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Allergologie I

Soforttypallergien,
Hyposensibilisierung
Heuschnupfen / Asthma
• Typ-1-Allergie
• Auf Bäume, Gräser, Kräuter, Hausstaubmilbe, Schimmel, Tierhaare
• Ganzjährig / saisonal
Was ist eine Allergie ?
• Überschießende Reaktion des Immunsystems
gegenüber bestimmten körperfremden Substanzen der
Umwelt
• Das körpereigene Immunsystem spricht auf Fremdstoffe
an, die eigentlich keine Gefahr für die Gesundheit
darstellen (anders als Krankheitskeime)
• Vor 50 Jahren „Allergie“ noch ein Fremdwort
Klassifikation allergischer Reaktionen
nach Coombs und Gell, 1963

Sofortreaktion, Heuschnupfen, allergische Bindehautentzündung,


Typ I IgE-vermittelt Asthma, Nesselsucht, allergischer Schock

Typ II Zytotoxische Antikörper Hämolytische Anämie, Agranulozytose

Typ III Immunkomplexe Serumkrankheit,


allergische Vaskulitis
Kontaktekzem,
Typ IV Spätreaktion, zellulär Arzneimittel-Exantheme
Typ-1-Allergien

• Heuschnupfen (Pollinosis)
• Asthma
• Nesselsucht (Urticaria)
• Quincke-Ödem
• Wespen-und Bienengiftallergie (Hymenopterengiftallergie)
• Nahrungsmittelallergien
Typ-1-Allergie
Haut Lunge
Nesselsucht, Angioödem,
Dyspnoe, Keuchen, Husten
Juckreiz

Nase Magen-Darm-Trakt
Niesen, Fließschnupfen, Durchfall, Erbrechen
Verstopfung

Augen Kardiovaskuläres System

Juckreiz, Tränen, Rötung Anaphylaxie


Nesselsucht (Urtikaria)
Quincke-Ödem
Quincke-Ödem

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


Prävalenz der Urtikaria
Lebenszeit-Prävalenz :
Urtikaria (alle Formen) ~ 20-25% weltweit1

Zeitraum-Prävalenz :
csU ~ 0,8% in 1 Jahr in Deutschland4

Punkt-Prävalenz :
csU~ 0,5 – 1% in Deutschland 2,3
csU ~ 0,6 % in Spanien5
1 Zuberbier et al., Allergo J 2011; 2 Maurer et al., Allergy 2011; 3 Weller et al., Hautarzt 2010
4 Zuberbier et al., Clin Exp Derm 2010; 5 Gaig et al., J Investig Allergol Clin Immunol 2004
Prognose der chronischen Urtikaria

• Bei 50% nach drei Monaten abgeklungen


• Bei 80% nach 12 Monaten abgeklungen
• Bei 11% Beschwerden noch nach 5 Jahren
fortbestehend

Gaig P et al (2004) Epidemiology of urticaria in Spain. J Investig Allergol Clin Immunol 14: 214-20
URTICARIA 2012
Aktualisierung der internationalen Leitlinie
Urtikaria: heterogene Gruppe von Erkrankungen,
denen das Auftreten von juckenden Quaddeln,
Angioödemen oder beidem gemeinsam ist.

Maurer et al., Allergo J. 2013


URTICARIA 2012
Aktualisierung der internationalen Leitlinie

Akute Urtikaria < 6 Wochen


Chronische Urtikaria > 6 Wochen

Maurer et al., Allergo J. 2013


Klassifikation der Subtypen der chronischen Urtikaria
Spontane Akute spontane Urtikaria
Spontan
Urtikaria Chronische spontane Urtikaria

Physikalische Druckurtikaria
Urtikaria Kälteurtikaria
Lichturtikaria
Urticaria factitia
Wärmeurtikaria
Induziert
Vibrationsassoziiertes Angioödem

Andere Aquagene Urtikaria


Urtikariaformen Cholinergische Urtikaria
Kontakturtikaria

Maurer et al., Allergo J. 2013


Urtikaria – Differentialdiagnostischer Algorithmus
Quaddeln Quaddeln Angioödeme

Fieber unklarer Genese? Malaise? Therapie mit ACE-Hemmern?


Knochen/Gelenkschmerzen?
1
>24h?

+ - - +

Quaddeldauer > Verdacht auf HAE Remission nach


Verdacht auf AIE? 24h? oder AAE? Absetzen?

+ - + - - + -
+
Histologie: Beschwerden
Vaskulitis? induzierbar?

+ - -
Provokations-
+ Test?

- +
Erworbene / Urtikaria- Chronisch Chronische HAE,I-III ACE-Hemmer
angeborene vaskulitis spontane induzierbare AAE induziertes AÖ
AIE Urtikaria Urtikaria

HAE: Hereditäres Andioödem; AAE: Erworbenes Andioödem aufgrund eines C1-Inhibituormangels;


AIE: Autoinflammatorische Erkrankung; AÖ: Angioödem; ACE: angiotensin converting enzym

Maurer et al., Allergo J. 2013


Diagnostik Urtikaria

Bei akuter spontaner Urtikaria keine weitere Diagnostik


Ausnahme bei Verdacht auf ein allergisches Geschehen

Maurer et al., Allergo J. 2013


Diagnostik Urtikaria
Bei

Ausschluss schwerer entzündlicher Grunderkrankungen durch ein Basislabor


BSG/CRP, Diff.-BB
Um- bzw. Absetzen potenziell auslösender Medikamente insbesondere NSAID

Unter Berücksichtigung der Anamnese:


Diagnostik zur Autoreaktivität
Infektfokussuche
Intoleranz gegenüber Nahrungsmitteln
Maurer et al., Allergo J. 2013
Heuschnupfen
mit Augenbeteiligung
Wie viele Allergiker gibt es in Deutschland?
Die ISAAC-Studie (1992 – 1996) bei der in 155 Studienzentren 463.801 Kinder im Alter zwischen 13 und 14
Jahren untersucht wurden, kommt zu folgenden Zahlen für die Häufigkeit von Allergien in Deutschland:

Häufigkeit Entspricht Bundesbürgern

Atopische Sensibilisierungen insgesamt 30-40% 24-32 Mio.

Heuschnupfen 15% ca. 12 Mio.

Allergische Asthma bronchiale 5% 4 Mio.

Allergiker in Deutschland...
Atopie
Neigung zu allergischen Erkrankung

familiär auftretende Überempfindlichkeit von Haut + Schleimhaut gegenüber Umweltstoffen mit erhöhter IgE-Bildung

Allergische
HEUSCHNUPFEN
Kontaktekzeme

Atopie
Genetische Umwelt-
Faktoren Atopisches einflüsse
Allergisches Ekzem
Asthma (Neurodermitis)
Häufigkeit der
Allergischen Rhinitis
bei 20-44 jährigen
Erwachsenen
„Der allergische Marsch“ (atopic march)
Prävalenz der
Symptome
Allergische Rhinitis
Asthma bronchiale

Atopische
Dermatitis
Nahrungsmittel-
Allergie

0 1/2 1 3 7 15 Alter
(Jahre)
Heuschnupfen
• Def.: Allergisch vermittelte Entzündung der Nasenschleimhaut
• Allergische Rhinitis
• Allergische Rhinokonjunktivitis

• Beschwerden:

• Niesreiz, Juckreiz • Juckreiz / Rötung der Bindehaut


• Fließschnupfen • tränende Augen
• Nasenatmung behindert • Fremdkörpergefühl

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


Heuschnupfen

• Auswirkungen auf das Sozialleben, schulische Leistungen,


Arbeitsproduktivät
• Beginn meist in der Kindheit
• Heuschnupfen 15-20%
• Risiko für Asthma um den Faktor 3 erhöht
• 20-50% aller Heuschnupfenpatienten leiden auch an Asthma
• 80% aller Asthmapatienten leiden auch an allergischer Rhinitis

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


Durch welche Allergene
werden Heuschnupfen/Asthma ausgelöst?

 Inhalative Allergene  Pollen

 Milben

 Tierepithelien

 Schimmelpilze

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


Heuschnupfen

Saisonal Ganzjährig

• Baumpollen  Milbenallergie
Hasel, Erle  Tierhaare
Birke
 Schimmelpilze
• Gräser- und Getreideallergie
• Kräuter
• Schimmelpilze
Pollen
• Träger des männlichen Erbguts
• windbestäubende Pflanzen
• Bäume (Jan-April) Frühblüher: Erle, Hasel, Birke
Mittelblüher: Buche, Eiche, Esche
• Gräser (Mai-Juli) Roggen, Weizen, Wiesenlieschgras, Gerste, Hafer
• Kräuter (bis Sept) Beifuß, Ragweed, Wegerich, Sauerampfer

• Eine einzige Roggenpflanze produziert 21 Millionen Pollen

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


Pollenflug
Tagesaktuelle Pollenflugvorhersagen im Internet:

 www.alle-wetter.de
 www.allergieratgeber.de
 www.wetter.com/gesundheit/pollenflug/
 www.dwd.de/DE/leistungen/gefahrenindizespollen/gefahrenindexpollen.html
 http://www.pollenstiftung.de/pollenvorhersage/

 Apps: Husteblume; klara; Livocab direkt;


Baumpollen

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


Birkenallergie
• Früh-Mittelblüher, April-Mai

• Allergen: Bet-v-1, Bet-v-2

• Häufiges & aggressives Allergen in Deutschland

• Kreuzallergien: Erle, Hasel, Eiche, Rotbuche Birkenpollen 16-31 µm

• Häufig kreuzreaktive Nahrungsmittelallergien auf


Nüße, Kernobst (Apfel), Steinobst, Möhren
OAS = orales Allergiesyndrom:
(Kribbeln am Gaumen während des Verzehrs)
Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie
Hausstaubmilbe & Schimmelpilze

Penicillium

Aspergillus

Alternaria
Unsere liebsten Zeitgenossen
Tierallergene

Tier Allergenquelle Besonderheiten


Hund Hautschuppen, Haare, Exkremente, Sensibilisierung rasseabhängig:
Speichel Boxer, Schnauzer häufiger als
Beagle, Schäferhund
Katze Allergene werden in der Haut häufigste Tiersensibilisierung,
gebildet. sehr potente Allergene.
Speichel? Allergene verbleiben lange in der
Raumluft. Waschen des Fells
vermindert
Allergenkonzentration
Meerschweinchen Urin, Haare Häufigkeit bei exponierten
Personen 60%
Pferd Hautschuppen > Exkremente, Pferdehaar z.T. in Matratzen,
Speichel Decken, Polstermöbeln
Vögel Exkremente, Federn Besonders: Sittiche, Papageien,
Tauben.
Milben! Vogel-Ei-Syndrom
Biene Wespe

Hummel

Hornisse
Insektengifte

Tier kreuzreaktiv mit Stachel/Gift


Biene Hummel Stachel bleibt (fast) immer
stecken
50 – 100 µg Gift/Stich
Wespe Hornisse Stachel bleibt manchmal stecken
Gift 2 – 10 µg Gift/Stich

Hummel Biene Stachel bleibt nie stecken

Hornisse Wespe Stachel bleibt nie stecken


Ca. 100 µg Gift/Stich
Nahrungsmittelallergien
Von 100 erwachsenen Allergikern reagieren auf

Kräuter und Gewürze 26 %


Nüsse/Samen 18,5 %
Obst 16 %
Getreide 12 %
Gemüse/Hülsenfrüchte 9,9 %
Kuhmilch 3%

Pollen 47,9 %

Tab. nach Thiel, 1994


Verlauf von Nahrungsmittelallergien in
Abhängigkeit vom Lebensalter

aus: Trautmann, Allergologie in Klinik und Praxis (ISBN 978-3-13-142183-8), © 2017 Georg Thieme Verlag KG
Nahrungsmittelallergien

 Meist pollenassoziiert = gleichzeitige Sensibilisierung gegen Pollen +

Nahrungsmittel

 „orales Allergiesyndrom“ (OAS) = Missempfindung nach Verzehr an der

Mundschleimhaut + Nasenrachen
14 Hauptallergene (LMIV)
• 1. Glutenhaltiges Getreide  8. Schalenfrüchte (Nüsse)
• 2. Krebstiere  9. Sellerie

 10. Senf
• 3. Hühnerei
 11. Sesamsamen
• 4. Fisch
 12. Schwefeldioxid/-sulfite (über
• 5. Erdnüsse
10 mg Gesamt SO2/kg)
• 6. Soja  13. Lupinen
• 7. Milch inkl. Laktose  14. Weichtiere

LMIV: Lebensmittelinformationsverordnung der EU; Kennzeichnungspflichtige Produktgruppen


(inkl. daraus gewonnene Erzeugnisse), gültig für verpackte und ab 13.12.2014 auch für unverpackte
Produkte (inkl. Gastronomie, GV)
Nahrungsmittelallergien –
Symptome häufig abhängig von:

 Jahreszeit (Pollenflugzeit)

 Medikamenteneinnahme (z.B. Aspirin®)

 Alkoholgenuss

 Kaffee, Gewürze (resorptionsbeschleunigend)


 Sport / Stress

 Summationseffekte (Sport+NM+Alkohol+ASS)

 Zubereitung
Leyva-Castillo JM et
al. (2019)
Mechanical skin
injury promotes
food anaphylaxis
by driving intestinal
mast cell
expansion.
Immunity
DOI:https://doi.org
/10.1016/j.immuni.
2019.03.023
„echte“ Nahrungsmittelallergien

Worm M et al. (2015) Leitlinie zum Management IgE-vermittelter Nahrungsmittelallergien. Allergo J Int 24: 256; DOI: 10.1007/s40629-015-0070-4
Allergene

 Bei Kindern: Kuhmilch, Hühnerei

 Bei Erwachsenen: Fisch, Krebstiere, Nüsse, Sellerie

 Thermostabil: Milch, Ei, Fisch, Krebstiere, Erdnuss, Sellerie,

Tomate, Gewürze

 Thermolabil = Allergen wird durch Hitze zerstört – Eiweiß, Apfel


Klinische Muster zur Differenzierung von Bet-v-1-, Profilin- und
LTP-bedingten Kreuzreaktionen

aus: Trautmann, Allergologie in Klinik und Praxis (ISBN 978-3-13-142183-8), © 2017 Georg Thieme Verlag KG
Allergie auf Apfel
Apfel

Kompott wird oft vertragen, roher Apfel nicht

Unterschiede bei Apfelsorten:

Golden Delicious (am häufigsten Reaktionen)

Granny Smith

Boskop (am seltensten Reaktionen)


Allergenstrukturen im Vergleich

aus: Trautmann, Allergologie in Klinik und Praxis (ISBN 978-3-13-142183-8), © 2017 Georg Thieme Verlag KG
Getreideallergien

• Allergieauslöser
• wasserlösliche Proteine (Albumine, Globuline)
• auch Gliadine und Gluteline (Gluten-Komplex)
• Kreuzreaktion von Gras- und Getreidepollen
Latex-Frucht-Syndrom
 Medizinische Leiterkrankung
 Häufig viele OP‘s im Säuglingsalter - Spina
bifida
 Kreuzreaktionen: Avocado, Banane,
Buchweizen, Mango, Kiwi

Vogel-Ei-Syndrom
 Allergie auf Vogelfedern
 Kreuzreaktionen: Hühnerei, Geflügel, Fleisch
 Fall: Wellensittichbesitzer mit Reaktion auf Hühnerfleisch
Kreuzallergien
Birkenpollen Pollen: Buche, Eiche, Erle, Esche, Hasel, Sellerie/ Beifuss
Nahrungsmittel: Haselnuss, Mandel, Apfel, Birne, Aprikose, Brombeere,
Erdbeere, Himbeere, Litschi, Kirschen, Kiwi, Pfirsich, Quitte, Zwetschgen
Beifußpollen Pollen: Birke, Chrysantheme, Kamille, Löwenzahn, Sonnenblume,
Traubenkraut (Ragweed)
Nahrungsmittel: Sellerie, Karotte, Kartoffel, Kiwi, Gurke, Tomate, Melone,
Artischocke
Gewürze: Anis, Coriander, Curry, Estragon, Zimt, Ingwer, Kümmel,
Muskatnuß, Paprika, Petersilie, Pfeffer, Wermut,
Sellerie Pollen: Birke, Beifuß
Nahrungsmittel: Karotte
Gewürze: Anis, Basilikum, Dill, Fenchel, Oregano, Kreuzkümmel, Koriander,
Liebstöckel, Majoran, Thymian
Eschenpollen Pollen: Oliven, Flieder, Liguster, Forsythie
Gräserpollen Ruchgras, Wiesenlieschgras, Knäuelgras, Raygras ( Ananas)
Getreide: Roggen
Getreidepollen Dinkel, Gerste, Hafer, Hirse, Mais, Reis, Weizen
Gräserpollen: Weidelgras
Nahrungsmittel: Getreidemehl
Olivenpollen Ananas, Ascorbinsäure, Gräser, Liguster, Meerrettich
Kreuzallergien II
Nüsse Haselnuß ( Roggenmehl), Cashew, Erdnuss, Mandeln, Mohn, Pistazien ( Sonnen-
blumensamen), Sesam, Walnüsse, Kiwi
Hülsenfrüchte Erdnuss, Bohne, Linse, Sojabohne, Klee, Luzerne, Lupine, Lakritze, Johannisbrot, Gummi
arabicum, Tamarinde, Tragant
Kiwi Pollen: Beifuß, Birke, Gräser
Nahrungsmittel: Ananas, Apfel, Karotte, Kartoffel, Roggenmehl, Weizenmehl
Sonstiges: Latex
Fische Aale, Flussbarsch, Kabeljau ( Surimi), Karpfen, Salm, Thunfisch, Seezunge/-scholle,
Zahnbrasse
Hühnerei ( Fischmehlfütterung)
Hühnerei Ente, Gans, Hühnerfleisch, Truthahn, Seemöwe, Papagei, Kanarienvogel, Taube, Wellensittich

Kuhmilch Rinderhaar, Rind-/Kalbfleisch


Schimmelpilze Candida ( Saccharomyces), Aspergillus, Alternaria, Cladosporium, Epicoccum, Fusarium,
Penicillium
Hausstaubmilbe Küchenschabe, Vorratsmilbe, rote Mückenlarve (Fischfutter), Schnecken, Flußkrebs,
Garnelen, Hummer, Krabben, Muscheln, Shrimps
Latex Nahrungsmittel: Avocado, Banane ( Wassermelone), Feige, Kartoffeln, Passionsfrucht,
Sellerie, Kiwi, Kastanie, Tomate, Papaya, Pfirsich, Buchweizenmehl
Pollen: Beifuß, Traubenkraut (Ragweed), Wiesenlieschgras
Sonstiges: Ficus benjamina
Hymenoptera Biene ( Hummel), Wespe ( Hornisse)
Allergische Rhinitis & Asthma

zusammenhängende
anatomische Strukturen
Asthma & Allergie
Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie
Asthma bronchiale - Definition

Asthma ist
 eine entzündliche Erkrankung der Atemwege
 mit bronchialer Hyperreaktivität und
 variabler Atemwegsverengung

vor 10 Min.
nach

Allergenprovo-
kation
R Wettengel et al., Med Klinik 93:639, 1998
Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie
Asthma bronchiale

Asthmaanfall:
Schleimproduktion + Verengung Normaler Bronchus
Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie
Etagenwechsel
bei ca. 43% bis 63% der nur symptomatisch therapierten Patienten mit
allergischer Rhinitis entwickelt sich innerhalb von 8 Jahren Asthma

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


Untersuchungsmöglichkeiten

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


Untersuchung

Provokation

Hauttest Serologie

Anamnese

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


Anamnese
 Wann treten die Beschwerden auf? Ganzjährig/im Frühling/nach Tierkontakt
 Sind sie reproduzierbar?
 Atopie/Allergien in der Familie?
 Besteht ein Asthma?
Provokation
 Beruf?
 Medikamentenverbrauch

Hauttest Serologie

Anamnese

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


Untersuchung

Provokation

 Spezifisches IgE
• Prick-Test
Hauttest Serologie  RAST/CAP-
• Intrakutantest Klassen
 Gesamt IgE

Anamnese

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


IgE Produktion
Botenstoffe

 Immunglobuline

B Zelle

IgM IgA
IgG IgE

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


Regulation der IgE Produktion

Inhibition Stimulation

Th1 IFN-g, IL-12 IL-4, IL-13 Th2

B Zelle
+
zusätzliche Inhibition zusätzliche Stimulation
TGF-b, IL-10,IFN-a, PGE2 IL-6, IL-1, CD23

IgE
Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie
Hauttest

Prick-Test

20 Minuten

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


Hauttest

Intracutan-Test

20 Minuten

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


Diagnostik

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


Positiver Hauttest

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


Fehlerquellen

Falsch positives Ergebnis durch:


- Opioide (Histaminfreisetzung)
- Histaminreiche Nahrung (Fisch, Konserven)
- Urticaria factitia
Fehlerquellen

Falsch negatives Ergebnis durch:


- allergischer Schock (Mediatoren verbraucht)
- Glukokortikoide (Karenz 6 Wochen)
- Antihistaminika (Karenz 1 Woche)
- Immunsuppressiva
- Psychopharmaka (haben oft antihistaminerge
Wirkung)

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


Untersuchung
• Nasale Provokation

Provokation

Hauttest Serologie

Anamnese

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


Nasale Provokation (NPT)

 Bestätigung Prick
 Ausschluss einer
Simulation
 Provokation =
Aktualitäts-
nachweis!

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


Provokationstest – wann??

 Unklarer Prick- und / oder RAST-Test


 Diskrepanz zwischen Anamnese, Hauttest und RAST
 Gutachterliche Fragestellung (s. Berufsstoffe)
 Geplante Hyposensibilisierung
 Überprüfung der Wirksamkeit einer Hyposensibilisierung
 Therapiekontrolle während / nach Immuntherapie

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


Therapie

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


Therapie
• Allergenkarenz
• Verhaltensmaßregeln
• Medikamente
• Immuntherapie
• Prophylaxe von Allergien?

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


Allergenkarenz
• Kontakt mit dem auslösenden Allergen vermeiden

• Tierallergene: Entfernung des Tieres aus dem Haushalt


• Psychosoziale Probleme/Compliance
• Allergene noch Jahre später nachweisbar - Katze!
• Pferdehaarallergie - auf Rosshaarmatratze

• Pollenallergikern: Allergenkarenz nicht möglich


• Pollen kommen überall vor
• durch Verhaltensmaßnahmen Pollenbelastung gering halten
Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie
Verhaltensmaßregeln
Pollenflugzeit

• Fenster / Türen geschlossen halten


• Pollenfilter für Klimaanlagen und Autos
• Regelmäßig Staub putzen (feucht)
• Sport / körperliche Anstrengung im Freien vermeiden
• Tageskleidung außerhalb des Schlafzimmers wechseln und lagern
• das Schlafzimmer tagsüber geschlossen halten
• Vor dem Schlafengehen duschen und Haare waschen

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


Verhaltensmaßregeln
Pollenflugzeit

• Urlaubsplanung nach Pollenflugzeit richten?


• Pollenarme Regionen spanische, portugiesische,
französische Atlantikküste,
Nordseeküsten, Hochsee,
Hochgebirge ab 1500-1800 m ü.M.

• Pollenflugvorhersagen

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


Verhaltensmaßregeln
Hausstaubmilbensanierung
• Saugen der Böden / Matratzen (Feinstaubfilter, Abluft nach oben)
• Bettwäsche + Kleidung + Kuscheltiere waschen
bei 60°C 1h / bei 30°C waschen mit Waschzusätzen (Benzylbenzoat)
bei 60°C 2 h im Wäschetrockner / über Nacht Tiefkühlfach bei -20°C
• „encasing“ = allergendichte Bezüge für Matratzen, Kissen, Bettdecke
(Allergocover©, Bencase©, Med-Tex©)
• Raumklima: 15°C, Lüften, Feuchtigkeitsquellen meiden
• Betten aufgeschlagen lassen
• mit Akariziden Behandlung von Teppichen und Polstermöbeln alle 4 Monate
• Milbennachweis-Acarex-Test
Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie
Medikamente
• Tabletten
Antihistaminika, Mastzellstabilisatoren, Steroide,
Leukotrienrezeptorantagonisten
• Spezifische Immuntherapie
• Augentropfen
• Nasentropfen: Xylometazolinpräparat
• Asthmasprays: Steroide, Theophyllin
bronchenerweiternde Mittel
• Anti-IgE-Antikörper (Omalizumab)

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


Antihistaminika

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


Antihistaminika
• Histamin
- körpereigener Stoff
- führt zu Schwellung, Juckreiz, Rötung, Quaddeln, Tränenenfluß,
Fließschnupfen

• Histaminrezeptoren werden blockiert


• Vier Histaminrezeptoren bekannt
• H1 Rezeptor – alt: Fenistil, Tavegil, Hydroxyzin
– neu: Cetirizin, Xusal, Telfast, Aerius, Lorano

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


Antihistaminika

 Ältere Substanzen:
 Wirkspektrum:
 ausgeprägt zentral dämpfend
 z.T. anticholinerg
 antiserotonergisch
 Nebenwirkungen:
 vorwiegend anticholinerg:
 Sedierung, Mundtrockenheit, Übelkeit, Schwindel,
Miktions- und Akkomodationsstörungen
Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie
Steroide
Inhalation Budenosid/Fluticason ( z.B.Symbicort)
• NW gering ! Bei Kindern Wachstumskontrolle
• Pilzinfektion im Mund-/Rachenraum
• Anschließen Mund spülen/Zähneputzen

Tabletten Prednisolon (z.B. Decortin H)


• nur bei schwersten Formen – Asthma Stufe 3
• Wirkung: Hemmung der Botenstoffe + Entzündungszellen,
abschwellend
• NW: Schwellneigung, Gewichtszunahme, Osteoporose,
Haut: Einblutungen, Verdünnung, Dehnungsstreifen
Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie
Algorithmus zur Behandlung der chronisch
spontanen Urtikaria (URTIKARIA 2012)

H1-Antihistaminikum der 2. Generation


Wenn keine Besserung nach 2 Wochen

Dosierung des Antihistaminikums erhöhen (bis zu 4x)


Wenn keine Besserung nach 1-4 Wochen

plus Omalizumab, Cyclosporin A, Montelukast


Kurzer Kortisonstoß bei Exazerbation
Spezifische Immuntherapie

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


Spezifische Immuntherapie
Hyposensibilisierung / Desensibilisierung / Allergieimpfung

Injektion Tropfen Tablette


SCIT: subcutane Therapie SLIT: sublinguale Therapie SLIT
Therapie der 1. Wahl Gräser/Bäume Gräser, HS-Milbe, Ambrosia, Baumpollen

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


Spezifische Immuntherapie

 Tierallergien  Bei Pollen / Hausstaubmilben


 Schimmelpilzen Karenz meist nicht möglich

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


Therapieprinzip der kontinuierlichen
Schwellendosiserhöhung
Dosis
10000

1000

100

10

Zeit

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


Wann führt man eine
Hyposensibilisierung durch?

 Wirksamkeit für das jeweilige Krankheitsbild und Allergen belegt


 Schweres Krankheitsbild oder Progredienz
zu erwarten (z.B. Asthma)
 Klarer Bezug zwischen natürlicher Allergenkontakt und
Beschwerden
 Positiver Hauttest / Blutest
 Keine Karenz möglich (z.B. Pollen)
Vorgehen bei der Hyposensibilisierung

 Spritze ins Fettgewebe des Oberarms zunächst mit extrem


niedrigen Dosis des Allergens unter ärztlicher Aufsicht
 Dosissteigerung
 Beginn vor der Pollenflugzeit
 Ganzjährig
 evt. Reduktion der Dosis in der Pollenflugzeit
 Therapiedauer 3 Jahre

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


Dosierungsschema

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


Bei welchen Allergien ist eine
Immuntherapie sinnvoll?
 Baumpollen, z.B. Birke, Erle, Hasel
 Gräserpollen, z.B. Wiesengräser, Roggen
 Beifußpollen
 Hausstaubmilben
 Bienen- oder Wespengift
in Ausnahmefällen:
 Tierhaare, z.B. Katze
 Schimmelpilze, z.B. Alternaria
Alternative Ansätze

 Sublinguale Hyposensibilisierung (SLIT)


 mit Tropfen
 als Tablette (sog. „Gras-Tablette“)
 Intranodale Hyposensibilisierung
 1000fach geringere Dosen direkt in Lymphknoten injiziert
(noch experimentell)

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


Tropfentherapie
• Ganzjährig oder prä- und co-saisonal
• Mit / ohne Aufdosierung
• Tägliche Anwendung, 2-3 Min. unter der Zuge verweilen
• Trinken / Zähne putzen nach 5 Min. möglich
• Bei Bäumen, Gräsern, Kräutern, nicht bei Tierhaaren oder Hausstaubmilbe

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


Orale Therapie
• Bei Gräser-, Hausstaubmilben-, Ambrosia-, Baumpollenallergie

• 1 Tablette am Tag
• Unter die Zunge legen
• Keine Aufdosierung
• Ganzjährig
• Ersteinnahme bei allergologisch erfahrenem Arzt
• Lagerung: bei Raumtemperatur
• Hände waschen!

Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie


2020: Welche Möglichkeiten der Hyposensibilisierung
stehen für welche Allergiker zur Verfügung?
Subkutane Injektion Sublinguale Tropfen Sublinguale Tablette
(SCIT) (SLIT) (SLIT)

Baumpollen
+ + +
Gräser- und Roggenpollen
+ + +
Ambrosiapollen
+ + +
Hausstaubmilbe
+ + +
Hymenopterengifte
+ - -
Schimmelpilz
+ + -
Tierhaare
+ + -
Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie
Was müssen Sie beachten?
• Am Tag der Injektion

96

• Schwangerschaft ?
• 2 Wochen Abstand zu Impfungen
• Neue Medikamente
• Therapiepause bei Infekten
(SLIT z.B. Mundschleimhauterkrankungen)
Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie
Wirksamkeit
 70-85% bei Rhinitis und Asthma
 Heuschnupfen: Gräser-, Birken-, Beifuß-, Hausstaubmilbenallergene
 Asthma bronchiale: Gräser-, Hausstaubmilben-, Katzenallergene
 Wirkung bei Schimmelpilzallergie fraglich
 für allergische Bindehautentzündung allein belegen nur wenige Studien
positiven Effekt
 Bei Heuschnupfen assoziierten Nahrungsmittelallergien Wirkung unklar

nach Malling und Weeke 1993, Bosquet und Michael 1994, sowie Przybilla et al. 1995
Wirksamkeit
 Hyposensibilisierung kann den Etagenwechsel und somit ein
Asthma verhindern

 Neusensibilisierungen können verhindert werden

 Dies gilt insbesondere für Kinder

 Kinder: Spritzen meist ab dem Schulalter


bei Gräserallergie ab dem 5 Lj.
wenn Spritzen nicht möglich SLIT
Heuschnupfen, Asthma, Immuntherapie
Nebenwirkungen - lokal

 Lokalreaktionen
 Juckreiz
 Schmerz
 Infektion
 Granulom
 Pseudolymphom

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Nebenwirkungen - systemisch
 anaphylaktisch:
 Juckreiz, Nesselsucht, Konjunktivitis, Rhinitis, Asthma, schneller
Puls, Blutdruckabfall, Magen-Darm-Beschwerden, Schock
 unspezifisch;
 Kopfschmerz, Schwindel, Abgeschlagenheit, Unruhe
 Serumkrankheit:
 Gelenkbeschwerden, Fieber, Lymphknotenschwellung
 Exazerbation eines atopischen Ekzems

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Notfallset

 Antihistaminika-Tropfen (z.B. Zyrtec®)


 Fastjekt®/Anapen® (Epinephrin 300µg)-Autoinjektor
 Celestamine N liquidum (Steroidlösung)

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Xolair (Omalizumab):
wie anti-IgE wirkt
IgE

Mastzelle

Mediatoren
(Histamin, Leukotriene, Zytokine, etc.)

Bronchospasmus
Entzündung

Asthma
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Prophylaxe
Kann man Allergien vorbeugen?

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Prophylaxe
Kann man Allergien vorbeugen?

Ja,
Durch eine spezifische Immuntherapie können Neusensibilisierungen
verhindert werden.

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Prophylaxe
 Allergenexposition

 Vererbung

Risiko: 10% 30% 70%


 Hygiene

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Vorbeugung von Allergien
neue Empfehlungen März 2009

• Schwangerschaft / Stillzeit: Fischkonsum


• Stillzeit von mind. 4 Monaten, darüber hinaus kein schützender
Einfluß
• Milchersatz: partiell oder extensiv hydrolisierte Säuglingsnahrung
• !keine Soja-basierte Säuglingsnahrung
• Einführung von Beikost ab dem 4. Lebensmonat möglich
• Hinweise für protektiven Effekt von Fischkonsum
• keine Belege für Meidung potenter Nahrungsmittelallergene

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Vorbeugung von Allergien
neue Empfehlungen März 2009

• Meidung von Katzenhaltung


• Gutes Innenraumklima zur Vermeidung von
Schimmelpilzwachstum
• Tabakrauch (auch passiv) erhöht das Allergierisiko, besonders in
der Schwangerschaft
• Innenraumluftschadstoffe meiden (Renovierungsarbeiten/neue
Möbel)
• Vermeidung von Übergewicht
• Kein protektiver Wert von Probiotika
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