Sie sind auf Seite 1von 23

!

11$232$"2

!" # ! $ %!
& ' " (% % % ( ) * ' +,
- ! '
6
6
#7 * 8 9( ( 9 ! #:#258#7#2"" ;
/ * ! #:#258#7#2""
< = < > 6
( ?* ( (< < *< 6
#7 9 @ (A * 8 9( > 9 @ (A
! #:#258#7#2"" ;
% ( ! #:#258#7#2""

/ #5

!
DIN EN ISO 26203-2:2012-01

Nationales Vorwort
Dieses Dokument (EN ISO 26203-2:2011) wurde vom Technischen Komitee ISO/TC 164/SC 1 „Uniaxial
Testing“, dessen Sekretariat vom AFNOR (Frankreich) gehalten wird, in Zusammenarbeit mit dem
Technischen Komitee ECISS/TC 101 „Prüfverfahren für Stahl (andere als chemische Analysen)“, dessen
Sekretariat vom AFNOR (Frankreich) gehalten wird, erarbeitet.

Das zuständige deutsche Gremium ist der Arbeitsausschuss NA 062-01-42 AA „Zug- und Duktilitätsprüfung
für Metalle“ des Normenausschusses Materialprüfung (NMP).

Der Begriff „Dehnrate“ wird neben dem Begriff „Dehngeschwindigkeit“ als Übersetzung von „strain rate“ aus
dem englischen äquivalent verwendet und im SEP 1230 so genutzt.

Während der Erarbeitung der deutschen Fassung von DIN EN ISO 26203-2 sind Ungenauigkeiten in der
ISO 26203-2 aufgefallen. Diese betreffen den vierten Absatz in 9.2 „Die prozentuale gesamte Dehnung bei
Höchstkraft, Agt, ist analog zum quasistatischen Zugversuch die zur Zugfestigkeit zugehörige Dehnung.“, in
dem aus Sicht des NA 062-01-42 AA eigentlich „die zur Zugfestigkeit zugehörige gesamte Dehnung“ gemeint
ist.

Weiterhin wird in 8.3, Absatz 3, in der Anmerkung unter 9.3, dem letzten Absatz unter 9.4, und der
Anmerkung in Abschnitt 10 im Englischen der Begriff „uniform strain“ verwendet. In
DIN EN ISO 6892-1:2009-12 wird zwischen „plastischer Extensometerdehnung bei Höchstkraft (Ag)“ und
„plastischer Dehnung ohne Einschnürung (Gleichmaßdehnung) (Awn)“ unterschieden, da in Abhängigkeit von
Werkstoff und Prüfbedingungen diese Kennwerte sich deutlich unterscheiden können.
In den genannten Textpassagen ist mit „uniform strain“ bzw. „Gleichmaßdehnung“ aus Sicht des
NA 062-01-42 AA der Bereich bis zur Zugfestigkeit Rm bzw. Ag gemeint.

Außerdem ist in DIN EN ISO 6892-1 die untere Streckgrenze ReL als „kleinste Spannung während des
plastischen Fließens, wobei Einschwingerscheinungen nicht berücksichtigt werden“ definiert. Die Bestimmung
von ReL in dieser Norm (DIN EN ISO 26203-2) unterscheidet sich dahingehend, dass ReL als Mittelwert der
Spannung während des plastischen Fließens vor Einsetzen der Verfestigung definiert ist.

Für die in diesem Dokument zitierten Internationalen Normen wird im Folgenden auf die entsprechenden
Deutschen Normen hingewiesen:

ISO 6892-1 siehe DIN EN ISO 6892-1

Nationaler Anhang NA
(informativ)

Literaturhinweise

DIN EN ISO 6892-1, Metallische Werkstoffe — Zugversuch — Teil 1: Prüfverfahren bei Raumtemperatur

2
EUROPÄISCHE NORM EN ISO 26203-2
EUROPEAN STANDARD
NORME EUROPÉENNE Oktober 2011

ICS 77.040.10

Deutsche Fassung

Metallische Werkstoffe —
Zugversuch bei hohen Dehngeschwindigkeiten —
Teil 2: Servohydraulische und andere Systeme
(ISO 26203-2:2011)

Metallic materials — Matériaux métalliques —


Tensile testing at high strain rates — Essai de traction à vitesses de déformation élevées —
Part 2: Servo-hydraulic and other test systems Partie 2: Systèmes d'essai servo-hydrauliques et autres
(ISO 26203-2:2011) systèmes d'essai (ISO 26203-2:2011)

Diese Europäische Norm wurde vom CEN am 17. September 2011 angenommen.

Die CEN-Mitglieder sind gehalten, die CEN/CENELEC-Geschäftsordnung zu erfüllen, in der die Bedingungen festgelegt sind, unter denen
dieser Europäischen Norm ohne jede Änderung der Status einer nationalen Norm zu geben ist. Auf dem letzten Stand befindliche Listen
dieser nationalen Normen mit ihren bibliographischen Angaben sind beim Management-Zentrum des CEN-CENELEC oder bei jedem CEN-
Mitglied auf Anfrage erhältlich.

Diese Europäische Norm besteht in drei offiziellen Fassungen (Deutsch, Englisch, Französisch). Eine Fassung in einer anderen Sprache,
die von einem CEN-Mitglied in eigener Verantwortung durch Übersetzung in seine Landessprache gemacht und dem Management-
Zentrum mitgeteilt worden ist, hat den gleichen Status wie die offiziellen Fassungen.

CEN-Mitglieder sind die nationalen Normungsinstitute von Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich,
Griechenland, Irland, Island, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Polen,
Portugal, Rumänien, Schweden, der Schweiz, der Slowakei, Slowenien, Spanien, der Tschechischen Republik, Ungarn, dem Vereinigten
Königreich und Zypern.

EUROPÄISCHES KOMITEE FÜR NORMUNG


EUROPEAN COMMITTEE FOR STANDARDIZATION
COMITÉ EUROPÉEN DE NORMALISATION

Management-Zentrum: Avenue Marnix 17, B-1000 Brüssel

© 2011 CEN Alle Rechte der Verwertung, gleich in welcher Form und in welchem Ref. Nr. EN ISO 26203-2:2011 D
Verfahren, sind weltweit den nationalen Mitgliedern von CEN vorbehalten.
DIN EN ISO 26203-2:2012-01
EN ISO 26203-2:2011 (D)

Inhalt
Seite

Vorwort ................................................................................................................................................................3
Einleitung .............................................................................................................................................................4
1 Anwendungsbereich .............................................................................................................................5
2 Normative Verweisungen ......................................................................................................................5
3 Begriffe ...................................................................................................................................................5
4 Symbole ..................................................................................................................................................5
5 Kurzbeschreibung .................................................................................................................................8
6 Prüfeinrichtungen ..................................................................................................................................8
7 Proben .....................................................................................................................................................8
7.1 Probenform .............................................................................................................................................8
7.2 Vorbereitung der Proben ......................................................................................................................9
8 Durchführung und Messungen ......................................................................................................... 10
8.1 Auswahl der Geschwindigkeit ........................................................................................................... 10
8.2 Kraftmessung ...................................................................................................................................... 10
8.3 Verlängerungsmessung ..................................................................................................................... 11
8.4 Datenerfassung ................................................................................................................................... 11
9 Auswertung der Prüfungen ............................................................................................................... 12
9.1 Spannung/Dehnung-Kurve ................................................................................................................ 12
9.2 Ermittlung von Kennwerten ............................................................................................................... 12
9.3 Dehngeschwindigkeiten ..................................................................................................................... 13
9.4 Bestimmung der Fließkurven ............................................................................................................ 14
10 Prüfbericht ........................................................................................................................................... 15
Anhang A (informativ) Prüfausrüstung .......................................................................................................... 16
Anhang B (informativ) Beispiele für Probenformen ..................................................................................... 18
Anhang C (informativ) Beispiel für eine technische Spannung/Dehnung-Kurve ...................................... 20
Literaturhinweise ............................................................................................................................................. 21

2
DIN EN ISO 26203-2:2012-01
EN ISO 26203-2:2011 (D)

Vorwort
Dieses Dokument (EN ISO 26203-2:2011) wurde vom Technischen Komitee ISO/TC 164 „Mechanical testing
of metals“ in Zusammenarbeit mit dem Technischen Komitee ECISS/TC ECISS/TC 101 „Prüfverfahren für
Stahl (andere als chemische Analysen)“ erarbeitet, dessen Sekretariat vom AFNOR gehalten wird.

Diese Europäische Norm muss den Status einer nationalen Norm erhalten, entweder durch Veröffentlichung
eines identischen Textes oder durch Anerkennung bis April 2012, und etwaige entgegenstehende nationale
Normen müssen bis April 2012 zurückgezogen werden.

Es wird auf die Möglichkeit hingewiesen, dass einige Texte dieses Dokuments Patentrechte berühren können.
CEN [und/oder CENELEC] sind nicht dafür verantwortlich, einige oder alle diesbezüglichen Patentrechte zu
identifizieren.

ISO 26203 besteht unter der Hauptüberschrift „Metallic materials — Tensile testing method at high strain
rates“ aus den folgenden Teilen:

 Part 1: Elastic bar type systems;

 Part 2: Servo-hydraulic and other test systems.

Entsprechend der CEN/CENELEC-Geschäftsordnung sind die nationalen Normungsinstitute der folgenden


Länder gehalten, diese Europäische Norm zu übernehmen: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland,
Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Island, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg,
Malta, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Schweiz, Slowakei,
Slowenien, Spanien, Tschechische Republik, Ungarn, Vereinigtes Königreich und Zypern.

Anerkennungsnotiz

Der Text von ISO 26203-2:2011 wurde vom CEN als EN ISO 26203-2:2011 ohne irgendeine Abänderung
genehmigt.

3
DIN EN ISO 26203-2:2012-01
EN ISO 26203-2:2011 (D)

Einleitung
Das Verformungsverhalten vieler technischer Werkstoffe zeigt einen positiven Dehngeschwindigkeitseffekt bis
zum duktilen Versagen, d. h. mit steigender Dehngeschwindigkeit kann eine Erhöhung der Streckgrenze und
Dehnung bis zum Versagen beobachtet werden. Diese Information ist für die verlässliche Beurteilung der
Crashsicherheit von Automobilstrukturen von großer Bedeutung. Das Crashverhalten wird in zunehmendem
Maße mittels numerischer Verfahren bewertet, um kostenintensive und zeitaufwändige Crashtests auf ein
Mindestmaß zu reduzieren. Für die numerische Simulation von Crashvorgängen werden Spannung/Dehnung-
Kurven bei höheren Dehngeschwindigkeiten benötigt. Die nach ISO 6892-1 bestimmten quasistatischen
Werte, d. h. bei Dehngeschwindigkeiten kleinergleich 0,008 s–1, sind für die Beschreibung des Verhaltens
des Werkstoffes eines Bauteils unter dynamischer Belastung nicht geeignet, d. h. bei Dehngeschwindigkeiten
die höher sind, als die der quasistatischen Prüfungen.

4
DIN EN ISO 26203-2:2012-01
EN ISO 26203-2:2011 (D)

1 Anwendungsbereich
Dieser Teil der ISO 26203 enthält Anforderungen zur Prüfung von metallischen Werkstoffen. Es sind lediglich
Beispiele für die Prüfung von Flachproben gegeben. Es können jedoch auch andere Geometrien geprüft
werden. Der Anwendungsbereich erstreckt sich über einen Dehngeschwindigkeitsbereich von 10–2 s–1 bis
103 s–1. Falls nicht anders festgelegt, werden die Prüfungen zwischen 10 °C und 35 °C und unter Anwendung
einer servohydraulischen Prüfmaschine durchgeführt.

ANMERKUNG 1 Messungen bei Dehngeschwindigkeiten unter 10–2 s–1 können unter Anwendung von Prüfmaschinen für
quasistatische Prüfungen durchgeführt werden.

ANMERKUNG 2 Für andere Prüfgeometrien als in 7.1 und in Anhang B dargestellt siehe ESIS P7 [1] und FAT-Richtlinie
[2].

2 Normative Verweisungen
Die folgenden zitierten Dokumente sind für die Anwendung dieses Dokuments erforderlich. Bei datierten
Verweisungen gilt nur die in Bezug genommene Ausgabe. Bei undatierten Verweisungen gilt die letzte
Ausgabe des in Bezug genommenen Dokuments (einschließlich aller Änderungen).

ISO 6892-1, Metallic materials — Tensile testing — Part 1: Method of test at room temperature

3 Begriffe
Für die Anwendung dieses Dokuments gelten die Begriffe nach ISO 6892-1.

4 Symbole
Für die Anwendung dieses Dokuments gelten die Symbole nach ISO 6892-1. Zusätzliche Symbole, Einheiten
und Beschreibungen werden in Tabelle 1 angegeben.

5
DIN EN ISO 26203-2:2012-01
EN ISO 26203-2:2011 (D)

Tabelle 1 — Symbole

Symbol Einheit Benennung


Probe
ao mm Anfangsdicke einer Flachzugprobe
bo mm Anfangsbreite einer Flachzugprobe im Bereich der Versuchslänge
bk mm Breite(n) des Einspannbereichs der Probe
Lo mm Anfangsmesslänge
Lc mm Versuchslänge (parallele Länge)
Le mm Extensometermesslänge
r mm Übergangsradius
So mm2 Anfangsquerschnitt im Bereich der Versuchslänge
Dynamometerbereich: Bereich an der fest eingespannten Probeseite,
SD mm2 an der nur elastische Verformungen während der Prüfung zulässig
sind
Zeit
t s Zeit

tf Dauer vom Beginn der Prüfung bis zum Zeitpunkt, an dem der Bruch
s
erfolgt
Dehnung (an der Probe gemessen)
Prozentuale Bruchdehnung
ANMERKUNG Bei nicht proportionalen Proben wird das Symbol A durch
A % einen Index ersetzt, durch den die Anfangsmesslänge in Millimeter
angegeben wird, z. B.: A20mm prozentuale Bruchdehnung für eine
Anfangsmesslänge Lo 20 mm.

(Extensometer)-Dehnung
Prozentuale plastische (Extensometer)-Dehnung bei Höchstkraft, Fm
Ag %
(plastische Dehnung bei Höchstkraft, Fm)

prozentuale gesamte (Extensometer)-Dehnung bei Höchstkraft, Fm


Agt %
(Gesamtdehnung bei Höchstkraft, Fm)

6
DIN EN ISO 26203-2:2012-01
EN ISO 26203-2:2011 (D)

Tabelle 1 (fortgesetzt)

Symbol Einheit Bezeichnung


Dehnung
e(t) % Zeitabhängige technische (Extensometer)-Dehnung
epl % Technische plastische (Extensometer)-Dehnung
et % Technische gesamte (Extensometer)-Dehnung

Hpl Wahre plastische Dehnung

Ht Wahre gesamte Dehnung


Geschwindigkeiten
vo mm s–1 Anfängliche Verschiebungsgeschwindigkeit

Nominelle technische Dehngeschwindigkeit voLc (siehe


ơnom s–1
Gleichung (1))
ơmean s–1 Mittlere technische Dehngeschwindigkeit Atf (siehe Gleichung (4))

ơ(t) s–1 Zeitabhängige technische Dehngeschwindigkeit de(t)dt


Mittelwert der zeitabhängigen technischen Dehngeschwindigkeit:
ơpl s–1 de(t)dt im Bereich zwischen dem Beginn des Fließens oder bei
1 % Dehnung und Dehnung bei maximaler Kraft (siehe Gleichung (5))

fu Obere Grenzfrequenz der entsprechenden Messeinrichtung (Kraft


Hz
oder Verlängerung)
Kraft
Fm N Höchstkraft (Höchstzugkraft)
Technische Spannung — wahre Spannung
R MPaa Technische Spannung
V MPa Wahre Spannung
Streckgrenze — Dehngrenze — Zugfestigkeit
ReL MPa Untere Streckgrenze
Rp MPa Dehngrenze
Rm MPa Zugfestigkeit
Elastizitätsmodul — Anstieg der Spannung/(Extensometer)-Dehnung-Kurve
E MPa Elastizitätsmodul

mE Anstieg der Spannung/(Extensometer)-Dehnung-Kurve im


MPa
elastischen Teilb
a 1 MPa 1 N/mm2.
b Im elastischen Teil der Spannung/Dehnung-Kurve kann der Anstiegswert dem Wert des Elastizitätsmoduls ziemlich genau
entsprechen, wenn optimale Bedingungen (hohe Auflösung, doppelseitige, mittelwertbildende Dehnungsmessgeräte, optimale
Ausrichtung der Probe usw.) vorliegen.

7
DIN EN ISO 26203-2:2012-01
EN ISO 26203-2:2011 (D)

5 Kurzbeschreibung
Die aus dem Spannung/Dehnung-Diagramm ermittelten Kennwerte von metallischen Werkstoffen werden bei
spezifischen plastischen Dehngeschwindigkeiten bestimmt.

Um Zugversuche bei Dehngeschwindigkeiten, die höher als die in ISO 6892-1 beschriebenen sind,
durchzuführen, müssen während der Messungen der Kraft und der Verlängerung der Anfangsmesslänge Lo
zusätzliche Anforderungen erfüllt werden, um verlässliche Spannung/Dehnung-Kurven bei
Hochgeschwindigkeitszugversuchen zu erhalten. Dieser Teil von ISO 26203 beschreibt die Anforderungen zur
Bestimmung und Auswertung der auftretenden Spannung und Dehnung im Kräftegleichgewicht während der
plastischen Verformung bei Dehngeschwindigkeiten bis zu 103 s–1.

6 Prüfeinrichtungen
Prüfmaschinen die den Anforderungen nach diesem Teil von ISO 26203 entsprechen, arbeiten nach dem
Prinzip, dass die für die Prüfung erforderliche kinetische Energie auf der nicht fest eingespannten Seite der
Probe eingeleitet wird (siehe Bild A.1). Die Kraftmessdose befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite der
Probe, welche fest eingespannt ist (siehe Bild A.1). Die Belastung bei hohen Dehngeschwindigkeiten ist
vorzugsweise stoßartig und deshalb ist es oft nicht möglich, dass die Probe fest im Kraftstrang der
Prüfmaschine angebracht werden kann. Für die Prüfung sind alle Prüfmaschinen geeignet, bei denen eine
konstante Dehngeschwindigkeit (innerhalb bestimmter Grenzen, siehe 9.3) während der gesamten Prüfung
möglich ist.

Die gebräuchlichsten Hochgeschwindigkeitsprüfmaschinen, die nach diesem Teil von ISO 26203 verwendet
werden, nutzen einen servohydraulischen Antrieb mit Vorlaufadapter [3]. Andere Systeme, wie zum Beispiel
Rotationsschlagwerke oder Fallwerke, dürfen ebenfalls genutzt werden, unter der Voraussetzung, dass die
Anforderungen nach diesem Teil von ISO 26203 erfüllt werden.

Eine axialsymmetrische, parallele Ausrichtung der Proben im Kraftstrang muss sichergestellt werden, um
Biegemomente zu vermeiden. Die Ausrichtung des Kraftstranges darf nach ASTM E 1012 [4] durchgeführt
werden.

Aus mechanischer Sicht sollte der Kraftstrang steif und leicht ausgeführt sein. Dies ermöglicht es, kurze
Beschleunigungszeiten sicherzustellen, während gleichzeitig die Eigenfrequenzen der Einspannvorrichtung
und der Kraftmessdose auf dem höchstmöglichen Niveau gehalten werden.

7 Proben

7.1 Probenform
Flachzugproben werden zur dynamischen Prüfung von Blechwerkstoffen verwendet. Die in der Messlänge der
Probe erreichte Dehngeschwindigkeit hängt sowohl von der verwendeten Verschiebungsgeschwindigkeit als
auch von der Versuchslänge ab. Eine Probe mit einer kürzeren Versuchslänge ermöglicht höhere
Dehngeschwindigkeiten. Eine Versuchslänge, Lc, muss jedoch beibehalten werden (siehe Bild 1), so dass
sich der Probenbereich der Anfangsmesslänge, Lo, in einem einachsigen Spannungszustand befindet.
Deshalb sind die empfohlenen Größen für die Versuchslänge, Lc, die Breite, bo, die Dicke, ao und den
Übergangsradius, r, der Probe wie folgt:

 Lobo t 2;

 Lc t Lo  bo2;

 boao t 2;

 bobk d 0,5;

 r t 10 mm.

8
DIN EN ISO 26203-2:2012-01
EN ISO 26203-2:2011 (D)

Dabei ist bk die Breite des Einspannbereiches.

In Anhang B sind Beispiele für häufig angewendete Probenmaße angegeben, die auf den Maßen in
ISO 6892-1 basieren. Sonstige Probenformen (z. B. ISO 26203-1, ESIS P7 und FAT-Richtlinie) können
angewendet werden, wenn diese zwischen den beteiligten Parteien vereinbart wurden.

Legende
1 Dehnungsmessstreifen
ao Anfangsdicke
bo Anfangsbreite im Bereich der Versuchslänge
bk Breite des Einspannbereiches
Lc Versuchslänge
Le Gerätemesslänge
Lo Ausgangsmesslänge
r Übergansradius

Bild 1 — Charakteristische Probenmaße

ANMERKUNG Um ein Kräftegleichgewicht bei geringer Dehnung (zu Beginn der Prüfung) für hohe
Dehngeschwindigkeiten bis zu 103 s–1 zu erreichen, ist es wichtig, eine entsprechende Probenlänge auszuwählen.

Die Enden der Proben müssen konstruktiv so ausgeführt sein, dass sie in die vorhandenen Einspann-
vorrichtungen passen. Die Maße der Probenenden müssen so gewählt werden, dass während der Prüfung
nur elastische Verformungen innerhalb der Probenenden auftreten.

Kraftmessungen, die mit Hilfe an der Probe angebrachter Dehnungsmessstreifen (siehe Bild 1) erfolgen,
erfordern einen Dynamometerbereich (siehe [1] und [5]). Der Dynamometerbereich liegt am eingespannten
Ende der Probe. Eine plastische Verformung innerhalb des Dynamometerbereichs ist nicht zulässig.

Das Probendesign sollte vor der Hochgeschwindigkeitsprüfung validiert werden. Die Validierung kann
typischerweise quasistatische Prüfungen der Proben für die Hochgeschwindigkeitsprüfung innerhalb der in
ISO 6892-1 festgelegten Dehngeschwindigkeitsgrenzen beinhalten. Die Werkstoffeigenschaften, die mit Hilfe
dieser Prüfung ermittelt werden, sollten mit denen verglichen werden, die mit Hilfe des Probendesigns, des
Prüfverfahrens und einer Prüfmaschine nach ISO 6892-1 ermittelt werden.

7.2 Vorbereitung der Proben

Die Anleitungen und Bemerkungen zur Herstellung von Flachzugproben in ISO 6892-1:2009, Anhang B, sind
zu befolgen. Zusätzlich sollte spezielle Sorgfalt betrieben werden, um Verfestigungen an den bearbeiteten
Kanten zu vermieden. Funkenerodieren, Wasserstrahlschneiden, Fräsen oder sonstige Verfahren, die das
Auftreten verfestigter Kanten, die Oberflächenrauheit und den Verzug der Proben reduzieren, werden
empfohlen. Die Oberflächen der Blechproben sollten im Anlieferungszustand belassen werden. Die
Oberflächenrauheit der bearbeiteten Kanten muss minimiert werden.

9
DIN EN ISO 26203-2:2012-01
EN ISO 26203-2:2011 (D)

8 Durchführung und Messungen

8.1 Auswahl der Geschwindigkeit

Die Kolbengeschwindigkeit wird vor der Hochgeschwindigkeitsprüfung so gewählt, dass die gewünschte
Dehngeschwindigkeit in der Versuchslänge der Probe erreicht wird. Eine anfängliche
Verschiebungsgeschwindigkeit vo ermöglicht die Schätzung der erreichbaren nominellen technischen
Dehngeschwindigkeit unter Anwendung von Gleichung (1):

ơnom voLc (1)

dabei ist Lc die Versuchslänge der Probe.

Die während des Versuchs aufgezeichnete Dehngeschwindigkeit wird vom abgeschätzten Wert (siehe 9.3)
auf Grund der Nachgiebigkeit des Kraftstranges abweichen.

ANMERKUNG Bei Fallwerken wird die Geschwindigkeit durch eine Berechnung ermittelt, die auf der Fallhöhe basiert.

Das Werkstoffverhalten wird von der Dehngeschwindigkeit in der Versuchslänge der Probe während des
Versuchs maßgeblich bestimmt. Daher besteht das Ziel des Prüfverfahrens darin, dass die Prüfungen bei
einer konstanten Dehngeschwindigkeit in der Versuchslänge der Probe (siehe 9.3) durchgeführt werden und
nicht unbedingt bei einer konstanten Geschwindigkeit des Kolbens.

8.2 Kraftmessung

Die Eigenfrequenz von piezoelektrischen Kraftmessdosen ist üblicherweise ausreichend hoch für eine genaue
Kraftmessung bei niedrigen Dehngeschwindigkeiten. Für Kraftmessungen bei Dehngeschwindigkeiten, die
größer als etwa 50 s–1 sind, wird empfohlen, entweder mittels Dehnungsmessstreifen in einem Bereich der
Probe, der einer rein elastischen Verformung (Dynamometerbereich, siehe Bild 1) ausgesetzt wird, oder
mittels lokaler Kraftmessdose, beispielsweise einem Dehnungsmessstreifen, der an der festen Einspannung
angebracht ist ([2], [6], [7] und [8]), zu arbeiten.

Die spontane Kraftübertragung auf eine Probe bei hohen Dehngeschwindigkeiten bewirkt, dass in der Probe
und in Teilen der Prüfmaschine Schwingungen auftreten, deren Intensität sich mit steigender
Kolbengeschwindigkeit erhöht. Diese Schwingungen können entweder Longitudinal- oder Biegeschwingungen
sein. Sie werden als Oszillationen registriert, die das Kraftsignal und somit die Spannung/Dehnung-Kurve
überlagern. Auch das werkstoffinhärente Verformungsverhalten kann als Phänomen ähnlich den
„Oszillationen des Kraftsignals“ (diskontinuierliches Fließen verbunden mit der Ausbreitung von Lüders-
Bändern, dynamische Reckalterung, Bildung von Verformungszwillingen usw.) auftreten.

Die Vermeidung oder zumindest Verminderung von Schwingungen im Kraftsignal ist ein wichtiges Kriterium
bei der Auswahl des dynamometrischen Verfahrens. Im Allgemeinen kann festgestellt werden, dass die
Schwingungen um so stärker sind, je weiter die Kraft außerhalb der Messlänge gemessen wird und/oder je
höher die Prüfgeschwindigkeit der Maschine ist.

Es kann vorteilhaft sein, einen Dehnungsmessstreifen an jeder Seite der Probe anzubringen, um den Anteil
der Schwingungen zu bestimmen, der durch Biegung entsteht. Jedes Signal wird gesondert ausgewertet, um
jegliche Biegeanteile zu beurteilen. Dämpfungselemente im Kraftstrang zur Minimierung der auftretenden
Schwingungen sollten mit Vorsicht verwendet werden. Dämpfung reduziert die Dehngeschwindigkeit zu
Beginn der Prüfung, was wiederum einen Einfluss auf die Streckgrenze haben kann.

Die Kalibrierung der Dynamometer-Kraftmesseinrichtung sollte auf geeignete Art und Weise durchgeführt
werden. Proben, an denen Dehnungsmessstreifen angebracht sind, können quasistatisch kalibriert werden.
Zu diesem Zweck wird eine Probe einer Kraft ausgesetzt, die höchstens 2/3 der Streckgrenze oder der
Dehngrenze entspricht, um den Kalibrierfaktor zu bestimmen. Weitere Verfahren zur Kalibrierung der Kraft
sind in den Literaturhinweisen [2], [9] und [10] beschrieben.

10
DIN EN ISO 26203-2:2012-01
EN ISO 26203-2:2011 (D)

Bei Prüfungen mit Dehngeschwindigkeiten kleiner als 10 s–1 muss die obere Grenzfrequenz fu (3 dB)
mindestens 10 kHz betragen. Bei höheren Dehngeschwindigkeiten gilt die Gleichung (2) nach ESIS P7 [1]:

fu t 1 000 u ơ (2)

Dabei ist

fu die obere Grenzfrequenz der Kraftmesseinrichtung;

ơ die Dehngeschwindigkeit.

8.3 Verlängerungsmessung

Für zuverlässige Messungen der Verlängerung im Bereich der Anfangsmesslänge werden unterschiedliche
Messeinrichtungen angewendet. Üblicherweise können bis zu Dehngeschwindigkeiten von etwa 1 s–1
mechanische Ansatzdehnungsaufnehmer verwendet werden. Für Dehngeschwindigkeiten höher als 1 s–1
müssen diese mechanischen Ansatzdehnungsaufnehmer durch trägheitsfreie Messsysteme ersetzt werden.
Dazu eignen sich z. B. Dehnungsmessstreifen, elektro-optische Extensometer, Lasermesssysteme oder die
Hochgeschwindigkeitsphotographie.

ANMERKUNG Die Bestimmung der Dehnung mit Hilfe der Kolbenverschiebung (LVDT, en: linear variable differential
transformer) oder durch andere Messungen außerhalb der Anfangsmesslänge, Lo, wird nicht empfohlen. Diese können
nur angewendet werden, wenn die Steifigkeit der Maschine und der Elemente des Kraftstranges entsprechend
berücksichtigt wurden.

Es ist wünschenswert, dass die gesamte Prüfung unter Anwendung ausschließlich einer Messtechnik
durchgeführt wird. Wenn dies nicht möglich oder eine höhere Messgenauigkeit erforderlich ist, dürfen mehrere
Verfahren miteinander kombiniert werden. Bei Prüfungen innerhalb der Gleichmaßdehnung ist es zulässig,
eine Gerätemesslänge, Le, zu verwenden, die kürzer als die Anfangsmesslänge, Lo, ist, wenn die
Homogenität im Werkstoffverhalten ausreichend ist. Die wahre Dehnung darf auch direkt mit geeigneten
Messgeräten aufgezeichnet werden.

Die Kalibrierung der Einrichtung zur Messung des Weges/der Dehnung muss auf eine geeignete Art und
Weise durchgeführt werden.

Bei Prüfungen mit Dehngeschwindigkeiten, die kleiner als 10 s–1 sind, muss die Grenzfrequenz fu (3 dB)
mindestens 1 kHz betragen. Bei höheren Dehngeschwindigkeiten gilt Gleichung 3 (siehe [1]):

fu t 100 u ơ (3)

Dabei ist

fu die obere Grenzfrequenz der Verlängerungsmesseinrichtung;

ơ die Dehngeschwindigkeit.

Es wird grundsätzlich empfohlen, die prozentuale Bruchdehnung mittels Markierungen zu bestimmen, die vor
der Prüfung wie in ISO 6892-1 angegeben auf der Probe aufgebracht wurden. Diese Markierungen sind so
aufzubringen, dass sie keine Auswirkungen auf das Verformungsverhalten haben.

8.4 Datenerfassung

Die Daten bezüglich der Kraft- und der Weg-/Dehnungsmessung werden mit einer Abtastrate von mindestens
dem 4fachen der Grenzfrequenz der Kraftmessung aufgezeichnet. Diese Daten werden als Rohdaten
bezeichnet und sind ein wesentlicher Teil des Prüfergebnisses. Die Anzahl der Datenpaare darf für die
anschließende Auswertung reduziert werden.

11
DIN EN ISO 26203-2:2012-01
EN ISO 26203-2:2011 (D)

9 Auswertung der Prüfungen

9.1 Spannung/Dehnung-Kurve

Auf ähnliche Art und Weise wie bei den quasistatischen Prüfungen in Übereinstimmung mit ISO 6892-1
werden Kraft, Verlängerung und Dehnung sowie die Spannung/Dehnung-Kurve bestimmt.

Die Spannung/Dehnung-Kurve wird aus den ursprünglich gemessenen Signalen berechnet. Für die weitere
Auswertung ist es vorteilhaft, dass für die Dauer der Prüfung ein monoton ansteigendes Dehnungssignal
vorhanden ist. Wenn dies in Bezug auf die Messung aus technischen Gründen nicht möglich ist (z. B. durch
eine Störung des Signals), kann über verschiedene Verfahren ein monotones Signal erhalten werden, z. B.
durch Bildung eines gleitenden Mittelwertes, Polynom- oder Spline-Approximation oder durch Filterung. Wenn
jedoch andere prüfungsbezogene Faktoren verantwortlich sind, wie z. B. eine Verringerung der
Geschwindigkeit, dürfen diese Verfahren nur bedingt angewendet werden. In diesen Fällen müssen die
Auswirkungen auf die Änderung der Dehngeschwindigkeit während der Prüfung (siehe 9.3) überprüft werden.
Der Anwender der Prüfergebnisse ist für die Auswertung der Spannung/Dehnung-Kurve in Bezug auf
Schwingungen im Kraftsignal verantwortlich.

Für weitere Auswertungen, beispielsweise für die Bestimmung von Kennwerten und die Erstellung einer
Spannung/Dehnung-Kurve für FE (Finite Elemente)-Berechnungen, kann eine geglättete Spannung/Dehnung-
Kurve erforderlich sein. Das kann mittels unterschiedlicher Verfahren erreicht werden, beispielsweise durch
Bildung eines gleitenden Mittelwerts, Polynom- oder Spline-Approximation oder durch Filterung. Die Auswahl
eines Glättungsverfahrens hängt von unterschiedlichen Voraussetzungen ab, z. B. von der Form der Kurve,
der Amplitude der Schwingungen oder von der Anzahl und Verteilung der gemessenen Werte. Es muss
grundsätzlich herausgestellt werden, dass die Anwendung eines derartigen Glättungsverfahrens die Gefahr
eines Informationsverlustes oder einer subjektiven Bewertung in sich birgt. Es muss im Prüfbericht angegeben
werden, ob und wie die Daten gefiltert oder nachträglich bearbeitet werden.

Ein Beispiel für ein Glättungsverfahren zur Filterung von Schwingungen im Signal der Kraftmesszelle ist in
[11] und [12] beschrieben.

ANMERKUNG Vor der Filterung, dem Glätten usw. ist es erforderlich, die maschinenbezogenen Parameter zu
optimieren, wie beispielsweise die Einspannung und/oder die Ausrichtung des Vorlaufadapters, um Rohdaten in
ausreichender Qualität zu erhalten.

9.2 Ermittlung von Kennwerten

Bei Hochgeschwindigkeitszugversuchen werden die mechanischen Kennwerte wie untere Streckgrenze, ReL,
oder Dehngrenze, Rp, Zugfestigkeit, Rm, Gleichmaßdehnung, Ag, und Bruchdehnung, A, aus der
Spannung/Dehnung-Kurve nach den Definitionen und Bezeichnungen der ISO 6892-1 ermittelt.

Die Dehngrenze, Rp, kann als Rp0,2 bei einem plastischen Dehnungswert von 0,2 % (nach ISO 6892-1) und
zusätzlich bei höheren plastischen Dehnungswerten (z. B. 1 %, 2 % oder 3 %) ermittelt und mit der jeweils
eindeutigen Bezeichnung angegeben werden. Rp3 hat sich (zusätzlich zu Rp0,2) als vorteilhafter
Vergleichswert erwiesen. Bei Unsicherheiten bei der Bestimmung von Rp0,2, z. B. aufgrund von
Schwingungen mit hohen Amplituden (größer als r 5 % des Rm-Wertes), sollte auf die Bestimmung verzichtet
werden. Stattdessen sollten Dehngrenzen bei höheren Dehnungswerten angegeben werden. Die
Messunsicherheit des Dehngrenzenwertes nimmt mit zunehmender Dehnung aufgrund geringer werdender
Amplituden ab.

Im Unterschied zur oberen Streckgrenze ist bei dynamischen Versuchen die untere Streckgrenze, ReL, als ein
Werkstoffkennwert anzusehen. Im Unterschied zu ISO 6892-1 ist ReL als Mittelwert der Spannung während
des plastischen Fließens vor Einsetzen der Verfestigung definiert. Wenn der Wert aufgrund von
Schwingungen im Kraftsignal nicht wie festgelegt verlässlich bestimmt werden kann, wird er nicht angegeben,
und es werden nur Werte bei höheren plastischen Dehnungen ermittelt.

12
DIN EN ISO 26203-2:2012-01
EN ISO 26203-2:2011 (D)

Die Zugfestigkeit, Rm, bezeichnet das Maximum der Spannung/Dehnung-Kurve, wie in 9.1 beschrieben. Die
prozentuale gesamte Dehnung bei Höchstkraft, Agt, ist analog zum quasistatischen Zugversuch die zur
Zugfestigkeit zugehörige Dehnung.

Es ist grundsätzlich zu empfehlen, die Bruchdehnung A, wie in ISO 6892-1 beschrieben, aus den vor dem
Versuch auf der Probe aufgebrachten Markierungen zu bestimmen.

Alternativ dazu kann die prozentuale Bruchdehnung aus der Spannung/Dehnung-Kurve zum Zeitpunkt des
Bruches abgelesen werden, sofern die Verlängerung der Ausgangsmesslänge, Lo, mit herkömmlichen
Verfahren zur Bruchdehnungsbestimmung ermittelt werden kann. Gleichzeitig sollte jedoch noch die
prozentuale Bruchdehnung mit Markierungen bestimmt werden, die vor der Prüfung auf der Probe
aufgebracht werden. Wenn die prozentuale Bruchdehnung weniger als 5 % beträgt, ist der Wert aus der
Spannung/Dehnung-Kurve zu verwenden.

9.3 Dehngeschwindigkeiten

Zusätzlich zur nominellen technischen Dehngeschwindigkeit nach Gleichung (1) kann die bei einer Prüfung
erhaltene mittlere technische Dehngeschwindigkeit aus der prozentualen Bruchdehnung A und der Zeitdauer
bis zum Bruch tf wie folgt berechnet werden:

ơmean Atf (4)

Dieser Kennwert weicht in Abhängigkeit von der Nachgiebigkeit der Einspanneinrichtung oder der
Verformbarkeit des Werkstoffes von der nominellen technischen Dehngeschwindigkeit ab. Er liefert auch
keine Aussagen über die lokale Dehngeschwindigkeit im Einschnürbereich der Probe.

Das zeitabhängige technische Dehngeschwindigkeitssignal ơ(t), das durch Differentiation des


Dehnungssignals bestimmt wird, liefert genauere Angaben zur Änderung der Dehngeschwindigkeit während
des gesamten Versuchs. Diese zeitabhängige (bzw. dehnungsabhängige) Dehngeschwindigkeitskurve ist
erforderlich, um beispielsweise festzustellen, ob die angestrebte Dehngeschwindigkeit des Versuchs bei der
Streckgrenze (siehe Bild C.1) bereits erreicht ist.

Ein wichtiger physikalischer Parameter ist der Mittelwert der zeitabhängigen technischen
Dehngeschwindigkeit im Bereich der Verfestigung, ơpl, der als Durchschnittswert der Dehngeschwindigkeit im
Bereich zwischen dem Zeitpunkt, an dem die Streckgrenze bzw. 1 % Dehnung erreicht ist, t (Beginn der
Verfestigung), und dem Zeitpunkt, an dem die maximale Kraft erreicht ist, t(Fm), ermittelt wird (siehe Bild C.1):

ơpl M {ơ(tsoh)… ơ(t(Fm))} (5)

Dabei ist

M der arithmetische Mittelwert der Funktion ơ(t);

ơ(t) ist der Datensatz der abgeleiteten technischen Dehnung in Bezug auf die Zeit;

tsoh der Zeitpunkt beim Beginn der Verfestigung;

t(Fm) der Zeitpunkt der maximalen Kraft.

Diese Dehngeschwindigkeit wird auch als „charakteristische Dehngeschwindigkeit“ bezeichnet und in


Berichten angegeben. Wenn die nominelle und die mittlere technische Dehngeschwindigkeit nicht mehr als
10 % voneinander abweichen, darf die mittlere technische Dehngeschwindigkeit als charakteristische
Dehngeschwindigkeit genutzt werden. Ist die Differenz zwischen diesen beiden Werten größer, sollte die
zeitabhängige technische Dehngeschwindigkeitskurve, ơ(t), ermittelt und diskutiert werden.

13
DIN EN ISO 26203-2:2012-01
EN ISO 26203-2:2011 (D)

Für einen qualifizierten Versuch mit einer ausreichend konstanten Dehngeschwindigkeit wird gefordert, dass
die Abweichung zwischen der zeitabhängigen technischen Dehngeschwindigkeit und der charakteristischen
Dehngeschwindigkeit vom Beginn der Verfestigung bis zu dem Zeitpunkt, an dem die maximale Kraft erreicht
wurde, weniger als 30 % beträgt (siehe Bild C.1).

ANMERKUNG Trotz einer fast konstanten Kolbengeschwindigkeit variiert in Hochgeschwindigkeitszugversuchen die


tatsächliche Dehngeschwindigkeit mit der technischen Dehnung (siehe zum Beispiel Bild C.1). Da die
Dehngeschwindigkeit im elastischen Bereich von Null an zunimmt, ist dort die mittlere Dehngeschwindigkeit geringer als
die nominelle technische Dehngeschwindigkeit. Beim Beginn der plastischen Verformung werden Variationen in der
tatsächlichen Dehngeschwindigkeit beobachtet, die von der Nachgiebigkeitscharakteristik des Belastungssystems und
möglichen Variationen der Kolbengeschwindigkeit aufgrund der Einkopplung des Vorlaufadapters herrühren. Dieses
Verhalten ist in hohem Maße abhängig von den Werkstoffeigenschaften, d.h. einer ausgeprägten oberen und unteren
Streckgrenze, Kaltverfestigung, Duktilität und Empfindlichkeit für adiabatische Erwärmung. Im Anschluss an den Bereich
der Gleichmaßdehnung führt eine Verformungslokalisierung zu höheren Dehngeschwindigkeiten, die deutlich von der
nominellen technischen Dehngeschwindigkeit abweichen.

Das Festlegen des Mittelwertes für die Dehngeschwindigkeit zwischen dem Beginn des Fließens oder bei
einer Dehnung von 1 % und der Dehnung bei maximaler Kraft ist nicht sinnvoll, wenn die Dehnung bei
maximaler Kraft sehr gering ist. In diesem Fall kann das Festlegen eines speziellen Dehnungsbereiches eine
mögliche Alternative sein, um den Mittelwert der Dehngeschwindigkeit (z. B. zwischen 3 % und 10 % der
Dehnung) zu bestimmen.

9.4 Bestimmung der Fließkurven

Die Gleichungen (6), (7) und (8) gelten nur bei isotropem Werkstoffverhalten.

Unter der Annahme, dass bis zum Erreichen der maximalen Kraft ein konstantes Volumen vorliegt, ist es
möglich, eine Fließkurve zu berechnen. Dies erfolgt entweder auf Grundlage nur der plastischen Verformung
(siehe Gleichung (6) und (7)) oder auf Grundlage der Gesamtdehnung (elastisch und plastisch) (siehe
Gleichung (8)-). (Bei einigen FE-Codes ist die Gesamtdehnung für Fließkurven als Basis erforderlich.)

In Abhängigkeit davon, ob elastische Anteile der gemessenen Dehnung berücksichtigt werden oder nicht,
ergeben sich unterschiedliche Definitionen der Fließkurven.

Die Fließkurve aus der plastischen Verformung wird erhalten, wenn ausschließlich Werte der plastischen
Dehnung berücksichtigt werden. Die Werte der wahren Spannung und der wahren Dehnung bis zur
Gleichmaßdehnung werden aus den Gleichungen (6) und (7) erhalten:

Hpl ln (1  et  R/E)  җ

V R (1  et) (7)

Ht ln (1  et) (8)

14
DIN EN ISO 26203-2:2012-01
EN ISO 26203-2:2011 (D)

10 Prüfbericht
Alle maßgeblichen Angaben in Bezug auf das Prüfverfahren und die Prüfergebnisse sind zu dokumentieren.
Der Prüfbericht muss Angaben zu den folgenden maßgeblichen Punkten enthalten.

a) Verweisung auf diesen Teil von ISO 26203, d. h. ISO 26203-2:2011;

b) Werkstoffbezeichnung und Angaben zum Werkstoffzustand, falls bekannt;

c) Form und Maße der Proben;

d) Bezeichnung der Proben;

e) Lage und Ausrichtung der Probe, falls bekannt;

f) Prüfmaschine;

g) Kraft-Messtechnik;

h) Messtechnik für die Verlängerung in der Versuchslänge (zur Berechnung der Dehnung);

i) Prüfbedingungen (Temperatur; nominelle, mittlere und charakteristische Dehngeschwindigkeit);

j) Angaben zur Verarbeitung von Rohdaten (Glätten, Anpassen usw.);

k) Prüfergebnisse (Kennwerte für Festigkeit und Duktilität, Spannung/Dehnung-Kurven).

Durch Vereinbarung zwischen den beteiligten Parteien dürfen die ermittelten Kennwerte und Rohdaten von
Spannung/Dehnung- und Fließkurven in einem geeigneten Format zur Verfügung gestellt werden, damit sie in
Datenbanken integriert werden können.

ANMERKUNG In Bild C.1 ist ein Beispiel für eine technische Spannung/Dehnung-Kurve dargestellt, die bei einer
Soll-Dehngeschwindigkeit von 250 s1 in einem Hochgeschwindigkeitszugversuch, welcher Teil eines Ringversuchs [13]
des VDEh 1) war, gemessen wurde. Die Spannung wurde mit Dehnungsmessstreifen im Dynamometerbereich der Probe
gemessen, während die Dehnung optisch im Bereich der Messlänge gemessen wurde. In diesem Beispiel ist ein
Kraftsignal mit überlagerten Schwingungen mit ausreichend kleinen Amplituden (kleiner als r 5 % des gemittelten Signals)
dargestellt. Deshalb ist es möglich, die Kurve nach dem Fließen mit ausreichender Genauigkeit durch eine Polynomkurve
(in diesem Fall ein Polynom zweiter Ordnung) darzustellen. Der durch Differentiation der aufgezeichneten Dehnung
bestimmte Mittelwert der zeitabhängigen technischen Dehngeschwindigkeit ist zusätzlich dargestellt. Diese
Dehngeschwindigkeit liegt zwischen dem Beginn des Fließens innerhalb der gesamten Gleichmaßdehnung im
Toleranzbereich von r 30 % des Sollwertes für die Dehngeschwindigkeit von 250 s1.

Bild C.1 darf als ein empfohlenes Beispiel einer entsprechenden graphischen Darstellung von Ergebnissen aus
Zugversuchen bei hohen Dehngeschwindigkeiten angesehen werden.

1) VDEh, Verein Deutscher Eisenhüttenleute (en: German Iron and Steel Institute), Sohnstraße 65, D-40237 Düsseldorf

15
DIN EN ISO 26203-2:2012-01
EN ISO 26203-2:2011 (D)

Anhang A
(informativ)

Prüfausrüstung

Legende
1 Kraftmessdose
2 Ortsfeste Einspannung
3 Probe
4 Beschleunigte Probeneinspannung
5 Vorlaufadapter
6 Prüfzylinder
7 Wegaufnehmer

ANMERKUNG Siehe [14]

Bild A.1 — Beispiel einer Prüfmaschine für Hochgeschwindigkeitszugversuche — Schematische


Darstellung

16
DIN EN ISO 26203-2:2012-01
EN ISO 26203-2:2011 (D)

a) Beispiel 1 b) Beispiel 2 c) Beispiel 3


Legende
1 Kraftmessdose
2 Ortsfeste Einspannung
3 Probe
4 Vorspanneinrichtung
5 Keilförmige Spannbacken, verschraubt
6 Dämpfungsscheibe
7 Vorlaufgestänge
8 Vorlaufadapter
9 Kolbenstange

ANMERKUNG Siehe [14]

Bild A.2 — Beispiel für Einspannsysteme für Hochgeschwindigkeitszugversuche mit


verschiedenartigen Anordnungen zur Beschleunigung der Kolbenstange und des Vorlaufadapters —
Schematische Darstellung

17
DIN EN ISO 26203-2:2012-01
EN ISO 26203-2:2011 (D)

Anhang B
(informativ)

Beispiele für Probenformen

In den folgenden Beispielen sind verschiedene Probenformen dargestellt, die während der Ringversuche
verwendet wurden, die wiederum zur Unterstützung der Prüfrichtlinien ESIS P7 [1] und SEP 1230 [14]
durchgeführt wurden.
Maße in Millimeter

Bild B.1 — Probenform — Beispiel 1

Maße in Millimeter

Bild B.2 — Probenform — Beispiel 2

18
DIN EN ISO 26203-2:2012-01
EN ISO 26203-2:2011 (D)

Maße in Millimeter

Bild B.3 — Probenform — Beispiel 3

Maße in Millimeter

Bild B.4 — Probenform — Beispiel 4

19
DIN EN ISO 26203-2:2012-01
EN ISO 26203-2:2011 (D)

Anhang C
(informativ)

Beispiel für eine technische Spannung/Dehnung-Kurve

Legende
e Technische Dehnung, (%)
R Technische Spannung, (MPa)
ơ Technische Dehngeschwindigkeit, (s–1)
1 Technische Spannung/Dehnung-Kurve (gestrichelte Linie: Polynomanpassung)
2 Charakteristische Dehngeschwindigkeit 250 s1 r 30 % (d. h.: Mittelwert zwischen Rp0,2 bzw. ReL und
Rm)
3 Zeit-/dehnungsabhängige Dehngeschwindigkeit, ơ

ANMERKUNG Siehe [13]

Bild C.1 — Beispiel einer technischen Spannung/Dehnung-Kurve und der entsprechenden


Dehngeschwindigkeitskurve, bestimmt bei einer Hochgeschwindigkeitsprüfung mit einem Sollwert der
Dehngeschwindigkeit von 250 s1

20
DIN EN ISO 26203-2:2012-01
EN ISO 26203-2:2011 (D)

Literaturhinweise

[1] ESIS P7-00, Procedure for dynamic tensile tests, European Structural Integrity Society, August 2000

[2] BÖHME, W.: FAT-Richtlinie, Dynamische Werkstoffkennwerte für die Crashsimulation, MP Materials
Testing, Carl Hanser Verlag, München, 50(4), 2008, S. 199-205

[3] BORSUTZKI, M: Hochgeschwindigkeitszugversuche an Stahl: eine Übersicht von der Technik bis zur
Normung, Tagungsband Werkstoffprüfung 2008, Hrsg. FRENZ, H. und GRELLMANN, W., DVM Bericht
642, Berlin, 2008, S. 153-161

[4] ASTM E 1012, Standard Practice for Verification of Test Frame and Specimen Alignment under
Tensile and Compressive Axial Force Application

[5] BÖHME, W., SUN, D.Z., SCHMITT, W and HÖNIG, A.: Application of Micromechanical Material Models to
the Evaluation of Charpy Tests, ASME Symposium, Phoenix, Arizona, April 28 - May 1, 1992, Eds.:
GIOVANOLA, J. H. and ROSAKIS, A. J., AMD, 137, Book No. H00741, 1992, pp. 203-216

[6] BAER, W. und HÄCKER, R.: Werkstoffcharakterisierung von Gusseisenwerkstoffen mit Kugelgraphit —
Dynamische Zugversuche unter dem Aspekt der Bauteilsicherheitsbewertung, MP Materials
Testing, 47(12), 2005, S. 34-44

[7] ROOS, E. und MAYER, U.: Ermittlung von Fließkurven an Blechen bei hohen Dehnungsgeschwindig-
keiten, MP Materials Testing, 44, 2002, S. 176-178

[8] ROOS, E. und MAYER, U.: Progress in testing sheet material at high strain rates, J. Phys IV France,
110, EDP Sciences, 2003, Seiten 495-500

[9] W OOD, P.K.C. und SCHLEY, C.A.: Strain Rate Testing of Metallic Materials and their Modelling for Use
in CAE Based Automotive Crash Simulation Tools (Recommendations and Procedures), Smithers,
Rapra, 2009

[10] W OOD, P.K.C., SCHLEY, C.A., W ILLIAMS, M.A., BEAUMONT, R., RUSINEK, A., MAYER, U., PEARCE, A.: A
method to calibrate a specimen with strain gauges to measure force over the full range of loading in
high rate testing, Dymat 2009, 7. bis 11. September 2009, Brüssel

[11] ROEBUCK, B., LOVEDAY, M.S., CHASTEL, Y., FIORUCCI, C. and DAL NEGRO, T.: Measurement of Flow
Stress at High Temperature in Solid Torsion Tests (NPL Good Practice Guide No. 58, Mai 2003)
Materials at High Temperatures, 23(2), 2006, S. 119-144

[12] LOVEDAY, M.S. und ROEBUCK, B.: Measurement of High Temperature Flow Stress at Medium to High
Strain Rates, a General Introduction, Metallic Materials: Materials at High Temperatures, 23(2), 2006,
S. 55-58

[13] BÖHME, W., BORSUTZKI, M., DÜPMEIER, T., HÄCKER, R., LAROUR, P., MAYER, U., GEISLER, S.:
Ergebnisse eines VDEh-Ringversuchs zum Stahl-Eisen-Prüfblatt SEP 1230 „Hochgeschwindigkeits-
versuche“, Tagungsband Werkstoffprüfung 2005, DVM, Berlin, 2005, S. 181-188

[14] SEP 1230, Ermittlung mechanischer Eigenschaften an Blechwerkstoffen bei hohen Dehnraten im
Hochgeschwindigkeitsdehnversuch, Stahl-Eisen-Prüfblatt (SEP) des Stahlinstituts VDEh, Düsseldorf,
August 2006

21