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Ersch. in: Modernität und Trauma : Beiträge zum Zeitenbruch des Ersten Weltkrieges / Inka Mülder-Bach (Hg.).

- Wien :
WUV-Univ.-Verl., 2000. - S. 211-227. - ISBN 3-85114-511-9

Albrecht Koseborke

Der Traumatiker als Faschist


ErnstJüngers Essay "Über den Schmerz"

!.

1930 gibt Jünger die AufSatzsammlung "Krieg und Krieger" heraus. Zu


den Vertretern der nationalrcvolurioJürcn und r:tschismusnahcn lntdligenz,
die in dem Band zu \'\Ion kommen, z:ihlt neben Ernst Jünger selbst, seinem
Bruder Fricdrich Georg sowie dem sp~itcrcn 55-Planer Wcrncr Best auch der
ehemalige- Weltkriegsoffizier Wilhdm von Schramm. Schramms Beitrag ist
betitelt: "SchöpfCrische Kritik des Krieges. Ein Versuch". 'I~ltsächlich wird
darin zun;ichst eine crnüchrcrndc Bilanz des r·:rstcn Weltkriegs gezogen.
Seitramm vcrkb.rt die Vergangenheit nicht; er bctom, "daß dieser letzte und
massenhafteste aller Kriege 7.uglcich am meisten fOrm- und kunstlos gewesen
ist" 1 • Alles, was zur klassischen Kriegskunst gehörte - das Heldenhafte,
Männliche, im alten Sinn Militärische, Aristokratisch-Ritterliche, die Erleb-
nisform -, sei in den Materialschlachten modernen 1)rps verlorengcgangcn.
Das Ethos des ehrenhaften Kamp{:Cs sei von den niederen Mächten des Res-
sentiments, des Kapitalismus und der Mechanisierung, das heißt von Ausge-
burten des biügerlichen 19. Jahrhunderts, bis zur Unkenntlichkeit entstellt
worden 2 • Schramm spricht von der "Entartung" des KricgesJ, der in seinem
VerLud-· und Ergebnis "nicht die ersehnte Entspannung zwischen den kämp-
fenden Völkern, sondern nur eine aufgeregte Erschlaffung, ein tiefes Gefühl
des Abscheus" hervorgebracht habe1 . Ni du nur seiner politischen Folgen we-
gen ist der Krieg unabgeschlossen; er wirkt fort als Problern der Erinnerung.
"Und hier hat die schöpferische Kritik des Krieges einzusetzen. Sie hat die
Seele der Völker von diesem Druck :t-tt befreien. Man kann den Krieg nicht
mehr ignorieren, wie man zehn Jahre versuchte, man muß ihn jetzt geistig
verarbeiten, verstehen und einzuordnen versuchen in Gang und Sinn der
Geschichte und Gegenwart. Man muG Abstand und Überblick zu gcwinH
ncn suchen. Es ist die höchste Au(gabe der Überlebenden, die nicht vom

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212 Albrecht KosehO!!?e Der lhwmatilar tt!s Faschist 213

Kriege gebrochen worden sincL vor allem in Dcurschlancl, dem einzigen Jünger führt den von Schramm f(mnulienen Generationenauftrag aufseine
Land, wo noch allgemeinere Einsicht in die Bedeutung echter Gcschiclnc Weise aus. Allerdings macht er sich von dessen nostalgischem Unterton frei.
lebt: dem Krieg trotz seiner scheinbaren Sinnlosigkeit seinen verborgenen 1--':s ist ihm ~· teilweise im Gegensatz zur 'l"Cndenz seiner früheren Kriegsdarstel-
Sinn und Inhalc abzuringen[ ... '] und das Zerstörerische an ihm von dem lungen - nicht mehr darum zu tun, ein antiquiertes Ideal von heroischer
Leben wirkenden 'lCil zu sondern. Wir müssen fertig werden mit diesem M~innlichkcit gegen die anonymisicrendcn Effekte der modernen WaHCntcch-

Krieg. \'Vir müssen die grogcn Verbreellen und Crcucltatcn entsühnen, die ndogie hochzuhaltcn. Er scLzl nicht den Lebenswunsch der Krieger gegen die
in ihm begangen worden sincl, wir müssen innerlich frei werden von todbringende Qualit~ü der Maschine. Er geht über solche vorindustriellen Al-
Druck und Last der Erinnerung, die Seele unserer Nation und die Seele der ternativen hinaus, indem er den Maschinenkrieg so:t.usagen vitalistisch um-
Welt 7,u reinigen versuchen von den Rückständen und Schlacken des armt: nünnliches Kriegerturn ist für Jünger nur noch tnit, nicht gegen die
Feuers, das, wie wir oft Ilihlcn, nur ein unreines und des menschlichen 'TCchnik zu retten. Deshalb vcrf()lgt er das Ziel, den männlichen K<unpfkörper
Geistes nicht würdiges Feuer gewesen sein kann. " 5 auf den Stand der fOrtgeschrittenen WaHCntechnologie aufzurüsten. Zur tota-
len Mobilmachung des Staates und seiner tedmisch-ökonomischen Ressour..
t::s ist bekannt, daG schon vor dem August t 9 t 4 der Krieg als grogc abend- cen muß sich die totale Mobilmachung der Körper gesellen.
Hinclische Katharsis erwartet und begrüßt wurde. Sduamms Psychograrurn
der Wdtkriegsüberlehendcn macht offenbar, clafS dieses Reinigungsunterneh-
men mißlang. Was zurückbleibt, ist das Gefühl der Ungeschiedcnheit ~on l!!.
"Gut und Böse", "Verwesung" und Größe 6, sind "Abscheu" und Bedürfnis
nach Sühne. Man hat wenig Mühe, diese Zustandsschilderung in die Sprache "Die Abschaffung der Folter gehört zu den Kennzeichen sinkender Lebens-
des Thuunas zu übersetzen. Der Krieg hat auch und gerade seine Parteigiinger kraft." So beigt ein von Jünger 1934 publiziertes Epigramm 11 . Der Essay
nachhaltig traumatisien1 , die Weimarer Republik hat dieses 'Ii:auma in die "Über den Schmerz" soll dazu beitragen, diese Lebenskraft zu erneuern. Und
Latenz abgedrängt, und nun, an deren politischem Ende, fordert endlich die zwar nicht nur auf chcnntischem, sondern auch auf performativem Niveau.
un:aufgearbeitetc Vergangenheit ihr Recht. Schramm weifS auch schon, an Der'lCxt selbst präsentiert sich als WaffC. "Was die innere Form dieser Unter..
wen sich seine "schöpferische Kritik" halten soll: an die Elite jener Front· suchung betrifft, so beabsichtigen wir die Wirkung eines Geschosses mit Ver-
kameraden nämlich, "die nicht vom Kriege zermürbt und zerbrochen worden zögerung, und wir versprechen dem Leser, der uns aufmerksam folgt, daG er
sind, sondern gestorben im lnncrn und von Grund aus wiedergeboren". Er nicht geschont werden soll." 12 r•:in merkwürdiges Versprechen, das auf die
begrügt in ihr "eine neue, schaffende, kühle und strenge Generation, die dem Kooperation des Lesers hofTt, nur um ihn aufbesonders nachhaltige Weise zu
scheinbar Sinnlosen seinen wahren, neubildenden Sinn zu geben imstande" traumatisieren. Ihren vollen .Sinn erlüilt diese von sadistischer Feierlichkelt er-
9
ist 8 , eine Generation "noch ohne Führung", aber zum -Einsatz bercit . Mit füllte Ankündigung, die Lektüre als einliterarisches Weltkriegserlebnis auszu-
anderen Worten, Schramm adressiert sich an die Generation derjenigen, die gestalten, wohl erst im Horizont von Jüngers EpochcnbewufStsein. Er besteht
in "Krieg und Krieger" ein Forum finden. darin, die Lektüre zu einem Akt der Initiation zu erhöhen: der "Leser, der uns
autinerksarn folgt", wird in die anbrechende Zeit mitgenommen. Jünger
macht sich als Autor zum Agenten und Führer in die Welt der Grausamkeit,
!!. von der sein 'fCxt handelt. Er tißt keinen ZweifCI daran, im Bund mit den
Mächten zu stehen, deren Hcraufkunft er mit visionärer Geste bezeichnet.
Jünger hat dem von ihm herausgegebenen Band seinen Essay "Die totale Die neue Zeit ist Jünger zufolge geprägt von der Wiederkehr des Elementa-
Mobilmachung" vorangestellt. Dieser Essay ergänzt sich mit der Progr~u~rr~­ ren. Die Ära der bürgerlichen Behaglichkeit, des Komforts, der Selbstnarkoti-
schrift Der Arbeiter" von 1932 zu dem Entwurf einer elaborierten faschtstt-- sierung hat sich überlebt. Vor der epochalen Signatur der Geßthr\3 müssen ih-
schen Änthropologic. Demselben Komplex gehört der Aufsatz "Über den re Abdichtungsmechatlismen versagen:
Schmerz" an, den Jünger 1934, also noch nach der Machtergreifung, veröf-
"Wir befinden uns in dem Zusrande von Wanderern, die lange Zeit über
fentlicht10.
einen gefrorenen Sec nl<lrschiertcn, dessen Spiegel sich bei vc6indcrtcr
'lCmperatur in gro!Se Schollen auf1.ulösen beginnt. Die Oberfläche der all-
214 Albrecht [(oschodu Der Tlt:mrnatilcer tt!J .Frtschist 2I 5
gemeinen Begriffe beginm brüchig zu werden, und die ·.rid~ des Flcn~ent.s, Diese Metaphorik, so suggestiv sie wirken mag, zeitigt in mehreren Hin-
das immer vorhanden war, schimmert dunkel durch dte Rtsse und htgcn sichten einen paradoxen _Effekt. Zunächst was den Schmerz als ,W~iluung'
hindurch." (352) betriflt. Denn während J Ü11ger einerseits in1 Scluncrz eine Gegenwelt zur Zivi-
listischen Erfalnungsvermeidung indiziert sehen will, l~igt er ihn andererseits
Jünger hat solche panischen Bilder geliebt. Sie sind in seinen zcitdia?nost!- gen<Hl der gleichen Logik gehorchen. Er wendet <ntf das Elementare die öko-
schcn und politischen Schriften der Zwischenkriegszeit allgcgcnwjrng, w1c nomischen Regeln ;;eines Cegentcils an, n;imlich des angeblich alle Bindun-
sie überhaupt nun Arsenal der damaligen Rechtspropaganda gehören. gen auf1öscnden Geldes: das Elementare h:iuft sich an "zu einem unsichtba-
"Nichts ist uns gewisser und mehr vorherbestimmt als e~x:n der Schn~cr:.; er ren Kapital", kann sich verzinsen und akkumulieren und schüttet schliefWeh
gleicht einem M<thlwcrk, das das ausspringende Kom in fein~rcn und ud~:rcn seinen verhängnisvollen Reichtum über die !'vfcnschcnwclt aus. Unversehens
Gängen erreicht, oder dem Schatten des Lebens, dem man steh durch kemcn si11d die Atltithcsen Scilltierz/Cegcnsr:indlichkcit/Leben versus KornhJrrl Ab--
Vertrag entziehen kann." ( t 47) Erst wenn alle Auswege verstellt sind, kann srrakthcit/Sekuriräc, zumindest der Struktur nach, identisch geworden.
auch der Essay seine Argumentation mit den notwendigen Zwangsmitteln Paradox sind aud1 die 1-landlungskonsequenzen, die sich aus der behaupte·-
entfalten. tcn AkkumulationsHihigkcit der Elementarkräfte ergeben. Oflt~nbar kann
Der Liberalismus hat, so lassen sich die Frontlinien von Jüngers polari- man der wachsenden Gebhr durch die kulturell aufgeschobene Schmcrzer-
sierendem Weltbild nachzeichnen, die Illusion der Wahlfreiheit in allen Le- Clhrung nur dadurch begegnen, dafS man den Danun, der vor ihr schützen
benssituationen genährt. Er hat glauben gemache, man könne sich durch soll, sozusagen eigenh:indig durchbricht. Und das leitet über in eine dritte Pa-
konstitutionelle und juristische Akte vor Angri1Ten auf die eigene Integrität radoxie, weil Jünger politisch-milidrische Aktionen einfordert, w:ihrend er
schützen. Seine einzige Leistung bestand in der Herstellung eines Systems cloch gleichzeitig betont, daE die dementJren Prozesse nach eigenen undun-
von Distanzen und Abstrakcionen, sei es durch Begriffe oder durch Geld. Für beirrbaren Gesetzen ablaufen. Der aktivisrische Cestus bricht sich hier am es-
die bürgerliche Gesellschaft war also das Ausweichen die maggebliche chatologischen, und umgekehrt. Jünger liest, so scheint es, in den befriedeten
LebensformeL Wo diese Formel an existentielle Schranken stieiS, hatte man Cescl!schaüszustand eine masochistische Suspense-Angsr hinein: lieber HLhrt
versucht, den Schmerz in die bestehende Werthierarchie einzugliedern. m.an das Aufbrechen des Schmerzes selber herbei, als noch Linger dessen la-
Demgegenüber betont Jünger dessen "Achtlosigkeit gegen unsere -w,ertord- tente Drohung, die Spannung auf das Bevorstehende hin zu enragen.
nungen" (148). Aber er will den Schmer/, nicht nur als schicksalhafte und
unbeherrschbar in die bürgerliche Sekurit:it einbrechende Lebensmacht ver-
standen wissen. Er erhebt ihn darüberhinaus zu einer in der Smnme unzer- !V
störbaren Essenz. Wie die Energie nach dem ersten thermodynamischen
Hauptsatz ist der Schmerz immer in gleicher Menge da, wenn auch in unter-- Bis zu diesem Punkt könme man meinen, dag Jüngers Affektlogik auf eine
schiedlichen Aggregatzuständen und Konzentrationen. Das zivile Leben wäre Befi'eiung und Steigerung der Gefühle abzielte. Der verddngte und doch all-
dann nur die konzentrationslose Form etwa des Krieges, und Langeweile die~ gegenwärtige Schmerz würde dann das energetische Potential dafür bieten,
jenige der Gefahr. Jünger macht eine essentialistische. Gegenrec~unn~g geg~n tun den durch den ZivilisationsprozcfS verschütteten Zugang zum elementa-
das liberale Kalkül auf, das nur der Abcbmmung dJcnc und msof-ern rem ren Dasein wieder zu öffnen. Es ist deutlich, dafS in einer solchen Gedanken-
negativ funktioniere: figur···- dem Drängen durch die Oberflächenschicht des sichernden Intellekts
"Die Natur dieser Sicherheit besteht also darin, dag der Schmerz zugun- hindurch in Richtung auf eine vitale und vulkanische Tiefe··- lebensphilo-
sren eines durchschnittlichen Behagens nach den Rändern abgeschoben sophische Impulse nachwirken. Überhaupt wird man f:1st alle Komponenten
wird. Neben dieser räumlichen Ökonomie gibt es noch eine zeitliche, die von Jüngers Zeitdiagnostik auch in den bourgcoisickricischcn ÄufSerungen
darin besteht, dag die Summe des nicht in Anspruch genommenen etwal\!1:ax Schders und anderer flnden 14 . Sie haben an der breiten Allianz von
Schmerzes sieb zu einem unsichtbaren Kapital anlüiuft, das sich um Zins Lebensphilosophie und konservativer Kulturkritik teil, deren Entstehungsmi-
und Zinses:rins vermehrt. Mit jeder künstlichen F·~rhöhung des Dammes, lieu im ausgehenden 19. Jahrhundert liegt und die, vermitrdt durch die
der den Menschen von den Elementark6iftcn trennt, nimmt die Be- Jugendbewegung und beJlachbarte Strömungen, noch das Denken der zwan-
drohung w." (158) ziger und drcigiger Jahre beherrscht.
2J 6 Albrecht Koschorlu Der 1hurmcttili!cr al~- Ft~sc:hist 217

Aber in \V1hrhcit geht es Jünger keineswegs um so etwas wie eine Resti- Immer wieder wird Jünger die Schwelle abschreiten, an der sich das Leben
tuierung des Leibes. Seit 150 Jahren, glauht er, sei ein ,,Anwachsen der prospektiv zum OpfCrgang steigen, ohne indessen über sie hinausgelangen zu
Empf-Indsamkeit" zu "beobachten" ( l58). Er setz[ mithin das cmpfmdsame können. Seine gesamte Essayistik beruht auf einem solchen stagnierenden
Zeitalter mit der bürgerlichen Ära als ganzer gleich, wobei er unter "Emp- Vorw~irtsdrang. Sie versendet starke und suggestive Impulse, die mitten in der
findsamkeit" eine Geisteshaltung versteht, die" die Unverletzlichkeit des Lei-· Bewegung sistiert werden müssen. Hinter der Schwelle liegt ein unbekanntes
hcs zum höchsten c;ut erklärt, dem sie alle Vorsorge widmet. "Das Geheim- und unzugängliches NiemandsLuHJ, um einen Üit Ersten Weltkrieg g<:~pr:igtclt
nis der modernen _Empf-Indsamkeit besteht [.. ,) darin, dag sie einer Welt em- rnilit~üischcn Ausdruck zu gebrauchen. Die Frontlinie des Schmerzes ist
spricht, in der der Leib mit dem Werte selbst identisch ist." (159) Die in dem gleich in dreiEKhcr Hinsicht unüberschreitbar. Erstens vermag Jünger die
Essay entwickelte Anthropologie lege es --- in Anlehnung an durchaus ver- "höhere Ordnung", die flir den Vollzug der Überschreitung notwendig wäre,
wandte Argumentationen bei Nietzsche -~ keineswegs als St~irke, sondern als nur in AussiciH zu stellen, nicht positiv namhaft zu machen. Zweitens ent-·
Schwäche aus, in der Sphäre des verletzlichen Leibes zu I--lause zu sein und sie zieht sich die ausst:ehendc Ordnung -·· und damit das andere Ende der
als letztgültige Instanz zu betrachten. Brücke, über die der Sehrnerz führen soll - ihrem Wesen nach der mcnsch-·
Der Aufmerksamkeit auf das Leibcswohl, der genugvollen oder lannoyan- Iichen Verfügungsgewalt; sie erscheint als transzendente Welt, die nichr
ren Imrospdnion, der an deo äufSersten Punkt der Verfeinerung getriebenen gemacht werden, ja überhaupt nicht werden, sondern nur in die historische
Sensitivität stellt Jünger das Programm einer heroischen Evasion aus dem Zeit einbrechen kann; Jünger streift bei ihrer Umschreibung Motive der
Körper entgegen. "Es gibt oHCnbar Haltttngen", schreibt Jünger n1it Blick auf negativen 'T'heologic und des Messianismus, die- man ist versucht zu sagen:
die OpferHlhigkcit früherer Zeiten, eigentlich- in ganz anderen Kontexten beheimatet sind.
"die den Menschen bcHihigen, sich weit von den Bereichen abzusetzen, in Drittens schliefSlieh ist auch der Schmerz, um den es Jünger doch anschei-
denen der Sehrnerz als unumschriinktcr Cebieter regiert. Die Abhebung nend geht, nicht als Gefühl aut?,ufasscn. Er spielt nur insoweit eine Rolle, als
tritt dadurch in Erscheinung, daß der Mensch den Raum, durch den er am er die Entfernung des !vlcnschcn von seiner leiblichen Existenz weiterzmrei-
Schmerze Ameil hat, das hcifk den Leib, als Gege11stand zu behandeln ben vermag. Der Weg in den Schmerz flihn nicht etwa zu gröfSerem Leiden,
vermag. Dieses VctL1hren setzt freilich eine Kommandohöhe voraus, von sondern zu grö!Serer K:iltc. Der vitalistische Impetus mündet also keineswegs
der aus der Leib als ein Vorposten betrachtet wird, den der Mensch aus in einem ,F•:rleben'. Er bringt nur neue Formen der Immunisierung hervor.
Ein Körper entsteht, der den Schmerz, besteht, ohne ihn zu empfinden, der
großer Entfernung im Kampf einzusetzen und aufzuopfern vermag. Dann
lauf·Cn alle Ma!Sregdn nicht darauf hinaus, dem Schmerz :;,u entrinnen, sich von der Schmerzgrenze her modelliert und nur von sich weif~, wenn er
an diese Grenze erinnert wird 15 . Wenn die Nml::ose den Inbegriff der zivilen
somlcrn ihn zu bestehen." (l58f)
Schmerzvermeidung darstellt, dann errichtet Jünger das Ideal einer männli-
Solche Robusthcitcn gehören selbst noch zum Inventar der Lcbcnsphilo-· chen Apathie.
sophic, die sich ja als ein Bollwerk gegen die Dekadenz des Zeitaltcrs ver- Der Essay "Über den Schmerz" ist eine Streitschrift Cür die Uncrnpflnd-
stand. Und doch verstrickt Jünger sich in einen Widerspruch von groGcr lichkeit, für das Heraustreten des BewuHtseins aus seiner Bindung an den
Tl:agwcitc. Einerseits sucht das "Leben", aufdas er sich beruft, "Fühlung" mit kreatürlichen Leib, für dessen Neutralisation als Instrument oder Püiparat. r·:r
dem Schmerz. Andererseits "gilt es, das Leben völlig in der Gewalt zu halten, handelt f(Jlglich von dem glatten Gegenteil dessen, was er im Titel bcncnnr.
damit es zu jeder Stunde im Sinn einer höheren Ordnung zurn Einsatz ge- Er spricht von St;ihlung, Rüstung, Formation, Disziplin und sieht in ihnen
bracht werden kann" (159). Jüngersselbstzweckhaft auftretender Schmerzvi- weniger die historische als die metaphysische Signatur, die sich allen Phä-
talismus wird also durchkreuzt von dem Bestreben, den Körper in fremde nomenen der Epoche aufPriigt. Jünger gelingt es wie zuvor schon den italieni-
Dienste zu geben, ihn zu instrumerualisicrcn. Das Leben gerade in seiner schen Futuristen, einen f()rcienen Vitalismus in tcchnizistische Bahnen zu
"Fühlung" mit dem Elementaren soll nicht Wert in .sich, Substanz in .sich lenken. Das ist für die Geschichte der kulturellen und politischen Semantik
.sein, sondern heterom einer "höheren Ordnung" unterstellt werden. Gcnau insof-Crn von besonderer Bedeutung, als dabei die herkömmlichen BegriHS-
genommen ist also der ,Durchbruch zum Leben' nur in der Preisgabe des Le- ~iquivalcnte und ~oppositionell der Antimoderne weitgehend aui~clöst und
bens, in der Sdbstopferung möglich. nach Regeln, die erst noch genauer zu untersuchen wären, neu gruppiert wer-
den. Das macht I-·Iybridbilclungen möglich wie jene "organische Konstruk-
2l 8 Albrecht Koschorke Der 'fitturruzd!a:r aü Frtw:hist 219

rion", als die Jünger die Existcnzf()JTll des ncucn versachlichten Menschen"· ren Worten: semantisch leere Kategorie tritt in die Leitfunküon der ausEdlen-
typs bestimmt, den er "Arbeiter" ocntHH1. Technik und Leben, zuvor als den Wertoricntierungen ein. Aber es ist eigendich wieder nicht er selbst, sotl··
schroffe Amagonismcn bestimmt, lassen sich nun amalgamicn:n. Damit al- dem "die auf den Schmerz gerichtete Bewegung", die als Dyrumik "Ab-
lerdings eine solche semantische Umwidmung gelingt, müssen bestimmte druck" einer "Struktur" sein soll, das heifSt auf der Stelle tritt. Diese Figur, die
Schlüsselbegriffe eine doppelte und kaum merklich /',wischen den Gegen- den Schmerz zum vorauseilenden Horizont einer ll<tcheilendcn Entschlossen··
polen dungicrcnclc Bedeutung annehmen. Im vorliegenden Fall ist das der hcit macltt, kontrastiert merkwürdig mit den panischen Diagnosen, wie sie
Schmerz. am AnEmg des Essays der latenten l.Jnentrinnbarkcit von Schmerzbegegnun-
hjr Jünger ist die "technische Ordnung 1 jener grofk Spiegel, in dem
1_ . . . gen galten. Wieder ist Schmerz nicht als ,Erlebnis' ;.u haben; die Verf-{)lgung
die wachsende Vcrgcgcnstiindlichung unsere.~ Lebens am deutlichsteil er·· der Schn1erzgrem.e bedeutet, wenn man solche 'TCxtpassagen zu plausibi!isie-
scheint und die gegen den Zugriff des Schmerzes in besonderer \Vcisc Jhg<> ren versucht, nichts anderes als den emotionslosen Willen zur Destruktion,
dichtet ist. Die lt:dmi/:; ist unsere Unij(;nn." (174)- "Zu a!len Zeiten", heigt weil die Destruktion des Bestehenden die einzige Möglichkeit bietet, sich in
es an anderer Stelle, "[ ... ] urnschlieGt die Unif(Hm einen Rüstungscharakter, Übereinstimmung mit der ausstehenden Wertordnung zu bringen.
einen Anspruch, gegen den Angriff des Schmerzes in besonderer Weise ge-
jJanzert zu sein." ( l G5) Aber diese kriegerische Abschirmung ist von anderer
BeschallCnheit als die zivile, die Jünger in das Zeitalter der von ihm so ge·· V
nanmcn J.·:mpflndsamkcit zurückverweist. Denn sie ist eben dem "Angriff'
ausgesetzt und dadurch als harte Umri(Slinie wahrnehmbar. Nur von der auf b dürfte aulßd~lHcn sein, da(S Jünger den ,Schmerz' als eine abstrakte und
solche Weise bestii.tigccn AufSenseite her gewinnt das, was Jünger ,Rüstung' intransitive Grügc behandelt, jedenLt!ls nicht in Körpcrwahrnehrnung um··
nennt, seinen Wen. L·:s bietet die doppelte Gcw~ihr, sich dem ,Leben' auszu- rechnet und auch nicht in die Rollenkomponenten eines 'i',uCügcndcn und
setzen und ihm gleichzeitig zu ,widerstehen'. Der Essay definiert l_)i.sziplin eines erleidenden Teiles zerlege Überhaupt stellt sich .sein Gebrauch des Be"·
fdgcrichtig als "die Form, durch die der lvknsch die Berührung mit dem griHS uncmphndlich gegen die Unterscheidung zwischen Opf-Cr und T~itcr.
Schmerze aufiechterhiilt" (I G4f). Das Zauberwort ,Dis;r.iplin', auf dem der Man könnte kaum jemals grammatikalisch pd;rjsc angeben, von u;essen
gesamte Entwurf zu einer totalitären Staatsordnung auhuht, schliefSt ein Be- Schmerz die f\ede isl. Das hjngt einerseits damit zusammen, clafS Jünger sei-
gehren nach Sehrnerz und die Unempf-Indlichkeit gegen ihn zu einer unauf- ne Darstellung systematisch von jeder Ernparhie und überhaupt jedem Ce-
löslichen Einheit zusammen. danken an Subjekte "/,LI reinigen versucht, und andererseits damit, da(~ seine
Psychodynamisch macht das die Schmerzsuche zu einem Vorgang, der nie- Eschatologie des Schn1erzcs sich unnlittelhar auf detl Auf-bau disziplinärer
mals zum Ende gelangen kann. Denn die gleiche Armierung, die den K~imp­ Ordnut1gcn bezieht. Disziplin wirkt in zwei Richtungen, nach innen auf die-·
fcr bewegt, sich dcn1 Schmer;, atJszusetzen, Latenz in gewalttätige Manifcsta·· jenigcn, deren Formung sie unternimmt, und nach aufSenauf alle, die mit der
rion umzuwandeln, wirkt wie eine Sperre, die ihn auf ewig von der anderen entst-andenen aggressiven Formation in Berührung kommetl. Als Opcrationa-
Seite der eigenen Grenzziehung trennt. Am SchlufS seines Essays macht Jün-· lisicrung der SchmerzgrenL,e bildet sie sozusagen cbs gemeinsame und unun-·
ger diese infinitesimale Vergeblichkeit explizit. Nachdem er Indizien dafür terschicdcnc Produkt aus beiden Faktoren.
gesammelt hat, dafS man sich mitten im epochalen "Übergang" zu einer künf~ Die einzige Asymmetrie, die der Schmerzbegriff in dieser Fassung zuliigt,
tigen, wetln auch noch nicht erkennbaren Ordnung befl.ndc, erteilt er Losuil- ist die Asymmetrie zwischen _Fonmttion und Nichd(Hmation. Jünger denkt
gen für das Verhalten im Wartezustancl. Er schreibt: nur aus der Perspektive der Formation. Es gibt kein 1,eiden der Unterdrück-
ten, keine Moral, die ihnen zu Hilfe kommt, keine Inkongruenz /',wischen
"Innerhalb einer solchen Lage aber ist der Schmcr;r. der einzige MaEstab, der
Recht und Gewalt. Insofern ist seine Darstel!ung ohne jeden Rest gewaltför-
sichere Auf-Schlüsse verspricht. Wo kein Wert standhält, bleibt die auf den
mig und schreibt an einem metaphysisch geschwängerten Stoizismus der T~i­
Schmerz gerichtete Bewegung als ein erstaunliches Zeichen bestehen; in ihr
terschaft mit, am Konzept einer entschlossenen und gleichwohlletztlich sub-
verrät: sich der negative Abdruck einer metaphysischen Struktur." ( 190f)
jektlosen Exekutive. "Im März 1921 ", .schreibt er,
Ich will von dem Beharren aufNcgativität, das Jünger hier noch einmal be- "wohme ich dem Zusammenstoße einer dreiköpfigen Maschinengewehr-
kundet, vorerst absehen. Der Schmerz a!s eine rein physiologische, mit andc- bedienung mit einem Demonstrationszug von vielleicht fünfrausend 'TCiJ ..
220 Albrecht Koschor!?e Der ?htumr!tiker rt!s Paschist 2, 2 [

nchmcrn bei, der eine Minute n<tch dcrn Fcucrbcfchl, ohne claG es auch Boden unter den FüGen hinweg-- nur dag eben die eine dies irn Zeichen der
nur einen Verletzten gegeben lüittc, von der Bildfläche verschwunden war. Ohnrnacht, die ·andere im Zeichen der 1\1achr tuL Der bewaffnete Volunta··
Der Anblick hatte etwas Zauberhaftes; er riefjenes tiefe Gefühl der Heiter- rismus bch;i!t die Oberhand, und es ist gerade die darin liegende Anmagung,
keit hervor, von dem man bei der Endarvung eines niederen IYimons cr- die dezisionistische Urnleehrungdcs Legitin1ationsschen1as, die Jüngers Freude
griflC!l wird. Auf jeden Fall ist die 'TCilnahmc a11 der Zurückweisung eines bewirkt.
solchen unfundiertcn Machtanspruches lehrreicher als das Studium einer Auch der Begriff ,Schmerz' bei J üngcr sucht Berührung rnit einem solchen
ganzen soziologischen Bibliothek." ( 168) transsemantischen I·~nergiepotcntial; auch das Schmerzhafte soll sich nicht in
einer Sphäre erschöpfen, in der es in Zweck-IvEttd-Rclarioncn gedacht und
Die Szene ist ein guter Beleg dafür, auf welche Art die von Jünger in An-
instrumentell eingesetzt werden kann. Uncl doch kann Jünger bei einer sol-
spruch genommene Halrung der disirwo!ture einen Ästhetizismus des Bösen
chen hohen und let?,ten Autonomie des Sinnlosen nicht stchenbleiben, er
nachstellt und wie er dieses Erbteil der Schwarzen Romantik in die Schwarze
schreibt sich gleichsam über den Gravitationspunkt seiner Darstellung hin-
Moderne des 20. Jahrhunderts hinübenrägt. Die von ihm geäußerte tiefe Be-
weg bis zu der Grenzlinie, an der jener nihilistische Furor, jene Lust an der
friedigung tührt sich nicht nur aus dem mitempfundenen 'T'riumph über eine
Annihilation sich an eine wertsetzende Macht ausliefern wollen. ",--Iieraus zie-
rebeHierende Menge; die "Entlarvung eines niederen D;imons", der er ,bei-
hen wir den Schlug, daß wir uns in einer lct:t.tcn, und zwar in einer sehr
wohnt', ist nicht auf dieser Ebene politisch codiert. Wie beim Mechanismus
merkwürdigen, Phase des Nihilismus bdlndcn, die sich dadurch auszeichnet,
des Witzes hat das "Ccflihl der Heiterkeit" etwas mit einer logischen Abkür-
dafS neue Ordnungen bereits weitgehend vorgcstofSen, dafS aber die diesen
zung zu tun, hier mit dem KurzschlufS zwischen Legitimation und Faktizidit.
Ordnungen entsprechenden Werte noch nicht sichtbar geworden sind."
Die J:lktische Macht behauptet sich als legitim, cinE1eh weil diejenigen, die
(190) Aus dieser Ubcrgangslagc lasse sich, so Jünger, "das Nebeneinander von
nicht in ihrem Besitz sind, sich auf Urnweghandlungen wie die Moral, den
hober organisatorischer Fähigkeit und der völligen Farbenblindheit gegen-
Appell, die Suche nach Verst~indigung verlegen müssen. Der "Machtan-·
über dem Wert, den Glauben ohne Inhalte, die Disziplin ohne Legitimation"
spruch" der Demonstranten ist "unfunclicrt" und deshalb illegitim, insofern
begreifen (ebd.).
er gegen ein aufgebhrcncs Maschinengewehr cb1s Nachsehen hat. Die WafTe
Und er fordert ( 1934!):
stellt deshalb mehr dar als blofS ein Mittel zur Beherrschung der Situation; sie
liefert den Gegmbeweis gegen das Vertragsaxiom und die Verhandlungsmen- "Praktisch ergibt sich aus dieser Feststellung H.ir den Einzelnen die Not-
talität der von Jünger zu Crabe getragenen demokratischen Ära-- einen Ge- wendigkeit, sich trotzallem an der Rüstung zu beteiligen·- sei es, dag er in
genbeweis, der ohne Argumente auskommt. ihr die Vorbereiwng :t.um Untergang erblickt, sei es, daß er aufjenen Hü-
Man mufS Jüngers "Heiterkeit" auf diesen tnUIJJ'ertwntischen Effekt bezie~ geln, auf denen die Kreuze verwittert und die Paläste vcrf:lilcn sind, jene
herL Sie erkbrt sich niclu so sehr aus der Parteinahme für die überlegene Sei- Unruhe zu erkennen glaubt, die der Erriduung neuer Feldherrnzeichen
tc im Konflikt als aus der Genugtuung darüber, dafS hier allen Bemühungen vorauszugehen pi1cgt." ( 191)
um VCrständnis ein abruptes Ende gesetzt wird. Gegen eine Gewehrmün-
dung kann man keinen besseren Sinn mehr behaupten, es sei denn tun den
Preis einer offCnkundigcn Licherlichkeit, wie er allen ohnm~i.chtigcn VI.
L•:n1pörungen anhaftet, wenn man ihnen nur teilnahmslos genug zusieht.
Aber auch die sadistische Komponente, die hier zweifellos im Spiel ist, reicht Was die polirische Programmatik der frühen dreifSigcr Jahre angeht, steht
als Motiv noch nicht hin. Die beobachtete Situation weckt in Jünger einen Jünger mit dieser Wendung hin zu einer stabilen Wertorientierung nicht al-
Lachreiz nihilistischer Art, ein abgründiges Glücksgefühl über die gelungene lein. Im gesamten Spektrum der Rechtspublizistik stimrnt man sich in der
ManifCstation von Grundlosigkeit, von Sinnüberschrcitung. Streng genom- Endphase der Weimarer Republik auf weltanschauliche Synthesen ein, die
men stehen sich bei der Straßenszene zwei unfundierte Machtansprüche ent- über die Befangenheit des Augenblicks hinausreichen sollen. In der Folge da-
gegen. Nach republikanischem Verständnis würde ja der Auftuarsch para~ von geraten aktivistische Konzepte zusehends außer Kurs. Je instabiler das
milit;irischer Kr;Hi:e gegen unbewaffnete Demonstranten seinerseits jeder Weimarer politische System sich als ganzes zeigt, desto weniger ist es mit Ein-
Rechtsgrundlage entbehren. [kiele Parteien ziehen sich also wechselseitig den zelaktinnen von Freikorps-"[htpps im Straßenkampf noch getan. Mit der
Machtübernahme stellt sich 1-lir die in den Nationalsozialismus einmünden-
222 !llbrccht Koschorhc Der 'fhrunuailur als Frtschi~·t 22.3

den Strömungen das Problem, sich staatspolitisch zu konsolidieren. Jünger Das macht die in dem Essay entwickelte i\rgumemalion einerseits spröde
nimmt aus der Distanz des Chronist·en an diesem, wenn man so will, ,Er- gegen eine Utlmitrelbar tagespolitische fn<lnspruchnahmc. F,s macht ilm aber
wachsenwerden' der bschistischen Generation, am Einrücken der National- andererseits anschlufWihig und ergiinzungsbedürfrig, weil die f()rmalistische
revolutionäre in die verantwortlichen Stellungen teil. Struktur dieses und der iihnlich gelagerten ,_! Cxtc sozusagen einer semanti-
Was die texwelle Bewegung seines .Essays bctriiTt, macht sich das an einer schen Zufuhr bedarf und darauf angelegt ist, mit konkreten politischen In-·
· kndcnz bemerkbar, die dessel\ Entschlosscnheitsanili.ide auf seltsame ;\n halten versorgt zu werden. Irgc11d jcnwnd mug ja die b;lagnaluncn crgrcif-(:n
unterl;iuft. Die heroische SatisE1ktion, aus der er sein Frhos der [(iiltc bezieht, ~-sei es, dag sie den totalen Staat, die Aufrüstung, die Ausschaltung der [ntc!-
zehrt immer mehr aus; sie dreht sich gleichsam in die Cegcnrichtung ihrer !ckwdlcn1H, den propagandistischen Ccbrauch der Medien oder eben die
behaupteten Autonomie und tunerstellt sich einem durchaus passiven und Zurichtutlg des Körpers bctrcflC:n --·,die Jünger dantl alJS grofSer Ferne als me-
vom Eingreifen höherer tvl:ichte abh:i.ngigcn 11ttenliJnurs 17 , Der Fssay, der un- taphysische Signatur des Zeitaltcrs auslegen kann. "1\1agnahmen dieser Art
ter dem Druck der Forderung geschrieben schei!lt, niemals die Initiative aus wirken natürlich auf den menschlichen Bestand", schreibt er, um sich gleich
der Hand zu geben und sich stets an der Spitze der geschichtlichen Bewegung auf charakteristische Weise zu korrigieren: "oder, hcsser gesagt, sie sind An-
zu halten, bgt am Ende keine andere Option oHt~n als die, sich blindlings ei·· deututlgen, daG dieser Besta11d sich ZLI veriiltdern beginnt." ( J 64) I11 solchen
ncm unabiinderlichen Ceschcltcn ausL,ulidCrn. Wendungen manifestiert sich das ganze Dilemma. I )ie [(onjunktion "oder"
So exekutorisch Jüngers Sprache sich gibt, so sehr bleibt sie in jedem ihrer dreht den Sinn der Aussage um. Im ersten Teilsatz ist der ftschislische Um-
Impulse darattf angewiesen, von einer anderen Seite gelenkt, beglaubigt, ver"· bau des Menschen, denJünger ausdrücklich befürwonet, Resultat konkreter
vollst~indigt, vollcndc.t zu werden. Unversehens schwcnkr die ganze forcierte politischer Straregien; im zweiten wird er zu einer Sache, die sich von sich
Virilitiit der 'J(nalcn 1\!lobilmachung ins Wciblich-EmpbngcJlde Lun. Der aus, auf schicksalhafte Weise ereignet und von der alle (\)litik nur eine sym-·
mobilisierte Körper erwartet das Prdgczeichcn des Schmerzes, und er bewegt bolischc Verdopplung sein kann . .ft1tentionales I-·landdii und metaphysisch··
sich in einer höchst unbehaglichen Intcrimszone, solange er diese Pr~igung eigenläufige CeserzmäGigkeit werden ununterschcidbar. Jünger WBt die für
nicht fühlt. "Wenn man", so schreibt der ehemalige Fromk:ünpfCr in einem sein Epochenmodell entsclleidenclen Innovationen ohne jede gedankliche
Jargon, der an die Fuwristischcn Manif-Cste erinnert, "den Menschen in seiner Schwierigkeit einmal "Werkzeug" und "WafTC" sein, deren der neue ,,'I):pus"
einsamen Lage erblickt, weit vorgeschoben im geHihrliehen Raum und in ho"· "sich bedient", das andere Mal "Ausdruck" eines mythischen Automatismus,
her Bereitschaft, so ergibt sich von selbst die Fr;:tge, auf welchen Punkt sich hir den dieser 'Typus das blinde Vollwgsorgm bildet (l82f).
diese Bereitschaft bezieht. !Jie Macht muf~ grog sein, die ihn Anforderungen
zu unterwedCn vermag, wie man sie an eine 1\Aaschinc stdlt." (l89f) Aber
eine solche souveräne Instanz ist, wenn sie ihrem Begriff genügen soll, nicht V!!.
beeinflugbar; und nichts, weder politische noch militärische MafSnahmen,
können aus eigener Kraft ihre [-lcraufkunft einleiten. Insofern liiuft die In- Man kann sich über solche Unentschiedenbeiren in Jüngers l···:ssay mokie-
strumentalit;ir, auC die Jünger den Hauptteil seines Essays verwendet hat, ren und sie als Zeichen mangelnder geclanldicher Schärfe ansehen. Nur hat
vol!komnletl leer. Ihr steht eine ebenso leere Tbnszendetlz gegenüber. Heide man damit nicht viel gewonnen. Denn das Zutrauen in die Kraft der rationa-
Ebenen sind aufCinander verwiesen und können sich doch nicht berühren. len Widerlegbarkcit solcher 'lCxtc verfehlt deren spezifische Energie. I·.':s gibt
"Und niemals", heifSt es wenig später, "bestanden günstigere Voraussetzungen eine Genauigkeit des Ungenauen, die im faschistischen Schrifttum höchst
für das dem reinen WiUcn überlegene Zauberwort, das der 'ii.1gerH.! der Amei- wirkungsvoll eingesetzt wird, und gerade in dieser Eigenschaft kommunizie-
sen, die nicht gering :t,u schätzen ist, ihren Sinn verleiht." (190) Der "reine ren Jüngers Publikationen in den frühen dreifSiger Jahren mit der Symbol--
Wille" reicht nicht hin. Das Ankommende kann nicht mit politischen Mit- ökonomie des Nationalsozialismus. Es ist ganz verft:hlr, .Jüngers Kreditauf-
teln herbeigeführt werden; es steht augerhalb der historischen Zeit; es ist nur nahme bei BegriHCn wie ,Ivlythos' und ,Metaphysik' irgendeiner notorischen
als ein Sein, ein verdecktes, verborgenes, ausstehendes Sein denkbar und Politikferne und Zeitenthobenheil des Dichtcrs zugmczuhalten, wie das von
kann als solches rein kategorial eigentlich keine Verilnderung zeitigen. ün In- seinen Apologeten noch immer gern getan wircl. 19 Eine bestimmte Art der
nersten ist Jüngers Dynamismus starr und, so sehr er sich eines Sinnes mit doppelten Perspektive ist vielmehr wesentlicher Bestandteil der Propaganda
der technischen Beschleunigung glaubt, zutief<;t immobiler Natur. selbst. Man könnte sagen, in dieser Hinsicht sei auch das totalitäre Denken
2.24 Albrecht Koschorlu Der 7hwmatiker ct/s Frtschist 2,2 5
,poetisch'. Dessen ideologische Konzepte beeindrucken nicht durch Eindeu- dett .Jünger anschlägt, die tcxtudlc Bewegung seines Essays sozusagen fort··
tigkeit, sondern durch die stilsichere Verwehung :tweier entgegengeset'ller w~ihrcnd über sich selbst hinausschid~cn und die Schwelle von der Schrift zur
Botschaftcit. 'Eu überschreiten; insofern betätigt sich Jünger hier zweifelsfrei als Propagan··
In der einen Richtung kosten sie das Fasl'.inierend-Unwiderstehliche einer dist. Andererseits aber bietet ihm das Changieren :twischcn politischem und
zutiefSt willkürlichen und sich durch ihren puren r·:insatz ernüchügenden eschatologischem Dukws genügend Spielraum, um sich übergangslos auf die
Ccw<tltsamkeit- <Im; in der anderen lassen sie eben diese Gnvah in den Dienst Position dc.~ emfcrmcn Betrachtcrs metaphysischer Seinswandlungen zurück·
an einer neuet1 und höheren Wertordnung treten. Sie leben vom Habitus der zuziehen. 'l(~xtc dieses 'l)rps bieten al.so die grammatikalische Disposition so-
Exekution; doch halten sie in den ·-nitern stets das BewufStsein lebendig, pas- wohl für seine Selbstübergabe an die Elsehistische Praxis als auch Üir eine
sives Medium in einem über ihre KüpfC hinweggehenden eschatologischen :isdtetisch··lwncemplativc Enthaltsamkeit, ja Dissidenz. In Ausnutzung der
Umbruch zu sein. Bekanntlich hat sich die fvlachtstruktur des Nazi-Regimes :t.weitcn Option kann Jünger nach dem Krieg für sich den bekannten An-
insgesamt in der Doppcltheit von blinder Ergebung in das Diktat des Hihrers spruch erheben, nur der Seismograph der Erschütterungen gewesen zu sein,
und der ,Vorsehung' einerseits und sclbstherrlich-aktionistischem Satrapen·· die b:uropa heimgesucht habeiL Das erlaubt es ihm, sogar seine Schrift "Über
ntm auf der anderen Seite en&tltet 20 . den Schm<.~r:t.", deren totalitaristisches Engagement unübersehbar ist, noch
Jüngers Abhandlung "Über den Schmerz" gewinm ihre Suggestivkraft aus [ 980 als "im Kern nach wie vor gültig" zu be:r.eichncn und mit geringfligigen
einer zugleich vorwärtsgetriebenen und im SuspenJ gehaltenen Schwellen·· Abiinderungen in die Ausgabe seiner Werke auf'l.unehmen ( [ 42).
dynamik. Sie ruft zu einer Art physiologischer Generalmobilmachung <lliC
aber sie legt die gesteigerte und durchaus selbstzweckhafte Aktivität, die sie
f(Hdert, nicht auf einen Zugewinn an subjektiver Autonomie, sondern auf vm
Fremclbestimtntheit, ,"ichirkJa!Jbedii!Jiigi:eit aus. l_)er gleiche Mechanistnus
gilt im Umgang mit Kategorien wie Zweck oder Sinn. Zwar wird Jünger Wenn es BegriHSgt:sten gibt, dann hat die Geste des 'Thn.una-BegriffS immer
nicht müde, triumphierend das Hinwegschreiten über die Sinnforderungen darin bestanden, ein authentisches Leiden zu beglaubigen. Sie hat die Kette
und Kostco-Nmzen-Kalküle des bürgerlichen Zeitalters zu dokumentieren, der Gewahtaten beim OpfCr enden lassen. Man wird Gestalten wie Ernst
aber er liefert auch seine "lhtnssemantik der Gewalt einer höheren Wertbedüz/--- J lingcr !licht mit einem derarrigen ntoralischen Kapiral ausstatten wollen.
tig!eeit aus. Und endlich - mit den finstersten praktischen Konsequenzen · Nicht einmal die Erschütterungen des Ersten Weltkrieges reichen dazu aus,
schlidSt das in Jüngers Text in Gang gesetzte infinitesimale Streben auf die denn sie standen bei Jünger mehr noch als bei anderen im Zeichen einer bis
Schmei7.grenze 7.u als der einzig sicheren physiologischen Wahrnehmungs·· J',ttm Ende aufrechterhaltenen Einwilligung in das, was ihm widerfuhr. OfTen-
gröfSe, der aber der Weg der SclbstetLihrung verschlossen bleibt, eine Art sichdich war der psychische Mechanismus, der Jüngers Publizistik der Zwi-
'fCrrorbedüzfiigkei.t in sich ein. Wer den ,Schmerz' suchen mufS, ohne ihn als schenkriegszeit in Gang h~i!t, schon bei seinem Afi·ika-Abenteuer von 19l j
Kategorie des eigenen Empfindens anzuerkennen, wird auf paradoxe Weise <llll Werk und reicht in das Milieu des Wilhdminismus zurück, um sich dort
davon rtbhängig, ihn anderen zuzufügen. in der Bcliebigkeit biographischer Rekonstruktionen 7,u verlieren.
Wenn die "auf den Sehtnerz gerichtete Bewegung" ihr Ziel und damit den l•:s existiert kein Ur-'T'rauma, auf das man alles Spätere zurückführen kann;
"einzigc[n-1 Magstab, der sichere AufSchlüsse verspricht" (191), aus eigenen tra~unatische Er[thrung ist hier wie sonst nur im Modus der Wiederholung
Kräf-ten niemals erreicht, dann kann sie nichts anderes tun, als in der Vedd- greifbar. Dennoch kann man die Radikalität von Texten wie dem Essay "Über
gung der Schmerzgrenze ununterbrochen zu eskalieren. Jüngers Beispiele le- den Schmerz" wohl nicht verstehen, wenn man nicht cinr:iumt, dafS seine
gen sich in ihrer SuggestioiiSrichtung darauf fest, daß diese Grenze nur durch Dynamik von sozusagen traumatomorphen Energien gen~ihrt wird.
'ICrror berührt werden kann. So löst der in dem Essay gefeierte Clan lJi.ta! Jüngers TCxtbewegungen zeigen zweierlei. Erstens die V1ünschbar!?ei.t von
einen Bedarf an hntw~-ilucnd zu steigerndem '.lCrror aus, ohne doch jemals die ]i:aumata, wenn dadurch einer Bedrohung, die ebenso diffus wie allgegen-
Schallmauer zu einer wie auch immer gearteten exzessiven Sättigung zu wärtig scheint, zu einer Art von handgreiflicher RcfCremialit~it verhoHCn wird
durchbrcd1et1. -- und sei es durch einen Effekt der Nachtr~iglichkcit, nämlich durch Erfin-
All dies hjngt mit einem Doppelsinn in der Performanz des 'lCxtes als sol- dung eines dazu geeigneten Kondensats. Zweitens die 'T8.rsachc, dag der trau-
chem zusammen. Einerseits HH~t der entschiedene und exekutorische r[(m, matische Impuls sich in mimetischen Sequenzen fonpflanzt und dabei durch-
226 Albrecht Koseharke Der Thwrnatiker als Faschist 2.27

12 Jünger, Ernst: Über den Schmerz. In: ,')iiJIItbehc \Verke. /weite Abt. Bd. 7: Essays I.
aus imstande ist, die Front ?Wischen Opfer und Tiücr zu wechseln. Und zwar
Betrachtungen zur Zeit. Stuttgart: Kktt-C:ona !980, S. [!(} 191. ([m folgenden ohne weitere
nicht nur deshalb, weil Kategorien wie ,Schmerz' oder ,Gebhr' den Versuch Angaben nach den Seitenzahlen zitiert.) --- Diese von Jünger redigierte bswng wurde mir der
der psychischen Bewältigung eines diffusen Bcdrohtheitsgcfühls in 'TCrror ge- Erstfassung in "Bliittcr und Steine" (Anm. II) abgeglichen.
gen andere einmünden lassen; sondern auch noch aus dem zweiten und wich- U Vgl. Jünger, r·:rn.~t: Über die Gch1hr. ln: Dergtßihrlichr Augenblick l·:inc Sammlung von
Bildern und Berichten. Hrsg. v. Fcrdinand Budwltz. lkdin: Junker und Dünnhaupt l9Jl,
tigeren Grund, dafS die Tiiter sich als Vollzugsorgane einer höheren Macht
der Wiederholung verstehen düd-Cn, daE sie die Opf-Crseitc gleich mitbcsNzen
s. 11"-16.
10 [)ar.mf macht schon v. Kmdww aufnwrksam: Krockow, Christian ( ;raf von: /)/(' h'11t
und deshalb die f-~1ktischen Opfer gar nicht mehr als solche wahrzunehmen .rcheidung. Fine Untersuchung über Lrnstjiingc1·, Cnl Schmin, Marrin HcidcggcL hankfun a.
vermögen. M., New York: Campus 2. AuH. 1990, S. 29r
Für Efld<te dieses 'f}rps mug eine un&lsscnde 'H-auma-Thcorie Erktirun- 15 Vg!. dazu die inzwischen klassische Studie von Klaus Thcwdeit: lvliinm'JjdJttnttl.l"im.
2 Bdc. Rcinbek bei I·bmburg: Rowoh!t 1980. Bd. 2, S. 1lf:Hr.
gcn Linden.
I() Jünger, Emst: /)er ;1rbeita. Herrschaft und Gestalt. Sltlttgart: Klett-Cotta 1982 (nlcrst
19:1"2).
17 Vgl. Müller, Hans--Harald: Da f(ritX und dit Sd;r~j"tstd!a. 1kr !<ricgsmnun dct· \'{/eima--
Amnerkungen rer Rqmblik. Stuttgart: Meder 1986, S. 290 und passim.
18 Von deren mythischer Notwendigkeit im "Kampf der Völker gegen die Herrschaft der
l Schramm, Wilhclm von: Schöpferische Kritik des Krieges. Ein Versuch. In: Krieg und abstrakten Vernunft" ist in der UrC1ssung des F.%ays die Rede allerdings mit Bezug auf die rm-
Kriq;;a. l-Irsg. v. r·:rnst Jünger. BCl'lin: Junker und Dünnhaupt 1930, S. 31--49, hier: S. 34. sische Revolution. Vgl. Jünger, i':J·nst: Über den Schmerz. ln: Jünger: 8/dttcr uw! Steine,
2 "Gerade für echte Soldarm ist dieser Krieg sp:irer die schlimmste Entt:-iuschung geworden. S. I 54----2.1 J, hier: S. 177.
Es w;H kein Krieg um der tidCrn Ideendeo Kriege> wilkn, sondern nur eine vernichtende /wie-- 19 Ein Beispiel: Koslowski, Peter: Da /Vf)'tho_,. dt'r lvfodcrnt'. Die dichteris<:hc Philosophie
tracht bürgerlicher Ge.~innung und mechanistischer /.ivili.~ation. b ging nicht um geistiges, Ernst Jüngers. Mündwn: Fink 1991. -Auf die Jubil~iumsprosa ant-iGlich der n1t1den c;ebun~ta­
volkliches Übngcwicht, um die Entscheidung des inneren \'{/ertcs mehr, sondem um Zweck<· ge Jüngers will ich hier nicht weiter eingehen.
und praktische /.icle, materiellen Gewinn. \'{/ie viele hatten ;mcrst und vom Kriege allein eine 2.0 Vgl. Mommsen, 1--lans: Da Mttionrdwzittfi;·mw und die rlmlsthe C:i'.(i!l!.rr.ht!fi. Ausgewiihl-
radikale Erneuerung des Zeitgeists erhofft! Doch dieser Geist oder Ungeist erwies sich stärker te Auhiilze. Hrsg. v. Lutz Niethammer und Bemd Weishrocl. Reinbek bei H:unburg: Rnwnh!t
als alle ursprünglich ritterliche Idee des Krieges. [... ] Ocr Krieg war nicht mehr eine erhöhte, 1991.
zusanm1engebgte Form des miint1lichcn l..ebem mehr, wie wir ihn alle einmal geuäumt, er war
eine Hirchrediche Maschine, eine Mechanik der blinden /.ennalmung, die von einem Heer
sim[Jier Angestellter, auch von gewiegten Mechanikern, aber vollkommen kaltsinnigen Men-
sche-n in G,~ng n·haltm \Wl" [ ... ].Wirklich gcbmpfl, von M<llltl w Mann und von1i·uppe w
"[i·uppc, wurde immer seltener mehr." Schramm: Schöpferische Kritik des Krieges, S. J8f
:) Schramm: Schöpferische Kritik des Krieges, S. %.
!f Schramm: Schöpferische Kritik des Krieges, S. J4.
5 Schramm: Schöpferische Kritik des Krieges, S. J4f
6 Schramm: Schöpferische Kritik des Krieges, S. 35.
7 "Der Verfasser erinnert sich, dafS ihm und anderen zu Ende des Krieges nichts tieferen
Findruck machte als das bittere Won Hamlcts (I, '5):
"J<l, von der'hfd der Erinnerung will ich
Weglöschen <llle törichten Cesdüchten
Aus Büchern alle Sprüche, alle Bilder,
Die Spuren des Vergangncn, welche da
Die Jugend einschrieb und Bt()bachnmg.
(Schramm: Schöpferische Kritik des Krieges, S. 39)
8 Schramm: Schöpferische Kritik des Krieges, S. !f7.
9 Schramm: Schöpferische Kritik des Kl"ieges, S. 48.
10 I--Iierzn und 7.11111 Folgenden: Ketelsen, Uwe-K.: Litmttur und Drittes Reich. Schen1fdd:
SI I-Verlag 1992, Kap. 10; Müller, Hans-Haraid und Scgeberg, I--Iarro (I-Irsg.): Emu }iinga im
.HJ. }tlhrlmndwt. IvllinchLn: H"n k 19_95.
11 Jünger, Ernst: Bltitta und Steine. Hamburg: Hanseatische Verlagsanstalt 1934, S. 225.