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Anleitung zur qualitativen chemischen Analyse zum Gebrauche im


chemischen Laboratorium zu Giessen

Will, Heinrich

Heidelberg, 1846

ETH-Bibliothek Zürich

Shelf Mark: Rar 25457

Persistent Link: http://dx.doi.org/10.3931/e-rara-63829

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ANLEITUNG
ZUR

CHEMISCHEN ANALYSE.
KS=" Die Verlagshandlung hat die dem Büchlein angehiing-
ten Tabellen jedem Exemplar doppelt beifügen lassen,
damit sie die Käufer einmal herausnehmen und auf-
ziehen lassen können.
ANLEITUNG

ZUR

QUALITATIVEN

CHEMISCHEN ANALYSE,
ZUM GEBRAUCHE

IM CHEMISCHEN LABORATORIUM ZU GIESSEN.

BEARBEITET

- :V8N

DA HEINRICH WILL,
AUSSERORDENTLICHEMPROZESSOR ÄN..’ DER UNIVERSITAET ZU SIESSEM.

HEIDELBERG,
AKADEMISCHE VERLAGSHANDLUNG VON C. F . WINTER.
1846.
I c
V o r w o r t.

Dem praktischen Cursus in der chemischen


Analyse geht stets ein theoretischer Cursus vor¬
aus , in welchem sich die Practikanten die zu
den Arbeiten erforderlichen wissenschaftlichen
Vorkenntnisse erwerben und es kann deshalb in
einer Anleitung zur chemischen Analyse,welche,
wie die vorliegende zum Gebrauch in dem La-
boritorium bestimmt ist , alles ausgeschlossen
bleiben, was nicht unmittelbar auf die Analyse
selbst Bezug hat.
Wenn man das Verständniss der wissen¬
schaftlichen Grundsätze,worauf die Scheidungs¬
methoden beruhen, und die Schärfung des Ur-
theils und des Nachdenkens durch ihre prak¬
tische Anwendung, als den Hauptgegenstand
des Unterrichtes in einem chemischen Labora¬
torium betrachtet , so ergiebt es sich von selbst,
vt

dass Anleitungen ähnlicher Art, welche für den


Selbstunterricht bestimmt sind, sich für den Ge¬
brauch in den Laboratorien nicht eignen . Der
Natur der Sache nach setzen diese keine chemi¬
schen Kenntnisse voraus , es müssen deshalb
eine Menge Dinge darin abgehandelt werden,
welche , wie die üarstellungsweisen der Reagen-
tien , der Practikant aus den Vorträgen kennt und
in jedem Lehrbuche findet, oder deren Bekannt¬
schaft er sich , wie z. B. die der Apparate und
Geräthschaften , mit seinem Eintritt in das La¬
boratorium erwirbt : Als die besten unter
diesen Schriften werden mit Recht diejenigen
angesehen , welche die Erwerbung der Analysir-
methoden ohne Mithülfe eines Lehres gestatten
und es müssen gerade deshalb dem mecha¬
nischen Gange oder der Aufeinanderfolge der
Operationen , die zur sichern Entdeckung der
einzelnen Stoffe oder zu ihrer Scheidung führen,
alle übrigen Vortheile des Unterrichtes geopfert
werden ; sie sind darauf berechnet dem eig¬
nen Nachdenken sowenig als möglich zu
überlassen.
Das Bediirfniss einer blos für den Gebrauch
in dem Laboratorium berechneten Anleitung
vi!

zur chemischen Analyse veranlasste die Her-


ausgabe dieser kleinen Schrift , welcher sich auf
meinen Wunsch mein vieljähriger Assistent,
Herr Prof . Dr. Will , unterzog ; es ist darin der
Gang beschrieben , den ich mit Vortheil seit 25
Jahren , in dem hiesigen Laboratorium einge¬
schlagen und bewährt gefunden habe.
J . L.
Verbesserungen.

S. 4. Z. 5 v. u. lese man: durch die löslichen und neutra¬


len Salze dieser Säuren.
S. 7. Z. 6 v. u. lese man: in der Kälte gar nicht durch dop¬
pelt kohlensaures Ammoniak, theihveise und
langsam durch neutrales und anderthalb kohlen¬
saures Ammoniak, rascher durch letzteres Rea¬
gens in der Siedhitze,
S. I5. Z. 5 v. u. lese man: Mineralsäuren, statt Säuren.
S. 50. Z. 11 v. u. lese man: Metallisches Zink, Eisen und Zinn
fällen etc.
S. 57. Z. 10 v. u. lese man: hei Anwendung von einem Kup¬
feroxydsalz wird die gebildete arsenige Säure
durch den Uebersclmss des gefällten Oxyds in
Arsensäure übergeführt.
S. 80. Z. 1 v. n. lese man: enthielt das phosphorsaure Salz
ein oder zwei Aeq. fixer Basis etc.
I li h a 1 t.

Erste Abtheilung.
Verhalten der Metalle und ihrer Oxyde zu
Reagentien.
I. Gruppe der Alkalimetalle. Kalium
— , Natrium, Li¬
thium, Ammonium. — Kali 1. Natron %. Litliion, Ammo¬
niak 3.
II. Gruppe der Metalle der alkalischen Erden. Barium,

Strontium, Calcium, Magnesium. — Baryt, Strontium 5.
Kalk 6. Bittererde 7.
III. Gruppe. — Metalle, deren Oxyde aus der mit einer
Mineralsäure versetzten Auflösung durch Schwefel¬
wasserstoff gar nicht, aus der neutralen Lösung aber
durch Schtvefelammonium theils als Oxyde, theils als
Schwefelmetalle gefällt werden. Alumium, Beryllium,
Thorium, Yttrium, Cerium, Zirconium, Chrom, Titan, Tan¬
tal . — Mangan, Eisen, Zink, Uran, Kobalt, Nickel. 11.
1. Als Oxyde werden gefällt , a) in Kali löslich:
Thonerde 14. Beryllerde 15. Chromoxyd 16.: Ä) in
Kali unlöslich: Thouerde, Y'ttererde 17. Ceroxy-
I

dul, Zirkonerde, 18. Titansäure 19. c) als Hydrat


in Kali löslich , in Säuren unlöslich : Tantal¬
säure 20.
2. Als Schwefelmetalle werden gefällt: Nickel¬
oxydul 21. Kobaltoxydul 23. Manganoxydul 25.
Eisenoxydul 27. Eisenoxyd 29. Zinkoxyd 31. Uran¬
oxyd 32.
IV. Gruppe. Metalle, deren Schwefelverbindungen in ver¬
dünnten starken Mineralsäuren unlöslich sind, die also
aus ihrer sauren Lösung durch Schwefelwasserstoff
vollständig ausgefällt werden.
1. In Schwefelammonium unlösliche Schwefelver¬
bindungen bilden: Blei 36. Silber 37. Quecksil¬
ber 38. 39. Wismuth 41. Kupfer 42. Cadmium 43.
Palladium 44. Rhodium 45. Osmium 46.
2. In Schwefelammonium lösliche Schwefelverbin¬
dungen bilden: Antimon 48. Zinn 52. Arsen 54.
Platin 65. Iridium 65. Gold 66. Selen 67. Tellur 67.
Wolfram 68. Molybdän 69. Vanadin 69.

Zweite Abtheilung.
Verhalten der Säuren gegen Reagentien.
1) Säuren des Schwefels, a ) Schwefelwasserstoff 71.
(Selenwasserstoff 73.) b') Schwefelsäure 74. ( Selen-
sänre 76.) c) Schweflige Säure 76. d) Unterschwellige
Säure 77 und Unterschwefelsäure 78.
2) Chromsäure.
3) Säuren des Phosphors, a) Phosphorsäure 80. ft) Plios-
phorige und unterphosphorige Säure 82
4) Säuren des Stickstoffs, a) Salpetersäure 82. ft) Sal¬
petrige Säure 84.
5) Säuren der Salzbilder. A— ) Wasserstoffsäuren,
a) Chlorwasserstoffsäure85. ft) Bromwasserstoffsäure86.
XI

c) Jodwasserstoffsäure 88. d) Fluorwasserstoffsäure 90.


e) Cyanwasserstoffsäure 92.
B. Sauerstoffsäuren der Salzbilder. — a) Ueberchlor-
säure, Chlorsäure und unterchlorige Säure 95. 6) Brom¬
säure, Ueberjodsäure, Jodsäure, Cyansäure 96.
6) Borsäure 98.
7) Kieselsäure 98.
8) Organische Säuren. Oxalsäure
— 103. Weinsäure 104.
Traubensäure 104. Citronsäure 104. Aepfelsäure 104.
Chinasäure 105. Meconsäure 105. Gerbsäure 105. Gallus¬
säure 106. Harnsäure 106. Bernsteinsäure 106. Benzoe¬
säure 107. Essigsäure 107. Ameisensäure108.

Dritte Abtheilung.
Gang der qualitativen chemischen Analyse.
I. Voruntersuchung fester Körper und Ueberführung der¬
selben in den flüssigen Zustand 109.
II. Qualitative Untersuchung in Lösung befindlicher Sub¬
stanzen 120.
A. Aufsuchung der Metalloxgde 125.
1. Schwefelwasserstoff- Niederschlag 131. 2. Schwefel¬
ammonium- Niederschlag 132. 3. Kohlensäure alkali¬
sche Erden 133. 4. Bittererde und Alkalien.
B. Aufsuchung der Säuren oder der sie vertretenden
Körper.
a) Vorläufige Prüfung 136.
b) Aufsuchung der in Lösung befindlichen Säuren.
Schema I. Verhalten der Lösungen der Metalloxyde gegen
Schwefelwasserstoff, Schwefelainmoniumund kohlen¬
saurer Ammoniak, in ihrer successiven Anwendung.
Schema II. Behandlung des Schwefelwasserstoff- Nieder¬
schlags.
Schema III. Behandlung des Schwefelammonium- Nieder¬
schlags.
XII

Schema IV. Verhalten der wichtigeren anorganischen und


organischen Säuren beim firw&rmen ihrer Salze mit
Schwefelsäure.
Schema V. Verhalten der wichtigeren anorganischen und
organischen Säuren gegen Chlorbarium, salpetersaures
Silberoxyd, Chlorcalcium und Eisenchlorid.
Erste Abtlieilmi ”.

Verhalten der Metalle und ihrer Oxyde


zu Reagentien.

I. Gruppe der Alkali - Metalle.

Kalium,,Natrium , Lithium , Ammonium.

Die Metalle dieser Gruppe sind leichter als Wasser;


sie zerlegen es bei gewöhnlicher Temperatur, unter
Entwickelung von Wasserstoffgas; ihre Verbindungen
mit Chlor, Brom, Jod, Schwefel und Sauerstoff sind
löslich in Wasser, ebenso die Verbindungen ihrer Oxyde
mit den meisten Säuren, namentlich mit Schwefelsäure ,
Salpetersäure , Phosphor säure , Kohlensäure. Die—
wichtigsten Reactionen ihrer Salzverbindungen, wo¬
durch sie am einfachsten erkannt und qualitativ ge¬
schieden werden können, sind die folgenden:
1
2 Kali. Natron.

a) Kali. KO. — Kalisalze geben in ihren nicht zu


sehr verdünnten Lösungen mit Platinchlorid, nament¬
lich auf Zusatz von etwas Salzsäure und Weingeist,
einen orangegelben , krystallischen Niederschlag , der
eine Doppelverbindung von Chlorkalium mit Platin¬
chlorid ( KCl, Pt CI2) ist . — Sie werden ferner , je
nach der Concentration sogleich oder nach einiger Zeit,
krystallisch gefällt durch Zusatz von Weinsäure. Der
Niederschlag , saures weinsaures Kali ( C8 H 4 O 10, KO
-f- HO) , ist löslich in 60 Theilen Wasser , leichter in
starken Mineralsäuren und in alkalischen Flüssigkeiten.
Reine ( natronfreie ) Kalisalze ertheilen der äussern
Löthrohrflamme eine deutliche violette Färbung ; das
nämliche tritt ein , wenn eine nicht zu verdünnte Lö¬
sung eines Kalisalzes mit Alkohol versetzt und letzte¬
rer angezündet wird.
b) Natron. NaO. — Das Natron wird ( auch bei
Gegenwart der übrigen beiden fixen Alkalien ) vor¬
zugsweise daran erkannt , dass seine Salze der äusse¬
ren Löthrohrflamme eine intensiv gelbe Färbung er¬
theilen . Da das Natron fast nur lösliche Verbindungen
mit Säuren eingeht , so kennt man auch nur wenige
sichere Reagentien , um es aus einer Lösung in unlös¬
licher Form abzuscheiden . Vorsichtig bereitetes anti¬
monsaures Kali giebt in einer nieht zu sehr verdünn¬
ten Lösung eines neutralen oder wenigstens nur
schwach alkalischen Natronsalzes einen weissen Nie-
Lithion. Ammoniak. 3

derschlag von antimonsaurem Natron, NaO, SbO5. Man


muss sich bei Anstellung dieser Reaction vorher sorg¬
fältig überzeugen, dass keine alkalischen Erden oder
andere Metalloxyde der folgenden Gruppe vorhanden
sind.
c) Lithion LiO. — Die Lithionsalze werden vor¬
zugsweise daran erkannt, dass sie, auf dem Platin¬
draht der Spitze der inneren Löthrohrflamme ausge¬
setzt, die äussere Flamme schön carminroth färben.
Bei Gegenwart von Natron tritt diese Färbung nicht
ein, die Flamme ist dann nur gelb. Verdampft man eine
klare lithionhaltige Auflösung bei Gegenwart eines De-
berschusses von phosphorsaurem und kohlensaurem Na¬
tron zur Trockne, so bleibt, nach der Behandlung mit
Wasser, ein krystallinisches Doppelsalz (P05, 2 Na 0
-|- P05, 2 LiO) , welches auf Platinblech mit kohlen¬
saurem Natron zu einer durchsichtigen Masse zusam¬
menschmilzt.
Ammoniak. N H40. — Das Ammoniak zeigt in
seinen Lösungen gegen Platinchlorid und Weinsäure
dieselben Reactionen wie Kali; die entstehenden Nie¬
derschläge haben eine den Kaliverbindungenentspre¬
chende Zusammensetzung. Es wird leicht und sicher,
auch bei Gegenwart aller übrigen Basen, daran erkannt,
dass es durch ätzende Alkalien und alkalische Erden
(man nimmt gewöhnlich Kalkhydrat) aus seinen Ver¬
bindungen in Gasform abgeschieden wird. Sein charak-
1*
4 Alkalische Erden.

teristischer Geruch beim Erwärmen der mit Kalkhydrat


im Ueberschuss versetzten Auflösung, bei geringeren
Mengen die sich bildenden weissen Nebel von Salmiak,
wenn man einen mit nicht rauchender Salzsäure be¬
netzten Glasstab über die zu prüfende Flüssigkeit hält,
lassen keinen Zweifel über die Gegenwart dieser Base.

II . Gruppe der Metalle der alkalischen Erden.

Barium, Strontium, Calcium, Magnesium.

Auch die Metalle dieser Gruppe zerlegen noch das


Wasser bei gewöhnlicher Temperatur, ohne Gegen¬
wart einer Säure; ihre Verbindungen mit Sauerstoff
und Schwefel sind noch löslich in Wasser, obwohl
schwerer löslich als die der Alkalimetalle. Eine Aus¬
nahme hiervon macht das Magnesium, dessen Oxyd
(die Bitter er de) in Wasser unlöslich oder wenigstens
sehr schwer löslich ist.
Die Oxyde, Baryt , Strontian , Kalk und Bitter¬
erde,bilden sämmtlieh mit Kohlensäure und Phosphor¬
säure in Wasser unlösliche Verbindungen; sie werden
desshalb durch die löslichen Salze dieser Säuren aus
ihren neutralen Lösungen gefällt ; ihre schwefelsau¬
ren Salze sind entweder in Wasser und Säuren unlös¬
lichBaryt
( , Strontian) , oder schwerlöslichKalk
( ),
oder leichtlöslichBittererde
( ).
Baryt. Strontian. 5

a) Baryt. BaO. — Die in Wasser löslichen Salze


des Baryts werden nicht durch Ammoniak gefällt ; koh¬
lensaure fixe Alkalien und kohlensaures Ammoniak
(letzteres auf Zusatz von etwas freiem Ammoniak und
gelindem Erwärmen) schlagen den Barytgehaltvollstän¬
dig als kohlensaures Salz (Ba 0, COa) nieder, aus allen,
auch aus den nur in Säuren löslichen Barytsalzen wird
die Basis vollständig durch alle löslichen schwefelsau¬
ren Salze, wie auch durch freie Schwefelsäure als
schwefelsaurer Baryt (BaO, S03) niedergeschlagen.
Selbst eine Auflösung von schwefelsaurem Kalk wird
durch gelöste Barytsalze in der Weise zersetzt , dass
schwefelsaurer Baryt, der in Säuren und Alkalien unlös¬
lich ist, niederfällt. Durch Kieselfluorwasserstoffsäure
entsteht auch in sauren Barytlösungen, ein fast durch¬
sichtiger, desshalb erst nachdem er sich abgesetzt
hat, deutlich erkennbarer Niederschlag von Kiesel¬
fluorbarium(Ba F, Si F2) . Phosphorsaure Alkalien fäl¬
len aus neutralen Barytsalzen phosphorsauren Baryt,
der in Säuren, selbst in Essigsäure, leicht löslich ist.
Die meisten Barytsalze ertheilen der Flamme des
Weingeistes eine grüngelbe Färbung.
b) Strontian. SrO. — Die Verbindungen des Stron-
tians stehen in ihrem chemischen Verhalten den Ba¬
rytverbindungen sehr nahe; der schwefelsaure Stron¬
tian ist nicht so vollständig unlöslich in Wasser und
Säuren als der schwefelsaure Baryt; in nicht zu con-
6 Kalk.

centrirten Strontianlösungen entsteht desshalb auf Zu¬


satz von Gypslösung oder anderer löslicher schwefel¬
saurer Salze der Niederschlag nicht augenblicklich,
sondern erst nach kürzerer oder längerer Zeit. Durch
Kieselfluorwasserstoffsäurewerden Strontianlösungen
nicht gefällt. Der Flamme des Weingeistes ertheilen
die Strontiansalze eine carminrothe Farbe.
Neben Baryt erkennt man den Strontian indem man
beide (durch Auflösen der kohlensauren Salze in Salz¬
säure und Verdampfen zur Trockne) in Chlormetalle
verwandelt und diese mit starkem Alkohol digerirt;
Chlorstrontium löst sich auf und lässt sich in dieser
Lösung leicht durch Schwefelsäure, die Farbe der
Flammeu. s. w. nachweisen.
c) Kalk. Ca 0. —• Von dem Baryt und Strontian
unterscheidet sich der Kalk wesentlich dadurch, dass
er mit Schwefelsäure eine feste Verbindung eingeht,
die nur schwerlöslich in Wasser und in Säuren ist, in
der Art, dass verdünnte Lösungen von schwefelsauren
Salzen in Kalklösungen keine Fällung hervorbringen.
Durch Oxalsäure oder lösliche oxalsaure Salze wird
der Kalk vollständig aus seinen neutralen Lösungen
(selbst aus Gypslösung) gefällt. Dieses Verhalten be¬
nutzt man immer zur sicheren Nachweisung des Kalks.
Man fällt, bei Gegenwart von Baryt und Strontian,
beide mittelst verdünnter Schwefelsäure oder schwe¬
felsaurem Kali vollständig aus, und prüft das Filtrat,
Bittererde. 7

nach der Neutralisation mit Ammoniak, mit oxalsau-


rem Ammoniak . Entstellt ein Niederschlag-, so ist Kalk
vorhanden. Der niederfallende oxalsaure Kalk ist un¬
löslich in Essigsäure, leicht löslich jedoch in Mineral¬
säuren.
Mehrere Kalksalze, wie Chlorcalcium und salpeter¬
saurer Kalk, sind in starkem Alkohol aullöslich; sie
ertheilen der Flamme des Weingeistes eine gelbrothe
Färbung. — Schwefelsaurer Kalk ist in ( auch ver¬
dünntem) Weingeist unlöslich; bei Gegenwart von
Weingeist wird desshalb der Kalk aus seinen Lösun¬
gen durch Schwefelsäure vollkommen gefällt.
d) Bütererde. MgO. — Von den drei vorhergehen¬
den alkalischen Erden unterscheidet sich die Bittererde
wesentlich durch die leichte Löslichkeit ihres schwefel¬
sauren Salzes in Wasser ; sie wird ferner, bei Gegenwart
von Ammoniak, nur durch lösliche phosphorsaure Salze
vollständig gefällt . Bei Abwesenheit von Ammoniak-
salz.cn oder freiem Ammoniak werden die löslichen
Bittererdesalze auch vollständig gefällt durch ätzende
und neutrale kohlensaure fixe Alkalien; theilweise
werden sie gefällt durch Ammoniak, in der Kälte gar
nicht durch kohlensaures Ammoniak, wohl aber durch
letzteres Reagens in der Siedhitze. Sämmtliche Fällun¬
gen werden durch einen hinreichenden Zusatz von
Salmiaklösung wieder aufgelöst. Eine Ausnahme macht,
wie erwähnt , der Niederschlag durch phosphorsaures
8 Alkalische Erden.

Natron,bei Gegenwart von Ammoniak(2NaO, NH4 0 -f-


POä) , der auch in einem grossen Ueberschuss von
Ammoniaksalzen unlöslich ist.
Erhitzt man ein Bittererdesalz auf der Kohle durch
die Löthrohrflamme, befeuchtet das geglühte Salz als¬
dann mit Kobaltauflösung und glüht nochmals anhal¬
tend und stark, so nimmt es eine blassrothe Färbung
an, die indessen bei Gegenwart von andern Metall¬
oxyden nicht wahrnehmbar ist.

Von Baryt, Strontian und Kalk scheidet man dem¬


nach die Bittererde einfach durch kohleusaures Am¬
moniak, bei Gegenwart eines Ammoniaksalzes; die Bit¬
tererde bleibt hierbei vollständig in Lösung, während
die drei übrigen Erden (namentlich bei gelindem Er¬
wärmen, unter Zusatz von etwas Ammoniak) vollstän¬
dig niedergeschlagen werden. Durch Zusatz von phos¬
phorsaurem Natron erkennt man alsdann leicht in dem
Filtrat die Gegenwart der Bittererde.
Um neben der Bittererde die Gegenwart der reinen
Alkalien nachweisen zu können, müssen diesem Ver¬
halten zu Folge die etwa vorhandenen Ammoniaksalze
vor allen Dingen entfernt werden. Dieses geschieht
durch Eindampfen der Lösung und Glühen des Rück¬
standes ; man behandelt letzteren nun mit Wasser, ver¬
setzt die Lösung mit Baryt Wasser ( Schwefelbarium
Alkalische Erden. 9

leistet dasselbe ) so lange noch eine Fällung entsteht,


entfernt dann nach dem Filtriren den hinzugesetzten
Barytüherschuss durch Schwefelsäure oder kohlen¬
saures Ammoniak, dampft das Filtrat wieder ein und
glüht . Bleibt ein Rückstand , so sind Alkalien vorhan¬
den , die nun weiter , wie oben angegeben , auf Kali,
Natron undLithion zu prüfen sind . Enthält die Lösung,
welche man auf Alkalien prüfen will , keine Ammoniak¬
verbindungen , so kann natürlich das erste Eindampfen
und Glühen unterbleiben , da ja in diesem Fall die Bit¬
tererde durch Aetzbaryt vollständig gefällt wird.
Die in Wasser löslichen Salze der alkalischen Er¬
den werden durch Ammoniak oder Schwefelammonium
(die Bittererde bei Gegenwart einer hinreichenden
Menge eines Ammoniaksalzes ) nicht gefällt ; anders
verhält es sich jedoch mit den in Wasser unlöslichen,
in Säuren aber ohne Zersetzung löslichen Salzen die¬
ser Basen ; also mit ihren Verbindungen mit Phosphor -
säure , Arsensäure , Fluorwasserstoffsäure , Bor¬
säure , Oxalsäure und vielen anderen nicht flüchti¬
gen organischen Säuren . Dies gilt namentlich für die
Verbindungen des Kalks mit fast allen der eben er¬
wähnten Säuren , hei der Bittererde fast nur für das
phosphorsaure Salz . Sind diese Salze in einer Säure
gelöst , so fallen sie bei der Neutralisation mit Am¬
moniak oder ( was hier gleichbedeutend ist ) mit
Schwefelammonium nieder . Sie zeigen gegen die all-
1**
10 Alkalische Erden.

gemeinen Scheidungsmittel das Verhalten der Erden;


sie sind namentlich in Kali unlöslich. Findet man bei
Ausmittelung der Sauren eine oder mehrere der eben
erwähnten, die fast sämmtlich zu den nicht flüchtigen
gehören, so muss auf dieses Verhalten Rücksicht ge¬
nommen werden, wenn man die alkalische Erde nicht
übersehen will. Ist die mit der alkalischen Erde ver¬
bundene Säure Oxalsäure, oder eine andere organische
Säure, so braust der Niederschlag nach dem Glühen
mit Säuren auf; die Base wird in diesem Fall nach dem
Wiederauflösen in Salzsäure nicht mehr durch Am¬
moniak gefällt und kann auf dem gewöhnlichen Weg
ausgemittelt werden ; wenn die Säure Phosphorsäure
ist, so wird der Niederschlag durch Glühen nicht zer¬
setzt, man kann dann die Base in der salzsauren, mit
einem essigsauren Alkali versetzten Auflösung einer¬
seits durch oxalsaures Ammoniak(Kalk) , anderseits
durch Gypslösung oder schwefelsaures Kali (Baryt,
Strontian) nachweisen. Die Bittererde bleibt bei die¬
ser Abscheidung des Baryts, Strontians und Kalks in
Lösung, man findet sie durch Uebersättigen mit Am¬
moniak unter Zusatz von phosphorsauremNatron.
11

III . Gruppe. — Metalle, deren Oxyde aus der mit


einer Mineralsäure versetzten Auflösung durch
Schwefelwasserstoff gar nicht, aus der neutra¬
len Lösung aber durch Schwefelammonium theils
als Oxyde, theils als Schwefelmetalle gefällt
werden.

Diese grosse Gruppe besteht aus folgenden fünf¬


zehn Metallen:
Alumium , Beryllium , Thorium , Yttrium , Cerium,
Zirconium , Chrom , 'Titan , Tantal *) , Mangari , Ei¬
sen , Zink , Uran , Kobalt und Nickel.
Die Oxyde der neun zuerst angeführten Metalle
tauschen in der wässerigen Lösung ihren Sauerstoff
nicht gegen den Schwefel des Schwefelwasserstoffs
um ; sie fallen desshalb durch die Wirkung des Am¬
moniaks im Schwefelammonium (unter Entwickelung
von Schwefelwasserstoff ) als Oxyde nieder ; z. B.
Al2 0 3, 3 C1H+ 3 (NH3, SH) = Al2 0 3 3+ (XE, , CI II)
—|—3 SH; es sind , mit Ausnahme des Chroms, Titans und

*) Man könnte hierzu noch zählen: Das Lanthan, Dirtym,


Erbium und Terbium, die sich dem Cerium oder Yttrium an¬
reihen, ferner das Niobium, das sich dem Titan anschliesst.
Sie sind hier billig weggeiassen,da ihr qualitativ chemisches
Verhalten noch einer schärferen Begründung bedarf.
12 Verhalten der Glieder

Tantals, die Metalle der eigentlichen Erden. Die—


Oxyde der sechs übrigen Metalle werden in der neu¬
tralen Auflösung durch Schwefelwasserstoff, unter Bil¬
dung von Wasser und eines in Wasser unlöslichen
Schwefelmetalles, zersetzt ; z. B. Mn0, S03f- - SII, N1I3
= MnS -|- S03, i\ H40. — Diese Metalle zerlegen das
Wasser bei Gegenwart von Säuren unter Entwickelung
von Wasserstoff; ihre Schwefelmetalle entwickeln un¬
ter den nämlichen Umständen Schwefelwasserstoff;
nur das Schwefelnickel und Schwefelkobalt werden
von verdünnten Mineralsäuren schwierig zerlegt.
In Bezug auf ihr Verhalten zu den allgemeinen
qualitativen Scheidungsmitteln lassen sich die Metall¬
oxyde und Schwefelmetalle dieser Gruppe nun in fol¬
gende Unterabtheilungen bringen:
1) Oxyde, die in Salzsäure entweder ganz unlöslich
sind oder doch durch Kochen aus ihrer Lösung
in Säuren gefällt werden können: Titansäure,
Tantalsäure.
2) Schwefelmetalle, die in verdünnter Salzsäure un¬
löslich oder doch sehr schwer löslich sind : —
Schwefelnickel und Schwefelkobalt.
3) Oxyde, die aus ihrer mit Salmiak versetzten Auf¬
lösung durch Ammoniak nicht gefällt werden:
Nickeloxydul, Koballoxydul, Zinkoxyd, Eisen¬
oxydul, Manganoxydul.
4) Oxyde, die aus ihren Auflösungen, (bei Abwe-
der dritten Gruppe. 13

senheit von Ammoniaksalzen ) durch ätzende fixe


Alkalien gefällt werden und sieh im Ceberschuss
des Fällungsmittels nicht lösen:— Nickeloxydul,
Kobaltoxydul, Eisenoxydul und Oxyd, Uran¬
oxyd, Manganoxydul , Ceroxydul und Oxyd,
Ytlererde, Zirkonerde.
5) Oxyde in fixen ätzenden Alkalien, so wie in koh¬
lensaurem Ammoniak löslich: Beryllerde.
6) Oxyde in fixen ätzenden Alkalien, so wie in Am¬
moniak unlöslich, in kohlensaurem Ammoniak lös¬
lich: Uranoxyd , Ceroxydul und Oxyd, Ylter-
erde , Zirconerde , Thorerde.
7) Oxyde, die aus ihrer Lösung in Säuren durch
schwefelsaures Kali als Doppelsalze gefällt wer¬
den: Ceroxydul und Oxyd, Zirconerde , Thor¬
erde, Ytlererde.
Dieses Verhalten giebt die Grundlage zu dem wei¬
ter unten übersichtlich mitgetheiltcn Gang der quali¬
tativen Ausmittelung der Glieder dieser Gruppe. Das
speciellere Verhalten der einzelnen Glieder gegen Re-
agentien, welches uns die Mittel zur Bestätigung der
Gegenwart des einen oder des anderen derselben an
die Iland giebt, ist nun folgendes:
14 Thonerde.

I . Metalloxyde , welche durch Schxvefelaminoiiitiin als Oxyde


gefällt werden.

1) In Kali löslich: Thonerde, BeryllerdennA Chrom¬


oxyd.

a) Thonerde. Al2 0 3. — Die Thonerde bildet mit


Sauren farblose, meistens lösliche sauer reagirende
Salze, die beim Glühen die Säure verlieren, sofern
die Säure zu den flüchtigen gehört. Die in Was¬
ser unlöslichen Verbindungen der Thonerde sind fast
sämmtlich in Säuren löslich; die natürlichen, durch Säu¬
ren unzersetzbaren Aluminate werden durch Glühen
mit kohlensauren Alkalien oder mit saurem schwefel-
saurem Kali aufgeschlossen und die Thonerde in den
in Säuren löslichen Zustand übergeführt.
Fixe ätzende Alkalien fällen aus den Auflö¬
sungen der Thonerde in Säuren basische Thonerde¬
salze, als gallertartigen Niederschlag, der sich in ei¬
nem Ueberschuss des Alkalis wieder löst. Aus die¬
ser Lösung in dem Alkali wird die Thonerde, durch
Zusatz einer hinreichenden Menge eines Ammoniak¬
salzes, sicherer durch Neutralisation mit Salzsäure
und Uebersättigen mit Ammoniak wieder vollständig
gefällt. Ammoniak, kohlensaures Ammoniak und
kohlensaure fixe Alkalien schlagen (letztere unter
Entwicklung von Kohlensäure) aus den Thonerdesal-
Beryllerde. 15

zen Thonerdehydrat nieder, das sich aber im Ueber-


scliuss des Fälluugsmittels nicht wieder auflöst. Phos¬
phorsaures Natron füllt aus nicht zu viel Säure ent¬
haltenden ThonerdelösungenphosphorsaureThonerde,
die sich gegen Säuren und Alkalien ganz wie Thon¬
erdehydrat verhält. — Aus einer Auflösung der Thon¬
erde, oder auch der phosphorsauren Thonerde, in
ätzendem Alkali wird auf Zusatz von kieselsanrem
Kali (Wasserglas) ein Niederschlag von kieselsaurer
Thonerde hervorgebracht; die Phosphorsäure bleibt
dabei in Lösung.
Glüht man ein Thonerdesalz vor dem Löthrohr, be¬
feuchtet es alsdann mit Kobaltsolution und glüht noch¬
mals stark, so nimmt der Rückstand eine schön blaue
Farbe an.
b. Beryllerde. BeO. — Die Beryllerde verhält sich
fast gegen alle Reagentien ganz analog der Thonerde;
sie unterscheidet sich davon jedoch wesentlich da¬
durch, dass ihre verdünnte kalische Lösung' durch an¬
haltendes Kochen gefällt wird und durch ihre Löslich¬
keit in kohlensauren Alkalien. Diese fällen nämlich
aus den Auflösungen der Beryllerde, kohlensaure Be¬
ryllerde, als voluminösen Niederschlag, der sich in
einem sehr bedeutenden Ueberschuss des Fällungs¬
mittels wieder auflöst. Kohlensaures Ammoniak löst
das Hydrat der Beryllerde, wie auch ihre Verbindung
mit Kohlensäure, leichter auf, als die fixen kohlensauren

i
16 Chromoxyd.
Alkalien. Durch Kochen wird die Erde aus dieser Lö¬
sung wieder gefällt.
Mit Kobaltlösung geglüht liefern die Salze der Be¬
ryllerde einen grauen Rückstand.
c) Chromoxyd, Cr 2 0 3. — Geglühtes Chromoxyd
ist in Säuren fast ganz unlöslich, das frischgefällte
oder nur in gelinder Wärme getrocknete, löst sich in
Säuren leicht auf. Seine Salze sind bei auffallendem
Lichte schön grün oder violett, hei durchfallendem
roth; die nicht in Wasser löslichen werden leicht in
Salzsäure gelöst.
Ammoniak fällt aus den Lösungen der Chromoxyd¬
salze blaugrünes Chromoxydhydrat(Cr2 03,3II0 ) , das
sich in concentrirtem Ammoniak in geringer Menge
mit pfirsiehblüthrother Farbe aullöst; kohlensaures
Ammoniak verhält sich ganz analog. Aetzende fixe
Alkalien fällen Chromoxydhydrat, das sich im Ueber-
schuss des Fällungsmittels in der Kälte leicht und voll¬
ständig mit grüner Farbe auflöst. Kocht man diese al¬
kalische Auflösung längere Zeit, so fällt das Oxyd im
wasserfreien Zustande vollständig heraus, die über¬
stellende Flüssigkeit ist farblos.
Durch Schmelzen mit Salpeter, bei Gegenwart eines
Alkalis wird das Chromoxyd für sich wie auch in allen
seinen Verbindungen, leicht in Chromsäure übergeführt,
die dann in Verbindung mit dem Alkali, in Wasser auf¬
löslich ist.
Thorerde. Yttererde. ir
Vor dem Löthrohr ertheilen das Chromoxyd und
seine Verbindungen den Flüssen ( dem Phosphorsalz
und Borax) in der innern und äussern Flamme eine
schön smaragdgrüne Farbe.

2) In Kali unlöslich. — Thorerde, Yttererde, Cer¬


oxydul, Zirconerde , Titansäure.

a) Thorerde, Th 0. — Diese sehr selten vorkom¬


mende Erde ist als Hydrat in Säuren leicht löslich, nach
dem Trocknen nur schwer und im geglühten Zustande
nur in heisser Schwefelsäure. Ihre Auflösungen gehen
mit ätzenden fixen Alkalien einen voluminösen, in einem
Ueberschuss derselben ganz unlöslichen Niederschlag;
fixe kohlensaure Alkalien, so wie kohlensaures Ammo¬
niak fällen basisch kohlensaure Thorerde, die in einem
Ueberschuss der conceutrirten Auflösung des Fällungs¬
mittels leicht löslich ist. — Schwefelsaures Kali erzeugt
nach und nach in Thorerdesalzen einen Niederschlag
eines schwefelsauren Doppelsalzes, der im Ueberschuss
der conceutrirten Lösung des schwefelsauren Kalis
ganz unlöslich ist.
b) Yttererde, Y 0. — Die Yttererde ist auch nach
dem Glühen noch in Säuren löslich; ihre Auflösungen
verhalten sich gegen Reagentien genau wie die der
Thorerde; sie unterscheidet sich von dieser wesent¬
lich dadurch, dass das schwefelsaure Doppelsalz in
18 Zirkonerde.

viel Wasser, so wie auch in einer verdünnten Lösung


von schwefelsaurem Kali löslich ist.
c) Ceroxydul, Ce 0 und Ceroxyd, Ce 203. — Eine
cerhaltige Auflösung enthält das Metall, nach dem Er¬
wärmen mit Salzsäure, immer als Oxydul. War Cer¬
oxyd vorhanden, so entwickelt sich hierbei Chlor.
Die Lösungen der Ceroxydulsalze sind im concentrir-
ten Zustande amethystroth; fixe ät%ende Alkalien, so
wie auch Ammoniak, fällen Ceroxydulhydrat, im Ueber-
schuss des Fällungsmittels unlöslich und an der Luft,
unter Sauerstoffaufnahme,gelbwerdend. Lösliche koh¬
lensaure Salze fällen kohlensaures Ceroxydul, das
sich im Ueberschuss des Fällungsmitttels ein wenig
auflöst. Schwefelsaures Kali fällt nach einiger Zeit
ein weisses krystallinisches Doppelsalz,im üeberschuss
des schwefelsauren Kalis unauflöslich.
Vor dem Löthrohr liefert das Ceroxydul, indem es
in Oxyd übergeht, mit Borax und Phosphorsalz in der
äusseren Flamme eine rothe Perle , deren Farbe beim
Erkalten grösstentheils, in der inneren Flamme aber
vollständig verschwindet.
d) Zirkonerde, ZrO.— Die natürlichen Verbindun¬
gen der Zirkonerde sind nur durch Glühen mit ätzen¬
den Alkalien vollkommen aufschliessbar; nach dem
Glühen für sich ist die Erde nur noch in Schwefel¬
säure lösbar. Sie steht in ihrem Verhalten der Thor¬
erde und Yttererde am nächsten; ihre Auflösungen bil-
Titansäure. 19

den indessen mit schwefelsaurem Kali in der Wärme


ein weisses Doppelsalz, das in Wasser nnd Säuren fast
unauflöslich ist. Von der Yttererde unterscheidet sie
sich, ( nach dem Glühen) noch wesentlich, durch die
Auflöslichkeit der letzteren in Säuren.
e) Titansäure, Ti0 2. — Die natürlichen Verbin¬
dungen der Titansäure werden durch Glühen mit koh¬
lensauren Alkalien unter Bildung- von saurem, titan¬
saurem Alkali zersetzt , welches in starker Salzsäure in
der Kälte oder auch hei gelindem Erwärmen vollkom¬
men löslich ist. Aus dieser Auflösung, so wie aus der
Auflösung in Säuren überhaupt , wird die Titansäure
durch anhaltendes Kochen mit weisser Farbe gefällt;
sie ist dann in Säuren nicht mehr löslich, ausgenom¬
men in concentrirter Schwefelsäure. Durch ätzende
und kohlensaure Alkalien wird die Titansäure aus ihrer
salzsauren Lösung als voluminöses, weisses Titansäu¬
rehydrat gefällt , das im Ueberscbuss des Alkalis un¬
löslich, in Säuren jedoch, in der Kälte, vollkommen
löslich ist. Auch durch Oxalsäure wird die Titansäure
aus ihren Auflösungen in nicht zu viel Salzsäure (als
oxalsaure Titansäure) gefällt. Die durch Kochen oder
durch ein Alkali gefällte Titansäure läuft bei dem Aus¬
waschen, so wie alle Säure oder alles Alkali entfernt
ist, mit dem Wasser durch das Filtrum und trübt die
Flüssigkeit milchicht.
(
Bringt man metallisches Zinkoder auch Zinn und
20 Tantalsäure.
Eisen) in die salzsaure Auflösung' der Titansäure, so
reducirt sich letztere durch den im Entstehungsmoment
auftretenden Wasserstoff zu einem niedrigeren Oxyd,
welches anfangs in der Salzsäure mit blauer Farbe ge¬
löst bleibt, bei längerer Einwirkung des Zinks aber als
violettes Pulver niederfällt. Schwefligsaures Ammo¬
niak fällt die Titansäure aus ihren sauren Auflösungen
beim Erwärmen vollständig; Blutlaugensalz erzeugt
mit reiner Titansäurelösung einen rothbraunen, mit
eisenoxydhaltiger einen dunkelgrünen Niederschlag.
Bei Gegenwart von Weinsäure wird die Titansäure
durch Alkalien ( also auch durch Schwefelammonium)
nicht gefällt.
Reine Titansäure ertheiltder erkalteten Phosphor¬
salzperle nach anhaltendem Blasen (leichter auf Zu¬
satz von Zinn) in der inneren Löthrohrflamme eine
violettblaue Farbe, die in der äusseren Flamme wieder
verschwindet. Küsenhaltige Titansäure giebt in der in¬
neren Flamme eine blutrothe Perle.

3) Als Hydrat in Kali löslich, in Säuren dagegen


unlöslich.

a) Tantalsäure, Ta0 3. -— Die natürlichen Verbin¬


dungen der Tantalsäure lassen sich durch Glühen mit
Kalihydrat wie auch mit saurem schwefelsaurem Kali
aufschliessen, Die für sich geglühte Tantalsäure ist in
allen Säuren und Alkalien unauflöslich, ihr Hydrat löst
Nickeloxydul.
21

sich dagegen in Aetzkali, in Fluorwasserstoffsäure und


in saurem oxalsaurem Kali, wenig in Schwefelsäure
und mehreren anderen Säuren ; kohlensaure Alkalien
schlagen aus den letzteren Auflösungen Tantalsäure¬
hydrat nieder : die Auflösung in Schwefelsäure wird
auch durch Wasser gefällt und die so niederfallende,
schwefelsäurehaltige Tantalsäure löst sich in feuchtem
Zustande bei längerer Berührung mit concentrirter
Salzsäure in reichlicher Menge. Die salzsaure Lösung
trübt sich heim Kochen, so wie auf Zusatz von Schwe¬
felsäure oder schwefelsauren Salzen. Die feuchte,
schwefelsäurehaltige Tantalsäure löst sich, mit Zink
und wässeriger Salzsäure in Berührung, zu einer schön
blauen, später dunkelbraun werdenden Flüssigkeit auf.

II . Metalloxyde , welche durch Schwefelammonium als Schwefel¬


metalle gefällt werden.

a) Nickeloxydul, NiO. — Das Nickeloxydul bildet


mit Säuren grüne Salze; die vom Krystallwasser befrei¬
ten oder wasserleeren Salze sind hellgelb. Die Lösun¬
gen dieser Salze werden, wenn sie mit einer starken
Mineralsäure angesäuert sind, durch Schwefelwasser¬
stoff gar nicht gefällt ; die neutralen Verbindungen
des Oxyduls mit einer Mineralsäure werden durch das
Reagens nur (heilweise, nach dem Zusatz einer hin¬
reichenden Menge eines essigsauren Alkalis jedoch
22 Nickeloxydul.
fast vollständig gefallt , weil das entstehende schwarze
Schwefelnickel , Ni S, in Essigsäure so gut wie unlös¬
lich ist . Schicefelarnmoninm erzeugt in neutralen oder
vorher ammoniakalisch gemachten Auflösungen des
Nickeloxyduls den nämlichen schwarzen Niederschlag;
der zugesetzte Ueberschuss des Schwefelammoniums
behält eine kleine Menge Schwefelnickel aufgelöst,
wesshalb die über dem Niederschlag stehende oder
davon abfiltrirte Flüssigkeit immer eine braune Farbe
besitzt . Das Schwefelnicke ] ist schwerlöslich in Salz¬
säure , leichtauflöslich in Salpetersäure oder Salpeter¬
salzsäure.
Ammoniak fällt , selbst aus neutralen Lösungen
der Nickelsalze , nur einen sehr kleinen Theil des Oxy¬
duls als Hydrat ; auf Zusatz von mehr Ammoniak löst
sich alles wieder und die grüne Farbe der Lösung
geht in blau über . Kali schlägt aus dieser , Ammoniak¬
salz und freies Ammoniak enthaltenden Auflösung apfel¬
grünes Nickeloxydulhydrat nieder , gerade so wie aus
einer ammoniak freien Lösung . Kohlensäure Alkalien
geben einen blassgrünen Niederschlag , der sich in
überschüssigem kohlensaurem Ammoniak leicht mit
grünblauer Farbe auflöst . Kohlensäure alkalische Erden
fällen die Nickeloxydulsalze in der Kälte nicht . Cyan¬
kalium fällt grünweisses Cyannickel , Ni Cy, das sich
im Ueberschuss des Cyankaliums leicht auflöst . Die Lö¬
sung enthält das Doppelcyanür , KCy -f- Ni Cy, aus wel-
Kobaltoxydul. 23

chem durch Säuren (Schwefelsäure oder Salzsäure)


das eine Glied der Verbindung (NiCy) wieder abge¬
schieden wird, während das andere (KCy) unter Blau¬
säureentwickelung zerlegt wird. Das abgeschiedene
Cyannickel ist nur in der Siedhitze in einem Ueber-
schuss der Säure löslich. Aus essigsaurem Nickeloxyd,
oder aus einer mit essigsaurem Alkali versetzten Lö¬
sung eines mineralsauren Nickeloxydulsalzes fällt auch
freie Blausäure Cyannickel.
In der äussern Lüthrohrflamine ertheilen Nickel¬
verbindungen der Borax- und Phosphorsalzperle eine
röthliche, beim Erkalten nach und nach verschwin¬
dende Färbung. In der Boraxperle wird das Nickel¬
oxydul in der inneren Flamme zu Metall reducirt, wel¬
ches als feines Pulver die Perle grau färbt.
b) Kobaltoxydul, CoO.— DieSalze des Kobaltoxy¬
duls sind im wasserleeren Zustande, wie in concentrir-
ter, freie Säure haltender Lösung gewöhnlich blau; die
wässrigen Lösungen besitzen immer eine karmoisin-
rothe Farbe. Gegen Schwefelwasserstoff' und Schwe¬
felammonium verhalten sie sich den Nickeloxydulsal¬
zen analog; das gefällte schwarze Schwefelkobalt,
CoS, ist jedoch in Schwefelammonium ganz unlöslich;
aus einer, vorher mit essigsaurem Alkali versetzten
Kobaltoxydullösung wird durch Schwefelwasserstoff
das Metall vollständig ausgefällt.
Ammoniak schlägt aus neutralen, kein Ammoniak-
24 Kobaltoxydul.

salz enthaltenden Kobaltoxydullösungen einen Theil


des Oxyduls als blaues basisches Salz nieder, das nach
und nach roth, bei Luftzutritt aber sogleich grün und
braun wird ; saure oder ammoniaksalzhaltige Lösungen
geben mit Ammoniak eine klare rothe Flüssigkeit,
welche an der Luft rasch Sauerstoff aufnimmt und
braunes Oxydhydrat absetzt. — Fixe ät%ende Alka¬
lien fällen aus luftfreien Kobaltoxydulauflösungen
blaue Flocken, die beim Erhitzen rosenroth, bei Luft¬
zutritt jedoch unter Sauerstoffaufnahme olivengrün
oder schmutzig violett werden. Enthält die Kobaltlö¬
sung viel Ammoniaksalz, so erzeugt Kali bei Luftab¬
schluss keinen, bei Luftzutritt einen geringen braunen
Niederschlag. — Kohlensäure Alkalien schlagen aus
Kobaltoxydulsalzen pfirsichblüthrothes, kohlensaures
Kobaltoxydul nieder, das sich in überschüssigem koh-
lensaurem Ammoniak leicht mit derselben Farbe auf-
löst. — Durch kohlensaure alkalische Erden werden
die Kobaltoxydullösungen in der Kälte nicht gefällt. —
Cyankalium fällt aus sauren Kobaltlösungen bräunlich-
weisses Kobaltcyanür, Co Cy, das sich im Ueberschuss
des Fällungsmittels, bei Gegenwart freier Blausäure
leicht wieder löst. Säuren fällen aus dieser Lösung
die Cyanverbindungnicht wieder heraus, da sie jetzt
Kobaltcyanidkalium(Co2 Cy6j - - 3 K) enthält *).

') 2 Co Cy + 3 K Cy + Cy H = Coa Cy 6 + 3 K + H.
Manganoxydul. 25

Enthält die Lösung des Kobaltoxyduls zugleich


Nickeloxydul, so entsteht auf Zusatz von Salzsäure zu
der Lösung der Cyanverbindung in jedem Fall ein
grünlicher Niederschlag, der immer alles Nickel ent¬
hält, aber nur dann alles Kobalt, wenn in der Lösung
auf 2 Aeq. Kobalt wenigstens 3 Aeq. Nickel vorhan¬
den waren. Er besteht dann aus Kobaltcyanidnickel,
Co2Cy6 3 ff ; bei einem grösseren Nickelgehalt ist
ihm Cyannickel, Cy Ni, beigemengt. Ist das Kobalt in
einem grösseren Verhältnisse zugegen, so ist der Nie¬
derschlag nur Kobaltcyaniduickel und es bleibt noch
Kobalt (als Kobaltcyanidkalium) in Lösung.
Borax auch
( Phosphorsalz) giebt mit Kobaltsalzen
in der inneren und äusseren Löthrohrflamme ein schön
blaues Glas, dessen Farbe durch die Gegenwart ande¬
rer Oxyde der nämlichen Gruppe nicht verdeckt wird.
Gegen kohlensaures Natron verhalten sie sich wie die
Nickelverbindungen.
c) Manganoxydul, Mn 0. — Die Manganoxydul-
salze lösen sich meistens in Wasser mit blassrosen-
rother Farbe auf ; alle lösen sich in Salzsäure ; die
höheren Oxyde des Mangans gehen beim Erwärmen
mit dieser Säure, unter Chlorentwicklung, in Oxydul
über. Durch Schwefelwasserstoffwerden die Mangan-
oxydulsalze (selbst das essigsaure Salz) nicht gefällt;
Schwefelammonium schlägt alles Metall als lleisch-
rothes Schwefelmangannieder, das in starker Essig-
2
26 Manganoxydul.

säure leicht löslich ist und an der Luft (unter Sauer-


stofiaufnahme ) braunschwarz wird . Bei Gegenwart
von Eisen ist der Niederschlag sogleich braun oder
schwarz . Fixe ätzende Alkalien fällen alles Mangan,
als weisses Oxydulhydrat , das an der Luft schnell braun
wird . — Ammoniak fällt aus neutralen Manganoxy-
dulsalzen nur die Hälfte des Oxyduls als weisses , an
der Luft braun werdendes Hydrat ; Ammoniaksalze lösen
das Manganoxydulhydrat wieder auf oder verhindern
diese Fällung ; aus demselben Grunde entsteht in einem,
freie Säure enthaltenden Manganoxydulsalz durch
Ammoniak kein Niederschlag . Die freies Ammoniak ent¬
haltende Auflösung des Manganoxydulsalzes trübt sich
aber an der Luft und setzt nach und nach alles Me¬
tall als braunes Oxydhydrat ab, sofern nämlich Ammo¬
niak in hinreichender Menge vorhanden ist . — Fixe
einfach kohlensaure Alkalien und auch kohlensau¬
res Ammoniak fällen weisses , an der Luft nicht braun
werdendes , kohlensaures Manganoxydul , das in Sal¬
miak nur äusserst wenig auflöslich ist . — Kohlensäure
alkalische Erden zersetzen , in der Kälte , die Mangan-
oxyd ulsalze nicht . — Schmilzt man eine Mangan Ver¬
bindung mit kohlensaurem Natron auf dem Platinblech
zusammen , so entsteht unter Sauerstoffabsorption grü¬
nes mangansaures Natron . Dies ist die empfindlichste
Probe auf Mangan ; Zusatz einer geringen Menge eines
Oxydationsmittels (Salpeter oder chlorsaures Kali) er-
Eisenoxyd»!. 27

leichtert das Gelingen des Versuchs. Borax und Phos¬


phorsalz geben mit Manganverbindungen in der äusse¬
ren Lüthrohrflanmie amethystrothe Gläser, deren Farbe
in der inneren Flamme wieder verschwindet.
d) Eiseno.vydul, FeO . — Coneentrirte Lösungen
der Salze des Eisenoxyduls sind blass grünlichblau,
verdünnte farblos; die wasserfreien Salze sind weiss.
Sie entziehen der Luft Sauerstoff, das Oxydul verwan¬
delt sich dabei in Oxyd, das sich als gelbes basisches
Salz aus der neutralen Lösung absetzt. Durch Oxyda¬
tionsmittel (Chlor, unterchlorige Säure, heisse Salpe¬
tersäure) wird die Ueberführung von Oxydul in Oxyd
rascher und vollständiger bewirkt. Bei der Oxydation
durch Salpetersäure bleibt anfangs das sich abschei¬
dende Stickoxyd mit dem Rest des Oxydulsalzes als
grünbraune Verbindung aufgelöst, die sich in der
Wärme unter Stickoxydentwicklung zerlegt . (Ent¬
deckung der Salpetersäure.) — Schtcefehvassersto/f'
schlägt aus neutralen Eisenoxydulsalzenmit stärkeren
Mineralsäuren nur sehr wenig Metall als schwarzes
Schwefeleisen (Fe S) nieder, schwach angesäuerte
werden gar nicht gefällt ; eine Ausnahme macht jedoch
das essigsaure Eisenoxydul ( oder eine mit essigsaurem
Alkali versetzte Eisenoxydullösung) , das auch im sau¬
ren Zustande theilweise gefällt wird. Schwefelammo¬
nium fällt alles Eisen als Schwefelmetall, das im Ueber-
schuss nicht löslich ist ; bei Gegenwart von Weinsäure
2*
28 Eisenoxydul.

oder andern nicht flüchtigen organischen Sauren bleibt


ein kleiner Theil des Schwefeleisens in der Flüssig¬
keit suspendirt, so dass letztere dadurch eine hellgrüne
Farbe behalt ; bei gelindem Digeriren in der Warme
schlagt sich indessen alles Schwefeleisen nieder und
die Flüssigkeit wird (von überschüssigem Schwefel-
annnonium) rein gelb. An der Luft oxydirt sich das
Schwefeleisen sehr leicht, indem es sich rothbraun
färbt. ■— Fixe ätzende Alkalien fällen alles Metall
als weisses Oxydulhydrat, das an der Luft augenblick¬
lich schmutziggrün, zuletzt rothbraun wird. — Ammo¬
niak schlägt die Eisenoxydulsalze nur theilweise, bei
Vorhandensein von hinreichend freier Säure oder, was
dasselbe ist, von Ammoniaksalzen, gar nicht nieder;
die freies Ammoniak haltende Flüssigkeit nimmt indes¬
sen an der Luft rasch Sauerstoff auf und setzt anfangs
grünes , dann braunes höheres Oxyd ab. — Fixe koh¬
lensaure Alkalien, sowie kohlensaures Ammoniak fäl¬
len weisses , in Salmiak lösliches kohlensaures Oxy¬
dul, das sich an der Luft dem reinen Oxydul ähnlich
verhält. — Kohlensäure alkalische Erden fällen
Eisenoxydulsalze nicht. — Ferrocyankalium er¬
zeugt in ( vollkommen oxydfreien) Eisenoxydullösun¬
gen einen weissen, in luft- oder wenig oxydhaltigen
einen bläulichen Niederschlag von Ferrocyankalium-
eisen, 2 Cfy, ^ J, der an der Luft oder durch Be¬
handlung mit Chlor oder Salpetersäure rasch blau wird,
Eisenoxyd. 29

indem Berlinerblau, 3 Cfy-f- 4 Fe, entsteht *). Ferrid-


cyankalhtm giebt mit Eisenoxydulsalzen sogleich
einen schön blauen Niederschlag von Ferridcyaneisen,
2 Cfy-1~ 3 Fe, in welchem die 3 At. Kalium des Ferrid-
cyankaliums (2Cfy -(- 3 K) durch 3 Aeq. Eisen ersetzt
sind. Diese Niederschläge sind in Säuren unlöslich,
durch Alkalien werden sie jedoch, unter Abscheidung
von Eisenoxyd,leicht zerlegt . — Vor dem Löthrohr zei¬
gen die Verbindungen des Eisenoxyduls das nämliche
Verhalten wie die Oxydsalze.
e) Eisenoxyd, Fe 2 0 ;j. — Die Salze des Eisen¬
oxyds geben fast alle mit Wasser oder, wenn sie darin
unlöslich sind, mit Salzsäure braungelbe Lösungen,
die im neutralen Zustande oder bei Gegenwart von
essigsaurem Alkali durch Kochen unter Abscheidung
von Oxydhydrat zersetzt werden . Durch Behandlung
mit metallischem, Eisen, mit sclncefliger Säure oder
mit Schwefelwasserstoff werden sie zu Oxydulsalzen
reducirt ; im letzteren Fall unter Abscheidung von

*) 3 Aeq. des FerrocyanUalinmeisens verlieren hierbei


alles Kalium (3 Aeq.) und 1Aeq. Eisen, welche oxydirt wer¬
den nämlich: 6 Cfy -j - g pe J + 4 0 = ( fi Cfy + 8 Fe) + 3
KO FeO. Das abgeschiedene Eisenoxydul (oder vielmehr
Oxydulsalz) geht natürlich durch Aufnahme von noch mehr
Sauerstoff in Oxyd über. Bei Anwendung von C'lilor werden
Kalium und Eisen als Chloride hinweggenommen.
30 Eisenoxyd.

Schwefel, der die Flüssigkeitmilchicht trübt *) . Gegen


Schwefelammonium verhalten sie sich wie die Oxy¬
dulsalze, dem niederfallenden schwarzen Schwefel¬
eisen, Fe S, ist alsdann freier Schwefel beigemengt.
— Aetzende Alkalien, auch Ammoniak, fällen Eisen-
oxydsalze vollständig als Oxydhydrat,Fe2 03-|- 2H0, im
Ueberschuss des Fällungsmittels, auch hei Gegenwart
von Ammoniaksalzen ganz unlöslich; Gegenwart von
nicht flüchtigen organischen Säuren, Zucker, Eiweiss,
verhindert diese Fällung ; kohlensaure Alkalien be¬
wirken den nämlichen Niederschlag, unter Freiwerden
von Kohlensäure. — Kohlensäure alkalische Erden
fällen, schon in der Kälte, das Eisenoxyd vollständig
aus. — Phosphorsaures Natron fällt weisses phos¬
phorsaures Eisenoxyd, 2 Fe2 0 3, 3 P05 13 aq, das
durch freie Alkalien braun wird und sich in Ammoniak
bei vorwaltendem phosphorsaurem Natron löst ; in Es¬
sigsäure ist das phosphorsaure Eisenoxyd unlöslich
(Trennung von phosphorsauren alkalischen Erden) .—
Ferrocyankalium erzeugt einen schön blauen, in Salz¬
säure unlöslichen Niederschlag von Ferrocyanid-Eisen
(Berlinerblau) **) .Ferridcyankalium giebt keinen Nie-

*) Nämlich : Fe20 3,3 S0 3 Fe = 3 (FeO, S0 3) .— Fe2 0 3,


+ SO, = 2FeO + S0 3. - Fe2 0 3 SII
+ = 2 FeO + HO + S.
**) 3 At. Ferrocyankalium , 3 Cfy | 6K zerlegen sich
Zink oxyd . 31

dersclilag, die Flüssigkeit nimmt nur eine dunklere


Farbe an.
Die Oxyde des Eisens oder ihre Verbindungen er-
theilen in der äusseren Lötbrobrflamme dem Borax-
und Phosphorsalz- Glase eine dunkelrothe, beim Erkal¬
ten heller werdende, in der innern Flamme eine grüne
Farbe, die beim Erkalten ganz verschwindet.

Das Eisen wird von den übrigen Gliedern dieser


Gruppe immer als Oxyd, niemals als Oxydul abge¬
schieden; dies ist der Grund, warum die salzsaure
Lösung des Schwefelammonium-Mederschlags, falls
seine schwarze oder graue Farbe auf einen Eisenge¬
halt hindeutet, immer mit einigen Tropfen Salpeter¬
säure zum Sieden ersetzt werden muss.

f) Zinkoxyd, Zn 0. — Die Salze des Zinkoxyds


sind farblos, meistin Wasser, alle in Salzsäurelöslich.—
Zinkoxydsalze mit schwächeren Säuren (wie z. B. es¬
sigsaures Zinkoxyd oder eine mit essigsaurem Alkali
versetzte Zinkoxydlösung) werden durch Schwefel-

hierbei mit 2 At. des Eisenoxydsalzes 2 ( Fe2 0 3, 3 S0 3) in


Berlinerblau , 3Cfy -j- 4 Ee und in 6 At. Kalisalz ß ( KO, S0 3.)
32 Zinkoxyd. Uranoxyd.

tcassersloff vollkommen gefällt : der Niederschlag ist


weisses Schwefelzink, Zn S, in Kali unlöslich. Enthält
die Zinkoxydlösung eine hinreichende Menge einer
stärkeren Mineralsäure, so entsteht durch Schwefel¬
wasserstoff kein Niederschlag. — Schwefelammonium
fällt die Zinkoxydsalze vollständig. — Aets&ende Al¬
kalien, auch Ammoniak, fällen Zinkoxydhydrat, im
Deherschuss des Fällungsmittels leicht löslich; fixe
kohlensaure Alkalien fällen basisch kohlensaures
Zinkoxyd, im Ueherschuss unlöslich, löslich aber in
Ammoniaksalzen, deren Gegenwart auch seine Fällung
verhindert. Ueberschüssiges kohlensaures Ammoniak
löst das anfangs niederfallende kohlensaure Zinkoxyd
xvieder auf. — Kohlensäure alkalische Erden fällen
Zinkoxydsalze nicht.
Auf der Kohle mit kohlensaurem Nation in der
innern Löthrohrflamme behandelt, liefern die Zinkver¬
bindungen einen weissen Beschlag von Zinkoxyd; mit
salpetersaurem Kobaltoxydul befeuchtet und stark ge¬
glüht , geben sie einen grünen Rückstand.
g) Uranoxyd, Ur2 Oj . — Die Salze des Uranoxyds
geben mit Wasser oder Salzsäure gelbe Lösungen;
sie werden durch Schwefelwasserstoff zu Oxydulsal¬
zen reducirt, die aber sehr leicht an der Luft oder
durch Behandlung mit Salpetersäure (auch in der
Kälte) wieder in Oxydsalze übergehen. — Schwefel¬
ammonium fällt aus den Oxyd- und Oxydulsalzen braun-
Uraiioxyd. 33

schwarzes Schwefeluran ( Ur Su . Ur2 S 3),das sich iin


erstcren Fall nur langsam zu Boden setzt , wesshalb
die Flüssigkeit einige Zeit schwarz erscheint . —
Aelzende Alkalien, auch Ammoniak, fällen pomeran-
zengelbes Uranoxydalkali , im Ueberschuss unlöslich ; —
kohlensaure Alkalien geben einen blassgelben Nieder¬
schlag , im Ueberschuss löslich , namentlich in kohlen¬
saurem Ammoniak. Durch Kochen wird diese Lösung
wieder gefällt . — Kohlensäure alkalische Erden fäl¬
len die Uranoxydsalze , analog den Eisenoxydsalzen .—
Schwefligsaures Ammoniak fällt in der Siedhitze
gelbes , schwelligsaures Uranoxyd . — Ferrocyanca-
lium giebt einen lebhaft rothbraunen Niederschlag .—
Die Uranoxydulsalze verhalten sich den Oxydsalzen
ganz ähnlich ; ihre Lösungen , so wie die durch ätzende
oder kohlensaure Alkalien daraus abgeschiedenen Ver¬
bindungen sind meistens grün, bei Beimischung von
Oxyd graugrün oder braun.
Alle Oxyde des Urans oder ihre Verbindungen er-
theilen dem Phosphorsalz oder Borax in der äusseren
Flamme eine gelblichgrüne ( bei Borax rein gelbe ) Farbe,
die in der innern Flamme grün wird.

Fünf Oxyde dieser Gruppe , nämlich das Nickel¬


oxydul , Koballoxydul , Eisenoxydul , Manganoxydul
und Zinkoxyd, bilden , in ihren Salzen , Doppelverbin-
2 **
34 Metalle der vierten Gruppe.

düngen mit Aminoniaksalzen, die durch Alkalien nicht


unter Fällung des Oxyds zerlegt werden können,
(durch fixe ätzende Alkalien wird das Nickeloxydul
indessen aus der ammoniaksalzhaltigenLösung ge¬
fällt) . — Eine Ausnahme hiervon machen das Eisen¬
oxyd und das Uranoxyd , die auch durch Ammoniak
(bei Gegenwart von Ammoniaksalz) , vollständig aus-
gefällt werden. Nicht flüchtige organische Säuren ver¬
hindern aber auch die Fällung dieser beiden Oxyde.
Mit Ausnahme des Zinkoxyds, sind säinmtliche eben
erwähnten Oxyde in fixen ätzenden Alkalien unlöslich;
alle bilden mit Phosphorsäure in Wasser unlösliche,
in Mineralsäuren lösliche Verbindungen.

IV . Gruppe. Metalle, deren Schwefelverbindungen


in verdünnten starken Mineralsäuren unlöslich
sind , die also aus ihrer sauren Lösung in diesen
Säuren durch Schwefelwasserstoff vollständig
ausgefällt werden können.

Diese Gruppe zerfällt, je nach der Natur der Sauer¬


stoff- und Schwefelverbindungenihrer Glieder, in zwei
Unterabtheilungen, nämlich:
A) in Metalle, deren Sauerstoff- und Schwefelver-
bindungen den Charakter einer Base besitzen : Blei,
Metalle der vierten Gruppe. 85

Silber, Quecksilber, Wismuth, Kupfer , Cadmium,


Palladium , Rhodium, Osmium.
Die Schwefelverbindungen dieser Metalle lösen
sich in den löslichen Schicefelbasen Schwefelkalium,
(
Schwefelammonium) nicht auf.
B) In Metalle, deren Sauerstoff- und Schwefel Ver¬
bindungen den Charakter einer Säure besitzen : Anti¬
mon, Arsen , Zinn, Gold, Platin , Iridium , Selen,
Tellur, Wolfram , Molybdän, Vanadin.
Die Schwefelverbindungen dieser Metalle lösen
sich in den löslichen Schwefelbasen auf ; sie bilden
damit ihren Sauerstoffsalzen correspondirende Schwe¬
felsalze ’) .
Versetzt man die Lösung eines solchen Schwefel¬
salzes, oder was dasselbe ist, die Lösung eines dieser
Abtheilung angehörenden Schwefelmetalls in Schwe¬
felammonium, mit einer freien Säure, so wird dadurch,
unter Entwicklung von Schwefelwasserstoff ( der von
der Zersetzung der Schwefelbase herrührt ) , die Sulfo-
säure mit der ihr eigenthümlichen Farbe unlöslich ab¬
geschieden ") .

*) z. B. Schwefelantimon - Schwefelkalium. Antimonsaures Kali.


Sb S6 3+ K S. Sb 0 5 3+ KO.
Schwefelzinn - Schwefelkalium. Zinnsaures Kali.
Sn S2 KS.
+ Sn0 2 KO.
+
Schwefelwolfram - Schwefelkalium. Wolframsaures Kali.
Wo S3j - - KS. Wo 0 3KO.
+
*) Sb S„ 3 KS -j- 3 C11I = Sb S5 3+ KCl + 3 SH.
36 Bleioxyd.
Behandelt man einen aus zweien oder mehreren
Schwefelmetallen dieser beiden Abteilungen beste¬
henden Niederschlag(z. B. Schwefelsilber und Schwe¬
felarsen) mit Schwefelammonium in gelinder Warme,
so lost sich das saure Sulfid, das Schwefelarsen, auf,
das basische, das Schwefelsilber, bleibt zurück ; durch
Filtriren und Auswaschen des auf dem Filter geblie¬
benen, werden beide vollständig getrennt. Aus der
Lösung in Schwefelammoniumfällt man alsdann das
Schwefelarsen durch Salzsäure und prüft es näher,
nach dem für diese Abtheilung angegebenen Gange.

1) Verhalten der Metalloxyde der ersten Unterahtlieilung dieser


Gruppe.

a) Bleioxyd,, PbO. — Die Salze des Bleioxyds


sind farblos, sofern die Säure nicht gefärbt ist ; ihre
Auflösungen werden durch Schwefelwasserstoff und
Schwefelammonium als schwarzes Schwefelblei, PbS,
gefällt ; selbst die unlöslichen Verbindungen des Blei¬
oxyds verwandeln sich durch Digestion mit Schwe-
felammonium in Schwefelblei. Bei Gegenwart von sehr
viel freier Salzsäure ist der Niederschlag braun oder
auch roth. — Salzsäure oder lösliche Chlormetalle
fällen aus nicht zu sehr verdünnten Bleioxydlösungen
weisses Chlorblei, Pb CI, in viel Wasser wie auch in
Kali löslich. — Schwefelsäure oder schwefelsaure
Bleioxyd. 37

Salze schlagen weisses, schwefelsaures Bleioxyd, PbO,


S03, nieder.— Chromsaure Salze füllen gelbes chrom-
saures, — arsensaure , phosphorsaure und Oxal¬
säure Salze weisses arsensaures, phosphorsauresund
oxalsaures Bleioxyd. Alle diese Niederschlage sind
unlöslich (wie das schwefelsaure und chromsaurc
Bleioxyd) oder schwerlüslich (wie die übrigen) in
verdünnter Salpetersäure ; sie lösen sich sämmtlich in
fixen ätzenden Alkalien. — Ammoniak fällt (jedoch
nicht aus essigsaurem Bleioxyd) weisses Bleioxydhy¬
drat, im Ueberschuss unlöslich; fixe ätzende Alkalien
bewirken dieselbe Fällung, das ausgeschiedene Blei¬
oxyd ist jedoch in einem grossen Ueberschuss des Al¬
kalis löslich. — Kohlensäure Alkalien fällen kohlen¬
saures Bleioxyd, im Ueberschuss unlöslich, löslich aber
in ätzendem Kali.
Alle Bleiverbindungen liefern, mit einem Reduc-
tionsmittel ( Soda oder Cyankalium) vor dem Löthrohr
auf der Kohle erhitzt, ein ductiles Metallkorn und einen
gelben Anflug von Oxyd.
b) Silberoxyd, Ag 0. — Die Silbersalze sind fast
sämmtlich farblos, sie hinterlassen beim Glühen, mit
wenigen Ausnahmen, metallisches Silber. Sie werden
metallisch gefällt, durch viele Metalle, namentlich
Zink, Eisen, Kupfern, s. w., ferner durch Eisenvitriol,
Zinnchloriir , schweflige Säure und mehrere orga¬
nische Verbindungen. — Schwefelwasserstoff und
38 Quecksilbcroxydul.

Schwefelammonium fällen braunschwarzes Schwe¬


felsilber, Ag S; — Salzsäure oder lösliche Chlorme¬
talle fällen weisses käsiges Chlorsilber, Ag CI, leicht¬
löslich in Ammoniak, unlöslich in Salpetersäure. —
Fixe Alkalien fällen braunes Silberoxyd; Ammoniak
giebt mit neutralen Silberlösungen nur eine geringe
Trübung, mit sauren gar keine Fällung; — kohlen-
saure Alkalien fällen weisses kohlensaures Silber¬
oxyd, das in überschüssigem kohlensaurem Ammoniak
löslich ist.
c) Quecksilberoxydul, IIg 2 0 . — Die basischen
Salze des Quecksilberoxyduls sind gelb, die neutralen
weiss , mehrere der letzteren zerlegen sich mit viel
Wasser unter Abscheidung von basischem Salz.— Im
metallischen Zustande wird das Quecksilber durch die¬
selben Stoffe aus diesen Salzen gefällt, die auch das
Silber reduciren (siehe dieses) . — Schwefelwasser¬
stoff und Schwefelammonium fällen sogleich schwar¬
zes Quecksilbersulfür, IIg2 S, das sich nicht in Schwe¬
felammonium, wohl aber in Kali, unter Abscheidung
von Quecksilber, auflöst. — Salzsäure oder lösliche
Chlormetalle fällen Quecksilberchlorür, IJg2 CI , das
durch ätzende Alkalien, auch Ammoniak,schwarz wird,
indem es in Oxydul übergeht . — Aus den Lösungen
des Quecksilberoxyduls fällen ätzende Alkalien so¬
gleich schwarzes Oxydul, Ilg2 0 , kohlensaure Alka¬
lien dagegen weisses kohlensaures Oxydul.
Qnecksilberoxyd. 39

Die eben erwähnten drei Oxyde, nämlich das Blei¬


oxyd, Silberoxyd und Quecksilberoxydul, sind die ein¬
zigen aus der Gruppe, die durch Salzsäure aus ihrer
Lösung theilweise (Blei) oder vollständig ausgefällt
werden können. — Man erkennt das Chlorblei an
seiner Löslichkeit in Wasser, das Chlorsilber an seiner
Löslichkeit in Ammoniak( und Abscheidbarkeit aus die¬
ser Lösung durch Salpetersäure) das Quecksilberchlo-
rür an seiner Schwärzung durch Ammoniak.

d) Quecksilberoxyd, Hg 0. — In Betretf der Farbe


und Verhalten zu Wasser stehen die Salze des Queck¬
silberoxyds denen des Oxyduls ganz nahe; sie werden
ferner durch die nämlichen Stoffe im metallischen Zu¬
stande gefällt , indem sie meistens zuerst in Oxydul¬
salze übergehen. — Schwefehcasserstoff und Schwe-
felammoniuminXlen schwarzesQuecksilbersuliid, IlgS,
in ätzendem Kali nur bei Gegenwart von vielSchwefel-
ammoniumlöslich. Bei Zusatz von wenig Schwefelwas-
serstoff( oder Schwefelammonium) ist der Niederschlag
immer weiss ; er ist dann eine Verbindung von Schwe¬
felquecksilber mit noch unzersetztem Oxydsalz (z. B.
2 Hg S -J- Hg CI) ; mehr Schwefelwasserstoff zerlegt
diese Verbindung vollständig in schwarzes Schwefel¬
metall. Das Schwefelquecksilber ist das einzige Schwe¬
felmetall dieser Gruppe, das in starker Salpetersäure,
40 Quecksilberoxyd.

auch beim Kochen damit, unlöslich ist ; Salpetersalzsäure


löst es leicht auf. — Von ätzendem und kohlensaurem
Ammoniak werden die Quecksilberoxydsalze weiss ge¬
fällt; der Niederschlag ist eine Verbindung von Queck¬
silberamid mit unzersetztem Oxydsalz*) . — Aet-zende
fixe Alkalien fällen gelbes Quecksilberoxyd, bei (re¬
genwart von Ammoniaksalzen entsteht der nämliche
Niederschlag wie durch Ammoniak für sich. Analog
verhalten sich kohlensaure fixe Alkalien.
Alle Verbindungen des Quecksilbers werden, bei
Gegenwart eines kohlensauren Alkalis, in höherer Tem¬
peratur unter Abscheidung von Metall zerlegt, das sich,
wenn man den Versuch in einer Röhre anstellt, an den
kälteren Theilen in kleinen, mit der Loupe leicht er¬
kennbaren Kügelchen anlegt. Der Versuch gelingt
leichter, wenn man das kohlensaure Alkali sehr sch wach
befeuchtet. — In löslichen, neutralen oder schwach
sauren Verbindungen des Quecksilbers benutzt man
auch zu seiner Nachweisung die Reduction durch ein
anderes Metall. Man wählt hierzu glänzend gescheuer¬
tes Kupferblech, auf dem sich das Quecksilber nach
kurzer Zeit als grauer Fleck absetzt, der durch Reiben
metallisch glänzend wird. Durch Erhitzen muss dieser
silberglänzende Fleck wieder verschwinden.

') Z. B. 2 Hg 01 + -\ H3Hg
= ( , NH2 Hg
+ CI) + HCl.
Wisnuitlioxyd.
41

e) Wismuthoxyd, Bi0 3. — Die Verbindungen des


Wismutlioxyds sind meistens farblos; alle lösen sich
in verdünnten Mineralsäuren. Diese Lösungen des Wis¬
mutlioxyds werden, wenn sie nicht zu viel freie Säure
enthalten, durch viel Wasser unter Abscheidung einer
basischen, schwerlüsliclien oder ganz unlöslichen Ver¬
bindung zerlegt . Dieses Verhalten zeigt namentlich
das Chlorwismuth, wesshalb man bei qualitativen Ver¬
suchen die Lösung des fraglichen Oxyds in Salpeter¬
säure unter Zusatz von Salzsäure verdampft, wobei
das salpetersaure Oxyd in Chlormetall übergeht. Giesst
man nun die nicht ganz bis zur Trockne verdampfte
Lösung in viel Wasser, so entsteht bei Anwesenheit
von Wismuthoxyd ein weisser Niederschlag von ba¬
sischem Chlorwismuth*) ; die freie Säure behält noch
eine kleine Menge Oxyd in Lösung. — Schwefelwas¬
serstoffuni Schwefelammonium fällen auch aus stark
angesäuerten Lösungen braunschwarzes Schwefelwis-
rnuth, BiS3; fixe ätzende Alkalien, so wie Ammoniak,
fällen weisses Hydrat, im Ueberschuss unlöslich; koh¬
lensaure Alkalien fällen kohlensaures Oxyd, im Ueber¬
schuss ein wenig löslich; — chromsaures Kali fällt
gelbes, chromsaures Wismuthoxyd, in Salpetersäure
löslich, in Kali unlöslich.

‘) 3 ßi CI3f - 6 HO = Bi Cl3, 2 Bi 03 6+ CI H.
42 Kupferoxyd.

Auf der Kohle in der innern Löthrohrflamme mit


Reductionsmitteln behandelt, liefern die Wismuthver-
hindungen spröde Metallkörner neben einem gelben
Beschlag.
f) Kupferoxyd, Cu 0. — Die wasserfreien Salze
des Kupferoxyds sind weiss, die wasserhaltigen oder
ihre Lösungen blau, das Kupferchlorid löst sich mit
smaragdgrüner Farbe. Durch mehrere Metalle, nament¬
lich durch Eisen, wird das Kupfer aus seinen Lösun¬
genmetallisch gefällt. Das blanke Eisen überzieht sich,
auch bei einer sehr geringen Menge Kupfer, mit einem
kupferrotheil Ueberzug, wenn nämlich die Lösung neu¬
tral oder doch nur sehr schwach sauer war .— Schwe-
f eiwasserst offnnd Schwefelammonium fällen schwar¬
zes Schwefelkupfer, Cu S, das im Ueberschuss des
letzteren nur äusserst wenig löslich ist. — Fixe
ätzende Alkalien fällen in der Kälte blaues Oxydhy¬
drat Cu 0, II 0, das in der Siedhitze, bei einem Ueber¬
schuss des Alkalis, sein Wasser verliert und schwarz
wird . — Ammoniak fällt anfangs grünes basisches
Salz oder blaues Hydrat, das sich im Ammoniak-Ueber¬
schuss mit schön lasurblauer Farbe aullöst. In dünnen
Flüssigkeitsschichten ist bei sehr geringem Kupferge¬
halt die blaue Farbe schwierig bemerkbar. Kohlen¬
saures Ammoniak verhält sich ganz ähnlich. — Fixe
kohlensaure Alkalien fällen grünblaues basisch koh¬
lensaures Kupferoxyd, das in der Siedhitze, bei vor-
Cadmiumoxyd.
43

waltendem Alkali, ebenfalls in schwarzes Kupferoxyd


übergeht. — Cyankalium fälltgelbgn'ines Kupferoxyd,
Cu Cy, im Ueberschuss löslich. — Ferrocyankalium
gibt, auch bei grosser Verdünnung, einen dunkelpurpur-
rothen Niederschlag von Ferrocyankupfer, Cfy-)- 2Cu.
Durch schwefligsaure Alkalien in der Siedhitze, durch
Eisenoxydulsalze, durch mehrere organische Materien
(Zucker) werden Kupferoxydsalze, vorzüglich bei
Gegenwart von freiem Alkali, leicht zu Oxydul reducirt.
Der Borax- und Phosphorsnlzperle ertheilen die
Kupferoxydsalze in der äussern Flamme eine schön
grüne, in der inneren (namentlich auf Zusatz von et¬
was Zinn) eine schmutzig braunrothe Farbe. — Auf
der Kohle mit Reductionsmittelnbehandelt, liefern sie
kupferrothe Metallflitter, wodurch geringe Spuren von
Kupfer mit Sicherheit nachgewiesen werden können.
g) Cadmiumoxyd, CdO. — Die Verbindungen des
Cadmiumoxyds sind farblos, meistens in Wasser oder
doch in Mineralsäuren löslich. — Schwefelwasserstoff
und Schwefelammonium fällen, auch aus stark sauren
Lösungen, pomeranzengelbes Schwefelcadmium, im
Ueberschuss von Schwefelammonium , so wie in Ammo¬
niak und fixen Alkalien unlöslich. — Ammoniak fällt
weisses Cadmiumoxydhydrat, leichtlöslich im Ueber¬
schuss. Aus dieser Lösung fällt Schwefelwasserstoff
gelbes Schwefelcadmium.— Fixe ätzende Alkalien be¬
wirken denselben Niederschlag, ein Ueberschuss löst
44 Palladiumoxydtil.

ihn aber nicht auf. — Kohlensäure Alkalien, auch


kohlensaures Ammoniak, fällen kohlensaures Cad-
miumoxyd, unlöslich iml ' ebermass des Fällungsmittels.
Mit Reductionsmittelu in derinnern Löthrohrflamme
erhitzt, liefern sie auf der Kohle einen gelben oder
braunrothen Beschlag- von Cadmiumoxyd.
h) Palladiumoxydul, PdO. — Das Palladiumme¬
tall löst sich in Salpetersäure und Königswasser mit
rothbrauner Farbe; die Lösung enthält Oxydul. Die
trocknen Salze hinterlassen beim Glühen für sich rei¬
nes Metall. Sie werden reducirt zu Metall durch schwef¬
lige Säure, durch alle die Metalle, welche Silber me¬
tallisch fällen, ferner durch Eisenvitriol und durch
ameisensaure Salze in der Wärme. — Schwefel¬
wasserstoff und Schwefelammonium fällen dunkel¬
braunes Schwefelpalladium, PdS, unlöslich in Schwe¬
felammonium.— Jodwasserstoff säure oder Jodkalium
fällen schwarzes Jodpalladium, PdJ, bei sehr grosser
Verdünnung erst nach einiger Zeit. — Cyankalium
oder Cyanquecksilber fällen gelblicliweisses, gallert¬
artiges Cyanpalladium, das in viel Salzsäure löslich
ist. — Salpetersaures Palladiumoxydul wird durch
Ammoniak nicht gefällt, sondern nur entfärbt; in Pal-
ladiumchlorür schlägt Ammoniak dagegen fleischrothes
Palladiumchlorür-Ammoniak, Pd CI, 2 NII3, nieder, in
mehr Ammoniak wieder löslich. — Fixe ätzende Al¬
kalien fällen gelbbraunes basisches Salz, im lieber-
45
Rliodin inoxyd.

schuss des Alkalis löslich ; kohlensaure Alkalien ver¬


halten sich ähnlich.
i) Rhodiumoxyd, R20 ;J. — Das Rhodiummetall löst
sich , so wie sein wasserfreies Oxyd, in keiner Säure
auf ; (nur in mit Platin , Kupfer , Blei oder Wismuth le-
girter Gestalt löst es sich in Salpetersalzsäure ) . Beide
lösen sich dagegen beim Schmelzen mit saurem , schwe¬
felsaurem Kali oder nach der Behandlung mit Chlor in
der Glühhitze , wenn es mit Chlornatrium gemengt
ist . — Die Auflösungen des Rhodiumoxyds sind ge¬
wöhnlich schön rosenroth , die Lösung nach dem Schmel¬
zen mit saurem schwefelsaurem Kali ist gelb und wird
erst beim Verdampfen mit Salzsäure roth . — Schwe¬
felwasserstoff fällt aus Rhodiumoxydsalzen braunes
Schwefelrhodium , Ra S3;der Niederschlag erscheint
erst nach einiger Zeit und die überstehende Flüssig¬
keit bleibt noch roth. — Schwefelammonium verhält
sich ebenso , das Schwefelrhodium ist darin unlöslich . —
stelzendes und kohlensaures Ammoniak schlagen
nach einiger Zeit gelbes , in Salzsäure lösliches Rho¬
diumoxyd -Ammoniak nieder . Fixe ätzende oder koh¬
lensaure Alkalien geben erst nach längerem Kochen
einen gelbbraunen Niederschlag.
Die rothe Farbe der Lösungen des Rhodiumoxyds
(die auch nach der Behandlung mit Schwefelwasser¬
stoff noch sichtbar ist ) einerseits , so wie die Unlös¬
lichkeit des Metalls in allen Säuren anderseits , lassen
es mit keinem andern verwechseln.
46 Osmiiimoxyde.

k) Oxyde des Osmiums. —Das metallische Osmium


geht, namentlich im feinzertheilten Zustande, an der
Luft oder in Sauerstoffgas geglüht in flüchtige Osmium¬
säure ', OsOj, über, deren Dampf unerträglich heftig,
chlor- und jodähnlich riecht ; auch die niedrigeren
Oxyde des Osmiums verwandeln sich beim Glühen an
der Luft in flüchtige Säure, Das Osmium ist löslich in
Salpetersäure und Königswasser; bei diesem Auflö¬
sungsprozess verflüchtigt sich ebenfalls Osmiumsäure,
die an ihrem Geruch leicht zu erkennen ist. — Die
Lösungen der Salze des Osmiumoxyds oder der Os¬
miumsäure in Wasser, in Säuren und in Alkalien wer¬
den nach Ansäuerung der Flüssigkeit durch Schwe¬
felwasserstoff schwarzbraun gefällt ; der Niederschlag
löst sich nicht in Schwefelammonium . Die Lösungen
der Osmiumsäure werden zu Metall reducirt, durch
die meisten Metalle, auch durch Quecksilber, durch
Eisenvitriol, durch schwefligsaure Salze durch( diese
unter blauer Färbung der Flüssigkeit) und durch
mehrere organische Verbindungen (Alkohol, Aether,
Fette, Ameisensäureu. s. w.) — Erhitzt man Osmium¬
metall oder ein osmiumhaltiges Platinerz auf dem
Rande eines Platinblechs in der Weingeistflamme, so
wird die sich erzeugende Säure wieder zu feinzer-
theiltem Metall reducirt, welches die Flamme stark
leuchtend macht.
Antimon - und Platin - Gruppe. 47

Das Osmium, Rhodium ( und auch Palladium) ge¬


hören zu den sehr seltenen Metallen; sie kommen fast
nur in den Platinerzen mit diesem und mit Jridium ge¬
meinschaftlich vor ; man hat desshalb nur hei Verarbei¬
tung von Platinerzen Rücksicht auf sie zu nehmen; in
ihren reinen Salzen erkennt man sie leicht an dem
oben initgetheilten Verhalten der Lösungen.

2) Verhalten der Metalloxyde der zweiten Unterafotlieilung.

Die hierher gehörigen Metalle lassen sich in Be¬


zug auf ihr Verhalten, für sich oder in ihren Verbin¬
dungen, gegen Sauren, die Farbe ihrer Schwefelme¬
talle u. s. w. in nachstehende vier Gruppen bringen:
1. Antimongruppe . — Antimon, Zinn, Arsen .—•
Diese Metalle lösen sich sämmtlich in Königswasser;
Antimon und Zinn verwandeln sich durch starke Sal¬
petersäure in weisse Oxyde, die im Ueberscliuss der
Säure unlöslich sind ; Arsen löst sich auch ( als Arsen¬
säure) in Salpetersäure. DieLösungenihrerSchwefel¬
verbindungen in Schwefelammonium werden durch
(
freie Säuren (orangerolh ) (Antimon) oder gelbZinn,
Arsen) gefällt.
2. Platingruppe. — Platin , Iridium , Gold.— Diese
Metalle werden nur von Königswasser gelöst, von Sal¬
petersäure gar nicht angegriffen. — Die Lösung ihrer
48 Antimonoxyde.

Schwefelverbindungen in Schwefelammoriium werden


durch freie Säuren ( auch ihre sauren Lösungen durch
Schwefelwasserstoff) schwarz oder schwarzbraun
gefällt. — Alle ihre Verbindungen hinterlassen beim
Glühen für sich reines Metall, in schwammiger oder
metallischglänzender Gestalt.
3. Selengruppe. — Selen, Tellur. Sie
— sind für
sich flüchtig und riechen dabei, an der Luft, eigen¬
tümlich ( ein Verhalten, das unter gewissen Umstän¬
den auch dem Arsen zukommt) . — Sie lösen sich leicht
in Salpetersäure und die Lösung enthält dann nur ihre
niedrigeren Oxyde (selenigeund teilurige Säure) , aus
welchen durch schweflige Säure in der Wärme rolhes
Selen oder schwarzes Tellur, durch Schwefelwasser¬
stoff rothgelbes Schwefelselen, SeS 2, oder schwarzes
Schwcfeltellur TeS 2, gefällt wird.
4. Wolframgruppe. — Wolfram , Vanadin , Mo¬
lybdän. Ihre
— höheren Oxyde werden durch Reduc-
tionsmittel ( die Wolfram- und Molybdänsäure durch
Zink, die Vanadsäure durch Schwefelwasserstoff) leicht
zu niedrigeren Oxyden zurückgeführt , die dann, in der
Regel, mit blauer Farbe gelöst bleiben.

a) Oxyde des Antimons. — Antimonoxyd, Sb 03,


Antimonsäure, Sb 05. — Das metallische Antimon ist
in heftiger Glühhitze nur in einem Gasstrom flüchtig;
Antimonoxyd. 49

vor dem Löthrohr schmilzt es leicht zu einer Kugel


mit glänzender Oberfläche, die sich bei längerem Bla¬
sen vollkommen verflüchtigt, indem Antimonoxyd als
geruchloser, weisser Rauch weggeht . Das Metallkorn

ist spröde, pulverisirbar. Durch Behandlung mit
Salpetersäure bildet sich, je nach ihrer Concentration,
Antimonoxyd oder Antimonsäure oder ein Gemenge
beider, unlöslich im Ueberschuss der Salpetersäure,
löslich aber in Weinsäure. Beim Schmelzen von An¬
timon oder einer Antimonverbindung mit Salpeter wird
Antimonsäure gebildet; ist das Antimon mit Schwefel
verbunden, so entsteht gleichzeitig auch Schwefel¬
säure. — In Salpetersalzsäure löst sich das Antimon
mit Leichtigkeit, die Lösung enthält Antimonchlorid,
SbCl5; Schwefelantimon löst sich in starker, heisser
Salzsäure zu Chlorür, SbCl3, unter Entwickelung von
Schwefelwasserstoff.
Die Verbindungen des Antimonoxyds mit Säuren
werden durch viel Wasser unter Abscheidung von weis-
sein basischem Salz zerlegt *) . — Die freigewordene
Säure hält immer noch einen Antheil Oxyd in Lösung. —
Weinsäure löst diese basische Verbindung sehr leicht
oder verhindert ihre Abscheidung (Unterschied von
den Salzen des Wismuthoxyds) . — Schwefelwasser-

’) z - +
6 Sb Cl3 15 HO= 15 H CI + Sb CI3, 5 Sb 03.
3
30 Antimonoxyd.

Stoff fallt saure Antimonoxydlösungen vollständig als


Antimonsulfiir , Sb S3, leichtlöslich in fixen ätzenden Al¬
kalien und in Sch wefelannnonium , sehr wenig löslich in
Ammoniak, unlöslich in doppelt kohlensaurem Ammo¬
niak . — AmmoniakunA kohlensaures Ammoniak schla¬
gen (letzteres unter Kohlensäure -Entwicklung ) alles
Oxyd nieder , im Ueberschuss des Fällungsmittels unlös¬
lich , — fixe ätzende Alkalien fällen ebenfalls Oxyd,
welches sich aber im Ueberschuss des Alkalis leicht auf¬
löst . Gegenwart von Weinsäure modificirt dieses Verhal¬
ten etwas ; eine Brechweinsteinlösung wird z. B. durch
Salzsäure , Salpetersäure und Schwefelsäure weiss ge¬
fällt ; die Fällung ist nur in überschüssiger Salzsäure
löslich , nicht in den beiden andern Säuren ; Schwefel¬
wasserstoff fällt aus Brechweinsteiu , bei Gegenwart
einer freien Säure , alles Antimon als Schwefelme¬
tall . — Metallisches Zink fällt aus Antimonoxydsalzen
schwarzes , pulveriges Metall, bei Gegenwart von Sal¬
petersäure auch Oxyd. Entwickelt sieh hierbei Wasser¬
stoff, so vereinigt sich das Metall im Moment seiner
Abscheidung damit zu Antimonwasser Stoff, SbH 3,
einem geruchlosen Gas, das beim Anzünden unter hin¬
reichendem Luftzutritt zu Wasser und Antimonoxyd
verbrennt ; hält man eine kalte Porzellanfläche in die
Flamme, so setzt sich daran Antimonmetall als schwar¬
zer , glanzloser Fleck ab. Das nemliehe ist der Fall
beim Erhitzen des , durch eine Glasröhre strümenderT
Antimonsäure. 51

Gases, mit einer Spirituslampe ; man erhält dann einen


glänzenden Metallspiegel , der durch trocknes Schwe¬
felwasserstoffgas , hei gelindem Erhitzen , in Schwefel-
antimon übergeht , welches seinerseits wieder durch
salzsaures Gas sehr leicht in flüchtiges Antimonehlo-
riir und Schwefelwasserstoff zerlegt wird.
Die Antimonsäure bildet mit fast allen Basen un¬
lösliche oder schwerlösliche Salze ; in frisch gefälltem
Zustande ist sie am leichtesten in Kali löslich . Beim
Schmelzen von Antimonsäure mit überschüssigem Al¬
kali ( oder was dasselbe ist , von Antimonmetall oder
Schwefelantimon mit Salpeter und kohlensaurem Al¬
kali ) erhält man desshalb eine Masse, aus welcher
Wasser etwas basisch antimonsaures Alkali auflöst,
während saures antimonsaures Alkali ungelöst zurück¬
bleibt . Säuren , namentlich Salpetersäure , fällen aus
der alkalischen Lösung die Antimonsäure vollständig .—
Gegen Schwefelwasserstoff verhalten sich die Lösun¬
gen der Antimonsäure analog den gelösten Antimon¬
oxydverbindungen ; alkalische Lösungen werden nem-
lich nicht gefällt , aus sauren fällt oraniengelbes An¬
timonsulfid , Sb S5, nieder.
Alle Verbindungen des Antimons liefern mit Cyan¬
kalium oder Soda in der Reductionsflamme des Löth-
rohrs spröde Metallkörner , wobei sich meistens ein
Theil als Oxyd verflüchtigt , das auf der Kohle einen
weissen Beschlag bildet.
3*
52 Zimioxyde.

b) Oxyde des Zinns. — Zinnoxydul, Sn 0 und


Zinnoxyd, Sn0 2. — Das metallische Zinn löst sich in
heisser Salzsäure unter WasserstoffentWickelung, die
Lösung enthält das dem Oxydul entsprechende Chlorür,
Sn CI; die Lösung in Königswasser enthält das dem
Oxyd entsprechende Chlorid, Sn Cl2;von Salpetersäure
wird es vollständig in Oxyd verwandelt, ohne dass
sich letzteres in der Säure löst.
Die Oxydulsalze des Zinns gehen an der Luft, un¬
ter Sauerstoffaufnahme, in Oxydsalze über ; von Schwe¬
felwasserstoff und Schwefelammonium werden sie
dunkelbraun, als Zinnsulfiir , SnS, niedergeschlagen,
das in einem grossen üeberscliuss von Schwefelammo¬
nium nur in sofern löslich ist, als es dabei in Zinnsul¬
fid, SnS2, übergeht, unter Aufnahme von Schwefel aus
dem meistens eine höhere Schwefelungsstufe enthal¬
tenden Reagens. Säuren schlagen nemlich aus dieser
Lösung nicht wieder dunkelbraunes, sondern gelbes
Schwefelzinn nieder. — Ammoniak und kohlensaure
Alkalien fällen aus den Zinnoxydulsalzen weisses Oxy¬
dulhydrat, im Ueberschuss nicht löslich; fixe ätzende
Alkalien lösen dagegen das anfangs gefällte Hydrat
wieder auf und diese Lösung setzt beim Erwärmen
die Hälfte des Metalls als schwarzes Pulver ab, wäh¬
rend Zinnoxyd gelöst bleibt ; 2 Sn0 -)- 2 KO = Sn
-f- Sn02, 2 KO. — Die löslichen Zümoxydulsalze(man
nimmt immer Zinnchlorür) verhalten sich gegen an-
Zinnoxyd. 53

dere Sauerstoffverbindungenals kräftige Reductions-


mittel, indem sie meistens in Zinnoxydsalz übergeben:
so verwandeln sie Eisenoxyd- und Kupferoxydsalze zu
Oxydulsalzen, Quecksilber-, Silber- und Goldsalze in
metallisches Quecksilber, Silber oder Gold; mit schwef¬
liger Säure entsteht Zinnoxydsalz und Zinnsulfid*) ;
letzteres fällt dabei aus der freie Salzsäure enthalten¬
den Flüssigkeit mit gelber Farbe nieder.
Das Zinnoxyd kennt man in zwei Modificationen,
einer unlöslichen und einer löslichen, deren Eigen¬
schaften sich auch in ihren Verbindungen mit Säuren
wieder erkennen lassen.
Die unlösliche Modifieation des Zinnoxyds bildet
sich im Hydratzustande, Sn0 2,I10, bei der Oxydation
des Metalls durch Salpetersäure ; es löst sich in die¬
sem Zustande in Säuren nicht auf, verbindet sich aber
damit; die so erhaltene salzsaure Verbindung löst sich,
nach dem Abgiessen des Säureüberschusses, in Was¬
ser und wird durch neue Säure wieder daraus gefällt.
Nach dem Glühen ist dieses Oxyd nicht mehr mit
Säuren verbindbar.
Die lösliche Modifieation bildet sich immer beim
Schmelzen der unlöslichen mit einem Ueberschuss von
kohlensaurem oder ätzendem Alkali. Es löst sich dann

*) Nämlich : 6 Sn 0 + 2 SO, = 5 Sn 0, + Sn S,.


54 Arsenige Säure.

leicht in Säuren auf. Alkalien fällen aus dieser Lösung


wieder lösliches Zinnoxydhydrat.
Schwefelwasserstoff fälltaus allen Zinnoxydsalzen,
heim Erwärmen sogleich, gelbes Zinnsulfid, welches
in Schwefelammonium, in Ammoniak,Kali und kohlen¬
saurem Kali löslich ist. Ammoniak und Kali fällen
weisses Zinnoxydhydrat, im Ueberschuss, bei vei’dünn-
ter Flüssigkeit, leicht löslich; unlöslich oder schwer¬
löslich, wenn das Zinnoxydsalz die unlösliche Modili-
cation des Oxyds enthält. — Kohlensaures Kali giebt
denselben, im Ueberschuss ebenfalls löslichen Nieder¬
schlag, die alkalische Lösung setzt aber beim Stehen
das Zinnoxyd wieder vollständig ab.
Mitkohlensaurem Natron oder Cyankalium liefern
alle Verbindungen des Zinns auf der Kohle in der Re-
duetionsflamme ductile Metallkörner, ohne dass die
Kohle einen Beschlag von Oxyd zeigt.

c) Oxyde des Arsens. — Arsenige Säure , As03


und Arsensäure As05. — Metallisches Arsen verbrennt,
an der Luft bis zum Verdampfen erhitzt, unter Aus-
stossung eines knoblauchartig riechenden Rauchs zu
arseniger Säure, die sich, wenn man den Versuch in
einer schiefgehaltenen, an beiden Enden offenen, Glas¬
röhre anstellt, an dem kälteren, oberen Theil als weis-
ser, ringartiger Anflug absetzt. Erwärmt man Arsen
oder arsenige Säure mit starker Salpetersäure oder
Arsenige Säure.
55

Salpetersalzsäure, oder schmilzt man sie mit Salpeter,


so entsteht immer Arsensäure ,- das nemliche findet
statt, wenn man Schwefelarsen mit diesen Oxydations¬
mitteln behandelt, es bildet sich alsdann auch Schwe¬
felsäure.
Die arsenige Säure ist weiss porcellanartig oder
durchsichtig glasartig, ihr Dampf ist vollkommen ge¬
ruchlos ; der knoblauchartige Geruch ist nur dann be¬
merkbar, wenn die arsenige Säure auf Kohle oder
Eisen oder überhaupt auf einer reducirend wirkenden
Unterlage verflüchtigt wird. Die arsenige Säure ist
langsam in kaltem Wasser löslich, leichter in Salzsäure
und fixen ätzenden Alkalien.
Die wässrige Lösung der arsenigen Säure wird
durch Schwefelwasserstoff nur gelb gefärbt, bei Ge¬
genwart einer freien Säure (Salzsäure) wird sie aber
sogleich und vollständig als gelbes Arsensulfür, AsS3,
gefällt. Das Verhalten des Schwefelarsens zu anderen
Körpern ist in mehrfacher Hinsicht von so grosser
Wichtigkeit, dass hier eine etwas ausführlichere An¬
gabe nicht unterlassen werden kann.— Es ist,nament¬
lich im frisch gefällten Zustande, löslich in Ammoniak
und kohlensaurem Ammoniak, in fixen ätzenden und
kohlensauren Alkalien, so wie in löslichen Schwefel¬
metallen; heisse Salpetersäure löst es leicht , nicht
aber Salzsäure.
Die Lösung in Kalilauge enthält arsenigsaures Kali
56 Arsenige Siiure.

und Arsensulfür-Schwefelkalium*) . Beim Schmelzen


des Schwefelarsens mit kohlensauren Alkalien findet
genau dieselbe Zersetzung statt ; beim Hinüberleiten
von Sohwefelarsendampf über glühenden Kalk entsteht
dagegen , neben Schwefelarsen-Schwefelcalcium, ar¬
sensaurer Kalk, unter Ab Scheidung von Arsenmetall.
Ist hierbei der Kalk oder das kohlensaure Alkali mit
Kohle gemengt, so oxydirt sich die Kohle auf Kosten
des Alkalis, das freiwerdende Alkalimetall entzieht dem
Schwefelarsen Schwefel, unter Abscheidung von Ar¬
sen ; das entstandene Schwefelalkalimetall verbindet
sich mit dem Rest des Schwefelarsens. Gerade so ver¬
hält sich Schwefelarsen und kohlensaures Alkali beim
Glühen in einem Strom von Wasserstoffgas. Cyankalium
scheidet unter denselben Umständen aus dem Schwe¬
felarsen alles Metall ab, unter Bildung von Schwel'el-
cyankalium**) . — Man stellt die beiden letzteren Ver¬
suche der Reduction des Arsens am zweckmässigsten
in der Art an, dass man das Gemenge des Schwefel¬
arsens mit kohlensaurem Natron oder Cyankalium(am
besten 1 Th. Schwefelarsen auf 12 Th. eines Gemen¬
ges aus 1 Th. Cyankalium und 3 Th. trockenem koh¬
lensaurem Natron) in einer Glasröhre, die in eine feine

') 2 As S3f - - 5 KO = As 0 3, 2 KO + As S3, 3 KS.


') 2 As Sä 3-|- K Cy = 3 K Cy S2f - - As2.
Arsenige Säure. 57

und lange offene Spitze ausgezogen ist, zum Glühen


erhitzt, während langsam trocknes Wasserstoffgas oder
(bei der Reduction mittelst Cyankalium) kohlensaures
Gas darüber strömt. Das Arsenmetall setzt sich als glän¬
zendschwarzer Ring in dem kälteren, verengten Theil
der Röhre an. Dieselbe Reduction findet statt, wenn
man Schwefelarsen , ein arsenig- oder arsensaures
Salz mit Cyankalium(das man mit dem gleichen Ge¬
wicht trocknen! kohlensaurem Natron vermischt hat)
in einer unten zu einer kleinen Kugel ausgeblasenen
Röhre vorsichtig zum Glühen erhitzt. Die Oxyde des
Arsens liefern hierbei cyansaures Kali*) .
Versetzt man die Auflösung von Arsensulfür in
einem fixen ätzenden Alkali mit einem Kupferoxyd-,
Bleioxyd-, oder Silber-Oxydsalz, so bildet sich schwar¬
zes Schwefelmetall, während das Arsen in arsenige
Säure übergeführt wird, die mit dem Kali verbunden
bleibt. Die höchste, der Arsensäure entsprechende,
Schweflungsstufe des Arsens liefert hierbei Arsen-
säure **) . Die von dem Schwefclmetall abfiltrirte Flüs¬
sigkeit verhält sich dann wie ein arsenig- oder arsen¬
saures Salz.

' ) 2 As 0ä 3+ K 'Cy = 3 ( KO, CyO) + Asa.


**) KS, As S3f - 4 Ag 0 = 4 Ag S + KO, As 0 3 und KS
As S5 6 Ag 0 = 6 Ag S -j- KO, As 0 ä.
3**
58 Arsenige Säure.

Mit salpetersaurem Silberoxyd liefern neutrale


arsenigsaure Salze eigelbes arsenigsaures Silberoxyd,
2 Ag0, As03, löslich in Salpetersäureund in Ammoniak;
mit sehwefelsaurem Kupferoxyd gelblich grünes ar¬
senigsaures Kupferoxyd, 2Cu0, As 03, mit Kalkwasser
oder lösliehen Kalksalzen weissen arsenigsauren Kalk,
2CaO, As 03. Alle in Wasser unlöslichen Salze der ar-
senigen Siiure sind in Ammoniaksalzen löslich, wess-
halb die eben erwähnten Fällungen bei Anwesenheit
dieser Salze ausbleiben.
Arsenigsaures Kupferoxyd zerlegt sich mit über¬
schüssiger Kalilauge erwärmt, in arsensaures Kali
und in Kupferoxydul *) ;
versetzt man eine Auflösung
von arseniger Säure in ätzendem Alkali mit nicht zu
viel sehwcfelsaurem Kupferoxyd und erwärmt, so er¬
hält man desshalb eine Fällung von rothem Kupfer¬
oxydul, das auch hei sehr wenig arseniger Säure noch
deutlich wahrnehmbar ist. Arsensäure liefert diese
Reaction natürlich nicht.
Kommt Arsenmetall mit Wasserstoff im Entstehungs¬
moment in Berührung, so verbinden sie sich zu Arsen¬
wasserstoff, As H3. — Iliess tritt ein, wenn man ar-
senige Säure oder irgend ein arsenigsaures Salz mit
Zink, H'asser und Schwefelsäure oder Salzsäure

’) As 03 4+ Cu 0 = As 06 2+ Cu, 0.
Arsenige Säure. 59

zusanmienbringt *) . Das sieb hierbei entwickelnde gif¬


tige ArsenwasserstolTgas riecht im höchsten Grade
widerlich, verbrennt an der Luft mit blauweisser
Flamme, unter Bildung von Wasser und arseniger
Säure, bei gehemmtem Luftzutritt unter Abscheidung
von Jrsenmetall. Die nämliche Abscheidung von Me¬
tall findet statt, wenn das Gas durch eine Glasröhre
geleitet wird, die durch eine Spiritusflamme an einer
Stelle bis zum Glühen erhitzt wird. Dieses Verhalten
benutzt man zur Nach Weisung der geringsten Spur
einer Sauersloffeerbindung des Arsens. — Man bringt
zu diesem Endzweck zuerst einige Zinkstreifen mit
verdünnter Schwefelsäure in einer Gasentwicklungs¬
flasche zusammen, in deren Kork eine knieförmig ge¬
bogene, vorn zu einer offenen Spitze ausgezogene
Röhre luftdicht befestigt ist ; man wartet nun einige
Minuten( bis das sich entwickelnde Wasserstoffgas alle
Luft aus der Flasche ausgetrieben hat) , zündet jetzt
das ausströmende Gas an und überzeugt sich, durch
llineinhalten einer kalten Porzellanfläche in die Flamme,
dass sich keine Arsenflecke bilden. Ist dies nicht der
Fall, so setzt man die Lösung der auf Arsen zu prüfen¬
den Substanz zu, zündet das Gas nochmals an und hält

*) 6 Zn + 3 HO + As o 3 6+ S0 3 6= ( Zn 0, S0 3)
As H3.
60 Arsenige Säure.

nnn eine kalte Porzellanfläche( kleine Porzellanschale)


dicht in die Flamme. Enthielt die zu prüfende Lösung
die geringste Spur einer Sauerstoffverbindungdes Ar¬
sens, so erhält man auf dem Porzellan braune, oder
stahlgraue , metallglänzende Flecken von Arsen, die in
heisser Salpetersäure löslich sind. — Leitet man das
sich so entwickelnde, arsenhaltige Wasserstoffgas durch
eine längere, ebenfalls in eine Spitze ausgezogene
Röhre von schwer schmelzbarem Glas und erhitzt den
mittleren Theil derselben zum Glühen, so setzt sich in
dem verengten Theil ein ringförmiger Arsenspiegel
ab. Dieser Arsenspiegel verwandelt sich beim Erhitzen
in der lufthaltigen an( der Spitze jetzt zugeschmol¬
zenen) Röhre, in arsenige Säure, die man in heissem
Wasser lösen und weiter prüfen kann. — Antimon
liefert (siehe dieses) unter denselben Umständen wie
Arsen, einen Antimonspiegel, der meistens eine hellere
Farbe besitzt. Durch Hinüberleiten von trocknem Schwe¬
felwasserstollgas werden beide beim Erhitzen in Schwe¬
felmetalle verwandelt ; das gebildete Schwefelarsen ist
gelb, flüchtiger, das Schwefelantimonroth oder grau,
weniger flüchtig; salzsaures Gas zersetzt das letztere
unter Wegführung des Antimonchlorürs, das Schwefel¬
arsen bleibt zurück und lässt sich durch seine Löslich¬
keit in Ammoniak von Schwefel leicht unterscheiden.
Auch durch Kohle werden die Sauerstoffverbin-
Arsenige Säure. 61

düngen des Arsens, unter Abscheidung von flüchtigem


Metall, reducirt. Erhitzt man z. B. arsenige Säure
in einer Glasröhre, die an einem Ende zu einer
halb Zoll langen, verschlossenen Spitze ausgezogen
ist, in der Art, dass ihr Dampf mit glühender Kohle in
Berührung kommt (man steckt einen Kohlensplitter in
das ausgezogene Ende und erhitzt ihn zuerst zum
Glühen, dann den Theil wo die arsenige Säure liegt)
so giebt sie ihren Sauerstoff an diese ab und das Ar¬
sen setzt sich als ringförmiger Spiegel in dem kälteren
Theil der Röhre ab. Verbindungen der arsenigen Säure
erhitzt man mit einem Gemenge von Kohle und koh¬
lensaurem Aatron oder Boraxsäure in derselben Weise;
das Arsen verflüchtigt sich indessen hierbei nur dann,
wenn das Metall des Oxyds, mit dem die arsenige Säure
verbunden ist, das Arsen nicht in fixer Verbindung
zurückhält.
Eine mit Salzsäure versetzte Auflösung von ar-
seniger Säure giebt auf einem blanken Kupferstreifen
auch bei sehr grosser Verdünnung, einen grauen Me¬
tallüberzug,der beim Koehen sich in schwarzen Schup¬
pen ablöst.
Erhitzt man arsenige Säure mit einem essigsauren
Salz und einem fixen ätzenden Alkali in Irockner Form,
so entweicht Kakodijloxyd, mit dem ihm eigentüm¬
lichen, unerträglichen Geruch, der auch bei sehr ge-
62 Arsensäure

ringen Mengen von arseniger Säure noch zu bemerken


ist *) .
Die Arsensäure ist an der Luft zerlliesslich, erst
in starker Glühhitze flüchtig, indem sie dabei in arse-
nige Säure und Sauerstoff zerfällt ; ihre in AVasser
unlöslichen Salze lösen sich in Salzsäure. — Die saure
Lösung wird durch Schwefelwasserslo/f nur ganz-
allmälig als gelbes Arsensulfid, As S5,gefällt , das sich
analog dem Arsensulfür (siehe oben) verhält. Durch
Kochen mit schwefliger Säure wird die Arsensäure
leicht zu arseniger Säure reducirt **) ; man benutzt
dieses Verhalten, um die Arsensäure durch Schwefel¬
wasserstoff sogleich fällbar zn machen. — Kalkwasser
fällt die wässrige , neutrale Lösung der arsensauren
Salze toeiss, 2 Ca0, As05; Salpeter saures Silber oxyd
braunrot!), 3 AgO, As05; schwefelsaures Kupferoxyd
blass grünblau, 2 Cu 0, HO, As 05. — Salpetersäure
so wie freies Ammoniak lösen diese Niederschläge oder
hindern ihre Entstehung.
Erhitzt man irgend eine Arsen-Verbindung auf der
Kohle in der inneren Löthrohrflamme , so verbreitet sich

*) Es zerlegen sich hierbei 2 At. Essigsäure mit 1 At.


arseniger Säure zu Kakodyloxyd und Kohlensäure : CBH,
Oc As
+ 03 C= 4 1I6 0 As + 4 C02.
” ) As 06 2+ SOj = As 03 2+ S0 3.
Antimon , Zinn und Arsen.
63

der dem Arsensuboxyd eigenthümliehe knoblauchartige


Geruch, an welchem selbst die geringsten Spuren von
Arsen zu erkennen sind.

Nach dem systematischen Gange der qualitativen


Analyse erhalt man die drei eben erwähnten Metalle,
durch Fällen aus der Schwefelammoniumlösungmit¬
telst einer Säure, immer in der Form ihrer höchsten
Schwefelungsstufe, As S5, Sb S5 u . Sn S2.— Um sich
von der Gegenwart der drei Metalle in diesem Schwe¬
felniederschlag zu überzeugen , verfährt man gewöhn¬
lich in folgender Weise: Die trocknen Schwefelverbin¬
dungen werden, durch Schmelzen mit Salpeter, bei
Gegenwart eines kohlensauren Alkalis in die höchsten
SauerstoffverbindungenAs 05, SbOä u . Sn0 2 überge¬
führt, die mit dem Alkali sich verbinden. Sämmtlicher
Schwefel wird hierbei zu Schwefelsäure oxydirt. Be¬
handelt man nun die Masse nach dem Schmelzen mit
kaltem Wasser, so hat man:
Lösung. Rückstand.
Arsensaures Kali Antimonsaures Kali
Schwefelsaures Kali Zinnoxyd- Kali,
wenig antimonsaures
und Zinnoxydkali
N’eutralisirl man die .wässerige Lösung mit Salpeter¬
säure, so fällt die geringe Menge von Antimonsäure
64 Antimon Zinn und Arsen.

und Zinnoxyd nieder, man erhält ein Filtrat, in dem


man die Arsensäure leicht nachweisen kann, einerseits
durch Fällung der mit Ammoniak vorsichtig neutrali-
sirten Flüssigkeit mit salpetersiuirein Silberoxyd, oder
durch Niederschlagung mit einem Bleisalz und Prüfung
des (aus arsensaurem und schwefelsaurem Bleioxyd
bestehenden) weissen Niederschlags vor dem Löthrohr.
Der weisse Rückstand, nach dem Schmelzen der
Schwefelmetalle mit Salpeter, enthält Zinnoxyd oder
Antimonsäure oder beide. Man reducirt ihn mit Cyan¬
kalium vor dem Löthrohr ( bei grösseren Mengen auch
in einem kleinen Porzellantiegel auf der Spirituslampe)
und untersucht das Metallkorn. Ist es spröde, so ist
Antimon zugegen , ist es dehnbar, so war der Rück¬
stand Zinnoxyd. Verwandelt man ein aus Zinn und
Antimon bestehendes Metallkorn durch Salpetersäure
in unlösliche Oxyde, und behandelt diese, nach dem
Auswaschen, kochend mitWeinsäure oder saurem wein¬
saurem Kali, so löst sich Antimonoxyd auf, was durch
seine orangerothe Fällung mit Schwefelwasserstoff
nachgewiesen werden kann; Zinnoxyd bleibt. — Eine
aufmerksame Vergleichung des in dem Vorhergehenden
beschriebenen Verhaltens der Oxyde dieser drei Me¬
talle wird dem Analytiker immer die Mittel an die Hand
geben, sich über ihre Gegenwart noch weiter zu ver¬
gewissern . Zu bemerken ist noch, dass wenn eine Le-
girung dieser drei Metalle mit Salpetersäure oxydirt
Platinoxyd. 65

wird, der grösste Theil des Arsens mit dem gebildeten


Antimonoxyd als Arsensäure eine unlösliche Verbin¬
dung eingeht; beim Schmelzen der Schwefelmetalle
mit Salpeter und kohlensaurem Alkali ist diess nicht
der Fall.
d) Plalinoxyd, Pt0 2. — Das metallische Platin ist
in Salzsäure und Salpetersäure ganz unlöslich, es löst
sich dagegen mit rothbrauner Farbe in Königswasser;
die Lösung enthält das dem Oxyd entsprechende Chlo¬
rid, Pt Cl2. — Schwefelwasserstoff fällt aus dieser
Lösung schwarzbraunes, nur in Königswasser lös¬
liches Schwefelplatin, Pt S2, das sich in der erwärm¬
ten Flüssigkeit am leichtesten bildet, und in Schwefel¬
ammonium löslich ist. — Ammoniak- und Kalisalze,
namentlich Chlorkalium und Salmiak fällen gelbe, kry-
stallinische Platinchloriddoppelverbindungen, die in
einer weingeisthaltigen Flüssigkeit am schwerlöslich¬
sten sind. — Zinnchlorür bringt, bei Gegenwart von
freier Salzsäure, nur eine dunkelrothbraune oder braune
Färbung hervor.
e) Iridiumoxyd; Ir 02. — Das Iridiunmietall löst
sich für sich nur schwierig in Königswasser, leichter
wenn es mit Platin legirt ist ; die dunkelbraunrothe
Lösung enthält Chlorid, Ir Cl2. ■— Schwefelwasser¬
stoff entfärbt diese Lösung zuerst, später fällt braunes
Schwefeliridium, in Schwefelammonium löslich; viele
Reagentien (Eisenvitriol, Jodkalium, Oxalsäure, Cyan-
66 Goldoxyd.

kaliuni) wirken entfärbend auf die Lösungen des Iri-


diumoxyds, theils mit, theils ohne Fällung. Die Verbin¬
dungen des Iridiumchlorids mit löslichen Chlonnetallen
sind dunkelroth, fast schwar/.roth.
f) Goldoxyd, Au 0;J. — Die Lösung des Goldes in
Königswasser enthält Chlorid, Au Cl3; sie ist rothgelb,
auch beigrosser Verdünnung noch gelb. Schwefelwas¬
serstoff fällt daraus schwarzes Schwefelgold, Au S3,
löslich in Schwefelannnoniumund Königswasser. —
Die meisten unedlen Metalle, auch Silber, Palladium
und Platin, reduciren das Gold aus dieser Lösung theils
metallisch, als braunes Pulver oder als glänzender
Ueberzug, theils als purpurfarbene Verbindung. Die
wichtigsten Reductionsmittel sind Eisenoxydulsal -ze '),
*) Oxalsäure **) und Zinnchlorür. Diebeiden ersterenfäl-
len das Gold als zartes, braunes Pulver, das heim Reiben
mit einem harten Körper Goldglanz zeigt ; das Zinnchlo¬
rür fällt, wenn es etwas Zinnchlorid enthält, auch aus
einer sehr verdünnten Goldlösung einen purpurrothen
Niederschlag, der wahrscheinlich eine Verbindung ei¬
nesniedrigeren Oxyds des Goldes mitZinnsesquioxyd ist.

*) Au Cl36+ ( lrc 0, S0 3) = Au + 2 ( Fe203, 3 S0 3)


+ Fej Cl3.
” ) Au Cl3j - - 3 HO + 3 C2 0 3 Au
= -f 3 CI H -f 6 C02.
Tellurige Säure.
67

g) Selenige Säure, Se 02. — Selen verbrennt beim


Erhitzen an der Luft zu Selenoxyd und seleniger Säure,
welches erstere einen durchdringend rettigarligen
Geruch verbreitet. Die freie selenige Säure, so wie die
mit Salzsäure versetzten Lösungen der selenigsauren
Salze werden durch Schwefe)Wasserstoff rothgelb,
durch schweflige Säure in der Kälte roth, in der Wärme
grau gefällt . Die Selensäure, Se 03, oder selensaure
Salze zeigen dieses Verhalten erst nach dem Kochen
mit Salzsäure, wodurch unter Chlorentwickelung, se¬
lenige Säure entsteht.
h) Tellurige Säure, Te 02. — Die Lösungen des
Tellurs in Mineralsäuren trüben sich auf Zusatz von
viel Wasser weiss ; ätzende und kohlensaure Alkalien
fällen daraus weisses Hydrat der tellurigen Säure, das
sich in der Wärme in einem Ueberschuss des Fällungs-
mittels löst. — Schwefelwasserstoff fällt schwarz¬
braunes Schwefeltellur, in Schwefelammonium löslich;
schweflige Säure oder schwefligsaure Alkalien fäl¬
len beim Kochen schwarzes , flockiges Tellur, um so
rascher und vollständiger, je concentrirter die Lösung
ist. Auch Zinnchlorür und Eisenvitriol fällen das Tellur
als schwarzes Pulver, das beim Reiben Metallglanz
annimmt. — Erhitzt man Tellur an der Luft, so ver¬
brennt es mit blauer, am Rande grüner Flamme unter
Austossung eines weissen, schwach unangenehm säu¬
erlich riechenden Rauchs. — Das höchste Oxyd des
68 Wolframoxyd.
Tellurs, die Tellursäure, bildet sich beim Schmelzen
der teil urigen Saure mit Salpeter. Ihre Salze werden
durch Glühen zu teilurigsauren Salzen, durch Kochen
mit schwefliger Säure bei Gegenwart von Salzsäure
zu Tellur reducirt.

i) Oxyde des Wolframs. Die


— niedrigeren Oxyde
des Wolframs gehen heim Glühen an der Luft oder
beim Behandeln mit Salpetersäure in Wolframsäure,
Wo 03, über. Schmilzt man irgend ein Wolframhaltiges
Mineral mit Salpeter und kohlensaurem Alkali, so hat
man nach der Behandlung mit Wasser, wolframsaures
Alkali in Lösung. Aus dieser Lösung fällen freie Mine¬
ral - Säuren Wolframsäurehydrat, das sich im Ueber-
schuss niclilYöst-,Phosphorsäureausgenommen
( ) . Zink
erzeugt in dermit Säuren (ausgenommen Salpetersäure)
übersättigten Flüssigkeit eine schön blaue Farbe von
Wolframsuboxyd. — Mit Schwefel verbunden wird das
Wolfram nur gefällt, wenn ein mit Schwefelammonium
versetztes wolframsaures Salz mit einer Säure zer¬
legt wird.
Die reinen Oxyde des Wolframs ertheilen dem
Phosphorsalz in der inneren Löthrohrllamme eine schön
blaue Farbe, die in der äusseren Flamme wieder ver¬
schwindet ; bei einem Eisengehalt wird die Perle in
der inneren Flamme blutroth.
Molybdänoxyde. 69

k) Oxyde des Molybdäns. Das — Molybdän und


seine niedrigeren Oxyde(auch das Schwefelmolybdän)
geben beim längeren Glühen an der Luft, rascher bei
Behandlung mit einem Oxydationsmittel, in Molybdän¬
säure über . Die Molybdänsäure ist jedoch in Säuren
löslich, daher geben molybdänsaure Alkalien (durch
Schmelzen irgend einer Molybdänverbindung mit Sal¬
peter und kohlensaurem Alkali erhalten) durch Säuren
eine weisse Fällung, die sich im Ueberschuss wieder
leicht löst. Die freie Salzsäure haltende Lösung wird
durch Zink oder Zinn zuerst blau, dann grün, zuletzt
schwarz gefärbt ; Schwefelwasserstoff im Ueberschuss
fällt aus den sauren Lösungen der Molybdänsäure nach
einiger Zeit braunes Schwefelmolybdän, während die
überstehende Flüssigkeit gewöhnlich grün oder blau
bleibt ; bei wenig Schwefelwasserstoff erhält man nur
eine blaue Flüssigkeit. Aus der mit Schweieiammonium
versetzten Auflösung eines molybdänsauren Salzes wird
durch Säuren ebenfalls braunes Schwefelmolybdän
gefällt.
Alle Oxyde des Molybdäns ertheilen der Phosphor¬
salzperle in der inneren Flamme eine schön grüne
Farbe, die namentlich nach dem Erkalten deutlich wahr¬
nehmbarist ; die Boraxperle wird in der inneren Flamme
braunroth.
l) Oxyde des Vanadins. Das
— Vanadin zeigt in
seinen Verbindungen ein Verhalten, wonach es den
70 Vanadinoxytle.

beiden vorhergehenden Metallen und dem Chrom sehr


nahe steht. Die Lösungen der Vanadino.rydsalze sind
meist blau oder grün ; fixe Alkalien fällen daraus grau-
weisses Hydrat, löslich in einem Ueberschuss mitbrau¬
ner Farbe, unlöslich in Ammoniak . Schwefelwasser¬
stoff fällt sie nicht, wohl aber Schwefelammonium,
schwarzbraun, im Ueberschuss löslich mit dunkler Pur¬
purfarbe. — Die vanadinsaitren Salze sind roth oder
gelb, und werden beim Erhitzen farblos; die Vanadin¬
säure selbst ist in Mineralsäuren löslich und wird in
dieser Lösung durch Schwefelwasserstoff, organische
Materien zu gelöst bleibendem blauem Vanadinoxyd
reducirt. Schwefelammoniumfällt braunes Schwefel¬
vanadin, Va S3, im Ueberschuss mit brauner Farbe lös¬
lich ; Blutlaugensalz fällt sie schön grün ; das vanadin¬
saure Ammoniak ist in Salmiak ganz unlöslich, wesshalb
man die Vanadinsäure durch Sättigen ihrer Lösung mit
diesem Salz als weisses, pulveriges vanadinsaures
Ammoniak niederschlagen kann.
ln Borax und Phosphorsalz lösen sich die Oxyde
des Vanadins in der äusseren Flamme mit gelber, in
der inneren mit schön grüner Farbe auf, die in der
äusseren wieder gelb oder fast farblos geblasen wer¬
den kann.
Zweite Abtlieilun ^t

Verhalten der Säuren gegenReagentien.


I. Säuren des Schwefels und Selens.

a) Schwefelwasserstoff, SH. — Der Schwefelwas¬


serstoff ist ein farbloses, durch starken Druck conden-
sirbares Gas, welches sehr unangenehm, characteri-
stisch ( nach faulen Eiern) riecht und an diesem Geruch
schon leicht erkannt wird. Es verbrennt an der Luft
mit lilauer Flamme, unter Bildung von Wasser und
schwelliger Saure; es wird von kaltem Wasser (etwa
3 Vol. ) absorbirt. (Schwefelwasserstoffwasser ) . —
Mit den meisten Metalloxyden setzt sich der Schwefel¬
wasserstoff in Wasser und in häufig characteristisch
gefärbte Schwefelmetalle um , wie diess im vorher¬
gehenden Abschnitt ausführlich angeführt ist. Nur die
eigentlichen Erden und die Oxyde des Chroms, Titans,
72 Säuren des Schwefels.

Tantals tauschen auf nassem Wege ihren Sauerstoff


nicht gegen Schwefel um. Die Verbindungen des
Schwefels mit den Metallen der Alkalien und alkali¬
schen Erden sind löslich in Wasser, die mit den schwe¬
ren Metallen sind unlöslich darin. In höherer Tem¬
peratur verhalten sie sich verschieden, je nach der
Natur des Metalls; Schwefelgold verliert z. B. heim
Erhitzen allen Schwefel, es bleibt reines Metall, Schwe¬
felzink ist feuerbeständig, und Zinnsulfld, Sn Z2, giebt
nur die Hälfte seines Schwefelgehalts ab. Bei Luftzu¬
tritt (in einer an beiden Enden offenen Glasröhre) erhitzt
geben alle Schwefelmetalleschwefligsaures Gas; bei
einigen Schwefelmetallen bleibt hierbei MetallSilber)
(
bei anderen bleibt MetalloxydAntimon
( , Zinn, Wis-
muth) ; die Schwefelmetalle der reinen Alkalien oxy-
diren sich hierbei zu schwefelsauren Salzen. Schmilzt
man irgend ein Schwefelmetall mit kohlensaurem Natron
auf der Kohle zusammen, so erhält man eine Masse,
die mit Säuren Schwefelwasserstoff entwickelt und
nach dem Befeuchten mit Wasser auf metallischem
Silber einen schwarzbraunen Fleck hervorbringt. —
Von Salpetersäure werden die meisten Schwefelme¬
talle zersetzt , unter Bildung von Oxyd, Schwefelsäure
und, wenn die Säure nicht sehr concentrirt ist, unter
Abscheidung von Schwefel; Königswasser verhält
sich analog, es wirkt nur energischer. Chlor zerlegt
die Schwefelmetalle in Chlormetall und in Clilorschwe-
Schwefelwasserstoff. 73

fei ; starke Salzsäure löst die meisten unter Entwik-


kelung von Schwefelwasserstoff auf.
Bei Gegenwart von Wasser setzt sich der Schwe¬
felwasserstoff mit schwefliger Säure in Wasser und
Schwefel um*), mit Chlor, Brom und Jod entstehen
die Wasserstoffsäuren dieser Körper, unter Abscheidung
von Schwefel ; eine analoge Zersetzung bedingen un¬
terchlorige Säure, Salpetersäure, Jodsäure, Bromsäure,
Chromsäure, Eisenoxydu. s.w. Fast immer wird hierbei
ein Theil des Schwefels in Schwefelsäure übergeführt.
Das Schwefelwasserstoffwasser verliertsehon beim
Stehen an der Luft seinen Geruch, indem sich durch
Sauerstoffaufnahme der Wasserstoff des Schwefelwas¬
serstoffs zu Wasser oxydirt, während der Schwefel
im feinzertheilten Zustande sich abscheidet.
Geringe durch den Geruch kaum wahrnehmbare
Spuren von Schwefelwasserstoffentdeckt man in einer
Flüssigkeit durch Bleizuckerlösung oder durch einen
damit getränkten Papierstreifen, sofern man ein Gas
darauf zu prüfen hat. Das Papier überzieht sich dabei
mit einem glänzend schwarzbraunen Häutchen von
Schwefelmetall.
Der Selenwasserstoff , Se H, steht in allen seinen
chemischen Verhältnissen dem Schwefelwasserstoff
sehr nahe ; der eigentümliche rettigartige Geruch,

') S0 2 2+ SH = 2 HO + 3 S.
4
74 Schwefelsäure.

den die Selenmetalle beim Erhitzen an der Luft ver¬


breiten, lässt sie leicht von den Schwefelmetallen un¬
terscheiden.
Schwefelsäure; S0 3. — Die wasserfreie Schwe¬
felsäure ist eine aus asbestähnlichen Nadeln beste¬
hende Masse, die an der Luft dichte weisse Nebel
erzeugt . Mit 1 At. Wasser verbunden, bildet sie die
ölartige englische Schwefelsäure, deren Siedpunkt
nahebei 300° liegt. Mit Wasser mischen sich beide
unter starkerTemperaturerhöhung. Organische Materien
werden von concentrirter Schwefelsäure unter Blos-
legung von Kohle (Schwärzung) zerstört. In der Sied¬
hitze oxydirt sich dabei aucli die Kohle, unter Ent¬
wicklung von Kohlensäure und schwefliger Säure') .
Die Schwefelsäure zeigt gegen Basen die stärkste
Verwandtschaft; sie lässt sich desshalb zur Abschei¬
dung aller anderen Säuren aus ihren Salzverbindungen
benutzen. Die neutralen und sauren schwefelsauren
Salze sind fast sämmtlich in Wasser löslich; schwer¬
löslich ist nur der schwefelsaure Kalk, unlöslich oder
fast unlöslich, der schwefelsaure Baryt, -Strontian
und -Bleioxyd. Die löslichen Salze dieser Oxyde (vor¬
zugsweise Chlorbarium) werden desshalb zur sicheren
Nachweisung der Schwefelsäure benutzt ; der sogleich
entstellende weisse Niederschlag von schwefelsaurem

*) 2 S 0 3 C+ +
= %S 02 C 0,.
Schwefelsäure. 75

Baryt, BaO , S0 3, ist in Salpetersäure und Salzsäure


vollkommen unlöslich; man hat bei Anstellung dieser
Reaotion darauf zu achten , dass die Flüssigkeit nicht
zu viel freie Salz - oder Salpetersäure enthält , weil
sonst das zugesetzte Barytsalz selbst weiss pulverig
gefällt wird . Auf Zusatz von Wasser verschwindet
letztere Fällung jedoch sogleich.
Die Verbindungen der Schwefelsäure mit den fixen
Alkalien , den alkalischen Erden und mit Bleioxyd wer¬
den , beim Glühen für sich , nicht zersetzt ; alle übrigen
schwefelsauren Salze zersetzen sich hierbei , indem
je nach der Qualität der Base , theils Schwefelsäure,
theils schweflige Säure und Sauerstoff entweichen.
Durch Glühen mit Kohle werden alle schwefelsauren
Salze zersetzt ; ist gleichzeitig ein alkalisches Metall¬
oxyd (z. B. kohlensaures Natron oder Cyankaliuni)
vorhanden , so bildet sich hierbei immer ein lösliches
Schwefelmetall , welches mit Säuren Schwefelwasser¬
stoff entwickelt und , im befeuchteten Zustande , ein
blankes Silberblech schwärzt . Geradeso verhalten sich
die schwefligsauren Verbindungen und überhaupt alle
Säuren des Schwefels (Erkennung der schwefelsauren
Salze vor dem Löthrohr ) .
Die in Wasser und in Säuren unauflöslichen schwe¬
felsauren Salze werden durch Schmelzen mit kohlen¬
saurem Alkali vollständig , durch Kochen mit einer
wässrigen Lösung desselben meist nur theilweise zer-
4*
76 Schwellige Säure.

legt ; in der filtrirten Flüssigkeit lässt sich, nach der


Uebersättigung mit Salzsäure, durch Barytsalze die
Schwefelsäure nach weisen.
Die Selensäure und die selensauren Salze stehen
in ihrem Verhalten der Schwefelsäure und ihren Ver¬
bindungen sehr nahe ; die selensauren Salze zersetzen
sich jedoch beim Kochen mit Salzsäure, in Chlor und
in selenige Säure ; das zersetzte Salz hat dann die
Eigenschaft Indigtinctur zu entfärben, und wird durch
schweflige Säure oder Schwefelwasserstoff (s. S 67.)
aber nicht mehr durch Chlorbariura gefällt. — Alle
Verbindungen des Selens geben, mit Phosphorsalz oder
kohlensaurem Natron in der innern Löthrolirflamme
behandelt, den characteristischen Rettiggeruch.
c) Schweflige Säure. S0 2. Die schweflige Säure
bildet sich beim Verbrennen des Schwefels unter Luft¬
zutritt ; sie ist bei gewöhnlicher Temperatur gasförmig,
leicht von Wasser absorbirbar und riecht stechend,
unangenehm (nach brennendem Schwefel) . — Von
den neutralen schwefligsauren Salzen sind nur die
schwefligsauren Alkalien in Wasser löslich; die sau¬
ren Salze sind alle löslich. Beim Glühen für sich zer¬
fallen die meisten schwefligsauren Salze in Schwe¬
felmetall und in schwefelsaures Salz*). Durch Chlor,
Salpetersäure und schmelzenden Salpeter werden sie

') Z. B. 4 ( Pb 0, S 02) = 3 (Pb 0, S 0 äl + Pb S.


77
Schweflige Säure.

in neutrale Schwefelsäure Sal/.e übergeführt . Kocht


man die mit Salpetersäure und einem Barytsalze ver¬
setzte Auflösung eines schwefligsauren Salzes , so
fällt unlöslicher schwefelsaurer Baryt nieder . — Die
löslichen schwefligsauren Salze werden durch sal¬
petersaures Silberoxyd anfangs weiss gefällt ; der Nie¬
derschlag wird durch Stehen oder Erwärmen zu metal¬
lischem Silber und die Lösungenthält Schwefelsäure *).
Mit Salzsäure versetztes Zinnchlorür schlägt nach
und nach braunes (bei mehr schwefliger Säure gel¬
bes ) Schwefelzinn nieder , auch wenn nur sehr geringe
Mengen von schwefliger Säure vorhanden sind ; bringt
man ein schwefligsaures Salz mit metallischem Zink
und Salzsäure oder Schwefelsäure zusammen , so ent¬
wickelt sich Schwefelwasserstoff **). — Die neutralen
schwefligsauren Salze werden durch Chlorbarium und
Chlorcalcium weiss gefällt ; die Niederschläge sind in
Salzsäure leicht löslich.
Das Verhalten der selenigen Säure s . S. 67.
d.) Fernere Sauerstoffsäuren des Schwefels. —
Von diesen sind zu nennen : die unterschweflige
Säure , S2 0 2, deren Salze der Alkalien und alkalischen
Erden (mit Ausnahme des Barytsalzes ) leicht löslich
sind und die Fähigkeit besitzen , frisch gefälltes Chlor-

*) AgO, S0 2= +
S0 3Ag.
**) 3 Zn + S0, + H0 + 3 S03 3= (Zn0, S03) + HS.
78 Chromsäure.

silber aufzulösen . Durch Oxydation mit Salpetersäure


liefern sie zweifach schwefelsaure Salze ’) ; starke
Salzsäure entwickelt daraus schweflige Säure unter
Abscheidung von Schwefel ” ) . Kupferoxyd - und Silber¬
oxydsalze gehen damit in der Siedhitze schwarzes
Schwefelmetall ; die Flüssigkeit enthält Schwefel¬
säure ” *). — Die UnlerSchwefelsäure^ S2 0 5, bildet nur
in Wasser lösliche Salze , die beim Erhitzen für sich,
oder mit Salzsäure in gasförmige schweflige Säure und
in schwefelsaures Salz zerfallen , ohne Ausscheidung
von Schwefel . — Die kürzlich entdeckten Säuren,
S;{ 0 5 und S4 0 5, verhalten sich ähnlich , nur dass aus¬
serdem eine Schwefelabscheidung Statt findet.

2) Chromsäure. Cr 03.
Die Chromsäure ist scharlachroth , krystallinisch,
an der Luft zerfliesslich ; ihre Salze sind meist gelb
oder morgenroth gefärbt . Die chromsauren Alkalien
sind in Wasser , alle chromsauren Salze sind in Sal¬
petersäure löslich ; die gelbe wässrige Lösung der
neutralen chromsauren Alkalien färbt sich auf Zusatz
einer Mineralsäure dunkel rothgelb , indem ein saures
Salz gebildet wird oder Chromsäure frei wird . Baryt-
sal x--e fällen die löslichen chromsauren Salze blass-

+
' ) Z. B. KO, S2 02 40 = KO + 2 S0 3.
s.
s o2+
**) s2o2=
=
*" ) Cu 0, S2 0 2 Cu S + S 0 *.
Phosphorsäure. 79

gelb, Ba 0,Cr 03; Blei- und ll ismv/hoxydsa /selebhaft


citrongelb Pb 0, Cr 03 und Bi 03, Cr 03; Silbersalz-e
purpurroth Ag 0, Cr 03; Quecksilberoxydulsalze zie-
gelroth, Ilg2 0 , Cr 03;alle diese Niederschläge sind in
Salpetersäure, die Bleioxydverbindung ist auch in Kali
löslich. — Durch Schwefelwasserstoff und schweflige
Säure, durch metallisches Zink, oder auch Weingeist,
bei Gegenwart einer freien Säure, durch Oxalsäure,
Weinsäure , Cilronsäure wird die Chromsäure in den
chromsauren Salzen zu Chromoxyd reducirt. Hierbei
wird, wie mit Schwefel Wasserstoff,theils Schwefel ab¬
geschieden, tlieils, wie mit schwefliger Säure, Schwe¬
felsäure und Unlerschwefelsäure gebildet , oder es
entwickelt sich, wie bei Gegenwart von organischen
Verbindungen, kohlensaures Gas. Ist freie Säure vor¬
handen, so bleibt dabei alles Chromoxyd mit grüner
Farbe gelöst, im andern Fall scheidet sich, bei der Re-
duction durch Schwefelwasserstoff ein griingraues
Gemenge von Chromoxyd und Schwefel ab *).

3) Säuren des Phosphors.



a) Phosphorsäure, P0 5 Die wasserfreie Säure
stellt weisse Flocken, das Hydrat gewöhnlich eine
glasartige Masse dar; beide zerfliessen leicht an der

*) Diesem Verhalten zufolge wird man schon bei Auf¬


suchung der Basen auf die Gegenwart von Chromsäure hin¬
gewiesen; das Chrom ist alsdann in der mit Schwefelwasser¬
stoffbehandelten Lösung als Oxyd enthalten.
80 Phosphorsäiire.

Luft . Die Verbindungen der Alkalien mit Phosphorsäure


sind löslich , alle übrigen Salze sind unlöslich in Was¬
ser ; die letzteren lösen sich in verdünnter Salpeter¬
säure . Die phosphorsauren Salze mit fixen Basen sind
feuerbeständig . Durch Schmelzen mit reinen oder koh¬
lensauren Alkalien werden die in Wasser unlöslichen
phosphorsauren Salze nur theilweise zersetzt . Die
phosphorsauren Salze der Alkalien mit 1 At. fixer Ba¬
sis reagiren sauer , die mit 2 und 3 At. fixer Basis be¬
sitzen eine alkalische Reaction . Die letzteren werden
durch Baryt - und Kalksalze weiss gefällt ; die fri¬
schen Niederschläge sind leicht in Salz - oder Sal¬
petersäure , sowie in Essigsäure löslich . — Lösliche
Billererdesalze geben mit phosphorsaurem Natron
2 Na 0)
(P o5 H Ol
nach einiger Zeit einen krystallini-

sehen Niederschlag ; mit phosphorsaurem Natron,wel¬


ches 3 At. Natron enthält , wird alle Bittererde sogleich
als weisses phosphorsaures Salz abgeschieden . Bei
Gegenwart von freiem Ammoniak entsteht , auch in der
sehr verdünnten und viel Ammoniaksalz enthaltenden
Lösung der phosphorsauren Salze mit 2 At. fixer Base,
eine weisse Fällung von phosphorsaurem Bittererde-
Ammoniak ( 2 Mg 0 , NH4 0 , P0 512— aq.) . Aus den
gewöhnlichen phosphorsauren Salzen wird durch sal¬
petersaures Silberoxyd citrongelbes, in Essigsäure sehr
schwer lösliches phosphorsaures Silberoxyd ( 3 Ag 0,
P 05)gefällt ; enthieltdas phosphorsaure Salz , oder 2Aeq.
Pliospliorsäure. 81

fixer Basis, so wird es, nach dem Glühen, weiss gefallt.


Bleioxydsalze geben einen weissen Niederschlag , der
in Essigsäure fast unlöslich ist und in der äusseren
Löthrohrflannne zu einer Kugel schmilzt , die beim Er¬
kalten eckig krystallisirt . — Eisenoxydsalze geben in
den Lösungen der phosphorsauren Alkalien einen gal¬
lertartigen , fast weissen Niederschlag von phosphor¬
saurem Eisenoxyd, der in Essigsäure unlöslich ist . Ver¬
setzt man die salzsaure Auflösung eines in Wasser
unlöslichen phosphorsauren Salzes ( einer phosphor¬
sauren alkalischen Erde z. B.) mit einer hinreichenden
Menge eines essigsauren Alkalis und dann mit Eisen¬
chlorid , so erhält man desshalb dieselbe Fällung von
phosphorsaurem Eisenoxyd . Es lässt sich in dieser
Weise alle Phosphorsäure aus der Lösung entfernen.
Erhitzt man ein trocknes phosphorsaures Salz in
einer Glasröhre mit Kalium, nimmt alsdann den Kalium¬
überschuss durch Quecksilber hinweg und befeuchtet
(durch Hineinblasen feuchter Luft) den Rückstand
schwach , so entwickelt sich Phosphorwasserstolfgas,
das leicht am Geruch zu erkennen ist . Bringt man in
das , durch Zusammenschmelzen eines phosphorsauren
Salzes mit Boraxsäure auf der Kohle vor dem Lüthrohr
erhaltene , ruhig fliessende Glas, einen feinen Clavier-
draht , so bildet sich bei starkem Blasen in der inneren
Flamme eine spröde Kugel von magnetischem Phos¬
phoreisen.
4**
82 Salpetersäure.

b) PhosphorigeSäure, P0 3 lind unterphosphorige


Säure, PO . — Die Verbindungen der pliosphorigen
Säure mit den alkalischen Erden, und den übrigen
Metalloxyden sind meist unlöslich oder schwerlöslich;
verdünnte Bittererdelösungen werden, auchbei Gegen¬
wart von Salmiak und Ammoniak, nicht von löslichen
phosphorigsauren Salzen gefällt. Edle Metalloxyde
werden davon unter Abscheidung von Metall und Bil¬
dung von Phosphorsäure reducirt ; beim Erhitzen für
sich liefern sie meistens reines AVasserstolfgas und
zurückbleibendes phosphorsaures Salz. — Die Ver¬
bindungen der unterphosphorigen Säure sind alle in
Wasser löslich; sie zerfallen beim Erhitzen für sich
in phosphorsaures Salz und in entzündliches Phos-
phonvasserstoffgas, beim Kochen derLösungmit einem
Ueberscliuss eines Alkalis in Wasserstolfgas und in
phosphorsaures Alkali.

4) Säuren des Stickstoffs.


a) Salpetersäure, N05. — Das reine Salpetersäure¬
hydrat ist eine farblose, ätzendsaure rauchende Flüssig¬
keit, die, wenn sie salpetrige Säure enthält, gelbroth
ist. Sie oxydirt die meisten Metalle (Platin, Rhodium,
Iridium, Gold, Titan und Tantal ausgenommen) , indem
sich Stickoxyd entwickelt, das an der Luft rothe Dämpfe
von salpetriger Säure bildet. Sie bildet mit allen Me¬
talloxyden lösliche Salze ( nur Zinnoxyd, Antimonoxyd,
Salpetersäure. 83

teilurige Säure und Wolframsäure lösen sich bei der


Oxydation der Metalle nicht im Ueberschuss der Säure
auf). Alle salpetersauren Salze werden in der Glüh¬
hitze zersetzt , indem je nach der Qualität der Base,
Sauerstoff und Stickgas oder Sauerstoff und eine nied¬
rigere Oxydationsstufe des Stickstoffs entweichen. Ge¬
schieht dieses Erhitzen des Salpetersäuren Salzes bei
Gegenwart brennbarer (oxydationsfähiger) Körper,
so nehmen letztere den Sauerstoff der Säure auf und
diess geschieht theils so rasch und heftig, dass eine
Verpuffung eintritt, wiebei Cyankalium,Kohle, Phos¬
phor , Schwefel u. s. w. Auch freie Salpetersäure wirkt,
im concentrirten Zustande, als kräftiges Oxydations¬
mittel gegen letztere Körper und gegen organische
Materien im Allgemeinen.
Mit überschüssiger Salzsäure erwärmt, zerfallen
die salpetersauren Salze in Chlormetall, Untersalpeter¬
säure und in freies Chlor*). Freie Salpetersäure erlei¬
det dieselbe Zersetzung mit Salzsäure. Daher löst
sich Blattgold in einer Lösung eines salpetersauren
Salzes, die man mit Salzsäure erwärmt. — Mischt man
die Auflösung eines Salpetersäuren Salzes mit dem
halben Volum concentrirfer Schwefelsäure und setzt,
nach dem Erkalten, eine concentrirte Lösung eines

+
') Z. B. KO, NO, + 2IIC1 = K CI, 2H0 + N 04 CI.
84 Salpetersäure.

Eisenoxydulsalzes oder auch Krystalle von Eisenvitriol


zu, so färbt sich die Flüssigkeit oder die Krystalle pur-
purroth oder dunkelbraunschwarz in Folge der Ent¬
stehung einer Verbindung von Stickoxyd mit dem Oxy¬
dulsalz*) . Durch Erwärmen wird die dunkelbraune
Verbindung, unter Entwicklung des Stickoxyds zer¬
legt . — Vermischt man eine salpetersäurehaltige Flüs¬
sigkeit mit concentrirter Schwefelsäure und einem
Tropfen Indiglüsung, so verschwindet beim Erwärmen
die blaue Farbe und geht in eine gelbe über. Zusatz
von etwas Kochsalz macht diese Reaction empfindli¬
cher. — Salpetersaure Salze entwickeln, mit Kupfer¬
feile und mässig verdünnter Schwefelsäure erwärmt,
Stickoxydgas, das an der Luft gelbrothe Dämpfe von
salpetriger Säure bildet*) .
b) Salpetrige Säure, N0 3. — Die Verbindungen
der salpetrigen Säure mit Basen sind fast sämmtlich
leicht löslich in Wasser ; sie verpuffen mit brennbaren
Materien erhitzt, ähnlich den salpetersauren, entwik-
keln beim Glühen für sich Stickgas und Sauerstoffgas,
beim Behandeln mit concentrirter Schwefelsäure Stick¬
oxydgas, das an der Luft rothe Dämpfe bildet; die Flüs¬
sigkeit enthält dann Salpetersäure. Goldchlorid und

*) Z. B. 10 ( Fe 0 , S 03) + 3 S 03N
+ 0 5 3= (Fe2 0 3,3S0 3)
+ 3 ( Fe 0 , S 0 3) -f- NOj.
*’) NO. + 3Cu + 3S0 a N0 = 23+ ( CuO, S0 3).
Salzsäure. 85

salpctersaures Quecksilberoxydul werden davon me¬


tallisch gefällt.

5) Säuren der Salzbilder.


A. Wasserstoffsfiuren.

a) Chlorwassersto/fsäure (Salzsäure) CI II. —


Das an feuchter Luft stark rauchende, sauer und ersti¬
ckend riechende, salzsaure Gas wird von Wasser unter
Wärmeentwicklungabsorbirt (wässrige Salzsäure). Mit
Metalloxyden setzt sich die Salzsäure in Wasser und
in Chlormetalle um. Diese sind für sich erhitzt, theils
unzersetzt flüchtig (Zinn-, Antimon- und Arsenchlo¬
rid) theils feuerbeständig (Chlor- Silber, - Blei und die
Chloride der Alkalimetalle) theils zerfallen sie beim
Erhitzen in Chlor und Metall oder bei Luftzutritt in
Metalloxyd und Chlor. Fast sämmtliche Chlormetalle
sind in Wasser löslich (unlöslich sind nur : Chlorsilber,
Quecksilberchlorür, Kupferchlorür, Platinchlorür und
Goldchlorür, schwerlöslich ist Chlorblei) . — Wässrige
Salzsäure, so wie Auflösungen von Chlormetallen wer¬
den demnach gefällt : durch Salpeter saures Silber¬
oxyd vollständig, als weisses, im Lichte violett wer¬
dendes, käsiges Chlorsilber, Ag CI, in Salpetersäure
vollkommen unauflöslich, leichtlöslich in Ammoniak,(s.
SilberoxydS. 38.); durch salpetersaures Quecksilber¬
oxydul ebenfalls vollständig als weisses Quecksilber-
86 Salzsäure.

chlorür, IIg 2 CI, (s. QuecksilberoxydulS. 38,) durch


Bleioxydsal %e unvollständig ; als weisses Chlorblei,
Pb CI. — Mit Superoxyden erwärmt, entwickelt freie
Salzsäure gelbgrünes Chlorgas’); man erhitzt zur Iler-
vorbringung dieser Reaction gewöhnlich das lösliche
Chlormetall mit Braunstein und Schwefelsäure. — Er¬
wärmt man ein Chlormetall mit chromsaurem Kali und
Schwefelsäure, so entweicht, als braunrothes, in der
Kälte zu einer blutrothen Flüssigkeit sich verdichten¬
des Gas, chromsaures Chromchlorid, 2Cr 03, Cr Cl3’),
welches auf Zusatz von Ammoniaküberschuss eine
gelbe Lösung von chromsaurem Ammoniak bildet.
Vordem Löthrohr ertheilen Chlormetalle der Flamme
eine blaue Farbe, wenn sie mit einer Phosphorsalzperle
erhitzt werden, die man mit Kupferoxyd gesättigt hat.
b) Bromwasserstoffsäure , Br H. — Die Brom-
wasserstoffsäure und die Brommetalle zeigen ein den
entsprechenden Chlorverbindungen analoges Verhal¬
ten. Die löslichen Brommetalle werden durch salpeter-
saures Silberoxyd und Quecksilberoxydul gelblichweiss
gefällt ; das Bromsilber, Ag Br, ist in Salpetersäure
unlöslich, in Ammoniak schwerlöslich; Bleioxydsalze
fällen weisses Bromblei, Pb Br, das in Wasserunlöslich

*) Mn Oa 2C1
+ H = Mn CI -f %II 0 -f CI.
**) 3 Cr 03 3+ CI H = 2 Cr 0 3, Cr Cl3j - - 3 H 0.
Bromwasserstoffsäure. 87

ist, wodurch es sich von Chlorblei unterscheidet. —


Chlor, unterchlorigsaure Salze, concentrirte Schwefel¬
säure, Salpetersäure scheiden aus den löslichen Brom-
metallen Brom ab, welches die Flüssigkeit gelb oder
gelbroth färbt " ) . Verdünnte Schwefelsäure setzt da¬
gegen Bromioasserstoff'säure in Freiheit. — Freies
Brom ist in Aetlier löslich und färbt Stärke oder Stär¬
kekleister pomeranzengelb. Man entdeckt kleine Men¬
gen von Bromverbindungen( auch bei Gegenwart von
Chlormetallen) daher leicht in der Weise, dass man
die zu prüfende Flüssigkeit mit Chlorwasser versetzt
(oder Chlorgas in dieselbe leitet) , sie nun zuerst mit
Aetlier und den mittelst einer Pipette abgenommenen,
bromhaltigen Aetlier mit Kalilauge schüttelt, welche
ihm das Brom (unter Bildung von Bromkalium und
bromsaurem Kali) entzieht. Man verdampft die Kali¬
lauge zur Trockne, erhält den Rückstand (in einer
Silberschale) einige Zeit im Schmelzen, wodurch das
bromsaure Salz in Brommetall übergefiilirt wird, löst
in wenig Wasser auf und destillirt die mit Schwefel¬
säure übersättigte Lösung , mit etwas Braunstein, in
einer kleinen Retorte, die mit einem gläsernen Kühl¬
apparate verbunden ist. Bei Anwesenheit von Brom

*) Z. B. K Br + CI = K CI = Br. — K Br + 2 S 03,= K 0,
S 03S0
+ 2 Br
+ . — 3K Br + 4X0 , = 3 ( KO, X 05) + X02
+ 3 Br.
88 Jodwasserstoffsäure.

bilden sich beim Erwärmen sogleich braunrothe oder


gelbrothe Dämpfe, die das in einer vorgelegten Rühre
enthaltene feuchte Amylum pomeranzengelb färben. —
Reine Brommetalle entwickeln, mit einem chromsauren
Salz und concentrirter Schwefelsäure destillirt, nur
Brom, welches durch Ammoniakzusatz entfärbt wird
(Unterschied von Chlormetallen und Entdeckung der
letzteren in Brommetallen) . — Gegen eine mit Kup¬
feroxyd gesättigte Perle von Phosphorsalz verhalten
sich vor dem Löthrohr die Brommetalle den Chlorme¬
tallen ähnlich ; die Färbung ist jedoch mehr grünlich.
c) Jodwassersloffsäure, J H. — Die Jodwasser¬
stoffsäure und die Jodmetalle stehen in ihrem Verhalten
den entsprechenden Brom- und Chlor- Verbindungen
sehr nahe. Ihre Lösungen werden gefällt : durch sal¬
petersaures Silberoxyd als gelb/ichweisses Jodsilber,
Ag J, in Salpetersäure unlöslich, in Ammoniak unlös¬
lich oder doch nur sehr schwer löslich; durch Queck¬
silberoxydulsalz grüngelb, durch Quecksilberoxydsalze
scharlachroth, durch Kupferoxydulsalze schmutzig-
(
weisseine Mischung von1Th. Kupfervitriol und 21/ i Th.
Eisenvitriol oder ein mit schwefliger Säure versetztes
Kupferoxydsalz leisten,sofern sie Kupferoxydulsalz ent¬
halten, dasselbe) , — Bleioxydsalze fällen nicht zu
verdünnte Lösungen von Jodmetallen pomeranzengelb,
Wismu'thoxydsalze braun und Palladiumoxydulauf¬
lösung, auch bei grosser Verdünnung, schwarz. Särnrnt-
Jodwasserstoffsäure. 89

liehe Fällungen sind den angewandten Oxyden eorre-


spondirende Jodmetalle . — Gegen Chlor, concentrirte
Schwefelsäure und Braunstein , so wie gegen Salpe¬
tersäure verhalten sich die Jodmetalle ähnlich den
Brommetallen ; es wird Jod abgeschieden , welches,
je nach seiner Menge , als schwarzes Pulver gefällt
wird , in der Flüssigkeit mit braungelber Farbe gelöst
bleibt oder sich beim Erwärmen als characteristischer
violetter Dampf verflüchtigt . Kommt das , auf irgend
eine dieser Weisen abgeschiedene Jod in Contact mit
Stärkmehl, so entsteht eine blaue Verbindung , die
bei sehr geringen Mengen von Jod auch violett oder
rosenroth erscheint . — Man wendet zu diesen Ver¬
suchen verdünnten Stärkekleister an, den man der zu
prüfenden Flüssigkeit beimischt , worauf man durch
vorsichtigen Zusatz von Chlorwasser , Salpetersäure
oder Schwefelsäure das Jod abscheidet . Bringt man
zu viel Chlor hinzu , so entsteht Chlorjod und die blaue
Färbung tritt nicht ein ; das nemliche ist bei Anwen¬
dung von Salpetersäure der Fall , wenn gleichzeitig
viel Chlormetall vorhanden ist . Aus trocknen Verbin¬
dungen scheidet man das Jod in einem Stöpselglas
durch concentrirte Schwefelsäure ab ; man klemmt einen
mit Stärkekleister befeuchteten Papierstreifen zwischen
Hals und Stöpsel des Glases und lässt einige Stunden
stehen , wo sich bei einem Jodgehalt der Verbindung
der Papieystreifen blau färben wird . — Der Löthrohr-
90 Fluorwasserstoffsäure.

flamme ertheilen Jodmetalle eine schön grüne Färbung,


wenn man sie einer mit Kupferoxyd gesättigten Plios-
phorsalzperle zusetzt.
d) Fluorwasserstoffsäure, FH . — Die Fluorwas¬
serstoffsäure ist eine äusserst flüchtige , an der Luft
stark rauchende , stechend riechende Flüssigkeit , deren
Dampf sehr nachtheilig auf die Athmungsorgane ein¬
wirkt . Mit Wasser mischt sie sich unter starker Er¬
wärmung . Die Fluormetalle sind theils löslich in Wasser,
wie das Fluor - Kalium, - Natrium , - Ammonium, - Zinn,
-Silber , theils sehr schwerlöslich oder ganz unlöslich,
wie dasFluorblei, -Kadmium, -Zink, und die Verbindun¬
gen des Fluors mit den Metallen der alkalischen Erden .—
In den löslichen Fluormetallen entsteht durch Kalksalze
ein fast durchsichtiger , gallertartiger Niederschlag von
Fluorcalcium , CaF, der auf Ammoniakzusatz deutlich
sichtbar wird , und sich nur schwierig in Salzsäure
oder Salpetersäure auflöst . Salpetersaures Silberoxyd
giebt mit löslichen Fluormetallen keinen Niederschlag.
Durch conoentrirte Schwefelsäure werden in der Wärme
fast sämmtliche Fluormetalle unter Entwickelung von
Fluorwasserstoffsäure zerlegt . Trifft die hierbei frei-
werdende Fluorwasserstoffsäure mit Kieselerde (im
Glas z. B.) zusammen , so setzt sie sich mit letzterer
in Fluorsilicium und Wasser um.*) Hierauf beruht die

*) Si 02 2+ Fl H= Si F2 2+ II 0.
Fluorwasserstoffsäure. 91

Nachweisung des Fluors durch Aetzen des Glases.


Man übergiesst die Verbindung im feingepulverten Zu¬
stande in einem Platintiegel mit concentrirter Schwe¬
felsäure, bedeckt den Tiegel mit einer Glasplatte, die
mit Wachs überzogen und radirt ist, und erwärmt ge¬
linde. Nach Wegnahme des Wachses zeigen sich die
radirten Stellen angegriffen. Bei kleinen Mengen von
Fluor sind die angegriffenen Stellen erst nach dem
Anhauchen der reinen Glasfläche zu bemerken. Enthält
die Verbindung neben dem Fluor auch Kieselerde, so
entwickelt sich beim Erwärmen mit Schwefelsäure
Fluorsiliciumgas, welches Glas nicht angreift, sich aber
mit Wasser in Kieselerde, die sich gallertartig abschei¬
det, und in Kieselfluorwasserstoffsäureumsetzt*). Man
benutzt diese Reaction zur Nachweisung des Fluors
in Kieselerdehaltigen Mineralien, indem man die fein¬
gepulverte Substanz (ist sie kieselerdefrei, so mischt
man Glas- oder Quarzpulver hinzu) in einem trocknen
Glaskölbchen mitconcentrirter Schwefelsäureerwärmt,
und das Gas durch eine innen befeuchtete Glasröhre
streichen lässt. Diese beschlägt sich weiss von ausge¬
schiedener Kieselerde.— Durch Glühen mit kohlensau¬
rem Alkali werden die unlöslichen Fluorverbindungen
zersetzt, unter Bildung von löslichem Fluormetali, aus

’) 3 SiF2 6+ HO= 2 ( Si 0 „ 3 IIF) + Si 0a.


92 Cyanwasserstoffsäure.

welchem nach vorsichtiger Sättigung mit Salzsäure


durch Chlorcalcium und Ammoniak, sämmtliches Fluor
als Fluorcalcium gefällt wird. Enthielt die Verbindung
Phosphorsäure,so ist dem Niederschlag phosphorsaurer
Kalk beigemischt.
Erhitzt man ein Fluormetall für sich in einer an
beiden Enden offenen Glasröhre mittelst des Lüthrohrs
oder mit saurem schwefelsaurem Kali in einer Pro¬
birröhre , so entwickelt sich Fluorwasserstoffsäure,
die man an dem Mattwerden des Glases leicht erkennt.
e) Cyanwasserstoffsäure , Cy H. — Die wasser¬
freie Cyanwasserstoffsäureist farblos, sehr dünnflüs¬
sig , brennbar , von eigenthümlichem, betäubendem
Geruch; die verdünnte wässrige Lösung schmeckt
nach bitteren Mandeln. Sie mischt sich mit Wasser,
Alkohol und Aether in allen Verhältnissen. Im völlig
reinen Zustande zersetzt sie sich in Ammoniak und
eine schwarzbraune Masse; mit concentrirten Mine¬
ralsäuren in Ammoniak und Ameisensäure.
Die Verbindungen des Cyans mit den Metallen der
Alkalien und alkalischen Erden sind in Wasser löslich;
die Lösungen reagiren alkalisch und werden durch
die schwächsten Säuren unter Abscheidung von Blau¬
säure zerlegt . Beim Kochen der Lösung mit über¬
schüssigem Alkali entsteht Ammoniak und Ameisen¬
säure. Cyankalium und Cyannatrium ertragen , bei
Luftabschluss, Glühhitze ohne Zersetzung; bei Luft-
Cyanwasserstoffsäure.
93

Zutritt oder bei Gegenwart von Metalloxyden entstehen


cyansaure Salze. — Die übrigen Cyanmetalle sind
(mit wenigen Ausnahmen, wie Cyanquecksilber) in
Wasser unlöslich; in der Glühhitze zerfallen sie ent¬
weder in Metall und Cyan (Cyanquecksilber) oder in
Cyan und eine niedrigere Cyanstufe (Cyansilber) oder
in Stickgas und Kohlenmetalle ' oder Paracyanuietalle.
Die meisten Cyanverbindungen der schweren, nament¬
lich der edlen Metalle werden von verdünnten Sauer¬
stoffsäuren nicht zersetzt ; fast alle zerlegen sich aber
mit Salzsäure oder Schwefelwasserstoff, unter Frei¬
werden von Cyanwasserstoffsäure.
Durch salpetersaures Silberoxyd wird aus den Lö¬
sungen der Cyanwasserstoffsäure oder der löslichen
Cyanmetalle weisses, käsiges Cyansilber, Ag Cy, ge¬
fällt, unlöslich in verdünnter Salpetersäure, löslich in
concentrirter, wie auch in Ammoniak und Cyankalium.
Mit concentrirter Salzsäure befeuchtet entwickelt die¬
ses Cyansilber den Geruch der Blausäure. Salpeter-
saures Quecksilberoxydul erzeugt in den Lösungen
der Cyanwasserstoffsäure einen grauen Niederschlag
von reducirtem Quecksilber; die Flüssigkeit enthält
dann Quecksilbercyanid') . Eine mit schwefliger Säure
vermischte Auflösung von Kupfervitriol fällt weisses
Kupfercyanür. Blausäurehaltige Flüssigkeiten lösen

') Cy II + Hg, 0 =f Hg Cy + Hg + H 0.
94 Cyamvasserstoffsäure.

Quecksilberoxyd auf , unter Bildung von Quecksilber¬


cyanid , das durch Alkalien nicht gefällt wird ; war
zugleich Salzsäure zugegen , so entsteht durch Am¬
moniak eine Fällung von weissem Präcipitat . Vermischt
man eine blausäurehaltige Flüssigkeit mit ätzendem
Alkali und dann mit einem Eisenoxydul - oxydsalz (an
der Luft oxydirte Eisenvitriollösung ) , so entsteht ein
schmutzig blaugrüner Niederschlag , der durch Zusatz
von hinreichend Salzsäure rein blau wird , sofern das
mitgefällte überschüssige Eisenoxyduloxyd wieder
gelöst wird.
Die Cyanverbindungen der Alkalimetalle bilden
mit anderen Cyanmetallen meist in Wasser lösliche
Verbindungen , die durch ätzende oder kohlensaure
Alkalien nicht zerlegt werden . Die Cyanüre des Eisens,
Kobalts , Mangans und Chroms treten dabei mit dem
Cyan der Alkalimetalle zu eigenthümlichen Iladicalen
zusammen , in denen das schwere Metall auf gewöhn¬
lichem Wege (selbst nicht durch Sehwefelammonium)
nachgewiesen werden kann . Verdünnte Schwefel¬
säure entwickelt daraus beim Erwärmen Blausäure,
eoncentrirtes Kohlenoxydgas ; durch Glühen für sich
oder mit einem kohlensauren Alkali werden sie zer¬
setzt unter Abscheidung des Metalls und Bildung von
löslichem Cyanmetall . Auf nassem Wege erkennt man
die löslichen Ferro - und Ferridcyanmetalle an ihrem Ver¬
halten gegen Eisen - und Kupfersalze ( S. 28 . 30 . u. 43 .) .
üeberchlorsäure . Chlorsäure. 95

B. SauerstofTsäuren der Salzbilder.

a) Sauerstoffsäuren des Chlors. — üeberchlor¬


säure, CI 0 7; Chlorsäure, CI 0 5; und Unterchlorige
Säure, CI 0.
Die überchlorsauren Salze sind in Wasser lös¬
lich, das Kalisalz ist schwerlöslich. Ihre Lösungen
zerstören Pflanzenfarben nicht und werden weder
durch Säuren noch durch Reductionsmittel zerlegt,
geben desshalb weder mit Schwefelsäure noch mit
Salzsäure gelbe Färbung der Flüssigkeit. In der Glüh¬
hitze verhalten sie sich wie die Chlorsäuren Salze.
Die chlorsauren Salze sind sännntlich löslich in
Wasser; ihre Lösungen besitzen keine bleichenden
Eigenschaften, sie werden aber leicht durch Säuren
zerlegt , indem sich die Flüssigkeit durch freiwerden¬
des Chlor oder Unterchlorsäure gelb oder braungelb
färbt ; mit Schwefelsäure erwärmt entfärben sie In-
digtinctur und in der Kälte auch Lacmustinktur.
In der Glühhitze zersetzen sich die chlorsauren
Salze sämmtlich unter Entwickelung von Sauerstolf-
gas ; bei den Chlorsäuren Salzen der fixen Alkalien
bleibt hierbei reines Chlormetall, die meisten übrigen
hinterlassen Oxyd und dem Sauerstoff ist Chlorgas
beigemengt. Mit brennbaren Körpern, wie Kohle,
Schwefel, Phosphor, Cyanmetallen u. s. w. erhitzt,
verpuffen sie sehr heftig.
96 Unterchlorige Säure.

Die unter chlorig sauren Salze sind, soweit sie be¬


kannt sind, säramtlich in Wasser löslich; sie besitzen
einen schrumpfenden, ätzenden Geschmack,und riechen
schwach nach Chlor; sie zersetzen sich für sich im Son¬
nenlicht oder beim Erhitzen, meist unter Entwickelung
von Sauerstoffen Chlormetall und chlorsaures Salz. Sie
zerstören Pflanzenfarben für sich, leichter noch auf
Zusatz einer Säure. Säuren entwickeln damit nur Chlor¬
gas. Aus Manganoxydulsalzen fällen die unterchlorig¬
sauren Salze braunschwarzes Mangansuperoxydhydrat,
aus Bleioxydsalzen anfangs weisses Chlorblei, dann
braunes Superoxyd. Ihre Lösungen verhalten sich
überhaupt als kräftige Oxydationsmittel.
b) Sauer Stoffsäuren des Broms, Jods und Cy¬
ans. — Bromsäure Br 0 5; Ueberjodsäure, J0 7;
Jodsäure, J0 5; Cyansäure Cy 0.
Die bromsauren Salze sind grösstentheils in Was¬
ser löslich; beim Erhitzen für sich oder mit brennbaren
Körpern verhalten sie sich den chlorsauren Salzen
ähnlich. Mit Sauerstoffsäuren zerlegen sie sich, unter
Abscheidung von Sauerstoffgas und Brom, mit Salz¬
säure unter Bildung von Chlormetall und Chlorbrom;
ihre wässrige Lösung zersetzt sich mit Schwefelwas¬
serstoff, unter Abscheidung von Schwefel, mit schwef¬
liger Säure unter Abscheidung von Brom; in beiden
Fällen entsteht Schwefelsäure. Durch Quecksilber-
oxydulsalze werden sie hellgelb gefällt, in Salpeter-
Jodsäure . Cyansäure. 97

säure auflöslich, durch salpetersaures Silberoxyd


weiss, leichtlöslich in Ammoniak, sehr schwerlöslich
in verdünnter Salpetersäure.
Die überjodsauren Salze sind meist schwerlöslich
in Wasser, leicht löslich aber in Salpetersäure; das
Silbersalz ist hellgelb und wird beim Erwärmen mit
Wasser schwarzroth.
Die jodsauren Salze sind meist schwer- oder un¬
löslich in Wasser; löslich sind die einfachsauren Salze
der Alkalien. Verdünnte Lösungen werden durch Blei¬
oxyd- und Silberoxydsalze weiss gefällt ; letztere
Fällung ist leichtlöslich in Ammoniak, schwerlöslich
in Salpetersäure. Beim Erhitzen verhalten sich die jod-
und überjodsauren Salze analog den chlorsauren; mit
wässriger schwefliger Säure oder Zinnchlorür zer¬
setzen sie sich unter Abscheidung von Jod und Bildung
von Schwefelsäure oder Zinnoxyd. Setzt man bei die¬
ser Reaction Stärkekleister zu, so entsteht blaue'jod-
stärke. Mit Schwefelwasserstoff zerlegen sie sich in
Schwefel, der sich abscheidet, in Jodwasserstoff, Was¬
ser und schwefelsaures Salz.
Die cyansauren Salze sind meist leichtlöslich in
Wasser; sie zersetzen sich sämmtlich mit stärkeren
Säuren unter Aufbrausen, indem Kohlensäure ent¬
weicht , die von begleitender unzersetzter Cyansäure
eigentkümlich durchdringend riecht ; die Flüssigkeit
enthält nach dieser Zersetzung ein Ammoniaksalz. Die
5
98 Borsäure. Kieselsäure.

cyansauren Alkalien werden in der Glühhitze nicht


zersetzt.
6) Borsäure, Bo 03. — Diese Säure krystallisirt
aus der wässrigen Lösung in wasserhaltigen Schup¬
pen, die in der Glühhitze unter Aufschäumen zu einer
glasartigen wasserfreien Masse schmelzen. Sie ist für
sich vollkommen feuerständig ; beim Verdampfen der
wässrigen oder weingeistigen Lösung verflüchtigt sie
sich theilweise mit den Dämpfen des Lösungsmittels.
Die borsauren Alkalien sind leichtlöslich in Wasser, die
übrigen Salze schwerlöslich, kein einziges unlöslich;
die schwerlöslichen lösen sich leicht in Ammoniak¬
salzen und Säuren. Letztere scheiden, wenn die Lö¬
sung nicht zu verdünnt ist, die Borsäure in Blättchen
ab. Erwärmt man ein borsaures Salz mit concentrirter
Schwefelsäure und Weingeist und zündet letzteren
an, so ertheilt die gelöste und den Alkoholdämpfen
folgende Borsäure der Flamme eine grüne Farbe. In
derselben Weise wird die Löthrohrflamme grün ge¬
färbt, wenn man ein Gemenge von saurem schwefel¬
saurem Kali und einem borsauren Salze auf dem Platin-
drath glüht. Beim Erhitzen blähen sich die borsauren
Salze meistens stark auf und schmelzen zu durchsich¬
tigen Gläsern, in welchen verschiedene Metalloxyde
mit verschiedener Farbe löslich sind.
7) Kieselsäure, Si 02. — Die Kieselsäure kommt
natürlich im krystallisirten und im amorphen Zustande
Kieselsäure. 99

vor ; die künstlich dargestellte ist immer amorph und


erscheint als weisses , geschmackloses Pulver das
sich beim Kochen mit fixen atzenden oder kohlensau¬
ren Alkalien weit leichter auflöst, als das feine Pulver
der krystallisirten Kieselerde.
Mit Basen geht die Kieselsäure Verbindungen ( Si¬
licate ) in den verschiedensten Verhältnissen ein ; alle
kieselsauren Verbindungen sind unauflöslich in Was¬
ser , mit Ausnahme der kieselsauren fixen Alkalien . Es
giebt Silicate , die durch Säuren zersetzbar sind , unter
Abscheidung der Kieselsäure , dahin gehören die mit
vorwaltender alkalischer Base, so wie die wasserhal¬
tigen Silicate , die Zeolithe . Die Form in der die Kiesel¬
erde abgeschieden wird , ist hierbei verschieden , nach
der Natur des Silicats und nach der Stärke und Quan¬
tität der zersetzenden Säure . Uebersättigt man eine
verdünnte wässrige Lösung eines kieselsauren Alka¬
lis mit Salzsäure , so tritt scheinbar keine Abscheidung
von Kieselerde ein ; sie bleibt , als lösliche Modifica-
tion, in der Flüssigkeit gelöst ; verdampft man diese
Lösung bis zu einem gewissen Punct , oder vermischt
man eine etwas concentrirtere Auflösung des kiesel¬
sauren Alkalis mit der Säure , so bildet die abgeschie¬
dene Kieselsäure entweder ein flockiges Pulver oder
eine Gallerte , die bei weiterem Eintrocknen in ein
weisses zartes Pulver übergeht , welches , Fluorwas¬
serstoffsäure ausgenommen , in keiner Säure mehr lös-
5*
100 Kieselsäure.

lieh ist ; sie ist nun in die sogenannte unlösliche Mo-


dification übergegangen.
Eine andere Klasse von Silicaten wird durch Be¬
handlung mit Säuren nur theilweise oder gar nicht zer¬
setzt ; diese lassen sich durch Glühen mit der drei- bis
vierfachen Menge eines ätzenden oder kohlensauren
Alkalis, also durch Bildung eines Silicats mit vorwal¬
tender alkalischer Base, welches die Kieselsäure nun
in löslicher Modiflcation enthält, aufschliessen, d . h.
in den durch Säuren zersetzbaren Zustand überführen.
Man nimmt diese Aufschliessung mit Barythydrat vor,
wenn man alkalische Basen (Kali, Natron) in dem
Silicat aufsuchen will. — Alle Silicate werden von
Fluorwasserstoffsäure oder, was dasselbe ist , durch
ein Gemenge von Flussspath und concentrirte Schwe¬
felsäure , vollkommen zerlegt ; der Kieselerdegehalt
entweicht hierbei als Fluorsiliciumgas.
Die mit einer Mineralsäure (Salpetersäure) fast
neutralisirten , verdünnten Auflösungen der kiesel¬
sauren Alkalien werden gefällt durch die meisten
schweren Metalloxydsalze, durch die Salze der alka¬
lischen Erden und des Ammoniaks. Hieraus ergiebt
sich die Nothwendigkeit, bei Aufsuchung der übrigen
Bestandtheile eines Silicats, die Kieselsäure durch
Eindampfen der sauren Lösung, durch Ueberführung
der löslichen Modiflcation in die unlösliche, zu entfer¬
nen. Durch Behandlung der trocknen Masse mit Säure
Kieselsäure. 101

werden alle basischen Oxyde gelöst, die Kieselerde


bleibt zurück.
Die reine, amorphe Kieselsäure löst sich in wäss¬
rigen fixen und kohlensauren Alkalien beim Kochen
vollständig auf; vor dem Lüthrohr mit (nicht zu viel)
kohlensaurem Natron zusammengeschmolzen, liefert
sie ein wasserhelles Glas, indem Kohlensäure unter
Aufbrausen entweicht ; im schmelzenden Phosphorsalz
ist sie nur sehr wenig löslich; der grösste Tlieil
schwimmt in der glühenden Perle als aufgeschwollene
Masse (Kieselskelett) herum; das erkaltende Glas ist
bei reiner Kieselerde immer farblos aber je nach der
Menge der letzteren trübe oder auch klar. Dieses Ver¬
halten erlaubt die Kieselsäure mit Leichtigkeit vor
dem Löthrohre aufzufinden.
Titansäure und Tantalsäure, die für sich wie in
ihren Verbindungen ein ähnliches Verhalten wie Kie¬
selsäure zeigen, scheidet man von letzterer mittelst
Fluonvasserstoffsäure, durch die sie nicht verflüchtigt
werden ; ein Gemenge von Titansäure und Kieselsäure
schmilzt man mit kohlensaurem Alkali, behandelt zu¬
erst mit Wasser, dann den Rückstand mit kalter con-
centrirter Salzsäure. Ammoniak fällt aus der salzsauren
Lösung ein Gemenge von Kieselsäure und Titansäure,
aus welchem sich , nach gelindem Trocknen, durch
starke Salzsäure nur Titansäure auflöst.
8) Kohlensäure, C02. — Die Kohlensäure ist bei
102 Kohlensäure.

gewöhnlichem Luftdruck gasförmig , nicht entzündlich


und schwach stechend riechend . Das Gas ist etwa
1 % mal so schwer als atmosphärische Luft und lässt
sich desshalb aus einem Gefäss in ein anderes über¬
giessen . Alle neutralen kohlensauren Salze sind , mit
Ausnahme der kohlensauren Alkalien , unlöslich in
Wasser ; durch stärkere Säuren werden sie sämmmt-
lich unter Aufbrausen zerlegt . Die unlöslichen koh¬
lensauren Salze lösen sich , hei Gegenwart von hin¬
reichend freier Kohlensäure , als saure Salze in Wasser
auf und werden durch Kochen wieder gefüllt . Ueber-
schiissiges Kalk - oder Barytwasser giebt mit kohlen¬
saurem Gas oder mit einer wässrigen Lösung desselben
einen weisseu Niederschlag von kohlensaurem Kalk
oder Baryt , der sich in Salzsäure wieder unter Auf¬
brausen löst . In der Glühhitze verlieren die kohlen¬
sauren Salze ihre Kohlensäure , mit Ausnahme der
kohlensauren Alkalien und einiger alkalischen Erden.

9) Organische Säuren.

Für die grosse Mehrzahl der bekannten organi¬


schen Säuren besitzen wir keine untrüglichen quali¬
tativen Unterscheidungsmittel ; die wenigen Säuren,
die indessen gerade die verbreitesten sind , für welche
eine qualitative Erkennung einigermassen möglich ist,
sind nachstehende:
Oxalsäure. 103

Oxalsäure, Weinsäure, Traubensäure, Citronsäure,


Aepfelsäure, Cliinasäure, Meconsäure, Gallussäure,
Gerbsäure, Harnsäure. — Bernsteinsäure, Benzoe¬
säure, Essigsäure und Ameisensäure.
Die 10 ersteren dieser Säuren sind für sieh nicht
ohne Zersetzung flüchtig, die anderen lassen sich un-
zersetzt sublimiren oder destilliren. Die alkalischen
und alkalischerdigen Salze aller dieser Säuren hinter¬
lassen bei Luftabschluss geglüht, kohlensaure Salze,
unter Abscheidung von Kohle; nur die Oxalsäuren
Salze schwärzen sich nicht beim Glühen. Die nicht¬
flüchtigen dieser Säuren schwärzen sich beim Erhitzen
mit concentrirter Schwefelsäure, indem Kohlensäure,
Kohlenoxyd und schweflige Säure entweicht ; die
Oxalsäure zerlegt sich damit ohne Schwärzung , un¬
ter Entwickelung von Kohlensäure und Kohlenoxyd.
Die characteristisclien Reactionen dieser Säuren
sind folgende:
a) Oxalsäure, C2 0 3. — Die im Wasser löslichen
Salze dieser Säure geben mit Kalkwasser oder lösli¬
chen Kalksalzen, selbst mit Gypsauflösung einen weis-
sen, in Essigsäure unlöslichen, in Salzsäure und Salpe¬
tersäure leicht löslichen Niederschlag von oxalsaurem
Kalk; die in Säuren aufgelösten Oxalsäuren Salze geben
die nemliche Fällung, wenn vorher eine hinreichende
Menge essigsaures Ammoniak zugesetzt wird.
104 Weinsäure. Aepfelsäure.

b) JVeinsäure, C8 H4 0 10. — Sowohl die Säure


wie ihre Salze verbreiten beim starken Erhitzen einen
eigenthümlichenGeruch; die wässrigen Lösungen der
Weinsäure, wie der weinsauren Salze werden durch
überschüssiges Kalkwasser weiss gefällt ; weinsaure
Salze geben mit Chlorcalcium den nemlichen Nieder¬
schlag, der sich leicht in Ammoniaksalzen so wie in
kalter Kalilauge auflöst. Beim Kochen trübt sich die
kalisehe Lösung gallertartig , wird aber beim Erkalten
wieder klar.
c) Traubensäure , C4 H2 0 5. — Sie unterscheidet
sicli von der vorhergehenden nur durch die Unlöslich¬
keit ihrer Kalkverbindung in Ammoniaksalzen, so wie
in überschüssiger Traubensäure oder Weinsäure.
d) Cilronsäure, C 12 H5 O n . Die wässrige Lösung
der Säure oder ihrer Salze wird durch Kalkwasser
oder Kalksalze in der Kälte nicht gefällt : beim Ko¬
chen der Flüssigkeit entsteht sofern sie neutral ist,
oder überschüssiges Kalkwasser oder auch freies Am¬
moniak enthält eine weisse Fällung von citronsaurem
Kalk, unlöslich in Kali, löslich in Ammoniaksalzen und
in freien Säuren.
e) Aepfelsäure ', C8 Ilj 08. — Sie zersetzt sich
beim Erhitzen für sich in einer Probirröhre unter Bil¬
dung eines krystallinischen Sublimats von Maleinsäure,
während Famarsäure zurückbleibt ; ihre wässrige Lö¬
sung, so wie die ihrer Salze giebt mit Bleizuckerlüsung
Chinasäure. Gerbsäure. 105

einen weissen , in der Flüssigkeit nach und nach kry-


stallinisch werdenden Niederschlag von äpfelsaurem
Bleioxyd , der , wenn er mit keinem anderen unlöslichen
Salze gemengt ist , heim Erhitzen der Flüssigkeit zum
Sieden zu einer durchscheinenden Masse zusainmen-
schmilzt . Kalkwasser gieht mit Aepfelsäure weder kalt
noch in der Siedhitze eine Fällung.
f) Chinasäure , CT1I4 0 4. — Sehr kleine Mengen
dieser Säure lassen sich nachweisen durch ihre Ver¬
wandlung in Chinon, mittelst Braunstein und Schwe¬
felsäure . Man bringt die durch Verdampfen concentrirte
Lösung mit der Hälfte ihres Gewichts Schwefelsäure,
und Braunstein in eine Retorte und de.stillirt ; bei Ge¬
genwart von Chinasäure ist die erste Portion des De¬
stillats gelb , oder es bilden sich gelbe Krystalle , deren
Lösung durch Ammoniak schwarzbraun , durch Chlor¬
wasser hellgrün werden.
g ) Meconsäure, C u II 0 n . — Die Lösungen der
Säure wie ihrer Salze werden durch Eisenoxydsalze
blutroth gefärbt ; Salzsäure schlägt aus den Salzen
schwerlösliche , perlmutterglänzende Meconsäure nie¬
der , die beim Kocben mit eoncentrirter Kalilauge in oxal-
saures , kohlensaures Kali und eine dunkelrothbraune
Substanz zerfällt.
h) Gerbsäure, C 18 IJ 5 0 9.— Diese Säure wird aus
ihren Lösungen durch Mineralsäuren breiartig gefällt;
sie wird ferner durch verdünnten Stärkekleister , Leim-
5 **
106 Gallussäure. Bernsteinsäure.

auflösung und Eiweiss niedergeschlagen. Durch ein¬


gelegte thierisclie Haut lässt sie sich ihren Lösungen
vollkommen entziehen. Eisenoxydsalze gehen mit Gerb¬
säure oder ihren Salzen dunkelblauschwarze Fällun¬
gen, die nemliche Erscheinung tritt mit Eisenoxydul¬
salzen erst beim Stehen an der Luft ein.
i) Gallussäure, C7 II 03. — Ihre Auflösungen wer¬
den durch Leimauflösung und thierisclie Haut nicht
gefällt. Dieses Verhalten dient zur Unterscheidung und
Trennung von der vorhergehenden Säure. Eine alka¬
lische Auflösung der Gallussäure färbt sich an der Luft
nach und nach gelb, grün, roth, endlich braunschwarz.
Von Eisenoxydsalzen werden die Lösungen der Gal¬
lussäure tief dunkelblau gefärbt , von Eisenoxydul¬
oxydsalzen schwarz gefällt.
k) Harnsäure, Cj 0 II4 N4 0 6. — Siewirdaus ihren
löslichen Verbindungen durch Säuren als weisses kry-
stallinisches Pulver gefällt ; verdampft man ihreLösung
in Salpetersäure und übersättigt mit Ammoniak, so
entsteht eine schön purpurrothe Farbe; beim Schmelzen
mit den Hydraten der Alkalien liefert sie Ammoniak und,
wenn nicht zu stark erhitzt wurde, leicht erkennba¬
res Cyankalium sowie cyansaures Kali im Rückstände.
l) Bernsleinsäure, C4 II2 03. — Ihre Salze sind fast
sämmtlich in Wasser löslich; Eisenoxydsalze erzeugen
in ihren völlig neutralen Auflösungen einen bräunlich
rothen, voluminösen Niederschlag, der sich in Säuren
Benzoesäure. 107

leicht löst; durch freies Ammoniak wird er dunkler,


indem ihm Bernsteinsäure entzogen wird. Die Auflö¬
sungen der Bernsteinsäure werden auch, nach dem
Zusatz von Weingeist und Ammoniak, durch Chlor¬
barium gefällt.
m) Benzoesäure, C 14 H5 0 3. — Sie ist schwerer
löslich in Wasser, als die vorhergehende Säure und wird
desshalb aus den nicht zu verdünnten Lösungen ihrer
Salze durch starke Säuren als weisses, krystallinisches
Pulver gefällt. Gegen Eisenchlorid verhält sie sich
genau wie die Bernsteinsäure, nur ist der Niederschlag
nicht bräunlich roth , sondern isabellgelb. — Beide
Säuren verbreiten beim Erhitzen stark zum Husten
reizende Dämpfe.
n)Essigsäure, C4II3 03.— Die Salze der Essigsäure
sind alle im AVasser löslich, schwerlöslich ist nur das
Silberoxyd- und Quecksilberoxydulsalz. Die meisten
essigsauren Salze liefern beim Erhitzen das charac-
teristisch riechende, brennbare Aceton. Eisenoxydsalze
färben sich mit ihren Auflösungen blutroth, Mit einem
Gemenge von concentrirter Schwefelsäure und AA ’ein-
geist erwärmt liefern sie den am Geruch leicht er¬
kennbaren Essigäther. Eine Auflösung von freier Es¬
sigsäure liefert mit überschüssigem Bleioxyd digerirt
eine alkalisch reagirende Flüssigkeit; eine Eigenschaft
welche die folgende Säure nicht besitzt. Die auf der
Bildung von Kakodyloxyd beruhende Reaction, s. S. 61.
108 Ameisensäure.

o) Ameisensäure C2 H03. — Sie lässt sieb in freiem


Zustande wie in ihren Salzen leicht an ihrer Fähigkeit
erkennen, in der Wärme edle Metalloxyde unter Ent¬
wickelung von Kohlensäure zu reduciren. Man be¬
werkstelligt diese Reduction durch Erhitzen der Lö¬
sung mit salpetersaurem Silberoxyd, salpetersaurem
Quecksilberoxydul oder auch fein zerriebenem Queck¬
silberoxyd. Die Ameisensäure lässt sich auf diese
Weise vollkommen aus der Flüssigkeit entfernen;
Essigsäure wird bei dieser Behandlung nicht zersetzt.
Aus Sublimatlösung wird durch ameisensaure Salze
in gelinder Wärme zuerst Quecksilberchlorür, später
auch metallisches Quecksilber gefällt. Mit eoncentrir-
ter Schwefelsäure erwärmt, zerlegt sich die Ameisen¬
säure oder ihre Salze unter Entwickelung von reinem
Kohlenoxydgas.
Dritte Abtlieiliinj

Gang der qualitativen chemischen


Analyse.

I. Voruntersuchung fester Körper und Ueberfüh-


rung derselben in den flüssigen Zustand.

Der Analytiker hat sich, wenn es sich um die qua¬


litative Untersuchung eines festen Körpers handelt,
vor allem Anderen durch genaue Beachtung seiner
physikalischen Eigenschaften Aufschlüsse über seine
Natur zu verschaffen. Diese Aufschlüsse erhält man
durch die, der eigentlichen qualitativen Analyse auf
nassem Wege nothwendig vorangehende Prüfung
auf trocknem JVege, welche neben der gleichzei¬
tigen Beachtung der physikalischen Beschaffenheit
(Form, Farbe, Glanz, spec. Gewicht, u. s. w.) , das
Verhalten des Körpers in höherer Temperatur, für
sich, bei Luftzutritt oder bei Gegenwart anderer, meist
110 Vorprüfung

Zersetzung' oder auch einfache Lösung bedingender


chemischer Verbindungen einsehliesst.
Diese Voruntersuchung beschränkt sich auf nach¬
stehende wenige, bei einiger Hebung immer von ent¬
scheidendem Resultate begleiteten Versuche.
1) Erhitzen des Körpers für sich auf dem Platin-
blecheisernen
( Lötfelchen oderim Porzellanschälchen),
so wie in einer trocknen Proberöhre, mittelst der
Spiritusflamme.
2) Glühen für sich, in einer an beiden Enden offe¬
nen, schief gehaltenen Glasröhre, mittelst der Flamme
des Löthrohrs.
3) Behandlung des Körpers auf der Kohle mittelst
der verschiedenen Flammen des Löthrohrs, sowohl
für sich, wie auch mit Soda oder einem Gemenge
von Cyankalium und Soda; ferner auf dem Platin-
dra/h mit Phosphorsalz-.
4) Erwärmen in einer Proberöhre mit etwas con-
cenlrirler Schwefelsäure.
ö) Successive Behandlung mit verschiedenen Lö¬
sungsmitteln Wasser
( , Chlorwasserstoffsäure, Sal¬
petersäure, Königswasser) im feingepulverten Zu¬
stande.
6) Aufschliessung der in Säuren unlöslichen
Körper durch Glühen mit dem 3 — 4 fachen Gewicht
eines kohlensauren Alkali’s, mit Barythydrat , saurem
schwefelsaurem Kali, einer Mischung von Salpeter
fester Körper. 111
mit kohlensaurem Alkali oder durch Erhitzen in
Chlorgas.
Man nimmt diese vorläufigen Versuche niemals mit
der ganzen Menge des zu Gebote stehenden Körpers
vor, sondern nur mit einem kleinen Theile desselben;
nach dem erhaltenen Resultate beurtheilt man, welcher
Operation der grössere Theil unterworfen werden muss,
um ihn in den gelösten Zustand überzuführen.
Durch den ersten Versuch, Erhitzen für sich auf
dem Platinblech wie im Proberöhrchen erfährt man,
ob ein Körper gar nicht, theilweise oder vollständig
flüchtig ist , ob er hierbei eine Schmelzung , Farben¬
änderung oder Zersetzung in andere Producte erlei¬
det; ob der feste Körper oder seine flüchtigen Bestand-
theile brennbar sind, ob sich letztere als permanente
Gase verflüchtigen, in Tropfen oder als festes Sublimat
sich verdichten u. s. w. — Beim Glühen der meisten
Mineralien, so wie vieler chemischer Verbindungen
entwickelt sich Wasser, das sich am oberen kälteren
Ende der Proberöhre in Tropfen oder als dünner Hauch
absetzt. Man darf alsdann nie versäumen mit Reac-
tionspapieren zu prüfen, ob dieses Wasser sauer oder
alkalisch ist. Völlig flüchtig und zwar je nach ihrer
Zusammensetzung theils im zersetzten Zustande t'neils
unzersetzt flüchtig sind die Verbindungen des Ammo¬
niaks und des Quecksilbers, manche Schwefel- und
Selen - Metalle und Oxyde, namentlich die des Arsens.
112 Vorprüfung

Tritt beim Erhitzen eines festen Körpers für sich


Schwärzung (Abscheidung von Kohle) ein, so ist man
der Gegenwart einer organischen Materie gewiss ; nur
oxalsaure Salze zersetzen sich ohne Schwärzung. Alle
organischen Materien, ohne Ausnahme, verschwinden
völlig hei längerem Glühen an der Luft, sofern sie
frei von nicht flüchtigen unorganischenBestandtheilen
sind. Die Salze der organischen Säuren mit den Alka¬
lien und alkalischen Erden hinterlassen hierbei kohlen¬
saure Salze, an dem Aufbrausen des Rückstandes mit
Säuren zu erkennen, nachdem man sich überzeugt
hat, dass die nicht geglühte Substanz kohlensäurefrei
ist. Die Verbindungen der organischen Säuren mit den
übrigen Oxyden hinterlassen entweder reine Oxyde
oder auch reducirtes Metall. Man erleichtert sich in
diesen Fällen die Untersuchung der nicht flüchtigen
unorganischenBestandtheile, indem man die verbrenn¬
liche Substanz durch Glühen in einem offenen Platin¬
oder Porzellan- Tiegel zu zerstören sucht *) .
Manche Metalloxyde nehmen in der Glühhitze eine
andere, meist dunklere Farbe an, als sie bei gewühn-

*) Bei allen Metallverbimlungen, namentlich denen der


leicht reducirbaren oder schmelzbaren Metalle, wie Blei, Ar¬
sen, Antimon, Zinn n. s. w. muss die Anwendung von Platin¬
tiegeln vermieden werden, da letztere sonst, in Folge der
Bildung leichtflüssigerLegirungen durchlöchert werden.
fester Körper. 113

licher Temperatur besitzen. So werden Zinkoxyd,


Zinnoxyd, Titansäure gelb, Bleioxyd, Wismutlioxyd,
Quecksilberoxyd viel dunkler, oft fast schwarz. —
Die unorganischen Salze der Alkalien, zum Tlieil auch
die der alkalischen Erden (salpetersaure Salze, Chlor¬
metalle u. s. w.) , schmelzen meistens, die wasser¬
haltigen unter Verlust des Krystallwassers; andere
blähen sich vorher stark auf (borsaure Salze) , andere
verknistern (Kochsalz u. s. w .) oder verlieren ihre
Säure in zersetzter oder unzersetzter Form, wie die
Salze der meisten eigentlichen Erden und schweren
Metalloxyde mit Kohlensäure , Schwefelsäure , Sal-
pelersäure und auch die der Alkalien und alkalischen
Erden mit Chlorsäure, Bromsäure, Jodsäure u. s. w.
Durchs Erhitzen einer festen Substanz in einer an
beiden Enden offenen Röhre erkennt man am Geruch
(Bildung von schwefliger Säure) die Gegenwart von
Schwefelmetallen, auch von Selen - und in gewissen
Fällen von Arsen- Verbindungen. Entsteht bei diesem
Rostungsprocess ein weisses, unschmelzbares Sublimat,
so deutet dies vorzugsweise auf arsenige Säure oder
Antimonoxyd ; teilurige Säure und IVismulhoxyd
bilden ebenfalls weisse Anflüge, die aber, erstere zu
farblosen, letzteres zu braunen oder gelben Tropfen
schmelzbar sind. Manche Schwefelmetalle ( wie die
des Quecksilbers und Arsens) verflüchtigen sich hier¬
bei zum Tlieil unzersetzt ; ebenso die Chlorverbindun-
114 Vorprüfung

gen des Quecksilbers ; alle übrigen Verbindungen des


letztem Metalls liefern einen grauen , durch Reiben
leicht zu metallischen Tröpfchen zusammenfliessenden
Anflug . Fluorverbindungen erkennt man in dieser
Weise leicht an dem Mattvverden des Glases , besonders
wenn das Erhitzen bei Gegenwart von Phosphorsalz
oder saurem schwefelsaurem Kali vorgenommen wird.
Beim Glühen eines Körpers vor dem Löthrohr auf
der Kohle deutet , wenn er salzartiger Natur ist , seine
Schmelzbarkeit auf die Gegenwart alkalischer Basen;
unschmelzbare weisse Rückstände lassen auf Erden
sohliessen . Die Salze der reinen Alkalien ziehen sich
nach dem Schmelzen fast sämmflioh in die Kohle oder
bilden Perlen . Regulinische Metalle sind , so wie ihre
Schwefel Verbindungen meistens in derLöthrohrflamme
schmelzbar , die Metalloxyde dagegen meistens un¬
schmelzbar ; die meisten Erden , namentlich aber Kalk¬
erde und Zirkonerde leuchten hierbei stark . Befeuchtet
man einen solchen weissen , unschmelzbaren Rückstand
auf der Kohle mit Kobaltsolution und glüht heftig , so deu¬
tet eine entstehende grüne Farbe auf Zinkoxyd , eine
fleischrothe auf Bittererde,eine blaue auf Thonerde ; die
blaue Farbe tritt indessen , obwohl schwächer , auch bei
manchen phosphorsauren Erden so wie mitKieselerde ein.
— Salpetersaure,überchlorsaure , chlorsaure , bromsaure
und jodsaure Salze verpuffen auf der glühenden Kohle.
Mit Soda oder einer Mischung von Soda und Cyan-
fester Körper. 115

kalium liefern in der inneren Löthrohrflainme Gold-,


Silber-, Kupfer- und Zinn- Verbindungen Metallkörner,
aber keinen Beschlag; Eisen, Nickel, Kobalt, Platin,
so wie Wolfram und Molybdän geben weder Beschlag
noch Metallkörner; Wismuth, Blei und Cadmium be¬
schlagen die Kohle gelb oder braun ; Antimon, Zink
und Tellur weiss ; Arsen gibt sich leicht durch den
Geruch zu erkennen. — Die Salze der Alkalien ziehen
sich mit Soda in die Kohle, die Erden bleiben un¬
schmelzbar zurück. Kieselsäure schmilzt auf Kohle
(wie auch auf dem Platindrath) mit Soda zu einem
klaren farblosen Glase zusammen; Titansäure bildet
ein undurchsichtiges weissgraues Glas. ManganVer¬
bindungen erzeugen mit Soda in der äusseren Flamme
eine blaugrüne Masse. Ist der Rückstand nach der
Schmelzung mit Soda in der inneren Lüthrohrflamme
braun und entwickelt er auf einem Silberblech mit
Säuren Schwefelwasserstoff und lässt zugleich einen
braunen Fleck, so hat man es mit einer Schwefelver¬
bindung (mit einem Schwefelmetall oder auch mit
einem Salz einer der Oxyde des Schwefels) zu thun.
Beim Zusammenschmelzenmit Phosphorsalz auf
dem Platindrath vor der Löthrohrflamme lösen sich
fast alle Oxyde theils zu farblosen, theils zu gefärb¬
ten Gläsern auf; die Farbe der letzteren kann wech¬
seln, je nach der Natur der Flamme wie der Oxyde.
Im Allgemeinen liefern die Oxyde der Alkali- und
116 Vorprüfung

Erdmetalle farblose, die Oxyde derjenigen schweren


Metalle, die überhaupt farbige Salze bilden, liefern
dagegen gefärbte Gläser. — Kieselsäure ist in schmel¬
zendem Phosphorsalz unlöslich oder doch fast unlös¬
lich, wesshalb diese Reaction als leichtes Erkennungs¬
mittel derselben, für sich wie in ihren Verbindungen
benutzt wird.
Durch die Behandlung eines festen Körpers mit
eoncentrirter Schwefelsäure in der Wärme, erfährt
man sogleich, ob eine flüchtige Säure zugegen ist
oder nicht. In fast allen Fällen lässt sich aus dem Ge¬
ruch oder der Farbe des sich entwickelnden Gases
u. s. w. die vorhandene flüchtige Säure oder ihre Zer-
setzungsproducte erkennen. — Schwefelmetalle lie¬
fern hierbei Schwefelwasserstoff, neben schwefliger
Säure; die niedrigeren Oxyde des Schwefels geben
sämmtlich schweflige Säure ; salpetersaure oder sal¬
petrigsaure Salze erzeugen, erstere namentlich bei
Gegenwart eines regulinischen Metalls, rothe Dämpfe
von salpetriger Säure; chlorsaure Salze ein gelbes
Gas; bromsaure Salze braunes Bromgas, neben Sauer¬
stoffgas; Chlormetalle liefern, mit nur wenigen Aus¬
nahmen, salzsaures Gas; Brommetalle oder Jodmetalle
braunes Bromgas oder violettes Jodgas, neben schwef¬
liger Säure; Fluormetalle liefern das Glas ätzende
Fluorwasserstoffsäure; Cyanmetalle mit blauer Flamme
brennendes Kohlenoxydgas, bei etwas verdünnterer
fester Körper. 117

Schwefelsäure auch Blausäure; oxalsaure Salze ein


Gemenge von kohlensauren) mit Kohlenoxydgas; koh¬
lensaure Salze reines kohlensaures Gas. — Bei Gegen¬
wart der meisten organischen Verbindungen schwärzt
sich die Schwefelsäure in der Wärme; es entwickelt
sich alsdann, neben den gasförmigen Oxyden der Kohle
auch schweflige Säure, wodurch die Erkennung an¬
derer, gleichzeitig vorhandener fliichticher Säuren er¬
schwert werden kann. — Die Salze der nicht flüchtigen
oder durch Schwefelsäure nicht zersetzbaren Säuren
(Phosphorsäure, Arsensäure, Borsäure, Kieselsäure,
Jodsäure u. s. w.) bleiben hierbei entweder unzersetzt
oder liefern wenigstens keine flüchtige Verbindung.
Nachdem man sich durch die Vorprüfung auf
trocknem Wege vergewissert hat, welcher Klasse von
Verbindungen der zu analysirende Körper angehört,
sucht man ihn in die zur Analyse geeignetste Form,
nämlich in den flüssigen Zustand zu versetzen, ihn
löslich in irgend einer Flüssigkeit zu machen. Dieser
Operation muss die Vorbereitung des Körpers in den
Zustand vorangehen, in welchem er zur Auflösung am
geschicktesten ist ; er muss, wenn es seine Beschaf¬
fenheit überhaupt erlaubt, feAngepulvert, bisweilen
auch geschlämmt werden. Diess ist namentlich uner¬
lässlich bei allen Mineralien,besonders den kieselsauren,
titansauren oder anderen schwer zersetzbaren Verbin-
118 Vorprüfung

Man versucht nun zuvörderst, ob sich der Körper


in Wasser vollständig oder nur theilweise auflöst ; im
letzteren Falle wird ein Tropfen der Flüssigkeit, auf
einem Platinblech verdunstet, einen sehr sichtbaren
Fleck hinterlassen; man prüft die wässrige Lösung
ausserdem ob sie gegen Reaetionspapiere sich neu¬
tral, sauer oder alkalisch verhält. Löst sich ein Körper
nur theilweise in Wasser, so hat man alsdann die
Bestandtheile des aufgelösten und unaufgelösten Theils
für sich auszumitteln. Löst er sich nicht in Wasser,
so versucht man die Wirkung von verdünnter und
concentrirter Chlorwasserstoffsäure, indem man hier¬
bei auf die Entwickelung von Gasarten achtet ; kohlen¬
saure Verbindungen entwickeln kohlensaures Gas,un¬
ter Aufbrausen; Superoxyde Chlorgas, viele Schwe¬
felmetalle Schwefel wasser Stoffgas, mehrere regulini-
sche Metalle Wasserstoffgas. Die Chlorwasserstoff¬
säure löst den Körper entweder vollkommen auf oder
sie hinterlässt einen Rückstand; im letzteren Falle hat
man meist schon die vollständige Scheidung von einem
oder mehreren Bestandtheilen bewirkt und aus diesem
Grunde muss der unauflösliche Rückstand von der
Flüssigkeit sorgfältig getrennt und für sich untersucht
werden ; man muss suchen ihn durch weitere Behand¬
lung, die mit den folgenden Operationen zusammen¬
fällt, auflöslich zu machen. Ist der Körper in Chlor¬
wasserstoffsäure nicht löslich, oder hinterlässt er einen
fester Körper. 119

Rückstand, so hat man sein Verhalten gegen Salpeter¬


säure oder Königswasser zu prüfen. Viele Schwefel¬
metalle hinterlassen bei Behandlung mit Salpetersäure
Schwefel, der bei hinreichend fortgesetzter Einwir¬
kung als gelbe Tropfen in der Flüssigkeit herum-
schwimmt, oder Selen, das als zähe braune Masse
abgeschieden wird. In der Flüssigkeit findet man als¬
dann neugebildete Schwefelsäure oder Selensäure,
mit Schwefelblei entsteht ausserdem schwefelsaures
Bleioxyd; Schwefelquecksilber wird nicht von Salpe¬
tersäure , wohl aber von Königswasser zersetzt. Die
regulinischen Metalle lösen sich fast sämmtlich in
Salpetersäure ; Zinn, Antimon liefern damit weisse, im
Ueberscliuss der Säure unlösliche Oxyde.
Ist der Körper in keiner der erwähnten Säuren
auflöslich, so hat man entweder ein schwefelsaures
(-
Salz Baryt , - Stronlian,- Kalk, - Bleioxyd) oder ein
(
Chlor-, Brom -, Jod -MetallSilber , Blei) eine kiesel¬
saure , titansaure , tantalsaure wolframsaure oder
auch Fluor- Verbindung vor sich. Im vorher geglühten
Zustande sind auch manche phosphorsaure und arsen¬
saure Salze, so wie gewisse Oxyde,Zinnoxyd ( , An¬
timonsäure, Chromoxyd, Eisenoxyd u. s. w.) selbst
in Königswasser unauflöslich oder doch schwer lös¬
lich. — Einige Löthrohrversuche (mit Soda auf der
Kohle, mit Phosphorsalz auf dem Platindrath) zeigen
sogleich, ob man es mit einem schwefelsauren Salz,
120 Aufsuchung der Metalloxyde.
einem reducirbaren Metalle oder mit einer kiesel¬
sauren Verbindung 7.u thun hat. Alle in Säuren un¬
löslichen Verbindungen werden durch Glühen mit
kohlensauren Alkalien aufgeschlossen, d. h. in der
Weise zersetzt, dass ihre Bestandtheile nun in lös¬
licher Form vorhanden sind. Die schwefelsauren alka¬
lischen Erden lassen sich schon durch Kochen mit
einer Auflösung eines kohlensauren Alkalis ganz oder
theilweise zersetzen ; in der heiss filtrirten Flüssigkeit
findet man Schwefelsäure, das in Wasser unlösliche
weisse Pulver enthält die Base im kohlensauren Zu¬
stande; schwefelsaures Bleioxyd zerlegt sich schon
mit Schwefelammonium in schwarzes Schwefelblei
und schwefelsaures Ammoniak. Kieselsäure (so wie
titansaure und wolframsaure) Verbindungen schmilzt
man einige Zeit mit kohlensaurem Natronkali (oder
wenn man auf die Gegenwart von Alkalien Rücksicht
zu nehmen hat, mit Barythydrat) behandelt die ge¬
schmolzene Masse mit verdünnter Salzsäure, verdampft
zur Trockne und prüft den in Wasser und Säuren
unlöslichen Rückstand auf Kieselsäure, Titansäure,
Wolframsäure u. s. w. Die salzsaure Lösung enthält
alle übrigen Bestandtheile.

II. Qualitative Untersuchung in Lösung befindlicher


Körper.
Nachdem man auf die eine oder die andere Art
■Voruntersuchung von Flüssigkeiten. 121

der eben beschriebenen Verfahrungsweisen dahin


gelangt ist, einen Körper in Auflösung zu bringen,
hat man die Frage : „ welches sind die Bestandteile
der Auflösung?“ zu beantworten; bei Mineralien hat
man durch die mineralogische Bestimmung, bei den
meisten festen chemischen Verbindungen durch ihr
Verhalten bei der Vorprüfung auf trocknem Wege, so
wie gegen Lösungsmittel, Andeutungen genug, seine
Aufmerksamkeit auf schon bekannte Bestandteile zu
richten: diess ist aber nicht bei allen der Fall. Die
Fragen nach der Anwesenheit dieses oder jenes Kör¬
pers werden durch Zusammenbringender Auflösung
mit bekannten Verbindungen beantwortet, die man
Reagentien nennt . Aus den hierdurch entstehenden
Veränderungen und Erscheinungen, welche auf der
Bildung neuer Verbindungen von bekannten Eigen¬
schaften beruhen, schliesst man auf das Vorhanden¬
sein eines Körpers. Es liegt indessen auf der Hand,
dass man die Auflösung des zu untersuchenden Kör¬
pers nicht aufs Gerathewohl mit einem beliebigen
Reagens zusammenbringen darf, sondern dass eine
gewisse Ordnung oder Reihenfolge der Reactionen
beobachtet werden muss. Dieser Ordnung liegt das Ver¬
halten der allgemeinen Scheidungsmillei zu Grunde,
durch deren Anwendung man immer bezweckt die
vorhandenen, gelösten Bestandtheile in gewisse Grup-
6
122 Voruntersuchung von Flüssigkeiten.

pen zu trennen, wodurch ihre weitere Scheidung und


Erkennung erleichtert und vorbereitet wird.
Allgemeine Scheidungsmittelsind:

a. für die Metalloxyde. Schwefelwasserstoff,
Schwefelammoniuin , kohlensaures Ammoniak, ätzendes
Kali und Ammoniak.
b. Für die Säuren. Chlorbarium , Chlorcalcium,
salpetersaures Silberoxyd, Eisenchlorid.

Bei der qualitativen Untersuchung von Flüssig¬


(
keiten von Lösungen, die man nicht selbst dargestellt
hat) hat man vor Allem zu prüfen:
1) durch Verdampfen eines Theils derselben auf
dem Platinblech oder im Porzellanschälchen, ob sie
flüchtige oder nicht flüchtige Bestandteile enthalten;
im letzteren Falle hat man mit dem fixen Rückstand die

zur Voruntersuchung fester Körper erforderlichen


Versuche anzustellen, mit Ausschluss derjenigen na¬
türlich, welche die Auflösung bezwecken.
2) ob sie gegen Reactionspapiere sich neutral,
sauer oder alkalisch verhalten.
Die Anstellung dieser Versuche darf nie unterlas¬
sen werden, da man, bei sorgfältigem Verfahren, aus
dein Resultat sogleich auf die Gegenwart oder Abwe¬
senheit ganzer Körpergruppen schliessen kann. So
versteht es sich von selbst, dass man in einer Flüssig-
Voruntersuchung von Flüssigkeiten. 123

keit, die bei vorsichtigemalso


( nicht unter stürmi¬
schem Kochen bewirkten) Verdampfen keinen Rück¬
stand lässt, nicht auf fixe Metalloxyde zu suchen hat;
eine neutrale Flüssigkeit wird meist nur Salze der
reinen Alkalien oder alkalischen Erden enthalten, da
die Lösungen der Salze fast aller übrigen Oxyde eine
saure Reaction besitzen. Ein Gehalt von freiem Alkali in
der Flüssigkeit schliesst ( namentlich bei Abwesenheit
organischer Materien) alle in alkalischen Flüssigkeiten
unlösliche Oxyde aus; rührt die alkalische Reaction
von einem kohlensauren fixen Alkali her, so ist damit
auch die Anwesenheit der alkalischen Erden eine
Unmöglichkeit. ( Ausnahmen von dieser Regel machen
Eisenoxyd, Chromoxydu. s. w. bei Gegenwart nicht
flüchtiger organischer Stoffe, sodann die in Cyankalium
und in alkalischen Schwefelmetallen löslichen Oxyde,
Cyanmetalle und Schwefelmetalle und mehrere andere.)
— So ergiebt sich auch aus dem Vorhandensein gewis¬
ser Metalloxyde die Abwesenheit gewisser Säuren und
umgekehrt; man wird z. B. in einer Flüssigkeit, in
der man Silberoxyd oder Quecksilberoxydul als Basis
findet, nicht auf Salzsäure — in einer schwefelsäu¬
rehaltigen Lösung nicht auf Baryt, Strontian oder
Bleioxyd, in einem regulinischeu vollkommen in Sal¬
petersäure löslichen Metall nicht auf Gold, Zinn
u. s. w. suchen.
Von der auf die eine oder die andere Art erhaltenen
6*
124 Aufsuchung der Metalloxyde.

Lösung eines festen Körpers bestimmt man nun einen


Theil zur Aufsuchung der Metalloxyde, einen anderen
zur Aufsuchung der Säuren.
A. Aufsuchung der Metalloxyde.
Als Hauptwegweiser zur Aufsuchung der Metall¬
oxyde dient uns das Schema welches
/ ., das Verhalten
derselben gegen allgemeine Scheidungsmittel in über¬
sichtlicher Form darstellt. Der nach dieser Ueber-
sicht einzuhaltende systematische Gang ist, bei einigem
Nachdenken, von selbst verständlich; ein Beispiel
wird dieses Verständniss noch erleichtern.
Nehmen wir an, wir hätten in einer und derselben
Aullösung sechs Metalloxyde, immer eins aus jeder
der sechs Abtheilungen ; z. B. Antimon, Cadmium,
Nickel, Tlionerde, Baryt- und Bittererde. Bringt man
zu der angesäuerten Auflösung Schwefelwasserstoff¬
wasser im Ueberschuss, oder leitet man Schwefel¬
wasserstoffgas hinein, bis die Flüssigkeit auch nach dem
Umschütteln stark darnach riecht, so fällt alles Antimon
und alles Cadmium als Schwefelmetall heraus. Man
trennt und erkennt diese Schwefelmetalle nach dem Ab-
flltriren und Auswaschen, wie im Schemall.angedeutet
ist. Die saure, von dem durch Schwefelwasserstoffent¬
standenen Niederschlage abflltrirte Flüssigkeit neutrali-
sirt man mit Ammoniak( ein geringer Ueberschuss scha¬
det nichts), versetzt mit Salmiak und dann solange mit
Schwefelammonium, als noch eine Fällung entsteht.
Aufsuchung(1er Metalloxyde. 125

Es werden hierdurch, in unserem Falle, nur Schwe¬


felnickel und Thonerde gefällt , die nach dem Abfil-
triren und Auswaschen, nach dem Schema III. weiter
getrennt und erkannt werden.
Die von dem Niederschlag, der durch Schwefel¬
ammonium entstand, abflltrirte Flüssigkeit wird mit
kohlensaurem Ammoniak und etwas freiem Ammo¬
niak versetzt ; es fällt kohlensaurer Kalk nieder, der
wie unten angegeben erkannt und weiter geprüft wird.
Zu einem Theile des Filtrats, der von den kohlen¬
sauren alkalischen Erden ablaufenden Flüssigkeit
nämlich, setzt man phosphorsaures Natron; der
entstehende kristallinische Niederschlag zeigt mit
Bestimmtheit die Biller er de an ; wie man sich bei Ge¬
genwart dieser, wie überhaupt von der Anwesenheit
der reinen Alkalien (Kali, Natron, Lithion) überzeugt,
ersieht man aus dem unten S. 135 kurz angedeuteten
Gange. — Auf Ammoniak hat man natürlich immer
in der ursprünglichen Flüssigkeit zu suchen*).
Bei der qualitativen Analyse zusammengesetzter

*) Um zu erfahren , ob nach Ausfüllung einer Gruppe,


noch Glieder einer anderen, folgenden vorhanden sind, ver¬
dampft man zweckmässig einige Tropfen des Filtrats auf
dem Platinblech; bleibt nach dem Glühen, kein deutlich sicht¬
barer Rückstand, so hat man auf iixeBestandtheileüberhaupt
keine Rücksicht mehr zu nehmen.
126 Aufsuchung der Metalloxyde.

Substanzen hat man nachstehende Regeln als uner¬


lässlich ins Auge zu fassen:
1) die Fällung durch ein jedes der in Anwen¬
dung kommenden allgemeinen Scheidungsmülei muss

vollständig geschehen. Man setzt also von dem Fäl¬
lungsmittel nach und nach so lange zu, als dadurch
ein neuer Niederschlag hervorgebracht wird. Bei
Schwefelwasserstoff erkennt mau die vollständige
Fällung noch ausserdem daran, dass die Flüssigkeit,
auch nach dem Umschütteln, stark darnach riecht.
Gelindes Erwärmen befördert in fast allen Fällen die
Abscheidung der entstehenden unlöslichen Verbindung.
Hat man, nach den Ergebnissen der Voruntersuchung,
Ursache auf einen Arsengehalt (als Arsensäure) zu
scliliessen, so kocht mau die angesäuerte Flüssigkeit
vor dem Zusatz des Schwefelwasserstoffs, mit schwef¬
liger Säure, wodurch das Arsen sogleich als Schwe¬
felmetall fällbar wird. Auch mehrere andere, nament¬
lich edle Metalle (Platin, Iridium, Rhodium) werden
durch Schwefelwasserstoffnur langsam, oft erst nach
12 — 24ständigem Erwärmen bei einem Ueberschuss
des letzteren vollständig ausgefällt.
2) Die Niederschläge , welche die einzelnen
Gruppen bezeichnen , müssen durch Auswaschen
mit IVasser dem ( in gewissen Fällen einige Trop¬
fen Schwefelammoniumbeigemischt sind) von den
noch in Lösung befindlichen Gliedern der nachfol-
Aufsuchung der Metalloxyde. 127

genden Gruppen befreit werden. Diess Auswaschen


geschieht, je nach den Umständen, auf einem Filtrum
oder auch im Proberöhrchen, durch wiederholtes Ab¬
setzenlassen des Niederschlags und Abgiessen der
klaren Flüssigkeit.
Versäumt man das Einhalten dieser beiden Bedin¬
gungen, so gehen, wie leicht einzusehen, die Glieder
der verschiedenen Gruppen theilweise in einander
über ; man erhält in dem weiteren Verfolg der Analyse
Reactionen, auf die in dem Schema der einzelnen
Gruppen nicht Rücksicht genommen ist und die sich
der Ungeübte nicht erklären kann.
3) Die Mineralsäure , deren man sich %um An¬
säuren der ursprünglichen Flüssigkeit im ( Falle sie
nämlich nicht schon selbst hinreichend sauer ist)
bedient, ist Salzsäure oder auch Salpetersäure,
beide in verdünntem Zustande oder (concentrirt) doch
nicht in so grosser Menge, dass dadurch die Bildung
unlöslicher Schwefelmetalle verhindert werden könnte.
Man wählt gewöhnlich die erstere, und hat dabei fol¬
gendes zu berücksichtigen: Zwei Metalloxyde(Silber¬
oxyd und Quecksilberoxydul) werden aus ihren Lö¬
sungen durch diese Säure vollständig, ein anderes
dagegen (Bleioxyd) nur theilweise gefällt . Entsteht
demnach durch Salzsäure in der ursprünglichen Lö¬
sung eine weisse Fällung, so hat man Grund zu ver-
muthen, dass mehrere oder eins dieser Oxyde vorhan-
128 Aufsuchung der Metalloxyde,
den sind. Man setzt alsdann hinreichend Salzsäure zu
und prüft die Fällung weiter, nach dem Schema II.
„ Schwefelwasserstoff-Niederschlag, unlöslicher Theil,
Fällung durch Salzsäure.“ Es versteht sich von selbst,
dass man hernach in dem Niederschlag durch Schwe¬
felwasserstoff nicht mehr auf Silberoxyd und Queck¬
silberoxydul Rücksicht zu nehmen hat, wohl aber auf
Bleioxyd, da das Chlorblei etwas löslich ist. Das nem-
liche ist der Fall, wenn die ursprüngliche Lösung
schon Salzsäure enthält. — Geschah das Ansäuern
der ursprünglichen Lösung mit Salpetersäure, statt
mit Salzsäure, so hat man mit einem Theil der ursprüng¬
lichen Lösung besondere Versuche auf Quecksilber¬
oxydul und Oxyd anzustellen, im Falle der Schwefel¬
wasserstoff- Niederschlag nicht völlig in starker Sal¬
petersäure löslich ist ; die salpetersaure Lösung des
letzteren ist dagegen mit Salzsäure auf Silberoxyd
zu prüfen.
War die ursprüngliche Flüssigkeit alkalisch, so
kann die Fällung durch Salzsäure (sie entsteht in
diesem Falle auch durch Salpetersäure) aus Kiesel¬
säure , einem in Alkalien löslichen Metalloxyd, einer
Metallsäure, einem Schwefel-, Chlor-, Jod-, Brom-,
oder Cyanmetall bestehen.
4) Entsteht in der hinreichend angesäuerten Lö¬
sung durch Schwefelwasserstoff ein etveisse, milchige
Trübung oder auch Fällung, so rührt diess von
Aufsuchung der Metalloxyde. 129

abgeschiedenem Schwefel her und deutet auf das


Vorhandensein von Eisenoxyd , der höheren Oxyde
des Mangans,der Chromsäure in( diesem Falle wird
die ursprünglich gelbe oder gelbrothe Flüssigkeit
grün ) , der Chlorsäure , Bromsäure , Jodsäure , der
schwefligen Säure und einiger anderen Sauerstoff¬
säuren des Schwefels u . s. w . Auch freies Chlor,
unterchlorige Säure veranlasst Schwefelabscheidung.
Die weitere Untersuchung der ursprünglichen Sub¬
stanz muss dann hierüber Aufschluss geben . — Wird
gleichzeitig ein Schwefelmetall mitgefällt , so ist die
Abscheidung dieses Schwefels nicht zu bemerken und
man hat alsdann , wenn z. B. Eisen als Bestandtheil
im Laufe der Analyse nachgewiesen wird , sich immer
durch besondere Versuche zu überzeugen , ob dasselbe
als Oxyd, als Oxydul oder in beiden Zuständen vor¬
handen war . Dasselbe gilt auch bei mehreren Oxyden
wie denen des Zinns, Arsens und Antimons, die zwar
durch Schwefelwasserstoff als den gelösten Oxyden
correspondirende Schwefelmetalle ausgefällt werden,
in der Schwefelammoniumlösung dagegen immer als
höchste Schwefelungsstufe vorhanden sind.
5) Wenn im Verfolg des systematischen Gangs der
qualitativen Analyse eins oder mehrere Glieder der
verschiedenen Gruppen als Bestandtheile eines Körpers
durch die im Schema angedeuteten Scheidungsmittel
erkannt und nachgewiesen sind , so hat der Analytiker,
6**
130 Aufsuchung; der Metalloxyde.

und namentlich der Anfänger, mit der ursprünglichen


Substanz oder auch mit den einzelnen, getrennten
Bestandtheilen eine Reihe bestätigender Versuche vor¬
zunehmen, die zur Controle des schon erhaltenen
Resultats dienen. Diese controlirenden Versuche dür¬
fen von dem Anfänger schon desshalb nie unterlassen
werden, da es ja ein Hauptzweck der analytischen
Liebungen ist, nicht sowohl den so einfachen Gang
der Analyse kennen zu lernen, sondern auch mit dem
Verhalten der Körper in seinem ganzen Umfange
vertraut zu werden. Nur durch Befolgung dieser wichti¬
gen Regel wird der weniger Geübte vor Irrthümern und
Täuschungen bewahrt, denn diese entspringen stetsaus
einer Nichtkenntniss des Verhaltens der Körper oder
einer Nichtbeachtung der Bedingungen, auf deren
Einhalten der Erfolg eines Versuchs, das Eintreten der
Erscheinung beruht, die wir als Beweis der Gegen¬
wart eines Körpers betrachten. In der ersten und
zweiten Abtheilung dieser Anleitung ist das Verhalten
der Metalloxyde und Säuren zu diesem Zweck so um¬
fassend abgehandelt, dass man dort stets die Anhalts¬
punkte zu den bestätigenden Versuchen finden wird.

Die qualitative Analyse eines, mehrere Metalloxyde


enthaltenden Körpers zerfällt, wie man aus dem Vor¬
hergehenden so wie auch aus den tabellarischen
Sei)wefelwasserstoff - Niederschlag. 131

Uebersiehten leicht ersieht, in die Untersuchung' der


Niederschlage, die man bei der angegebenen Reihen¬
folge durch die allgemeinen Scheidungsmittelerhält.
Wir bezeichnen der Kürze halber, die Fällung, die
in saurer Lösung mittelstSchwefelwasserstoffentsteht,
mit I. Schwefelwasserstoff - Niederschlag. Dieser zer¬
fällt, in Folge seines Verhaltens zu Schwefelammonium
in einen löslichena ( ) und einen unlöslichen Theil
(b) . — Die durch Schwefelammonium in dem sauren
Filtrat, nach der Neutralisation mit Ammoniak entste¬
hende Fällung heisst II. Schivefelammonium - Nieder¬
schlag. Die
— Fällung, die in der von letzterem ab-
liltrirten (und mit Salmiak versetzten) Flüssigkeit
durch kohlensaures Ammoniak entsteht, heisst III.
kohlensaure alkalische Erden und die hiervon abfil- '
trirte Flüssigkeit: IV. Bitter er de und Alkalien.

I. Schwefelwasserstoff - Niederschlag.

Er wird, nach dem Auswaschen mit Wasser, in


noch feuchtem Zustande mit einer hinreichenden, je¬
doch auch nicht allzugrossen Menge von Schwefel¬
ammonium tibergossen, in gelinder Wärme damit
digerirt, das Ganze dann auf ein Filtrum gebracht
und, nach dem Ablaufen des Flüssigen, mit etwas
AVasser gewaschen *) . — Der lösliche Theil, so wie

*) Man nimmt diese Operation gewöhnlich zuerst mit ei-


132 Schwefelammonium
- Niederschlag.
der unlösliche werden nach dem Schema II. weiter
untersucht.

II. Schwefelammonium - Niederschlag.

Diese Fällung kann, wie aus SchemaI. ersichtlich,


theils Schwefelmetalle theils Oxyde enthalten ; die
hierher gehörigen Schwefelmetalle besitzen theils eine
schwarze oder doch dunkle Farbe (Nickel, Kobalt,
Eisen, Kran) theils eine fleischrothe (Mangan) theils
eine weisse (Zink); die Oxyde sind sämmtlieh weiss
oder vielmehr farblos, nur das Chromoxyd wird grün
gefällt, das weisse Ceroxydul wird an der Luft bräun¬
lich. Es leuchtet ein, das man einen völlig farblosen
oder gan %weissen Niederschlag dieser Gruppen nicht
auf diejenigen Metalle zu untersuchen hat, die schwarze
oder dunkle Schwefelverbindungen bilden; in einem

iiern kleiuen Theil des Niederschlags vor, um zu sehen ob


überhaupt in Schwefelammonium lösliche Schwefelmetalle
vorhanden sind. Entsteht in dem Filtrat durch Salzsäure ein
gefärbter, nicht weisser ( von Schwefel allein herrührender)
Niederschlag, so muss die ganze Menge des Schwefelwas¬
serstoff - Niederschlags mi Schwefelammonium behandelt
werden. Enthielt letzterer Schwefelkupfer und das Schwe¬
felammonium eine höhere Schweflungsstufe,solöst sieh mei¬
stens eine geringe Menge Schwefelkupfer auf, das durch
Schmelzen des durch Säuren ausgefällten Schwefelmetalls
mit Salpeter in schwarzes Oxyd übergeht.
1

Kohlensäure alkalische Erden. 133

schwarzen Niederschlag können natürlich alle anderen


zugleich vorhanden sein. Die Schwefelraetalle dieser
Gruppe lösen sich ferner in Salzsäure unter Entwik-
kelung von Schwefelwasserstoff; ist diess hei dem
gut ausgewaschenen Schwefelammonium - Nieder¬
schlag nicht der Fall, so hat man es nicht mit einem
Schwefelmetall, sondern mit einem oder mehreren
Oxyden zu thun. In Betreff der weiteren Untersuchung
hält man sich genau an Schema III.

III. Kohlensäure alkalische Erden.

Die von dem Schwefelammonium - Niederschlag ab-


flltrirte Flüssigkeit wird mit kohlensaurem Ammoniak
und etwas freiem Ammoniak versetzt und gelinde
erwärmt *) . Der Niederschlag kann kohlensauren
Bargt, - Slrontian und Kalk enthalten . Man löst ihn,
nach dem Abflltriren, in verdünnter Salzsäure und
prüft die Lösung, die nun die Chlormetalle der alkali¬
schen Erden enthält:
1) Mit Ggpslösung. Es
— ist Bargt vorhanden,
wenn sogleich; Stronlian wenn erst nach einiger

;
*) Entstand durch Schwefelwasserstoff und Schwefel-
ammonium kein Niederschlag, so kann inan auch hierzu die
ursprüngliche Flüssigkeit nehmen, nur muss alsdann noch
Salmiak zugesetzt werden.
134 Bittererde und Alkalien.

Zeit eine Fällung’ eintritt. Entsteht kein Niederschlag,


so kann nur Kalk vorhanden sein.
2) Ein anderer Theil der salzsauren Lösung wird,
wenn nämlich Baryt oder Strontian zugegen ist, mit
verdünnter Schwefelsäure vollkommen gefällt, so dass
Schwefelsäure in der Flüssigkeit bleibt, das Filtrat
mit Ammoniak übersättigt und mit oxalsaurem Am¬
moniak versetzt. Ein weisser Niederschlag zeigt
Kalk an.
3) Ein weiterer Theil der salzsauren Lösung wird,
wenn Baryt vorhanden ist, zur Trockne verdampft,
der Rückstand mit starkem Alkohol digerirt und die
Lösung angezündet. Eine rein carminrothe Flamme
zeigt den Strontian an.
Von der Gegenwart des Baryt überzeugt man sich
noch ausserdem durch Zusatz von Kieselfluorwasser¬
stoffsäure zur salzsauren Lösung der kohlensauren
alkalischen Erden. Es entsteht, bei seiner Anwesen¬
heit, ein erst nach längerem Stehen deutlich sichtbarer
Niederschlag von Kieselfluorbarium.

IV. Bittererde und Alkalien.


Ein Theil der von den kohlensauren alkalischen
Erden abfiltrirten Flüssigkeit wird mit phosphorsau¬
rem Natron versetzt . Ein, oft erst nach einiger Zeit
entstehender weisser , krystallinischer Niederschlag
zeigt Billererde an.
Bittererde und Alkalien. 135

Das weitere Verfahren zur Prüfung auf fixe reine


Alkalien richtet sich nach der Gegenwart oder Abwe¬
senheit der Bittererde.
a) Bei Abwesenheit der Bittererde. Man— ver¬
dampft den anderen ( nicht mit phosphorsaurem Natron
versetzten) Theil der von den kohlensauren alkali¬
schen Erden ahfiltrirten Flüssigkeit zur Trockne und
glüht den Rückstand zur Entfernung der Ammoniak¬
salze.
Eine Probe dieses Rückstandes prüft man vor der
Löthrohrflamme.
Eine gelbe Färbung der Flamme deutet auf Natron;
eine violette auf Kali, eine rolhe auf jL ühion; in
letzteren beiden Fällen ist Natron abwesend.
Man löst den anderen Theil des Rückstandes in
Wasser und prüft.
1) Einen Theil der Lösung mit Weinsäure oder
Platinchlorid auf Kali.
2) Einen andern verdampft man ( wenn man
Ursache hat auf Lithion zu prüfen) mit phosphor¬
saurem und kohlensaurem Natron zur Trockne und
behandelt mit Wasser. Bleibt ein kristallinisches , mit
Soda auf dem Platinblech zu einer klaren Masse zu-
sammensehmelzendes Salz, so ist Lithion zugegen.
Die ursprüngliche Lösung prüft man endlich noch
auf Ammoniak, mittelst Kalkhydrat.
b) Bei Anwesenheit von Bittererde. Man
— ver-
136 Aufsuchung der Säuren.

dampft die Flüssigkeit zur Verjagung der Ammoniak¬


salze *) , zur Trockne und glüht schwach; den Rück¬
stand behandelt man mit Wasser, versetzt die Lösung
mit Barytwasser bis zur alkalischen Reaktion, flltrirt,
fällt den Barytüberschuss mit Ammoniak und kohlen¬
saurem Ammoniak( oder auch durch Schwefelsäure) ,
verdampft das Filtrat wieder zur Trockne. Bleibt ein
Rückstand, so sind Alkalien zugegen und man verfährt
nun mit demselben wie oben angegeben.

B. Aufsuchung der Säuren oder der sie vertretenden Körper,


a) Vorläufige Prüfung.

Die qualitative Analyse der Säuren ist wo möglich


noch einfacher, als die der Metalloxyde. Fast in allen
Fällen wird man schon durch die Voruntersuchung
der festen Substanz (S. 109.) sowie durch die Qualität
der gefundenen Metalloxyde darauf hingewieseu, anf
welche Klasse von Säuren man vorzugsweise zu prü¬
fen hat. Die Kenntniss des Verhaltens eines Salzes
gegen Lösungsmittel, die Reaktion der wässrigen
Lösung gegen Pflanzenfarben ist zu dieser Bcurthei-

*) Ist die ursprüngliche Lösung frei von schweren Me¬


talloxyden und von Ammoniaksalzen, so kann inan auch
diese nehmen; man hat alsdann dfe erste Verdampfung zur
Trockne nicht vorzunehmen.
Aufsuchung der Säuren. 137

lang vor AIMn wichtig’. Durch Glühen des Körpers


für sich, so wie durch Erhitzen mit concentrirter
Schwefelsäure überzeugt man sich von der Gegen¬
wart organischer, so wie auch flüchtiger unorgani¬
scher Säuren; tritt in beiden Fällen keine der S. 112.
116 erwähnten characteristischen Erscheinungen ein,
so ist die Säure eine nicht flüchtige unorganische,
also entweder eine Melallsäure Arsensäure,Antimon¬
(
säure, Wolframsäure, Molybdänsäure, Chromsäure u.
s, w.) auf die man schon bei Aufsuchung der Metall¬
oxyde hingewiesen wird, oder sie ist Kieselsäure,
Borsäure , Phosphorsäure oder auch selbst Schwefel¬
säure.
Wenn man Grund hat, die Gegenwart mehrerer
Säuren oder ihrer Salze in der zu untersuchenden
Substanz vorauszusetzen, so hat man bei der vorläu¬
figen Prüfung auf trocknem Wege die Fälle zu er¬
wägen , die möglicherweise eine Täuschung veranlassen
können; sofern nämlich durch Glühen für sich oder
durch Behandeln mit Schwefelsäure Veränderungen
vor sich gehen oder andere Erscheinungen auftreten,
als mit jeder der vorhandenen Säuren allein. So zer¬
setzensich Salze mit organischen Säuren, gemengt mit
salpetersauren oder chlorsauren Verbindungen, beim
Glühen ohne Schwärzung, dagegen tritt meistens eine
Verpuffung ein; bei hinreichender Menge der orga¬
nischen Materie lässt sich alsdann, nach dem Glühen
138 Aufsuchung der Säuren.

kein salpetersaures Salz mehr nach weisen, sondern


nur kohlensaures, wenn die Base eine alkalische ist.
Ein Gemenge eines salpetersauren Salzes mit einem
Chlormetall entwickelt beim Uebergiessen mit Schwe¬
felsäure weder salzsaure noch salpetersaure Dämpfe,
wenn nicht eins der Salze im Ueberschuss vorhanden
ist, sondern Chlorgas und rothe Dämpfe von salpetriger
Säure; in einem Gemenge eines schwelligsauren mit
einem salpetersauren Salze verwandelt sich die schwef¬
lige Säure in Schwefelsäure; Schwefelmetalle schei¬
den, bei Gegenwart einer hinreichenden Menge von
schwefligsaurem, chromsaurem, chlorsaurem Salze u.
s. w. Schwefel ab, ohne Entwickelung von Schwefel¬
wasserstoff; in den meisten Fällen entsteht hierbei
auch Schwefelsäure.
Um die Gegenwart flüchtiger, organischer Säuren,
sofern sie im ungebundenen Zustande zugegen sind,
nicht zu übersehen, neutralisirt man die saure Auflö¬
sung mit kohlensaurem Natron, verdampft und glüht;
die organische Säure wird sich nun unter Schwärzung
zersetzen ; während sie vorher unzersetzt sich ver¬
flüchtigen konnte.

b) Aufsuchung der in Lösung befindlichen Säuren.


Zur Nachweisung der wichtigeren Säuren auf
nassem Wege, in den in Lösung befindlichen Substan¬
zen befolgt man den unten kurz angedeuteten Gang.
Aufsuchung der Säuren. 139

Die Anwendung- der allgemeinen Reagentien auf Säu¬


ren hat, in fast allen Fällen, nur den Zweck, die
Gegenwart oder Abwesenheit einer ganzen Gruppe
von Säuren nachzuweisen, die Untersuchung auf die
einzelnen Glieder dieser Gruppen erfordert noch die
Anwendung der speciellen Erkennungsmittel, nur in
seltenen Fällen hat man nüthig eine Grnppe von Säuren
aus der Lösung zu entfernen, um eine andere gleich¬
zeitig gegenwärtige nachweisen zu können.
1) Die Gegenwart und auch die Natur der gas¬
förmigen oder der flüchtigen Säuren überhaupt erkennt
man fast immer schon durch die Vorprüfung der festen
Substanz mit Schwefelsäure. Auf die in Auflösung
befindlichen Salze (wie auch auf die meisten trocknen
Verbindungen) der Kohlensäure, der schwefligen
Säure so wie die leichter zersetzbaren Schwefel¬
metalle prüft man durch Erwärmen mit einem Ueber-
schuss an Salzsäure. Eine unter Aufbrausen vor sich
gehende Gasentwickelung kann herrühren von Koh¬
lensäure , Schwefelwasserstoff und, bei concentrirten
Lösungen, auch von schwefliger Säure. Die — fast
geruchlose Kohlensäure fällt Kalk- oder Barytwasser
weiss ; Schwefelwasserstoff und schweflige Säure
erkennt man am Geruch; ersteren auch daran, dass
ein mit Bleizuckerlösung getränktes Papier, mit dem
Gas in Berührung gebracht, sich schwärzt ; schweflige.
Säure erkennt man noch daran, dass ihre wässrige
140 Aufsuchung der Säuren.

Lösung den Schwefelwasserstoff unter Abscheidung;


von Schwefel zerlegt.
2) Man versetzt einen Theil der neutralen wäss¬
rigen Auflösung mit Chlorbarium. Es werden dadurch
gefällt, Schwefelsäure, Selensäure
( ) Phosphorsäure,
Borsäure , Kieselsäure , Fluorwasserstoff , Oxalsäure,
Weinsäure , Cilronensäure , Chromsäure, die Säuren
des Arsens, so wie noch mehrere andere Metallsäuren.
Alle diese letzteren (wie auch Chromsäure) werden
schon bei Aufsuchung der Metalloxyde gefunden.
Sämmtliche Fällungen lösen sich auf Zusatz von Salz¬
säure und gelindes Erwärmen wieder auf, mit Aus¬
nahme des schwefelsauren und ( selensauren) Baryts,
Es ist also Schwefelsäure vorhanden, wenn sich die
Flüssigkeit durch Salzsäure nicht vollkommen aufhellt;
es sind noch eine oder mehrere der anderen Säuren
zugegen, wenn nur ein Theil des Niederschlags ver¬
schwindet. Durch Neutralismen der sauren Flüssigkeit
mit Ammoniak lässt sich der phosphorsaure,chromsaure,
oxalsaure Baryt u. s. w. wieder ausfällen, die Baryt¬
salze der übrigen Säuren, namentlich der borsaure,
arsen - und arsenigsaure, weinsaure und citronsaure
Baryt bleiben, wenn die Menge des gebildeten Ammo¬
niaksalzes nicht zu klein ist, aufgelöst. — War das
Salz ursprünglich nicht in Wasser löslich, wohl aber
in Säuren, und ist die Base eine alkalische Erde oder
eine Erde, so lässt sich die saure Lösung (wie bei den
Aufsuchung der Säuren. 141

phosphorsauren und Oxalsäuren alkalischen Erden


u. s. w.) nicht im neutralen Zustande mit Chlorbarium
prüfen, da durch Ammoniakzusatz das ganze Salz aus¬
gefällt wird ; man wird auf die Gegenwart solcher
Verbindungen schon beim Aufsuchen der Metalloxyde
(im Schwefelammonium- Niederschlag) aufmerksam
gemacht. Sind die nämlichen Säuren mit einem Metall¬
oxyd verbunden, das durch Schwefelwasserstoff oder
durch Schwefelammoniumals Schwefelmetall gefällt
wird, so erleichtert man sich die Nachweisung der
Säure, indem man das Metall vorher als Schwefel¬
metall abscheidet.
3) Manversetzt einen anderen Theil der ursprüng¬
lichen neutralen Lösung (ist sie sauer, so neutralisirt
man mit Ammoniak , ist sie alkalisch mit Salpetersäure)
mit einer Auflösung von salpetersaurem Silberoxyd.
Hierdurch werden gefällt : Chlor- , Brom - , Jod - ,
Cyan- , und Schwefel - Wasserstoff, ferner Phosphor¬
säure , Chromsäure, Borsäure , Kieselsäure , Oxal¬
säure , Weinsäure und Citronensäure. Auf Zusatz von
verdünnter Salpetersäure lösen sich alle diese Nieder¬
schläge, mit Ausnahme des Chlor-, Brom -, Jod- und
Cyan - Silbers. Die gelösten Verbindungen können
meistens aus dem Filtrat durch vorsichtiges Neutrali-
siren mit Ammoniak wieder gefällt werden, wenn
nicht die Menge des gebildeten Ammoniaksalzes zu
bedeutend ist. — War ein lösliches Schwefelmetall
142 Aufsuchung der Säuren.

vorhanden, oder auch freier Schwefelwasserstoff in


der Flüssigkeit, so muss letzterer durch gelindes Er¬
wärmen der mit Salpetersäure schwach ungesäuerten
Flüssigkeit vollkommen entfernt werden, ehe man mit
salpetersaurem Silberoxyd prüft.
Den in Salpetersäure unlöslichen käsigen Silber-
Niederschlag digerirt man, nach dem Auswaschen mit
Wasser, mit ätzendem Ammoniak, wodurch Chlor-
und Cyansilber leicht , Bromsilber etwas schwieriger
und Jodsilber fast gar nicht gelöst wird. Hat man von
der ursprünglichen Lösung eine hinreichende Menge,
und verinuthet mau die Gegenwart aller oder mehrerer
dieser Säuren, so prüft man dieselbe am einfachsten
auf jede der Säuren besonders, nach dem in der zweiten
Abtheilung (S. 85. 94) angegebenen Verfahren, hat man
nur den Silberniederschlag zur Verfügung, so filtrirt
man, nach dem Iligeriren mit Ammoniak, im Falle ein
Rückstand von Jodsilber bleibt, fällt aus dem Filtrat die
gelösten Silberverbindungen mit Salpetersäure, wäscht
sie mit Wasser, trocknet und schmilzt sie im Porzel¬
lantiegel. Cyansilber wird beim Schmelzen zersetzt,
indem metallisches Silber oder Halbcyansilber bleibt;
man übergiesst den Rückstand mit verdünnter reiner
Schwefelsäure, legt ein Stückchen metallisches Zink
darauf und erhält nach einiger Zeit eine Auflösung von
Chlorzink und Bromzink. Von dieser Lösung schüttelt
mau einen Theil mit Aether und Chlorwasser (Chlor-
Aufsuchung der Säuren. 143

kalk und Salzsäure) ; bei Gegenwart von Brom nimmt


der Aether eine gelbbraune Farbe an; ist dies nicht
der Fall, und giebt der andere Theil der Lösung mit
salpetersaurem Silberoxyd einen käsigen Niederschlag,
so ist die Gegenwart des Chlors dargethan. Um Chlor¬
metalle, bei Gegenwart von viel Brom- oder Jod-
Metallen, nachzuweisen, destillirt man die trockne
ursprüngliche Substanz in einem Retörtchen mit chrom¬
saurem Kali und concentrirter Schwefelsäure. Das roth-
braune Destillat wird durch Ammoniak gelb, wenn Chlor
vorhanden, und farblos, wenn nur Jod oder Brom zuge¬
gen sind.
4) Man versetzt die wässrige Lösung, im Falle
die vorläufige Prüfung ergeben hat, dass eine nicht
flüchtige organische Säure zugegen ist, mit Ammoniak,
so wie mit Salmiak, alsdann mit Chlorcalcium. Ent¬
stand durch den Zusatz des Ammoniaks schon eine
Fällung, so muss diese vorher abtiltrirt werden, ehe
man Chlorcalcium hinzufügt. Von organischen Säuren
werden in der Kälte gefällt : Oxalsäure und Wein¬
säure; von unorganischen können niedergeschlagen
werden : Schwefelsäure (im Falle die Lösung concen-
trirt genug ist) , ferner Phosphorsäure, und Fluorwas¬
serstoff, von deren Gegenwart man sich schon vorher,
bei Gelegenheit der Fällung durch Chlorbarium oder
durch salpetersaures Silberoxyd überzeugt hat. —
Ist Oxalsäure vorhanden, so giebt die, mit Ammoniak
144 Aufsuchung der Säuren.

im Ueberschuss versetzte ursprüngliche Lösung- mit


Gypslösung einen weissen , in Essigsäure unlöslichen,
in Salz - und Salpetersäure löslichen Niederschlag.
Von der Gegenwart der Weinsäure überzeugt man
sich , indem man den durch Chlorcalcium und Ammoniak
entstandenen Niederschlag , nach dem Abiiltriren und
Auswaschen mit kalter Kalilauge behandelt . Besteht
er ganz aus weinsaurem Kalk , so löst er sich voll¬
kommen auf ; bleibt ein aus anderen Kalksalzen ( oxal-
saurem , phosphorsaurem Kalk oder Fluorcalcium ) beste¬
hender Rückstand , so filtrirt man die kalische Lösung
und kocht sie einige Zeit. Der weinsaure Kalk wird da¬
durch wieder gefällt . — Citronensäure so wie Aepfel-
sciure sind , wenn sie zugegen sind , in der Flüssig¬
keit vorhanden , die von dem Niederschlag abfiltrirt
wurde , der durch Chlorcalcium und Ammoniak ent¬
stand . Die Kalksalze beider lassen sich durch Alkohol
aus dieser Flüssigkeit ausfällen ; der citronensäure Kalk
auch durch Erhitzen bis zum Sieden . — Man hat hier¬
bei zu beachten , dass bei Gegenwart von Schwefel¬
säure durch Alkohol immer eine Fällung von Gyps
entsteht , der durch sein Verhalten in der Glühhitze
indessen leicht von citronensaurem oder äpfelsaurem
Kalk unterschieden werden kann . — Hat man eine in
Wasser unlösliches, in Säuren aber lösliches Salz
dieser organischen Säuren , namentlich der Oxalsäure
und Weinsäure , zu untersuchen , so lässt sich das oben
Aufsuchung der Säuren. 145

beschriebene Verfahren zu ihrer Nachweisung auf


nassem Wege nicht ausführen, da aus der sauren
Lösung, das ganze Salz auf Zusatz von Ammoniak
(und Chlorcalcium) wieder ausgefällt wird. Durch
Kochen mit einem Kohlensäuren Alkali entzieht man
alsdann leicht dem in Wasser unlöslichen Salz die
organische Säure; man hat nun ein in Wasser lösli¬
ches Salz, in welchem man nach der Neutralisation
mit Salzsäure, durch Zusatz von Chlorcalcium und
Ammoniak die Säure auf dem obigen Wege leicht
finden kann.
Vorhandene Schwefelsäure oder
( auch Selensäure)
hat man schon an dem in Salzsäure unlöslichen Baryt¬
niederschlage erkannt. — Auf Phosphorsäure prüft
man besonders, durch Versetzen der ursprünglichen
wässrigen Lösung mit einem Gemisch von Bittersalz,
Salmiak und Ammoniak, wo eine Fällung von phos¬
phorsaurem Bittererde- Ammoniak eintreten wird ; war
das Salz nicht in Wasser, wohl aber in Säuren löslich,
so versetzt man die saure Auflösung mit hinreichend
essigsaurem Ammoniak und dann mit einigen Tropfen
Eisenchlorid, wodurch das in Essigsäure unlösliche
phosphorsaure Eisenoxyd niedergeschlagen wird.
Auf Fluonvasserstoff 'säure stellt man stets mit
der ursprünglichen trocknen Substanz einen beson¬
deren Versuch an, indem man letztere in einem Platin¬
tiegel (der mit einer mit Wachs überzogenen und
7
146 Aufsuchung der Säuren.

radirten Glasplatte bedeckt ist ) mit concentrirter


Schwefelsäure gelinde erwärmt. (Vergl. Fluorwasser¬
stoff S. 90.)
5) Die vierte Gruppe von Säuren, Bernsteinsäure,
Benzoesäure , Essigsäure und Ameisensäure deren
Anwesenheit durch ihr Verhalten zu Eisenchlorid
angedeutet wird, unterscheidet inan in folgender Wei¬
se. — Man versetzt die völlig neutrale icässrige Lö¬
sung mit Eisenchlorid ( bei Gegenwart von Phosphor¬
säure hat man diese vorher durch Chlorcalcium und
Ammoniak oder auch durch Bittersalz, Salmiak und
Ammoniak zu entfernen). Entsteht ein Niederschlag,
so ist Bernsteinsäure oder Benzoesäure oder auch beide
zugleich vorhanden. Man prüft nun entweder die nicht
zu verdünnte ursprüngliche Flüssigkeit auf Benzoe¬
säure und Bernsteinsäure nach S. 106, durch Zusatz
einer Säure sowie von Chlorbarium und Alkohol,’ oder
man entzieht dem Eisenoxyd-Niederschlag durch Di¬
gestion mit Ammoniak die organische Säure und ver¬
wendet das die Ammoniaksalze dieser Säuren ent¬
haltende Filtrat zu diesen Versuchen.
Essigsäure und Ameisensäure liefern mit Eisen¬
chlorid, wenn sie als Salze vorhanden sind, eine
rothe Färbung der Flüssigkeit. Man prüft auf erstere
indem man die ursprüngliche Lösung (ist sie sauer,
so muss sie vorher mit einem Alkali neutralisirt sein)
verdampft und den Rückstand in einem Proberöhrchen
Aufsuchung der Säuren. 147

mit einem Gemenge von concentrirter Schwefelsäure


und Alkohol erhitzt. Es entsteht der am Geruch leicht
zu erkennende Essigäther. Oder man destillirt den
Rückstand mit massig verdünnter Schwefelsäure und
digerirt das Destillat mit überschüssigem Bleioxyd.
Es entsteht dann alkalisch reagirendes basisch essig¬
saures Bleioxyd. — Auf Ameisensäure prüft man die
ursprüngliche Lösung durch Kochen derselben mit
salpetersaurem Silberoxyd, oder mit Quecksilberoxyd.
Es tritt Reduction des Metalls, unter Entwickelung
von Kohlensäure ein. Quecksilberchlorid erzeugt damit
anfangs meistens Quecksilberchlorür, das beim Kochen
in metallisches Quecksilber übergeht.
Die Gegenwart der Salpetersäure , Chlorsäure
u. s. w. ergiebt sich stets aus den vorläufigen Ver¬
suchen mit der ursprünglichen Substanz. Das Verhalten
der Salpetersäure zu Schwefelsäure bei Gegen wart eines
Metalls (Kupferfeile) oder eines Eisenoxydulsalzes,
unterscheidet sie leicht von der Chlorsäure, die mit
Schwefelsäure ein dunkelgelbes Gas liefert und deren
alkalische Salze beim Glühen für sich, unter Entwicke¬
lung von Sauerstolfgas, ein Chlormetall zurücklasseu.
Die Borsäure kann, in Folge der Löslichkeit aller
ihrer Salze, namentlich in Ammoniaksalzeu, bei den
vorhergehenden Versuchen leicht übersehen werden,
wesslialb man stets zu ihrer Nachweisung einen be¬
sonderen Versuch anzustellen hat, wenn man Ursache
7*
1-18 Aufsuchung der Säuren.

hat ihre Gegenwart vorauszusetzen. Man vermischt


zu dem Ende die ursprüngliche Substanz oder die
concentrirte Lösung derselben, mit Schwefelsäure und
Alkohol und zündet letzteren an. Die grünliche Flamme
desselben, die namentlich zuletzt deutlich sichtbar
wird, ist ein Beweis ihrer Gegenwart.
Auf das Vorhandensein der Kieselerde wird man stets

durch die Resultate der vorläufigen Prüfung aufmerk¬


sam gemacht; in unlöslicher Modiflcation kommt sie
hauptsächlich in Mineralien, wie in künstlichen Sili¬
caten (Gläsern u. s. w.) vor; in löslicher Modiflcation
ist sie in Mineralwassern, in den kieselsauren Alkalien
u. s. w. vorhanden. In allen Fällen ist es erforderlich
zu ihrer sicheren Nachweisung ihre lösliche Modifi-
cation (die bei den durch Säuren unzersetzbaren Sili¬
caten durch Schmelzen mit kohlensaurem Alkali her¬
beigeführt wird ) wieder in die unlösliche zu ver¬
wandeln. Diess geschieht durch Abdampfen mit einem
Ueberschuss an Salzsäure. Bleibt kein in Salzsäure
unlöslicher Rückstand, so ist keine Kieselsäure vor¬
handen; bleibt einer , so prüft man denselben mit
Phosphorsalz und Soda auf dem Platindrath.
Verhalten Schema I.

der Lösungen der Metalloxyde gegen Schwefelwasserstoff , Schwefelanunoniuinund kohlens &ures


Ammoniak, in ihrer successiven Anwendung.

Durch Schwefelwasserstoff
Durch Schwefelwasserstoff werden aus der und Schwefelammonium
Durch Schwefelammonium werden gefällt:
sauren Lösung gefällt als Schwefelmetalle , j werden nicht gefällt.

Von diesen sind


Durch kohlensaures Ammoniak
hei Gegenwart von Salmiak
löslich in Schwefel- unlöslich in Schwefel¬ als Schwefelmetalle. als Oxyde oder Salze. werden
ammonipm. ammonium.
Durch Salzsäure daraus
fällbar. gefällt: nicht gefällt:
Antimon orange. Queckslbr. Nickel . schwarz, Thonerde . . Baryt. Bittererde.
schwarz in Kali
Arsen . gelb. Silber . . Kobalt. schwarz, Beryllerde . Strontian. Kali.
oder löslich.
Zinn gelb. Blei . . . Mangan fleischroth Chromoxyd . Kalk. Natron.
' schwarz-
Gold . Wisinuth braun. Eisen . schwarz, Thorerde . . Lithion.
Platin . schwarz. Kupfer. Zink weiss. Yttererde . . Ammoniak.
[ in Kali un¬
Iridium Cadmium gelb. Uran . braun- Ceroxydul . löslich.
Selen . rothgelb. Palladium schwarz. Zirconerde .
schwarz¬
Tellur . schwarz Rhodium Titansäure .
braun.
Molybdän braun *) . Osmium Tantalsäure.
Ferner
Kalk . . 1bei Gegenwart
.,
Iv. Phosphors
Baryt . \ Oxals., Fluor-
Strontian .,
Wasserstoff
/ Borsaure.

*) Wolfram kann , als Wolframsäure , in einer salzsauren oder Salpetersäuren Flüssigkeit nicht vorhanden sein, folglich auch nicht durch
Schwefelwasserstoff gefällt werden . Man vergleiche das S. 48 und G8über die Verbindungen des Wolframs , Molybdäns u. Vamtdins angeführte.
Schwefelwasserstoff - Niederschlag Schema II.
a) In Schwefelammonium löslicher Theil. Die
— vom unlöslichen Theil (h) abflltrirte Schwefelammoniumlösung wird
mit Salzsäure schwach ungesäuert . Ist die entstehende Trübung weiss , so rührt sie wahrscheinlich nur von Schwefel her ; ist
die Fällung gelb oder orange , so ist Arsen , Zinn oder Antimon vorhanden . Man untersucht die ursprüngliche Flüssigkeit auf
diese Metalle und behandelt den Schwefelniederschlag nach S . 63 . Besitzt das gefällte Schwefelmetall eine dunklere Farbe , so
ist ausserdem eins oder mehrere Metalle der S . 47 und 48 characterisirten Unterabtheilungen dieser Gruppe vorhanden . Nach
den Resultaten der Voruntersuchung der ursprünglichen festen Substanz , aus dem Verhalten gegen Lösungsmittel namentlich,
urtheilt man auf die mögliche Anwesenheit der einzelnen Glieder . Niemals kommen alle gleichzeitig in derselben Substanz vor.
b) In Schwefelammonium unlöslicher Theil. Lösen— in der Wärme in starker Salpetersäure. Bleibt ein schwarzer Rück¬
stand , so ist dieses Schwefelquecksilber , ein weisser , nicht mit abgeschiedenem Schwefel zu verwechselnder , deutet auf Blei,
welches dann jederzeit auch in der Lösung gefunden wird . Man versetzt die salpetersaure , mit Wasser verdünnte Auflösung mit
Salzsäure *) .

Weisser Niederschlag. Lösung enthält oder kann enthalten:


Chlorsilber. Quecksilberchloriir. Chlorblei.
Behandlung mit viel Was*0*' fällbar durch Ammoniak im nicht fällbar durch Ammo¬
Ueberschuss.
Ueberschuss. niak im Ueberschuss. Palladium
Lösung enthält : Rückstand ist: Wismuth- Cadmium-
Chlorblei . Quecksilberchlorür. .
Chlorsilber . Quecksilberchlorür Bleioxyd,
Bleioxyd. Kupferoxyd Die Lösung in
Man findet als¬
oxyd. oxyd. Säur,ist braun
dann noch Blei Fällbar
Fällbar durch
rlnrr Fällbar durch Blaue Farbe Die ammonia-
ammonia- 0<i- rothbraun
in der vom Nie¬ verd. Schwe- Wasser nach der ammonia- kal. Lösung u- v inl durch
felsäure. hinreichend. kal. Lösung
hinreichend. wird, nach d. Jodkalium
derschlag durch ,“ . . _ brannrth.Nie- Neutralisiren schwarz ge-
Salzsäure abfil- Chlorsilber .
Chlorsilber
Liuotsuoei schwarzes yue<
schwarzes
scnwarzes Queck--
Queck
Queck- Verdampfen brannrth.
Verdampfen Nie- Neutralisiren
trirten Flüssig- Durch Salpetersäure silberoxydul. der Lösung. derschlag der mit Salzsäure,
keit. wieder fällbar. i sf ,jderer Rückstand
ist Rückst; saur. Lösung durchkohlen-
mit Ferrocy- saur.Ammon-
weiss, so war nicht ankalium. iak gefällt.
alles Chlorblei gelöst
u. Qucksilberoxydul
ist nicht vorhanden.

’) Da sich aus dem zurückbleibenden, in allen Fällen noch näher zu prüfenden Schwefelquecksilber nicht leicht erschliesseu lässt,
ob das Metall als Oxyd oder Oxydul vorhanden war, so greift man, um hierüber Gewissheit zu erhalten auf die ursprüngliche Lösung
zurück. In obigem Schema (weisser Niederschlag durch Salzsäure) ist desshalb Quecksilberchlorür mit aufgeführt, obwohl es aus der Lösung
der Schwefelmetallenicht als solches durch Salzsäure gefällt werden kann. In der salpetersalzsauren Lösung des Schwefelquecksilbersist das
Metall immer als Chlorid vorhanden. Auf Quecksilberoxyd prüft man die mit Salzsäure angesäuerte ursprüngliche Flüssigkeit mittelst Zinn-
chloriir etc.
Die nämlichen oder ähnlichen Verhältnisse finden bei den Oxyden des Zinns, Arsens u. s. w. statt ; auch bei diesen muss die Untersuchung
der ursprünglichen Flüssigkeit entscheiden, ob das höhere oder niedrigere Oxyd vorhanden ist. — Rhodium und Osmium sind in obigem Schema
weggelassen: sie kommen nur in Platinerzen vor, unter Umständ. also, wo der Analytiker schon zum Voraus auf ihre Gegenw. hingewiesen wird.
Schwefelammoniuin - Niederschlag . Schema in.
Behandlung desselben mit erwärmter verdünnter Salzsäure ; Prüfung des schwarzen ungelösten Schwefel-
metalls auf Kobalt vor dem Löthrohr; völlige Lösung in der Siedhitze unter Zusatz v. wenig Salpetersäure.

Fällung mit Kalilauge im, Ueberschuss, in der Kälte:

Flüssigkeit enthält: Der Niederschlag kann enthalten:


Zinkoxyd, Thonerde, Beryllerde , Chrom¬ Nickeloxydul , Kobaltoxydul , Manganoxydul, Eisenoxyd , Uranoxyd, phosphorsaure,
oxyd *). oxalsaure alkalische Erden oder deren Fluonnetalle , Ceroxydul u. -Oxyd, Thorerde,
Längeres Kochen der Italischen Lösung. Yttererde, Zirconerde, Titansäure**).
Lösen des ausgewaschenen Niederschlags in Salzsäure, Versetzen mit Salmiak u. Ammoniak.
Niederschlag: Lösung enthält:
Flüssigkeit enthält: Niederschlag enthält:
Chromoxyd. Zinkoxyd, Thonerde,
Kobalt-, Nickel-, Manganoxydul. Eisenoxyd , üranoxyd, Phosphorsaure, oxal¬
Beryllerde.
Versetzen mit Schwefelwasserstoff. Fällung der schwach mit Essigsäure ange¬ saure Erden, Fluorcalcium, Ceroxydul etc.
säuerten Flüssigkeit mit Schwefelwasserstoff, Digestion mit conc. Lös. v. kohlens.Ammoniak.
unter Erwärmen.
Niederschlag. Lösung enthält: Lösung enthält: Rückstand enthält:
Schwefelzink. Thonerde, Beryllerde. Niederschlag : Lösung enthaltend:
Uranoxyd. Ceroxy¬ Eisenoxyd , phosphs.,
Fällung durch Neutralisir. Schwefelnickel, Manganoxydul. dul etc. oxals. Erden, Fluor¬
mitSalzs. u. dann mit Am¬ Schwefelkobalt. Uebersättigen mit Am¬
moniak und Digestion des calcium, so wie auch
moniak und Zusatz v. Ist die Lösung, so wie
Niederschi, mit kohlensr. Prüfung aufKobaltmit Schwefelammonium. der heim Kochen ent¬ Ceroxydul etc.
Ammoniak. d. Löthrohr aufNickel, stehende Niederschlag Man prüft die salzsaur.
mit Cyankalium in der Niederschlag: gelb, so ist Uranoxyd Lösung: auf Eisenoxyd,
Flüssigkeit enth. : Rückstand ist: salpetersalzsauren Lö¬ Schwefelmangan. vorhanden. Prüfung v. mittelst Ferrocyankal.;
sung. dem Löthrohr, so wie auf Phosphs. mit Eisen-
Beryllerde. Thonerde. (Auch Schwefelnickel.)
auf Ceroxydul mittelst chlrd.u. essigs.Ammn.;
DurchKoch. daraus fällb. Prüfung vor dem Prüfung mit Soda auf schwefelsauremKali. auf Oxals.m.Chlorcalc.
Prüfungv. dem Löthrohr. Löthrohr. Platinblech. u. essigs. Ammon.; auf
Fluor, mittelst Schwfls.
*) Ist Chromoxyd und Eisenoxyd zusammen vorhanden, so folgen sie sich beide, je nach ihrer relativen Menge. Bei viel Chromoxyd löst
sich wenig Eisenoxyd völlig in Kali, bei viel Eisenoxyd und wenig Chromoxyd löst sich letzteres gar nicht. Durch Schmelzen mit Salpeter und
kohlensaurem Alkali lassen sich beide leicht trennen. — Phosphorsaure Thonerde verhält sich gegen Schwefelammonium , Kali und Salmiak
ganz wie reine Thonerde.
**) Auf die Gegenwart von Tantalsäure, Titansäure und der in Kali unlöslichen Erden ist in der weiteren Ausführung des Schemas keine
Rücksicht mehr genommen; deutet die Voruntersuchungauf die Gegenwart des einen oder des anderen dieser Oxyde, so ergibt sich die qua¬
litative Erkennung aus der Vergleichung ihres S. 17 u. s. f. angeführten Verhaltens.
' Schema IV.
Verhalten

beiin Erwärmen ihrer Sake mit Schwefelsäure.


der wichtigeren unorganischen und organischen Säuren,

Organische Säuren.
Unorganische Säuren.

Nicht flüchtige Für sich Für sich


Flüchtige Säuren
oder erst in höherer Temp. nicht flüchtige Säuren. flüchtige Säuren.
in zersetzter Gestalt. flüchtige Säuren.
in unzersetzter Gestalt.

Kieselsäure. Oxalsäure. — Zerfällt in Ameisensäure. —Entwik-


Kohlensäure. Geruchlos; Jodwasserstoff. — Violette Borsäure. Kohlensäure und Kohlen- kelt reines Kohlenoxyd-
fällt Kalkwasser. Dämpfe von Jod. gas.
Bromwasserst. — Braune Phosphorsäure. oxyd ohne Schwärzung.
| Schweflige Säure. Riecht Metallsäuren. — Sie wer- Weinsäure . . \ Essigsäure. —■Entwickelt
nach brennend . Schwefel. Bromdämpfe. Traubensäure f unzersetzte Essigsäure,
Zersetzt sich mit SH unter Cyanwasserstoff. — Lie- den
bei Aufsuchung der
j bei Gegenwart von Wein-
fert mit blauer Flamme Metalloxyde gefunden. Citronensäure
Abscheidungv. Schwefel. Aepfelsäure . . ) geist Essigäther.
Kohlenoxyd. Schwefelsäure.
Schwefelwasserst. Riecht brennendes zerleg, sich, unt. Schwär- Benzoesäure
und
nach faul. Eiern. Schwär- Mit verdünnter S 03auch Selensäure. Bernsteinsäure zersetzen
Blausäure . — Ferro - und Chromsäure. — Entwik- zung und Entwickelung
ze Fällung mit Bleisalzen. von Kohlensäure,Kohlen- sich nur schwierig oder
kelt Sauerstoffgas beim
Chlorwasserstoff. — An Ferricyanverbindg ver- Erhitzen mit concentrirter
.
oxyd u. schweflig. Säure, gar nicht mit concentrir-
der Luft rauchende saure halten sich ähnlich. wie auch die meisten an¬ ter Schwefelsäure.
Dämpfe. Chlorsäure. —Dunkelgel¬ Schwefelsäure.
bes Gas. deren organischen Säuren.
Fluorwasserstoff. Aetzt
Glas. Unterchlorige Säure. —
Salpetersäure. — Farb¬ Gelbgriines Chlorgas.
— Braune
lose, saure , bei Gegen¬ Bromsäure.
wart von Kupferfeile rothe Bromdämpfe , neben Sau¬
Dämpfe. erstoff.
Verhalte n Schema V.

dei’ wichtigeren unorganischen und organischen Säuren gegen Chlorbai’ium, saipetersaures Silberoxyd,
Chlorcalcium und Eisenchlorid.
Durch Eisenchlorid
Durch Chlorbarium Durch Salpeters. Sil- Durch Chlorcalcium
werdengefällt oder ver¬
werden gefällt. ber oxydwerden gefällt. werden gefallt. ändern die Farbe.

a ) Aus neutr . Lösung. a) Aus neutr . Lösung. Aus neutraler Lösung. a) Gefällt teer den aus Nichtfällbare Säuren.
Der Niederschi , ist in Salz¬ Der Niederschlag ist in Sal¬ Auch bei Gegenwart v . Am¬ vollkommen neutraler
oder Salpetersäure löslich. petersäure löslich. moniaksalz . u . freiem Am¬
moniak. Lösung.
Schwflg . Säure 1 «“J £ Phosphors ., gelb od. weiss. Schwefelsäure. Aus nicht Bernsteinsäure j heii- Salpetersäure.
Kohlensäure . I S =1 ! ■= Borsäure, weiss. zu verdünnt . Lösung , voll¬ Benzoesäure braun.
. | Chlorsäure.
Phosphorsäure I 5 5 * ^ = Kieselsäure, weiss. ständig auf Zusatz v.Wein¬ Ihre Salze verpuffen auf
Borsäure 4. . . ! ®« Chromsäure, roth. geist. b) Eine röthliche Fär¬ Kohle.
Kieselsäure . . ? ) « | ^ ^ Oxalsäure . . j Phosphorsäure, weiss , in bung geben in neutra¬
Weinsäure . . weiss.
>
Fluorwasserst, j C j « f »
Citronensäure I
Essigsäure löslich , wenn ler Lösung.
Oxalsäure . . I aäS *’S frisch gefällt.
Weinsäure ■ ■I j ilj -i Arsensäure, braun. Essigsäure. Bemerkung.
Arsenige Säure, gelb. Oxalsäure, weiss, inEssig- Ameisensäure.
Citronensäure J >£ ^ säure unlöslich. In allen Fällen , wo durch
Ferner: b) Auch aus saurer Weinsäure, weiss , in kal¬ Erkennung der Benzoe¬ die allgemeinen Reagentien
säure an ihrer Fällbarkeit
Chromsäure, gelb und die Lösung. ter Kalilauge löslich. durch Säuren aus der con- eine Säure oder eine ganze
Säuren des Arsens weiss. Der Niederschlag ist in Sal¬ Fluomvasserstoff, weiss, Gruppe derselben angedeu¬
creten Lösung ihrer Salze. tet wird , hat man sie durch
petersäure unlöslich oder in Essigsäure unlöslich , in Der Essigsäure an der Bil¬
b) Aus neutr. u. saurer schwer löslich. Salzsäure theihveise lös¬ die in der zweiten Abthei¬
dung von Essigäther , wie
Lösung. Jodsäure. Das urspr . Salz lich. des basischen Bleisalzes; lung angeführten speciellen
Der Xiederschl . ist in Salz- verpufft auf glüh . Kohle. Citronensäure. DerNieder- der Ameisensäure an ihrer Reagentien noch weiter zu
od. Salpetersäure unlöslich. Chlorwasserstoff, weiss, bestätigen und, wenn meh¬
schlag entsteht erst in der Fähigk eit edle Metalloxyde rere zugegen sind , zu unter¬
Schwefelsäure. löst sich in Ammoniak. Siedhitze und ist unlöslich zu reduciren.
Selensünre. Selensaurer Bromwasser Stoff, löst sich in Kalilauge. scheiden . Auf Borsäure,
Kieselsäure u . Fluorwas¬
Baryt entwickelt Chlor b. schwierig in Ammoniak.
Kochen mit Salzsäure. Jodwasserstoff, gelblich; serstoffsäure müssen,wenn
fast unlösl . in Ammoniak. man ihre Gegenwartzu ver-
Cyanwasserstoff, weiss. mutlien Ursache hat , stets
Zersetzt sich beim Erhitzen besondere Versuche ange¬
u. entwickelt mitSalzs . be¬ stellt werden.
feuchtet , Blausäure.
Schwflwasserst -,schwor ?..
Schweflig .Säuren .Amei¬
sens. reduciren Silberoxyd
beim Erwärmen.
Verhalten Schema I.

der Lösungen der Metalloxyde gegen Schwefelwasserstoff , Schwefelainmonium und kohlensaures


Ammoniak, in ihrer successiven Anwendung.

Durch Schwefelwasserstoff
Durch Schwefelwasserstoff werden aus der und Schwefelammonium
Durch Schwefelammonium werden gefällt:
sauren Lösung gefällt als Schwefelmetalle. werden nicht gefällt.
Von diesen sind
Durch kohlensaures Ammoniak
hei Gegenwart von Salmiak
löslich in Schwefel¬ unlöslich in Schwefel¬ als Schwefelmetalle. werden
ammonium. ammonium. als Oxyde oder Salze.
Durch Salzsäure daraus
fällbar. gefällt: nicht gefällt:
Antimon orange. Queckslbr. Nickel . schwarz, Thonerde . Baryt. Bittererde.
schwarz in Kali
Arsen . gelb. Silber . . Kobalt. schwarz, Beryllerde Strontian. Kali.
oder löslich.
Zinn gelb. Blei . . . Mangan fleischroth Chromoxyd Kalk. Natron.
schwarz¬
Gold . Wisinuth braun. Eisen . schwarz, Thorerde . Lithion.
Platin . schwarz. Kupfer. Zink weiss. Yttererde . Ammoniak.
inKali un¬
Iridium Cadmium . gelb. Uran . braun- Ceroxydul löslich.
Selen . rothgelb. Palladium schwarz. Zirconerde
schwa rz-
Tellur . schwarz Rhodium Titansäure
brauu.
Molybdän braun *) . Osmium Tantalsäure.
Ferner:
Kalk . . 1bei Gegenwart
/ v. Phosphors .,
Baryt . >Oxals., Fluor-
Strontian IWasserstoff
.,
/ Borsäure.

*) Wolfram kann , als Wolframsäure , in einer salzsauren oder Salpetersäuren Flüssigkeit nicht vorhanden sein, folglich auch nicht durch
Schwefelwasserstoff gefällt werden . Man vergleiche das S. 48 und 68 über die Verbindungen des Wolframs , Molybdäns u. Vanudins angeführte.

ft
Schwefelwasserstoff - Niederschlag, Schema II.
a) In Schwefelammonium löslicher Theil. Die
— vom unlöslichen Theil (b) abfiltrirte Schwefelammoniumlösung' wird
mit Salzsäure schwach angesäuert . Ist die entstehende Trübung weiss , so rührt sie
wahrscheinlich nur von Schwefel her ; ist
die Fällung gelb oder orange , so ist Arsen , Zinn oder Antimon vorhanden . Man untersucht
die ursprüngliche Flüssigkeit auf
diese Metalle und behandelt den Schwefelniederschlag nach S. 63 . Besitzt das gefällte Schwefelmetall eine dunklere Farbe , so
ist ausserdem eins oder mehrere Metalle der S . 47 und 48 characterisirten
Unterabtheilungen dieser Gruppe vorhanden . Nach
den Resultaten der Voruntersuchung der ursprünglichen festen Substanz , aus dem Verhalten
gegen Lösungsmittel namentlich,
urtheilt man auf die mögliche Anwesenheit der einzelnen Glieder . Niemals kommen alle
gleichzeitig in derselben Substanz vor ..
b) In Schwefelammonium unlöslicher Theil. Lösen
— in der Wärme in starker Salpetersäure. Bleibt ein schwarzer Rück¬
stand , so ist dieses Schwefelquecksilber , ein weisser , nicht mit abgeschiedenem Schwefel zu
verwechselnder , deutet auf Blei,
welches dann jederzeit auch in der Lösung gefunden wird . Man versetzt die salpetersaure , mit
Wasser verdünnte Auflösung mit
Salzsäure *) .

Weisser Niederschlag. Lösung enthält oder kann enthalten:


Chlorsilber. Quecksilberchloriir. Chlorblei.
Behandlung mit viel Wasser. fällbar durch Ammoniak im nicht faltbar durch Ammo¬
Ueberschuss. niak im Ueberschuss. Palladium-
Lösung enthält: Rückstand ist: Oxydul.
Chlorblei. . , vvismuui- Cadmium¬
Chlorsilber . Quecksilberchlorür . Bleioxyd. Die Lösung in
Man findet als¬ Bleioxyd . oxy (L oxyd. Säur.istbraun
Behandlung mit Ammoniak.
dann noch Blei Fällbar durch Fällbar durch Blaue Farbe Die ammonia- od. rothbrnun
in der vom Nie¬ verd. Scliwe- Wasser nach derammonia- kal. Lösung u. wird durch
Lösung enthält : Rückstand ist:
derschlag durch felsäure. hinreichend. kal . Lösung wird, nach d.(1 .Jodkalium
Salzsäure abfil- Chlorsilber . schwarzes Queck- braunrth.Nie-
Verdampfen braunrth.Nie¬ Neutralismen schwarz ge-
trirten Flüssig- Durch Salpetersäure silberoxydul. der Lösung. derschlag der mitSalzsäure, fällt.
keit . wi,
wieder fällbar. Ist üer Rückstand saur. Lösung durchkohlen-
weiss, so war nicht mit Ferrocy- saur.Ammon-
alles Chlorblei gelöst ankalium. iak gefällt.
u. Qucksilberoxydul
ist nicht vorhanden.

*) Da sich aus dem zurückbleibenden, in allen Fällen noch näher zu prüfenden Schwefelquecksilber nicht
ob das Metall als Oxyd oder Oxydul vorhanden war, so greift man, um hierüber Gewissheit leicht erschliessen lässt,
zurück. In obigem Schema (weisser Niederschlag durch Salzsäure) ist desshalb Quecksilberchlorür zu erhalten auf die ursprüngliche Lösung
der Schwefelmetalle nicht als solches durch Salzsäure gefällt werden kann. In der salpetersalzsaurenmit aufgeführt, obwohl es aus der Lösung
Lösung des Schwefelquecksilbersist das
Metall immer als Chlorid vorhanden. Auf Quecksilberoxydprüft man die mit Salzsäure angesäuerte
chlorür etc. ursprüngliche Flüssigkeit mittelst Zinn-
Die nämlichen oder ähnlichen Verhältnisse finden bei den Oxyden des Zinns, Arsens u. s. w. statt ; auch
der ursprünglichen Flüssigkeit entscheiden, ob das höhere oder niedrigere Oxyd vorhanden bei diesen muss die Untersuchung
ist. —
weggelassen: sie kommen nur in Platiuerzen vor, unter Umständ. also, wo der Analytiker schon zumRhodium und Osmium sind in obigem Schema
Voraus auf ihre Gegenw. hingewiesen wird.
Schwefelammonium - Niederschlag . Schema ui.
Behandlung desselben mit erwärmter verdünnter Salzsäure ; Prüfung des schwarzen ungelösten Schwefel-
metalls auf Kobalt vor dem Löthrohr; völlige Lösung in der Siedlntze unter Zusatz v. wenig Salpetersäure.

Fällung mit Kalilauge im Ueberschuss, in der Kälte:

Flüssigkeit enthält: Der Niederschlag kann enthalten:


Zinkoxyd,Thonerde, BeryJlerde, Chrom¬ Nickeloxydul , Kobaltoxydul , Manganoxydul, Eisenoxyd , Uranoxyd, phosphorsaure,
oxyd *). oxalsaure alkalische Erden oder deren Fluormetalle, Ceroxydul u. -Oxyd, Thorerde,
Längeres Kochen der kalischen Lösung. Yttererde, Zirconerde, Titansäure**).
Lösen des ausgewaschenen Niederschlags in Salzsäure, Versetzen mit Salmiak u. Ammoniak.
Niederschlag: Lösung enthält:
Flüssigkeit enthält: Niederschlag enthält:
Chromoxyd. Zinkoxyd, Thonerde,
Kobalt-, Nickel-, Manganoxydul. Eisenoxyd , Uranoxyd, Phosphorsaure, oxal¬
BeryJlerde.
Versetzen mit Schwefelwasserstoff. Fällung der schwach mit Essigsäure ange¬ saure Erden, Fluorcalcium, Ceroxydul etc.
säuerten Flüssigkeit mit Schwefelwasserstoff, Digestion mit conc. Lös. v. kohlens.Ammoniak.
unter Erwärmen.
Niederschlag. Lösung enthält: Lösung enthält: Rückstand enthält:
Schwefelzink. Thonerde, Beryllerde. Niederschlag: Lösung enthaltend:
Uranoxyd. Ceroxy¬ Eisenoxyd , phosphs.,
Fällung durch Neutralisir. Schwefelnickel, Manganoxydul. dul etc. oxals . Erden, Fluor¬
mitSalzs. u. dann mit Am¬ Schwefelkobalt. Uebersättigen mit Am¬
moniak und Digestion des calcium, so wie auch
moniak und Zusatz v. Ist die Lösung, so wie
Niederschi, mit kohlensr. Prüfung auf Kobalt mit Schwefelainmonium. der beim Kochen ent¬ Ceroxydul etc.
Ammoniak. d. Löthrohr aufNickel, stehende Niederschlag Man prüft die salzsanr.
mit Cyankalium in der Niederschlag: gelb, so ist Uranoxyd Lösung: auf Eisenoxyd,
Flüssigkeit enth. : Rückstand ist : salpetersalzsauren Lö¬ Schwefelmangan. vorhanden. Prüfung v. mittelstFerrocyankal .;
sung. dem Löthrohr, so wie aufPhosphs.mitEisen-
Beryllerde. Thonerde. (Auch Schwefelnickel.)
auf Ceroxydul mittelst chlrd.u. essigs.Ammn.;
DurchKoch. daraus fällb. Prüfung vor dem Prüfung mit Soda auf schwefelsauremKali. auf Oxals.m.Chlorcalc.
Prüfung v.demLöthrohr. Löthrohr. Platinblech. u. essigs. Ammon.; auf
Fluor, mittelst Schwfls.
*) Ist Chromoxyd und Eisenoxyd zusammen vorhanden, so folgen sie sich beide, je nach ihrer relativen Menge. Bei viel Chromoxyd löst
sich wenig Eisenoxyd völlig in Kali, bei viel Eisenoxyd und wenig Cbromoxyd löst sich letzteres gar nicht. Durch Schmelzen mit Salpeter und
kohlensaurem Alkali lassen sich beide leicht trennen. — Phosphorsaure Thonerde verhält sich gegen Schwefelammonium , Kali und Salmiak
ganz wie reine Thonerde.
**) Auf die Gegenwart von Tantalsäure, Titansäure und der in Kali unlöslichen Erden ist in der weiteren Ausführung des Schemas keine
Rücksicht mehr genommen; deutet die Voruntersuchungauf die Gegenwart des einen oder des anderen dieser Oxyde, so ergibt sich die qua¬
litative Erkennung aus der Vergleichung ihres S. IT u. s. f. angeführten Verhaltens.
Verhalten ' Schema IV.
ihrer Salze mit Schwefelsäure.
der wichtigeren unorganischen und organischen Säuren, beim Erwärmen

Organische Säuren.
Unorganische Säuren.

Flüchtige Säuren Nicht flüchtige Für sich Für sich


oder erst in höherer Temp. nicht flüchtige Säuren. flüchtige Säuren.
in unzersetzter Gestalt. in zersetzter Gestalt. flüchtige Säuren.

Kieselsäure. —
Oxalsäure. Zerfällt in Ameisensäure. —Entwik-

Kohlensäure. Geruchlos ; Jodwasserstoff. Violette
Borsäure. Kohlensäure und Kohlen¬ kelt reines Kohlenoxyd-
fällt Kalkwasser. Dämpfe von Jod.

Braune Phosphorsäure. oxyd ohne Schwärzung. gas.
Schweflige Säure. Riecht Bromwasserst. Metallsäuren. —Sie wer¬ Weinsäure . . 1 —■
Essigsäure. Entwickelt
nach brennend . Schwefel. Bromdämpfe.
— den bei Aufsuchung der Traubensäure [ unzersetzte Essigsäure,
Zersetzt sich mit SH unter Cyanwasserstoff. Lie¬ Citronensäure l bei Gegenwart von Wein¬
blauer Flamme Metalloxyde gefunden.
Abscheidungv. Schwefel. fert mit Aepfelsäure . . ) geist Essigäther.
Schwefelsäure.
Schwefelwasserst. Riecht brennendes Kohlenoxyd. Selensäure. zerleg, sich, unt. Schwär¬ Benzoesäure und
nach faul. Eiern. Schwar¬ Mit verdünnter S 03auch zersetzen
Blausäure. — Ferro - und —
Chromsäure. Entwik- zung und Entwickelung Bernsteinsäure
ze Fällung mit Bleisalzen. von Kohlensäure ,Kohlen¬ sich nur schwierig oder
Chlonvasserstoff. An — Ferricyanverbindg. ver¬ kelt Sauerstoffgas beim
Erhitzen mit concentrirter oxyd u. schweflig. Säure, gar nicht mit concentrir¬
der Luft rauchende saure halten sich ähnlich. wie auch die meisten an¬ ter Schwefelsäure.
Chlorsäure. —Dunkelgel¬ Schwefelsäure.
Dämpfe. deren organischen Säuren.
bes Gas.
Fluorwasserstoff. Aetzt
Glas. Unterchlorige Säure. —

Salpetersäure. Farb¬ Gelbgrünes Chlorgas.

Braune
lose, saure , bei Gegen¬ Bromsäure.
wart von Kupferfeile rothe Bromdämpfe , neben Sau¬
Dämpfe. erstoff.
V erhalte n Schema V.

der wichtigeren unorganischen und organischen Säuren gegen Chlorbarium, .salpetersaures Silberoxyd,
Chlorcaleiuin und Eisenchlorid.
Durch Eisenchlorid
Durch Chlorbarium Durch Salpeters. Sil- Durch Chlorcalcium
werdengefällt oder ver¬
werden gefällt. beroxydwerden gefällt. werden gefällt. ändern die Farbe.

a) Aus neutr . Lösung. a) Aus neutr . Lösung. Aus neutraler Lösung. a) Gefällt werden aus Nichtfällbare Säuren.
vollkommen neutraler
Der Niederschl . ist in Salz¬ Der Niederschlag ist in Sal¬ Auch bei Gegenwart v . Am¬
oder Salpetersäure löslich. petersäure löslich. moniaksalz . u. freiem Am¬
Lösung.
moniak.
Schwfly . Säure S\ » £ Phosphors ., gelb od.weiss. Schwefelsäure. Aus nicht Bernsteinsäure liell-
) Salpetersäure.
Kohlensäure . I go ®| .| Borsäure, weiss. zu verdünnt . Lösung ,voll¬ Benzoesäure . braun.
} Chlorsäure.
Phosphorsäure I S 5* * g Kieselsäure, weiss. ständig auf Zusatz v.Wein¬ Ihre Salze verpuffen auf
Borsäure . . . J ( g Sf Chromsäure, roth. geist. b) Eine rötliliche Fär¬ Kohle.
Kieselsäure . . ) • j» “* Oxalsäure . . I Phosphorsäure, weiss , in bung geben in neutra¬
Fluorwasserst. I = Weinsäure . . weiss.> Essigsäure löslich , wenn ler Lösung.
Oxalsäure . .1 » | ^ “ « Citronensäure i frisch gefällt.
Weinsäure . . 1 S'sl ^ -ä Arsensäure, braun. Essigsäure. Bemerkung.
Oxalsäure, weiss, in Essig¬ Ameisensäure.
Citronensäure J jjj 'f '= Arsenige Säure, gelb. säure unlöslich. In allen Fällen , wo durch
Ferner: b) Auch aus saurer Erkennung der Benzoe¬
Weinsäure, weiss , in kal¬ säure an ihrer Fällbarkeit die allgemeinen 'Reagentien
■Chromsäure, gelb und die Lösung. ter Kalilauge löslich. durch Säuren aus der con- eine Säure oder eine ganze
Säuren des Arsens weiss. Der Niederschlag ist in Sal¬ Fluorwasserstoff, weiss, Gruppe derselben angedeu¬
creten Lösung ihrer Salze. tet wird , hat man sie durch
petersäure unlöslich oder in Essigsäure unlöslich , in
b) Aus neutr . u. saurer schwer löslich. Der Essigsäure an der Bil¬ die in der zweiten Abthei¬
Salzsäure theilweise lös¬ dung von Essigäther , wie
Lösung. Jodsäure. Das urspr . Salz lich. des basischen Bleisalzes; lung angeführten speciellen
Der Niederschl . ist in Salz- verpufft auf glüh . Kohle. Citronensäure. DerNieder- der Ameisensäure an ihrer Reagentien noch weiter zu
od. Salpetersäure unlöslich. Chlorwasserstoff, weiss, bestätigen und , wenn meh¬
sclilag entsteht erst in der Fähigkeit edle Metalloxyde rere zugegen sind , zu unter¬
Schwefelsäure. löst sich in Ammoniak. Siedhitze und ist unlöslich zu reduciren.
Selensäure. Selensaurer Bromwasserstoff, löst sich in Kalilauge. scheiden . Auf Borsäure,
Kieselsäure u . Fluorwas¬
Baryt entwickelt Chlor b. schwierig in Ammoniak.
Kochen mit Salzsäure. Jodwasserstoff, gelblich; serstoffsäure müssen,wenn
fast unlösl . in Ammoniak. inan ihre Gegenwart zu ver-
Cyanwasserstoff, weiss. muthen Ursache hat , stets
Zersetzt sich beimFrliitzen besondere Versuche ange¬
n. entwickelt mitSalzs . be¬ stellt werden.
feuchtet , Blausäure.
Schwflwasserst ., schwarz.
Schweflig .Säure u.Amei¬
sens. reduciren Silberoxyd
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