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Von kleinen roten und roten kleinen Kreisen

Die Wortstellung von Dimensions- und Farbadjektiven in einer NP wird betrachtet


und ein Erklärungsansatz mit psycholinguistischen Mitteln soll aufgezeigt werden.
Von kleinen roten und roten kleinen Kreisen

Die Wortstellung von Dimensions- und Farbadjektiven in einer NP wird betrachtet und ein
Erklärungsansatz mit psycholinguistischen Mitteln soll aufgezeigt werden.

Die Wortstellung beim Auftreten mehrerer Adjektive in einer NP war ein lange diskutiertes Problem
der Linguistik. In diesem "short paper" möchte ich mit einer Korpusanalyse zeigen, dass es
eindeutig präferierte Varianten gibt und das Ergebnis aus psycholinguistischer Sicht analysieren um
festzustellen, dass sich das Phänomen auf die Abrufbarkeit oder "accessibility" von, durch
Adjektive modifizierte, Nomen zurückführen lässt.
Ich beginne damit die Wortstellung beim Auftreten Dimensions- und Farbadjektiven in einer NP im
englischen zu analysieren.
Ich betrachtete einen Datensatz von 20 NPs in denen ich zuerst das eine Adjektiv voranstellte und
dann das andere z.B. [small red circle] und *[red small circle]. In der Englischen Syntax wird
verlangt, dass Adjektive in NPs vor dem Nomen auftreten insofern sind dies die einzig zu
betrachtenden Fälle.
Nun ermittelte ich am 29.5.2010 die Hits zu jedem der Strings bei Google ("hits1." in der Tabelle).
Da ich in den Hits Ergebnisse feststellen konnte wie [brick red, small circle, M on one side, P1 on
othe] in denen nicht nur eine NP betrachtet wurde modifizierte ich den Suchstring indem ich ein
[the] ("hits2." in der Tabelle) in die jeweilige NP einfügte.
Im folgenden betrachte ich nur noch die Werte von "hits2.", da die Abweichung des paarweisen
Verhältnisses zwischen den zu vergleichenden Strings bei der Methode hits1. höher ist.
Mit einem durchschnittlichen Anteil von unter 1% (über die Rundung von Openoffice wurde in der
Kalkulation immer 0 ausgegeben) von Hits in denen das Farbadjektiv vor dem Dimensionsadjektiv
auftritt, verzichtete ich auf einen weiteren Test um die Signifikanz zu prüfen.

Dieses Ergebnis zeigt eindeutig, dass in fast allen Fällen in einer NP im Englischen das
Dimensionsadjektiv vor dem Farbadjektiv stehen muss.
Allerdings erfasst eine solche Korpusanalyse nicht etwaige Ausnahmen und liefert ebenso keinerlei
Erklärungen.
Doch es gibt verschiedene Ansätze nach denen Regeln formuliert wurden um diese beobachtete
Verteilung zu erklären. J.E. Martin verweist hier auf Annear, der die Vermutung aufstellte, Adjektive
seien im Englischen in Klassen geordnet die bestimmten, in welcher Reihenfolge sie aufträten.
Allerdings verwirft er diese These, da diese Klassen nur dieses eine Phänomen erklärten und sonst

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keinerlei Funktion hätten.
Als zweiter Ansatz postuliert Vendler, dass die Art der Transformation, aus denen sich die Adjektive
derivierten, für die Wortstellung bestimmend seien. So deriviere sich "red car"(AN) aus "the car is
red" (N is A) wobei aber "large car" (AN) sich aus "the car is large for a car" (N is A for a N)
deriviere. Aus dieser komplexeren Derivation ließe sich erklären, warum Dimensionsadjektive
weiter von dem Nomen entfernt stehen als Farbadjektive.
An dieser Theorie, so Martin, ließe sich aber aussetzen, dass sie post hoc und circulär sei, da diese
Transformation nur angenommen würde um das Phänomen der Adjektivverteilung zu erklären.
Neben diesen syntaktischen Ansätzen gibt es auch semantische Erklärungsversuche.
So seien Adjektive nach ihrer "definiteness of denotation", also ihrer Bedeutungsabhängigkeit vom
beschriebenen Nomen, einzuordnen. Als weiteres Kriterium nennt Martin, sich wieder auf Sweet
beziehend, "closeness to noun in meaning" oder "substantiveness". Dieses Kriterium bestimmt
inwiefern die Eigenschaft die das Adjektiv beschreibt dem Nomen schon inhärent ist.
In Verwendung dieser Kriterien ließe sich sagen, dass Adjektive, die weniger
Bedeutungsabhängigkeit, sowie Adjektive, die eine Bedeutungsähnlichkeit zum Nomen haben,
näher am Nomen stehen, als solche die diese Kriterien weniger stark erfüllen.
In "Semantic Determinants of Preferred Adjective Order" führt Martin aus, wie sich diese Kriterien
psycholinguistisch erklären lassen.
Er behauptet die Adjektive die eine höhere "definiteness of denotation" haben, würden NPs bilden
die schneller abrufbar seien als welche mit niedrigerer "definiteness of denotation."
Dies liege daran, dass beim Abruf eines Nomens zuerst die allgemeinen Beudeutungsanteile
"gescannt" und danach die idiosynkratischen, außerdem werde ein Adjektiv gewählt, sobald sein
"sense gescannt" sei. Das heißt, dass geprüft wird unter welchen Nomen das Adjektiv die gleiche
Bedeutung hat. (So ist z.B. die Bedeutung von "groß" eine andere je nachdem ob man es auf
Menschen oder Gebäude bezieht, somit hat dann "groß" in beiden Fällen einen anderen "sense")
Aus diesen beiden Prämissen folge nun, dass definite Adjektive vor indefiniten gewählt würden, da
sie eine höhere "accessibility" hätten.
Zudem würde die Absolutheit des Adjektives mit "accessibility" korrelieren, dies erkläre sich aus
den Hypothesen, dass die Bedeutung eines (mit einem Adjektiv) modifizierten Nomens Standards
enthalte, die bestimmten wie das Adjektiv das Nomen modifiziert.
Nun sei die "accessibility" über Zeit definiert, die wiederum über die Anzahl der Vergleiche, die die
Sprecherin benötigt um diese Standards zu bestimmen, abhänge.
Um die Korellation zwischen "substantiveness" und "accessibility" geht er von der Hypothese aus,
dass ein Adjektiv stärker "substantive" ist als ein anderes, wenn es das Nomen in einer

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allgemeineren Form modifiziert.
Als zweite Herangehensweise formuliert er, dass bei stärker "substantive" Adjektive Nomen
Kombinationen eine Eigenschaft modifiziert wird, die weniger Abgleiche benötigt um auf sie zu
verstehen. So sei "red" inhärenter als "large", da die Modifizierung durch "large" von mehr
Faktoren abhinge als die von "red" und somit mehr Abgleiche benötigten.
Somit lieferten "substantiveness" und "definiteness of denotation", in ihrer Interpretation bezüglich
der "accessibility", eine sinnvolle, befriedigende, nicht circuläre Erklärung für die Ergebnisse, die in
dieser Untersuchung zutage getreten sind.

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Literaturliste:
Martin, J.E. (1969).Semantic Determinants of Preferred Adjective Order. Journal of Verbal Learning
and Verbal Behavior, 8, 697-704

Anhang:

1. String hits 1. 2. 2. String hits 1. 2. 1.1/ges 2.1/gesamt


Red small circle 40.000 315 Small red circle 143.000 201.000 0,22 0
red big circle 10.600 7 Big red circle 135.000 852.000 0,07 0
Green small square 289.000 1 Small green square 259.000 68.800 0,97 0
green big triangle 4 0 Big green triangle 50.900 653 0 0
green tiny square 418 1 Tiny green square 21.000 5.630 0,01 0
green huge circle 3 0 Huge green circle 10.400 1.930 0 0
blue small line 9.030 3 Small blue line 54.800 90.100 0,14 0
blue big square 12.400 3 Big blue square 33.100 5.040 0,27 0
blue tiny circle 6 2 Tiny blue circle 44.400 6.580 0 0
blue huge square 230 0 Huge blue square 18.900 1.990 0,01 0
yellow tiny triangle 2 0 Tiny yellow triangle 367 594 0,01 0
orange huge triangle 1 0 Huge orange triangle 483 2 0 0
pink small triangle 42.500 0 Small pink triangle 35.800 5.860 0,54 0
yellow big oval 7 0 Big yellow oval 24.600 5.810 0 0
red huge oval 1 0 Huge red oval 14.000 5 0 0
red tiny oval 1 0 Tiny red oval 9 1 0,1 0
black small line 20.000 1 Small black line 201.000 399.000 0,09 0
white big line 28.900 6 Big white line 61.200 602.000 0,36 0
black tiny line 7 2 Tiny black line 300.000 35.100 0 0
black huge line 3 0 Huge black line 19.100 75.000 0 0
Summe bzw 453113 341 1427059 235709 0,24 0
durchschnitt 5
Summe 0,14 0

1.1 1.2 2.1 2.2


Häufigster Wert 1 0 - -
Durchschnittswert 22655,65 17,05 71352,95 117854,75
Meridian 7 0 35.800 5.860

5
Spannweite 288.999 315 258.991 852.999
Mittlere Abweichung 30.977.74 29,795 68.123,525 158.258,1
Varianz 4.118.146.2 4.922,36578947 7.899.565.18 54.210.556.469,7
71,61 8,68
Standardabweichung 64.172,784 70,159 88.879,4981 232.831,605