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Zahnheilkunde

Retention und Widerstandsform


bei zementierten Kronen und Brücken
Die herkömmliche Zementierung prothetischer Arbeiten aus hochbelastbaren Materialien bringt verschiedene
klinische Vorteile. Dabei spielt die geometrische Form der Präparation eine bedeutende Rolle für eine dauer-
hafte, erfolgreiche Zementierung. Da das Präparationsdesign allein in der Hand des Zahnarztes liegt, ist es
wichtig, sich die Zusammenhänge von geometrischem Halt und Widerstandsform immer einmal wieder in Erin-
nerung zu rufen. Der folgende Überblick ist ebendazu gedacht und unterstreicht die Bedeutung von bewusst
angelegten Retentionsrillen, retentiven Kästen wie auch parallelen Wänden im Rahmen der Präparation.

Die zunehmende Verbreitung vollke- form vorhanden ist, der darüber ent- Versorgungen spielt dabei die geo-
ramischer Kronen und Brücken stellt scheidet, ob alternativ die adhäsive metrische Form der Präparation die
den Praktiker häufig vor die Frage der Befestigung vorteilhafter oder sogar größte Rolle. Sie entscheidet über
richtigen Befestigung. Schwach be- erforderlich ist. Die Faktoren des geo- den dauerhaften Halt, da sie die Ori-
lastbare Materialien, wie Silikatkera- metrischen Halts werden trotz ihrer entierung der Grenzflächen zwischen
miken, erfordern materialbedingt a enormen Bedeutung in der täglichen Zahn und Restauration bestimmt, die
priori eine adhäsive Befestigung und Praxis bereits bei der Präparation häu- dementsprechend entweder auf
schließen die Verwendung konventi- fig nicht ausreichend beachtet oder Kompression, Zug oder Scherung be-
oneller Zemente aus. Anders verhält sorgfältig genug umgesetzt. ansprucht werden. Die Präparations-
es sich bei hochfesten Gerüsten, z. B. form unterliegt außerdem der voll-
aus Zirkonoxid. Diese weisen den kli- Grundsätzliches zur Restaurati- ständigen Kontrolle des Zahnarztes.
nischen Vorteil auf, dass eine her- onsverankerung | Eine Restaurati- Alle konventionellen Zemente besit-
kömmliche Zementierung möglich on kann die funktionellen, biolo- zen ihre höchste Festigkeit unter
ist. Eine solche wiederum ist in der gischen und ästhetischen Anforde- Druckbelastung1. Die Haftkraft zwi-
klinischen Anwendung schneller, ein- rungen nur erfüllen, wenn sie sicher schen Krone und Stumpf beruht auf
facher und weniger empfindlich ge- und fest auf dem Zahn verankert ist. einer Verriegelung durch die Zement-
genüber einer Kontamination. Bei Das Maß an Retention muss ausrei- körner2. Bei der Verwendung von
zementierbaren Restaurationen ist es chend groß sein, um abhebelnden Phosphatzement weisen glatt finierte
in erster Linie der Umstand, ob aus- funktionellen Kräften zu widerste- oder polierte Zahnoberflächen die
reichend Retention und Widerstands- hen. Bei konventionell zementierten geringsten Haftwerte auf3. Dort, wo
eine Restauration direkt von der
Zahnoberfläche abgezogen wird, ver-
Seit 1995 niedergelassener Zahn- hindern nur die sehr schwachen ad-
arzt in München häsiven Eigenschaften des Zementes
Tätigkeitsschwerpunkte: komplexe ein Ablösen. Phosphatzement (ZnPO4)
ästhetische Zahnmedizin und fest- weist eine hohe Druckfestigkeit (80–
sitzende Versorgungen mit Vollke- 140 MPa), aber eine sehr geringe
ramik Zugfestigkeit (5–8 MPa) auf4,5. Phos-
Regelmäßige Publikationen sowie phatzemente besitzen so gut wie kei-
Vorträge zu den Themen Ästhetik, ne adhäsiven Hafteigenschaften an
Keramik und CAD/CAM der Zahnhartsubstanz, sodass sich
Autor des Buches „Anteriores – Na- der Verbund von einer der beiden Flä-
türlich schöne Frontzähne“, Team- chen löst, noch bevor die geringe
work Media Verlag, 2006 Zugfestigkeit zum Tragen kommt.
Gründer und Mitgesellschafter der Glasionomerzemente zeigen höhere
Dr. Jan Hajtó biodentis GmbH Haftwerte an der Zahnhartsubstanz
Seit 2008 Anbieter von Fachsemi- als ZnPO4-Zemente6. Im Vergleich zur
Spezialist für Ästhetische Zahnheil- naren im absolute Ceramics Schu- modernen Adhäsivtechnik jedoch ist
kunde (DGÄZ) lungszentrum München zum Ein- die GIZ-Haftung an Schmelz und
1987–1993 Studium der Zahnheil- stieg in die Kunst der ästhetischen Dentin als geringer einzuschätzen7–9
kunde an der LMU München Behandlung mit Veneers und ande- und nicht ausreichend, um die Fak-
1994 Promotion ren vollkeramischen Restaurationen toren geometrischer Halt und Wider-
standsform vernachlässigen zu kön-

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nen. Während mittels Schmelzätzung adhäsiv befestigte Der Kegelwinkel oder Konuswinkel entspricht der Summe
Glaskeramik (z. B. Inlays, Veneers, Teilkronen) auch ohne der gegenüberliegenden Konvergenzwinkel, um welche
jeglichen mechanischen Halt dauerhaft befestigt werden die Steigung der Präparation von der Kronenlängsachse
können, kann eine vollständig fehlende Retention von – abweicht (Abb. 2). Für Vollkeramikkronen wird in der Regel
meist ausschließlich auf Dentin geklebten – Kronen oder ein Präparationswinkel von mindestens 3° empfohlen11,12.
Brücken durch adhäsive Befestigungsmaterialien nicht im- In der Abbildung 3 sind zur Veranschaulichung runde Kro-
mer sicher kompensiert werden. Insbesondere weitspän- nenstümpfe mit 5 mm Durchmesser an der Basis und 6 mm
nige falsch präparierte Brücken können sich trotz einer Höhe bei unterschiedlichen Präparationswinkeln darge-
Verklebung am distalen Pfeiler dezementieren. In der Praxis stellt.
hängen Retention und Widerstandsform eng miteinander Bei erfahrenen Behandlern wurden durchschnittliche Prä-
zusammen und sind nicht immer klar zu trennen. parationswinkel (Konvergenzwinkell) von 7,3° gefunden.
Je nach Lokalisation und Zugänglichkeit variierten die Wer-
Die Retention | Retention ist die Eigenschaft einer Präpa- te von 4,3° bis 13,3°13. Die Auswertung von Modellen in
ration, der Entfernung einer Restauration entgegen ihrer einem Dentallabor in den USA ergab einen Durchschnitts-
Einschubrichtung entgegenzuwirken. Senkrecht abziehen­ wert von 10°14. Es ist davon auszugehen, dass im Praxisall-
de Kräfte können im Mund bei sehr klebrigen Speisen oder tag generell konischer präpariert wird als die geforderten
aufgrund von Hebelwirkungen bei Brücken auftreten. 3°. Je größer die Gesamtoberfläche des Stumpfes ist, desto
Bei zementierten Versorgungen spielen dabei die physika- größer ist die retentive Fläche. Die Größe ist vor allem
lischen Eigenschaften des Zementes, insbesondere dessen durch die Größe des Zahnes bestimmt und kann durch die
Scher- und Zugfestigkeit in Zusammenhang mit der Ober- Präparation nur in Grenzen beeinflusst werden. Wichtiger
flächenrauigkeit der Flächen sowie seine Haftung, eine als die Größe der Oberfläche ist das Vorhandensein mög-
große Rolle. Je konischer ein Stumpf ist, desto mehr wird lichst vieler gegenüberliegender paralleler Wände, da dort
der Zement bei abziehenden Kräften auf Zug belastet. Da- der Zement nur auf Scherung und nicht auf Zug belastet
her steht die Retention im Zusammenhang mit den Eigen- werden kann. Je konischer ein Stumpf ist, desto mehr
schaften des verwendeten Zementes sowie der Oberflä- mögliche Abzugsrichtungen entstehen, wodurch sich das
chenbeschaffenheit von Zahn und Restauration und fällt Risiko einer Dezementierung erhöht. Im Idealfall ist die Prä-
mit zunehmenden Konuswinkel sehr rasch ab (Abb. 1). paration so angelegt, dass es nur eine einzige Einschubrich-

Abb. 2: Nomenklatur der Winkel.

Abb. 1: Retention: Der Halt einer mit Phosphatzement zemen- Abb. 3: Ab einem Konvergenzwinkel von ca. 6° werden die
tierten Krone bei vertikalen Abzugskräften fällt bei zuneh- Stümpfe (Ø 5 mm, Höhe 6 mm) deutlich konisch. Die Winkelanga-
menden Kegelwinkel sehr rasch ab (nach Jørgensen10). ben beziehen sich auf den Konvergenzwinkel.

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tung gibt15. Retentionsrillen können oberhalb des Punktes, an dem die gegen xxx? auch bei größerer Taper
dies bewirken (Abb. 4). Präparationsfläche die Tangente zur möglich. Aus diesem Grund sind fixe
Kreisbahn bildet (Abb. 6). Bei einer Winkelangaben oder minimale
Die Widerstandform | Die Wider- hypothetischen spaltfreien Passung Stumpf­höhen für ideale Präparati-
standsform verhindert die kippende blockiert der außerhalb des Kreises onen wenig sinnvoll und klinisch oh-
oder gleitende Ablösung der Restau- gelegene Bereich mechanisch eine nehin schwer umzusetzen.
ration aufgrund von exzentrischen ausschließliche Derotation (ohne eine Die klinische Relevanz ist grundle-
Belastungen (Abb. 5a). Exzentrische zusätzliche vertikale Abhebung). Da gend und vielfältig. So ist z. B. das
Belastungen können entweder bei Kronen immer einen Zementspalt Anlegen von parallelen Retentionsril-
horizontal oder schräg auf die Kro- aufweisen, ist zusätzlich dessen Grö- len ein sehr wichtiges Mittel, um Kro-
nen auftreffenden Kräften (Abb. 5b) ße zu berücksichtigen. Der geome- nen auf problematischen Stümpfen
oder bei ausladenden Kronengeome- trische Halt ist eine Eigenschaft, die zu sichern (Abb. 8d). Ist der Zahnarzt
trien und Hebelkräften (Brücken), primär ohne jeglichen Zement vor- sich dieser Prinzipien bewusst, so
auch aufgrund von apikal gerichteten handen ist und allein von der Geome- wird bei Molarenpräparationen (kur-
Kräften entstehen (Abb. 5c). Der Wi- trie anhängt. Je größer die Zementfu-
derstand gegenüber einem Abkippen ge, also je loser die Passung der Kro-
muss in der Präparationsform mittels ne ist, desto geringer ist der Halt, da
hemmender Flächen angelegt sein. sich die Fläche, welche für eine si-
Rotationshemmende Flächen liegen chere Kippmeidung sorgt, verringert
(Abb. 7). Die Ausdeh-
nung dieser Fläche
nach apikal stellt ein
direktes Maß für den
mechanischen Halt
einer Krone dar. Sie
hängt neben der Pas-
sung gleichzeitig von
der Länge, dem
Durchmesser und der
Konizität des Stump­
fes ab (Abb. 8). Selbst Abb. 6: Bei einer Rotation um eine
sehr kurze Stümpfe Drehachse, die durch einen Punkt am
Kronenrand verläuft, wird die Zement-
können bei einer aus- fuge auf der gegenüberliegenden Seite
reichenden Paralleli- des Stumpfes okklusal des Punktes P auf
tät der axialen Wän- Druck belastet (rot). Alle Punkte apikal
de eine Lagesiche- von P weisen eine Komponente der Zug-
belastung auf (grün). An Punkt P weist
Abb. 4: Eine Retentionsrille limitiert die möglichen Einschub- rung der Krone ge- der Zement eine reine Scherbelastung
richtungen. währleisten. Bei lan- auf.
gen Stümpfen ist da-

Abb. 7: Je größer der Zementspalt der


Abb. 5a: Parallel zur Einschubrichtung wirkende Belastungen, die innerhalb der nach ok- Krone ist, desto geringer ist der Be-
klusal projizierten Präparationsgrenzen auftreffen, erzeugen keine Kippmomente. Die reich am Stumpf, der für eine sichere
Krone wird an jeder Stelle der Innenfläche in Richtung Stumpf gedrückt. mechanische Kippmeiderfunktion sorgt
Abb. 5b: Diagonal oder horizontal auftretende Kräfte erzeugen einen Torque, der die Kro- (schwarz/grau). Die Höhe dieses Be-
ne um einen Punkt am Kronenrand rotieren lässt, der dem Kraftvektor am nächsten liegt. reiches im Verhältnis zur Stumpfhöhe
Abb. 5c: Außerhalb der Präparationsgrenzen können auch vertikale Kräfte eine Rotation ist ein Maß für den geometrischen Halt
bewirken. einer Krone.

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ze Zähne großen Durchmessers) auf Kern im Labor auf dem Modell auf Rely X ARC, 3M ESPE). Als Standard-
eine hohe Parallelität besonderer ein mögliches Abkippen in vier Rich- befestigungsmaterial für alle zemen-
Wert gelegt (Abb. 9a u. b). Lange tungen geprüft werden16. Auch im tierten Restaurationen haben sich in
Zähne werden konischer präpariert. Patientenmund kann der Widerstand der eigenen Praxis kunststoffmodifi-
Obere Schneidezähne mit in sagit- gegenüber einem Herunterrotieren zierte Glasionomerzemente (z. B. Fuji
taler Ebene dreieckigem Querschnitt auf diese Weise getestet werden, wo- Plus GC) sehr bewährt. Diese weisen
sollten palatinal mit einer zur Labial- bei Nachbarzähne eine vollständige den Vorteil auf, dass aufgrund der
fläche parallelen Stufe versehen wer- Überprüfung in allen Richtungen be- höheren adhäsiven Eigenschaften
den. Bei endodontisch behandelten einträchtigen können. Als wichtigste eine zusätzliche Sicherheit gegeben
Zähnen lässt sich in kritischen Fällen klinische Konsequenz ist bei man- ist.
der erforderliche Halt durch einen gelndem Widerstand eine adhäsive Die in den Abbildungen 5 bis 8 wie-
zentralen Endokasten erzielen. Befestigung vorzuziehen (z. B. Multi- dergegebenen Prinzipien gelten na-
Jede Krone und Brücke sollte nach link Automix, Ivoclar Vivadent, oder türlich dreidimensional in allen Rich-
tungen. Nach Hedgedahl und Sillness
stellt der rote Bereich die „Area of Re-
sistance“ dar17. In den Abbildungen
10 bis 12 sind beispielhaft einige Situ-
ationen dargestellt. Während dieser
Bereich bei parallelen Stümpfen und
guten Passungen fast die Hälfte der
Gesamtfläche erreichen kann (Abb.
10), nimmt seine Ausdehnung bei
ungünstigeren Situationen schnell ab
(Abb. 11). Die Größenordnung des
Zementspalteeinflusses ist aus den
Abbildungen ebenfalls zu ersehen.
Dies ist insofern von besonderer kli-
nischer Bedeutung, da CAD/CAM-
gefertigte Vollkeramikgerüste ferti-
gungsbedingt generell eine etwas
losere Passung aufweisen als Gold-
gussrestaurationen. In grenzwertigen
Situationen kann die etwas leichtere
Abb. 9a u. b: Klinisches Beispiel einer Passung den Ausschlag geben, ob ein
Molarenkronenpräparation mit ungün- sicherer Halt vorhanden ist oder nicht
stigem Höhen-Breiten-Verhältnis. Bei
(Abb. 12).
sorgfältiger Vermeidung zu konver-
genter Seitenflächen weist auch ein sol- In  Finite-Elemente-Berechnungen
ch niedriger Stumpf eine ausreichende wur­den Hinweise gefunden, dass die
Retention auf. Rotationsachse möglicherweise in
Ab­hängigkeit vom Elastizitätsmodul

Abb. 8: Die Ausdehnung des hem-


menden Bereiches (schwarz dargestellt)
ist unmittelbar abhängig von der Länge,
Breite und Konizität des Stumpfes.
a) Bei gleichem Konus und Durchmesser
erhöht eine größere Länge den Halt.
b) Bei gleicher Höhe und gleichem Ko-
nus verringert ein größerer Durchmesser
den Halt.
c) Bei gleicher Höhe und Breite verrin-
gert ein größerer Konuswinkel den Halt.
d) Funktionsprinzip einer Retentions-
rille: Der geringere Abstand zur Dreh- Abb. 10-12: Ausdehnung der „Area of Resistance“ (roter Bereich)17. Die Größenordnung
achse sowie die Parallelität (geringere des Zementspalteeinflusses ist auf den Abbildungen ebenfalls zu ersehen.
Konizität) schaffen einen rotationshem- Abb. 10: Bei parallelen Stümpfen und guten Passungen kann die „Area of Resistance“ fast
menden Bereich. die Hälfte der Gesamtfläche erreichen.

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des Zahnes oder des Zementes auch Oberkiefer, was der Verwindung des höht den ungünstigen Faktor „Brei-
weiter koronal oder innerhalb des horizontalen Unterkieferastes durch te“ für die Gesamtkonstruktion um
Stumpfes verlaufen kann, wodurch den Muskelzug zugeschrieben wird. ein Vielfaches. In den Abbildungen
sich eine andere dreidimensionale Es finden sich Empfehlungen, in sol- 13 und 14 sind die Fälle für lose auf-
Verteilung der Kompressions- und chen Fällen mit individuellen Geschie- gesetzte und zementierte Brücken
Zugzonen ergäbe18. Die grundsätz- ben im Sinne von „Stress breakers“ dargestellt.
lichen Zusammenhänge bleiben hier- einen gewissen Bewegungsausgleich Erschwerend kommt hinzu, dass die
von allerdings unbeeinflusst und es zuzulassen. Sofern technisch be- Stumpfhöhe nach distal in der Regel
wurde bestätigt, dass der Widerstand herrscht, kann diese Methode mit abnimmt und gleichzeitig der Durch-
gegen laterale Dislokation von dem metallkeramischen Brücken sehr er- messer von Molaren zunimmt. Im Un-
Verhältnis der Druck- und Zugbe- folgreich angewendet werden19. terkiefer sind Kronenstümpfe oder
reiche abhängt. Leichte ästhetische Einbußen sind Brückenpfeiler an Molaren – bedingt
Eine Lagesicherung ist schließlich möglicherweise in Kauf zu nehmen. durch die Kronenanatomie kürzer –
auch gegen Rotationen in axialer Für Geschiebe bei zirkonbasierten als im Oberkiefer. Die entscheidende
Richtung anzustreben. Kreisrunde zy- Brücken sind noch keine langfristigen steile Präparation der distalen Fläche
lindrische Stümpfe oder Implantat- klinischen Daten vorhanden. des endständigen Pfeilers ist im Pati-
Abutments, auf denen eine Krone Im Praxisalltag wird die Mehrzahl aller entenmund oft nur sehr schwer zu
horizontal frei rotieren kann, können Brücken ohne Geschiebe hergestellt verwirklichen. Nahe Antagonisten
eine Dezementierung begünstigen. und wegen der Einfachheit eher an- verhindern häufig eine korrekte Posi-
gestrebt. Dies ist auch erfolgreich tionierung des Winkelstücks und die
Das Brückenproblem | Ein spezi- möglich, wenn das Prinzip des geo- Folge ist eine nach mesial geneigte
elles Problem stellen Brücken dar. Es metrischen Haltes verstanden und Fläche.
ist seit langem bekannt, dass vor verinnerlicht wurde. Dem Dezemen-
allem weitspännige Brücken die Ten- tierungsrisiko liegt nämlich zu einem Praxistipp: In solchen schwie-
denz aufweisen, am distalen Pfeiler großen Teil das beschriebene geome- rigen Ausnahmefällen hat es
zu dezementieren. Dies ist im Unter- trische Problem zugrunde: Der weite sich in der Praxis bewährt, ein
kiefer häufiger zu beobachten als im Abstand zwischen den Pfeilern er- vom Schaftende her gekürztes
Diamantinstrument zu ver-
wenden, wodurch die Gesamt-
höhe des Winkelkopfes verrin-
gert wird (Abb. 15). Bei allen
Brücken ist dieser distalen
Flanke besondere Aufmerk-
samkeit und Sorgfalt zu wid-
men.

Das folgende klinische Beispiel veran-


Abb. 11: Im Vergleich zu Abb. 10 nimmt die Ausdehnung der „Area of Resistance“ bei
schaulicht die wesentlichen beschrie-
ungünstigeren Situationen schnell ab. benen Aspekte einer retentiven Prä-
parationsform: Die viergliedrige Brü-
cke von Zahn 14 auf 17 hatte sich am
distalen Pfeiler dezementiert. Auf Ab-
bildung16 ist deutlich die zu konische
distale Fläche des Kronenstumpfes 17
zu erkennen, insbesondere zu der
Achse des Zahnes 14. Darüber hinaus
ist der Stumpf aufgrund der geringen
okklusalen Platzverhältnisse relativ
kurz. In Abbildung 17 ist die Paralleli-
sierung der Stümpfe dargestellt.

Fazit | Die Kenntnis und die klinische


Abb. 12: Hinsichtlich der „Area of Resistance“ liegt eine grenzwertige Situation vor. Hier
Anwendung der dargestellten grund-
kann die etwas leichtere Passung den Ausschlag geben, ob ein sicherer Halt vorhanden ist legenden Zusammenhänge erhöhen
oder nicht. den klinischen Erfolg zementierter
prothetischer Arbeiten und sind für

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CAD/CAM-gefertigte Gerüste weisen


keine so enge Passung auf wie ge-
gossene Werkstücke. Daher ist bei
solchen Versorgungen besonders auf
den mechanischen Halt zu achten.
Kunststoffverstärkte Glasionomerze-
mente haben sich für Kronen und
Brücken auf Zirkonoxidbasis klinisch
Abb. 13: Nicht zementierte Brücke: Diese sollte auf dem Gipsmodell (ohne mesialen Nach­ sehr gut bewährt. In zweifelhaften
barzahn) immer dahingehend kontrolliert werden, ob sie sich nach mesial herunterrotieren Fällen ist eine echte adhäsive Befesti-
lässt. Aufgrund der Verblockung liegt der Drehpunkt an der mesialsten Stelle des mesialen
Pfeilerzahnes. Selbst wenn dieser Zahnstumpf in sich retentiv ist, so besteht je nach Größe
gung vorzuziehen.
der Zementfuge und Stumpfgeometrie immer eine initiale Beweglichkeit (grün, mesial),
bis eine okklusale Kollision der Kroneninnenfläche an der distalen Wand des Stumpfes die Literaturliste unter
Bewegung hemmt. Sofern am distalen Pfeilerzahn wegen des vergrößerten Radius (weiß) www.zmk-aktuell.de/literaturlisten
keinerlei mechanischer Widerstand auftritt (grün, distal), hängt die sichere Verankerung
der Brücke allein am mesialen Pfeiler.

Korrespondenzadresse:
Dr. Jan Hajtó
Weinstraße 4
80333 München
Tel.: 089 2423991-0
Fax: 089 2423991-21
dr.jan.hajto@t-online.de

Abb. 14: Zementierte Brücke: Ist die Brücke am mesialen Zahn sicher verankert, so kann
infolge der physiologischen Zahnbeweglichkeit oder von Kieferdeformationen dennoch
ein Drehmoment auf den distalen Pfeiler ausgeübt werden. Der Drehpunkt kann dabei je
nach Ursache weit mesial liegen und der Radius entsprechend groß sein.

Abb. 17: Dieselbe Situation wie in Abb.


Abb. 15: Gekürzte Diamantinstrumente 14 nach einem adhäsiven Aufbau des
erlauben einen besseren Zugang in pos- Pfeilerzahnes 17 mit Komposit. Bei der
terioren Bereichen mit engen antagonis- Präparation wurde darauf geachtet,
tischen Platzverhältnissen. Die Kürzung dass der Stumpf maximal parallele Wän-
kann mit Trennscheibe und Gummipolie- de aufweist und diese mit der Einschub-
rern selbst vorgenommen werden. richtung des Zahnes 14 übereinstimmen.
Die Retentionsrille bukkal an 17 sorgt
für eine zusätzliche Verankerung (Pfeil).
Entscheidend für den dauerhaften Halt
der Brücke ist die Orientierung der dis­
talen Fläche an 17 (Doppelpfeil).

jeden Zahnarzt von hoher Relevanz


für das Präparationsdesign. Die Grün-
de für die bewusste Anlage von Re-
Abb. 16: Situation einer am distalen tentionsrillen, retentiven Kästen und
Pfeiler gelockerten viergliedrigen Brü- parallelen Wänden in der Präparation
cke nach der Durchtrennung zwischen müssen auch dem Zahntechniker be-
15/16 und der Entfernung des gelo-
ckerten Anteils. kannt sein, damit diese nicht fälschli-
cherweise ausgeblockt werden.

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