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Wintersemester 2018/19

Sitzung 1: Allgemeine Psychologie

1. Einführung Allgemeine Psychologie

- Themengebiete: Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Denken und Problemlösen, Emotion, Lernen und


Gedächtnis, Motivation
- Untersuchungsgegenstand Psy: Verhalten und Erleben von Individuen mit wissenschaftlichen Methoden
- Wahrnehmung = Interpretation der wahrgenommenen Welt durch kognitive Prozesse (Einfluss Erfahrung)
- Mentale Prozesse: innere Ereignisse wie Denken, Planen, Schlussfolgern, Phantasieren und Fühlen

2. Besonderheit unserer Wahrnehmung:

Mehrdeutigkeiten
- Def: Unterschiedliche Wahrnehmungen obwohl physikalischer Reiz gleich bleibt.
• Metronom oder mehrdeutige visuelle Muster 


McGurk-Effekt
- Verschiebung der Lautwahrnehmung (Ba/ Da/ Fa hören wenn auf Lippenbewerung schauen)
- Sprachwahrnehmung ist multimodal, d.h. durch Information aus anderen Sinnen beeinflusst
- Visuelle Stimulation (z.B. sehen von Lippenbewegungen) beeinflusst Hörerlebnis

Messverfahren (Fechner)
- Sinnesphysiologie: Untersuchung der biologischen Mechanismen, die physikalische in neuronale
Ereignisse umwandeln
• Transduktion = Umwandlung physikalischer Energie in neuronale Impulse durch Sinnesrezeptoren
- Innere Psychophysik = Zusammenhang Erleben und neurologische Prozesse
- Äußere Psychophysik = Beziehung zwischen Reiz und Erleben (Wie wirkt Stimulus auf uns?)

- Weber- Fechnersches Gesetz: je größer der Reiz, desto höher ist die Schwelle um einen Unterschied zu
merken -> desto größer muss neuer Reiz für neue Empfindung sein.

3. Ansätze (Zusammenhang von Gehirn, Erleben und Verhalten)

Ansatz 1: Gibt es psychologische Variablen, die mit Verhalten korrelieren


- Gehirngröße - Intelligenz
- Hormonspiegel - Stärke des aggressiven Verhaltens

Ansatz 2: Das Gehirn beeinflusst Verhalten (Manipulation der psychologischen Komponente -> Auslösen
von Verhalten)
- elektrische Stimulation -> Auslösen von Aggression
- Hormonzugabe -> Stärke des aggressiven Verhaltens

Ansatz 3: Verhalten beeinflusst Gehirn (Manipulation des Verhaltens -> Einfluss auf psychologische
Komponente)
- Präsentation eines Kontrahenten -> Veränderung des Hormonspiegels
- Übung -> anatomische Veränderung der Nervenzellen

4. Neuronale Plastizität: Verhalten verändert Gehirn


- Reizreiche Umwelt -> positive Wirkung auf Entwicklung & Funktionen des Gehirns
- z.B. Veränderungen der kortikalen Strukturen bei Musikern (größere Areale zur Repräsentation)
5. Fazit
- Allgemeine Psychologie versucht psychische (mentale) Prozesse mit naturwissenschaftlichen Methoden
zu messen und erklären
- Ziel: Allgemeingültige Gesetze, Prinzipien und Zusammenhänge aufzudecken
- Methode: durch Beobachtung neuronaler Aktivität erkennen, was jemand sieht, denkt, plant und fühlt

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2. Sitzung: die biologischen Grundlagen des Erlebens und Verhaltens

1. Einführung

Prinzip der Wahrnehmung


- Unbewusste Wahrnehmung von Informationen aus der Umwelt
- Ständiges Filtern nicht relevanter Infos -> Informationsflut strukturieren
- Abgleich des Wahrgenommenens mit gespeicherten Vorstellungen
- Mechanismen um Inhalte & Qualitäten der Wahrnehmung zu beeinflussen:
• Steuerung der Aufmerksamkeit
• Wahrnehmungsstrategien
-> Unsere Erfahrungen und unser Nervensystem bestimmten was wir wahrnehmen!!!

2. Eigenschaften der Wahrnehmung


Begrenzungen Nur eine begrenzte Anzahl physikalischer Energien können von den Sinnesrezeptoren
wahrgenommen und zu neuronalen Impulsen umgewandelt werden

Selektivität Aufmerksamkeit ist wichtig, da man schnell etwas übersieht. Bsp. Affenvideo

Konstruktivität Wahrnehmung erzeugt kein Bild, sondern konstruiert eine interne Repräsentation
Kontext- Reize der räumlichen/ zeitlichen Umgebung beeinflussen die Wahrnehmung
abhängigkeit
Korrektheit und Wahrnehmung ist nicht immer korrekt, stellt aber Infos zu Verfügung, um die
Nützlichkeit Reizsituation zu interpretieren

3. Allgemeiner Aufbau des Nervensystems

- unsere Sinne: Visuelle, Auditive,Olfaktorische, Gustatorische und Taktile Wahrnehmung


- weitere Sinne:
• Vestibulärer Sinn (Gleichgewichtssinn)
• Nozizeption (Schmerzempfindung)
• Thermorezeption (Temperatursinn)

- Zentrales Nervensystem (ZNS): das Gehirn und das Rückenmark


- Peripheres Nervensystem (PNS): Somatisch (Fkt: Interaktion mit der Umwelt, Signaltransport für ZNS)
• Afferenzen („hin zum ZNS“)
• Efferenzen („weg vom ZNS“)
- Vegetatives Nervensystem (Fkt: Regulation des inneren Milieus)
• Sympathikus: Mobilisieren von Energieressourcen
• Parasympathikus: Energiereserven aufbauen

4. Gehirnstrukturen und ihre Funktionen

- generell: verschiedene Hirnbereiche haben bestimmte Aufgaben


- Gehirn = Kontrollzentrum des gesamten Nervensystems: 7 Hauptbestandteile
• Rückenmark, Myenzephalon, Pons, Zerebellum, Mesenzephalon, Dienzephalon, Telenzephalon

Das Großhirn (= Telenzephalon)


- besteht aus 2 Hemisphären; von Großhirnrinde bedeckt + tieferliegenden (subkortikalen) Strukturen:
- Basalganglien & limbischen System (z.B.: Hippocampus und Amygdala)
- Hemisphären kontrollieren die jeweils gegenüber liegende (kontra-laterale)
Körperseite

Neurotransmitter
- Def: chemische Substanzen, die wichtig bei der Signalübertragung im
Nervensystem sind
- von Nervenzellen in den synaptischen Spalt ausgeschüttet und docken an
Rezeptoren anderer Nervenzellen an

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Sitzung 3: das visuelle System

1. Einführung

- Arten des Sehens: scharf Sehen, Detailsehen, Dämmerungssehen


- Reizweg:
• Cornea & Linse —> Retina —> Sinneszellen (hier Transduktion, d.h. Umwandlung des Lichts in
elektrische Impulse) —> Sehnerv —> Bahnen kreuzen sich im Chiasma Optimum —> CGL
(Thalamus) —> Infos an primär visuellen Cordes weitergeleitet (Parietallappen) —> weitere Bereiche
(Abgleich Eindruck mit Gespeichertem)

2. Stationen der visuellen Wahrnehmung (Goldstein, S.21)

- visuelle Verarbeitungspfade:
1. Sehnerv zwischen Auge und Kortex
2. primärer visueller Kortex
3. sekundäre visuelle Verarbeitung

3. Licht und Sehen

- sichtbares Licht = Elektromagnetisches Spektrum der Wellenlängen 400-700 Nanometer


- Farbsehen: Zapfen
- Hell-dunkel Sehen: Stäbchen
Des Auge
- Wie sehen wir? zwischen Neuronen & Rezeptoren -> 2 Transformationen
• Transformation des Lichts (in ein Bild)
• Transformation dieses Bildes in elektrische Signale

- Cornea (Hornhaut) & Linse: für Lichtbrechung verantwortlich; Linse durch Kontraktion des Ringmuskels,
an dem sie aufgehängt ist, verformbar
- Retina (Netzhaut): Besteht aus Rezeptoren, Nervenfasern und Ganglienzellen
- Fovea: schärfster Punkt des Sehens bei Helligkeit -> höchste Zapfendichte
- Akkomodation: durch angepasste Krümmung können wir nahe und ferne Objekte fokussieren
(Altersweitsichtigkeit = Akkomodationsschwäche)

1.Normalsichtiges Auge (Emmetropie): Brennpunkt liegt genau auf der Netzhaut

2.Kurzsichtiges Auge (Myopie): Brennpunkt liegt vor der Netzhaut -> Zu langes Auge

3.Weitsichtiges Auge (Hyperopie): Brennpunkt liegt hinter Netzhaut ->zu kurzes Auge
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4. Rezeptoren im visuellen System 


Umwandlung Licht in elektrische Signale


- Veränderung (zerfallen) der Sehpigmente (lichtempfindliche Substanzen) -> Auslösung elektrischer
Signale -> weitergeleitet ans ZNS
• Ca 120 Mio Stäbchen
• Ca 6 Millionen Zapfen
- der Blinde Fleck = rezeptorfreier Bereich; hier verlassen Ganglienzellnervenfasern das
Auge als Sehnerv (Nervus Opticus)
-> Gehirn erzeugt hier Wahrnehmung, die mit dem Stimulusmuster der Umgebung
übereinstimmt

Dämmerungssehen
- Phänomen: Dunkeladaptation (Anpassung der Lichtempfindlichkeit ) -> Veränderung der
spektralen Empfindlichkeit (Farbensehen nimmt ab)
- = Verlagerung vom Zapfensehen zum Stäbchensehen bei Dämmerung
- Zapfen -> Tagesehen = Photoposches Sehen (geringe Konvergenz, hohe Sehschärfe)
- Stäbchen -> Nachtsehen = Skotopisches Sehen (höhrer Konvergenz)

Neuronale Grundlagen
- Neuronale Konvergenz: Ganglienzellen kombinieren neuronale Signale aus einem bestimmten
Netzhautbereich und senden diese durch den Sehnerv zum Gehirn

5. Sehen im Säuglingsalter
- Was nehmen Säuglinge visuell wahr?
• Kortikale Plastizität: Sehrinde ist lange Phase nach der Geburt formbar/ veränderbar
• Unmittelbar nach Geburt: Sehschärfe ist sehr schlecht, verbessert sich in ersten 6 Monaten
- Grund:
• Zapfen liegen weit auseinander und es liegt eine unausgereifte Morphologie vor
• primäre visuelle Kortex (Sehrinde) unentwickelt (weniger Neuronen, Synapsen & Vernetzung)

6. Laterale Inhibition in der Retina


- kurzfristige Zustände des Systems beeinflussen subjektiver Wahrnehmungswelt
- Bsp.: Hermann-Gitter -> durch laterale Inhibition erklärbar
- Wahrnehmen ist kein passives Aufnehmen (Kameraanalogie unpassend) sondern ein komplexes
Netzwerk von Neuronenverbänden (Konvergenzen), die sich gegenseitig beeinflussen z.B. durch
Hemmung (laterale Inhibition)
- Beispiele: Herrmanngitter & Simultankontrast

7. Visuelle Verabreitungspfade
- Retina —> Sehnerv —> Chiasma opticum —> Corpus geniculatum laterale (CGL) —> Colliculus superior
—> Visueller Kortex

Retina:
- extrahiert Farb- & Helligkeitskontraste;
- Kombination der Signale unterschiedlicher Rezeptoren -> Entstehung rezeptive Felder
- Rezeptoren leiten Infos über Zwischenneurone an Ganglienzellen weiter:
1) M-Typ-Zellen (magnozellulär): große rezeptive Felder und neuronale Antwort auf grobe achromatische
Lichtmuster

2) P-Typ-Zellen (parvozellulär): kleine rezeptive Felder und neuronale Antwort auf feine chromatische und
achromatische Lichtmuster

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Sehnerv: Corpus genuculatum laterale
- Funktion: Regulation des Informationsflusses von Retina zum visuellen Cortex
- neuronale Karte der Netzhaut im CGL ist retiontrop: jeder Ort im CGL entspricht Ort auf Netzhaut
- Aufbau
• 6 Zellschichten (enthalten Signale von je einem Auge)
• Schicht 1 + 2 -> Input von M-Ganglienzellen: Wahrnehmung von Bewegung
• Schicht 3,4,5 und 6 -> Input von P-Ganglienzellen: Wahrnehmung on Farbe, Form und räumlicher
Tiefe

primär viseuller Kortex (PVC, V1)


- Aufbau
• Retinotope Organisation und hat 3 Arten von Kortexzellen (Hubel und Wiesel)

Kortexzellen des PVC


Einfache Kortexzellen - Stärkste Antwort auf Balken bestimmter Ausrichtung

Komplexe korteszellen - stärkste Antwort auf bestimmte Bewegungsrichtung

Endinhibierte Kortexzellen - Antwort auf Ecken, Winkel

Weitere Verarbeitungswege visueller Informationen:


- Hinweis auf 2 Pfadsysteme: Wo-Pfad (dorsal) und den Was-Pfad (ventral)
- Prinzip: neuronale Verschaltung stattet Neuronen mit Eigenschaften aus, die sie zu Merkmalsdetektoren
machen

8. Krankheiten: Visuelle Agnosien (nicht erkennen)

- Apperzeptive Agnosie: Beeinträchtigung der Fähigkeit, visuelles Material trotz weitgehend normaler
visueller Elementarleistungen (Visus, Kontrast, Gesichtsfeld, Exploration) aufzuschlüsseln

- Assoziative Agonie: Unfähigkeit, die Verknüpfungen zu den semantischen Aspekten (Größe, Gewicht,
Essabrkeit, Geschmack, Form, Farbe, Beweglichkeit) eines Objektes, trotz korrekter Erkennung des
Gegenstandes, herzustellen
- Können: Kopieren, perzeptuell Gruppieren
- Können NICHT: aus dem Gedächtnis zeichnen, Objekte benennen, Funktionen zuordnen 

- Läsionslokalisation Agnosien:
- Apperzeptiv: große bilaterale Schädigung lateral okzipitaler Regionen (Kohlenmonoxidvergiftung)
- Assoziativ: Schädigung ventraler Regionen, die in Verarbeitungshierarchie an späterer Stelle stehen

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Sitzung 4 & 5: Aufmerksamkeit und Wahrnehmung + 6: Aufmerksamkeit

1. Einführung

Definition Wahrnehmung:
- Kontinuierliches Überprüfen von Hypothesen mit gewonnener Erfahrung
- Wahrnehmungsorganisation = Zusammenfügen sensorischer Informationen + Hervorbringen kohärenter
Wahrnehmung

Definition Aufmerksamkeit:
- = Fähigkeit zur Fokussierung auf wichtige Infos + Ausblenden von subjektiv irrelevanten Informationen
• beeinflusst Fokus und Effizienz der Wahrnehmung
• begrenzte Verarbeitungskapazität + Ablenkbarkeit -> Schutz vor Überlastung durch Selektion
- Bei Überlastung der Aufmerksamkeit: Nicht-Wahrnehmen von Dingen
- Veränderungen wird eher wahrgenommen, wenn Ort vorher selektive Aufmerksamkeit zugewiesen (cue)
- Cocktailparty-Phänomen: Verdeutlicht auch unsere begrenzte Verarbeitungskapazität und Ablenkbarkeit
- Aufmerksamkeitsprozesse
• ermöglichen Lenkung des Bewusstseins auf Bereich zugänglicher Infos zu lenken (Goldstein s. 129)
• Bsp: Fixationen & Sakkaden bei Bildbetrachtung

2. Aufmerksamkeitsdimensionen (Zoomeren & Brouwer)


- Intensität
• Alertness = Empfänglichkeit für Stimulation und Breitschaft zu reagieren (tonisch: genereller Grad für
Wachheit, Voraussetzung Bewusstsein; phasisch: kurzfristige Steigerung der Alertness durch außen
Stimuli (Warnreiz); intrinsich: durch innere Sitmulation)
• Daueraufmerksamkeit/ Vigilanz: Aufrechterhaltung eines Aufmerksamkeitsniveaus über längeren
Zeitraum (Vigilanz ist bei niedriger Reizfrequenz, z.B. Autobahn bei Nacht)

- Selektivität
- Selektive Aufmerksamkeit: Fokus auf bestimmte Reize & Unterdrückung irrelevanter
- Geteilte Aufmerksamkeit: Überwachung mehrerer Informationsquellen; automatisierte Handlung
brauchen wenig -> parallele Verarbeitung nötig & kontrollierte Handlungen verbrauchen viel ->
serielle Verarbeitung nötig


- Inhalt (Räumlich, eigenschafts-basiert, objekt-basiert (Bsp: Cocktailparty-Phänomen -> Gruppierung


auditiver Infos nach örtlicher Quelle)

Die räumliche Aufmerksamkeit (Aufmerksamkeit als Spotlight)


- Aufmerksamkeit kann flexibel im Raum verschoben werden (ähnlich wie Augenbewegung)
- Disengage (Lösen) - Shift (Verschieben) - Engage (fixieren) (beschreiben die einzelnen Komponenten der
Verschiebung)

- Aufmerksamkeit als Spotlight -> Reize, die am Ort des „Spotlights“ sind, werden besser verarbeitet: die
Reaktion kann durch validen Cue verschnellert werden (durch Cue wird Aufmerksamkeit wie Lichtkegel
verschoben)

- Zusammenhang: Ausrichtung Aufmerksamkeit & Augenbewegungen

3. Modelle zur Aufmerksamkeitsselektivität

a) Filtertheorie (Broadbent) - frühe Selektion anhand physikalischer Reizeigenschafte


b) Theorie der späten Selektion (deutsch & Deutsch) - Späte, reaktionsbezogene selektion, Analyse auch
in Bezug auf Bedeutung und nicht nur der Oberfläche
c) Attenuation-Theorie (Treisman) - Zeitpunkt der Selektion ist flexibel, aber relativ früh und die
Verarbeitungstiege einzelner Kanäle variiert. Die Verarbeitungsstufen sind hierarchisch organisiert

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4. Aufmerksamkeitslenkung
- Definition: schnellere Reaktion und verminderte Fehleranfälligkeit, wenn der Hinweisreiz (cue) richtig war
-> Aufmerksamkeit richtig ausgerichtet

a) Bottom-up: (von außen) automatisch, unwillkürlich -> Farbe, Gesichter


b) Top-down: (von innen) kontrolliert, willkürlich, handlungsgesteuerte Selektion

- Lenkung durch Stimulussalienz (perzeptive selektion)


• Sensorische Merkmale von Objekten/Ereignissen ziehen automatisch und unabhängig von Zielen
Aufmerksamkeit auf sich (von außen; bottom-up)
• Bsp. Farbe, Form, Kontrast, Bewegung von visuell erfassten Objekten; Gesichter (biologische &
soziale Bedeutsamkeit)

Phänomene:
- Unaufmerksamkeitsblindheit: etwas nicht wahrnehmen, da man seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes
lenkt
- Veränderungsblindheit: Unwissenheit über Ort der Veränderung -> wird nur schwer oder gar nicht
wahrgenommen
- Interferenz: langsamere Reaktion und erhöhte Fehleranfälligkeit, wenn Schriftfarbe und Farbwort nicht
übereinstimmen -> Verarbeitung stört sich gegenseitig

5. Prinzipien der Wahrnehmungsgruppierung


- Wahrnehmungsorganisation: Das Ganze (die Gestalt) = mehr als die Summe seiner Teile
Gestaltpsychologische Gesetze
a) Gesetz der guten Gestalt -> Einfachheit
b) Gesetz der Zugehörigkeit -> Aussehen der Fläche beeinflusst wo sie hingehört

Gestaltpsychologische Prinzipien
Prinzip der Nähe Einander am nächsten liegende Elemente sind zusammengehörig
(Gruppe)
Prinzip der Ähnlichkeit Die ähnlichsten Objekte werden als Gruppe wahrgenommen.

Prinzip der guten Fortsetzung Wir sehen Linien als durchgehend, selbst wenn sie unterbrochen sind.

Prinzip der Geschlossenheit Neigung kleine Lücken aufzufüllen und sinnvoll zu ergänzen

Prinzip des gemeinsamen Neigung, Objekte, die sich in die selbe Richtung bewegen = eine Gruppe
Schicksals

6. Wahrnehmung räumlicher Tiefe


- (= Abstand zwischen Beobachter und Objekt)
- Verarbeitung von Infos über Ort und Richtung von Objekten
- Informationsquellen über Distanz = Tiefenkriterien
Tiefenkriterien: S.105
a) Binokulare Hinweise durch Vergleich visueller Infos beider Augen:

binokulare Tiefenhinweise:
- Retinale Querdisparation = Bildvergleich beider Augen -> Erzeugung einheitlicher
Wahrnehmung eines einzelnen Objekts in räumlicher Tiefe

- Akkomodation: Gehirn nutzt Informationen von den Augenmuskeln -> Beurteilung räumlicher
Tiefe

a) Bewegungs- Information über räumliche Konstellationen durch eigene Bewegung


induzierte

a) Monokulare - Interposition: Verdeckte Objekte sind in der Regel weiter entfernt


(2D)
- Relative Größe: Nähere Objekte projizieren größere Bilder auf Retina

- Linearperspektive: Wir interpretieren Linien im oberen Teil des Bildes als weiter weg)
- Texturgradienten: Dichte steigt mit wachsender Entfernung

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7. Wahrnehmungskonstanz
- Def: Stabile Wahrnehmung der Umwelt trotz der Veränderungen der Stimulation sensorischer Rezeptoren
Größenkonstanz - Die Fähigkeit, die Größe eines Objekts trotz Veränderungen des retinalen Abbildes zu
erkennen (Objektgrößen durch Tiefenkriterien beeinflusst)

Helligkeitskonstanz - Fähigkeit, achromatische Farben unter Veränderungen der Lichtmenge als relativ konstant
wahrzunehmen schwarz -> 5%; weiß -> 80-90%)

Farbkonstanz - Fähigkeit, Farben unter veränderlicher Beleuchtung als relativ konstant wahrzunehmen

8. Neuronale Grundlagen von Aufmerksamkeit

- Aufmerksamkeit beeinflusst neuronale Aktivität: Beachten eines Reizes -> stärkere Aktivierung
entsprechender Zellverbände
- Dennoch gibt es im Gehirn nicht nur Ein Aufmerksamkeitszentrum

Intensiät
Viliganz-netzwerk/ Retikuläres System
Aufsteigendes Retikuläres Aktivierungssystem
- Von formatio reticularis (Neuronennetzwek, das sich durch Hirnstamm zieht) —> zum
Thalamus —> weiter zum Kortex (dort aktivierender Einfluss)

Selektivität
Anteriores/ Frontales Netzwerk
- Bewusste Steuerung der Aufmerksamkeit (top-down)

- Selektive und Geteilte Aufmerksamkeit


- Läsionen: z.B. Erhöhte Ablenkbarkeit (z.B. Stroop-Aufgabe)
Räumliche Posteriores/ Parietales Netzwerk
Aufmerksamkeit - Ermöglicht räumliche Verschiebung
- Läsionen: z.B. räumlicher Neglect

9. Exkurs: Neglect

- Definition:
• Nichtbeachten von Reizen auf (meistens) linker Seite (Reize, die kontralateral zur Schädigung liegen)
• nicht durch Störung der primären visuellen Verarbeitung erklärbar
• Explorationsverhalten betroffen (Suchverhalten)
- Erklärungsmodelle
• Aufmerksamkeitshypothese (Posner): Beeinträchtigung der räumlichen Aufmerksamkeitsausrichtung
(Lösen und Verschieben der Aufmerksamkeit)
• Repräsentationshypothese (Bisiach und Luzetti): Fehlen mentaler Repräsentationen —> Folge:
Nichtbeachten äußerer Reize
• Transformationshypothese (Karnath): Raumrefernzsysteme = „Koordinatensystem“ für räumliche
Einordnung der Außenwelt, welche auf der Transformation multimodaler Infos aus der Umgebung
basieren —> Transofrmationsprozess beeinträchtigt

10. Fazit

- Wahrnehmungsorganisation = Prozess, der einzelne Elemente aus unserer Umgebung hervorhebt und zu
einer Einheit verbindet
- Prozesse: z.B. Aufmerksamkeitsprozesse, Gestaltkriterien, Prinzipien von 3D und 2D sehen,
Wahrnehmungskonstanz
- Aufmerksamkeit erlaubt uns relevante Infos wahrzunehmen und irrelevante zu ignorieren
- Aufmerksamkeitsdimensionen: Intensität (Alertness vs. Daueraufmerksamkeit); Selektivität (Selektiv vs.
Geteilt); Räumliche Aufmerksamkeit (Lösung, Verschiebung, Fixierung)
- Durch Cue: bessere Aufmerksamkeit
- Mehr als ein Aufmerksamkeitzentrum im Gehirn: ARAS (Intensität), Anteriores Netzwerk (Selektivität),
Posteriores Netzwerk (räumliche Aufmerksamkeit)
- Neglect: Nichtbeachtung von Reizen (meist links) als Folge von Läsion im Hirn

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Sitzung 7: Auditive Lokalisation und Wahrnehmungsorganisation (Kapitel 12)

1. Einführung
- Auditive Lokalisation: Lokalisation verschiedener Schallquellen
- Auditive Szenenanalyse: Zeitgleiche Wahrnehmung verschiedener Schallquellen
- Metrische Struktur: Wahrnehmung von Takt und Grundschlag
Das Ohr: die Cochlea

2. Auditive Lokalisierung

- Wahrnehmung mehrerer Schallquellen und deren Herkunft im Raum durch Vergleich von
Positionsinformation im visuellen und auditorischen System:
• Visuelles System: A & B an verschiedenen Orten -> Abbildung auf unterschiedlichen Positionen auf
Retina
• Auditorisches System: gemeinsame Ausbreitung der Frequenzen entlang der Cochlea unabhängig von
Ausgangspositionen

2.1. Positionsreize (zur Unterscheidung, von wo zwei Reize kommen)

Binaurale Positionsreize:
- Nutzen von Informationen, die mit den Schallreizen in beiden Ohren ankommt, um die Links-rechts-
Position (Azimut) des Schalls zu bestimmen (Lokalisation Schallquelle)

interaurale Zeitdifferenz Größer, je weiter seitlich die Schallquelle ist Effektiv bei niedrigfrequenten
Schallwellen
interaurale Durch Hindernis “Kopf” wird ein Schallschatten Effektiv bei hochfrequenten
Pegeldifferenz erzeugt, dadurch ist der erreichende Pegel auf Schallwellen
der anderen Ohrseite schwächer
-> interdurale Zeit- und Pegeldifferenz ergänzen sich zum spektralen Hinweisreiz:

- Def: Positionsinformation wird durch Unterschiede in der Frequenzverteilung vermittelt


- Frequenzverteilung ergibt sich aus Position der Schallquelle (je nach Ort verschiedenes
Frequenzspektrum)

Monaurale Positionsreize:
- Def: Nutzen Informationen, die nur in einem Ohr ankommen zur Bestimmung der Elevation (Höhenwinkel)

Spektraler Hinweisreiz:
- Gibt unterschiede zur Frequenzverteilung (spektrum), die sich aus der Position der Schallquelle ergeben,
da der Schall vom Kopf und der Ohrmuschel reflektiert wird

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2.2. Physiologie der auditiven Lokalisierung

Die Hörbahnen (S. 292)


- erst: Obere Olive:
• Zusammentreffen der Signale aus beiden Ohren -> so tritt die binaurale Lokalisation ein
- Dann: Entlang der Hörbahnen: Zusammentreffen der Signale beider Ohren -> gemeinsames Weiterlaufen
zum primären auditorischen Kortex

Auditive Lokalisation und auditorischer Kortex: Was- & Wo-Bahnen für das Hören
- Was-Strom (ventral): Identifikation von Schallereignissen
- Wo-Strom (dorsal): auditive Lokalisation 

Jeffress-Modell der - Neuronen sind so verschaltet, dass jedes Neuron Signale von beiden Ohren
auditiven erhält

Lokalisierung (1948)
- Jeffress-Modell: Schaltkreis mit mehreren Zeitdifferenzdetektoren, die auf
(s. 293) bestimmte Zeitdifferenzen abgestimmt sind und dann feuern. Ausschlaggebend
ist, an welchem Ort der Schall zuerst auftrifft und an welchen Neuronen die
Signale zeitgleich auf einander treffen.

- Die Zeitdifferenz & die Lokalität von Schallquellen -> bestimmt durch Ort der
feuernden Neuronen

Empirische Belege

- Neuronen in linker Hemisphäre: auf Bereich binauraler Zeitdifferenzen


abgestimmt + Antwort auf Schall von rechts

- Neuronen in rechter Hemisphäre: auf Bereich binauraler Zeitdifferenzen


abgestimmt + Antwort auf Schall von links
Aktuelle - Positionsinformationen ergeben sich bei Säugetieren aus verteilter Ortskodierung
Hypothesen bzw. aus interhemisphärischer Balance der neuronalen Aktivität

Wahrnehmungsorganisation beim Hören


- Szenenanalyse: wenn man im Freien ist hört man den direkten Schall, in räumen auch den indirekten
• Probleme: Schallreize sind meist komplex und wenn man mehrere gleichzeitig hört, dann kann man
sie nur schwer anhand ihrer Wellenlänge auseinanderhalten/ Schallquelle bestimmen

Prinzipien zur Gruppierung Schallinformationen


Herkunftsort - 2 Schallsignale mit unterschiedlicher Position -> getrennte Schallquellen
- interaurale Pegel- & Zeitdifferenz (binaurale Positionsreize) sind hilfreich
Einsatzzeit - gleichzeitig einsetzende Schallereignisse -> gleiche Quelle

Tonhöhe & - Töne, mit ähnlicher Klangfarbe -> gleiche Quelle


Klangfarbe
Guter Verlauf - Töne mit konstantem zeitlichen Verlauf -> gleiche Quelle

- Töne gleicher Frequenz -> kontinuierliche Wahrnehmung


-> Wichtig: Erfahrung und Zusammenwirken der Prinzipien

Das Metrum
- Fähigkeit zur Wahrnehmung von Tonfolgen als bestimmten Rhythmus oder Metrum
- Verschiedene Sprachen -> unterschiedliche Betonungsmuster
-> da wahrgenommene metrische Struktur mehrdeutig ist gruppieren wir sie in zeitlicher Abfolge
entsprechend unseren Erfahrungen z.B. Sprache

3. Zusammenfassung
- Auditive Lokalisation:
• beim Hören gibt es keine Ortskodierung bei den Hörrezeptoren (Gegensatz Sehen)
• Schallquellen lokalisieren: auditorisches System nutzt spektrale Information + Positionsreize (binaurale
Pegel- & Zeitdifferenzen)

- Auditive Szenenanalyse: Auditorisches System nutzt Hinweise (Positionsreize, Zeitdifferenzen, Tonhöhe


und Erfahrung) um Schallquellen zu identifizieren

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Sitzung 8: Objektwahrnehmung

1. Wahrnehmungsorganisation
- Prosopagnosie = Gesichtsblindheit
- Agnosie = Unfähigkeit Reize zu erkennen (keine generelle intellektuelle Beeinträchtigung, keine
Sprachstörung)

Objektwahrnehmung
- Organisationsprinzipien: Trennung Objekt - Hintergrund für Objekterkennung
- Figur – Grund Problem: Wodurch entscheidet es sich was wir als Objekt wahrnehmen?
-> Antwort = Bedeutung eines Stimulus (Wahrnehmung der Objekte als solcher bei subjektiver
Bedeutung)

Zwei Prozesse der Wahrnehmungsorganisation


- 1. Segmentierung: das eine befindet sich vor dem anderen/ links/ getrennt
- 2. Gruppierung: alle hellen Flächen bilden zusammen ein Objekt
- Analyse der Objekte im visuellen System hinsichtlich ihrer Ortsfrequenz
- globale Eigenschaften -> schnell analysiert

2. Gestaltkriterien/-prinzipien
- Max Wertheimer, Kurt Koffka, Wolfgang Köhler
- Phi-Phänomen: Scheinbewegung nacheinander aufleuchtender Punkte (Wertheimer)
Gestaltpsychologie:
- Begründer Max Wertheimer
- Reaktion auf die Elementenpsychologie, nach der sich unsere Wahrnehmung aus kleinen Teilstücken
(Elementaren Empfindungen) aufbaut
- Die GSP hält dagegen; Das Ganze (die Gestalt) ist mehr als die Summe seiner Teile (gestalttheoretische
Erklärung der Wahrnehmungsorganisation)

-> Unter Gestaltprinzipien verstehen wir einen Satz von Regeln, die beschreiben, welche Wahrnehmungen
entstehen, wenn bestimmte Reizbedingungen gegeben sind.

Prägnanz: Prinzip Muster wird so gesehen, dass resultierende Struktur so einfach wie
der guten Gestalt möglich ist
Kontinuität Miteinander verbundene Bildelemente werden i allgemeinen als teil
derselben Figur gesehen.
Nähe bildelemente, die nah beisammen sind werden als teil derselben
Figur gesehen
Ähnlichkeit Automatische Gruppierung ähnlicher Elemente zu einem Objekt

Gemeinsamen Ähnlichen Objekten schreiben wir eine gemeinsame Raum-zeitliche


Schicksal Veränderung zu

(Teilmengen von Bild bewegen sich in gleiche Richtung:


Hervorhebung als Figur)
Geschlossen-heit bildelemente, die einen geschlossenen umriss bilden werden als
Objekt wahrgenommen
Gute Fortsetzung Bildelemente werden als fortlaufend wahrgenommen (hier zwei sich
kreuzende Linien statt zwei spitzen)
Symmetrie von symmetrischen Linien umschlossenen Bereiche werden als
Vordergrundfiguren wahrgenommen

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3. Merkmalsintegrationstheorie Ann Treisman (1987)
= Objektwahrnehmung durch zwei Stufen!; Rolle des Hintergrundes ist entscheidend für das, was man sieht.

1. Stufe: Präattentive Verarbeitung: Zerlegung des Reizmusters in seine Elementarmerkmale

2. Stufe: Aufmerksamkeitsgerichtete Verarbeitung: Zusammenfassung diese Elementarmerkmale zu einem


Ganzen

Bewusst/ Unbewusst?
- Das Bewusste: augenblickliche Wahrnehmung und Gedanken
- Das Vorbewusste: Erinnerungen, Wissensinhalte, die durch selektive Aufmerksamkeit i. Gedächtnis
gerufen werden
- Das Unbewusste: verdrängte, unangenehme Erinnerungen oder schlechte Triebwünsche
Wahrnehmung des Objekts aus Elementarmerkmalen
A) Präattentive Stufe: rasch verlaufendend; Identifikation der Elementarmerkmale
B) Stufe der gerichteten Aufmerksamkeit: langsamker; Elementarmerkmale werden zusammengesetzt
C) Wahrnehmung eines dreidimensionalen Objeksts
D) Vergleich dieses Objekts mit im Gedächtnis gespeicherter Repräsentation
E) Bei Übereinstimmung -> Identifikation des Gegenstands

4. Fazit
- zwei Prozesse der Objektwahrnehmung: Segmentierung und Gruppierung
- Gestaltprinzipien: Regeln, die unsere Wahrnehmungen beschreiben
- Merkmalsintegrationstheorie: Objektwahrnehmung in zwei Stufen (Zersetzung in Elementarmerkmale und
Zusammensetzung)
- Objektwahrnehmung in 4 Schritten: Merkmalsidentifikation, Verknüpfung der Merkmale,
Objektwahrnehmung, Einfluss Gedächtnis

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Sitzung 9: Hören (Kapitel 11)

1. Einführung

Was ist Hören?


- Wir hören Schallwellen (Luftdruckschwankungen), die sich wellenförmig ausbreiten
- Geschwindigkeit in Luft: 335 m/sec (Lichtgeschwindigkeit: 300.000 km/s)
- Wir hören ca. Ab dem 4 Monat und ab dem 6. Ist unser Hörapparat komplett ausgebildet
Funktionen des Hören:
- Kommunikation
- Gedankenaustausch
- Sprache
Verarbeitung im Gehirn:
- Tonhöhe -> Was-Bahn (Temporallappen)
- Lokalisation -> Wo-Bahn (Parietallappen)
2. Tonhöhe und Frequenz

Tonhöhe & Frequenz:


- ein Ton wird durch 3 Aspekte beschrieben:
• Tonhöhe: Abhängig von Frequenz; Angabe in Schwingung/ Sek. (Hz); je schneller desto höher der Ton
• Lautstärke: Abhängig von Intensität; Amplitude (Höhe der Schwingung -> je größer, desto lauter)
• Klangfarbe

Unterschiede zwischen Farb- und Tonhöhenwahrnehmung

A. Tonhöhenwahrnehmung erfasst einen breiteren Reizbereich als Farbwahrnehmung


- sehen Lichtwellen von 380 - 800 nm (etwa 1 Oktave)
B. Empfindungsqualitäten: Frequenz des tiefsten hörbaren Tons muss man 10x verdoppeln um den
höchsten Ton zu erreichen (20 Hz – 20.000 Hz)
- Wir hören also 10 Oktaven
C. 3: Mischung vs Zerlegung:
- Im Auge: Integration von Lichtwellen verschiedener Wellenlänge zu einer einzigen Farbempfindung.
- Im Ohr: komplexe Schallwellen werden in seine Bestandteile zerlegt

3. Fazit
- wir hören Schallwellen unterschiedlicher Frequenz
- Funktion des Hörens: Kommunikation
- Verarbeitung des Tons über zwei Bahnen: Wo- und Was Bahn

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Sitzung 10: Farbwahrnehmung

1. Einführung

Funktion der Farbwahrnehmung


- Erkennen von Objekten und Mustern
- Verstärkung des Kontrasts
Bsp. Ist eine Tomate rot? -> nein!
- Lichtstrahlen haben keine Farbe (Isaac Newton, 1704)
- Farbe ist keine Eigenschaft des Gegenstands, sondern sie entsteht im Gehirn
Prinzip der Farbwahrnehmung
- Zusammenhang zur physikalischen Wellenlänge des Lichts
- Sichtbares Spektrum: kurze Wellenlängen (400nm) bis lange (700 nm)
- Wahrgenommene Farbe: Mischung der Wellenlängen, die Gegenstände reflektieren
- 3 getrennte Zapfensysteme für unterschiedliche Bereiche des sichtbaren Spektrums (hemmen sich
gegenseitig -> Kontraste erzeugen)

2. Farben

- Farbkonstanz: relative gleichbleibende Wahrnehmung der Farbe eines Objekts auch wenn es von Licht
mit unterschiedlichen Spektren beleuchtet wird
- Helligkeitskonstanz: gleichbleibende Wahrnehmung der achromatischen Farben eines Objekts (Weiß,
Grau oder Schwarz), bei Beleuchtung mit Licht unterschiedlicher Intensität

Farbsehen
- ist eine Sinnesempfindung
- Weißes Licht: Mischung aller Spektralfarben
- Farbempfindung bestimmt sich aus: Wellenlänge, Intensität, Sättigung
- Achromatische Farben: Weiß, Schwarz, Grauschattierungen
- Chromatische Farben = Farbton Blau, Rot, Grün, Gelb
- Additive Farbmischung (Licht) -> physiologisches Phänomen
- Subtraktive Farbmischung (Farbe) -> Physikalisches Phänomen

3. Theorien des Farbensehens:


- 1: Rezeptoren reagieren mit unterschiedlichen Antwort-Mustern auf unterschiedliche Wellenlängen
(Dreifarbentheorie)

- 2: Farbsehen beruht auf gegensätzlichen Antworten, die durch Blau und Gelb bzw. Rot und Grün
ausgelöst werden (Gegenfarbentheorie)

Drei Farben Theorie (Young und Helmholtz)


- Farbwahrnehmung beruht auf drei Rezeptorsystemen mit jeweils unterschiedlicher Empfindlichkeit
- An Codierung der Wellenlänge ist mehr als ein Rezeptor beteiligt
- Farbmischung: Zusammenfügung von min. 2 Lichtquellen
- Farbpigmentmischung: Kombination von min. 2 Farbpigmente
Die Gegenfarbentheorie (Ewald Hering)
- Rot & Grün, sowie Blau un&d Gelb sind zu je einem Gegensatzpaar verbunden, indem sie sich ständig
erregen oder hemmen um einem Gleichgewicht nachzugeben

4. Annomalien
- Monochromasie (völlige Fabenblindheit)
• Ursache: genetischer Defekte der Photorezeptoren oder Erkrankungen der Retina
• Sehvorgang auf Stäbchen beschränkt -> sehen der Helligkeitsschattierungen -> nur schwarz-weiß
- anomale Trichromaten:
• größter Teil der Farbfehlsichtigen
• alle 3 Zapfenarten vorhanden
• Verschiebung des spektralen Empfindlichkeitsbereich einer Zapfensorte
- Dichromasie (Zweifarbensehen)
• Fehlen von 1 der 3 Zapfenarten -> Unterscheidbarkeit von Farbreizen eingeschränkt (braucht 2
Wellenlängen für Herstellung aller anderen Wellenlängen des Spektrums)
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Visuelle Agnosien

- Apperzeptive Agnosie: Fähigkeit, visuelles Material trotz weitgehend normaler visueller


Elementarleistungen aufzuschlüsseln, ist beeinträchtig.
- Assoziative Agnosie: Zwar erkennt man Objekt richtig, schafft es aber ist eine richtige Verknüpfung zu
semantischen Aspekten wie Geschmack, Farbe, Form herzustellen. Patienten können kopieren aber nicht
aus dem Gedächtnis zeichnen/ benennen.

- Läsionslokalisation Agnosie
• Apperzeptiv: meist große bilaterale Schädigung der lateralen okzipitalen Regionen
• Assoziativ: Schädigung zentraler Regionen, die in der Verarbeitungshierachhie an späterer Stelle
stehen

Zapfen Stäbchen

- farbe
- Schwarzweiß

- 6 mio
- 120 mio

- Iodopsin
- Rhodopsin

- In der Fovea
- Rand der Netzhaut

- Schwarzes Sehen
- Unscharfes Sehen

- Weenier Lichtempfindlich
- Lichtempfindlich

- Schnelle Reizweiterleitung - Langsame Reizweiterleitung

5. Fazit
- Farbe: Resultat der reflektierten Lichtwellen des Objekts; entsteht im Gehirn
- 2 Theorien des Farbsehens: Dreifarbentheorie und Gegenfarbentheorie
- Annomalien: Monochromasie, Trichrimatie, Dichromatie

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Sommersemester 2019

Sitzung 1: Emotion: Einführung, Komponenten, Klassifikationen

1. Eine kurze Geschichte der Emotionspsychologie

- Platon

Antike Philosophie - Dreiteilung heute: Emotion, Kognition und Motivation

Gründerzeit - «Goldene Epoche»


experimenteller Psy - Charles Darwin, William James & Wilhelm Wundt

- «dunkle Epoche», Beginn 20. Jhd


Behaviorismus und die - Mensch als Black-Box

kognitive Wende - Wichtige Vertreter: Pawlow, Watson, Skinner

- Wichtige Vertreter: Panksepp, LeDoux, Damasio


Affektive Wende

2. Definition von Emotion

Aspekte/ Merkmale von Emotion:


- Intentionalität: Objektgerichtetheit
- Affektivität: Gefühlscharakter, Empfinden
- Zeitliche Dynamik: Kopplung an Bezugsobjekt -> zeitliche Begrenzung 

Arbeitsdefinition:
- « Emotion = auf ein Objekt ausgerichtete affektive Reaktion, die mit zeitlich befristeten Veränderungen
des Erlebens und Verhaltens einhergeht.»

Beispiel:
Kurz vor Prüfungen habe ich immer Angst

Abgrenzungen
- Stimmung: längere Dauer, diffuser, kein Objektsbezug
- Emotionale Disposition (Temperament): zeitlich anhaltend, Persönlichkeitseigenschaft
- Einstellungen: zeitstabile, Beurteilungen eines Objekts -> keine Emotionen!
- Motivation: aktives Streben zu einem Zielzustand; Bezugsobjekt in Zukunft (Emotionen auch
Vergangenheit)

3. Emotionskomponenten am Beispiel Prüfungsangst

-> Anna muss einen Vortag halten.

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Komponente

Kognition - Einfluss der Emotion auf Kognition:

• Aufmerksamkeitslenkung

• Beanspruchung Ressourcen

• Selektive Zugänglichkeit von Gedächtnisinhalten


Physiologie - Aktivierung im Hirn: limbische, teporale und präfrontale Hirngebieten

- Einfluss der Emotion auf körperlicher Ebene


Motivation - Emotionen erzeugen Handlungsbereitschaften und Motivationen

Ausdruck - Emotion beeinflusst Gestik, Haltung, Stimme und Mimik

- nonverbales Verhalten: soziokulturell bestimmt durch „Benimmregeln“! ->


direkter Schluss von Ausdruck auf emotionale Befindlichkeit = unzulässig

Erleben - Gefühl innerer Unruhe und körperlich angespannt

- Kennzeichen Emotionen: Veränderung des momentanen Erlebens (Subjektive


Erfahrung). -> verschiedene Emotionen - unterschiedliche Empfindungen

- Probleme:
• Erfassung nur über Selbstbericht:

- Sprache: Verzerrung durch 



sprachliche Gepflogenheiten
- Beschränkung auf bewusst zugängliche Inhalte
- Problem der Qualia: Schwierigkeit subjektives Erleben intersubjektiv zu
vergleichen

4. Klassifikation von Emotionen


Diskreter Ansatz: - Wenige „primäre“ Emotionen

- Dimensionaler Ansatz: Suche nach grundlegenden Dimensionen (z.B. Lust vs.


Unlust)

- Primäre Emotionen/Basisemotionen

• Universell (unabhängig von Alter, Geschlecht, Sozialisation)

• Angeboren
• Universelle Auslöser (hohe Erkennungsraten der Ausdrücken über Kulturen)

• Aber: hohe Variabilität, d.h. viele Gesichtsaudrücke f. 1 Emotion)

• Automatisch ausgelöst (schnell und unbewusst)

- Angst/Furcht, Wut, Freude, Trauer (uneinigkeit welche)

- Mischung ergibt Vielfalt: Liebe = Freude + Akzeptanz


Dimensionaler - Bausteine von Emotionen sind zugrundeliegende Dimensionen (nicht diskrete
Ansatz: Emotionen)

- Modell von Wundt (1874): 3 Dimensionen


• Lust/ Unlust (valenz)

• Erregung/ Beruhigung (Aktivierung)

• Spannung/ Lösung (Erwartungshaltung)

- Bestätigung von Valenz und Erregung

- Kritik:

• Verzerrung durch Sprache

• Limitation auf bewusst zugängliche Inhalte

• Dimensionen = Datenabhängig & müssen inhaltlich interpretiert werden

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Modaler Ansatz: - Mischung: Aspekten diskreter und dimensionaler Ansätzen

- Basiert auf kognitivem Prozessmodell


• Kognitive Situationseinschätzungen -> Veränderungen in emotionalen
Reaktionssystemen

Kognitives Prozessmodell von Emotion


- Wiederholte Konfrontation mit Herausforderungen
- Wiederkehrende Bewertung führt zu ähnlichen Veränderungen der
Emotionskomponenten

- Wiederkehrende Reaktionsmuster
- Zusammenfassung im Sprachgebrauch bspw. als Angst oder 

Freude

- Grundsatz: keine biologisch vorgefertigten Emotionsmodule, sondern


emotionale Reaktionsmuster, die durch sprachliche Kategorisierungsprozesse
erklärt werden

- 4 zugrundeliegende Dimensionen:

• Valenz

• Kontrolle
• Aktivierung

• Neuheit

- Kritik: noch nicht genug Studien -> abschliessende Überprüfung nicht möglich

5. Fazit 


- Die Geschichte der Emotionspsychologie teilt sich in Antike, experimentelle Psychologie, kognitive Wende
und affektive Wende ein
- Arbeitsdefinition von Emotion bezieht sich auf Intention, Dauer und Affektivität
- Die 5 Emotionskomponenten = Kognition, Physiologie, Erleben, Motivation und Ausdruck
- Klassifikation der Theorien in diskrete, modale und dimensionale Modelle 


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Sitzung 2: Emotion: Funktionen, klassische und aktuelle Emotionstheorien und Ansätze

1. Funktionen von Emotionen

- Emotionaler Zustand beeinflusst:


• Aufmerksamkeitslenkung
• Selbst- und Fremdwahrnehmung
• Erinnerung und Interpretation
• Handlungen

Funktionen der Emotionen


Informative - Emotionen sind Orientierungssysteme, Überwachungssysteme und Feedbacksysteme
Funktion
- Sie beeinflussen:
• Aufmerksamkeitslenkung: emotionale Reize -> erhöhte Salienz
• Gedächtnis: bessere & detailgetreuere Erinnerung emotionaler Ereignisse

- Positive Emotionen:
• weite Informationsverarbeitung

- Negative Emotionen:
• detaillierte Verarbeitung
• Zielverfolgung: drängendes Problem -> emotionale Erregung -> Unterbrechung serieller
Informationsverarbeitung -> Neuausrichtung des Verhaltens um Chancen der Umwelt
angemessen zu berücksichtigen

- Dynamisches Modell der emotionalen Handlungsüberwachung (Carver & Scheier):


- Diskrepanz Ist- und Soll-Wert soll ausgeglichen werden
- Reduzierung angestrebtes Ziel (Annäherungsmotivation)
- Erhöhung abgelehntes Ziel (Vermeidungsmotivation)

Motivierende + - Annahme: Emotionen als wichtige „Motivatoren“ bei Zielverfolgung


Handlungs-
- Idee: angeborene emotionale Instinkte für Basisemotionen (Furcht = Flucht; Ekel =
vorbereitende
Abstossen…)

Fkt.
- basierend auf diskreten Emotionsansatz

• Angeborene Basisemotionen

• Automatische Verknüpfung zu Verhaltensweisen

• Automatisches Auslösen (Konditionierung)

- Plutchik: 8 Basisemotionen nach auslösenden Ereignissen

• Furcht -> Schutz, Ärger -> Zerstörung des Hindernisses,

• Freunde -> Ressourcenvermehrung,

• Traurigkeit -> Wiedervereinigung,

• Akzeptanz - > gegenseitige Unterstützung,

• Ekel -> Zurückweisung von Schadstoffen,

• Antizipation -> Exploration,

• Überraschung -> Zeitgewinn für Orientierung

- Kritik: Unterschiedliche Verhaltenstendenzen bei gleicher Emotion, z.B. Angriff statt Flucht in
Bedrohungssituationen

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Sozial- - Annahme: Emotionen als Regulatoren in sozialen Interaktionen
kommunikative
- Regulation zwischenmenschlicher Beziehungen durch Kommunikation von Befindlichkeit
Fkt. - Soziale Signale:
• Befindlichkeit: „So fühle ich mich“
• Verhaltensabsicht: „Das werde ich tun“
• Verhaltensaufforderung: „Das will ich das du tust“

- Emotionen vermehrt in sozialer Interaktion gezeigt

Funktion von gezeigten Emotionen


- Kontaktaufnahme
- bestehende Beziehungen vertiefen
- soziale Position abzusichern

- Positive Emotionen -> vertrauensbildende Funktion: Beziehungen vertiefen


• Liebe, Freundschaft, Vertrautheit

- Negative Emotionen können auch Beziehungen stärken:


• Scham, Schuld, Bedauern: Einsicht bei Regelübertretung
• Hass: Zusammenhalt in einer Gruppe gegenüber Fremden

- Darstellungsregeln: Wann werden welche Emotionen gezeigt?


- Abhängig von
• Soziale Gepflogenheiten
• Kulturellen Werte
• Erziehung

- Wirkung der Emotionen beim Gegenüber -> abhängig von Interpretation:


• „Theory of Mind“: bezeichnet die Fähigkeit, eine Annahme über Bewusstseinsvorgänge in
anderen Personen vorzunehmen und diese in der eigenen Person zu erkennen

2. Klassische Theorien zur Emotionsentstehung (fehlen hier Grafiken?)

Wie entstehen Emotionen?

- 3 wichtige ältere Theorien:


- James-Lange-Theorie (Ende 19. Jahrhundert)
- Cannon und Bard-Theorie (Mitte 20 Jahrhundert)
- Zwei-Faktoren-Theorie nach Stanley Schachter (1964)

James-Lange - von William James und Carl Lange - Kritik:


entwickelt - keine Evidenz für emotionsspezifische
körperliche Reaktionen!
- 2 Annahmen:
1. Emotionales Ereignis führt zu - Aber:
physiologischen Veränderungen • Somatische Maker
2. Körperliche Veränderungen werden • Begründer Facial-Feedback: Studie
als Emotionen wahrgenommen Comic wird witziger beurteilt wenn
Stift zwischen Zähnen statt zwischen
Lippen

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Cannon und Bard - Emotionen sind/haben zentrale - Kritik

Verarbeitungsprozesse im Gehirn
• Unterschiede in der Qualität von
physiologischen Reaktionen

- Prozess: • Physiologie und Erleben sind nicht


• Sensorische Signale vom Thalamus an unabhängig

Cortex (emotionale Interpretation) und


Hypothalamus (Steuerung vegetatives - Aber:

Nervensystem)
• Fight-or-Flight-Reaktion: Evidenz für
• körperliche und psychische ein evolutionäres Notfallprogramm
Reaktionen sind unabhängig und
parallel

• Körperliche Reaktionen unterscheiden


sich in Intensität, aber nicht in Qualität
(Notfallprogramm)
Schachters Zwei- - 2 Komponenten:

Faktoren-Theorie • Physiologische Komponente (Person erkennt körperliche Veränderung ->


unspezifische Erregung)

• Kognitive Komponente (Erklärung der körperlichen Veränderung durch Kognition


= Attribution auf Emotion)

- Sonderfall Fehlattribution: Erregungszustand fälschlicherweise emotionaler


Ursache zugeschrieben (Erklärungsbedürfnis für Zustand)

- Kognition = notwendige als auch hinreichende Bedingung der Emotion

3. Aktuelle Emotionstheorien

3.1. Evolutionsbiologische Theorien


- Emotionsentstehung
• Emotionen sind angeboren
• durch Evolution perfektioniert
- Begründer: Charles Darwin
• Vorgefertigte Reaktionen
• Automatisch und unwillkürlich
- Notfallprogramm
• neurobiologisch enge Kopplung von Emotionen, Kognition und Verhalten
- Diskretes Modell (Vorlesung 1)
• Basisemotionen
• Schlüsselreize 

- Beeinflusst von Cannon und Bard-Theorie
- Wichtige Vertreter: Cosmides & Tooby; Plutchik; Ekman, Panksepp
- Zu jeder Basisemotion gehört ein Emotionsmodul (Informationsverarbeitendes System)

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Empirischer Beleg
- Wahrnehmung von spinnentypischem Stimulus löst direkt Angst aus
- Beleg für Wahrnehmungs- und Bewertungsschema für emotionale Reize (Schlüsselreize)
- Amygdala zentrale Struktur beim emotionalen Lernen (LeDoux, 1996)
- manche Reize leichter gelernt: biologisch vorbereitetes Lernen (preparedness) 


3.2. Kognitive Theorien (Appraisal Theorien)

- Basieren auf Zwei-Faktoren-Theorie nach Schachter


- Kernannahme: Nicht objektiver Sachverhalt sondern subjektive Einschätzung (= appraisal) ist
bestimmend für Auftreten von Emotionen

- Situationseinschätzung im Hinblick auf Werte, Ziele und Wünsche


- zentrale Komponente für Emotionsentstehung = Kognition
- Wichtige Vertreter: Magda Arnold, Richard Lazarus, Klaus Scherer, Nico Frijda

Arnold und - Bewertung für unser Wohlergehen (primäre Einschätzung: positiv oder negativ)

Lazarus - Bewertung nach Fähigkeit die Anforderungen zu bewältigen (sekundäre Einschätzung)

Appraisal- - Anzahl emotionaler Zustände = Anzahl Appraisal-Resultate

Theorie nach
Scherer - Erklärung für

• ähnliche Emotionen in verschiedenen Situationen

• verschiedene Emotionen in ähnlichen Situationen

- Emotionsentstehung durch Einschätzungen von 4 Aspekten (Appraisal-Kriterien)

1) Relevanz: Wie relevant ist Ereignis für mich


2) Implikation: Was sind die Konsequenzen

3) Bewältigungspotenzial: Wie gut kann ich es bewältigen

4) Normative Signifikanz: Wie wichtig ist Ereignis bzgl. Selbstkonzept, Normen?

Hypothese: Wissen bzgl. Individueller Appraisal-Kriterien einer Person -> Vorhersage der
Emotionsentstehung

Kritik an kognitiven Theorien


- Bedeutender Anteil an ungeklärter Varianz
- Weitere Faktoren:
• Motivationale und situative Faktoren
• Personenbezogene Faktoren (z.B. Kognitive Fähigkeiten)
- Uneinigkeit zwischen den Theorien
• Reihenfolge und Bedeutung der Einschätzungen für Emotionsentstehung?
• Veränderungen in nicht-kognitiven Systemen (motivational physiologisch), die geschehen?

Exkurs: LeDoux - Verknüpfung kognitiver + evolutionsbiologischer Aspekte

- 2 Bahnen der Emotionsentstehung


- Low Road:
• Direkte Verbindung Thalamus — Amygdala
• Schnelle Auflösung
• Grobe Informationenen
- High Road:
• Thalamus – sensorischer Cortex – Amygdala
• Langsamer
• Gründliche Reizverarbeitung 


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3.3. Konstruktivistische Theorien

- Basieren auf Zwei-Faktoren-Theorie (Schachter)


- Vertreter: Lisa Feldman Barrett; James Russell
- Annahmen
• körperliche Grundlage von Emotionen = Rohgefühle (Basisaffekte)
- Variation in Erregung und Valenz
- Unbewusst
• Emotionsentstehung durch Klassifizierung dieser Wahrnehmungen entsprechend emotionalen
Schemata
- Erregung Achterbahn = Angst versus Erregung Streitgespräch = Ärger 

- Klassifizierung beeinflusst Ausdruck und Handlungsbereitschaft
• Je nach Wahrnehmung unangenehmer Lage —> Folge: anderer Verhaltenswunsch
- Hauptannahme Emotionen sind nicht gegeben, sondern werden psychologisch „konstruiert“ und in
Gesamtzusammenhang gebettet

- Individuelle Unterschiede im Wissen über Emotionen beeinflussen emotionales Erleben


- Fehlen eines passenden Emotionskonzepts -> Diffuse Gefühle: Anspannung

Kritik
- Unzureichende Erklärung:
• Auftreten von universellen Emotionen und Ausdruckmuster
• Auslöser Basisaffekte?
• Funktionsweise emotionaler Kategorisierung?

4. Fazit
- Funktionen Emotion: Information, Handlungsvorbereitung und Sozial-Kommunikation
- Emotion beeinflusst: Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Interpretation und Erinnerung, Handeln und
Entscheiden
- soziale Komponente des Emotionsausdrucks abhängig von Kultur, Erziehung, und Theory of Mind
- 3 historische Theorien zur Emotionsentstehung: James-Lange-Theorie, Cannon und Bard-Theorie und
Zwei-Faktoren-Theorie
- 3 aktuelle Ansätze zur Entstehung: Evolutionsbiologisch, kognitiv und konstruktivistisch
- evolutionsbiologische Ansatz: Erklärung angeborener Lernbereitschaften & universelle Aspekte der
Emotionen
- kognitive Ansatz: Einfluss kognitiver Komponente auf Emotionen
- konstruktivistische Ansatz: Annahme einer psychologischen Konstruktion von Emotionen

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Sitzung 3: Emotion: Emotionsregulation

1. Def. Unterscheidungen und Funktion

- Emotionsregulation = alle Wege und Mittel, über die wir beeinflussen ob und wie wir Emotion erleben &
ausdrücken

- Definition beinhaltet
• Regulation affektiver Zustände
• Automatisch vs. kontrollierte Regulation
• Coping als übergeordnetes Konzept: kann Emotionsregulation einschliessen (ist nicht gleich
Emotionsregulation)

Gründe der Emotionsregualtion


Hedonistische Motivation - = Maximierung von Lust und Vermeidung von Unlust

Funktionale Motivation - “richtige” Emotion für akutelle Handlungsanforderungen

- Bsp. bewusste Auszeit als Erwartung langfristiger Anstrengungen


Prosoziale Motivation - Bspw. Enttäuschung über unpassendes Geschenk verbergen

Selbstschutz - Psychologische Abwehrmechanismen wie Verdrängung, Distanzierung

- Stressreduktion

- Bewahren von Selbstwert


Eindrucksmanagement - Bspw. Lächeln von Verkäufer, Maskierung von Schadenfreude

Voraussetungen und Einflussfaktoren


- Voraussetzung ist wahrgenommene Diskrepanz zwischen erlebter und angemessener Emotion
- Bestimmung angemessener Emotion durch soziale Normen. Diese beeinflusst von
- Zeitgeist
- Kultur (individualismus vs. kollektivismus)
- Soziale Rolle
- Geschlecht
- Arbeit
2. Strategien zur Emotionsregualtion

Modell von Gross und Thompson (2007)


- 5 Strategien, die an verschiedenen Aspekten emotionaler Episoden ansetzen
Antezedensfokussierte Regulation
1. Auswahl der Situation
2. Veränderung der Situation
3. Kontrolle der Aufmerksamkeit
4. Interpretation der Situation

Reaktionsfokussierte Regulation
5. Unterdrückung oder Verstärkung der Reaktion

Strategie Handlung Komponente

Situationsauswahl - Regulation durch strategisches Aufsuchen/ Vermeiden der Umwelt


emotionsauslösenden Situation

Veränderung der - Emotionsauslösende Situationen aktiv verändern -> entsprechen eigenen Situation
Situation Bedürfnissen besser

Kontrolle der - Konzentration auf emotionsauflösenden Aspekt -> Emotionen verstärken Aufmerksamkeit
Aufmerksamkeit - Ablenkung -> Emotionen reduzieren
Kognitive - Bewertung der Situation:
Einschätzung
Umbewertung • Neubewertung und (günstige) Attributionen
• Abwehrmechanismen: Verdrängung, Leugnung und Intellektualisierung

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Reaktionskontrolle - Emotionale Reaktionen willentlich verstärken oder unterdrücken Reaktion
- Häufig: Regulation des Emotionsausdruck -> Verbergen emotionaler
Befindlichkeit

3. Fazit

- Emotionen können verändert werden


- Emotionsregulation beeinflusst, wann wir welche Emotionen haben
- Strategien für Regulation: Situationsauswahl, Situationsmodifikation, Aufmerksamkeitskontrolle, kognitive
Umbewertung und Reaktionskontrolle
- Kognitive Umbewertung und Reaktionskontrolle sind effiziente Strategien, aber mit Kosten verbunden
(erhöhte kardiovaskuläre Erregung, limitierte kognitive Ressourcen)


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Motivation 1: Einführung und Motivationstheorien

1. Gegenstand und Definition der Motivationspsychologie

- Handlungen = zielgerichtete Verhaltensweisen


- Motivationspsychologie sucht nach
• Handlungsursachen
• Gesetzmässigkeiten von Handlungen -> Wahl, Start und Aufrechterhaltung
• Ausschluss von Reflexen oder automatisierten Abläufen

Merkmale für Motiviertes Verhalten


- Ausrichtung oder - Entscheidung zwischen mehreren möglichen Varianten von Verhalten
Wahlverhalten
- Ausdauer und - Dauer der Zielverfolgung bevor man aufgibt
Persistenz - Resistenz gegen Unterbrechungen und Ablenkung
- Intensität - Anstrengung und Konzentration bei der Zielverfolgung

Unsicherheit bzgl. Gründe für Verhalten


- Ziele nicht immer unmittelbar aus dem Verhalten erschliessbar
- Zielhierarchien
• Ziele haben übergeordnete Ziele
• Zielerreichen durch unangenehme Verhaltensweisen für langfristigen Steigerung des Wohlbefindens
- Bspw.: Lernen
• Klausur bestehen oder…
• …Berufsziel erreichen

Motivation: ein Rahmenmodell

Motivation = Affektoptimierung
- Affektoptimierung =
universelle treibende Kraft
- Idee: Zielgerichtetes Handeln
durch emotionale
Konsequenzen bestimmt

-2 Strategien zur Optimierung der


Affektbilanz von 2 übergeordneten
Motivationssysteme:
•Suche nach Ereignissen mit positiven
Affekt
•Verhinderung negativer Affekt 


Appetitives und aversive Motivationssysteme


- Führen zu Annährungs- und Vermeidungsverhalten (dieses ist an unsere Affektantizipation (emotionale
Erwartungshaltung) geknüpft)

- Appetitives Motivationssystem:
• Aktiviert durch Ereignisse die positiven Affekt auslösen; Beispiel: Sieg
• Verhalten zur Erreichung des positiven Affekts
- Aversives Motivationssystem:
• Aktiviert durch Ereignisse die negativen Affekt erwarten lassen; Beispiel: Niederlage, Schmerz
• Verhalten um negativen Effekt zu minimieren (Flucht; Vermeidung)
- Generell gilt: Ereignisse können gegenwärtig (z.B. akute Bedrohung), erwartet oder vorgestellt sein

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Person x Umwelt = Motivation
- Verhalten = Zusammenspiel von Personenfaktoren und Umweltfaktoren

- daher: Interindividuelle (z.B. durch unterschiedliche Ziele) und Intraindividuelle Unterschiede (z.B. durch
unterschiedliche Umwelten)

- Personenfaktoren = Motive, Bedürfnisse, Interessen, Ziele


- Umweltfaktoren = Gelegenheiten, Anforderungen, Anreize 

Anreize
- Annahme: Ereignisse, Tätigkeiten bekommen Anreizcharakter durch Affekte, die sie hervorrufen
- Unterscheidung von
• Tätigkeitsanreiz: Tätigkeit selbst wird positiv erlebt -> gibt Anreiz
• Folgeanreiz: das, was folgt gibt Anreiz

Motive
- Motive bestimmen, wie stark positiv/ negativ Ereignisse bewertet werden —> erhalten so mehr oder
weniger deutlichen Anreizcharakter
- beschreiben latente (nicht direkt beobachtbar) Bereitschaft, emotional auf Reize, Ereignisse,
Tätigkeiten zu reagieren


Interaktion: Person X Umwelt


- Motive bestimmen:
• welchen Aspekten wir Aufmerksamkeit schenken, worauf wir uns zu bewegen und was wir vermeiden!
- Motive + Anreize -> rufen Motivation hervor (diese reguliert Richtung, Intensität & Dauer des Verhaltens)

Beispiel: Interaktion Person x Umwelt
- Nahrungsreize aktivieren stärker, wenn hungrig

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Motivklassen
Biogene - Def: körperliche Grundlagen, angeborene Triebe (Hunger, Durst, Sexualität)

Motive
- Triebe = aus Mangelzustand resultierender, unspezifischer Energetisierungszustand

- Homöostase-Prinzip und Hedonismus-Prinzip: Spannungsreduktion -> Abweichungen


Idealzustand -> Verhaltensweisen

- Annahme: Innere Spannungszustände motivieren wichtige Verhaltensweisen


Soziogene - Def: Motive durch Lern- und Sozialisationsprozesse geformt (Macht, Intimität & Leistung)

Motive - 3 Grundmotive: Macht, Anschluss und Leistung (können appetitiv oder aversiv motiviert
sein)

2. Motivationstheorien: Vorläufer

Triebtheorie von Clark Hull


- Triebe
• Allgemeine innere Quelle der Verhaltensmotivation
• Jedes Bedürfnis (Hunger, Durst, Schlaf etc.) erhöht Triebstärke
• Unvermeidbar
• Energetisieren alles Verhalten
• aversive Qualität
- Triebreduktion wirkt belohnend (Hedonismus- und Homöostase-Prinzip)
- Gewohnheit (Habit) = gelernte Reiz-Reaktions-Verbindungen
- Law of Effect: Gewohnheit wird stärker mit jeder belohnten Verhaltensausführung
- Verhaltensgewohnheit = Gewohnheitsstärke x Triebstärke -> Implikation: Kein Verhalten ohne
Triebzustand
- Triebreize —> Aktivierung Gewohnheiten —> Angabe einer Verhaltensrichtung
Kritische Würdigung
- Beziehung: Deprivationsdauer & Triebindikatoren = komplexer
- Häufig auch kein Zusammenhang, Beispiel: Sexualität
- Trieb ohne Bedürfniszustand (Person ohne Mangel immernoch Bedürfnisse)
- Vernachlässigung von Umwelt, insbesondere Anreizen
Feldtheorie von Kurt Lewin
- Kräfte entstehen in Interaktion zwischen Personenmerkmalen und subjektiv wahrgenommene Merkmale
der Umwelt -> wirken auf Person
- Personenmodell: Intentionen erzeugen Spannungssysteme, die Befriedigungshandlungen erfordern
- Umweltmodell: anziehende und abstossende Kräfte (Valenzen)
- Resultierende Kraft bestimmt Verhalten = Summe unterschiedlich gerichteter Einzelkräfte 

Konflikte bei Lewin
- Wiederstreitende Kräfte resultieren in Konflikten
- Aufsuchen-Aufsuchen:
• Zwei positive Zielstände (beide anziehend)
- Meiden-Meiden:
• Zwei negative Zielzustände
- Aufsuchen-Meiden:
• Ambivalente Ziele (1 negativer & 1 positiver Zielzustand)

3. Neuere Motivationstheorien

Erwartungs-x-Wert Theorien: Atkinson


- Motivationstendenzen = Erwartung x Wert
• Erwartung: subjektiver Faktor, Wahrscheinlichkeit der Zielerreichung
• Wert: situativer Faktor, subjektive Attraktivität des Ziels
• Bspw.
- Hohe Wahrscheinlichkeit x hohe Attraktivität = Verhalten
- Geringe Wahrscheinlichkeit x hohe Attraktivität = eher kein Verhalten 


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Atkinsons Risikowahlmodell 1957
- Ziel: Verstehen, welche Aufgabenschwierigkeit gewählt wird
- Fokus Leistungsmotivation
- Grundannahme: Entscheidungen werden aufgrund von verfügbaren Informationen getroffen, die rational
verknüpft und verarbeitet werden

- Verhaltenstendenz abhängig von erfolgsaufsuchenden (Te) und misserfolgsmeidenden (™) Tendenzen


- Zusammenhang Aufgabenschwierigkeit:
• Ae/m = Anreiz Erfolg/ Misserfolg
• We/m = subjektive Erfolgswahrscheinlichkeit

• Niedrige Schwierigkeit: geringer Erfolgsanreiz, hoher Misserfolg antizipiert, geringe subjektive


Erfolgswahscheinlichkeit
• Mittlere Schwierigkeit:alles mittel
• Hohe Schwierigkeit: hoher Anreiz, subj. ErfolgsWK hoch, geringer Misserfolg antizipiert

4. Fazit
- Motivation —> Ausdauer, Richtung und Intensität von zielgerichtetem Verhalten
- Affektoptimierung als universelle Antriebskraft: Hedonismus und Homöostase
- Motive = latente Bereitschaft, emotional auf Reize und Ereignisse zu reagieren, die eine Annäherung an
Zielzustand signalisieren
- Motive: biogene und soziogene Motive
- Motivationstendenzen = Interaktion von Person (Motive & Bedürfnisse) & Umwelt (Anreize)
- Hull: Verhaltensgewohnheiten abhängig von unspezifischer Triebstärke und Gewohnheitsstärke
(Gewohnheit x Trieb)
- Lewin’s Feldtheorie: Verhalten = Resultat anziehender und abstoßender Kräfte in Person
- Erwartungswerttheorie hat die Formel Motivationstendenzen = Erwartung x Wert
- Atkinson: Annahme einer erfolgssuchender Tendenz und einer misserfolgssuchender Tendenz

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Motivation 2: Motive und Volition

1. Motive

a) Wie viele Motive gibt es?


Maslows Bedürfnispyramide
- Niedrige Bedürfnisse zuerst befriedigen
- Aber: muss ein Mensch satt sein, um sich zu verlieben? 

Big Three
- Uneinigkeit über Anzahl Motive
- Konsens über drei soziogene Motive
• Leistung
• Macht
• Anschluss

b) Motivklassen: Leistungsmotiv, Machtmotiv und Anschlussmotiv

Leistungsmotiv - Ziel:
• Leistungsstandards erreichen

• „thrill of accomplishment“ = positive Emotionen durch Zielerreichung

=> Erfolg bzw. Misserfolg vermeiden

- Formen: a) aufsuchend (Hoffnung auf Erfolg) oder b) meidend (Furcht vor Misserfolg)

Machtmotiv - Ziele:

• Einflussnahme
• Überlegenheit & Stärke

=> Erleben & Verhalten anderer beeinflussen & kontrollieren

- Formen a) aufsuchend und b) meidend (Furcht vor Schwäche)

- Realisierung auch durch sozial erwünschtes Verhalten erreicht

- Quellen der Macht

• Belohnungs- und Bestrafungsmacht

• Expertenmacht

• Informationsmacht

- hohe social power = Machmotiv hoch, Hemmung durch Verantwortungsbewusstsein/ soziale Normen

Anschluss- und - Ziel:

Intimitätsmotiv • Anschlussmotiv: Ziel ist positive soziale Kontakte mit noch Fremden

• Intimitätsmotiv: Zielt auf enge Beziehungen: Liebe und Freundschaft

=> Anschluss finden und Rückweisung vermeiden

- Evolutionäre Wurzeln

• Anschluss: Anschluss an Gruppe = Schutz vor Gefahr

• Intimität: Brutpflege = Aufzucht und Sorge um Nachwuchs

Physiologische Korrelate
- Hormonelle Komponente (Progesteron, Dopamin, Oxytocin)

Verhaltenskorrelate
- Hoch Anschlussmotivierte

• Zeit mit Freunden, Gespräche, Augenkontakt


• Aber: ängstlicher in sozialen Situationen; deuten Verhalten leichter als Zurückweisung

c) Messen von Motiven: Implizite und explizite Motive


Unterscheidung von impliziten und expliziten Motiven (Metaanalyse Spangler)

- Zwei Motivarten: implizite und explizite Motive

Implizite Motive - .= (bewusste) affektive Basis aller Motivationsprozesse


- Verhaltenslenkung
- indirekte Erfassung (Vorstellungen, Fantasien)
- Anreiz in Tätigkeit selbst
- Entstehung: affektive Erfahrungen in Kindheit
Explizite Motive - . = bewusst reflektiertes motivationales Selbstbild; Ziele
- Hinweis auf: Selbstbild einer Person oder eigene Idealvorstellung
- Direkte Erfassung (Skalen, Fragebögen)
- Sozial-evaluative Anreize: zB. Anschluss
- Entstehung: späte Kindheit durch sprachliche Interaktionen + Werte Bezugsperson
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Motiv(in)kongruenz
- Überlappungsgrad der Motive: Kongruenz oder Inkongruenz von impliziten und expliziten Motiven

Folgen von Motivinkongruenz
- Hidden stressor
- Dauerhafte intrapsychische Konfliktspannung
- Beeinträchtigung von Wohlbefinden und von Zielverfolgung


2. Volition

a) Motivation & Volition


- Motivationspsychologischer Fokus: Wie werden Ziele ausgewählt? (Erwartungs-x-Wert Ansätze)
- Problem: Missachtung der Umsetzung: Annahme, dass gewähltes Ziel auch umgesetzt (häufig nicht so)
- Ziel: Einklang zwischen Verhalten und langfristigen Zielen, soziale Normen und moralische Werte
Volition: Einführung
- Volition = Sammelbegriff für
• Metakognitive oder selbstregulatorische Funktionen
• Realisierung von Absichten trotz konkurrierender Reaktionstendenzen Bsp. Unterdrückung starker
Gewohnheiten
- Handlungskontrolle und Handlungssteuerung
- Voraussetzung für Selbstkontrolle = Fähigkeit
• Kurzfristige Versuchungen widerstehen
• Unterdrücken von impulsiven Reaktionen

b) Entwicklungsstufen der Handlungssteuerung

Handlungssteuerung: Vom Reflex zur Antizipation


- Problem der adaptiven Verhaltensselektion: Anpassungszwang an vorhersagbare und doch
wechselnde Umweltbedingungen nötig
- Entwicklung komplexerer kognitiver Mechanismen & Kontrollsysteme —> zunehmende Unabhängigkeit
von Reizsituationen
• bedingte Reflexe, Gewohnheiten, zielgerichtetes Verhalten, intentionale Handlungen, Volition &
Selbstkontrolle

Vom Reflex zur Antizipation


- Reflexe und Instinkte
• Geringer kognitiver Aufwand
• angeborene Reaktionsprogramme mit spezifische Auslöser-Reize
• wenig anpassungsfähig
- Bedingte Reflexe
• Klassisch konditionierte Reaktionen (Signalreiz)
• Assoziation von Hinweisreizen mit biologisch relevanten Reizen (z.B. Schmerz)
- Gewohnheiten
• Reiz-Reaktions-Assoziationen: Belohnung/Bestrafung —> Verstärkung/ Abschwächung von Verhalten
• Durch modellfreies instrumentelles Lernen erworben
• Unflexibel: Verhaltensanpassung nur durch Umlernen
- Zielgerichtetes Verhalten
• Erwartung bzgl. Konsequenzen
- Intentionale Handlung = Verhaltensweise zur Erreichung mental repräsentierter Ziele
- Merkmale:
• Zukunftsorientierung
• Antizipation Bedürfnis- und Motivationszustände
• Hierarchisch strukturierte Handlungspläne
- Volition & Selbstkontrolle = metakognitive Strategien zur Verwirklichung von Absichten trotz
konkurrierender Gewohnheiten
- Kontrollprobleme bei willentlicher Handlungssteuerung:
• Anpassung an Ziele und Umwelt
• Aufrechterhaltung und Abschirmung von Zielen
• Unterdrückung automatisierter Reaktionen und Gewohnheiten
• Unterdrückung konkurrierender Motivationstendenzen und emotionaler Impulse
• Handlungsplanung und Koordination multipler Ziele
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c) Motivationskonflikte und Selbstkontrolle

- Intertemporale Entscheidungskonflikte
• Widerspruch: langfristige Zielen versus aktuelle Motivationstendenzen
• Belohnungsaufschub: Verzicht auf kleinere, sofortige Belohnung -> später größere Belohnung
• Fähigkeit Belohnungsaufschub -> Indikator schulischen Erfolg und soziale Kompetenz

Warum tut der Mensch nicht immer das, was er will?


- Möglichkeit a) = Motivationaler Ansatz
• Problem bei der Zielauswahl
- Mangelnde Motivation
- Bspw. Motivinkongruenz (Diskrepanz implizite und explizite Motive)
- Möglichkeit b) = Volitionaler Ansatz
• Problem bei Initiierung & Kontrolle von Absichten
- Mangelnde Selbstkontrolle in entsprechenden Situationen

d) Rubikonmodell

Rubikonmodell (Heckhausen, 1989)


- Handlungen = idealtypisch eine Abfolge 4 Phasen
- (1) Abwägen alternativer Ziele
• Erreichbarkeit
- Bildung von verbindlichen Zielen (RUBIKON)
- (2) Planen konkreter Handlungsschritte
• Vorsätze
- (3) Handlungsführung
• Initiierung der Handlung
- (4) Bewertung des Handlungsergebnisses
• Abgleich IST und SOLL
• Evtl. neue Handlungspläne, Modifikation etc.

Kennzeichen motivationaler und volitionaler Phasen


- Motivational: Abwägende Bewusstseinslage
• Realitätsorientation
• Offenheit der Verarbeitung, Fokus auf entscheidungsrelevante Inhalte
• Kognition: Wünschbarkeit von Zielen
- Volitional: Planende Bewusstseinslage
• Realisierungsorientation
• Selektivität der Verarbeitung, Fokus auf realisierungsbezogene Inhalte
• Kognition: Verwirklichung von Zielen

Was hilft bei der Zielrealisierung? Vorsätze (Gollwitzer, 1999)


- Ziele werden verfehlt aufgrund fehlender Verknüpfung zu
Verhaltensebene

Wirkungsmechanismen
- Spezifizierte Gelegenheiten („wenn“)
• Mentale Repräsentation hoch aktiviert und zugänglich
- Spezifiziertes Verhalten („dann“)
• Handlungsinitiierung erfolgt automatisch

e) Handlungskontrolltheorie (Kuhl 2010, 1983)

Handlungskontrollstrategien
- Hauptfunktion = Abschirmenvon
• Absichten gegen konkurrierende Motivationstendenzen
• störende Emotionen & Reize
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- 2 Zentrale Annahmen
• a) Absichten, die mit subjektiver Selbstverpflichtung verbunden —> besondere funktionale
Eigenschaften im Vergleich zu unverbindlichen Wünschen

• b) Erschwerte Bedingungen (konkurrierende Motivationstendenzen) —> Aktivierung


Handlungskontrollstrategien

- Präventive Strategien: Motivationskonflikte vermeiden


- interventionelle Strategien: helfen in eingetretener Konfliktsituation
Strategie Handlung

Umweltkontrolle & Umweltbedingungen verändern; Handlungsmöglichkeiten einschränken


präventive Selbstverpflichtung

Aufmerksamkeitskontrolle Ausblenden von störenden Reizen

Motivationskontrolle Fokus auf positive Anreize des längerfristigen Ziels

Emotionskontrolle (störende) Emotionen regulieren

Einsatz von Selbstkontrollstrategien


- Voraussetzung:
• Metakognitives Wissen: Fähigkeit, zur Einschätzung: Wann entstehen Motivkonflikte und wie kann
ich Maßnahmen zur Vermeidung der Versuchungssituationen erkennen?

• Kontrollmotivation: Einschätzung der Erfolgswahrscheinlichkeit und psychologischer Kosten


(Anstrengung) der Selbstkontrolle
• Mentale Ressourcen: Psychischer Stress kann Selbstkontrolle vermindern
- Effektivität von Strategien abhängig von Kontrollzustand des Subjekts:
Handlungsorientierung - Einfach Dinge in die Tat umzusetzen: Initiierung von Absichten und
Mobilisierung von Kontrollstrategien
Lageorientierung - Beeinträchtigte Initiierung und Mobilisierung; Grübeln

- Gefühl der Lähmung

Übersicht Handlungskontrolltheorie

3. Fazit
- Die soziogene Motive sind u.a. Leistung, Motivation und Anschluss
- Implizite und explizite Motivsysteme werden unterschiedlich erhoben und können voneinander abweichen;
Motivinkongruenz hat negative Folgen
- Volition ist ein Sammelbegriff für metakognitive Strategien der Handlungssteuerung und –kontrolle
- Es gibt verschiedene Stufen der Handlungssteuerung mit zunehmender Unabhängigkeit von
Umweltreizen
- Ein typischer Selbstkontrollkonflikt liegt zwischen momentanen Bedürfnissen und längerfristigen Zielen
- Das Rubikon-Modell beschreibt typische Phasen im Handlungsverlauf
- Vorsätze/ Implementierungsabsichten helfen bei der Zielrealisierung
- Handlungskontrollstrategien werden aktiviert wenn die Ausführung von Absichten mit subjektiver
Selbstverpflichtung erschwert wird

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Lernen 1: Einführung; klassische, evaluative und instrumentelle Konditionierung

1. Gegenstandsbereich und Definition

Definition Lernen
- relativ dauerhafte Veränderung des Potentials für Verhalten, als Folge von Erfahrung
- Verhalten und Verhaltenspotential
• Kompetenz vs. Performanz: Lernen ist Kompetenzerwerb (muss aber nicht gezeigt werden)
- Relativ dauerhafte Veränderung
• Nicht jede Verhaltensänderung ist Lernen
- Erfahrung
• Abgrenzung: Müdigkeit, biologische Reifung, Krankheit

Bedeutung von Lernen und Gedächtnis


- Bedeutung für adaptives Verhalten
• Erwerb von Wissen & Fertigkeiten
• flexible Anpassung an Umwelt
• Antizipation künftiger Ereignisse & Folgen eigenen Handelns
• Kulturelle und technologische Entwicklung 

- Bedeutung für Verständnis dysfunktionalen Verhaltens und psychischen Störungen
• Erlernte unerwünschte Gewohnheiten
• Konditionierte phobische Reaktionen
• Intrusive Erinnerungen bei posttraumatischer Belastungsstörung
• Lernabhängige Veränderungen des Belohnungssystem bei Drogensucht

Lerntheorien
- Ziel: Verhaltensänderung vorhersagen und erklären
- Unterscheidung bzgl:
• a) inwieweit sie kognitive, emotional-motivationale Prozesse und Persönlichkeitsaspekte
berücksichtigen und
• b) welche Rolle sie bewussten oder unbewussten gedanklichen Prozessen zuschreiben

Assoziatives Lernen: Wichtige Begriffe


- Assoziation = Bildung einer Verknüpfung (Assoziation) zwischen 2 Elementen
- Ursache?:
• a) Kontiguitätsprinzip: zeitlich und räumlich gemeinsames Auftreten
• b) Ähnlichkeits- und Kontrastprinzip: Assoziation durch Ähnlichkeit und Unähnlichkeit

2. Klassische Konditionierung: Pawlow -> Kontiguitätsprinzip

- Klassische Konditionierung: Pionier Pawlow (Mitte 19. Jdh.)


- unkonditionierte Reaktionen (UR) = angeborene Reflexe, z.B. Speichelreflex

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- Definition Konditionierung: Lernvorgang, bei dem zwei Reize (US und
CS) zusammen gezeigt -> Folge: Reaktion auf den CS verändert sich
- dem natürlichen, unbedingten Reflex (US), wird ein weiterer bedingter Reflex (CS) hinzugefügt,
ausgelöst durch einen vormals neutralen Reiz

- Abkürzungen
• US: unconditional stimulus
• CS: conditional stimulus
• UR: unconditional reaction
• CR: conditional reaction

Grundlegende Paradigmen der Klassischen Konditionierung


- Konditionierte emotionale Reaktion: CS = beliebiger Reiz (z. B. Ton) und US = Schmerzreiz (z.B.
Elektroschock) —> wenige Vorgänge —> Furchtreaktion auf CS

- Geschmacksaversionslernen: CS = Geschmacksreiz und der US = Mittel, das zu starker Übelkeit führt ->
ein Vorgang -> Ablehnung des CS

Äquisitionsphase
- Gemeinsames Darbieten von CS und US
- Typischer Verlauf der Lernkurve: Negativ beschleunigter Lernzuwachs
- Je stärker der CR und desto länger die durchgeführt -> desto stärker ist der Erwerb des CS + UCS
Äquisition - Zeitliche Relation von CS und US (Arten)
Art Reaktion

simultane Konditionierung: Gleichzeitiges Keine bzw schwache CS


Präsentieren von CS und US
Spurenkonditionierung: Erst CS, dann US wirksam, (wniger wirksam als verzögerte
Konditionierung)
Verzögerte Konditionierung: erst CS, dann US Wirksam

Rückwärtskonditionierung: erst US, dann CS unwirksam/ Hemmung der Konditionierung


(inhibitorische Konidtionierung)

Phänomene der klassischen Konditionierung


- zeigen —> Assoziation wird weder vergessen noch
verlernt
• Erholung: Unterbrechen der Löschungsphase
führt zu stärkerer CR als vor Pause

• Enthemmung: Präsentation eines neuen Reizes


kurz vor CS kann zur Erholung der CR führen
• Wiedererwerb: Wiedererwerb von CR nach
Löschung schneller als erstes Lernen

Generalisierung: Ähnlichkeitsprinzip
- Generalisierung: Verallgemeinerung gelernten Verhaltens auf ähnliche Reizsituationen
- Allgemeines Prinzip des Lernens: je ähnlicher sich Trainings- und Testsituation —> höhere WK, dass
gelerntes Verhalten gezeigt


Diskriminationslernen
- Diskriminationslernen = Lernen von Unterscheiden zwischen Reizen
• bspw. Trainingsphase mit hohen Ton —> nur Reaktion auf hohen Ton, nicht auf tiefen 


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Theorien zum Klassischen Konditionieren: Signallernen und Stimulussubstitution
- Signallernen:
• CS wird Signal für US
• Alternative Erklärung Assoziation zwischen CS und UR
- Stimulussubstitution:
• CS wird Substitution für US
• CS erhält Fähigkeit UR hervorzurufen

Inhibitorische Konditionierung
- Exzitatorische Konditionierung: Positive Korrelation von CS und US
- Inhibitorische Konditionierung: Negative Korrelation von CS und US

Blocking: CS-US-Kontiguität vs. Informationswert des CS


- Kontiguitätsannahme: Assoziation von CS und US durch räumliche/ zeitliche Nähe
- Blocking-Effekt nach Kamin (1969)
• Experiment mit Ratten
• Bedingung A
- Ton + Licht vor Elektroschock
- Folge: Darbietung nur Licht = Furchtreaktion
• Bedingung B
- Erst: Ton vor Elektroschock
- Dann: Ton + Licht vor Elektroschock
- Folge: nur Licht = keine Furchtreaktion
• Fazit: fehlender Informationswert von Licht in Bedingung B zu Blocking –> wird keine Assoziation gelernt 


3. Evaluative Konditionierung

Evaluative Konditionierung
- Wertende Urteile bzgl. Objekten & Situationen = automatische Reaktionen
- Können wertende Einstellungen konditioniert werden?
- Untersuchte Stimuli: Visuelle Reize; Geschmacksreize; Crossmodale Effekte (Musik auf visuell)

4. Instrumentelles Lernen / operante Konditionierung

Instrumentelles Lernen
- = operante Konditionierung
- Veränderung (Latenz, WK, Häufigkeit) bestimmten Verhaltens wenn dieses kontingent mit einer
Verstärkung gemacht wird
- Kontingenz liegt vor wenn Wahrscheinlichkeit für Verstärkung nach Verhalten höher ist als ohne Verhalten
- Vertreter: Thorndike & Skinner
Law of Effect
- Edward Thorndike: Experiment mit Katzen
• Müssen sich aus Käfig befreien
• Beobachtung: Versuch und Irrtum (Trial and error)
- Anfangs ungerichtete Verhaltensweisen
- Ende: sofortiges Befreien
• Law of effect: Situations-Reaktions-Verknüpfungen
• Belohnende Ereignisse (=Verstärker) verstärken Situations-Reaktion Verknüpfung = mehr Verhalten
• Aversive Ereignisse (=Bestrafung) verringern Situations- Reaktions Verknüpfung = weniger Verhalten

Burrhus Frederic Skinner


- Unterschiedliche Verstärkungsarten und -pläne beeinflussen Erwerb/Löschung
- Skinner-Box: Versuchskäfige mit Hebel und Futtermagazin
Verstärkung und Bestrafung
- Positive Verstärkung: Hinzufügen angenehmer Reize
- Bestrafung: Hinzufügen unangenehmer Reize (Typ I) oder Entfernung von angenehmer Reiz (Typ II)
- Negative Verstärkung: Entfernung von unangenehmer Reiz 


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Verschiedene Verstärker Arten
- Primäre Verstärker = verstärkend ohne Lernen (Essen, Schmerz, Lob)
- Sekundäre Verstärker = erlernt, z.B. Geld, ECTS
Verstärkerpläne (Regeln)
- Kriterien der Regeln
• Qualität: Welche Art von Verhalten wird verstärkt
• Quantität: Wie häufig muss ein Verhalten ausgeübt werden damit es belohnt wird (Quotenpläne)
• Zeit: Wie viel Zeit vergeht bis zu Verstärkung (Intervallpläne)
- Kontinuierliche Verstärkung
• Def: jedes korrekte Verhalten wird verstärkt
• Schnelles Lernen & Verlernen
- Intermittierende Verstärkung
• nicht jedes korrekte Verhalten wird verstärkt
• Langsames Lernen & Verlernen

Einflüsse auf Effektivität instrumentellen Lernens


- Zeitliche Nähe -> sofortiges Feedback
- Transparenz -> Klare Beziehung zwischen Handlung und Verstärkung
- Intensität -> Besseres Lernen mit besserer Belohnung
- Löschung -> Ohne Verstärkung wird Verhalten weniger wahrscheinlich
Shaping und Chaining
- Shaping
• Stufenweise Annährung (erst kleines, dann großes Verhalten belohnt)
- Chaining
• Aneinander ketten von neuen Verhaltensfolgen

- Zweifaktorentheorie
• Zwei Schritte zur Erlernung von Vermeidung
- Klassische Konditionierung: Übertragung von Furcht vor negativem Reiz auf Hinweisreiz
- Negative Verstärkung: Reduktion von Furcht durch Vermeidung
Verhaltensreduktion
- Löschung: Beseitigen der Kontingen
- Verstärkung alternativen Verhaltens: beide Verhalten können nicht gleichzeitig ausgeführt werden
- Bsp: Draußen spielen verstärken = weniger Fernsehen
- Sättigung: Reduktion des Bedürfnisses nach Verstärker
- Bestrafung
• Wirksam: Vorübergehendes Unterdrücken von Verhalten
• Probleme:
- heimliches Verhalten anstelle Verhaltensreduktion
- Furcht
- Ethische Probleme: Fliessende Grenze zu Gewalt und Missbrauch
5. Fazit
- Lernen = Ergebnis von Erfahrung und die langfristige Änderungen im Verhaltenspotential
- Bei der klassischen Konditionierung wird ein neutraler Reiz mit einem unkonditionierten Reiz gekoppelt,
wodurch der neutrale Reiz zum konditionierten Reiz wird und die gleiche Reaktion wie der
unkonditionierte Reiz erzeugt

- Evaluative Konditionierung: Durch gemeinsame Präsentation -> Übertragung eines wertenden Urteils
gegenüber Objekten, Personen und Situationen auf vorher neutrale Stimuli

- Instrumentelles Lernen: Durch Bestrafung, positive/ negative Verstärkung werden die


Auftretenshäufigkeiten von Verhaltensweisen erhöht oder reduziert

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Lernen 2: Beobachtungslernen und Implizites Lernen

1. Kausallernen

Kausallernen
- Erkennung der Kausalbeziehung zwischen Verhalten und Konsequenz?
- operante Konditionierung: Erwerb kausaler Regeln nach denen Zusammenhang zwischen Verhalten und
Konsequenz beurteilt wird

2. Soziales Lernen

Lernen neuer Verhaltensweisen: Imitation


- Klassisches Konditionieren: Erklärung der Übertragung emotionaler/ physiologischer Reaktionen auf
neutrale Reize
- Instrumentelles Lernen: Erklärung wie sich relativen Häufigkeiten von einzelnen Verhaltensweisen
verändern

Soziales Lernen
- Terminologie
• Modell: Person oder Tier, das Verhalten vorgibt
• Lerner: Nachahmer
• Modellverhalten: Verhalten vom Modell
• Nachahmung: Nachgeahmtes Verhalten

nArten Sozialer Beeinflussung von Verhalten


- Soziale Erleichterung
• Zunahme dominanten Verhaltens durch Anwesenheit anderer (das machen, was alle machen)
- Stimulus-Enhancement
• Aufmerksamkeit durch Verhalten des Modells auf Objekt gelenkt (Aufmerksamkeitslenkung erleichtert
Lernen)

- Mimikry
• Nachahmung von motorischen Muster ohne natürliches Ziel
- Echte Imitation
• Nachahmung von Verhalten für gleiches Ziel


Imitation
- Soziales Lernen = Beobachtungslernen, Imitationslernen, Lernen nach Modell
- Keine komplexe kognitive Prozesse notwendig —> Neugeborene dazu in der Lage

mögliche Lösungen des Korrespondenzproblem


Active intermodal Visuelle Bewegngsrepräsentation in supramodale Räpresentation umwandeln
matching
commoncoding kodieren von motorischen Handlung als “Bilder” des sensorischen Feedbacks, das
sie hervorrufen

- Beobachten einer Handlung -> Aktivierung der motorischen Repräsentation ->


Initiierung der Imitation
Assoziative Verknüpfung von visuellen und motorischen Pepräsentationen
Lernmechanismen
spiegelneurone aktiv bei Beobachtung und Ausführung einer Handlung

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Theorien des Imitationslernen
(1) Ausdruck eines angeborenen Instinkts?
- Aber: alle Elemente gelernten Verhaltens
• Verstärkerabhängigkeit
• Löschung
• Generalisierung

(2) Theorie der generalisierten Imitation


• Beobachtungslernen = instrumentelles Lernen?
• Problem: erklärt nicht, dass das imitierte Verhalten überhaupt gezeigt wird
• Idee: Nachahmung wird verstärkt, Ähnlichkeit zwischen Modell und Nachahmung wird zu sekundärem
Verstärker

Stellvertretende Verstärkung? (Albert Bandura)


- Nachahmung, obwohl Lerner nie belohnt oder bestraft wurde, sondern nur dies beim Modell beobachtet
hat

- Bobo Doll Experiment


• Filme aggressives Verhalten: positive, negative, neutrale Konsequenz
• Ergebnis:
• weniger aggressives Verhalten wenn Modell im Film getadelt
• Belohnung für Aggression —> alle zeigen aggressives Verhalten

Banduras kognitive Theorie des sozialen Lernen


- Bedeutsamkeit Bobo-Doll Experimente: Kognitive Prozesse sind bedeutsam!
- Gelernt wird komplexes Zusammenspiel zwischen kognitiven, verhaltensorientierten und sozialen
Prozessen 


4 Prozesse des Beobachtungslernen


- Aufmerksamkeitsprozesse in Enkodierungsphase
• Beachten von relevanten Verhaltensweise und Konsequenzen
• Merkmale für bevorzugtes Verhalten
- Salienz (Auffälligkeit)
- Valenz (positive Konsequenzen)
- funktionaler Wert (Erfolg)
- Gedächtnisprozesse
• Enkodierung des beobachteten Verhaltens
- bildlich (analog)
- verbal (symbolisch)
- Motorische Reproduktionsprozesse
• Bestimmung: Kann Verhalten ausgeführt werden?
- Körperliche Fähigkeiten
- Übung und Feedback
- Motivationsprozesse
• Anreiz für Ausführen
• Verhalten-Verstärker-Erwartungen
• Verstärkung (extern, stellvertretend, selbst)

Überblick
- Klassische Konditionierung: NS + UCS = UCR CS = CR
- Instrumentelle Konditionierung: Bestrafung, positive oder negative Verstärkung
- Evaluative Konditionierung: Positiver Stimulus + UCS = UCR CS = positive Reaktion
- Modellernen: Aufmerksamkeit, Motivation, Gedächtnis, motorische Reproduktion
3. Implizites Lernen

Implizites Lernen
- Wissensinhalte und Fähigkeiten werden nebenbei erworben
- Implizites Lernen
• = (absichtliches) Lernen von Strukturen in komplexen Reizumgebung
• Resultierendes Wissen ist schwer verbalisierbar

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Experimentelle Paradigmen
a) Lernen künstlicher Grammatik
- Vermutung: implizites Grammatiklernen durch Abstrahieren von unbewussten komplexen Regeln aus
Reizumgebung

b) Steuerung komplexer Systeme


- Dynamische Steuerungsaufgabe von Berry und Broadbent (1984, 1988)
• Steuern der Produktionsmenge einer fiktiven Zuckerfabrik
• Ergebnis: Versuchspersonen verbessern sich


c) Sequenzlernen
- Sternchen oder Farbe bezeichnet Taste, die gedrückt werden soll -> schnell reagieren
Gemeinsamkeiten der Paradigmen
- Lernen von Regeln/ Gesetzmäßigkeiten
- Verlassen auf Intuition
- Schwierigkeit Vorgehen zu Verbalisieren

Neuronale Grundlagen des impliziten Sequenzlernens

a) Erhaltenes Lernen bei anterograden Amnesie


- Anterograde Amnesie = neue Inhalte können nicht langfristig gelernt werden, aber LZG ist kaum
beeinträchtigt
- Schäden im medialen Schläfenlappen und Hippocampus –> dieser Verantwortlich für explizites Lernen
b) Lerndefizite infolge neurologische Erkrankungen (Parkinson und Chorea Huntington)
- Schäden in subcortikalen Hirnstrukturen -> Defizite beim impliziten Lernen -> Zusammenhang zum
impliziten Lernen


c) Untersuchung neuronalen Repräsentation von Sequenzwissen


- Moderne Methoden: TMS, PET, fMRI
- Lernen erzeugt neuronale Veränderungen in Hirnarealen für Bewegungssteuerung und –Ausführung

4. Fazit
- Beim sozialen Lernen wird Verhalten von einem Modell imitiert
- Das Korrespondenzproblem befasst sich mit dem Angleichen von wahrgenommenen und auszuführenden
Bewegungen und wird z.T. durch Spiegelneuronen erklärt
- Nach Bandura sind vier Prozesse am Beobachtungslernen beteiligt: Aufmerksamkeit, Gedächtnis,
Motivation und motorische Reproduktion
- Implizites Lernen ist das Lernen von Strukturen in relativ komplexen Reizumgebungen, das nicht
notwendigerweise beabsichtigt ist und wobei das resultierende Wissen schwer verbalisierbar ist 


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Gedächtnis 1: Überblick, Funktionen, Modelle

1. Definition Gedächtnis und Einführung

Das Korrespondenzproblem
- Common coding (auch Ideomotor-Theorie)
• Handlungen & Wahrnehmungen von Handlungen werden in Bezug auf ihre Effekte (Körper & Umwelt)
kodiert
• keine Trennung zwischen Wahrnehmung, Vorstellung und Ausführung der Handlung notwendig: ein
gemeinsamer Repräsentationsbereich und neuronales Substrat wird angenommen
• Aktivierung einer Repräsentation -> automatische Aktivierung der anderen beiden; basierend auf
Ähnlichkeit -> Imitation
• Assoziationsbildung über Hebbsches Lernen („what fires together, wires together“)

- Associative Sequence Learning (ASL)


• Lösen des Korrespondenzproblems ist das Ergebnis sensomotorischer Erfahrungen während der
Entwicklung
• Gelernt wird durch gemeinsames Auftreten von Ausführung & Beobachtung der Handlung

Definition Gedächtnis
- = Fähigkeit aufgenommene Informationen zu speichern, sodass sie wieder abgerufen werden können
- Gedächtnis als Prozess
• Enkodierung: physikalischer Input ins ZNS
• Speicherung: dauerhafte mentale Repräsentation
• Abruf: Auffinden der Repräsentation
- Gedächtnis als Speicher (Verweildauer & Art der Informationen)

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Mehrspeichermodell von Atkinson und Shiffrin (1968)
- Grundlagen des menschlichen
Gedächtnisses
- Drei Speicher mit Unterschiede der
• Art
• Menge
• Verweildauer der Informationen

2. Sensorisches Gedächtnis

Sensorisches Gedächtnis
- ist ein Zwischenspeicher
- Funktion: kurzzeitiges Aufrechterhalten sensorischer Reize
- Unterteilung:
• Ikonisches Gedächtnis (visuelle Informationen)
• Echoisches Gedächtnis (akustische Informationen)
• Gustatorisches Gedächtnis (Geschmackssinn)
• Olfaktorisches Gedächtnis (Geruchssinn)
• Taktiles Gedächtnis (Tastsinn)

3. Kurzzeit-/ Arbeitsgedächtnis

- Kurzzeitgedächtnis = Arbeitsgedächtnis
• Kurzzeitgedächtnis passiv
• Arbeitsgedächtnis aktiv
- Fkt: Behalten von Informationen über Sekunden

Kurzzeitgedächtnis
- Übergang Informationen: sensorischen Gedächtnis ins KZG durch Aufmerksamkeit
- Gedächtnisspanne von 7 +/- 2 Items -> Begrenzung als Schutz vor Überlastung -> Chunking & rehearsal
erleichtert Merken

- Gründe für das Vergessen im KZG


• Interferenz (Störung) mit bereits gelernten Informationen aus dem LZG
• Unterscheidung zwischen
- Proaktive Interferenz (vorwärtsgerichtet)
- Retroaktive Interferenz (rückwärtsgerichtet)
Enkodierungsprozesse KZG-LZG
- Keine automatische Enkodieren ins LZG nur, weil Infos lange genug im KZG verweilen
- 4 Faktoren für die Enkodierung
• Tiefe der Verarbeitung
• Transferadäquate Verarbeitung
• Generierung von Gedächtnisinhalten
• Organisation von Lernmaterial 


Tiefe der Verarbeitung Experiment von Craik und Tulving (1975)

- Manipulierung der Verarbeitungstiefe von Wörtern

• Oberflächliche Verarbeitung: Aussehen

• Phonetisch: Klang

• Semantisch: Inhalt

-> je höher die Verarbeitungsebene, desto besser ist Enkodierung

Transferadäquate - zwischen Enkodierung und Abruf => transferadäquate Verarbeitung, d.h. Ähnlichkeit zwischen
Verarbeitung Enkodierung und Abruf (d.h. das was gelernt wird, und das was abgefragt wird)

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Generierung von - Generierung von Wort vs. Lesen von Wort: “lang”

Gedächtnisinhalten - Bsp. Was ist das Gegenteil von kurz? vs. lesen von kurz-lang

- Ergebnis: Generierung führt zu höherer Wiedererkennung

Organisation von - Gut organisiertes Lernmaterial wird besser behalten

Lernmaterial - Bsp. Ordnen nach Kategorien

Sind KZG und LZG unabhängige Gedächtnissysteme? nein


- Serielle Positionseffekte
• Primacy-Effekt: Bessere Erinnerung für erste Wörter
• Recency-Effekt: Bessere Erinnerung für letzte Wörter 


Primacy und Recency-Effekte: Dissoziation KZG und LZG


- Primacy Effekte: Hypothese = Entstehen durch häufigeres Rehearsal der ersten Wörter -> Bessere
Enkodierung im LZG

- Recency Effekte: Hypothese = Entstehen weil letzte Wörter noch im KZG aktiviert sind
- Nachweis:
• Recency Effekt ist reduziert bei Disktraktoraufgabe zwischen Enkodierungs- und Abrufphase -> Kein
Effekt auf Primacy Effekt
• Primacy Effekt ist reduziert wenn Präsentationsrate erhöht wird -> Kein Effekt auf Recency Effekt

Das Arbeitsgedächtnis (KZG)


-  Kritik an Konzepts des KZG als passiver Speicher
- -> Konzept des Arbeitsgedächtnisses mit 4 Funktionen:
• Aufrechterhaltung
• Modifizierung
• Aktualisierung
• Austausch von Informationen zwischen verschiedenen
Aktivitäten

- 2 Arbeitsgedächtnismodelle
• Modulare Arbeitsgedächtnismodell nach Baddeley (2000)
• Embedded-Process-Modell nach Cowan (1999)

Modulares Arbeitsgedächtnismodell (Baddeley 2000)

Phonologische • Vorübergehende Aufrechterhaltung sprachlicher Information

Schleife • Rehearsal gegen Zerfall

• Komponenten

- Passiver phonologischer Speicher: unmittelbarer Sprachwahrnehmung

- Artikulatorischer Kontrollprozess: visuelle + sprachliche Infos

• Nachweis:

- Phonologischer Ähnlichkeitseffekt: Je ähnlicher der Klang, desto besser gemerkt

- Wortlängeneffekt und Lesegeschwindigkeit: je länger das Wort -> Abnahme Gedächtnisleistung

Visuell- - Imagery = mentale Aufrechterhaltung von visuell-räumlichen Informationen

räumlicher - Shepard & Metzler: Mentale Rotation von räumlichen Figuren -> Vergleich: ist es dieselbe?
Notizblock - Ergebnis:

• Reaktionszeit steigt mit Rotationswinkel -> Analogie zwischen mentalem Drehen und physikalischen

Zentrale - Übergeordnete Kontrollinstanz der Subsysteme (= Ansammlung kognitiver Kontrollprozesse)

Exekutive
- Zwei Modi:

- Routine-Handlungen: Instanz nicht benötigt -> «Autopilot»


- Nicht Routine-Handlungen: Prozesse benötigen Aufmerksamkeitsressourcen -> Eingriff in Verarbeitung

Episodischer - Verbindungsstück zwischen AG und LZG

Puffer - Speichersystem für etwa vier Chunks

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Embedded-Process-Modell (Cowan 1999)
- Mit grosser Zahl von empirischen Befunden vereinbar
(z.B. Störung durch nicht sprachliche akustische Reize)

4. Langzeitgedächtnis

- Definition: Alle Informationen und Fertigkeiten, die man sich angeeignet hat
- Unterscheidung:
• Deklaratives/ explizites Gedächtnis
• Nicht-deklaratives/ implizites Gedächtnis

Deklaratives - Wissen kann gut benannt & beschrieben werden

Gedächtnis - Unterteilung in

• episodisches Gedächtnis

- Selbstbezug; Autobiografische Erinnerungen

• semantisches Gedächtnis

- Sach- und Bedeutungswissen; Zeitlich ungebunden

- Wichtige Gehirnstrukturen: Hippocampus & umliegende Strukturen + Großhirnrinde

Abrufprozesse

- Freie Reproduktion; Hinweisgestützte Reproduktion; Wiedererkennen oder Rekognition

Abruf erleichtert:

- Enkodierungsspezifität: Hinweis bei Gedächtnisbildung

- Kontexteffekte

• Physiologische Zustände (Bspw. Alkohol, Aufregung) -> Übereinstimmung zu Lernzustand

• Emotionaler Zustand

• Kognitiver Zustand (Musik im Hintergrund, Gerüche, Kauen von Kaugummi)

Non-deklaratives - Schwer zu verbalisierendes Wissen

Gedächtnis
- Ausdruck primär im Verhalten
• Motorische Fertigkeiten (z.B. Radfahren, Stricken, Spiegelzeichnen)

• Priming (aber unklar ob trennbar von deklarativen Gedächtnis)


• (umstritten) via impliziten Lernens erworbene Regeln (z.B. künstliche Grammatiken)

Prozedurales Gedächtnis
- Teil des nondeklarativen Gedächtnisses
- Speicher für: Fähigkeiten, Bewegungsabläufen, Handlungsstrategien und Gewohnheiten
Wichtige kortikale Strukturen
- Anfangsphase des Lernens: Präfrontalkortex (für Aufmerksamkeitslenkung)
- Automatisierte Bewegung
• Motorische Rinde
• Kleinhirn
• Basalganglien

5. Fazit
- Gedächtnis = Fähigkeit aufgenommene Informationen zu speichern, sodass
sie wieder abgerufen werden können
- Unterteilung: sensorisches Gedächtnis, KZG/Arbeitsgedächtnis und LZG
- 2 Modelle des Arbeitsgedächtnisses: Embedded-process-Modell und modularen
Arbeitsgedächtnismodelll
- Unterscheidung: deklaratives LZG (semantisches und episodisches Gedächtnis)
und nondeklarativen LZG (prozedurales Gedächtnis, Priming)

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Gedächtnis 2: Vergessen, falsche Erinnerungen, Wiederholungen

1.  Vergessen

- Vergessen
• Grund: Schutz des kognitiven System vor Überlastung
• Behalten werden: Informationen mit Relevanz für Zukunft
• Vergessen folgt einem negativ beschleunigtem Verlauf


Einflussfaktoren
- Zeit zwischen Lernen und Abruf
• Vergessenskurve und ihre Implikationen (Ebbinghaus)
- Zeit zwischen Lernen und Wiederholung
• = Spacing
- Abfragen statt nur Lernen

Die Vergessenskurve (1885)


- Beginn der experimentellen Gedächtnispsychologie
- Vergessenskurve nach Ebbinghaus
• Erste Gedächtnisexperimente zur Vergänglichkeit von Gedächtnisinhalten
• Auswendiglernen sinnloser Silben (REK, MIS, TOF...)
• Er selbst = einzige Versuchsperson
• Ergebnis: steiler Abfall während anfänglichen Lernphase, flacht danach ab 

- Implikationen:
• Vergessensrate: ähnlich für verschiedene Arten des Abrufs und unabhängig von Wiederholungen
(unabhängig vom Leistungsniveau -> Ähnlicher Kurvenverlauf)
- Verteiltes Üben effizienter als massiertes Üben
- Aber: massiertes Lernen führt schneller zu sichtbaren Ergebnissen
5 Mechanismen hinter dem Vergessen
Spurenzerfall - Passiver Zerfall von Gedächtnisspuren im Verlauf der Zeit

- Anfällig sind besonders neue, labile Gedächtnisspuren

- Entgegenwirken mit Rehearsal

Interferenzprozesse - Vergessen im LZG aufgrund von Interferenzprozessen beim Abruf


- Interferenzprozesse = Störprozesse

2 Arten:
- Retroaktive Interferenz (Störung der Konsolidierung)

• Rückwärtsgerichteter Effekt

• Später Erlerntes stört früher Erlernte

• Je grösser Ähnlichkeit umso grösser Interferenz


- Proaktive Interferenz (dysfunkionale Abrufhinweise)

• Vorwärtsgerichteter Effekt

• Früher Erlerntes stört später Erlerntes

Ursachen:
- keine eindeutige Erklärung für Auftreten

- Klassische Interferenztheorie

• Antwortwettbewerb (sinkende WK richtiger Antworten mit Anzahl aktivierten Antwortoptionen)

• Verlernen von Assoziationen (Abschwächung der Assoziationsstärken wenn neue gelernt)

Dysfunktionale und - Tip-of-the-Tongue-Phänomen


fehlende Abrufhinweise - Gedächtniseintrag ist vorhanden, Abruf jedoch nicht möglich -> gelingt dann oft später

- Gründe:

• fehlenden oder dysfunktionalen Abrufhinweisen/ proaktive Interferenz

• Assoziation zu schwach

Abrufinduzierte Inhibition / - Aktiver Vorgang der Inhibition von Informationen, die aktuell nicht benötigt werden

abrufinduziertes - Inhibition = vorübergehende Unterdrückung

Vergessen - Gedächtnisspur wird weder gelöscht noch zerstört

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Motiviertes Vergessen / - Ursprung: Freuds Theorie über Verdrängung

Verdrängen - Inakzeptable Wünsche des Es durch das Über-Ich ins Unbewusste verdrängt -> entziehen sich somit
dem bewussten Zugriff

- Erklärung für Vergessen traumatischer Ereignisse

- Problem: Experimentell nicht zu überprüfen

- Alternative Erklärung: Unvollständige Konsolidierung —> schlechter Erinnerung

2. Erinnerungsverzerrungen und Gedächtnistäuschung

Zwei Positionen
- a) Annahme des permanenten Gedächtnisses (zb Tulving)
• Alle Informationen für alle Zeit im Gedächtnis
- b) Annahme des dynamischen Gedächtnisses (zb Loftus und Loftus)
• Alte Gedächtnisinhalte durch neue verändert, überschrieben oder gelöscht

Fehlleistungen des Gedächtnisses

- Unterlassungsfehler (fehlende Erinnerungen):


• Zerfall
• Geistesabwesenheit
• Blockierung
- Handlungsfehler (commissions)
• Fehlattribution der Quell
• Suggestibilität / Beeinflussbarkei
• Verzerrung
• Persistenz
Sünde Beschreibung Beispiel

Zerfall Abnehmender Zugriff auf das Gedächtnis im Zeitverlauf Vergessen von länger zurückliegenden
Ereignissen

Gesitesabwesenheit Unaufmerksamkeit bei der Enkodierung Vergessen, wo man die Schlüssel


hingelegt hat

Blockierung Informationen ist zwar gespeichert, aber vorübergehend Tip-of-Tongue- Phänomene


nicht abrufbar

Fehlattribution Gedächtnisinhalte werden einer falschen Quelle zugeordnet Einen Traum für Erinnerung halten

Beeinflussbarkeit Eingepflanzte Gedächtnisinhalte über Dinge, die nie Suggestiv-Fragen: Provokation falscher
stattgefunden haben Erinnerungen

Verzerrung Aktuelles Wissen verzerrt die Erinnerungen aus der Frühere Einstellungen werden so erinnert,
Vergangenheit dass sie zu heutigen Einstellungen passen

Persistenz Ungewollte Gedächtnisintrusionen, die wir nicht vergessen Wiedererinnern traumatischer


können Erinnerungen

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Falsche Erinnerungen
- Gründe von falschen Erinnerungen
• Falsche Zuordnung / Fehlattribution
• Manipulation / Beeinflussbarkeit
• Verzerrung

Falsche Zuordnung - Problem mit Quellengedächtnis: Verknüpfung richtiger Erinnerungen mit falschen Kontext

Manipulation - Einpflanzen von neuen Gedächtnisinhalten (Loftus und Pickrell: Lost in the Mall)

- Folge: irreversible Veränderung der Erinnerung

- Bsp: Suggestivfragen & Vermittlung von Fehlinformationen -> Lenkung von Zeugenaussagen
Verzerrung - Erinnerungen durch Überlagerung oder Stimmung veränderbar

- Rekonstruktion so, dass sie mit jetzigen Wissen kongruent (Rückschaufehler/Hindsightbias)

- Egozentrische Gedächtnisfehler -> lassen uns besser darstehen


Persistenz - Wiederkehrende unfreiwillige Erinnerungen von meistens emotionalen Gedächtnisinhalten

- Keine falschen Erinnerungen, aber Erinnerungen zur falschen Zeit

- Extreme Fälle: PTBS

3. Fazit
- Vergessen = schützende Funktion
- Vergessenskurve nach Ebbinghaus:
• Dass je mehr Zeit vergeht desto weniger kann abgerufen werden
• Am Anfang am meisten Vergessen wird (ca.70% am ersten Tag)
- Interferenz = Mechanismus des Vergessens: Unterscheidung zwischen proaktiver (vorwärtsgerichteter
Effekt) und retroaktiver (rückwärtsgerichteter Effekt) Interferenz
- Fehlleistungen des Gedächtnisses: Abrufprobleme, Fehlattributionen, Verzerrungen und persistenten
Erinnerungen

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