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Schutzgebühr EUR 2,00 Ausgabe Nr.

33 · 5/2006

Informationen
und
Ratschläge
für eine
aktive
Gesundheits-
vorsorge

In dieser Ausgabe: Chronische Entzündungen, Altern, antioxidative Wirkung pflanzlicher Polyphenole

Liebe Leserin, lieber Leser,

eigentlich wollte ich diesmal weiter über


Polyphenole -
„Salutogenese“ berichten, die faszinierende Erfor-
schung der Bedingungen für die Entstehung von Ge-
sundheit, aber die spannenden und kenntnisreichen
bioaktive Planzenstoffe
Ausführungen von Frau Dr. Döll über die eindrucks-
volle gesundheitsfördernde Kraft der Polyphenole
hatte – wegen ihrer Aktualität – Vorrang.
mit vielseitigem
Mir liegt die „Salutogenese“ wegen ihrer grundlegen-
den Bedeutung besonders am Herzen. Die Medizin
der letzten 200 Jahre hat durch ihre einseitige Aus-
protektiven Potential
richtung auf die Frage, wie Krankheit entsteht und
verhindert werden kann, die Gesundheit weitgehend
aus dem Blick verloren. Aber angesichts der Diskussion Umfassender Schutz für unseren Körper
über zivilisationsbedingte Schäden wird die Frage,
wie Gesundheit entsteht, zunehmend aktuell. Es gilt
herauszufinden, wie der Einzelne die Kraft gewinnen von Dr. Michaela Döll
kann, mit sich und seinen Lebensbedingungen, mit
der Umwelt und seiner Zeitsituation in Einklang zu
kommen. Damit steht nicht mehr die Suche nach Polyphenole sind in vielfältiger Weise protektiv wirksam und stehen daher
„Defekten“ im Mittelpunkt, sondern die Erforschung derzeit intensiv im Brennpunkt der medizinischen Forschung. Ihre antioxidative
der äußeren und inneren Bedingungen für die Ge- Wirksamkeit ist weitaus höher als jene bekannter Antioxidantien wie
sundheit. Diese von Aaron Antonowsky (1923–1994)
begründete Forschungsrichtung findet mittlerweile beispielsweise Vitamin C und/oder Vitamin E. Darüber hinaus liegen zahlreiche
weltweites Interesse; zahlreiche Universitäten haben Hinweise auf eine entzündungshemmende und gefäßschützende Wirkung vor.
inzwischen Lehrstühle für Salutogenese eingerichtet. Ebenso ist die zellschützende und krebshemmende Potenz der Polyphenole in
Antonowsky hat vor allem ein Prinzip, das jeder in einer Reihe wissenschaftlicher Untersuchungen nachgewiesen worden.
sich selbst erzeugen muss, als entscheidend für die
Gesundheit herausgefunden: das ist der Sinn, das Polyphenole besitzen allgemein eine gesundheitsfördernde und möglicherweise
Gefühl für den Zusammenhang mit der Welt, in der lebensverlängernde Wirkung. Interessant ist: Neuesten Studien zu folge aktivieren
ich lebe. Er nennt das den „Kohärenzsinn“. Dieses
Gefühl ist dann vorhanden, wenn ich die Welt verstehe, Polyphenole in den Zellen ähnliche biochemische Mechanismen, wie dies beim
sie als sinnvoll betrachten und erleben sowie entspre- Fasten der Fall ist - und eine kalorienreduzierte Ernährungsweise gilt als
chend in ihr handeln kann. Kohärenzsinn, lebensverlängernd. Bekannt war bisher schon, dass Polyphenole die Fähigkeit
Kohärenzgefühl wirken als Zusammenhang stiftende
Kräfte bis in unseren Körper. Dort bewirken sie das haben, sich mit Verdauungsenzymen zu verbinden und so die
„Heile“, nämlich das sinnvolle Zusammenspiel der Nährstoffaufnahme im Darm vermindern.
unzähligen einzelnen Lebensvorgänge zum Ganzen.

Wir haben die Erfahrung dieses Zusammenhanges, Ernährung, Altern und trächtigungen aufweisen, so steigt
z. B. mit unseren natürlichen Lebensgrundlagen, weit-
Lebensqualität der Anteil bei den über achtzigjähri-
gehend verloren. Kürzlich las ich, dass die grosse Mehr- gen auf mehr als 30%. In diesem Zu-
heit der englischen Schulkinder keine Ahnung mehr
hat, dass die Milch von Kühen kommt oder die belieb- sammenhang ist darauf hinzuwei-
ten Pommes aus merkwürdigen Knollen gemacht Eine Verbesserung der allgemeinen sen, dass in den Industrienationen
werden, die in der Erde wachsen. Lebensbedingungen führte in den vor allem ernährungsabhängige Er-
vergangenen Jahrzehnten zu einer
Auch wir Erwachsene verlieren leicht unseren Bezug krankungen eine wesentliche Rolle
zu dem, was uns mit unseren Quellen verbindet. Den- Anhebung der mittleren Lebenser-
ken Sie nur an das, was wir der Pflanzenwelt entneh- wartung, die in Deutschland für spi elen. D ie Er nähr u ng i st
men zur Ernährung und zum Erhalt unserer gesunden Frauen derzeit bei etwa 80 und für maßgeblich  - mit bis zu 40% - an
Körperfunktionen. In dieser Ausgabe wird über die der Entstehung von Krankheiten und
wunderbaren Eigenschaften der Polyphenole berichtet. Männer bei etwa 75 Jahren liegt. Dass
Diese bioaktiven Pflanzenstoffe, die uns die Natur mit dem rein rechnerischen Anstieg den damit verbundenen Todesfällen
liefert, erfüllen auf erstaunliche Weise vitale
der Lebenserwartung nicht unbe- mitbeteiligt.
Bedürfnisse unseres Organismus nach Schutz vor
krankmachenden Einflüssen. Dies ist ein schönes dingt auch eine gleich bleibend gute
Beispiel für das, was uns der Kohärenzsinn zeigen Lebensqualität einhergeht, wird Der Zusammenhang zwischen der
kann: unseren sinnvollen Zusammenhang mit der Nahrungszufuhr und dem Auftreten
Welt, in der wir leben. durch folgende Daten deutlich: im
höheren Alter nimmt die Zahl der von Herz- Kreislauferkrankungen, di-
Mehr über Salutogenese folgt in einer der nächsten gesundheitlichen Probleme zu: Sind versen Krebsarten, Diabetes mellitus
Ausgaben.
es in der Lebensspanne zwischen 65 und chronischen Erkrankungen der
Mit freundlichen Grüßen und 69 Jahren 9% der Bevölkerung, Verdauungsorgane wurde durch epi-
die mehr als sechs körperliche Beein- demiologische Studien mehrfach
Dieter Henrichs

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aufgezeigt . Die tägliche Kost bzw. 128 der Studien (entsprechend > Flavonoide sind in den äußeren
die Zufuhr an Vitalstoffen und bio- 80%) einen eindeutig nachweisba- Schichten bzw. Blättern von Obst
aktiven Pflanzenstoffen mit vor- ren Zusammenhang. Ein niedriger und Gemüse in höheren Konzentra-
beugendem Wirk-Potential hat hier Verzehr an Vitalkost (Gemüse und tionen zu finden. Entsprechend hat
einen erheblichen Stellenwert. So Obst) geht, im Vergleich zu Perso- die Entfernung von Schalen und
zeigte z. B. die Auswertung von 156 nen mit hoher Konsumrate, mit ei- äußeren Blattschichten Verluste von
Nahrungsstudien, die das relative ner Verdopplung des Krebsrisikos bis zu 50% zur Folge. Die Vermin-
Risiko von Krebserkrankungen in derung durch Erhitzung wird
einher. Auch für Herz- Kreislaufer-
Bezug auf den Gemüse- und ebenfalls mit bis zu 50% angege-
krankungen konnten diese Zusam-
Früchtekonsum untersuchten, für ben. Eingedostes Obst und Gemüse
menhänge bestätigt werden. Die weist in der Regel nur noch die Hälf-
offiziellen Ernährungsempfehlun- te der ursprünglichen Flavonoid-
Übersicht 1 : gen tragen diesen Untersuchungs- konzentrationen auf. Bei der Saft-
ergebnissen Rechnung und raten herstellung können diese Verluste
Vorkommen von Polyphenolen in zu einem Verzehr von mindestens sogar bis zu 80% betragen.
pflanzlichen Lebensmitteln fünf Portionen Obst und Gemüse
(Beispiele) und Wein pro Tag, wobei unter einer Portion Polyphenole –
die Menge von etwa 100 Gramm
Polyphenole in Nahrungsmitteln
verstanden wird.
antioxidative und
(Angaben in mg/kg Frischgewicht)
herzschützende
Phenolsäuren: Polyphenole – Wirksamkeit
(nicht differenziert)
Chemie und Vorkommen
Freie Radikale attackieren nahezu
Grünkohl 970 - 1555 alle Biomoleküle (vorzugsweise Fet-
Weizenvollkorn 500 Die natürlichen Polyphenole sind te und Proteine, aber auch das Erb-
im Pflanzenreich als Antioxidantien, gut) und verursachen deren Oxida-
Chlorogensäure: Geschmacks- und Bitterstoffe, Gerb-
Heidelbeeren 500 - 2000 tion. Schäden an der Zellmembran,
Kartoffeln 1400 stoffe (Tannine) und farbgebende Funktionsstörungen von Enzymen
Kaffee 50 - 150 Komponenten (Pigmente) weit ver- und Veränderungen der DNA kön-
breitet. Diese riesige Gruppe der nen die Folge sein. Die daraus re-
Ellagsäure: bioaktiven Pflanzenstoffe kann in sultierenden Zellschäden sind als
Walnüsse 7400 die beiden wichtigsten Substanz- Mitverursacher bei einer Reihe von
Brombeeren 2010 klassen Phenolsäuren und Flavono- degenerativen Erkrankungen
Brombeermarmelade 513 ide untergliedert werden. Aus der (Übersicht 2) beteiligt. In etwa glei-
Himbeeren 1240 großen Gruppe der Flavonoide chem Maß wie der oxidative Stress
Flavonoide: wiederum sind besonders die oligo- als krankheitserregender Faktor an
meren Proanthocyanidine (OPC) Bedeutung gewann, nahm auch
Flavonole: hervorzuheben, die derzeit im wis- das Interesse an antioxidativen
Zwiebeln 340 - 347 senschaftlich-medizinischen Fokus Schutzstoffen (Radikalfänger) in
Grünkohl 110 -120 stehen. Polyphenole mit interessan- Forschung und therapeutischer
Äpfel (Schale) 140 ten bioaktiven Eigenschaften fin- Anwendung zu. Polyphenole gel-
Äpfel (Fruchtfleisch) <2 den sich vor allem im Beerenobst ten allgemein als „Antioxi-
(z. B. Heidelbeeren, spezielle Beeren- dantienverstärker“. Ihre Fähigkeit
Kämpferol: als Radikalenfänger ist stärker aus-
Grünkohl 211 - 470 arten wie z. B. Amlabeere - Emblica
officinalis) im Tee, in roten Wein- geprägt als diejenige von Vitamin
Brokkoli 60 - 72 C oder Vitamin E und sie erhöhen
trauben, Traubenkernen und dunk-
Flavanole: ler Schokolade. Reich an Polypheno-
die antioxidative Wirksamkeit die-
ser Vitamine um Faktor 20 bis 50!
len ist auch der Granatapfel. Der
Epicatechin/Catechin Sie inaktivieren Sauerstoff- und Li-
Polyphenolgehalt von Obst und pidperoxylradikale und hemmen
Dunkle Schokolade 460 Gemüse kann, in Abhängigkeit von
Grüner Tee 102 - 418 oxidativ wirksame Enzyme.
Äpfel (mit Schale) 71 - 115 Vegetationsbedingungen und Ern- Darüberhinaus üben sie einen Vi-
Äpfel (ohne Schale) 51 - 96 tezeitpunkten stark schwanken. tamin C- bzw. E-sparenden Effekt
Rotwein 2 7 - 96 Reich an F lavonoid en sind aus, indem sie diese regenerieren.
beispielsweise Zwiebeln, Blattsalate, Diese natürlichen Substanzen sind,
Flavone: Grünkohl und Lauch, die Quercetin infolge ihrer Hydroxylgruppen, gu-
Apigenin: Sellerie (Blatt) 750 bzw. Kämpferol in größeren Men- te Radikalenfänger, die sowohl im
Luteolin: Sellerie (Blatt) 200 gen enthalten (Übersicht 1). Dem wässrigen (hydrophilen) als auch
Flavonoid Epigallocatechin wurde im fettigen (lipophilen) Zellmilieu
Anthocyane:
(nicht differenziert) als Inhaltsstoff von schwarzem und aktiv sind. Verschiedene Flavonoide
Kirschen 1000-4500 grünem Tee in den vergangenen beispielsweise ergänzen sich hin-
Himbeeren 200 - 600 Jahren eine besondere Beachtung sichtlich ihrer Zielmoleküle. In Ab-
Heidelbeeren 100-1000 geschenkt. hängigkeit von der Struktur wer-

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den etwa die Aktivitäten der Enzym- um 50% verminderte Gesamtsterb- tod) von Karzinomzellen, wirken der
gruppen, vor allem Lipoxygenasen lichkeit. Der Konsum von Polyphe- Angiogenese entgegen und zeigen
und Cycloxygenasen, in unter- nolen (z. B. durch Rotwein) wird außerdem eine signifikante Schutz-
schiedlichem Ausmaß durch Flavo- auch mit dem Begriff „French wirkung vor durch Bestrah-
noide beeinflußt. Untersuchungen Paradox“ assozi-
ergaben auch für bestimmte An- iert. Damit ist Übersicht 3:
thocyane (Cyanidin), Flavonole das relativ ge-
(Quercetin) und das in schwarzem ringe Vorkom- Mögliche Mechanismen der krebshemmenden
und grünem Tee vorkommende Epi- men von Herz-, Wirkung von Polyphenolen
catechin hohe antioxidative Kapa- Kreislauferkran-
zitätswerte. kungen bei den • Hemmung von Phase-I-Enzymen ( „Giftung“)
Franzosen, trotz • Induktion von Phase-II-Enzymen („Entgiftung“)
Polyphenole wirken gefäß- hoher Fettzufuhr
entspannend, antithrombotisch gemeint, was • Antimutagene Wirkung
und cholesterinsenkend. Die man mit der • Bindung von Karzinogenen und Verhinderung der
Blutgefäßpermeabilität beeinflus- gefäßprotektiven Anlagerung an die DNA
sende Wirkung hat den Flavonoiden Wirkung der Po- • Antiproliferative Effekte
Ende der dreißiger Jahre die Be- lyphenole er- • Beeinflussung des programmierten Zelltods
zeichnung Vitamin P eingebracht. klärt. (Apoptose)
Epidemiologische Studien weisen • Antioxidative Wirkung
auf einen Herz und Gefäße • Immunmodulation und antiinflammatorische Effekte
schützenden Effekt der Polyphenole
hin, der u. a. auf das antioxidative
Potential dieser Substanzen lung verursachte DNA -Schäden,
Polyphenole – was im Rahmen antineoplastischer
zurückzuführen ist. Ebenso konnte
gezeigt werden, dass Polyphenole krebshemmende und Therapien von besonderer Bedeu-
den Blutdruck senken können. Es immunstärkende Wirkung tung sein kann.
ergibt sich ein nachweisbarer Zu-
sammenhang zwischen der Poly- Für die antikanzerogene (krebshem- In einer klinischen Studie mit Brust-
phenolaufnahme und dem Auftre- mende) Wirkung der Polyphenole krebspatientinnen (Stadium I und
ten von Herz- Kreislaufer- sprechen zahlreiche bislang II) verminderte der Konsum von 5
durchgeführte Untersuchun- Tassen Grüntee pro Tag die Rück-
Übersicht 2: gen. In tierexperimentellen fallrate signifikant und verlängerte
Tests erwiesen sie sich als deutlich die Remissionsphase. Auch
Erkrankungen, die durch Freie Radikale protektiv gegen Brust-, Dick-
mitverursacht werden (Beispiele) vom Granatapfelextrakt sind krebs-
darm- und Hautkrebs. In einer
neueren Untersuchung mit hemmende Effekte (besonders hin-
drei verschiedenen Prostata- sichtlich der Entstehung von Brust-
• Altersbedingte Makuladegeneration krebszelllinien zeigte sich, dass und Prostatakrebs) bekannt. Diese
• Atherosklerose die Flavonoide Catechin, Epi- konnten bislang im Tiermodell und
• Asthma catechin und Quercetin das in Labor-Tests verifiziert werden.
• Chronisch obstruktive Bronchitis Wachstum der Krebszellen
• Chronisch-entzündliche hemmen können. Das chemopräventive Potential der
Darmerkrankungen Polyphenole ist auf mehrere Effekte
• Cystische Fibrose Auch aus Humanstudien lie- zurückzuführen (Übersicht 3), wo-
• Diabetes mellitus gen mittlerweile Hinweise auf bei sicherlich auch der positive Ein-
• Hautschäden (UV-bedingt) eine lungenkrebsprotektive fluss auf das Immunsystem rele-
• Hepatitis Wirkung vor. Labor-Tests las- vant ist. Hinweise aus
• Ischämie sen darauf schließen, dass
• Katarakt tierexperimentellen Befunden, die
verschiedene Polyphenole belegen, dass Polyphenole die Inter-
• Krebs synergistisch zusammenwir-
• Morbus Alzheimer feron-Alpha-Produktion erhöhen,
ken können. Untersuchungen
• Morbus Parkinson mit humanen Lungenkrebs- liegen vor. Die vermehrte Freiset-
• Multiple Sklerose zellen ließen in Anwesenheit zung dieses Interferons wurde mit
• Pankreatitis kom binie r t er Grünt ee - einer Hemmung der Tumorpromo-
• Parodontopathien Catechine eine stärkere tionsphase bei Mäusen in Verbin-
• Psoriasis krebshemmende Wirkung er- dung gebracht. Weiterhin liegen
• Rheumatoide Arthritis kennen, als bei der Exposition Untersuchungen zur Stärkung der
von nur einem einzelnen Ca- körpereigenen Abwehr durch die
krankungen. Die Patientengruppen techin (Epigallocatechingallat). Die Epicatechine im grünen Tee vor, die
mit der höchsten Polyphenolauf- Grüntee-Polyphenole begünstigen zeigen, dass diese Substanzen die
nahme zeigten in einer Studie eine die Apoptose (programmierter Zell- Phagozytose stimulieren.

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Polyphenole – Weiterhin werden Transkriptions- Es ist deshalb eine ausgesprochen
entzündungshemmende proteine wie der NF-kappa-B (nuc- sinnvolle Maßnahme zur persön-
lear factor kappa B), welcher bei lichen Gesundheitsvorsorge, ne-
und antimikrobielle Entzündungsreaktionen über- ben einer ausgewogenen, obst-
Wirkung mäßig aktiviert wird und die Syn- und gemüsereichen Kost täglich
these entzündungsfördernder Bo- eine Mischung der biologisch po-
Entzündungsprozesse stehen seit tenstoffe (Zytokine) begünstigt, tentesten Polyphenole als Nah-
einiger Zeit im Verdacht, die ge- durch die Polyphenole gehemmt. rungsergänzung (Kapseln) zu sich
meinsame Schnittstelle für chro- Offensichtlich können Polyphenole zu nehmen. Die Kombination ver-
nisch degenerative Erkrankungen auch die Begleiterscheinungen von stärkt durch ihre synergistischen
zu sein. Neuere Forschungsergeb- Entzündungen, wie Schwellung Effekte die positiven Reaktionen
nisse deuten darauf hin, dass die und Schmerzen, günstig beeinflus- auf den gesamten Organismus.
niedriggradigen Schwelbrände an sen. Für den Granatapfelextrakt
der Entstehung von Herz- Kreislauf- ist die Hemmung der Cyclooxyge- Ein Hauptbestandteil der Mi-
erkrankungen, Hyperinsulinämien, nasen und die reduzierte Bereit- schung sollte - wegen der breitge-
Diabetes mellitus Typ II, Krebs und stellung entzündungsfördernder fächerten Wirksamkeit – das OPC
neurodegenerativen Erkrankungen Botenstoffe nachgewiesen worden. aus Traubenkernen sein. Deren ge-
maßgeblich mitbeteiligt sind. So Die Amlaf rucht zeigt ihre sundheitsfördernden Eigenschaf-
wird beispielsweise gerade im Be- antientzündliche Wirkung z. B. in ten wurden bereits in früheren
reich des medizinischen Verständ- der Verminderung von Zahnfleisch- Ausgaben von NWzG ausführlich
nisses zur Arterienverkalkung bluten. Cystus hat ebenfalls eine beschrieben; OPC-Produkte wie
(Atherosklerose) zunehmend die positive Wirkun g bei E nt- „EndoClair“ oder „Anthogenol“ sind
Auffassung vertreten, die diese zündungen des Mund- und Ra- seit Jahren bewährt und haben ei-
Gefäßerkrankung als entzün- chenraumes, bei Schleimhautrei- nen großen, ständig wachsenden
dungsbedingten Prozess ausweist, zungen und entzündlichen Hau- Freundeskreis. Auch die Polyphe-
wobei entzündungsfördernde Re- terkrankungen. nole aus dem Grünen Tee sind
aktionen sowohl als Auslöser als inzwischen gut bekannt; ihr ge-
auch in der weiteren Entwicklung Die Polyphenole schützen, infolge sundheitlicher Nutzen steht außer
des Krankheitsbildes eine erhebli- Frage und so sollte Grüntee-Extrakt
ihrer antibiotischen Fähigkeit die
che Rolle spielen. Antientzündlich ebenfalls ein Bestandteil jeder Po-
Pflanzen vor mikrobiellem Befall,
wirksamen Substanzen kommt da- lyphenolmischung sein.
eine Eigenschaft, die auch dem
her sowohl in der Vorbeugung als Menschen durch den Verzehr poly-
auch in der begleitenden Therapie Die Erkenntnisse über den enor-
phenolhaltiger Kost zugute kom- men gesundheitsfördernden Nut-
eine wichtige Rolle zu.
men kann. So wurde festgestellt, zen der Polyphenole haben zu ei-
Zur entzündungshemmenden dass die in diversen Fruchtextrak- nem wahren Forschungsschub in
Wirksamkeit der Polyphenole wur- ten (z. B. Beerenextrakt, Grüntee ) diesem Bereich geführt. Dabei wur-
den in der Vergangenheit ebenfalls vorhandenen Polyphenole eine den Pflanzen und ihre Bestandteile
zahlreiche Untersuchungen starke antivirale und antibakteriel- (Blätter, Früchte, Kerne, Samen, Rin-
durchgeführt, wobei hier in erster le Wirksamkeit aufweisen. den) auf ihren Phenolgehalt und
Linie die große Stoffgruppe der Fla- mögliche Schutzeffekte für den
vonoide angesprochen ist. Diese Menschen untersucht. Oft handelt
blockieren das Enzym Phospholipa- Polyphenole aus Pflanzen- es sich dabei um Pflanzen, deren
se A2 und damit die Bereitstellung extrakten – Antioxidantien Heilwirkung in der Volksheilkunde
der Arachidonsäure, die selbst und Schutzstoffe mit be- schon seit langem bekannt war.
wiederum das Ausgangsprodukt Durch moderne wissenschaftliche
für diverse Entzündungen auslö- sonderer Effizienz Messmethoden konnte nun viel-
sende Substanzen darstellt. fach nachgewiesen werden, dass
Darüber hinaus wird die Aktivität Aus alldem ist leicht ersichtlich, diese Wirksamkeit auf dem für die
der Lipoxygenasen und damit die dass die verschiedenen natürlichen untersuchten Pflanzen spezifi-
Bereitstellung entzündungs- Polyphenole ein außerordentlich schen Gehalt an Polyphenolen be-
fördernder Leukotriene gehemmt. breites gesundheitsförderndes ruht. Beispiele sind der Granatapfel
Ebenso werden die Cyclooxygena- Wirkungsspektrum im menschli- (Paradiesapfel), dessen Einzigartig-
sen und deren Reaktionsprodukte, chen Organismus entwickeln. Sie keit in vielen Mythen beschrieben
die Prostaglandine (und Thrombo- schützen die Körperzellen vor frei- wurde. Oder auch die – verglichen
xane und Prostacycline) gedrosselt. en Radikalen und verlangsamen mit dem Granatapfel – bescheiden
Polyphenole können die Freiset- die Zelloxidation. Sie wirken, wie auftretende Heidelbeere (Blaubee-
zung von Histaminen drosseln. wir gesehen haben, entzündungs- re). Oder die indische Amla-Beere,
Polyphenolhaltige Extrakte aus hemmend und krebsvorbeugend. die nach der ayurvedischen Lehre
grünem Tee mindern die Freiset- Sie vermindern die Ablagerungen zu den neun Lebensmitteln gehört,
zung des TNF und des Interfon- (Plaques) in den Blutgefäßen und die der Mensch täglich für seine
gamma, wodurch entzündlichen beugen damit der Arterienverkal- Gesunderhaltung braucht. Oder
Prozessen entgegengewirkt wird. kung vor. der Cystus-Strauch, aus dessen

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Blättern ein Extrakt oder Tee berei- Amla Cistus
tet wird, der für seine antiviralen Eine äußerst interessante Frucht Bislang war kaum bekannt, dass
Eigenschaften gerühmt wird. ist auch die Amlabeere der indi- die Blätter des Cistus-Strauches,
schen Stachelbeerart Emblica offi- des in Griechenland beheimateten
Granatapfel cinalis. Die frisch gepflückte Frucht „Jungbrunnen“-strauches, stark
Von besonders hoher antioxidati- enthält bis zu 700 mg Vitamin C, antioxidativ wirksam sind.
ver Potenz ist der Granatapfelex- darüberhinaus eine Reihe hochpo- Tatsächlich gilt Cistus jetzt als die
trakt, der in diversen Testsystemen polyphenolreichste Pflanze Euro-
tenter Polyphenole (hauptsächlich
eine 3mal so hohe antioxidative pas. Vergleichende wissenschaftli-
Wirkung zeigt wie beispielsweise Tannine) und u. a. das antioxidativ
che Untersuchungen des LEFO-
Rotwein. Nicht umsonst gilt diese wirksame Enzym Superoxiddismu- Institutes für Lebensmittel und
Frucht als Symbol der Unsterblich- tase. Die antioxidative Wirksamkeit Umweltforschung in Ahrensburg
keit. In wissenschaftlichen Unter- dieser Beerenfrucht wurde vom Ni- zeigen, dass das Cistus-Teekraut
suchungen ist die starke antioxida- va Institute of Immunology in Ja- dreimal so gut gegen freie Radikale
tive Wirksamkeit des Grantapfels - pan bestätigt. wirkt wie der grüne Tee und um
die in erster Linie auf dem Polyphe- ein Vielfaches höher antioxidativ
nolgehalt beruht – und dessen pro- Amla ist ein Klassiker der ayurvedi- wirkt als beispielsweise Rotwein
tektive Wirkung auf Gefäße und schen Heilkunde. Seit über 5000 oder Vitamin C.
Gehirn nachgewiesen worden. For- Jahren verwendet die traditionelle
schungen der Universität Wiscon- Medizin- und Gesundheitslehre Das vielleicht herausragendste
sin legen nahe, dass – wie der ver- Amla auf vielfältigste Weise. Die Merkmal von Cistus-Extrakt: Er bil-
antwortliche Leiter der Unter- det eine starke natürliche Barriere
Ayurveda-Mediziner setzen Amla-
suchungen, Hasan Mukhtar, mit- in der Mundschleimhaut gegen Vi-
teilte, dass Granatäpfel „sehr wir- Rezepturen für entzündungs-
hemmende, antibakterielle, antivi- ren und Bakterien. Diese besonde-
kungsvolle Substanzen gegen ren keimtötenden Fähigkeiten des
Krebs – insbesondere Prostatakrebs rale und antimykotische Behand-
Cystus gegen Bakterien, Pilze und
– enthalten. “Frühere Studien mit lungen ein. Die Liste der Anwen-
Viren werden auch für die Behand-
Granatapfel-Polyphenolen hatten dungen wurde in den letzten 25 lung von Hauterkrankungen (Akne,
bereits eine hemmende Wirkung Jahren durch verschiedene ayurve- Neurodermitis) , Entzündungen
auf Tumore der Haut gezeigt. dische Autoren geprüft. des Mund- und Rachenraumes so-
wie bei bakteriell bedingten
Heidelbeeren Die Hauptanwendungen wurden Schleimhautreizungen im Genital-
Die im Heidelbeerextrakt vorhan- so zusammengefasst: bereich erfolgreich angewendet.
denen Polyphenole (Anthocyane)
haben eine protektive Wirkung hin- Verdauungsstörungen: Eine Ursache –
sichtlich der Sehkraft und der Au- Dyspepsia, Gastritis, Übersäue-
gengesunderhaltung. Bereits vor viele Wirkungen
rung, Verstopfung, Koliken, Colitis,
mehr als 50 Jahren konstatierten
Hämorrhoiden. Das enorm breit gefächerte Wirk-
britische Piloten nach dem Genuss
von größeren Mengen Heidelbeer- spektrum dieser pflanzlichen Poly-
marmelade eine bessere Nacht- Störungen des Blutsystems: phenole kann in uns immer wieder
sicht. Die in den Heidelbeeren vor- Blutende Hämorrhoiden, Zahn- ungläubiges Staunen hervorrufen.
handenen Anthocyane sorgen für fleischbluten, ulcerative Colitis, Es wird indessen sofort verständ-
eine bessere Durchblutung der fei- Anämie. lich, wenn man bedenkt, dass die
nen Augengefäße und schützen verschiedensten Krankheitsbilder
das Organ vor oxidativem Stress, Stoffwechselstörungen: eben auf sehr wenige Ursachen
der in den Sehorganen besonders Diabetes mellitus, Gicht. zurückgehen. So können ent-
durch UV-Licht und Ozon ausgelöst zündliche Prozesse den Darm, die
wird. Heidelbeeren stärken die Ka- Lunge: Knochen und Gelenke oder auch
pillarwände und halten sie flexi- die Arterien belasten oder schädi-
Husten, Asthma
bel.Sie haben blutdrucksenkende gen. Die Attacken der freien Radi-
Eigenschaften, helfen bei antibak- kalen können in jeder Zelle, in je-
Alterskrankheiten: dem Organ Schäden anrichten.
teriellen Blasenentzündungen und
können im Körper befindliche Osteoporose, vorzeitiges Ergrauen Beseitigt man die Grundursache,
Schwermetalle (z. B. Blei) an sich des Haars, schlechte Sehfähigkeit. bessert sich der Zustand in jedem
binden, sodass diese ausgeschie- betroffenen Körperteil. In diesem
den werden können. Und: Lesen Nervenschwäche: Sinne bieten Polyphenole einen
Sie, was Dr. Joseph über Heidelbee- Müdigkeit, geistige Ausfallerschei- umfassenden Schutz für unseren
ren sagt! (s. letzte Seite). nungen, Schwindel. ganzen Körper.

Seite 5 Neue Wege zur Gesundheit · 5 / 2006


Anzeige:
Von Mäusen und Heidelbeeren
Aus: Jean Carper: „Wundernahrung fürs Gehirn“

Wenn Ihr Gehirn eine allmähliche und möglicherweise unerkannte Beein-


trächtigung seiner Funktionen erlitten hat, ist es dann noch möglich, Ihr
Gehirn wieder zu verjüngen? Können Sie den Zerfallsprozess wieder
rückgängig machen?

Dieser Frage, ob ein altersbedingter Schaden, der bereits eingetreten war,


wieder rückgängig gemacht werden konnte, ging der Nährstoffwissen-
schaftler Prof. Dr. Joseph von der amerikanischen Tufts-Universität nach.
Er entschloss sich, es mit Heidelbeeren zu versuchen – neue USDA-Analysen
hatten gezeigt, dass Heidelbeeren eine Art antioxidative Superkraft haben.

Die Mäuse, die er für das Experiment ausgesucht hatte, waren bereits in
fortgeschrittenem Alter, das dem menschlichen Lebensalter zwischen 65
und 70 Jahren entspricht und litten unter typischen Gehirnfunktionsstö-
rungen. Sie wurden mit dem Wasser-Labyrinth-Test auf motorische Leis-
tungen und Gedächtnis-Performance untersucht. Anschließend fütterte
man ihnen einige Monate lang den Anteil von einem Prozent ihrer Kalorien
in Form von frischen Heidelbeeren (Blaubeeren), die dem Futter als ge-
friergetrocknetes Pulver beigemischt waren. Dann wurden die Tiere
nochmals dem Test unterzogen. Das Unvorstellbare war Wirklichkeit
geworden. Die Mäuse, die Blaubeeren erhalten hatten, schnitten besser
ab als zu Beginn des Experiments. Das heisst, dass ihre Gehirne wieder so
funktionsfähig geworden waren wie früher.

„Um wieviel sind sie sozusagen jünger geworden und in welchem Maße
konnten die im Alter entstandenen Defizite wieder ausgeglichen werden?“ Neue Wege zur Gesundheit
„Einige von ihnen waren so gut wie „jung“, andere so wie im „mittleren Verlag & Herausgeber: Constantia-Verlag
Norderstraße 30
Alter“ oder besser. Es ist das umwerfendste Ergebnis, das ich jemals gesehen DE-26789 Leer
habe“
Redaktion: Eva Hagedorn
„In anderen Worten, Sie haben die Maschine im Gehirn repariert?“
Erscheinungsweise: 4 mal jährlich.

„Ja.“ Jahresbezugspreis: EUR 8,-

„Wie viele Blaubeeren in menschlichem Maßstab führen zu diesem Ergeb- Alle Beiträge sind urheberrechtlich
geschützt. Alle Rechte vorbehalten.
nis?“ Mit Ausnahme der engen Grenzen,
die das Urheberrechtsgesetz zuläßt,
„Nicht mehr als eine halbe Tasse Blaubeeren täglich.“ bedarf jede Verwertung, insbesondere
der Nachdruck - auch in Auszügen -
der schriftlichen Einwilligung des
„Sie machen Scherze.“ Verlages.
Gerichtstand und Erfüllungsort ist
„Nein. Es ist erstaunlich.“ Leer.

Alle Beiträge dienen der Information


Als Dr. Joseph der Sache weiter auf den Grund ging, fand er noch mehr des Lesers und sollen den
schlagende Beweise für das „Blaubeeren-Phänomen“. Die Untersuchung eigenverantwortlichen Umgang mit
der Mäusegehirne zeigte, dass deutliche Zellveränderungen stattgefunden Gesundheitsfragen erleichtern. Sie
sind jedoch nicht als medizinische
hatten, die mit der geistigen Verjüngung in Zusammenhang stehen. Er Ratschläge gemeint; bei
wies nach, dass die Empfindlichkeit der Rezeptoren in den Gehirnzellen gesundheitlichen Störungen oder
sowie der Großteil der in Mitleidenschaft gezogenen Gehirnschaltkreise Medikamenten-gebrauch sollte
wiederhergestellt worden waren. Das alles hatte die verbesserte geistige ärztlicher Rat gesucht werden. Eine
Haftung von Verlag, Herausgeber oder
Leistung bewirkt. Autoren ist ausgeschlossen.
www.nwzg.de ••• info@nwzg.de
„Ich war natürlich überrascht. Ich kenne keinen anderen Wirkstoff, der
altersbedingte motorische und kognitive Defekte rückgängig machen kann.
Dies ist der einzige Stoff, den ich jemals gefunden habe, der dies vermag - Ausgabe Nr. 33 • 5/2006
und ich suche seit zweiundzwanzig Jahren danach.“ © 2006 by Constantia-Verlag

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