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von selbstversteht.

Jene Zusage aber, die ich dem Freunde draußen im frühlingsgrünen Haine bei Frankfurt als
fein Gast gegebenhabe – er standselbstwie ein prächtigervollbelaubterdeutscher
Waldbaum vor mir –
glaube
ich jetzt ihm, dem zu früh Geschiedenen,und dem Hochstifteeingelöstzu haben, beffer, als ich es damals, unter
-
dem Gebot andererPflichten stehend,vermochthätte.

I
Darf der Deutschein diesemAugenblicke
wo er ruhmlos aus seinemthränenvollen Wo der Franke wo
der Britte
Kriege geht, wo zwey übermüthige Völker
Mit dem stolzenSiegerschritte
ihren Fuß auf einen Nacken setzen,
und der Sieger seinGeschickbestimmt – HerrschendseinGeschick
bestimmt?
Darf er sich seines
darf er sichfühlen? UeberfeinenNacken
Nahmens rühmen und freun? Darf tritt

!
Schweigend der Ferne

in
er sein Haupt erhebenund mit Selbst
stehen
gefühl auftreten in der Völker Reihe?
Und die Erde theilen
fehen,
10 Ja er darfs! Er geht unglücklich Lächelndnaht der
goldneFriede.
aus dem Kampf, aber das, was seinen
Ohne Lorbeer,ohne
Werth ausmacht, hat er nicht verloren. Aus demthränen
DeutschesReich und deutscheNation vollen
sind zweierlei Dinge. Die Majestät Und
15 des Deutschenruhte nie auf dem (OhneLor)
Und mit lorbeer
Haupt seinerFürsten. Abgesondertvon
leeremHaupt!
dem politischen hat der Deutschesich
Der die Stirne sich
einen eigenenWerth gegründet und belaubt
wenn auchdas Imperium untergienge, Aus demthränen
20 so bliebe die deutscheWürde unan
gefochten. glaubt, raubt.
erlaubtbelaubt.
Und mit lorbeerleerem
Haupt?
die

der Kultur und


ist

eine sittlicheGröße,
in

Sie wohnt
im Character der Nation, der von ihren
25 politischenSchicksalenunabhängig ist.

Deutschland,
in

Dieses Reich blüht


ist
es

in

vollem Wachsenund mitten unter


gothischen
den Ruinen einer alten barbarischen Er hat sichlängst seinen")
politischen
Zustand
Verfaffung bildet sichdas Lebendige emporgehoben
in

aus. (Der Deutschewohnt einem


ein strebendes
Geschlecht
alten SturzdrohendenHauß, aber
er

wohnt demalten
in
ist

selbst ein edler Bewohner, und indem Gebäudeund der


das politischeReich wankt hat sich Deutsche
35 das Geistige immer fester und vollkommener
gebildet.)

II
a

Dem, der den Geist bildet, beherrscht,


muß zuletztdie Herrschaft werden, denn
an

endlich dem Ziel der Zeit, wenn anders die


40 Welt einen Plan, wenn des Menschen
1)

Wahrscheinlich
„über einen“
- - - - -- - - - - ----- ---- -

Lebenirgend nur Bedeutung hat, endlich


– 6

muß die Sitte und die Vernunft siegen,


Die rohe Gewalt der Form erliegen –
und das langsamsteVolk wird alle
45 die schnellen
flüchtigeneinhohlen.
Die andernVölker waren dann
die Blume, die abfällt.
Wenn die Blumen abgefallen bleibt
die goldne Frucht übrig, bildet sich,
50 Und im löchrigten
schwilltdie Frucht der Aernte zu. Gefäße
Rinnt
Das köstlicheGut der deutschen Sprache
die alles ausdrückt, das tiefste und
das flüchtigste, den Geist, die Seele,
die
voll

Sinn ist. Festauf seinem


-
-
-
-
55 Sprache wird die Welt
Unsere Wellenthrone
beherrschen.
- Stehtder Britte,
ist

Die Sprache der Spiegel einer


Nation, wenn wir diesenSpiegel
in

kommt uns ein großes


so

schauen,
60 treffliches
Bild von uns selbstdaraus
entgegen.Wir können') das jugendlich
griechischeund das modern ideelle
ausdrücken.

Keine Hauptstadt und kein Hof übte


65 eine Tyrannei über den deutschen
Geschmack
aus. Paris. London.
Soviele Länder und Ströme und Sitten, soviele
eigeneTriebe und Arten.

IIb.

KeinefreieBürgerkrone Finster zwar und grau von Jahren


70 Keinefreie Bürgerkrone Aus den Zeiten der Barbaren
Bringt
er

nachHauß! Stammt der Deutschenaltes Reich.


Wie derFranke Sohne
Doch lebendgeBlumen grünen
(Aber).
KeinenLorbeer bringt UebergothischenRuinen
er

zurück(mit)! [Und) gleich.


zu

75 Zu erobernmit den Flotten


ist

(Er) Das nicht des DeutschenGröße


Obzufliegenmit dem Schwert,
In das Geisterreichzu dringen
zu

Vorurtheile besiegen, ringen


80
Traurig mit gesenktem Männlich mit demWahn zu kriegen
Blick!
ist

Das eines Eifers werth.

SchwereKetten drücktenalle
Völker auf dem Erdenballe
sie

Als der Deutsche zerbrach


85
Fehdebot dem Vatikane
Krieg ankündigtedem Wahne
Der die ganze Welt bestach.
„kennen“
Geschrieben
*)
Höhern Sieg hat der errungen
Der der Wahrheit Blitz geschwungen,
90 Der die Geister selbstbefreit,
Freiheit der Vernunft erfechten,
Deutsche Heißt für alle Völker rechten,
Nicht,wo Deutschland
Gilt für alle ewgeZeit.

DeutschlandsMajestät und Ehre


95 Wohnt nicht Ruhet nicht auf dem Haupt seinerFürsten.
Stürzte auch in Kriegesflammen
Nichtauf DeutschlandsKaiserreichzusammen,
Wohnt auf seinerBür- DeutscheGröße bleibt bestehn.
ger Haupt.

Nicht aus dem Schooß der Verderbniß


100 nicht am feilen Hof der Könige
schöpftsichder Deutscheeine trostlose
Philosophie des Eigennutzes, einen
traurigen Materialism, nicht da, wo
dieMeinung Tugend prägt, wo der
105

Witz die Wahrheit wäget. Nicht
Redner sind eine Weisen. Darum
blieb ihm das heilige heilig

IIIa.
Ewge
(Wehund Schmachdem deutschenSohne
110 angebohrneKrone
Der die hoheKrone
wirft mit seines(Adels]Menschenadels schmäht,
(Vonsich
Der sichbeugt vor
Kniet vor einemfremdenGötzen,
115 Der des Britten todten Schätzen
Huldigt und des Franken Glanz. lüsternspäht,

soll
Nach dem Höchsten(darf er streben,
die Natur und das Ideal. d
120 Er verkehrtmit dem Geist der Welten.
so ist

Ihm das Höchstebestimmt, die Menschheit


die allgemeine
sichzu vollenden
in

VON
in
er

der

Und wie
Mitte und das schönste
Europens Völker sichbefindet, was bei allenVölkern
blüht, einemKranze
in

So ist der Kern der Menschheit,


er

zu

vereinen,
125 Jene sind die Blüthe und das Blatt.
ist

Er erwählt von dem Weltgeist, während


des Zeitkampfs
an

dem ewgenBau der Menschenbildung


zu

arbeiten,
130
zu

bewahrenwas die Zeit bringt,


bisher Fremdes sich ange
es er

Daher hat
eignetund sichbewahrt,
in

Alles was schätzbares


bei andern Zeiten
- ---- --- - --

und Völkern aufkam, mit der Zeit


135entstandund schwand,hat er aufbewahrt

ist
es ihm unverloren,die Schätzevon
Jahrhunderten. JedemVolk der
Erde scheint glänzt
Nicht im Augenblickzu glänzen und Einst

-
seineRolle zu spielensondernden großen Glänzt seinTag

in
140Prozeß der Zeit zu gewinnen. Jedes Volk der Geschichte,

es
Wo strahltim
hat seinenTag der Geschichte,
doch höchstenLichte

in
Und mit hohemRuhm

ist
der Tag des Deutschen die Alernteder
ganzenZeit –
wenn der Zeiten Kreis sich
fichkränzt,
Dochdes Deutschen
Tag wird scheinen
füllt, und des DeutschenTag wird scheinen
145 Wenn die Scha kommen)
sichvereinen Wennder Zeiten
In der Menschheitschönes
Bild! Kreis sichfüllt.

IIIb.
Mag der Britte die Gebeine
Alter Kunst, die edelnSteine
Und ein ganzes Herkulan

-
150 Gierig nachdem kostbarngreifen

Der Witz hat nichts Und auf seinerInsel häufen


gemeinmit dem
Was ein Schiff nur laden kann.
Schönen.

zum Leben
sie
Nimmer werden leben,immer fremd und
155 sie
verbannt bleiben, werdennie auferstehn
sie

''
Nimmer werden zum Leben
höhnen Auferstehnund sicherheben
Vom Gestelle,
die

Ewig werden Verbannte


160
Bleiben an dem fremdenStrande,
heimisch
zu

Nie Hause seyn (NiezumLebenauferstehn,

mit demidealen Denn der Witz hat mit dem Schönen


Mit dem Hohen nichts gemein!
(Mit demWitzehat
165 Denn der Witz
Waffergotte,
Führt der Britte seine

Und den Allen)Königen zum Hohne


Mit der freien Bürgerkrone
170 Ziert der Franke sichdas Haupt!

Die Niederschrift jetzt bei dem natürlichenAusgangspunkte ein. Einzelne Gedanken und Bilder kehren
motivartig wieder, aber das erstSprosffende,
bloß im Keim Angedeutetemuß gegenüberdem mehr Ausgebildeten,
noch ganzprosaischoder im Übergang zur poetischen Gestalt begriffen,immer als das Früheregelten. Hier
es

sei
zu

nach, wie auf Grund äußerer Kennzeichenhabe ich mir die Folge der drei Blätter bestimmengesucht, eine
nicht geringe Gewähr aber auchdarin erblickt,daß Ernst von Wildenbruch, denn ich im Sommer 1901die ihm
sie

bis dahin völlig unbekanntenBlätter unbeziffertvorlegte, nach wiederholtemDurchlesen,aus der Intuition des
Ganzen heraus ebensogeordnetwissenwollte.