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Jakarta-Charta

Die Jakarta-Charta (indonesisch Piagam Jakarta) ist ein Entwurf


zur Präambel der Verfassung der Republik Indonesien, der am 22.
Juni 1945 von einer Sonderkommission des
„Untersuchungsausschusses zur Vorbereitung der Unabhängigkeit
Indonesiens“ (Badan Penyelidikan Usaha-Usaha Persiapan
Kemerdekaan; BPUPK) in Jakarta vorgelegt wurde.

Das Dokument enthält die fünf Prinzipien der Pancasila-Ideologie,


darüber hinaus aber auch eine Klausel, die die Muslime zur
Einhaltung der Scharia verpflichtet. Dieser Zusatz, der auch als die
„Sieben Wörter“ (tujuh kata) bekannt ist, wurde von der
Kommission, die die Verfassung nach der Indonesischen
Unabhängigkeitserklärung am 18. August 1945 endgültig festlegte
und in Kraft setzte, allerdings wieder aus der Verfassung gestrichen.
Während der 1950er Jahre, als die Verfassung von 1945 ausgesetzt
war, forderten Vertreter der islamischen Parteien in Indonesien
immer wieder die Rückkehr zur Jakarta-Charta. Sie betonten, dass
sie das Ergebnis eines politischen Kompromisses zwischen
nationalistischen und islamischen Delegierten im ersten
Verfassungsgremium gewesen sei. Um den Vertretern des
islamischen Lagers entgegenzukommen, verkündete Präsident Indonesischer Text der Jakarta-
Sukarno in seinem Dekret vom 5. Juli 1959, mit dem er die Charta in neuer Schreibweise. Der
Verfassung von 1945 wieder einsetzte, dass die Jakarta-Charta die entscheidende Passus mit den
Verfassung „mit Leben erfülle“ und mit ihr „einen Verbund“ bilde. „sieben Wörtern“ ist fettgedruckt.
Über die Bedeutung dieser Aussage wurde in den folgenden Jahren
viel gestritten: Während die Säkularisten darin nur eine
Anerkennung der Jakarta-Charta als eines „historischen Dokuments“ sahen, meinten die islamischen
Gruppen, dass durch dieses Dekret die Jakarta-Charta mit ihren „sieben Wörtern“ gesetzliche Bedeutung
erhalten habe, und trieben auf dieser Grundlage die Einführung einer islamischen Rechtsordnung mit
eigenen Gesetzen für die Muslime voran. Die Jakarta-Charta war erneut während der Verfassungsreformen
zu Beginn der Reformasi-Ära (1999–2002) Gegenstand politischer Debatten, weil verschiedene islamische
Parteien in dieser Zeit die Aufnahme der „Sieben Wörter“ in Artikel 29 der Verfassung forderten, der sich
mit der Stellung der Religion im Staat und der Religionsfreiheit befasst. Die von den islamischen Parteien
vorgelegten Änderungsanträge erhielten jedoch nicht die notwendige Mehrheit. Die Front Pembela Islam
(„Front der Islam-Verteidiger“) kämpft bis heute für die Wiedereinsetzung der Jakarta-Charta.

Inhaltsverzeichnis
Die Jakarta-Charta im Verfassungsprozess von 1945
Vorgeschichte: Der BPUPK-Ausschuss und die Neuner-Kommission
Text und Übersetzung der Jakarta-Charta
Die Jakarta-Charta als Kompromiss
Die Durchsetzung des Kompromisses in der BPUPK
Die Verwerfung der Sieben Wörter nach der Unabhängigkeitserklärung
Diskussionen um die Jakarta-Charta nach Aufhebung der Verfassung von 1945
Forderungen der islamischen Parteien nach Anerkennung der Jakarta-Charta
Zusagen der Regierung im Frühjahr 1959
Auseinandersetzungen um die Jakarta-Charta in der Konstituante
Nach der Wiedereinsetzung der Verfassung von 1945
Sukarnos Dekret vom 5. Juli 1959 und das Memorandum von 1966
Muslimische Forderungen nach Umsetzung der Jakarta-Charta
Christen und Muslime im Streit um die historische Bedeutung des Dokuments
Projekte zur Umsetzung der Jakarta-Charta in der Praxis
1988: Neue Diskussionen anlässlich der Einführung religiöser Gerichte
Forderungen nach Rückkehr zur Jakarta-Charta am Anfang der Reformasi-Ära (1999–
2002)
Der Vorstoß der islamischen Parteien
Die Gegner des Vorstoßes
Medina-Charta: der Alternativ-Vorschlag der Reformasi-Fraktion
Das Scheitern der Pläne zur Verfassungsänderung
Literatur
Einzelnachweise

Die Jakarta-Charta im Verfassungsprozess von 1945

Vorgeschichte: Der BPUPK-Ausschuss und die Neuner-Kommission

Im Jahre 1942 besetzte Japan das Gebiet von Niederländisch-Indien


und ersetzte die Niederländer als Kolonialmacht. Von Beginn der
Besetzung an war die japanische Militärregierung auf die
Zusammenarbeit der vorhandenen nationalistischen Führer
angewiesen, um die Kosten der Besetzung und der Kriegführung
möglichst niedrig zu halten.[1] Um diese Zusammenarbeit mit den
Nationalisten in Java möglichst effektiv zu gestalten, organisierte die
japanische Militärregierung im frühen Januar 1944 die Die erste Konferenz des BPUPK vom
[2]
Massenbewegung Djawa Hōkōkai, welche die aufgelöste Pusat 29. Mai bis 2. Juni 1945
[3] [4]
Tenaga Rakyat (PUTERA) ersetzte. Im Zusammenhang mit der
sich anbahnenden japanischen Niederlage im Pazifikkrieg kündigte
der japanische Premierminister Koiso Kuniaki im September 1944 die „zukünftige Unabhängigkeit des
gesamten indonesischen Volkes“ an.[5]

Mit Bezug darauf setzte die japanische Militärbehörde in Java Anfang März 1945 den
„Untersuchungsausschuss zur Vorbereitung der Unabhängigkeit“ (indones. Badan Penyelidikan Usaha-
Usaha Persiapan Kemerdekaan, BPUPK; japan. Dokuritsu Junbi Chōsa-kai) ein.[6] Dieses Komitee, das
durch die Ausarbeitung eines Verfassungsentwurfs die Grundlagen für die staatliche Identität Indonesiens
legen sollte, bestand aus 62 indonesischen Mitgliedern, von denen 47 dem nationalistischen und 15 dem
islamischen Lager angehörten.[7] Die Vertreter des islamischen Lagers waren der Auffassung, dass die
Verfassung des neuen Staates auf der Scharia gründen müsse.[8] Vom 29. Mai bis 2. Juni 1945 kam die
BPUPK in Jakarta zu einer ersten Konferenz zusammen.[9] Auf dieser Konferenz hielt Sukarno am 1. Juni
seine berühmte Rede, in der er die Prinzipien der Pancasila vorstellte.[10]
Vor ihrem Auseinandergehen setzten die Delegierten der BPUPK eine achtköpfige Kleine Kommission
(Panitia Kecil) ein, die von Sukarno geleitet wurde und die Aufgabe hatte, die von den anderen Delegierten
eingereichten Vorschläge zu sammeln und zu beraten.[11] Um die Spannungen zwischen den säkularen
Nationalisten und den Vertretern des islamischen Lagers in diesem Gremium beizulegen, bildete Sukarno
am 18. Juni eine neunköpfige Sonderkommission. Sie sollte einen Kompromiss für die Präambel der
zukünftigen Verfassung ausarbeiten, der die Vertreter beider Lager zufriedenstellte.[12] In dieser Neuner-
Kommission (Panitia Sembilan), die von Sukarno geleitet wurde, vertraten vier Mitglieder das islamische
Lager und fünf das säkular-nationalistische Lager.[13] Die Mitglieder der Neuner-Kommission waren:

Name (Lebensdaten) Ausrichtung Gruppierung Bild

Agus Salim (1884–1954) Islam-Nationalist Sarekat Islam

Abikoesno Tjokrosoejoso
Islam-Nationalist Partai Serikat Islam Indonesia (PSII)
(1897–1968)

Wahid Hasjim (1914–1953) Islam-Nationalist Nahdlatul Ulama

Abdoel Kahar Moezakir (?) Islam-Nationalist Muhammadiyah

Partai Nasional Indonesia, Pusat


Sukarno (1901–1970) Säkular-Nationalist
Tenaga Rakyat

Mohammad Hatta (1902– Partai Nasional Indonesia, Pusat


Säkular-Nationalist
1980) Tenaga Rakyat

Achmad Soebardjo (1896–


Säkular-Nationalist
1978)

Mohammad Yamin (1903–


Säkular-Nationalist Pusat Tenaga Rakyat
1962)

Alexander Andries Maramis Säkular-Nationalist, Vertreter


Perhimpunan Indonesia
(1897–1977) der Christen
Am 22. Juni 1945 legte diese Kommission den folgenden Text als Vorschlag für die Präambel der
Verfassung vor, der später von Mohammad Yamin als die „Jakarta-Charta“ (Piagam Djakarta) bezeichnet
wurde.[14]

Text und Übersetzung der Jakarta-Charta

„Text in alter Schreibweise[15] Deutsche Übersetzung[16]


Bahwa sesoenggoehnja Da die Unabhängigkeit
kemerdekaan itoe jalah hak wahrhaftig das Recht eines jeden
segala bangsa, dan oleh sebab Volkes ist, muss der
itoe maka pendjadjahan diatas Kolonialismus von der Erde
doenia haroes dihapoeskan, beseitigt werden, weil er nicht
karena tidak sesoeai dengan mit der Menschlichkeit und
peri-kemanoesiaan dan peri- Gerechtigkeit im Einklang steht.
keadilan.“

”Dan perdjoeangan pergerakan „Der Kampf der Bewegung für


kemerdekaan Indonesia telah die Unabhängigkeit Indonesiens
sampailah kepada saat jang ist nun sicher zu dem
berbahagia dengan selamat- glücklichen Augenblick gelangt,
sentaoesa mengantarkan rakjat an dem das indonesische Volk
Indonesia kedepan pintoe wohlbehalten vor dem Tor eines
gerbang Negara Indonesia jang indonesischen Staates steht, der
merdeka, bersatoe, berdaoelat, unabhängig, vereint, souverän,
adil dan makmoer.” gerecht und wohlhabend ist.“

”Atas berkat Rahmat Allah Jang „Mit dem Segen und der Gnade
Maha Koeasa, dan dengan Gottes des Allmächtigen und
didorongkan oleh keinginan getrieben durch den aufrichtigen
luhur, soepaja berkehidupan Wunsch, dass sich das nationale
kebangsaan jang bebas, maka Leben frei entfalten möge,
rakjat Indonesia dengan ini erklärt das indonesische Volk
menjatakan kemerdekaanja.” hiermit seine Unabhängigkeit.“

”Kemoedian dari pada itu untuk „Hernach, um eine Regierung


membentoek soeatu Pemerintah des Staates Indonesien zu
Negara Indonesia jang bilden, die das ganze
melindungi segenap bangsa indonesische Volk und das ganze
Indonesia dan seloeroeh indonesische Heimatland
toempah-dara Indonesia, dan schützt, und um die öffentliche
oentoek memadjoekan Wohlfahrt zu fördern, das Leben
kesedjahteraan oemoem, des Volkes zu entwickeln und
mentjerdaskan kehidoepan eine Weltordnung
bangsa, dan ikoet melaksanakan mitzugestalten, die auf Freiheit,
ketertiban doenia jang dauerndem Frieden und sozialer
berdasarkan kemerdekaan, Gerechtigkeit gründet, wird die
perdamaian abadi dan keadilan nationale Unabhängigkeit
sosial, maka disoesoenlah Indonesiens in einer Verfassung
kemerdekaan kebangsaan des Staates Indonesien
Indonesia itoe dalam soeatu festgelegt, welche in der
hoekoem dasar Negara Staatsform einer Republik
Indonesia jang terbentuk dalam Indonesien gestaltet wird, die
soeatu soesoenan negara das Volk zum souveränen Träger
Republik Indonesia, jang der Staatsgewalt macht und auf
berkedaoelatan rakjat, dengan die göttliche Herrschaft, mit der
berdasar kepada: ke-Toehanan, Verpflichtung zur Ausübung der
dengan kewadjiban Scharia des Islams für dessen
mendjalankan sjari'at Islam bagi Anhänger, entsprechend
pemeloek-pemeloeknja, gerechter und zivilisierter
menoeroet dasar kemanoesiaan Humanität, die Einheit
jang adil dan beradab, Indonesiens, und Demokratie,
persatoean Indonesia, dan geleitet durch die kluge Politik
kerakjatan jang dipimpin oleh von Beratung und Repräsentanz,
hikmat kebidjaksanaan dalam gegründet ist und soziale
permoesjawaratan/perwakilan Gerechtigkeit für das ganze
serta dengan mewoedjoedkan indonesische Volk schafft.“
soeatu keadilan sosial bagi
seloeroeh rakjat Indonesia.”

Das Dokument ist auf den 22. Juni 2605 des japanischen Koki-Kalenders, der dem 22. Juni 1945 entspricht,
datiert und von den neun Mitgliedern der Sonderkommission unterzeichnet.[17]

Die Jakarta-Charta als Kompromiss

Die Jakarta-Charta enthält in ihrem vierten und letzten Absatz die fünf Prinzipien der Pancasila, die
allerdings nicht explizit als solche bezeichnet werden:

1. göttliche Herrschaft, mit der Verpflichtung zur Einhaltung der islamischen Scharia für deren
Anhänger,
2. gerechte und zivilisierte Menschlichkeit,
3. Einheit Indonesiens,
4. Demokratie, geleitet durch die kluge Politik von Beratung und Repräsentanz,
5. soziale Gerechtigkeit für das ganze indonesische Volk.[18]

Diese Version der Pancasila wird auch als die „Pancasila-Formel vom 22. Juni“ bezeichnet.[19] Anders als in
Sukarnos Rede vom 1. Juni 1945, in der die Pancasila-Lehre erstmals formuliert wurde, war in der Jakarta-
Charta das fünfte Prinzip des ke-Toehanan – zu übersetzen als „göttliche Herrschaft“ oder „Glaube an
Gott“[20] – an die erste Stelle gesetzt.

Der wichtigste Unterschied in dem Dokument war aber der an das erste Prinzip des ke-Toehanan angehängte
Zusatz „mit der Verpflichtung zur Einhaltung der islamischen Scharia für deren Anhänger“ (dengan
kewadjiban mendjalankan sjari'at Islam bagi pemeloek-pemeloeknja). Diese Formel, die in Indonesien als
die „Sieben Wörter“ bekannt ist, erkannte den Status der Scharia für Muslime an, blieb hinsichtlich der
Frage, wer zu ihrer Anwendung verpflichtet ist, der Staat oder das Individuum, aber bewusst
uneindeutig.[21] Mit diesem Kompromiss sollten die unterschiedlichen politischen Vorstellungen der
BPUPK-Mitglieder zum Ausgleich gebracht werden.[22]

Die Durchsetzung des Kompromisses in der BPUPK


Nach den Beratungen der Neuner-Kommission traf die BPUPK vom
10. bis 17. Juli 1945 unter Führung von Sukarno zu ihrem zweiten
Treffen zusammen, um präliminarisch die Hauptprobleme im
Zusammenhang mit der Verfassung, darunter auch den Präambel-
Entwurf der Jakarta-Charta zu diskutieren.[23] Sukarno machte die
Jakarta-Charta am ersten Tag mit seinem Bericht über die
Beratungen zur Verfassung, die seit dem ersten Treffen stattgefunden
hatten, bekannt und berichtete, dass die Kleine Kommission sie
einstimmig angenommen hatte. Der Kern ihrer Ideen, so brachte er Die zweite Konferenz der BPUPK
vom 10. bis 17. Juli 1945
vor, komme von den Mitgliedern der BPUPK.[24]

Am zweiten Tag des Treffens, dem 11. Juli, erhoben drei Mitglieder
Einwände gegen das Dokument. Der erste war Johannes Latuharhary, ein protestantischer Vertreter aus
Ambon, der vorbrachte, dass die Sieben-Wörter-Formel die Minangkabau zwingen würde, ihr Adat-Recht
zu ändern, und auf den Molukken Schwierigkeiten mit dem herkömmlichen Boden- und Erbrecht
hervorrufen würde.[25] Die beiden anderen waren Wongsonegoro (1887–1978), ein liberaler Javaner, und
der Jurist Hoesein Djajadiningrat (1886–1960). Sie erhoben Einwände gegen die sieben Wörter, mit der
Begründung, dass diese zu Fanatismus führen würden, weil sie den Eindruck erweckten, dass Muslime dazu
gezwungen sein, die Scharia einzuhalten. Wahid Hasjim, eines der Mitglieder der Neuner-Kommission,
argumentierte dagegen, dass einigen die sieben Wörter vielleicht zu weit gingen, umgekehrt es aber andere
BPUPK-Mitglieder des islamischen Lagers gebe, denen diese Formel nicht weit genug gehe.[26]

Um diesen entgegenzukommen, schlug Wahid Hasjim am 13. Juli vor, in Artikel 29 der Verfassung, der sich
mit der Religion befasst, zusätzlich die Bestimmung aufzunehmen, dass der Präsident ein Muslim sein
müsse und die Staatsreligion der Islam sei, mit einer Zusatzklausel, die Nicht-Muslimen die
Religionsfreiheit garantierte. Er begründete das damit, dass allein Religion eine Legitimation für
Gewaltanwendung liefere und die Angelegenheit von daher für die nationale Verteidigung wichtig sei.[27]
Ein anderer BPUPK-Delegierter, Oto Iskandar di Nata, sprach sich gegen die Forderung aus, dass der
Präsident ein Anhänger des Islams sein müsse, und schlug vor, die sieben Wörter der Jakarta-Charta in dem
Artikel über die Religion (Artikel 29) zu wiederholen.[28]

Der Präambel-Entwurf der Jakarta-Charta wurde erneut bei einer Sitzung am 14. Juli diskutiert, unter
anderem deshalb, weil er auch für die Unabhängigkeitserklärung verwendet werden sollte.[29] Bei dieser
Sitzung verlangte der Muhammadiyah-Führer Ki Bagoes Hadikoesoemo, dass in der Formel der sieben
Wörter die Einschränkung bagi pemeloek-pemeloeknja („für deren Anhänger“) gestrichen werden müsse. Er
sah in der Beschränkung der Verpflichtung auf die Muslime eine Beleidigung seiner Religionsgruppe.
Sukarno verteidigte jedoch die Sieben-Wort-Klausel als Kompromiss, der notwendig war, um die
Zustimmung der Nicht-Muslime zu gewinnen. Nach der Darstellung von Muhammad Yamin sagte er bei
dieser Gelegenheit:

„Kurz gesagt, ist dies der beste Kompromiss. Deswegen hat die Kommission an dem
Kompromiss festgehalten, der von dem verehrten Mitglied Muhammad Yamin ‚Jakarta
Charter‘ genannt und von dem verehrten Mitglied Soekiman als ‚Gentleman Agreement‘
befürwortet wurde, auf dass er eingehalten wird zwischen dem islamischen Lager und dem
nationalistischen Lager.[30]“

Soekiman Wirjosandjojo (1898–1974) war ein indonesischer Politiker der Masyumi Partei. Hadikusumo
lenkte erst nach der Intervention eines anderen Politikers aus dem islamischen Lager ein.[31]

Am Abend des 15. Juli, als der neue Entwurf zu Artikel 29 der Verfassung diskutiert wurde, der jetzt
ebenfalls die sieben Wörter enthielt, brachte Hadikusumo seine Forderung allerdings erneut vor. Da dieser
Forderung nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde, teilte er mit, dass er mit dem Kompromiss der
Jakarta-Formel nicht einverstanden sei.[32] Da dadurch und durch andere Schwierigkeiten die
Verhandlungen ins Stocken gerieten, eröffnete Sukarno die Sitzung des letzten Tages (16. Juli) mit der Bitte
an die nationalistische Gruppe, in ein großes Opfer einzuwilligen, nämlich zuzulassen, dass neben den
sieben Wörtern der Jakarta-Charta auch der Artikel aufgenommen wird, dass der Präsident der Republik
Indonesien ein indonesischer Muslim sein muss.[33] Da die nationalistische Gruppe dieser Bitte nachkam,
beschloss die BPUPK einen Verfassungsentwurf, der nicht nur an zwei Stellen – in der Präambel und in Art.
29 – die sieben Wörter enthielt, die die Muslime zur Einhaltung der Scharia verpflichteten, sondern auch die
Bestimmung, dass der Präsident ein Muslim sein musste.[34]

Die Verwerfung der Sieben Wörter nach der Unabhängigkeitserklärung

Die schnellen politischen Entwicklungen nach den


Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki (6. und 9.
August) und der Rede von Kaiser Hirohito zur Beendigung des
Krieges (15. August) ließen eine Situation entstehen, in der alle
Konzessionen, die man während der zweiten Konferenz der BPUPK
den islamischen Gruppen gemacht hatte, wieder rückgängig gemacht
wurden.[35] Am 14. oder 15. August 1945 wurde von japanischer
Seite eine neue Kommission eingesetzt, die Kommission zur
Die indonesische
Vorbereitung der indonesischen Unabhängigkeit (Panitia Persiapan
Unabhängigkeitserklärung vom 17.
Kemerdekaan Indonesia – PPKI).[36] Ihr gehörten nur vier von den August 1945
neun Unterzeichnern der Jakarta-Charta an, nämlich Sukarno,
Mohammad Hatta, Achmad Soebardjo und Wahid Hasjim.[37]

Dieses Gremium kam am 18. August 1945, also einen Tag nach der
Indonesischen Unabhängigkeitserklärung zusammen, um über die
Staatsverfassung abzustimmen. Mohammad Hatta führte am Morgen
mit den anwesenden Delegierten ein Vorgespräch, bei dem er
vorschlug, die sieben umstrittenen Wörter sowohl in der Präambel
als auch in Art. 29 wieder zu streichen. Wie Hatta später in seinem
Buch „Rund um die Proklamation vom 17. August 1945“ (Sekitar
Proklamasi 17 Agustus 1945) berichtete, war am Vorabend ein
Die Sitzung des PPKI am 18. August
japanischer Marine-Offizier zu ihm gekommen und hatte ihn darüber
1945
informiert, dass christliche Nationalisten aus den östlichen Regionen
Indonesiens die Sieben-Wörter-Klausel der Jakarta-Charta als
religiöse Diskriminierung ablehnten und es im Falle ihrer
Beibehaltung vorzogen, außerhalb der Republik Indonesien zu stehen.[38] In dem Entwurf, den Hatta dem
Gremium vorlegte, waren noch verschiedene andere Formulierungen verändert, um religiöse Neutralität
herzustellen. So war der Ausdruck ke-Toehanan („Göttliche Herrschaft“, „Glaube an Gott“) durch ke-
Toehanan Jang Maha Esa („Herrschaft Gottes des All-Einen“, „Glaube an Gott den All-Einen“) ersetzt,[39]
und als Titel für die Präambel stand nicht der arabische Begriff „Mukadimah“, sondern das indonesische
Wort „Pembukaan“.[40] Die PPKI nahm die Verfassung in dieser Form am 18. August 1945 einstimmig an.
So wurde die Verfassung ohne den Zusatz der sieben Wörter verabschiedet.[41]

Über den Grund, warum das PPKI-Gremium die Änderung des Verfassungsentwurfs ohne Widerstand
hinnahm, wurde später viel gerätselt.[42] Unter anderem wird angeführt, dass dieses Gremium eine völlig
andere Zusammensetzung hatte als das BPUPK. Nur 12 Prozent gehörten dem islamischen Lager an
(gegenüber 24 Prozent in der BPUPK).[43] Von den neun Unterzeichnern der ursprünglichen Jakarta-Charta
waren an diesem Tag nur drei Personen anwesend. Keiner davon gehörte jedoch dem islamischen Lager an;
Wahid Hasjim, der von Surabaya anreiste, kam erst einen Tag später, am 19. August, in Jakarta an.[44]
Daneben wird darauf verwiesen, dass das Land zu dieser Zeit von alliierten Truppen umgeben war, sich in
einer gefährlichen Lage befand und die Verteidigung der gerade erst errungenen Unabhängigkeit höchste
Priorität hatte.[45]

Die Vertreter des politischen Islams waren mit der Änderung des Verfassungsentwurfs allerdings nicht
einverstanden. Ihre Enttäuschung wurde dadurch noch gesteigert, dass das PPKI-Gremium am 19. August
die Schaffung eines eigenen Religionsministeriums ablehnte.[46] Im November 1945 gründeten sie in
Anlehnung an das unter japanischer Besatzung gegründete islamische Repräsentativgremium die Masjumi-
Partei, die die Wiedereinsetzung der Jakarta-Charta forderte. Lediglich das Erscheinen niederländischer
Truppen, die das Land wieder zu besetzen versuchten, zwang sie zur Zusammenarbeit mit der
republikanischen Regierung.

Diskussionen um die Jakarta-Charta nach Aufhebung der


Verfassung von 1945

Forderungen der islamischen Parteien nach Anerkennung der Jakarta-Charta

Am 27. Dezember 1949 wurde die Verfassung von 1945 durch eine neue Verfassung ersetzt, die Verfassung
der Vereinigten Staaten von Indonesien. Diese wurde am 17. August 1950 wiederum durch die
Provisorische Verfassung von Indonesien ersetzt. Schon bei den Debatten, die der Annahme der
Provisorischen Verfassung von 1950 vorausgingen, forderte die Masyumi-Partei immer wieder die
institutionelle Anerkennung der Jakarta-Charta.[47] Abikoesno Tjokrosoejoso, der zur Neuner-Kommission
gehört hatte, veröffentlichte 1953 ein Pamphlet mit dem Titel „Die islamische Umma von Indonesien vor
den Allgemeinen Wahlen“, auf deren erster Seite die Jakarta-Charta abgedruckt war, als das Ideal, dem
nachzustreben war.[48]

Auch in der Konstituante, der Verfassungsgebenden Versammlung,


die im Dezember 1955 gewählt wurde, um eine permanente
Verfassung für Indonesien auszuarbeiten, war die Jakarta-Charta ein
wichtiges Thema. Insgesamt bestand das Gremium aus 514
Abgeordneten, von denen 230, also 44,8 Prozent, dem sogenannten
islamischen Block angehörten, während die meisten anderen
Abgeordneten Parteien angehörten, die säkular ausgerichtet
waren.[49] Den islamischen Block, dem insgesamt acht Parteien
angehörten (Nahdlatul Ulama, Masyumi, PSII, Perti und vier
kleinere Gruppen), einte die Auffassung, dass die Streichung der Das Gebäude in Bandung, in dem
sieben Wörter der Jakarta-Charta eine falsche und verhängnisvolle von 1956 bis 1959 die Konstituante
tagte.
Entscheidung gewesen sei, die die muslimischen Gruppe in der
PPKI nur aufgrund der Notumstände der Zeit zugelassen hatte sowie
aufgrund des Versprechens von Sukarno, dass eine gewählte
Volksversammlung das Problem in der Zukunft wieder aufgreifen würde. Abdoel Kahar Moezakir, ein
Mitglied der Neuner-Kommission, das sich der Masyumi-Partei angeschlossen hatte, beschrieb die
Streichung der sieben Wörter als einen „Verrat“, durch den die Pancasila selbst zerstört worden sei, weil,
wie er meinte, die Prinzipien, die die Moralität der in die Jakarta-Charta aufgenommenen Pancasila
hervorgebracht hatten, der Form der Pancasila abhandengekommen seien.[50] Während der Arbeiten der
Konstituante in den folgenden Jahren forderte die Masyumi-Partei, mit 112 Abgeordneten die größte
islamische Partei innerhalb des Gremiums, immer wieder die institutionelle Anerkennung der Jakarta-
Charta.[47]
Zusagen der Regierung im Frühjahr 1959

Da sich die Mitglieder der Konstituante nicht auf eine neue Verfassung einigen konnten, sprach sich das
Militär, vertreten durch General Abdul Haris Nasution, am 13. Februar 1959 für die Rückkehr zur ersten
Verfassung von 1945 aus.[51] Sukarno unterstützte diesen Vorschlag, weil er hoffte, seine Idee der Gelenkter
Demokratie auf diese Weise besser umsetzen zu können. Am 19. Februar verabschiedete sein Kabinett
einstimmig eine Resolution „zur Realisierung der Gelenkten Demokratie innerhalb des Rahmens einer
Rückkehr zur Verfassung von 1945“. In den 24 Punkten dieser Resolution wurde die Meinung zum
Ausdruck gebracht, dass die Verfassung von 1945 eine bessere Garantie für die Umsetzung der Gelenkten
Demokratie böte. Punkt 9 lautete: „Um dem Wunsch der islamischen Gruppen näherzukommen, in
Verbindung mit Wiederherstellung und Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit, wird die Existenz der
Jakarta-Charta vom 22. Juni 1945 anerkannt.“[52] In der „Erklärung“ wurde ergänzt, dass „der Zweck der
Rückkehr zur Verfassung von 1945 die Wiederherstellung des gesamten nationalen Potentials einschließlich
der islamischen Gruppen sei, um sich auf die Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und die
Entwicklung auf allen Feldern konzentrieren zu können“. Die Erwähnung der Jakarta-Charta war also
intendiert als eine freundliche Geste gegenüber den Führern der Darul-Islam-Bewegung in West-Java,
Südsulawesi und Aceh sowie gegenüber anderen islamischen Politikern im Parlament und der Konstituante,
die mit der Ideologie der Darul-Islam-Bewegung sympathisierten. Die Rückkehr zur Verfassung von 1945
sollte in der Weise erreicht werden, dass der Präsident bei einer Sitzung der Verfassungsgebenden
Versammlung diese dazu drängen sollte, diese Verfassung als die endgültige Verfassung Indonesiens zu
akzeptieren, wobei besondere Vereinbarungen hinsichtlich der Existenz der Jakarta-Charta getroffen werden
sollten.[53]

Am 3. und 4. März 1959 wurde dem Parlament die Gelegenheit gegeben,


Fragen über diese Resolution des Kabinetts zu stellen, die von der
Regierung schriftlich beantwortet werden sollten. Eine Anzahl von
Vertretern der islamischen Parteien bat um Aufklärung über den Satz zur
Jakarta-Charta. Anwar Harjono von der Masyumi-Partei stellte die Frage, ob
dieser bedeute, dass die Jakarta-Charter als Dokument die gleiche
Gesetzeskraft haben würde wie die Verfassung, oder nur die Existenz dieses
historisches Dokuments anerkannt werden sollte, um es „gelegentlich im
Zusammenhang mit öffentlicher Sicherheit zu nutzen“. Premierminister
Djuanda Kartawidjaja antwortete darauf, dass die Jakarta-Charta, obwohl
nicht Teil der Verfassung von 1945, dennoch ein historisches Dokument sei,
welches beträchtliche Bedeutung für den Freiheitskampf des indonesischen
Volkes und für den Entwurf der Präambel der Verfassung gehabt habe.
Premierminister Djuanda
Achmad Sjaichu von der Nahdhlatul Ulama wollte wissen, ob die
Kartawidjaja (1957–1959)
Anerkennung der Jakarta-Charta Gesetzeskraft erlangen sollte, so dass der
Ausdruck „Glaube an Gott“ (ketuhanan) in der Präambel von 1945 um die
berühmten sieben Wörter ergänzt werden würde. Und er fragte, ob es
möglich sein würde, auf dieser Basis eine Gesetzgebung zu schaffen, die sich in Übereinstimmung mit dem
islamischen Recht befindet? Er erhielt von Djuanda zur Antwort, dass die Anerkennung der Existenz der
Jakarta-Charta als ein historisches Dokument für die Regierung auch die Anerkennung ihres Einflusses auf
die Verfassung von 1945 sei. Dieser Einfluss erstrecke sich nicht nur auf die Präambel, sondern auch auf
Artikel 29 zur Religion und Religionsfreiheit, der die Basis für die weitere Gesetzgebung auf dem religiösen
Feld sein müsse.[54]

Präsident Sukarno hielt am 22. April 1959 vor der Verfassungsgebenden Versammlung in Bandung eine
lange Rede, in der er nochmals dazu aufrief, zur Verfassung von 1945 zurückzukehren, und hinsichtlich der
Jakarta-Charta äußerte, dass es die Botschaft des Leidens des Volkes (amanat penderitaan rakyat) sei, die
ihr Leben verliehen habe. Die Jakarta-Charta habe die Wünsche umfasst, die in der Botschaft des Leidens
des Volkes enthalten seien, nämlich die gerechte und wohlhabende Gesellschaft, den unitarischen
Einheitsstaat und die Beratung in dem Einkammersystem. Die Jakarta-Charta sei ein historisches Dokument,
das der Verfassung von 1945 vorausgegangen sei und sie beeinflusst habe. Aus diesem Grund werde er
später den Originaltext der Jakarta-Charta dieser Sitzung der Konstituante aushändigen.[55] Sukarno gab
bekannt, dass im Falle der Zustimmung der Konstituante die neue Regelung in einer Charta, der Bandung-
Charta, deklariert werden sollte, die die „Anerkennung der Jakarta-Charta als historischem Dokument“
enthalten würde.[56]

Auseinandersetzungen um die Jakarta-Charta in der Konstituante

Bei den folgenden Sitzungen der Konstituante wurde die Jakarta-Charta von den islamischen Führern
mehrfach wieder auf die Tagesordnung gesetzt.[57] Insbesondere Saifuddin Zuhri von der Nahdlatul Ulama
(NU), der später Minister für religiöse Angelegenheiten wurde, maß dem Problem der Jakarta-Charta große
Bedeutung zu. Er forderte die Regierung auf, festzulegen, dass die Jakarta-Charta gesetzliche Bedeutung für
die Gegenwart habe und als eine Quelle für die Realisierung islamischer Gesetzgebung für die Muslime
benutzt werden könne. Umgekehrt betonten Vertreter christlicher Parteien, dass für sie die Jakarta-Charta
nur ein historisches Dokument und der Vorläufer der Präambel sei, so dass sie auch nicht als Gesetzesquelle
dienen könne und dürfe.[58] Abdoel Kahar Moezakir, einer der neun Unterzeichner der Jakarta-Charta,
brachte sein Bedauern darüber zum Ausdruck, dass die Regierung die Jakarta-Charta nur deswegen wieder
auf die politische Tagesordnung gesetzt hatte, um damit die islamische Gemeinschaft zu besänftigen, nicht
aber um sie zur Grundlage der Verfassung zu machen. Vertreter der islamischen Parteien Perti und PSII
stellten in Aussicht, die Rückkehr zur Verfassung von 1945 zu unterstützen, wenn gleichzeitig die Jakarta-
Charta zur Präambel der Verfassung gemacht würde. Die Vertreter der PSII forderten allerdings, dass die
sieben Wörter der Jakarta-Charta zusätzlich in Artikel 29 der Verfassung aufgenommen werden müssten.[59]

Höhepunkt der Debatte war eine Rede, die NU-Führer H. Zainul Arifin am
12. Mai 1959 hielt, in der er die These vertrat, dass im Grunde genommen
nicht die Präambel der Verfassung, sondern die Jakarta-Charta die wahre
Basis der Republik Indonesien sei, weil sie den Weg zur Proklamation der
Republik Indonesien geebnet habe. In Anspielung an den Lichtvers des
Korans verglich er die Jakarta-Charta mit dem Licht der Lampe, welches
wie ein funkelnder Stern eine ewige Quelle des Lichts für die Verfassung
bilde, um die dunkle Straße, auf der das indonesische Volk wandele, zu
beleuchten. Deshalb müsse sie auch als die grundlegende Norm für den
Staat und seine Gesetzgebung anerkannt werden.[60] Andere Mitglieder der
Konstituante von der Kommunistischen Partei und der Christlichen Partei
traten dieser Sichtweise entgegen und betonten in ihren Reden, dass die
Jakarta-Charta lediglich ein Entwurf gewesen sei.[61]
Der NU-Politiker Zainul
Arifin verglich die Jakarta-
Premierminister Djuanda Kartawidjaja erklärte am 21. Mai in der
Charta mit dem im Lichtvers
Konstituante, dass die Anerkennung der Existenz der Jakarta-Charta zwar
genannten göttlichen Licht.
nicht bedeute, dass dieses historische Dokument weiter gültig sei oder
Gesetzeskraft besitze, doch werde dadurch anerkannt, dass die Jakarta-
Charta die Verfassung von 1945 mit Leben versehen habe, insbesondere die
Präambel und Artikel 29, der die Basis für das Rechtsleben im Bereich der Religion bilden solle. Um die
Sichtweise der Regierung in eine verbindlichere Form zu bringen, präsentierte er einen Entwurf für die von
Sukarno angekündigte Bandung-Charta, die eben diese Aussage enthielt und der die Jakarta-Charta
angehängt war.[62] Die kleinen Unterschiede zwischen den Verlautbarungen der Regierung im Februar, April
und Mai 1959 zeigen, dass diese versuchte, dem islamischen Lager immer weiter entgegenzukommen:
Während in der Resolution des Kabinetts vom Februar lediglich von einer Anerkennung der Existenz der
Jakarta-Charta die Rede war, ergänzte Sukarno in seinem Vorschlag vom April den Ausdruck „historisches
Dokument“. Der finale Entwurf für die Bandung-Charta erkannte sogar an, dass die Jakarta-Charta eine
entscheidende Rolle für die Entstehung der Verfassung von 1945 gespielt hatte.[63]

Den Vertretern der islamischen Parteien ging dies jedoch nicht weit genug. Sie brachten am 26. Mai einen
Antrag in die Konstituante ein, der eine Einfügung der sieben Wörter in Präambel und Artikel 29 vorsah.[64]
Als am 29. Mai über diesen Änderungsantrag in der Verfassungsgebenden Versammlung abgestimmt wurde,
erhielt er aber nicht die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit: nur 201 der insgesamt 466 Abgeordneten, also
43,1 Prozent, stimmten dafür. Daraufhin verweigerten die islamischen Parteien ihre Zustimmung zur
Rückkehr zur Verfassung von 1945.[65]

Nach der Wiedereinsetzung der Verfassung von 1945

Sukarnos Dekret vom 5. Juli 1959 und das Memorandum von 1966

Da damit die Arbeit der Konstituante zum Stillstand gekommen war,


löste Sukarno sie am 5. Juli 1959 durch ein präsidentielles Dekret
auf und erhob die Verfassung von 1945 zur endgültigen Verfassung
des Staates.[66] Sukarnos Dekret enthielt auch eine Aussage
hinsichtlich der Jakarta-Charta. Sie bildete eine von fünf
Erwägungen im ersten Teil des Dekrets. Der Präsident bekräftigte
darin seine Überzeugung, dass die Jakarta-Charta die Verfassung
von 1945 mit Leben erfülle (menjiwai) und mit ihr „einen Sukarno bei der Verlesung seines
einheitlichen Verbund bilde“ (merupakan rangkaian kesatuan).[67] Dekrets vom 5. Juli 1959
Diese Aussage soll teilweise das Ergebnis der Bemühungen des NU-
Führers Wahib Wahab gewesen sein, der kurz danach zum
Religionsminister ernannt wurde.[68] Das Parlament stimmte am 22. Juni 1959 per Akklamation der
Rückkehr zur Verfassung von 1945 zu.[69]

Am 22. Juni 1963 wurde zum ersten Mal der Jahrestag der Jakarta-Charta gefeiert. General Abdul Haris
Nasution, der zu dieser Zeit Verteidigungsminister war, hielt eine Rede, in der er mutmaßte, dass in die
Jakarta-Charta viel von der „Weisheit“ (hikma) der islamischen Gelehrten und Führer eingeflossen sei, die
sich vorher mit Briefen an das Sekretariat der Djawa Hōkōkai gewandt hatten.[70] Um die enge Verbindung
von Verfassung und Jakarta-Charta deutlich zu machen, las Sukarno am 5. Juli 1963, dem vierten Jahrestag
seines Dekrets, Jakarta-Charta und Präambel der Verfassung nacheinander laut vor.[71]

Der „Repräsentativrat des Volkes zur gegenseitigen Hilfe“ (Dewan Perwakilan Rakyat Gotong Royong;
DPRGR), ein von Sukarno im Rahmen der Gelenkten Demokratie neu geschaffenes Gremium,
verabschiedete am 9. Juni 1966 ein Memorandum über die Quellen des indonesischen Rechts, das am 5. Juli
1966 durch ein Dekret der neu eingeführten Provisorischen Beratenden Volksversammlung (Majelis
Permusyawaratan Rakyat Sementara; MPRS) ratifiziert wurde. In diesem Dekret Nr. XX/1966 wurde noch
einmal die historische Rolle der Jakarta-Charta im Verfassungsprozess bekräftigt: „Die Formulierung der
Präambel von 1945 gründete sich in der Tat auf den Geist der Jakarta-Charta, und die Jakarta-Charta
gründete sich auf den Geist von Sukarnos Rede vom 1. Juni 1945, die jetzt als die Rede über ‚Die Geburt
der Pancasila‘ bekannt ist.“ Gleichzeitig wurde in dem Dekret aber auch klargestellt, dass die Präambel der
Verfassung von 1945 mit der Pancasila durch niemanden mehr geändert werden könne, auch nicht durch die
Beratende Volksversammlung, weil eine Änderung der Verfassung gleichbedeutend mit der Auflösung des
Staates sei. Im Vergleich zur Pancasila war also die Position der Jakarta-Charta unklar und schwach, aber
immerhin wurde sie in diesem Dekret erwähnt.[72]
Muslimische Forderungen nach Umsetzung der Jakarta-Charta

Die verschiedenen politischen Lager interpretierten die offiziellen Aussagen zur Jakarta-Charta allerdings
sehr unterschiedlich. Während die Nationalisten und andere nicht-islamische und anti-islamische Parteien
betonten, dass diese Aussage lediglich unter den Erwägungen erwähnt sei und ihr deswegen nicht die
gleiche Gesetzeskraft zukomme wie dem Dekret, meinten die islamischen Gruppen, dass durch dieses
Dekret die Jakarta-Charta mit ihren „sieben Wörtern“ gesetzliche Bedeutung erhalten habe und die Muslime
dazu angehalten seien, die Scharia anzuwenden. Das bedeute auch, dass für die muslimischen Bewohner
Indonesiens spezielle islamische Gesetze gemacht werden könnten.[73]

Der NU-Politiker Saifuddin Zuhri, der 1962 das Amt des Religionsministers übernommen hatte, verkündete
1963 bei Jahrestag der Jakarta-Charta in einer Rede, dass die Jakarta-Charta Initialfunken der Nationalen
Revolution gewesen sei, Verfassungsstatus besitze und klaren Einfluss auf jede Gesetzgebung des Staates
und das ideologische Leben des ganzen Volkes habe.[74] Er formulierte bei dieser Gelegenheit auch eine
neue Aufgabenbeschreibung für sein Ministerium, indem er erklärte, dass die Arbeit der Behörde darauf
abziele, „das präsidentielle Dekret bezüglich der die Verfassung von 1945 inspirierenden Jakarta-Charta
umzusetzen“.[75] Bei Gelegenheit des vierzigsten Geburtstags der Nahdlatul Ulama im Januar 1966 fand
eine Parade statt, bei der die Menschen Transparente trugen, auf denen sie ihrem Wunsch nach Rückkehr zur
Jakarta-Charta Ausdruck gaben.[76] In der Provinz Aceh gründeten im gleichen Monat Ulama eine eigene
Vereinigung, mit dem expliziten Ziel, die Jakarta-Charta umzusetzen und die Scharia in der Provinz
einzuführen, wobei sie auf Sukarnos Dekret von 1959 Bezug nahmen.[77]

Eine eher zurückhaltende Haltung nahm dagegen der reformistische muslimische Politiker Mohamad Roem
ein. In einer Gedenkrede an der Islamischen Universität von Medan im Februar 1967 betonte er, dass
Muslime ohnehin verpflichtet seien, das islamische Recht einzuhalten, ganz gleich ob die Jakarta-Charta in
der Präambel der Verfassung und in dem Dekret des Präsidenten Sukarno enthalten sei oder nicht. Die
Jakarta-Charta besitze eine permanente Bedeutung, aber nicht in gesetzlichem Sinne, sondern vielmehr in
spirituellem Sinne. Die permanente religiöse Bedeutung der Jakarta-Charta, die in Sukarnos Dekret erwähnt
sei, bestehe darin, dass sie die muslimischen Bürger an ihre Verantwortung vor Gott erinnere, das islamische
Recht einzuhalten.[78] Mit dieser Haltung stand Mohamad Roem im muslimischen Lager allerdings
weitgehend allein. Während der Sitzung der MPRS im März 1968 forderten NU-Mitglieder und Anhänger
der Partai Muslimin Indonesia, die Jakarta-Charta auch in die Allgemeinen Richtlinien der Staatspolitik
(Garis-garis Besar Haluan Negara: GBHN) aufzunehmen, doch konnten sie sich aufgrund des Widerstands
des Militärs, der Christen und der säkularen Nationalisten mit dieser Forderung nicht durchsetzen.[79]

Christen und Muslime im Streit um die historische Bedeutung des


Dokuments

Nach der MPRS-Sitzung vom März 1968 erreichte die Debatte um die Jakarta-Charta einen neuen
Höhepunkt mit mehreren polemischen Schriften von christlicher und muslimischer Seite.[79] Das
katholische Magazin Peraba veröffentlichte eine Reihe von Artikeln der Katholischen Partei und säkularer
Nationalisten, die die Argumente der Befürworter der Jakarta-Charta kritisierten. Die katholische Partei
argumentierte, dass die Jakarta-Charta niemals Gesetzeskraft besessen habe, weil sie lediglich der Entwurf
zur Präambel der Verfassung gewesen sei. Unter Berufung auf Sajuti Melik, eines der Mitglieder der PPKI,
argumentierte die Partei, dass es kaum Belege dafür gebe, dass die Unterkommission der BPUPK den
Entwurf der Präambel überhaupt signiert habe. Es sei lediglich Mohammad Yamin gewesen, der diesen
Entwurf dann Jakarta-Charta genannt hätte. Da es sich lediglich um einen Entwurf gehandelt habe, habe die
PPKI das Recht gehabt, die sieben Wörter fallen zu lassen.[80] Hinsichtlich des Dekrets von 1959 betonte
die Partei, dass das darin enthaltene Wort „inspiriert“ bedeute, dass die Präambel von 1945 aus der Jakarta-
Charta hervorgehe, nicht aber, dass die „sieben Wörter“ in das indonesische Rechtssystem übernommen
werden müssen. Anderenfalls hätte das Dekret besagen müssen, dass
die Jakarta-Charta die Präambel der Verfassung von 1945 ersetzt.
Außerdem spiegele diese Aussage lediglich Sukarnos persönliche
Überzeugung, die keinerlei Gesetzeskraft habe.[81]

Der Herausgeber der Zeitschrift argumentierte, dass diejenigen, die


die Anerkennung der Jakarta-Charta forderten, gegen die Einheit
und Integrität der Nation verstoßen würden, und wies die
Behauptung, dass die Unabhängigkeitserklärung etwas mit der
Jakarta-Charta zu tun habe, zurück. Verschiedene Jungpolitiker, die
nicht mit den japanischen Kolonialbehörden zusammenarbeiten
wollten, hätten großen Wert darauf gelegt, dass die Unabhängigkeit
nicht mit den Japanern in Verbindung gebracht würde. Deshalb Das Logo der Katholischen Partei
hätten sie sich geweigert, in der Deklaration irgendwelche Wörter Indonesiens auf einem Stimmzettel
aus der Jakarta-Charta zu benutzen, da sie diese als ein Produkt der
von den Japanern eingesetzten BPUPK-Kommission
betrachteten.[82]

Muslimische Politiker versuchten im Gegenzug zu zeigen, dass die Unabhängigkeitserklärung sehr stark mit
der Jakarta-Charta verbunden und auf sie gegründet war. Besonders scharfe Töne schlug der reformistische
muslimische Führer Hamka (1908–1981) an. Er argumentierte, dass vor der Jakarta-Charta die Bewegung
für die Unabhängigkeit Indonesiens in zwei Gruppen – die islamische und die nationalistische – gespalten
gewesen sei, die sich gegenseitig nicht respektiert hätten. Allein der in der Jakarta-Charta formulierte
Kompromiss habe die beiden Gruppen zusammengeführt, doch sei dieser nach der Unabhängigkeit in
betrügerischer Weise von den Nationalisten aufgekündigt worden.[80] Etwas moderater äußerte sich der
Religionsminister Mohammad Dachlan. Bei einer Rede zum Jahresgedenken an die Jakarta-Charta im Juni
1968 sagte er, dass dieses Dokument ein Schritt hin zur Unabhängigkeit gewesen sei, der als Triebfeder und
Inspirationsquelle der indonesischen Nation für den Kampf zur Verteidigung der Unabhängigkeit gedient
habe. Der Inhalt der Unabhängigkeitserklärung stimme mit der Aussage der Jakarta-Charta überein und habe
den Abschluss der Bewegung für die indonesische Unabhängigkeit im 20. Jahrhundert markiert.[83]
Sukarnos Dekret von 1959 und das 1966 von der MPRS ratifizierte Memorandum der DPRGR hätten
deutlich gemacht, dass die Jakarta-Charta eine gültige Rechtsquelle im Lande sei.[84] Die katholische
Zeitschrift Peraba veröffentlichte daraufhin einen Artikel der katholischen Jugend, in dem diese Dachlans
Amtsverständnis kritisierte, die Auflösung des Religionsministeriums vorschlug und warnte, dass in
Indonesien der Islam praktisch die Religion des Staates geworden sei.[85]

Das Militär war hinsichtlich der Jakarta-Charta gespalten. Abdul Haris Nasution, der Sprecher des
Volkskongresses, erklärte im Juli 1968 auf einem Seminar in Malang über „Die Entwicklung der
islamischen Gemeinschaft“, dass er die Idee der Gründung eines islamischen Staates ablehne, aber den
Wunsch der Muslime nach Wiedereinsetzung der Jakarta-Charta befürworte.[86] Als aber im Juni 1968 ein
Verein islamischer Studenten und Schüler den Jahrestag der Jakarta-Charta öffentlich feiern wollte, erteilte
der Militärgouverneur von Jakarta nicht die Erlaubnis dazu. Die Regierung forderte die Beamten dazu auf,
keinerlei Erklärungen zur Jakarta-Charta abzugeben und auch an der Feier nicht teilzunehmen. Im nächsten
Jahr verbot der Militärkommandeur der in Pontianak stationierten Tanjung Pura Division das Feiern des
Jahrestags der Jakarta-Charta, mit dem Argument, dass die Ideologie des Staates in der Präambel der
Verfassung von 1945 festgelegt sei.[87]

Projekte zur Umsetzung der Jakarta-Charta in der Praxis


Die Haltung der Vertreter des politischen Islam war ab den späten 1960er Jahren dadurch bestimmt, dass sie
den Inhalt der Jakarta-Charta jetzt über die Gesetzgebung umzusetzen versuchten.[88] Allerdings standen sie
dabei zunächst vor der Aufgabe, zu definieren, was die Pflicht zur Umsetzung der Scharia eigentlich
bedeutet.[89] Mohammad Saleh Suaidy, ein früherer Masyumi-Aktivist, hat später im Rückblick geäußert,
dass man in den späten 1960er Jahren eine Umsetzung der Jakarta-Charta über die folgenden Punkte zu
erreichen suchte: (1) Verabschiedung des Islamischen Ehegesetzes, das zu dieser Zeit noch im Parlament
diskutiert wurde; (2) Verwaltung der Zakāt-Einsammlung und -Verteilung mit der Aussicht auf die spätere
Einführung eines Zakāt-Gesetzes; (3) Vereinheitlichung des Curriculums der islamischen Schulen im Lande;
(4) Verbesserung der Effizienz und Koordination der Daʿwa-Aktivitäten; (5) und Reaktivierung des
Islamischen Wissenschaftsrats (Majelis Ilmiah Islam) als einer Institution zur Entwicklung islamischer
Normen.[90]

Zur Erreichung des zweiten Ziels wurde schon 1968 in Indonesien eine halb-staatliche Agentur zur
Einsammlung und Verteilung der Zakāt geschaffen, der Badan Amil Zakat (BAZ).[91] Auf christlicher Seite
sah man diese Entwicklungen jedoch mit großer Sorge. Die Katholische Partei protestierte im Februar 1969
gegen die neuen Gesetzesprojekte mit einem Memorandum. Darin forderte sie, dass sich die Regierung
entscheiden müsse zwischen einem islamischen und einem säkularen Staat, und warnte, dass mit der
Annahme der neuen islamischen Gesetzesprojekte die Pancasila als ideologische Basis des Staates
ausgehebelt und durch die Jakarta-Charta ersetzt würde.[92]

Im Dezember 1973 wurde auch ein islamisches Ehegesetz verabschiedet.[93] Die Erläuterungen zur
Einführung des Gesetzes nahmen explizit auf die Jakarta-Charta Bezug und stellten klar, dass der
Gesetzgeber diese aufgrund von Sukarnos Dekret als Teil der Verfassung betrachtete.[92]

Insgesamt ließ das politische Programm der Orde-Baru-Periode, das ganz auf die Indoktrinierung der
Pancasila-Ideologie ausgerichtet war, aber nur noch wenig Raum für Diskussionen über die Jakarta-
Charta.[94] 1973 wurden alle islamischen Parteien in einer einzigen Partei, der Partai Persatuan
Pembangunan zwangsvereinigt.[95] Anfang der 1980er Jahre zwang die Regierung alle politischen Parteien,
die Pancasila zu ihrer einzigen ideologischen Basis zu machen und den Islam gegebenenfalls aus ihrem
ideologischen Repertoire zu streichen.[95]

1988: Neue Diskussionen anlässlich der Einführung religiöser Gerichte

Zu neuen Diskussionen kam er erst wieder im Jahre 1988, als die


Regierung eine Gesetzesvorlage zur Einführung religiöser Gerichte
präsentierte. Die Indonesische Demokratische Partei und die nicht-
muslimischen und säkularen Gruppen warfen daraufhin der
Regierung vor, mit diesem Gesetzesprojekt die Jakarta-Charta
umsetzen zu wollen.[96] Der jesuitische Theologe Franz Magnis-
Suseno mahnte, dass die Entfernung der sieben Wörter der Jakarta-
Charta aus der Präambel den Zweck gehabt habe, dass keine der
sozialen Gruppen ihre spezifischen Idealen den anderen aufzwingen
Franz Magnis-Suseno
solle.[92] Anfang Juli 1989 forderten Vertreter der Konferenz der
indonesischen Bischöfe (KWI) und der Vereinigung indonesischer
Kirchen (PGI), dass Muslime weiter die Freiheit haben müssten, zwischen religiösen und zivilen Gerichten
zu wählen, weil sie sonst zur Einhaltung der Scharia verpflichtet würden, was nicht mit den Prinzipien der
Pancasila übereinstimme und einer Umsetzung der Scharia gleichkomme.[97]

Suharto reagierte auf die Kritik mit der Aussage, dass mit dem Gesetz nur die Verfassung von 1945 und die
Pancasila-Idee verwirklicht werden sollten, und das Projekt keine Beziehung zur Jakarta-Charta habe.[96] In
gleicher Weise reagierten auch die muslimischen Führer.[98] Mohammad Natsir warf den Christen vor, dass
sie durchgehend islamischen Aspirationen mit Intoleranz begegnet seien, angefangen von der von ihnen
„erzwungenen“ Streichung der sieben Wörter der Jakarta-Charta über ihren Widerstand gegen den Entwurf
des islamischen Ehegesetzes 1969 bis hin zu ihrem erneuten Widerstand gegen das Gesetz zur Einführung
religiöser Gerichte.[99]

Mehr Verständnis für die Argumentation der christlichen Gruppen brachte dagegen der muslimische
Intellektuelle Nurcholis Madjid auf. Er äußerte, dass der Verdacht, dass das Gesetzesprojekt eine Umsetzung
der Jakarta-Charta sei, durch das politische Trauma der Vergangenheit verursacht sei, man aber dieses
Projekt als einen nationalen Prozess betrachten müsse.[99] In ähnlicher Weise äußerte auch die Armee-
Fraktion innerhalb des indonesischen Parlaments Verständnis gegenüber den Ängsten der Bevölkerung, dass
das Gesetzesprojekt als eine Realisierung der Jakarta-Charta sei, weil es in der Vergangenheit tatsächlich
mehrfach Bemühungen gegeben habe, die Pancasila-Ideologie durch Religion zu ersetzen.[100]

Forderungen nach Rückkehr zur Jakarta-Charta am Anfang der


Reformasi-Ära (1999–2002)

Der Vorstoß der islamischen Parteien

Nach dem Sturz Suhartos und der Aufhebung der Beschränkungen der Redefreiheit im Jahre 1998 wurden
erneut Forderungen nach einem Islamstaat und der Rückkehr zur Jakarta-Charta erhoben.[101] Hintergrund
dafür war, dass die Beratende Volksversammlung (MPR) im Oktober 1999 mit Beratungen über eine
Verfassungsreform begann.[102] Bei der jährlichen Sitzung der Beratenden Volksversammlung im Jahre
2000 starteten zwei islamische Parteien, nämlich die Vereinigte Entwicklungspartei (Partai Persatuan
Pembangunan – PPP) und die Halbmond-Stern-Partei (Partai Bulan Bintang – PBB), Nachfolgepartei der
Masyumi, eine politische Kampagne zur Wiederaufnahme der „sieben Wörter“ der Jakarta-Charta in die
Verfassung, und zwar allein durch einen Zusatz zu Artikel 29, der sich mit der Stellung der Religion im
Staat beschäftigt.[103] Auf diese Weise sollte die Pancasila-Formel in der Präambel der Verfassung
unangetastet bleiben.[104] Artikel 29 lautet eigentlich:

1. Der Staat ist gegründet auf den Glauben an den Alleinigen Gott.
2. Der Staat garantiert die Freiheit eines jeden Bürgers, sich zu seiner jeweiligen Religion zu
bekennen und seiner Religion und seinem Glauben gemäß Gottesdienst zu feiern.[105]

Der PBB-Politiker M.S. Kaban begründete die Position seiner Fraktion damit, dass sie damit nur die
Konsequenzen aus Sukarnos Dekret vom 5. Juli 1959 ziehe, das die unverbrüchliche Einheit von Verfassung
und Jakarta-Charta klargestellt habe. Befürchtungen, dass die Diskussion der Jakarta-Charta zur nationalen
Desintegration führen könne, hielt er für unbegründet.[106]

Auch der erste Kongress der indonesischen Mudschahidun im August 2000 rief zur Aufnahme der Jakarta-
Charta in die Verfassung und zur Anwendung der Scharia auf.[107] Die Kampagne wurde besonders von der
Front der Islam-Verteidiger (Front Pembela Islam – FPI) unterstützt. Habib Rizieq, der Vorsitzende und
Gründer der FPI, veröffentlichte im Oktober 2000 ein als „Dialog“ betiteltes Buch, in dem er die These
vertrat, dass die Aufnahme der Jakarta-Charta in die Verfassung einen historischen Fehler korrigieren und
eine starke moralische Basis für den indonesischen Staat bieten würde.[108] Rizieq verwies darauf, dass
Sukarno selbst die Jakarta-Charta als das Ergebnis einer sehr harten Aushandlungsarbeit zwischen
islamischen und nationalistischen Gruppen bezeichnet und das Dokument ohne Zögern unterschrieben
hatte.[109] Die Auffassung, dass die Rückkehr zur Jakarta-Charta Indonesien zu einem islamischen Staat
machen würde, wies er zurück. Die Jakarta-Charta sei vielmehr der mittlere Weg zwischen zwei sich
gegenseitig ausschließenden Wünschen gewesen, dem Wunsch des islamischen Lagers, einen islamischen
Staat zu gründen, und dem Wunsch des nationalistischen Lagers nach
Gründung eines säkularen Staats. Die Weglassung der Jakarta-Charta sei ein
Verrat an der Demokratie und ein Umstoß der Verfassung gewesen, der viele
Seiten enttäuscht und traurig zurückgelassen habe. Die Wiedereinfügung der
Formel in die Verfassung sei eine Medizin, die ihre gestohlenen Rechte
wiederherstellen würde. Auf diese Weise könne ein chronischer
ideologischer Konflikt gelöst werden.[110]

Ein Sprecher der PPP argumentiere 2002, dass es in Indonesien bereits


Gesetze gebe, die auf die islamische Scharia Bezug nehmen wie das
Ehegesetz von 1974, das Gesetz über die religiösen Gerichte von 1989 und
die Gesetze zu den Wallfahrtsdienstleistungen, zur Zakāt-Verwaltung und
zur Anwendung der Scharia in Aceh von 1999. All diese gesetzlichen
Habib Rizieq, Gründer der Entwicklungen sollten durch die Wiederaufnahme der Jakarta-Charta in
Front der Islam-Verteidiger
Artikel 29 der Verfassung bestätigt werden.[111] Auf Druck der FPI, der
Hizb ut-Tahrir und dem Rat der indonesischen Mudschahidun (Majelis
Mujahidin Indonesia; MMI) schlossen sich 2002 noch drei weitere kleinere
islamische Parteien dieser Position an, die in der „Fraktion der Souveränität der Umma“ (Perserikatan
Daulatul Umma; PDU) zusammengeschlossen waren. Die Position der PDU wich nur insofern von der
Position der PPP und PBB ab, als sie die sieben Wörter der Jakarta-Charta an den zweiten Absatz von
Artikel 29 anhängen wollten.[112] Auf der abschließenden Sitzung der Beratenden Volksversammlung zur
Verfassungsreform im Jahre 2002 wurde von der PBB und der PDU ein formaler Antrag auf Erweiterung
von Artikel 29 der Verfassung um die sieben Wörter gestellt.[113]

Die Gegner des Vorstoßes

Die Indonesische Demokratische Partei des Kampfes (Partai


Demokrasi Indonesia Perjuangan; PDI-P) wandte sich dagegen
entschieden gegen die Einfügung der Jakarta-Charta in die
Verfassung.[114] Auch die beiden islamischen Massenorganisationen
Nahdlatul Ulama und Muhammadiyah standen dieser Initiative jetzt
ablehnend gegenüber.[115] Ahmad Syafii Ma’arif, der Vorsitzende
der Muhammadiyah, äußerte im September 2001, dass eine
Umsetzung der Jakarta-Charta das Land, das kurz vor dem Das Logo der Partai Demokrasi
Zusammenbruch stehe, zusätzlich belasten würde.[116] Eine Anzahl Indonesia Perjuangan (PDI-P), die
anderer muslimischer Intellektueller wie Abdurrahman Wahid, sich gegen die Einfügung der
Nurcholis Madjid, Masdar F. Mas'udi und Ulil Abshar Abdalla „Sieben Wörter“ in die Verfassung
verwarfen den Plan ebenfalls.[117] Die Mitglieder von Laskar Jihad wandte.
in Solo waren sehr darüber enttäuscht, dass die Muhammadiya die
Wiedereinsetzung der Jakarta-Charta nicht unterstützte.[118]

Medina-Charta: der Alternativ-Vorschlag der Reformasi-Fraktion

Um den Widerstand der säkularistischen Parteien gegen die Jakarta-Charta zu umgehen, machten drei
andere gemäßigt-islamische Parteien, die in der sogenannten Reformasi-Fraktion zusammengeschlossen
waren, noch im Jahre 2000 einen Alternativ-Vorschlag. Er sah vor, Absatz 1 von Artikel 29 durch einen
religionsneutralen Zusatz zu versehen, der die Angehörigen der verschiedenen Religionen dazu
verpflichtete, ihre spezifischen religiösen Vorschriften einzuhalten.[119] Diesen geplanten Zusatz nannten sie
in Anlehnung an die Gemeindeordnung von Medina als „Medina-Charta“ (Piagam Medina), weil er die
religionsplurale Politik des Propheten Mohammed in seiner frühen Phase in Medina widerspiegeln
sollte.[120] Die drei Parteien, die diesen Vorschlag unterstützten, waren die Nationale Mandatspartei (Partai
Amanat Rakyat – PAN), die Partei des nationalen Erwachens (PKB) und die Gerechtigkeitspartei (Partai
Keadilan – PK), Vorgängerpartei der Partai Keadilan Sejahtera (PKS).[121] Die PK erklärte, dass sie die
Medina-Charta aus drei Gründen der Jakarta-Charta vorziehe:

1. Erstens sei die Jakarta-Charta nicht endgültig, weil sie nicht der einzige legitime Ausdruck der
Umsetzung der Scharia in Indonesien sei;
2. Zweitens sei sie nicht mit dem Geist des Islams vereinbar, weil sich der Text der Jakarta-
Charta nur auf die Muslime beziehe, wohingegegen der Islam eine Barmherzigkeit für die
ganze Welt (raḥma lil-ʿālamīn) sei;
3. Drittens sei die Medina-Charta viel näher am Kern des Islams als die Jakarta-Charta, weil sie
die rechtliche Autonomie jeder Religion anerkenne, während letztere bestimmte Gläubige
privilegiere.

Hidayat Nur Wahid, der Chef der PK, argumentierte, dass sich die Rolle der Jakarta-Charta als ein
Kompromiss zwischen islamischen und säkularen Politikern überlebt habe.[122] Mutammimul Ula, einer der
führenden Köpfer der PK, erklärte, dass seine Partei als kleine Partei danach strebe, negativen Gefühlen, die
aufgrund der Vergangenheit mit der Jakarta-Charta verbunden seien, aus dem Weg zu gehen. Die Medina-
Charta setze aber wie die Jakarta-Charta das islamische Recht durch. Durch den Alternativvorschlag habe
man das Dilemma lösen wollen, dass die politische Atmosphäre in Indonesien die Wiedereinfügung der
Jakarta-Charta nicht erlaube, aber auf der anderen Seite die PK-Wähler die Durchsetzung des islamischen
Rechts durch Änderung von Artikel 29 wünschten.[123]

Das Scheitern der Pläne zur Verfassungsänderung

Die Ausarbeitung von Entwürfen für weitere Verfassungsänderungen hatte der Arbeitsausschuss der MPR
schon 1999 dem Ersten Ad-hoc-Komitee (Panitia Ad hoc I – PAN I), einer 45-köpfigen Unterkommission,
in der alle elf Fraktionen der MPR proportional vertreten waren, übertragen.[124] Die drei unterschiedlichen
Entwürfe für Artikel 29 (Beibehaltung des Originaltextes, Jakarta-Charta und Medina-Charta) wurden im
Juni 2002 in diesem Gremium ausführlich diskutiert. Als sich abzeichnete, dass die beiden Vorschläge zur
Veränderung keine Mehrheit finden würden, schlug Yusuf Muhammad von der PKB am 13. Juni einen
Kompromiss vor, nämlich dass das Wort kesungguhan („ernste Absicht“) das Wort kewajiban („Pflicht“) in
der Sieben-Wörter-Formel ersetzen könnte, so dass sich der Satz ergäbe: „mit der ernsten Absicht der
Einhaltung der Scharia des Islams durch seine Anhänger“.[125] Als auch dieser Kompromiss keine Mehrheit
fand, schlug er vor, Artikel 29, Abs. 1 unverändert zu belassen und Absatz 2 folgendermaßen abzuändern:
„Der Staat garantiert die Freiheit eines jeden Individuums, seine jeweiligen religiösen Lehren und Pflichten
zu erfüllen und seinem Glauben gemäß Gottesdienst zu feiern.“[126]

Nach langen ergebnislosen Diskussionen in dem Gremium wurden die drei Alternativen im August 2002 zur
Abstimmung in die Jährliche Sitzung der Beratenden Versammlung gegeben. Auch wenn in der betreffenden
Sitzung Politiker von PDU und PBB noch einmal die Notwendigkeit betonten, die Einheit von Jakarta-
Charta und Verfassung durch Einfügung der Sieben Wörter in Art. 29 wiederherzustellen, fand dieser
Vorschlag nicht genügend Zustimmung.[127] Keiner der beiden Pläne zur Verfassungsänderung wurde
angenommen.[128]

Auch wenn die beiden Vorschläge der islamischen Parteien abgelehnt wurden, ist erwähnenswert, dass diese
Vorschläge, die die Umsetzung eines religionsrechtlichen Polyzentrismus implizieren, bei vielen Muslimen
Indonesiens beachtliche Popularität genossen. Nach einer Umfrage, die die indonesische Tageszeitung
Kompas im August 2002 durchführte, wurde der Vorschlag der Medina-Charta, der ein dem osmanischen
Millet-System ähnliches System geschaffen hätte, von 49,2 Prozent der Befragten befürwortet, während der
Vorschlag zur Durchsetzung der Jakarta-Charta von 8,2 Prozent befürwortet wurde. Nimmt man die beiden
Zahlen zusammen, so lässt sich erkennen, dass die Mehrzahl der Bevölkerung zu dieser Zeit die Einführung
eines „religionsrechtlichen Polyzentrismus“ befürwortete. Lediglich 38,2 Prozent der Befragten wollten
dagegen damals den Originaltext von Artikel 29 beibehalten.[129]

Die Front Pembela Islam hält bis heute an der Forderung der Restitution der Jakarta-Charta fest. Rizieq
Syihab begründete das im Februar 2012 bei einer öffentlichen FPI-Veranstaltung in Bandung mit den
folgenden Worten: „Bei der Pancasila von Sukarno ist der Glaube an Gott am Arsch, während er bei der
Pancasila der Jakarta-Charta im Kopf ist“ (Pancasila Sukarno ketuhanan ada di pantat, sedangkan
Pancasila Piagam Jakarta ketuhanan ada di kepala).[130] Sukmawati Sukarnoputri, die Tochter von
Sukarno, zeigte Rizieq Syihab aufgrund dieser Aussage im Oktober 2016 wegen Verspottung der Pancasila
an.[131] Der Prozess war Mitte 2018 noch nicht abgeschlossen.[132]

Literatur
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Masdar Hilmy: Islamism and democracy in Indonesia: piety and pragmatism. ISEAS, Inst. of
Southeast Asian Studies, Singapore, 2010. S. 199–203.
Nadirsyah Hosen: Shari’a & constitutional reform in Indonesia. ISEAS, Singapore, 2007. S.
60–70.
Nadirsyah Hosen: Religion and the Indonesian Constitution: A Recent Debate. In: Journal of
Southeast Asian Studies 36/3 (2005), S. 419–440.
Jajang Jahroni: Defending the majesty of Islam: Indonesia’s Front Pembela Islam 1998–2003.
Silkworm Books, Chiang Mai, 2008. S. 46–50.
Norbertus Jegalus: Das Verhältnis von Politik, Religion und Zivilreligion untersucht am Beispiel
der Pancasila. Utz, München, 2008. S. 308–310.
Rémy Madinier: L’Indonesie, entre démocratie musulmane et Islam intégral: histoire du parti
Masjumi (1945–1960). Paris: Éd. Karthala [u. a.] 2012. S. 75–80.
Mujiburrahman: Feeling threatened: Muslim-Christian Relations in Indonesia’s New Order.
Amsterdam University Press, Leiden/Amsterdam, 2006. S. 109–118 (Digitalisat (https://openac
cess.leidenuniv.nl/bitstream/handle/1887/10061/Dissertation%20Mujiburrahman.pdf)).
Ridwan Saidi: Status Piagam Jakarta: tinjauan hukum dan sejarah. Majlis Alumni HMI Loyal
Untuk Bangsa, Jakarta, 2007.
Arskal Salim: Challenging the secular state: the Islamization of law in modern Indonesia.
University of Hawaii Press, Honolulu, 2008. S. 63–69, 85–92.
Matti Schindehütte: Zivilreligion als Verantwortung der Gesellschaft – Religion als politischer
Faktor innerhalb der Entwicklung der Pancasila Indonesiens. Abera Verlag, Hamburg 2006. S.
125 f.
Mohammad Yamin: Naskah-persiapan undang-undang dasar 1945. Band I. Jajasan Prapantja,
ohne Ort, 1959.

Einzelnachweise
1. Hosen: Shari’a & constitutional reform in Indonesia. 2007, S. 60.
2. Harry Benda: The Crescent and the Rising Sun. Indonesian Islam under the Japanese
Occupation, 1942–1945. The Hague 1958. S. 153.
3. Zur Gruppierung (nicht zu verwechseln mit der 1946 gegründeten gleichnamigen Partei), vgl.
William H. Frederick: The Putera Reports: Problems in Indonesian-Japanese Wartime
Cooperation. 2009
4. Chiara Formichi: Islam and the Making of the Nation: Kartosuwiryo and Political Islam in 20th
Century Indonesia. 2012 (Verhandelingen van het Koninklijk Instituut voor Taal-, Land- en
Volkenkunde, Band 282), S. 75.
5. Anshari: The Jakarta Charter of June 1945. 1976, S. 14.
6. Jegalus: Das Verhältnis von Politik, Religion und Zivilreligion. 2009, S. 15 f.
7. Anshari: The Jakarta Charter of June 1945. 1976, S. 37.
8. Butt/Lindsey: The constitution of Indonesia. 2012, S. 227.
9. Madinier: L’Indonesie, entre démocratie musulmane et Islam intégral. 2012, S. 72.
10. Salim: Challenging the secular state. 2008, S. 63.
11. Elson: Another look at the Jakarta Charter controversy of 1945. 2009, S. 112.
12. Fealy/Hooker: Voices of Islam in Southeast Asia. 2006, S. 47.
13. Madinier: L’Indonesie, entre démocratie musulmane et Islam intégral. 2012, S. 76.
14. Boland: The Struggle of Islam. 1982, S. 25.
15. Von dem Text der Jakarta-Charta existieren verschiedene leicht abweichende Versionen. Der
hier wiedergegebene Text folgt Schindehütte: Zivilreligion als Verantwortung der Gesellschaft.
2006, S. 229 f.
16. Übersetzung folgt weitgehend Schindehütte: Zivilreligion als Verantwortung der Gesellschaft.
2006, S. 229, ist aber an einzelnen Stellen nach Boland: The Struggle of Islam in Modern
Indonesia. 1982, S. 25 f. korrigiert.
17. Schindehütte: Zivilreligion als Verantwortung der Gesellschaft. 2006, S. 230.
18. Jegalus: Das Verhältnis von Politik, Religion und Zivilreligion. 2009, S. 25.
19. Jegalus: Das Verhältnis von Politik, Religion und Zivilreligion. 2009, S. 257.
20. Vgl. dazu Simone Sinn: Religiöser Pluralismus im Werden: Religionspolitische Kontroversen
und theologische Perspektiven von Christen und Muslimen in Indonesien. Mohr Siebeck,
Tübingen, 2014. S. 134–136.
21. Boland: The Struggle of Islam. 1982, S. 27.
22. Salim: Challenging the secular state. 2008, S. 64.
23. Schindehütte: Zivilreligion als Verantwortung der Gesellschaft. 2006, S. 125.
24. Elson: Another look at the Jakarta Charter controversy of 1945. 2009, S. 114.
25. Elson: Another look at the Jakarta Charter controversy of 1945. 2009, S. 115.
26. Boland: The Struggle of Islam. 1982, S. 28 f.
27. Elson: Another look at the Jakarta Charter controversy of 1945. 2009, S. 115 f.
28. Anshari: The Jakarta Charter of June 1945. 1976, S. 29.
29. Anshari: The Jakarta Charter of June 1945. 1976, S. 56.
30. Yamin: Naskah-persiapan undang-undang dasar 1945. 1959, S. 279.
31. Elson: Another look at the Jakarta Charter controversy of 1945. 2009, S. 116.
32. Salim: Challenging the secular state. 2008, S. 65 f.
33. Madinier: L’Indonesie, entre démocratie musulmane et Islam intégral. 2012, S. 77.
34. Elson: Two Failed Attempts to Islamize the Indonesian Constitution. 2013, S. 379.
35. Salim: Challenging the secular state. 2008, S. 68.
36. Boland: The Struggle of Islam. 1982, S. 36.
37. Anshari: The Jakarta Charter of June 1945. 1976, S. 46.
38. Elson: Another look at the Jakarta Charter controversy of 1945. 2009, S. 120.
39. Boland: The Struggle of Islam. 1982, S. 36.
40. Elson: Another look at the Jakarta Charter controversy of 1945. 2009, S. 120.
41. Jegalus: Das Verhältnis von Politik, Religion und Zivilreligion. 2009, S. 45.
42. Anshari: The Jakarta Charter of June 1945. 1976, S. 41 f.
43. Anshari: The Jakarta Charter of June 1945. 1976, S. 65.
44. Elson: Another look at the Jakarta Charter controversy of 1945. 2009, S. 122.
45. Anshari: The Jakarta Charter of June 1945. 1976, S. 64.
46. Boland: The Struggle of Islam. 1982, S. 106.
47. Madinier: L’Indonesie, entre démocratie musulmane et Islam intégral. 2012, S. 79.
48. Boland: The Struggle of Islam. 1982, S. 82.
49. Madinier: L’Indonesie, entre démocratie musulmane et Islam intégral. 2012, S. 319.
50. Elson: Two Failed Attempts to Islamize the Indonesian Constitution. 2013, S. 393.
51. Anshari: The Jakarta Charter of June 1945. 1976, S. 79.
52. Anshari: The Jakarta Charter of June 1945. 1976, S. 81.
53. Boland: The Struggle of Islam. 1982, S. 92.
54. Boland: The Struggle of Islam. 1982, S. 93 f.
55. Anshari: The Jakarta Charter of June 1945. 1976, S. 83.
56. Anshari: The Jakarta Charter of June 1945. 1976, S. 84.
57. Boland: The Struggle of Islam. 1982, S. 94.
58. Anshari: The Jakarta Charter of June 1945. 1976, S. 84 f.
59. Anshari: The Jakarta Charter of June 1945. 1976, S. 86 f.
60. Boland: The Struggle of Islam. 1982, S. 96.
61. Elson: Two Failed Attempts to Islamize the Indonesian Constitution. 2013, S. 397 f.
62. Anshari: The Jakarta Charter of June 1945. 1976, S. 88.
63. Anshari: The Jakarta Charter of June 1945. 1976, S. 89.
64. Anshari: The Jakarta Charter of June 1945. 1976, S. 89 f.
65. Boland: The Struggle of Islam. 1982, S. 98.
66. Jegalus: Das Verhältnis von Politik, Religion und Zivilreligion. 2009, S. 31.
67. Salim: Challenging the secular state. 2008, S. 86.
68. Mujiburrahman: Feeling threatened 2006, S. 130.
69. Anshari: The Jakarta Charter of June 1945. 1976, S. 95.
70. Anshari: The Jakarta Charter of June 1945. 1976, S. 26.
71. Anshari: The Jakarta Charter of June 1945. 1976, S. 113.
72. Mujiburrahman: Feeling threatened 2006, S. 108.
73. Boland: The Struggle of Islam. 1982, S. 101.
74. Anshari: The Jakarta Charter of June 1945. 1976, S. 107.
75. Mujiburrahman: Feeling threatened 2006, S. 130.
76. Mujiburrahman: Feeling threatened 2006, S. 107.
77. Salim: Challenging the secular state. 2008, S. 146.
78. Boland: The Struggle of Islam. 1982, S. 160 f.
79. Mujiburrahman: Feeling threatened 2006, S. 109.
80. Mujiburrahman: Feeling threatened 2006, S. 110.
81. Mujiburrahman: Feeling threatened 2006, S. 112.
82. Mujiburrahman: Feeling threatened 2006, S. 111.
83. Mujiburrahman: Feeling threatened 2006, S. 109 f.
84. Mujiburrahman: Feeling threatened 2006, S. 113.
85. Mujiburrahman: Feeling threatened 2006, S. 131.
86. Abdillah: Responses of Indonesian Muslim Intellectuals. 1997. S. 50.
87. Mujiburrahman: Feeling threatened 2006, S. 114.
88. Jegalus: Das Verhältnis von Politik, Religion und Zivilreligion. 2009, S. 66 f.
89. Mujiburrahman: Feeling threatened 2006, S. 115.
90. Mujiburrahman: Feeling threatened 2006, S. 117.
91. Taufik Abdullah: Zakat Collection and Distribution in Indonesia in Mohamed Ariff (Hrsg.): The
Islamic Voluntary Sector in Southeast Asia. Islam and the Econcomic Development of
Southeast Asia. Institute of Southeast Asian Studies, Singapur 1991, S. 50–85, hier S. 59.
92. Mujiburrahman: Feeling threatened 2006, S. 161.
93. Jegalus: Das Verhältnis von Politik, Religion und Zivilreligion. 2009, S. 48.
94. Butt/Lindsey: The constitution of Indonesia. 2012, S. 230.
95. Salim: Challenging the secular state. 2008, S. 49.
96. Abdillah: Responses of Indonesian Muslim Intellectuals. 1997. S. 33.
97. Mujiburrahman: Feeling threatened 2006, S. 196.
98. Mujiburrahman: Feeling threatened 2006, S. 199.
99. Mujiburrahman: Feeling threatened 2006, S. 198.
00. Mujiburrahman: Feeling threatened 2006, S. 202.
01. Jegalus: Das Verhältnis von Politik, Religion und Zivilreligion. 2009, S. 62, 68.
02. Elson: Two Failed Attempts to Islamize the Indonesian Constitution. 2013, S. 404.
03. Salim: Challenging the secular state. 2008, S. 95 f.
04. Butt/Lindsey: The constitution of Indonesia. 2012, S. 232.
05. Zitiert nach Jegalus: Das Verhältnis von Politik, Religion und Zivilreligion. 2009, S. 196.
06. Elson: Two Failed Attempts to Islamize the Indonesian Constitution. 2013, S. 411.
07. Hosen: Religion and the Indonesian Constitution. 2005, S. 425.
08. Fealy/Hooker: Voices of Islam in Southeast Asia. 2006, S. 234.
09. Fealy/Hooker: Voices of Islam in Southeast Asia. 2006, S. 235.
10. Fealy/Hooker: Voices of Islam in Southeast Asia. 2006, S. 236.
11. Salim: Challenging the secular state. 2008, S. 95.
12. Salim: Challenging the secular state. 2008, S. 98.
13. Butt/Lindsey: The constitution of Indonesia. 2012, S. 232.
14. Salim: Challenging the secular state. 2008, S. 89.
15. Salim: Challenging the secular state. 2008, S. 93.
16. Hosen: Shari’a & constitutional reform in Indonesia. 2007, S. 93 f.
17. Jahroni: Defending the majesty of Islam. 2008, S. 69.
18. Hosen: Religion and the Indonesian Constitution. 2005, S. 426.
19. Salim: Challenging the secular state. 2008, S. 90.
20. Salim: Challenging the secular state. 2008, S. 99 f.
21. Elson: Two Failed Attempts to Islamize the Indonesian Constitution. 2013, S. 413.
22. Salim: Challenging the secular state. 2008, S. 101.
23. Hosen: Religion and the Indonesian Constitution. 2005, S. 432.
24. Elson: Two Failed Attempts to Islamize the Indonesian Constitution. 2013, S. 404.
25. Salim: Challenging the secular state. 2008, S. 102.
26. Negara menjamin kemerdekaan tiap-tiap penduduk untuk memeluk dan melaksanakan
ajaran/kewajiban agamanya masing-masing dan untuk beribadah menurut agamanya itu, zit.
nach Salim: Challenging the secular state. 2008, S. 103.
27. Elson: Two Failed Attempts to Islamize the Indonesian Constitution. 2013, S. 418 f.
28. Salim: Challenging the secular state. 2008, S. 106 f.
29. Salim: Challenging the secular state. 2008, S. 174.
30. Das Video vom 15. Februar 2012 ist auf dem Youtube-Kanal der FPI abrufbar Habib -
Pancasila Soekarno & Pancasila Piagam jakarta(ASLI) (https://www.youtube.com/watch?v=BO
AWJeHIYY4) abrufbar.
31. Erna Mardiana: Ini Kronologi Kasus Dugaan Penodaan Pancasila oleh Habib Rizieq (https://ne
ws.detik.com/berita/d-3409531/ini-kronologi-kasus-dugaan-penodaan-pancasila-oleh-habib-rizi
eq) Detik News 30. Januar 2017.
32. Ahmad Toriq: FPI: Kapitra Tak Terlibat SP3 Kasus Penghinaan Pancasila Habib Rizieq (https://
news.detik.com/berita/d-4125478/fpi-kapitra-tak-terlibat-sp3-kasus-penghinaan-pancasila-habi
b-rizieq) Detiknews 20. Juli 2018.

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Diese Seite wurde zuletzt am 20. Juni 2020 um 14:34 Uhr bearbeitet.

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