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HUNDE

ALS Eines Tages kam es in der Praxis des


Kinderpsychologen Boris Levinson zu

THERAP einer überraschenden Begegnung:


Einer seiner Patienten - ein
neunjähriger, extrem verschlossener

EUTEN Junge, der mit niemandem sprach -


war zu früh zum Termin erschienen
und traf in Levinsons Praxis dessen
Hund Jingles. Sofort begann der Junge
enthusiastisch mit dem Tier zu reden
und zeigte sich auch im Verlauf der folgenden Sitzung ungewohnt offen und vertrauensvoll. Der
Therapeut nahm den Golden Retriever von da an häufiger mit zur Arbeit. In seiner Publikation "Pet-
oriented child psychology" von 1969 berichtet er von der verblüffenden Wirkung des Tiers auf seine
jungen Klienten.

Dass Menschen emotionale Beziehungen zu Tieren aufnehmen, ist der Evolution geschuldet: Weil
unsere Stammesgeschichte kontinuierlich und nicht etwa sprunghaft verlief, teilen wir nicht nur
physiologische und kognitive Mechanismen mit Hund und Katz, sondern auch Hirnstrukturen für
soziales Verhalten. Außerdem sind Menschen auf Grund ihres langen Jäger-und-Sammler-Daseins
"biophil". Mit diesem Begriff bezeichnete der US-amerikanische Biologe Edward Osborne Wilson
bereits in den achtziger Jahren die Neigung des Homo sapiens, mit Tieren zusammenzuleben und ein
beinahe instinktives Interesse an der Natur zu zeigen.

Heute existieren viele Therapieformen, die auf die Hilfe von tierischen Co-Therapeuten setzen - trotz
anfänglicher Spötteleien: Als Levinson 1961 auf einem Kongress von seinen Erkenntnissen
berichtete, reagierten die anwesenden Psychologen skeptisch. Doch mit den Jahren kam die
"Animal-Assisted Therapy" (tiergestützte Therapie) auch in Österreich und Deutschland immer
häufiger zum Einsatz: in psychischen Einrichtungen, in Seniorenheimen, Krankenhäusern und
Gefängnissen.

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen die Wirksamkeit der Methode, sind aber noch
verhältnismäßig rar. Janelle Nimer und Brad Lundahl von der University of Utah fassten im Jahr 2007
mehrere Studien zusammen und stellten fest, dass Tiere die Behandlung traumatisierter Patienten
unterstützen können.

Würden sich insbesondere Menschen mit Bindungsstörungen, denen der Umgang mit anderen
Personen schwerfällt, Tieren gegenüber leichter öffnen könnten? Auf dieser Überlegung aufbauend,
untersuchten wir rund 80 Jungen mit unsicherem oder desorganisiertem Bindungsmuster in einer
Situation, die mäßigen sozialen Stress hervorruft. Die Kinder waren zwischen sieben und zwölf
Jahren alt und hatten größtenteils familiäre Gewalt, Verlust oder Vernachlässigung erfahren.

Streicheln gegen Stress

Nach einer Eingewöhnungsphase baten wir unsere Teilnehmer, in Gegenwart von zwei fremden
Erwachsenen eine Geschichte zu Ende zu erzählen und Kopfrechenaufgaben zu lösen. Ein Drittel der
Probanden erhielt Unterstützung durch einen freundlichen Erwachsenen. Die anderen Kinder
bekamen dagegen Gesellschaft von einem Hund oder einem Stoffhund. Nach dieser Aufgabe durften
sich die Teilnehmer eine Weile entspannen. Der Versuch dauerte knapp eine Stunde, und wir
nahmen in dieser Zeit jeweils fünf Speichelproben von den Jungen, um die Konzentration des
Stresshormons Cortisol zu bestimmen. Wir filmten zudem das gesamte Prozedere und werteten die
Aufnahmen später detailliert aus.

Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Hund, kaum aber der Erwachsene oder der Stoffhund eine Stress
mindernde Wirkung hatte. In Anwesenheit des echten Hundes hatten die Jungen abgesehen von
einer anfänglichen Aufregung keine erhöhten Cortisolwerte.

Entscheidend war dabei das Ausmaß, in dem sich die Kinder mit dem Tier beschäftigten: Besonders
entspannt waren die Probanden, die intensiv mit dem Tier sprachen oder es streichelten. Diesen
starken Effekt hatte der Hund aber nur auf die unsicher oder desorganisiert gebundenen Jungen.
Eine Kontrollgruppe sicher gebundener Kinder zeigte die größte Stresshormondämpfung im Beisein
des Erwachsenen.

Offenbar können Hunde Menschen bei Stress ähnlich emotional unterstützen wie andere Personen.
Bei Kindern mit Bindungsstörungen kann der Vierbeiner sogar effektiver Vertrauen schaffen als ein
Erwachsener! In dieser Erkenntnis steckt ein erhebliches therapeutisches Potenzial. So könnten
Hunde den Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung zwischen Therapeut und Patient
beschleunigen. Der Einsatz der Vierbeiner wäre sowohl aus psychologischer als auch aus
wirtschaftlicher Sicht sinnvoll, da er die Dauer der Therapie verkürzen könnte.

Dies gilt zudem wohl nicht nur für Kinder. Auch vielen erwachsenen Patienten fällt es leichter, sich
im Beisein eines Hundes zu öffnen, wie etwa zwei jüngere Studien von Forschern der Berliner Charité
zeigen. Die Wissenschaftler um Undine Lang ließen Patienten mit schwerer Depression eine halbe
Stunde lang über ihre Erfahrungen mit Tieren und ihre Beziehung zu Hunden erzählen. Bei der Hälfte
der Patienten befand sich dabei tatsächlich ein Hund im Raum.

Nach den 30 Minuten hatten sich in dieser Gruppe Angst und Stress deutlich verringert, während
sich bei den Probanden ohne Beisein des Tiers kaum eine Veränderung zeigte. Ein Jahr später
wiederholte das Team der Charité diese Untersuchung mit Schizophreniepatienten und kam zum
selben Ergebnis: Waren Tiere anwesend, so milderte das die Angst der Betroffenen und trug
merklich zu deren Entspannung bei.

All das spricht dafür, dass Boris Levinson mit seiner Tierliebe gar nicht so falsch lag. Was er zu seiner
Zeit bereits ahnte, scheint sich heute mehr und mehr zu bestätigen. So sollten Forscher tiergestützte
Verfahren weiter intensiv untersuchen, damit sich die Methode möglicherweise als eigenständige
Therapieform etablieren kann

Textquelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/hunde-als-therapeuten-der-beste-freud-des-menschen-a-799791.html

Welches unterstrichene Wort aus dem Text hat die gleiche Bedeutung?

1. Witze
2. bewahrheiten
3. deutlich
4. Nervosität
5. Beziehungsschwierigkeiten
6. beweisen
7. schneller machen
8. die Menge/Größe
9. Benachteiligung
10. verursacht
11. zurückhaltend
12. die Vorliebe
13. Probleme bereitet
14. selten
15. erholen
16. wirklich
17. erstaunlich
18. vertrauen

Richtig oder Falsch?

1. Boris Levinson ist ein Kinderpsychologe, der sich auf Therapie mit Hilfe von Hunden
spezialisiert hat
2. Menschen sind entwicklungsgeschichtlich darauf programmiert, die Gesellschaft von
anderen Lebewesen zu mögen.
3. Levinsons Methode fand sofort Anklang unter seinen Kollegen.
4. Es ist wissenschaftlich bewiesen worden, dass Hunde auf Menschen entspannend wirken
können.
5. Dabei ist die Länge der mit dem Tier verbrachten Zeit ausschlaggebend.
6. Die Therapie mit Hunden ist in Deutschland bereits eine anerkannte Therapieform.

Formen Sie den Satz sinnerhaltend um und benutzen Sie dabei das angegebene Wort!

1. Heute existieren viele Therapieformen. (Vielfalt)


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2. Doch mit den Jahren kam die tiergestützte Therapie auch in Österreich und Deutschland
immer häufiger zum Einsatz. (einsetzen)
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3. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen die Wirksamkeit der Methode, sind aber noch
verhältnismäßig rar. (laut)
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4. Offenbar können Hunde Menschen bei Stress ähnlich emotional unterstützen wie andere
Personen. (unter Druck)
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