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Vorabversion: Original erschienen in The Lifelong Learning University, Tomaschek, N., Gornik, E., (Hrsg.

),
Waxmann, 2011, S. 53-60

Open Educational Resources als Lifelong Learning -Strategie


am Beispiel der TU Graz
Martin Ebner
Abteilung Vernetztes Lernen
Zentraler Informatikdienst
TU Graz
martin.ebner@tugraz.at

Christine Stöckler-Penz
LifeLongLearning
TU Graz
stoeckler-penz@tugraz.at

Kurzfassung
Der Zugang zu offenen Bildungsressourcen – Open Educational Resources (OER) – wird in der heutigen Zeit
viel diskutiert, angestrebt und auch eingefordert. Dieser Beitrag widmet sich dem Thema aus Sicht einer
Universität und unter dem Gesichtspunkt der für sie geltenden spezifischen Rahmenbedingungen. Auf Basis
eines Modells wird gezeigt, welche Maßnahmen an der Technischen Universität Graz getroffen werden und
welche Ziele dahinter stehen. Eine kurze Darstellung bereits durchgeführter Aktivitäten rundet den Beitrag ab.

1. Einleitung
Imagine a world in which every single person
is given free access to the sum of all
human knowledge. That’s what we’re doing.
Terry Foote, Wikipedia

Mit dem Beginn des World Wide Webs kurz vor der Jahrtausendwende und der damit
verbundenen Einführung eines globalen Netzwerks wird der Austausch von Informationen
über Grenzen hinweg als die Errungenschaft schlechthin gesehen. Auch die neuesten
Entwicklungen aus dem Bereich Web 2.0 (O’Reilly, 2006) verstärken diesen Gedanken im
Sinne des Mit-mach Webs, indem die Benutzer selbst Inhalte erstellen, diskutieren und
tauschen. Gerade Bildungsinstitutionen stehen vor der Frage, wie sie diese neuen
Möglichkeiten nutzen können und welche Strategie dabei verfolgt werden sollte. Besonders
interessant erscheint in diesem Zusammenhang die Debatte um Open Educational Resources
(OER) in Bezug auf den öffentlichen Bildungsauftrag, den eine Universität zu leisten hat. Ist
eine traditionelle Bildungseinrichtung aufgefordert, sich einer solchen Initiative
anzuschließen und wenn ja, mit welchem Fokus und Ziel sollte sie diese verfolgen? Wie
erfolgt eine Finanzierung auf Basis welcher rechtlichen Grundlagen? Wer sind die
Zielgruppen und was ist deren Interesse? Das Thema trägt eine sehr große Komplexität in sich
und bedarf daher trotz des einfachen und moralisch-ethischen Grundgedankens genauerer
Betrachtung.
In diesem Beitrag wollen wir eine Kurzeinführung über die Definition und Umsetzung von
OER geben und weiters begründen, warum OER Teil einer universitären Lifelong Learning
Strategie ist. Anschließend stellen wir am Beispiel der TU Graz vor, in welcher Weise und
auf Basis welchen Modells eine Universität offene Inhalte zur Verfügung stellen kann.
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2. Open Educational Resources


Das Massachusetts Institute of Technology1 (MIT) entschloss sich 2001 zu einer
OpenCourseWare (OCW) Initiative und wurde damit zum Vorreiter jener
Bildungseinrichtungen, welche sich einem offenen Zugang zu Bildungsmaterialien
verschreiben. Gezählte 1900 Kurse von anfänglich 50 werden heute über die Webseite
angeboten (Lerman, Miyagawa & Margulies, 2008) und können damit weltweit abgerufen
werden2.
Kurz darauf definierte das UNESCO International Institute for Educational Planning3 (IIEP)
2002 den Begriff Open Educational Resources als (d’Antoni, 2006) „wish to develop together
a universal educational resource available for the whole of humanity, to be reffered to
henceforth as Open Educational Resources. Following the example of the World Heritage of
Humanity, preserved by UNESCO, they hope that this open resource for the future mobilizes
the whole of the worldwide community of educators“.

Dementsprechend inkludiert der Begriff folgende Komponenten (Johnstone, 2005; Hylén,


2006):
„By 2004 OER was defined [Johnstone, 2005] to include:
• Learning resources – courseware, content modules, learning objects, learner-support
and assessment tools, online learning communities
• Resources to support teachers – tools for teachers and support materials to enable to
create, adapt and use OER, as well as training materials for teachers and other
teaching tools
• Resources to assure the quality of education and educational practices.“
Dies bedeutet, dass neben Open Course Content, Open Source Development Tools und Open
Standards auch Licensing Tools (Lizenz Modelle) mit eingeschlossen werden müssen, wobei
noch nicht geklärt ist, wie der Terminus open zu verstehen ist. Downes (2007) weist darauf
hin, dass frei zugängliche Inhalte nicht nur ausschließlich im Sinne von kostenlos in der
Verwendung zu sehen seien, sondern schließt sich der Auflistung von Foote (2005) an:
„There are four Freedoms:
• Freedom to copy
• Freedom to modify
• Freedom to redistribute
• Freedom to redistribute modified versions.“
Ist nun der Inhalt tatsächlich frei verfügbar, zugänglich und verwertbar, muss wie
Baumgartner (2007) richtig aufzeigt, der Fokus auf die Qualität des Unterrichts, die
didaktische Aufbereitung, deren Umgebungsbedingungen und letztlich auch auf die Expertise
des Lehrenden gerichtet werden.
Wenn nun eine Universität sich nicht primär der distance education verschrieben hat
(Caswell, Henson, Jensen & Wiley, 2008) und damit nicht ein unmittelbarer Nutzen aus einer
OER Initiative ersichtlich wird, bleibt die Frage offen, mit welchem Ziel und warum sich eine
traditionelle Bildungseinrichtung an OER beteiligen sollte.

3. Organisatorische Überlegungen zur Implementierung von OER


Um eine nachhaltige Verankerung von OER Initiativen zu erreichen, schlagen Zauchner &
Baumgarnter (2007) neben einer Ziel- und Zielgruppendefinition, einem zugehörigen
Geschäftsmodell und technischen Voraussetzungen vor allem die didaktische Integration vor.

1
http://web.mit.edu/ (letzter Abruf April 2010)
2
http://ocw.mit.edu (letzter Abruf April 2010)
3
http://www.iiep.unesco.org (letzter Abruf April 2010)
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Abb. 1 Strategische Implementation von OER an Universitäten (Schaffert, 2010)

Schaffert (2010) verweist auf die strategische Implementierung eines Modelles (Abb. 1),
welches sich im Wesentlichen auf 4 Felder stützt:
• OER kann dazu verwendet werden, um den Zugriff zu Materialien und Informationen
innerhalb der Universität zu ermöglichen sowie zur Qualitätssicherung.
• OER kann dazu verwendet werden, um im Sinne von Marketing neue Zielgruppen zu
erschließen und um die Universität als Bildungsinstitution für neue Studierende
interessant zu machen.
• OER kann dazu verwendet werden, um im Sinne von open learning, wie auch von
Zauchner & Baumgartner (2007) gefordert, neue innovative Lehr- und Lernformen
einzuführen.
• OER kann abschließend dazu verwendet werden, um im Sinne von open innovation
neue Wege zu gehen und sich neue Zielgruppen (z.B. Studierende anderer
Institutionen) zu erschließen.

Die nachfolgenden Kapitel sollen zeigen, welche strategische Zielsetzung die TU Graz im
Sinne dieses Modells verfolgt und welche Erfahrungen bereits gemacht wurden.

4. LifeLongLearning und OER


Auf dem Weg zur Wissensgesellschaft gibt es auch klare Statements der Europäischen Union:
nämlich einerseits die Akademikerquote zu erhöhen, andererseits auch Bildung
außeruniversitär möglich zu machen (Europäische Kommission, 2009). Hierzu werden
verstärkt Programme rund um Lifelong Learning angeboten und als klare
Entwicklungsstrategie erwähnt. Es wird dezidiert davon gesprochen, dass als eines der
wichtigsten Ziele im Zuge der Modernisierung von europäischen Universitäten das Angebot
der Inhalte auf andere Zielgruppen zu erweitern sei (Europäische Kommission, 2006).
Basierend auf diesen Überlegungen unterstreichen auch Mulder und Vincent (Vincent und
Mulder, 2006) die Relevanz von OER für Lifelong Learning, besonders im Hinblick auf die
Erweiterung und Steigerung der Beteiligung an Bildungsangeboten.
Einerseits erfolgt die Umsetzung mittels groß angelegter Strategien durch die Open
Universities am Beispiel von „Open Learn“ der UK Open University (UKOU)4 oder
„OpenER“ der Open Universiteit Nederland (OUNL)5, andererseits soll durch eine Stärkung
des Lifelong Learning Angebotes der traditionellen Universitäten das Angebot von OER
erhöht werden.
4
http://www.open.ac.uk/ (letzter Abruf April 2010)
5
http://www.ou.nl/ (letzter Abruf April 2010)
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Auch an der TU Graz wurde in Umsetzung der Leitstrategie „Master und Post Graduate
Angebote aufbauen“ im Jahr 2005 die Organisationseinheit „Life Long Learning“ als
strategisches Projekt des Vizerektors für Lehre und Studien eingerichtet. Ihre vorrangige
Aufgabe ist es, die Profilbildung der Universität in Bezug auf Weiterbildung als ein Segment
des Lebenslangen Lernens zu schärfen.
Zielgruppen sind vorrangig Alumni und Alumnae, Unternehmen/ Berufsverbände mit
Weiterbildungsbedarf aber auch Berufstätige mit fachlichen Vorkenntnissen. Das Angebot
umfasst Masterprogramme, Universitätslehrgänge sowie Universitätskurse, wobei in der
Entwicklung auch die Zusammenarbeit mit externen Partnern, insbesondere Unternehmen,
angestrebt wird. Externe ExpertInnen aus Industrie und Wirtschaft werden nach Möglichkeit
als Vortragende eingebunden bzw. wirken an der Entwicklung von Curricula mit. Im Zuge
dieser Öffnung für breitere Zielgruppen, die insbesondere in Hinblick auf ihre zeitlich
eingeschränkten Möglichkeiten der Teilhabe am Lernprozess spezielle Bedürfnisse
aufweisen, war es notwendig, Unterstützung und Beratung zur Gestaltung und Umsetzung
von E-Learning Angeboten anzubieten, und den Einsatz sowie die zur Verfügung Stellung
modernster Web 2.0 Technologien (Podcasts, Wiki, Mikroblogging, Livestreaming etc.) zu
ermöglichen.
Dies zeigt, dass es die generelle Strategie der TU Graz ist, verbesserte Zugänge zur
lebenslangen Bildung zu schaffen und dabei OER-Angebote breiten Raum einnehmen.

5. TU Graz goes OER

Abb. 2 Übersicht über die Podcasting/Streaming Aktivitäten der TU Graz


Wie im Kapitel davor angeführt, begann die TU Graz bereits 2006 den Einsatz von
Podcasting für LLL Angebote zu erforschen und konnte infolgedessen aufzeigen, welchen
Mehrwert Vorlesungsaufzeichnungen, die automatisiert über das Web verbreitet werden, für
Lernende darstellen (Ebner, Fickert, Nagler & Stöckler-Penz, 2007a; Ebner, Stöckler-Penz,
Gugler & Hoschopf, 2007b). Diese ersten Untersuchungen waren allerdings noch nicht
öffentlich zugänglich, da der gesamte Prozess noch evaluiert und optimiert werden musste.
Dennoch konnte gezeigt werden, dass Studierende nicht nur vom Angebot stark Gebrauch
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machten, sondern dies auch als besonders wertvoll erachteten. Eine ähnliche Studie im
Bereich des regulären Universitätsangebotes bestätigte ebenfalls die hohe Akzeptanz seitens
der Lernenden (Ebner & Nagler, 2008).
Ausgehend von diesen Voruntersuchungen und Überlegungen hinsichtlich technologischer
Möglichkeiten zeigt Abb. 2 das derzeitige Konzept der TU Graz, das durch die Abteilung
Vernetztes Lernen6 betreut wird.
Gemäß Abb. 2 werden Podcasting/Streaming Aktivitäten an der TU Graz über 4 Kanäle
(grün) angeboten:
1. TUGTC7: Die älteste Form, Vorlesungsinhalte in Form von Aufzeichnungen zu
verbreiten, ist mittels einer Lernplattform (Ebner, Nagler & Saranti, 2007c). Dort
werden in verschiedenen Dateiformaten (.avi, .mov, .fl, .mp4, .mp3) Files in
Kombination mit einem RSS Feed angeboten, um als Podcast auf verschiedensten
Endgeräten abspielbar zu sein. An dieser Stelle muss aber auch erwähnt werden, dass
einerseits sowohl aus Qualitätsgründen der Aufnahmen, andererseits auch aufgrund
von Copyrightbestimmungen der Großteil der Inhalte nur universitätsintern zugänglich
sind.
2. curry.tugraz.at8: Im Oktober 2008 hat die TU Graz ein Streaming Angebot als weiteres
Service für Lehrende und Lernende aufgenommen. Dadurch ist es möglich,
Veranstaltungen (vorrangig Lehrangebote) ins Internet live zu streamen und im
Anschluss als Aufzeichnung zur Verfügung zu stellen. Dabei bedient man sich der an
der University of Toronto entwickelten Software ePresence.9
3. iTunesU10: Ein weiterer Schritt ist die Veröffentlichung von ausgewählten
Vorlesungsinhalten im Rahmen des weltweiten Angebotes iTunesU, welcher der Idee
der Fa. Apple11 folgt, im Rahmen ihrer Software iTunes Lehr- und Lerninhalte
kostenlos und offen zur Verfügung zu stellen. An das Beispiel der Universität
Stanford12 angelehnt, versucht die TU Graz damit, ihre Inhalte noch leichter für die
Allgemeinheit zugänglich zu machen.
4. Personal Accounts: Abschließend erfolgt die Verbreitung von Inhalten über diverse
frei zugängliche Angebote im Internet entweder durch die Nutzung von mobilen
Endgeräten mit entsprechender Software (z.B. Qik13, AudioBoo14 etc.) oder durch die
Verwendung von frei zugänglichen Streaming Möglichkeiten (z.B. UStream). So
bietet die Abteilung Vernetztes Lernen auch einen eigenen UStream15 an, welcher
gezielt für Veranstaltungen eingesetzt wird. Der Vorteil dieser Möglichkeiten liegt
eindeutig in der Nutzung von sozialen Netzwerken und der damit verbundenen
Reichweite, sowie der leichten Zugänglichkeit über verschiedene Communities wie
z.B. über Twitter16 oder Facebook17.
Abb. 2 zeigt bereits die Herausforderung eines solchen Angebotes. Es gilt nicht nur die
Sinnhaftigkeit auszuloten, wann welche Möglichkeit zur Anwendung kommt, sondern es ist

6
http://elearning.tugraz.at (letzter Abruf April 2010)
7
http://tugtc.tugraz.at (letzter Abruf April 2010)
8
http://curry.tugraz.at (letzter Abruf April 2010)
9
http://epresence.tv/ (letzter Abruf April 2010)
10
http://itunes.tugraz.at (letzter Abruf April 2010)
11
http://www.apple.com/education/mobile-learning/ (letzter Abruf April 2010)
12
http://itunes.stanford.edu/ (letzter Abruf April 2010)
13
http://qik.com/ (letzter Abruf April 2010)
14
http://audioboo.fm/ (letzter Abruf April 2010)
15
http://www.ustream.tv/sociallearning (letzter Abruf April 2010)
16
http://twitter.com (letzter Abruf April 2010)
17
http://www.facebook.com (letzter Abruf April 2010)
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auch zu berücksichtigen, für welche Zielgruppe mit welchen technischen Voraussetzungen


Inhalte angeboten werden sollen und wie diese in das bestehende Lehrangebot einzubetten
sind. Besonders die Zunahme von mobilen Endgeräten und des mobilen Internets bringt
gänzlich neue Anwendungsszenarien in den Vordergrund und verändert die Perspektive auf
learning-on-demand.

6. Strategische Ausrichtung am Beispiel der TU Graz


Wenn das Modell nach Schaffert (2010) als Basis für die strategische Implementierung von
OER an der TU Graz herangezogen wird, so wird deutlich, dass die Komplexität der im
vorangegangen Kapitel dargestellten Aktivitäten konzeptionell durchdacht ist.

Abb. 3 Modell nach Schaffert (2010) angepasst an TU Graz Initiativen

Abb. 3 zeigt nochmals das Modell mit den korrespondierenden Inhalten der TU Graz
Initiativen:
Die generellen Podcast Aktivitäten dienen dazu, Lehr- und Lernmaterialien den aktuell
Studierenden zugänglich zu machen. Weiters ist damit auch eine Qualitätsverbesserung des
Angebotes hinsichtlich der Nachbereitung des Unterrichts als auch des generellen Inhaltes an
sich feststellbar. Wiewohl ein Großteil der Inhalte nicht öffentlich zugänglich ist und daher
eigentlich nicht zu OER gezählt werden kann, stellt diese Ebene die Basis von OER dar.
Lehrende wie Studierende können sich mit der neuen technischen Möglichkeit vertraut
machen, sich langsam herantasten und die Potentiale gezielt ausloten. Es zeigt sich, dass sich
bei diesem Vorgehen viele entschließen, ihre Inhalte auch öffentlich zugänglich zu machen
und danach aufgeschlossen sind, sich anderen Lernsettings oder Zielgruppen zu öffnen.
Das Angebot des Streaming Servers (curry.tugraz.at), kombiniert mit einem didaktisch
sinnvollen Setting, muss als neuer Lehr- und Lernansatz gesehen werden. Hiermit können
speziell die Zielgruppen der berufsbegleitenden Studierenden und auch Nutzer des Life Long
Learning - Weiterbildungsprogrammes der TU Graz angesprochen werden, indem sie weder
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an den Vortragsort noch an die Vortragszeit fix gebunden werden. Erste Erfahrungswerte
zeigen, dass die technische Umsetzung als stabil angesehen werden kann, aber speziell der
Aufwand/ Nutzenfaktor hier näher betrachtet werden muss.
Durch die Öffnung ausgewählter Inhalte auf der Plattform iTunesU soll das Interesse neuer
Studierender geweckt werden, und darüber hinaus allen InteressentInnen Themen aus
Wissenschaft und Bildung einfacher zugänglich gemacht werden. Seit dem Beginn der
iTunesU Aktivität im November 2009 erfolgten bis Mitte März 2010 etwa 14.500 komplette
Downloads, wobei partielle Downloads nicht berücksichtigt sind. Dies entspricht einem
Zugriff auf mehr als 100 Videos pro Tag und spielt daher auch in der Statistik der
Öffentlichkeitsarbeit eine tragende Rolle.

7. Zusammenfassung
Abb. 3 zeigt, dass die strategische Ausrichtung der Aktivitäten insbesondere der
Erschließung neuer Zielgruppen unter Verwendung neuer Lehr- und Lernsettings dient. Dies
benötigt aber vor allem eines: Zeit. Erst wenn eine strategische Implementierung umgesetzt,
technisch, organisatorisch und wirtschaftlich abgesichert ist, kann man sich neuen Aufgaben
und Formen erschließen. Die TU Graz hat begonnen, sich den Möglichkeiten von OER zu
widmen und will diese auch nachhaltig nutzbar machen. Erste Versuche, die der open
innovation Strategie zuordenbar sind, sind z.B. Kooperationen mit Schulen, die neben den
Studierenden die Inhalte auf iTunesU nutzen können. Ein erster laufender Versuch erfolgt im
Rahmen der Vorlesung iPhone Application Development und dient der Erweiterung der
Bildungsangebote.
Dieser Beitrag soll deutlich machen, dass der Grundgedanke von OER in der realen
Umsetzung einigen Restriktionen unterliegt. Neben wirtschaftlichen Überlegungen spielen
auch Urheberrechtsfragen eine entscheidende Rolle, zumal diese beim Lehrenden liegen. Um
aber eine offene Bildungsressource anbieten zu können, muss diese auch dementsprechend
verwendbar sein. Hierzu gibt es Lizensierungsmodelle wie z.B. Creative Commons18, welche
die Verwertungsrechte auf sehr einfache Weise regeln. Nichtsdestotrotz bleibt es Sache der
Universität, wie sie solchen Möglichkeiten gegenübersteht.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass sich Universitäten im Sinne ihres
Bildungsauftrages öffnen sollten und auch werden, dies aber an einen entsprechenden
Zeitfaktor gebunden ist. Darüber hinaus ist auch noch einiges an Forschungsarbeit nötig, um
die Auswirkungen, Potentiale und Möglichkeiten von OER gezielt herauszuarbeiten, sodass
letztendlich jene profitieren, die die eigentliche Zielgruppe sind: die lernende Gesellschaft.

8. Literatur
Baumgarnter, P. (2007). Mediada-Prix – Quo vadis? Gedanken zur zukünftigen Ausrichtung
des mediendidaktischen Hochschulpreises. In Forum Neue Medien in der Lehre (Hrsg.),
E-Learning. Strategische Implementierung und Studieneingang (S. 68–81). Graz:
Verlag Forum Neue Medien.
Caswell, T., Henson, S., Jensen, M. & Wiley, D. (2008). Open Educational Resources:
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Learning, 9 (1), 2008, 1–11.

18
www.creativecommons.at/ (letzter Abruf April 2010)
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d’Antoni, S. (2006). Open Educational Resources: Deliberations of a Community of Interest.


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Studieren neu erfinden – Hochschule neu denken (S. 244–252). Münster: Waxmann.