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Allegorische Figuren auf der Arbeitstafel des  

Johannis‐Lehrlingsgrades 

JL „Zum Todtenkopf und Phönix“ 
Berlin, den 12.11.2009, Br. Joachim Hermann 
Berlin, den 18.02.2015, Br. Uwe Müller 

1 Allgemeines 
Die Arbeitstafel im I. Grad zeigt eine Zusammenstellung von Symbolen. Nach Hieber [1] ist in ihr die 
gesamte Lehre des Ordens enthalten, womit ihr eine besondere Bedeutung zukommt. 
Die einzigen Erklärungen, die der Orden zur Arbeitstafel und zu ihren Symbolen gibt, sind in den 
Akten des Ordens enthalten. Die Akten, die den I. Grad betreffen, sind: 
- Logenbuch: Ordensregel und Gesetzbuch 
- Logenbuch: Ritual des ersten Grades einschließlich des Aufnahmerituals [2] 
- Beilage zum 1. Logenbuch: Ritual der Johannis‐Tafellogen 
- Beilagen zum 2. Logenbuch 
- und 2. Fragebuch [3] 
Darüber hinaus hat der Orden auch den Leitfaden für die einzelnen Grade autorisiert, der ebenfalls 
Aussagen  über  die  dort  jeweils  verwendete  Symbolik  macht.  Dieser  Leitfaden  wurde  von  Otto 
Hieber (1840 ‐ 1930) in Königsberg verfasst. Otto Hieber war über viele Jahre Vorsitzender Meister 
der JL "Zum Todtenkopf und Phönix". 
Nach  dem  Wiederaufleben  der  GLL  nach  der  dunklen  Zeit,  überarbeitete  und  ergänzte  Br.  W. 
Stukenberg den Leitfaden. Er zitiert darin mehrfach die „Allgemeinen Instruktionen, Lehrbuch für 
die Mitglieder der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland“, Teil 1, Die Johannisgrade 
des Br. Hermann Gloede, Berlin 1901 [4]. Letztere wurden als Lehrbuch für Brr. Freimaurer durch 
die GLL großmeisterlich genehmigt.  
Ein  jüngeres,  autorisiertes  Heft  ist  der  „Lehrlingsguide,  Ergänzungen  zum  Leitfaden  von  Br.  Otto 
Hieber“, herausgegeben von der GLL. Letzteres ist uns hier nicht dienlich. 
Weitergehende Erklärungen, stellen stets die persönliche Auffassung des jeweiligen Bruders dar. 

   

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2 Symbole und deren Anordnung zueinander 
Die Wissenschaft, die sich mit der Theorie der Symbole beschäftigt ist die Semiotik. Sie umfasst das 
Wesen, die Entstehung und den Gebrauch von Zeichen. Allgemeine Lexika definieren Symbol als: 
‐ einen tieferen Sinn andeutendes Zeichen, Sinnbild; 
‐ bildhaftes, anschauliches, wirkungsvolles Zeichen für einen Begriff oder Vorgang , oft ohne 
erkennbaren Zusammenhang mit diesem (Beispiel: Weiße Taube, Lamm Gottes). 

Zu den besonderen Eigenschaften eines Symbols (oder Sinnbildes) zählt die Mehrdeutigkeit. Hieber 
nennt im Leitfaden des Johannis‐Lehrlingsgrades [1] drei Deutungsebenen: 
a) Im moralischen Sinn  b) Im historischen Sinn  c) Im mystischen oder 
freimaurerisch‐
wissenschaftlichen Sinn 
Hieber  erklärt  weiter,  dass  diese  drei  Bedeutungen  in  unseren  Akten  keineswegs  erschöpfend 
erklärt werden. Es soll dem Forscherfleiß des Maurers überlassen werden, dies zu ergründen. 
Die drei Johannisgrade beschäftigen sich im Schwerpunkt mit a), obgleich es aber auch an anderen 
Hinweisen nicht fehlt. 
‐ muss als eine lebenspraktische  ‐ Verweis auf die historischen  ‐ Rettungszeichen? 
Lehre verstanden werden, die  Wurzeln der Freimaurerei 
‐ Kleinodien? 
auszudeuten und zu leben  ‐ Entwicklung der 
Aufgabe aller Brüder (gleich in  Johannislogen  ‐ Gleichnisse? 
welchem Grade) ist und bleibt  ‐ Entwicklung der höheren  ‐ … 
‐ bezieht sich auf das sittliche  Ordensabteilungen 
Streben des Menschen  ‐  …   
‐ Meistertugenden:  In Symbolik und Ritual erkennt 
Verschwiegenheit,  man unschwer Bezüge auf die 
Vorsichtigkeit, Mäßigkeit und  Steinmetz‐Bruderschaften 
Barmherzigkeit.  bzw.  Bauhüttensymbolik  aber 
‐ Sieben Hauptlaster: Stolz  auch  auf  religiöse‐  bzw.  in 
(Hochmut), Geiz ‐ Habsucht,  unserer  Lehrart  christliche 
Unmäßigkeit, Neid, Trägheit,  Einflüsse  (Meister  Eckhart 
Unkeuschheit (Wollust), Zorn  1260‐1328). 

Auf Grund der Vieldeutigkeit ist es von nicht zu vernachlässigender Bedeutung, wie ein Symbol in 
Bezug auf andere Symbole positioniert ist und in welcher Beziehung es sich zum Ritual [2] befindet. 
Zur Aufklärung geben die Fragebücher [3] Anhaltspunkte. 

   

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3 I. und II. Fragebuch, Sechste Abteilung mit Erläuterungen 
Beilagen zum zweiten Logenbuch,  Erläuterungen
I. und II. Fragebuch [3]  Die Zusammenstellung erfolgte als persönliche getroffene
Sechste Abteilung  Auswahl aus vornehmlich „großmeisterlich genehmigten
Schriften“, weitgehend mit Quellenangaben sowie einigen
„Fragen über die allegorischen  Ergänzungen.
Figuren auf der Tafel der 
Freimaurer‐Lehrlinge“ 
1. Können Sie mir zu meiner 
Zufriedenheit die allegorischen 
Figuren erklären, die Sie auf Ihrer 
Tafel erblicken? 
Ich hoffe es. 
2. Warum antworten Sie: Ich hoffe  Die Ordenslehre in ihrer Gesamtheit offenbart sich durch
es?  den Weg des Lehrgebäudes. Jedoch bleiben wir Lehrlinge
für alle Zeit.
Weil ein Lehrling in allen Dingen 
ungewiss ist. 
3. Weshalb ist die Arbeitstafel der 
Johannis‐Lehrlinge schwarz und 
weshalb sind die Figuren weiß? 
Weil das Dunkel, welches unsere 
Kenntnisse umgibt, vor dem Lichte 
der Wahrheit flieht. 
4. Was bedeutet der um die 
Arbeitstafel der Johannis‐Lehrlinge 
geschlossene Rahmen? 
Gleichwie dieser Rahmen die auf der 
Tafel gezeichneten Figuren 
umschließt, so müssen auch die 
Geheimnisse des Freimaurerordens 
in eines rechtschaffenen Freimaurers 
Herzen eingeschlossen sein. 
5. Was bedeuten die auf dieser  Mit den Himmelsrichtungen ist im übertragenen Sinne auch
Tafel bezeichneten vier  die göttliche Ordnung im Allgemeinen gemeint.
Weltgegenden? 
Sie geben uns zu erkennen, dass 
unsere Brüder in allen vier 
Weltgegenden zerstreut sind.  
6. Was schließt der doppelte  Die Arbeitstafel des Lehrlingsgrades trägt insgesamt 16
Rahmen ein?  sichtbare Symbole. Sie hat die Form eines Vierecks,
oberhalb des musivischen Fußbodens ist sie quadratisch.
Drei Zierraten der Loge, drei  Nach Hieber [1] stellen die Symbole im quadratischen Teil
bewegliche und drei unbewegliche  Aspekte Gottes dar, mit denen er sich, dem menschlichen
Kleinodien, drei Werkzeuge und vier  Verstand zugänglich, offenbart hat.
Gleichnisse. 

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7. Welches sind die drei Zierraten  Gemäß Fragebuch [3], Frage 11, sind die Zierrate dem
der Loge?  Tempel Salomo entnommen. In der Bibel finden diese
allerdings keine Erwähnung. Daraus ist der Schluss zu
Der flammende Stern, das mit  ziehen, das als Sinnbilder (symbolisch) zu deuten sind.
Fransen verzierte Seil und der 
rautige oder musivische Fußboden. 
8. Wozu dient der flammende  Der Flammende Stern "soll an das heilige Feuer erinnern,
Stern?  das mitten im Tempel brannte, und an dem das Licht
entzündet wurde, das seine Räume erleuchtete" [3].
Den mittelsten Raum des Tempels zu 
erleuchten.  Die zentrale Position des Flammenden Sterns im
Schnittpunkt eines gedachten Kreuzes, weist auf ein
vollkommenes Gleichgewicht, den Ausgleich aller
Gegensätze sowohl in vertikaler, als auch in horizontaler
Richtung hin.
9. Das mit Fransen verzierte Seil?  Das Vereinigungsband "ist ein Abbild der Schnur, welche
den Vorhang vor dem Allerheiligsten des Tempels hielt und
Den Vorhang vor dem Allerheiligsten  verschloss". Weiter heißt es, dass das Licht der Vernunft die
zu schließen.  Handlungen aller Brüder Freimaurer erleuchten soll, und
dass die Fransen alle Brüder vereinigen und
zusammenhalten sollen [3].
10. Und der rautige oder  Der Schritt vom Musivischen Fußboden in den
musivische Fußboden?  quadratischen Teil der AT I entspricht der Erteilung des
Lichts und damit dem Beginn der Rückkehr in den Osten.
Die Grundfeste des Tempels zu 
decken. 
11. Warum haben die Freimaurer  Der Salomonische Tempel bezeichnet nach Gloede [4] die
ihren Logen diese Zierraten des  ideale Welt.
Salomonischen Tempels 
zugeeignet? 
Zur Erinnerung, dass ihre Logen 
dienen sollen zur Aufbauung eines 
geistigen Tempels. 
12. Warum dient der Tempel  Tugendhaftes Handeln, im Sinne der Meistertugenden,
Salomos den Freimaurern als  wird mit der Antwort zur Pflicht eines Freimaurers erhoben!
Sinnbild? 
Sie an ihre Pflicht zu erinnern, den 
Tempel der Tugend in ihren Herzen 
in derselben Vollkommenheit, die 
jener Tempel hatte, zu erbauen. 
13. Welches sind die beweglichen  Nach Gloede [4] führen uns die Kleinodien in die
Kleinodien der Loge?  innergöttliche Welt. Wir erleben den Prozess der Entfaltung
Der Winkelhaken, die Wasserwaage  während des Rituals mit der Austeilung des Lichtes und der
und das Senkblei.  Öffnung der Arbeitstafel.

14. Warum werden diese  Als wesensgleiche Einheit von Vater, Sohn und Heiligem


Kleinodien beweglich genannt?  Geist, so schreibt Gloede [4], hat sich der d.g.B.d.g.W. uns
zu erkennen gegeben, sich emaniert. Diese personifizierten
Weil alle allgemeinen Zeichen des  Eigenschaften des abstrakten Gottesbegriffes nannten
Freimaurerordens durch Darstellung  unsere freimaurerischen Väter „beweglich“ [4].
dieser Kleinodien gemacht werden. 

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15. Wozu dient der Winkelhaken?  Mit dem W. bestimmt, misst und prüft der Baumeister die
Tüchtigkeit die Arbeit, womit auch wir uns eines
Die Gestalt zu geben.  winkelrechten Wandels befleißigen müssen [3].
Dieses „Gestalt geben“ ist ein fortwährender Schöpfungs-
prozess, damit auch göttliches Gesetz [4].
16. Wozu dient die Wasserwaage?  W. und auch das folgende Senkblei sind dem Baumeister
unentbehrliche Werkzeuge zur Prüfung unseres Bestrebens
Den Grund zum Gebäude eben und  zur Übereinstimmung des auf dem Reißbrett (Frage 23.)
waagerecht zu machen.  gemachten Entwurfes [3].
Die „wassergleiche Linie“ erinnert an den Geist Gottes, der
über dem Wasser schwebt. Auch wird sie als Ausdruck der
Erfahrung und Wahrheit gesehen [4].
Nach Hieber [1] symbolisiert sie die Vernunft.
Sie sollte stets unser Innerstes erleuchten.
17. Wozu dient das Senkblei?  Gloede [4] bezeichnet das S. (Lot) als Zeichen für das
Schöne, das Gerechte, als Symbol des Sohnes.
Das Gebäude auf seinem Grund 
senkrecht aufzurichten.  Nach Hieber [1] symbolisiert es das Gewissen.

18. Warum heißen diese drei  Als Kleinodien bezeichnet man im Allgemeinen


Dinge Kleinodien?  Kostbarkeiten oder Schmuckstücke, im übertragenen Sinne
aber auch Juwelen oder Edelsteine.
Weil sie dem Logenmeister, dem I. 
und II. Aufseher zum Schmuck 
dienen. 
19. Welches sind die 
unbeweglichen Kleinodien der 
Loge? 
Der unbehauene Stein, der 
behauene oder kubische Stein und 
das Reißbrett der Meister. 
20. Warum werden diese  Nach Gloede [4] nehme man an, „die Gottheit“ existiere an
Kleinodien unbeweglich genannt?  und für sich, für uns unveränderbar, immer da.
Vorstellungen in Bezug auf „die Gottheit“ sind somit
Weil durch ihre Darstellung keines  abstrakter Natur und nicht an ein konkretes, persönlich
der Zeichen der Freimaurerordens  gedachtes Individuum gebunden [4].
zustande gebracht werden kann. 
21. Wozu dient der unbehauene  Der raue Stein soll zu einem vollkommenen Baustein
Stein?  bereitet werden. Üble Neigungen gilt es abzulegen. In
schwerer Arbeit ist es an uns vollkommener zu werden, um
Die Lehrlinge zu gewöhnen, die  sich der Wahrheit zu nähern [3].
Materialien der Arbeit zu bereiten 
und zu gestalten. 
22. Wozu dient der behauene  Der kubische Stein ist mit Winkelmaß, Wasserwaage und
oder kubische Stein?  Senkblei geebnet [3].

Die Gesellen sollen auf demselben 
die Werkzeuge für sich und für die 
Lehrlinge schleifen. 

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23. Und wozu dient das Reißbrett?  Kein geschickter Baumeister beginnt sein Werk ohne einen
Plan [3].
Die Meister sollen auf dem Reißbrett 
entwürfe machen und für die Brüder 
Freimaurer zeichnen. 
24. Warum heißen diese drei 
Dinge Kleinodien? 
Weil der unbehauene und noch rohe 
Stein, der behauene oder kubische 
Stein und das Reißbrett für die 
Lehrling, Geselle und Meister ebenso 
unentbehrlich sind als die 
beweglichen Kleinodien für den 
Logenmeister, den I. und II. 
Aufseher. 
25. Welches sind die Werkzeuge  Während der Tempelarbeit liegen Winkelmaß und Zirkel zu
der Loge?  einem T vereint auf dem Altar. Gloede [4] schreibt, dass
Gott, der himmlische Vater und die allbeherrschende Liebe
Die Maurerkelle, der Hammer und  immer und gleichermaßen zusammen gehören. Daraus
der Zirkel.  erklärt sich, dass in unserer Lehrart der Zirkel rechtwinklig,
zu 90° geöffnet ist, im Unterschied zu anderen Lehrarten.
26. Zu welchen Arbeiten müssen  Die Maurerkelle ist des Maurers höchster Schmuck. Die
die Freimaurer die Maurerkelle  rituelle Erklärung besagt: „Bildlich sollen Sie mit Hilfe dieses
gebrauchen?  Werkzeuges die Fugen und Risse Ihres Herzens gegen die
Angriffe des Lasters vermauern und verkitten, eine Arbeit,
Zu derjenigen Arbeit, welche für  die einen rechtschaffenen Bruder täglich hinreichend
Lehrlinge die dringlichste ist, nämlich  beschäftigen wird!“ [2].
ihre Herzen zu verwahren.  Mit der Maurerkelle verbinden sich ethisch/moralische
Hinweise. Es gilt beispielsweise sich vor den sieben Lastern
zu schützen, die lauten: Hochmut, Geiz, Unmäßigkeit, Neid,
Trägheit, Wollust und Zorn.
27. Was bedeutet der Hammer  Der Hammer ist das Zeichen der regierenden Gewalt, um
dem Freimaurer?  Stille und Aufmerksamkeit, also Ordnung zu herzustellen.
Die Brr. sollen dem, der den Hammer führt, Ehrfurcht
Er bezeichnet dem Freimaurer die  entgegen bringen [2].
Pflicht des Gehorsams und erinnert 
Ein Hammer bildet ein T. Damit gleicht er dem Winkelmaß
ihn, seine Schuldigkeit still und 
und den zum rechten Winkel geöffneten Zirkel
punktlos zu erfüllen. 
nebeneinanderliegend. So vereint der Hammer das göttliche
Gesetz und die Liebe im Sinne der Barmherzigkeit und
Nächstenliebe in sich.
28. Woran erinnert der Zirkel?  Der Ort des Zirkels ist an der Stelle der Arbeitstafel zu
finden, an der das irdische Leben seinen Anfang nimmt. So
Er erinnert uns an die Pflicht des  verkörpert er die Subjektivität unserer Handlungen und
Freimaurers, bei Untersuchung  berücksichtigt unser Menschsein. Im Aufnahmeritual heißt
seiner Arbeit den Zirkel der Vernunft  es später: „Den rechtwinklig geöffneten Zirkel aber haben
zu gebrauchen.  Sie sich selbst auf Ihre entblößte Brust gesetzt, um dadurch
anzuzeigen, dass in Ihrem Innern alles wohl erwogen und
ermessen ist, was Sie jetzt äußerlich tun, und Ihr Herz vollen
Anteil hat an dem, was Ihr Mund geloben soll“ [2].

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29. Mit welchem Werkzeuge  Mit der Maurerkelle sollen die Spalten und Risse des
sollen die Freimaurer  Herzens vermauert werden, um Ordnung herzustellen. Kein
vorzugsweise arbeite?  Bruder soll Furcht haben, dem anderen kein ganzes Herz
aufzuschließen [2]. Damit symbolisiert sie ausgeprägte
Mit der Maurerkelle, welche für ihr  schöpferische Eigenschaften, soll aktiv gebraucht werden
erstes Werkzeug geachtet wird.  und durch diesen Gebrauch Glanz erlangen [2], um Licht zu
reflektieren.
31. Welches sind die vier  1. Mos. 1,26: „Da sprach Gott: lasset uns Menschen machen
Gleichnisse?  nach unserem Bilde und Gleichnis.“

Die Sonne, der Mond und die beiden  G. (Allegorien) dienen der besseren Vorstellbarkeit durch


kupfernen Säulen.  den Vergleich, von sachlichen mit eher bildlichen Dingen.

32. Warum sind Sonne und Mond  Im Eröffnungsritual heißt es: „… weil die Sonne im Osten


auf der Tafel dargestellt?  ihren Tageslauf beginne und den Tag erleuchte …“. Sonne
und Mond symbolisieren die göttliche Zeiteinteilung [2].
Um gleichnisweise sowohl dem 
Vorsitzenden Meister als auch jedem  Sie stehen offensichtlich aber auch für ein Gegensatzpaar.
Freimaurer als Vorbild zu dienen. 
33. Auf welche Art?  Sie erinnern uns Tag und Nacht über unserer Handlungen
zu wachen, um unsere Kräfte zu dessen Ehre anzuwenden,
Ihnen in der Ordnung ihrer Bahn und  durch den Sonne und Mode geschaffen wurden [3].
in ihren wohltuenden Wirkungen zu 
gleichen. 
34. Was bedeuten die beiden  Zum Erhalt des Lohnes an der Säule J, sind die besonderen
Säulen?  Zeichen, Handgriff, Wort und Losung bestimmt [3].

Die zwei Säulen, welche beim  Die Säulen symbolisieren zwei nichttragende Säulen vor


Eingange der Vorhalle von Salomos  dem Tempel Salomo, deren Vorbild einst Bäume waren.
Nach biblischem Baubericht waren sie aus Erzguss [4].
Tempel standen und von Kupfer 
waren. 
35. Wozu dient die zur Linken  Nach Sammlung der „Gaben der Liebe“ heißt es im Ritual:
stehenden Säule?  „Die Brüder haben jetzt Ihre Pflichten erfüllt und sind bereit
ihren Lohn zu empfangen“ [2].
Zum Sammelplatz der Lehrlinge, 
welche bei dieser Säule ihren Lohn 
empfingen. 
36. Was bedeutet der Buchstabe J,  Mit der Aussage „Gott hat mich erschaffen“, verweist die
welchen man auf dieser Säule  Säule J auf unseren Erblohn, auf den wir im Jenseits zu
erblickt?  hoffen haben.

   

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4 Die Gegensatzproblematik auf der AT I 
Über  die  Symbolgruppen  hinausgehend,  finden  wir  auf  der  AT  I  mehrfach  Darstellungen 
gegensätzlicher  Natur.  Wenden  wir  uns  den  beiden  äußeren  Symbolreihen  zu,  die  in  West‐Ost‐
Richtung verlaufen, erkennen wir: 
2 Säulen, 2 Messzeuge, 2 Steine und 2 Himmelskörper. 
Diese Symbolpaare sind jeweils zwar artgleich, aber gegensätzlich: 
Mond     Sonne 
dunkel, Reflexion  hell, Emanation 
Rauer Stein     Kubischer Stein  
Urzustand Formlosigkeit  Entwicklung Gestalt 
Senkblei     Wasserwaage 
senkrecht, Tiefe, Gewissen  waagerecht, Oberfläche 
Vernunft 
Säule J     Säule rechts 
Passivität  Aktivität 
Gott hat mich erschaffen  ??? 

Die  linke  Symbolreihe  steht  für  das  Unbewusste,  Dunkle;  die  Symbolreihe  rechts  für  das  Helle, 
Bewusste. 
Ein fünftes Mal findet sich der Gegensatz in der Schwarz‐weiß‐Darstellung auf der AT I: 
Schwarz     Weiß 
Abwesenheit von Farbe,  Gesamtheit aller Farben, 
Absorbtion  Ausstrahlung, Reflexion 

Es scheint, dass der Musivische Fußboden einen Ausgangszustand darstellt. Gut und Böse sind in 
Gestalt der weißen und schwarzen Rauten fein verteilt, sozusagen in bekömmlicher Mischung. Er 
nimmt die gesamte Breite der AT I ein. Als Zierrat verbindet er die gegensätzlichen Symbolreihen 
und stellt den Ausgleich zwischen Hell und Dunkel dar. Verlässt man den musivischen Fußboden in 
östlicher  Richtung  trennen  sich  die  Gegensätze  und  werden  von  den  seitlichen  Symbolreihen 
verkörpert.  
Betrachtet man das Vereinigungsband von seinen Enden (Fransen) aus, erkennt man, dass diese 
zunächst die Linie der Gegensatzachsen weiterführen, dann aber umbiegen und in der Mitte der AT 
im  eigenartigen  Knoten  zusammenlaufen.  So  leuchtet  die  Bezeichnung  des  Vereinigungsband 
unmittelbar ein: es vereinigt schließlich die Gegensätze wieder, die zuvor unvereinbar schienen. 

   

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5 Zusammenfassung 
Die Symbole oder Sinnbilder der Arbeitstafel können als Bewusstseinszustände auf dem Weg zur 
Vollendung  gedeutet  werden.  Entsprechend  nehmen  sie,  je  weiter  man  zum  Osten  vordringt, 
zunehmend  göttliche  Züge  an.  Während  der  Musivische  Fußboden  auf  der  einen  Seite  einen 
materiegeprägten Zustand darstellt, weist der Knoten im Vereinigungsband im äußersten Osten auf 
den  Ursprung  (den  unendlichen  Gott,  als  Schöpfungsprinzip,  jenseits  des  menschlichen 
Vorstellungsvermögens).  Der  Weg  des  Menschen  in  diesem  Sinne  bezeichnet  eine  geistige 
Entwicklung. Rituell vollziehen wir Brüder Freimaurer diesen während der Aufnahme mit den drei 
„merkwürdigen Schritten“. 
Ritual und Arbeitstafel symbolisieren das Wirken des dreifach großen Baumeisters in der idealen 
Welt und mit den offenkundigen Gegensätzlichkeiten auch in der realen Welt. Damit scheint der 
Beleg  erbracht  zu  sein,  dass  Arbeitstafel  und  Ritual  der  Johannis‐Lehrlings  bereits  die  gesamte 
Ordenslehre in sich zu tragen vermögen. Wir sind aufgefordert, diese weiter zu erforschen. 

6 Quellenangaben 
[1] Der Johannis‐Lehrlingsgrad, Br. Otto Hieber 
[2] Ritual des Johannis‐Lehrlingsgrades 
[3] Beilagen zum zweiten Logenbuch, Erstes und zweites Fragebuch 
[4] Allgemeine Instruktionen, I. Teil Die Johannisgrade, Br. Hermann Gloede, Berlin 1901 
 
   

  9 
7 Die Arbeitstafel des Johannis‐Lehrlingsgrades 

   

   
 

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