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UNIVERSITÄT BANJA LUKA

PHILOLOGISCHE FAKULTÄT
ABTEILUNG FÜR DEUTSCHE SPRACHE UND LITERATUR

ROMANTISCHE MOTIVE IN DER ERZÄHLUNG


PETER SCHLEMIHLS WUNDERSAME GESCHICHTE
VON ADELBERT VON CHAMISSO

DIPLOMARBEIT

Betreuerin: Doz. Dr Anđelka Krstanović Janković


Student: Stefan Simonović
Matrikelnummer: 915/2014

Banja Luka, Oktober 2019


INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung..................................................................................................................................3
2. Adelbert von Chamisso (1781-1838).......................................................................................4

2.1 Biografie.......................................................................................................................4
3. Die Romantik und „romantisch“.........................................................................................12

3.1 Frühromantik..............................................................................................................12
3.2 Heidelberger Romantik...............................................................................................15
4. Peter Schlemihls wundersame Geschichte.............................................................................17

Inhalt.................................................................................................................................17
4.1 Romantische Motive aus dem Werk „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“...18
4.2 Fortunati Glückssäckel...............................................................................................19
4.3 Siebenmeilenstiefel.....................................................................................................21
4.4 Wandermotiv..............................................................................................................22
4.5 Der Mann im grauen Rock.........................................................................................25
4.6 Der Schattenverkauf...................................................................................................26
1. Einleitung

In dieser Arbeit werde ich die romantischen Motive im Werk „Peter Schlemihls
wundersame Geschichte“ ausführlich betrachten. Ich werde zuerst über die Rolle des
Motivs für die Geschichte schreiben. Da wird geklärt was ein bestimmtes Motiv in der
Geschichte macht. Später wird anhand eines Beispiels aus dem Zitat erklärt wie das alles in
der Geschichte funktioniert. Am Ende wird die Bedeutung des Motivs erklärt. Es wird
beschrieben, woraus das Motiv stammt, findet man es in anderen literarischen Werken und
Gebrauch des Motivs.Die Motive, die ich gewählt habe sind: Fortunati Glückssäckel,
Siebenmeilenstiefel, Wandermotiv,Der Mann im grauen Rock, Der Schattenverkauf.

Unter den Schriftstellern und Literaturkritikern des 19. Jahrhunderts wurde eine
Diskussion über dieses Werk geführt. Darin geht es um Gliederung dieses Werkes in einer
von den literarischen Gattungen. Einige behaupten, dass es ein romantisches Märchen,
Märchen, Kindermärchen, allegorisches Märchen, ein Kunstmärchen, ..., oder eine
phantastische Novelle, so Thomas Mann. Daneben wird es diskutiert , ob es Wort um ein
Parabel der Worte Jesus ist:

Was hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner
Seele.1

Ein solcher Mensch könnte Peter Schlemihl sein. Er verkaufte seinen Schatten für
Fortunati Glückssäckel. Das ist ein Beutel, in dem es immer Gold gibt. Er zeigte damit
seine menschliche Natur, er zeigte seine Gier nach materiellen statt immateriellen Dingen.
Der Schatten kann nicht berührt werden und er kann ihn nicht kontrollieren. Das Gold
kann er sofort verwenden, deshalb scheint ihm Gold attraktiver zu sein. Fast sein ganzes
Leben schwankt er zwischen dem Materiellen und dem Immateriellen. Als er seinen
Schatten verkaufte, blieb er ein Außenseiter, er war wie aus der Gesellschaft
ausgeschlossen. Er verlor sogar die geliebte Frau, weil ihr Vater nicht erlaubte, dass seine
Tochter einen Mann ohne Schatten heiratet. Bei der zweiten Begegnung mit dem Mann im
grauen Rock, der eigentlich der Teufel ist, bietet er dem Schlemihl seinen Schatten im
Austausch gegen seine Seele. Schlemihl hatte den Säckel bei sich. Er wusste, dass der
Säckel die letzte Bindung zwischen ihnen ist. Er wollte nichts mehr mit dem Teufel zu tun
1
Matthaeus 16:26 in Franz Schulz, “Die Erzählerische Funktion Des Motivs Vom Verlorenen
Schatten in Chamissos Peter Schlemihl". The German Quarterly, vol. 45, no. 3, 1972,S.429.
und er warf den Säckel in den Abgrund. In dieser Tat sehen wir, dass er auf materielle
Dinge verzichtet hat. Er wollte kein Gold haben, er wollte seine Seele behalten. Er gewann
den Teufel und zeigte, dass es noch immer eine Rettung für das menschliche Geschlecht
gibt.

2. Adelbert von Chamisso (1781-1838)

2.1 Biografie

1781 Zwischen dem 27. und 30. Januar wird Chamisso auf Schloß Boncourt geboren.
Seinen Rufnamen wird Chamisso als junger Mann in Deutschland in Adelbert umändern.
Das Kind wächst zunächst in begüterten Verhältnissen auf.

1789 In Frankreich beginnt die Revolution, in deren Verlauf sich das Leben der alten
Adelsfamilie Chamisso radikal ändern wird.

1792 Im Mai, nach dem Beginn des ersten Koalitionskrieges, verlässt die Familie
Frankreich. Chamissos Vater schließt sich einem konterrevolutionären Emigrantenheer in
den Niederlanden an.

1793/94 Der Besitz der Chamissos wird von den Behörden des Distrikt eingezogen und
versteigert , das Stammschloß auf Abbruch verkauft und abgerissens. Die, der die
Exisitenzgrundlage genommen ist, zieht auf der Flucht vor den Revolutionsheeren unstet
umher: Sie hält sich in Lüttich und im Haag auf, in Luxemburg und Trier. Chamisso, der
zeitweise getrennt von der Familie lebt, schreibt erste Gedichte in französischer Sprache.

1795 Das ruhelose Exilantendasein führt die Familie nach Düsseldorf, Würzburg und
Bayreuth. Chamisso und zwei seiner Brüder malen Miniaturen, die Mutter und die
Schwester fertigen künstliche Blumen. Chamisso hilft beim Verkauf dieser
kunsthandwerklichen Produkte, mit dem der Unterhalt der Familie bestritten wird. Als sich
eine Verbindung zum preußischen Königshof ergibt, zieht die Familie nach Berlin.
1796 Chamisso findet als Maler in der Königlichen Porzellanmanufaktur Beschäftigung,
wird dann aber-standesgemäß-Page bei der Kronprinzessin Luise. Seine Begabung fällt
auf, zumal der Fünfzehnjährige bisher keinen geregelten Unterricht gehabt hat. Er erhält
deshalb die Erlaubnis, einzelne Schulstunden am Französischen Gymnasium zu besuchen.
Dieser Unterricht dauert bis 1798 an. Daneben wird in Zukunft auch das Selbststudium des
aufgeweckten und sprachbegabten Chamisso eine wichtige Rolle spielen.

1798 Chamisso schlägt – in Übereinstimmung mit der Familientradition – die


Offizierslaufbahn ein, indem er als Fähnrich in die preußische Armee(Stadtgarnison von
Berlin) eintritt.

1799 Chamisso beginnt eine ausgedehnte Lektüre, vor allem der Werke der französischen
Aufklärung(Montesquieu, Voltaire, Diderot, Rousseau) sowie von Klopstock, Kant,
Goethe und Schiller.

1801 Chamisso wird zum Leutnant befördert, doch befriedigt ihn der Offiziersberuf nicht.
Zwar ist es ihm Ehrensache, seine Pflicht zu erfüllen, aber er fühlt sich von der
heruntergekommenen friderizianischen Armee abgestoßen und sammelt lieber französische
Verse ( darunter Übersetzungen aus dem Deutschen). Als der Konsul Napoleon eine
Amnestie erläßt, kehrt der Großteil von Chamissos Familie nach Frankreich zurück. Nur
Chamisso und ein Bruder bleiben in Deutschland.

1802 Chamisso schult seinen deutschen Ausdruck, indem er ein französisches


Schauerdrama ins Deutsche überträgt. Im Sommer begleitet er seinen todkranken Bruder
zu den Eltern nach Frankreich und verbringt die zweite Jahreshälfte in seinem Geburtsland.
Er erkennt, dass ihm die vorrevolutionären Standesideale seiner Familie fremd geworden
sind.

1803 Zurück in Berlin schreibt Chamisso „Faust.Eine Tragödie in einem Akt.Ein


Versuch”. Er findet Anschluss an einen Kreis wissenschaftlich und literarisch interessierter
junger Männer, den „Nordsternbund“ und macht die Bekanntschaft des Philosophen
Fichte. Er besucht Vorlesungen August Wilhelm Schlegels über romantische Poesie und
diskutiert sie mit seinen Freunden auf seiner Wache am Brandenburger Tor. Er publiziert
erstmals eigene epigonale – Verse, indem er mit eineme Teil seiner Freunde und auf eigene
Kosten einen „Musenalmanach auf das Jahr 1804“ herausgibt. Er, der nun auch in den
kultivierten Salons jüdischer Familien verkehrt, verliebt sich in eine französische
Emigrantin, die aber schon im nächsten Jahr Berlin verlässt.

1804 Es entsteht der - von der Kritik verrissene – „Musenalmanach auf das Jahr 1805“,
dann aber trennen sich die Wege der Freunde, die in Ausbildung und Beruf
unterschiedliche Richtungen verfolgen. Der Gedankenaustausch wird jedoch in einem
regen Briefwechsel fortgeführt. Chamisso stürzt sich bildungshungrig in ein intensives
Studium des Altgriechischen.

1805 Im Herbst verlässt Chamissos Regiment Berlin und marschiert nach Hessen.
Chamisso setzt seine ausgedehnte Lektüre fort, vor allem der Werke der Romantiker
Wackenroder, Tieck, Novalis und Brentano. Im Dezember besiegt Napoleon bei Austerlitz
Österreich und Russland; im selben Monat schließt er mit Preußen den Vertrag von
Schönbrunn, in dem Preußen für Zugeständnisse an Frankreich das Kurfürstentum
Hannover (vorher unter englischer Oberhoheit) zugesprochen erhält.

1806 Im März rückt Chamissos Regiment – als Folge des Vertrags von Schönbrunn – als
ständige Besatzung in die Festung Hameln ein. Chamisso bedrückt die Vorstellung,
möglicherweise einess Tages als preußischer Soldat gegen seine französischen Landsleute
kämpfen zu müssen. Außerdem wünscht er sich, wie einige seiner „Nordstern“ – Freunde
in Halle zu studieren. Er reicht deshalb ein Abschiedsgesuch ein, das aber wegen der
angespannten politischen Lage abgelehnt wird. Von Hameln aus lernt er in Nenndorf den
Autor Friedrich de la Motte Fouqué kennen. Er verfasst die allegorisch-autobiographische
Erzählung „ Adelberts Fabel“ und im Herbst das unvollendete Versdrama „Fortunati
Glückssekkel und Wunschhütlein. Ein Spiel.“ Der „Musenalmanach für das Jahr 1806“
erscheint, bleibt aber unbeachtet. Nachdem bekannt geworden ist, dass Napoleon unter der
Hand England eine Rückgabe Hannovers in Aussicht gestellt hat, erklärt Preußen im
Oktober Frankreich den Krieg und wird noch im gleichen Monat bei Jena und Auerstedt
vernichtend geschlagen. Preußen wird von den Franzosen besetzt. Im November kommt es
zur kampflosen Kapitulation der Festung Hameln, ein Vorgang, den Chamisso als ehrlos
empfindet. Da Napoleon die Universität Halle geschlossen hat, scheinen Chamissos
Zukunftspläne endgültig vereitelt. Er erkrankt an der Ruhr und verfällt zunehmend in
depressive Stimmungen. Er reist zu seiner Familie nach Paris und muss dort von seinen
Geschwistern erfahren, dass kurz zuvor die Eltern gestorben sind.

1807 Die Geschwister versuchen, ihn zum Bleiben zu bewegen, doch Chamisso fühlt
erneut seine innere Entfremdung von der Adelswelt. Außerdem reicht die ihm
hinterlassene Rente nicht für ein Leben in Paris und so kehrt er Ende September nach
Berlin zurück. In der unter der Fremdherrschaft leidenden Stadt kommt er in eine
aufgeheizte patriotische Atmosphäre. Die antifranzösischen Ressentiments verletzen und
bedrücken ihn. Viele seiner Freunde haben inzwischen Berlin verlassen, und so fühlt er
sich isoliert. Auch eine Fußreise nach Hamburg, die er mit dem Freund aus der
„Nordstern“-Zeit Karl August Varnhagen von Ense unternimmt, hilft ihm nichts aus
seinen schweren Depressionen heraus.

1808 Im Januar wird Chamisso endlich der Abschied vom Militärdienst gewährt. Er
schreibt für eine Immediat-Kommission, die die Vorgänge im preußischen Heer nach der
Niederlage zu untersuchen hat, die Rechtfertigungsschrift „Memoire über die Ereignisse
bei der Kapitulation von Hameln“. Den Sommer über wohnt er bei seinem Freund Julius
Eduard Hitzig und dessen Familie. Er schreibt zusammen mit Freunden an einem Roman,
gibt aber seinen Beitrag so spät ab, dass dieser beim Druck nicht mehr berücksichtigt
werden kann.

1809 Chamisso fühlt sich orientierungslos und niedergeschlagen. Phasen der Apathie
wechseln mit Phasen zielloser Aktivität: Sprachstudien und Lektüre von Werken der
Weltliteratur (Cervantes und Dante). Zeitweise arbeitet er als Privatlehrer.

1810 Chamisso glaubt einen Ausweg aus der Krise gefunden zu haben, als ihm seine
Geschwister eine Stelle als Griechischlehrer am Lyzeum von Napoléonville in der
Bretagne vermitteln. Als er in Paris eintrifft, muss er aber feststellen, dass die Stelle
inzwischen gestrichen ist. Doch trifft er in der deutschen Kolonie in Paris auch Menschen,
wie er sie zuletzt in Berlin vermißt hatte: den weltoffenen Naturwissenschaftler und
Forschungsreisenden Alexander von Humboldt und den romantischen Dichter Ludwig
Uhland. Er hat vorübergehend wieder eine Freundin; mit ihr übersetzt er August Wilhelm
Schlegels „Vorlesungen über dramatische Kunst und Literatur“ ins Französische. Er findet
Zugang zum Salon der geistreichenw Frau von Staël in Chaumont und Fossé , bis diese
wegen ihres Buches „ De l` Allemagne“ aus Frankreich ausgewiesen wird. Auf
Empfehlung von Frau von Staël wird Chamisso vorübergehend Sekretär des literarisch
gebildeten Präfekten von Napoléon – Vendée. Er liest Rabelais, französische Sagen und
Volksbücher und sammelt Volkslieder.

1811 Chamisso lebt im Kreis um Frau von Staël in Coppet am Genfer See. Noch immer
bedrückt ihn seine Ziellosigkeit. Er lernt Englisch, liest Shakespeare und übersetzt eine
französische Komödie ins Deutsche.
1812 Das Jahr bringt die Wende. Chamisso gewinnt auf Anregung einiger Freunde
Interesse an Botanik und legt sogleich ein großes Herbarium an. Er beschließt, an der 1810
in Berlin gegründeten Universität ein systematisches naturwissenschaftliches Studium
aufzunehmen. Im Sommer verlässt er Coppet, wandert botanisierend nach Deutschland und
schreibt sich im Oktober in Berlin als Student der Medizin ein. Er hört Vorlesungen über
Anatomie, Botanik, Zoologie, Mineralogie und Latein.

1813 Chamisso unternimmt botanische Exkursionen in die Umgebung Berlins. Während


der Befreiungskriege gegen Napoleon unterbricht er sein Studium und zieht sich vor dem
nationalen Gefühlsüberschwang im deutschen Volk zurück: Auf dem Landgut der Familie
Itzenplitz- Friedland in Kunersdorf im Oderbruch kümmert er sich um deren Pflanzungen
und verfasst eine erste botanische Schrift. Nebenher entsteht „Peter Schlemihls
wundersame Geschichte“. Nachdem Napoleon in der Völkerschlachte bei Leipzig besiegt
worden ist, nimmt Chamisso sein Studium in Berlin wieder auf.

1814 Während der Wiener Kongress beginnt, besucht Chamisso Vorlesungen über
Naturphilosophie, Magnetismus und Elektrizität und arbeitet an seinem Herbarium. Er
nimmt zusammen mit Hitzig, dem Erzähler Carl Wilhelm Contessa und – hin und wieder-
Fouqué an geseligen Abenden bei E.T.A. Hoffmann teil. Im Herbst erscheint „Peter
Schlemihls wundersame Geschichte“.

1815 Chamisso schreibt zwei Kapitel des im Kreis um E.T.A. Hoffmann entworfenen
Gemeinschaftswerks „Der Roman des Freiherrn von Vieren“(ein erst 1926
veröffentlichtes Fragment). Der Wiener Kongress endet, doch die politische Neuordnung
ist für Chamisso vorläufig ohne Interesse, denn er verlässt für drei Jahre Europa: Er hat das
Angebot erhalten, als Naturforscher an einer von dem russischen Grafen Romanzoff
ausgerüsteten Reise um die Welt teilzunehmen. Im Juni reist er von Berlin ab und geht in
Kopenhagen an Bord des Expeditionsschiffs, der Kutterbrigg „ Rurik“ unter dem Kapitän
Otto von Kotzebue. Die nächsten Stationen lauten: Plymouth, Teneriffa, Santa
Catarina(Brasilien).

1816 Die Reise führt Chamisso um die Südspitze Südamerikas herum und durch den
Pazifischen Ozean nach Kamtschatka(Halbindsel in Nordostasien). Von hier aus geht es im
Sommer nach Alaska. Dabei entdeckt die Expedition den von ihr so benannten „Kotzebue-
Sund“. Das Schiff segelt über die Aleuten nach Kalifornien und Hawaii.

1817 Nach einem zweimonatigen Aufenthalt auf der Karolineninsel Ratak, auf der
Chamisso mit einem Eingeborenen Freundschaft schließt, und einem Aufenthalt auf den
Aleuten, Hawaii, Ratak, Guam(Marianen) geht es zu den Philippinen.

1818 Die „Rurik“ segelt um die Südspitze Afrikas herum nach Portsmouth, London,
Kopenhagen und St. Petersburg. Ende Oktober ist Chamisso wieder in Berlin. Er beginnt
sogleich, seine geographischen, geologischen, botanischen und ethnographischen
Beobachtungen unter dem Titel „Bemerkungen und Ansichten“ aufzuschreiben.

1819 Die äußere Anerkennung lässt nicht auf sich warten: Die Berliner Universität verleiht
Chamisso den Ehrendoktor für ein auf der Expedition entdecktes zoologisches Phänomen:
den Generationswechsel der Salpen(einer bestimmten Art von Meerestieren, den ältesten
Ahnen der Wirbeltiere). Er wird zum Mitglied zweier angesehener naturforschender
Gesellschaften in Berlin und Wien berufen. Von nun an publiziert er zahlreiche
naturwissenschaftliche Schriften (im folgenden nicht immer einzeln aufgeführt), deren
Gesamtumfang den der poetischen Werke weit übertreffen wird. Er erhält eine Anstellung
als Erster Adjunkt am Botanischen Ga
rten und als Zweiter Kustos am Königlichen Herbarium in Berlin. Mit dieser relativ
bescheidenen, aber gesicherten Existenz sind die äußeren Umstände gegeben, die es ihm
erlauben, sich auch privat zu etablieren: Er heiratet die achtzehnjährige Antonie Piaste,
eine Pflegetochter Hitzigs. Während in Deutschland die fortschrittlichen politischen
Bewegungen durch die restaurativen Karlsbader Beschlüsse unterdrückt werden sollen,
fühlt sich Chamisso als liberaler Bürger, betätigt sich aber nicht politisch.
1820 Chamisso und seine Frau beziehen eine Amtswohnung am Botanischen Garten in
Neu-Schöneberg. Antonie bekommt in den nächsten fünfzehn Jahren sieben Kinder und
stirbt zwei Jahre nach der letzten Entbindung.

1821 Chamisso erlebt eine schöpferische Zeit: Er schreibt erste politische Sonette,
untersucht ein Torfmoor im Havelland, erlebt den Druck seiner „Bemerkungen und
Ansichten“ und schreibt ein Vorwort zur französischen Ausgabe des „Schlemihl“.

1822 Nach einem Brand im Neu-Schöneberger Haus zieht die Familie in die Stadt.
Chamisso schreibt Gedichte mit aktuellem Bezug und verfasst Nachdichtungen. Er macht
die Bekanntschaft von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, dem Dichter des
späteren „Deutschlandlieds“.

1823 Chamisso untersucht die Torfmoore bei Greifswald und besucht Rügen. Er schreibt
darüber.

1824 Chamisso verfasst eine populäre Pflanzenkunde für den Gebrauch an Schulen. Er
unternimmt eine Fußreise in den Harz, schreibt Reisegedichte und nimmt an der von Hitzig
gegründeten literarischen „Mittwochsgesellschaft“ teil. Er lernt in diesem geselligen Kreis
zahlreiche bedeutende Schriftsteller kennen und begegnet alten und neuen Freunden.

1825 Chamissos Lustspiel „Die Wanderkur“ wird in Berlin aufgeführt. Er fährt im Oktober
nach Paris, um seinen Anteil an der von der französischen Regierung gewährten
Emigrantenentschädigung abzuholen. Er trifft auf der Reise einige bedeutende
Naturforscher und nimmt an politischen Demonstrationen der liberalen Opposition teil.

1826 Im Januar kehrt Chamisso nach Berlin zurück. Es entstehen Balladen und
zeitkritische Lieder. Erstmals erscheint die von einem Kollegen Chamissos gegründete
Zeitschrift „Linnaea - Ein Journal für die Botanik in ihrem ganzen Umfange“, in der
Chamisso die botanischen Forschungsergebnisse seiner Weltreise veröffentlicht.

1827 Die zweite Auflage des „Schlemihl“ erscheint mit einer Sammlung von Chamissos
Gedichten im Anhang. Diese Ausgabe begründet Chamissos wachsende Popularität als
Lyriker.

1828 Es entstehen u.a. Gedichte über Außenseiter-Figuren und der zu Lebzeiten


Chamissos nicht veröffentlichte Aufsatz „Zur Geschichte der Zensur“.
1829-31 In diesem Zeitraum entsteht neben naturwissenschaftlichen Publikationen ein
umfangreiches lyrisches Werk, darunter zahlreiche Gedichte mit sozialkritischem Inhalt,
aber auch der später von Robert Schumann veronte Zyklus „Frauenliebe und –leben“

1830 Chamisso begegnet Heinrich Heine. Er verfolgt begeistert die Ereignisse der Pariser
Juli-Revolution.

1831 Chamissos Gedichte erscheinen als Einzelband. Bis zu seinem Tod gibt es vier
Auflagen der „ Gesammelten Gedichte“.

1832 Chamisso übernimmt zusammen mit Gustav Schwab die Redaktion des angesehenen
„ Deutschen Musenalmanachs“. Trotz einiger Differenzen führt er bis zu seinem Tod fort.

1833 Chamisso wird zum Ersten Kustos am Königlichen Herbarium befördert. Nach einer
schweren Grippe wird er nie mehr ganz gesund.

1834 Chamisso schreibt für die geplante Werkausgabe nach alten Aufzeichnungen das
sogenannte „Tagebuch“ (Teil I der „Reise um die Welt mit der Romanzoffischen
Entdeckungs-Expedition in den Jahren 1815-1818“.

1835 Die Arbeiten am „Tagebuch“ werden abgeschlossen. Die dritte Auflage des
„ Schlemihl“ erscheint. Chamisso wird Mitglied der Berliner Akademie der
Wissenschaften. Er hält sich zur Kur in Schlesien auf.

1836 Chamisso muss erneut einen Kuraufenthalt antreten. Eine Werkausgabe in vier
Bänden erscheint. Es entsteht die sprachwissenschaftliche Akademieabhandlung „Über die
Hawaiische Sprache“.é

1837 Chamissos Frau stirbt. Er leidet unter Depressionen und fühlt sich selbst am Abend
seines Lebens. Sein Interesse am technischen Fortschritt ist jedoch so groß, dass er – der
selbst Eisenbahnaktien besitzt – auf der ersten Teilstrecke der Linie Leipzig-Dresden eine
Fahrt unternimmt. Auch besichtigt er die Brockhaussche Großdruckerei. Es entsteht ein
Vorwort zur zweiten Auflage der französischen „Schlemihl“ – Übersetzung.

1838 Im Frühjahr arbeitet Chamisso an Nachdichtungen der politischen Lieder des


französischen Dichters Pierre Jean de Béranger. Im August wird der gesundheitlich
schwer angeschlagene Chamisso auf eigenen Antrag hin pensioniert. In diesem Monat
bricht auf die zum Tod führende Krankheit (Bronkchiektasen) aus . Am 21. August stirbt
Chamisso. Er wird auf dem Friedhof vor dem Hallischen Tor in Berlin beigesetzt.
3. Die Romantik und „romantisch“
Die Romantik ist eine literarische Epoche, die zwischen dem Ende der zweiten Hälfte des
18. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dauerte. Der Begriff
„romantische Poesie“ entwickelte sich um 1797. Aus diesem Begriff wurde später der
Name für die Epoche abgeleitet. Das Wort „romantisch“ hatte zu dieser Zeit mehrere
Bedeutungen. „Romantische“ Sprachen nannte man die Sprachen, die von der lateinischen
Sprache abstsammen (heute: „romanisch“). Das Wort wurde dann auf die ältere Literatur
der romanischen Sprachen bezogen (Romane, Romanzen), die nicht im klassischen
Versmaß geschrieben war. Auch der Inhalt dieser Dichtung, das Phantastische, Fremde,
Wunderbare und Unglaubliche war „romantisch“. Die Epoche der Romantik besteht aus
zwei Strömungen: Frühromantik und Hochromantik 2

3.1 Frühromantik

Zu den Vertretern der Frühromantik mit ihrem Zentrum in Jena gehören Wilhelm
Wackenroder, Novalis, August Wilhelm Schlegel, Friedrich Wilhelm Schlegel und Ludwig
Tieck. Die beiden in Berlin geborenen Freunde wurden während einer Wanderung durch
Franken (Nürnberg, Bayreuth, Bamberg) zu Betrachtungen über die mittelalterliche Kunst-
besonders Albrecht Dürers – und über katholische Frömmigkeit angeregt. In Dresden
lernte Wackenroder die Werke der Meister der italienischen Renaissance kennen. Er
verfasste die wesentlichen Teile der „Herzensergießungen eines kunstliebenden
Klosterbruders“ (1797). Wackenroder stellte in achtzehn Aufsätzen einige
Künstlerbiographien vor (z.B. Dürer, Raffael, Leonardo da Vinci, Michelangelo). Der
Künstler hat die besondere Fähigkeit, die Natur als die Sprache Gottes zu verstehen. Das,
was er verstanden hat, versucht er durch Kunst auszudrücken. Der Künstler ist bei
Wackenroder ein Vermittler zwischen zwischen Gott und dem Menschen, im weiteren
Sinn zwischen dem Ideal und Wirklichkeit:
2
Barbara, Baumann; Brigitta, Oberle: Deutsche Literatur in Epochen, Max Hueber Verlag, Ismaning, 1996,
S. 127.
Ich kenne aber zwei wunderbare Sprachen (. . .) Die eine dieser wundervollen Sprachen redet nur
Gott; die andere reden nur wenige Auserwählte unter den Menschen (. . .) Ich meine: die Natur und
die Kunst.

Das merkwüdige musikalische Leben des Tonkünstlers Joseph Bergliniger, die letzte
Erzählung der Herzensergießungen, ist autobiographisch gefärbt. Es folgten zahlreiche
Märchen und Erzählungen der Romantik, die das Schicksal von Künstlern darstellen, die
am unüberbrückbaren Gegensatz von Kunst und Leben zerbrechen. Ludwig Tieck schrieb
unter Wackenroders Einfluß Franz Sternbald`s Wanderungen (1798). Das zentrale Thema
des Romanfragments ist die Kunst.Franz, ein Schüler Dürers, wandert in die Niederlande
und nach Italien zu bekannten Künstlern. Doch im Unterschied zum klassischen Muster
des Bildungsromans (Wilhelm Meister) durchläuft der Held keine Entwicklung, er bleibt
ein Träumer. Das romantische Motiv des Wanderns wird angesprochen, das Ziel bleibt
unbestimmt und bei Franz Sternbald unerreicht. In diesen Roman sind Gedichte und Lieder
eingestreut. In beiden genannten Werken deuten sich die Kennzeichen der Romantik an:
die Freundschaft der beiden Autoren, die Bevorzugung des deutschen Mittelalters vor der
Antike, die Nähe der Kunst zur Religion, das unruhige Wandern und sehnsüchtige
Träumen. Charakteristisch ist auch die Auflösung der Romanform durch ein Verschmelzen
der Gattungen.

Etwa zur gleichen Zeit (1796/97) formierte sich in Jena ein Kreis um den Philosophen J. G.
Fichte, dessen als Wissenschaftslehre (1794) bezeichnete Philosophie eine
Weiterentwicklung der Philosophie Kants ist und für das Dichtungsverständnis der
Frühromantik wichtig wurde. „Wissenschaftslehre“ ist bei Fichte ein Synonym für
„Philosophie“. In dieser Philosophie ist das Ich Ausgangspunkt allen Denkens. Dieses Ich
verlangt nach einem Gegenüber; Fichte nennt es das „Nicht-Ich“. Zwischen diesen Polen
muss es eine Vermittlung geben. Das Vermittlungsvermögen zwischen dem Ich (Subjekt)
und dem Nicht-Ich (Objekt) nennt man in der Romantik die Einbildungskraft. Das Ich wird
in Fichtes Thesen zu einem schöpferischen Ich, das Grenzen denkend überwinden kann. Zu
dem Jenaer Kreis um Fichte gehörten auch die Brüder A. W. Schlegel und F. Schlegel. Sie
begründeten in Berlin nach einem Streit mit Schiller ihre eigene Zeitischrift, das Athenäum
(1798-1800). Ihr Inhalt sollte sein: überhaupt Alles, was sich durch erhabene Frechheit
auszeichnete und für alle anderen Journale zu gut wäre. Zusammen mit ihnen haben Tieck,
Wackenroder, Novalis und andere gearbeitet. Für diese Zeit war Fragment sehr wichtig. Es
war eine literarische Form, die nur einen in sich abgeschlossene Gedanken ausdrückt.
Manchmal sind sie so umfangreich und kritisch beurteilend, dass sie auch zu einem kleinen
Essay wachsen. Besonders wichtig waren für die romantischen Dichter die Fragmente über
die romantische Ironie und über die romantische Poesie. Die romantische Ironie entsteht
aus dem Wissen um unaufhebbare Zwiespalte, z.B. zwischen der Wirklichkeit und dem
Ideal, zwischen dem Endlichen und dem Unendlichen. Für die Dichter bedeutete das, dass
sie sich durch Ironie von gerade erzeugten Illusionen. Das sieht man in Tiecks „szenischem
Kunstmärchen“ Der gestiefelte Kater (1797). Die Gedanken der Zuschauer sind in das
Spiel einbezogen. Das berühmte 116. Athenäumsfragment von F. Schlegel über die
romantische Poesie weist hin auf ein neues Verständnis der literarischen Gattungen. Eine
klare Trennung wird in der Romantik vermieden:

Die romantische Poesie ist eine progressive Universalpoesie. Ihre Bestimmung ist nicht bloß, alle
getrennten Gattungen der Poesie wieder zu vereinigen, und die Poesie mit der Philosophie und der
Rhetorik in Berührung zu setzen. 3

Die Poesie sollte allumfassend sein gegenüber Formen, sie mischen und im Sinne der
romantischen Ironie immer wieder über sich selbst erheben, nicht im Stillstand verharren,
sondern progressiv (dynamisch, produktiv) sein.
Das erste literarische Produkt dieser Überlegungen war F. Schlegels Roman Lucinde
(1799). Hier hatte er einen „sentimentalen Stoff in fantastischer Form“ gefunden. Anstatt
einer Handlung, die klassisch konstruiert ist, steht die „reizende Verwirrung“ im
Mittelpunkt. Um den Mittelteil Lehrjahre der Männlichkeit gruppieren sich jeweils sechs
Kapitel. Sie bestehen aus Briefen, Erzählungen und Betr achtungen und haben die Liebe
des Autors zu Lucinde zum Inhalt, hinter der sich Dorothea Veit, die spätere Frau F.
Schlegels und die Frau seines Bruders, Caroline Schlegel-Schelling, verbergen sollen.
Nach einem Leben voll Abenteuern findet der Dichter bei Lucinde die wahre Liebe. Das
Buch erregte wegen seines freizügigen Inhalts und der neuen Form großes Aufsehen. Auch
Friedrich von Hardenberg (sein Dichtername ist Novalis) schrieb für die Zeitschrift
Athenäum. Er ist bekannt für seine Fragmente, zwischen denen Blüthenstaub-Fragmente
am wichtigsten sind. Der Leser wird durch die unabgeschlossene Form des Fragments
aufgefordert, den Inhalt schöpferisch nachzuvollziehen und weiterzugestalten. Sein Roman
„Heinrich von Ofterdingen“ (1802) erreichte die Synthese von Poesie und Philosophie, die

3
Barbara, Baumann; Brigitta, Oberle: Deutsche Literatur in Epochen, Max Hueber Verlag, Ismaning, 1996,
S. 129.
Frühromantiker anstrebten. Der erste Teil Die Erwartung spielt im Hochmittelalter, der
Minnesänger Heinrich von Ofterdingen ist die Hauptfigur. Auf einer Reise von Eisenach
nach Augsburg erlangt Heinrich Welterfahrung durch Märchen und Erzählungen
mitreisender Kaufleute, durch Begegnungen mit Kreuzrittern, mit der gefangenen
Morgenländerin Zulima, mit einem Bergmann und einem Einsiedler. Er übernahm hier das
Modell des Bildungsromans. Heinrichs Reise hat in einem Traum ihren Ausgangspunkt. In
diesem Traum erblickt Heinrich die „blaue Blume“, ein zentrales Motiv der Romantik. Sie
ist ein Symbol für die unerfüllbare Sehnsucht nach dem Unendlichen, ein Symbol der
Liebe und der „Weltkraft“.

Der zweite Teil Die Erfüllung sollte sich auf einer mythologischen Ebene fortsetzen.
Novalis hinterließ bei seinem frühen Tod nur das erste Kapitel dieses Teils. Das in der
Spätromantik beliebte Motiv der Nacht wurde von Novalis erstmals gestaltet. Die
Entstehung seines Zyklus` Hymnen an die Nacht (1800) wird auf sein Erlebnis am Grab
seiner Braut Sophie von Kühn zurückgeführt (März 1797). Die Hymnen sind teils in
rhythmischer Prosa und teils in Versen geschrieben. Die Nacht, das Dunkle im Gegensatz
zum Licht, wird für Novalis zum eigentlichen Element des Menschen, das die Möglichkeit
des Erkennens birgt. Für die Literatur dieser Zeit sind auch die sogenannten literarischen
Salons wichtig, die sich um die Jahrhundertwende besonders in Berlin bildeten. Auch die
Frauen der Brüder Schlegel, Caroline und Dorothea, hatten wichtigen Anteil an den
Gesprächen in diesen Salons4.

3.2 Heidelberger Romantik

Während die Frühromantik stark philosophisch und kritisch orientiert war, war die
Hochromantik weniger theoretisch und nicht so betont philosophisch. Die Hauptvertreter
der Hochromantik sammelten sich seit 1805 in Heidelberg („Heidelberger Romantik“).
Ihnen war die Vergangenheit sehr wichtig. Es kam zur Wiederentdeckung, Sammlung und
Überarbeitung von Volksbüchern, Volksliedern und besonders Volksmärchen. Sie
übersetzten die Weltliteratur. Besonders wichtig hier sind Tieck und A.W.Schlegel (mit
Übersetzungen von Calderón, Petrarca, Dante, Ariost, Tasso, Shakespeare u.a.). Achim
von Arnim und C. Brentano gaben in den Jahren 1806 und 1808 Des Knaben Wunderhorn
heraus, eine Sammlung von alten deutschen Liedern und Gedichten, die die beiden

4
Barbara, Baumann; Brigitta, Oberle: Deutsche Literatur in Epochen, Max Hueber Verlag, Ismaning, 1996,
S. 128-130.
Freunde teilweise umgedichtet oder ergänzt hatten. Ein weiteres Bekenntnis der Romantik
zur mittelalterlichen Kultur und Volksdichtung gab Joseph Görres im Jahr 1807 mit den
Teutschen Volksbüchern. Sehr wichtig, wenn nicht am wichtigsten für die Spätromantik
waren die Brüder Grimm. Ihre Kinder- und Haus-Märchen erschienen 1812 und 1815.
Mündliche Überlieferungen, Schwanksammlungen und andere Quellen aus der Zeit seit
dem Mittelalter waren die Fundgrube für die Brüder Grimm; sie beteuerten:

Wir haben uns bemüht, diese Märchen so rein als möglich war aufzufassen (...) Kein Umstand ist
hinzugedichtet oder verschönert und abgeändert worden.5

Die Kinder-und Haus-Märchen, erstmals in einem Band herausgegeben, wurden nach


Luthers Bibel zum meistgedruckten deutschen Buch. Die Brüder Grimm waren auch
wegweisend für die deutsche Philologie:1819-1837 erschien die von ihnen erarbeitete
Deutsche Grammatik. Ihr 1852 begonnenes Deutsches Wörterbuch wurde erst 1961
vollendet. Auch die Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl (1817) von
C. Brentano trägt märchenhafte Züge und A.von Arnims Erzählungen von der
Einquartierung im Pfarrhaus (1817) und Der tolle Invalide auf dem Fort Ratonneau
(1818) verbinden die „unerhörte Begebenheit“ einer Novelle mit dem Wunderbaren eines
romantischen Märchens. Noch deutlicher wird dies in Adelbert von Chamissos (1781-
1838) märchenhafter Erzählung Peter Schlemihl´s wundersame Geschichte (1814) vom
verkauften Schatten. Sie wurde in viele Sprachen übersetzt und erlangte Weltruhm.
In der romantischen Kunst existieren wie im Märchen Phantasie und Wirklichkeit
nebeneinander; die Phantasie nimmt den Vorrang ein. Die Wirklichkeit darf und kann von
der Phantasie nicht getrennt werden. Die Grenzen zwischen dem Wunderbaren und dem
Wirklichen sind wie die Grenzen der Gattungen in der Romantik aufgehoben. Das führt
dazu, dass der Alltag bedrohliche und phantastische Züge annehmen kann, während die
Phantasiewelt zur Realität wird.6

4. Peter Schlemihls wundersame Geschichte

Inhalt
Ukratko prepricati fabulu, radnju. Size price, samo u osnovnim crtama...?

5
Barbara, Baumann; Brigitta, Oberle: Deutsche Literatur in Epochen, Max Hueber Verlag, Ismaning, 1996,
S. 131.
6
Barbara, Baumann; Brigitta, Oberle: Deutsche Literatur in Epochen, Max Hueber Verlag, Ismaning, 1996,
S. 130-132.
Erstes Kapitel
Nach der Rückkehr von einer Seefahrt , befindet sich Schlemihl in einer Hafenstadt. Er
sucht Herrn Thomas John und findet ihn zu Hause, bei einem Spaziergang mit den
Freunden , seinen Garten besichtigend, händigt ihm das Empfehlungsschreiben, begleitet
die Freunde und wundert sich der Zauberei des Herrn im Grauen, der den Leuten Wünsche
erfüllt. Peter war von den Mächten begeistert, aber später wollte fliehen. Der Mann im
Grauen hielt ihn an und hatte ein Angebot für Peter. Er bat ihm einen Beutel voll von Gold
im Austausch gegen seinen Schatten. Am Ende nahm Peter das Angebot an. Er verkaufte
den Schatten für den Beutel, der nie entleert werden kann, es gibt immer etwas Gold darin.

Zweites Kapitel
Der Hauptheld erfasst , was ihm passiert, wenn er tatsächlich ohne Schatten geblieben ist.
Er erfasst, dass sein Leben deswegen schwer und unerträglich wird. Er lernt ohne Schatten
zu leben. Er schickt seinen Diener Bendel, den Herrn im Grauen zu finden, um den
Austausch aufzulösen. Schlemihl erfährt, dass er auf die Begegnung mit dem Grauen ein
Jahr und einen Tag warten muss.

Drittes Kapitel
Peter genießt das Leben in Wohlstand. Er hat Geld für irgendwas, was er wünscht. Der
Skandal bei dem Spaziergang beim Mondlicht. Sie hat bemerkt, dass er keinen Schatten
hat. Er flieht nach einem Kurort.

Viertes Kapitel
Als er nach Kurort gekommen ist, die Einwohner haben ihn empfangen mit allen
Verehrungen , weil sie dachten , dass er der preußische König ist, der in der Besichtigung
seiner Untertanen. Peter verliebt sich in Mina, eine von drei Mädels, die ihn empfangen
haben im Namen der Einwohner. Sein Diener Bendel entpuppte sich als treuer Freund noch
einmal . Er war immer da für Schlemihl, wenn Schlemihl einiger Versuchungen nicht
widerstehen konnte. Charismatische Reisende steigen in dieser Stadt ab , ohne zu
versuchen, dass Schlemihl kein König ist. Er war in Mina sehr verliebt, sodass er viel Geld
ausgab. Gleichzeitig , gibt er sich viel Mühe, damit er versteckt , dass er keinen Schatten
hat. Er entscheidet sich , die Hand des Mädchens zu nehmen. Seine Liebe wird erwidert.
Schlemihl immer aufgeregter, dass er dem Grauen seinen magischen Beutel zurückgibt und
von ihm seinen Schatten verlangt. Er ist bewusst, dass es besser ist eigenen Schatten zu
haben, als den magischsten Beutel.

Truckanjen sind dumme Menschen

In der fantastischen Novelle Peter Schlemihls wundersame Geschichte (1814) verschmilzt


Adelbert von Chamisso ein Märchen mit der erschutternden Beichte über sich selbst, als
über den Mann ohne Vaterland, französischen Emigranten in Deutschland, das Erzählen in
der Steigerung um den Schattenverkauf von Peter Schlemihl entwickelnd, der deswegen
verträgt schwierigere Note, als diejenige die Faust vertragen hat, als er seine Seele dem
Teufel verkauft hat.

Symbolik der Novelle ist unbelastbar , die Situationen sind sehr malerisch beschrieben,
und die psychologischen Krisen in Schlemihl, durch die Skizzen dynamischer Situationen,
durch die er geht und durch die wir ihn als Helden der Geschichte. Die Lebendigkeit, mit
der unglaubliche Erlebnisse und Situationen dargestellt sind, macht sie zu visuellen
Erlebnissen des Lesers. Fast realistisch können wir die Szene erleben, wenn Schlemihls
Freundin beim gemeinsamen Spaziergang unter dem Mondschein, erfasst, dass er keinen
Schatten besitzt, was uns ein eigenartiges psychologisches Drama antizipiert. Oder wenn
der Mann im Grauen, der Zauberer, faltet und packt seinen Schatten, damit er ihn mit sich
nimmt. Dann, die Erscheinung des Siebenmeilenstiefels Motivs und andere merkwürdige
Motive, beeinflussen uns, dass uns diese Geschichte an die Märchen oder
Volkserzählungen erinnert, die uns als die Geschichten aus alten Zeiten und wessen uns
der narrative Weberzettel des naiven Anreihens der Handlung verwandt und davon bekannt
ist.7

Chamisso stellt eine Belehrung am Ende der Geschichte durch den fiktiven Brief von

Schlemihl an Chamisso selbst:

Du aber, mein Freund, willst Du unter den Menschen leben, so lerne verehren zuvörderst den
Schatten, sodann das Geld.8

7
Miljan, Mojašević: Nemačka književnost: doba prosvetiteljstva klasike i romantizma, Zavod za izdavanje
udžbenika SRS Beograd, 1967, S. 338.
8
Adelbert, von Chamisso: Peter Schlemihls wundersame Geschichte, Goldmann Verlag, Leipzig, 1980, S.77.
Das kann auf verschiedene Weisen gedeutet werden, z.B., dass das Geld viel gilt,
aber nicht mehr als persönlichen Wert und Würde, sodass der Schatten , so erfasst,
mehr als Geld gilt. Aber, sogar die Belehrung ist nicht zum Verstanden dieser
Novelle entscheidend, bzw. nicht mehr als den Wiederschein des persönlichen
Erlebnisses und zwar wirklich erlebt, nicht nur in der Fiktion. Noch eine Belehrung,
die Chamisso dem Schlemihl und den Lesern durch seine Vorgänge anwirft, ist, dass
eine intensive Arbeit der beste Schutz, die beste Zuflucht von den Sorgen. Chamisso
selbst beruhigt seine schlemihlsche Unruhe und seine Enttäuschung gegenüber die
Revolution richtet er auf wissenschaftliche Arbeit, die Beschäftigung mit der
Botanik. Durch „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“ in die romantische,
fantastische Novelle, so brechen rationale, fast prosaische Botschafte, die uns
ankündigen, zwar schamhaft und unbedeutend, Überwindung der reinen Romantik.

4.1 Romantische Motive aus dem Werk „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“
Die meist verbreiteten romantischen Motive sind : Liebesmotiv, Wandermotiv,
Selbsterkennungsmotiv, Vaterlandsliebe, Motiv des Einklangs des Menschen mit der Natur. Die
romantischen Motive aus den Werken von Romantikern stammen aus Mittelalter und
mittelälterliche Literatur.Motive, die in dieser Arbeit analysiert werden sind folgende: Fortunati
Glückssäckel, Siebenmeilenstiefel, Wandermotiv,Der Mann im grauen Rock, Der Schattenverkauf.
Sie werden alle nach dem gleichen Prinzip analysiert: Erklärung der Rolle im Werk, Zitat als
Beispiel, Bedeutung des Motivs.

4.2 Fortunati Glückssäckel

Der Glückssäckel bedeutet für die Geschichte im Werk ein wichtiger Gegenstand. Das ist
ein „mäßig großer, festgenähter Beutel von starkem Korduanleder, an zwei tüchtigen
ledernen Schnüren9“. Seinem Aussehen nach ist es ein normaler Geldbeutel, aber als sein
Name erwähnt wird,weiß Schlemihl sofort, worum es geht. Das Phantastische am Beutel
ist nicht der Gegenstand alleine, sondern das, was er bringt.Schlemihl kennt die Vorteile
des Besitzens eines solchen Beutels. Er hat das Angebot des Grauen angenommen, obwohl
er hat Angst vor ihm. Schlemihl wird durch den Beutel reich, aber trotzdem wird er aus der
Gesellschaft ausgeschlossen, er wird zum Außenseiter. Einerseits bringt der Säckel ihm
das Reichtum, aber andererseits bringt er ihm Unglück und Einsamkeit. Solange er den
Säckel bei sich hat, ist er mit dem Grauen verbunden. Schlemihl begreift, dass ihm der

9
Adelbert, von Chamisso: Peter Schlemihls wundersame Geschichte, Goldmann Verlag, Leipzig, 1980, S.14.
Beutel Unglück bringt, als Minas Vater seine Tochter dem Schlemihl als Frau nicht geben
wollte. Vater verlangte von Schlemihl, dass er ihm seinen Schatten zeigt. Er musste
gestehen, dass er keinen Schatten hat. Seitdem möchte er seinen Schatten zurück und er
möchte den Säckel nicht mehr sehen. Er hat ihn später in einen Abgrund geworfen und
damit den Teufel den Grauen gewonnen. Ende des Pakts mit dem Teufel und Ende zu dem
Beutel. In den folgenden Sätzen folgt man Ihre gegenseitige Überzeugung.

Sie können mich nicht leiden, mein Herr, Sie hassen mich, ich weiß es; doch warum hassen Sie mich?
Ist es etwa, weil Sie mich auf öffentlicher Straße angefallen, und 10 mir mein Vogelnest mit Gewalt zu
rauben gemeint? oder ist es darum, daß Sie mein Gut, den Schatten, den Sie Ihrer bloßen Ehrlichkeit
anvertraut glaubten, mir diebischer Weise zu entwenden gesucht haben? Ich meinerseits hasse Sie
darum nicht; ich finde ganz natürlich, dass Sie alle Ihre Vorteile, List und Gewalt geltend zu machen
suchen; dass Sie übrigens die allerstrengsten Grundsätze haben und wie die Ehrlichkeit selbst denken,
ist eine Liebhaberei, wogegen ich auch nichts habe“.

Da erscheint der graue Mann erneut. Peter Schlemihl fordert seinen Schatten zurück, als
sich ihm die wahre Natur des grauen Mannes offenbart: Er ist der Teufel, freilich ein sehr
höflicher, der Interessenausgleich fordert: Der Teufel ist nur dann bereit, Schlemihl den
Schatten zurückzugeben, wenn dieser ihm dafür seine Seele überlässt.

Ich denke in der Tat nicht so streng als Sie; ich handle bloß, wie Sie denken. Oder hab ich Ihnen etwa
irgend wann den Daumen auf Gurgel gedrückt, um Ihre werteste Seele, zu der ich einmal Lust habe an
mich zu bringen? Hab ich von wegen meines ausgetauschten Seckels einen Diener auf Sie
losgelassen? hab ich Ihnen damit durchzugehen versucht? Ich hatte dagegen nichts zu erwidern; er
fuhr fort; Schon recht, mein Herr, schon recht! Sie können mich nicht leiden; auch das begreife ich
wohl, und verarge es Ihnen weiter nicht. Wir müssen scheiden, das ist klar,und auch Sie fangen an,
mir sehr langweilig vorzukommen. Um sich also meiner ferneren beschämenden Gegenwart völlig zu
entziehen, rate ich es Ihnen noch einmal: Kaufen Sie mir das Ding ab. – Ich hielt ihm den Seckel hin:
Um den Preis. Nein! Ich seufzte schwer und nahm wieder das Wort: Auch also. Ich dringe darauf,
mein Herr, laßt uns scheiden, vertreten Sie mir länger nicht den Weg auf einer Welt, die hofentlich
geräumig genug ist für uns beide. Er lächelte und erwiderte: Ich gehe, mein Herr, zuvor aber will ich
Sie unterrichten, wie Sie mir klingeln können, wenn Sie je Verlangen nach Ihrem untertänigsten
Knecht tragen sollten: Sie brauchen nur Ihren Seckel zu schütteln, dass die ewigen Goldstücke
darinnen rasseln, der Ton zieht mich augenblicklich an.11

10
Adelbert, von Chamisso: Peter Schlemihls wundersame Geschichte, Goldmann Verlag, Leipzig, 1980,
S.61.
11
Adelbert, von Chamisso: Peter Schlemihls wundersame Geschichte, Goldmann Verlag, Leipzig, 1980, S.
62.
Schlemihl kündigt den Pakt mit dem Teufel, den Beutel mit dem Geld in den Abgrund
werfend. Er glaubt, dass er auf diese Weise sich von weiterem Untergang, obwohl er
bewusst war, dass er mit dem Schatten seine gute Reputation verloren hat, schützt. Im
Buch steht es so:

Ich entsetzte mich, und schnell den klingenden Sekkel in den Abgrund werfend, sprach ich zu ihm die
letzten Worte: So beschwör ich dich im Namen Gottes, Entsetzlicher! hebe dich von dannen und lasse
dich nie wieder vor meinen Augen blicken! Er erhub sich finster und verschwand sogleich hinter den
Felsenmassen, die den wild bewachsenen Ort begränzten.12

Symbolik dieses Ereignis ist das Verzichten auf materielle Dinge wegen der
geistige/immaterielle Dinge. Es entspricht den Worten Jesus Was bedeutet es einem
Menschen, wenn er die ganze Welt besitzt und verletzt seine Seele.

4.3 Siebenmeilenstiefel

Das geistige Interesse hat das materielle Interesse abgedrungen und materielle Existenz
unbedingt, vorher energisch abgeworfen, wegen der romantischen Aufschwung in die Welt
der Wissenschaft. Um in dieser Welt fortzubestehen, musste er die Siebenmeilenstiefel
anziehen – reine romantische Lösung. In ihnen schnellte er in das Abenteuer der
wissenschaftlichen Arbeit fort, mehrmals kreuzte er die Welt durch in allen Richtungen,
die wissentschaftlichen Probleme erforschend, die Fakten und Spezies beobachtend und
sammelnd. Er hat geschafft das Ideal zu bewahren, bis zum Ende existierte er nur für die
Wissenschaft, nie für das materielle Interesse.

Siebenmeilenstiefel stellen hier einen wichtigen Gegenstand. Sie hat Peter Schlemihl
zufällig in einem Geschäft gefunden. Er wollte sich neue Schuhe kaufen, aber er musste
sich wegen des Preises überlegen. Er kaufte alte Stiefel. Der Unterschied zwischen diesen
Gegenständen ist groß, weil die Stiefel nicht von dem Grauen kommen. Schlemihl nutzt sie
um die Welt zu bereisen. Er schafft das und wird ein Naturforscher. Er hat sich endlich im
Leben gefunden, obwohl er als soziales Lebewesen ein Außenseiter geblieben ist. Im Buch
ist es beschrieben wie er entdeckt hat, dass die alten Stiefel, die er gekauft hat, dass sie
nicht übliche Stiefel sind. So geht das Abenteuer los.

Ich war noch keine zweihundert Schritte gegangen, als ich bemerkte, dass ich aus dem Wege
gekommen war; ich sah mich danach um, ich befand mich in einem wüsten, uralten Tannenwalde,

12
Adelbert, von Chamisso: Peter Schlemihls wundersame Geschichte, Goldmann Verlag, Leipzig, 1980, S.
63.
woran die Axt nie gelegt worden zu sein schien. Ich drang noch einige Schritte vor, ich sah mich
mitten unter öden Felsen, die nur mit Moos und Steinbrecharten bewachsen waren, und zwischen
welchen Schee- und Eisfelder lagen. Die Luft war sehr kalt, ich sah mich um, der Wald war hinter mir
verschwunden. Ich machte noch einige Schritte- um mich herrschte die Stille des Todes, unabsehbar
dehnte sich das Eis, worauf ich stand , und worauf ein dichter Nebel schwer ruhte; die Sonne stand
blutig am Rande des Horizontes. Die Kälte war unerträglich. Ich wusste nicht, wie mir geschehen war,
der erstarrende Frost zwang mich, meine Schritte zu beschleunigen, ich vernahm nur das Gebrause
ferner Gewässer, ein Schritt, und ich war am Eisufer eines Ozeans. Unzählbare Herden von
Seehunden stürzten sich vor mir rauschend in die Flut. Ich folgte diesem Ufer, ich sah wieder nackte
Felsen, Land, Birken- und Tannenwälder, ich lief noch ein paar Minuten gerade vor mir hin. Es war
erstikkend heiß, ich sah mich um, ich stand zwischen schön gebauten Reisfeldern unter
Maulbeerbäumen. Ich setzte mich in deren Schatten, ich sah nach meiner Uhr, ich hatte vor nicht einer
Viertelstunde den Marktflecken verlassen,-ich glaubte zu träumen, ich biß mich in die Zunge, um
mich zu erwecken; aber ich wachte wirklich.- Ich schloß die Augen zu, um meine Gedanken
zusammen zu fassen.- Ich hörte vor mir mit seltsame Sylben durch die Nase zählen; ich blickte auf:
zwei Chinesen, an der asiatischen Gesichtsbildung unverkennbar, wenn ich auch ihrer Kleidung
keinen Glauben beimessen wollte, redeten mich mit landesüblichen Begrüßungen in ihrer Sprache an;
ich stand auf und trat zwei Schritte zurück. Ich sah sie nicht mehr, die Landschaft war ganz verändert:
Bäume, Wälder, statt der Reisfelder. Ich betrachtete diese Bäume und die Kräuter, die um mich
blühten, die ich kannte, waren südöstlich asiatische Gewächse; ich wollte auf den einen Baum
zugehen, ein Schritt- und wiederum alles verändert. Ich trat nun an, wie ein Rekrut, der geübt wird,
und schritt langsam, gesetzt einher. Wunderbar veränderliche Länder, Fluren, Auen, Gebirge,
Steppen, Sandwüsten, entrollen sich vor meinem staunenden Blick: es war kein Zweifel, ich hatte

Siebenmeilenstiefel an den Füßen.13

Chamisso kannte das Motiv der Siebenmeilenstiefel aus Charles Perraults


Märchensammlung Contes de ma mére l´oye (1697), wo das Motiv erstmals vorkommt,
ferner aus Uhland Romanze vom kleinen Däumling (1812) und aus Tiecks Märchenspiel
Leben und Taten des kleinen Thomas, genannt Däumchen (1812).

4.4 Wandermotiv

Das Wandermotiv ist ein sehr altes Motiv. Es ist besonders kennzeichnend für die
Romantik. Nicht nur in der deutschen Literatur, sondern auch in der englischen Literatur
ist dieses Motiv sehr bemerkbar. Der berühmte Lord George Gordon Bayron verwendete
dieses Motiv in seinem Werk „ Die Reisen des Child Harolds“. Dort flieht der Held in die
Exotik, weit von Problemen und äußerer Welt. Gero von Wilpert definiert das

13
Adelbert, von Chamisso: Peter Schlemihls wundersame Geschichte, Goldmann Verlag, Leipzig, 1980, S.
67, 68.
Wandermotiv als „ein Motiv, das in mehreren Nationalliteraturen, Epochen und Werken
wiederholt auftaucht und nachweislich oder vermutlich übernommen wurde.“ 14 Menschen,
die an Fernweh leiden, fühlen, dass sie immer reisen müssen. Sie können nicht zu Hause
sitzen und ein konventionelles Leben führen. Sie träumen von weiten Gegenden und
unbekanten Menschen und Tieren. Ihre Einbildungskraft ist sehr groß. Sie beleben die
alten Welte wieder und sie reißen die fast vergessene Zivilisationen aus der Vergessenheit.
Am meisten schreiben sie ihre Tagebücher, sodass sie ihren Nachfahren , und nicht nur
ihnen, sondern auch den anderen Menschen, die freidenkend sind, überlassen. Schlemihl
war ein Wanderer und wir finden dafür Beispiele im Buch:

Ich raffte mich auf, um ohne Zögern mit flüchtigem Überblick Besitz von dem Felde zu nehmen, wo
ich künftig ernten wollte. Ich stand auf den Höhen des Tibet, und die Sonne, die mir vor wenigen
Stunden aufgegangen war, neigte sich hier schon am Abendhimmel, ich durchwanderte Asien von
Osten gegen Westen, sie in ihrem Lauf einholend, und trat in Afrika ein. Ich sah mich neugierig
darin um, indem ich es wiederholt in allen Richtungen durchmaß. Wie ich durch Ägypten die alten
Pyramiden und Tempel angaffte, erblickte ich in der Wüste, unfern des hunderttorigen Theben, die
Höhlen, wo christliche Einsiedler sonst wohnten. Es stand plötzlich fest und klar in mir, hier ist dein
Haus. Ich erkor eine der verborgensten, die zugleich geräumig, bequem und den Schakalen
unzugänglich war, zu meinem künftigen Aufenthalte, und setzte meinen Stab weiter. Ich trat bei den
Herkules-Säulen nach Europa über, und nachdem ich seine südlichen und nördlichen Provinzen in
Augenschein genommen, trat ich von Nordasien über den Polarglätscher nach Grönland und
Amerika über, durchschweifte die beiden Teile dieses Kontinents, und der Winter, der schon im
Süden herrschte, trieb mich schnell vom Kap Horn zurück. Ich verweilte mich, bis es im östlichen
Asien Tag wurde, und setzte erst nach einiger Ruh meine Wanderung fort. Ich verfolgte durch beide
Amerika die Bergkette, die die höchsten bekannten Unebenheiten unserer Kugel in sich faßt. Ich
schritt langsam und vorsichtig von Gipfel zu Gipfel, bald über flammende Vulkane, bald über
beschneite Kuppeln, oft mit Mühe atmend, ich erreichte den Eliasberg, und sprang über die
Beringstraße nach Asien. Ich verfolgte dessen westliche Küsten in ihren vielfachen Wendungen, und
untersuchte mit besonderer Aufmerksamkeit, welche der dort gelegenen Inseln mir zugänglich
wären.15

Seine Stiefel trugen ihn von der Halbinsel Malakka auf Sumatra, Java, Bali und Lamboc.
Er erlebt die Gefahren, Schwierigkeiten, Gewitter, Kälte und Misserfolge beim Schaffen
der kleineren Abstände. Er geriet in emotionale Krise, verliert die Hoffnung in den
positiven Ausgang der Reise, gibt auf, dann versucht wieder die Grenzen zu überschreiten,
trotz der Kälte und unruhigem Meer. Die Vergeblichkeit der Versuche erfassend, schweren
Herzens gibt er auf und kehrt nach Asien zurück.
14
Gero, von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart, 1989, S.1021.
15
Adelbert,von Chamisso: Peter Schlemihls wundersame Geschichte, Goldmann Verlag, Leipzig, 1980, S.69.
Von der Halbinsel Malakka trugen mich meine Stiefel auf Sumatra, Java, Bali und Lamboc, ich
versuchte, selbst oft mit Gefahr, und dennoch immer vergebens, mir über die kleinern Inseln und
Felsen, wovon dieses Meer starrt, einen Übergang nordwestlich nach Borneo und andern Inseln
dieses Archipelagus zu bahnen. Ich musste die Hoffnung aufgeben, Ich setzte mich endlich auf die
äußerste Spitze von Lamboc nieder, und das Gesicht gegen Süden und Osten gewendet, weint ich
wie am festverschlossenen Gitter meines Kerkers, dass ich doch so bald meine Begrenzung
gefunden. Das merkwürdige, zum Verständnis der Erde und ihres sonnengewirkten Kleides, der
Pflanzen- und Tierwelt, so wesentlich notwendige Neuholland und die Südsee mit ihren Zoophyten-
Inseln waren mir untersagt, und so war, im Ursprunge schon, alles, was ich sammeln und erbauen
sollte, bloßes Fragment zu bleiben verdammt. Oft habe ich im strengsten Winter der südlichen
Halbkugel vom Kap Horn aus jene zweihundert Schritte, die mich etwa vom Land van Diemen und
Neuholland trennten, selbst unbekümmert um die Rückkehr, und sollte sich dieses schlechte Land
über mich, wie der Deckel meines Sarges, schließen, über den Polarglätscher westwärts zurück zu
legen versucht, habe über Treibeis mit törichter Wagnis verzweiflungsvolle Schritte getan, der Kälte
und dem Meere Trotz geboten. Umsonst, noch bin ich auf Neuholland nicht gewesen-ich kam dann
jedesmal auf Lamboc zurück und setzte mich auf seine äußerste Spitze nieder, und weinte wieder,
das Gesicht gen Süden und Osten gewendet, wie am fest verschlossenen Gitter meines Kerkers. Ich
riß mich endlich von dieser Stelle, und trat mit traurigem Herzen wieder in das innere Asien,ich
durchschweifte es fürder, die Morgendämmerung nach Westen verfolgend, und kam noch in der
Nacht in die Thebais zu meinem vorbestimmten Hause, das ich in den gestrigen Nachmittagsstunden
berührt hatte. Sobald ich etwas ausgeruht und es Tag über Europa war, ließ ich meine erste Sorge
sein, alles anzuschaffen, was ich bedurfte. Zuvörderst Hemmschuhe, denn ich hatte erfahren, wie
unbequem es sei, seinen Schritt nicht anders verkürzen zu können, um nahe Gegenstände
gemächlich zu untersuchen, als indem man die Stiefel auszieht.16

Er hat gelernt, dass er seine Siebenmeilenschritte auf keine andere Weise verkurzen kann
als durch das Ausziehen der Stiefel und Anziehen des normalen Paares Pantoffeln. Später
trug er sogar zwei Paar bei sich, sie von den Füßen werfend, mit der Lebensgefahr beim
Botanisieren konfrontiert. Schlemihl besitzt alle Geräte (Uhr wie Chronometer, Sextant,
physische Instrumente und Bücher) und natürlich den treuen Pudel, die ihm das Gefühl von
Einsamkeit vermildert. Das Abenteuer sieht er wie eine Art des Rückkehrs zwischen den
Menschen.

Ein Paar Pantoffeln, übergezogen, hatten völlig die Wirkung, die ich mir davon versprach, und
späterhin trug ich sogar deren immer zwei Paar bei mir, weil ich öfters welche von den Füßen warf,
ohne Zeit zu haben, sie aufzuheben, wenn Löwen, Menschen oder Hyänen mich beim Botanisieren
aufschreckten. Meine sehr gute Uhr war auf die kurze Dauer meiner Gänge ein vortreffliches

16
Adelbert,von Chamisso: Peter Schlemihls wundersame Geschichte, Goldmann Verlag, Leipzig, 1980, S.70,
71.
Kronometer. Ich brauchte noch außerdem einen Sextanten, einige physikalische Instrumente und
Bücher. Ich machte, dieses alles herbei zu schaffen, etliche bange Gänge nach London und Paris, die
ein mir günstiger Nebel eben beschattete. Als der Rest meines Zaubergoldes erschöpft war, bracht
ich leicht zu findendes afrikanisches Elfenbein als Bezahlung herbei, wobei ich freilich die kleinsten
Zähne, die meine Kräfte nicht überstiegen, auswählen musste. Ich ward bald mit allem versehen
und ausgerüstet, und ich fing sogleich als privatisierender Gelehrter meine neue Lebensweise an. Ich
streifte auf der Erde umher, bald ihre Höhen, bald die Temperatur ihrer Quellen und die der Luft
messend, bald Tiere beobachtend, bald Gewächse untersuchend; ich eilte von dem Äquator nach
dem Pole, von der einen Welt nach der andern; Erfahrungen mit Erfahrungen vergleichend. Die Eier
der afrikanischen Strauße oder der nördlichen Seevögel und Früchte, besonders der Tropen-Palmen
und Bananen, waren meine gewöhnlichste Nahrung. Für mangelndes Glück hatt ich als Surrogat die
Nicotiana, und für menschliche Teilnahme und Bande der Liebe eines treuen Pudels, der mir meine
Höhle in der Thebais bewachte, und wenn ich mit neuen Schätzen beladen zu ihm zurückkehrte,
freudig an mich sprang, und es mich doch menschlich empfinden ließ, dass ich nicht allein auf der

Erde sei. Noch sollte mich ein Abenteuer unter die Menschen zurückführen. 17

Auf seinen Reisen, erlernte er die Pflanzen und die Tiere. Dadurch wurde er Naturforscher.
Hier erscheint ein neues Motiv in der romantischen Literatur und es heißt Wissenschaftler-
Motiv. Im Einklang mit der Epoche, herrschte der Wissensbedarf überall. Die Menschen
wollten einfach kluger und gebildeter sein. Sie erlernten exotische und neue Arten von
Pflanzen und Tieren. Es war modern exotische Haustiere zu besitzen. Die Sache der
Prestige war möglichst mehr Bücher gelesen zu haben.

Schlemihl hat symbolisch imaginäre Marsch – Rute seines Autors beschrieben, dem zwei
Jahre nach Peter Schlemihls wundersame Geschichte wurde eine ganz unerwartete
Gelegenheit geboten, Verwirklichung der langgetraumten Reise um die Welt. Chamisso
erhalt die Stelle als freier Wissenschaftler auf dem russischen Forschungsschiff Rurik, der
den Pazifik erforschen sollte und die Möglichkeiten der Schifffahrt bis zum Nordpol. Zwar
hat Chamisso sich nicht auf dem Weg um die Welt aus reiner Neugierigkeit oder
romantischen Exotik gemacht. Da war auch die Leidenschaft des Wissenschaflers
Forscher, ein Wunsch neue Erkenntnisse als Geograph und Ethnograph zu machen, aber
auch Schüler von Rousseau, sehnte er in weiten Gegenden nach der Begegnung mit dem
idealen Menschen urethischer Unverfälschtheit. Die Exotik hat für Chamisso auch eine
aufklärerische Variante; daneben verband sich die Forschungsleidenschaft mit dem
romantischen Schicksal des Menschen ohne Vaterland. Nämlich, direkter Anlass für
Chamissos Entscheidung über die Reise war der Ausbruch des Militärkonflikts zwischen

17
Adelbert,von Chamisso: Peter Schlemihls wundersame Geschichte, Goldmann Verlag, Leipzig, 1980, S.72.
Napoleons Frankreich und Europäischer Koalition im Jahr 1815. Zurzeit fand er sich in
einer unangenehmen Situation als Franzose in Preußen (trotz dem Fakten, dass er aus
seinem alten Heimatland und, dass er als Freiwillige zu dem neuen Heimtland bekannt
macht, auf der deutschen Seite.18

4.5 Der Mann im grauen Rock

Der Mann im grauen Rock war ein Mann, den Peter Schlemihl im Garten von Herrn John
kennengelernt hat. Er repräsentiert den Teufel. Am Anfang möchte er den Schatten von
Schlemihl abkaufen. Schlemihl akzeptierte das Angebot. Er hat seinen Schatten dem Mann
im grauen Rock verkauft. Der Teufel nahm den Schatten und Schlemihl bekam Fortunati
Glückssäckel, den Beutel, der immer Geld in sich hatte. Ohne seinen Schatten war
Schlemihl ein Außenseiter. Er verlor seine Identität. Zum zweiten Mal traf Schlemihl in
dem Moment, als Schlemihl verzweifelt seinen Schatten verlangte. Der Teufel verlangte
die Seele des Peters im Austausch gegen den Schatten. Da hat Schlemihl gewonnen, indem
er den Säckel in einen Abgrund geworfen hat und auf diese Weise sich von dem Teufel
befreit. Er sah den Mann, er war „ein stiller, dünner, hagrer, länglicher, ältlicher Mann“19

Chamisso gibt über den „Mann im Grauen“ dem Teufel ganz menschliche Forme und
bürgerliche Art des Denkens. Er verspottet ihn sogar und veranschaulicht ihn wie einen
untertänigen Knecht allmächtigerer Besitzer. Seine wunderbare Macht ist die direkte
Personifikation des Geldes, weil für Chamisso Teufel der bürgerlichen Gesellschaft ist das
Geld, alle diejenige Dinge, die aus seiner kleinen Hosentasche hinausgehen, repräsentieren
nichts anders als symbolische reproduktive Macht des Geldes. Es gibt weder nichts
Mystisches noch Geheimnisvolles weder in der Erscheinung des Teufels noch in seiner
Mentalität! So eine Degradierung des Teufels konnte nur Mensch machen, der enthaltsam
und real die Faktore, die soziales Lebewesen der Existenz zur bürgerlichen Zeit
bestimmen“.20

4.6 Der Schattenverkauf

Aber, was ist der Schatten eigentlich? Der Schatten ist ein Bestandteil jedes Mannes. Es
kann nicht von dem Besitzer getrennt werden. In der volkstümlichen Überlieferung ist der

18
Zoran, Gluščević: Putevi humaniteta – nemački romantičari, Prosveta, Beograd, 1965, S. 94-95.
19
Adelbert,von Chamisso: Peter Schlemihls wundersame Geschichte, Goldmann Verlag, Leipzig, 1980, S.9.
20
Zoran, Gluščević: Putevi humaniteta – nemački romantičari, Prosveta, Beograd, 1965, S. 90-91.
Schatten Sinnbild für die Seele oder Wesensteil der Persönlichkeit, dessen Manipulationen
Einfluss auf seinen Besitzer haben.21 Wilpert bemerkt, dass es beim Chamisso nicht der
Fall ist. Beim Chamisso hat der Schatten nicht so starke Symbolik wie beim Volksglauben.
Er hat keine außergewöhnliche Eigenschaften von sich selbst.

In dieser Erzählung wird der Schatten nicht nur getrennt, sondern auch verkauft. Benno
von Wiese fragt sich: Was wäre die Geschichte vom Peter Schlemihl ohne das Motiv des
verlorenen Schattens? Thomas Mann sagt für den Schatten: „Schatten ist ein Symbol aller
bürgerlichen Solidität und menschlichen Zugehörigkeit“. Das kann auf folgende Weise
erklärt werden. Peter Schlemihl verkehrt sich in der bürgerlichen Gesellschaft. Er hat sich
prunkvoll angezogen und Maniere der Gesellschaft, den Schlüssel der Integration in der
Gesellschaft. Ohne seinen Schatten wird er zum Außenseiter. Er wird anders, nicht im
Einklang mit den Konventionen der damaligen Gesellschaft. Er scheitert an seine Ideen, so
lange er keinen Schatten hat. Dann versuchte er den Schatten zurück zu bekommen, aber
der Teufel war frech und suchte Schlemihls Seele für den Schatten. Schlemihl wollte den
Vorschlag nicht akzeptieren. Er warf den Säckel, einzigen Gegenstand, den Peter und den
Teufel verband, in den Abgrund und für immer verbannte den Teufel. Aber, leider blieb er
ohne seinen Schatten. Die Tat des Schattenverkaufs selbst sieht folgend aus:

Möge der Herr meine Zudringlichkeit entschuldigen, wenn ich es wage, ihn so unbekannter Weise
aufzusuchen, ich habe eine Bitte an ihn. Vergönnen Sie gnädigst. Aber um Gotteswillen, mein Herr!,
brach ich in meiner Angst aus, was kann ich für einen Mann tun, der, wir stutzten bei, und wurden,
wie mir däucht, rot. Er nahm nach einem Augenblick des Schweigens wieder das Wort: Während der
kurzen Zeit, wo ich das Glück genoß, mich in Ihrer Nähe zu befinden, hab ich, mein Herr, einige Mal,
erlauben Sie, dass ich es Ihnen sage, wirklich mit unaussprechlicher Bewunderung den schönen,
schönen Schatten betrachten können, den Sie in der Sonne, und gleichsam mit einer gewissen edlen
Verachtung, ohne selbst darauf zu merken, von sich werfen, den herrlichen Schatten da zu Ihren
Füßen. Verzeihen Sie mir die freilich kühne Zumutung. Sollten Sie sich wohl nicht abgeneigt finden,
mir diesen Ihren Schatten zu überlassen?

In dem Zitat, das folgt wird beschrieben,wie der Teufel Peter zum Austausch überredet.
Der Graue bietet dem Peter, einige Gegenstände aus seiner Tasche zum Austausch gegen
den Schatten zu wählen. Schlemihl hat den Grauen auf einer Party beim Thomas John
gesehen. Der Graue nimmt wunderbare Gegenstände aus seiner Tasche heraus. Schlemihl
war begeistert davon.

21
Gero von Wilpert: Der verlorenen Schatten. Varianten eines literarischen Motivs, Alfred Kröner Verlag,
Stuttgart, 1978, S. 22
Er schwieg, und mir gings wie ein Mühlrad im Kopfe herum. Was sollt ich aus dem seltsamen Antrag
machen, mir meinen Schatten abzukaufen? Er muss verrückt sein, dacht ich, und mit verändertem
Tone, der zu der Demut des seinigen besser passte, erwiderte ich also: Ei, ei! guter Freund, habt Ihr
denn nicht an Eurem eignen Schatten genug? das heiß ich mir einen Handel von einer ganz
absonderlichen Sorte.
Er fiel sogleich wieder ein: Ich hab in meiner Tasche manches, was dem Herrn nicht ganz unwert
scheinen möchte; für diesen unschätzbaren Schatten halt ich den höchsten Preis zu gering. Nun
überfiel es mich wieder kalt, da ich an die Tasche erinnert ward, und ich wusste nicht, wie ich ihn
hatte guter Freund nennen können. Ich nahm wieder das Wort, und suchte es, wo möglich, mit
unendlicher Höflichkeit wieder gut zu machen. Aber, mein Herr, verzeihen Sie Ihrem untertänigsten
Knecht. Ich verstehe wohl Ihre Meinung nicht ganz gut, wie könnt ich nur meinen Schatten. Er
unterbrach mich: Ich erbitte mir nur Dero Erlaubnis, hier auf der Stelle diesen edlen Schatten
aufheben zu dürfen und zu mir zu stecken; wie ich das mache, sei meine Sorge. Dagegen als Beweis
meiner Erkenntlichkeit gegen den Herrn überlasse ich ihm die Wahl unter allen Kleinodien, die ich in
der Tasche bei mir führe: die ächte Springwurzel, die Alraunwurzel, Wechselpfennige, Raubtaler, das
Tellertuch von Rolands Knappen, ein Galgenmännlein zu beliebigem Preis; doch, das wird wohl
nichts für Sie sein: besser, Fortunati Wünschhütlein, neu und haltbar wieder restauriert; auch ein
Glücksseckel, wie der seine gewesen. Fortunati Glücksseckel, fiel ich ihm in die Rede, und wie groß
meine Angst auch war, hatte er mit dem einen Wort meinen ganzen Sinn gefangen. Ich bekam einen
Schwindel, und es flimmerte mir wie doppelte Dukaten vor den Augen.

In dem Zitat, das folgt wird Akzeptierung Peters beschrieben. Er nimmt das Angebot an.
Der Teufel zeigt ihm, was alles Säckel kann. Schlemihl hat von dem Säckel heftig
begehren und sein Gesicht verloren. Der Teufel nimmt den Schatten.

Belieben gnädigst der Herr diesen Seckel zu besichtigen und erproben. Er steckte die Hand in die
Tasche und zog einen mäßig großen, festgenähten Beutel, von starkem Korduanleder, an zwei
tüchtigen ledernen Schnüren heraus und händigte mir selbigen ein. Ich griff hinein, und zog zehn
Goldstücke daraus, und wieder zehn, und wieder zehn, uns wieder zehn; ich hielt ihm schnell die
Hand hin: Topp! der Handel gilt, für den Beutel haben Sie meinen Schatten. Er schlug ein, kniete
dann ungesäumt vor mir nieder, und mit einer bewundernswürdigen Geschicklichkeit sah ich ihn
meinen Schatten, vom Kopf bis zu meinen Füßen, leise von dem Grase lösen, aufheben,
zusammenrollen und falten, und zulezt einstecken. Er stand auf verbeugte sich noch einmal vor mir,
und zog sich dann nach dem Rosengebüsche zurück. Mich dünkt`, ich hörte ihn da leise für sich
lachen. Ich aber hielt den Beutel bei den Schnüren fest, rund um mich her war die Erde sonnenhell,
und in mir war noch keine Besinnung.22

22
Adelbert, von Chamisso: Peter Schlemihls wundersame Geschichte, Goldmann Verlag, Leipzig, 1980, S.
12-14.
Deutsch-Amerikaner H.J. Weigand sagt, dass wir den Wert des Schattens kennen müssen.
Der Schatten ist wertlos, aber dessen Abwesenheit macht Peter einen gezeichneten Mann.
Auf diese Weise der Schatten kann wie ein Symbol für irgendwas, das solch ein Effekt auf
den Menschen haben kann. Das bedeutet, dass Peter Schlemihl ein Außenseiter geworden
ist, weil die Menschen aus dem Kreise in dem er verkehrte so großen Wert auf den
Schatten legen. Sie bemerken einfach , dass er keinen Schatten hat und ettiketieren ihn als
einen fremden Mann. Er wäre ganz normal gewesen, wenn der Schatten nicht so großen
Wert gehabt hätte. Ähnlich dem Weigand, sagt Schulz, dass der Schatten an sich wertlos
ist und nur durch das Urteil der Gesellschaft Wert erhalt. Das bedeutet, dass die Menschen
den Wert des Schattens bestimmen. Sie beurteilen den Menschen nach seinem Schatten. 23
Stellen Sie Ihnen vor, was ein Mann ohne Schatten wäre? Jetzt kennen Sie ihn. Das ist
Peter Schlemihl. Er verkaufte seinen Schatten. Da er den Schatten verkaufte, muss es sein,
dass der Schatten einen Wert hat. Und zwar, es kostet einen Fortunati Glückssäckel. Erst
als er den Schatten verkauft hat, hat er erfassen, was für einen Wert seiner Schatten hat.

Chamissos wundersame Geschichte über den Tolpatsch, der undurchdacht seinen Schatten
verkauft, erregte , seit sie veröfentlicht wurde, die Neugierigkeit der Menschen , was man
mit ihr erreichen will. Sie wurde mit ständigen Abhandlungen gefolgt, sowohl diejenige,
die im vorigen Text beschrieben wurden, dass sie zwischen den Schriftstellern und
Kritikern, als auch zwischen den Lesern. Alle fragten sich, was eigentlich die Bedeutung
oder Symbolik des Schattens, was representiert der Schatten für den Schriftsteller dieser
außergewöhnlichen romantischen Erzählung. Chamisso antwortet ironisch an die Fragen
der zahlreichen Leser, was eigentlich der Schatten ist, in dem Vorwort der französischen
Ausgabe seiner Geschichte, die Definition aus dem Physik Lehrbuch zitierend: „ Der
Schatten, auf einer Flachebene, hinter den opaken Körper, der den Schatten produziert
beobachtend, ist nichts anders als der Durchshnitt dieser Flachebene von diesem
körperlichen (soliden) Raum...“ und zeigt, dass es gerade um das Solide in der Geschichte
geht. „Schlemihl willigte dem Geld ein und er hat nicht auf Solide gedacht. Die Lektion,
die er teuer bezahlt hat, lautete: man soll auf das Solide achten“. Viele haben jedoch
geahnt, dass es nicht nur um das romantische Märchen, das ihre Einbildungskraft und
Gefühle aufregen soll. Sie haben geahnt, dass es unter der Ebene der Fantastik und
Romantik, eine reale Ebene steckt, die Ebene der Lebensfragen, die die Antworte suchen
und verstanden die Botschafte, mit denen sie Chamisso erinnert auf die Rechnungslegen
Franz, Schulz. “Die Erzählerische Funktion Des Motivs Vom Verlorenen Schatten in
23

Chamissos Peter Schlemihl”, S. 431.


eigenem Gewissen und der Erwägung über den Sinn des Lebens. Das Fantastische in
diesem Werk wird zum Mittel, um die Realität klar auszudrücken und zu betonen.24

Der Literaturtheoretiker , Zoran Gluscevic findet im Problem Chamissos Schatten keine


symbolische Bedeutung, sondern ihn nur als „ romantisch-fantastisches“ Requisit, das eine
gewisse Rolle in der Literartechnik, weil es leichter und geschickter literare Realisierung
des Hauptthemas und der Idee. Jedoch die Bedeutung der „Peter Schlemihls wundersame
Geschichte“ für die Lösung des Problems des Verhältnisses der Gesellschaft und
Individuum , betont das moralische Dilemma einer Persönlichkeit ohne Geld und Ansehen,
die deswegen von der Seite bürgerlichen Gesellschaft abgeworfen wurde. 25 Auf diese
Weise, klar solch ein Dilemma bei Peter Schlemihl erkennend und bei Chamisso selbst
ahnend, spricht er über Antithese Ideal ( der Kampf für das Geld und Verkauf des Ideals )
und über Ideal, das wir als Schattenverkauf für Geld und den Schatten als ein Ideal der
Persönlichkeit betrachten.

Schlussfolgerung

Peter Schlemihls wundersame Geschichte ist ein misslungener Versuch Machen des
Kompromisses und der Anpassung bürgerlicher Gesellschaft, die das Geld symbolisiert.
Mehr davon, es geht um finale Wahl zwischen dem Geld, Eigennutz, Karrierismus und
eigenes Ideal – eigenes besseres ICH. Das Dilemma zwischen dem Prosaischen und
Idealen, zwischen Eigennutzigen und Altruistischen, hat Chamisso, in der romantischen
Form der Einsamkeit, als Dienst zu der Wissenschaft und Menschheit (durch Botanisieren)
gelöst.

Ein von zahlreichen Problemen zwischen dem Einzelnen und der Gesellschaft vom
Anfang des 19. Jhs. in Europa war auch das Problem des Geldes. Chamisso versucht es zu
lösen auf eigene Weise auch in dieser Erzählung, weil er selbst sagt: „ Was ist der Mensch
ohne Geld in der bürgerlichen Gesellschaft? Nichts.“ Wir würden sagen, dass man es in
jeder Gesellschaft braucht , besonders heute, zur Zeit des neoliberalen Kapitalismus,
wegen eigener Existenz. Genau deswegen, weil es sehr schwer erreichbar ist, versucht man
24
Erih, Koš, in: Adelbert, Šamiso: Čudnovata povest Petra Šlemila, [prevod s nemačkog E. Koš], Reč i
misao, Rad, Beograd, 1959, S. 100-102.
25
Zoran, Gluščević: Putevi humaniteta – nemački romantičari, Prosveta, Beograd, 1965, S. 89-90.
es um jeden Preis zu erreichen. Darin hilft es ihm in dieser Geschichte ein unerbittliches,
aber herablassendes Geschöpf im grauen Anzug, Verkörperung jedes Übels, der Teufel. Er
ist der menschlichen Geschlecht gehorsam , begleitet den Menschen auf Schritt und Tritt
und ist immer da, ihm zu helfen, ihm all dieses Gold dieser Welt anbietend. Als
Gegenleistung ist er bereit dem Menschen, das , was ihm am wertvollsten ist, in diesem
Fall den Schatten, egal was sie tatsächlich darstellt (Ehre, Gewissen, Vaterland und die
andere), oder die Seele des Hauptheldens, Peter Schlemihl. Chamisso überzeugt uns
weiter, das Leben seines Hauptheldens begleitend, dass der Mensch ohne Geld in der
bürgerlichen Gesellschaft, in der er lebte vom Ende des 18. Jhs. bis zum Anfang des 19.
Jhs, „ ein bedeutungsloses Spielzeug, ein Gegenstand für Mißachtung, ein durchsichtigerer
Körper, auf dem die Blicke der Reicher nicht anhalten können. Jedoch wenn man es
erreicht, am haufigsten auf eine unwürdige Weise, wird es sich herausstellen, dass es seine
Probleme nicht lösen kann. Der Mensch sieht ein, dass seine Probleme und geistige Note,
nicht materieller Natur und , dass wir uns auf der Suche nach dem Sinn des Lebens den
anderen Werten dieser Welt umdrehen müssen. Diese wudersame Geschichte, neben dem
Problem des Geldes, thematisiert auch den Fall der romantischen Entfremdung, Abneigung
einer Umgebung gegenüber dem Einzelne, wo es natürlich biographische Züge gibt, es
gibit Ähnlichkeiten mit dem Schriftsteller, dem Mann ohne Vaterland. Aber wichtiger als
die biographischen Einheiten ist instinktive Wirkung eines romantischen Rebells, der mit
seinem Kosmopolitismus alle nationale und soziale Selbsuchtige seiner Zeit überbrückt
zur Sphäre des Schaffens in die Weltgemeinschaft der Wissenschaft. Die Flucht von der
Gesellschaft war bei den Romantikern am häufigsten nicht ohne eine Idee oder apstrakt,
auch neben ihren trüben Sehnsuchten und Idealen. Das, was unzweideutig und klar war,
die Negierung der kleinbürgerlichen Umgebung, auftretende bürgerliche und
kapitalistische Deutschland. Sie waren unerbittlich darin , was sie gesehen haben, so sind
sie „ geichzeitig einen satirischen Ablauf realistischer Observation und den fiktiven Ablauf
romantischer Einbildungskraft“.26

Das, was dieser Erzählung den Wert gibt, was auch viele Kritiker der Chamissos Werken

bemerkt habene, ist, die wunderbare Einheit der Fantastischen und Realen, Romantischen

und Realistischen, wobei der Schwerpunkt auf dem Realen steht : „Fantastisch ist nur ein

26
Zoran, Gluščević: Putevi humaniteta – nemački romantičari, Prosveta, Beograd, 1965,

S. 73-75.
Mittel , um realistischer schärfer und klarer ausdrückt; Ideen – Weberzettel der Erzählung ,

dass die irdischen, nichtigen Zufriedenheiten – Genugtuungen und Privilegien können

nicht das Ziel des Lebens sein, dessen echter Sinn die Arbeit ist; witzige und bizarre Idee

über den Menschen , der den Schatten verloren hat und außergwöhnlich sublimierten

kristallklaren Stil mit dem diese Erzählung geschrieben wurde. Durch Chamissos Werk

lässt sich auf eine malerische Weise den Durchschnitt der deutschen Gesellschaft der

ersten Hälfte des 19. Jhs. betrachten. Der Hauptheld zeigt uns auf seiner Reise durch das

kleinbürgerliche Milieu und provinzielles Umfeld damaliger Orte, verschiedene Anblicke

und bemalt verschiedene Charaktere der Menschen, die in ihnen wohnen. Zwischen dem

anderen sehen wir wie das Geld immer wichtiger wird, weil mit ihm man viele Dinge

kaufen konnte, wie den Titel und das Ansehen. Kleinbürgerlicher Charakter deutscher

Mentalität , die Gier oder Heuchelei, es bricht auf alle Seiten aus alle Gesellschaftsschichte

abgreifend. Zur Zeit der reifen Phase der deutschen Romantik, als man in der Literatur

nach der Erregung der unnatürlichen und übermäßigen Aufregungen strebte, als die

Schriftsteller sich an das Mittelalter und Mystik und in Deutschland, als auch in der

Literatur anderer Länder gab es viel Feen, Vampire, Hexen und andere fantastische

Lebewesen, das Maß des Vernünftigen und Rationellen, welches man in „Schlemihl“ spürt,

war in deutscher Literatur damaliger Zeit etwas ganz besonders. Deswegen sagt E. Kosch,

dass Chamisso den Teufel selbst ausgelacht hat ihm die ganz menschliche Formen und

idealistische , metaphysische Denkweise gebend und „ wundersame Note unglücklichen

Schlemihls , der seinen Schatten verloren hat, wird jeder Mensch , der eigenem Gewissen

verantwortlich für eigene Maßnahme ist, und denkt über den Sinn des eigenen Lebens.“27

Auf der Suche nach dem Sinn uns aller einzeln , stellt man die Frage , wie das Problem der

Gesellschaft und des Einzelnen, der ständig versucht darin zu integrieren und eigenen Platz

zwischen den Menschen zu finden. Chamisso hat das Problem gelöst, sowohl für sich, als
27
Šamiso, Adelbert. nav. delo, 1963, 105-106.
auch für seinen Haupthelden, Peter Schlemihl, sich für selbstloser Arbeit in der Welt der

Wissenschaft entscheidend, Naturschatz unseren Planet entdeckend, seinen Beitrag uns

allen zu nützen, die darauf wohnen.

Der Hauptwert , den wir als menschliche Wesen bewahren ist unsere Freiheit, mit der die

Verantwortung kommt. Jeder ist frei , seinen Entwicklungsweg oder Individuation zu

wählen, aber wenn man von Morallehre dieses Werkes ausgeht, als auch vielen anderen

Werken der Zeit der Romantik, es ist wichtig , dass man auf dem Weg keine Seele verliert,

die den wertvollsten Teil seines Wesens macht, weil nur so reines Gewissens und harter

Arbeit , wird er verantwortlicher Mitglied jeder Gesellschaft und ein Vorbild den anderen

werden.

Literaturverzeichnis

Primärliteratur:
Chamisso, von Adelbert: Peter Schlemihls wundersame Geschichte, Goldmann Verlag,
Leipzig, 1980.

Sekundärliteratur:
1. Šamiso, Adelbert: Čudnovata povest Petra Šlemila, [prevod sa njemačkog E. Koš],
Reč i misao, Rad, Beograd, 1959.
2. Baumann, Barbara; Oberle, Brigitta: Deutsche Literatur in Epochen, Max Hueber
Verlag, Ismaning, 1996.
3. Gluščević, Zoran: Putevi humaniteta – nemački romantičari, Prosveta, Beograd,
1965.
4. Mojašević, Miljan: Nemačka književnost: doba prosvetiteljstva klasike i
romantizma, Zavod za izdavanje udžbenika SRS, Beograd, 1967.
5. Schulz, Franz. “Die Erzählerische Funktion Des Motivs Vom Verlorenen Schatten
in Chamissos Peter Schlemihl.” The German Quarterly, vol. 45, no. 3, 1972, pp.
429–442.