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Gliederung

C. ERKLÄRUNG DER ORGANISATION


6. Theorien der Organisation
6.1 Überblick
6.2 Ausgewählte Ansätze

348
Überblick: Notwendigkeit von Theorien

Wissenschaft Praxis
Schaffen von Wissen über
Organisation realer
Ziel Organisation realer
Unternehmen
Unternehmen
Beschreibung
(Wie wird Organisation -
betrieben?)
Aufgaben Erklärung
(Fragen) (Warum wird [soll] Organi- -
sation so betrieben [werden]?)
Gestaltung[shinweise] Gestaltung
(Wie soll Organisation (Wie soll Organisation
betrieben werden?) betrieben werden?)

Theorien (und Empirie) Methoden (und Technologien)


Methode
der Organisation der Organisation

349
Überblick: Notwendigkeit von Theorien

Praxeologische Theoretische
Organisationslehre Organisationslehre
explikative Aussagen über
präskriptive Sammlung von
institutionale Phänomene
Handlungsempfehlungen
Ausgestaltung und Deduktion daran
(»Rezepte«) zur
ausgerichteter
funktionalen Organisation
Handlungsempfehlungen

Erklärung und (danach!)


Ziel Gestaltung
Gestaltung

Parabel für die Unzulänglichkeit einer rein »praxeologischen« Organisati-


onslehre:
»Roast Pigeon Problem«
(nach R. KANTER)
350
Überblick: Definition und Kategorisierung Organisationstheorien

Theorien der Organisation sind generalisierte Aussagensysteme, die für die


funktionale und/oder institutionale Organisation relevante Phänomene be-
schreiben und erklären (prognostizieren).

Ebene Mikro Meso Makro Supra

351
Überblick: Ebene(n) von Organisationstheorien

Ebene Bezug Darstellung Beispieltheorie

Organisations-
Supra- z.B.
netzwerke /
ebene Netzwerktheorien
Belegschaften

Makro- Organisation / z.B.


ebene Belegschaft Kontingenztheorie

Emergenz
Meso- Abteilungen / z.B.
ebene Gruppen Führungstheorien

Mikro- Stellen / z.B.


ebene Individuen Motivationstheorie

352
Überblick: Ebene(n) von Organisationstheorien

Einebenen-
Theorie

Mehrebenen-
Theorie

 üblicherweise wird eine Ebene berücksichtigt (»Einebenen«-Theorie)


 »Mehrebenen«-Theorien, die Interaktionseffekte zwischen den Ebenen be-
rücksichtigen, sind selten

353
Überblick: Gestaltbarkeitsannahmen von Organisationstheorien

Determinismus Voluntarismus

Organisation und Organisationsmitglieder


Organisationsmitglieder und Organisation sind frei
Beschreibung sind durch externe und können gemäß dem
vorhergehende Agentien eigenen Willen gestaltend
(kausal) determiniert handeln
eingeschränkte
uneingeschränkte
Folgen für (organisatorische)
(organisatorische)
die Praxis Gestaltbarkeit /
Gestaltbarkeit
»Illusion der Gestaltbarkeit«
eingeschränkte
einfache (»nomothetische«)
Folgen für (»idiographische«?)
Erforschung von
die Wissenschaft Erforschbarkeit des
Regelmäßigkeiten
Einmaligen

 theoretische Positionen zur Gestaltbarkeit oft nur implizit


 teils (teilwidersprüchliche) Hybridpositionen
354
Allgemeine Informationen: Gliederung

C. ERKLÄRUNG DER ORGANISATION


6. Theorien der Organisation
6.1 Überblick
6.2 Ausgewählte Ansätze

355
Ausgewählte Ansätze: Definition und Kategorisierung Motivationstheorien

Motivation ist die Wechselwirkung aus Person (»Motiv M«) und Situation
(»Anreiz A«), die das Verhalten (V) bestimmt [ V= f (M, A) ].

Motivationstheoretische Ansätze erklären den Prozess und/oder den Inhalt


menschlicher Motivation.

Theoriegegenstand Motiv(ations)inhalt Motivationsprozess

356
Ausgewählte Ansätze: Gegenstand von Motivationstheorien

Inhaltstheorien Prozesstheorien

Prozesstheorien
Inhaltstheorien beschreiben
beschreiben den
Beschreibung die Motivinhalte von
dynamischen Ablauf der
Menschen
Verhaltensentstehung

Valenz-Instrumentalitäts-
Hierarchie der Bedürfnisse
Beispiel Erwartungs-(VIE)-Theorie
(MASLOW)
(VROOM)

357
Ausgewählte Ansätze: Inhaltstheorien der Motivation I

Motiv(klassen)hierarchie nach MASLOW

Selbstverwirklichungsmotive z.B. Kreative Arbeit

Selbstachtungsmotive z.B. Anerkennung

soziale Bindungsmotive z.B. Freundschaft

Sicherheitsmotive z.B. Unversehrtheit

physiologische Motive z.B. Durst

 höher-hierarchische Motive werden erst nach Befriedigung der nächst nie-


drigeren Motivklasse aktiviert
 das hierarchisch niedrigste, aktuell nicht befriedigte Motiv ist das stärkste

 geringe Bestätigung, aber (aufgrund der Einfachheit) weite Verbreitung

358
Ausgewählte Ansätze: Inhaltstheorien der Motivation II

Zweifaktorentheorie nach HERZBERG

Hygienefaktoren Motivatoren

Un- keine Un- keine


Zufrieden-
zufrieden- zufrieden- Zufrieden-
heit
heit heit heit

mit dem Arbeitsumfeld verbundene unmittelbar mit der Tätigkeit


Aspekte verbundene Aspekte
Entgelt Arbeitsinhalte
soziale Beziehungen Leistungserlebnisse
Nebenleistungen Selbsterfüllung
... Verantwortung
...

 Betonung der Bedeutung intrinsischer Motivation

359
Ausgewählte Ansätze: Prozesstheorien der Motivation I

VIE – Theorie (VROOM)

Handlung Handlungsergebnis Folgen


(z.B. Überstunden) (z.B. Projekterfolg) (z.B. Beförderung)

subjektiv empfundener Wert einer Folge und ihrer


Valenz V
Instrumentalität (V = F * I)
subjektive Einschätzung der Beziehung zwischen
Instrumentalität I
Handlungsergebnis und Folgen
subjektive Einschätzung, dass eine Handlung zu einem
Erwartung E
Handlungsergebnis führen wird
Handlungs- Entscheidung für Handlung gemäß der Erwartung und
entscheidung Valenz (E * V)

 Betonung der Bedeutung intrinsischer Motivation

360
Motivationstheoretische Ansätze: Folgen für die Organisationsgestaltung

 Erklärung notwendiger Aufgabenzusammensetzungen


 Erklärung der Notwendigkeit der Motivationseffizienz

 motivationsförderliche (»ganzheitliche«) Stellen- und Abteilungsbildung, die


intrinsische Motivation der Stelleninhaber fördern

361
Ausgewählte Ansätze: Literatur zur Motivationstheorie

Nerdinger, F. W. (2004): Motivation, in: Schreyögg, G. / v.


Werder, A. (Hrsg.) Handwörterbuch Unternehmensfüh-
rung und Organisation, 4. Aufl., Schäffer-Poeschl: Stutt-
gart, Sp. 905-914.

362
Ausgewählte
Kontingenzansatz:
Ansätze:
Definition
Definition
undKontingenzansatz
Kategorisierung

Der Kontingenzansatz erklärt die Ausgestaltung und den Erfolg formaler Or-
ganisationsstrukturen und –prozesse in Abhängigkeit von Umfeldbedingun-
gen des Unternehmens (»Kontingenzen«).

363
Ausgewählte
Kontingenzansatz:
Ansätze:
Definition
Ausgangspunkt
und Kategorisierung
und Fragestellung Kontingenzansatz

 Universalismus klassischer Organisationstheorien (»one best way« des Or-


ganisierens)
 Empirie zeigt Differenziertheit und Variationsbreite formaler Organisation
 Annahme: unterschiedliche situative Bedingungsfaktoren (»Kontingenzen«)
sind für die feststellbare Variation der Organisation verantwortlich
 Abkehr vom Universalismus / Hinwendung zum Kontextualismus
 daher auch als »Situationstheorie« bezeichnet
 zentrale Fragestellungen
a) »Welche Ausprägungen formaler Organisation werden unter welchen
situativen Bedingungen realisiert?«
b) »Wie effektiv und effizient sind die formalen Organisationsstrukturen
unter unterschiedlichen situativen Bedingungen«

364
Ausgewählte Ansätze: Kernthese des Kontingenzansatzes

s s
s
s
s s »fit«

situative formale
Bedingungen Organisation

Effizienz und Effektivität


der Organisation

 unterschiedliche situative Bedingungen erfordern unterschiedliche Orga-


nisationsstrukturen (und –prozesse)
 die Passung von Situation und Organisation (»fit«) ist dabei ursächlich für
die Effektivität und Effizienz einer Organisationsvariante

365
Kontingenzansatz: Konzeptualisierung der Organisation

formale
Organisation

 bedingt durch seinerzeitigen »Primat der Struktur« zunächst hauptsächlich


Strukturen und weniger Prozesse im Fokus
 zentrale Strukturmerkmale
 Art und Ausmaß der Arbeitsteilung und Spezialisierung
 Art und Intensität der Koordination und Integration
 Standardisierung von Aufgaben
 Zentralisation vs. Dezentralisation
 ...

366
Ausgewählte Ansätze: Konzept der Situation

s s
s
s
s s
situative
Bedingungen

 grundsätzlich »alle geeigneten« Situationsfaktoren einbeziehen  große


Zahl möglicher Situationsfaktoren
 Kategorisierung von Situationsfaktoren
 Faktoren der globalen Umwelt (gesellschaftliche und kulturelle Beding-
ungen wie z.B. Bildungssysteme und kulturelle Werte)
 Faktoren der Aufgabenumwelt (Komplexität und Dynamik der Aufgabe)
 Faktoren der internen Situation (Unsicherheit und Interdependenz von
Aufgaben, Fertigungstechnologie, Informationstechnologie, ...)

367
Ausgewählte Ansätze: Hauptaussagen Kontingenzansatz

 Einfluss der Aufgabenumwelt (z.B. geringer bürokratisierte Unternehmen


bewältigen Dynamik und Komplexität besser)
 Einfluss der Fertigungstechnik (z.B. zunehmende Komplexität von Ferti-
gungstechnik bedingt mehr Hierarchieebenen und kleinere Leitungsspan-
nen auf den mittleren Hierarchieebenen)
 Einfluss der Größe (z.B. positive Korrelation mit positive Korrelation mit
Planung, Programmierung und Formalisierung)

368
Ausgewählte Ansätze: Folgen des Kontingenzansatzes für Org.gestaltung

 Erklärung der Interdependenzen von Managementfunktionen


 Erklärung der Diversität von Organisation
 Erklärung der Unzulänglichkeit des Universalismus
 Erklärung von »Organisationsversagen« und »Organisationserfolg«

 Berücksichtigung zentraler externer Determinanten (z.B. Kunden, Märkte,


...) bei der formalen Organisation
 Berücksichtigung zentraler interner Determinanten (z.B. Strategie, Perso-
nal, ...) bei der formalen Organisation
 Notwendigkeit einer »Passung« verschiedener organisatorischer Gestal-
tungsmaßnahmen

369
Kontingenzansatz: Literatur

Ebers, M. (2004): Kontingenzansatz, in: Schreyögg, G. /


v. Werder, A. (Hrsg.) Handwörterbuch Unternehmens-
führung und Organisation, 4. Aufl., Schäffer-Poeschl:
Stuttgart, Sp. 653-667.

370