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Unterrichtender: Sebastian Walter

Ausbildungsleiterin: Birgit Pfeifer

Einsatzschule: Grundschule Gemünden-Wernfeld,


Artfeldstr. 12,
97737 Gemünden a. Main, Ortsteil Wernfeld

Datum: 26.03.2020

Unterrichtsbeginn: 9:15

Unterrichtsende: 10:35

Klasse: 1-2, 9 SuS

Fach: Religion

Stundenthema: Die Taufe im kirchlichen Innenraum,


in: Lernbereich 8: In der Gemeinde leben – zur katholischen Kirche
gehören.
1. Bezug des Stundenthemas zum LehrplanPlus
In diesem Kapitel soll deutlich werden, wie die Unterichtseinheit sich bezieht auf (1) das
Kompetenzstrukturmodell im Fachprofil, (2) die grundlegenden Kompetenzen und (3) den
Fachlehrplan der Lernbereiche mit Kompetenzerwartungen und dazugehörigen Inhalten. Dem
vorausgeschickt sei schon hier eine sehr grobe und ganz unsystematische Zusammenfassung
der Unterrichtseinheit, da das Folgende für die geneigte Lesenden sonst wenig Sinn macht:

Die Idee zur UE, dies muss ich gleich eingestehen, ist nicht von mir selbst, sondern ich habe
sie vor einigen Monaten zufällig auf dem Instagram-Profil einer evangelischen Vikarin
entdeckt. Und weil sie mir so sehr gefiel, war mir gleich klar, dass ich eine Abwandlung davon
selbst ausprobieren müsse. Besagte Vikarin nämlich hat in ihrer dritten Klasse einen Teddybär
getauft (mehr als diese Grundidee hat sie nicht gepostet; ich hoffe daher, dass man mir keinen
Plagiatsvorwurf macht, wenn ich nicht auf den ursprünglichen Post verweise, den ich leider
nicht mehr finden kann). Diese Idee habe ich abgewandelt dazu, dass, nachdem in der
vorangegangenen Doppelstunde die SuS den kirchlichen Innenraum v.a. anhand eines
Chaosspiels kennengelernt haben (s. später), in der hier behandelten Doppelstunde die SuS in
diesem kirchlichen Innenraum das Gelernte anwenden und in diesem Kirchenraum aktiv
werden sollten, indem sie in der ersten halben Stunde gemeinsam eine kurze Taufliturgie
entwickeln und in der zweiten halben Stunde diese gemeinsam mit der Lehrkraft durchführen
sollten.

So viel schon vorweg; nun zum eigentlichen Thema dieses Kapitels:


Das Kompetenzstrukturmodell im Fachprofil ist auf der Seite lehrplanplus.bayern.de so
schön dargestellt, dass es fast keiner weiteren Erläuterungen bedarf:

Abbildung 1 Das Kompetenzstrukturmodell im Fachprofil KR


In der Mitte sind die inhaltlichen Themenfelder abgebildet, in denen die SuS kompetent werden
sollen, außen herum die prozessbezogenen und nicht ausschließlich fachspezifischen
Grundkompetenzen, bei denen durch den Verlauf des gesamten Schulbesuchs das selbe der Fall
sein soll – die Schüler sollen also allgemein fähig werden zum Wahrnehmen, zum Verstehen,
zum Urteilen, zum Gestalten, zum Kommunizieren und zum Teilhaben, und speziell im Fach
Katholische Religionslehre sollen sie außerdem kompetent werden in den inhaltlichen
Bereichen „Mensch und Welt“, „Die Frage nach Gott“, „Bibel und Tradition“, „Jesus Christus“,
„Kirche und Gemeinde“ und „Religionen und Weltanschauungen“. Eine UE zur „Taufe im
kirchlichen Innenraum“ hat natürlich die direktesten Bezüge zum inhaltlichen Bereich „Kirche
und Gemeinde“, obwohl sich z.B. über den Ambo weitere Bezüge zu „Bibel und Tradition“,
über den Tabernakel zu „Jesus Christus“, über die Kirche selbst zu „Religionen und
Weltanschauungen“, und über die Bänke, darin die Menschen sitzen und beten, zu „Mensch
und Welt“ und zu „die Frage nach Gott“ ergeben. In der im Folgenden zu entfaltenden UE wird
auf diese weiteren Bezüge aber nur implizit eingegangen. Bei den prozessbezogenen
Kompetenzen hat die UE besonders Bezüge zu den Kompetenzen „Wahrnehmen“,
„Verstehen“, „Gestalten“ und „Teilhaben“, doch damit auch der geneigte Leser dies
nachvollziehen kann, muss ich zunächst die Struktur der UE vorgestellt haben.

Zu den grundlegenden Kompetenzen, die die SuS zum Abschluss der 2. Jahrgangsstufe
erworben haben sollen, gehört unter anderem folgende:

[1] Den Kirchenraum nehmen sie [s.c. die SuS] als Ort der besonderen
Gegenwart Gottes, des Gebets und des Gottesdienstes wahr und [2] verstehen
Kirche als Gemeinschaft, der Christen durch die Taufe angehören. [x] Sie
erkennen, dass Christen im Gebet, in der Feier des Sonntags und in den Festen
im Kirchenjahr ihren Glauben an Jesus Christus zum Ausdruck bringen und
gestalten dies in Ansätzen mit. (ebd.)
Wie bei vielen Themenbereichen ist auch hier sofort klar, dass einige Formulierungen dieser
grundlegenden Kompetenz und des Lernbereichs, zu dem die zu besprechende UE gehört,
„aufeinander hingeschrieben“ sind; die Kompetenzerwartungen des Lernbereichs entsprechen
dem fast genau, was ich durch die eingefügten Ziffern verdeutlicht habe:

Die Schülerinnen und Schüler...


• verstehen, dass der Glaube Gemeinschaft bildet, und bringen dies in
unterschiedlichen Gestaltungsformen zum Ausdruck. [2]
• nehmen Kirche als Ort der besonderen Gegenwart Gottes, des Gebetes und der Feier
des Gottesdienstes wahr und benennen wichtige Einrichtungen des Kirchenraumes.
[1]
• beschreiben am Beispiel eines Heiligen, wie Menschen ihr Leben aus dem
christlichen Glauben gestalten, und drücken aus, was sie daran vorbildlich finden.
[x]
• verstehen die Taufe als Siegel der Zugehörigkeit zu Christus in der Gemeinschaft
der Kirche. [2]
• erkennen, dass der Glaube an Jesus Christus den Christen aller Konfessionen
gemeinsam ist und sich zugleich unterschiedlich entfaltet. [x] (ebd.)

„Fast“ deshalb, weil die zweite Hälfte der grundlegenden Kompetenz“ sich nicht in der
Kompetenzerwartung dieses Lernbereichs wiederfindet, sondern im Lernbereich 9: „Den
Glauben feiern – Gottesdienst und Kirchenjahr“ (den übrigens Birgit Pfeifer schon Anfang des
Schuljahres „abgearbeitet“ hat und den ich daher in meiner Sequenz und UE weitestgehend
voraussetzen kann); der fünfte Punkt des Lernbereichs 8 dagegen findet sich wieder in der
grundlegenden Kompetenz „Die [SuS] nehmen in ihrer Umwelt Menschen mit verschiedenen
kulturellen Hintergründen und religiösen Prägungen wahr &c.“ Der dritte Punkt mit seiner
Betonung der Rolle der Heiligen hat gar keine rechte Entsprechung in den grundlegenden
Kompetenzen; ein schönes Beispiel dafür, dass sich die beiden Bereiche (natürlich) nicht 1:1
entsprechen.

Dies also sind die nächsten und nähsten Bezüge: Zum Themenfeld „Kirche und Gemeinde“, zu
den grundlegenden Kompetenzen „[1] Den Kirchenraum nehmen sie [s.c. die SuS] als Ort der
besonderen Gegenwart Gottes, des Gebets und des Gottesdienstes wahr und [2] verstehen
Kirche als Gemeinschaft, der Christen durch die Taufe angehören“ und zu den Lernbereichs-
Kompetenzerwartungen „[Die SuS] verstehen, dass der Glaube Gemeinschaft bildet, und
bringen dies in unterschiedlichen Gestaltungsformen zum Ausdruck“ und „[Die SuS] verstehen
die Taufe als Siegel der Zugehörigkeit zu Christus in der Gemeinschaft der Kirche.“

2. Elementarisierung / Didaktische Analyse des Themas1


2.1. Elementare Erfahrungen der Klasse + Elementare Strukturen / Sachanalyse
Es ist gar nicht so leicht, sich bei diesem Stundenentwurf zu entscheiden, was die
„wesentlichen“ Stundeninhalte sind – im Hintergrund stehen so vielfältige Themen wie
„Religion und Konfession“, „Geschichte und Wesen der Taufe“, „Sinn, Struktur und Inhalte
der Taufliturgie“ u.s.w. Prozessbezogen zielt der Stundenentwurf aber v.a. auf das

1
Den Abschnitt 2.3. Elementare Erfahrungen / Wahrnehmung der Klasse, der im Aufsatz „Die schriftliche
Unterrichtsvorbereitung Katholische Religionslehre – LehrplanPlus“ (=Heil/Huth/Kunkel/Och/Wald 2016, S. 4)
empfohlen wird, werde ich mit 2.1 und 2.2 verquicken, da das dort Erörtertere dergestalt ist, dass es direkte
Konsequenzen für die in der konkreten Klasse möglichen Methoden hat.
„Kommunizieren“, „Gestalten“ und „Teilhaben“ ab, so dass der wesentlichste Stundeninhalt
letzterer sein dürfte.

Ich kenne meine Klasse und weiß zufällig, dass sie zur Taufliturgie stärkere lebensweltliche
Bezüge haben: Im ersten Halbjahr wurde die kleine Schwester einer der Schülerinnen getauft,
was in der Klasse etwa fünf Minuten thematisiert wurde. Ich weiß daher: Für die SuS der
Kombiklasse 1-2 ist die Taufliturgie ein bekannter Aspekt des christlichen Brauchtums und
fester Bestandteil ihres Familienlebens; theologisch reflektiert haben sie diesen festen
Bestandteil aber nicht. Dass sie ein bekannter Aspekt des christlichen Brauchtums ist, war dabei
ohnehin zu erwarten; Kaul etwa berichtet in ihrem Buch „Taufpastoral“ über das „(noch)
vorhandene Monopol“ Säuglings- und Kindertaufe der „beiden großen Kirchen“ und gibt die
Statistik der Katholischen Kirche von 2006 wieder, nach der von 100 katholischen Geborenen
noch 72,7 katholisch „kinder-getauft“ werden (vgl. Kaul 2011, S. 25). Maass/Jahn-Bettex
2010, S. 55 nehmen an, die Taufe sei für Kinder deshalb relevant und interessant, weil sie über
ihre eigene Taufe Teil ihrer eigenen Biographie sei – für die SuS der Kombiklasse 1-2 kann ich
das so nicht bestätigen; für sie ist die Taufe nicht theologisch und nicht biographisch interessant,
sondern als Teil des Brauchtums, der fest verankert ist in ihrem (katholischen
Dorfkinder-)Leben und je und je spannend, weil es emotional ist, da es die eigene oder
befreundete Familien betrifft. Viel mehr muss zu den elementaren Erfahrungen der Klasse gar
nicht gesagt werden, da sie (anders als die Kombiklasse 3-4) relativ homogen ist, was ihren
religiösen und kirchlichen Hintergrund angeht: Bis auf ein Kind sind alles „Ur-Wernfelder“
oder „Ur-Adelsberger“, die als solche gut eingebunden sind in die Dorfgemeinschaft und
religiöse Gemeinschaft; das eine zugezogene Kind war es zufällig gerade, dessen Schwester
getauft wurde, daher weiß ich auch um seine Grunderfahrungen mit der Taufe. Zum
Leistungsvermögen müsste bei anderen Unterrichtsentwürfen angemerkt werden, dass zwei der
Jungen regelmäßig Abwechslung und Bewegung brauchen, da sie sonst leicht ihr Interesse am
Unterricht verlieren können; bei diesem Stundenmodell wird diese Gefahr aber nicht drohen.

Ist der wesentliche Inhalt „Sinn, Struktur und Inhalte der Taufliturgie“ und kann man einen
engeren lebensweltlichen Bezug zur Taufliturgie bei den SuS der Klasse als gegeben
voraussetzen, geht es also vor allem um die Vertiefung der theologischen Substanz des Themas
– den Sinn der Taufe – und die Reflexion auf und die Vertiefung selbst der Erfahrungen, die
Kinder mit diesem Thema gemacht haben, also der Sinnhaftigkeit der einzelnen Elemente in
der Struktur der Taufliturgie. Dannecker/Saberschinsky gliedern den Sinn der Taufe in vier
Aspekte auf: Sie „schenkt die Gotteskindschaft, sie gliedert in die Gemeinschaft der Kirche ein,
sie verleiht Anteil am Geschick Jesu Christi, vor allem an seinem Tod und seienr Auferstehung,
und sie vergibt Schuld und Sünde“ (2017, S. 13). Von diesen vier Sinndimensionen wird in der
Lernbereichs-Kompetenzerwartung bereits eine vor-ausgewählt: „[Die SuS] verstehen die
Taufe als Siegel der Zugehörigkeit zu Christus in der Gemeinschaft der Kirche“ (s.o.);
wesentlicher Inhalt beim Sinn der Taufe wird also sein: „Sie gliedert in die Gemeinschaft der
Kirche ein“.
Die Struktur und die Inhalte sind schnell zusammengefasst (vgl. dazu ebd., S. 23); die
vollständige Taufe gliedert sich in die Teile:

1. Eröffnung
a. Begrüßung
b. Fragen an Eltern und Paten
c. Bezeichnung mit dem Kreuz
d. Gebet
2. Wortgottesdienst
a. Prozession zum Ort des Wortgottesdienstes
b. Schriftlesung(en)
c. Homilie / Predigt
d. Anrufung der Heiligen und Fürbitten
e. Gebet um Schutz vor dem Bösen (Exorzismus-Gebet)
f. Salbung mit Katechumenenöl oder Handauflegung
3. Tauffeier
a. Prozession zum Taufort
b. Lobpreis und Anrufung Gottes über dem Wasser
c. Absage und Glaubensbekenntnis
d. Taufe
4. Ausdeutende Riten
a. Salbung mit Chrisam
b. Bekleidung mit dem weißen Taufgewand
c. Übergabe der brennenden Kerze
d. [evt.: Effata-Ritus]
5. Abschluss
a. Prozession zum Altarraum
b. Gebet des Herrn
c. Segen und Entlassung
d. [evt.: Gang zum Marienbild]
Diese Struktur muss, so glaube ich, in der 1.-2. Klasse nicht vollständig explizit und diskursiv
entwickelt werden: Liturgie hat den Vorteil (oder vielleicht manchmal besser: will den Vorteil
haben), dass ihre Symbole sich aus sich selbst heraus erklären. Es genügt daher, wenn im ersten
Teil der Stunde (s. Unterrichtsverlaufsplan) erarbeitet wird, dass wesentlichen Elemente der
Taufe die Existenz von Eltern und Paten, der Wortgottesdienst, der an die Taufe Christi
anknüpft, das Glaubensbekenntnis und die Taufe selbst sind; die ausdeutenden Riten dagegen
sind in der Tat derart, dass sie sie sich selbst erklären und nicht diskursiv entfaltet werden
müssen (sehr wahrscheinlich wird aber ohnehin schon vorweg vonseiten der Kinder die Rede
auf das Taufgewand und die Kerze kommen, warauf man sich dann ggf. spontan einzustellen
hat).

2.2. Elementare Zugänge / Merkmale der Altersstufe


Ich werde in diesem Abschnitt nicht wie in dem Muster-Unterrichtsentwurf, der ausgeteilt
wurde, sämtliche Merkmale der Altersstufe auflisten, sondern nur die, die mir für diese UE
relevant zu sein scheinen. Dass etwa nach Oser/Gmünder Schüler der Jahrgangsstufe 1-2 in
ihrer Entwicklung des religiösen Urteils auf der Stufe der „Orientierung an absoluter
Heteronomie“ stehen oder auch in ihrer moralischen Entwicklung auf einer bestimmten Stufe
stehen, ist für die konkrete UE nicht relevant und soll daher hier übergangen werden. Relevant
scheint mit aber zu sein, was Fowler über die Entwicklungsstufe von Grundschülern schreibt –
dass bei ihnen nämlich der „mythisch-wörtliche Glaube“ vorherrschend ist, sie also „auf der
Ebene von (biblischen) Geschichten eigene Konstruktionen vornehmen können, ihnen aber
eben noch keine Metapositionen möglich sind.“ (Büttner 2015). Hieraus ergibt sich die
Notwendigkeit, was eben als Option eröffnet wurde: Dass auf den Sinn der Taufe und der
einzelnen Strukturelemente der Taufliturgie keine diskursiv-reflektierende Metaposition
eingenommen werden muss, weil sie sich im Prozess selbst erschließen. Wie die biblische
Erzählung über die Taufe Jesu mit Gottes Wort „Du bist mein geliebter Sohn“ die Taufe auslegt
und wie die die Stunde eröffnende Lehrereinführung und das Abschlussritual (s. gleich) den
Akt der Taufe auslegen wird, „genügt“ – oder besser: ist den kognitiven Kompetenzen der SuS
angemessener, als dies Ausführungen, Hefteinträge usw. über diese Themen wären. Verstärkt
wird dies in der konkreten Klasse ohnehin dadurch, dass in ihr einige Kinder sind, die sogar
überdurchschnittlich stark auf Geschichten ansprechen.
2.3. Elementare Wahrheiten / Klärung des Bildungsgehalts
2.3.1. Theologisch-bildender Schwerpunkt
Was am behandelten Thema für die Schüler „bildend“ ist, ist offensichtlich und lässt sich daher
schnell abhandeln: Bildend ist daran der bewusstere (Mit- und Nach-)Vollzug der Taufe, der
idealiter dazu führen kann, dass die SuS auch sich selbst in ihrer Rolle als Getaufte bewusster
werden. Bildend ist außerdem im Zhg. mit der ganzen Unterrichtssequenz, dass sich die Schüler
in dieser UE zusätzlich in der Kirche „einhausen“: Es ist die zweite Doppelstunde in Folge, in
der sie in der Kirche sind, und es ist eine Doppelstunde, in der sie – für viele wohl zum ersten
Mal – selbst „liturgisch“ in ihr aktiv werden. Und dass dies (gemäß meinem pädagogischen,
persönlichen und kinderliturgischen Stil, s. gleich) auf natürlichere und ungezwungenere Weise
geschieht, als – man muss es leider sagen – liturgisches Leben auch und besonders von Kindern
und besonders im pastoralen Raum Gemünden oft erlebt wird, dürfte (so hoffe ich) zusätzlich
bildend wirken, insofern sie hier und so zumindest anfanghaft einen natürlicheren Bezug zur
Liturgie gewinnen.

2.3.2. Persönlicher Schwerpunkt


Das Thema „Taufe“ an sich hat für mich keine besondere Bedeutung; Taufe hat für mich primär
die Bedeutung, dass ich aufgrund ihrer Christ bin, was für mich ein sehr wichtiger Bestandteil
meines Lebens und meines Selbstverständnisses ist. Relevanter für die konkrete UE scheint mir
mein Bezug zum Thema Liturgie und speziell Kinderliturgie zu sein: In meiner eigenen
Kindheit – besonders meiner Grundschul- und v.a. „Kommunionkind-Zeit“ – kam ich dank
zweier sehr guter Religionslehrer, meines für meine Kinderaugen „perfekten“
Gemeindereferenten und zweier ausgezeichneter Kommunioneltern (beide studierte
Theologen) in den Genuss eines sehr natürlichen Verhältnisses zur Liturgie, die in meinem
Heimatdorf in Form von „Familiengottesdiensten“ überdurchschnittlich häufig gezielt
kinderfreundlich gestaltet war. In meiner Studienzeit und in meiner kurzen Zeit als pastoraler
Mitarbeiter habe ich es nicht mehr erlebt, dass Kindern ein derart natürliches und sozusagen
„lebensfrohes“ Verhalten in und zur Kirche ermöglicht wurde; stattdessen erlebe ich aktuell
Liturgie im Raum Gemünden leider regelmäßig als streng, strikt, oft als nicht einladend und
fast nie als kindgemäß. In meiner Eigenschaft als pastoraler Mitarbeiter will ich hiergegen an-
arbeiten, und dieses Interesse ist sicherlich auch in die Grundidee der UE miteingeflossen:
Kinder sollen hier spielerisch und gleichzeitig doch irgendwie „wirklich liturgisch“ mit der
Taufliturgie konfrontiert werden und sie so nicht von außen, sondern von innen erleben können.
3. Didaktische Umsetzung
Vorbemerkung: In der Klassenstufe 1-2 findet Religion immer Freitags in den Stunden 3-4 statt;
jede UE muss also in eine Doppelstunde eingepasst werden. Das hat zum einen den Nachteil,
dass die Sequenzplanung notwendig etwas „gröber“ werden, da eine stimmige Doppelstunde
sich zwar durchaus mit mehreren verschiedenen Themenbereichen füllen lässt, es allgemein
gesagt aber besser – oder zumindest – einfacher ist, mit häufigerem Methodenwechsel, mit dem
auch unterschiedliche Kompetenzen angesprochen werden können, ein Thema je Doppelstunde
in mehreren Facetten zu entfalten. Zum anderen hat es aber den Vorteil, dass die beiden
„Exkursionen“ zur Kirche, die ich für diese Sequenz eingeplant habe, organisatorisch leicht
möglich sind: Man hat jeden Freitag 80 Minuten zur Verfügung. Der Weg zur Kirche dauert in
„Kindertempo“ etwa 7 Minuten, ich plane daher 10 Minuten ein, und obwohl einige der Kinder
nach der Stunde Schulschluss haben und theoretisch direkt aus der Kirche in der Dorfmitte
„entlassen“ werden könnten, müssen andere zurück in die Nachmittagsbetreuung und andere
von ihren Eltern abgeholt werden, so dass es praktikabler ist, auch am Ende der beiden
Exkursionsstunden 10 Minuten abzuknappen und mit allen Schülern gesammelt zur Schule
zurückzukehren. Wichtig scheint mir hier außerdem noch, hervorzuheben, dass Nicht-
Exkursions-Stunden bei Birgit Pfeifer in der Regel eine feste Struktur haben, an die ich mich in
den Doppelstunden 1-2 und 7-8 daher anschließen sollte. Zu dieser festen Struktur bei
„Standardstunden“ gehört fast immer ein einleitendes gemeinsames Singen, wenn möglich auch
noch ein abschließendes gemeinsames Singen, in der Regel mindestens eine Lehrererzählung
(s. meinen Praktikumsbericht) und fast stets auch eine Bastel- und/oder Maleinheit, was die
Struktur dieser Doppelstunden schon fast vollständig vorgibt. Und schließlich muss noch
erwähnt werden, dass Birgit Pfeifer sich zwar am LehrplanPlus orientiert, aber nicht an der
Abfolge der Lernbereiche, weshalb Lernbereich 4 „Ausdrucksformen des Glaubens an Gott –
Beten und Handeln, Bilder und Symbole“ in diesem Jahr „nur“ insoweit gezielt bearbeitet
wurde, als die Kinder im Zhg. mit anderen Lernbereichen die Grundgebete bereits als
Grundvollzüge ihres kirchlichen Lebens gelernt haben. weshalb ich glaube, dass das Thema
„Beten“ an sich notwendig als Voraussetzung für die beiden folgenden Doppelstunden 3-4 und
5-6 in 1-2 bearbeitet werden muss. Der Lernweg wird sich daher nicht nur von Sequenzziel zu
Sequenzziel entwickeln, sondern auch vom allgemeinen Beten zum konkreteren Beten-in-der-
Kirche zum ganz konkreten Beten-in-der-Kirche-bei-der-Taufe. Die beiden Unterrichtsbücher
„Fragen – suchen – entdecken“ und „Lebensfreude“ finde ich hier leider nicht sehr hilfreich;
ich werde mich ihrer nicht bedienen. Und schließlich: UE 5-6 wäre am 26.06. gewesen, UE 7-
8 also am 3.7. Am 5.7. feiert Gemünden 70 Jahre Kirchweih, was vom 2-5.7. mit einem
viertägigen Fest gefeiert worden wäre, wenn dem nicht Corona in die Quere gekommen wäre.
Darauf hätte natürlich eingegangen werden müssen; UE 7-8 sind daher mit diesem
Themenbereich verquickt.

3.1. Sequenzplan: Darstellung der Sequenz


UE Inhalte Lernbereiche PK
(Medien) (Kompetenzerwartungen)
1. Lernen vorbereiten und initiieren
1 Sich mitteilen Die SuS erfahren, wie sinnvoll Verstehen
und hilfreich es sein kann, sich
anderen mitzuteilen (ausgehend
von einem Lied aus dem festen
Liederschatz der Klasse und
einer Lehrererzählung über den
betenden Franziskus, die zu UE
2 führt)
Ü 1-2 Lernaufgabe einführen und erklären
2. Lernwege eröffnen und gestalten
2 Sich Gott Die SuS knüpfen an ihr Kommunizieren
mitteilen: Beten Vorwissen über Gebete an (=> Gestalten
Reihengebet: Vaterunser) und
gestalten eine eigene Variante
des Sonnengesangs, die an ihre
Lebenswirklichkeit anknüpft.2
3 Gebetsort Kirche Die SuS nehmen in einer Wahrnehmen
Abwandlung des Chaosspiels Verstehen
die Kirche mit den
Bezeichnungen der liturgischen
Orte und die üblichen
Handlungen an diesen Orten
wahr.
Ü 2-3 Lernzuwachs ermitteln (Ist-Stand)
3. Kompetenzen stärken und erweitern
4 Gebetsort Kirche Ü2-3 Der Lernzuwachs wird mit Gestalten
2 einem (auch: beim Chaosspiel) evt.:
vorbereiteten Hefteintrag Kommunizieren,
gesichert; falls noch Zeit ist, Teilhaben
wird das in der
vorangegangenen Stunde
verfasste Gebet in einem Ritual
„realisiert“.
5-6 Die Taufe im Die SuS verstehen Verstehen
Kirchenraum „Gemeinschaft durch Glauben“ Gestalten
und „Taufe für Gemeinschaft“ Kommunizieren
Teilhaben

2
Am Ende: Vorbereitung auf die Exkursion auf die nächste Doppelstunde; ich würde ihnen aber schon zwei
Wochen zuvor eine Einverständniserklärung an die Eltern mitgegeben haben, damit sie auch rechtzeitig zurück
kommt.
und können dies in und nach der
Stunde mit- und nachvollziehen.
Ü 3-4 Lernzuwachs überprüfen (Soll-Stand)
4 Lernen bilanzieren und reflektieren
7.1 Kirche als Die SuS verstehen, dass Verstehen
Gemeinschaft, „Zugehörigkeit zur Kirche“
oder: „Warum „Gemeinschaft“ bedeutet.
Kirchweih?“ (Hierbei wird auch der Soll-
Stand überprüft, worauf ggf. in
UE 9 noch einmal reagiert
werden wird)
7.2-8 Gemeinschaft! Die SuS bereiten sich darauf Gestalten
Kirchweih! vor, dieser ihrer Zugehörigkeit
zur Gemeinschaft bei der
Gemündener Kirchweih im
Festgottesdienst Ausdruck zu
verleihen.
9.1 „Puffer-Stunde“ Ggf. wird auf Soll-Stand Kommunizieren.
reagiert; den Themenbereich
abschließend wird ein (Dank-?
Fluch-?)Gebet über
vergangenen Sonntag verfasst.
Danach Initiierung des nächsten
Lernbereichs.

3.2. Beschreibung und Begründung des unterrichtlichen Vorgehens der geplanten


Stunde
Teile dieses Abschnitts wurden bereits in den Abschnitten (1), (2.2) und (2.3)
vorweggenommen, ich kann mich daher kurz fassen. Taufliturgie lässt sich gerade für
Grundschulkinder besser erfahren und erleben als diskursiv erklären; der Sinn der Taufe ist
theologisch überaus komplex und (daher) von Grundschulkindern ohnehin besser über
Erzählungen nachvollziehbar, unter denen die Erzählung über die Taufe Jesu meines Erachtes
im Zhg. mit diesem Themenbereich ohnehin kommen muss und praktischerweise ohnehin
natürlicher Bestandteil der Taufliturgie ist. Sekundäre Gründe, die zu dem schon angezeigten
konkreten unterrichtlichen Vorgehen bewogen haben, sind erstens sicherlich meine ganz
subjektive Begeisterung für die schöne Unterrichtsidee besagter Vikarin, zweitens die
Veranlagung zweier meiner nur neun SuS, etwas tun zu müssen, um konzentriert bleiben zu
können, und drittens das, was ich oben im Abschnitt zum persönlichen Schwerpunkt schon
entfaltet habe. „Ganzheitlich“, wie in Heil u.a. 2016, S. 6 gefordert wird, ist die UE qua
Exkursion mit diversen Aktivitäten ohnehin fast automatisch, wenn dem Lehrenden – mir –
keine groben Fehler unterlaufen.
3.3. Zielbeschreibung der Stunde
Stundenziel ist, wie oben schon dargestellt, die ganzheitliche Wahrnehmung der
„Lebenswirklichkeit Taufe“, die im Verlauf der Stunde immer besser verstanden werden soll,
indem sie gestaltet, das Gestaltete dann wahrgenommen und gleichzeitig am Gestalteten
mitgewirkt und insofern teilgenommen wird. Dies sind viele Ziele auf einmal, und es sei gleich
zugegeben, dass die Sicherung des Verstehens – das Reflektieren des Lernens – daher in dieser
konkreten Doppelstunde nicht auch noch Platz haben kann, sondern auf die nächste Stunde
verschoben werden muss.

3.4. Unterrichtsverlaufsplan
Lernbereiche:
8: In der Gemeinde leben – zur katholischen Kirche gehören
Kompetenzerwartung(en):
Die SuS verstehen die Taufe als Siegel der Zugehörigkeit zu christus in der Gemeinschaft
der Kirche.
Die SuS nehmen Kirche als Ort der besonderen Gegenwart Gottes, des Gebetes und der
Feier des Gottesdienstes wahr.
Z PK P I S M
1-3 - - Die SuS sammeln sich zum - -
Abmarsch
4-10 - - Marsch zur Kirche - Beine
11-12 V Lernen Lehrereinführung: „Darf ich FU Teddy
vorbereiten euch – hm, er hat leider noch
und initiieren keinen Namen – darf ich euch
diesen Teddy vorstellen? Er hat
mir verraten, er würde ab heute
gerne an unserem katholischen
RU teilnehmen – aber ist noch
gar nicht katholisch. Was
können wir denn da machen?“
13-20 V Lernwege L-S-Gespräch: „Taufen!“ – Pinwand- Flipchart,
eröffnen und „Was müssen wir da alles Moderation Symbole
gestalten machen?“ – Abschnitte von
Taufliturgie werden mit
Symbolen (z.B. Buchsymbol für
Lesung) an Flipchart (aus
Pfarrheim nebenan) angebracht.
Außerdem: Abstimmen über
Name (falls dies länger dauert,
kann min 40-70 gekürzt
werden).
21-23 V Ü 2-3 Lehrer-Überleitung: „Tja. Nur FU Symbole
haben wir ja vieles noch gar
nicht, was man für so eine Taufe
braucht. Tut euch mal in
Gruppen zu je 3 zusammen, wir
werden das jetzt gestalten.
Schaut: Diese 3 Symbole gebe
ich jetzt Frau Pfeifer, Frau Huth,
und eines nehme ich selbst, und
ihr geht dann vom einen zum
anderen und formuliert hier ein
Bittgebet [=1d], hier eine kurze
Fürbitte [=2d], und hier sucht
ihr euch jeweils ein Lied aus.
Tut euch erst mal in Gruppen
zusammen...
Und jetzt geht ihr bitte hier hin,
ihr hier und ihr hier.“
24-39 K Kompetenzen SuS stärken in UE 1-2 GA Je 2 Blanko-
G stärken und erworbene Gebetskompetenz Blätter und 1
erweitern und in UE 3-4 erworbene Stift für
Liturgiekompetenz durch Gruppe 1+2
Gestaltung der Taufe.
40-70 W Ksue Durchführung der Teddytaufe. Rollen- Angepasster
T „Fragen an Eltern und Paten“ spiel Liturgietext,
werden abgewandelt in „Fragen
an SuS“ und angepasst an Frau Pfeifers
Situation, Taufliturgie ist Gitarre
reduziert auf (falls nicht andere
Elemente zusätzlich min 13-20 Tauf-
genannt wurden): „Material“
1a Begrüßung (Sakristei)
1b Lied der SuS
1c Fragen an SuS
1d Bezeichnung mit Kreuz
1e Gebete der SuS
2a Lesung: Tauferzählung (Mk
1,9-11)
2b Fürbitten der SuS
2c Lied der SuS
3a Gemeinsamer Ortswechsel
zum Taufort
3b Lobpreis und Anrufung
(s.o.)
3c Glaubensbekenntnis
(bekannt)
3d Taufe
4a Bekleidung mit Taufgewand
4b Übergabe der Kerze
4c Lied der SuS
5a Vaterunser (bekannt)
5b Segen und keine Entlassung
71-72 - Ü 3-4 Lehrer-Überleitung: „Das FU -
müssen wir jetzt natürlich
erstens noch offiziell machen
und zweitens feiern, das machen
wir aber draußen vor der Tür.“
73-5 V Lernen Lehrer-Überleitung: „Ich habe Rollen- Danklied aus
+ T bilanzieren hier die Klassenliste, da spiel Liederschatz,
76-80 schreiben wir jetzt NN hinein – Frau Pfeifers
und ab sofort darf er bei Gitarre,
unserem RU mitmachen. ... Muffins, die
Und jetzt feiern wir natürlich danach
noch schnell mit einem ausgeteilt
Danklied. werden (in
Sakristei
deponiert)
81-90 - - Marsch zur Schule - -

4. Anlagen
4.1. Literatur
4.1.1. Zitierte Literatur
Büttner, Gerhard (2015): Entwicklungspsychologie, in: WiRiLex. Online unter:
https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/100083/ (22.06.2020)

Dannecker, Klaus Peter / Alexander Saberschinsky (2017): Neues Leben aus Wasser und Geist.
Zur Vorbereitung der Kindertaufe. Freiburg/Basel/Wien.

Heil, Stefan u.a.: Die schriftliche Unterrichtsvorbereitung Katholische Religionslehre –


LehrplanPlus, in: RU-Kurier 47/2016, S. 1-11.

Kaul, Bettina (2011): Taufpastoral – zwischen kirchlicher Tradition und menschlicher


Erfahrung. Pastoraltheologische und liturgiewissenschaftliche Untersuchungen. Münster.

Maass, Nele / Gunnar Jahn-Bettex: Mit Konfis und Jugendlichen, in: Augustin, Judith / Heinz
Behrends (2010): Taufe und Tauferinnerung. Aktionen, Projekte, Feiern (=Gemeindearbeit
praktisch 3). Hamburg.

4.1.2. Grafiken
Abbildung 1: https://www.lehrplanplus.bayern.de/fachprofil/grundschule/katholische-
religionslehre/1 (21.06.2020)
4.2. Erklärung
Hiermt bestätige ich, dass ich keine anderen als die im Literaturverzeichnis angegebenen
Hilfsmittel verwendet habe.

Gemünden 23.6.2020
_______________________________________

(Ort Datum Unterschrift)


Formblatt zur Verortung der Religionsstunde in den LehrplanPLUS
Der Kompetenzerwerb einer Stunde im Fach Katholische Religionslehre bezieht sich im
LehrplanPLUS auf das Kompetenzstrukturmodell, die Grundlegenden Kompetenzen und
den Fachlehrplan. Weiterhin wird die Möglichkeit er Querverbindung zu anderen Fächern
angegeben.

Kompetenzstrukturmodell

Gegenstandsbereich(e):

Die Taufe im kirchlichen Innenraum

Prozessbezogene Kompetenz(en):

Besonders: Verstehen und Teilhaben

Grundlegende Kompetenz(en)

Den Kirchenraum nehmen sie als Ort der besonderen Gegenwart Gottes, des Gebets und des
Gottesdienstes wahr und verstehen Kirche als Gemeinschaft, der Christen durch die Taufe
angehören.

Fachlehrplan

Lernbereich(e):

Lernbereich 8: In der Gemeinde leben – zur katholischen Kirche gehören.

Kompetenzerwartung(en):

Die SuS verstehen die Taufe als Siegel der Zugehörigkeit zu christus in der Gemeinschaft der
Kirche.
Die SuS nehmen Kirche als Ort der besonderen Gegenwart Gottes, des Gebetes und der Feier
des Gottesdienstes wahr.

Inhalt(e):

Exkursion zur Kirche; Kennenlernen der Taufliturgie; Gestaltung und Durchführung derselben.

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