bon Erſterem erſchien
1707 eine Vertheidigung einiger weggelarre.
nen und angerichteten Dinge. Der Verf. vero
theidigt darin die Freiheit des evangeliſchen Predigers , bei
der Predigt die Exordia wegzulaſſen , und ſtatt des
Vater : Unſers ein anderes Gebet, welches aber in
dem V . U . gegründet reyn müſſe , zu brauchen . Rekterer
.
CO
be 8 Herr n . . . .
131

)
wil in ſeiner : Ein id end ung wider Herrn M
nipfner' s Qußenlaffung des Vater un pers
und Exordien. 1707. zwar in Anſehung der Erori
1 . dien , keinesweges aber in Anſehung des V . U . diere Freie
beit einråumen .
Auch Casp. Calvoer ( Rituale eccles. P . I.
Jenae. 1705. 4 . p . 524. seqq. ) macht daraufaufmerks
. . ſam , daß man in den Predigten der Alten nichts vom
P . u . erwähnt finde, und giebt ganz richtig die Arcans
· Disciplin als Grund davon an . In Anſehung der pro.
1 teſtantiſchen Kirche bemerkt er : „ Putarim vero , quod,
postquam loco Ave Maria 'e substituta est a No
stris oratio Dominica , haec ex Miss a Fidelium trans
lata sit ad Homilias, et quidem tum ante , tum post
concionem , quo in honorem S . Trinitatis ter illa in
solemni Missae sacro in Ecclesia sive sonet'sive oretur,
ceu ob hunc numerum mysticum plura fieri in Eccle
sia , oculatioribus facile pâtet. “ Hiermit iſt zu vers
gleichen die Bemerkung p. 527. : „ Solemus orationem
Dom . ante concionem cumprimis submisse sive sub
silentio orare. Et hoc absque dubio praeter alias
rationes ex secretellis disciplinave arcani. Uti
enim orationem Dominicam non decebant Tove duvni
TOUS (Non - initiatos ), ita conjecturare est, orationem
Dominicam , posteaquam Non - initiati , abrogata ve
teri disciplina , ad ipsam Fidelium Missam adesse per
missi sunt, submissa voce ac cum silentio fuisse pro ,
nuntiatam , ne 'a Non - initiàtis subaudiretur. Quod
quum imitaretụř ritus Latinus, mirum haud est, mooi
rein istum ad Nostros transiisse. Flexis genibus hae ;
preces etiam fieri solent ab Homileta , ast a populo in
curvata cervice oculisve clausis, quorum rationem alias ' .
tetigimus. 5
VI. ,

Außer dieſem gottesdienſtlichen Gebrauche, berdies


.. 32
· 132 Gebet :
men noch einige Punkte , woraus theils die allgemeine, in
ihrer Art einzige, Verbreitung dieſes Gebetes unter den
Chriſten , theils der ſo oft getadelte Mißbrauch deſſelben ,
erhellet , beſonders erwähnt zu werden .
: :: : 1.
1.
. . . Es giebt in der ganzen alten und neuen Welt feir
Gebet, welches ro allgemein verbreitet iſt, als
das Gebet unſers Herrn . Die Geſchichte des V . u .
macht einen ſehrwichtigen Theil der Literatur: Geſchichte
aus , ſowohl in linguiſtiſcher , als kalligraphie
ſcher , typographiſcher und artiſtischer Hin .
ficht. Es dürfte wohl jekt kaum cine nur einigermaßen .
KE .
bekannte Sprache der Welt exiſtiren , in welche' nicht das .
V . U . überlegt wäre. In dieſer Hinſicht haben ſich die
Miſſions - Anſtalten aller Confeſſionen große Vera
dienſte erworben. Fernér haben faſt alle Künſte gewetteis
fert , um dieſes Gebet in Gemåhlden , Gemmen , Sculpa
I turen , Münzen u . . w . allgemeiner zu verbreiten . Wenn
hierbei auf der einen Seite eine gewiſſe Künſtelei, Mifros
logie und Geſchmackloſigkeitwahrzunehmen iſt, ſo låßt ſich
auf der anderen doch nicht in Abrede ſtellten , daß ſich hier: -
In eine Tendenz ausſpricht, welche dem Freunde der Res . '
ligion Jeſu nicht unwillkommen ſeyn kann.

in . Noch weit nåber für dieſen Zweck liegt die eifrige


Bemühung , womit die Lehrer des Chrifienthums vont
jeher 'den richtigen Verſtand und die nüßliche Anwendung
dieſes Gebetes der Gébete durch Commentare und
Paraphrafen zu befördern geſucht haben . Dieſer
Schriften ſind ro "viele , daß man , um nur die vorzüge
lichſten nåber zu würdigen ", eine eigene Baterunfera
Bibliothek ſchreiben müßte !
Viele Erklärnngen der Alten ſind faſt uur als Para.
phraren zu betrachten und fónnen die Stelle derſelben
ser r n . 133
vertreten. Dennoch findet man nicht häufig , daß man
in der alten Kirche davon einen ſolchen Gebrauch gemacht
se somfolher with
håtte daß mane ſicht derſelb , mit Uebergehung der
, en
eigentlichen Formel , beim öffentlichen Gebete bediente."
Indeß fann Cyríll. Hierosol. Cateches. mystag.'
V . S. 11 = 18 , als Beiſpiel davon gelten . Sehr
oft aber fügte man der Formel eine kurze Paraphrafe oder
Expoſition bei , wie z. B . bei der Conſecration des Abende
mahts. S . oben .
Schon luther ( Werke, T . IIF. p . 282. ed . Jen. )
gab den Rath , daß man zuweilen durch zweckmäßige
Umſchreibungen für eine richtigere Würdigung und Ers
klärung ſorgen rolle. Bei den "neuern Verſuchen , die ,
Liturgie zu verbeffern , rechnete man die Umſchreibungen
des V . U . unter die vorgüglich wichtigen Punkte . Bea
kanntlich haben Döderlein , Hanſtein u . a . ſo reicha
lich für diefes Prediger . Bedürfniß geſorgt, daß man eher ,! '
über Ueberfinß , als Mangel an Hülfe , ju klagen Urſache
håtte. Es gab eine Zeit , woman die Aufklärung eines
Predigers nach den Vaterunſers Paraphraſen beurtheilte ;
und wo man in der Somiletik ein ähnliches Spiel triebr.
wie mit den Variationen in der Muſik! Doch
darf man auch hier über den Mißbrauch nicht den guten
Gebrauch verkennen .
3.
Den årgſten Mißbrauch bietet ohne Zweifel der fors
genannte Roſens seranz ( Rosarium Mariae ),oder das
Pater - Noster dar. D6 Peter von Amiens
(der Einſiedler ) , oder Paulus 'der Eremit, oder
der h . Dominicus Erfinder diefer Gebet . Nunft fer ,
iſt ſtreitig . S . Jo. Fr. Mayer de Rosario. 1720
4 . u . a . Bei der Reformation ward gegen dieſe , dem
Alterthume ganz fremde Andacht am ſtärkſten geeifert,
wie man aus Luther's Schriften , aus der Augsburg. Cons
feſſion und den Schmalkald. Artikeln erfiehet. Aber ſchon
134 Gebet des Herrn.
. . der gelehrte Geiſtliche Polydorus Vergilus (de rer.
invent. lib . VI. c. 9.) urtheilt darüber : „ Hodie rantus
honor ejusmodi calculis accessit, ut non modo ex ligno,
succino , corallino , sed et ex auro argentoque fiant,
sintque mulieribus instar ornamenti , et Hypocri
tis praecipui fucosa e , bonitatis instru .
men ti. .. Dieſes Urtheil iſt auch oft von einſichtsvollen .
Katholiken wiederholt worden ; ja , man möchte behaupa
• ten , daß der Roſen - Franz unter dieſen beinah mehr
Widerſacher gefunden habe, als unter den Proteſtanten ,
für welche die Sache ſpåterhin zu wenig Wichtigkeit mehr
hatte. . . . . .,
A Mag es übrigens gegründet reyn , daß fich der Ros
ren - Stranz in dem Cultus der jslamiten und Indiaa : :
ner wieder findet: ro dürfte doch der chriſtliche, in Hinſicht
des Gegenſtandes , die meiſte Einheit haben 'und den Bes
weis
we " , daß die chriftliche Kirche an dem Gebete des
is liefern
Herrn einen Mittel - Punft ihrer Andacht habe, wie wir
ihn in keinem anderen Cultus finden .
-
Dritter # bpchnitt .

Von den verſchiedenen Arten des


offentlichen Gebetes.

groß auch , wie in dem vorhergehenden Abſchnitte


gezeigt worden , das Anſehen des Vater Unſers war , ro,
follte doch zu keiner Zeit durch daſſelbe jedes andere Ges in
bet aus dem driſtlichen Cultus verbrångt werden. Viels
mehr lag fchon in der Beſtimmung des Gebets des Herrn
bloß für die Eingeweihten ein hinlänglicher Grund ,
nicht nur für die Zulåſſigkeit, ſondern auch für die Noths ,
wendigkeit ſolcher Gebetsa Formeln, welche beim
öffentlichen Gottesdienſte für alle Cbriftens
Claſſen brauchbar waren . Diere alſo werden
zuforderſt unſere Aufmerkſamkeit verdienen , indem die
für die Adminiſtration der Sacramente , beſonders der
Laufe und des Ubendmahls beſtimmten Gebete am fchick : '.
lichften bei der Beſchreibung diefeë heiligen Handlungen
ju berückſichtigen ſeyn werden.
. Wir beſchäftigen uns alſo zunächſt mit dem , was in
der ältern Zeit in der ſogenannten Missa Catechu
menorum , und in den ſpätern Perioden in dem ges
wöhnlichen Gottes . Dienſte als Gebet, Bitte , Fürbitte
und Dankſagung vorgetragen zu werden pflegte.
.. 136 ; Verſchiedene Arten .
In den åtteſten Nachrichten vom chriſtlichen Gottes,
Dienſte finden wir zwar Einiges über den Inhalt der
Offentlichen Gebete bemerkt, die Sebets - Formeln felbſt
aber nicht mitgetheilt. Der Fall Apoſtg. I, 24 . 25 .
macht eine Ausnahme, indem hier die Worte des von den Apo
ſteln vor der Verſammlung , und in Beziehung auf die . .
vorhergegangene Rede des Apoſtels Petrus , ausgeſpros
chenen Gebetes angeführt werden . Sie lauten : Herr,
aller Herzen Rundiger, * ) zeige a ii, welchen
Du erw åhlet baft , unter dieren zween : daß
einer empfahé dieren Dienſt und. Apoſtela
Amt, davon Judas abgewichen iſt , daß er
binging e an ſeinen Ort. " Dennoch möchte man
vermuthen , daß auch hier nur ſummariſch berichtetwerde.
Wollte man aber auch annehmen , daß wir in dieſen Wors .
ten das ganze Gebet befäßen , ſo iſt es doch nur ein Ea .
ſual . Gebet, was auf keine Weiſe für andere Fälle
paſſen konnte.
Don der Stelle aus Justinus Martyr (Apo
log. I. c. 61. seqq. ) iſt ſchon im 1 . Ubrchnitt gehans
delt worden . Es bleibt zweifelhaft, ob die Worte : oon
dúvauis autó , fich auf die dem Vorſteher geſtattete
Freiheit , bei dem Abendmahle zu beten , was er will,
oder auf die Art und Weiſe, das vorgeſchriebene Formular
. . herzuſagen (ſo laut und ſtark, als er es vermag ) , bes

*) 06 der xaqdcoyvoons, welcher angeredet wird , Gott ,


oder Chriſtus ſen , låßt ſich mit Gewißheit nicht entſcheiden . . .
Wenigſtens möchte ich nicht das Erſtere , wie einige neuere
Uusleger thun , bloß damit abfertigen : daß Apoſtg. XV, 8 .
dieſer Uusdruck von Gott gebraucht werde. Der åhnliche Fall
Upoftg. VII, 59 : rúgle 'Incoû , défde tò avevu uov zeigt
wenigitens , daß die Anrufung Iefu Chrifti im apoſtos
liſchen Zeitalter nicht ungeldöhnlich war. Wuch können Stellen ,
wie Joh . II, 25 : avròs yag éyivmoxe, ti nv ev tõ évfpano ,
einen Zufſchluß über den xupdioyvootd geben .
des öffentlichen Gebets.
jieben ; aber auch in dem legtern Falle , wird ein Fornuis
lar zwar vorausgeſeßt, aber nicht gegeben . Uuch Ter
t'ull. apologet. C. 39. giebt im Angemeinen an , daß
die verſammelten Chriſten für das Wohl aller Menſchen , .,
die Ruhe der Welt , des Reichs , der Regenten u . f. w ;
beten ; aber die ipsissima verba fehlen , ohne daß man
daraus auf den Mangel beſtimmter Gebets - Formulare
zu ſchließen berechtiget wåre.
Bei dieſem Mangel an Nachrichten über das For:
'melle des öffentlichen Gebetes bei den alten Chriſten , bei ,
fißen wir an den Sonſtitutionen der Apoſtel ein in
für die Liturgie höchſt wichtiges Werk. Weber das Alten .
und die Glaubwürdigkeit derſelben , vgl. Denkwürdigk.
. Ib. IV. S . 211 - 27. Man muß bei den Conſtitutics
men ſorgfältiger', als bei anderen Werken der Literatır,
einzelne Beſtandtheile und Sammlung disus
Ganzen unterſcheiden . Selbſt dann , wenn , nach der
Behauptung einiger Gelehrten , der Urſprung der Lentirn ·
bis in 's fånfte oder rechſte Jahrhundert herabgereßt wera
den mußte, würde daraus doch kein gültiges Pråjudiz zes
gen einzelne Theile entfehen können . In dieſe Kategorie
gehören namentlich die Gebets . Formulare, welche
uns hier zunächſt intereſſiren . Schon Schrick b,
Start, Rorenmüller und andere Gelehrte haben
bemerkt, daß gegen dieſe Gebete kein kritiſcher Bere
- dacht vorhanden ren . ; ;
Daß die in den apoſtoliſchen Conſtitutionen enthala
tenen Gebete die älteſten ſind , welche wir überhaupt :
Defiken , låßt fich ohne große Schwierigkeiten beweiſen .
Der Beweis beruhet hauptſächlich auf folgenden Punkten :
1 .) Es herrſcht in dieſen Gebeten durchaus Geiſte
Vorſtellung, Manier" und Sprache des höchſten Moers
thums. Hierbei beruhet freilich viel auf Gefühl, wors
über nur der richtig urtheilen ' fann , welcher mit dem
Alterthume vertraut iſt. Aber dieſer Daft für's Alters
138 : Derfchiedene Arten

verſtårkt werden . Man kann bei angeſtellter Vergleichung


mit neueren Gebeten die dem Alterthume eigenthúmlichen
und daſſelbe charakterifirenden Vorſtellungen , Formeln
Runſtausdrücke u . f. w .herausſcheiden . , ;
2.) Die beobachtete Unterſcheidung der Missa Ca.
isechumenorum et Fidélium fpricht für ein
Zeitalter , wo die Disciplina arcani von höchſter
Wichtigkeit war, und ſtimmt mit dem , was Tertulias - .
aus , Cyprianus , Origenes u . a. darüber vortragen, gea
jau zuſammen .
3.) Bei einigen Gebeten låßt ſich der im vierten und
1 pinften Jahrhundert davon gemachte öffentliche Gebrauch
nachweiſen . Dieß ift namentlich beim Chryfoftomus ";
zuveilen po der Fall , daß man entweder annehmen muß.
diiſer berühmte Kirchen - Vorſteher habe die Conſtitutions: . ,
- Formulare vor fidh gehabt; oder dieſe wåren erſt nach :
Chryſoſtomus u . a . compilirt worden . Da nun das leß .
ter: völlig unerweislich und unwahrſcheinlich iſt , ſo kann
nur das Erſtere als die richtige Meinung angenommen
werden . '
Wir machen den Anfang mit einem Gebete, welches
im eigentlichen Sinne ein allgemeines genannt werden
kann , und welches ſich durch Einfachheit, Würde und
· Szerzlichkeit ſo vortheilhaft auszeichnet. Es iſt das ::

. . I.
Gebet für die Katechumenen. * )
( προς φώνησις υπέρ των κατηχουμένων.)
Es befindet fich Constitut.Apost. lib. VIII. c. 6.
p . 397 - 98. edit. Cotel. Unmittelbar vorher wird

* ) Unter den Statechumenen (Lehr - Schülern ),werden hier


tiejenigen verſtanden , welche 'Axpod usvou oder Audientes
genannt und wovon die Competentes noch unterfchieden wers
des öffentlichen Gebets. : 139
Bemerkt : daß , wenn die bibliſchen Lectionen beendigt ung
der Biſchof ſeinen Ermahnungs - und lehr - Vortrag
(noyov na paranoeus, Xal diddoxadas ) gehalten , der
Diafon auf den erhöhten Plaß treten , zur Stille und
Aufmerſamkeit auffodern , und alſo ſprechen fol ; '.
: , Betet, Ihr Katechumenen ! Me Glaubige roller
mit Ernſt und Nachdenken ( nata didvolav ) für ſie bes
ten und ſprechen : Herr, erbarme dich ( HÚple théncov) !"
Auch der Diafonus rol für ſie beten und alſo fprea
chen : Laſſet uns råmmtlich für die Katechumenen Gott
anrufen , damit er , der Gütige und Menſchenfreundliche,
ihr Gebet und Anrufen gnädig erhören möge . Er nehme
ihr Flehen an und helfe ihnen . Er gebe ihnen , nad) den
Wünſchen ihres Herzens., was ihnen zuträglich iſt (apos
To ovugépov ). Er offenbare ihnen das Evangelium
ſeines Geſalbten (Toû Xplotoũ đUTOų ). Er erleuchte
und erhelle fie. Er unterweiſe fie in der Gottes . Erkennta
niß.( Jeoyvoolav ). Er lehre ſie ſeineGebote und Rechte .
i · Er floße ihnen ſeine heilige und heilſame Furcht ein . Er
eröffne die Ohren ihrer Herzen , damit ſie ſich beſchäftigen
mit ſeinem Gereße Sag und Nacht. Er befeſtige ſie in der
Gottfeligkeit. Er vereinige fie , damit ſie zu ſeiner Heilia.
gen Heerde gezáhlt werden . Er würdige fie des Bades
- der Wiedergeburt, des Kleides der Unſterblichfcit ( TOŮ
èvdúdatos tñs dolapsias), des wahren Lebens. Er
erhalte fie frei von aller Gottloſigkeit , und geſtatte dem
Feinde ( tw allotoiw , d. i. dem Satan ) keinen Raum
über fie. Er erhalte fie rein von aller Befleckung des Kors ,
pers und Geiſtes . Er wohne und wandle in ihnen durch

den . Daß in der lateiniſchen Airche dieſelbe Einrich


tung mit den Préparanden Statt fand , erhellet am beſten
aus Augustin . Serm . de tempore 237.; Wo ' es beißt :
„ Ecce post sermonem fit Missa Catechumenis.
Manebunt Fideles , venietur ad locum orationis.“
Vgl. Ambros . epist. 33. ad Marcell, u. a. St, '
1 140 Berſchiedene Urten
Feinen Geſalbten . Er regne ihren Eingang und Ausgang,
und leite alle ihre Únternehmungen zu ihrem Beſteni.
Ferner' bitten wir für ſie aus Herzensgrunde, daß
fie Vergebung der Sünden durch die Einweihung (dia
rñs uvňoews , d. i. die Taufe ) erlangen und der heiligen
Seheimniſſe ( tớv dylov uvotnolov, d . h .das h . Abends
mahl) und der Gemeinſchaft der Heiligen würdig werden .
Erhebet Euch , Katechumenen ! und bittet um den
Frieden Soties durch ſeinen Geſalbten. Sittet um ruhige
Tage ( členvixnv nuépav ) und um Befreiung von der
Sünde durch die ganze Zeit Eures Lebens , um ein chriſte
liches Ende ( Xolotlova vuôv TO Téhn ) , um einen gůs
tigen und gnädigen Gott, und um Vergebung der Sünden :
Uebergebet Euch ſelbſt Gott, dem allein Unerzeugten, durch
reinen Geſalbten . Berbeuget Euch und empfangetden Segen !
Zu allem , was der Diakonus ausrufet, roll das
Vole ſprechen : Herr , erbarme dich ! Vor allen aber
(rollen dieß ſprechen ) die Kinder. *)
: Wenn ſie (die Katechumenen ) nun ihre Häupter
. . verbeugen , ro roll der geweihte Bifchof * *) folgenden Se
gen über ſie ausſprechen :

beite desnuis win


* ) Uuch aus Baſilius und Chryfoftom us wiſſen wir,
daß fchon in der alten Kirche, theils des Gefanges , theils
hinder, In
anderer Zwecke wegen , Kinder , beſonders Anaben , um den
Ultar herum geſtellt wurden . dem Euichologio Gr, ed .
Jac. Goari p : 359. heißen ſie : opgavo! ( Waiſen - Kinder ).
Es ſind die aus der katholiſchen Kirche auch zu den Proteſtana'
ten übergegangenen Shor: Anaben.
! ! * * ) Da unmittelbar vorher ( c. 5. ) von der Biſchofs - Weihe
(ZELODTOVLà ŠILOLÓnov ) gehandelt wird , ſo muß der Tert :
ο χειροτονηθείς επίσκοπος α8 τίάtig ' angenommen merben.
! Uußerdem würde: Zelpotovýcas, oder ú st à X ELQotovias

der beſonderen Uufſchrift: Kɛg s . XELQOSèoid tõv ratnyov


pièvcov und fügt die Bemerkung hinzu , daß daſſelbe den h.
Upoſtel Andreas zum Verfaffer habe.
des öffentlichen Gebets . 141
Allmächtiger, ungezeugter und unzugånglicher Gott,
der Du allein wahrer Gott, Gott und Vater Deines Ges
falbten , und Deines eingebohrnen Sohnes biſt, Du Gott
des Dröfters ( Ó DEO TOŨ Taoanhútov , d. 1. des heili.
gen Geiſtes ) und Herr aller Dinge, der Du durch Chri.
ſtus die Junger zu lehrern der Gottſeligkeit beſtellt haſt!
D blicke auch jeßt auf Deine Diener, welche in dem Evana i
gelio Deines Geſalbten unterwieſen worden ( XOTNXOV - i . .
MÉVOVS ) ! Gieb ihnen ein neue Serg , und erneue den
Geiſt der Zuverſicht in ihrein Inneren , damit ſie erkennen
und thun Deinen Willen mit vollem Herzen ( šv xapdio
atinger , pleno pectore ) und bereitwilliger Seele. Laß
fie der heiligen Weihe ( Tņs dyiasuudews, 0. i. Taufe )
würdig werden und vereinige ſie mit Deiner heiligen Kirche.
Laß fie Theil haben an den göttlichen Geheimniſſen (TV
Déiwv uvotnpiwv , d. 1. D. Abendmahle ) durch Chriſtus,
unſere Hoffnung , welcher für ſie geſtorben iſt. Durch
welchen Dir ren Ehre und Anbetung , in dem heiligen
Geiſte , in Ewigkeit. Umen !
Hierauf ſpreche der Diakonus : Ihr Katechumenen ,
gehet hin in Friede

Das Sirchen - Gebet für die Ratechute


menen , nach deř Erklärung des
heil. Chryfoftomus.
... In der zweiten Homilie über den zweiten Brief an
die Korinthier ( edit. Francof. p. 516 . seqq. edit. Bened.
T . X . p . 435. seqq .) giebt der berühmte Kirchens lehs
rer , welcher zuleßt Patriarch von Konſtantinopel , das
mals aber , als er dieſe Rede hielt, Presbyter zu Untios
chien war , ' * ) eine ausführliche Erklärung über das in

. *) Nach der & ltern Meinung iſt unſere Predigt nicht in Antios .
chien , ſondern in Konſtantinopel gehalten , und Bingo
ham . Orig . T ., VI. p . 214 . ogl. p. 217. folget baraus , daß :
· 142 Verfchiedene Arten
der Liturgie feiner Kirche enthaltene Sffentliche Gebet für
die Katechumenen . Dieſe Erklärung iſt aus folgenden
Gründen von beſonderer Wichtigkeit für uns :
1 . ) Weil fie ein acht - chriſtlicher und erbaulicher
, Vortrag eines -alten Kirchen Lehrer $ ift , woraus jeder
Geiſtliche vici lernen kann. 2.) Weil wir daran ein Bei.
fpiel haben , daß die alten Prediger auch über ſolche Ge
genſtände öffentliche Lebr . Vorträge hielten . 3 .) Weil
fich , da Chryſoſtomus theilweiſe die eigenen Worte des
Kirchen - Gebets anführt, die große , Uebereinſtimmung
dieſes Formulars mit dem vorſtehenden aus den Conftitu .
tionen der Apoſtel ergiebt. In manchen Stellen iſt wort:
liche, faſt buchſtäbliche Conformitat. Aber auch da, wo
die Såße nach den Worten etwas verſchieden , bald zus
fammengezogen , bald etwas ausführlicher und umfchrein
bend lauten , bemerkt man dennoch keine weſentliche Bers

C,unter Gebet auf der fonftantinopolitaniſchen lis ;


turgie entnommen Tey .' Nach N é ander aber gehört dieſe
Urbeit in die Zeit , wo Chry. noch Presbyter zu Antiochien
war. Die Sache iſt an und für ſich von keiner Erheblichkeit ;
bei der legtern Unnahme aber ſcheint doch Etwas für das hds
here Ulter der Gebets : Formel gewonnen zu werden .
· Es wird bemerkt : „ Großen Werth legte er auf die alten
sirchen : Gebete der Antiocheniſch en liturgie ,
auf deren , aus der Liefe des chriftlichen Lebens geſchöpften ,
größtentheils in bibliſche Redensarten eingekleideten Sinn er
håufig in ſeinen Predigten feine Gemeinde aufmerkſam macht."
S . der heilige Johannes Chryfoftomus und die Kirche, in
beffen Zeitalter , von D . X . Neander. 1 Jh . Berlin . 1821.
8 . S . 180. In den Anmerk. S . 331. - 38. iſt eine gute, ,
obgleich nicht volftändige Ueberſegung der ganzen Erklärung,
woraus auch in Schone' s Geſchichtsforſchungen über die kirchs
lichen Gebräuche u . f. w . Jh. II. Berlin . 1821. 8 . S . 69. —
71. ein Auszug gegeben wird, mitgetheilt. Ich habe die ganze
Stelle vouſtändig und möglichſt treu überſekt. Die unters
ftrichenen Worte ſind die aus dem alten Formular angeführs
ten Stellen .
des offentlichen Gebet8. .

fchiedenheit. Aber auch hierbei iſt noch die Frage : 06


nicht Chryfoftomus , bei der freiern Urt , womit die Alten
überhaupt, gewohnlich ex memoria zu citiren pflegten, die
Gebets.. Formel mit veränderten Uusdricken und eige.
men Zufäßen angeführt habe ? Man wird wenige
Rens die Möglichkeit hiervon einräumen müſſen ;
und alsdann würde die Uebereinſtimmung mit der Conſtia
tütionen noch leichter behauptet werden können . ' ; ..
". Die Erklärung felbſt giebt Chryſoſtomus mit folgens
den Worten :
,, Die Seresse der Kirche verordnen Gebete nicht
nur für die Glaubigen , ſondern auch für die Katechus :
menen . Denn das Seres fodert den Glaubigen zu einem Bitt.
Gebete für die noch nicht eingeweihten ( o vóuos d28
γείρει προς την των αμυήτων ικετηρίαν ) auf. .
Denn wenn der Diafonus ausruft: Jafret uns
in brúnftig für die Satechumenen beten ! fo
thut er nichts anderes , als daß er das ganze Volk der
Glaubigen zum Gebete für ſie auffodert. Die Katechus
menen ſind nämlich noch Fremdlinge ( dłótolou * )
Sie gehören noch nicht zum Körper Chrifti , haben noch
keinen Theil genommen an den heiligeti Handlungen ( uvá
6tnoioy i. e. Sacramenten ), und find noch abgeſondert
von der geiſtlichen Seerde ( dinonuevot tils dyeams :
ans avevU & Tińs ). Wenn man fchon für dieſe beten
muß ; wie viel mehr nicht für unſere Glieder felbft?

*). Da beim Chryfoftomas, wie bei anderen Kirchenvåtern ,


állótoros gemdhnlich den Satan bedeutet, ſo dürfte der
Uusdruct wohl die Emphaſe haben : Sie, 10 e'l che nodi u no
ter der Geidalt de & Satan ' s ft e hen . Durch die Saus
- fe entſaget man feierlich ( in dem Erorcis mu $ abrenun
tiatio ) der Herrſchaft des Satan 6 und ergiebt ſich Chriſtus , .
als Eigenthum . Weiterhin macht der Verfaſſer ſelbſt hierauf is
· aufmerkſam .
144 ; Verſchiedene Arten
Daher heißt es auch : tapiet uns inbrünſtig be.
ten. Du darfft ſie alſo nicht als Fremdlinge verurs
theilen und verwerfen ; du darfſt ſie nicht als Fremde
( Šévous) (verkennen . Sie haben noch nicht das von
: : Chriſtus vorgeſchriebene und eingeführte. Gebet * ) ; fie .
haben noch nicht den freien Zutritt (naponoiav ) ; fie
bedürfen noch der Hülfe der Eingeweihten ( uvotQyW
Yn dévtov ). Sie ſtehen noch außerhalb der Vorhöfë
des Königes und noch fern von den Schranken ( STE02
pózov ) des Heiligthums. Deshalb werden ſie ja auch
entlaſſen , wenn jene ehrwürdigen Gebete ( OINT V
&vxwv 0. b , die ÈvXAQLOTIO ) gefdjehen . Daher ergehet
an dich die Ermahnung , daß bu für ſie beteft, damit
fie deine Mitglieder heißen und nicht mehr als Fremde
und Entfremdete (naaotpiwuévoi ) betrachtet werden .
Denn jencs : Larſet uns Beten ! gehet nicht allein "
auf die Prieſter,Bortrondern ſet uauf
en : Larauch ns das Boler
ganze Volk.
das ganze
Denn mit den Worten : kapret uns in gehöriger
Stellung. (oTÕUEV xchos) beten ! werden que
Stellung
zum Gebete ermahnet.
Hierauf beginnet ber Diakonus das Gebet mit den
Worten : Damit der allgütige und allfarm
herzige Gott ihr Gebet erhóre ! Sprich alſo
nicht : was ſollen wir bitten ? Sic find ja noch Fremds
linge und noch nicht mit uns vereiniget; wie kann ich
alſo Gott für ſie anflehen ; wie kann ich ihn bereden ,
daß er ihnen Barmherzigkeit und Verzeihung gewähre ?
Damit du nicht zweifelnd alſo frågeſt , will ich dir den
Zweifel löſen . Es heißt: Der allgütige und allo
barmherzige Gott. Hårſt du ? der allgú tige

19. *). Oứdéto ydo" {vxriv inovou try vevouLouévny sal sloeven
Telocv ünÒ toŰ Xpistoï. Оffenbar ,iſt damit das Bater :
unſer gemeint, welches für alle Chriſten , welche Gott ihren -
... . Bater nennen dürfen , als Gefes vorgeſchrieben iſt.
des offentliches Gebets.
Bott? Håre alſo auf zu zweifeln ! Der uligütige :
erbarmet ſich Aler , ſo wohl der Sünder , als der Gots :
tes . Freunde. Sprich alſo nicht: wie ſoll ich mich für
fie verwenden ? Er ſelbſt wird ihre Bitten erhåren . Was
könnte aber die Bitte der Katechumenen anders Penn , als
die Bitte , daß Ale nicht långer Katechumenen bleiben
mögen ?
. Hierauf drůdt er auch den Gegenſtand der Fürbitte
aus , indem er ſpricht: Daß er ersffne die Doren
- ihrer Herzen ( tà oro. Tớ v napdiv å utov ).
Denn fie find noch verſtopft und werhårtet. Er meint :
aber nicht die dußerlichen Dhren , ſondern die des Geiſtes
( doavoias). Auf daß fie vernehmen , was
tein Auge gesehen , kein Dhr gehört, und
was in feines Menſchen Hers ,gekommen
( 1 Cor. II, 9 ). Denn ſie haben die unausſprechlichen
Geheimniſſe Conooońtov uvotnplov ) noch nicht vers
· nommen , ſondern ſtehen noch in weiter Entfernung. . .
Wenn ſie dieſelben aber auch vernähmen , fo würden ſie
fie doch nicht verſtehen . Denn es wird dazu nicht bloß Ges
hør , ſondern auch viel Einſicht erfodert. Sie aber
haben noch nicht bag innere Gekor ( τας ένδον ακοας)
erhalten . Daher wird ihnen auch die prophetiſche
Gnaden . Gabe (zápioua ) angewünſchet. Denn alſo
ſpricht der Prophet : Der Serr hat mir eine gelehrte
Zunge gegeben , daß ich wiſſe zu rechter Zeit zu reden .

( Sep. 50, 4 .). Denn ſo wie die Propheten auf eine ans
dere Weiſe hårten , als der große Haufe , fo Hören auch
Die Glaubigen anders, als die Katechumenen . Deshalb
wird auch dem Katechumen bemerklich gemacht, daß er
den Unterricht nicht von Menſchen , ſondern vom Herrn
felbſt empfange: weshalb es auch beißt: Ihr roller
niemand Meiſter 'nennen auf Erden (Matth. 23 , 9 ) ;
- Fünfter Band .
146 . Berfchiebene Arten
ſondern einen Höheren , im Himmel. Und ſo werden ſie
alle von Gott belehrt feyn. " ,
- Deshalb wird hinzugefekt: Daß er ſie lehre
(natnanon- dUTOVS) das Wort der Wahrbeit ;
To ,daß es ihnen innerlich eingefidßt werdé. Denn ſie
verſtehen noch nicht, wie es reģn ſollte , das Wort der
Wahrheit. Und daß er den Saamen der Goto
tesfurcht in ihnen ausftreue. Aber dieß allein
iſt nicht hinlänglich . Denn einiges fått ( wie es im
Evangelio heißt) an den Weg , anderes aber auf die
Felfen . Aber wir bitten dieß nicht auf folche Weiſe,
fondern daß es hier geſchehen moge ,wie bei einem fruchts
baren Acker , wo der Pflug die Schollen auflockert. .
Wir bitten , daß ſie in der Liefe ihres erneueten Gemů.
thes den ausgeſtreuten Saamen empfangen , und das,
was ſie vernommen , aufs Neuauefte faſſen und behalten
mogen .
Daher werden auch die Worte Hinzugefügt : Daß
er den Glauben in ihrem Gemůthe befes
liige. Das heiße* damit er nicht bloß auf der Obers
. Håche liege, ſondern auch in der Liefe Wurzeln ſchlage.
Daß er ihnen offenbare das Evangelium
der Gerechtigkeit. Dieß zeigt an , daß es eine
doppelte Hülle (xáhvuud ) gebe; die eine, daß die
Augen ihres Gemůthes verſchloſſen find ; die andere , daß
ihnen das Evangelium verborgen iſt. Deshalb hieß es
auch vorher : daß er eröffne die Dhren ihrer
Herzen. Hier aber wird geſagt: Daß er ihnen
offenbare das Evangelium der ' Gereditigs
keit. Dieß Beißt: daß er fie weiſe und empfänglich
maché, daß er ſie belehre und den Saamen ausſtreue.
Denn wenn ſie auch empfänglich ſind, ſo nugt es doch
nichts , wenn Gott nicht offenbaret. Wenn er aber auch
offenbaret , fie aber es nicht annehmen , ſo bleibt der ,
Nachtheil derfelbe. Daher bitten wir um Beides : da
ões öffentlichen Gebets,
er die Bergen eröffne; und das Evangelii
um offenbare. Denn wenn ein königlicher Schmuck
oben zugedeckt (övotay nexahvujévos) da låge, Tom
würde dieß , rebenden Augen nichts helfen ; ſo wie , wenn
er zwar aufgedeckt wurde , die Hugen aber ihre Dienſte
nicht thåten . Beides aber fann nur eift alsdann gee
ſcheben , wenn ſie zuvor dazu geneigt fino.
Was heißt aber : Evangelium der Gerecho
tigkeit ? Es heißt : welches gerecht macht (toioûv
Dexdiovs, Gerechte ). Dadurch rollen fie zur Sehna
ſucht nach der Taufe angetrieben werden , indem gezeigt
wird , daß es nicht bloß ein Evangelium der Sünden .
Vergebung iſt , ſondern auch Gerechtigkeit verſchafft.
: : : Daß er ihnen gebe einen göttlichen
Sinn , reine Gedanken und einen tugenhafa
ten Wandel. Das -mogen auch die Glaubigen ver ..
nehmen , welche von weltlichen Dingen (Brootixois
rodyuaoiv) gefangen gehalten werden . Denn wenn
wir das für die Ungeweihten ( duuntois ) bitten follen ,
wie vielmehr muß es nicht von uns, die wir das für
Andere beten , gelten ! Der Wandel muß mit dem
Evangelio in Uebereinſtimmung reyn ; und deshalb ger
ber auch die Vorſchrift (vóuos) des Gebetes vont
der Lehre ( doyuato ) zum Wandel über. Denn
nach den Worten : daß er ihnen offenbäre das
Evangeliu in der Gerechtigkeit , folget fogleich :
daß er ihnen einen göttlichen Sinn gebe.
Was heißt: göttlich ( ěvheov )?. Es heißt: daß
Gott in ihnen wohne. Denn in der Schrift heißt es :
Ich will unter ihnen wohnen und unter ihnen wan.
deln ( 3.Mof. 26 , 12 ). Denn wenn die Seele ges
recht wird und die Siinde ableget , ſo wird fie eine . ' .
Wohnung Gottes . Wo aber Gott wohnet, da bleibt
: nichts Menſchliches mehr. So wird alſo die Seele
eine göttliche, welche in allem , was fie ſpricht, von
8 Verſchiedene Arten
sinni

Gott belebt und das Haus des in ihr wohnenden


Gottes " iſt. Wer alſo unanſtändige Dinge redet, det
hat keinen göttlichen Sinn ; und wer an Scherz und
Spott ſeinen Wohlgefallen hat, der hat keine reinen
Gedanken .
Was heißt das aber : reine Gedanken har
Dem ? Es heißt eine geſunde Seele beſitzen . Wer als
To ron der Begierde zum Böſen getrieben und von
der Bewunderung der Gegenwart hingeriſſen wird , der
iſt kein Reiner , das heißt Geſunder. Denn wie der
Kranke nach Vielem Begierde hat, was nicht dienlich
iſt, ſo geſchieht es auch hier .
. . " Einen tugendhaften Wandel. Die Lehre
- erfodert auch den Wandel. Vernehmet dieß , ihr,
die ihr am Ende des Lebens zur Taufe fommet ! Wir
bitten , daß ihr auch nach der Laufe einen guten
Wandel habet: du aber beeiferft did , und thuſt alles ,
um ohne guten Wandel dahin zu gehen ! Was hilft .
es , wenn du nur' dem Glauben nach ein Gerechter
würdeſt ? Wir aber bitten auch um das frobe Bee
wußtſeyn guter Sandlungen .
Alle Zeit,wa's Gottes iſt, zu denken, was
Gottes iſt, ju finnen, und was Gottes ift, s u
ſorgen . Denn um reine Gedanken und einen
tugendhaften Wandel bitten wir nicht bloß für
einen , zwei oder drei Tage , ſondern für alle Verhålt.
niffe unſers, ganzen Lebens. Ebenſo bei dem Grunde
( únógolv ) alles Guten , um , was rein iſt , zu den :
fen . Denn der große Haufe ſuchet das Seine, nicht
deſſen , was Jeſu Chriſti ift ( Philipp. 2 , 21. ). Aber
wie kommt man dazu ? Denn nach dem Gebete müſſen
wir auch das Unſrige thun. Wir müſſen in ſeinem
Gefeße bleiben Tag und Nacht, nach jener Auffoderung :
in reinem Gereße zu bleiben. Dieſes alle
Zeit iſt alſo fo viel, als jenes : Jag und Nacht.
des öffentlichen Gebets.
Deshalb ſcháme ich mich auch derjenigen , welche das
ganze Jahr hindurch kaum einmal in der Kirche ers.
ſcheinen . Was kann ihnen wohl zur Entſchuldigung
dienen , wenn ſie, da ihnin die Anweiſung geworden ,
nicht bloß Lag und Nacht mit dem Gefeße umzuges
hen , ſondern auch darin zu bleiben , das beißt, unab.
låßlich darin zu forſchen , nicht einmal den kleinſten.

Sheil ihres Lebens daran wenden wollen , um fich feja


ncr Gebote zu erinnern , und ſeine Foderungen ( die
malo uato ') ,zu erfüllen ? . ..
Siehſt du die fchöne Sette , und wie alles feſter
und paſſender , als in einer goldenen Kette, in fich
zuſammenhängt! Zuerſt bittet man um einen gått.
lichen Sinn ; dann wird gezeigt, wie man dazu ge
lange. Wie aber gelangt man dazu ? Wenn man una
ablaßlich darnach forſchet. Wie ſou dieß aber geſches
ihen ? Daß man ohne Unterlaß dem Gcreze anhange.
Wie ſoll man aber die Menſchen dazu bewegen ? Wenn
fie deſſen Gebote crfüllen . Indeb folgt ſchon aus der
Anhänglichkeit an . das Screß die Erfüllung reiner Ges
bote. Denn wenn jemand cinen göttlichen Sinn hat,
ſo wird er fich auch eifrig um das Gefes bekümmern .
Indes von dem Angeführten bringt das, was ihm zur
'nächſt (ot2nocov ) ift, hervor, und wird wieder Hervor :
gebracht, begreift daſſelbe, und wird wieder darin bes
griffen.
2 . Larret uns noch inbrünſtiger für riebes
ten ! Weil die Seele bei einer langen Rede (Aoyo "
jlono b. Gebets - Forinel ) einzuſchlafen pfleget, ſo
willer ( der Diafon ) ſie wieder, aufwecken . Denn
er will wieder etwas Großes und Erhabenes bitten .
Deshalb ſpricht er : Larſet uns noch in br ünſti:
ger für ſie beten ! Aber was iſt dieß ? Daß er i
(Gott) fie bewahre vor jeder boren und
(dledten That. Sier bitten wir für ſie, daß fie
150 : Perrchiebenë Arten
i s in teine Verſuchung' fađen ,' und vor allen leiblichen
oder geiſtlichen Anfechtungeni ( stilovans ) bewahrt
bleiben . Deshalb wird auch hinzugefegt: Vor aller
teufliſchen Sünde und aller Berückung ( 118
PIOTÓDENS) des Widerſachers. Dadurch werden
die Verſuchungen und Sünden angedeutet. Denn die
Sünde berůcket uns überall und greift uns von allen
Seiten , son vorn und von hinten an , und wirft uns
To nieder. . . : D

Nachdem geſagt worden , was wir thun muffen ,


um in ſeinem Gerege zu bleiben , feiner Gebote einger
dent zů repn , und ſeine Foderungen zu erfüllen : wers
ben wir daran erinnert, daß auch dieß nicht hinreis
che, wenn er nicht felbft uns beiſtehe und helfc. Denn
es heißt ja : 'wo der Herr nicht das Haus bauet , ſo
arbeiten umſonſt , die daran bauen ( Pf. 127, 1 ). Dieß
gilt vorzüglich von denjenigen , welche dem Teufel noch
unterworfen ſind und noch unter reiner Herrſchaft ftes '
hen . Das wiffet , Ihr , die Ihr Eingeweihte ( uam .
juvnuèvou d. h . Getaufte ) reyd! Ihr werdet Euch
leicht jener Worte erinnern , wodurch Ihr reiner Dy.
rannei entragt habt, als Shr , unter Knie - Heugung,
Euch dem Könige ( Chriſtus ) übergabet, und jene feis
erlichen Worte ausſprachet , wodurch wir belehret were
den , ihm ( dem Teufel ) durchaus nicht, und in keis
nem Stücke , zu gehorchen . Er nennet ihn den Wis
derrader, das heißt, den Teufel ( Lidbodov ), weil
er Gott bei den Menſchen , uns bei Gott , und uns
unter einander , verläumdet. Er verlåumbete einſt Hiob
bei Gott , indem er ſprach : Meineſt on , daß Siob
umſonſt Gott fürchtet (Hiob 1 , 7 ) ? Eben ro Gott
bei Hiob , indem geſagt wird : das Feuer ( Gottes )
fiel vom Himmel (Hiob 1 , 16 ) ! Wiederum verläum .
dete er Gott bei Udam , indem er ragte : daß-'ihre
Augen würden gedffnet werden ( 1 Mof 3, 5 ), Eben
bes offentlichen Gebets. : 151
To macht er es auch jest noch bei vielen Menſchen , šll '
welchen er ſpricht: Gott bekümmert ſich nicht um die . .
Fichtbaren Dinge ( tov opouévwv ) , ſondern hat Eure
Angelegenheiten ( ta nar vuas ) den Dämonen übera
laffen *) ! Auch bei dem großen Haufen der Juden vers
låumdete er Chriftum , indem er ihn einen Verführer und
Betrüger (gonto ) nannte. : )
. . Vielleicht aber wünſcht jemand zu vernehmen : wie
er wirke ? wenn er keinen göttlichen Sinn und feia
ne reinen Gedanken în uns findet , ſo daß wir
an die Gebote Gottes nicht gedenken und ſeine Foderun.
gen nicht erfüllen , To führt er die Seele gefangen mit ;
fich binweg. ' Ware Adam : des Gebotes : von allen
Båumen rollſt du efſen ( 1 Mol. 2, 16 ), eingedenk gere
weren , und hätte er die Forderung : welchen Sages du .
davon iffeft, wirſt du . Des Lodes ſterben ( 1 Mof. 2 ,
17 ), erfült: ro håtte er , was er litt , nicht erlitten .
: Daß er ſie würdig mache zur rechten
Zeit des Bades der Wiedergeburt und der
Vergebung der Sünden. Hier bitten wir theils :
etwas Gegenwärtiges , theils etwas zukünftiges. Wir
ftellen Betrachtungen an * *) über dieſes Bad und lehren
fie, in dieſer Bitte die Kraft ( onu ioguv ) deſſelben zu ...
erkennen . Sie ſind ſchon jeßt davon unterrichtet, daß i '.

geboren werden , wie einſt von der Mutter , rojekt aus.

*) Sicher ſind die Worte , óv mpóvoel @ ees - Morato


. ; Guäs ein beſtimmtes Citat, welches ich aber jegt nicht näher:
nachweiſen kann . Es dürfte aus Celſus oder einem G n os
fiker entlehnt fenn , deren åbnliche Leußerungen Origenes
und Irenäus anführen . ' . .
* *) auch beim Gregor . Naz. und andeřn greichzeitigen Schrift:
ſtellern hat Quocogatu bloß die hier angenommene Bedeut:
tung ; betrachten u . T. W .
Derrochiedene Arten .
dem Waſſer ; ſo daß ſie nicht mit Nikodemus fragen
. . werden : Wie kann ein Menſch geboren werden , wenn
er alt ift? Kann er auch wiederum in ſeiner Mutter Leib
gehen , und von neuem ( avatav ) geboren werden
( Iohann 3 , 4 .) ?
Hierauf wird , nachdem der Vergebung der
Sünden erwähnt worden , in dem Folgenden ſogleich
hinzugereßt: (daß er ſie würdig mache ) des Kleides
der Unſterblichkeit ( toŮ Ěvdúuotos tns og
Japoias.). Denn , wer mit der Kindſchaft bekleidet
wird ( viotnta įvdvóuevos) , der wird offenbar auch
unſterblich .
· Aber - tas heißt: gur rechten Zeit ( V XQ10
èvhét )? wenn einer wohl vorbereitet iſt ( &V doaxei
pievos, wie bene dispositus ) ; wenn einer mit Freu .
digkeit und Glauben hinzukommt. Das iſt die rechte
Zeit des Glaubigen .
. . . Daß er fegne ihren Eingang und Uus ;
gang , ihr ganzes Leben . Hier wird auch eine Ans
weiſung gegeben , um etwas leibliches ( omuotixóv, TL )
zu bitten , weil ſie noch rechwach ſind. Ihre Häufer
und Hausgenorren ( ras ÓLxetías ). Das heißt:
wenn ſie Gefinde, oder Verwandte , oder andere Anges '
Herige ( ÉTÉQOUS Tivos npoonxorTOS) haben . Denn
das waren die Belohnungen zur Zeit des alten Bundes.
Damals ſchien es kein größeres Mißgeſchick und Unglück
zu geben , als Wittwenſchaft , Kinderloſigkeit, früh .
zeitige Trauer , Hungersnoth und andere Unfälle des
Lebens. Daher lågt man fie in ihren Bitten noch beim
leiblichen verteilen , um ſie in Kurzem (xata ulxoov )
weiter zu führen . So machen es Chriſtus und Paulus,
wenn ſie Segenswünſche aus dem alten Bunde anführen.
So ſagt Chriffus : Selig ſind die Sanftniüthigen , denn
he werden das Erdreich befigen ( Matth . 5 , 4 .). Der
des offen kichen Gebet8. 153
Apoſtel Paulus aber ſpricht : Ehre Bater. und Mutter ,
damit du lange lebſt auf Erden ( Ephef. 6 , 3 ). ! !
Daß er ihre Kinder vermehre und fies
gne, daß er fie sum rechten Alter ( ees pé
toov hixios) führe und ſie weiße mache:
Auch hier iſt wieder Leibliches und Gciftliches, wie es fich
für diejenigen ſchickt , welche noch im Zuſtande der Kinde,
Geit find. Das legte aber iſt ganz geiſtlich . ;
Daß er alle ihre Vorhaben und Schide
Pale (Távta Tó npoxelueva ) To Tenke , wie es
ihnen zuträglich iſt ( teos To ovupépov ) . ES
heißt nicht bloß : allé ihre Vorhaben und
Schidfale , ſondern : wie es zutråglich iſt. Oft
haben wir eine Reiſe vor (npóxeitai anodnuic ) ; aber,
fie iſt nicht zuträglich , und andere Dinge mehr , welche
nicht beilſam find. Sierbei nun wird ihnen die Anweie .. .
fung gegeben , für alles Gott zu danken , was ihnen
zum Vortheile gereichet. . .
Hierauf, nachdem dieß alles geſchehen, heißt er
(der Diafonus ) ' ſie aufſtehen . Denn anfangs ließ
er ſie zur Erbe fich verbeugen , damit man das angegen
bene Bitt . Gebet ſprechen , und fie fich mit Zuverſicht
erfüllen méchten . Jeßt aber richtet fie rein Zuſpruch
empor , und fodert ſie auf, auch ſelbſt an der Fürbitte
zu Gott Theil zu nehmen . Denn Einiges davon ſpres
chen wir ſelbſt; Anderes aber überlaſſen wir ihnen felbft,
nachdem wir ihnen die Thüren des Gebets geöffnet ha.
ben ; wie wir 'den Kindern zuerſt etwas vorragen ,
und ihnen alsdann aufgeben , nunmehr auch ſelbſt :zu
ſprechen.. .
Wir ſprechen aber zu ihnen : Bittet um den
Engel 068 Friedens * ), Ihr Seatechumenen !

* * ) Der ãyyełos tñs kipuuns ift entweder der Engel, welcher


1. damit beauftragt iſt, die Wünſche und Bitten der Frommen
' 154 » erſchi A
edene rten
Denn es giebt auch einen Engel, welcher Strafe bringt
(x62001 éxwv ) . So iſt es dort, wo von der Sen . »
dung böſer Engel ( Pr. 78, 54 ) die Rede iſt. Es giebt
auch einen Verderbeu - Stifter -- ( ódotpevTN'S ). Dess .
halb weiſen wir ſie an , um den Engel des Frie. ,
dens zu bitten , indem wir ſie belehren , daß ſie das
Band alles Guten , den Frieden ſuchen , und alles Kams :
pfes , alles Krieges und alles Widerfeßlichkeit ( OTÓ =
0800s) Pich cuthalten folen.
. Daß alles , was Ihr vor habet, in Fries
den gerchebe. Denn , wenn auch etwas ſchwer
renn ſollte , ſo wird es demjenigen , welcher Frieden hålt,
leichtwerden . Daher ſagte auch Chriſtus: Meinen Frie
den gebe ich Euch ( Joh. 14 , 27 ) ! Es giebt aber für
den Teufel keine zuverläſſigeren Waffen , als Kampfe.
zwietracht und Krieg.
Bittet, daß dieſer Tag und alle Dage :
Eures lebens friedfertig regn móg e'n. Siehſt
du , wie für das ganze Leben eine tugendhafte Geſinnung ;
gefodert wird ! Und um ein chriftliches Ende. .

der Gottheit zu überbringen und ihnen Gottes Gnabe und


Beiſtand zu verſchaffen – wie der Angelus orationis beim
Tertullianus – oder es iſt der Schub . Geiſt (Angelus pro
prius s. tutelaris ) jedes einzelnen Glaubigen . Daß Chryſos
ftomus die regte Vorſtellung mit den Meiſten ſeiner Zeitges
noffen gemein hatte , erſieht man unter andern aus Chrysost.
Homil. III. in epist. ad Coloss. , wo der Verfaſſer lehrt:
daß ehemals jedes Polk ſeinen Schuß : Engel hatte (nach 5
Moſ. 32, 8 . und Dan. 10 , 13 ff.) ; daß die Engel jeßt aber
nidjt nach der Zahl der Völker , ſondern nach der Zahl der
Glaubigen dertheilt ſind , und daß jeder Glaubige Teinen Ens
gel habe , an welchen er ſich halten , und deſſen Beiſtandes
gegen die böſen Geifter er ſich durch Gebet und Måßigkeit
würdig zu machen habe. Man vgl. Basil. M . epist. 239.
Origen . Comment. in Matth . XXII. 8 . Constitut. Apost.
v . lib . VIII. c. 36 . p . 421. Ma ao :
bes offentlichen Gebets. " 155
Das iſt die Hauptſache ( Tò nepáhalov ) von aten
Gütern , das Gute und Nüßliche. Denn was nicht
gut iſt, das kann auch nicht nüglich reyn . Von demi
Guten aber haben wir eine andere Vorſtellung ( uitóri
yuv ), als der große szaufe. . .
: Empfehlet Euch dem lebendigen Gott
und reinem Gerald ten ( Chriſt us ). Wir geo
- ftatten ihnen noch nicht, daß fie für Undere beten ; aber
wir halten es für einen Beweis der Liebe , wenn ſie
für ſich ſelbſt bitten dürfen.
Siehſt du , wie gehaltreich und wichtig (anne
Tlouévnu ) dieſes Gebet fey , ſo wohl in Unſehung der :
Lehre , als des Wandels ? Denn , wenn wir die frohe
Bothſchaft von dem Kleide der Unſterblic keit
und von dem Bade der Wiedergeburt ankündis
gen , ſo ſagen wir ihnen die gange , Lehre. Wenn wir
aber einen göttlichen Sinn , wenn wir reine Ge.
danken , und das andere, deſſen wir erwähnt haben ,
von ihnen fodern , ſo haben wir ihnen den Wandel ana
gedeutet.
Hierauf fodern wir ſie auf, das Haupt fu vero
beugen , als Zeichen , daß Gott, welcher ihnen den
Segon ertheilet , ihr Gebet erhåret habe. Denn es iſt
kein Menſch ( äveponoS d . h . Prieſter , welcher regnet,
ſondern durch ſeine Gnað' und Zunge bringen wir unſere
Såupter dem Könige dar , indem alle Unwerende mit
lauter Stimme ihr : Umen ! rufen .
Doch wozu hab ich dieß alles geſagt ? Wozu äna
ders , als um zu lehren , daß man den Vortheil Andes
rer ſuchen müſſe , und daß die Glaubigen nicht etwa
glauben , dieſes Gebet gehe fie gar nichts an. Derin
wahrlich nicht zu den Wänden ( tois toixous) ſpricht
der Diakonus , wenn er ausrufet : kartet uns für
die Katechumenen beten ! Uber Viele find ſo uns
Berrechiedene Arten
verſtändigi nachläſſig und zerſtreuet ( dichelvuuévou),
daß ſie nicht nur während der Gebets - Zeit ( èv 'tớ xal
006 ) der Katechumenen , ſondern auch der Glaubigen da
ſtehen und plaudern . - Daher iſt alles ro verwildert und
verkehrt, weil wir zu der Zeit, wo wir uns hauptſächlich

weggehen . Wir ſind angewieſen , mit den Glaubigen zu .


beten für die Bifchofer für die Uelteften ( Presbye
ter ) , für die Spónige, für die Regenten (x00.
TOÚVTOV ) , für Erde und Meere, für die Luft

Gottes Site anzuflehen . Wenn nun alſo ivix , die ;


wir uns das Vorrecht (naponoiav ) anmaßen , für .
Andere žu ,beten , nicht einmal mit Andacht für uns ſelbſt
beten , was kann uns denn zur Entſchuldigung, was zur
Verzeihung dienen ?
Ich ermahne Euch alſo , daß fhr, dieß wohl er:
wågend , die Zeit des Gebetes beachtet und dazu anwen :
den moget , um Euch von der Erde hinauf zur Wilbung
des Himmels zu erheben . Nur dann werden wir uns
Gottes Gnade verſchaffen und der verheißenen Güter
theilhaftig machen . D mochten wir alle dieſe erlangen ,
durch die Gnade und Menſchenfreundlichkeit unſers Herrn
Jeſus Chriſtus , mit welchem dem Pater , und zugleich
dem heiligen Geiſte , rey Ruhm , Macht und Ehre,

. . . II. i
Gebet für die Energumener:
in Unter den êvepyoýuevous wurden die vom Satan
* ) Obgleich vnlg ons bixovnéons dnéons fonft , nach dem
ini bercfchenden Sprachgebrauche jener Zeit , das, römiſche
des öffentlichen Gebets
oder einem bören Dåmon Bereffenen verſtanden. Es ift
daffelbe, was in N . . unter daimovicóuevou verſtan :
ben wird. Sie heißen auch xeluasouévou (Constit.
Apost. VIII. C. 12 : xecuatouévov ÚTO ToŮ áldo
Toiov i. e. Diabolo ) oder navdovicóuevos. Die
Syrer haben das Wort: Metab’dùn , indem das
Zeitwort abad dem évepyelv i Cor . XII, 6 . entſpricht,
ugl. Assemani Bibl. Orient. T . I. p. 479.
i Für die Wartung und geiſtliche Pflege dieſer Uno
glücklichen , deren Zahl in der alten Kirche, nach allen
Zeugniſſen , bedeutend geweſen ſeyn muß, waren beſons
dere Exorciften beſtellt, welche die Pflicht hatten ,
ihre Preglinge, wo es ohne Gefahr geſchehen konnte,
in die Kirche zu führen , damit ſie des Droſtes der Reli.
gion nicht entbehren möchten * ). Für diere alſo war
eine eigene Andacht angeordnet , worüber in den Constitut.
Apost. lib . VIII. c. 6. (unmittelbar nach dem Gebete
für die Katechumenen, u. c. 7 . folgender Bericht erſtattet
wird :
„ Wenn nun die Katechumenen ſich entfernet haben,
fo fou der Diafonus fprechen : Betet, Ihr, die Ihr von

: Reich bedeutet, ſo habe ich es doch hier des Contertes wes


: : gen und da 'die Baoilers , und xpaToVVTES ſchon vorher ets
wähnt ſind , in ſeiner urſprünglichen , allgemeinen Bedeutung
nehmen zu müſſen geglaubt.
*) Da der Energumenen ſo oft Erwähnung geſchieht, fo madogo
te man faſt auf die Bermuthung kommen , daß man is der
alten Kirche das Wort auch zuweilen in einer weiteren Best
deutung genommen und auch die eine vorzüglide uns
wiffenheit und salg ſtarrigkeit beweifenden Kasi
techumenen ſo genannt habe. Xue Nicht - Getaufte ſtanden ,
nach der Spracheder alten Kirche,unter der Herrſchaft des Satans;
und dieſerward als der eifrigfte Beförderer der Unwiffenheit : :
und des unglauben's vorgeſteứt. Bei dieſer Unſicht würs . .
den ſich dieſe Anſtalten der alten Kirche leichter und natüra
licher erklären laſſen . . ..
158 Verſchiedene Arten
unreinen Geiſtern beſeffen reyd! Laffet uns ſåmmtlich ins
brünſtig ( &XTEVWS) für ſie beten , damit der menfchena
freundliche Gott durch Chriſtus die unreinen und beren
Geifter bedråue und die frommen Beter * ) von der See
walt des Feindes ( ToŨ áldot piov ) befreie. Er , der
eine legion böſer Geiſter und den som Anfang boſen
(dexexoxo ) Teufel bedråuet hat, der bedråue auch
jeßt die von der Gottfeligkeit Abtrünnigen ( droot
TOLG" trs VOEBEids) , und erlore ſeine Geſchópfe von
der Gewalt des Böſen , und reinige diejenigen , welche
er mit ſo viel Weisheit geſchaffen .
Laffet uns fortfahren , inbrúnſtig für ſie zu beten .
Erretté und erhebe fie , o Gott, durch deine Macht !
Verbeuget Euch , Bereſſene , und empfanget den Segen !
Der Biſchof aber ſoll nun åber fie běten und alfa
ſprechen :
Der du den Starfen gebunden (tóv ioxvpor dei
Gas 0. 5 . deil Satan ) und aller feiner Waffen ( oxeun )
beraubt haſt; der du uns die Macht verliehen , auf
Schlangen und Scorpionen und die ganze Gewalt des
Feindes zu treten ; der du die Menſchenwürgende Schlan
g ? ( tov dvypanOxtovov oquv)) uns gefangen ge.
geben , wie den Knaben einen Sperling ; der du ihni
vor dem fich Ales fürchtet und zittert, von deinem all.
"måchtigen Angeſichte hinweg , wie einen Bliß , aus dem
Himmel auf die Erde geſchleudert haſt, nicht bloß durch
eine örtliche Entfernung ( TONIX onruoti) , ſondern
durch eine Verlegung von Ehre in Schande, wegen
ſeiner vorſäglichen Bosheit ; du , deffen Blid die Liefe
austrocknet und vor deffen Drohungen die Berge zero

* ) Die Lesart : tous évtoŰ Exétas kann Bertheidiget werden , '


wenn gleich die Variante : olx étas i. e . servos, dome
sticos einen reicheren Sinn giebt.
des öffentlichen Gebets. 159
Schmelzent; du , deffen Wahrheit in Ewigkeit bleibet und
ben die Kinder loben und die Säuglinge preiſen ; du , dem

dem die Erde , wenn du fie anblickeſt , sittert, die Bere


ge, wenn du fie anrühreſt , dampfen ; der du das Meer
. . . bedråueſt und austrockneft, und ſelbſt die Ströhme in
eine Steppe verwandelſt ; du , dem die Wolfer wie Staub
ſind,worauf die Füßewandeln , und der du,auf dem Meere,
· wie auf einem Fußboden , einherwandelft - du eingebohrs
ner Gott ? Sohn des großen Vaters ! Bedráue die bóó
ſen Geiſter , und errette die Werke deiner Hände von dem
Einfluſie des Feindſeligen Geiſtes ! Dir rey Ruhm , und
Preis und Anbetung, und durch dich deinem Vater , in
dem heiligen Geiſte, in Ewigkeit. Amen ! ,
. Hierauf font der Diatonus ſprechen : Gehet hin, Ihr
Beſeſſener **).

Dieſe Formel finden wir swar bei keinem alten


Schriftſteller wiederholt ; aber doch deutliche Beziehun.
gen auf dieſelbe. Man vgl. Chrysostom . Homil. 18

prehens. nat. Dei. p . 323. Homil. 4 . p . 332. Homil.


71 in .Matth . p. 768 u . a. St. Hier wird dieſe
Sitte beſchrieben und warum fie eingeführt worden ( đú
χεσθαι γαρ αυτους μετά του κοινού συλλόγου των.
adspor ou séues) , und der Inhalt der Fürbitte

* ) Db der ſonſt gewöhnliche Zuſas : nepoelfete évéce nun


durch Zufaư , oder aus Abſicht weggelaſſen worden , låßt ſich ?
nicht mit Gewißheit beſtimmen. Für das legtere ſpricht der
Umſtand , daß das dare pacem fonſt nur bei den Active
:: : Mitgliedern der Kirche, was die Energumenen eigentlich nicht
waren , gebräuchlich ift. Indeß fehlt das ĉv sigñvn auch bei
den Folgenden , wo doch dieſe Rücficht wegfiel.
160 Birrchiedene Arten
1 .tirb mit Worten angegeben , welche auf die unfrige
hinweiſen.
. . .
III.
Gebet für die Täuflinge ,
Der Sadie nach gehört dieſes Gebet unmittelbar
nach Ń . I. In den Conſtitutionen aber wird die Drbe
nung befolgt , wie ſie beim Gottesdienſte gewöhnlich
war. Die goricóuevou find diejenigen Katechumenen ,
welche in dem erhaltenett Unterrichte ſo weit vorgerückt
find , daß fie bald zur Laufe zugelaſſen werden ſollten .
Sie , werden bei den Griechen : oi tuo PartiduaTi
'n poceoxouevot , oder 'oi apos to gatiguo. ( i. e .
baptisma ) étoluotouevor genannt. In der lat. Kir.
che heißen fie Competentes , ein Uusbruck , wodurch
ihre Berechtigung zur Aufnahnie in die chriſtliche Kirchen
Gemeinſchaft und ihre förmliche Aufzeichnung für den
nächſten Lauf- Termin angedeutet wurde.
. ? ' In der ſchon angeführten Verordnung Constitut.
Ap. lib. VIII. 6. 7. und c. 8. wird Folgendes bemerkt :
. . Wenn die Energumenen ſich entfernt haben , , fol
der Diakonus ausrufen : Betet, Ihr Däuflinge! Wir
nber , fåmmtlid , Glaubige, wollen inbrünftig für ſie bes
ten , damit der Herr fie würdig mache, durch die Weihe .
fiir den Todt Chriſti (uun tévtas eis TỒN TOû Xoc
6TOV Acvatov ) mit ihm erweckt zu werden , und Theil.
nehmer ſeines Reiches und Genoſſen ſeiner Seheimniffe
zu werden ; daß er fie vereinige und erwählé mit denen ,
welche erlåſet find in ſeiner heiligen Kirche. Erldre und
erwecke ſie durch deine Gnabe?
Die durch Chriſtus Sott zu Weihenden (xata
σφραγισάμενοι τω Θεώ) . foten fit berbeugen uns
von dem Biſchofe mit folgendem Wunſche eingeſegnet
werden :
De$ offentlichen Gebets . i 16

Der du durch deine heiligen Propheten den Eingua


weihenden geſagt haft: Waſchet Euch , reiniget
Euch ( Jeſ. I, 16. ) ! und der du durch Chriſtus eine
geiſtige Wieder- Geburtverordnet baft : blickenun auf dieſe
Läuflinge, und regne lie , und beilige ſie , und mache
fie würdig, deiner geiſtlichen Gaben , der wahren Kindſchaft ,
( úloheoias) , deiner geiſtlichen Geheimniſſe ( TEVEVUC
TINGÕV 000 uvotngiov ) und der Vereinigung mit den
Erlóſten theilhaftig zu werden , durch Chriſtus , unſern
Heiland , durch welchen dir rey Ruhm , Ehre und Unbe .
tung, in dem heiligen Geiſte, in Ewigkeit. Amen !
Hierauf ſoll der Diafonus ſprechen : Gehet hin,
Sør Tåuſlinge !

Wenn man weder beim Chryſoſtomus noch einem


andern Kirchenvater eine Spur von dieſem Gebete findet,
ro rührt dieß wohl daher , daß man in den ſpätern Zein
ten , wo obnedieß durch die eingeführte Rinder Daufen
ein ganz verändertes Verhåltniß herbei geführt wurde,
diere . Sandlung entweder mit der Einſegnung der Katea ..
chumenen (wie bei unſerer Confirmation ) oder mit der ***
Lauf Handlung ſelbſt in Verbindung repte. Doch fins
det man in der beutigen Liturgie der Griechen eine dbna
liche Gebets - Formel. S . Eucholog. Gr. ed. Iac.
Goari. p . 389. Auch erwähnt Bona ( rer . liturg.
lib . II. c. 12 . p . 768 - 69. ) einer alten Sandſchrift
des Sacramentar's, worin man eine Beziehung auf jene i
alte Sitte findet. Nach ihm iſt für die Missa Dominicae
tertiae quadragesimae pro iscrutinio Electo
rum folgendes Gebet verordnet : Hanc igitur oblatio
nem , Domine, ut propitius suscipias deprecamur,
quam tibi offerimus pro famulis et famulabus tuis,
quos ad aeternam vitam et beatum gratiae tuae , . . . . ,
( statum ? ) dinumerare, eligere atque vocare dinume
• Fünfter Band.
162 Berfchiedene Arten
rare dignatus es. Hierauf regt Bona p . 769 hinzu :
1, Et recitantur nornina Electorum , et postquam res
censita , fuerunt, dicitur : Hos, Domine , fons i
te baptismatis innovandos spiritus tui
· munere ad Sacramentorum tuorum plepis ;
tudinem poscimus praeparári. "

IV .
Gebet für die Bußfertigen .
Nach der Beſtehenden Einrichtung der alten Fire
chen - Zucht waren die Süßenden in verſchiedene Clara
ren ' abgetheilt. Die leßte Claſſe derſelben beſtand aus
denjenigen Chriſten , welche , nachdem ſie die erſten Stue
fen der ihnen auferlegten Buße zurückgelegt , obec Dia
. (penſation erhalten hatten , bald wieder zur vódigen
Kirchen . Gemeinſchaft zugelaſſen werden fouten , und das
her in der Regel den Katechumenen gleich gereßt
wurden . Sie hießen daher auch , wie dieſe , expoo
uevoi ( audientes ) , weil iynen geſtattet wurde , bei
den Lectionen , den Gefången der Predigt und dem offenta .
lichen Kirchen . Gebete -gegenwårtig zu reyn. Sie wure
den aber auch die Kniebeugenden ( yovuxlivovtes ,
genua flectentes ) und die Niederfallenden ( úto
TITTOVTES , prostrati) , weil fie beim Gebete knien muß.o.
i tomon ennt . .
' ten , genannt.
: Die teutſche Benennung Bußfertige iſt hier
: durc haus paſſend , in fo fern diejenigen dadurch bezeiche
net werden ſollen , welche ihre Buße bereits beendiget
haben .
von ihnen wird in den Constitut. Apost. lib. VIIT .
C . 8 . und c. 9. edit. Gotel. p . 399 400 . Folgendes
vorgetragen :
des öffentlichen Gebets: 168
Wenn ſich die Läuflinge entfernt haben , ſo roll ;
or Diafonus gusrufen : Betet, Shr Bußfertigen !
Auch wir wollen råmmtlich inbrünſtig für unſere
buffertigen Druber (των εν μετανοία αδελφών)
beten , damit der barmherzige Gott ihnen den Weg zuć
Buße zeigen , ihren Widerruf (nalevodiav.) und ihr
Sünden . Bekenntniß ( & $ouolóynoiv ) annehmen , den
Satan bald unter ihre Füße treten , fie aus den Strix
der des Teufels und den Angriffen der böſen Geifter
erlófen , und fie vorallen gefeswidrigen Worten ,
por allen unrechten Handlungen und böfen Gedanken bes
wahren möge, Er vergebe ihnen alle ihre Sünden , dies,
wiffentlichen und unvorfåglichen ; er lórche aus, die wie
der fie zeugende Handſchrift ( to xar' VT ĐÔV Xapóyou
pov , d . i. den Schuld - Brief) und ſchreibe ſie ein , in
das Buch des Lebens. Er reinige fie von aller Befleckung
Des Fleiſches und Geiſtes , und vereinige, fie , durch Wies
derherſtellung ( enonataotno s ) , wieder mit ſeiner bei
ligen Heerde. Er ſelbſt weiß ja , was für fchwache Ges
ſchöpfe wir ſind ; denn wer kann ſich eines reinen Herzens
rühmen ? oder wer darf frei mit der Bebauptung aufa
treten (nagenoldoeTOL ), daß er rein fen von Sünde ? ,
Denn wir alle find Strafwürdige! Laſſet uns daber deſto
inbrünſtiger für ſie beten ; denn es wird Freude ſeyn über
einen Sünder , welcher Buße thut. Laſſet uns für Fle
beten , daß fie fich von geſegwidrigen Chater abwenden
und zu allen guten Werfen getpåhnen mögen ; daß der
menſchenfreundliche Gott ihre Bitten ( tas autas) balo
guadig annebme, ihnen die Freude reines Heils wieder
berſchaffen , und fie durch ſeinen leitenden Geift ( TEVÉV
METL nyeuovex ) ftårken moge , damit fie nichtwieder
mwanfen ; damit fe theilhaftig werden ſeiner beiligen Hei.
Tigthimer ( των αγίων αυτού ιερών) uno Sheilnehmer
an den göttlichen Geheimniſſen , damit sie der Kindſchaft
würdig , das ewige Lebeu erlangen.
: :Werrahiedene Arten
Laffet uns fämmtlich inbrünſtig für ſie fiehen : Herr,
. i erbarme dich ! Rette fie , o Gott , und ſtelle fie wieder
. ; her (ováotnoov ) , durch deine Gnade !
Shr, die Ihr von Gott durch Chriſtus wieder here
- geſtelltwerden ſollet, verbeuget Euch, und empfanget den
Segen.
Es ſoll aber der Biſchof, unter Unflegung der Hånde,* )
folgenden Segen über ſie ausſprechen :
uümåchtiger , ewiger Sort , Herr der ganzen Welt,
Schöpfer and Regierer aller Dinge ! Du haft den Men
fchen durch Chriſtus als Schmuck der Welt (xóguOU NOO•
uòv dvadelčus dargeſtellt , und ihm ein angebohrnes
( vóuov šuQvtov) und geſchriebenes Geſetz gegeben , das
mit er demſelben gemäß als ein Bernunft • Weren (os
doyixov) lebe ; und Du haſt ihm , nachdem er gefündigeti
durch seineGüte einen ſichernGrund zur Buße gegeben . * * )
blicke auf ſie , welche den Nacken ihres Geiſtes und Reis
: : bes beugen ! Du wilft ja nicht den Todt des Sinders ,
fondern ſeine Buße, daß er fich von ſeinem bören Wege
bekehre und tebe. Du haſt die Buße der Ninisiten ange's
nommen , und milft , daß allen Menſchen geholfen werde,
und daß alle zur Erkenntniß der Wahrheit kommen . Du
haft der Sohn , welcher ſeine ganze Habe liderlich aufge.
gehrt, mit våterlichem Erbarmen , feiner Buße wegen ,
wieder angenommen . : D ſo nimm auch jeßt die Sinness
ånderung (Triv ustayvooiv ) diefer Flehenden an ! Denn
es iſt kein Menſch , der nicht wider Dich fündigte ; und

*) Das folgende Gebet, womit c . 9. beginnt , hat die Uebers


- führift: Xxlpo Sedia , val čvx " Unèg tÕ V Šv ketavolą.

o . . evroŰ dyadórntæ nicht kürzer zu überſegen . Die lat. Uebere


Tepung incitamentum ſcheint ſich zu weit von dem Bez :,'
griff ingonun : Grundlage, Sicherheit , Verſicherung (wie
in das Wort $ y pothel im gerichtlichen Sinne ), zu entfernen
des offentlichen Gebets.
wenn du willſt Sünde zurechnen , Serr ! Serr !Wer wird"
vor dir beſtehen ? Bei dir aber iſt Vergebung. Bringe
fie wieder zu deiner heiligen Kirche, zur vorigen Würde
und Ehre , durch Chriſtus, unſern Gott und Heiland,
durch welchen dir ren Preis und Verehrung, in dem being
ligen Geiſte , in Ewigkeit. Umen !
3 . Hierauf folle der Diafonus ſprechen : Ihr reyd ents. .
laſſen (ánohúeojë), Bußfertige

Von dieſem Gebete finden ſich Spuren beim Chry:


foftomus , ( f. B . Homil 18. in II. Cor. Hom . 61. in
Matth .) und in den Decreten der Synoden zu Laodicea
( can . 19. ), Nicea ( can. 11.) , Ankyra ( can . 4 .) u . .
is YS,
is ,

sir ch en : Gebet für die Glaubigen. .


Unter der Ueberſchrift : poopornois UTÈO Tov
TILÓTÕy theilen die Constitut. Apostol. lib . VIII. c. 9 .
U . C . 10. ed. Cotel. p . 400 401, eine Gebets = fors
mel mit , wozu noch .c. 11 . eine in naher Beziehung damit
ſtehende enixanois TÕV niotvfoinmt. Man mag nun
Apoogóvnois und &rixanois für Synonyma halten , oder
jebem eine verſchiedene Bedeutung beilegen , ſo ſind doch
Beide dem ftillen Gebete ( évxri dia otorns ) entgen
gen geſeßt, und bezeichnen das Taute und öffentlis
cheGebet,welches Concil. Laodic. C. 19. &vxn dia 2005
povňoews genannt und wahrſcheinlich von Basil. M . ( ep .
241. ) unter der Benennung : Tôv unevyuctov ļxxana
OLAGTixcāv verſtanden wird. Es ſollte , nach der Ver :
ordnung der Conftitutionen , nur von und vor den AIOTOLS
gebetet werden . Allein auf das Abendmahl kommtdarin
keine Beziehung vor, eben fo wenig auf ein beſonderes
Dogma, f. B . die Drinitat; daher ftet eigentlich der
166 Berfchiedene Urter. : )
Grund, warum man daſſelbe jur Missa Fidelium rechnete
(was auch von Bingham , Blackmore u . a . geo
rahieht) , hinweg . Man fcheint es daher fchon frühzeitig
als allgemeines Birch . Gebet gebraucht zu ha. .
ben . Ehrproftamu 8 Hom . 8. in II. Corinth . u .Hom . . .
61. in Matth . p . 768. ) wenigſtens ſpricht davon , daß
auch die Kinder, daran Theil nehmen durften, weil man -
geglaubt, daß Gott auf ihre Unſchuld und Demuth Rück.
ficht nehmen werde. Derſelbe führtHomil. 2. de obscu
ritate prophet. p . 822. mehrere Stellen dieſes Gebetes .
an , welche mit unferm Formulare faſt wörtlich úbercin .
kommen . Auch finden ſich bei Baſilius d. Gr., 4u.
guftinus 4 . a . mehrere nicht undeutliche Beziehungen
auf daſſelbe. Ja , die ſogenannten litareyen, ſowohl
in der griechiſchen als lateiniſchen Kirche, find im Grunde
nicht anderes , als dieſes Gebet der Glaubigen .

Die Verordnung in den apoftoliſchen Conſtitutionen


. ! lautet fo : :
„ Wenn der Diafonus die Bußfertigen entlaſſen hat,
fo rufe er aus : Niemand von denen , welche bleiben důra
fen , müffe weggehen . * ) Wir alle aber , die wir Claus
bige find, wollen die Knie beugen . Wir alle wollen Gott
durch ſeinen Geſalbten bitten , und einſtimmig (OUVTÓvos)
Gott durch ſeinen Geralbten anrufen ." (Zuruf an die
Glaubigen ) ;

**) Nach der recipirten "Lesart: uni tis ravnimi Euvapžvcom


APOELMÉT0 : nemo eorum , quibus non licet, exeat , roll
niemand von den anweſenden Glaubigen - ( nuotois ) fich ent :
fernen . Das uz vor dvvazevoov ift indeß hart. Uuch iſt die
Ermahnung zum Bleiben ungewöhnlicher , als zum Weggehen .
Die Conjectur: * & 0081 9 étæ : nullus ex prohibitis ac .
cedat, iſt daher ſehr wahrſcheinlich. Øgl. Constít. Ap.
lib . II. c . 57. : un tip čitiotos'ÉLOITOL, ñ áturintos U . A .
des öffentlichen Gebets . 167

in Baffet uns beten für den Frieden und die Wohlfahrt


( &votateias, salutis publicae ) der Welt und der heili.
gen Kirchen ( chriſtlichen Gemeinen ) , daß der Gott der
ganzen Welt und ſeinen ewigen und unwandelbaren Fries
den verleihen und uns bis an 's Ende in der Fåde der
mit Gottſeligkeit verbundenen Jugend erhalten wolle .
Laffet uns beten für die heilige, katholiſche und
apoſtoliſche Kirche , von einem Ende ( dër Erde ) bis zuin :
anderen : daß der Herr fie unbewegt und unerſchüttert,
wie auf einen felfen gegründet , bis an's Ende der Welt
bewahren und erhalten wolle.
i Laffet uns beten für die Heilige Pfarr - Kirche hieftin
gen Drts (ÚTÈO Tñs évode dyiasna povrios: Pard.
chial- Kirche ), daß der Herr der Welt uns würdigen inoge,
ohne Unterlaß ſeiner himmliſchen Hoffnung nachzuſtreben ,
und ihm die immerwährende Schuld unſers Gebetes af.
zutragen . : : . : :: . . . .
Laſſet uns beten für das ganze biſchöfliche Amtunter :
dem Simmel , und für alle diejenigen , welche das Wort
deiner Wahrheit , wie es rern foll , verbreiten ( opto
TOMOÚvtov ).
is laffet uns beten für unſern Bifchof Jakobus *)
und deffen Pfarr - Kirchen .
Laffet und beten für unſern Biſchof Ctemens und
deffen Pfarr - Kirchen .

* ) Dieſer und die beiden folgenden Namen beziehen ſich aufCon


. . . stit. Ap. lib . VII. C. 46. ed . Cotel. p . 385 – 88., wo
e die von den Apoſteln (beſonders Petrus ) angeordneten Pors
Ateher der Gemeinen angeführt werden . I akobus, der
Bruder des Herrn , iſt Bifchof von Jeruſalem und urheber
einer beſondern fiturgie. Clemens iſt der auch im N . I .
· erwähnte Clemens Romanus, welchen Petrus an die
Stelle des Linus zum Biſchof von Kom ordinirt haben fout -
und welcher für den Sammler unſerer Conftitutionen gehalten
wird. Epodius ſoll von Petrus als Bifchof von Antiochien
168 .: Berſchiedene Arten
• Baffet uns beten für unſeru Biſchof Evobius und
deffen Pfarr- Stirchen . -
. . . ( tafſet uns beten ) , daß der barmherzige Gott fie ,
reinen heiligen Kirchen bei Wohlreyn , Ehre und langem
Leben erhalten , und ihnen ein geehrtes Alter in aller
Gottſeligkeit und Gerechtigkeit verleihen moge.
lafet uns beten für unſere Uelteſten ( at EGBUTÉ
pwv ), daß fie Gott bewahren moge vor allem , was un
ſtatthaft (ÚTOROV ) und böre iſt, und daß er ihnen eine
glückliche und ehrenvolle Amtsführung gewähren wolle. :
i Larſet uns beten für die chriſtliche Amtsführung der
Diafonen , * ) daß der Herr fie in ihrem Amte unſtråflich
ſeyn laße. '
Laflet uns beten für die Vorleſer ( åvayvuotov ),
Sånger ( Yahtäv ). Jungfrauen , Wittwen und Wai.
fen . ** )
i faffet uns beten für diejenigen , welche im Eheſtande .
angeſtellt worden Penn und dieſe Kirche zugleich mit Ignas.
tius regiert haben .
In dieſer liturgiſchen Verbindung der Biſchöfe von Seru:
falem , Rom und Untiochien liegt allerdings eine kirchs
.. lidh • politiſche Beziehung und ein wichtiger Grund zum Vers
.
dachte einer ſpåtern , abſichtsvollen Interpolation.
: ) Nach der Meinung mancher Gelehrten iſt unter dronovia "
das Umt eines Diakonus, unter unnperla aber das Umt eines .
Sub : Diakon us zu verſtehen . Auch lib . VIII. C. 13.
fins διακονια και υπηρεσία berbunen uns feinen ein get
meinſchaftliches Umt zu bezeichnen . Doch iſt gewiß , daß. van
pétns zuweilen fo viel iſt , als Sub : Diakonu $ . S.
Constit. lib . III. 11. VI. 17 . VIII. 28 . In der Stelle .
Constit. lib . II. c. 28 . werden vangerde erklårt : toot'.
έστιν διακονοι. 7 .

***) Man könnte in diefer Berbindung die nopfévovs (virgines)


xnpas ( viduas) (und i gavovs ( pupillos ) für kirchliche
- Hemter halten ; da es bekannt iſt, daß in der alten Kirche die ,
: : : Virgines et Viduae ecclesiasticae s. canonicae einen eigenen
Stand ausmachten , und da auch die pueri oder Chor: Anas
des offentlichen Gebets. , 169
und in der Kinder - Zucht leben , *) daß fich der Herr
A

ihrer aller erbarme.


Laffet uns beten für die Verſchnittenen , welche in
Helligkeit wandeln . **) , i n
Laſſet uns beten fürdiejenigen , welche ein enthalt.
fames und gottſeliges Leben führen . :
kaffet uns beten für diejenigen , welche der heiligen
Kirche Nußen ſchaffen (nccontoCOPOUVTOV ) und den
Armen Wohlthaten erweifen.
faffet uns beten für diejenigen , welche ihre Dpfer
und Erftlinge dem Herrn , unſerm Gott , darbringen , daß
der algütigeGott fie mit himuliſchen Gaben belohnen , daß
er es ihnen in der jebigen Welt Hundertfältig, und in der "
i zukünftigen mit dein ewigen Leben vergelten , und ihnen
für seitliche, emige, und für irdiſche, himmliſche Güter
fchenken moge.
. : ? Baffet uns beten für unſere jůngſt erleuchteten (VEOM
putiotay , 0. i. getauften ) Brüder , daß fie der Bere
ftårke und befeſtige.!
. : : Laſſet uns beten für unſere Franken Brüder , daß fie :
der Herr von aller Krankheit und Schwäche befreien und
fie gefund in feine heilige Verſammlung zurückführen
moge. i :
Laffet uns beten für die zu Waſſer und zu lande
Reiſenden .
ben zuweilen õegavo genanntwerden . Doch Tcheint die Meie
nung , daß fie als eines vorzüglidhen Schubes Bedürftige in
, Berbindung mit dem Folgenden angeführt werden , den Bors
zug zu verdienen .
*) Dieſer Ausbruce scheint das Teuvoyovial am beſten auszus i
; drücken und fowohl auf die Erzeugung als Erziehung der Kiņa
der zu gehen. . .. ; i; isien
**) Die orientaliſche Kirche erwähnt der Eunuchen , auf
welche auch im Judenthume forgfältige Růæſicht genommen
wird (vgl. Sapient. III , 14 . ff.) , ſehr häufig. Die Canones
i Apost. can . 21. ( 17 .) Pchließen die Eunuchen , jedoch mit
einigen Reſtrictionen , von der Prieſterſchaft aus. " ;
.. Berfchiedene Artett i
is affet uns beten fürdiejenigen , welche um des Herra .
Namen willen in den Bergtverken ( lv uetorious ) , ia
der Verbannung ( Gopičıs ) , in Gefängniß und Banden
, ! ' find . . .
. Laffet uns beten für diejenigen , welche in barter
: ; Knechtſchaft fchmachten . . .
. Baffet uns béten für unſere Feinde und Saſſer. ;
. * . . Laſſet uns beten für diejenigen , welche uns um des
Herrn Namens willen verfolgen, daß der Herr ihren Zorn
bezdhmen und ihrer Wuth wider uns ein Ziel ſegen
... wolle.
· Laffet uns beten für diejenigen , welche draußen find
( tov čo ÖVTOV , D . i. außer der Kirche , extra eccle .
siam ) und durch Irrthum verführt ſind.
. . Laffet uns auch eingedenk fenn der Kinder ber Kirche
( tov vnttiov tñs èxranoios ), daß der Herr fie zur
Bolkommenheit und zum Ziele des vollkommenen Alters
Cuét pou nnexios) bringen moge. .
i . ' Laffet uns für einander beten , daß uns der Serr
durch ſeine Gnade bis an 's Ende erhalten und bebåten, uns
vor dem Böſen und vor allen Vergerniſſen der Gottloferi
bewahren und uns für fein himmliſches Reich retten
wolle.
Baſſet uns beten für jede chriſtliche Seele.
Beglücke und rette uns, o Gott, durch deine
Barmherzigkeit !
(Hierauf ſpreche der Diafonus :) laffet uns
aufſteben !. .
Paſſet uns durch inbrünſtiges Gebet uns dem leben:
bigen Gott durch ſeinen Geſalbten übergeben !
Der Ober • Prieſter (đoxeepšus ) aber roll folgen .
den Segen ausſprechen :
(Gebet für die Glaubigen :)
Allmächtiger Serr, Höchſter , der du in der Höhe
wohneſt! Heiliger , der du im Heiligen wohnſt, Anfangs.
bes offestlichen Gebets. 171
Coret , dein : Serrfcher ! der du uns durch Chriftus die
Predigt der Erkenntniß (xnevyua yvooems) zur Auertens
nung deiner Ehre und deines Namens gegeben und das
durch sich unſerm Verftande offenbaret baft: o blicke auch
jest durch ihn auf deine Seerde und befreie ſie von aller
Unwiffenheit und böfen Zhat ! Sieb , daß wir in deinet
Furcht dich fürchten und in deiner Licbe dich lieben , und
daß wir uns vor dem Angefichte deiner Herrlichkeit
demüthigen . Sey ihnen ( den Gliedern deiner Heer .
de ) gnädig und gütig , und erhöre ihre Gebete. *
Bewahre fie nnverändert , untabelhaft und unbefcholten ,
daß fie heilig reyen an Leib und Seele und feinen Flecker
und Ladel , oder etwas der Art an Rich haben ., fondern
daß fie alle vollfonmen reyen und fein Verftümmelter oder
Ungeitiger ( åters) unter ihnen gefunden werde.
: Beſchůßer , Mächtiger , Unpartheniſcher (enpoon
noantite ) ! Sey der Selfer dieſes Bottes , welches du
durch das Edftliche Blut deines Geralbten erkauft haft !
" Bertreter , Verſorger , Bertheidiger , Wächter, . ..
Schut - Mauer , Schutzwehr , Zuverſicht ! Ja , aus deis " ,
ner Hand kann uns Niemand rauben . Denn es giebt
feinen andern Sott, außer dir , und auf dich iſt unſere
Erwartung gerichtet !
.. Seilige find in deiner Wahrheit; denn dein Wort
iſt die Wahrheit.
. . Du, auf den Feine Gunftwirkt (dneposx_ prots )
und den niemand tåuſchen kann ! Befreie uns von jeder
Krankheit und Schwachheit , von aller Vergehung , von -
allem Unrecht und Betrug , von aller Feindes : Furcht,
von der Pfeilen , die am Sage fliegen und von den
Werken , die im Finſtern fchleichen . Mache ſie würdig
dcs ewigen Lebens , durch Chriſtus , deinen eingebohrnen
Sohn , unſern Gott und Heiland , durch welchen dir fen
Ehre und Unbetung , in dem heiligen Geiſte , jeßt und
immerdar und in Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen !
172 Berichiedene Arten
i Sierauf fou der Diakonus ſprechen : kaffet uns
aufmerken ! . ; : .
Lini . Der Biſchof aber ſoll die Gemeine grüßen und
(prechen : Der Friede Gottes fe y mit Euch
:: : allen ! D isco !
Das Volt aber roll antworten : und mit deiri
nem Geifte !
*! Der Diakonus foll hierauf allen zurufen : Grú Bet
Euch untereinander mit dem heiligen Kuffe!
; ;! Die Geiſtlichen ſollen den Bifchof, die Laien ſich unter -
einander, die Männer die Nắnner, und die Weiber die Weis
ber küſſen . Die Knaben aber follen um den erhöhten Plan
1 . ( Tô Bňuati) berumftehen . Ein anderer Diafonus
rol auf ſie Achtung geben , damit ſie keine Unordnung
machen (un đTantwo1 ). Andere Diakonen rollen um
her gehen und die Männer und Weiber beobachten , damit
kein Geråuſch entſtehe, und damit niemand nicke ( veúa .
on , nutum faciat) , Alúſtere (yegvoion , susurret ) ,
oder ſchlafe. Die übrigen Diafonen ſollen fich an die
Thüren für die Männer , die Suv- Diafonen (Únodid
xovot aber an die Thüren für die Weiber ſtellen , damit
niemand heraus gehe, und, damit die Thüre zur Zeit des
Dpfers (nata Tov naipov tñs dvagopas d . b . beim
Abendmahlc ) niemand , auch keinem Glaubigen , geöffnet -
werde. Einer von den Sub - Diafonen aber ſoll den Prics
ſtern Waffer zum Hånde . Waſchen , als Zeichen der
Seelen • Reinigung (cóupolov xafapółntos Yuxor),
reichen . na p i . . . !

17 Um ſich zu überzeugen , daß , wie ſchon oben ben


hauptet wurde, die litanayen im Weſentlichen mit
dieſem Kirchen - Gebete übereinſtimmen ,-,wird es zwecks
dienlich reyn , ein Paar alte Formulare der Litania ,
missalis, wie ſie ſich in der Liturgia Ambro
siana und in Påmelii Liturgic. T . III. p . 307 auch
V

des offentlichen Gebets.


bei Bingham Orig. T. VI. p. 239 – 40. befinden ,
zur Vergleichung beizufügen : it'

A. :
Liturg. Ambrosiana in Domin. I. Quadrages ,
(incipiente Diacono et Choro respondente.) .
Divinae pacis et indulgentiae munere supplican
tes ex toto corde et ex tota mente precamur te : Domi
né miserere ! . . .
"Mr Pro ecclesia sancta catholica, quae heic et per
universum orbem diffusa est , precamur te. Domi
cris ne miserere ! "
3. Pro, Papa nostro N . et Pontifice nostro N . et
omni clero eorum , omnibusque sacerdotibus ac mi
nistris precamur te , i Domine miserere !
Pro famulis tuis N . Imperatore et N . Rege , duc
nostro ; et omni exercitu eorum precamur te . Do
mine miserere ! ,
Pro pace ecclesiarum , vocatione gentium et quie
te populorum precamur te . Domine miserere ! '
Pro civitate hac et conservatione ejus omnibus
i que habitantibus in ea precamur te. " Domine mi
- serére ! . . .. . ? :
Pro aëris temperie, ac fructu et foecunditate
terrarum precamur te. Domine miserere!
Pro virginibus , viduis, orphanis , captivis , ac:
poenitentibus precamur te. Domine miserere!':.
Pro navigantibus, iter agentibus , in carceribus ,
in vinculis , in metallis exşiliis constitutis , precamur
te. Domine miserere ! . . ,
: Pro iis , qui diversis infirmitatibus detinentur ,
quique spiritibus vexantur immundis , precamur te
Domine miserere ! :
. . Pro iis , qui in sancta ecclesia tua fructusmiseri
174 . Verſchiedene Arten .
cordiae largiuntur, precamur te.' Domine mi
serere !
Exaudi nos in omni oratione atque deprecatione
nostra , precamur te . Domine miserere !
Dicamus omnes : Domine miserere!

i . . . De
Litania missalis e codice Fuldensi.
Diaconus : Omnes ex toto corde totaque mente
( precamini) : Dominemiserere!
Qui respicis terram et facis eam tremere . , Ora
; . mus te , Domine, exaudi, et miserere!
· Pro altissima pace et tranquillitate temporum
postrorum . Oramus te , Domine etc.
Pro sancta ecclesia catholica , quae est a finibus .
usque ad terminos orbis terrarum . Oramus etc.
. Pro patre nostro Episcopo , pro omnibus Episco
pis ac Presbyteris et Diaconis, omnique Clero .
Oramus etc.
Pro
. Pro hoc loco et habitantibus in eo . Oramus etc .
Pro piissimo Imperatore et toto Romano exerci
tu . Oramus etc. '
Pro omnibus, qui in sublimitate constituti sunt,
pro virginibus, viduis et orphanis. Oramus etc.
Pro poenitentibus et catechumenis. Oramus etc .
D
Pro his , qui in sancta ecclesia fructus miseri
cordiae largiuntur. Domine , Deus virtutum exaudi
preces nostras. Oramus etc.
: Sanctorum Apostolorum et Martyrum memores
sumus, ut orantibus eis pro nobis veniam mereamur.
Oramus etc .
Christianum ac pacificum nobis finem concedi a
Domino . comprecemur. Praesta , Domine,
praesta !
Et divinum in nobis permanere vinculum carita
des offentlichen Gebets. 175
tis, Dominum comprecemur. Praesta , Domine,
praesta !
Conservare sanctitatem ac puritatem catholicae
fidei, sanctum Deum comprecemur. Praesta , Do.
mine, praesta !
Diaconus : Omnes ( dicite ) : Domine, exaus
di etmiserere !

. Es iſt bemerkenswerth , daß in dieſen Gebeten men


der der Engel, noch der Jungfrau Maria , noch
ber Heiligen , ſondern bloß der Apoſtel und R & ră
tyrer gedacht wird ; und dieß iſt ein entſcheidender Bea
weis für das hohe ulter , beſonders voó Nr. B . Ein ane
beres Verbáltniß finden wir in der orientaliſch gries '
childer Kirche, wo zwar dieGrundlageebenfalls aus der
älteſten Zeit herſtammt, ber Zuſaß des ſpätern Zeitalters
aber fich deutlich genug ankündiget, obgleich auch hier noch
nicht die- Márias und Hagiolatrie, welche ſonſt
dierer Kirche eigen iſt , gefunden wird. Es wird nicht
ohne Intereſſe ſeyn , auch hier über eine nähere Vergleis
chung anzuſtellen . Wir theilen daher dieſe Formel aus Iac.
Goari Eucholog. p . 43 seqq. (vgl. Heineccji Abbila,
dung der alten und neuen griech . Kirche Dh. III. S . 214
ff. ) den Leſern mit. . . : )
Der großen Collecte ( ovvantñ usyali ) geo
βen fieben siemtid Iange Θcbete ( ευχαι του λυχνικού)
vorher. Nach deren Beendigung ſpricht der Diatonus
die Collecte mit folgenden Worten :
kaffet uns den Serrn um Frieden anrufen ! : )
Chor: Herr, erbarme dich !
Um den Frieden von oben , und um das Heil unſee
rer Seele faffet uns den Herrn anrufen .
176 . Verſchiedene Arten
Chor: Serr, erbarme dich !
Um den Frieden der ganzen Welt , um den glückli.
chen Zuſtand aller heiligen Kirchen Gottes und die Eins
tracht derſelben , laſſet uns den Herrn anrufen .
Chor: Herr u. F. . :
Für dieſes Gottes - Haus, und alle , welche mit
Gottesfurcht in daſſelbe eingehen , laſſet uns den Herrn
anrufen.
Chor : Herr u . f. 10.
Für unſern Erz - Biſchof N ., für die Uelteſten
( Presbyter ) und Diakonen , für die ganze Geiſtlichkeit
Cuanpor) und Gemeine, laſſet uns u. f. 7o.
! Chor : Herr u . ſ. .
... Für dieſe heilige Wohnung , Stadt und Land und
alle Glaubigen , welche darin wohnen , laſſet uns u . f. w .
. . Chor : Herr u. F. m .
10. Um geſunde Luft , um die Fruchtbarkeit des Landes
und gedeibliche Witterung , laffet uns u . f. w .
Chor: Şerr u. ſ. w .
Für die Schiffenden , Reiſenden , Schwachen , Kran .
ben und Gefangenen und deren Erlöſung, laſſet uns u .ſit .
Chor: Herr u . (. m .
- Daß wir mögen befreit werden von allem Elende,
: pon aller Züchtigung und Noth , laſſet uns 4. f. w .
Chor : Herr u . f. t .
Syerr , nimm an, errette uns, erbarmedich und ero",
balte uns durch deine Gnade ! ..
Chor : Herr u . f. * .
: Da wir jeßt der heiligen , unbefleckten , gebenedeie.
: ten und hochgelobten . Mutter Gottes ( totóxos )
. .. Des offentlichen Gebets. ;: .: 177
und Jungfrau : Maria und allee Heiligen gez
denken , fo lafet ung relbſt, unter einander und unſer gans
jes Leben Chriſto , unferm Gott , anbefehlen . ..
Chor : Wir befehlen es dir , o Herr ! : :
(Hierauf rufet der Prieſter :)
: Denn dir gebühret alle Herrlichkeit, Ehre und Anà
betung , Vater , Sohn und heiliger Geift , jeßt
und immerdar und in Ewigkeit : Amen ! .

Bei einer näheren Unſicht der.son father aus dem


Lateiniſchen überſekten und in die meiſten Gefang - Bücher
der evangeliſchen Kirche aufgenommenen großen . Litau'
' nen ergiebt fich rogleich die große materielle und formelle
Uebereinſtimmung berſelben mit dieſem alten Kirchen , Ger
bete. Der Unterſchied beftehet bloß darin , daß die alte
Kirche daſſelbe bei jedem fonntäglichen Gottes - Dienſte
wiederholte , während die ſpåtere und neuere Kirche fich
damit begnügte, die Litaney , als Gebet und Gefang, bloß
an gewiſſen , beſonderen Tagen , z. B . den folennen Bußm
und Bet . Jagen , oder in der Paſſions . Zeit ú . f. . ..,
anzuſtimmen .

VI.
! ; Sonntags - Sébete
Das älteſte Gebet , worin des Sonntag 8 ( XU
- proxn nuéoc ) , als eines heiligen und zur Gottes - Vers
ehrung beſtimiten Tages , erwähnt wird , findet man in
den Constitut. Apóst. lib . VII. c. 36. edit. Cotel. p . : -
379 - 80. · Die Ueberſchrift aber : II pogEUXT Úno
μιμνήσκουσα την γενομένην Χριστού ενανθρώπη
σιν , και την εις τους αγίους διάφοραν πρόνοιαν
Fünfter Band. .' . M
178 v Berſchiebene Arten
iſt, wenigſtens der erſten Hälfte nach , unrichtig und ers
weckt eine ganz andere Erwartung. Der gange Inhalt
rechtfertiget, die von uns gewählte Benennung eines
Sonntºgs . Gebetes. i

1 " AllmächtigerHerr! Du haftdie Welt geſchaffen durch


Chriſtus und zur Erinnerung daran den Sabbat anges
ordnet. Denn an demſelben haſt du geruhet von deinen
Werken , um das Nachdenken über deine Gefeße zu beförs
dern . Du haſt , zur Erheiterung unſerer Seelen , Fefto
· Tage vorgeſchrieben , damit wir zur Erinnerung an die
von dir geſchaffene Weisheit * ). gelangten : wie ſie n &m .
hich um unfertwillen die Geburt von einem Weibe fich ger
fallen ließ ; wie ſie im Leben der Menſchen erſchien , und
fich bei der Taufe als den erſchienenen Gott und Menſch
(as O &os Oti vai dvoponos, d . i. Gott Mearch )
darſtellte ; wie fie , mit deiner Erlaubniß , * * ) um unſerta
w

* ) Der Uusdruck : tñs xt6helons coplas beweiſet, wie mic


.: Scheint, einen Xor : Nicaniſchen Urſprung unſers Gebetes .
. Nach dem Nicán. Concù war utlois das Arianiſche Schibbo:
let , und Tertullian 's : Haec est nativitas perfecta sermonis,
dum ex Deo procedit : eonditus ab eo primum id ,
cogitatum in nomine Sophia e ( adv. Praxeam . C.,
7 .) , konnte zwar entſchuldiget , aber nicht empfohlen werden .
Uuch kommt hier die Bariante Proverb. VIII, 22 : xTube
und fxtncato (welches legtere die Komouſiaſten vertheidigten ) ,
in Betrachtung. In dieſer Beziehung iſt auch das von Cleri:
cus zu dieſer Stelle beigebrachte Scholion aus dem Cod.
Vindob. midt unroidtig : " Οτι κύριος έκτισε με σαφώς εις
τον εκ παρθένου τεχθέντα Χριστόν αναφέρεται. . . .
**) Ich bin zweifelhaft : ob der Uusbruck : ovvxuongis ( oder
cvyxaonois ) hier im allgemeinen , oder beſonderem ; d . b.
dogmatiſchen, Sinne zu nehmen fen ? Doch habe ich lieber das
Erſtere annehmen wollen , um dem Vorwurfe , baß, zu Guns ,
ften des Oyſteme, zu viel hineingetragen werde, zu entgehent
des öffentlichen GebetB. ; 179
Li , widen litt und ſtarb und durch deine Macht erftand . Das
her feiern wir auch das Auferſtehungs . Feft ( triv dvo
Otcoluov doprnv ) am Lage des Herrn ( tñ xupidin ),
und frohlocken über den , der über den Todt geſiegt, und
• Leben und Unſterblichkeit an ' s licht gebracht hat. Ja,
durch ihn haſt du die Pdffer zu dir geführet, daß fie ein
Bole des Eigenthums , das wahre Israel, das Gott
licbende und Gott fehende Volt * ) wurden .
Du felbft , o Herr , baſt unſere Dåter aus dem
Lande Aegypten geführet, um ſie von dem Eiſen , Ofen
( xquivov oldnoas ) , vom Thon (ichoü ) und von der
Ziegel , Arbeit ( hivyoveyias) erldfet. Du haft fic aus
der Hand Pharao 's und ſeiner Knechte befreiet ; du baſt
ſie durch das Meer, wie durch trockenes Landi geführet,
und dich durch mannichfaltige Wohlthaten in der Wüſte
nach ihren Wünſchen gerichtet ( ét pontogoongas). Du
haft ihnen dein Gefeß gegeben , nåmlich die zehn Gebote
(dékc hoyíov . dexológiov ), durch deinen Mund aus.
geſprochen und durch deine Hand geſchrieben .
Du haft den Sabbat verordnet, nicht um der Tråga
beit ( covias ) einen Vorwand , ſondern der Frömmigkeit
eine Veranlaſſung zu geben , und um die Erkenntniß deia

Für das legtere würde ſich indeß Manches Tagen laſſen , ohne
daß man deshalb gendthiget wåre , an die freilid, viel ſpås
tere Regel von der.at & R2Xwenous mutua zu denken .
* ) Der Ausdruck : Too og số VT Odv beziehet fich auf die
oon Philo herrührende Étymologie des Namens ' Iopanda
nåmlich pon vox (vir ), nay (vidit ) und S (Deus) 8. h.
Homo aut mens cernens Deum . “ So findet man - .
.: es auch bei Optatus Milevit . de schismáte Donatist. lib .
ÍT. C. 26., wo es heißt : Israel , id est , qui mente Deum
videat. Salmasias hat hier ohne Noth und Grund recte ft.
mente conjektuirt. Huc Hieronymus Hat: mens videns
Denim ( vous ögov Okov ). Bgt. Optati Opp. ed . Oberth .
; T . II . p . 101 - 102.
. N 2 i
180 . Verſchiedene Arten ,
iner Madjt zu befördern . Du haſt fie,um ſie vom Höfen abzus
halten , und ſie zu belchren , gleichfam mit einer heiligen
Mauer umgeben , damit ihnen die Sieben : Zahl ( EBDO - .
uo's ) eine Freude renn ſollte. Daher ſind beſtimnit: eine
Woche von ſieben Tagen , fieben Wochen , ein ſiebenter
Monat, ein ficbentes Jahr und die fiebenmalige Wieders
kehr deſſelben , welches bas funfzigſte Jahr * ) ift , als
Gubel - oder Erlaß - Jahr. Damit alfo.die Menſchen feie
nen Vorwand haben , ihre Unwiſſenheit zu berchånigen ,
. . Deshalb gebot er an jedem Sabbat Ruhe von Geſchäften ,
fo daß niemand auch nur ein Wort ini Zorn am Sabbat
zu reden brauchte . Denn der Sabbat iſt die Ruhe von
- der Welt . Schopfung ( omutovoyias ) , die Vollendung
Ś ber Welt, die Forſchung im Sereße , das lob Gottes , für
das , was er den Menſchen gegeben hat. : 3
.: Weber dieſes alles aber hat der Sonntag (xVQ10
ser ') den Vorrang. Dieſer nåmlich ſtellet uns dar den
Mittler , den Fürſorger (roovontav ) , den Gefen . Ge
ber , den Urheber det Auferſtehung , den Erſtgebohrnen
aller Schöpfung, den Gott logos , den Menſchen , der
von der Maria allein , ohne Zuthun eines Mannes , ger
bohren , ein heiliges Leben geführet , unter Pontius Pix
latus gefreußiget , geſtorben und vom Todteerſtan ...
den iſt.

* ) Die" Worte : xal tortov dvravanůringis , ' loßnhaios , o


ŠOTIV ÉTOS NEVTNNOOTòv , ils őQEoiv ,müſſen wohl ſo gefaßt
werden. Sie beziehen ſich auf die Moſaiſche Geſell : Gebung
vom Sabbat : Jahre , 2 Mof. XXIII, 10. 11 . 4 Mof. XXV,
1 - 8. 10. ff. 5 Moſ. XV, 1. - 4. Das funfzigſte Jahr
(weiches anhob , wenn die ſiebenmar ſieben oder 49 Jahre
vollendet waren ) war das allgemeine Erlaß : Jahr. Zur Er: :
Tåuterung dient die Ueberſegung der Alexandriner vom 3 Mof.
XXV, 10 ., wo es heißt: Kal.dyldtete tÒ ÉTOŚ Tòv revTnxo -
στον ενιαυτόν - - ενιαυτος αφέσεως σημασία αυτη
Foral vuiv etç. Die Vulg, hat : annus jubilaei.
des öffentliden Gebets.
Wie ermahnet und nicht der Sonntag, dir , o Herr,
für dieſes alles unſern Dank darzubringen ! Denn dieſe von
1. - Dir uns bewieſene Gnade ift es , welche durch ihre Größe
alle anderen Wohlthaten verdunkelt. is

VII.
- Einige feft : Gebete,
Asi .
: : . Gebet für das Weihnadjes. feſt.
(Aus dem Missale Gothico. S . Liturgia Gəllicana.
Edit. Jo. Mabillon, Par. 1685. p . 190 . etc ..)
; . Aufgegangen biſt du 'für uns , o Jeſus Chriſtus, als
* wahre Sonne der Gerechtigkeit ! Du kamſt vom Szimmet
berab , als der Erlöſer des Menſchengeſchlechts . Du haft
i uns erhöhet ein Horn des Heils ( cornu salutis ) ; uno,
? du , der ewige Sohn des erhabenen Vaters , wurbeſt gen
Bohren im Hauſe David's , um die Ausſprüche der alten
Propheten zu erfüllen , um das ihm eigenthümliche Volt.
(propriam plebem ) zu erlöſen und der Schuld – Brief
des alten Berbrechens. zu tilgen ', und um den Triumph
des ewigen Lebens zu bereiten . Wir flehen zu dit , daß
du dich , um deine große Barmherzigkeit zu beweiſen , un .
reem Geiſte als das ewige Heil- offenbaceſt ; daß du uns
von einem Feindſeligen Widerſacher befreicft, zu Verehrern
der Gerechtigkeit macheſt , damit wir dir , Heiland der
Welt , mit Verachtung der Schrecken des Todtes , * ) und

3. *) Omnique mortis errore iſt wahrſcheinlich bloß Druckfehler


ftatt“ terrore, und daher iſt nach dieſer richtigen Besart
: : úberfekt worden. ! !
Werſchiedene Arter
auf dem geraden Pfade des Friedens" wandelnd , fo wie
08 reyn roll, dienen tönnen . Der du mit dem Vater und
beiligen Geiſte lebeft, herefcheft und regiereft , als Gotte ,
von Ewigkeit zu Ewigteit !
. B. , ?

: oftero Gebiet der Syriſchen Kirche.


( S . Liturgiae Syriacae Septimanae passionis Domini
nostri Jesu Christi. Edit. Jo. Chr. Clodii.
. Lips. 1720. 4 . p. 4. seqq. )

Herr , der du dich dem Schmerze geweihet , für uns


. . am Kreuße gelitten und uns von den leiden der Sünde
befreiet haſt, wende von uns ab alle verderblichen Leidena.
fchaften und boren Begierden , und gieb , daß wir mit
# deinen heiligen Leiden leiden , damit wir mit dir verherr.
lichet werden , zu einem neuen und rechtſchaffenen Leben , * )
und darin dir unvergångliches Lob darbringen. Amen !
· Kommet und vernebniet ! Ich will Euch erzählen ,
, was die Tochter Zion's an dem Erldſer Jørael's verůbet!
Wie fie ( die Juden ) ihn , der ihre Schmerzen geheilet
und ihre Bedürfniſſe befriediget , gekreuziget und an ein
Holz gehangen haben ; Halleluja ! Geprieſen rey er , der
fic auf Erden zerſtreuet hat, ſo daß fie feine Verſamm .
Tung * * ) mehr ſind !

*) Dieſe Stelle mag, nebft vielen anderen , wovon ich nur As. .
semani Bibl. Or. T . I. p . 112. bier anführe, zum Beweiſe
dienen , daß das Wort Peschito von den Syrern allers
dinge in der Bedeutung von dortodošos gebraucht werde, und
daß daber die Erklårung des Ditels der bekannten Bibel :
ueberfegung durdy : Versio orthodoxa feinesweges , wie
man hat behaupten wollen , ohne Grund und Beweis fer .
: ) Das Wort Gunoscho entſpricht dem bebr. chald . kenas,
kenese't und dem arab. canisa h und wird immer durch
des öffentlichen Gebett.
Der Weinberg , welcher die Süßigkeit des propheti
fchen Wortes einſog, hat ſeinem Herrn Eng dargereicht. * )
Er aber hat ihn entwurzelt und unter die Völker zerſtrèuet,
dagegen fich eine treue Kirche crwahlet ; und ſiehe, von
dieſer ertónet ihm der Gefang des Lobes ! Saleluja !
. Gepriefen fen er , der durch Leiden ſeine Kirche béo
freiet bat. Siehe, ihm crtónet der Gefang ! Mein
lieber hatte einen Weinberg auf der Spiße
(karna , cornu , Horn ) eines fetten Ortes. Er . ..
pflegte ihn , umgab ihn mit einer Vergå a .
nung und wartete, daß er Ira-uben br å dite ;
aber er brachte Schweine. Brodt * * ) ( ger. 5,
1 . 2 .). Und deshalb entwurzelte er den Weinberg und
zerſtreute ihn unter die Vdifer. Halleluja ! Aber er erwählte
- fich eine heilige Kirche , und ſiehe, .es ertont ihm der
' Sefang des Lobes ! :)
Wer wollte nicht Strohme von Thränen , wie
Waffer - Bådhe , vergießen über Israel, welches alſo ſuns
digte ? Sie haben ihni, der ſie aus Aegypten geführet,
unter großen Zeichen und Wundern , zur Schande des
Kreußes beftiinmt! Halleluja ! Geprieren ren er , der fie
in die vier Enden der Erde zerftreuet hat!
Es rah' Eraia s im prophetiſchen Geſichte den
Meffias, wie ſein Gewand mit Blut gefärbtwar , noch

:: Congregatio , Conventus, Evvaymyri, Suvodos u. f. to .


überſegt. Die Syrer brauchen es auch von den kirchliden '
Synodal · Berſammlungen , wie aus Assemani Biblioth .
Orient. T . II. p . 12. vgl. T . I. p . g . und p . 304. (wo es
für exercitus coelestis,ftehet ) zu erfehen iſt. .
) Dieß bezieht fich auf Matth . 27, 34. 48. Ioh. 19, 29. 30.,
wo őços vom Syrer ebenfalls durch Chalo (acetum ) gege:
ben wird .

*) Das Port Charnbe , welches hier für das Hebr. biü


schim ( labruscae) gefekt wird , bedeutet Luk. 15 ., 16 .: -
siliqua e . .
184 Perfchiedene Arten
siehe er in die Welt kam , - und darum weißfagte er im Heiliai
gen Geiſte : Wer iſt der, welcher von Edom
kommt? Wer iſt der , derren Kleid, wie eines
Kelters Dretors ; gefårbt iſt mit Blut? ( Jeſ.
63, 1 . 2 . ). Halleluja ! Geprieſen fey er , der unſere
Krankheiten trug , und unſere Wunden heilte ! : .
Sac a rj a weißfagte von Iefu , daß der unter
ihnen lebende Eingebohrne die Welt erlöſen würde, und er
ſprach aus dieſe Worte der Weißagung : Was find
das für Wunden in deinen Händen und
Füßen ? ( Zachar. 13, 6 . ). Salleluja ! Und er ſprach :
Alle diere hab ' ich aufgefchret , im Haufe derer , die mich
lieben . Der Neid wüthete unter der Verſammlung Ju .
da’s , und ſie vergarten ihm ſeine Gerechtigkeit dadurd),
daß ſie ihm für ſeine Gute das Holz des Kreußes bereites
ten , und daß er unter die Uebelthäter gezåhlt ward. Sal.
leluja ! Gelobt rey er , der reine Kirche durch die für fie
erduldeten Leiden erlofte !
Er, der gute Sohn , ward erniedriget , damit er
Adam und ſeine Söhne frei niachte. Aber , es wüthete
wider ihn die Ehebrecherin , * ) weil fie fah , daß er reis -
ner Wahrheit * * ) Glauben verſchaffte , und weil ſie von
ihm fürchtete, daß er ſie aus ihrer Ruhe vertreiben werde.
Halleluja !
Wer', meine Brüder , wåre unter Euch , der nicht
Schmerz empfände ? Wer konnte ſich der Chránen enthalten ,

* ) Unter der Ehebrederin (Sonito ) wird die jüdiſche Nas


tion , nach der bei Seſaias , Horeas und andern Propheten ro
oft vorkommenden Metapher , verſtanden . In den Worten
pharak ( liberavit ) und phakar ( insanavit , furit.) liegt
ein Wortſpiel.
* * ) Das Wort scharoro wird von den Syrern gewdhnlich
son der wabren Religion , von der rechtglaubigen
Lehre u . (..w . gebraucht. Man ugl. A seemani Bibl. Or.
T. I. p . 36. II. 59. T . III. P. II. p. 464. U. A.
des öffentlichen Gebets . 185

wenn er den Richter alker Welt ohneUrſache gegcißelt,


und den Herrn der Schuß : Geiſter ( Ire, Erenyoool )
und Engel von Gottloſen verurtheilt fichet? Halleluja !
(Es geſchah ) für Udam , das verirrte Schaaf, welcher
das Gebot feines Schöpfers übertreten hatte.
. . on Aegypten ward die Erwurgung des Eingebors
nen vorgebildet durch das Lamm , welches das
Volt befreite. Das Lamm Gottes und des Lebens ward
erhöhet auf den Stamm des Holzes , und durch ſein bes
lebendes Blut erlöfte er die Welt. Halleluja ! Gepries
ſen ren er, der durch ſein Leiden die Kirche befreiet bat;
und ſiehe, ihm ertönét der Geſang des lobes !
Lob Bem Sohne Gottes ,deſſen Hoheit so erniedriget
Ward, um die Erlöſung der Welt zu volbringen ! Rob
ihm , der Leiden und Streuß er duldet, freiwillig den Code
geſchmecker und das verlorne Menſchengeſchlecht errettet
hat ! Halleluja !. Geprieſen ren das Leiden , welches du,
To Herr aller Geſchöpfe, für uns erdüldet haft ! !!

Pfingft . Gebet.
(Aus dem Missale Gothico. St. Liturgia Gallicana
Edit. 1685. 4 . p. 269. )

; Gott, Licht und Leben der Glaubigen , deffen un.


ausſprechliche. Gúte . der heutige. Feſttag verherrliden
' roll , gieb deinem Volfe Verſtand , um deine Wunder zu
verſtehen , und daß das Gefühl der Sindrchaft (adoptio ),
wozu uns der Heilige Geiſt berufen hat, uns vor Vers '.
minderung der Liebe und Veränderung des Glaubens be:
waðren moge !
186
SA
Berrahiedene Arten
Wir bitten dich , o Herr , daß der heilige Geiſti
welcher von dir ausgehet * ), unſern Geiſt erleuchte und
· ju allem Guten lenke , wie es uns der Sohn der Wahr.
heit (filius veritatis) verheißen hat.
: Heiliger Herr , allmächtiger Vater, emiger Gott,
^ durch deffen Geift der ganze Körper der Kirche wermehrt ' .
und regiertwird, erhalte für das neue Geſchlecht deiner .
Hausgenoſſen (novam familiae tuae progeniem ) die
Gnade der Heiligung , welche du verliehen , damit ſie an
Seele und Leib erneuet und in Sicherheit und Friebe eine
reine Seele und ein reines Gemüth dir immer weihen
mogen.
.. . Es iſt würdig und recht, daß wir dir , heiliger Herr,
allmächtiger Pater , ewiger Gott , jeßt hier und allenthals
ben Danf ragen und uns deiner Werke rühmen ; vornåm .
lich an dem heutigen Tage, wo das heilige Paſah mit
allen reinen Geheimniſſen wiederholt und nach einem Vers
lauf von funfzig Lag beſchloſſen , und wo die Theilung der
Zungen ( dispersio linguarum , d. i. Sprachen , Gaben ),
welche in der Verwirrung entſtanden war, durch den heilis
gen Geiſt zur Einheit gebracht wird . Ja , heute empfins
sen die Apoſtel , welche den himmliſchen Schau vernahmen ,
das Glaubens - Bekenntniß der Einheit (unius fidei sym
bolum ) , und fingen , an , in verſchiedenen Sprachen den
Ruhm deines Evangeliums den Völkern zu verkünden :
durch Chriſtus unfern Serrn . Amen !

*) Die Formel: qui de te procedit , dürfte wohl ein Beweis


für die Ubſtammung des Gebets aus einem Zeitalter ſeyn ,
wo man den Streit über das Filio que entweder noch nicht
kannte , oder doch nicht für ſehr wichtig hielt.
quell . '
;
, des éffentlichen ebets.
: ; VIII.
Morgen - und Abend . Gebete .*)
. : : A .

Ehre ren Gott in der Höhè, und auf Erden


Friede, den Menſchen ein Wohlgefallen . . .
; Luk. 2 , 14.)
Wir loben dich ;wir preifen dich ;wir fagen dir Danf;
wir rühmen deine Herrlichkeit; wir beten dich an, durch
den großen Sohenprieſter ; dich , den wahren Gott (cov
Övta Okov) , den Einen , Ingezeugten , den Unzugängli.
chen ; wegen deiner großen Herrlichkeit. Herr, himmlis
fcher König , Gott, allmächtiger Vater , Serr, Gott und
Bater des Séſalöten ( TOû Xprotoữ ), des unſchuldigen
Lammes , weiches tråget (wegaimmt, os dioer ) die
Sünden der Welt. Nimm an unſer Gebet , du , der du
auf dem Cherubim throneſt ! denn du biſt allein heilig ; du
biſt allein Herr, Jeſus, der Gefalbte Gottes ( XPLOTOS TOŨ
: 0800) für die ganze geſchaffene Natur , unſers Königs.
durd, weichen dir ren Ehre, Preis und Anbetung.

* ) Die beiden erften ſtehen unter dem Sitel: FRODEUX a fiv


(oratio matutina) , und ' EoTepwos ( orațio vespertina )
in den Constitut. Apost. lib . VII. C. 47 - 48. ed. Cotel.
p . 388 - 89. Schon beim Athanas. de virgin . p. 1051 und
1057 wird dieſer Dorologie , womit man den Früb - Gottega
dienſt eröffnet und die Abend - Andacht beſchloſſen , gedacht; ; : ,
und es iſt bekannt, daß ſie auch von Euther faſt unverändert
beibehalten worden iſt. Die nicht unbedeutenden Varianten

theilt.
Perſchiedene Arten

Pobet, ihr Knechte , den Herin ; Tobet den


: Namen des Herrn (Pf. 112 , 1 .)
Wir loben dich ; wir preifen dich ; wir fageni bir
" Dank, wegen deiner großen Herrlichkeit ! Herr ! König !
Water Chriſti (des Geſalbten ) , des unſchuldigen Lammes,

Dir gebührét lob; dir gebühret Preis :Serang (Ű uvos);


dir gebühret Ruhm , dir , Gott und Vater , durch den
Sohn , in dem allerheiligen (Trowogio ) Geifte , von Ewige ,
keit zu Ewigkeit. Umer. !
.. . Serr, nur tårfeſt du deinen Diener in
Frieden fahren , wie du seragt haft ; denn
meine Augen haben dein Geil ( To ow
tñolor coû ;" iach Luther : deinen Heiland ) ges :
rehen , welches du bereitet hart vor allen

zum Preis deines Volks. Israel. (Luk. 2,


29 – 32. )

* Constit. Apost. lib . 8 . c . 35 - 39 . werden als . .


Verordnung des Apoſtels Jacobus , tågliche mors

über die näheren Anweiſungen Constit Ap. lib. II. c. 59.


ſtehen . Sie haben weit mehr Individualitåt , als
die beiden vorhergehenden , welche von der Urt ſind , daß
fie als doxologiſche Formeln für jeden Gottesdienſt gelten
können . Für das hohe Alter derſelben ſpricht ſchon der
Umſtand , daß die Abend : Andacht der Morgen - Uns
dacht vorangehet, welches ganz in der Manier der I us:
den . Chriſten ift.
des offeütticher Gebets.
Das erſte Gebot heißt: Ilpoopornois Étihúzvios
und ev xaipiotia niúxvios und- roll nach Vorleſung
des Wahu ò's en 1 w vios Hergefagt werden . Dies
fer : ift , nach der Angabe Constit. II. C. 59., der Abenda .
Pralm 26., Pf. 140. (nach unſerer Zahlung pr. 141.);
deffen Hebräiſche Anfang 8 - Worte Epiphanius (de
mensur. et ponder, c. 6 .) ſo anführt : 'Adorai , nes
ya sapigi u . . .
- Nach dieſem Pfalm foll der Diafonus ſprechen :
1 Hilf und erwecke uns, o Gott, durch deinen Geil
falbten ! A18 Erweckte (ávaoTVTES) wollen wir die
Gnade und Barmherzigkeit des Herrn anflehen und ihn bita
fen um den Engel des Friedens* ) , um alles, was gut und
zuträglid ) iſt, und um ein chriftliches Ende. Wir wollen
bitten , daß der Abend und die Nacht ruhig und ohne
Sünde, und unſere gange Lebenszeit ohne Dadel fey. Wir
wollen uns und Andere dem lebendigen Gott durch ſeinem
Gefalbten übergeben . “
:: Hierauf ſpreche der Biſchof dieſes Gebet:
. . . ' Gott, der du ohne Anfang und Ende, der du aller
Dinge Schópfer und Regierer durch Chriſtus, vor allen .
Dingen aber deffen Gott und Vater biſt, der du des Geis
ſtes Herr , und der finnlichen und überſinnlichen Dinge KS.
nig bift.**) Du haſt den Tag für die Werke des Lichts .

*) S , oben das Gebet für die Katechumenen nach der Erklärung


des heiligen Chryſoſtomus. Doch iſt der Ausdruc : tóvãy
* . γελον τον επί της ειρήνης 6emertenswerty , τοείι ber:
f eibe die Borſtellung von einer Eintheilung der Geſchäfte deri
. . . Engel nach Departements deutlich bezeichnet. .
. ** ) Dieſe Gebets - Formel enthålt mehrere Ausdrücke , welche
den frühen Urſprung derſelben deutlich beweiſen . Der Sas : 4
apo návroov avtoő :Qeos xol xatne , und der : ó tov :AVEÚ .
. patog núgios würde , nach der Kirchen : Verſammlung zu Ni.
Verſchiebene Wrter
( žega quros ); und die Nacht für die Erholung von
unferer Schwachheit geſchaffen . Ja , Tag und Nacht ift
dein , und du har licht undSonne angeordnet ( PP.74, 16 ).
D nimm auch jeßt, menſchenfreundlicher und allgütiger
Herr , dieſen -unſern Abend - Dank guddig an . Der du uns
den ganzen Tag und bis zum Anfange der Nacht geführet
baft, bewahre uns durch seinen Geſalbten . Sieb und
einen ruhigen Abend und eine Nacht ohne Sünde , und mac
che uns des ewigen Lebens würdig durch Chriſtum , durch
welchen “ u . f. t .

Bei der Morgens Andacht (Eůxaprotia 0p - . .


Journ ) roll zuerſt der Morgen : Pralm ( õp goi
vos Wormos ) , nämlich Pf. 64 : Gott, du biſt mein
Gott, frů he wa che ich zu dir u . f. w . , vorgeles
fen , und dann von Diafonus auf eine ähnliche Art und
mutatis mutandis , wie bei der Abend . Andacht, gebetet
werden . Das Gebet des Biſchofs aber iſt dieſes :
" „ O Gott der Geiſter und alles Fleiſches , der du
undergleichbar und über alle Bedürfniſſe erhaben biſt !
Du haſt die Sonne zur Regierung des Tages , den Mond
und die Sterne zur Regierung der Nacht gemacht. D blia
de auch jeßt mit gnädigen Augen berab ; nimm
gnädig an unſern Morgendant, und erbarme bich unſerer !
Denn wir breiten unſere Hånde nicht aus nach einem ans
deren Gott; und wir haben uns keinen neuen Sott
( cov apospatov) crwahlet , fondern dich , den Emis !

cảa und Konſtantinopel nicht ohne Anftoß haben gebraucht


werden dürfen . Die Annahme aber, daß die Urianer und
Macedonianer dieſes Gebet verfälſcht hätten , iſt gar zu uns .
wahrſcheinlich. Man würde es katholiſcher Seits gewiß nicht
an einer recognitio et restitutio in integrum haben fehlen
: Taffen !
des öffentlichen Gebets .
i gen und unendlichen . Der du uns durch Chriſtus das Da.
feyn gegeben und das Wohlfeyn ( TÒ Eů civar) gefchen
' fet, mache und des ewigen Lebens würdig , durch ihn,
- welchem fey Ehre" u . P. M . , ii
Hieraufſoll noch,unter Handauflegung des Biſchoff,
geſprochen werden :
treuer und wahrhaftiger Gott , der du den
Tauſenden und Myriaden derer , die dich lieben , Gnabe ers
Weiſeft ( 2 . Moſ: 34 , 7,) , der du ein Freund der Niedris
gen und ein Beſchüßer der Urmen bift, du , dem alles gut
Gebote ftehet, weil Ades dir dienen muß . D blicke auf
dieſes Volf, auf fie, die hier ihre Häupter vor dir beus ,
gen , und regne fie mit geiſtlichem Segen . Bewahre fie, '
wie den Augapfel ; erhalte fie in der Frömmigkeit und
Gerechtigkeit , und mache ſie würdig des ewigen Lebens,
durch deinen geliebten Sohn , Jeſus Chriſtus, welchem "!
u . P. w .
Hierauf entlaſſe fie der Diakonus mit den Worten :
- Gehet bin in Frieden !

IX .
Bon einigen andern Gebeten.

Die apoſtoliſchen Conſtitutionen liefern (lib .VII.und


VIII.) , außer den bisher angeführten , noch eine nicht uns
bedeutende Anzahl verſchiedenartiger Gebets - Formeln .
: Mehrere darunter zeichnen ſich vortheilhaft aus , und vers ;
dienen von Liturgen forgfåltig berückſichtiget zu werden .
> Hier kann nur im Augemeinen auf ſie verwiefen werden .
' Sie find aber zum Theil zu allgemein , um über ihren
kirchlichen Gebrauch etwas zu beſtimmen , z. B . das Ge.
bet über die göttliche Vorſehung lib . VII. C. 33. , das
edene rten
192 Berſchi A
Lob der Geſchöpfe' ibid. e. 35. 4. a. Andere beziehen ſich
auf die Uominiſtration der Eaufe , des Abendmahls , der
· Prieſter .Weihe u. f. 10. .und werden in der Geſchichte
dieſer. Religions . Handlungen beſonders zu berückſichtio
gen ſeyn .. . Das Gebet beim Mittag 8 - Effen
(EvxÑ êí ' đploto lib . VII. C. 49. ) kann bloß für
die håusliche Undacht beſtimmt regn. . .
Dagegen ſind noch einige andere Gebets , Formulare
si aus der alten Kirche anzuführen . Dahin gehört zuvors :
derſt das ſchöne und in vielen Betracht merkwürdige:

Gebet für die Entſchlafenen. -


( Προσφώνησις υπέρ των κεκοιμημένων.)
Constitut. Apost. lib VIII. c. 41. ed. Cotel.
p. 423 – 24. Der Diakonus rufet zu dieſem Gebete
mit folgenden Worten auf: ;
5 Baffet uns beten für unſere in Chriſto ruhende Brůs
der (avutavdduÉVWV Év Xolot ddehipov) , daß der
menſchenfreundliche Gott, welder Peine Seele " ) auf
nimmt, ihm (dem Verſtorbenen )'wiſſentliche und unvore
fågliche Sünde vergeben , fich gútig und gnädig erwei.
ren , und ihn in das Land der Frommen (siç xopav
EVOEBov) , welche in dem Schooße Abrahams, Sfaaks : .
und Jakobs ruhen , und in die Gerellſchaft aller , welche
von Anbeginn der Welt Gott wohlgefallen und deſſen
Willen gethan haben , verſeßen wolle ; dorthin , wo nicht ?
mehr gehört wird Schmerz, Trauer und Seufzen . Baffet ,

*) & & tft stoeiferaft , ο προσδεξάμενος αυτού την ψυχήν


auf Gott , den Urheber der Seele , oder auf den Verſtorbe:
nen , defien Seele Gott zu fich genommen , zu beziehen ſey .
Beides giebt einen guten Sinn ; das erſtere aber ſcheint die
urſprüngliche, reinreligioſe Vorſtellung zu feyn. ,
des offentlichen Gebers. 198
uns aufftchen , * ) und uns ſelbſt und unter einander
dem ewigen Gott durch ſein Wort, welches im Ünfange
war , zu Gnaden empfehlen !
i Der Biſchof aber ſpreche folgendes Gebet: , , ?
Der du von Natur unſterblich und unendlich biftz
du , durch den alles , was unſterblich und ſterblich , feinen
Urſprung hat; du, der du den Menſchen , das Vernunfte
Weſen (hoyixov 5wov ) und den Welt - Bürger (tor
KOGUonolitnv ) , zwar ſterblich geſchaffen , ihm aber
die Unſterblichkeit * * ) verheißen haft ; du , der du den
Enoch ( Şenoch ) und Elias nicht den Verſuch des
Dodes ( IováTOV Teipav) machen ließeft : du, o Gott
Abraham 's , Sfaat's und Jakob's , du biſt nicht, wie
der Gott der Todten , ſondern wie der Gott der Leben .
digen ! Denn alle Seelen leben bei dir, und die Geiſter der
Gerechten ſind in deiner Hand ,wo ſie feine Dudal anruha
ret , weil ſie unter deinen Händen alle geheiliget find .
blicke auch jeßt auf dieren deinen Diener , welchen du
erwihlet, und zu einer andern Beſtimmung ( siç étéoQV
añšev ) zu dir genommen haſt. Vergieb ihm , wenn er
etwa wiffentlich oder unvorſåßlich gegen dich geſündiget.
Stelle fanfte Engel neben ihn * * *) und verlege ihn in den

*) Dieſe fonſt oft vorkommende- Formel ( &yetgaueta ) legt vors


aus , daß die erſte Anſprache des Diakonus knieend geſchah.
* **). Ich halte ávaoraçlav für die richtigere Lesart, obgleich !
Clericus bemerkt : ,,rectius in altero codice dváotaoivi
(resurrectionem )." '.
* * * ) Cotelerius ( p . 422 ) macht hierbei die richtige Bemers
kung : Ayyékovs evuevels tapéotnoov avto Angelorum
officia in hominum morte , ex doctrina S . S Patrum sunt :
assistere morientibus, eosque pro viribus adjuvare; piis
esse αγγέλους ειρήνης, placidos animae evocatores , ac
ceptores , exuentes eam corruptibile , corporis indumentum ,
in coelum portantes , ad Deum deducentes , dopugogoûv
Fünfter Band.
194 ! Verſchiedene Orten
Schooß der Patriarchen , der Propheten und Apoſtel
und aller , die son Anbeginn der Welt dir wohlgefallen
haben – dorthin , wo nicht Traurigkeit , Schmerz und
Seufzen iſt , ſondern., daß von keinen Stürmen bewegte
Land der Fromnien * ) , der friedliche Boden der Rechts
rechaffenen * * ) , und die Geſellschaft derer , welche die
Herrlichkeit deines Geſalbten ſehen . Durch welchem dit
ren Ehre, Preis , Anbetung , Dank und Verehrung , in
dem heiligen Geiſte , in Ewigkeit. Amen !

TOS, viae duces ac comites , propugnatores , occursatores ;


impiis vero tristes, horribiles , dnelangopovs , exactores
et raptores , ad judicium acerbe pertrahentes. "Ab Ana
stasio Sionita Orat. in Ps. VI. usurpatur nonien &xGHTLEU
TOV - Praetéreo externae sapientiae Þvzorouitous,
cum Mercurio sourcio ', cumque Angelo mortis Samaele
$. Ariele , Asraele. Quem mortis Angelum comme
morat auctor operis imperfecti in Matth . ad XXIV,
43.“ Zu verwundern iſt, daß hierbei nicht an die claffiſche
Stelle , Luk. XVI, 22 : dneveronval aútov vrò tov dyré
2000 eis tov nólitov ’ABpadu , erinnert wird . Bekanntlich
kommt die Borſtellung vom Engel des Todes auch im Koran
und andern islamitiſchen Schriften ſehr häufig vor. Man vergr.
flügge' s Beiträge zur Geſchichte der Religion und Theolos
gie. Th . I. 1797. 8. S . 235 ff. ;
*). In dem Sage : diad goõoos sugeboor vn je évog fdheint
mir das legte Wort ganz fehlerhaft. Aller Wahrſcheinlichkeit
nach iſt á vývaje os, sine vento , windſtil , zu leſen - wie
Sophocl. Oed. Col. v. 677 : dvýveuos sávrov zeluovov ;
geſchůbt vor allen Stürmen .
** ) Statt : nol vñ suselon cuvavnuévn hat der Cod . Vin
dob . Kol Y. £. 001 áv a Elų Évn : terra tibi consecrata,
welches Clericus für die richtige Legart hålt , obgleich er an
dem vorigen åvnuévos keinen Unſtoß nimmt , und hier :
pariter quieta terra rectorum als Ueberſebung beibehålt.
Vielleicht wäredovooslusvn (ft. A GUGGELGUEVn ) : inconcussa , ju
teſen
TEL
: 248 offentlichen Gebets. 196
Hierauf ſoll der Diafonus fagen : Perbeuget
Such und empfanget den Segen !"
: Der Biſchof aber fou folgendes Dank- Gebet über
fie ausſprechen : : :: . . .. .
: : Rette , Herr , dein Poll, und regne dein Erbe
theil, welches du dir durch das köſtliche Blut deines
- Geſalbten erworben haſt. Weide ſie unter deiner rechten
Hand, und beſchirmne ſie unter deinen Flügeln . Gieb ihs
Men einen guten Kampf zu kåmpfen , den Lauf zu volle
endeu , und den Glauben zu behalten unverändert, ohne
Schuld und ohne Dadel. Durch unſern Herrn Jeſus
Chriſtus , deinen lieben Sohn , mit welchem dir rey Ehree '.
Preis und Unbetung, und dem heiligen Geiſte., in
Ewigkeit. Amen !

bet '. ' .


Soldaten - Gebet.
Dich , der du allein Gott biſt, erkennen wir ; dich,
o König , bekennen wir ; dich , o Helfer, rufen wir an !
durch dich haben wir Siege erlangt; durch dich die
Feinde überwunden . Wir bekennen , daß wir das Glück
der Gegenwart dir verdanken , und daß wir das Glück
der Zukunft von dir erwarten . Wir alle fleben mit
Demuth zu dir ; und bitten von dir , daß du unſern
Kaiſer Konſtantin mit ſeinen geliebten Kindern uns
noch lange in gutem Wohlſeyn und als Sieger erhal.
ten indgeft.
pt "

1. Diere Gebets - Formel ſchrieb , nach Euseb. de vita


Constantini M .lib. IV . c. 20 ., Kaiſer Konſtantin felbft*)

* **) Mar hat vermuthet, Eufebius ren ser Concipient dieſes


' Gebetes . Uưein er ſchreibt es zu beſtimmt dem Kaiſer ſelbſt .
zu , als daß man daran zweifeln könnte. Es war auch ganz :
in der Manier deſien , der ſich ſelbſt ſo gern tov ŽALOKOTOV
. N 2 1 ,
196 Berſchiedene Arten bes offentl.Gebets.
ſeinen Regionen vor ; aber nicht den chriftlichen Soldan
ten , ſondern den beidniſchen . Euſebius bemerkt I. c .
R . 19. ausdrücklich , daß er den Chriften unter reinem
Heere die Erlaubniß gab, die chriſtlichen Verſammlungen
ohne Hinderniß zu beſuchen . Für diejenigen aber , wel.
che die gåttliche Lehre noch nicht gekoſtet, habe er die Ver .
ordnung erlaſſen , daß ſie alle Sonntage zu einer bes
ſtimmten Zeit auf einem freien Plage vor der Stadt
Tich verſammeln , und, auf ein gegebenes Zeichen , alle
zugleich mit gen Himmel erhobenen Hånden
und in römiſcher Sprache das vorſtehende Gebet
ausſprechen rollten . Dierer Militår . Gottesdienſt fonnte,
feiner Beſtimmung nach , nur ein proviſoriſcher reyn,
und mußte aufhören , ſobald keine Seiden mehr 'unter.
dem römiſchen Heere waren . Aber eine Merkwürdiga
keie der Zeit bleibt dieſer Zwangs - Gottesdienſt im .
mer * ).

tov šutos nannte , und auch gern die ta svros beſorgte, ?


wie der Arianiſche Streit bewies.
; * ) In der lat. Ueberlegung des Euſebius von Jac. Grynaeus,
Basil. 1570. Fol. p . 176 . findet man folgende Rand - Unmer: -
kung : „ Hoc si quis militibus nostris injungeret, deus
. .. bone, quibus cachinnis exciperetur ? Wie ſich doch die
Zeiten auch hierin ånderu !
Vierter abfchnitt.

Von den liturgiſchen Formelne

J. A . Schmidt: de insignioribus veterum Christianorum ,


; formulis.. Helmst. 1696. 4. , , ;,

Jo. Ge.. Walch ; de formulis salutandi apostolicis. Jen . 1739.


. . 4 . S . ejusd . Miscellanea sacra . Amstel. 1744. 4. p. 436 . seqq. . .
: Ge. Ermelii : de veterum Christianorum doğoloyiq dissert .
: histor. Lipsiae 1684. 4. is
Jo. Henr. 'a Seelen : Comment, ad doxologiae solemnis glo - .
ria patri verba : sicut erat in principio. S . Miscellanea . . .
Hivi Lubec: 1732: 8 . 7i -mi di :

Ad. Rechenberg : de veterum Christianorum Sošoloyla


" Lips. 1684 . 4. S . Syntagma Dissertat. Roterod. 1690 . 8.
- de formula veteris ecclesiae excitatoria ad devotionem :
Sursum corda ! Ibidem - 1704. 4 . in.
" Barthol. Botsack : de formula liturgica : Sursum cor.
ř da ! Dissert. I — 3. Havniae 1696 . 4 .
Jo. Fr. Mayer : de sacerdotum formula salutandi: Domi- .
nus vobiscum ! Gryphiswald. 1705. 4 . .

' Jo. Gerhard: de benedictione ecclesiastica. Jen.1784. 4.


198 Biturgiche e desmoine
E , F . Wernsdorf: de formula veteris ecclesiae psalmodica :
Hallelujah. Viteb . 1763, 4 ,
. : deprece Hosianna, ejusq. in Liturgia usu , Viteb.
1765. 4 .
- - ; de Amen ' liturgico . Viteb . 1779. 4 . . . ,
El. Veiel ; de vocula Amen . 1681. 4. i
Dissertazione sopra l'origine , significato , uso e morali ammae.
· stramenti par la divota recita dell Alleluja. Velitris. 1749. 8.

W enn Ehrnrorto m -u 8 -mehrmals behauptete, daß die


Chriſten Halb - Iuden wåren , po konnte dieſe Bes
hauptung , wenigſtens in Beziehung auf die aus den
Judenthum entlehnten liturgifchen Formeln , soll.
kommen gerechtfertiget werden . Aber auch das Heis
*denthum fonnte hierbei einige Anſprüche an die chrift:
liche Kirche machen , und relbſt diejenigen Schriftſteller,
welche eben nicht geneigt find , der chriſtlichen Kirche
etwas zu vergeben, müſſen doch einräumen , daß nicht nur
manche Gebets - Gebräuche, ſondern auch mehrere liturz
giſche Formeln und heilige Sprüche (verba solemnia ) aus
dem Cultus der Heiden zu den Chriſten übergegangen .
find. Man . vgl. J. A . Starkii dissert. de tralati
tiis ex Gentilismo 'in religionem christ. 1774 . 4 .
Man fann 'in 'diefer Erfcheinung cine Beſtåtigung des
weltbürgerlichen Charakters des Chriſtenthums und einen
praktiſchen Commentar über den apoſtoliſchen Ausſpruch :
doxi u OŠETE TAVTQ , to nahov HOTEXETE , finden . Es
iſt auch in urifern Zagen nicht unnöthig , hierauf auf.
merkſam zu machen , damit nicht an die Stelle eines
vieljährigen Latitudinarismus ein die evangeliſche Freia
heit gefährdender Liturgie - Zwang, und die Meinung,
.. als ob an ſolchen Formeln das Weſen des Chriſten .
thums gånge, freten moge ! . ..
.. Forme I n . 199

Formeln entweder Apoſtrophen an Gott , oder kurze .


Gebete ſind . (wohin s. B . alle dorologiſchen Formeln
gehören ) , oder daß ſie eine Aufforderung zur Herzens.
Erhebung und Undacht an die Glaubigen enthalten ,
oder daß fie diefen die beruhigende Berſicherung von :
der Erhůrung des Gebetes ausdrücken. ..

Man würde dem -Ulterthume Unrecht thun , wenn


man beim Gebrauche dieſer liturgiſchen Formeln. Fleiß
;' und Sorgfalt und ein richtiges äſthetiſches Gefühl vera
- kennen wollte. Bei aller Simplicitåt, welche die alte
Kirche auszeichnct, iſt doch ein gewiſſes Kunſt- Stu .
dium unverkennbar , und es ergiebt ſich dem aufmerks
„ famen Beobachter bald , daß die Einfachheit beim Culs :
tus nicht bloß , wie Einige behauptet haben , ein Werk
der Nothwendigkeit , weil es den alten Chriſten an Viels.
feitigkeit der Bildung und an allem Kunſt . Sinneges
mangelt habe, ſondern eine, Folge von Grundfågen und
ein Reſultat von Erfahrungen war. Sii
.. . Die älteſten Lehrer und Borſteher der Kirche was
ren ja aus den berühmten Schulen der Philoſophen
und Redner zu Alexandrien , Athen und Rom hervors
+ . gegangen , und waren beſonders in den rhetoriſchen
Sảnſten eingeweiht. Das fieht man deutlich genug
an Juſtinus Martyr; Tertullianus , Cyprianus , Arno: -
bius , Clemens Alexandrinus , Origenes und ſo vielen
.. . andern Månnern , welchen es gewiß nicht an der Ges
Tchicklichkeit gémangelt hätte , ein recht künftreiches Ris
tuale zuſammenzufeßen , und darin mit den Inſtitus
: ten des Seidenthums, welche ihnen ja bekannt genug
waren , zu 'wetteifern . * :
Auch nach dem Zeitalter Sonſtantin's d. Gr., wo
die sacra, publica feines der bisherigen Hinderniile
mehr finden konnten , und wo man unter den kirchli
200 : & Leur gir ose
chen Vorſtehern Redner vom erſten Range und Kunſt
verſtändige fand, blieb man in der Regel bei jener
Einfachheit des Cultus , welche man gleich anfangs eins
geführt hatte zum offenbaren Beweis , daß man ſie
im Weſen des Chriſtenthums gegründet glaubter Und jeßt
wenigſtens darf man von einer Kunſt der Simplicio
tåt reden , welche von den Anordnern und Leitern des
chriſtlichen Cultus ausgeübt wurde, und vor welcher
: ſelbſt ein Julianus , dieſer fünſtliche Hélleniſt, Neſpekt
batte , und welche er für die von ihm ſo genannte ,,Rer
ligion der Gebildeten “ zur Nachahmung empfahl. .
Daß fich zu gewiſſen Zeiten Mißbråuche einſchlia -
dhen , 'låßt fich nicht läugnen ; aber der Nachdrück , wos
mit die angeſehenften Lehrer dawider eiferten und auf
Abſtellung drangen ', låßt über das Princip , daß der chriſts
liche Cultus nicht auf die Sinnlichkeit , ſondern auf Dere ,
ftand und Herz wirken rolle ; keinen Zweifel übrig . Uus
Gregorius von Najiang, Chryſoſtomus , Auguſtinus u .a .
erſieht man , daß in den großern Städten viele Mitglies
der der Gemeinen über die Einfachheit und Trockenheit
der Kirchen - Gebete klagten , und die Predigt nur dann
gern hörten , wenn ſie mit viel Beredfamkeit ausgeſtats
tet war. „ Die Menge ragt Gregorius von Naziang,
in ſucht Feine Prieſter , ſondern Redner ( où Šntov
ow itpels , draak ontopus, d. 5. Lehrer der Bereds
famkeit ). Und ich muß hierbei zu ihrer Entſchuldigung
etwas ſagen. Wir ſelbſt haben ſie ſo erzogen , wir , die
wir allen allerlei werden wollen , ich weiß
nicht, ob um alle zu retten , oder um alle zu verbers
ben .“ Er hatte zuvor von ſeinem Vorhaben , rein
biſchöfliches Amt niederzulegen , geſprochen : „ Wåhlt
Euch , ro fodert er reine Zuhörer auf, einen andern
Vorſteher, welcher der Menge gefalle. Laßt mir meine
Einſamkeit, mein båueriſches Weſen , und Gott , dem
id , allein gefallen will. “ S . Gregor. Naz. orat. XXXII .
ed . Colon . p . 510 seqq. isse i : .. .
or me I n . . 201

Uuf eine ähnliche Arti eifert Chryfoftomus


wider diejenigen , welche beim Gottesdienſte bloß aufs
Außerë, und nicht auf die Kraft der Wahrheit ſehen .
Für das Theater , für den Markt u . f. w . .mag man
Prunk, glanzenden Effekt und fchimmernde Beredram
feit fodern ; das Chriſtenthum erfodert Stille , Ruhe,
Andacht. Man muß den Seiben keine Veranlaffung
zu dem Vorwurfe geben , daß die Chriſten es ihnen
an Prunk und Gefallſucht ( protiuia ) gleich thun
wollten . Man vgl. Chrysost. Homil. in Act. Apost.
XXX , Homil. in Matth . I. XIX . in Oziam orat. I. u. a .
; So wie ſich bei den chriſtlichen Liturgen und Ho.
mileten überhaupt das Beſtreben zeigt, ſich dem bibliſchen
Sprachgebrauche auf alle Weife zu nähern , und, wo
möglich , alles mit Worten der Schrift auszudrücken :
ſo iſt dieſe Biblicitåt beſonders bei den kurzen liturgia
rchen Formeln , oder den formulis solemnibus , recht
bemerkbar. Da das N . . hierbei nicht viel Eigen : ;
thůmliches darbot, for hielt man ſich vorzüglich an das
A . T. , ganz beſonders aber in den fållen , no im
N . D . Pelbſt von den gottesdienſtlichen Formeln des
A . T . Gebrauch gemacht wird . : : Man überzeugt ſich
aber bald , daß bei der Anwendung ſolcher Formeln ?
nicht nach Wilführ und Laune, ſondern nach einer ges' .
wiffen Regel, auf jeden Fall-åber nach einem richtigen . '
Kunſt - Gefühle verfahren ward. Der Gebrauch der
liturgiſchen Formeln muß zum Theil mit den muſis
falirchen Zeichen verglichen werden. Wie nun nie .
mand läugnen wird , daß ein piano oder forte,
ein stacato oder pizzicato u . r. w . eben ſo gut
feine im Wefen der . Sheorie der Sonkunſt gegründete
:: Regel und Beſtimmung habe: ro wird auch niemand ..
behaupten können , daß es gleichgültig rey , wo ein .
Umen , Halleluja', Kyrie Eleiſon u . f. 10. 'gea
regt werde. Wenn nun auch nicht behauptet werden
202 lit u f gifche

kann , daß dieß nach einer beſtimmten Regel und Voro


ſchrift, dergleichen es nicht giebt, geſchehe: To thut fich
doch in den Euchologien und Breviarien faſt überall ein
richtiger Kunſt - Sinn kund." Nicht zu gedenken , daß in
den meiſten Dorologien eine Muſik der Sprache liegt,
welche für die muſikaliſche Compoſition felbft die beſte
Grundlage ift. ).
Nach dieſen Vorerimerungen laſſen wir die liturgi. ,
Tchen Formeln , welche ſich in der alten Kirche am håufigo
: ften finden
finosund Sgrößtentheils
prus ,sinirchen auch in die neue übergegans
cgen
eni find e n
, in der Ordnung s
folgeno , daß wir mit den eins,
fachen , kurzen Sprüchen und Epiphonemen anfangen und
mit den längeren dorologiſchen Formeln beſchließen .

ueber das Schluß : Wort : Amen !


Wie in der júdiſchen Kirche, wird auch in der chriſto
lichen das ' Auriv immer als Schluß - Wort bei den
Gebeten und Gefången gebraucht, und außer Luther's be.
kannter Strophe: Si ' is a .
Amen ! das iſt , es werde wahr !
Stårk :unſern Glauben immerdar;

* ). Jeder Donſeker und Muſikverſtändiger weiß nur zu gut , daß.


: manche Defte Keine Compoſition zulaſſen und das beſonders
die teutfche Sprache, in Bergleichung mit der fateiniſchen und .
- italieniſchen außerordentlidhe Schwierigkeiten barbietet. Das
(auffallendſte Beiſpiel bietet wohl die ſo bekannte Intonation :
· Gloria sit in excelsis Deo, und das teutſche : Ehre ,

L i ft von allen Kennern der Muſif anerkannt. . ..


Auf daß wir ja nicht zweifeln dran ,
. :. Das wir hiemit gebeten han , : ; : ; : .
Øuf dein Wort in dein Namen dein : . .t
: So ſprechen wir das Amen fein !
wird nicht leicht ein Beiſpiel eines anderen Gebrauchs
vorkommen . Doch iſt auch in dieſem Falle-nich: zu vers
geſſen , daß jene "Strophe aus dem Liede iſt, worin das
Vater · Unſer paraphraſirt und erklärt wird. Da im
N . I . die Reden Jeſu gewöhnlich mit dem : dunne
o univ. déy w Duiv beginnen , 8. B . Joh . VI, 26 . 32.
X . 1. XVI, 23. 4. a. St., ſo fand man hierin einen Grund,
warum wir eß am Schluſſe brauchen müſſen. So bemerkt
'Joachimus Abbas in Apol. c. ! : ,,, Quia auctor veritatis
Deus ac principium : nos veritatis pedisequi ac discipue
li sumus. “ . Vgl. Casp. Calvoer rituale eccles. ..
*P . I. p. 480. Diefer Grund inochte immer gelten , wenn
dieſer Sprachgebrauch auch im 1 . T . vorkáme. Da dies
nun aber nicht der Fall iſt, das 18 -aber fo häufig vorsi
kommt, f. B . Nehem . 8, 7, 4 Mof. 5, 22. 5 Mof. 27,
14. ff. u . d . St. ,: To liegt die Herůbexnahme dieſer alt:
teſtamentlichen Gebets - Formel viel nåber. In der Stelle
Jerem . -28, 6. wird davon die Erklärung gegeben : ; ?
nin : nwy? 12 : đanjosOŰTW Tounoui Kúolos.
: : Offenbar ftebet diere Formel mit dem Gottes .
Namen 12N gef. LXV, 16 . (wo er doppelt ſtehet und
1986 Moon Jep. XXV, 1. in Verbindung. * ) Die LXX .

*) Die Nat. Ueberſegung Hat : " per"Deum Amen ; tind die


Bemerkung von Clericüß, daß es alsdann na ft. ambae
heißen muffe , will nicht viel bedeuten . Vitringa ( von
Büſching. Jh . II. S . 727. ) ſagt: ,, Dér Gott men ift
der' Gott der Wahrheit, welcher Name insbeſondere dem
Menſdygewordenen Sohne Gottes zukomint, Offenbar. 3,
i . 14. 19 , 11. sum følgender Urſachen willen : ' 1.) weil er mit
dem Pater und h . Geift" wahrer Gott iſt, im Gegenfaß der
204 Litur gif dhe
haben hier nicht, wie fonft, das ·Aunn beibehalten , for
dern ,drücken den Sinn aus in der erſten Stelle : tov
£òv tov dantivov , in der zweiten durch : yÉVOITO.
Hiermit iſt die nahe. verwandte Stelle Apokal. III, 14 . :
Táde héyel Aunv , ó ua QTVS , TLOTOS xai dine
Arvos ( . Apokal. XIX , 11. u. 2 Cor. I, 20. ) zu vers
gleichen . Wenn gleich aber wahrſcheinlicher iſt , daß dies
fer Gottes - Name erft fpåtern Urſprungs ren und erſt
nach der Doxologie gebildet worden : ro läßt fich doch
die, Unmöglichkeit des Gegentheils nicht beweiſen . So
mit viel iſt wenigſtens gewiß, daß der liturgiſche Gebrauch des
Amen ſowohl im Juden - als Chriſtenthume ſich auf die
Vorſtellung von Gottes Wahrhaftigkeit und auf die Sitte,
dieſe Formel beim gerichtlichen Eide anzuwenden ,
beziehet.
Ueber dieſe Wort - Bedeutung findet man bei den
Alten folgendeMemorial . Berfe:
Verùm , veré, fiat, Ame'n tria denotat
ista , . . !
- Si verum , nomen , adverbium sit tibi vere,
- Amen Amen vere, duo sunt adverbia vere,
- Amen pro fiat tibi verbum deficiens est. . .

erdichteten Gottheiten der alten Zeit. 1 Ioh , 5, 20 . 2 .) weil


alles das , was er während ſeines auf Erden geführten Lehrs
amtes von fich geſagt und bezeuget , ja mit ſeinem Tode ver :
ſiegelt hat, Bahrheit geweſen , Pffenbar. 3 , 14 . Joh. 18 , 37.
Daher er auch zu ſeinem Unterricht und Zeugniß ſo oft hinzu:
geſept: Umen , amen u . ſ. w . 3.) weil das , was im
2 . I . vorgebildet worden , in ihm wirklion und wahrhaftig
- angetroffen wird. 4 .) weil er die Verheißungen , ſo den Bås
tern gegeben worden , durch ſich ſelbſt erfület. Es beruhete
die Erfüllung aller Verheißungen auf ihm , 2 Cor. 1 , 20 . Der
Gott amen bedeutet alſo ſo viel , als der Gott der Wahrs
heit , deſſen Ruthſchlåge Wahrheit und Ireue ſind , als der
Name Iehovah, welcher die Gerechtigkeit des Sünders iſt,
worauf aller Segen beruhet. " ;
so rm el n. 205
Doch kommt es hier bloß auf den Sinn an in wel.
chem dieſe Formel beim jüdiſchen Gottesdienſte genommen
wurde. Hier aber ſollte es die Beiſtimmung zu dem Vor
trage des Prieſters, und die Erhörung des Gebetes an
zeigen, und hierauf beziehet ſich auch die in der chriſtlichen
Kirche gebräuchliche Benennung: orationis signa
culum, oder devota e concionis responsio
nem, wie ſich Hilar. in. Ps. LXV. ausdrückt. Im
N. T. braucht es der Apoſtel Paulus 1 Cor. XIV, 16:
rög égs ró Aujv éri tſ of Evzaguorig, wo
unmittelbar vorher von dem ºrgoosvšsoda: «a paſse»
ev Irvévuat die Rede iſt. Man vgl. den Commentar
hierüber in Chrysost. Homil. 35. in I. Epist. ad Corinth
Opp. T. X. p. 325. Sonſt kommt es noch oft zum Schluß
der Doxologie, wie Röm. IX, 5. u. a., vor. .
Der erſte Kirchen- Vater, welcher dieſer Formel er
wähnt, iſt Justinus Martyr, Apol. I. § 65. u. 67.
und zwar in Verbindung mit der Euchariſtie. Seine Worte
ſind: dv ovvre soavrog Tag évyag at tyv évyagt
ortav, tag ö tapov aog êtrevpºust syov. Au? v.
zo ös duyv ty Bß9aiót povy to y svo ero Gnua
vst. Nach Tertull.de spectaculis. c. 25. iſt Amen
sanctum ein heiliger Spruch, welchen der glaubige
Chriſt nur mit heiligem Munde ausſprechen und nie pro
faniren darf. - -

Augustinus serm. ad populum contra Pelag.


ſagt: ,, Amen proinde nostra subscriptio est, con
sensio nostra est, ad stipulatio nostra est.“ Der
ſelbe drückt ſich Serm. de fer. IV. Opp. T. VI. p. 446.
(ed. Bened.) ſo darüber aus: „Num quid, ubi audie
ris sacerdotem Dei ad altare populum adhortantem ad
Deum orandum, vel ipsum clara voce orantem, ut
incredulas gentes ad fidem suam venire compellat, non
respondebis Amen?“
- Eine beſondere Wichtigkeit finden wir bei der Con
ſecration des Abendmahls auf dieſe Formel ge
206 filt ungire
Degt. Man ſieht dieß fchon aus den Anordnungen Con
stitut. Apost. lib . VIII. C. 13. p. 408.;ed. Cotel. Cyrill.
Hierosol. Cateches. XXIIL (mystag. V. q. 331. 32.) u.da
Ambrofius. ( in sacr. lib. IV. c. 5 . vgl. de initiandis
6 . 9 . ) ragt: ,, Ergo non otiose, quum accipis , tu di
cis: Amen ! jam in spiritu , confiteris , quod accipias
carnem Christi.Dicit tibi sacerdos: corpus Christi,
et tu dicis : Amen , hoc est : verum ; quod confitetur
lingua , tenet affectus. “ . Beim Augustin ( contra '
Faustum lib . XII. c. 10 .) heißt es : „ Habet magnam
voceia Christi sanguis in terra , quum eo accepto ab
omnibus gentibus, respondetur: A men !"
Vgl. Hieron. Epist.XXXIX . Leon. M . serm . 9.1 . p. 3578
ed. Baller. Die Novatianer wurden deshalb getadelt,
weil ſie ftatt des Amen (đVTL TOV ŠITTELV TO ' Aunu )
beim Abendmahle eine andere Betheurungs . Formel, wora
in ſich überdieß Selten . Haß ausſprach , einfährten. S .
Euseb. hist. eccl. lib . VI. C. 43. p. 403. ed. Stroth .
. Aber nicht bloß jeder einzelne Communicant ſprad
beim Empfange des Brodtes und Weines mit lauter
Stimme das Umen , ſondern auch das ganze Volk beſchloß
die prieſterliche Conſecration mit einem gemeinſchaftlichen
Tauten Amen , von deſſen imponirender Wirkung die ulter
fo oft reden . Im Occident aber kam diere Sitte ſeit dem
VI. Jahrhundert im Verfal und durch den Gregoriani:
fchen Meß - Sanon und die Verordnungen Innocent. III,
( de altaris myster. lib . III. c . 1. ) , wodurch die ſtille
Conſecration ( secreta et tacita ) eingeführt wurde, fiel
das Privat - Amen der Communifanten weg , und das
Collectiv : Amen blieb bloß beim Chor. Nur die Liturgia
Ambrosiana und Mozarabica behielt die im Drient ſtets
beibehaltene Amen - Sitte noch bei.
; - Auch bei der Tauf- formel ward von den dite.
ften Zeiten ber nas Amen beigefügt. Und zwar war es
" Sitte, daß es die Lauf- Zeugen und Bürgen (sponsores )
i formeit . ) 207
faut ausſprachen , als Betveis der feierlichen Entfagung
des Teufels ( abrenunciatio ) und der Verpflichtung auf
Chriftus. Deshalb hieß es audy: das Siegel des .
.. Herrn (noppayıs TOU XUDIOV ). In der griechiſchen i
Kirche fand die Eigenheit Statt, daß man in der Formel
Amen dreimal wiederholte ; nåmlich auf dieſe Weiſe :
βαπτίζεται ο δούλος του Θεού ο δείνα , εις το όνο
Mic toŮ NATCOS , univ , xai toũ úloŮ, opinie ,
και του αγίου πνέυματος , αμήν νύν και αεί , και και
Eis Tous divas Tõv. cclovov , (worauf das Doll
Amen ! antwortete ). In Jac. Goari Euchol. fehlt
! zwar in råmmtlichen Formularen dieſes dreifache Amenty
und Goar hålt es für unrecht, den Einfeßungs - Worten
etwas beizufügen , was Chriſtus nicht geſprochen habe ; .
aber dennoch ward es bei vielen orient. griech . Kirchen .
Partheien beibehalten . S . Severi de ritibus bapt.
! , et sacrae synax. apud Syros receptis. Ed . Fabr, Bo
der. Antverp. 1572. p. 87 . * ) Auch die Ruſſiſche
Kirche hat die Formel: Im Namen des Vaters ,
Umen ; und des Sohnes, Amen ; und des heto
. .. ligen Geiſtes , amen ! Man vgl.King 's Gebräuche
und Ceremonien der griechiſchen Kirche in Rußland.
Riga. 1773. 4. p. 201. ' .
1. Schon bei den Juden war es gebräuchlich , die doxos ::
logiſchen Formeln mit einem Doppelt . Amen zu be
ſchließen ,wie aus Pf.41, 14 . Pf. 72, 19. 89, 53. u . 4. ?
* zu erſehen iſt. 26 fie auch das dreifache hatten , iſt ?
zweifelhaft ; aber gewiß iſt, daß die Chriſten daffelbe in
Beziehung mit der Dreieinigkeit regten . Uebrigens reden : )
die Talmudiſten von einem dreifachen Amén , wels

*) Auch bei den Neftorianern heißt die Formel: Dieſer


werde getauft im Namen des Vaters. Untwort: Amen ! Uno
des Sohnes. Antw . : Amen ! Und des heiligen Geiſtes in
Ewigkeit. Intw . : Umen ! ' S . Upremann ' s orient. Biblios
thek im Ausz, pon 4 . F. Þfeiffer. 2 B . 1777. S . 521.
208 . Fiturgische
ches man beim Gottesdienſte vermeiden müffe. Sie neno
nen das erſte : Amen acceleratum ( Chatuphah
honon i, e. cum
.
brevissimo et accentu in ultima :
amen ); das zweite : Amen amputatum (katu
phah , tp i. e . omissa in fine littera Nun : Ame) ;
das dritte endlich : Amen örbum s. pupillare
( Jetumah , ibin , d . 6 .wenn man es ohne Zuſammenhang .
s mit einer vorhergehenden Dorologie oder Benediction ,
gleichfam ex abrupto ausſpricht ). Dagegen empfahlen
fie das Amèn prolongatum (Maarich , 7 7ND i. e .
qui diu moratur in pronuntiatione Amen ). Man vgl.
Tractat. Berachot. fol. 47 . Jo. Henr. Othonis
Lexicon Rabbin . p . 31. Jo. Buxtorf Lex . Rab. f.
- 169. Casp. Calvoer rituale eccles. T . I. p . 479
* 80. Jo. Bona de div. Psalmodia c, 16 . p. 563- 65 .

. Vom Lestern (Amen prolongatum ) findet man auch


in der kirchlichen Pralmodie und Hymnologie Spuren .
Calvoer rit, eccl. I. p. 480. fagt hierüber : „ A Ju
daeis
daeis etiam promanasse videtur, quod Amen,non tarde
saltem pronuntiatur , sed quod tam prolixis notularum
Musicarum ambagibus, ubi canitur , protrahitur , uti
apud Nostrates cumprimis fit , ubi Credo ceu vocant,

in Sachſen bis auf den heutigen Tag,úblich . Das lange


Umen im ſogenannten großen Glauben , in der Litanen
und in dem Liede : Ew 'ger Gott vol Majeſtát u. f. w .
wird durch mehrere Lakte hindurch und eolorirt geſungen .
Dieſelben vévuata , wie fie die Griechen nennen ( von
véoudi oder veŪuau is e. redeo , wurden auch beim
Halleluja angewendet ; und es ſcheint, daß Gregor d . Gr. : ' .
diere Modulationen zuerſt im Dccident eingeführt habe.
. . . ormeln. ,

.
.
Halleluja . 1
1 . Die von Anselmus Cantuariensis ( Com .
mentar. in Apocal. c. 19.) aufgeſtellte Hypotheſe : daß
Halleluja ein Engel: Wort (angelicum ) fen und aus
i keiner menſchlichen Sprache vollſtändig erflårt werden
könne, - iſt wenigſtens viel origineller und geiſtreicher,
als die reltfamen , cabbaliftiſchen Herleitungen und Dette
tungen von Germanus ( Biblioth . Patr. ed. de la
Bigne T . IV . p . 676 .) , Turrecremata ( in Regul.
Bened. c. 72. ), Durandus ( ration. divin . offic. lib .
IV . C. 20. ) u . a . Sie hångt mit der Meinung von
Beda Vénerab. (Homil. in Dom . post. Adscens. ),
Alcuinus (de div , off, de celebr. Missae ) , Kuper
tus Tuitiensis (de div, off. lib. I.c. 35. ) u . a . qua
fammen , daß das im N . Ei, fonſt nirgends , als Apokal.
R . 19. vorkommende Ananovic aus dem Himmel ab .
ſtamme. Uuch Bona (de div. Psalmodia. C . 16 . )
führt ſie kurz mit folgenden Worten an : „ Ex Apoc. XIX . : : :
cognoscimus , in novam Christi ecclesiam e coelo de
scendisse hoc canticum Alleluja. “ Daher hielt man
auch für unpaſſend , irgend cine. Ueberreßung dafür
ū brauchen , * ) . ; . .
Ganz unverkennbar aber iſt die Abſtammung aus der
altteſtamentlichen Pralmodie und jüdiſchen Synagoge.
Uber bemerkenswerth iſt es , daß außer dem Pſalter im

*) Xud, die evangeliſche Kirche hat das Halleluja in den Colles


cten und Reſponſorien , fo wie in mehrern Kirchen : Liedern ,
3. B . . Shrift i ft erſtanden ; debt Shriftus , was
bin ich betrů bt II. f. w ., beibehalten . Auch in der alten
Liturgie der Engliſchen Kirche war daſſelbe ; doch hat man
ingeführt. Opsorio: The . Praise y
ſpåterhin die Ueberſegung : Praise ye the Lord ! mit
dem Responsorio : The Lord ' s name be praised !
eingeführt. S . Bingham . Orig. lib . XIV . c. 2. 3. 4.
Fünfter Band.
✓ 210 . . Liturgifche . .
21. Z . fonſt keine Spur davon vorkommt, und daß bloß
- - in den Apokryphen B . Lob. K . XIV , 21. : in allen
Straßen ( Jeruſalem ' s ) wird man Halleluja
ringen , derfelben erwähnt wird. Auch im Pſalier iſt
es cigen , daß erſt von Pf. 103. an der Halleluja . Ser
brauch vorherrſcht , und daß man es früher und einen
einzigen Fall ausgenommen ) nirgends da findet , wo das
im Pfalter 71mal vorkommende Selah 0 ( o, von den
LXX immer durch diowałucc ausgedrückt ) ftehet. Daß
in der chriſtlichen Liturgie das Wort Selah nicht vora
kommt, rührt wohi bloß daher , daß man es für eine
Nota musica hielt. Dagegen findet man bei den Con
stit. Ap. II. c. 57 . August. Opp. T. VII. p. 5. seqq.
Sozom . hist. eccl. lib . VIII. c. 8 . u . a . die Wörter':
ÚTÓWahua , ' didwanua , dupoTELEUTLOV , ¿noda ,
èqúuviov und dergleichen , welche alle ſynouym find und
das hebr. Selah ausdrücken ſollen .,
Vorzugsweiſe wurden die Pralmen 113 118
das große Hallel ( oder Hillel , 58730 560 ) genannt
und bei der Paſſah - Feier abgeſungen . Hierauf beziehet ſich
auchMatth. XXVI, 30 ,wo das úuvnouvTES allerdings auf
jenes 55.0 gehet ; weshalb auch mehrere Schriftſteller den
Halleluja . Gebrauch durch Chriſtus ſelbſt und die Apoſtel
beſtätiget finden . Daß man dieſe Auffoderung zum lobe
Gottes in ihrer urſprünglichen emphatiſchen Sprache bei.
behalten müſſe ,war die Meinung der meiſten alten Schrifta
ſteller. Man f. Dionys. Areopag . de hierarchia eccl.
c.' 4 . Gregor. Nyss. tractat , de inscr. Psalmor. c. 7 .
Opp. ' T. I. p . 306 . Augustinus (Expos, in Ev. S.
Joann . vgl. Sermon , de temp. serm . 151. u . a . ) ſagt:
„ Laudes nostrae Alleluja sunt. Quid autem est
Alleluja ?. Verbum est Hebraicum : Alleluja , lau
date Dominum ;, Alleluja , laudate Deum . Canemus,
et invicem nos excitemus ad laudandum Deum , nec
non corde melius quam cithara dicimus , laudes , Deo
canamus Alleluja , et quum cantaverimus , propter in
informel n . . 211

firmitatem recedimus, ut corpora reficiamus. “ Nads


" Isidorus Hispal. ( Orig. lib . VI. C. 19 . de div . offic.
p. 142 . iſt das Wort ſeiner Würde und Heiligkeit wegen
beibehalten worden . Seine Worte find : „ Quae duo
verba : Amen et Alleluja , nec Graecis , nec Lati
nis , nec Barbaris licet in suam linguam omnino trans
ferre , vel alia lingua annuntiare. Nam quamvis in
terpretari possint, propter sanctiorem tamen auctorita
tem servata est ab Apostolis in iis propriae linguae
antiquitas. Tanto enim sacra sunt nomina , ut etiam
Joannes in Apocalypsi refert, se spiritu revelante vi
disse et audivisse vocem aquarum multarum et toni
truum validorum , dicentium : Amen et Alleluja:
ac per hoc sic oportet in terris utrumque dici , sicut in
coelo resonant. “ :

Nach einem ausdrücklichen Zeugniſſe Gregor' s


8 . Gr. ( Epist. lib . IX . ep . 12. p . 940. ) ſtammt der .. ."
gottesdienſtliche Gebrauch des Halleluja aus der Kirche zu
Jeruſalem , wo derſelbe hauptſächlich für die Oſters
Feier , und die Zeit von Dſtern bis Pfingſten , oder die
Quinquagesima, beſtimmt war. Dieß nahmen auch die
übrigen Haupt - Kirchen , beſonders im Occident , 'an .
- Und es blieb dicß immer die Regel , obgleich man es zu : -
weilen auch zu andern Zeiten anwendete. Au guftinus
( Epist. 119. ad Jan. c . 17 . ) ſchreibt: „ UtHalleluja
per solos dies quinquaginta cantetur in ecclesia , non
usque quaque observatur. “ Derf. Ep. 86 . ad Casul. : '
i , Alleluja etiam in aliis diebus cantatur alibi átque
alibi, ipsis auteni Quinquaginta diebus ubique. “ Vgl.
Hieronym . Praefat. in Ps. 50 . : „ Numerum quin - .. .
quagesimalem laeti celebramus post Domini resurre
ctionem . - Laus dicitur Deo : Alleluja cantatur. « .
Daß aber Hieronymus hierbei auf keine ſtrenge Regel ,
hielt , erſieht man daraus, daß er die Meinung des Visa
gilantius ( exortus est subito Vigilantius , qui dicat,
fit ur gifche
nunquam , nisi in Pascha ,. Halleluja cantandum . S .
Hieron. contra Vigil. c. 1.) tabelnd anführt.
In den ſpåteren Zeiten aber hatte ſich in Anfehung
des kirchlichen Gebrauchs dieſer Formel zwiſchen dem
Drient und Occident ein Unterſchied gebildet, welchen ich
nicht fürzer und treffender, als mit den Worten Wern sa
dorf' s (de form . vet. eccl. psalmod. Hallelujah. Vi
teb . 1762. 4. p. 21. ) anzugeben weiß : „ In Graeca
ecclesia est Hallelujah moeroris , compunctionis , devo
i t ionisque argumentum : ideoque illud in luctu potissi
mum frequentatur ac saepius iteratur. Latinis contra
est canticum laetitiae, ex Christi reditu in vitam per
ceptae : quo cantico tum omnibus dominicis et festis,
tum praecipue Paschalibus diebus , templa eorum per
sonant.“ Daß anfangs auch in Occident das Halleluja
, in den Missis pro defunctis gebräuchlich war, erfieht man
aus der Liturgia Mozarabica et Gallicana. Vgl. Hug.
Menardi Not,ad Sacrament. Gregor. M . Opp. T . III.
P. I. p. 480. Seit Gregor's Zeiten aber fing man an ,
daffelbe wegzulaffen. · So bemerkt Amalarius ( eccl .
offic. lib . III. C. 44.) : „ Missa pro mortuis differt a
'consueta missa , quod sine Gloria et Hallelujah et pacis
osculo celebratur. - - Gloria et Hallelujah suavita
tem et laetitiam nostris mentibus inculcant. “
Indem aber die Griechen nicht nur bei der Todtens
Feier , rondern auch beim öffentlichen Gottes . Dienſte in
der Udvend8 - und Paſſions - Zeit das Halleluja beibehiels
ten , veränderten ſie keinesweges den Begriff deſſelben
( Freude und Lobpreiſung Gottes ) , ſondern bchaupteten
nur, daß es dem Chriſten anſtändig ress, gerade in dieſer
. . Zeit zu beweiſen , daßman Leiden und Todt für Uebergang
zur Freude zu halten habe, und daß die Kirche bei rola
chen Gelegenheiten einer beſondern Auffoderung zum kobe
Gottes , welcher durch keiden und Lodt verherrliche', bes
dürfe. Man vgl. Jac. Goari Eucholog. Graecor. p .
/

Form ein. 213


m, 541 und Heineccii Abbildung der alt- und neugrie-
chiſchen Kirche Th. III. S. 452. Niemand wird läug-
nen, daß auch hierbei eine würdige Anſicht zum :Grunde
liege.
ſ A

Daß die Lateiner ſchon im V. Jahrhundert vom An


:
I
fange der Quadrageſimal - Faſten bis zum Sabbatum
magnum das Halleluja unterließen, erſieht man aus
August. Enarrat. in Ps. 1 18., wo es heißt: „Instituta
Y.
est nobis celebratio duorum temporum ante Pascha et
.
post Pascha. Illud, quod est ante Pascha, significat
F tribulation em, in qua modo sumus, quod vero
Cº. -
ziunc agimus, post Pascha, significat beatitudi
1. nem, in qua postea erimus. – – – Propterea
i.
illud tempus in jejuniis et orationibus exercemus, hoc
u vero tempus relaxatis jejuniis in laudibus agimus: hoc
. est enim Halleluja quod canimus.“ Seit Alexan
: der II. (im XI. Jahrh.) wurde am Sonntage Septuage
sima das Halleluja förmlich quiescirt. Man ſagte: de
ponitur s. clausum est Halleluja; ja, im XIII, Jahrh.
war es in Frankreich ſogar Sitte, an gedachtem Sonn
tage dem Halleluja ein ſolennes Leichenbegängniß zu halten
(sepelitur Halleluja). Ein ſolches wird in der Schrift:
Varietés Historiques Vol. III. p. 16o. ausführlich be
ſchrieben, woraus Wernsdorf I. c. p. 25 – 27.
einen Auszug mitgetheilt hat. Es wurde dabei völlig ſo,
wie bei den Erſequien verfahren, und ein feierliches Tod
ten-Amt gehalten. Es lautete dabei das:
Oremus: -

Deus, qui nos concedis Allelujatici Canticidedu


cendo solemnia celebrare: da nobis in aeterna beatitu
dine cum Sanctis tuis Alleluja cantantibus perpetuum
feliciter Alleluja posse cantare. Per Dominum etc.
Hierauf folgte der Hymnus:
Alleluja dulce carmen,
Vox perennis gaudii.
fait ur girche

Alleluja laus suavis,


Est choris coelestibus,
Quod canunt Dei manentes
In domo per saecula.
In Anſehung der Advents , Zeit war man ungewiß ,
indem , nach Gavanti Thesaur sacr. rit. Ed. Merati
T . II. p. 820., dieſe Zeit eben ſowohl der Freude , als
der Trauer gewidmet regn konnte. Dagegen verordnete,
wenigſtens für Spanien , das Concil. Tolet. IV . c . 10. ,
daß am 1 . Januar ( Kalendis Januarii ) das Halleluja
w propter errorem gentilitatis “ unterbleiben müſſe ,
was mit der uralten Sitte , das Neujahr als Tag der
Trauer (wegen Aberglauben und Goßen - Dienſt) zu be..
gehen , rehr genau zuſammenhangt. i .
In der proteſtantiſchen Kirche iſt hierüber keine
allgemeine Regel aufgeſtellt worden ; doch iſt es Sitte,
fich hier an den Gebrauch der römiſchen Kirche anzuſchlies
Ben . Wåhrend der Paſſions • Zeit, und bei Begråbniſſen ,
fo wie an den Buß . Eagen , Tchweiget bei den Collecten und
Intonationen das Salleluja . Dagegen fommt in mehrern .
alten Oſter , kiedern , außer Halleluja , auch xúpie
ềhencov vor. Hierůber ſagt Wernsdorf 1. c. p . 30.:
„ Nostra ecclesia toto anno psallit Hallelujah , exceptis
Quadragesimalis jejunii diebus , nec morosa in rebus,
quae indifferentiam habent, canit hymnos Paschali in
festivitate , qui voculam : Kyrie eleison poeniten
tiam tristem laetae voci Hallelujah admixtam habent.“
Vgl. Calvo er ritual. T . I. p . 502. Dahin gehört
Luther's . Lied : Jeſus Chriſtus unrer Seiland,
wo jede Strophe mit Kyrie Eleiſon Pihließt. In dem
von Luther überfekten Liede : Chriſt iſt erſtanden
von der Marter , kommen beide Formeln zugleich vor.
Das alte Lied : Ulſo heilig iſt der Tag , welches i
dem Fortunatus Pictaviensis zugeſchrieben wird und in
Breviario Romano unter den Dſter - Hymnen ſtehet, bat .
* * S OSM ( 11. .
urſprünglich Kyrie eleison nicht, wohl aber in der teuta
ſchen Ueberſegung, welche von Schirmer Herrühren
foa.
; Nach mehrern Zeugniſſen der alten war Halleluja
auch außer dem Gottesdienſte ein viel gebrauchter, froher
Ausruf. Schon das gehöret bieber , was Sozom ,'hist.
eccl. lib . VII. C. Ig. von der bei den Römern gebräuchs
lichen Beſchwörungs . Formel: „ So wahr ich das
Halleluja su hören und zu fingen hoffe!"
berichtet. Ferner was Hierony in u 8 ( Epist. 27. ) .
von der Sitte crzählt, den Kindern in der Wiege das ſüß.
tónende Halleluja vorzufingen und fic zur Ausſprache
deſſelben zu gewöhnen . Derſelbe ( Epist. 18. ad Mar
çellum . ) meldet, daß das Landvolk um Bethlehem herum
fromm und froh ren . Er ſagt unter andern : „ In Christi
- villa tota rusticitas est. Extra Psalmos silentium est.
Quocunque te verteris,arator stivam tenensHallelujah
decantat. Sudans messor Psalmis se avocat; et curvą
attondens vites falce vinitor aliquid Davidicum canit.
Haec sunt in hac provincia carmina , hae , ut vulgo
dicitur , amatoriae cantiones. “ Endlich ertånte das
: Halleluja auch aus dem Munde der Schiffer. Hiervon
fingt Sidonius Appollinaris (Epist. lib . II.
:: ep. 10. ) :
Curvorum hinc chorus helciariorum ,
Responsantibus Halleluja ripis ;, ; .
Ad Christum levat amnicum celeusma.
Sic , sic psallite nauta et viator !
Das enólich Halleluja auch im Kriege als Feld:
Geſchrei , Schlacht Ruf und loſungs - Wort gebraucht
wurde (wie bei den Túrken : Allah ! oder La ilahe illa
Allah !) , hat Polydorus Vergilius ( de rer. in
vent, lib . 3 . ) angeführt , und Wernsdorf 1. c. p.
21. durch mehrere Zeugniſſe beſtåriget.
. Eiturgische .
i III. ':
Hosianna!

Wenn gleich einige Kirchen : Lehrer dieſen Ausruf ,


richtig deuten , ro kann man doch mit Recht behaupten ,
Daß die ganze alte und neue Kirche, indem ſie ihn als
einen Siegess und Freuben Ruf erklärt, mit szalleluja
fir gleichbedeutend hålt und in die Doxologie aufnimmt,
gegen den richtigen Sprachgebrauch verſtößt und dem
Worte eine Bedeutung unterleget, welche es urſprünglich
nicht hat.
Das Wort :N o ns fommt im ganzen A . .
nur einmal und zwar Pr. 118 , 25 . vor, ipo es die LXX .
durch : W xúpie 6bcov dn (nach Luther : Herr hilf ! )
überlegt hat. Es iſt aber bemerkenswerth , daß dieſer
Pfalm den Beſchluß von dem großen Hallel macht ;
und daher iſt der Gebraud, dieſer Formel in den Stellen
Matth . XXI, 9 . 15. Marc. XI, 9. 10 , und Joh. XII,
13. , wo von den feierlichen Einzuge Chriſti in Jeruſalem
die Rede iſt, am natürlichſten zu erklären . Uebrigens
wird hier nicht, wie gewöhnlich , die 'alexandriniſche
Ueberregung , ſondern der Driginal - Text (nach der üblis
chen Ausſprache ) woavva , wozu der Beiſatz : XV ÚML
OTOLS kommt, angeführt. Daß es aber Citat aus jener
Stelle , und nicht ein ſyriſcher oder arabiſcher Ausdruck
rey , * ) beweiſen die beigefügten Worte : &vhoynuévos
o čexóuevos Šv ovouatı xvpiov. Hieraus folgern

*) Die Syrer haben freilich auch die Formel : A uis channo


und brauchen für den Sonntag Palmarum die Benennung :
Ido Auschanne i. e . festum Hosiannarum , vgl. Asse.
mani Bibl. Or. T. I. p . 36. T. III. p .83, Ephraem Syr.
Opp. T . III. p . 209. 1 .' a . Llein das Wort ſelbſt iſt ihrer
Sprache fremd und ſie haben es , wie viele andere , aus dem
Gricchiſchen aufgenommen .
Somel

Hieronymus , Auguftinus u. a., daß dieſer Ausdrud übera


all in ſeiner Driginal . Sprache und in keiner Ueberſegung
gebraucht werden müſſe. Die lateiner führen eis ſtets
Osanna , feltener Osiannà an, obgleich Hierony .
mu $ (Epist. 145 . ad Damas. ) zeigte , daß es nach dem
Sebräiſchen richtiger H 0.8ia ana (Hoschiah - na )
- heißen müſſe. * )
Origenes (Commentar. in Matth . T . I. p. 438 .
ed. Colon. ) iſt der erfte , welcher die richtige Deutung
hat: owcov on. Hieronymus erklärt es gleichfalls
richtig durch : Salvum fac, obsecro , oder salutem prae
sta ! Aber ſchon Sheophylaft führt eine doppelte Er.
klärung an , wiewohl er,der richtigern den Vorzug giebt.
Seine Worte ſind : To woavyce xãta uầv tivas on
μαίνει σώσον δη , κατά δέ τινας σημαίνει ύμ
Nov Narv xoxiTTOV TO TETOV. S . Theophyl.
Comment. in Marc . c. XI. p . 252. cf. in Matth. XXI.
p. 121. Auch einige Andere fchwanken ; aber die entge .
gengeſeßte Meinung vertheidiget Suidas Lex. T. II.
p. 768. ed. Küst. Woevvd. dóta vonuaivet. Kai
gão ános èvèyyetorns héyal čipnun To vigo Japid ,
!

kai ó Étepos : došQ T via sasid . WOTE TO Woavva i


došav, onuaivel. Ilaga Tolol de coov on , ov%
optos. Dagegen bemerkt'aber Wernsdorf (de prece :
Hosianna in Liturgia Graece et Latin . Viteb. 1765 . 4 .
p. 8 .): „ Errat Suidas, apud solum enim Lucam XIX .
38. legitur : sienvn &V Tớ oúpavo , nai dotce šv úvé
OTOIS. Id quod praeter Hosianna acclamatum fuit
Christo. "

*) Der einfachſte Erklärungsgrund für den Gebrauch des hebr.


Uusdrucs liegt wohl in der Feier des E a ub hů tteno
: fe ft e B bei den Juden , nach 3 Moſ. XXIII,
39 – 42 .
218 : & iturgische
· Die älteſte Spur von dieſer Formel in der chriftlix .
chen Kirche kommt Euseb . hist. eccl. lib . II. C. 23. vor,
wo aus Segeſippus der Märtyrer - Todt des Jakobus bes -
richtet wird. Hier heißt es : nowy dotaGOVTOV ŠTEL :
τη μαρτυρια του Ιουκωβου και λεγοντων ωσαν
9. % 0 1 0 4 đ 8,e ở q. t ; pobei tº jebook
zweifelhaft bleibt, ob dieſer Zuruf auf Chriſtus , oder
Jakobus zu beziehen iſt. S . Valesii annotat. ad h . l.
Dennoch ſcheint ſchon hier das Wort als dofu , oder als
TTIVIxlov genommen 21! reyn . Der erſte liturgiſche Ges.
brauch iſt Constitut. Apost. lib . VIII. c. 13. p . 409. ed .
Cotél. , wo man es in Verbindung mit der großen Doros
Iogie : είς αγιος, εις Ιησούς Χριστος εις δοξαν
EOV ?tat pos u . r. w . in Verbindung gefeßt findet. Eben
ſo iſt es auch in der Liturgia S. Chrysostomi, in Goari :
Eucholog. Gr. p . 76. 135 ., wo ſich Goar der Benennung :
hymnus triumphalis bedient. Daſſelbe geſchieht
auch in den abendländiſchen Liturgien . Es wird,faſt ohne
Qusnahme für eine Doxologia , gratiarum actio ú . f. w .
und nicht für ein Bitt . Sebet gehalten . Die Feier des
Palm : Feſtes (Païwv ) , welches vorzugsweiſe Fe
stum Hosiannae hieß , rcheint am meiſten dazu beiges
tragen zu haben , das Wort als eine Ovatio und laeta
acclamatio zu brauchen .
Auch in mehrern Kirchen - Liedern der Proteftanten
kommt Hofiann á als Gruß. und Freudens . Formel vor,
*. B . in Benj. Schmolte ' s Liede : Hoſianna
David ' s Sohn ! sc. Ferner in dem Liede : W achet
auf, ruft und die Stimme; und: Wie rchó n
leuchtet der Morgenſtern u . F. t . 26 in Luther's
Liede: Vom Himmel hoch da komm ' ich ber u .,
das Sufannine ſo viel als Horianna rey , oder den
Son eines Wiegen : liedes (von Susen , ſchlafen
und Ninne, Sind , alſo : Schlaf', Stindchen , ſchlaf" ;
11. . iv . ) ausdrücke , war immer zweifelhaft. : S .
Formein. ' ; 21

Schamelii Lieder s Conimentar. S . 124. Unſchuldige


Nachrichten . 1744. S . 744. Wernsdorf l. C..
p. 19. 18.

s i : IV . ,' . . ! ;
. . . .; Kyrie eleis on ! !
Obgleich der um Sülfe flehende Ausruf: Kúpie
dénoov (miserere mei!) - ſchon bei den Profan -
Schriftſtellern vorkommt, * ) ro würde es doch ein Um .
weg reyn,wenn man den kirchlichen Gebrauch deffelben da.
her ableiten wollte , indem der Sprachgebrauch des A .
und N . D .weit nåber zum Ziele führt. Im A . L. fommt ,
die Bitt . Formel : Ons : dénoov us ó O &os,
fehr håufig vor , beſonders in den Pralmen , theils in Ben
ziehung auf Sünden - Vergebungi theils um Abwendung
allgemeiner Noth. Man vgl. Pf. 51, 1 . Pf. 123, 3 . 4 . d . . .
Auch im N . . iſt das héngov ue , Kúpie , vil dc - .
Buð und åkéndov .nuãs der gewöhnliche Zuruf, womit
fich die Leidenden an Jeſus wenden . S . Matth . 15, 22 .
9 , 27. 20, 30. u . a . Und diefer Sprachgebrauch ging
um fo mehr in die chriſtliche Kirche über , da ja die vors
züglichſte Abſicht des Cultus dahin ging ' dein Menſchen
Vergebung der Sünden und Gottes Gnade zu erfléhen .
Wenn man einer Nachricht des Nicephorus
(Hist. eccl. lib . XIV . C . 46 . ) Glauben beimeſſen dürfte,

. Nach Epicteti Enchirid. lib . II. C. 4. fagte fchon Urriaa


nus , der Prieſter der Ceres und Proſerpina : Tòv Beov tri- . .
καλούμενοι δεόμεθα αυτούς κύριε ελέησον, επίτρεψον , •
fiOL TEELTETV. Uuch Virgil. Aen . XII. v. 777. heißt es : . .
- Faune , precor , miserere mei!
wo dieſes Miserere mei völlig im driſtlich : kirchlichen Sinne .
genommen ift.
220 . Eitur gif at '

fu wåre in Folge eines Wunders“bei dem großen Erbi . .


i beben zu Konſtantinopel unter der Regierung Theodofius .
d . J . , der firchliche Gebrauch des touodylov und des
' XÚQle elencov vom Biſchoff Proclus für Konſtantinopel,
und rodann vom Kaiſer für’s ganze Reich verordnet wors
den . Allein dieſer Schriftſteller hat ro wenig An=
ſehen , daß man gegen eine ro unwahrrcheinliche Behaus
ptung billig miftrauiſch reyn muß. Beide Formeln waren
weit früher im kirchlichen Gebrauche und 'befinden ſich
fchon in der Liturgie des Jakobus in der apoſtoliſchen
Conſtitutionen . Entweder muß man annehmen ( da das
Ganze für eine Erdichtung zu halten , zu voreilig wåre) ,
daß in Konſtantinopel dieſer Gebrauch eine Zeitlang untece
Laſſen war, und jest , gleichſam durch die Warnung einer
Stimme vom Simmel, von neuem eingeführt wurde ;
oder es beziehet rich bloß auf die Verbindung des Triſas
gium 's , oder der Dorologie, mit dem núpte élénoor
auf eine ähnliche Art, wie man das Halleluja mit dem
Sofianna verband , um Freude und Schmerz, Lob und
Bitte zugleich auszudrücken . '
Nach Augustin. Epist. 178. beten nicht nur die
Syrer, Armenier und andere Orientalen , ſondern auch
die zum Chriſtenthume bekehrten Gothen das Miserere
Domine in ihrer eigenen Sprache. Dennoch iſt es zur
Regel geworden , auch dieſe gottesdienſtliche Formel in der
griechiſchen Sprache beizubehalten . Als Grund hiervon
findetman (nach B ona rer. liturg. lib . II. c. 4 . u . a .)
in Gávanti Thesaur, sacr. rit. T . I. p . 80. ( ed. Me
rati ) Folgendes angegeben : „ Non est autem mirum ,
si graeco , nec non hebraeo idiomate utatur La
tina Ecclesia in sacris mysteriis peragendis , sicut facit
proferendo has voces hebraicas: Amen , Alleluja ,
Sabaoth , Osanna : id enim ita institutum est , ut
ostendatur , unam esse ecclesiam , quae ex He
braeis et.Graecis primum , deinde ex Latinis coadunata
Formein . in 221

est : vel quia mysteria nostrae fidei et sacra liturgia, ,


tribus hisce linguis ab Apostolis eorumque immediatis
successoribus conscripta vel saltem celebrata fuerit :
quae quidem liguae in Titulo Crucis quemadmodum
consecratae sunt; et sicut cruentum Christi sacrificium ,
tribus hisce principalioribus linguis omnibus nationibus
fuit manifestatum : ita congruuin omnino est, ut etiam
in ejusdem Salvatoris sacrificio incruento celebrando,
easdem tres principaliores linguas adhibeat Ecclesia ."
Schon das Concilium Vasense (oder Vasionen
se ) in Gallien a . 492. can. 3 . ( nach Undern Concil. : :
Vasens. II. a . 529. ) verordnete: „ Quia tam in Sede

liae provincias dulcis et nimium salutaris consuetudo


est intromissa; ut Kyrie eleison frequentius cum
grandi affectu et compunctione dicatur: placuit etiam
nobis , ut in omnibus ecclesiis nostris ista tam sancta '
consuetudo et ad Matutinas, et ad Missas , et ad Ves
peras Deo propitio intromittatur, “ Daher iſt die Bes
hauptung ganz irrig , daß erſt Gregor 0. Gr. das
Kyrie eleison von den Griechen entlehnt habe. Nach
Radulphus Tungriensis ( de canon . observat.
proposit. 23. ) hat ſchon Sylveſter ( der Zeitgenoſſe
Konſtantin 's d . Gr.) daſſelbe von den Griechen entlehnt; ;
und man ſieht nicht ein , warum man diere Angabe für
unrichtig oder unſicher halten route (wie Meratus ad
Gavanti Thesaur. p. 80. meint) , da Amalarius , Wala .
fried Strabo , ſro ' u . a ., welche die Einführung erſt in
Gregor's d. Gr. Zeitalter reken , fich offenbar irren .
Die Veränderungen , welche Gregor 0. Gr. vors
nahm , beſtanden nach ſeiner eigenen Erflärung ( Epist .
lib . VII. ep. 12. lib . II. 63. ) , darin , daß er ein neuns
faches ( novies) Kyrie, von den Prieſtern angeſtimmtund
von dem Volke beantwortet, einführte ; nåinlidh : 1.) Das
. . . einfache Kyrie ; 2 .) Kyrie eleison; 3.) Chri
222 - if it'ur girche

ste eleison . Er felbft giebt die Verſchiedenheit von


den Griechen ſo an : daß bei dieſen Prieſter und Vole
zugleich das Kyrie eleison anſtimmten , und Christe
eleison gar nicht brauchten . Das leßtere geſchah
darum nicht, weil die Meinung war, daß alle Gebete
an Gott den Vater gerichtet werden mußten . Gre
gor aber bezweckte mit dieſer Einrichtung , daß man das
Kyrie nicht bloß auf alle drei Perſonen , ſondern das
Christe eleison vorzugsweiſe auf die zweite Perron bes
Siebe. Dfenbar tebet bie επικλησις του πνευματος
cylov bei den Griechen hiermit in Verbindung .
Die Proteſtanten haben den lebten Punkt mit der
römiſchen Kirche gemein . Hierüber bemerkt Calvoer
rit. Th . I. p. 466 : „ Apud Pontificios hodie ter tantum
Christe , sexies Kyrie; apud nos autem bis Kyrie,
una vice Christe dicitur, et hoc quidem procul du
bio apud nos fit ob trinum personarum numerum in
divinitate.“ Man erſieht auch hieraus , daß man bei
diefen Formeln überall etwas Bedeutungsvolles ſuchte.

Gloria!
Seitden Luther in der teutſchen Merre (1526)
für die boben Feſte vorerſt noch die lateiniſchen Coletten
und Gefånge beibehielt * ), glaubte man auch in den

L ; ) Man vgl. Seckendorf Histor. Luther . lib . II. p. 53 :


„ Lutherus non putat, latinam lingnam penitus abolendam
esse , sed tempore quodam et loco servari posse , ut et
Vitebergae eo usque factum sit , et ut fieri possit liberum
· maneat. “ Bgr. Ibid . p . 55 : ; In festis Natalis Domini,
· Paschatos et Pentecostes, deficientibus cantionis
hus Germanicis, nondum mutari posse Latina notat.“ .
Formel ni 223

ſpåtern Zeiten wenigſtens noch eine Spur davon erhalten


zu müffen . Und dieſe blieb in der noch bis auf den heu .
tigen Tag in manchen Gegenden Deutſchlands an den
drei Haupt. Feſten gebräuchliche lateiniſche Intonation :
Gloria in excelsis Deo ! :
Worauf Chor und Gemeine mit: Et in terra :
pax ! antworten . Ind niemand wird låugnen , daß in
Abſicht auf Euphonie dieſe lateiniſche Intonation vor je.
der Ueberſekung den Vorzug verdiene. Die darauf
folgende Ueberſeßung der ganzen Dorologie rührt von
Johann Spangenberg her , welcher , auf Luthers
Rath , eine Sammlung lat. und teutſcher Kirchen - Gefänge
unter folgenden Titel herausgab : Cantiones ecclesiasti .
cae latinae et theotiscae festis et dominicis diebus prae
legendae et cantandae , additis earum musicis modis.
Magdeburg 1545 . Fol.
. Man glaubte in der evangeliſchen Kirche dieſen Gem
fang um ſo mehr beibehalten zu müſſen , da er das Anſes
hen der alten Kirche in einem ſo hohen Grade für ſich hat.
Kurz und treffend iſt hierüber das von Wernsdorf
(Liturgia Lutherana servans exemplum antiquae et pu
rioris ecclesiae. Exercit. I. Viteb . 1780. 4 . p . 9 . 10.)
gefåute Urtheil : „ Doxologia major , Gloria in ex
celsis Deo , qui est Hymnus angelicus, Grae
. corumque matutinus, quem Hymnium constitut,
Apost. ( lib . VII. C. 47.) jubent: diebus dominicis et
festis uchodcudos cantari , quem omnium hymno

Daher ſagt auch die Upologie der Uugsburgiſchen Confeſſion :


» Etiam latinam linguam retinemus, propter hos,
qui latine discunt atque intelligunt, atque admiscemus
germanicas cantiones, ut et populus habeat quod discat,
et quo excitet fidem et timorem . “ .
t ut aici
224 ļitur gifche
rum , qui cani soleant, in coetibus Christianorum pu
blicis antiquissimum esse Thomas Smthius, (Mis
cellan. Lond. 1686 . 8 . p . 136 . cf. W . E . Tenzelii Exer
cit. sel. p . I. exercit. X .) adfirmat , sub initium sacro
rum publicorum obtinuit, si non prius, at jam saec.
quarto . Eum hymnum post emendata per D . Lu
therum sacra; quum Jo, Spangenbergius trans
tulerit in linguam vernaculam : quidni ab eo cantu
ordinatur cultum divinum Ecclesia Lutherana, quale
ULI

: Nach der allgemeinen Tradition hat ſchon der römis '


sche Borchor Telespherus (gegen das Jahr 126 )
das vollſtåndige Gloria für das Sacrificium missae ange.
ordnet. Cardinal Bona (rer. liturg . II. C. 4 .) aber hat
gezeigt, daß dieß nur von dem einfachen Gloria , 0. 5 .
-bloß den evangeliſchen Worten , ſo wie 'bloß von der
Weihnachts - Vigilie , zu verſtehen ren . Dagegen iſt,
nach Alcuin , Amalarius , Durandus u . a . gewiß , daß
Papſt Symmachu s (im Anfange des VI. Jahrhunderts)
das Gloria für alle Sonn . und Feſt - Tage ( init Uusnahs
me des Advent8 , 008 Festi Innocentium und der Zeit
von Septuagesima bis Aftern ) beſtimmte. Und dieſe Bes
flimmmung iſt auch geblieben , nur mit dem Unterſchiede,
daß man aud) in der Septimanamagna , am Grün . Dons
nerstage und in der Missa Sabbatimagni ( quia proxima
est resurrectio Salvatoris et quia pax data est renatis .
fonte baptismatis) das Gloria brauchte.
. Daß ſchon im fiebonten Jahrhundert das vollſtåna
dige Gloria vorhanden war, zugleich aber auch als eine
ſpåtere Erweiterung betrachtet wurde, erſiehet man am
deutlichſten aus dem Concil. Toletan. IV. ( a. 633.
can . 12. ), wo es heißt: „ Reliqua , quae sequuntur
post verba Angelorum , ecclesiasticos doctores
composuis s'e , quicunque illi fuerint. “
Nach Meratus (ad Gavanti Thesaur. T . I. p. 81 )
bat Gregor 8 . Gr. in Anſehung der Geiſtlichen eine Bes
ſchränkung eintreten laſſen . Er ſagt hierüber : „ Obser
vandum tamen est, quod si constitutum Symmachi ad
omnes Presbyteros extendatur , dicendum est , sanctum
Gregorium illud restrinxisse ad solos Episcopos. Missae.
enün Ordinem in libro Sacramentorum describens, ait:
Item dicitur Gloria in excelsis Deo , si Episco
pus fuerit , tantummodo die Dominico sive diebus fe
stis ; a Presbytero autem minime dicitur, nisi in solo
010
Pascha : quando vero Litania agitur , neque Gloria
in excelsis Deo, neque Alleluja canitur.“ :
· Auch in Anſehung dieſes Punktes war in der luthea
riſchen Kirche eine verwandte Einrichtung. In den Såch .
fiſchen Herzogthümern mußte der General- Superintendent,
welcher fonft von allen liturgiſchen Functionen , welche
man unter der Benennung des Diakonire n’ s zuſammen
faßt, eximirt iſt, an den drei hohen Feſten , den Haupts
Gottesdienſt am erſten Feiertage mit dem Gloria in :
excelsis Deo feierlich eröffnen . Ich ſelbſt erinnere
mich noch aus meiner Jugend , daß der General - Supers
intendent Stoljel zu Gotha das Gloria mit ſeiner
ſchönen Senor · Stimme auf eine höchſt anziehende Urt
anſtimmte. Sein Nachfolger Koppe ſchaffte diere .
Sitte ab , wahrſcheinlich hauptſächlich deswegen , weil
er burchaus nicht fingen konnte. Das Volk war damals
mit dieſer Veränderung ſehr unzufrieden , hat fich aber in
der Folge um ro eher daran gewöhnt, da bald nachher
die Periode eintrat, wo der Zeitgeiſt auch hier ro měchtig
wirkte , daß man in einer Amts . Kirche oft nicht ſo viel
:

Zuhörer fand , als ſonſt in den Wochen - Kirchen und Bets


Jiunden , und daß legtere geraume Zeit fogar ganz einges
ſtellt werden mußten ! . ;

Fünfter B .ind.
226 ... Die utgifiche
1 VI. ; .

Ueber die Gruß - Formeln : Dominus vo .


' i' biscum !, und Pax vobis!
:. Die erſte Synode zu Braga (in Portugal) im Jahre : :
561 ( Concil. Bracar. I. can. 21 . Harduin. T . III, p.
352) feßt Folgendes feft : „ Placuit , ut non aliter Epi
scopi et aliter Presbyteri populum , sed uno modo
salutent, dicentes : Dominus sit vobiscum ; .
sicut in libro Ruth legitur, et ut respondeatur a popu .
lo : Et cum Spiritu tuo! sicut et ab ipsis Apo
stolis traditum , omnis retinet Oriens, et non , sicut .
Priscillina pravitas , immutavit.“ Cardinal Bona (rer.
liturg. lib . II. c. 5. p. 612.) beſtåtiget die Vermuthung
mehrerer Gelehrten , daß man Occidens ſtatt Oriens
leſen můffe ; weil in der orientaliſchen Kirche dieſe Sitte
nie geweſen ſey . Das lektere hat ſeine vollkommene Rich .
tigkeit , und deshalb muß man entweder dieſe Uenderung
vornehmen , oder einen Irrthum der Synode vorausſeßen .
Dieß würde , bei ſo manchen Eigenthümlichkeiten , welche
die ro oft angefochtenen Beschlüſſe dierer Synode aus.
zeichnen , eben keine zu führe Annahme renn , und aus
der Abficht , den Priscillianiften , welche ſich mit
der orientaliſchen Kirche in Verbindung zu reßen , und die
öftere Wiederholung des : Pax vobis ! vom Birchofe foders
ten , jeden Vorwand abzuſchneiden , erklärt werden
können .

Die Verſchiedenheit der orientaliſchen und occidentas


liſchen Kirche beſteht darin , daß im Orient ſtets die For.
mel: Pax omnibus! ( eionun recol) , und nie Domi
nus vobiscum !" ( O Kúolos ust ' nuwv ) here
geſagt wird. Bloß in der rehr verdächtigen Liturgia
S. Marci findet man die Formel : Dominus sit sem
per cum omnibus nobis! was aller Wahrſcheins
lidhfeit nur eine lateiniſche Interpolation ift. Zur Zeit,
Forme I : ' 927

to pic Disciplina arcani in ihrer ganzen Strenge beſtand,


gehörte das Pax vobiscum ! nur für die Fideles, und
wurde nicht bloß den Bů Fenden und Excommunis
cirten, ſondern auch den Satechumenen verweigert.
Und zwar galt dieß nicht bloß im Drient, fondern auch
im Occident. Daher wird ſtets ſo großes Gewicht gelegt
auf das : Pacem dare tribuere , offerre, ac
cipere, expetere u . f. w . Daher tadelt es Ter.
tullianus ( de praescript. haeret. C. 41) an den
Håretikern ſo bitter : „ pacem quoque passim cum omni- 1
bus miscent.“ Ermeint hier offenbar den Segenswunſch :
Pax vobiscum , wenn gleich auch das Osculum amo:
ris mit darunter verſtanden werden kann , welches die
Catechumeni und Poenitentes gleichfalls nicht empfans
gen durften . Das dieß im vierten und fünften Jahrhun
dert nicht mehr ganz pünktlich beobachtet wurde , ſcheint
aus Chrysost. Homil. III. in ep. ad Coloss. zu erheden" ,
wo von einem dreifachen cionun adoly , welches der
Biſchof beim Anfange , vor der Predigt und bei Ertheis
lung des Segen's ausſpreche , die Rede iſt. .

. Als in der lateiniſchen Kirche die Missa Catechu


menorum ac Fidelium combinirt wurde , machte man
in manchen Gegenden den Unterſchied, daß der Biſchof
die Formel: Pax vobis ! der Presbyter aber : Dominus
; vobiscum ! brauchte. Gegen dieſen Unterſchied war die
fchon erwähnte Bracarenſiſche Beſtimmung gerichtet. Daß
früher auch das Pax vobis ! gebråuchlich war , erhellet
aus Ambros. de dignit. sacerd . c . 5 . 2 . Optat, Milevit. ·
de schismate Donat. lib . 3 . Der Leştere ragt: „ Non
potuistis praetermittere, quod 'legitimum est, utique ..
dixistis : Pax vobiscum ! Quid salutas, de quo non
habes ? Quid nominas , quod exterminasti? Salutas
de pace, qui non amas !“ Es iſt auch nach jenem Synodal.
Beſchluß beibehalten worden , jedoch ſo , daß. man dem .
felben durch einem Mittel -Weg Genüge zu leiſten ſuchte.
· P 2
228 Biturgirche ,
Hierüber ' heißt es in Gavanti Thes. sacr . rit. T . I,
p . 79 folgendermaßen : „ Pontifex vel Episcopus, ut
mox innuimus , in Ecclesia occidentali , quum popu.
Jum salutat prima vice , ante primam orationem , non
dicit : Dominus vobiscum ! sed : Pax vobis!
quia Chrisius Dominus his verbis locutus est ad disci
pulos post suam resurrectionem ( ut legitur apud Joan
ne: n c . XX. ) , cujus typum gerunt Pontifex et Epi
scopus. Verum , ut postea demonstret Episcopus, se
esse de numero caeterorum Sacerdotum dicit, ut alii
Sacerdotes : Dominus vobiscum ! quum alias po
pulum salutat : ita Innocentius III. lib . 2 . de myste
riis Missae c . 42. et hic ritus est conformis canoni
superius allegati Concilii I. Bracarensis. “ .
Ueber den Gebrauch der Formel in der lutheriſchen
Kirche bemerkt Calvoer rit. eccles . T . I. p . 470 71 :
„ In nostris Ecclesiis tum Sacerdos tum Diaconus sa
lutant populuin formula a. Latinis mutuo sumta :
Dominus vobiscum ! - - Haud concinne
proinde Nostrates ad sacerdotis salutationem respon
dere solent: „Und mit ſeinem Geift ! " quin : „ Und
mit deinem Geift !

VII.
über die Ermahnungs : Sprůche: Oremus!
und Sursum corda!

Der Aufruf : Oremus (den güzier ), welcher


nach den Conſtitutionen der Apofiel , in der Regel von
den Diakonen geſchah , hatte reine beſondere Bedeutung
zur Zeit der Arcan - Disciplin , wo es nicht nur verſchie:
dene Claſſen der Betenden (Katechumenen , Energumeneng
Búßende, Gaubige, ALOTOL) , ſonderu auch verſchiedene
forme I n . 229 .
Urten des Gebets ( das ſtide Sebet , T0Oqevyn dice
Olonne', und das laute Gebet, cuxn rquoqovnoEWS
oder itpoopornois ) gab. Es erfolgte auf diesen Jiuf
gewöhnlich der andere (gleichfalls von den Diakonen oder
Eub - Drofonen ) : Flectamus genua ! und julent,
nach Beendigung des Gebets , der Äufruf: Levate !
In dem communicativen : Oremus! oder in der Impes '
· ratio Formel : Orate , impensius adhuc orate ! u . f.M . '
lag die Erlaubniß und Auffoderung zum Gebete für die
verſchiedenen Claſſen der Betendent; und dieß nannte die
alte Kirche: dare orationem , und attendere ad
preces (von dein Zurufe : Attendamus!). Die Alten
hatten dafür eine Menge abwechſelnder und gleichbedeu
tender Formeln , wie wir aus den Conftitutionen der Upo.
ſtel, aus Chryſoſtomus und den ſpätern Euchologien
erſehen .
In den ſpätern Zeiten , wo dieſe verſchiedenen
Verhältniſſe nicht mehr ſo genau beobachtet wur
den , behielt man dennoch den alten . Aufruf bei , theils
zur Erinnerung an die ehemalige Form des Gottess
dienſtes , theils zur Erweckung und Belebung der Andacht. '
Vorzugsweiſe blieb es dabei bei den Collecten, und
bei der Feier des Abendmah18. Und auch hierin
bat die lutheriſche Kirche durch ihr : faßt und ber
ten ! (obgleich in der Regel geſungen wird) ihre
Unhänglichkeit an die alten Kirchen - Gebräude bes
währet.
. Ueber den lézten Punkt hat Calvoer (rit. eccl. I.
p . 472 ) folgende nicht unintereſſante Bemerkung : „ Prae- ' .
mittere soiet sacerdos Collectis : Oremus! Laßt uns
: beten ! Excitatur hoc ipso fidelis populus ad compre
candum devote , neque hoc solum , sed ut populus
quoque sciat , quae sint sua, et quae sacerdotis
solius partes , et quando simul orare, quando vero
sacerdotis functionibus in sacro silentio attendere de . .
230 : & iturgische ;
beat. Legit enim minister ecclesiae, concionatur, con
secrat Eucharistiam , distribuit eam accedente verbo
ad elementum , dimittit ecclesiam cum benedictione,
in quibus coetus collectus non tam se habet active,
quam passive, non simul haec talia cum ministro
peragens, sed recipiens haec sacra potius ab '
eodem , ipsa sacerdotalia mera relinquens. Ast in Col
lectis , quum sint totius Collectae aut coetus preces, .
jungit suam operam populus: quae quo omnia rite ao
ordine peragentur , acclamat sacerdos populo : Ore
mus! Vgl. p. 474 :' „ Quae solemnitas dein a Nostris
ad sacra Dominicalia quin quotidiana ferme fuit trans
lata , aecedente forsan et contrario studio , quo id ,
quod in Romana Communione per Secretellos
reliquamque Disciplinam arcani à populo tegi
... tur, publice annunciatur. “
· Mit dieſem Oremus iſt der Aufruf: Sursum corda !
mit der Antwort : Habemus ad Dominum ! in jeder
* Hinſicht nabe verwandt. Daß diere Formel beim Ju .
ftinus Marty r ,wo die Feier der Euchariſtieausführlich
beſchrieben wird,nicht vorkommt,iſt allerdings zu verwun.
dern ; allein die folgerung , daß fie bloß bei den late is
nern in Gebrauch geweſen wäre,würdeviel zu voreilig reyn.
Schon in den Constitut. Apost. lib . VIII. c. 12. p .403
ed. Cotel, heißt es : Kai ó doxiepeus i vw tov
• νούν. και πάντες · έχομεν προς τον Κύριον
u . r. w ., und zwar iſt hier von der Abendmahls - Feier die
Kede. Nach der gewöhnlichen Meinung gilt Cypria
nus für den Urheber derfelben ; und dieß iſt in ro fern
richtig , als er der älteſte Schriftſteller iſt , welcher dies
fer Formel , und zwar beim allgemeinen Gebete , erwähnt.
Uber die Art und Weiſe , wie er in der Ubhandlung de
oratione Domin . Opp. Th . I. p . 384. ed. Oberth . da :
von redet , zeigt deutlich , daß es nicht ein vor ihm
eingefiihrter, ſondern ſchon långſt bekannter Gebrauch
Forme I 05. · 231

reyn kann. Seine Worte find : , „ Quando autem sta


mus ad orationem , fratres dilectissimi, ' vigilare et
incumbere ad preces toto corde debemus. Cogitatio
omnis carnalis et saecularis abscedat, nec quidquam
tunc animus, quam id solum cogitet , quod precatur.
Ideo et sacerdos ante orationem , praefatione praemis
sa , parat fratrum mentes dicendo : " Sursum corda !
ut dum (al. dein respondet plebs : Habemus ad
Dominum ! admoneatur nihil aliud se quam Domis
num cogitare debere. “ Man muß daher annehmen , daß
dieſe Formel ſchon damals in die karthagiſche Liturgie
aufgenommen regn mußte. "

Beim Cyrillus Hierosol. Cateches, mystag.


V . 9.4 fommt folgende Erklärung vor: „ Hierauf rufet der
Prieſter : die Herzen in die Höhe äva tas xao
días) ! Denn in dieſer -furchtbar- feierlichen (opixode
OTOTIV ) Stunde rou nian wahrhaftig das Herz gati .
Gott, und nicht unterwärts ( XOTO ) zur Erde und zu
irdiſchen Geſchäften gerichtet haben . Es iſt alſo eben so
viel, als wenn der Prieſter beföhle , daß jedermann wah.
rend dieſer Stunde die Sorgen des Lebens und der haus
lichen Angelegenheiten ablegen , und das Herz gen Himmel
zum barmherzigen Gott gerichtet halten ſollte. Dann
antwortet Ihr : Wir haben ſie auf den Serrat
gerichtet ( [xouev noo's Too xúolov ) ? und gebet
zu dieſem Befehle Eure Beiſtimmung. Es ſey alſo Nies ' :
mand, in dem Falle , daß er zwar mit dem Munde rage:
Wir haben ſie auf den Herrn gerichtet ! ſeine
Seele aber mit irdiſchen Dingen beſchäftige. Un Gott
denken , rollen wir zwar immer ; weildieß aber der menſch ,
lichen Schwachheit unmöglich fáut, roiroll man es wenig:
ſtens in dieſer Stunde mit vorzüglichen Fleiße thun. „ Uuf
eine åhnliche Art erklären ſich auch Chrysost.Homil. XXIV .
in 1 Cor. X . Theophylact. Comment, in Coloss. III.
Opp. T. II, p. 6 . 17. u. a. Isidor. Pelus.'Epist. lib . I.
232 ! i turgir che :
ep , 77. ad Dioscur. p. 23. Augustin . de vera relig. c. 3 .
debono perseverantiae c. 13 . 4 . a . i
In den ſpätern Zeiten hat der Gebrauch dieſer
Formel beim heiligen Abendmahle mnancherlei Mißbrauch
und Streit veranlaßt. In einer gelehrten Abhandlung
von Udam Rechenberg (de formula vet. eccles.
excitatoria ad devotionem : Sursum corda! dissert. . .
theol. Lips. 1704 . 4 . §. 26. seqq.) wird gezeigt, daß
im Mittel: Alter dieſe Formel hauptſächlid zur Unters
ſtúßung der Transfubftantiations : febre dico .
nen mußte. Es heißt S. 30 ; Nam in Concilio Late
ranensi anno 1215 ab Innocentio III, P. R . novum
Transsubstantiationis monstrosum dogma con
firmatum fuit ; quo crassissimo errore recepto, novi erro
res mox plures enati, ut panis consecrati indusio , cir
cumgestatio et adoratio . Inde ut populus in Euchari- '
stia ad (aproatoslav excitaretur , formula illa an
tiquae dévotionis ; Sursum corda! huic idololatriae
quoque inservire debuit.“
Ferner wird (S. 32. ff. ) gezeigt, daß Calvin
(Institut. chr. rel. lib . IV . c. 36 ) zwar ganz richtig die
Lehre der katholiſchen Kirche von einer uerovolo Derwera
fe , aber ohne Grund aus unſerer Formel gegen die von
Luther gelehrte napovoid argumentire. Calvin's Worte
find : Quod si hoc sacramenti officium , est, mentem
hominis infirmam alioquin adjuvare , ut ad percipien
dam spiritualium mysteriorum altitudinem 'sursum
assurgat: qui in signo externo detinentur, a recta quae
rendi Christi via aberrant. Quid ergo ? Superstitio
sum esse cultum negabimus , cum sese homines coram
pane prosternunt, ut Christum illic adorent ? Huic malo
proculdubio voluit obviare Nicaena Synodus, quum ve
tuit, nos humiliter attentos esse ad proposita Symbola , nec
alia causa institutum olim fuit , ut ante consecratio .
nem populus alta voce admoneretur: habere sur.
forme 1 . . . 233

sum corda! Ipsa quoque scriptura , praeterquam ,


quod Christi adscensionem diligenter nobis enarrat,
qua corporis sui praesentiam a conspectu nostro cone"
suetudineque subduxit : quo nobis omnem de eo car
nalem cogitationem excutiat, quoties ipsius meminit,
mentibus sụrsum erigi jubet , et ipsum in ' coelo
quaerere, sedentem in Patris dextra.
In der lutheriſchen Liturgie kommt zwar das Sur
sum corda ! nicht beſonders vor ; aber in der Präfation ,
wird in den Worten : daß Ihr Eure Herzen zu
Gott erhebet u . r. w . der Sinn derſelben offenbar
ausgedrückt. In der Liturgie der Engliſchen Kirche aber
iſt in der Ausgabe London 1670 ausdrücklich vorgeſchrie.
ſchrieben : „ ut Presbyter ante cornmunionem sacram
· recitet: Sursum corda ! populus respondeat : Ele
vamus ad Dominum ! “
Fünfter brch ni.tt.

Von der chriſtlichen Pfalmodie


und Hymnologie.

Uug. Iac. N amb a dh ' g Unthologie chriſtlicher Geſänge aus


der alten und mittlern Zeit. Die vorzüglid ſten griechiſchen , la
teiniſchen und altteutſchen Kirchen : lieder, jene zugleich in me
triſchen Ueberlegungen , nebſt einigen die Geſchichre derſelben bes
treffende Bemerktungen enthaltend. Altona und Leipzig.
· 1817 . 8 .
(M . F . Iå 8 ) Pſalmen und Geſänge ber h , Schrift , nebſt den
Hymnen der älteſten chriſti. Kirche, mmetriſch - paraphraſirend
überſeßt. I ). I. II. Frenburg 1817. g. ,
Joannis Bona e de divina Psalmodia ejusque causis , my
steriis et disciplinis , deque variis ritibus , omnium Eccle
siarum in psallendis divinis officiis , tractatus hist. sym
bol. asceticus; sive psallentis ecclesiae harmonia etc.
Edit, nova. , auctior et emendatior. Colon. 1677. 8 .
Mart. Gerberti de cantu et musica sacra etc . Blas. . .
1774 . 2 Vol. 4 .

Pol. Leyseri historia poetarum et poematum medii aevi de


cem post annum a nato Christo CCCC saeculorum . Halae
Magdeb . 1721. 8.
Jo. Fr. Bertram i Musa christiana , seu de poetis christia
nis et eorum lectione. S . Ejusd. Meletemata litter.
Brunsvig . 1781. 8.
· Pralmooie und Hymnologie. 235
Joh. Zach . Hilligeri de psalmorum , 'hymnorum atque
odarum sacr . discrimine. Viteb . 1720 . 4 . S . Thesaur. nov.
theol. 1720. 8 .
Jo. Godofredi Baumanni de hymnis et hymnopoeis vet.
et rec. ecclesiae. Bremae 1765 . 8 .
C . S . Schurzfleisch dissert.de hymnis vet. ecclesiae . Viteb. ,
1685 . 4 . :

J. Ge. Walch de hymnis ecclesiae apostolicae . Jenae .


. 1737. 4 . S . Miscellanea sacra. Amstelod . 1744. 4 . 1 . ,
pag. 34 , seqq.
Jo. Frickii Orat. de sacra carminum divin, hymnodia. 8 .
Male'temata varia. Ulmae 1756. 4 .
Jo. Henr. a Seelen : de poesi chr. non a tertio post
Chr. nat. saeculo demum , sed a primo etiam et secundo
deducenda. Lubecae 1754. 8 . !
Friedr. Můnter: Ueber die älteſte chriſtliche Poeſie. S . Deſſen :
Offenbarung Johannes, metriſch überſert. Zweite Uusg. Stopens i
I hagen 1806. 8. S . 17 – 54.

I I.
Allgemeine Bemerkungen über die chrift
i liche Pfalmodie und Syminologie. .
Wenn man unter der Pralmodie die Benußung der
Pralnien des A . Z . zu öffentlichen Vorleſungen und hoc
miletiſchen und katechetiſchen Zwecken verſtehet , ro gehört
dieſer Punkt unter die Rubrik vom Gebrauch der heiligen
Schrift unter den Chriſten . Und hiervon wird ſpåterhin
unter dieſer Rubrik und von den in dieſer Hinſicht ges
troffenen Einrichtungen in den lectionarien , xalluCTO
u . r. w . zu handeln reyn.
. Sier haben wir uns mit dem liturgiſchen Gebrauch
der Pfalme als Collecten , Gebete und Gefange
zu beſchäftigen ; und in dieſer Beziehung fann die chriſte
236 . P raimooie
liche Pfalmodie (waluodia i. e. mos et ars
cairendi isaimos ) ihre Ubkunft aus der júðiſchen Kirche
auf keine Weife verläugnen . In den jüdiſchen Synagos
gen wurden nur das Gereß ("Thorah , vouos ) und
dic Propheten ( Nebijim , popnta ) vorgeleſen :
und commentirt. Man vgl. Matth . V , 17. luf. IV ,
16. ff. Lut. XXIV , 27. 44. Apoftg. XIII, 15 – 27.
XV , 21. u . a.
: Im N . L . wird ó vouos nal or rooqntal ges
wohnlich ſo genommen , wie bei uns die Ausdrucke : heis
lige. Schrift, Sanon , die Hücher des 4 . und
N . L . u . f. w . .. Dagegen vertreten die Pralme '
( Wodpoi, welche an der Spige der dritten Claſſe helliger
Bücher , genannt Ketubim , dyroyodpal, ftanden )
die Stelle inſers Gerang . Buchs (liber cantionum ).
Ihre vorzüglichſte Beſtimmung aber hatten ſie beim Tem .
pels Dienſt , worüber die Bücher der Könige und
Chronik náhere Auskunft geben .
Auch in der ålteſten Zeit des Chriſtenthumswurden
die Pfalme iminer als Gerånge-gebraucit. Außer den
Stellen des N . T. , worüber ſpäterhin einige Bemerkuns
gen zu machen ſeyn werden , giebt es eine Menge von
Zeugniſſen hierüber. In den Constitut. Apost. lib . II.
C. 57. p. 265. ed. Cotel. heißt es bei der Anordnung
der Bibel. lectionen : " Etępos TIS ( sc. dvapivooxov)
τους του Δαβίδ ψαλλέτω ύμνους , και ο λαός τα
auportixia Unowadaéto . Hier iſt nicht bloß vom
Abringen der Pralmeni, ſondern auch von der Wie.
derholung der Schluß - Worte ( ta dxpo
GTixuc i. e. extrema versuum , nicht aber, wie die alte
lat. Ueberſetzung gan ; falſch hat : initia versuum ) durch
das ganze Volf, die Nede. Die Vorſånger wurden wah
Tal oder waatodai 111. Esr. V , 42., entſprechend dem
onquin , Esr. II, 65. u . a . genannt, wofür Sacrat. hist.
ecel. lib . V . c . 22. inopoñeis , suggestores , pronun - :
tiatores u . r. w . braucht. Zur Erläuterung dienet Basil. M .
• 4 H 8 5 5 m n o 1o 4 ι ε . ' 237 ,

epist. 63.: Και νύν μέν διχη διανεμηθέντες ,


αντιψαλλουσιν αλλήλοις· έπειτα πάλιν επιτρέ
ψαντες ενί καταρχειν του μέλους και οι λοιποί
υπηχούσι . Sozomen. hist. eccl. lib . V . c. 19.:
εξήρχον δε τών ψαλμών τοις άλλοις , οι τού
τους ακριβούντες , και ξυνεπήχει το πλήθος εν
συμφωνία. Serier Diohys. Areopag. de hierach.
eccl. c. 3.: Ο ιεράρχης απέρχεται της Ιεράς
των ψαλμών μελωδίας, συναδούσης αυτή την
• ψαλμικην ιερολογίαν απάσης της εκκλησιαστικής
" , διακοσμήσεως.
.. Uus mehrern Zeugniſſen gebit hervor, daß man
zwiſchen den bibliſchen Loctionen mit Pfalmien - Singen
abwechſelte. Die Synode zu Laodicea ( Concil. Laodi
cen . c. 17.) verordnete, in den gottesdienfilichen Ver.
ſammlungen die Pralmen nicht hinter einander zu ſingen ,
ſondern dazwiſchen Lectionen folgen zu laſſen. * ) Beim
Yuguftinus ( serm . X . de verbis apost. Opp . T.
X . p. 112 .) findet man : „ Hoc de apostolica le
ctione percepimus. Deinde cantavimus Psalmum ,
exhortantes nos invicem una voce, uno corde di

*) Die Sorte: Μη δεϊν συνάπτειν εν ταϊς συνάξεσι τους


ψαλμούς, αλλά δια μέσου καθ' έκαστον ψαλμόν γίνεσθαι
dváyvoow , können heißen : 1.) Man ſoll nicht mehrere Pſalt
me mit einander verbinden . Von einer ſolchen Berbindung
mehrerer Lectior en , wobei man ſich gewöhnlich der Formeln :
• μετα ταυτα , καθ' έξης , seguentia , post illa i . e. verba,
(woraus die Namen Sequenz und Poſtille gebildet wurs
den ) u . T. w ., bediente, kommen bei den Ulten ſehr häufige
Beiſpiele vor. 2.) Man ſoll nicht ganze ( zumal långere).
Pralme hinter einander vortragen , ſondern ſie in Sectionen
abtheilen und dazwiſchen aus dem 1 . und N . I . vorleſen .
"Es iſt wahrſdeinlid unter demn suvántelv beides gemeint.
Die lateiniſche Verſion hat : Non oportere Psalmos in con
ventibus contexere, sed in uno quoque Palmo interjecto
spatio lectionem fieri. ,
· 238 Pſalmodie
centes. Venite , adoremus, et prosternamur ei, et
fleamus coram Domino , qui fecit nos. Posthaec
evangelica lectio “ u . r. w . Bil. ( Serm . XXXIII.
de verbis Domini Ibid. p. 49. )
Einer ähnlichen Procedur finden wir in den Vera
handlungen zwiſchen den Katholiſchen und Arianern in
Gallien vom I . 499 . ( S . Mabillon de cursu
Gallicano p . 399,) erwähnt. Hier wird bemerkt :
„ Evenit , ut ea nocte , quum lector secundum mo
rem inciperet lectionem a Moyse , incidit in ea ·
verba Domini: Sed ego in durabo cor ejus etc.
Deinde quum post Psalmos decantatos recitaret ex
Prophetis , occurrerunt verba Domini ad Chriam
dicentis : Vade et dices populo huic : Audi
te audientes etc. Quumque adhuc Psalmi fuis
sent decantati, et legeret ex Evangelio , incidit in
verba , quibus Salvator exprobrat Judaeis increduli
tatem ; Vaeh tibi Chorazin etc. Denique quum
lectio fieret ex Apostolo , pronuntiata sunt verba
illa : An divitias bonitatis ejus et patien
tiae et longanimitatis contemnis " etc.
Dieſe Stelle iſt merkwürdig , weil wir daraus die Ords
nung und Folge der bibliſchen Lectionen , und die Art und
Weiſe, wie man von den Pſalmen Gebrauch machte,
erſchen .
Ueber die bei den Alten nicht ſelten vorkommende
Benennung: Psalmi responsorii ( oder auch im
Neutro : Responsoria ) , giebt es verſchiedene Erklås
rungen . Sie können dieſen Namen , entweber von der
Wiederholung der Stropjen durch das Volt, haben ; oder ,
weil wenigſtens das Volk die Schluß . Worte wiederholte
und mit einem Unen ! oder der vollſtåndigen Doxologie :
Gloria Patri etc. begleitete ; oder endlich , weil ſie dem
Inhalte der Bibliſchen Lectionen und der beſonderen Feier
des Tages angemeſſen waren . Heber die Verſchiedenheit
u nd Hym u o l ogie: 239
e der Meinungen hierüber, nach Isidor. Hispal. Rupertus
ag
Tuitiensis u. a., vgl. Bingh am Orig. T. VI. p. 6.,
ÄW. wo er ſich für die letzte Meinung erklärt.
Allerdings findet man Beiſpiele , daß für ge
ºt wiſſe Tage und Feierlichkeiten beſondere Pſalme, wenn
|
auch nicht durch Geſetze, doch durch die Obſervanz, vor--
E. geſchrieben waren. Des Morgen - und Abend
et Pſalm ' s (pa uóg ögőgtvög xai éotsguvóg s. étt
M
Züzvuog), welchen die Constitut. Apost. lib. VIII. c.
in 37. und lib. II. e. 59. vorſchreiben, iſt ſchon oben er
juf wähnt worden. Wir finden aber auch bei anderen Schrift
ac: ſtellern Spuren davon, z. B. Chrysost. Comment.
CH: in Psalm. Opp. T. III. Athanas. Epist. ad Marcell.
Än T.I. p. 975. de virgin. p. 1057. Cassian. Institut.
ni lib III. c. 3. u. a. Man kann hieraus auf die Allgemein
ci heit des Gebrauchs ſchließen, um ſo mehr, da Chryſoſto
ce mus ſich hierbei auf die „ Vorſchrift der Väter“ beruft.
- - Nach Auguſtinus (in Ps. XXI. (XXII.) serm. 2.)
te wurde in Afrika von alten Zeiten her am Kar - Freitage
ati (die dominicae passionis) Pſ XXII.: Mein Gott,
& mein Gott, warum haſt du mich verlaſ
ſº ſen! c. vorgetragen, ja, ſelbſt die Donatiſten bedien--
.. ten ſich deſſelben. Für Gallien hatte der Presbyter
Musaeus ein beſonderes Lectionarium geſammelt,
wovon Gennadius (de script. c., 79.) berichtet:
„ Responsoria etiam Psalmorum capitula tempori
º
et le ctionibus congruentia excerpsit.“
( Außerdem aber beſtimmten die Biſchöfe die Pſalme,
zºl welche bei beſonderen Veranlaſſungen geſungen werden
a! ſollten. So meldet Athanaſius (Apolog. II. con
tra Arian. p. 717.), daß er damals, als die Ariani
ſchen Soldaten ſeine Kirche umlagerten, dem Diakonus
befohlen habe, den 36. Pſalm: Es iſt von Grund
meines Herzens u. ſ. w., vorzutragen. Er ſagt:
N KaÖsoôsig éti roö Ögövov (cathedra episcopalis)
240 . Pra !mooie
προέτρεπον τον μεν, διακονον αναγινώσκειν ψαλ .
μον , – – τους δε λαους υπακούειν ότι εις τον
aiova Točeos aútoŨ. Auguftinus ( in Psalm .
138 . p . 650. ) erzählt, daß einſt der Lector den ihm aufs
gegebenen Pſalm , worüber 4 . auch predigen wollte , mit
einem anderen verwechſelt habe. Er bemerkt : ,, Psal
inum nobis brevem paraveramus , quem mandavera
mus cantari a Lectore; sed ad horam , quantum vi.
detur , perturbatus alterum pro altero legit. Malumus
nos in errore Lectoris sequi voluntatem Dei, quam
nostram in nostro proposito . “ Einen ungewöhnlichen
Vorfall, wo die Recitation eines Pſalms auf eine Bi
fchofs - Wahl großen Einfluß hatte, berichtet Sulpis
cius Severus ( vit. S . Martini c. 7 . ). Bgl. -
Bingham VI. 10. -
Der ausgedehnte Gebrauch der Pralmodie in der
ſpätern Kirche, ſowohl der griechiſchen als der rómiſchen ,
und der licbergang derſelben in die evangelische
Kirche , iſt zu bekannt, als daß es hier einer ausführlis
cheren Darſtellung bedürfte. Die Pralms Lieder , welche
Umbrof. lo bw aſer ( 1573 ) , nad; dem Vorgange
der Franzoſen Clemens und Marot, herausgab , erhiels
ten in der reformirten Kirche, beſonders in der
Schweiß , ein beinah fymboliſches Anſehen , welches nach
Zweihundert Jahren noch nicht erloſchen iſt. S . Ram .
bach ' s Anthologie chriftl. Gefänge. Th. II. 1817, 8 .
6 . 9. f.
Uebrigens aber ſcheint es am natürlichſten zu ſeyn ,
den Urſprung der $ ymnologie aus der Pſalmodie zu
erflåren . Ehe wir aber zur näheren Erdrterung dieſes
Punktes kommen , werden zufórderſt einige Bemerkungen
über einige Stellen des N . T ., welche von den Pralmen .
und Symnen ausdrücklich handeln , zu machen ſeyn.
Die beiden pauliniſchen Stellen , Ephef. V, 19.
und Coloff. III, 16. , find in Gedanken und Ausdruck
u no H y me ologic. 241
volkommene Parallel - Stellen. Sie empfehlen den les
ferm ψαλμους , ύμνους και ωδας πνευματικας ; uns
der Unterſchied ſcheint bloß darin zu liegen, daß im Briefe
an die Ephefer vorzüglich auf Erbauung ; im Briefe
an die Coloffer aber vorzugsweiſe auf Belehrung ges 1
ſehen wird . Denn in der lebten Stelle ſpricht der Vers
faffer nicht bloß vom dóyos to Û XQ1OTO Ū , wels
cher reichlich unter den Chriſten herrſchen ſoll, ſondern er
bedient fich auch der Worte : êv ndon copia ded
6 % O V TES xຠvo vlet ÕVVTES ÉQUTOUS , welche
immer von Unterweiſung und Belehrung gebraucht
· werden . . . -
Wenn aber auch hierüber die Ausleger einverſtanden
feyn rollten , ſo find ſie es deſto weniger über die Frage:
ο6 , uno οίε ψαλμοι , υμνοι και ωδαι πνευματικοι
verſchieden find ? Die große Verſchiedenheit der Meinun .
gen lernt man aus, den zahlreichen eregetiſchen Werken
und aus Deyling Observat. sacr. lib . III. c. 44. und
J. Ge. Walch de hymnis apostol. S . 9. seqq. am ;
beſten kennen . Dieſe Verſchiedenheit rührt daher , daß
man bald bloß auf die Form , bald bloß auf den Inhalt ,
dieſer Geſänge fah , bald die Sache mehr aus dem gries
chiſchen , als hebräiſchen Alterthume zu erläutern ſuchte .
Nur Einiges aus den Erklärungen der Alten mag bier
angeführt werden .
Hieronymus bemerkt : „ Quid intersit inter
Psalmum et Hymnum et Canticum , in Psalterio
plenissime discimus. Nunc autem breviter Hym
nos esse , dicendum , qui fortitudinem et majesta
tem praedicant Dei , et ejusdem semper vel bene- '
ficia vel facta mirantur , quod omnes psalmi conti
nent, quibus Alleluja' vel praepositum , vel sub
jectum est. Psalmi autem proprie ad ethicum
locum pertinent, ut per organum corporis , quid
faciendum et vitandum sit , noverimus. Qui vero ,
de superioribus disputat et concentum munli omnium
Fünfter Band. . ... . D
( 242 ' . : P palmooie i
que creaturarum ordinem atque concordiam subtilis
disputator edisserit, iste spirituale canticum
canit. “ . Hier wird alſo alles auf die hebråiſche Pralno
? , die , oder den Pralter zurückgeführt; und es iſt im
Weſentlichen daffelbe , was Neuere behaupten : daß die
wahuol die besoint ; die vuvoi die 194212 und die
odde av. die bloed wårett. Dagegen gehet die Ers'
klärung des Auguftinus, Bafilius de 8 Sr. ,
i Euthymius zig aben us u . a . vorzüglich auf die
Form . í kepterer drückt fich ſo aus: Panuos uir xv
ρίως , και μετα οργανικού ψαλτηρία έμμελώς εκ - .
φωνούμενος ωδη δε φωνή τις μουσική τε και
έναρμόνιος , από μόνου στόματος " Υμνος δε
MÉTITETQYuévn dogohogía , ' xalov. V TenóY
Fallev , Ý nanov av dedodnouev. S . Euthy
mii Zigabeni Praefat. in Psalm . in Steph. Le
Moyne var. sacr. T. I. p . 179. seqq.
Einige Neuere nehmen nur zwei Gattungen religiöſer
Lieder an : Pralmen and Hymnen , und halten die
' ' das tvevU & Tixas für etwas , was man auf beide
; . beziehen müſſe. Ja, nach Elericus ( Not. ad Hom
inondi N . T . T . II. p . 297 .) bezeichnen aữe drei Auss
drůcké eine und diefelbé Sache. Er ſagt: „ Ostendit
quidem noster , cantica tribus nominibus adpellari;
sed diversa genera fuisse, nemo possit probare, quum
passim misceantur, ut docebunt' tituli Psalmorum .
Graecae voces possent etiam ad vária referri , .si
earum usus frequentissimus spectetur ; sed miscen
tur etiam saepe. Malim ergo dicere , Pau
lum idem tribus verbis significasse. "
Hierbei iſt ebenfalls die Vorausſeßung , daß der Apoſtel
bloß vom Gebrauch des Pralters rede.
. Dennoch ſcheint es der Vorſtellungs - Art und dem
Sprad:gebrauche des Apoſtels angemeſſener, drei wirklich
verſchiedene Gattungen religiöſer Licder anzunehmen
: : uno my mnologie. .... 243

Demnach waren die ważuoi die unter dieſem Namen


allgemein bekannten heiligen Geſänge der Israeliten , deren
Gainmlung ben Sitel: ψαλτήριον οδer βίβλος των
wahuậr führet, und woraus im N . E . ſo oft Stellen
auf Chriſtus, als den verheißenen Meffias , angeführt
werden . Daß der Inhalt des Pſalters ſehr mannichfaltig
rey , Lob - und Preis . Geſänge auf Gott, Opfer , Lieder,
Pilger · Lieder , Schlacht Geſånge , Königs , Pralme
u . f. w . enthalte, konnte dem Apoſtel nicht unbekannt
reyn ; aber hier kam es bloß darauf an, dieſe Sammlung
religiórer Lieder , welche auch den Chriſten zur Belehrung : )
und Erbauung dienen ſollten , im Allgemeinen zu bezeiche
nen ; und dieß geſchieht, wie es im N . E . immer zu ges
Ichehen pflegt , durch die Benennung : panuoi.
Aber Bekanntlich enthielt der Pſalter nicht alle heis
ligen Geſänge der Israeliten . Auch in den übrigen ,
Schriften des U . . waren dergleichen aufbewahret ; und
auch dieſe waren nichtminder National Gerånge. "
Es geboren in dieſe Claſſe vorzugsweiſe der Triumph .
Geſang Mofis , 2'Mop. XV . ; die Abſchieds · Lieder Mo.
fis , 5 Nor. XXXII. XXXIII. ; der Segen Jakob's ,
1 Mof. XLIX . ; das Siegess Lied der Deborah , B . d .
Richt. V. ; das Dank- Lied des Hiskia, Jef. XXXVIII. ;
. der Todten . Geſang auf Saul und Jonathan , 2 Sam .
I, 17. ff. u. a. Aber auch aus den Zeiten des Erils und
in ſpåtern Perioden gab es ſolche Geſänge , welche zwar
keine kanoniſche genanntwerden konnten, aber dennoch
in großem Anſehen und allgemeinen Gebrauch waren . Und
diere ſcheint man im apoſtoliſchen Zeitalter Û u vou ge.
nannt zu haben , ohne gerade den Begriff: laudes,
quae Deo canuntur, feſtzuhalten . Bei den Alexan . '

* ) Eine fchone, durch poetiſches Verdienſt ausgezeichnete Samms


lung derſelben iſt die Schrift : National : Gefange der
Hebråer von f . 2 . Juſt . I. und 2. Sammlung. .!
' . -' , , D 2
244 . Pralmodic ..

drinerå wird durch öuvos bald 990 , bald son , bald


mbaon , bald gows, bald inniu ausgedrückt.