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Allgemeine Kennzeichen der Kurzgeschichte

1. Unmittelbarer Beginn (Einstieg) ohne Einleitung, welche die W-Fragen


(Wer? Wo? Wann? etc.) klärt. Diese wird im folgenden Verlauf früher oder
später nachgeholt oder muss zwischen den Zeilen erschlossen werden.
Absicht / Wirkung: Spannung wird erzeugt, der Leser wird an den Text
gefesselt, wird zum aufmerksamen, intensiven, sogar wiederholten Lesen
gezwungen (vertieftes Verständnis beim wiederholten Lesen =
hermeneutischer Zirkel).

2. Offener / halb offener Schluss: Die Handlung bricht ab, die Geschichte
endet oft ohne einen Abschluss, ein Ende. Dies kann ein völlig offener
Schluss sein ohne irgendeinen Hinweis auf den Ausgang; oder beim halb
offenen Schluss gibt es Hinweise auf einen wahrscheinlichen Ausgang,
ohne dass dieser erzählt wird.
Absicht / Wirkung: Der Leser soll / muss sich selber Gedanken machen,
welche Wirkung, Folgen das Geschehen für den / die Beteiligten haben
kann. Er wird gezwungen, am Text "mitzuarbeiten", das Ereignis und die
möglichen Folgen zu bewerten. Dabei können verschiedene Leser zu
höchst unterschiedlichen Ergebnissen gelangen.

3. Die Handlung ist in der Regel eine alltägliche, keine außergewöhnliche,


beinhaltet aber einen Konflikt (innerer oder äußerer) und einen wichtigen
Einschnitt, oft sogar einen Wende im Leben des / der Beteiligten, wenn
danach die Dinge, die Lebensumstände, nicht mehr so sind wie zuvor.
Handlung und Konflikt können sich völlig in einen Menschen verlagern, so
dass diese innere Handlung bedeutsamer ist als das rein äußere
sichtbare Geschehen (Wechselwirkung).

4. Ebenso sind die wenigen (oft nur eine Person) Charaktere alltägliche,
durchschnittliche Menschen.
Ihr Charakter wird durch die Geschichte nur skizziert, meist nur auf einem
bestimmten Zug reduziert (Roman = Gemälde, Kurzgeschichte = Skizze).
Indirekte Charakterisierung (d.h., sie muss aus dem Handeln, Verhalten
erschlossen werden).

5. Zeitverhältnisse: Die erzählte Zeit (oft eine kurze Episode) ein relativ
kurzer Zeitraum (Stunden). Da die Geschichte in einem Zug lesbar sein
soll (amerikanische Faustregel: 1000 Wörter, U-Bahn-Lektüre!), ist die
Lese- /Erzählzeit ebenfalls kurz.
Daher nähern sich Erzählzeit und erzählte Zeit an; aus der traditionellen
Zeitraffung wird beinahe Zeitdeckung (Dialoge!), und in extremen Fällen
moderner Kurzgeschichten sogar Zeitdehnung (Psychologisierung,
Detailbeschreibung, Rückblenden etc.).

6. Die Erzählperspektive ist häufig die des Ich-Erzählers (Rückschau,


chronologische Anordnung) mit eingeschränktem Wissen für den Leser.
Er erfährt oft nicht mehr (sogar weniger) als der Icherzähler zum Zeitpunkt
des Geschehens weiß.
Moderne Kurzgeschichten haben oft einen Er-Erzähler, der weit hinter
(in!) die Hauptfigur(en) zurücktritt. Er ist häufig nur noch in verbindenden
Zwischentexten nachweisbar (..sagte er.).
Manchmal erzählt er wie aus dem Bewusstseinszentrum einer oder
mehrerer Personen (innerer Monolog!), oder er verhält sich wie ein völlig
neutraler Beobachter, ohne die Gedanken und Gefühle seiner Figuren
preiszugeben (wie eine neutral registrierende Kamera!), indem er
ausschließlich äußere Vorgänge abschildert (Schnitttechnik).
Absicht / Wirkung letzterer Erzählhaltung:
Der Leser ist gezwungen, den Text sehr intensiv zu lesen, vieles an
inneren Vorgängen zu erschließen, um zu verstehen, die Gedanken,
Gefühle und Reaktionen aus den äußeren Hinweisen abzuleiten und auch
die Charakterzüge so zu erfassen: aktives, mitdenkendes, mitschaffendes
Lesen wird erforderlich.

7. Die Sprache ist in der Regel ebenso schlicht und alltäglich wie die
Menschen und das Geschehen.
Wenn poetisches Material (Metaphern, Vergleiche, Personifizierungen,
Anaphern etc.) auftreten, so sind sie von besonderer Bedeutung und
ausgesprochen aussagekräftig. Wortwahl und Satzbau können sehr
unterschiedlich sein, neigen aber zur Schlichtheit.
Die Analyse dieser beiden Bereiche liefert immer wichtige Hinweise für
das Textverständnis.

8. Nicht alle Kennzeichen sind immer in jeder Kurzgeschichte zu finden.


Dies gilt vor allem für Mischformen (z.B. mit Parabeln, Gleichnissen,
Anekdoten etc.).
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Kurzgeschichten haben einen "tieferen Sinn". Es ist also besonders wichtig, dass Sie den Text verstehen und
Ihnen klar wird, welche Botschaft der Autor mit seiner Geschichte vermitteln will. Lesen Sie sich den Text, den
Sie analysieren wollen (oder müssen), also ruhig mehrmals durch. Manchmal kann "lautes Lesen" zu einem
besseren Textverständnis beitragen. Eine weitere Möglichkeit - auf die Sie vor allem bei schwer verständlichen
Kurzgeschichten zurückgreifen sollten - ist das Aufschreiben der Geschichte mit Ihren eigenen Worten.

Strukturieren Sie die Kurzgeschichte

Sie haben die Geschichte gelesen und wissen nun genau, worum es geht? Dann befolgen Sie ein paar einfache
Tipps, die Ihnen das anschließende Analysieren der Kurzgeschichte erleichtern werden:

1. Besorgen Sie sich eine kurze Biografie des Autors. Sie müssen zum einen in der Einleitung Ihrer
Analyse Angaben zum Autor machen. Zum anderen können Sie aus der Lebensgeschichte des Autors -
und aus dessen Herkunft - eventuelle Rückschlüsse auf den von Ihnen zu bearbeitenden Text ziehen.1
2. Haben Sie noch weitere Kurgeschichten des Autors? Dann vergleichen Sie diese mit der Geschichte, die
Sie analysieren wollen.
3. Nun zum Text: Strukturieren Sie die Kurzgeschichte - teilen Sie sich den Text ein. Sind bereits
verschiedene Textabschnitte vorhanden, dann analysieren Sie diese erst einmal einzeln. Sind keine
Textabschnitte vorhanden? Macht nichts, Sie können den Text auch allein in verschiedene Abschnitte
aufteilen, um diese dann getrennt voneinander zu bearbeiten.3
4. Machen Sie sich Notizen oder markieren Sie einzelnen Textstellen - später wird aus Ihren
Betrachtungen der einzelnen Abschnitte dann die Gesamtanalyse werden.4
5. Achten Sie auf Überschrift, Thema und Inhalt. Analysieren Sie Struktur, Satzbau und Rhetorik.

Analysieren Sie Struktur und Inhalt

Beachten Sie die folgenden Punkte, sie werden Ihnen sicher dabei helfen, Ihre Kurzgeschichte erfolgreich zu
analysieren:

1. Beginnen Sie Ihre Analyse mit der Einleitung. In die Einleitung gehören Angaben zum Autor, zum Titel
der Geschichte und zum Text. Beschreiben Sie kurz das Thema der Kurzgeschichte - halten Sie fest,
worum es geht.1
2. Es folgt der Hauptteil Ihrer Analyse, der aus zwei Punkten besteht: Schreiben Sie als Erstes eine kurze
inhaltliche Zusammenfassung der Geschichte. Interpretieren Sie nicht - halten Sie sich an die Fakten.
Als Zweites folgt nun die Analyse.2
3. Analysieren Sie zunächst die Struktur des Textes. Beschreiben Sie die inhaltliche Gliederung der
Geschichte. Werfen Sie einen Blick auf die Höhe- und Wendepunkte der Erzählung und beachten Sie
den Spannungsbogen. Nimmt der Autor etwas vorweg oder schreibt er eventuell in Rückblenden? 3
4. Aus welcher Perspektive erzählt er seine Kurzgeschichte? Vielleicht schreibt er in der Ich-Form - oder
hat er die personale Erzählform gewählt, in der er als neutraler Erzähler fungiert?4
5. Als Nächstes analysieren Sie den Inhalt und betrachten Sie noch einmal die Überschrift: Was könnte sie
bedeuten? Beschreiben Sie die Handlung der Geschichte: Was passiert? Wann und wo? Beschreiben Sie
das Geschehen.
6. Schreiben Sie über die Personen, die im Text auftauchen. Wer sind die Hauptfiguren, wer die
Nebenfiguren? Charakterisieren Sie die Personen - was tun und sagen sie? Welchen Einfluss haben sie
auf den Verlauf der Kurzgeschichte? 6
7. Analysieren Sie nun Wortwahl, Satzbau und Rhetorik. In dieser sprachlichen Analyse, sollten Sie auf
Wortarten, Metaphern und Umschreibungen achten. Schreibt der Autor in einfachen Worten oder
schreibt er eher kompliziert und schwer verständlich? Betrachten Sie auch die Sätze: Sind sie kurz oder
lang? Gibt es Satzarten, die der Autor bevorzugt?7
8. Nun müssen Sie noch einen Blick auf die Rhetorik werfen. Schreibt der Autor "bildhaft"? Können Sie
sehen, was sie lesen? Wenn ja, dann beschreiben Sie Ihre Eindrücke. Halten Sie fest, ob der Verfasser
der Kurzgeschichte zu Über- oder zu Untertreibungen neigt. Schreibt es anschaulich? Achten Sie auch
hier - wie schon bei der sprachlichen Analyse - auf Metaphern.8
9. Sie haben alles analysiert? Was noch fehlt, ist eine genaue Betrachtung der Werte, die der Autor in
seiner Erzählung vermittelt hat. Welche Einstellungen und Verhaltensweisen waren Gegenstand der
Geschichte? Vielleicht haben Sie dem Text neue Erkenntnisse oder Einsichten entnehmen können. Was,
denken Sie, hat der Autor mit dieser Erzählung beabsichtig und für welche Zielgruppe könnte - Ihrer
Meinung nach - diese Kurzgeschichte interessant sein?9

Fertig - Sie haben es geschafft. Ihre Analyse sollte nun vollendet sein. Wenn Sie wollen, dann können Sie Ihrer
Analyse jetzt noch einige persönliche Anmerkungen hinzufügen.

Im Folgenden ist eine Anleitung zum Schreiben einer Interpretation mit dem Beispiel einer Kurzgeschichte zu
finden. Ganz unten (scrollen) ist dazu ein kompletter Interpretations-Aufsatz einer Kurzgeschichte als Beispiel
einzusehen. Zuvor kommt aber erstmal die grundlegende Gliederung einer wirklich jeden Interpretation und
Textanalyse, wobei hier im Besonderen auf die Interpretation von Kurzgeschichten wert gelegt wurde. Das
heißt also, dass diese Anleitung vor allem zur Analyse von Kurzgeschichten geeignet ist, allerdings trifft dieser
Aufbau der Interpretation solcher Texte auch allgmein auf sämtliche Textarten zu.

Aufbau der Interpretation und Analyse von Kurzgeschichten

1. Text lesen!

 Grundfehler vieler Kurzgeschichten-Interpretationen: zu oberflächliche Erfassung des Textes


 also den Ausgangstext intensiv mehrmals lesen!
 nebenbei Notizen anfertigen und erste Gedanken notieren auf Schmierblatt
 umfasst ca. 1/3 der vorhandenen Zeit, der Rest ist das „richtige Schreiben“ der
>Kurzgeschichtenanalyse

2. Einleitungssatz

 worum geht es in dem Text?


 wer ist der Autor, wann erschien das Werk?
 wenn vom Lehrer gewollt: Epoche, Zielgruppe, wichtige Allgemeininfo zum Werk /autor einbringen

3. These zur Kurzgeschichte aufstellen

 nicht selten bei Kurzgeschichten verlangt: eine eigene These zum Text aufstellen oder eine These aus
dem Text aufgreifen
 diese These in dem Kurzgeschichtenaufsatz aufgreifen, sie beweisen oder widerlegen
 kann als roter, logischer Faden für die Kurzgeschichteninterpretation dienen
 muss im Schlussteil der Arbeit bestätigt oder verworfen werden

4. Inhaltsangabe

 5-W-Fragen beantworten (Wer, Was, Wo, Wann, Warum)


 im Präsens schreiben (ist statt war)
 keine Details
 keine wörtliche Wiedergabe, sondern eigene Worte benutzen!
 am Textgeschehen chronologisch orientieren
 siehe auch diesen Artikel über das Schreiben einer Inhaltsangabe am Beispieltext einer Kurzgeschichte

5. Analyse und Interpretation

oberste Regel lautet: vom Großen hin zum Kleinen, vom Allgemeinen ins Spezielle (erst Auge, dann Lupe)

5.1 Allgemeine Textelemente der Kurzgeschichte:

 Sinnabschnitte einteilen
 Erzählweise und Erzählperspektive
 Zeitgestaltung
 Raumgestaltung
 Figurengestaltung (Charakterisierung)
 Sprache

5.2 Sinnabschnitte „abarbeiten“ im Detail:

 Darbietungsformen der
o Historisch-Realistischen Elementen
o Stilistisch-Phantastischen Elementen
 Sprachliche Besonderheiten:
o Schlüsselwörter
o Stilmittel
 Bemerkenswerte Details ("Zwischen den Zeilen lesen")

6. Schluss

 äußerst wichtig: jede Interpretation muss auch bei Kurzgeschichten am Ende vollständig sein
 die Erkenntnisse der Analyse und Interpretation des Interpretationwerden hier zusammengefasst
pointiert dargestellt
 wenn vorhanden, dann die Anfangsthese abschließend bewerten
 ein Fazit muss ebenso immer gezogen werden
 eventuelle Schlussfolgerungen darstellen
 evtl. als letzten Absatz die eigene Meinung zum Text niederschreiben (hier deinen Lehrer fragen)

Dieser allgemeingültige Aufbau ist auf jede Interpretation einer jeden Kurzgeschichte, aber auch für alle
anderen Formen der Textanalyse anwendbar. Merkt euch einfach die generelle Dreiteilung bei jedem Aufsatz:

1. Einleitung
2. Hauptteil
3. Schluss

Merkmale einer Kurzgeschichte

Grundlegend ist hier noch einmal festgehalten, wodurch seine eine Kurzgeschichte eigentlich auszeichnet.
Woran erkenne ich, dass es sich bei diesem Text um eine Kurzgeschichte handelt, was sind deren Merkmale?
Diese Eigenarten der Kurzgeschichte haben wir in diesem Leitfaden zur Interpretation solcher Kurzgeschichten
folgend aufgelistet. Zunächst ist jedoch zu sagen, dass es keine einheitlichen Merkmale gibt, die auf alle
Kurzgeschichten (engl. "short story") zutreffen. Dennoch gibt es einige Anhaltsspunkte die wie Merkmale einer
Kurzgeschichte aufgefasst werden können:

 Die Text soll in einem Leseakt lesbar sein (nicht zu lang also und ohne Pause)
 Die Kernaussage ist nicht sofort ersichtlich, sie steht zwischen den Zeilen
 die wichtigsten Informtaionen muss der Leser zwischen den Zeilen herauslesen, statt sie offenkundig
vorzufinden

sprachlich und stilistisch

 oft personaler Erzähler aber auch sog. Ich-Erzähler oder auktoriale Erzählperspektive 
 keine oder äußerst kurze Einleitung und dafür prompter Einstieg in die Handlung
 Techniken der Verdichtung durch Aussparungen, Andeutungen, Metaphern und viele Symbole
 Chronologisches Erzählen der Geschichte in der Vergangenheitsform
 Die erzählte Zeit ist oft nur kurz, äwhrend die Erzählzeit viel Raum einnimmt
 viel und oft Alltagssprache, tlw. Umgangssprache, Dialekt oder auch Jargon-Sprache
 viele offenen Interpretationsstellen für Raum zum spekulieren, viele Stilmittel
 entweder offener Schluss oder eine Pointe (Höhepunkt)
 selten werdenWertungen, Deutungen oder Lösungsansätze vorgenommen

Thematisch

 problemhafte, zwischenmenschliche Geschichte mit vielen Emotionen


 wenige Hauptcharaktere (1 oder 2)
 nur ein Ort oder wenige Orte sind beteiligt
 zeitnahe Ereignisse und Probleme.
 oftmals glückliche Wendel (Peripetie).
 keine Helden sondern der Alltag

Kurzgeschichte als Interpretation - kompletter Aufsatz

Abschließend dann natürlich noch eine ausformulierte Interpretation einer Kurzgeschichte als bloßes Beispiel.
Dabei ist zu beachten, dass die Beispiele nur den Aufbau einer Textanalyse bzw.  Interpretation verdeutlichen,
dass zwar hier und da ein Bezug zur Kurzgeschichte hergestellt wird, doch die Formulierungen nur als Beispiel
dienen um eben den Aufbau zu erklären.

Daher nicht wundern, wenn der Text inhaltlich sinnlos erscheint, es sind nur Beispiele um Euch das Schreiben
einer Interpretation zu erklären! Das Beispiel taugt dennoch für jede Kurzgeschichte, da dieser Aufbau wirklich
allgemeingültig ist bezüglich einer jeden Interpretationsanalyse! Los gehts:

Interpretation am Beispiel einer Kurzgeschichte

1. Themahinführung

Das  Drama „Nathan der Weise“ wurde 1779 veröffentlicht und gehört zu den bedeutsamsten Werken der
deutschen Aufklärungsbewegung im 18. Jahrhundert. Der Autor dieses Werkes, Gotthold Ephraim Lessing
(geb. 1729 in Kamenz, Oberlausitz), war eine bedeutende Einflussgröße  dieses Zeitalters der Aufklärung. 
Dessen Werke „Nathan der Weise“, „Emilia Galotti“ (1772) u.a. prägten das Bild der aufklärerischen Literatur
und symbolisieren das Streben nach Toleranz und Humanität.
Da Lessing aus einem pietistischen Elternhaus stammt, findet man immer wieder religiöse Hintergründe in
seinen Werken. So liegt auch der Entstehung seines fünf Akte Dramas „Nathan der Weise" ein religiöses Motiv
zugrunde. In dem sogenannten „Fragmentstreit“  von 1778  veröffentlicht Lessing eine Serie von Pamphleten
gegen den dogmatischen Hauptpastor J. Goeze. Daraufhin bekam Lessing Schreibverbot und ging zu seiner
„alten Kanzel dem Theater“ zurück. Durch einen fiktionalen Text, in Form eines Dramas, entging er einerseits
dieser Zensur und erreichte andererseits durch das Theater ein weites Hörerspektrum, wodurch er seinem
vorrangigen Ziel,  die Menschen aufzuklären, ein großes Stück näher kam. Mit „Nathan der Weise" schuf
Lessing also ein Plädoyer für Toleranz und Humanismus, indem er aufzeigt, dass Charakterstärke und Edelmut
nicht aus der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion erwachsen. Dieser Zusammenhang wird durch den
vorliegenden Textausschnitt des Werkes „WERKNAME“ im Folgenden eingehend dargelegt werden.

2. Einleitungssatz

Der Textauszug aus dem Werk „Die Blechtrommel“ von Günther Grass (erschienen 1959 als Teil der Danziger
Trilogie) entstammt dem zweiten Kapitel und handelt vom Protagonisten Oskar, der während eines Überfalls
der Wehrmacht auf die polnische Post das Skatspielen erlernt und dabei das Geschehen sarkastisch schildert.

3. These aufstellen

Der Autor möchte mit diesem Text die negativen Folgen der Nahrungsmittelknappheit nach dem Zweiten
Weltkrieg auf zwischenmenschliche Beziehungen skizzieren. Diese Hypothese wird nach einer Inhaltsangabe
in der sich anschließenden Analyse und Interpretation des Textes eingehend untersucht.
4. Inhaltsangabe

INHALTSANGABE, siehe dazu den verlinkten Artikel der Dir das Schreiben einer solchen erklärt wenn Du
hier Probleme hast. Insgesamt kann man sagen, dass ein Drittel des Ursprungstextes dem Umfang der
Inhaltsangabe entspricht.

5. Allgemeine Textanalyse

5.1 Sinnabschnitte erstellen

Nach dem sich einer ausgiebigen Inhaltsangabe gewidmet wurde, erfolgt nun die Textanalyse und –
interpretation. Dazu lässt sich die Kurzgeschichte  XYZ unter dem Aspekt der Gesprächsanteile in vier
Sinnabschnitte gliedern, die es sukzessiv zu untersuchen gilt. Der erste Sinnabschnitt erstreckt sich von Zeile 1
bis Zeile X und handelt von Person Y, die... Diesen Abschnitt können wir mit „Unbarmherziger Y beginnt xyz“
betiteln. Der zweite Sinnabschnitt betrifft die Zeilen X bis…

5.2 Erzählform

Der Kurzgeschichte „Das Brot“ ist ein auktorialer Erzähler zugrunde gelegt, der das Geschehen als oberste
Instanz vorgibt und wertet. Die allwissende Erzählform legt dabei das Wertesystem der deutschen
Nachkriegszeit zugrunde und erwirkt so eine deutlich bessere Identifikation des Lesers mit dem Protagonisten.

5.3 Raumgestaltung

Bereits im ersten Sinnabschnitt wird diese Identifikation durch eine nachvollziehbare Raum- und Zeitgestaltung
eindrucksvoll vorangetrieben. So findet das gesamte Geschehen einzig im Haus von Person X statt, welches
durch „zerstörerische Kräfte fast vollständig zerrissen“ (Z. 23) wurde, womit das destruktive Ausmaß des
Krieges auf das Städtebild der Zeit durch die Hyperbel „Haus […] zerrissen“ (Z. 21f) übertrieben und damit
eindringlicher dargestellt wird.

5.4 Zeitgestaltung

An diese detaillierte Schilderung des Alltagbilds schließt sich die Zeitgestaltung der Kurzgeschichte an, welche
als zeitdeckende Szene eingestuft werden kann. Die von Borchert erzählte Zeit entspricht demnach der
Erzählzeit, wodurch das Mitfühlen und –empfinden aufgrund der zeitgleichen Erzählung leichter fällt. Eine
Ausnahme stellt hierbei der Zeitsprung im dritten Sinnabschnitt dar, der an entsprechender Stelle gesondert
betrachtet wird. Zur Entstehungszeit der Kurzgeschichte befand sich der Autor in Kriegsgefangenschaft und hat
so das ganze Leid des Zweiten Weltkrieges unmittelbar selbst erfahren müssen. Diese Erinnerungen klingen in
seinen Erzählungen und insbesondere der Raumgestaltung immer wieder durch, was sich in den detaillierten
Beschreibungen der zerstörten Stadt und Landschaft immer wieder zeigt (Vgl. Z. 1ff, 15f, 37ff).

5.5 Figurengestaltung (Charakterisierung)

Eine andere sich herauskristallisierende Besonderheit ist die authentische Figurengestaltung des Autors, die
bereits im ersten Satz zum Ausdruck kommt – so sei „Ralfs hitzige Hektik“ erst aufgrund einer „kruden
Kriegsverletzung“ (Z. 1) entstanden. Diese Alliteration gewährt dem Betrachter in Zusammenspiel mit dem
Stilmittel Epitheton Ornans nicht nur ein tieferes Verständnis von Ralfs Persönlichkeitsentwicklung, sondern
stellt vor allem den Krieg als ursächlich für dessen neonegative Charakterausbildungen dar. Ferner wird Ralf
allgemein als „klug und tapfer“ (Z. 9) ausgewiesen, sein Hang zum Streiten aber (Vgl. Z. 34f) macht ihn ebenso
wie der „Drang nach Aufmerksamkeit“ (Z. 29) für den Leser unsympathisch.

Volle Sympathie hingegen wird seiner Frau Elisabeth entgegengebracht, da sie die Rolle der
„aufopferungsvolle[n] Hausfrau und Mutter“ (Z. 48) trotz der ständigen Eskapaden ihres Mannes einnimmt. Sie
wird als „lebhaft“ (Z. 4) und „originell“ (Z. 9), aber auch als „einfach gestrickt“ (Z. 41) und „manchmal zu
still“(Z. 36) dargestellt. Sie ist neben Ralf der Hauptakteur des Geschehens, wird aufgrund ihres geringen
Sprechanteils aber schnell zur Nebenrolle. Dennoch erfüllt ihr Verhalten die Erwartungen des Lesers an die
„typisch deutsche Trümmerfrau“ der 50-er Jahre und bestätigt damit abermals die Eingangs genannte These der
literarisch wahren Dokumentation von selbsterfahrener Zeitgeschichte. Weiterhin konstatiert der Autor, Person
X sei lediglich durch eine „schwere Krankheit“ (Z.8) der Schule dauerhaft ferngeblieben und wäre so
unverschuldet unversetzt geblieben (Vgl. Z. 8f), sodass er dennoch als „junger Schulbub recht rechtschaffend“
(Z. 15) erscheint. Mit dem Pleonasmus „junger Schulbub“ (Z. 15) hebt der Autor das junge Alter von Person X
besonders hervor und erwirkt somit beim Leser ein zumindest unbewusst verstärktes Verständnis für dessen
Fehltritte. Zudem veranschaulicht die eindringliche Alliteration  „recht rechtschaffend“ (Z. 15) die scheinbar
grundlegende Charaktereigenschaft der Aufrichtigkeit Xs, wodurch seine Charakteristik weitere Züge erhält.

5.6 Sprache

Weiterhin ist eine überwiegend einfach verständliche Sprache verwendet worden, welche vor allem in den oft
wiederholten Worten „bettelarm“, „kriegsversehrt“, „hungrig“ und weiteren zum Tragen kommt. Dieses
Verwenden von einfachem Vokabular aus dem alltäglichen Bereich legt die Vermutung nahe, der Autor möchte
die Missstände der Zeit möglichst vielen Menschen offenlegen, wodurch die anfängliche These eine erste
Bestätigung erfährt. Die prägnanten parataktischen Sätze unterstützen diese pointierte, faktenorientierte
Darbietungsform Borcherts. Weitere Feststellungen und Auffälligkeiten zur sprachlichen Gestaltung werden im
entsprechenden Sinnabschnitt vorgenommen.

6. Detaillierte Textinterpretation

6.1 Sinnabschnitte abarbeiten

Betrachtet man den ersten Sinnabschnitt genauer und besitzt etwas geschichtliches Hintergrundwissen, stechen
historisch-realistische Elemente markant ins Auge. Tatsächliche Begebenheiten wie die Misshandlung
deutscher Flüchtlinge in den Nachkriegswirren kommen in Zeile vier deutlich zum Ausdruck, als von
„mordenden Horden“ die Rede ist. Mit dieser fast schon als Pleonasmus zu bezeichnenden Hyperbel
umschreibt Borchert die Kriegsverbrechen der Roten Armee in den deutschen Ostgebieten. Ein anderes
Element mit historischem Realbezug findet sich zu Beginn der Landschaftsbeschreibung, bei der von
„flüchtenden Ameisen“ (Z. 12) gesprochen wird. Mit dieser Metapher möchte er auf die großen
Flüchtlingswellen aufmerksam machen, die sich wie „Ameisen“ über die Landschaft erstrecken (Vgl. Z. 12f).
Diese eindringliche Darstellung verleiht in Zusammenspiel mit einem vorwiegend verwendeten Nominalstil
den Leitmotiven des Pazifismus eine sprachliche Prägnanz, womit ein weiteres Merkmal der sogenannten
Kahlschlagsliteratur auftaucht. 

Der zweite Sinnabschnitt überrascht mit vielen stilistisch-phantastischen Elementen, die sich in den
Schlüsselwörtern „Leichenstraße“ (Z. 6, 9, 17, 32, u.a.) und „Feuerniederung“ (Z. 14, 21, 24, 36, 44, u.a.)
manifestieren. Diese Akkumulation von Neologismen verdeutlicht abermals das Ausmaß der leidvollen
Zerstörung, indem sie den Leser schockieren und durch ständige Begriffsredundanz unangenehmen, visuellen
Eindrücken aussetzt. Darüber hinaus entfalten diese kompositorischen Mittel ein Klima der Mahnung, ein
Appell an Demut und Vergebung – kann doch der „gemeine Volksfreund“ (Z. 28) üblicherweise „keiner Fliege
was zu Leide“ (Z. 28f) tun.

Eine weitere Ausführung dieses Gedankengangs wäre sicherlich interessant, würde aber unlängst den Rahmen
dieser Textinterpretation sprengen. Die bisher geführte Analyse allerdings bestätigt die aufgestellte
Interpretationshypothese hinreichend.

7. Schluss

Abschließend ist daher pointiert festzuhalten, dass die Eingangsthese der pazifistischen Grundaussage im Text
der  anschließend durchgeführten Interpretationsanalyse standhielt. Borchert gilt als einer der Einflussreichsten
Autoren der Nachkriegszeit und der sogenannten „Trümmerliteratur“ – nach intensiver Auseinandersetzung mit
diesem Text besteht daran auch kein Zweifel. Der Autor vermag es gekonnt, das zerstörerische Landschaftsbild
der Nachkriegszeit durch vielfältige Verwendung sprachlich-stilistischer Mittel auch für spätere Generationen
authentisch zu gestalten. So gelingt ihm, ein realistisches Abbild des Alltags zu skizzieren und erwirkt beim
Leser tiefes Verständnis für die damals schwierige Lebenssituation.
Persönlich gefällt mir Borcherts Schreibstil sehr: der Lesefluss bleibt trotz aufbauender Spannung stets erhalten,
während er Fremdwörter und Fachausdrücke  vollständig außen vor lässt. Somit erreichen seine
Kurzgeschichten eine große Leserschaft und sind auch für Schüler verständlich aufbereitet. Stellenweise
missfällt mir jedoch eine „Überakkumulation“ der Stilmittel, wodurch der Sinnzusammenhang nicht immer
deutlich wird und die Inhalt-Form-Beziehung leidet.

Im weiteren Verlauf des Romans erlangt der Protagonist durch ausufernde Eskapaden im Rotlichtmilieu 
traurige Berühmtheit und wird – ohne das Ende vorwegzunehmen – zu einem Schatten seiner selbst degradiert.