Vorabversion: Original erschienen in The Lifelong Learning University, Tomaschek, N., Gornik, E., (Hrsg.), Waxmann, 2011, S.

53-60

Open Educational Resources als Lifelong Learning -Strategie am Beispiel der TU Graz
Martin Ebner Abteilung Vernetztes Lernen Zentraler Informatikdienst TU Graz martin.ebner@tugraz.at Christine Stöckler-Penz LifeLongLearning TU Graz stoeckler-penz@tugraz.at Kurzfassung
Der Zugang zu offenen Bildungsressourcen – Open Educational Resources (OER) – wird in der heutigen Zeit viel diskutiert, angestrebt und auch eingefordert. Dieser Beitrag widmet sich dem Thema aus Sicht einer Universität und unter dem Gesichtspunkt der für sie geltenden spezifischen Rahmenbedingungen. Auf Basis eines Modells wird gezeigt, welche Maßnahmen an der Technischen Universität Graz getroffen werden und welche Ziele dahinter stehen. Eine kurze Darstellung bereits durchgeführter Aktivitäten rundet den Beitrag ab.

1.

Einleitung Imagine a world in which every single person is given free access to the sum of all human knowledge. That’s what we’re doing.
Terry Foote, Wikipedia

Mit dem Beginn des World Wide Webs kurz vor der Jahrtausendwende und der damit verbundenen Einführung eines globalen Netzwerks wird der Austausch von Informationen über Grenzen hinweg als die Errungenschaft schlechthin gesehen. Auch die neuesten Entwicklungen aus dem Bereich Web 2.0 (O’Reilly, 2006) verstärken diesen Gedanken im Sinne des Mit-mach Webs, indem die Benutzer selbst Inhalte erstellen, diskutieren und tauschen. Gerade Bildungsinstitutionen stehen vor der Frage, wie sie diese neuen Möglichkeiten nutzen können und welche Strategie dabei verfolgt werden sollte. Besonders interessant erscheint in diesem Zusammenhang die Debatte um Open Educational Resources (OER) in Bezug auf den öffentlichen Bildungsauftrag, den eine Universität zu leisten hat. Ist eine traditionelle Bildungseinrichtung aufgefordert, sich einer solchen Initiative anzuschließen und wenn ja, mit welchem Fokus und Ziel sollte sie diese verfolgen? Wie erfolgt eine Finanzierung auf Basis welcher rechtlichen Grundlagen? Wer sind die Zielgruppen und was ist deren Interesse? Das Thema trägt eine sehr große Komplexität in sich und bedarf daher trotz des einfachen und moralisch-ethischen Grundgedankens genauerer Betrachtung. In diesem Beitrag wollen wir eine Kurzeinführung über die Definition und Umsetzung von OER geben und weiters begründen, warum OER Teil einer universitären Lifelong Learning Strategie ist. Anschließend stellen wir am Beispiel der TU Graz vor, in welcher Weise und auf Basis welchen Modells eine Universität offene Inhalte zur Verfügung stellen kann.

Vorabversion: Original erschienen in The Lifelong Learning University, Tomaschek, N., Gornik, E., (Hrsg.), Waxmann, 2011, S. 53-60

2. Open Educational Resources Das Massachusetts Institute of Technology1 (MIT) entschloss sich 2001 zu einer OpenCourseWare (OCW) Initiative und wurde damit zum Vorreiter jener Bildungseinrichtungen, welche sich einem offenen Zugang zu Bildungsmaterialien verschreiben. Gezählte 1900 Kurse von anfänglich 50 werden heute über die Webseite angeboten (Lerman, Miyagawa & Margulies, 2008) und können damit weltweit abgerufen werden2. Kurz darauf definierte das UNESCO International Institute for Educational Planning3 (IIEP) 2002 den Begriff Open Educational Resources als (d’Antoni, 2006) „wish to develop together a universal educational resource available for the whole of humanity, to be reffered to henceforth as Open Educational Resources. Following the example of the World Heritage of Humanity, preserved by UNESCO, they hope that this open resource for the future mobilizes the whole of the worldwide community of educators“. Dementsprechend inkludiert der Begriff folgende Komponenten (Johnstone, 2005; Hylén, 2006): „By 2004 OER was defined [Johnstone, 2005] to include: • Learning resources – courseware, content modules, learning objects, learner-support and assessment tools, online learning communities • Resources to support teachers – tools for teachers and support materials to enable to create, adapt and use OER, as well as training materials for teachers and other teaching tools • Resources to assure the quality of education and educational practices.“ Dies bedeutet, dass neben Open Course Content, Open Source Development Tools und Open Standards auch Licensing Tools (Lizenz Modelle) mit eingeschlossen werden müssen, wobei noch nicht geklärt ist, wie der Terminus open zu verstehen ist. Downes (2007) weist darauf hin, dass frei zugängliche Inhalte nicht nur ausschließlich im Sinne von kostenlos in der Verwendung zu sehen seien, sondern schließt sich der Auflistung von Foote (2005) an: „There are four Freedoms: • Freedom to copy • Freedom to modify • Freedom to redistribute • Freedom to redistribute modified versions.“ Ist nun der Inhalt tatsächlich frei verfügbar, zugänglich und verwertbar, muss wie Baumgartner (2007) richtig aufzeigt, der Fokus auf die Qualität des Unterrichts, die didaktische Aufbereitung, deren Umgebungsbedingungen und letztlich auch auf die Expertise des Lehrenden gerichtet werden. Wenn nun eine Universität sich nicht primär der distance education verschrieben hat (Caswell, Henson, Jensen & Wiley, 2008) und damit nicht ein unmittelbarer Nutzen aus einer OER Initiative ersichtlich wird, bleibt die Frage offen, mit welchem Ziel und warum sich eine traditionelle Bildungseinrichtung an OER beteiligen sollte. 3. Organisatorische Überlegungen zur Implementierung von OER Um eine nachhaltige Verankerung von OER Initiativen zu erreichen, schlagen Zauchner & Baumgarnter (2007) neben einer Ziel- und Zielgruppendefinition, einem zugehörigen Geschäftsmodell und technischen Voraussetzungen vor allem die didaktische Integration vor.

1 2

http://web.mit.edu/ (letzter Abruf April 2010) http://ocw.mit.edu (letzter Abruf April 2010) 3 http://www.iiep.unesco.org (letzter Abruf April 2010)

Vorabversion: Original erschienen in The Lifelong Learning University, Tomaschek, N., Gornik, E., (Hrsg.), Waxmann, 2011, S. 53-60

Abb. 1 Strategische Implementation von OER an Universitäten (Schaffert, 2010)

Schaffert (2010) verweist auf die strategische Implementierung eines Modelles (Abb. 1), welches sich im Wesentlichen auf 4 Felder stützt: • OER kann dazu verwendet werden, um den Zugriff zu Materialien und Informationen innerhalb der Universität zu ermöglichen sowie zur Qualitätssicherung. • OER kann dazu verwendet werden, um im Sinne von Marketing neue Zielgruppen zu erschließen und um die Universität als Bildungsinstitution für neue Studierende interessant zu machen. • OER kann dazu verwendet werden, um im Sinne von open learning, wie auch von Zauchner & Baumgartner (2007) gefordert, neue innovative Lehr- und Lernformen einzuführen. • OER kann abschließend dazu verwendet werden, um im Sinne von open innovation neue Wege zu gehen und sich neue Zielgruppen (z.B. Studierende anderer Institutionen) zu erschließen. Die nachfolgenden Kapitel sollen zeigen, welche strategische Zielsetzung die TU Graz im Sinne dieses Modells verfolgt und welche Erfahrungen bereits gemacht wurden. 4. LifeLongLearning und OER Auf dem Weg zur Wissensgesellschaft gibt es auch klare Statements der Europäischen Union: nämlich einerseits die Akademikerquote zu erhöhen, andererseits auch Bildung außeruniversitär möglich zu machen (Europäische Kommission, 2009). Hierzu werden verstärkt Programme rund um Lifelong Learning angeboten und als klare Entwicklungsstrategie erwähnt. Es wird dezidiert davon gesprochen, dass als eines der wichtigsten Ziele im Zuge der Modernisierung von europäischen Universitäten das Angebot der Inhalte auf andere Zielgruppen zu erweitern sei (Europäische Kommission, 2006). Basierend auf diesen Überlegungen unterstreichen auch Mulder und Vincent (Vincent und Mulder, 2006) die Relevanz von OER für Lifelong Learning, besonders im Hinblick auf die Erweiterung und Steigerung der Beteiligung an Bildungsangeboten. Einerseits erfolgt die Umsetzung mittels groß angelegter Strategien durch die Open Universities am Beispiel von „Open Learn“ der UK Open University (UKOU)4 oder „OpenER“ der Open Universiteit Nederland (OUNL)5, andererseits soll durch eine Stärkung des Lifelong Learning Angebotes der traditionellen Universitäten das Angebot von OER erhöht werden.
4 5

http://www.open.ac.uk/ (letzter Abruf April 2010) http://www.ou.nl/ (letzter Abruf April 2010)

Vorabversion: Original erschienen in The Lifelong Learning University, Tomaschek, N., Gornik, E., (Hrsg.), Waxmann, 2011, S. 53-60

Auch an der TU Graz wurde in Umsetzung der Leitstrategie „Master und Post Graduate Angebote aufbauen“ im Jahr 2005 die Organisationseinheit „Life Long Learning“ als strategisches Projekt des Vizerektors für Lehre und Studien eingerichtet. Ihre vorrangige Aufgabe ist es, die Profilbildung der Universität in Bezug auf Weiterbildung als ein Segment des Lebenslangen Lernens zu schärfen. Zielgruppen sind vorrangig Alumni und Alumnae, Unternehmen/ Berufsverbände mit Weiterbildungsbedarf aber auch Berufstätige mit fachlichen Vorkenntnissen. Das Angebot umfasst Masterprogramme, Universitätslehrgänge sowie Universitätskurse, wobei in der Entwicklung auch die Zusammenarbeit mit externen Partnern, insbesondere Unternehmen, angestrebt wird. Externe ExpertInnen aus Industrie und Wirtschaft werden nach Möglichkeit als Vortragende eingebunden bzw. wirken an der Entwicklung von Curricula mit. Im Zuge dieser Öffnung für breitere Zielgruppen, die insbesondere in Hinblick auf ihre zeitlich eingeschränkten Möglichkeiten der Teilhabe am Lernprozess spezielle Bedürfnisse aufweisen, war es notwendig, Unterstützung und Beratung zur Gestaltung und Umsetzung von E-Learning Angeboten anzubieten, und den Einsatz sowie die zur Verfügung Stellung modernster Web 2.0 Technologien (Podcasts, Wiki, Mikroblogging, Livestreaming etc.) zu ermöglichen. Dies zeigt, dass es die generelle Strategie der TU Graz ist, verbesserte Zugänge zur lebenslangen Bildung zu schaffen und dabei OER-Angebote breiten Raum einnehmen. 5. TU Graz goes OER

Abb. 2 Übersicht über die Podcasting/Streaming Aktivitäten der TU Graz

Wie im Kapitel davor angeführt, begann die TU Graz bereits 2006 den Einsatz von Podcasting für LLL Angebote zu erforschen und konnte infolgedessen aufzeigen, welchen Mehrwert Vorlesungsaufzeichnungen, die automatisiert über das Web verbreitet werden, für Lernende darstellen (Ebner, Fickert, Nagler & Stöckler-Penz, 2007a; Ebner, Stöckler-Penz, Gugler & Hoschopf, 2007b). Diese ersten Untersuchungen waren allerdings noch nicht öffentlich zugänglich, da der gesamte Prozess noch evaluiert und optimiert werden musste. Dennoch konnte gezeigt werden, dass Studierende nicht nur vom Angebot stark Gebrauch

Vorabversion: Original erschienen in The Lifelong Learning University, Tomaschek, N., Gornik, E., (Hrsg.), Waxmann, 2011, S. 53-60

machten, sondern dies auch als besonders wertvoll erachteten. Eine ähnliche Studie im Bereich des regulären Universitätsangebotes bestätigte ebenfalls die hohe Akzeptanz seitens der Lernenden (Ebner & Nagler, 2008). Ausgehend von diesen Voruntersuchungen und Überlegungen hinsichtlich technologischer Möglichkeiten zeigt Abb. 2 das derzeitige Konzept der TU Graz, das durch die Abteilung Vernetztes Lernen6 betreut wird. Gemäß Abb. 2 werden Podcasting/Streaming Aktivitäten an der TU Graz über 4 Kanäle (grün) angeboten: 1. TUGTC7: Die älteste Form, Vorlesungsinhalte in Form von Aufzeichnungen zu verbreiten, ist mittels einer Lernplattform (Ebner, Nagler & Saranti, 2007c). Dort werden in verschiedenen Dateiformaten (.avi, .mov, .fl, .mp4, .mp3) Files in Kombination mit einem RSS Feed angeboten, um als Podcast auf verschiedensten Endgeräten abspielbar zu sein. An dieser Stelle muss aber auch erwähnt werden, dass einerseits sowohl aus Qualitätsgründen der Aufnahmen, andererseits auch aufgrund von Copyrightbestimmungen der Großteil der Inhalte nur universitätsintern zugänglich sind. 2. curry.tugraz.at8: Im Oktober 2008 hat die TU Graz ein Streaming Angebot als weiteres Service für Lehrende und Lernende aufgenommen. Dadurch ist es möglich, Veranstaltungen (vorrangig Lehrangebote) ins Internet live zu streamen und im Anschluss als Aufzeichnung zur Verfügung zu stellen. Dabei bedient man sich der an der University of Toronto entwickelten Software ePresence.9 3. iTunesU10: Ein weiterer Schritt ist die Veröffentlichung von ausgewählten Vorlesungsinhalten im Rahmen des weltweiten Angebotes iTunesU, welcher der Idee der Fa. Apple11 folgt, im Rahmen ihrer Software iTunes Lehr- und Lerninhalte kostenlos und offen zur Verfügung zu stellen. An das Beispiel der Universität Stanford12 angelehnt, versucht die TU Graz damit, ihre Inhalte noch leichter für die Allgemeinheit zugänglich zu machen. 4. Personal Accounts: Abschließend erfolgt die Verbreitung von Inhalten über diverse frei zugängliche Angebote im Internet entweder durch die Nutzung von mobilen Endgeräten mit entsprechender Software (z.B. Qik13, AudioBoo14 etc.) oder durch die Verwendung von frei zugänglichen Streaming Möglichkeiten (z.B. UStream). So bietet die Abteilung Vernetztes Lernen auch einen eigenen UStream15 an, welcher gezielt für Veranstaltungen eingesetzt wird. Der Vorteil dieser Möglichkeiten liegt eindeutig in der Nutzung von sozialen Netzwerken und der damit verbundenen Reichweite, sowie der leichten Zugänglichkeit über verschiedene Communities wie z.B. über Twitter16 oder Facebook17. Abb. 2 zeigt bereits die Herausforderung eines solchen Angebotes. Es gilt nicht nur die Sinnhaftigkeit auszuloten, wann welche Möglichkeit zur Anwendung kommt, sondern es ist
6 7

http://elearning.tugraz.at (letzter Abruf April 2010) http://tugtc.tugraz.at (letzter Abruf April 2010) 8 http://curry.tugraz.at (letzter Abruf April 2010) 9 http://epresence.tv/ (letzter Abruf April 2010) 10 http://itunes.tugraz.at (letzter Abruf April 2010) 11 http://www.apple.com/education/mobile-learning/ (letzter Abruf April 2010) 12 http://itunes.stanford.edu/ (letzter Abruf April 2010) 13 http://qik.com/ (letzter Abruf April 2010) 14 http://audioboo.fm/ (letzter Abruf April 2010) 15 http://www.ustream.tv/sociallearning (letzter Abruf April 2010) 16 http://twitter.com (letzter Abruf April 2010) 17 http://www.facebook.com (letzter Abruf April 2010)

Vorabversion: Original erschienen in The Lifelong Learning University, Tomaschek, N., Gornik, E., (Hrsg.), Waxmann, 2011, S. 53-60

auch zu berücksichtigen, für welche Zielgruppe mit welchen technischen Voraussetzungen Inhalte angeboten werden sollen und wie diese in das bestehende Lehrangebot einzubetten sind. Besonders die Zunahme von mobilen Endgeräten und des mobilen Internets bringt gänzlich neue Anwendungsszenarien in den Vordergrund und verändert die Perspektive auf learning-on-demand. 6. Strategische Ausrichtung am Beispiel der TU Graz Wenn das Modell nach Schaffert (2010) als Basis für die strategische Implementierung von OER an der TU Graz herangezogen wird, so wird deutlich, dass die Komplexität der im vorangegangen Kapitel dargestellten Aktivitäten konzeptionell durchdacht ist.

Abb. 3 Modell nach Schaffert (2010) angepasst an TU Graz Initiativen

Abb. 3 zeigt nochmals das Modell mit den korrespondierenden Inhalten der TU Graz Initiativen: Die generellen Podcast Aktivitäten dienen dazu, Lehr- und Lernmaterialien den aktuell Studierenden zugänglich zu machen. Weiters ist damit auch eine Qualitätsverbesserung des Angebotes hinsichtlich der Nachbereitung des Unterrichts als auch des generellen Inhaltes an sich feststellbar. Wiewohl ein Großteil der Inhalte nicht öffentlich zugänglich ist und daher eigentlich nicht zu OER gezählt werden kann, stellt diese Ebene die Basis von OER dar. Lehrende wie Studierende können sich mit der neuen technischen Möglichkeit vertraut machen, sich langsam herantasten und die Potentiale gezielt ausloten. Es zeigt sich, dass sich bei diesem Vorgehen viele entschließen, ihre Inhalte auch öffentlich zugänglich zu machen und danach aufgeschlossen sind, sich anderen Lernsettings oder Zielgruppen zu öffnen. Das Angebot des Streaming Servers (curry.tugraz.at), kombiniert mit einem didaktisch sinnvollen Setting, muss als neuer Lehr- und Lernansatz gesehen werden. Hiermit können speziell die Zielgruppen der berufsbegleitenden Studierenden und auch Nutzer des Life Long Learning - Weiterbildungsprogrammes der TU Graz angesprochen werden, indem sie weder

Vorabversion: Original erschienen in The Lifelong Learning University, Tomaschek, N., Gornik, E., (Hrsg.), Waxmann, 2011, S. 53-60

an den Vortragsort noch an die Vortragszeit fix gebunden werden. Erste Erfahrungswerte zeigen, dass die technische Umsetzung als stabil angesehen werden kann, aber speziell der Aufwand/ Nutzenfaktor hier näher betrachtet werden muss. Durch die Öffnung ausgewählter Inhalte auf der Plattform iTunesU soll das Interesse neuer Studierender geweckt werden, und darüber hinaus allen InteressentInnen Themen aus Wissenschaft und Bildung einfacher zugänglich gemacht werden. Seit dem Beginn der iTunesU Aktivität im November 2009 erfolgten bis Mitte März 2010 etwa 14.500 komplette Downloads, wobei partielle Downloads nicht berücksichtigt sind. Dies entspricht einem Zugriff auf mehr als 100 Videos pro Tag und spielt daher auch in der Statistik der Öffentlichkeitsarbeit eine tragende Rolle. 7. Zusammenfassung Abb. 3 zeigt, dass die strategische Ausrichtung der Aktivitäten insbesondere der Erschließung neuer Zielgruppen unter Verwendung neuer Lehr- und Lernsettings dient. Dies benötigt aber vor allem eines: Zeit. Erst wenn eine strategische Implementierung umgesetzt, technisch, organisatorisch und wirtschaftlich abgesichert ist, kann man sich neuen Aufgaben und Formen erschließen. Die TU Graz hat begonnen, sich den Möglichkeiten von OER zu widmen und will diese auch nachhaltig nutzbar machen. Erste Versuche, die der open innovation Strategie zuordenbar sind, sind z.B. Kooperationen mit Schulen, die neben den Studierenden die Inhalte auf iTunesU nutzen können. Ein erster laufender Versuch erfolgt im Rahmen der Vorlesung iPhone Application Development und dient der Erweiterung der Bildungsangebote. Dieser Beitrag soll deutlich machen, dass der Grundgedanke von OER in der realen Umsetzung einigen Restriktionen unterliegt. Neben wirtschaftlichen Überlegungen spielen auch Urheberrechtsfragen eine entscheidende Rolle, zumal diese beim Lehrenden liegen. Um aber eine offene Bildungsressource anbieten zu können, muss diese auch dementsprechend verwendbar sein. Hierzu gibt es Lizensierungsmodelle wie z.B. Creative Commons18, welche die Verwertungsrechte auf sehr einfache Weise regeln. Nichtsdestotrotz bleibt es Sache der Universität, wie sie solchen Möglichkeiten gegenübersteht. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass sich Universitäten im Sinne ihres Bildungsauftrages öffnen sollten und auch werden, dies aber an einen entsprechenden Zeitfaktor gebunden ist. Darüber hinaus ist auch noch einiges an Forschungsarbeit nötig, um die Auswirkungen, Potentiale und Möglichkeiten von OER gezielt herauszuarbeiten, sodass letztendlich jene profitieren, die die eigentliche Zielgruppe sind: die lernende Gesellschaft.

8.

Literatur

Baumgarnter, P. (2007). Mediada-Prix – Quo vadis? Gedanken zur zukünftigen Ausrichtung des mediendidaktischen Hochschulpreises. In Forum Neue Medien in der Lehre (Hrsg.), E-Learning. Strategische Implementierung und Studieneingang (S. 68–81). Graz: Verlag Forum Neue Medien. Caswell, T., Henson, S., Jensen, M. & Wiley, D. (2008). Open Educational Resources: Enabling universal education. International Review of Research in Open and Distance Learning, 9 (1), 2008, 1–11.

18

www.creativecommons.at/ (letzter Abruf April 2010)

Vorabversion: Original erschienen in The Lifelong Learning University, Tomaschek, N., Gornik, E., (Hrsg.), Waxmann, 2011, S. 53-60

d’Antoni, S. (2006). Open Educational Resources: Deliberations of a Community of Interest. Vortrag anlässlich des ICDE SCOP Meeting, 11.–13. Juni 2006, Lillehammer, Norway. Downes, S. (2007). Models for Sustainable Open Educational Resources. Interdisciplinary Journal of Knowledge and Learning Objects, 3, 29–44. Verfügbar unter: http://ijello.org/Volume3/IJKLOv3p029-044Downes.pdf [28.5. 2010]. Ebner, M., Fickert, L., Nagler, W. & Stöckler-Penz, C. (2007a). Lifelong Learning and Doctoral Studies – Facilitation with Podcasting Techniques. In Computers in Edcuation, Proceeding IV, 30th MIPRO Conference 2007 (S. 280–283). Verfügbar unter: http://lamp.tu-graz.ac.at/~i203/ebner/publication/07_mipro.pdf [28.5.2010]. Ebner, M., Stöckler-Penz, C., Gugler, J. & Hoschopf, H. (2007b). Podcasting – Zukunftschance für die universitäre Weiterbildung? Zeitschrift für Hochschulentwicklung, 2 (2), 48–57. Ebner, M., Nagler, W. & Saranti, A. (2007c). TU Graz goes Podcast. In M. Lindner & P. Bruck (Hrsg.), Micromedia and Corporate Learning. Proceedings of the 3rd International Microlearning 2007 Conference (S. 221–233). Innsbruck: university press. Ebner, M. & Nagler, W. (2008). Has the end of chalkboard come? A survey about the limits of Interactive Pen Displays in Higher Education. In M. Lindner & P. Bruck (Hrsg.), Microlearning and Capacity Building. Proceedings of the 4th International Microlearning 2008 Conference (S. 79–91). Innsbruck: university press. Europäische Kommission (2006). Delivering on the Modernisation Agenda for Universities: Education, Research and Innovation (Communication from the Commission to the Council and the European Parliament). Brüssel. Verfügbar unter: http://eurlex.europa.eu/LexUriServ/site/en/com/2006/com2006_0208en01.pdf [28.5. 2010]. Europäische Kommission (2009). The Life Long Learning Programme: education and training opportunities for all. Brüssel. Verfügbar unter: http://ec.europa.eu/education/lifelong-learning-programme/doc78_en.htm [28.5. 2010]. Foote, T. (2005). Wikipedia, Präsentation im Rahmen der Open Education Conference, Utah. Hylén, J. (2006). Open Educational Resources: Opportunities and Challenges. In Open Education 2006: Community, Culture, and Content (S. 49–63). Utah State University. Johnstone, S.M. (2005). Open Educational Resources Serve the World. Sharing educational resources over the Internet provides multiple benefits, from academic collaboration to economic development. EDUCAUSE Quarterly, 28 (3), 15–18. Verfügbar unter: http://www.educause.edu/EDUCAUSE+Quarterly/EDUCAUSEQuarterlyMagazineVol um/OpenEducationalResourcesServet/157357 [28.5. 2010]. Lerman, S. R., Miyagawa, S. & Margulies, A. H. (2008). Open Course Ware: Building a Culture of Sharing. In T. Iiyoshi & M. S. V. Kumar (Hrsg.), Opening Up Education.The Collective Advancement of Education through Open Technology, Open Content and Open Knowledge (S. 213–227). Cambridge: MIT Press. Mulder, F. (2007). The Advancement of Lifelong Learning through Open Educational Resources in an Open and Flexible (self)Learning Context. Verfügbar unter: http://en.cnki.com.cn/Article_en/CJFDTOTAL-JFJJ200704008.htm [30.4. 2010].

Vorabversion: Original erschienen in The Lifelong Learning University, Tomaschek, N., Gornik, E., (Hrsg.), Waxmann, 2011, S. 53-60

O’Reilly, T. (2006). Web 2.0:Stuck on a name or hooked on value? Dr. Dobbs Journal, 31 (7), 10–10. Schaffert, S. (2010). Strategic Integration of Open Educational Resources in Higher Education. Objectives, Case Studies, and the Impact of Web 2.0 on Universities. In U.D. Ehlers, & D. Schneckenberg (Hrsg.), Changing Cultures in Higher Education – Moving Ahead to Future Learning. New York: Springer., S.119-132 Vincent, D. & Mulder, F. (2006). The Advancement of Lifelong Learning in Europe through the Introduction of Open Educational Resources. Vortrag anlässlich der EU eLearning Conference, 4.–5. Juli 2006, Helsinki, Finnland. Zauchner, S. &Baumgartner, P. (2007). Herausfoderung OER – Open Educational Resources. In M. Merkt, K. Mayrberger, R. Schulmeister, A. Sommer & I. van den Berk (Hrsg.), Studieren neu erfinden – Hochschule neu denken (S. 244–252). Münster: Waxmann.

Sign up to vote on this title
UsefulNot useful