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[UKIM INTENSIV POCKET GUIDE] 1.

Kompressionstherapie
Definition:
Medizinischem Kompressionsstrumpf (MKS), Phlebologischem Kompressionsverband (PKV)
und Medizinischen adaptiven Kompressionssystemen (MAK) verkleinern den venösen
Querschnitt und haben mehrere Wirkungen:

• Steigerung der Flussgeschwindigkeit des Blutes


• der venöse Rückfluss zum Herzen wird erhöht
• während der pathologische Reflux bei insuffizienten Venenklappen reduziert wird.
(durch die Muskelpumpe wird dieser Mechanismus unterstützt)
• Ödemrückgang
• Signifikante Schmerzreduktion
• Besserung der Lipodermatosklerose bei schwerer chronischen venösen Insuffizienz
(CVI)
• Ulcusabheilung
• Rezidivprophylaxe
• Reduktion der Thrombusmasse bei tiefer Beinvenenthrombose (TVT)
• Prophylaxe des Postthrombotischen Syndroms (PTS)

DGKP Paul Brodträger, 27.3.2020 1


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Indikation:

• Chronisch venöse Insuffizienz (CVI)


• Necrobiosis lipoidica diabeticorum
• Beinvenenthrombose
• Postthrombotisches
Syndrom
• Varikosis
• Lymphödem
• Phlebitis

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Kontraindikation:

• Fortgeschrittene periphere arterielle Verschlusskrankheit (wenn einer dieser


Parameter zutrifft ABPI < 0,5, Knöchelarteriendruck < 60 mmHg, Zehendruck < 30
mmHg oder TcPO2 < 20 mmHg Fußrücken). Bei Verwendung unelastischer
Materialien (Kurzzugbinde) kann eine Kompressionsversorgung noch bei einem
Knöchelarteriendruck zwischen 50 und 60 mmHg unter engmaschiger klinischer
Kontrolle versucht werden.
• Dekompensierte Herzinsuffizienz (NYHA III + IV)
• Septische Phlebitis
• Phlegmasia coerulea dolens

Die folgenden Risiken für die medizinische Kompressionstherapie sollen berücksichtigt


werden:

• Ausgeprägte nässende Dermatosen


• Unverträglichkeit auf Kompressionsmaterial
• Schwere Sensibilitätsstörungen der Extremität
• Fortgeschrittene periphere Neuropathie (PNP)
• Primär chronische Polyarthritis

In diesen Fällen sollte die Therapieentscheidung unter Abwägen von Nutzen und Risiko
sowie der Auswahl des am besten geeigneten Kompressionsmittels getroffen werden.

Kurzzugbinde:
Hoher Arbeitsdruck (beim Gehen), niedriger Ruhedruck, unelastisch = wenig dehnbar unter
Zug, wie der Name Kurzzug schon sagt. Deswegen primär bei mobilen Patienten sinnvoll.

Langzugbinde:
Niedriger Arbeitsdruck, hoher Ruhedruck, elastisch = gut dehnbar unter Zug. Primär bei
immobilen Patienten verwenden oder in Kombination mit Kurzzugbinden da er besser hält.

Merke: bei ungeklärter Durchblutungssituation und kühlen blassen Füßen nicht


verwenden.

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Mehrkomponentensysteme:
sind für die Versorgung von Menschen mit Ulcus cruris venosum (UCV) zugelassen. Sie
bestehen aus zwei bis vier Komponenten, z. B. Polster-, Kompressions- und kohäsive
Fixierbinden. Gegenüber Kurzzugbinden haben diese Systeme den Vorteil, dass keine
aufwendigen Kompressionstechniken beherrscht werden müssen.

Praktisches Vorgehen:
Hautreinigung und Hautpflege je nach Hautzustand wird vorausgesetzt.

Merke: Ein PKV wird immer mit Schlauchverband als Hautschutz und mit Verbandswatte
oder speziellen Schaumstoffbinden unterpolstert um Druckulzerationen zu verhindern!

Wesentliche Prinzipien:

• Der Schlauchverband wird bis unterhalb des Knies


angezogen.
• Beginn der Bandagierung am Großzehengrundgelenk,
anschließend dem weiteren Zehenverlauf folgen
• Die Binden müssen mit „Überlappung“ angelegt werden.
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• Die Bindenrolle wird unter permanentem Zug unmittelbar auf der Haut abgerollt, so
dass sich die Binde gleichmäßig an das Bein anmodelliert und ein gleichmäßger
erforderlicher Druck entsteht, der die tiefen Beinvenen komprimiert.
• Das Sprunggelenk sollte rechtwinkelig (Dorsalflexion) positioniert werden.
• Der Unterschenkelkompressionsverband wird bis zum Fibulaköpfchen, der
Oberschenkelkompressionsverband bis zum proximalen Oberschenkel ausgeführt.
• Infolge der Beingeometrie mit größer werdenden Radien nimmt der Anpressdruck
bei gleichbleibender Bindenvordehnung von distal nach proximal ab.
• Der Verband darf weder Druckstellen, Schnürfurchen noch Schmerzen verursachen.
• Das Material des PKV und die Anlegetechnik müssen sich nach den Erfordernissen
der jeweiligen Krankheit richten.
• beiliegende Fixierklammern (sog. „Schwiegermütter“) sind nicht als Fixation am
Patienten gedacht! > Verletzungsgefahr!
• Für eine sachgerechte Kompressionsversorgung sind in der Regel mindestens zwei
Binden erforderlich.
• Bereits zu Beginn ist auf guten Anlagedruck zu achten. Zu lockere Touren, z. B. am
Vorfuß, können zu Ödemausbildungen führen.
• Ein zu straffes Anziehen einzelner Bindentouren stört das Druckgefälle. So kann es
bei Einschnürungen zu einer venösen Stauung (bis hin zur Erhöhung des
Thromboserisikos), nervalen Druckschäden oder Nekrosen kommen.

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Risiken und Nebenwirkungen:


Unsachgemäßes Bandagieren (zu hohe Anpressdrücke, Strangulation) verursacht Schmerzen
und kann Gewebsschäden und sogar Nekrosen und Druckschäden an Haut und peripheren
Nerven, vor allem an Knochenvorsprüngen (Cave: z. B. Fibulaköpfchen, Knöchel, Schienbein)
verursachen.

Bei empfindlicher Haut kann es unter den Kompressionsmitteln zu Juckreiz, Schuppung und
Entzündungszeichen kommen. Daher ist eine adäquate Hautpflege unter der
Kompressionsversorgung sinnvoll, z. B.: bei schuppiger trockener Haut Urea haltige
Salben/Lotion (mind. 10%) oder Dexpanthenol.

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