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Diagnosegestützte Sprachförderung in der Schule

Masterseminar - 6 ETCS; Deutsch als Fremd- & Zweitsprache


Dr. Beatrice Müller; beatrice.mueller@univie.ac.at
heutige Sitzung

1. Durchgängige Sprachbildung
2. Bildungssprache
3. Aufgabe zur nächsten
Sitzung

Diagnosegestützte Sprachförderung in der Schule 2


Einordnung — Also?
„Unterricht in sprachlich heterogenen Klassen gehört immer
mehr zum Alltag von Lehrkräften. Noch nicht
selbstverständlich sind erfolgreiche Handlungsstrategien im
Umgang mit sprachlicher Heterogenität. ‚Welche
Gegenstände sollen bei der Sprachbildung in den Blick
genommen werden? Wie kann ich sprachliche Heterogenität
in meiner Unterrichtsplanung berücksichtigen? Welches
übergeordnete Ziel verbindet unterschiedliche Ansätze und
Methoden?‘“

Gogolin, I. et al. (2011): 7


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Einordnung — Also?
„Unterricht in sprachlich heterogenen Klassen gehört immer
mehr zum Alltag von Lehrkräften. Noch nicht
selbstverständlich sind erfolgreiche Handlungsstrategien im
Umgang mit sprachlicher Heterogenität. ‚Welche
GegenständeDurchgängige Sprachbildung
sollen bei der Sprachbildung in den Blick
genommen werden? Wie kann ich sprachliche Heterogenität
in meiner Unterrichtsplanung berücksichtigen? Welches
übergeordnete Ziel verbindet unterschiedliche Ansätze und
Methoden?‘“

Gogolin, I. et al. (2011): 7


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Durchgängige Sprachbildung
• Erläutern Sie die zentralen Aspekte des Textes „Durchgängige
Sprachbildung. Qualitätsmerkmale für den Unterricht“ (Gogolin et
al., 2011).
• Formulieren Sie mindestens zwei Fragen an den Text.
• Präsentieren Sie ein* Qualitätsmerkmal genauer.

• Zeit: 20 Minuten
• Dauer: circa 5 Minuten
• Präsentation: Tafel

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Durchgängige Sprachbildung
• Erläutern Sie die zentralen Aspekte des Textes „Durchgängige
Sprachbildung. Qualitätsmerkmale für den Unterricht“ (Gogolin et
al., 2011).
• Formulieren Sie mindestens zwei Fragen an den Text.
• Präsentieren Sie ein* Qualitätsmerkmal genauer.

• Zeit: 20 Minuten
• Beginn Präsentation: ….

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Durchgängige Sprachbildung — Ziel
„Allen Schülerinnen und Schülern einen Zugang zu
Bildungssprache zu eröffnen und ihnen so die Chance zu geben,
sich die sprachlichen Anforderungen, die Schule mit sich bringt, so
weit wie möglich anzueignen […] sprachliche Bildungsprozesse
von Kindern und Jugendlichen über Schnittstellen hinweg
durchgängig zu planen und zu gestalten – zwischen den beteiligte
Bildungsstufen, Lernbereichen und Institutionen […]
Fächerübergreifend soll Sprache als Medium des Lehrens und
Lernens bewusst verwendet und gefördert werden.“
Gogolin, I. et al. (2011): 7 ff.

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Durchgängige Sprachbildung — Ziel
„Allen Schülerinnen und Schülern einen Zugang zu
Bildungssprache zu eröffnen und ihnen so die Chance zu geben,
sich die sprachlichen Anforderungen, die Schule mit sich bringt, so
weit wie möglich anzueignen […] sprachliche Bildungsprozesse
von Kindern und Jugendlichen über Schnittstellen hinweg
durchgängig zu planen und zu gestalten – zwischen den beteiligte
Bildungsstufen, Lernbereichen und Institutionen […]
Fächerübergreifend soll Sprache als Medium des Lehrens und
Lernens bewusst verwendet und gefördert werden.“
Gogolin, I. et al. (2011): 7 ff.

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Durchgängige Sprachbildung — Qualitätsmerkmale
1. Die Lehrkräfte planen und gestalten den Unterricht mit Blick auf das
Register Bildungssprache und stellen die Verbindung von Allgemein- und
Bildungssprache explizit her.
2. Die Lehrkräfte diagnostizieren die individuellen sprachlichen
Voraussetzungen und Entwicklungsprozesse.
3. Die Lehrkräfte stellen allgemein- und bildungssprachliche Mittel bereit
und modellieren diese.
4. Die Schülerinnen und Schüler erhalten viele Gelegenheiten, ihre allgemein-
und bildungssprachlichen Fähigkeiten zu erwerben, aktiv einzusetzen und zu
entwickeln.
5. Die Lehrkräfte unterstützen die Schülerinnen und Schüler in ihren
individuellen Sprachbildungsprozessen.
6. Die Lehrkräfte und die Schülerinnen und Schüler überprüfen und bewerten
die Ergebnisse der sprachlichen Bildung.

Gogolin, I. et al. (2011): 7 ff. 10


Diskussion — Durchgängige Sprachbildung
• Inwiefern ergeben sich Konsequenzen für die sprachliche
Bildung in der Schule?
• Inwieweit ergeben sich Folgen für Sprache und
Sprachförderung im Fach?
• Was bedeutet das für sprachliche heterogene Gruppen?
• Welche Anforderungen stellen sich mit diesem Konzept an die
Lehrkräfte?

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Begriffe

Umgangssprache

Berufssprache Bildungssprache

Unterrichtssprache
Alltagssprache

Wissenschaftssprache
Fachsprache

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Begriffsklärung — Fachsprache

• ähnliche Eigenschaften wie Bildungssprache


• hoch verdichtete, kognitiv anspruchsvolle Informationen in
kontaktarmen Konstellationen
• gemeinsame Sprecher*innengruppe
• ähnliches Vorwissen

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Was ist Bildungssprache?

• „academic discourse“ — „academic language“


• hoch verdichtete, kognitiv anspruchsvolle Informationen in
kontaktarmen Konstellationen
• für Schulerfolg relevant (in Lehrmaterialien, in Prüfungssituationen)

• Empfehlung: Feilke, Helmut (2012) (Hrsg.): Bildungssprache.


Praxis Deutsch, Heft 233, Jg. 39. Friedrich Verlag.

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Was ist Bildungssprache?

• formelles Sachregister, das für den Erfolg in der Schule und in der
Bildung notwendig ist
• Orte: anspruchsvolle Presseorgane, akademische und politische
Vorträge, Bücher …
• im Unterricht: Bildungssprache und fachsprachliche
Redewendungen
• Aneignung NICHT selbstverständlich, sondern im formalen Kontext
—> in der Schule

Quelle: Brandt & Gogolin 2016; Lange & Gogolin 2010

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Was ist Bildungssprache?

• formelles Sachregister, das für den Erfolg in der Schule und in der
Bildung notwendig ist
• Orte: anspruchsvolle Presseorgane, akademische und politische
Vorträge, Bücher …
Konsequenzen
• im Unterricht: im und
Bildungssprache Unterricht ähnlich
fachsprachliche
zwischen Bildungs- und Fachsprache
Redewendungen
• Aneignung NICHT selbstverständlich, sondern im formalen Kontext
—> in der Schule

Quelle: Brandt & Gogolin 2016; Lange & Gogolin 2010

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Was ist Bildungssprache?

Alltagssprache Bildungssprache

konzeptionell mündlich konzeptionell schriftlich


kontextgebunden kontextreduziert
geringe kognitive Involvierung hohe kognitive Involvierung

Das … nein, es geht n nicht … Ein Magnet ist ein Stück Metall, das von
es bewegt sich nicht … einem unsichtbaren Kraftfeld umgeben
versuch das … ist, welche auf magnetisches Material
ja, es geht … ein bisschen … das enwirkt. Der Magnet kann ein Stück Eisen
nicht … oder Stahl hochheben oder anziehen,
das geht nicht, es ist ein Metall … weil sein magnetisches Feld in das Metall
diese sind am besten … gehen fließt und es vorübergehend in einen
richtig schnell Magneten verwandelt […]

drei 10-jährige SchülerInnen sprechen


aus einem Kinderlexikon
und handeln dabei
Quelle: Gibbons 2006 nach Brandt & Gogolin 2016 17
Was ist Bildungssprache?

Alltagssprache Bildungssprache

konzeptionell mündlich konzeptionell schriftlich


kontextgebunden kontextreduziert
Die Verwendung
geringe kognitive Involvierung von Bildungssprache muss
hohe kognitive Involvierung
angemessen sein. Manchmal kann zur
Das … nein, es geht n nicht … Ein Magnet ist ein Stück Metall, das von
es bewegt sich nichtVerständigung
… überunsichtbaren
einem Neues oder beim
Kraftfeld umgeben
versuch das … ist, welche auf magnetisches Material
Experimentieren
ja, es geht … ein bisschen … das alltagssprachlich gesprochen
enwirkt. Der Magnet kann ein Stück Eisen
nicht … oder Stahl hochheben oder anziehen,
werden.
das geht nicht, es ist ein Metall … weil sein magnetisches Feld in das Metall
diese sind am Bildungs- und Alltagssprache
besten … gehen sind auf einem
fließt und es vorübergehend in einen
richtig schnell Magneten verwandelt […]
Kontinuum.

drei 10-jährige SchülerInnen sprechen


aus einem Kinderlexikon
und handeln dabei
Quelle: Gibbons 2006 nach Brandt & Gogolin 2016 18
Was ist Bildungssprache?
Nominalisierungen Erzeugung, Außerachtlassung
Kompostia Winkelmesser, Meereshöhe
Ich gebe den Ball ab.
Präfixverben
Der Verdacht erhärtet sich.
Suffixverben und -adjektive teilbar, löslich
unpersönliche Ausdrücke man, es lässt sich, dem Autor zufolge
Verwendung des Genitivs bei Außerachtlassung dieser Bedingungen
Präpositionen mit Genitiv anlässlich, wegen, anhand, mithilfe
die nach oben offene Richterskala
erweiterte Partizipial-Attribute
der sich daraus ergebende Schluss
Passivkonstruktionen Welche Strecke muss zurückgelegt werden?
in Betrieb nehmen
Funktionsverbgefüge sich einer Prüfung unterziehen
in Kraft treten

Quelle: Brandt & Gogolin 2016: 19 19


Wofür wird Bildungssprache verwendet?

Medium von Werkzeug des Eintritts- und


Wissenstransfer Denkens Visitenkarte

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Was ist Bildungssprache? —> Moodle

Ingrid Gogolin: „Migranten im deutschen Bildungswesen - Perspektiven interkultureller Pädagogik“


Vortrag LMU München 2009
https://videoonline.edu.lmu.de/en/node/206

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Gegenstand: Bildungssprache — Stolpersteine
• Lautsprache: Bach [baχ] oder ich [ɪç], Konsonantenhäufungen (»Herbst«,
»ängstlich«, »hüpfst «), Bedeutungsunterscheidung durch Länge bzw.
Kürze in »Miete — Mitte«, »Hüte – Hütte« oder Diphtonge, Umlaute
• Lexik: terminologische und nicht-terminologische Fachwörter
• Grammatik: Nominalisierungen, Passiv, „man“ (Erhöhung der
Informationsdichte, Agensvermeidung, Objektivierung)
• Syntax: erweiterte Attribute
• Textebene: Personalpronomina, deiktische Ausdrücke

Quelle und ergänzt: Rösch 2003

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Bildungssprache — BICS & CALP

BICS: Basic Interpersonal Communicative Skills


◦ ca. 2 Jahre
◦ basale konversationelle Fähigkeiten der Zweitsprachlernenden in
alltäglichen sozialen Konversationen

CALP: Cognitive Academic Language Proficiency


◦ 5-7 Jahre
◦ für den schulischen Erfolg relevante mündliche und schriftliche
Sprachkompetenz

Cummins 2008

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Bildungssprache — BICS & CALP

kognitiv herausfordernd

(CALP)
ein Experiment vor der Klasse
durchführen & erklären

Ergebnisse schriftlich
festhalten

kontext-
kontextreduziert
gebunden

Beim Experimentieren mit dem


Partner Beobachtungen
austauschen

Beobachtungen in der
Fachkonferenz vorstellen
kognitiv weniger herausfordernd

(BICS)
Bildungssprache — BICS & CALP

kognitiv herausfordernd

(CALP)

ein Experiment vor der Klasse


durchführen & erklären Ergebnisse schriftlich
festhalten

kontext-
kontextreduziert
gebunden

Beim Experimentieren mit dem


Partner Beobachtungen
austauschen

Beobachtungen in der
Fachkonferenz vorstellen
kognitiv weniger herausfordernd

(BICS)
Bildungssprache — BICS & CALP

kognitiv herausfordernd

(CALP)

ein Experiment vor der Klasse Ergebnisse schriftlich


durchführen & erklären festhalten

kontext-
kontextreduziert
gebunden

Beim Experimentieren mit dem


Partner Beobachtungen
austauschen

Beobachtungen in der
Fachkonferenz vorstellen
kognitiv weniger herausfordernd

(BICS)
Bildungssprache — BICS & CALP

kognitiv herausfordernd

(CALP)

ein Experiment vor der Klasse Ergebnisse schriftlich


durchführen & erklären festhalten

kontext-
kontextreduziert
gebunden

Beim Experimentieren mit dem


Partner Beobachtungen
austauschen

Beobachtungen in der
Fachkonferenz vorstellen
kognitiv weniger herausfordernd

(BICS)
Bildungssprache — BICS & CALP

kognitiv herausfordernd

(CALP)

ein Experiment vor der Klasse Ergebnisse schriftlich


durchführen & erklären festhalten

kontext-
kontextreduziert
gebunden

Beim Experimentieren mit dem Beobachtungen in der


Partner Beobachtungen
austauschen Fachkonferenz vorstellen

kognitiv weniger herausfordernd

(BICS)
Aufgabe zur nächsten Sitzung:
• Recherchieren Sie verschiedenen
Zweitspracherwerbstheorien.
• Arbeiten Sie die Anwendungsfelder,
die Potenziale und Grenzen heraus.
• Notieren Sie die Quellen.

• Bereiten Sie eine Übersicht für das


Gespräch mit Ihren Kolleg*innen vor.

➤ Quelle: https://schulesocialmedia.com/2013/06/23/hashtags-kurz-erklart/
Vielen Dank!

nächste Sitzung: 20.03.2018


Thema: Wiederholung
Zweitspracherwerbstheorien

Diagnosegestützte Sprachförderung in der Schule Dr. Beatrice Müller 30