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Ist die Architektur Kunst?

Seit der Zeit Adolf Loos spricht man und nimmt man immer eine unterschiedliche Position. Laut
dem Loos ist Architektur keine Kunst, wie andere, weil „das Kunstwerk ist niemandem verantwortlich, das Haus einem
jeden.“ Weiter sagt er: „Nur ein ganz kleiner Teil der Architektur gehört der kunst an: das Grabmal und das Denkmal. Alles
andere, alles, was einem Zweck dient, ist aus dem reiche der Kunst auszuschließen.“ Le Corbusier stellt sich anderseits
auf eine andere Position: „Aber die Mauern steigen vor dem Himmel in einer Ordnung auf, die mich bewegt. Ich spüre eure
künstlerische Absicht.“ Bis zum heute haben viele Theoretiker versucht, die Antwort zu geben. Günther Fischer zieht einen
Vergleich zwischen Bauen, Architektur und Baukunst, ohne damit eine feste Definition gegenüber Kunst zu formulieren.
Um diese Frage zu antworten muss man zuerst erkennen können, was ist die Kunst? Laut der landläufiger Definition Kunst
ist: 1) visuelles Artefakt, von einem Künstler persönlich hergestellt, verkörpert dessen individuellen Ausdruck, ist
zweckfrei und autonom. 2) kreativer Akt - Schöpfung von Neuem. 3) „Original“ Diese Definition gilt aber nur für die Kunst
der Moderne, da Kunst im Altertum, wie ägyptische Büsten von verschiedenen Pharaonen zeigen, sind:
- heteronom (fremdbestimmt) Gegensatz, Moderne: autonom
- zweckgerichtet zweckfrei
- traditionsbestimmst innovativ, avantgardistisch
- anonym individuell
Kunst im Mittelalter wird vielmehr als die Künste verstanden. Unter zwei „ars“ (lat. Wissenschaft) Kategorien – „artes
liberales“ (Grammatik, Rhetorik, Arithmetik, Musik(theorie), Geometrie, Astronomie, Dialektik/Logik) und „artes
mechanicae“ – als angewandte, zweckgerichtete Künste (Vestiaria, Agricultura, Architectura, Militaria, Mercatura,
Coquinaria, Metallinaria) wurden die Künste beschrieben. In dieser Zeit die Kunst zeigt sich mehr als Technik – Fähigkeit,
Handwerk im ganz funktionellen Sinne. Mittel des 13. Jhs beginnt der Aufstieg der Architektur zu den freien Künsten, wie
es man an verschiedenen Kirchen sieht, die jetzt ein skulpturformiges Werk werden.
Die Künste in der Neuzeit Im 16. Jahrhundert wurde Entstehung autonomer Kunstwerke und des Kunsthandels (Pieter
Aertsen, Fleischerbude). Unterm Patronat der Mäzenen konnten die Künstler ihre eigene künstlerische Werke machen.
Giorgio Vasari benutzt den Begriff „disegnio“ (Zeichnung, Zeichenkunst, künstlerische Idee, Konzept) und in seinem Werk
Le Vite beschreibt das Leben der Maler und Architekten, sowie gibt er Lob der göttlichen Herrschaft, die diese Künstler
anführen. Für ihn ist „Die Zeichnung, der Vater unserer drei Künste, Architektur, Bildhauerei und Malerei“. Für Vasario
disegno:
ist den drei Künsten Malerei, Bildhauerei und Architektur gemeinsam
verkörpert die künstlerische Inspiration
erlaubt arbeitsteilige Werkstattproduktion
ist Mittel der Kommunikation mit Auftraggebern
16/17. Jahrhundert Verwissenschaftlichung der bildenden Künste und der Architektur, bzw. durch Gründung der
Academien der Art und Skulptur (1563 Florenz, 1648Paris) waren die Maler und Architekten im Club der artes liberales.
Es gibt aber immernoch eine pluralistische vasarische Anlage. (Heteronomer und autonomer Kunstbegriff – Relation:
Auftraggeber – Kunstler – Werk)
Um 1800. Entstehung des modernen Kunstbegriffs – Beginn der Moderne. bzw. semantische und Statusveränderung, d.h.
Trennung von Wissenschaft und Kunst. Kunst wurde eine ganz göttliche Sache: Dürer und Raffael knien vor dem Thron
der Kunst oder im The Chamber of Genius (Thomas Rowlandson) bedeutet es dass Kunst eine vom Gott oder einem hohen
Wesen Mission ist.
Der Kunstbegriff der modernen Antikunst - Marcel Duchamp, Fountain (Readymade), 1917 - Nicht vom Künstler hergestellt
(kein Original), vervielfältigbar, ausdruckslos, kontext- und diskursabhängig. Ausweitung des Kunstbegriffs seit der
Postmoderne – soziale Kunstwerke – thailandisches Essen für Galeriebesucher, David Zwirner, 2007. Man fragt ob dies
Widerkehr der artes mechanicae heißt? Dann gibt es die „signature buildings“, „starchitecture“ als autonome Baukunst
(F.Gehry, Herzog & De Meuron) was vlt mit dem Denkmal (Skulptur) von Loos vergleichen kann.
Kulturbegriff umfasst einen großen Bereich – Kultur, Natur, Gesellschaft… Von lat. colo, colis, bedeutet: 1) pflegen, bebauen
2) anbeten. Kult: der Religion, der Gottheit (Venus von Willendorf). „Kultur umfasst die Gesamtheit der Gewohnheiten und
Kommunikationsformen eines Kollektivs.“ (Klaus Hansen)
Architektur als Teil der Kultur schafft: 1) die Orte der Kommunikation u. Gewohnheiten 2) sie beeinflusst Kommunikation
und Gewohnheiten 3) sie dient als Kommunikationsmittel 4) sie stellt Formen der Kommunikation und Gewohnheiten
symbolisch dar. Architektur ist etwas Kollektives und basiert auf Regeln und Konventionen (wie Sprache und andere
Kommunikationsformen auch), verändert sich ständig und entwickelt sich weiter (im kommunikativen Austausch mit dem
Rest der Kultur) und kann sowohl lokal spezifisch als auch global sein (wie jede Kultur).

Architektur als (Kunst)Geschichte ist: 1) das wichtigste Medium um einen Bezug zur Geschichte herzustellen, 2) Erlebnis
der verschiedenen Kulturverhältnisse, 3) Errinerungsspeicher (J. Ruskin), 4) langsamer als andere Künste

Die Quellenkritik analysiert die formalen (äußeren und stilistischen) und inhaltlichen Merkmale einer Quelle, die
Quelleninterpretation ordnet sie dann in einem nächsten Schritt in den historischen Kontext ein und wertet sie im Sinne
der Fragestellung aus. Die Quellenkritik versucht festzustellen, unter welchen Umständen eine (Geschichts)quelle
enstanden ist, insbesondere wer sie wann hergestellt hat und mit welcher Motivation.
Sekundärliteratur bezeichnet Fach- und Sachliteratur, die sich mit anderen Texten (die als Primärliteratur bezeichnet
werden) wissenschaftlich auseinandersetzt. Unter den Begriff Primärliteratur fallen alle Arbeiten, die original von einem
oder mehreren Autoren verfasst wurden. Das können Forschungsartikel (Paper), Bücher, oder wie eingangs
beschrieben Originaldokumente sein. Unter den Begriff der Sekundärliteratur fallen alle Arbeiten, die über einen
bestimmten Autor verfasst wurden.
Stil lat. stilus (spitzer Holzpfahl, Schreibgriffel) (allgemeiner Sprachgebrauch): bedeutet die Bezeichnung für eine jeweils
eigentümliche Art der Formgebung oder Verhaltensweise (z.B. Haltung, Gestus, Bewegung, Sprache, Kleidung,
Gegenstände, Lebensweise), die sich von anderen unterscheidet (Stil als Distinktionsmittel). Es gibt zwei möglicherweise
Interpretationen von Stil:
1) erstens, eine mit historizistischer Absicht (Stilmöbel in verschiedenen Epochen – baroque, venezianische, usw…Möbel)
die bis zu Moderne galt; Stile sind also nicht das Merkmal einer Epoche sondern Aneignung eines Architekten. Wie am
Beispiel von Karl Schinkel gezeigt, ein Architekt kann in „antikischen“ oder mittelalterische Stil bauen – Wahlmöglichkeit
und Unsicherung des Bauens. Stilkleid bedeutet Kommunikationsmittel.
2) Zweitens ist Designmöbel, wobei man nicht mehr über einer Epoche spricht. Seit Begin der Moderne Stil interpretiert
man als Fasching, unehrliche Verkleidung und unrein.. „Baukunst hat nichts mit „Stilen“ zu schaffen“ (Le Corbusier)
historische Errinerungen sind nicht mehr geschutzt zu sein. Stil liegt mehr im Inneren als Zeitgeist.
Paradigmen der Stilkunstgeschichte – Antike: 3 Stillagen (aufgrund der Aufgabe des Bauens): genus humile, genus
medium, genus grande. In Vasaris Werk anstatt Still benutzt wird „maniera“ (lat. manus – Hand) Hauptepochen sind:
Kindheit 14. Jh, Jünglingszeit 15. Jh, Reifezeit 16. Jh. Das wird als biomorphes Geschichtsbild, bzw. Kunsgeschichte wird
als Organismus interpretiert. Diese Theorie von Organismuswachsen („wie eine Pflanze“) und organische Entwicklung der
Kunstgeschichte entwickelt Johan Winckelmann, was auch heißt eine wissenschaftliche Positionierung dieser Disziplin.
Im 18. Jh. Stilbegriff löst „maniera“ ab und jetzt Stil definiert den Charakter der Kunstwerke einer Epoche. Konstruktion
einer Stilentwicklung mit immanenter Logik. Man stellt 5 Phasen her, wie die 5 Akte einer Tragödie: 1. Ursprung, der ältere
Stil, 2. Wachstum, der hohe Stil, 3. Reife, der schöne Stil, 4. Verfall, der Stil der Nachahmer, 5. Ende, Fall. Was für
Winckelmann „Älterer Stil“ ist (hart, machtig, starker Ausdruck) ist heute Archaik (600-480 vChr). „Hoher Stil“ – Wahrheit
der Natur, schön, erhaben und groß, ist heute Klassik (480-400 vChr), „Schöner Stil“ – grazie, ist heute Spätklassik (400-
320 vChr), „Stil der Nachahmer“ – Eklektizismus, Dekadenz, ist heute Hellenismus (320-300 vChr).
Mit Französischer Revolution und Napoleonischen Kriegen kommt es zu Säkularisierung – Objekte bekommen rein
ästhetische Betreachtung, sind Kunstwerke geworden, Form wird Hauptteil eines Stiles. Kusthistoriker und Professoren
werden auch Direktoren der Museen, was damals nicht üblich war.
Alois Riegl, bedeutendster Vertreter der „Wiener Schule“ und einer formalistischen Kunstgeschichte. In seinem Werk
beschreibt er Kunstindustrie als Handwerke, angewandte Kunst (im Unterschied zu heutigem Begriff), und jedes Werk
hat seinen eigenen Maßstab – „Kunstwollen“. Damit wollte Riegl mit normativer Ästhetik brechen und keine Verfallstile
als gegendständlich übernehmen - „Der beste Kunsthistoriker ist der, der keinen persönlichen Geschmack besitzt.“. Im
Begriff Kunstwollen hatte er jede Epoche zu vergleichen, nicht aber bloß beschreiben und datieren, sondern auch das
Wesentliche der Epoche kvalitativ nachvollzuziehen und unterscheiden zu können. Stil ist also laut ihm die
Wahrnehmungsform einer Epoche. (Beispiel: Konstantins Bogen – Zuordnung, Klarheit, Hierarchie – Herrschende und
Beherrschte).
Was Riegl auch bemerkt hat, dass dem Raum seit Antikepoche karakteristisch ist spezifische Raumbegenzung, ihre fest
kubische form. Eindruck der Symmetrie und Ebene (typisch antik), Teile verlieren haptische Verbindung, malerische
Wirkung, auf Fernsicht berechnet, Vorbedingung für den unendlichen Raum der mittelalterlichen Architektur,
Tiefendimension unterdrückt. Im Übergang (Verfall des römischen Reiches) ist an Gebäuden zu betrachten optische
Wirkung (Fensteröffnungen), Massenkomposition (Haupt- und Nebenelemente), Abstufung in der Tiefendimension
(Sant’Apollinare in Ravenna). Problem: Zwang zur Einheitlichkeit, Totalitarismus. „Ich behaupte, dass derjenige, der einen
Marmorkopf Marc Aurels richtig zu betrachten weiß, sich von selbst vorstellen kann, wie die gleichzeitig gemalten
Porträte ausgesehen haben müssen, ohne je eines jener enkaustischen Bilder jemals zu Gesicht bekommen zu haben.“
„Die Hauptaufgabe der Baukunst blieb zwar zunächst noch immer die Raumbegrenzung im Gegensatze zur Raumbildung
(…).“
Kunsthistorische Grundbegriffe – haptisch (Nachsicht, angreifbar, massiv) – optisch (Fernsicht, nur optische Betrachtung)
Heinrich Wölfflins Grundfrage: wie läßt sich Stilentwicklung wissenschaftlich analysieren und begründen? Methode:
Bildvergleich, infolgedessen Unterschiede zwischen Stilen Renaissance sind:
1. linear (zeichnerisch, plastisch, Tastbild) – malerisch (Sehbild)
2. flächenhaft – tiefenhaft
3. geschlossene Form (tektonisch) – offene Form (atektonisch)
4. vielheitlich (Harmonie freier Teile) – einheitlich (Subordination aller Teile unter ein führended Motiv)
5. absolute Klarheit des Gegenständlichen – relative Klarheit des Gegenständlichen
Anderes Beispiel: Andrea Palladio, zentralle Positionierung, Vertiefung des Malerisches, karakteristischer malerischer
Übergang von Mauer zum Portikus. Sein Lebenswerk hat viel in England beeinflußt. Ihn folgt Richard Boyle mit
palladianischer zentraller Anlage, stilistische ähnlich aber klassizistischer Ansatz (kubischer Übergang zum Portikus)
Interpretationsmetheode, die aus Riegls Schule herausgekommen sind, fragen was das Besondere eines Werkes ist –
Interpretation des Kunstwerkes durch Betrachtung und Kunstgeschichte.
Interpretationsmethoden – Strukturanalyse – Hans Sedlmayr hat am Beispiel eines Motors erklärt, dass es um Erkennung
der funktionalen Zusammenhänge geht, indem wir durch Beschreiben und Sehen des Motors seine Bedeutung verstehen
können (dass es Motor ist). In diesem Sinne „gestaltetes Sehen“ wurde in Architektur eingenommen. „Das Ziel jeder
‚Strukturanalyse‘ ist: ‚von wenigem Zentralen her möglichst vieles bestimmbar, begreifbar zu machen“ (Wertheimer)
Beispiel: F.Borromini, San Carlo alle Quatro, 2 Teile, durch Verschränkung einen malerischen (baroquesischen) Körper
erzeugen und durch Sehen/Gehen betrachtet werden verschiedene Motive, nachdem man ganz andere Wahrnehmung von
Bedeutung bekommt, aber alles bleibt im Ordnungszusammenhang. Diese Bedeutung des gestalteten Sehens beeinflußt
heutige Regelwerke in Komposition der Moderne. (L.M.v.de Rohe – starke, feste und fast klassizitische Struktur der
Hochhäuser).
Ikonographie: Bestimmung von Bildmotiven (meist aufgrund von Schriftquellen) Einfach ausgedrückt handelt es sich bei
der Ikonografie um die Bildbeschreibung (Was ist zu sehen?) Man erkennt also Inhalt - Typenlehre, Typengeschichte:
Darstellungskonventionen bestimmter Inhalte.
Ikonologie ist Interpretation der künstlerischen Absicht/Aussage/Motivation, bzw. Bildbedeutung (Was bedeutet das
Dargestellte?) Aby Warburg, Begründer der Ikonologie und der Hamburger Schule der Kunstwissenschaft und Erwin
Panofsky, Mitbegründer und bedeutendster Vertreter der Ikonologie.
Gegenstand der Akt der Interpretation Ausrüstung für die Kontrollprinzip der
Interpretation Interpretation Interpretation

I Primäres oder natürliches Vorikonographische Praktische Erfahrung Stilgeschichte


Sujet Beschreibung

II Sekundäres oder Ikonographische Kenntnis literarischer Typengeschichte


konventionales Sujet Analyse Quellen

III Eigentliche Bedeutung Ikonologische Synthetische Intuition Geschichte kultureller


oder Gehalt Interpretation Symptome oder Symbole

Ikonographie der Architektur: Wer oder was wird von einem Bauwerk dargestellt? – Form und Funktion = Typus. In diesem
Sinne unterscheiden sich viele Gebäudetypen in Gebäudetypologie (Fabrik, Wohnbau, Schule, usw..) Wichtig ist das
Gebäudetypologie auch der Kommunikation dient. Wie entsteht ein Typus? Es könne sein: ein berühmtes Vorbild prägt
einen Typus (christliche Basilika, später die Kathedralen). Problem mit anderen Typen ist dass sie in der Regel nicht
rekonstruierbar (viele Entwicklungsschritte). Ein Vorbild in Architektur muss nicht ausschließlich vom Architekten
interpretiert werden - Federico Zuccari, Palazzo Zuccari, oder Vorbild kann auch sarkastisch, parodisch interpretiert
werden (Kazumasa Yamashita, Face House) Das Kirchengebäude als Abbild des himmlischen Jerusalem.
Auf welches Vorbild geht ein bestimmtes Bauwerk zurück? (Beispiel: Palladio, Villa Rotonda – Richard Boyle, Chiswick
House) Architekturzitat: Die wichtigsten Elemente des Vorbildes werden übernommen, sodass das Vorbild klar erkennbar
wird. Zweck des Zitats kann nicht ganz deutlich erklärt werden – verschiedene Stile geben verschiedene Botschafte ab
(Neorenaissance – Liberalismus, Palladianismus kann englischer Liberalismus bedeuten, Borrominis Barock -
Absolutismus, usw.) Fazit ist also: Der antike Formenkanon kann ganz unterschiedliche Botschaften vermitteln! Auch
kann man so etwas beim Mies vd Rohe sehen (Pavillon des Deutschen Reiches und Denkmal für Karl Liebknecht und Rosa
Luxemburg), oder G. Terragni (Casa del Fascio). Moderne vermittelt gleichzeitig ihre Bedeutung in zwei ganz
unterschiedlichen politischen Anlagen. Interessant ist aber Parametrismus = Neoliberalismus?
Methodische Standpunkte der Cultural Studies
1. radikaler Kontextualismus (alles wird in einem Kontext beobachtet)
2. Theorieverstädnis (ohne Theorie gibt’s keine wissenschaftliche Beobachtung, keine empirische Fragestellung
womit man ein Problem auflöst; antipositivistisch angestellt von ihren Theoretiker, wendet sich immer wieder auf
den Kontext an)
3. Interventionistischer Charakter (nicht zweckfrei, sondern gesellschaft-wissenschaftlichen und politischen Zweck
und Ordnung hat)
4. Interdisziplinarität (gibt’s keine definierte Disziplin, Forschungsfeld, sondern mehrere)
5. Selbstreflexion (eigene Position und Ziele konfrontieren und forschen, Objektivität und theoretische Absichte
nachprüfen)
6. Kultur als Konfliktfeld (Cultural Studies gegen Nationalkultur, also alle verschiedene Kulturfelde
zusammensetzen, Regelpunkte jeder Kultur, abendländische, islamische usw. einander vergleichen)
Philosophische Grundlagen der Cultural Studies: Semiotik, Strukturalismus
Semiotik (gr.semion-Zeichen) ist Lehre von den Zeichen. untersucht die Funktionsweise von Zeichen in
Kommunikationsabläufen. In Semiotik, Architektur als Zeichensystem – Kommunikationsmittel, hat ihre eigene
Grammatik und Sprache, mit Popkultur zusammengesetzt, bzw. hat Kommunikationsrolle der Architektur widerentdeckt.
Am Beispiel Geburt der Venus, semiotisch wird es als etwas Falsches interpretiert - Warum: verschiedene Farbpigmente,
das verweist auf die Gottin auf, es ist nur Abbild und Vorstellung, nicht aber eine wirkliche Verkörperung der Göttin. Oder
keine Pfeife! Das ist Abbild, Zeichen, das eine Pfeife vorstellt; Mies Pavillon Abbild ist keine Architektur weil: erstens, kein
Original, zweitens, in diesem Zustand hatte nie existiert, das ist nur das einzige Bild das vd Rohe authorisiert hat und das
stark retuschiert wurde, es ist mehr eine Phantasie.
Ferdinand de Saussure, Linguist, Begründer der Semiotik sagt: Das Zeichen ist die psychische, bewußtseinsmäßige Einheit
von Zeichenträger (le signifiant) und Zeicheninhalt (le signifie). Zeichenträger ist Lautbild und Zeicheninhalt verweist sich
als Vorstellung, Konzept. Dieses System der Sprache ist wie ein Papier mit zwei Seiten, platonische idee des untrennbaren
Konzeptes. Daran kommt die Änderung der Sprache von anderen Authoren (Tisch ist ein Bett, Bett ist Fenster, usw.) wo
es nicht mehr zu verstehen ist, was was ist. Es ist aber nach dem Saussure so, dass die Bedeutung in den Worten (Zeichen)
immer liegt, und infolgedessen werden die Dinge gebildet.
Charles Pierce Semiotische System:
1. das Zeichen
2. das, worauf das Zeichen verweist (das Denotatum)
3. die Reaktion des Empfängers (das Interpretant), bzw. weiter als Konnotation zu erkennen.
Seiner Theorie nach, verweist er auf verschiedene Bedeutungen der Zeichen – Dennotation (Hauptbedeutung) als
inhaltliches Kern der Wortbedeutung, auch mit Ikonographie vergleichbar und Konnotation (Nebenbedeutung) als
assoziative, zusätzliche Bedeutung mit Nebenbotschaft (Betonung des Kontextes) mit Ikonologie vergleichbar oder nicht
etwas Subjektives, sondern Wesentliches, sozusagen Hintergründe einer Akt, Zeichen, zu bemerken.
Beispiel: Thomas Barker, The Bible, "This is the secret of England's Greatness, England's Glory!"
Zeichentypen: Index – Ursache, Wirkung (medizinische Symptome, Schatten, Fußspuren; Ikon – Ähnlichkeit – alle Arten
von Bildern; Symbol – Konvention, willkürlich festgelegt – Sprache, Schriftzeichen, Ziffern. Kontext als ein historischer
Hintergrund der kulturellen Unterschiede Wagner nennt Photo als Beispiel, kann Ikon sowie Index sein, aufgrund seines
Kontextes oder Botschaft wird das Photo als erstes oder zweites wahrgenommen. Also was reine Konnotation eines
Photos ist, gibt uns den Blick was ein Zeichentyp es sein kann. Noch ein Beispiel dient Roland Barthes Analyse des Mythos
als Konnotationssystem (Bild eines Schwarzkindes in französischer Militäruniform).
Umberto Eco - Philosoph, Medienwissenschaftler, Schriftsteller, erster Inhaber einer Professur für Semiotik. „Form
bezeichnet die Funktion nur auf der Basis eines Systems von erworbenen Erwartungen und Gewohnheiten, auf der Basis
eines Codes.“ Architektur gleicht einem Massenkommunikationsmittel und funktioniert wie Werbung: Die Sprache der
Architektur ist persuasiv, psychagogisch, wird ohne Aufmerksamkeit aufgenommen, die Botschaft der Architektur kann
sich mit falschen Signifikaten füllen, die Architektur ist schnellem Verschleiß und raschem Wechsel der Signifikate
unterworfen, so wie Schlager und Mode, die Architektur bewegt sich in einer Warengesellschaft.
3 Typen vonArchitekten
1. bestehende Codes bedienen (Architekt als Dienstleister) - Zeigt sich als Postmodern
2. Entwurf eines völlig neuen Codes (Architekt als Avantgardist) – Moderne, Le Corbusiers Wohnhaus in Pessac -
Oberdach angebaut, Fenster verkleinert, … Die sprache wurde nicht verstanden
3. Grundcode auf neue Anwendungsmöglichkeiten untersuchen - „Der Architekt muss variable erste Funktionen und
offene zweite Funktionen entwerfen.“ (U. Eco) - Herzog & de Meuron, Schaulager, Museum und Schaulager,
Aufstellungsraum, Winy Maas (MVRDV), Penthouses Didden Village, Rotterdam
Strukturalismus – sehr deterministisches System, wo die Struktur wichtiger ist als Individuelle/Person
Claude Lévi-Strauss, Ethnologe, Begründer des französischen Strukturalismus: „…Jeder von uns ist eine Art
Straßenkreuzung, auf der sich Verschiedenes ereignet. Die Straßenkreuzung selbst ist völlig passiv; etwas ereignet sich
darauf. Etwas anderes, genauso Gültiges, ereignet sich anderswo. Es gibt keine Wahl, es ist einfach eine Sache des
Zufalls.“
Michel Foucault, Diskurs ≠ Diskussion, das in der Sprache (u. a. Kommunikationsformen) aufscheinende Verständnis von
Wirklichkeit, dh. in einigen Kulturen, Gesellschaften, usw. Dispositiv („dispositif“, frz. Apparat, Vorrichtung, Gerät,
Einrichtung) ist Gesagtes ebensowohl wie Ungesagtes umfasst. Soweit die Elemente des Dispositivs. Das Dispositiv ist
das Netz, das zwischen diesen Elementen (heterogenes Ensemble, das Diskurse, Institutionen, architektonische
Einrichtungen, reglementierende Entscheidungen, Gesetze, administrative Maßnahmen, wissenschaftliche Aussagen,
philosophische, moralische oder philanthropische Lehrsätze) geknüpft ist.
Jeremy Bentham : Panopticon; or, the Inspection House - ohne Gewalt die Kontrolle zu erreichen. Panoptismus bedeutet
nach Foucault das Dispositiv. In Vormodernezeit wird Mach körperlich gesetzlich ausgeübt, wie Gott sieht alles, so sieht
der Beobachter und infolgedessen wird das Benehmen geändert. Dieses Konzept wurde weiter in Gebäudetypologie der
Moderne eingeführt, dass was hier wohl dient, müsse auch für bespielweise Fabriken gilten, bzw. überall wo die Kontrolle
zu etablieren ist. Die Macht wird automatisiert und entindividualisiert.
Biomacht, Biopolitik - „Man könnte sagen, das alte Recht, sterben zu machen oder leben zu lassen, wurde abgelöst von
einer Macht, leben zu machen oder in den Tod zu stoßen.“ (Foucault) In Mittelalter ist das Machtverhältnis so gestellt,
dass die Macht entscheidet wer zu leben oder zu sterben ist. (Macht bringt hier aber Tot her) Wie das Leben aussieht, ist
dem Herrschender egal. In Moderne ist es umgekehrt. Der Herrschende konzertriert sich aufs Leben, wie die Leute leben,
wie sie produktiv, gesund sind, usw. Zentraler Begriff der Biomacht – Sexualität. Durch individuelle körperliche
Disziplinierung wird die Regulierung der Bevölkerung. Die Regelswerke, Gesetze entstehen als politische Instrumente
dieser Regulierung der menschlichen Verhältnisse. Manche von dieser Gesetze sind nicht aus alrtuistischer, sondern
ökonomischer Gründe entstanden. (Regelwerke von Hygiene, Gesundheitsschutz, usw.) Das es so ist, beweist keine echte
und richtige Aufmerksamkeit auf seriöse Probleme der Arbeiterswohnsiedlungen – Slums, die zusammen mit allen
anderen alten Gebäuden eingeräumt werden sollen (Haussmann), um eine neue reine Stadt aufzubauen. Diese Slums und
ihre vollkommen enge Strukturen sind städtische Miasma – Quelle der Krankheiten. Wegen Miasma Theorie wurden
demnach pavillonartige Strukturen hergestellt, und jede Krankheit hatte einzelnes Gebäude, obwohl Artz hatte
unglaublich lange wege zu gehen. Diese waren Urstruktur der modernen Gebäude und modernen Stadtanlagen in 50en.
Was für Krankenheitsentsorgung gut ist, müsste auch für Wohnbau wohl sein, so hatte Miasmatheory in Stadtplanung
während 20-en und später ihren Platz besetzt. Hygiene blieb ästhetisches Ziel der Bauhaus und Moderne, als zweckmäßig
und praktisch im Entwurf. Le Corbusier hat diese hygienisch zweckgerichtete Maßnahmen durch Fünf Pünkte für eine
neue Architektur beschreibt-durch Rastergroße Fenster schaffen (Heliotherapie, Hygieneziel) nicht im Erdgeschoß
wohnen, Dachfläche als Garten, Spielfläche, Luft und Licht (gesundes Leben). Ikonografie der Lebensreformbewegung
(Jugendbewegung) und Freikörperkultur, von moralischen Beschränkungen entferfnen (genackte Leute) beschreibt auch
Alfred Gaspar in Neue Lebensformen Karikatur.
Der religiöse Raumbegriff - Mircea Eliade - Durch „Hierophanie“ (Erscheinen des Heiligen) wird der Raum strukturiert.
Ohne dieser heiligen Raum können sich die Menschen nicht orientieren. Der heilige Raum ist ein Orientierungspunkt. Man
kann den heiligen Raum nicht schaffen machen, sondern ein heiliger Raum wird hergestellt, indem Gottheit erscheint im
Erschöpfungsakt! Der heilige Ort ist ein Bruch in der Homogenität des Raumes. Durch vertikale Öffnung und Verbindung
von oben-unten als Weltachse symbolisiert er die Konstrierung der Welt rund um seiner Achse.
Pierre Bourdieu - „Der soziale Raum ist nicht der physische Raum, realisiert sich aber auf mehr oder minder exakte und
vollständige Weise innerhalb desselben (...) Der physische Raum lässt sich nur anhand einer Abstraktion (...) denken, das
heißt unter willentlicher Absehung von allem, was darauf zurückzuführen ist, dass er ein bewohnter und angeeigneter
Raum ist, das heißt eine soziale Konstruktion und eine Projektion des sozialen Raumes (...)“
Habitus: „Ein System dauerhafter und übertragbarer Dispositionen, das, alle vergangenen Erfahrungen integrierend, wie
eine Handlungs-, Wahrnehmungs- und Denkmatrix funktioniert...“ „Es ist der Habitus, der das Habitat macht.“ Art der
Sozialverhältnisse, Gesamtheit von Gewohnheiten einer
Person die auf Umwelt reagiert.
Auf der ganz deterministischer Landkarte ist symbolische
Bedeutung von soziallen Beziehungen der Gesellschaft und
kultureles und ökonomisches Kapitals erklärt. Mögliche
soziale Bewegung und Positionierung auf der Karte verweist
auch Umwandlungsprozess (Van Gogh gestorben, Pikasso
nicht, Zeite sind unterschiedlich), das durch Gentrifizierung
sehbar ist. Beispiel: eine Straße wird Jugend-Hyppie, immer
mehr kreative Leute ziehen dorthin ein – es kommt zum
Austausch der Bevölkerungsgruppen.
Der Raumbegriff der Cultural Landscape Studies
„Die Kulturlandschaft wird von einer kulturellen Gruppe aus
der Naturlandschaft heraus gestaltet. Die Kultur ist die
treibende Kraft, der natürliche Raum das Medium und die
Kulturlandschaft das Ergebnis.“ (Carl Sauer) Landschaft ist
keine Tat des Menschen, Natur ist das Medium und Mensch
ist Akteur.
John Brinckerhoff: „Der Pfad des Fremden“ - Typisch
amerikanische Stadt, es geht darum was Fremdes eine Stadt
anbieten kann, was ein Erlebnis man kriegt. Das ist nicht
etwas was verbessert, sondern erlebt werden muss. Auch
mit Situationisten zu vergleichen.

Sex: biologisches Geschlecht


Gender: kulturelles Geschlecht
All jene Eigenschaften, Verhältnissweisen, Rollen die man
einem bestimmten Geschlecht oder Gesellsschaft
zuschreibt, sie sind kulturabhängig. Beispiel: stricken –
typisch weiblich (in Europa, Afrika umgekehrt). Kein
zwingendes Zusammenhang zwischen sex und Gender,
infolgedessen gibt’s keine zwingende Verhältnisse dass das
Stricken bloß weibliche Arbeit ist, sondern ist es vielmehr
eine kulturelle Konstruktion, die die weiblich-männliche Zusammenhänge auseinandersetzt. Judith Butler, Queer Theory
– biologische Zuschreibung ist etwas Kulturelles (transgender) bzw. man könne entscheiden zwischen Geschlechtsbilder