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ÖV MODUL 16 – PROJEKTDESIGN: METHODEN DER EMPIRISCHEN

SOZIALFORSCHUNG

4. Qualitative Interviews – Arbeitsblatt 2


Als Leistungsnachweis erledigen Sie die Übungen und Aufgaben in diesem Handout.
Schreiben Sie alle Ihre Antworten direkt hier in dieses Dokument. Das gesamte, von Ihnen
beschriebene Dokument reichen Sie dann unter Moodle ein.

Aufgabe 2:

Suchen Sie in HoWeR nach einer empirischen Studie, die Interviews als
Datenerhebungsmethode nutzt. Nutzen Sie Suchwörter wie "Interviewstudie" oder
"qualitative Interviews" und schränken Sie Ihre Suche auf "wissenschaftliche Zeitungsartikel"
ein. Beschreiben Sie schriftlich die Studie anhand folgender Punkte:

1. Forschungsfragen der Studie

1.) Welche Folgen hat eine fortschreitende Mediatisierung für klassische und
medienvermittelte Selbsthilfe und deren Nutzer*innen? (Dimension Medienwandel)

2.) Wie erleben die Nutzer*innen Vergemeinschaftung im Kontext mediatisierter Selbst-


hilfe? (Dimension Vergemeinschaftung)

3.) Wie binden die Nutzer*innen mediatisierte Selbsthilfe in ihr Alltagsleben ein? (Dimension
Alltag

2. Wieviele Interviews wurden mit welchen Personen durchgeführt ?

Die Interviewstudie wurde mit 8 Mitgliedern der Facebook-Gruppe Migräne Community


geführt. Nennenswert ist hier, dass diese Gruppe über 9000 Mitglieder hat. Die Forscherin ist
selbst Mitglied in der Gruppe und hat einen Aufruf gestartet, woraufhin sich 60
Gruppenmitglieder zur Teilnahme an der Studie bereiterklärt haben.

Nach eigenen Erfahrungen ausgehend, hat die Forscherin selbst die 8 Mitglieder für Ihre
Studie nach Kriterien herausgesucht, um möglichst verschiedene Fälle und damit auch
verschiedene Sichtweisen darzustellen. Die Kriterien hierfür waren: Alter, Geschlecht, Anzahl
der monatlichen Schmerztage, Aktivität und Hilfeverhalten in der Community, Dauer der
Gruppenmitgliedschaft (seit mindestens sechs Monaten), genutzte Angebote, sowie Kontakt
zu lokaler Selbsthilfe.

Die Interviews wurden einmal durchgeführt und haben 55 Minuten bis hin zu einer Stunde
und 48 Minuten pro Mitglied gedauert.

3. Was sind die zentralen Ergebnisse der Studie?


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SOZIALFORSCHUNG

Ergebnisse der mediatisierten Selbsthilfegruppe Migräne Community auf Facebook

1.) Barrieren werden abgebaut, da Menschen mit viel Schmerztagen oder Menschen mit
anderen Einschränkungen sich dennoch Online vernetzen können, ohne körperlich
anwesend zu sein.

2.) Die Mitglieder von Online- Selbsthilfegruppen wie hier die Migräne Community können
untereinander wissen vermitteln. Was Im Fall von Migräne sehr wichtig ist, da medizinische
Beratung nicht immer zufriedenstellend ist. Hier können sich die Mitglieder durch Austausch
von Informationen gegenseitig helfen. Dennoch stellt die Studie klar, dass reiner
Wissensaustausch nicht ausreicht, denn insbesondere Personen mit schweren Verläufen
brauchen die Auskünfte vom Fachpersonal wie es Ärzte sind oder von Betroffenen aus
Rehabilitationsmaßnahmen und Selbsthilfegruppen.

3.) Überhaupt die Möglichkeit der Kommunikation zu jeder Zeit und an jeden Ort gibt den
Betroffenen Sicherheit, wenn sie sich der Krankheit mal ausgeliefert fühlen. Durch
Ratschläge und Erfahrungen können sich die Mitglieder immer gegenseitig unterstützen,
denn ein Arzt steht nicht jederzeit zur Verfügung.

4.) Auch machen Gemeinsamkeiten stark. Die Befragten finden es schön nicht allein zu sein
und aus anderen Menschen zu treffen, die mit derselben gesundheitlichen Einschränkung
leben müssen. Vor allem ist es aber leichter sich Online auszutauschen, ohne einen
persönlichen Kontakt aufbauen zu müssen oder zu pflegen. Insbesondere profitieren
Menschen mit einen seltenen oder schweren Krankheitsverlauf.

5.) Pflege des sozialen Netzwerks -> nicht nur die Pflege neuer sozialer Kontakte ist wichtig,
sondern das Pflegen von bereits bestehenden sozialen Beziehungen, wo man insbesondere
weiß, dass man durch Austausch von Informationen sich gegenseitig helfen kann, ohne dafür
das Haus zu verlassen. Whatsapp und andere mediale Textnachrichtendienste machen es
möglich, ohne körperlich wieder anwesend sein zu müssen. Was vom besonderen Wert für
Schwererkrankte ist.

6.) Zudem bietet die mediatisierte Selbsthilfegruppe ein viel besseres Zeitmanagement, da
man hier nicht auf klassische Selbsthilfeangebote angewiesen ist. Mittels einer Migräne App
kann man den Alltag mit der Krankheit sehr gut und sehr schnell zeitlich einplanen und
strukturieren, was mit einen klassischen Schmerztagebuch aufwendiger wäre. Dennoch ist
auch hier die Erkenntnis, dass man nicht überall an Zeit sparen. So berichten die Befragten,
dass eine Selbsthilfegruppe in einem Online Forum sehr zeitaufwendig ist, da der Austausch
untereinander sehr tiefgründig ist.

7.) Auch kommt die Studie zum Ergebnis, dass die Betroffenen eine eigenverantwortliche
Steuerung ihrer Krankheit haben- ein Verbessertes Krankheitsmanagement sozusagen. Die
Migräne App der Schmerzklinik Kiel soll zur Selbstbeobachtung außerhalb der Praxis und als
Nachweis für Versicherungen und Behörden dienen.

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SOZIALFORSCHUNG

8.) Eine Herausforderung der Mediennutzung in Hinsicht auf das Krankheitsbild der
Befragten ist, dass die Qualität der Informationen schwer zu gewehrleisten ist, aber auch
unübersichtlich ist. Die interviewte Jana sagt, dass sie bei einer anderen Migräne Community
auf Menschen gestoßen ist, die alles nur nachgeplappert haben, ohne zu prüfen, ob diese
Aussagen stimmen.

8.) Subjektivität: Natürlich kann man sich laut Studie gegenseitig in der Online
-Selbsthilfegruppe beraten und unterstützen, in den man einen Neurologen empfiehlt oder
Hinweise auf Meditation gibt, aber ausschlaggebend ist hier, dass jeder persönlich anders
betroffen ist und somit die Informationen nicht wirklich von Nutzen für viele sind.

9.) Auch beklagen sich die Befragten darüber, dass es nicht nur positiv ist auf soziale Nähe zu
verzichten, sondern gerade für die Psyche sei es gut sich lokal mit anderen Menschen mit
ähnlichen Krankheitsverlauf zu treffen

4. Hängen Sie eine Kopie der Studie an oder einen Link

https://eplus.uni-salzburg.at/JKM/periodical/titleinfo/3684031

5. Geben Sie die Quelle vollständige an: Name, Vorname, Datum (Jahr), Titel des Artikels,
Zeitschrift, Jahrgang, Heft Nr., Seiten.

Temmann, L.M.:,, Mediatisierte Selbsthilfe. Potenziale und Grenzen aus Sicht der Mitglieder einer
Facebook-Selbsthilfegruppe“. in: journal.kommunikation-medien, Heft 10 (2019) Seiten 1-21