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ABHANDLUNG

ÜBER

DIE SPRACHE UND SCHRIFT

DER

UIGUREN.

Eine der merkwürdigsten Völkerschaften des Türkisch -Tata

rischen Stammes sind die jjo\ Ighur oder richtiger Uighur,

die sich selbst Uigur nennen , und im inneren Asien

die Gegenden von >i Chamul (Chinesisch ^^^j^ Chä-my)

und J-^O^^i Turufan oder Turfan, bewohnten, die sie bisjetzt

noch nicht verlassen haben.

Durch eine scheinbare Ähnlichkeit der Namen verleitet, haben

die Geschichtsforscher bisher die Türkischen Uiguren mit den

Uguren der Byzantiner und den Jugoren und Jugritschen der Russi

schen Chronicken verwechselt, da diese doch zu einem ganz ande

ren Sprach- und Völkerstamme gehören. Ugorien oder Jugorien ,

ward immer fälschlich zwischen den Flüssen Petschora und Oby,

südlich von der Strasse Waigatz, gesucht. Diesen Irrthum kann

man aber nicht begehen , wenn man die Russischen Chronicken

mit Aufmerksamkeit lieset. Denn nach dem übereinstimmenden

Zeugnisse derselben , kommt der Name Jugra oder Jugorien dem

Lande zwischen dem Uralischen Gebirge, dem Oby und der Synja

zu; das ihn vielleicht von dem Ostiakischen Wurzelworte ogor oder

ugor , erhalten hat, welches hoch bedeutet. Ugorien wäre dann

Hochland. Es wird von den Wogulen und Ass-jach (d. i. Oby-

volk, den Obyschen Ostiaken) bewohnt, die man aus Bequem

lichkeit , nebst mehreren anderen Sibirischen Nationen , zum

Finnischen Völkerstamme zählet, da doch ihre Sprache von der


( o
Finnischen fast ganz verschieden ist , und ebenfalls keine Ähn

lichkeit mit dem Türkisch - Tatarischen darbietet ; wie man aus

der hier folgenden vergleichenden Wörtertafel ersehen kann.

Man wird also aufhören müssen, diesen Sibirischen Stamm mit

den mittelasiatischen (Türkischen) Uiguren zu verwechseln, wie

dieses noch häufig von schätzbaren Gelehrten geschieht. Dann

wird man auch nicht mehr die Hunnen für Uiguren oder Türken

halten , sondern ihr Vaterland und ihre Verwandte im westlichen

Sibirien und am Uralischen Gebirge suchen und finden.

UGORISCHE MUNDARTEN

MIT DEM FINNISCHEN UND TÜRKISCH-TATARISCHEN

VERGLICHEN.

UCORISCH
DEUTSCH. FINNISCH. TÜRKISCH-TATARISCH.
WOGULISCH. ASS-JACH.

Himmel Tarom, numma. Torom , num . . . Tai was. . . kük,


3y
kujasch.
erb*
Chat, sinna, )
Sonne . . Chotal, kotal. . . Peiwa . . . kun.
chald , talku ....

Mond. . Jangup , jungup. Tylesch Kun ai.

Stern. . . Konzä , sowi. . . . Chus , kos Täghti. . . yuldus.

Wolke. . Tu! Tinol Piliwi. . . . buluth.

Regen. . Rag Jert Wih'ma. . jamghur,

jaghmur.

Hagel . . Polschem Poissem. . . Ragy. . . . dolu.

Schnee. . Toi't Tschogot. . Lumi. . . . kar.

Eis Jank Jenk, junk. Jäa bus,

mus.

Donner. Tschol , auy .... Tschuge, pai. Ukonjuru. kügürt,

ildrim.

Blitz . . . Sal So! Tuüz. . . . yaschin.

Feuer . . Taut , tat Tut, tugut. Tuli ud, od.


( 3 )

UGORISCH
DEUTSCH. FINNISCH. TÜRKISCH-TATARISCH.
WOGULISCH. ASS-JACH.

Wasser Wit, uit Jing Wesi szu.

Erde . . Ma, mag Mych Ma ir.

Berg. . Ur, aach Rep , peüe . . Mätschi , magi . <Ü J tagh.

Stein. . Ku, kow Koch Küwi, tschiwi. . tasch.

Sand. . Jem, sy, sey. . . . Se Lii'wa kum.

Meer. . Uta , tchariss . . . Tscharres. . . Meri tingis.

See . . . Tuur, tur Tuu «J kul.

FIuss . . Gei, jä Jugan, jäga. Juga. tschay ,

daria.

Kopf. . Pank Uch , ugol . Peja basch.

Ohr. . . Pel,bal Pel, jnl.. . Korwa kulak.

Auge. . Schern Sem Silme T. küs.

Nase. . Nel, nof Niel Näna burun.

Mund. Tosh , schus .... Lul Su aghis.

Zunge. Nilm Nälem Tschieii til.

Zahn . . Pankt Penk Hamas tisch.

Hand. . Kat Ket Kjassi kul.

Fuss . . LaI,IyI Kür Jarga , jalka . . , ajak.

Ruysbroeck, den man gewöhnlich Rubruquis nennt, ein Minorit

aus Brabant, ward ums Jahr 1253 von dem Französischen Könige

Ludwig IX an den Hof des Mongolischen Grosschans Afangu

geschickt. Er fand auf seiner Reise Juguren in der Nachbarschaft

von Karakorum , dem damaligen Hoflager der Mongolischen

Chane , und berichtet dass ihre Sprache der Ursprung und

die Wurzel der Türkischen und Komanischen sey (i). Dasselbe

(l) « Among the Jugures is the original and roote of the Turkish and Comanian
» languages. » Rubruquis, bey Purchas. Pilgrims, Vol. III, S. 22. — Parmi les Jugures
est la source et l'origine du langage Türe et Coman. — Bei Bergeron , cap. xxvm ,
S. 58.
( 4 )

beweisen auch die Namen der Thiere der zwölf cyclischen Zeichen

ihres Calenders , welche aile Türkisch -Tatarisch sind , und die

man in folgender Stelle des Ulug-Beg (i) findet; wobei noch zu

bemerken ist , dass er selbst die Sprache der Uiguren Türki,

Türkisch, nennt : tXiiTjcvui o^tX jL^j^j^L^^yütj ^Uai* ^LacU^

cruJy ^jjX <Z^^X \j ^-L j>j tXJü^^.L l^ß y>j y4Z>£r die Astronomen

von Chatai und Ighur theilen Tag und Nacht zusammengenommen

in jwölf Theile , von denen ein jeder Tschagh genannt wird. Jeder

Tschagh hat nach folgender Ordnung seinen Namen.

l^stL NAMEN DER TSCHAGH.

DEUTSCH. Jfyü TÜRKISCH. CATHAISCH. CHINESISCH.


iS

Maus keskou. dsü (2).

Ochse J=^l uth a tscheu.

Leopard crJ*. bars i


f-
Haase . ..... ^Ift.Vt^l? thawschkan * mab.

Drache (J?J Iui schin.

Schlange JtixJ jilan EL stf.

Pferd iXy junad «.

A
Schaaf kui vy.

Affe ..yXacJJ pitschin. . . * schtn.


er-
Huhn.. £e>y*\y dakuk .... S yeu.
jy-
Hund.. ...... CjI it Ä siö.

Schwein J^uX> thongus . . . % chay.

(1) Epocha; celebriores Chataiorum ect. ex traditione UIug-Beigi , ed. Joh. Gravius.
Londini, 1650, 4.°, pag. 6.
(2) Diese Colonne mit den Chinesischen Buchstaben und Worten setze ich hinzu ;
sie rindet sich nicht bei Ulug-Beg.
(.5 )

Bei demselben Schriftsteller findet man auch die Namen der

Uigurischen Monate , in welchen die Zahlen ebenfalls rein Tür

kisch-Tatarisch sind (i). Das Factum, dass die Uiguren zum Türki-

schenVöIkerstamme gehörten , war also seit geraumer Zeit bekannt ;

aber wir kannten, ausser den angeführten, keine Wörter ihrer

Sprache , und wussten nicht ob das Volk seit Ulug-Beg ( er lebte

um's Jahr 1 49^), bis auf unsere Zeiten bestehe; obgleich der grosse

Begründer unserer Geographie, d'Anville, es in seiner Charte von

Asien, es als noch vorhanden, unter dem Namen Eygur, angiebt.

Auf meinen Reisen in Sibirien war ich im Jahre 1806 so

glücklich einen Einwohner aus Turfan , dessen Muttersprache

das Uigurische ist, zu Ust Kamenogorsk (einer Russischen Fes

tung am Irtysch) zu finden, aus dessen Munde ich etwa neuzig

Uigurische Wörter aufzeichnete^ Diese Sprachprobe, mit dem

Türkisch -Tatarischen verglichen, habe ich im Jahre 18 12 in

meiner Abhandlung über die Sprache und Schrift der Uiguren ,

bekannt gemacht, die sowohl in den Fundgruben des Orients , als

auch im zweiten Bande meiner Reise in den Kaukasus abgedruckt

worden ist (2).

Aber etwas schätzbareres über diese Sprache besitzt die kö

nigliche Bibliothek zu Paris , nämlich ein achthundert Wörter

enthaltendes Uigurisch - Chinesisches Vocabular , und fünfzehn

Uigurische Schreiben mit Chinesischer Ubersetzung , von ver

schiedenen Landesfürsten an die Kaiser der Dynastie {qj^ Afing.

In dem Wörterverzeichnisse findet man das Uigurische in Ori-

ginalcharacteren nebst beigesetzter Chinesischer Umschreibung

der Aussprache, die aber, so wie die vom P. Amiot, hinzuge-

(1) Ulug-Beg. ed. Gravii, pag. 87. — Auch im co^f Ayin Akbari, oder der, auf
Befehl des Kaisers Akbar verfassten, Beschreibung von Indien ( Th. I, S. 277 der En
glischen Ubersetzung), finden sich die Ighurischen Monate [jyut ^U»U] aber von Schreib
und Druckfehlern entstellt , und in verwirrter Ordnung. Der zwölfte Monat heisst dort
oIjLä». Hhoksabat, beim Ulug-Beg iLUia. Tschakschabath , und im Uigurischen Vocabular
-\n 0 1 y r. i r Tschakschabut.
(2) Auch sind hundert Exemplare davon besonders abgezogen worden.
2
( 6 )

fügte Lateinische Ubersetzung, sehr fehlerhaft ist. Ein Wort mag

zur Probe der (Economie des Ganzen dienen.

AUSSPRACHE CHINESISCH. UIOURISCH.


DES UfGURlSCHEN. — '—
-—- Jun.

Chun,

yue.

Ngai.

LUNA INTERCALAR1S.

Was diesem Uigurischen Wörterverzeichnisse einen besonde-

ren Werth giebt ist der Umstand , dass es aus dem kaiserlichen

Übersetzungsinstitute plji [Z9 S^ii-y-kuän herstammt,

welches sich zu Pe-king, ausserhalb dem Thore j3^ f^_jE.

Dsching-yäng-men , in der Strasse ;-pijL2j^>tir Yang-

mey-dschü-sie-kiay [ die krumme Bachweiden- und Rohrstrasse ] ,

befindet. Ehemals war es westlich von der Brücke über den

FIuss ^psj" Yü-cho. Es ward im Jahre i382 von dem Stifter

der Dynastie Ming errichtet, und 1^17 erneuert. Damals

wurden dort acht und dreissig Schüler des kaiserlichen Gymna

siums J^-~^ Jj^J Koue-dsu'kiän zu DoIImetschern für acht

fremde Sprachen, zu welchen auch die Uigurische gehörte, erzo

gen. Unter der jetzigen Mandshuischen Dynastie erhielt dieses

Institut eine andere Verfassung und ward unter die Aufsicht der

Academie j^^^^_^^6,Aß«-/z«-ywi« gesetzt. Man lehrt dort

folgende acht Sprachen : tftg Sy-thiän, oder Sanscrit jj^,

Siän-16, oder Siamisch ; |HJ jHJ Chuy-chuj} , oder Bucharisch ;

£j S\*Pä-pe (Name eines Volkes in Indien jenseit des Ganges);

^ ^ Kaö-tchäng, oder Uigurisch ; ^tq Sy-fän, oder


( 7 )
Tübetanisch ; ^jg| Mian-üm, oder Birmanisch , und £|

Pe-y ( Name einer anderen Nation im jenseitigen Indien) (i).

(l) Siehe ^)\^ Thay-yng-y-thüng-dschy', oder die grosse Chi

nesische Reichsgeographie. Peking, 1744. Band I, S. 14 verso. Dieses Werk ward auf
Befehl des Kaisers Khidn-lüng von einer Commission unter der Oberaufsicht des Choschöi-

"ling-wdng [ Prinzen erster Ciasse von kaiserlichem Geblüte ] ^fj^ ^hüng-dscheü

verfasst. Es ist die vollständigste Beschreibung von China, und aljer den Mandshu
unterworfenen Länder, die wir besitzen, und besteht aus 356 Abschnitten. Jede der
neunzehn Provinzen in die jezt China getheilt ist , hat ihren besonderen Ti^ei in alten
Characteren, auf welchem eine Generalcharte und mehren Speziakharten der einzelnen
Districte folgen. Die musterhafte Beschreibung ist gewöhnlich unter folgende Abschnitte
gebracht,

1. Lage, Gränzen. 12. Alterthümer.


2. Lage in Hinsicht auf Klima 13. Festungen und enge Pässe.
und Constellation. 14. Brücken und Ubergänge über
& Alte Geographie und histo Flüsse.
rische Untersuchungen. 15. Dämme.
.4. Physikalische Beschaffen 16. Grabmale und Monumente.
heit.
17. Tempel der Secte der Ge
4. Sitten und Character der lehrten.
Bewohner. 18. Tempel der Secten Fü und
6. Städte, Canäle und Ge-^ Taö.
bäude. 19. Berühmte Minister.

7. Schulen und Bibliotheken. 20. Berühmte Männer.

8. Zahl der Bewohner. 21. Weise Männer.

9. Flächeninhalt. 22. Tugendhafte Frauen.

10. Regierungsbeamte. 23. Heilige und Unsterbliche.

11. Berge und Flüsse. 24. Producte.


Von diesem wichtigen Werke, das aus hundert und acht Bänden in gross Octav besteht,
ist im Jahre 1778, ein ganz magerer und skeletartiger Auszug in Russischer Sprache,
in einem Oclavbande, zu S.1- Petersburg erschienen, der den Titel führt : Kpanreaömee
onncaiüe ropo^aJib , ^oxo^asib, n npomieMy KnrnaäcKaro rocy^apcrriBa , a npn moivib h bcSm!»
rocy^apcniBaMb , KopoJ\eBcmBaMl> h KHAacecmBaMb , koh KnrnaHjjaMb cbI^omm. Bbi6pamioe nab
KumaHCKOH rocyaapcrnBeHHoä reorpa<j>iH , hör HaneiamaHa bT> KnmaficKOMb H3wk13 npn iibm'BuiHeMl}
Xaab KÄHb-AyH*. Cenpemapeub Aeonmieebmb. Dieser elende Auszug findet sich Deutsch
in Büsching s Magazin , und hat einigen Gelehrten, die ihn für eine vollständige Uber
setzung des Chinesischen Originals hielten , Gelegenheit gegeben eine sehr geringe
Meynung von der Wichtigkeit des letzteren zu hegen.
(8)

Ich gebe hier diese Uigurische Sprachproben , nämlich das

Wörterverzeichniss , mit den übrigen Türkisch -Tatarischen Dia-

lecten und anderen Asiatischen Sprachen verglichen, und einige

der fünfzehn Schreiben an die Chinesischen Kaiser, von einer

getreuen Übersetzung begleitet. Auffallend ist mir bei dieser Ver-

gleichungen der Umstand gewesen , dass mehrere Uigurische

Wörter, die man im Türkischen und im gewöhnlichen Tatarischen

vergeblich sucht, sich in der Sprache der Türkischen Völker

schaften am Altaischen Gebirge, und besonders bey den Yakuten

am Eismeere, wiederfinden.

Ich muss noch bemerken dass die Blätter, des in Peking ge

schriebenen Originals, die roth gedruckte Aufschrift f^jt*

Thüng-wen-thdng führen, d. i. Ubersetzungshof.

Soviel ich weiss befinden sich in Europa nur zwei Exemplare dieses Werkes, wovon
das eine in der Bibliothek der kaiserlichen Academie der Wissenschaften zu S.l-Peters-
burg ( unter Nr. 121 des neuen von Herrn Kamenski verfassten Catalogs ) aufbewahrt
wird ; das andere aber von den Jesuitischen Missionarien nach Paris geschikt wurde, und
jezt mein Eigenthum ist. Nach neueren Nachrichten aus China ist im Jahre 1790 eine
neue sehr vermehrte Ausgabe davon zu Peking erschienen.
UIGURISCHES

WÖRTERVERZEICHNIS

MIT ANDEREN TURKISCH-TATARISCHEN DIALECTEN

VERGLICHEN.

I. Vom Himmel.

'\>\>J4> TANGR l. Dieses Wort, welches allgemeiner Name ihrer Gottheiten


sich in vielen alten Tatarischen Dia- geworden ist , oder wenigstens
lecten findet, bezeichnet nicht allein einer untergeordneten Ciasse der
• den Himmelsondern auch den Geist selben.
des allumfassenden Himmels und ent
.. j±t Tin. Dunst. — Tatar. dymly,
spricht gänzlich dem Chinesischen
nebliges Wetter; Türkisch »3 dem,
"Worte (1) Thiän, von dem es ent
Hauch ; Russ. Abitü) , Rauch.
weder abgeleitet ist, oder mit dem
■• j^-e> Kün. Sonne.—In allen Türk-Tat,
es einerley Ursprung hat. Vielleicht
Sprachen ^ kün oder giun.
ist tdngri eine verdorbene Auspra-
•• \K Ay. Mond. — ^$' ay , Türk-Tat.
che von Thiän-ly (2) [ratio codi,
Vorsicht ]. Uberhaupt bietet die jnrt^nl Yuldus. Stern. — ifj^j-* yu^us>
alte Religion der Chinesen sehr Türk-Tat.
viel Ähnlichkeiten mit der der Ta .. -itoEj^j. Matschit. Stelle ohne Sterne am
tarischen Völkerschaften dar. Bei
Himmel.
den Türken findet man das Wort
.. £il Yel. Wind. — Türk-Tat. Jj yel.
iSj v tdngri mit der Bedeutung
von Gott; eben so bei den Kasani „ \jxüJjyi^ Kürkirdy. Donner. — Tatarisch in
schen und Sibirischen Tataren , bei Kasan und in Tobolsk (^j^küguryt;
den Baschkiren , Nogay und Kirgi Türkisch (joJjjf giörüldi.
sen ; ja sogar bei den Jakuten am
.. Tt1Lo Bullt. Wolke. — Tat. IJf buluth
Eismeere und der Lena bedeutet
und bulith.
tangara Gott. Diejenigen Tataren
die das Wort tdngri zur Bezeich ^ \ Oot-tschachildy. Blitz ( d. i. Feuer
nung der Gottheit brauchen, nen schlag). — Ein rein Türk-Tatari-
nen gewönlich den materiellen sches Wort ; denn jjt od oder ud
Himmel dj-f kök oder kük, das bedeutet Feuer und ^aka-
Blau. <— Bei. den Mongolen , in men oder tschakamen ich schlage an.
deren Sprachen sich häufig Türk- Türkisch in Constantinopel
Tat. Wörter finden , heisst der ma tschakmak, anschlagen.
terielle Himmel ^mi^n^nn., ok- N nj ii i \ Yachmur. Regen. — Tatar. jy^.
torgoi, und der Geist des Himmels yamghur oder yaghmur. Türk,
\>\H-b. tägri ; welches Wort ein in Constant. jjju yaghmur.
Char. Schnee. — Tatarisch und
Türkisch kar.
.. fnj^ Mus. Eis. — Tat. und Türk, jy
(1) bus und jy mus.
3
( >o )

. -j^iW Möndur. Hagel. — Tat. bei Kus- kel ; Tür. jAülj» karanglu, dunkel.
nezk mendür; Kangatzisch mündur; .ff} Ä^irä tschichdy. Die Sonne ist auf-
Teleutsch mendür; Mong. yrfr^n^ gegangen. —Tatar. tP^i»- Oy
möndur. tschikady od. Aün jikady , die Sonne
. $\\ih\ Chiracho (chirao). Reif.— Tat. Jj> geht auf.
'e>l Kün batdy. Die Sonne ist unter-
kiraw od. kraw; Tür. jc[>9 kyraghu.
^ gegangen - Tat. ,J^>U ujf kün
m Lb.iBQ)iv Schiguderin ( scheüderin ). Thau . —
bathysch ; Untergang der Sonne :
Tat. ^a. ^'ä ; Türk, jj*» tffA/A.
^jLL kün batady , die Sonne
•• f1-1-^ Manan. Nebel. — Mong. j-t-t-^ ist untergegangen.
manan, Dünste. ,. \yxLaj^i bj Yel teberatdy. Der "Wind wehet.
•• H 1 fc^ Yulach. Regenbogen.
Yachmuryachdy. Es regnet.—Tür.
•• Tutun. Rauch. —Tat. yjiji tutun ; yaghmur, der Regen und j^i-j
Türk, oyj* dütün. yaghmak regnen ; Tat. lS^J**
.. \>a^aiAn^j Tutuldy. Verfinsterung. — Tatar. yamghur yawady, es regnet.
tL?V tutuluw ; Türk. ^«Jjjl» </b- .. \Jsj^& | ^■■r'n b°My- ^er ^in(I weht sanft.
tulmassi. .. j 1 ii im1(x> Burach an ( burän ). Sturmwind. —,
■jw^wr.^j Kun-tutuldy. Sonnenfinsterniss. Tatar. oL>j* buran; Nogai'sch borän;
Tatar. in Tobolsk o^Lü* buraghan;
\>r< _rH
n n b l Ay-tutuldy.
' ^ Mondfinsterniss. in der Barabinzischen Steppe buran;
.yÄ^jiyj jPaZ/f boldy. Der Himmel ist be bei den Jakuten am Eismeere und
wölkt (wörtlich Wolken sind).— Im am der Lena burchän ; bei den Bu-
Tatar. heisst die "Wolke i>Jy buluth rätten , einem Mongolischen Stam
(Türk. <s>Jji bulut) und ijoiji boldy me am Baikalsee boroghon.
ist die dritte Person des Singular in „jll^i >-xle> Kük chalik. Die blauen Stellen des
der vergangenen Zeit, vom Verbo Himmels.—Im Tat. bedeutet tA^"
O^ji bulamen, ich bin. kük, blau.
Atschildy boldy. Es ist hell oder •• j 1 T^j l!j Yaruk und yaschuk. Gfanz.—Tat.
heiter geworden. —Tat. und Türk, •• i3J->^ yaruk > Glanz ; bei den Sibi
j^a-t atchuk, heiter, atchilmak, rischen Tat. yarak, yarik, tscharyk,
heiter werden, sich aufheiteren. ar'iak, yaaruk, u. s. w.
' \ Churchak boldy. Er ist trocken ge .. yo^nr Tschulban. Der Morgenstern. —
worden. — Tatar. jU^» kurugat, Tat. o^j?- tschulban oder julban;
trocken ( vomWetter) . kuru , tro Mong. jnj^nr tscholmon.
cken ; Türk, j^y kuru und (3 fjj—» jVj|^U Telim yuldus. Das Sternenheer. —
kurak, trocken. 'Im Türk, bedeutet *J> delim, viel,
.V^ö-^^la. i)[ boldy. Er ist feucht. Bei den welches dem Chinesis. dschüng (1)
Tataren am Jenisei und um Kus- entspricht, wodurch das Uigurische
nezk ul ; Jakutisch el, feucht. "Wort ^ \j h telim erklärt wird.
..;-pjio. Ugher. Name eines Gestirnes. —
« Tang atdy. Es tagt. — Tatar.*<iib
Chines. Dsuön-mao (2).
lang, der Morgen, die Helle.
p0-^) Altun chasuch. Der Polarstern. —
.?\>ä^] Surgut boldy. 'Eristtr'übe geworden. ••l-LaY-kJ*'Mongoi. s^S^Xs. j A fci ^ altan-cha-

. jjüu^v A t b Tang arte. Er ist Tag geworden. dassu. Im Türkischen bedeutet


Der Morgen. .— In Tobolsk cjliLj* kasuk, eine Umzäunung.
rang irtd ;Türk. irftÄ, früh.

Charangchu boldy. Er ist dunkel ge


worden.—Tat. yjlj» karanghu, dun-

V
»
( )

II. Von der Erde.

•• ^i^l Y'ir. Land, Erde. — Tatar. und ^JK ^/V. Dorf. — Tat. Jjf a«7, Dorf
Türk, yer. und Jjlyl, Flecken.
., } i i vjft-b Tubrach. Erde. —Tatarisch .. j^BLjl^ Schiltken. Flecken.
tufrak ; Türk. $y)» toprak ; Tatar.
.. yj^i Tasch. Stein. — Tatar. jiU' tasch ;
am Jenisei tobrak ; Teleutsch to
prak ; bei Kusnezk toprak. Türk. J&thasch.

- |-W> Tach. Berg. —'Tatar. ^.b tagh und ..v «t.jU Umang. Graben. — Tatarisch bei
JLi taw ; Türk. , so wie in allen Ta Kusnezk in Sibirien, oimak, eine
tarischen Dialecten ^U» tagh. Grube.
•• o^-v Ssuw. Wasser. — Tatarisch .. (Ibl^ ^/j. Hoch.
suw oder ^ suw ; Türk. j-> /a.
•• v>ä1^ 2?ä*/y. Tief.
.. ^-aji Chum. Sand. — Tatar. ^ Äa/n ;
.. j ' üoJ Yirach. Entfernt. — Tatarisch ^U»
Türk, m* küm.
yerak; Türk, ^[jl t'raÄ.
m j-otlaoy Murän. FJuss. — Dieses Wort
„ Ü ü j.1 Yachin. Nahe. —Tat. jjyy yak'in ;
hat sich nur noch im Mongolis
chen j i A>nj>j. marän erhalten, das Türk, ebenfalls ^siu yakin.
einen grossen Strohm ( Chinesisch .. M^lMa ,• ^"■r unc* tema/. Staub. —Tatarisch
kiäng) (1), bezeichnet. yfjy tusan; Türk, jjyf fttr oder jji»
•• t±V Kul. See. — Tat. Jjfkül; Türk. aiitf.
«Vg°l- .. jj^fc Taban. Ein Bergrücken über den
•• ^«t** y^/ö/'. Meer. — Dieses alt -Tatar. ein Weg führet. —Mong. ^ fj-^JM»
Wort hat sich im Mongol. to^ag^a ; Mandshulsch ^ > ; 1 ^x^.
talai erhalten ; Tatar. am Tschulim
dafaij bei Kusnezk talai; Teleut. iij Kulmak. Teich, Weiher.
talai , u. s. w.
.. jl^ ifj«. Grabmal. — Türk. ^ ssin.
-^M- Ukus. Kleiner FIuss.
.. |ln^vg> .. '^3 Bach und burluch. Garten. — Tat.
iinr*n 1 Chuduch. Brunnen. — Tat. &j5j»
und Türk. £1 bagh.
kuduk; Mong. ^Am chuduk.
.. ^1^9 Basar. Markt. — Tatar. und Türk.
•• IV. Weg. — Tat. und Türk. J^i
jfjL basar.
yol.
- }' 'J V Aimach. Stamm , Geschlecht. —
•• j i 1 fcffl Bulach. Quell. — In allen Tata DiesesWort hat sich in den mehrsten
rischen Dialecten ^V^j bulak. Tatarischen Dialecten so wie auch
•• \^±>& 2fo/«-A.EinemitMauren umgebene im Mongolischen | »>jtt* y, aimak,
Stadt. — Dschagat. und alt-Tatar. und in Mandshuischen ^ »jvn \. <h-
balik. Die Mongolen haben mjn, Stamm, Horde, erhalten.
davon das Wort ' " h9 balga- .. Abich. Zaun , Umzäunung.
sun, Stadt, abgeleitet; welches dem .. ^>A 1b Tarich yir. Acker. — Tatar. t&fy-*
Chines. tschhing (2) entspricht.
terik , lebendig ; jj yer, Land.
.. j n^n £//bj. Horde , Herrschaft , König .. ;;pA \tyA Yasi yir. Wüste.
reich. — Ist im Mongol. | n^n^
.. ojjsie) Kodki. Hohes Land.
a/«jj, Horde, Reich, aufbehalten.
..^jsl p^A ^ Chidith yir. Gränze. ~—Yar be
deutet Land und chidich ist vielleicht
mit dem Türk. &y>f kuduk, Spalte ,
W V- Ritze , verwandt.
{ J 2 ')
•• «-i-b Dam. Mauer. ■— Im Tatarischen > vil^ H^-M TitfA ning achis. Pass in Gebirge.
heisst t)tjt duan, ein Wall. — Diese Phrase ist rein Tatarisch
.. i il Achar suw. Fliessendes Wasser. — zusammengesetzt von ^l—i" tagh ,
Türkisch yjilakarsu. Berg, csUjü ning Postposition die
i \)£tyi^ pjj. yJ/ax .r/jv/y. Das Eis schmilzt. — denGenitif, bildet, und jL) aghis ,
Im Türk, jy* mus oder das Mund, Mündung.
Eis ; und sismtk, rinnen , ab-
fliessen.

III. Von der Zeit.

" y& I'iw. Frühling. —Tat. jlj jaj". „^jsl^ v-JcLr^ Ktdscherk boldy. Es ist Nacht ge
worden. (Scheint fehlerhaft zu seyn.)
.. Yai. Sommer. -—Tat. isU yai.
| Suyuch tungdy. Frieren, fest frieren.
.. j-Ly Küs, Herbst. —Tat. j£ küs.
— Tatarisch suwok , Frost,
•• Chysch. Winter. — Tatarisch J*~* und tjoXlij^ dungdy , es ist gefro
kysch. ren, vom Verbo ^IXLijJ dungamen,
.. t& Yil. Jahr. — Tat J^» yil. ich friere.
Üt. Zeit. ., vjÄuxo-y, Churudy. Es hat getrocknet.—Tat.
„ jausaiei Kundus. Tag. — Tat. jj&jf" kün- jj» kuru, trocken ; ^Lfj^i' kuru-
lanamen , trocken werden.
dus, oder kün.
••\HiJJ^) Burun_chi oder arte-ghi. Alt, eher
•• y^t Ketscha. Abend. — Tatarisch ••UJ j^^jmahjjg, — Tatar. Ojjy burun, ehe-
ki^a (kitscha).
mahlig ; j" ky oder j ky ist eine
Yilang boldy. Das Wetter hat sich Ableitungssylbe. «J>»f i'rtfA, früh,
abgekühlt.—Vom Tatarischen »\ vormahlig.
ilan, angenehm und ^jjJj—j boldy ,
•• 0-<i O-0^ Amdy-chi. Jeztig.
der dritten Person des Singulars in
der vergangenen Zeit des Verbums .. jly ^ Z?a Aä». Heute ( d. i. diesen Tag).
O^Jyi bulamen, ich bin. — Tat. o^ji bu gün.
•• j^e> J^SJ-*-1-*) Tangda kün. Morgen.—Tatarisch.
0-0-^9 v_*iyi. Jssik boldy. Es ist heiss geworden.
tangla, morgen.
— Tatarisch issigh, heiss und
iSölji boldy, es ist geworden. .. ^ Bu yil. Dieses Jahr. — Eben so
zusammengesetzt wie Jj jj buyil,
•• Arte. Früh. — Tat. *i>>f irteh.
im Tatarischen.
•• Ketscha. Abends. —Tatarisch
..£^1 j-Kjij-b Tangda yil. Kommendes Jahr. —
kiia. Siehe tangda kün , morgen.
.>^}XA Yanghi. Neu. — Tatarisch l£=ül> •■ £^ >\y-^ Yanghi yil. Das neue Jahr. — Tat.
yangha. yanga yil.
••AH< Äski. Alt [antiquus]. — Tat. jCJi ■• tr^ Äski yil. Die vergangenen Jahre
issky. [die alten Jahre],—Tat. L^-\ issky,
- ,0 n'tCP 1 Julian boldy. Es ist warm ge alt, und Jj^/V, Jahr.
worden. Burättisch bula, Hitze. •• Kelirghi yil. Das kommende Jahr.
, sys^ jlAl^ Suyuch boldy. Es ist kalt geworden. — Tatarisch kilämen , ich
— Tatar. und Türkisch soük , komme.
kalt. £^1 ojjuaö^ Boldurghi yil. Das vergangene
.. jüj; Ketscha charangchu. Die Nacht Jahr. — Tatarisch JL» j^o^L^-j £*7-
dunkelt. — Tat. ^/£<2, Abend ; durghi yil, oder Jj Jjjo-Jyf boldur
karanghu , dunkel. ghi yil.

( >3 )
•• \K Aram ay. Der erste Monat. wenigstens im Tatarischen der ein
••\XO-öAA Ik'mdy ay. Der zweite Monat. und zwanzigte Monat heissen.

••••\K Tschachschabut ay. Der zwölfte


••\K \>alnrla Utschundy ay. Der dritte Monat,
Monat.
r ""^^j Tortuntsch ay. Der vierte Monat.
Schiin ay. Der Schaltmonat , der
•• vK Bischintsch ay. Der fünfte Monat. nach fünf Mondjahren . wieder
kömmt. — Dieses Uigurische Wort
.. \K p^rttA Altintsch ay. Der sechste Monat.
stammt vom Chinesischen shun (3),
„ y> Yitintsch ay. Der siebente Monat. welches den Schaltmonat bedeutet
•• \X p^-VJ-Mf Seksintsch ay. Der achte Monat. ab und beweisst, dass die Uiguren
•• ^ pfl"»nb Tochsuntsch ay. Der neunte Mo- ihr chronologisches System von den
Chinesen entlehnt haben.
i nat.
... ilp q Kün küninge. Täglich ( eigentlich
.. \K r'tnln Onuntsch ay. Der zehnte Monat täg-iäglich ). — Ganz Tatarisch.
(1).
.. _«±a Aoitia^, Tort ut.Die vier Jahreszeiten. —
p^j^J^ ;^v9j B-ir ytg\rmintsch ay ( bedeutet ei
Tat. ti>jj-> durt, vier.
gentlich den ein und zwanzigsten
.. LLu Sekis tschach ( pa dsie (4) Chine
Monat ). Der eilfte Monat. — Bei
sisch ). Die acht Theile, oder Zeit-
Ulug-beg, der die Uigurischen Mo
theile, einer Chinesischen Stunde,
nate giebt (2), steht wahrscheinlich
die aus acht Europäischen Viertel
durch einen Schreibfehler ^*jXL^-s_j
stunden besteht. Beim Ulug-beg ^L,
tjl für ,j] j, -j . e—_\y , so würde tschagh.

IV. Von Kräutern, Blumen und Bäumen.

Tschetschek. Blume. — Tat. ■ t^nn ii Chatschora. Fichte.


^i\äk (tschitschak); Türkisch cd—a
.. j=oäsk Ardutsch. Wachholder. —Türkisch
tschitschek.
gv*I ardidsch aghatsch ; Tatar.
Yichatsch. Baum , Holz. — Tatar.
tjyJj t artusch.
gUt aghatsch, Baum.
.. j-j-^ Leken. Binse.
Sugut. Baum. — Türkisch a>j^=y
sugut, Weidenbaum. .. tytJSaQ Badam. Mandel. — Türk. ^taL»
Yemisch. Frucht. — Tatar. (J»&>. badam.
yemisch' Baumfrucht. Tschoschum. Maulbeerbaum.
Chamisch. Schilf, Rohr. — Tatar.
,. p " * i ^ Charchatsch. Ulme. — Türkisch
(ji*^' kamisch.
^Ul ojs kara aghatsch (d. i. Schwarz
Samau. Stroh. — Tatar. (jUL. Sa baum ) ; Tat. karama.
mau ; Türkisch o^" saman.
„ j t v ] r^x4X Chadirchan { Chines. r^aav ) (5).
Burtschach. Erbsen. —Tat. cäK»-jy* Ein der Acazie (Mimosa!) ähnlicher
bur^ak (burtschag ). Baum, dessen Blätter zum Gelbfär
Arpa. Gerste. — Türkisch *—Jjl ben gebraucht werden.
arpah. •• 7a/. Sandweide [ Salix arenaria ].
— Tatar. JU» thal ; Russ. maAb.
(1) Vom zweiten Monate bis zum zehnten sind die Zahlen
alle mit den Tatarischen übereinstimmend. (j\ Ay, ist auch im
Tatarischen Mond und Monat.
(2) Epochae eelebriores Chataiorum ect. ex traditione Ulug-
Beigi, ed. Joh. Gravius. Lond. 1650, 4.°, pag. VI. (3)
( '4 )
- v n \n b Tuluk. Pfirsich. oul5 ^.Vj.t <4| Chamysch nyng tus'chachi. Junge
••Ori^-1^ 'essbare Bambussprossen. — Tatar.
.EraÄ. Abrikose. (jS-tlü Kamysch Rohr , ek^j b//^(
.,QLnjla^ Schunuk. ( Chines. tffAün ) (1), — Zeichen des Genitivs.
Ein Baum dessen feinere Zweige
nino tuchurtschuchi. Die
wohlriechend und essbar sind. ,. \j| i -irvn Ii ti^S ' °
ersten Stämmchen des Bambus-
.. j i lipnr Tschobuchan. Brustbeere [ zizy- rohrs.Vergleiche das vorhergehende
phum ]. Wort.

., j "ijp Busumla. Birnbaum. „ aairüLjj Küntschid. Sesam. —Türkisch und


Tatarisch'o-wä^" kcndshid ; Russisch
h pbjy Naritsch. Pomranze. — Türkisch
KVHiyrb und Kyiwyrrib.
narindsche.
••y- |i,vnn!|_n^ Schuldurcha. Name einer Pflanze.
(-1=4^ KAßf. Wurzel.
— Chinesischen (3) ma-lian,
.. v> pA^l-E- Tschibichi. Zweig, Ruthe. — Tat.
.. Somur. Zirbelnuss.
^«^«ä ^ tschubuk ) ; Türkisch
tschubuk. „ j-L\jiAl Yinkech. WäFsche Nuss. — Tatar.
^IXjLj yankak.
.. Utsch'u Spitzen der Zweige.
„ v_ ^ Nara. Granatapfel. — Türk,
.. [ I i Yebirchach. Blatt. — Tatar. jln^»
nar.

„ ^^po. Usum. Weintraube. — Tat.


.. o }.'t.nvfl. Uruehi. Samen. — Tatarisch fojj
usum.
uruk , fojj untgh und jjjjt «n/w,
.. j^m i i± Charbus. Wassermelone. —Tatar.
Saame und Geschlecht ; das gewöhn
jyjÜ karbus.
liche Wort für Pflanzensamen ist
urluk. „ jo . ^ Chachun (chaün), Melone. — Tat.
üjlj kaün.
* ^ }inrvn 11 n ta Tukurtschuchi, Die ersten Sprossen
der Pflanzen. ,. [ j i « 1 r-. ^ Badirach. Eine Art langer Kür
bisse.
« ^jlrti^ Kendir. Hanf. — Tatarisch _>jjlä^3
„ Yur. Gekochter Reiss.
kendir.
.. pui^. Murtsch. Indianischer Pfeffer. —
» 'f^^i Kunach. Getreide , Feldfrüchte.
Chinesisch chü-dsiaö (4).
•• Kuschi. Räucherwerk. — Türkisch
.. jj* J Yarma, Chinesischer Pfeffer. —
yy kuku, Geruch.
Chines. chuä^dsiaö (5).
.. J-t^^Mj -*"wAi ( kaola ). Kohl , Gemüse. —
i-Iäjj Redls. Baumwolle ( so steht durch
Italiänisch caccola.
einen Schreibfehler im Original;
»v—^jlt. Tschaske. Ingwer. es muss aber heissen jli^o kedin ).
kethen ist das allgemein in Asien
.. jniin,^ Suchun. Zwiebel. — Tatar. und
Türkisch sughan. gebräuchliche Wort ; daher cotton.

■• |mu^ Satun. Knoblauch. QtJxxraQ Bidadao. Gesponnene Baumwolle.

■i jrcmNovj Ktkurtde. Wilder Knoblauch. — r1**-4* 1 Chadistschetschek. Zimmetbiiithen.


.. 1 1 ri r (
Chinesisch chiay (2); Mandshuisch
^/oiajj. matscha.

(3) $y W

«
( '5
)
, >_ Ii iV^. Linchoua. Nymphaca nelumbo. — . fjjJ$f. Abinus. Ebenholz. — Türk.
Chinesisch lian-chuä (1). Abenos.
.. j milr Tschintan. Aloeholz. — Chines.
., $ ■ " Bacham. Brasilienholz. — Tür. ^
tschin-than (2).
bäkkem.
•• > v i i ^ v n ^ Churslang. Cardamom.
»aü i Chding. Birke. — Tatarisch vj-jU jin^b ju. Or Arzeneykräuter. — Tür.
ojt or, Kraut.

V. Von Vögeln und Thieren.

••^-U. Chusch. Vogel. — Tat. und Türk. •• Buchu. Hirsch.—Mongolisch und


rfj> kusch. Kalmükisch bugu, Rennthier und
Hirsch ; Tatarisch bei Kusnezk
^ JT<ry/Ä. Ein vierfüssiges. Thier.
buga.
.. jjjilrl^ Sitschichan. Maus. — Tat.
- Adik. Bär.—Bucharisch ajik ; Tat.
ssy^chan (ssitschchan ).
j>) ayu.
.. -aa. £/>. Rind , Ochse. — Dshagatai'sch
.. j 1 1 lb !! « i n Charchulach, d. i. Schwarzohr, eine
tjl Utk.
Art Tyger. — Im Tatarischen be-
.. pi^g Zfarr. Tyger. — Tatarisch <j<jU . • deutet karakulak, Schwarz

„ j i ü ^ i fc, Tayischchan. Haase. — Türkisch ohr.


y
üUji> tauschan; Nogaisch tawschan; $±4> Deva. Kameef. —Tatar. »y tiwa,
Turkmenisch dauwschan. tewä und «*y tuya.
•• Loo. Drache. —Vom Chinesischen „ Yangi. Elephant.
lang (3).
•• j-Ml Chas. Gans. ■— Tat. jl» kas.
•• j-Hf^ Yilan. Schlange. — Tatar.
,• > Ataudfc önfrA. Ente. — Tatarisch Jlijjt
yilan.
arräÄ.
.. At. Pferd. — Tat. l»l ath.
„>_jLi_yl Ischek. Esel. — Türkisch oi—al
..\yu^ Cho'i. Schaaf. — Tatarisch cjj—» eschek.
.. a4BU »4 Chadir. Maulesel. ■— Tatar.
•• j^As Bitschin. Affe. — Dshagatai'sch cfc£j katyr.
bitsckin.
•• 0*% ÄW. "Wolf. — Tatar. c$j^ fort.
„ ^iij-b 7i?f^o ^ teo ^. Huhn. — Dshagat.
., jtnjj-^ Schilasun, Luchs. — Tatar.
^ji'ta dakuk; Tat. Jj/i» thawok.

•• -»i- //. Hund. — Tatar. oj! /f.


.. jtUrt^, Matschian. Das Weibchen unter
•• (-S^0^ Tunkus. Schwein. — Bei den Ta
den Vögeln.
taren in Kasan und Tobolsk ist
.. f-4-o.y, Chulas. Männchen unter den Vö
j&ji dungus, ein wildes Schwein.
geln.
In den übrigen Tatarischen Mun
darten und Sibirien, in Chiwa und Jnek. Kuh. — Tat. j/jää.
bei den Kirgisen bedeutet tongus
£//<«-. Stier.
oder dongus, Schwein.
. >_ |i nNj1 ^ Simrucha. Der Vögel Greif. —
„ gj i lin Uchar. Storch.
Ist das Persische Wort si-
murgh. N

^ £T/tar. Das fabelhafte Einhorn der


(3) Chinesen (khi-lin).
(.16 )

Kerudy. Der Garudha ein fabel •• jä4x. Tschirti. Ein Rothfuchs.


hafter Vogel der Indier.
.. JJ*^e* " Burte. Ein Schimmel.
Schir und arsalang, Löwe. —Schir
:=H-4i Chara-at. Rappe. — Tatar. l»l t^ü
ist das Persische Wort j-*-ä> schir,
kara-ath.
und arsalang das Tatarische t)X.j!
arslan. ,. IlLy. Aichir. Hengst. — Tatar. ai-
ghyr.
Tudy. Papagey. — Persisch und
Türkisch Jojo thuthy. „ j.r< Ii v Akda. Wallach. — Türk. jCiV-ä-j!
ighdisch ; Mong. " ' v. öÄW ; Man-
Kers. Rhinoceros. —-Türkisch und
dshuisch y°w ' ' v akta.
Pers. (_j»-j>^ cheris und dj-f Awä.
••t^& Baitschai. Stute. — Tat. <l^_>
.. ^ Xr. Hermelin. — Tat. ^»' as.
oi iaJ i.b 7»'^. Graues Eichhorn. — Tatar. . pC b | Chulan und Tan/'. —Wildes Step-
ü»^' tiin. penpferd. — Tat.
•• %V Kisch. Zobel. — Tat. kisch. .. j nN n vj, Churun. Füllen.
ifJ-JA>LAV Schongchar. Grosse Falken die man
„ iXijdfln b ■ Tubitschach. Ein grosses Pferd aus
zur Jagd abrichtet. — Tat. jUXjj^
den westliche» Gegenden.
s'chungkar.
.. 1 1 1 j" '' * -v Archumach. Ein kleines Pferd aus
.. ^ link Chuchu. "Wilde Gänse.
den westlichen Gegenden.
.. ^.i.v t.ty Aiaral. Eine Art grosser Hirsche.
'^yJ^M^I 'Alton yarmak lyk bars. Ein Gold
— Tatarisch bei Kusnezk maral.
gestreifter Tyger. — Tatar. altun ,
.. fl& Bus. Ein graues Pferd. — Tatar. Gold ; yarmak-lyk, gespalten oder
jj> bus, grau. gestreift und bars , Tyger.

J-f-^i Chula. Schweissfuchs. — Tat. *iy .. Ala bars. Ein gefleckter Tyger. —
W kulah-ath. (Ath, Pferd. ^ Tat. <j»;L *Jt ala-bars.

VI. Vom Menschen.

.. jj-y, Chan. König. — Ein altes Tatari ,. su^il Yikit, Jung. — Türkisch und Ta
sches Wort, t)l=* chan und-ü'-'^ tarisch o-C yikit, ein Jüngling; Ta
chakan. tarisch bei Kusnezk tschiit ; bei Je-
, Tuschimal. Minister , Vasall. — niseisk yeet.
Hat sich noch im Mongolischen ..>- J-m. Acha. Alterer Bruder. — Tat. Ul
^'j^lpn^ tusimal ( Mandshuisch agha.
*\{.*& chafan ), Regierungsbeam
ter, erhalten. .. Int. Jüngerer Bruder. — Tat. <J^}
im.
.. jäv Vater.—Tat. bl ata.
•• oüjj^ Abukeng. Grossvater.
., n Ochly. Sohn. — Tat. J^-cjl o^/i
und ^öjf o^/tf. „ jj-n-t°- Uluch-ata. Der ältere Bruder des
Vaters. — Nach den Worten , die
JEr. Mann. — Tat. jj\ ir.
ganz Tatarisch sind grosser Vater.
>• Abetschi. Frau.'—Tatarisch in To-
- •— 'p-QK Abuka. Der jüngere Bruder des
bolsk und Kasan bija oder blrt
Vaters.
( bitscha ) ; Kirgisisch bitsche ; bei
den Kangazischen Tataren iptschi. •• J-m. Ana. Mutter. — Tat. ana.
•• >'n Ln Uluch. Erwachsen. — Tatar. g^Jt ,.\>rjA-y_ Chacha maktschi. Vaterschwester.
ulugh, erwachsen, gross. Yingkessi. Frau des älteren Bruders
( '7 )
.. Maktschi. Ältere Schwester. <A) Kim. "Wer ! — Tat. ^ kem.
.jj-ily Singhi. Jüngere Schwester.—Tat .. \yt-lin. Uchri. Dieb. — Türk, und Tatar.
c*>j' ughrl.
.. pnü ,^ Nachatschi. Frauenschwester. .. \>rlliv,i_^ Charachtschi. Räuber. — Tatar.
.. ii n Uchul (uul). Söhne. — Siehe oben cj#L>k' karaktschi ( karak^i).
0 1_" " Sohn.
I Uruch, taw^. Blutsverwandtschaft,
..^Ly, Ch'is. Tochter. — Tatarisch Stamm. — Tatar. £yjf urugh, und
kys.

., v_ v^j^jij^ Nangkiya. Barbaren. — Noch bis


.. Ischlari. Freunde.
jezt heissen die Chinesen bei den
Mongolen uua^jj-u^ nangkiyat. .. C^ör/ kischi. Ein alter Mann. —
Tat. jiif^Jä kari kischi.
.. Bachschi. Lehrer. — Hat sich im
Mongolischen Worte \yr^s baksi ..^.nün >~xlx^ Kitschik ochul. Knabe. —Tat. tsLX"
erhalten. tjijt kütschük oghli.

.. •\$Mj Schabt. Schüler. — Findet sich „ v-iLi^c^L^ Äilukung. Der jüngste der Familie.
im Mongolischen K\$Mf schabt, und
.. £Mi Chul kischi. Knecht. — Tat. J—>
im Mandshuischen -\&>-i) schabt ,
kul, Knecht, und ^ So kischi,
wieder.
Mensch. «
Tanghi. Anhänger der Secte Tao
.. j ■ " ■ ^ Chachan. Kaiser.—Tat. und Türk.
( 1 ) ; gewöhnlich Taö-s^ü ( 2 ) ge
. (jUlä. chakan.
nannt.
.. vyioiÄJ^la- Usatunghi. Die Majestät des Kai
.. y\ o b Tuin. Buddhapriester.
sers.
.. oLjly-ol^ Niwasiki. Guter Genius. \
.. sxxi-Ui Charatschu. Minister.
.. \o1 Ussit. Böser Dämon.

h j t II v<v> Burchan. Buddha , oder Foe ( 3 ) .. o t^ Bilkutschi. Ein Weiser.—Mit dem


Türkisch-Tatarischen Verbo
der Chinesen. Bei den Mongolen
ebenfalls j > t i burchan. bilmek, wissen, verwandt.

•> <JJ^ Intschke. Lehre der Confucius. .. Bochdas. Ein Heiliger. — Daher
das Mongolische o°^"g) ^ogv/o ,
.. v-jls Sek. Statthalter, Fürst. — Tat. ^
heilig.
bi; Türk. esl> beg.
sypj^ Arsi. Ein Unsterblicher. — Chi
•• " Tscherlk. Heerführer , Krieger. —
nesisch Siän-shin (4).
Tat. dL>ja. tscherik.
.. v>rail_L=dx. Tschidachutschi. Der da kann [ po-
•• Chari. Greis. — Tat. op kart.
tens].
•• -=<A^ Yikit. Jüngling.—Türk, und Tat.
.. y)ao " i " n Uchachutschi. Ein Gelehrter.
o-Xj yikit.
"O-v-0-1- /<t«7. Der Herr des Hauses. —
•• j-4-^ Men. Ich. — Tat. ^ men.
Tat. <j"L£j' igassy.
•• j-H Sen. Du. — Tat. «m. •• j r ' " \. Achatscha. Der erste eines Orts ,
..\>M. Er. — Tatarisch anlar, Bürgermeister, Schulze.
sie. .. prn »Uife Tarichutschi. Landmann.

(1) (2)

5

( )
.. \jr ['Am ^ Sadichtschi. Kaufmann. — Tatar. jl^ij j)n 11 ^ Nachatschu kelin, Die Frau des
«^jL ssawdä, Handel; j^l— ssaduw, Schwagers.
Verkauf. •• Batscha. Der Mann der Frauen
schwester. — Tat. *>Lf badsha.
.. j i nj n Umoch. Herr, Wirth.
•• \>v*>aäI1*> Kundckusi. Eidam. — Türk. jJ^/"
„ jjjsiy Kudan. Gast.

„ -j^ln.; Nukur. CoIIegen. •• j^V-^ Yasna. Mann der älteren Schwes*


n \jr 11 1, |_n Ulachtschi. Stallknecht. — Türk. ter. — Tat.-**»j yisnä.
, ein Postillion. Tschiya. Bruder- oder Schwester
.. \y- j i |_g Kelemetschi. DoIImetscher. — Tat. sohn.
tSfyJj kälghutschi. .. jA^la^ Tusun. Ein "Weiser.

,.\$ej£. Htschi. Gesandter. — Tatarisch •• |A9 i?i.r /ar. Wir. — Tatar. und Türk.
' jiji bislär.
t/f^l ity (iltschi).
.. » v \\ ; i ^ Sening. Dein. — Tatar. <Ax?x~ se-
„ ^ loa Utlitschi, Wohlthäter.
nyng, dein.
\>j^> |n-^ln4> Zujan kischi. Ein guter Mensch. •• :J ' f Ular. Sie. — Im Tatarischen sollte
\>y-ii-Ll Yachschi kischi. Dn guter Mensch. jVjt ular, der reguläre Plural von
— Ist ganz Tatar. <j^. yachschi Jj! ul, er , seyn , so aber ist er \
kUfhi. anlar. Die Tataren in der Steppe
Baraba sagen auch ular , und die
.. ji j i1 Yaman kischi. Ein böser Mensch.
Nogay und Tataren von Jeniseisk
—Ebenfalls Tat. (j^oW. yaman ki
und Kusnezk olar.
schi.
„ \» . n\ i± Kidat kischi. Ein'Chinese ; von Ki-
„ aqj leIn Utschayit. Ein roher Mensch. dat, China ( daher unser Kitay ) und
.. o^P1-0^ Murki. Narr, kischi, Mensch.
^ H j Taschchari kischi. Ein Ausländer.
u prli Li ^ Sanachtschi. "Wahrsager.
— In Türk, bedeutet •jiSo thaschre,
,. ^rmn Ot'tschi. Arzt, von jül öf', Kraut. ausserhalb; ,ßf kischi, Mensch.
— Ist ganz Tatarisch.
„ ^rn 11 1 Baschlachutschi. Ein Aufseher. —
. 'y>V II kün. Volk. — Tat. t i/i. Vom Tatar. hasch , Kopf.
,. ^> kj. f/j kischi. Künstler. — Türk, jojt " jj n ■ b Teümu. Oberhaupt. — Vom Chi
aj, Verstand, und Tat. J^s kischi, nesischen thcü-mü (1).
Mensch. .. ^»'.ij.«^ Mongchol. Ein Mongole.
^ Ü'J^^I Alintschuki abukem. Ältervatef. .. j.jxn^r,^ Mussurman. Mohhammedaner.

„ gai " y Nachatschu. Mutterbruder. ., y^yln ^ Tubut. Ein Tübetaner.


•• J-1*^ Chadin ata. Schwiegervater.—Tat. ^ n Hin. Uigur. Ein Uigur. — Chinesisch
b't ^lä Aa/n ata. Kaö-tschäng (2).
jlÄMi Chadin. Schwiegermutter. — Tat. .. - -^T-ilpr- Tschurtschuk. Ein Niu-dschy (Shu-
Ul ^jU ka'in ana. dshy) (3). (Vorfahrender Mandshu.)
i. j"" ■ 'ü. Chatun kischi. Frauenzimmer. —
Tatar. &f chatun kischi.

.. ji^> Keim. Schwiegertochter. — Tür


kisch u-k* ghclin; Tatarisch cfc-W 0 Ü «». I Ä
kilin.

,. w Abuschka. Mutter [ Mama ]. (3)


( '9 )
.. jmi i Kj. Afändän. Ein Awaner. Ist Chi- .. .la^ii-b Tangut. Das Land in Norden und
nesisch Mian-thian (1). Westen der Chinesischen Provinz
>—O-i-aM. Endtke. Ein Hindustaner. —Daher Schen-sy. — Bei den Mohhamme-
das Mongolische Andikäk, danischen Schriftstellern oj-
Tangut ; bei den Chinesen Cho-
.. Babe. Name einer Nation in Indien
jenseit des Ganges. — Chinesisch *y (3).
Pä-pe (2).

VII. Vom Körper und seinen Theilen.

jiß^ Budin. Körper. — Tatarisch j „0oigjjilA^ Sünguki. Knochen. — Tatarisch


bädan. csHj^« jizyaÄ ; Türkisch cliJL« su-
nük.
Yurck. Herz. — Tatarisch dtj^j
yuräk. .. Angi/. Schulter. —Tat. t ighin."

•• jy-\9 Bäsch. Kopf. — Tatarisch ji'L-J « ^js^jlgj Küksum. Brust. — Tatarisch <j»f^"
basch. kuksse.

Yüs. Gesicht.— Tatarisch jjj yüs. •• Bai- Das Kreutz. — Tatarisch


*//.
.. Yangach. "Wange. — Tatar. ^^>.
yangak'. „ jrla. Ütscha. Rücken.

.. pty Satsch. Haar. — Tatar. g^-sadsh, „ qjitd. Jtschaku. Eingeweide. —Tatarisch


und ^^.to^act i^indage (itschindage).

••/H-<ä Chasch. Augenbrauen. — Tatar. •• ji^Ml Charln. Bauch. — Tatarisch üJ-*


(J& k'asch.

.. \j jlft) JTäxr/. Auge. — Tat. j^" küs. •• 0*-*^ rar;'. Haut. — Tat. ^>( fm.

.. jnsp Burun. Nase. — Tat. üjjy burun. Et. Fleisch. — Tat. oot it.

•• Achis. Mund. — Tat. _>-cl ^ is. 7hA, ru/i/Ä. Haare am Körper. —


Türkisch tuy ; Tatarisch
. | Li (j, Kulak. Ohr. — Tatarisch ^j-i
r«£.
kulak.
Tar.tarlady. Schv
weiss. — Tatar.
.. Zahn. — Tatar. jjSaj rwÄ. -v«^) .. . . -
j-u f/r; Türk, </*r. Schwizend
.. ^-Lfc) 7/7. Zunge. — Tatarisch J*i" f/7. Tatarisch ti-^Xj^ tirladi.
- jifcjv. Arin. Lippe. — Tatar. ortj*\ hin. .. Blut. — Tatar. und Türk.
"v vi (_1 ///iL Hand. — Türkisch Jl bei kan.
den Jakuten ili ; bei den Kasach im .. p-Lüjilfc, Tingrach. Nagel am Finger oder
südlichen Georgien eli.
Zehen. — Tatarisch J>^>»' tarnak;
.. But. Der Hintere. —Vielleicht ein Türkisch Jpj-k thyrnak ; Jakutisch
Schreibfehler für -b^ kut; denn im
tygyrach.
Türkischen und Tatarischen sagt
.. i^lb LLxfc 7af^ für^. Backenzähne. ( Wahr
man taj^ küt.
scheinlich Btrgidhnt ^• )
Adachi. Fuss. -— Tat. jjlj.l aydÄ;
Jakutisch atafA. ..yjrn iivnrill 11 1 ^ Sachindurchutschi. Die Hüften.

(3)

( )

VIII. Von Gebäuden.

.. ^xÄiui. Ordu. Der kaiserliche Pailast. — .. » mtu ^9 Baduk chapi. Hauptthür.


Tat. iOjj[ ordah ; Türk. j-Jjjl o/v/h,
oji. Jki chapi. Nebenthür ( iki zwei ).
das kaiserliche Lager.
J"" tM >4/ft/n charschi ( d. i. der goldene
. vtyü-Mi Charschi. Paliast.
Pallast ) . Der Ort wo der Kaiser
.. o-\ Ew. Haus. — Türk, jl f^; Tat.
Rath hält.
ui.
. , ^ j""^ Altun chapi. Die goldene Pforte
, '.' ^ j Chalich , balachana. Die obere
des kaiserlichen Pallastes. — Tat.
Etage eines Hauses.
yyJt altun, Gold ; Türk. kapi,
" H Achi/ich, sang. Vorrathshaus, Spei- Thür.
^cher. Ssang kommt vom Chinesi
schen Worte ^äng (1). .. ^nl$jj Kebit. Bude. — Tatarisch

.. LLti^Mj Chasnach. Schatz, Casse. — Tat. kibit. Daher das Russische kh 6iuni;n
*ÄJr=* chasinah. (Daher das Russische als Wohnung der Kalmücken.
Ka3Ha. ) •• o\ h"-yK Asch/ich ew. Küche. — Tatarisch
.. v\9-i-y, Chapi. Thür, Pforte. — Türkisch und Türkisch jit asch-chanah
vjsj» kapi und j>? kapu ; Tatar. aäjIj (wo chanah Persisch, für jl ew,
kapka, Thorweg.
Haus steht ). Eigentlich sollte man
..n_jlo^Lq4j Tungluk. Fenster.
sagen jf jfcl aschtw, oder Jj-s-l—*t
•• ' 'ig> Buchar. Tempel. jt aschlik - ew , wie im Uiguri -
.. j Ii i vi Chachu. Herd. sehen.
.. > vnvjlo Kübruck. Brücke. — Tatar. jjtjf' .. jji Yam-cha. Poststation. — Tata
kübiir und kobur. risch und Türkisch p^J yam ; daher
.. o oudfe Tirki. Säule. — Türkisch <Jj-J* das Russische hmT) und hmhhk1>.
direk. i ioiejjL Metschit buchar. Eine Moschee.

IX. Von Kleidungsstücken.

•• jj^> 7«/7. Ein Kleid. — Tatarisch


Tataren kur, eben so bei den Ja
kuten.
•• -\P^» Burk. Hut, Mütze. — Tat. djj •• Bus. Baumwollenes Zeug.
burük.
„ Turchu. Feines Seidenzeug.
..- vnry^ ^«A. Stiefeln.—Tat. ^oof /</yA'. „ v vnrinvVnj Kuschuntschuk. Bettzeug.
., |,i nrn Utschuk. Strümpfe. — Tatarisch in V'^n.b Tuschtk. Lager zum schlafen. —
Sibirien uk. Tat. J^tyi tuschaw, tffLtyi tuschdk.
„ ^i-u Chio. Schuh. Ist Chinesisch. „ ^<>i-b Tawar. Seiden dammast. — Da
her kommt vielleicht das Russische
.. -j Bo !± Chour. Gürtel. — Tatarisch am
Wort inonapb Waare.
Tschulim-, bei Kusnezk, Kangatz-
kisch und bei den Tschazkischen ' t )" VA Altun-luch santschba. Mit Gold ge-
stickte seidene Zeuge.

^) Charchumi santschba. Verschie-


'denfarbig gestickte seidene Zeuge.
.. s v ; n Manglung. Seidene Zeuge worauf

( )
Drachen gestickt sind.—Chinesisch .. |jj i1 Yachlich. Schnupftuch , Schweiss-
Mang- lüng (1). tuch. — Tat. ^yjU yawluk.
.. fi^-^- Altun-luk. GoIdstofT. —Von altun, i.jinrji Chabtschuch. Sack, Tasche.
Gold. Tat. ^JLiyJt altunluk.
.. s ir Tscherk. Kurzes Unterkleid.
.. j-la-fc. re>i-6) Kukus-luk. Brustlatz. — Türkisch
■ |n4> vJAi-b Ziir/ /an. Pelzkleid. —Tat. cJLH
jj-^* , Brust ; und (j^Ljf^' Aff-
ttri-tun.
kusluk', zur Brust gehörig.
•• t^&t^ BiIbach. Hüftengurt. — Tatarisch
.. _j m M, jjpAi Chasch chour. Ein Gürtel mit dem
bilbowr.
kostbaren Steine ^a* ( Jade ) aus
gelegt. Von chasch , Jade und chour, .. v_^pti^j Tumacha bürke. Eine Art Mütze.
Gürtel. Siehe unten Jade. — Im Tatarischen bedeuten l$l~,j->
tumak und cIJ^j burük, Mütze.
. -j dp «j. |"»-tA. Altun chour. Ein goldener Gürtel.
, j, ; - y r. ^ | Yachan turuch. Weite Ermel, die
.. Rüschike. Vorhang. man aufkrampen kann.
.. -^icuÄ. Tschadir. Zelt. — Tatarisch ^>,^J Kisch tarl tun. Zobelpelz. —Tat.
dshadyr und tschatyr. oy cJLH (J^f kisch tcrl tun.

X. Von Gerätschaften und Meubeln.

„ |in i iv n Urnaük. Bettstelle. •• i-i-n-b Tar^. Fahne. — Dshagataisch


jjjjt ^a^; Tatarisch ji» thu. Wahr
Jf^/ra.Tisch. — Im Mongolischen
scheinlich stammt dieses Wort vom
sinke.
Chinesischen thü (2) ab , welches die
■• \H^i Changli. Wagen. — Beim Abul-
Hauptfahne der Armee bezeichnet.
ghasi ^Ö77Ä [jLojy 0f *CAJ;t]
•• j' " t' ^ Chalchan. Schild. — Tatar. ^Uil»
daher der Name des Stammes kank-
kalkan,
li. Tatarisch am Flusse Katscha
und bei den Kamaschen in Sibirien , .. Sa. Schloss , Vorhängeschloss. —
kanga Wagen. Vom Chinesischen so (3).

y v t.1b!j-^ Banting, Bank. — Mong. ' ~m i°\ t $ .. il A Yachschi. Schlüssel. — Tat.


bantang. al^)l ( atschkytsch ).
fin^iin b Tuchlucha. Helm, Sturmhaube. — ■■ v- |i j i b Tameha. Pettschaft. — Alt -Tata
Türk. thulgha. risch U«1- tamgha.
.. Llulom Chuyach. Panzer. — Tatarisch in •• ^jie^p^ Kusungu. Spiegel. — Tatar.
Kasan <C*f" küba ; in Tobolsk, Jeni- kusigu ( küsgu ).
seisk und Kusnezk, (j^j* kuyak;
Jakutisch kugach. .. eA9+^ Yilbiku. Fächer. — Tat. £j*^> yel-
bäutsch.
„ iaig Tschida. Lanze.—Tür. fo-> dshida.
„ ^dcu^pLy Kuschaiiri. Sonnenschirm.
.. v..vir.\g Bitschak. Messer. — Tatar. ^L-Jf.
petschak, und jIj? bi^ak; Türkisch .. Lila Tschich. Vorhang vor der Thür.
jjLc bitschak. •• Tscham. Schüssel.
•• v- i ■ Fd. Bogen. — Tat. Ij ^a. .. j^LAi Chaban. Teller.
0o&. Pfeil. — Tatar. ^j! aÄ. .. \lA^ Ayach. Schaale. —Tat. ^Ll ayak.

6
»
( )
> i \\ A Tschins. Eine Chinesischee Metze Tabingu. Schabracke.
ii
— Das Wort ist auch Chinesisch y- Lungaka. Flasche.—Mong. $i+yjt^_
sching (1J , eine Metze. lungku. Ist Chines. Ursprunges.
Kurl Ein Scheffel. — Tatar. tSjLj Sachu. Ein rundes und langes höl
fori. zernes Gefäss.
•• j 'j"^9 Batman. Eine Wage.
Nama. Sache.
.. Yingna. Nähenadel. — Tatar. *Jl Turiluk, Ein Stück.
in« ; Türk. *x£=»l ighne.
.■als iji uo-ilc Tschini thabchao. Ein Porcellan-
'V1 Chubing. Weingefüss. — Ist Chi gefäss.
nesischen Ursprungs.
„ ,. v ilnu Chading. Ein grossesWeingeschirr.
\>^$j^> Tabschi. Ein kleines Trinkge
Abtschama. Trinkgeschirr. — Ist
schirr.
Persischen Ursprungs ton ab ,
.. cid Itsch'itsch. Kochgeschirr. und dsham.
..oj^ar- Tschiiki. Chinesische Essstäbe. " On Chubur. Ein Hackebrett das mit
.. v iXax. Tschung. Eine Glocke. — Vom den Fingern gespielt wird.
Chinesischen tchüng (2). Altun abtschama. Ein goldenes
Fläschchen.
- >-.y.g>vlg) Kürbuk. Trommel.
Chasch abtschama. Ein Fläschchen
..^t»L /dlfr. Sattel. — Tat. jt^-jt (yar. von Jade.

XI. Von kostbaren Dingen.

jnrt ik Altun. Gold. — Tatarisch ujxjf als Chinesischer Stein _yu ( 3 ), be


altun. rühmt. — Mongolisch f-u* chas ;
Tatarisch f&j yeschtm.
.. j^ßj-Lg) Kümusch. Silber.—Tatarisch <j»yf
kSmUSck. .. Tcheku. Eine sehr grosse gewun
dene Seemuschelschaale , die für
\jiLbjl^ Ardini. Kostbarkeit , Kleinod. —
eine Kostbarkeit gehalten wird.
Dieses Wort hat sich noch im Mon
golischen O'^V erdeni erhalten. }i\pni ij, Chubich. Bernstein. Davon stammt
das Chinesische Wort chü-phe (4).
$r\\n, Untschu. Perl. — Tatarisch
intschu (indsü). - =J " t_g? B°l°r- Bergcrystall. Tatar. und
Türk. jjAj ^/ar.
.. Bachir. Kupfer. — Tatarisch
bakyr. „ jUjiloue. Tschabingir. Eine Art schlechten
Glases.
••^jnj i fe Temur. Eisen. — Tatarisch j-*1'
timir und temur. „ j, ij ^ Almas. Diamant. — Tatar. j-Uf
almas.
.. r^-n^, Schaschar. Achat.
ii ii .. ^oIe^. Natschiur. Lasurstein. — Tat. und
I. j irv Mardshan. Coralle. — Tat. Türk. Zjj^i ladshiurd.
mardshan.
.. ;jl^il^$l^ Sibsingir. Zinnober. —■ Türkisch
/p-fe Chasch tasck. Orientalische Jade, sindshefer.

(3)
^
( )
f±*> Tana. Perl aus dem östlichen ||
Yakut tasch. Rubin , Hyazinth. —
Ocean. — Mongolisch ^. ; Tatarisch oyl>juA'«r, Rubin; ,/U
Mandshuisch /-i-M». tana. tasch , Stein.

XII. Von Essen und Trinken.

.. jjvn^ Surma. Wein. -oui Yich. Roh, ungekocht. — Türk.


.. ^jf/i. Speise. (Gekochter Reis).—
Türkisch und Tatarisch js| asch. • Baschich. Gekocht, gar.

..OjW> 7«Ä/. Reis ohne Hülsen. .. JVy/VA.Dünn (von Flüssigkeiten).


— Tat. ylXüiAi schingk'an.
.. -jxa. Et. Fleisch. — Türk, of et.
.. jjjinm Chuyuch. Dick. — Tatarisch ^ j-»
•• frUl 7"^. Ohl. — Türk. t#U> ja^i.
Aayr ; Türkisch kuyu, und
Stammt wahrscheinlich vom Chi
nesischen yeü (1) ab.
.. ^p^V «ßrtlf, Sauer. ( Siehe oben Essig.)
.. Tus. Salz. — Tatar. j^i und j^-i
tus. . lt*xb ••^a^ Schur, tarcha. Salzig , gesalzen. —
Tatarisch ^j-a schür, Salzwasser,
- y^-t Lachscha. Weitzenmehl. Salzquell.
0^ J/rAf. Essig. — Tat. sscr'kä; .. ji Ü Talchan. Von Mehl gebacken.
Türk. ssirkeh.
.. jnln,, Utmäk. Brod. — Tatarisch cjLvt
•• y1- Tscha. Thee. —Tatarisch cjl». £<h

., jji^>l^ Schikussun. Ruheplätze auf den


■ •—&-°*{r Schurba. Brühe. — Tatarisch *jjy> •. " Landstrassen ; Gasthäuser.

schurba, Fischsuppe. (Russisch yxa.) .. UU$lx Tschibian. Leckerbissen.

XIII. LlTTERATÜH.

.. <>-2_; Nom. Ein heiliges Buch. — Chine me-che \3), Dintenschwärze.—Mon


sisch king (2). Ist im Mongol. golisch {\y>$ beke ; Mandshuisch
nom aufbehalten. ^^9 beche.
.. odjsA$ Bidik. Ein Buch. — Im Mongol. .. •bJ-fc^ Kilam. Schreibkiel. —Tatarisch
u^Ad bitschik ; Mandsh. ^JJ-a\9 kaläm.
bitchc. Das Russische nnuiy , ich •• '-^ LO-^ Afekelik,TintenfasSf von m^fTinte
schreibe, stammt vielleicht von der
mit derTatarischen Ableitungssylbe
selben Wurzel.
tiU //*,
., jj.Uran.fc, 7"ubtschian. Ein historisches Werk,
., v-ilaa^ Bidik. Litteratur. ( Siehe oben
Geschichtsbuch.
Buch.)
•• ^r1^ Tschachsi. Schrift.
.. v Mn^q) Büluk. Styl.
•• *i Chachd. Papier, — Türkisch ojAf
y iLo^JLQBuAg Bildurguluk. Eine Proclamation.—
kjaghid ; Tatar. kaghads. Türkisch cU>j-L bildürmek, anzei
••--^Uj Meke. Tinte; vom Chinesischen gen, offenbaren, ausrufen.

(i) y\q . p)»k*3i


( »i )
i Yadich. Kaiserlicher Befehl. — Tatarischen ukuimen, ich
Daher das Mongolische | i>p ■> yar- lese ; Türk. ü*j*J< okumak, lesen.
lik, Befehl ; und das Russische Wort vlrvA9l uschik. Ein Schreiber. —
epAbikh , welches Diplom , Befehl , •• Türk. (y*js>. yasmak, schreiben.
öffentliche Bekanntmachung be - * " v_iL^t*^9) Bidik nincryaraschdurub. EinSchrift-
deutet.
steller. — Türk. ^_t£ljlj yarasch-
' odcü^ Bidik nincr yuruki. Deutlichkeit und
mak, geschickt seyn.
Annehmlichkeit des Styles einer it 1 n 1! i
m Sachurd bidik. Wörterverzeichniss
Schrift. — JVing ist die Tatarische
für Anfänger. —Vielleicht mit dem
Genitivsylbe tjU*j ning, und Jjjjlj
Türkischen ijiaU schagird, ein An
yaruk, bedeutet hell, klar.
fänger, verwandt.
f"-^1-n^ Tungkul bidik. Tafel mit einer An-
Bidik achtardy. Ubersetzung.
zeige. -C< n Li i vi Sachurd bidik uchi. Ein Schüler der
„ ^yiLn. v An,\Q Bidik uchi. Ein Bücherleser. — Im die Anfangsgründe lernet.

XIV. Weltgegenden und Lage.

Ündun. Osten. (Vorwärts.) ,. M^yrl Itschkeri. Innen. — Türkisch »


Kedin. Westen. itschre , ^ itsch.
, j nr» i\ q) Kündun. Süden. (Sonnenwärts. ) .. v>Ju_ü_yjL}> Taschchari. Aussen. — Türkisch
Lla II i.b Tachdin. Norden. (Bergwärts.) *jjJe thaschra.

Sul. Links. — Tat. Jj~ sul. .. psJl^jjL^ Arassinde. Zwischen. — Tatarisch,

Ung. Rechts. — Tat. ung. Türkisch und Dshagatai'sch eu-fjf


arassinde.
Tabuchinda. Vorn , vor.
^nvln bi . , , _. . _
Songira. Hinten , nach. — Türk. \ Tort bulung-. Die vier Ecken.
•J&> songra ; Tat. eil*— sung. . \^Hj *n ü 1c b T'örr jar/'. Die vier Seiten , Vier
Usdun. Oben. — Tat. ^y^Justun. eck.

Eidin. Unten. — Türk. csH alt, , |-M>ij-1 (A>H/ »$■Mif yangach. Die acht Seiten.
• ouk-Jt altinde, unter. ( Siehe Wange.)

XV. Von den Farben.

« ^ Ää*. Blau. — Tat. d/* YaschiI.Grün.—Tat. ^^.yaschil.


" j^-Mr Sarich. Gelb. — Tat. j;jL sari, Schibkin. Violet.
^>L" saryg. Sidam. Einfach, glatt, vom Zeuge
.. ^^Ai A^jy/. Roth. — Tatarisch Jj-» gebräuchlich.
kysyl. Ala. Fleckig, geblühmt. — Tatar.
Vt ala.
., [yisixA Yurung. Weiss, hell. — Tat. üjjK>.
yaruk, hell. Tschiibschik. Pfirsichblüthfarben.
H
. ii . i ii Scham scha unluk. Dunkelblau und
„■ -j 1 1± Chara. Schwarz. — Tatarisch \j^>
taubenhälsig. (Blitzblau, Chinesisch
kard.
schdn-sse) (1).
AI. Hellroth. — Tatarisch jf dl.
( Russisch aAwfi. )

„ ^^jixl Yangkari. Indigo-farbig. iL M


( *5 )
■■^J ü i r ^Ajlx- Tschikil tschakil. Glänzend von
Tatarisch g.^-* <JLj tal ning
Farbe. — Farbe , Tatar. JrJ^a w£/- saryk.
hil. Tal ningkük. Weidenblau, dunkele
y v invn^j Ssuchun ningyurung. Zwiebelfarbe, Farbe der Weiden. — Tatarisch
dj/ciLo Jb tal ning kük.
^üjju^l nm& saric^' Weidengelb. — -Vnt-' ,"■ Unluk. Gesichtsfarbe, Ansehn.

XVI. Von den Zahlen.

Bir, Eins. — Tat. >j •• Y~ fXy-^t Sekis on. Achtzig , d. i. achtmal


/Äi. Zwey. — Tat. zehn.

h clo. Utsch. Drey. — Tat. ^jt uWfA. .. |n. j n li n b Tochus on. Neunzig, d. i. neun
mal zehn.
Tür/. Vier. — Tat. ojy-> ^orf.
.. fjA Yus. Hundert. — Tat. jyj yus.
Bisch. Fünf. — Tat. jjij bisch,

Alty. Sechs. — Tat. fJÜ\ alti. • Afing. Tausend. — Tat. csL**-»


ming.
Yidi. Sieben. — Tat. ^ ytti.
>• j'j^b Tumen, Zehntausend. —Tatarisch
Sekis. Acht. — Tatarisch jf~
yUjj" tuman.
sikis.
•• O-^te* Kuldy. Hunderttausend.
m ) n ii n,b Tochus. Neun. —Tat. tokos.
.. ajois Niüt. Eine Million.
H La. On. Zehn. — Tat. (jjt on.
•• r^x^ly Sidir. Beyde , ein Paar.
Bir on. Einmal zehn. — Tatarisch
üj' ji bir on. •• jJ~iJA*9 Batman. Ein Chinesisches Pfund.
— Tat. L>Jaj bathman.
Igirmi. Zwanzig. — Tatar. (jj£>.
igirmi. •• j^f Sanin. Zahl.

Otus. Dreyssig. — Tatarisch j-^v Natscha. Wieviel! — Tatarisch


utus. nitschä ( ni^ä ).
Chirch. Vierzig. — Tat. gj» kryk. .. ;ji-iM9 Bachyr. Kupfermünze. — Tatar.

El/ik. Fünfzig. — Tatarisch Jl>l bakyr , Kupfer.


U/je. .. ja. Natscha on. Wieviel zehner !

Altmisch. Sechzig. — Tatar. ^pftJt .. fnl ^ Natscha yus. Wieviel hunderte !


altmysch.
|.n y li a^nJu-iJuL^ Sanachuluchsus. Unzählbar. —
Yitmisch. Siebenzig. — Tat. ^sä» Türkisch ^L> sdi , die Zahl ;
itmysch. saimak, zählen.

XVII. Von Menschlichen Dingen (1).

•■ J=A>m^ Sawintsch. Freude. — Tatar. £y •o ' Chaichu. Traurigkeit. — Tatarisch


suüntsch; Türkisch semnmek, j**» kaighu.
sich freuen. •' ^y^ts Mangi. Freuden bezeigung.
. n ij 1 r Tschimad. Zorn. H i^n-^ Buschusch. Hass.

(1) Da die Bedeutungen vieler Wörter in diesem Abschnitte ziemlich unbestimmt sind, so habe ich es für dienlich gehalten in den
Vergleichungen nicht zu weit zu gehen.
( 26
)
..wjj^-s. Amkc. Schmerz. - 1 ^ i il^9 Bis'cha'inlab. Falsch.

.. vynaA Yuri. Das Gehen. — Tatar, und n\ ü\\ Yichib. Annehmen.


Türk, jyi yur, gehe! ,. v_nax»£ji Chudub. Abschlagen.

.. |>1 1 m n b Turayin. Das Bleiben. •• Telim. Viel. — Türk. fJi delim.

„ ^n^n Ulur. Das Sitzen. — Tat. o"*Ur4j' •• As. "Wenig. — Tat. und Tür. jf as.
ulturamen, ich sitze. •• Berke. Schwer , schwierig. —Türk,
.. -äxI y^/. Das Liegen. — Tatar. ^Ij'L» dji berk ; Tat. <&>ji berik , fest.
yatamtn, ich liege. „ \x>io- Ungäi. Leicht.—Tat. l5^j' ungal.
. . o i (_n>^io- Übkelab. Das Zürnen. — Türk. „ . nMn Utschib. Vorstellung an den Kaiser.
*5^l öäjV, Zorn.
,.v_|Jc Immer.
.> t_''j ^ Yamanlab. Etwas entsetzliches. —
..v-vnrMg Baduk. Gross. —Tat. csL^j
Tat. yaman , böse , schlecht.

•• £*e> JTä/. Das Lachen. — Tat. .. -. *1r\j Kitschik. Klein. — Tatarisch und
Türk. <j£ ki^k (kitschik).
külämen, ich lache.

nt ^;;ni| Sichtab, yich/ab. Das weinen. — .. oubu^j Taring. Tief.—Tatar. ol*-1' »'
Tat. o"t*,^»Ti yeglaimin, ich weine. Türk, ■> denn.

..>-abji^ Sekrib. Das Springen. — Tatar. ,. H-^t^1 Yalbach. Seicht.


^fj^L sikiramen, ich springe. .. > n i v3 1 b Tebrab. Bewegung. — Türkisch
..\>ftJi© Buchdy. Das Tanzen. — Tat. jsj*j tA*Lrt* deprctmtk, bewegen.

biowje , ein Tänzer. " nn^^-XAy JV^kä Ruhe.

„ Yukun. Das Grüssen. .. pj-b 7ar/. Umgekehrt, krumm.—Tür


kisch (j>jJ urs.
.. ■. sVir Tschük, Das Kniebeugen.
.. oil^ Kiini. Gerade.
.. -sl^l Jschit. Das Hören. —Tat. ^Uaäjt
H
ischitarnen , ich höre. }±±ii Chalyn. Dick. —Tat. qJÜ kalun.

„ \ >v>m1q) Kürub. Das Sehen. — Tat. o^U**" „ s_ ^iai Yucha, Dünn. — Tat. yucha.
küramen, ich sehe.
.. jj-yA. £/x«n. Lang. — Tat. ^xii/r.
\tyjijJ Yachschi. Schön. — Tatar. ^jii
it .. yt i ;i y1 ^ Chis'chach. Kurz. —Tatarisch *ä-j

.. jj-j-J Yaman. Schlecht. —Tatarisch oW:


.. }i ijn Umach. Familienname.
yaman.
.. v>«^ Name. — Türk. 2>\ ad.
• •• s^s Bar, irki. Das Haben , Seyn. —Ta
tarisch jL> bar, es ist, er hat, und .. }i ij i ^ Chamach. Alle.—Persisch und Ta
iS^jA irdi , es ist. tarisch O» hemmeh.
•• f 1 'J ^ Yamach. Angenäht. — Türk. ^
.. flA Yoch. Nicht. — Tatar. und Türk.
äf.yok.
^ -~^| Tängri ürdunmesch. Der Schutz des
•• :J "-n, JE/w. Ja , es ist.
Himmels.—Tatarisch c£>k-> tängri,
•• h^t^ Armas. Es ist nicht. Himmel ; Türk. ciL*=jjl örttnek oder
iirtmek bedecken.
- )'" L'1 Yalchan. Leer. — Tatarisch 0UJL.
yalghan, unwahr, erlogen. SP* }7r gündurmesch. Das Wiederzu
rückgeben der Erde. — Türk. >>
.. tUy Machat. Fes t , wahrhaft.
jrw, Erde ; fji^jjj~^f gündürmisch,
sAj^V'J ^ Amasinkir. Vahr. war zurückgeschickt wird.
( *7 )
•• |a^tnr»t\g Bildursun. Eine Anzeige, Bekannt .. jxty^ Asda. Verringeren , aufhören. —
machung. — Türk. <Aaj,}L bildiir- Tat. j\ as , wenig.
mtk, bekanntmachen.
.. \^mnlg) Bütdy. Vollendung, Ende einer
/f ' jvnwi i \ rA Intschlandurmesch. Beruhigen, ver Sache.
söhnen. —Türk. tsUvÄjt indshitmek,
.. LLia^ ^ AI aldach. Unzucht treiben.
anreitzen.
^* i. ! Tscharik ni tablab. Seine Unter- .. ■ nn y n m, Chuschulub. Vermischt.
M
thanen liehen. .. |o^n,»j i \ Dschabdusun. Vorbereitung , Be
v>i LLqv reitung.
.. > "■*1y~J H kün ni assirab. Mitleiden mit
dem Volke empfinden. ^'"^1 Y ichin chuwarach. Sammeln, ver-
N Li I V K^D-iX, ( . .
' einigen.
.. e>Äj-K} Kessatku. Ein Verbot.
.. oajlg Bikri. Bald.
.. frlLufclyjMl Kuschilachu. Examen , Prüfung.
.' " 1 Yaldandy tschdiladi. Ausweichen,
■■> ttxJIxoia^ Suyurchab. Belohnung. ' L ' LI.L
ablehnen.
ojs^As 0^ 7*y i/nfi. Ein Gastmahl.
•• P±*^ 'y-&z- Tschoch yalin. Sehr streng. —Tür
'"^■J j^5! Birla atnirach boldy. Mit einander kisch jj». tschok, viel und y*JLj
verbunden seyn. //'/* , nackt. •

»jnnji jj b Tiläbdur. Eine Bitte. — Tatarisch ,. s-olily^ Basinib. Unterdrückung.


ft'/äwr oder JAi' tilak.
.. \>küAji. Tschichdi. Schwer, beschwerlich.
■ aj Baschlab. Ein Führer, Anführer.
}' LCj^Lv Ussul simdach. Ein Fauler.
— Von (jiW ta/r^ , Kopf, Haupt.
r^Vl j&r ir/ surubdur. Mit Worten fra-
„ v nV.v i b Tartib. Abgabe, Tribut. — Türk.
gen , Frage. — Tatarisch jy» süs,
cj^rj angeordnet, Anord
Wort ; Türkisch j^jj-^» sormak ,
nung.
fragen.
„iajlii /nyar, Hoffnung. —Tatar. cMUjt
inany^/y, getrost, hoffend. |j „^U^ | Süs ni yanib yidibdur. Eine münd
liche Antwort.
„ n ■ L» uJ^i Ischchatachlab. Geschäfte besorgen,
., j-LoÄa f i \$ i b Tabik uduk. Verehrung.
0^ H^j-'-fei Tamcha ni chatachlaku. Siegelbe- oe - Churchub imanib. Furcht. —Türk,
•• a" 1 L ^'wahrer. (Siehe oben tamcha.)
jäjj» korku , Furcht.
- nUirul) yim7-£ j^/^. Die Gebräuche in
Ehren halten. — Tat. (yrp^- sak- ..-^j yLtJ-b Talasch der.Mil einander streiten.
laiman , ich bewahre ; Türk, „ Ltln Uyan. Spiel. —■ Tatarisch y^-jjt
saklamak, erhalten.

il Yumschab. Ein Abgesendeter. .. Indi. Suchen des Verlohreren.


^^"^-p^ffij Türua ma yassach ni. Die Regeln •• jAyxi Ki/Jön Mtf. Vernunft. •— Türkisch
vK I i Zuständigkeit. — Türk,
cfUj bilmek, verstehen.
yassak, Verbot.
., -- $b Tua.Verwünschung.—Findet sich
••^«idj |±c Tschin girdu. Aufrichtigkeit,Treue. im Mandshuischen Worte j nn b
.. ^ i Ii i jJLxl Iris chachas. Muthig , grossmü- toombi , wieder.
thig. .. 14 m jolp Buyan, chol. Glück, Glückszufall.
0-i J01*^) Budunni yassab. Körperliche Ent- — Mongof. buyan.
^'haltsamkeit. (S. oben jlr^S. 19.)
t&*®\ Kunkul ttkurub. Mit Eifer etwas
..v nnvp>j^b
..OLü^aoilyi Isik uschung. Das Leben. treiben.
( '8 )
jin |x1a±^ Sadich yuluch. Handel und "Wan .. ■ nliLue Basch tschachib. Den Kopf neigen ,
del. — Tatar. jjL. satu, Handel. d. i. sich unterwerfen.
„ -j i ü 1 r Tschachur. Vorstellung beym Kai
.. Angid. Sich beim Grüssen bücken
und die Hände bis zur Erde stre ser.
cken. ^mn^j Kürian turdy. Das Lager abbre
chen. — Mongolisch ^- /curia,
..\yay\ fctr ^9 Bäsch tschalisdy. Das Kheü-theu
und J 1 v'v n \t. kurian ( kuran ) , ein
machen , mit der Stirn die Erde be
Lager.— Offenbar gehört das Tür
rühren. — Türkisch jiLj basch,
kische Wort frjjä kurmak , ein
Kopf; (jlU. tschßlmak, werfen, nie
Lager aufschlagen , zu derselben
derwerfen.
Wurzel. —Türkisch tiL.^ durmek ,
„ yjÄiia Uyady. Lob. —Türk. d^I ogmtk, zusammen falten.
loben. ..^Ä^a^j Küriä" tuschdy. Das Lager auf-
.. Irindy. Tadel. schlagen.

* v n 1 it_V)i^ Yingillab. Schlechte und unhöfliche .. > nw»n Udub kel. Jemanden kommen las

Behandlung. sen.
„OJäk-^-ö-mp- Usad bardy. Abgehen.
.. pnihv ^ Ariyady. Verachtung.
jV'."^| Taorach barkin. Schnell abgehen,
„OLaa^ji^ 'Kengkeschduk. Beratschlagung.
entheiien. — Tatarisch j—*—* tis ;
•• Assich tüssu. Gewinn, Nutzen. — oder (jjfjj-fr» tisrak, schnell; Jaku
Tatar. f>y>y tuschum ; Mongolisch tisch turgän.
j-yj-to. tusa; Mandsh. /AV°Jw tusa- . UllW Taorach kclkin. Schnell kommen.

UIGURISCHE SCHREIBEN

AN DIE

CHINESISCHEN KAISER

DER DYNASTIE MING.

Erstes Schreiben.
( »9 )

Zweytes Schreiben.

II / II '

> nlrln v>^ $ v, *< t] i v 5 > ntii.Vnlciy OUa. $ "'intl il w <k"v f ' '

♦> ^J" tJ\9 j ^ 0"^


Drittes Schreiben.
$ j=li \>V^b \y-Li' j-^i $ sH-b ' v ?^ Tnjij ycj^ jn ■ n ^ v.nlr In ^_ ~j 1 ii i ^ >, v Ln ,511041

11 ii ••

jnll l'ngi.b ja. |x^i j>jn 1 b 0*=. S ' n'VJ"^ '^-f^ "-*-HH0

Erstes Schreiben.

Der von der Fläche (Wange ) des Landes Chamul gekommene (l). Gesandte Baba-ke
und die übrigen (2).
Beugen vor dem erhabenen Kaiser den Kopf bis zur Erde nieder. Das Land dieser
Sclaven wird vom Winde erkältet , der Boden ist frostig und erzeugt keine seltene Dinge.
Der abgeordnete Gesandte und Diener bringt daher nur als Tribut acht Stück (3) der Ar-
chumach genannten Pferde, und dreyssig Gemsenhörner (4).
Der himmlische und erhabene Kaiser wird er dieses gnadenvoll (5) aufnehmen?

(1) Hier ist das Chinesische Wort j^/ . * tchay , welches gesendet bedeutet, beybehaken worden; so dass im
Uigurischen ' n ■ [\j \>L£- der gesendet gekommene Gesandte steht.

(2) Das Uigurische Wort }^-t^9 baschlich entspricht dem Chinesischen — •" ting, welches Rang, Ordnung,
Art, gleiche Gattung, die übrigen derselben Gattung, bezeichnet. Es ist nicht mit dem Türkisch -Tatarischen
^JUL baschlyk, Oberhaupt, zu verwechseln; aber wohl mit ■üläL baschka ( anderes ), verwandt.

(3) Hier ist wieder das Chinesische Wort phy beybehalten , als Zählwort, von Pferden und anderem
Lastvieh. Ii
(4) Das Chinesische Zählwort tchy ( Ruthe), das bei langen Sachen, wie Kerzen, Pinseln, Rudern,
u. s. w. gebraucht wird, ist hier ins Uigurische durch fr*\p^r tschibich ( Ruthe ) übersetzt.

(5) Hier ist der Chinesische Ausdruck ^[*j>t| '1^5^- Liän-mm ( j-'-fc: lan-min ), gnadenvoll , beybe
halten.
( 3o )

Wir bitten demuthsvoll um ein wohlthätiges Geschenk.


Der heilige Befehl « es sey befohlen » (l).

Zweytes Schreiben.

Der von der Fläche ( Wange ) des Landes Chamul abgeordnete Gesandte Baba-ke be
zeigt seine Ehrfurcht, und erhebt sein Antlitz zu dein überströhrrtenden Glücke Ew.
Majestät. Dieser Sclave ist zur Residenz (2) gekommen um Tribut zu bringen, und
wünscht sehr zurück zu kehren. Er bittet um Stoffe zu Brustlätzen und kurzen Kleidern ,
um Stücke von blauem, grünem und rothem baumwollenem Zeuge und andere ähn
liche Dinge ; und übergiebt solcher Wohlthat wegen diese Bittschrift.
Der heilige Befehl « es sey befohlen » .

Drittes Schreiben.

Sachara, der König (3) Von Chötscho (4), stellt dieses dem Kaiser vor. Seit einigen
Jahren war unser Land nicht ruhig, weshalb keine Gesandschaft zur Residenz geschickt
werden konnte, um Ew. Majestät Tribut zu bringen. Jetzt da die Ruhe im Lande wieder
hergestellt ist, erhebe ich mein Haupt mit Zutrauen zu Ew. Majestät überströhmenden
Glücke, welches die Völker des Weltalls in Frieden erhält ; und ich Sachara sende sechs
Stück Pferde, und ein Stück des Steines Chasch (5), welches fünf Pfunde wiegt, durch
den jetzt abgeschickten Gesandten dem Teumu (6), der beauftragt ist den für die Gegen
wart des Kaisers bestimmten Tribut zur Residenz zu bringen; welches ich hiermit anzeige.
Der heilige Befehl « es sey befohlen » .

Ich gehe nun auf das historische was wir über die Uiguren

wissen über , und fange mit folgender Stelle an , die ich aus :

t^jUlt y\ Abulghasi Balladur Chans , lJyJs^i <J5T oder

Stammbaum der Türkischen Völkerschaften entlehne. ( Seite l\i

recto der Handschrift der Königlichen Bibliothek zu Berlin. )

(1) Chinesisch ^j^f dschy-tao , ich weis» es , ich bin unterrichtet ; Uigurisch r^n-fc^$ } ^ \? t.\ yarlich
b'dur , es sey befohlen , sind die Worte mit welchen der Kaiser befehligt und bestättiget ; wie das Russische 6bimb
no ceaiy, es sey also.
- » -
(2) Das Chinesische King, Residenz, ist hier ebenfalls gebraucht; >—^-iij & \>yoA> kingschy u hing.

(3) Im Uigurischen - vin Ung, König, stammt vom Chinesischen ~f~ Wang ab ; daher Umcan [ Ung-chanJ',
beym Marco Polo und anderen Reisenden des Mittelalters.

(4) Im Chinesischen jJ^^Chb-dscheü ,- Name einer ehemaligen Stadt, 1070 Ly in Weiten von Chamul.

(5) Chinesisch YS, die orientalische Jade.

(6) Ist das Chinesische Wort JL^Theu-mü, Chef, Aufseher.


( 3. )

y A^yJ Ji' üöö' c^-äd^J (3^. J^^-b y^ jj*~2r>J

J^j.'y ^ *4ki Sz^Jj. j^^^v^ l5^W oiy

<^jy <sß^j.Ji>& vjyjr-U 4^ ^y.

(l) Beigeschriebene Variante (jU/J-jlJ/' .


( 30

tsj Jk J^jH j.sJ0^ cM1 ^% ^£=>\ ^ <ri)\ S5<r lt^.

^J^y} j3jr> j ^Is^jj. ^yj *7>jt3 ^0?}\

cäI?^1 c^k!j-kyJ u^&if■ <3 ur^j^^Jj^^r^j

vjr?/ ^o^J-^-*: '4*. cßj. lsJ^ ^yi^ to^.

* (S-^J^J*^ t^M?

« Die Bedeutung von Uigur ist y^j/ oder zusammenhängend;

» denn wenn die Milch sauer wird , so sondert sich daraus

» etwas zusammengeronnenes ab, welches so genannt wird (i).

(l) Diese Stelle fehlt in beyden Ubersetzungen von Abulghasi's Buche. — Im Tür
kischen haben sich noch die Zeitwörter ^jU^jj joghurlamak , und <ir>»jj joghurtmak, er
halten, die vom Zusammenlaufen der Milch gebraucht werden ; und oder
( 33 )

» Im Lande der JVlogul sollen sich zwey Berge befinden, die

» sich vom Aufgange der Sonne bis zu ihrem Untergang er-

» strecken, und unendlich grosse Gebirge sind. Der eine heisst

» Tukra-tubusluk und der andere Uskun-luk-Tigram. Zwischen

» diesen beyden Gebirgen , dem Lande der Mogul in Westen

» ist noch ein anderer Berg Namens Kut-tagh. Zwischen diesen

» zusammenhängenden Gebirgen , finden sich auf der einen

» Seite jehn Flüsse (i), und auf der anderen neun, die alle sehr

» gross sind. Ehemals wohnte das Volk der Uigur zwischen

» denselben. Diejenigen, welche an den zehn Flüssen wohnten,

»wurden On- Uigur, und die an den neun , Tokus -Uigur

» genannt. Sie hatten Städte und Dörfer, trieben Ackerbau

» und waren hundert und zwanzig Familien (2) stark ; aber nie-

» mand war ihr König , oder besonders angesehen. Daher ge-

» riethen sie auch bald in Uneinigkeit. Als einstmals ein Theil

» von ihnen versammelt war, um sich zu berathschlagen , sagten

» sie : Beide Haufen unseres Volkes sollten sich jeder einen

» Richter wählen , und wer seinen Worten widerstrebte , der

» müsste mit dem Tode bestraft werden, und Habe und Gut

» verlieren. Darauf erhoben die On- Uigur aus ihrem Ge

ro schlechte den Eiden Alangutati zum Chan , und gaben ihm

» den Namen Il-Iltar , die Tokus -Uigur aber erwählten einen

» aus dem ihrigen, denn sie Kuklü [ Kull-irkiny J nannten. Die

» Nachkommen beider verwalteten fast hundert Jahre lang das

» Richteramt, und herrschten über die Uigur. Alle Richter bei

» den On- Uigur hiessen Il-Iltar, die bei den Tokus- Uigur aber

» Kuklü. Die Namen dieser Richter dauerten viele Jahre lang,

joghurd, bedeutet dort und in anderen Dialecten saure Milch, woraus Busbek Jugurtha
gemacht hat.
(1) Im Original fast beständig, nach einer Dialekt -Verschiedenheit, csL say, für
t^U. tschay.

(2) jjjyl Uruk ist mit dem Türkischen <*jU> Thäifa gleichbedeutend. Im Kasanisch-
Tatarischen wird dieses "Wort £jjjf Urugh oder jjjl Uruw geschrieben.
9
( 34 )

55 worauf sie endlich unter einem vereinigt wurden , der den

» Beinamen Idikut erhielt. So lebten sie dreihundert Jahre (i)

» vereint in diesen Wohnplätzen , bis eindlich eine grosse Un-

» einigkeit unter ihnen entstandt , worauf sie sich trennten , ein

>5 Theii gefangen ward , ein anderer im Lande wohnen blieb ,

» und noch ein anderer sich an den FIuss Irtisch begab. Ein

» Haufe des letzteren wandte sich nach der Stadt Bisch (2) und

>3 trieb Ackerbau. Ein anderer hielt Pferde (3) und Schaafe , und

35 lebte in der Nachbarschaft von Bisch-balik zerstreut. Endlich,

33 Wieder ein anderer setze sich unten am Irtisch fest, und hatte

55 keine Reichthümer noch Viehzucht, sondern fing Fische, Biber,

35 Zobel, Marder (4-) und Eichhörner. Dass Fleisch assen sie,

33 die FeHe aber brauchten sie zur Kleidung, denn sie hatten

x> hie einen gewebten Stoff gesehen. Die Mütter, wenn sie ihre

35 Töchter verheiratheten, sprachen : Wollte Gott, du mögest

33 Pferde und Schaafe halten , Fleisch und Hemden tragen ; ein

33 Tuch um den Kopf winden und so gehen !

» Zur Zeit des Tschingis-chan war Bawertschik der Kut [Idikut]

» dieses Volkes. Tschingis-chan berief ihn zu sich und fordete

55 von ihm einen järhlichen Tribut; und als er gegen Alawar-

55 ainähar zog , stiess Bawertschik- Idikut mit seinem Heere zu

33 ihm, und feistete güte Dienste. — Unter dem Volke der Uigur

55 sind viele Leute, welche die Türkische Sprache lesen können,

» und als Schreiber und als Rechnungsführer in den Kanzeleyen

5> gut zu brauchen sind. Zur Zeit der Urenkel des Tschingis-chan,

(1) In Messerschmidts und in der Französischen Übersetzung steht dreytausend, in Ori


ginale aber jß j-jl, d, i. dreihundert.

(2) Hier im Texte j^a jui Bisch-scheher , und weiter unten Bisch-balik , welches
dasselbe bedeutet, Bisch-balik War eine Stadt in Turkestan , deren Naser-eddin und Ulug-
beg erwähnen.

(3) ji» Yelki ist bey den Sibirischen Tataren das gewöhnliche Wort für Pferd, und
wird eben so häufig als J»l ath gebraucht. Die Tschatzkischen Tataren sagen Dshilgy ,
und die Jakuten am Eismeere Sylgy.

(4) J~*y Zuxpr. Im Kasanisch -Tatarischen zussar.


( 35 )

» die in JVlawaralnahar , Chorassan und Irak regierten, waren ein

» Theil der Geheimschreiberund Rechnungsführer Iguren, so wie

» auch im Lande Chathai; und bei allen Söhnen Tschingis-chan 's ,

» waren die Buchhalter und Rechnungsführer aus dem Volke

» der Uigur. Der vom Tschingis-chan als Nachfolger erwählte

x> Sohn Ogodai-chan übergab dem Uigur Korgos die Provinzen

» Chorassan , JVlasanderan und Gilan. Er war ein guter Rechner,

» und schickte jährlich drei bis vier tausende Geldes dem

» Ogodai-chan. »

An einer anderen Stelle wiederholt Abulghasi (i) die Erklä

rung des Namens Uigur, im dem es sagt :

WjyJ c/j> cM* jk^r <^yJ j\ßcy^^ vi ^-^^J &t>cPj

« Die jüngeren Brüder des Kara-chan hatten viele Söhne,

» welche alle den Kara-chan verliessen und zum Oghus-chan

» übergingen. Oghus-chan legte ihnen den Namen Uigur [ An-

» hänger ] bei ; denn aus der Türkischen Sprache ist seine

» Bedeutung bekannt. Er bedeutet , sagt man , was anhängt

» [ anklebt ]. Die Milch gerinnt und bei der Scheidung sondert

» sich eins vom andern ab , nachdem es sich aber wieder ge-

» mengt hat , so hängt eins an das andere. Sie sprachen darauf,

» wir folgen der Imam ( unter Imam wird hier Oghus-chan

(l) Ich habe nicht nöthig zu bemerken dass alle diese Stetten, sowohl in der Fran
zösischen Ubersetzung von Abulghasi's Werk, als auch in der Deutschen von Messer
schmidt, ganz verstellt und unvollständig wiedergegeben sind.
(36)

» verstanden ) ; wer Imam ist der ists , wenn er spricht stehet

» auf, so heissen wir uns aufstehen ( d. i. wir gehen in den Krieg,

35 sobald er es befiehlt ) . Seine Anhänger also vereinigt kamen

33 und ergriffen den Saum des Oghus-chan und leisteten ihm die

33 Huldigung. So endigten die Anhänger. »

Was Abulghasi über die Uiguren sagt, ist nichts als ein etwas

veränderter Auszug aus Raschid-eddin s ^^lyJt ^,L. oder

allgemeinen Geschichte. Da sich aber bei dem letzten Schrift

steller mehrere Umstände finden die bei jenem fehlen , so lasse

ich hier sein Persisches Original , aus den beiden Hand

schriften der Königlichen Bibliothek zu Paris verglichen , mit

der Ubersetzung folgen.

p»\ c<J >Ju j ^ji-J ^ v-!Jy tib LÜ Jä. j pL^^I

(J-Z^j y»!»^ J^M *r^*~^ <^t*t^->c^* ^su-l^ cJ1? tX^"t» O^0^ (J-^J^

lyLijl c-cu*, JtXj j CX1J tXl J^ai^ (^-^ O^Af' J1*^ ^^L^f^J"?

J> cX^* ^ Jlytjl C>U cXi, JtyJ J, Ulk*

Jtyl pJuiU pl^it Ju^a ^ Jl^ ö^X^^I W, J^U 0Ll>l


( 37 )

.Ddbffl ^ ^jl) £>Joj~<\ c?ßj> ofyj ojjy.

Ulysjpj ^t/j U3^^; pi?*' fk" f<>*L>*J ^^-ky

p* &^ p9" ^ 6 o^-5'

10
( 38 )

Jj^'^J ^ O^-jÄ" ^.3^^ J^J^'j L

0 cX ^1 ^-JL ^^vj
(39)

« Wie schon zu Anfange dieses Werkes erwähnt worden ist ,

» so war Oghus-chan , der Sohn des Qara-chan, des Sohnes

» Deneb-baqui [ Dib-baqui ], des Sohnes Abuldsheh-chan , des

» Sohnes Noahh des Propheten, über dem Seegen sei. Er lebte,

» da er rechtgläubig war, in Feindschaft mit seinen Oheimen,

» Brüdern und Brüdersöhnen , und führte Krieg mit ihnen. Aber

» ein Theil derselben leistete ihm Hülfe , so dass die übrigen

» überwunden und ihre Länder erobert wurden. Darauf hielt

» Oghus-chan eine grosse Versammlung , in welcher er seine Ver-

» wandten , Heerführer und Krieger belohnte , und dem Stamme

» derer die ihm beigestanden hatten, den Namen Uigur beilegte,

» welcher in der Türkischen Sprache verbunden sein (i) und Hülfe

» leisten bedeutet. Dieser Name ging endlich auf ihr ganzes Ge-

» schlecht, auf ihre Familien und Nachkommen über. Obgleich

» ein Theil derselben aus anderen Ursachen andere Beinamen

» erhielt, wie die Qarluq, Qaladsch, Qibtschaq, u. s. w. so blieb

r> ihnen doch im Allgemeinen der Name Uigur ; und es sind

» also die Uigur als ihre Nachkommen anzusehen. Da aber diese

» Stämme lange Zeit hindurch getrennt blieben , und die Ge-

» schlechter besondere Namen erhielten , oder sich vertheilten ,

» so sind diese uns unbekannt geblieben. Es ist indessen unwider-

» sprechlich, dass ihr erster Ursprung von den Türken herzu-

» leiten ist, und als solche gehört ihre Geschichte in die der

35 Nachkommen des Oghus. Da sie von demselben Stamme mit

» den Türken sind , so ist er nöthig das zu wiederholen , was

» die Uiguren selbst davon erzählen; und am Ende ihrer Ge-

55 schichte, werde ich Nachricht von ihren Begebenheiten und

» ihren Gebräuchen geben, so wie beides in ihren eigenen

55 Büchern aufgezeichnet ist. Ihre ausführliche Geschichte wird

» in dem Anhange zu dieser vortrefflichen Chronik beschrieben

(l) Herr L. Langles hat in einer anderen Stelle des Raschid- eddin, die im zweiten
Bande der Recherches asiatiques ( S. 63 in der Note ), abdruckt ist, für ck—^-j
gelesen; welches einen unrichtigen Sinn giebt, wie er denn auch übersetzt : « celui
» qui nous ecrit et qui nous porte secours et attachemeht. » Statt « qui nous soutient » , &c.
. ( 40 \

55 werden ; hier aber will ich nur im Kurzen etwas über ihre

55 Abstammung beibringen.

55 Wie man erzählt, giebt es im Lande der Uigur zwei aus-

55 serordentlich grosse Gebirge. Der Namen der einen ist Tuq-

55 ratu-busluq , und die des anderen Ussqun-luq Tigrim ( i).

55 Zwischen ihnen liegt der Berg Qara-qorum, von dem die

55 Stadt, welche der Qaän dort erbaute, ihren Namen erhalten

55 hat. Neben diesen beiden Gebirgen befindet sich der Berg

55 Qut-thaq. In der Nachbarschaft dieser Gebirge ist eine Gegend

55 mit zehn und eine andere mit neun Flüssen. In den frühsten

55 Zeiten war der Sitz der Uigurischen Stämme an diesen Fiüssen ,

55 in den Gebirgen und Ebenen. Diejenigen von ihnen, welche

35 an den zehn Flüssen wohnten, wurden On- Uigur, und die an

» den neun Flüssen Toqus -Uigur genannt. Die zehn Flüsse

» hiessen On-Orqon (2) [die zehn Orqon], ihre Namen sind

55 Ischkel (3), Uiger [ ], Tuqir [ j^y ] , Usqider [ jtX^( ],

55 Buler [ Jy ] , Badam , Adra , Wach-bajin [ ^ ], Qum-

55 landshu und Aiikän [ ^l£l>l ] .

55 An den drei ersten dieser Flüsse wohnen neun, und am

» vierten fünf ihrer Stämme. Der Stamm derer , welche am

55 Qumlandshu , dem neuten Flusse hausen , und die welche am

55 Uikan ( oben A'iikan ) wohnen werden Qomen-aty genannt.

» Ausser den an diesen Flüssen befindlichen Stämmen gab er noch

» hundert und zwei und zwanzig. In der Beschreibung werden

55 die Namen derselben nicht angegeben. Es vergingen Jahre und

55 Zeitläufte während welcher die Uigurischen Stämme weder

55 Fürsten noch bestimmte Oberhäupter hatten, und es war immer

(1) In der Handschrift steht nur fj&s man kann also Tigrim und Tengrim lesen.
(2) In einer anderen Handschrift steht oj»j' Ugun, welches aber fehlerhaft ist, da
hier offenbar vom Flusse ) 1 1 1 * n 1 Orgon die Rede, an dessen Linken nach meinen Unter
suchungen Qara-Qprum lag, da wo er den Bach aiin'i'r* Gorocho aufnimmt.

(3) In der einen Handschrift steht JsLol, welches nicht zu lesen ist, und in der an
deren JCu», was, wie ich glaube, Bischkil oder Nischkil gelesen werden muss.
( 4. )

» der mächtigste eines Stammes zu dessen Oberhaupt. Späterhin

»'ward in der Versammlung aller ihrer Stämme einstimmig

» ein hoher Rath eingesetzt, der wie bei uns der König die

» oberste Gewalt über alle ausübte , und weder Gehülfen noch

» Anführer hatte. Endlich erwählten sie in vollkommener Uber-

» einstimmung den weisesten der ganzen Volkes, der den Namen

» Alangutai führte und aus dem Stamme Bischkil war, und gaben

» ihm den Titel // Iltens ( i ). Ein anderer Theil des Volkes

» machte einen vortheilhaft bekannten Mann, aus dem Stamme

» Urqider, zum Kul-Irkin, und diese beide waren die Könige

» des ganzen Volkes. Ihre Familien behielten diese Würde hun-

» dert Jahre lang. Die merkwürdigen und sonderbaren Bege-

» benheiten welche sich während dieser Zeit zutrugen , sind

» in ihren Sagen aufbehalten, und stehen in der Chronik,

» deren ich der oben im Capitel von den Uiguren erwähnt

» habe. Zu Ende dieses vortrefflichen Geschichtsbuches findet

» man sie deutlich erzählt und erklärt. In der Sprache der Uigur

» wurden zuletzt die Könige Idi-qut genannt d. i. beglückter

» Fürst. Ihr Idi-qut zur Zeit des Tschingis-chan war Bawer-

» tschick ; der als der Gur-chan (2) sich Mawarannahar und

» Turkestän unterworfen hatte , unter dessen Bothmässigkeit

» kam. Ihm wurde ein Statthalter Namens Schawkam eingesetzt ,

» der so mächtig ward , dass er die Hand der Tyrannei über den

» Idi-qut, und über die Fürsten und das Volk der Uigur er-

» streckte. Unerbittlich forderte es 'ihr Habe und Gut, und

» machte sich dadurch bei ihnen verhasst und verabscheut. Als

» nun die Eroberung des Landes Chatai durch Tschingis-chan

» bekannt wurde , und sich der Ruf von dessen Macht und

(1) In der einen Handschrift x>^' und in der anderen j^xdU ; man kann das Wort
also lesen wie man will.
(2) Gur-chan oder Kur-chan war der Titel der Könige von Kara- Chatai die im XII
Jahrhundert in "der kleinen und grossen Bucharei herschten. Ihre Hauptstadt war
Kaschgar oder Ordu-kend. Auch Timur führte den Titel Gur-chan, und man liest ihn auf
seinen Münzen.
11
(4*)

» Tapferkeit verbreite, so setzte sich der Idi-qut ins Geheim

» mit ihm in Verbindung; liess den Statthalter in dem Qarachu

» genannten Dorfe umbringen , und erhob mit Genehmigung des

» Tschingis-chan , die Fahne des Aufruhrs gegen die Qara-Chatai

» und alie seine Feinde. Auch sandte er den Qayalmasch-qata,

55 den Omr-ogul und den Tatari als Gesandte an ihn ab. Tschin-

55 gis-chan befahl sie aufs Beste zu empfangen, nahm den Idi-qut

55 durch einen hohen Befehl in die Zahl seiner Vasallen auf, be-

55 handelte sie mit besonderer Gnade, und schickte einen seiner

55 vertrautesten Lehnsträger mit ihnen zurück. Ah das siegreiche

55 Herr gegen Kuschluk-chan aufbrach, stiess der Idi-qut auf Be-

55 fehl mit dreihundert Mann dazu , und nach gelieferter Schlacht

55 kehrten, mit hoher Erlaubniss er und die Seinigen nach Hause

55 zurück, Tschingis-chan brach späterhin gegen das Land der

55 Tadschik ( d. i. die Bucharei ) auf, und befahl dem Idi-qut

» mit seinem Heere aufzusitzen und die Kaiserlichen Prinzen

>5 Dschagatai und Oktai zu begleiten , in deren Gefolge er

» den Auftrag hatte die Abgesandten zu empfangen. Bald darauf

55 begab er sich , im Gemeinschaft mit den Fürsten Turbai und

>5 Nissus und dem Aufseher der Weideplätze , dahin wo sich der

55 Kaiser befand.

55 Als Tschingis-chan in die Heimath seines Stammes und in

55 die hohe Ordu zurückgekommen war, so beschloss er die Un-

55 ternehmung gegen Tangut, und der Idi-qut stiess auf Kaiserli-

55 chen Befehl von Bisch-baliq mit seinem Heere zu ihm , und da

>5 er bei dieser Gelegenheit mit der ganzen Verwandtschaft dieses

55 Fürsten bekannt ward, und auf einen vertrauten Fuss kam, so

55 gab ihm derselbe eine seiner eigenen Töchter zur Gemahlin.'

55 Da während dieser Unternehmung Tschingis-chan mit Tode

55 abging, so kehrte der Idi-qut nach Bisch-baliq zurück. »

Obgleich diese Erzählung des Raschid-eddin den Türkischen

Ursprung der Uiguren , und deren Existenz als beträchtlichen

in Staat Mittelasien , hinlänglich beweiset , so hake ich es doch

nicht für überflüssig noch folgende darauf Bezug habende


( 43 )

Stellen , Asiatischer und anderer Schriftsteller , hier herzusetzen.

« Es war ein Fürst des Landes der Ighur, eines

» zahlreichen Volkes der Türken, der unter der Oberherrschaft

» des Königes von Chatha [Nord-China] stand. »

Plan-Carpin (2) als er von den Tataren oder Mongolen spricht

berichtet : « Leur pays est situé en cette partie de l'Orient qui ,

» selon notre avis , se joint au Septentrion. A l'Orient , ils ont le

» Cathai et Solangues [ Koreaner ] ; au Midi , les Sarrasins ;

» entre l'Occident et le Midi, les Hujres [ Uiguren] ;

» à l'Occident, les Naymans ; et, au Nord, l'Océan qui les en-

» vironne de ce côté-là. »

Ruysbroeck oder Rubruquis sagt von den Uiguren folgendes :

« Ces Jugures [Uiguren] qui, comme j'ai dit, sont mêlez de

» Chrétiens et de Sarasins , avoient été réduits, à ce que je

» croi, par nos disputes et conférences, à ce point-là de croire

» qu'il n'y a qu'un Dieu. Ces peuples habitoient de tout temps

55 dans des villes et citez, qui après furent sous l'obéissance de

» Cingis-Cham , qui donna une de ses filles en mariage à leur

>5 Roi.

» La ville de Caracorum est peu éloignée de ce pays-là [ der

» Juguren oder Uiguren], environnée de toutes les terres du

55 Prêtre Jean et de son frère Vut. Ceux-ci étoient aux cam-

33 pagnes et pâturages vers le Nord, et les Jugures aux montagnes

x> vers le Midi : de là est venu que ceux de Aîoal se sont for-

55 mez à l'écriture , car ils sont grands écrivains ; et presque tous

53 les Nestoriens ont pris leurs lettres et leur langue. APRÈS EUX

» SONT LES PEUPLES DE TANGUTH, vers l'Orient, entre les

53 montagnes (3). »

(1) Historia Dynastiarum , pag. 432.


(2) Siehe die sogenannte Sammlung von Bergeron, S. 25.
(3) In derselben Sammlung, S. 57.
( 44 )

Schon vor der Zeit der Geburt Christi wohnte ein Theil des

Volkes der Uigur in der Gegend von Turfan, südlich und nörd

lich von dem hohen Schneegebirgsrücken, welchen die Chinesen

2 f / Thiän-schän oder das Himmelsgebirge nennen. Bei den

Chinesischen Schriftstellern hiessen diese Uiguren faß ja.

Kiü-s^ü (i) oder ^T^Kü-s^ü. Sie standen unter zwei

Fürsten von denen einer der vordere, und der andere der hintere

König genannt ward.

Zur Zeit des Kaisers Yuän-ty aus der Dynastie Chan, also

etwa vierzig Jahre vor der Geburt Christi , hatten die Chinesen

befestigte Lager in diesem Lande angelegt, und in Jahre 91 n.

Chr. Geb. als der General Pän-tschaö die westlichen Gegenden

unterworfen hatte , wurden daselbst Truppen in Garnison gelegt

und Gerichtsbarkeiten eingesetzt , welche die Stäume der Kiü-

sjü regierten, die mit den ^ Kaö-tschäng gränzten. Diese

Kaö-tschäng gehörten zu demselben Völkerstamm wie die an

deren Uigur. Ihr Name ist Chinesisch, und sie erhielten ihn

weil ihr Land hoch gelegen, welches im Chinesischen durch kaö

ausgedrückt wird, und weil ihre Angelegenheiten in einem blü

henden Zustand waren, welches tschäng heisst. Die wörtliche

Ubersetzung dieses Namens also ist hoher Wohlstand.

Unter der Dynastie Dsin , ums Jahr 33o , erhielt das

Land den Namen des Fürstenthums der Kaö-tschäng. Unter den

• (1) Der erste der beiden Buchstaben aus denen dieses Wort besteht, kann

Tsche und Klü ausgesprochen werden. Deguignes und Visdelou haben diese Aussprache
angenommen , und nennen die Uigur Tsche-sü und Tsche-sse. Da aber ihr Name

auch mit dem Buchstaben |_£>^ Ku geschrieben wird, dessen Lesart keinem Zweifel

unterworfen ist, so muss man die Aussprache Kiü-s^ii vorziehen. Es kommt bei dieser
Gelegenheit nicht auf die Bedeutung des Wortes an , weil die Chinesischen Charactere
nur den Laut eines fremden Wortes wiedergeben sollen.
( 45 )

letzten Guey warf sich Khiue - schuäng zum Protector der

Kaö - tschäng auf, ward aber von dem Statthalter der , für die

Könige von Lidng jene Gegenden regierte , verjagt. Bald darauf

nahmen die Shudn-shuän das Land ein, und machten

den Khän-pe-dscheü zum König, und dieses ist der erste König im

Lande der Kaö- tschäng oder Uigur gewesen. Nach verschieden

Unruhen und Regierungsveränderungen kam endlich J^jL

Khiü-kiä im Jahre 5 06 auf den Thron, und seine Familie besass

denselben neun Generationen hindurch, während hundert und vier

und dreissig Jahren , oder bis 6^0. Sie entrichtete regelmässig

den Tribut an die Chinesischen Dynastien Guey und Suy , und

auch den beiden ersten Kaisern der Thäng. Im genannten Jahre

schickte Thay-dsüng ein Heer in das Land der Kaö-tschäng , er

oberte es , und nahm den König gefangen ; worauf es zur Chine

sischen Provinz unter dem Namen ^Mg Sy-dscheü ward. Da

mals gab es in demselben 22 Städte , und die ganze Bevölke

rung ward auf 8000 Familien oder 17,700 Männer angeschlagen.

Von Osten nach Westen hatte es 800 Ly [ 26 ~ Deutsche Meilen]

und von Süden nach Norden 5oo Ly [16 - D. M. ]

Das Land der hinteren Uiguren lag westlicher. Der Sitz ihrer

Könige war unter den Chan an dem Orte , der zur Zeit der Thäng

Chinesisch Pe-thing-tü-chü-fü genannt

ward. Von demselben hatte man :


Deutsche
Ly. Aleilen

Nach Südost bis Y-dscheü in der Nachbarschaft des jetzigen ChamiJ. 970. 32 j
Nach Osten bis Sy-dscheü oder Turfan 500. 16 —
Nach Südwest bis Yän-khy-dsehm 1100. 36 f
Nach Norden bis zum Hauptlager der Kiän-kuen 4000. 133 f
Nach Westen bis Suy-ye 2220. 74.
Nach Nordost bis zu dem Hauptlager der Chuy-ku, oder der nach-
mahligen Stadt Kara-korum am oberen Orchon , da wo er den Bach
Gorocho in seine Linke aufnimmt 3000. 100.
12
( 46 ! ,

Unter des Stadt Pe-thing-tü-chü-fü standen drei Städte vom

dritten Range , nämlich Cheü-thing , Phü-Juy und Lün-thay. Spä

terhin ward das Land der Uigur von den Sy-fän oder deaTübe-

tern verwüstet. #-

Unter der Dynastie Süng , also nach dem Jahre 960 kam der

Name Kaö-tschäng wieder im Gebrauch. Um diese Zeit zogen

viele [hJ Chuy-kü in das Land der Uigur, und lebten ge

mischt mit ihnen , weshalb diese auch selbst Chuy-kü genannt

wurden. Von 960 bis 1008 entrichteten die Uigur regelmässig

den Tribut an die Chinesischen Kaiser. Zur Zeit der Mongo

lischen Dynastie Yuan werden sie in den Chinesischen Büchern

J£ -3L Uy-gü-ül, oder J£ 7C Uj-gü-ü genannt,

welches die einzige Art ist wie man mit Chinesischen Buch

staben das Wort Uigur einigermassen richtig umschreiben kann.

Die Mongolen richteten hier eine Statthalterschaft ein , die

unter einem Anführer über Zehntausend stand. Auch setzten sie

einen Daruchuatschi dort hin, der über die Gegend der jetzigen

Turfan und über fin Cho-dscheü die Aufsicht hatte.

Erst unter den Aling kam der Name Turfan oder Turufan

\ ~fc Thü-lü-fan] , Tübetisch Turman, im Gebrauch.


L W Ef * J J

D iese Stadt und ]5f Lieü-tschin standen unter Cho-dscheü.

Cho-dscheü war zur Zeit der Chan der Gränzort des vorderen

Stammes der Kiü-schy und der Kaö-tschäng , und ist

Sy-dscheü der Thdng. Siebenzig Z/y [etwa 2^ Deutsche Meilen]

östlich davon lag die, mit einer Mauer umgebene, Stadt Lieü-

tschin, welche unter den Thäng auch Lieü-tschin-chidn genannt

ward. Turfan liegt 100 Ly [2^ Deutsche Meilen] westlich von

Cho-dscheü. Die Stadt ist viereckig und jede Seite zwei Ly lang.

Das Klima ist gesund und sehr warm. Er regnet und schneit dort

sehr wenig. Die Erde bringt Hanf und Getraide hervor. Von

der Stadt 20 Ly in Westen ist der FIuss ^pj* Kiaö-cho, und


I

( 47 )

mehr als 200 Ly in Norden davon, erhebt sich das Gebirge Bokdo ,

oder das heilige, welches von den Chinesen A f Thiän-schän,

oder das Himmelsgebirge genannt wird.

Ein anderer Berg Namens J_/ ffif* Ling-schän liegt von der

Stadt Ktf/wr in Nordwesten. Der See V-^r ^ Phu-tschäng-

chay ist von derselben fast gerade in Süden, mit weniger Ab

weichung nach Osten, über 3 00 Ly entfernt. Er heisst auch der

Salzsee.

Im ersten Vierthel des XV. Jahrhundert regierte , unter Chi

nesischer Oberherrschaft , ein König zu Chb-dscheü und ein An

führer über Zehntausend zu Lieü-tschin und Turfan. Um's Jahr

1490 brachen dort Unruhen aus ; ein Rebell in Turfan nahm

den Titel Ssulthan an, und bemeisterte sich der Städte Chb-dscheü

und Lieü-tschin.

Im Jahre 1646 unterwarf sich Turfan den Mandshu, und ward

mit in die Gränze des Reichs gezogen. Der Tribut und die Ge

sandtschaften wurden nicht abgeschafft. Der dritte Kaiser aus ihrer

Dynastie verlegte 1732 die Fahne der Mohhammedaner von

Turfan nach *)\\ jjV Kuä-dscheü ( 39° 43' N. Breite , 93° 54'

O. L. von Paris), das i5oo Ly in Südosten von ihrem alten

Lande entfernt ist. Ihre ehemaligen Weideplätze waren in der

Tarna^in genannten Gegend. Aber der fette Boden, die vielen

schönen Quellen, die angenehme und warme Luft, welche ganz

der ihres Vaterlandes ähnlich ist , und die weiten , leicht zu

bebauenden Ebnen von Kuä-dscheü , verursachten dass sie Tar-

nann gern verliessen, und sich hier ansiedelten. Kuä-dscheü ward

mit einer Pallisadenwand umgeben , innerhalb welcher man

Häuser baute. Die Einwohner erhielten Lebensmittel und Zucht

vieh.

Der Sitz des Königes der vorderen Uigur war zur Zeit der

Dynastie Chan in der Stadt fä£ 3^ Kiaö-chd -tsching, die


(48)

an dem oben erwähnten Flusse Kiao-chohg. Ihre' Entfernung von

Tschäng-ngän , der damaligen Residenz der Chinesi

schen Kaiser, oder der jetzigen Stadt Sy-ngän-fü m Sehen- sy

betrug 8i5o Ly /und die von dem damaligen Sitz des Chinesis

chen Gränzgouvernements 1807 Ly in Nordwest..

Die Residenz des Königes der hinteren Uigur war in dem Thale

]^ 3^ Wü-thü-kü. Von Tschäng-ngän bis dahin hatte

man 8960 Ly. In Südosten war der Sitz des Chinesischen Gränz

gouvernements 1237 Ly entfernt.

Gegen Morgen erstreckten sich die Wohnplätze der Uigur

bis nach Chamil oder 5^ Chä-my. Die Gegend dieser Stadt

ist das alte Land^jjT ^f^* Y-gu-lü [Igur], welche in Norden

von $0; Tün-chuäng , und jenseits des grossen Steinfel

des ( 1 ) lag. Unter der Dynastie der letzen Chan im Jahre y3,

während der Kriege die man im Norden mit den Chiüng-nü führte,

ward dort das Gouvernement von Y-cho errichtet ; wo

fortdaurend ein Observationscorps im Lager stand. Auch dieser

Name stimmt, wie man sieht, mit Igur oder Uigur überein. Nach

her kam das Land unter die Bothmässigkeit der Chiüng-nü. Im

Jahre 13i ward in der Gegend von -0* 'f^* Y-gu , ein befes

tigtes Lager errichtet , und über dasselbe ein Kriegsbefehlshaber

ernannt, der den Titel General von Igur führte.

Unter der Dynastie der Guey (von 219 bis 265) gab es eine

Stadt vom dritten Range Names ^jjjjjjj Y-gü-chidn ; und

unter den Dsin eine Statthalterschaft von Y-gu, unter der alle

von Tün-chuäng nördlich gelegenen Gegenden standen. Aber

(l) Die "Wüste Gobi besteht grössentheils aus solchen Steinfeldern , welche Chi

nesisch Dsy genannt werden.


das t-gu dieser Leiden Dynastien ist nicht mit dem alten f-gü

der Chan zu verwechseln, sondern lag nördlich von der Stadt

jH*| Vii^ Schä-dscheü , im jetzigen Chinesischen Kriegsgouverne

ment yffcj Ngän-sy ; und zwar, wenn man Kvon China nach

Chamil reiset , vor den Steinfeldern. Unter den Suy , im Jahre

6 io, ward das Land zum Fürstenthum von Igur, oder^J?

Y-gu-kiün erhoben ; aHein die Chinesen zogen bald darauf ihre

Truppen zurück, und überliessen es den Thü-kiü.

Unter den Thdng wurde es , 63o, mit in die Gränze gezogen,

und daselbst die Sta.dt jfW^ffi* $y Y-dscheü oder das west

liche Y-dscheü angelegt, die aber nach zwei Jahren nur Y-dscheü

genannt ward. Im Jahre 742 ward dort ein Fürstenthum von Igur

[Y-gu-kiün] gemacht, aber- 768 wieder Y-dscheü genannt. Sie

hatte drei Chidn, oder Städte vom dritten Range , unter sich ,

nämlich : Y-gu, Nä-dschy und Sheü-yuän,

Zur Zeit der fünf kleineren Dynastien, die in China in der

ersten Hälfte des X. Jahrhunderts regierten, erhielt das Land

der Uiguren den Ehrennamen Jj& Chü-lu-dsy.

Zur Zeit der Dynastie Süng regierten in Y-dscheü Befehls

haber aus der Familie Tschin, die sich im Jahre 713 dieser

Stadt bemächtigt hatte. Sie waren durch Mandate der Kaiser

der Thdng bestättigt worden, und hatten dieselbe zehn Gene

rationen hindurch inne. Nachher ward das Land, so wie ganz

Uigurien von den <jp^ |HJ Chuy-kü eingenommen.

Aus Raschid-eddin haben wir oben gesehen dass der Idi-qut

der Uigur sich dem Tschingis-chan unterwarf; auch die Chine

sischen Annalen Thüng-kidn-käng-mü erwähnen dieser Unterwer

fung im Jahre 1209 mit folgenden Worten :

13
_ (5o)

« Im zweiten der Kiä-t'ing genannten Jahre, in Winter, im

» zwölften Monate , unterwarf sich das Reich der Uy-gü-ül [ Ui-

» gur ] den Mongolen. » Und in der Anmerkung fügen sie

hinzu :

.iL ! ;i & * Jt:

« Die Uy-gü-ül sind die Kaö-tschäng der Dynastie Thäng (i). »

Zu Ende der Mongolischen in China herrschenden Dynastie

Yuan, ward ein Prinz aus ihrem Geblüte Namens Nachori (oder

Nacholi ) zum Kriegsbefehlshaber in Chamil ernannt , und nach

her durch seinen Bruder Anke-Timur , der einen anderen Titel

erhielt, abgelöset.

Unter den Ming, i4.o4, ward das Land mit in die Gränze

gezogen. Anke-Timur erhielt als erblicher Statthalter den Titel

eines Dschüng- schiin - wäng , und ein goldenes InsiegeL Zwei

Jahre darauf ward dort das Kriegsgouvernement ^^j* jffi^

Chä-mi-uey errichtet, und JVIachamacho zu dessen Oberaufseher,

und unter ihm noch andere Beamten als Aufseher ernannt. Der

Dschüng-schün-ivdng starb , und ihm folgte Toto der Sohn seines

älteren Bruders, der i^io vom Kaiser bestättig wurde. Sein

jüngerer Bruder Mengli-Timur ward zum Dschüng-y-wäng er

hoben, und erhielt ein Pettschaft (2). Beide herrschten in Chamil.

Sie entrichteten dem Kaiser einen bestimmten Tribut und diese

Stadt ward zum Hauptort der westlichen Gegenden gemacht y

über welchen alle Gesandschaften aus denselben ihren Weg

nehmen mussten. Späterhin blieb der Dschüng-y-wäng einziger

Beherrscher von Chamil.

In der Stadt und ihrem Bezirke wohnen drei verschiedene

(1) Thung-kidn-käng-mu (Ausgabe von 1707 ), Siu, Vol. XVIII, S. 4.

(2) Ein vom Kaiser ertheiltes Pettschaft, und dessen Annahme, sowie die des Chi
nesischen Calenders , ist Zeichen der Vasallenschaft.
( 5. )

Völkerschaften beisammen , nämlich |HJ |H| Chuy-chuJ oder Bu

charen [ Persischen Ursprungs ] , _7£*p^ Uy-gü-ül, oder Uigur

und ^jj Chä-lä-chuy, lies Chara<huy , d. i. schwarze

Bucharen. Die Geographie der Ming nennt statt der letzteren

JJtjll* Thä-tä, d. i. Tataren, oder Mongolen (i). Sie setzt

hinzu : « Ehemals war ein Unterschied der Kleidung hei diesen

x> drei Stämmen verboten, aber im Essen und Trinken beo-

» bachtet. »

Dieselbe Geographie erwähnt auch des J^zJ* J=£^ -2^ -jp^

Uy-gü-ül-cho , oder db* Flusses der Uigur, der sich i3o Ly in

Osten von Chamil befindet, und durch Sand, Weidengebüsch

» und üppige , mit den herrlichsten Kräutern bedeckte , Wie

sen fliesst. Östlich von demselben ist die QuelleJ^^-^-

Niäng-dsu-yiuän , die von den Einwohnern Kadun-Bulak genannt

wird. Beides bedeutet Damen- Quell.

Unter der jetzigen Mandshuischen Dynastie, unterwarf sich

Chamil im Jahre 1696. Der Königstitel ( Dschüng-y-wang ) ward

dort abgeschafft, und der Fürst nur als Vasall des Reiches ange

sehen. In neueren Zeiten sind jedoch dort wieder Könige einge

setzt worden, von denen der, welchen zur Zeit des Krieges der

Chinesen und Dsungaren regierte, Isaak hiess. Ich finde den

Namen Uy-gü-ül oder Uigur in den neusten Beschreibungen

nicht mehr.

Die £fo |HJ Chuy-kü , ein Türk isches Volk , dessen Namen

die Chinesen seit dem Jahre 788 auch \^\ Chu^-ku

schreiben, hatte ehemals seinen Hauptsitz am oberen Orchon, in

der Gegend wo späterhin Kara-korum erbaut ward; das ist gerade

(l) Siehe über die Übereinstimmung der Tataren und Mongolen meine Asia Polyghtta
(Paris, 1823, in-j.."), S. 202 bis 209.
( «o
da wo Raschid-eddin..das alte Vaterland der Uiguren hinsetzt.

Viele Umstände und besonders der Name der Chuy-kü, der so

sehr mit Uigur zusammenstimmt, (vorzüglich wenn man für das

ch zu Anfang, wie dieses im Chinesischen häufig geschieht ein

sanftes h setzt ) , lassen mit Grund vermuthen , dass beides nur

wenig verschiedene Benennungen desselben Volkes sind. Hierzu

kömmt noch, dass die Chuy-kü in der Mitte der zehnten Jahr

hunderts das Land der Uigur von Turfan und Chamil besetz

ten, und sich so mit ihnen vermischten, dass beide Völkerschaften

nur mit dem gemeinschaftlichen Namen der Chuy-kü bezeichnet

wurden. Diese Chuy-kü oder Uigur , haben sich späterhin bis

zur Gränze der Provinz Sehen- sy verbreitet, und bewohnten

mit anderen Völkerschaften gemischt die grosse Provinz , welche

Marco Polo Tanguth nennt.

Aber auch nach Westen breiteten sich die Uiguren aus ,

denn die vier Hauptstämme der Usbek, welche im Gebiete

von Chiwa wohnen, heissen Uigur-Naiman , Kangli-Kiptschak ,

Kiat-Konkrat und Nökjus-Alangud. Die Usbek gehören übri

gens zu demselben Volke , das von den Arabischen Schriftstellern

Je- Ghus genannt wird. Mit diesem Namen stimmt auch sehr

gut die alte Benennung der Uiguren ^rfj Kü-s^ü überein;

denn von den Chinesen wird die erste Sylbe eher Gu als Ku ausges

prochen , und man kann daher das ganze Wort, nach der bei ihnen

gebräuchlichen Art fremde Wörter zu schreiben , Gus lesen,

was genau mit dem Arabischen Je- übereinkommt. Chardin sagt

sogar : « Yegoury sont ies Tartares de Turquestan , qu'on appelle

» autrement Turcomans. » Das Chinesisch -Persische, oder Bu-

charische Wörterverzeichniss , der Kaiserlichen Ubersetzungshofes

zu Pe-king, erklärt ^ jBj Kaö-tschäng durch j£y Türki. Diesen

Namen gebraucht auch Aiarco-Polo , der unbezweifelt mit Per

sischen Dollmetschern reiste, für die Uigur.


Virilit« WVSt 9, S. 63.

Uigurisch Salnüsch Uüjurisch Javäisch Cüjurürch ifab'äisch

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-
( 53 )

VON DER

UIGURISCHEN SCHRIFT.

Aus den Erzählungen Europäischer Mönche, welche im Mittel

alter die grosse Tatarei besuchten, und aus den Nachrichten des

genauen Marco - Polo wissen wir , dass dort , und vorzüglich

unter den Uiguren, das Nestorianische Christenthum , wahr

scheinlich durch Syrische Priester , ausgebreitet war. Durch diese

wurden auch daseibst die Syrischen Buchstaben eingeführt , aus

denen offenbar die Uigurische Schrift entstanden ist. Denn diese


**
hat nicht nur mit denselben einzelne Ähnlichkeiten (i), wie die

hier unten folgenden zeigen; sondern sie stimmt auch vollkom

men mit den Formen und Sylbenverbindungen des Sabäischen

Alphabets überein, wie man aus gegenüber stehender Tafel er

sehen wird.

B*F G O K T M M final N Nfinal. I Ifinal. Z R T

Estranghelo.. ^| \ ^ S 4 ) ^

Syrisch...... ^

- Nestorianisch. ^ 6 3 ^ R ^ > V\ G

Das Uigurische Alphabet ist die Quelle der jetzt in Mittel

asien gebräuchlichen Mongolischen und Mandshuischen Schrift,

(l) Der Gelehrte TA. S. Bayer bemerkte schon diese Ähnlichkeit , indem er inden
Actis Eruditorum von 1732, S. 309, sagt : « Litterarum Mongohcarum cum Syriacis conve-
» nientia tanta quanta potest esse maxima. »
14
(54)

und dient noch jetzt den Türkischen Bewohnern der kleinen Bu-

charei, neben dem Arabischen, um ihre Muttersprache zu schrei

ben ; wie dieses die Handschriften des Aliradsch und des Teskeret-

el-Evlija beweisen, die sich auf der Königlichen Bibliothek zu

Paris befinden. Aus beiden hat der gelehrte Jaubert , in seinen

trefflichen Elemens de la Grammaire Türke (Paris, 1823, in-jf.°),

lithographirte Proben gegeben hat; und aus dem zweiten findet

man einige Zeilen in meiner ersten Abhandlung über die Uiguren.

Die in Mandshuischer Sprache 1646 zu Peking gedruckte Ge

schichte der Dynastie Yuan, giebt folgende Nachricht von der

ersten einführung der Uigurischen Schrift bei den Mongolen.

•• 'O'Vv M9 /"'» Ofa- 0 /-Hh^-A. • \P^K ,9^-v /. J i t^'O

aj « j ! «t /nvo^ OV •• *Q*iir-\ /^±r Sd-S> /~^^ /J fc*^. /-\ ^9 v> \>Mo- • /.joVy

, vpj^ \>Mt A-j-j-Ll^ ^mjJjlo^jäIj^ O.^1"^ - AJtA'O />f"?J "u. -9±ÄJ-to- •• A9j-H/ A>i? O2"^ ^9 /-J^-S.
^t^naig. e>o /^-o-v. , ^.j<yiA o-\. Lu^. ^Mo- -AOJ ' /^cr OM. ^9 /"'»Pb. ^.J^f'^ \>fS>

to- •• /i'C?'Vv ^ <^ V*unu, ^AMs. O^-^ /*±^ /"y0\> ^ /*VV \>V^-L^

Der Beherrscher der Naiman Tay-yang-chan hatte einen Mann aus dem Lande
der Uy-u [ Uigur ] , Namens Tata-tung-o, als geschätzten Lehrer, dem er ein goldenes
Siegel und die Aufsicht über die Proviantmagazine gegeben. — Ais Taidsu Temu-
dshin (2) das Reich der Naiman zerstörte , verbarg Tata-tung-o dieses goldene Siegel
in seinen Kleidern , und suchte damit zu entfliehen. Aber einige Krieger aus dem Heere
des Tai-dsu Temudshin ergriffen ihn, und brachten ihn von ihre Herrn, der zu ihm sagte:
Gehören nicht mir die Orte, das Land und die Unterthanen des Tay-yang-chan , war
um bist du also mit den Siegel entwichen ? — Tata-tung-o antwortete : « Mir war es

(1) \> \&o. Band I, Blatt. 28.


(2) Taidsu Temudshin, d.i. der Stammvater Temudshin, welches der Name des Tschingis-chan war, ehe er
diesen letzten Titel annahm.
( 55 )

» anvertraut, um es bis an meinen Tod zu bewahren, darum wollte ich es seinem alten
» Herrn wieder einhändigen. » Darauf sagte Tai-dsu Temudshin : « Du bist ein recht-
» schaffener und braver Mann ; » — Er erkundigte sich nachher, wozu das Siegel
gebraucht würde. — Tata-tung-o antwortete : Um die Magazine und Proviantvorräthe
zu eröffnen und zu schliessen , rechtlichen Männern Aufträge zu geben, und alle Angele
genheiten genau und deutlich abzumachen. — Taidsu Temudshin lobte darauf den Tata-
tung-o, nahm ihn in sein Gefolge auf, und beauftragte ihn , von der Zeit an allen Befehlen
das Siegel beizudrücken. — Taidsu Temudshin sagte ferner : Kennst du die Schrift und
die Gesetze deines Vaterlandes? Tata-tung-o antwortete, dass er sie anfs genaueste
kenne, worauf ihm Tai-dsu Temudshin befahl, alle Taidsi [Fürsten] und Wang [Prinzen
vom Geblüt j in der Schrift, der Sprache und den Gesetzen des Landes Uy-u zu unter
richten.

Das j^J ^^r- J^Jlf Sü-chüng-kian-lü , welches die ausführliche Geschichte

der Mongolischen Dynastie der Yuan enthält, giebt (Buch XXVIII, Blatt 2 ), eine kurze

Lebensbeschreibung des jfej ^^^^^^^^.Thätä-thüngö, nennt ihn^X^ J\ j -jp^

Uy-gü-shin, einen Uiguren, und sagt, dass er sehr verständig und beredet gewesen, auch
die Schrift seines Vaterlandes sehr gut gekannt habe. Darauf erzählt es die Geschichte
mit dem Siegel des Thay-yang-chan , und die Unterredung Thd~thd-thüng-d's mit Tschingis-
chan und setzt ebenfalls hinzu : der letztere habe befohlen alle Taidsi und Wang in

der Uigurischen Schrift ( —'j— J\ rf 'p^' ) zu unterrichten. Auch unter Ogodai war

Tha-thd-thung-ö Siegelbewahrer im Inneren des Pallastes, und seine Gemahlin Amme


des Kaiserlichen Prinzen Kharatschar. Dasselbe Werk erwähnt auch zweier Söhne des
Tha-thä-thung-o , Namens Yüchümisch und Lichünmisch.

Abdul - Risaq , ein Persischer Geschichtschreiber, der 1482

starb ; erkannte auch die Identität der Mongolischen und Uigu

rischen Schrift, indem er sagt C J q\jj—i_j La. jfi~l)yt* L-L.

cc Die Schrift der Afogul welche die Schrift der Uiguren ist.»

Ruisbroeck (i) drückt sich noch bestimmter aus, indem er sagt:

cc Les Tartares [ Mongolen ] ont pris leurs lettres et leur al-

» phabet ( das der Juguren oder Uiguren ) ; ils commencent leur

» ecriture par en haut, qui comme une Iigne va finir en bas,

» qu'ils hsent de merae facon, et multiplient ainsi leurs Iignes

» du cote gauche au droit Les lettres que le Cham JVlangu

(l) In der sogenannten Bergeronschen Sammlung, S. 55.


(56)

» ehvoie ä Votre Majeste sont ecrites en langage Moal [ Mon-

w gol ] , mais en caracteres Jugures. »

Eben so der Mönch Bacon :

« Les Jugres [ Uiguren ] ecrivent fort bien , et c'est d'eux

5? que les Tartares tiennent leurs lettres. Iis ecrivent du haut en

» bas et de la gauche ä la droite. »

Ahmed ben Arabschah sagt in seiner Geschichte Timurs :

^1 £u\pj jßL* J^l JlIL^j^l (^cuO ^LS —^ <j^I«£l tlj

ffjfeyj ^J&3 ^ll^ ^^J^ jcyxiy tai^l

c>^. L j ^UJ3 ^1*^1 j ff****} ffö&ys

« Die Dshagatai (1) aber haben eine andere Schriftart, Na-

55 mens Uigur, die als Schrift der Mongolen bekannt ist. Man

>5 zählt in derselben vierzehn Consonanten ; welche geringe und

>5 wenige Anzahl daher rührt, weil die Kehlbuchstaben durch

» ein und dasselbe Zeichen ausgedrückt, und gleich ausgespro-

» chen werden. Dasselbe findet auch bei den Consonanten statt,

» die ähnliche Aussprache haben, wie bei be und fe, bei se, ssin

» und %ad, und bei te , dal und tha. Mit dieser verfassen sie ihre

» Diplome, Befehle, Patente, Briefe, Verzeichnisse, Maasse,

» Jahrbücher, Gedichte, Geschichten, Erzählungen, öffentlichen

» Verhandlungen, die gesetzmässigen Preise der Lebensmittel,

(l) Dschagatai ist der Name eines Türkischen Stammes, aus dem Timur oder Ta-
merlan entsprossen sein soll. Nach demselben wird das reine Türkische, das in-Chiwa
und anderen benachbarten Gegenden gebräuchlich ist, Dschagatm genannt.
( 57 )

» und was auf ihre Landesgesetze Bezug hat, so wie auch die

» Gesetze des Dschingis-chan. Wer diese Schriftart versteht,

» geht nicht zu Grunde, denn sie ist der Schlüssel zum Ge-

» winnste bei ihnen. »

Ahmed- ben - Arabschatis Bemerkung, dass die Uigurische

Schrift der Mongolen nur vierzehn Consonanten hatte , ist ganz

richtig , und wird von einem Werke über den Ursprung dieser

Schrift (i) bestätigt, welches berichtet, dass zuerst nur vierzehn

Consonanten und drei Vocalzeichen derselben von den Mongo

len angenommen worden waren. Diese sind folgende :

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14.

a na ba cha ga ma la ra ssa da ta )a la sa wa

i J? & J Ä A

ä nä bä kä gä mä lä r'd ssä ' da t'ä jä • sä wä


w 'i t? 1 t
3 V Ü 3

i ni bi ki gl mi Ii ri ssi di ti V si wi
1 ■ *> *>
$ 4 %

n b ck g m l r SS d t ) s w

Mit diesen vierzehn Grundbuchstaben sind natürlich von jeder

verschiedener Nation, nach dem Bedürfniss ihrer Sprache , wenn

sie die Uigurische Schrift annahm, Veränderungen vorgefallen,

und man hat neue Zeichen dazu erfunden, wie bei den Mon

golen und den Alandshu.

Wir haben gesehen, dass Tschingis-chan die Uigurische Schrift

und Sprache bei seinem Volke einführte, und die Fürsten seines

Hauses Unterricht in beiden nehmen mussten. Da das Uigurische

eine Türkische Mundart ist , so war das sehr weise von ihm

(l) Brilwa Ssaadsha-Bandida jän gargaksen Mongol Üssük d. i. von der durch Ssaadsha-,
Bandida erfundenen Mongolischen Schreibkunst. Es erschien im Jahre 1730 und enthält
20 Blätter in Querfolio.
15
( 58 )

gehandelt, den Mongolen hatte Tschingis-chan weder in Süden

noch in Westen zu unterwerfen, wohl aber Türkische Völker,

nach deren Bezwingung er auch erst in den Stand gesetzt wurde,

seine Eroberungen auszubreiten , und bis nach Persien vorzu

dringen. Denn es ist historisch bekannt , dass bei weitem der

grösste Theil seiner Krieger Türken waren , mit Mongolen ge

mischt, und nur von Mongolischen Heerführern angeführt wur

den. Durch seine Züge nach Westen, ward auch die Uigu-

rische Schrift in Hochasien bekannt, und seine Nachfolger in

Persien und im Kiptschak bedienten sich derselben als Hofschrift,

und liessen sogar eine Seite ihrer Münzen Uigurisch und die

andere Arabisch prägen.

So besitze ich Münzen, die von 1289 kis 12 9^ nach Christi

Geburt, zu Tiflis geschlagen worden, als dort Wachtang der

^jvßite als Vasall des Persischen Ssulthan Argun-chan herrschte.

Auf der einen Seite haben sie eine Uigurische Aufschrift, auf

der andern das Georgische Handzeichen Wachtang's und die

Worte : &— 4Üt ^AüJI (J^J V-^ f^i cc ^m Namen des

» Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes , des einigen

» Gottes. » Am Rande der Umschrift : /oÜL- »

« Geschlagen im Jahre 690 x> ( 1291 ). In der Mitte sieht man

ein Kreutz in einem Zirkel. Auch von JVlangu-chan habe ich ein

Stück mit Uigurischer und Arabischer Aufschrift; und unter den

Münzen der Tschingis-chaniden im Kiptschak finden sich viele,

mit dem Namen der Chane Toktögu und Dshani-Beg , in Uigu

rischer Schrift , dahingegen die übrigen Worte Arabisch sind.

Schrifteinführung bei den Mongolen.

Unter der Regierung des Tschingis-chan , und seiner drei ersten Nachfolger Ogodä-chan ,
Guiyu-chan und Mönggu-chan , wurde nicht in Mongolischer Sprache geschrieben , sondern
Uigurisch. Erst unter dem Stifter der Mongoiisch-Chinesischen Dynastie Yuan, Namens
Chubilä-Za'ien-chan (dem Kublai der Mohhammedanischen, und dem Yuan-schy-dsh der Chi
nesischen Geschichtschreiber (von 1259 bis 1294 ), ward der Grund dazu gelegt. Zwei
Brüder dieses Kaisers, liessen den Ssaadsha-Bandida (l), einen Enkel (2) des ehedem von

(1) Bandida ist eine hohe geistliche Würde.


(2) Im Original O'H Atschi , welches Wort der Mongolische Wörterspiegel, so erklärt: J^>3*1
( h )
Tschingis-chan zum Mongolischen Patriarchen ernannten , Oherpriesters Sottnam-Dsimon
aus Tübet kommen, damit er die Lamaische Religion unter den Mongolen verbreite;
was auch geschah. Ssaadsha-Bandlda blieb bis an sein Ende , sieben Jahre lang ,
Patriarch der Mongolischen Lamaiten. Zu seinen merkwürdigsten Unternehmungen ge
hört die Einrichtung der Uigurischen Schrift zum Gebrauch für die Mongolische Sprache.
Er hatte jedoch die Eitelkeit, nicht gestehen zu wollen, dass er seine neue Schriftart
von der Uigurischen entlehnt habe, sondern gab vor, er hätte sie selbst erfunden, und
ihre Buchstaben, nach dem Vorbilde eines Kerbholzes, von oben nach unten zu an
einander gehängt. Obgleich er nichts gethan hatte, als den Styl der Uigurischen Schrift
ein wenig zu verändern. Ehe er aber ganz mit diesem Geschäfte fertig war , starb
er und liess die neue Schrift unvollendet, hatte aber in derselben die 14 Uigurischen
Consonanten beibehalten.
Sein Nachfolger im Oberpriesteramte, Namens Pakba , erhielt bald darauf den Be
fehl, ein eigenes Alphabet für die Mongolische Sprache anzufertigen. Er würdigte der
Vorarbeit des Ssaadsha-Bandlda keiner Aufmerksamkeit, verwarf überhaupt den Uigu
rischen Schriftzug, traf eine Auswahl unter den Buchstaben der Tübätischen Quadrat
schrift Gdschab, und suchte sie der Mongolischen Sprache anzupassen. Obgleich
der Kaiser befahl , dieselbe überall einzuführen , so kam sie dennoch , wegen ihrer
Unbequemlichkeit, fast gar nicht in Gebrauch (l).

h \)"j 'jv> O^M. • 0 j-U-'MJ ^M0nAaflo- « Der vom Sohne gebohrene Sohn wird Atschi genannt. » — Auch wird
es Mandshuisch durch 0 |_nJ ^ omolo , Enkel, übersetzt.
(1) Die Chinesischen Annalen , welche den Titel : Thüng-kian-käng-mü führen , nennen diesen Oberpriester
iu der Mandshuischen Ubersetzung Passpa, und erzählen folgendermassen :

K^3 fO^-V o\^3 /^H. M?*$] 9+0-^ « /*s h^a t?^

. /^o*fc> ^ni^- •• f i ' yj 83 i ix ^9 /-^yAJ 0 /^H* \>^v^ • O^i* ^9 /"S^-y ^ ^ ' /uyjL^ / " 1 a ^

$ai^ o ^jniinr • ^A " " > o'' n r" v /-»^a. \>L^j-o \yy~cü$ . ^/^jaö Ala o /-iiA>t?^-

^9 ^2ui^ $Xa£a^ Aaftjxyila^ /^-^ j ? ^ • /*sr /-jq>J 'T't.OPi W /"S^V 0 /^rt»c


/MJ-K) Oi^'U •• ^J+V 9 0t.nr /**+V /\ ^o- /^r ^AXK9 /-J • /+L!^La v>=^ ^(pj P*U*c

( Im fünften der Chian-schün genannten Jahre, d. i. 1269 n. Chr.)

Im ^weiten Monate ward im Reiche der Munggu ein neue Schrift gemacht , und der Lama Passpa aus
den westlichen Gegenden erhielt dafür den Ehrentitel Ta-pao-fa-wang.
Der Befehl dazu lautete also : « Unser Reich hat seinen Anfang in den nördlichen Gegenden genommen, und
«wir bedienten uns im Schreiben der Chinesischen Schrift, oder der Buchstaben des Reiches Uy-u, um unsere
Der Nachfolger des Chuhila'-Zä'ien-chan , Namens Olsotä-chan, beauftragte den Zords/ii-
Odslr (l) , einen Verwandten des Ssaadsha-Bandida , die Tübätischen Religionsbücher
in's Mongolische zu übersetzen , und sich dabei der von Pakba eingerichteten Qua
dratschrift zu bedienen. Zords/ii-Odsir bemühte sich vergeblich, diesem Befehle Folge
zu leisten, weil jene Schrift gar nicht in Gebrauch gekommen war, und sich jedermann
der Uigurischen bediente. Er suchte daher die von Ssaadsha-Baudida für die Mongolen
eingerichtete Schrift hervor, und vermehrte sie nach Bedürfniss, so dass sie zur Uber
setzung des grossen Tübätischen Werkes Bangscha-Raktscha dienen konnte.
Der Mangel einer vollständigen Mongolischen Schrift dauerte bis auf Chaissun-Küllük
(dem Dshenessek-chan der Mohammedanischen Schriftsteller; von 1307 bis 1311 ) fort,
der selbst ein Gelehrter war , und auf dessen Antrieb und unter eigener Aufsicht
Zordshi-Odsir die Buchstaben zur Vollkommenheit brachte ; indem er zu der , von Saa-
dscha-Baudida nach der Uigurischen gebildeten Schrift, die noch fehlenden Vocaie o,
u, ö und « hinzu setzte, so wie auch die Consonanten scha, sa, dsi und pu, und die
Zeichen für die durch n, p, k, m , l , r, t, i, u und ng geschlossenen Sylben. So dass
nun ein Weitläufiges und vollständiges Syllabar entstand , mit dem man alle Mongo
lischen Wörter vollkommen ausdrücken konnte. Als Zahlzeichen behielt er die Tübä
tischen bei, die von den Indischen abstammen.
Schliesslich mag hier noch die Bemerkung folgen, dass Wort V*A&^o. Depter im
Mongolischen, und /^Oiw Deptelin im Mandshuischen, welches Buch, volumen be
deutet, Chaldaischen Ursprungs ist ; denn im Chaldaischen heisst vrwsn Diptherd, eine
Schreibtafel, oder ein Rechnungsbuch ; und im Arabischen und Persischen jü* Defter,
das Heft eines Buches, Diplom, Buch und Band. Im Grieschischen ist AicpSepcL, eine
Haut, worauf man schreibt, Pergament. Das Persische Wort Defterdar , Rech
nungsführer, ist davon abgeleitet.

» Muttersprache auszudrücken. Wir sehen aber, dass die Liao und das goldene Reich, so wie alle entferntere
j> Königreiche ihre eigene Schrift haben. Jetzt, beider VortrefHichkeit unseres Staates, und dem Fortschreiten
■» seiner Bildung, ist es nöthig dass wir eigene Buchstaben erhalten. Daher ist der Lehrer des Reichs Passpa be-
a> auftragt worden, den ursprünglichen Munggu [ Mongolen] neue Lettern zu bilden, die in allen Provinzen
» verbreitet worden sind. Sie sind zu allen Arten von Ubersetzungen eingerichtet, und dienen zur genauen Be
zeichnung der Wörter. Darum erhält nun Passpa den Ehrentitel Ta-pao-fa-wang. » — Dieser Buchstaben
waren tausend, und sie dienten vorzüglich um den Laut auszudrücken.
Die Mandshuisch geschriebene Geschichte der Yuan, nennt den Lama Passba und enthält diesen Befehl mit
anderen Worten. Sie fügt hinzu, dass seine Schrift aus einundvierzig Grundbuchstaben bestand, aus welchen
Zusammensetzungen von zwei, drei, vier und fünf Buchstaben gebildet würben. — Dies ist ein neuer Beweis,
dass hier die von Pakba eingeführte Tübätische Quadratschrift Gdschab gemeint sey, die für die Mongolische'
Sprache eingerichtet, aus 22 Consonanten, 10 Vocalen, 8 Endsylben und einem Anfangstrich, also zusammen
aus 41 Zeichen bestand, welche, wie die jetzigen Tübätischen Buchstaben zwei-, drei-, vier- und fünffach
gruppirt wurden. — Vergleiche A. Rhnusat, Recherches sur les Langues Tartares, tom. I.", p. 345.
(1) Zordshi ist ebenfalls eine hohe geistliche Würde.

\
NACHSCHRIFT.

Mb ine erste Abhandlung über die Uiguren ward schon 1811 im zweiten Bande der
Fundgruben des Orients abgedruckt, und im folgenden Jahre erschien sie verbessert
und vermehrt als Anhang zu meiner Reise in den Kaukasus. Mehrere Jahre nachher
liess Herr J. J. Schmidt zu S.VPetersburg , Kassenführer der Russischen Bibelgeseil
schaft und Kommissionair des Herrnhutergemeinde von Sarepta , ein gründlicher
Kenner der Kalmükischen und Mongolischen Sprache , eine gegen mich gerichtete Ab
handlung in den VI Band der Fundgruben abdrucken , die den Titel führt Einwürfe
gegen die Hypothesen des Herrn Klaproth über die Sprache und Schrift der Uiguren.
Der Zweck des Herrn Schmidt ist zu beweisen :

1. Dass die von mir gelieferte Uigurische Schrift- und Wörterprobe meine eigene
Schöpfung sei.
2. Dass die jetzige Mongolische Schrift nicht von der des Türkischen Volkes des
Uigur abgeleitet, sondern von den Mongolen selbst erfunden worden sei.
3. Das Uigur und Tangut dasselbe Volk und Land seien, und also die Uigur nicht
Türken sein können.

Die Gründe zu diesen drei Beweispunkten schöpft Herr Schmidt besonders aus der
im Jahre 1730 , auf 20 Blättern in Querfolio gedruckten Mongolischen Geschichte der
von Saadscha Bandida erfundenen Mongolischen Schrift, und auf die Auctorität einer
Geschichte der Mongolischen Chane, die bis auf die ersten Zeiten der jetzt in China herr
schenden Mandshuischen Dynastie fortgeführt ist, also höchstens aus der Mitte der XVII
Jahrhunderts sein kann. Was dieses letzte Werk betrifft, so habe ich den Werth dessel
ben schon in meinem Examen des extraits d'une Histoire des Khans Mongols , inse're's par
M. Schmidt dans le VI.' volume des Mines de VOrient, beleuchtet, welches im II. Bande
des Journal asiatique, S. 193 u. f. abgedruckt, und auch besonders unter eben dem
Titel erschienen ist. Die Geschichte der Mongolischen Schrifterfindiing kennt man
aus den von Pallas , von mir (l) und von Herrn Schmidt gegeben Auszügen, welche,

(1) Während meines zweimaligen Aufenthaltes in Irkuzk, in den Jahren 1805 und 1806, war ich besonders
bemüht authentische Nachrichten über die Mongolischen Völkerschaften einzuziehen, und in ihrer. Sprache ver-
fasste Werke zu erhalten. Der Erfolg entsprach meinen Wünschen nicht so sehr als ich gehofft hatte; dennoch
erhielt ich mehreres Brauchbare, und besonders einige Russische und Deutsche Ubersetzungen von Fragmenten
Mongolischer Bücher; die ich theils der Güte des würdigen Herrn Staatsrathes von Krarv^, theils den Bemühungen
des dortigen Kaiserlichen DoIImetschers für die Chinesische und Mandshuische Sprache, Herrn Alexei Pan
tschen? verdanke. Ich kenne weder den Namen des Russischen noch den des Deutschen Ubersetzers. Die Deu
16
( 62 )

besonders da sie ein sehr neues Machwerk ist, wenig für ihre Glaubwürdigkeit
sprechen.
Die beiden ersten von Herrn Schmidt aufgestellten Punkte sind theils zu lächerlich,
theils verrathen sie eine so grosse Unbekanntschaft mit alle dem was früher, nicht nur
über die .Uiguren , sondern über die ganze Geschichte der mittleren Asiens vorhanden
ist, als dass ich mich bei ihrer Widerlegung aufzuhalten brauchte. Sie sind auch be
reits durch Herr Remnsat's vortreffliche Recherches sur les Langues Tartans, durch das
Uigurische Vocabular der Königlichen Bibliothek zu Paris, von dem sich nun auch eine
aus Peking gekommene Abschrift zu S.'-Petersburg, in den Händen des Herrn Baron
Schilling von Canstadt befindet , und schliesslich durch diese meine Abhandlung über
die Uiguren widerlegt. Er bleibt mir also nur übrig den Herausgebern der Fundgruben
des Orients mein aufrichtiges Beileid zu bezeigen , wenn ich die unschuldige Ursache ge
wesen bin, dass sie, die als so tiefe Kenner der Asiatischen Geschichte und Litteratur
im Occidente und im Oriente bekannt sind, ihrer Zeitschrift durch Herrn Schmidt 's
Einwürfe einigen Makel beigebracht haben. Herr von Hümmer hat jedoch <hese Scharte
glücklich wieder ausgewetzt ; durch die Einrückung eines lithographisch nachgesto
chenen und übersetzen Uigurischen Diplomes von Timur Kutlugh , das wahrscheinlich
weder von Herrn Schmidt, noch von sonst jemand als meine Schöpfung angesehen
werden wird.
Mein einziger Zweck ist also hier nur der, zu zeigen in wiefern die Namen Tangut
und Uigur als identisch gelten können.

Der Name Tangut, kommt von einem Stamme im östlichen Tübet her, den die Chine

sischen Schriftsteller >^L-/ Tang-chidng nennen. Nach Ma-tüön-lin (l) waren dieses

die Nachkommen der jig ~. San-miao, oder der alten Ureinwohnen von China,

welche von den aus Nordwesten angekommenen Chinesen in die Tübetischen Gebirge

vertrieben worden waren. So wie ihre Stammverwandte, die Thäng-tschang,

und |^ Pe-ldng, hielten sich auch die Tang-chidng für Abkömmlinge einer

grossen Affenart (2). Sie wohnten ehemals westlich von der, in der Provinz Käti-sü

tschen Stücke stammten aus dem Nachlasse des bekannten Laxmanns her, und ich erhielt durch Herrn von
Krani die Erlaubniss sie zu copiren. Aus denselben ist vorzüglich das geschöpft, was ich im ersten Bande meiner
Reise in den Kaukasus ( von Seite 163 bis 256 ) , über die Lamaischen Religionsgebräuche gesagt habe. Unter
diesen Papieren befand sich auch die Geschichte der Mongolischen Schrifterfindung, aus einem Mongolischem Ori
ginale, wie es scheint auszugsweise, übersetzt; aber in einem so fürchterlichen Deutsch geschrieben, dass ich
genöthigt war sie ganz umzuarbeiten , um sie nur einigermassen verstandlich zu machen. Da ich das Original
nicht mit der Ubersetzung vergleichen konnte, so kann ich auch nicht für ihre Treue stehen, und die mir deshalb
von Herrn Schmidt gemachten Verwürfe fallen von selbst zusammen.
(1) Wen-chiän-thüng-khab , CCCXXXIV, Blatt 8.
(2) Nach dem aus dem Indischen übersetzten Religionswerke Mani-Gomho , sollen allen Tübeter von dem
grossen Affen Sarr -Aletschin und der Affin Raktscha abstammen. Sie selbst rühmen sich dieses Ursprunges, und
halten sich für älter als andere Menschengeschlechter. Jahrig, der viele Jahre unter den Mongolen an der Rus
sich-Chinesischen Gränze gelebt hat, behauptet dass in den Gesichtszügen der Tübeter, die Ähnlichkeit mit
den Affen unverkennbar sei; besonders hervorstechend schien sie ihm bei den Greisen, die als Glaubensgesandte
mit offenen Schreiben des Dalai-Lama und Bogdo Bansin in der Mongolei umherreisen. Diese brüsteten sich
sogar mit ihrer Verwandschaft mit den Affen, und hielten ihre Bildung für volkommener, als die anderer Völ
kerschaften. Noch jetzt wird das mittlere Tübet das Land der Affen genannt.
( 63 )

gegenen, Stadt Un-tha6 , in dem '^^P Sy-dschy genannten Lande, oder der gan

zen Gegend, welche der gelbe Fluss von seinem Eintritt in China in verschiedenen
Krümmungen durchströmt. Als im III und IV Jahrhunderte die Chinesischen Dynastien
Guey und Dsitt die Macht der Khiäng (l) gebrochen , und die Dscheü im VI.ten

die Thdng-tschäng vernichtet hatten, wurden die Teng-dschy , und nach

ihnen die Tang-chidng mächtig. Bald darauf entstand das grosse Reich der -Z^v g-fc

Thu-po oder Tübeter, dessen Könige schon im Anfange des VIII Jarhunderts Chotian ,
Kaschgar, Aksu und Charaschar besassen. Nun verbreiteten sich auch die nomadischen
Tang-chidng oder Tangut weiter nach Norden und Nordosten, und dadurch erhielt das
ganze Land , zwischen dem hohen Gebirge Bajan-chara , dem Chuang-cho oder gelben
Flusse, bis da wo er sich über dem jetzigen Lande der Ordos nach Osten, und dann ge
rade nach Süden wendet, dem Himmelsgebirge in Norden der Städte Chamil [Hami]
und Turfan, und dem See Gasch-noor , im östlichen Theile der sogenannten kleinen Bu-
charei, den Namen Tangut. Es stammt dieser Name besonders von dem Theile des

Volkes der Tang-chidng her , der zur Zeit der Dynastie Liaö ( 916 bis 1121 n.

Chr. Geb.) -jijp Thäng-ku, genannt ward , und von dem die Mandshuisch

verfasste Geschichte dieser Dynastie vier Horden kennt. Drei derselben , nämlich die
€> ^jj-(o. ^ \K I-£i Tang-gu, e> ^j-Mö. ^ oal Cho-la Tang-gu (schwarze Tangut!) und

die nördlichen Tang-gu, wohnten innerhalb der mitternächtlichen Provinzen des Reiches
der Liaö ; die südlichen Tang-gu aber, ausserhalb seiner Gränze (2).

Die Chinesen geben dem Lande Tangut den Namen yPj Chö-sy, das ist

"Westen des (gelben ) Flusses , weil es gegen Abend von dessen oberen Hälfte gelegen

ist. Das Chinesisch-Uigurische Vocabular (S. 19) übersetzt \f^zf yPj durch ^n o) ■ ■ b

Tangut, und das Chinesisch-Bucharische durch oyw Tanghut. Dagegen unterscheiden

beide davon Tübet, Chinesisch -^pj-^ \ft*J Sy-fdn, indem das erste es durch ^e^b

Tübot, und das andere durch o*j Tübet umschreibt. Eines stärkeren Beweises bedarf es
kaum um die Nicht-Ubereinstimmung von Tübet und Tangut zu bestättigen.

Der genaue Marco Polo hat uns die besten Nachrichten über das Land Tangut und
dessen damalige Ausbreitung hinterlassen. Ich gebe deshalb hier die darauf Bezug
habenden Stellen aus dem Italiänischen Texte des Ramusio :

Lib. I , cap.jtf. — Ramusio ? II, fol. 12 b.

Qiiando s'e caualcato queste trenta giornate, pe'I deserto, si truoua vna cittä detta
Sachion, laqual'e del gran Can, & la prouincia si chiama Tanguth , & adorano

(1) Dieses ist der alte Chinesische Name für die östlichen Tübeter, welche mit China gränzten.
(2) Siehe W^AS 0 jaUtv»;^ ( Peking, 1646 ), Vol. VIII , Blatt 20 und 21.
( 64 )

gi' Idoli, & vi sono Turchi, & alcuni pochi Christian! Nestorini, & ancho Saraceni :
ma quelli , che adorano gli Idoli hanno linguaggio da per se.

Sachion, ist j/^j V^P* Schä-dscheü, eine zur Zeit der Mongolen sehr bevölkerte

• Stadt, südlich von der Sand- und Steinwüste, und westlich von der Chine
sischen Provinz Kän-sü belegen. Sie ward damals von dem Türkischen Volke
der Chuy-kü bewohnt , die Stammverwandte der Uiguren waren. Die Man-
dshuische Geschichte der Liaò setzt dort hin &■ 0^ \> &± Chuy-ku von
Scha-dscheu.

Üb. I , cap. 37. — Ramusio, II, fol. 12 e.

Chamul è vna prouincia posta fra la gran prouincia di Tanguth soggetta al gran
Can, & sono in quella molte città, & castella, deiiequali la città maestra è detta si
milmente Chamul.

Chamul ist die, von den Chinesen Jgg> ri Chä-my, Uigurisch tnl ' Chamul,

von den Mongolen t?±* Chamil und Chamul, und von den Dsunga-
rischen Olöt Chami genannte Stadt. Sie und Turfan , waren ehemals der
Hauptsitz der Uiguren.

Üb. I, cap. 38. — Ramusio, II, fol. 13 a.

Partendosi dalla prouincia predettaci và per dieci giornate fra Greco, & Leuante,
& in quel cammino vi sono poche habitationi , ne cose degne di raccontarle & in
capo di dieci giornate, si truoua vna prouincia chiamata Succura, nellaqual sono
molte città, & castella, & la principal città è ancor lei nominata Succum. Le cui gente
adorano gl'Idoli, & sono anchora in quella alcuni Chrìstiani. Sono sottoposti alla si
gnoria del gran Can. & la gran prouincia generale, nellaqual si contiene questa pro
uincia, & altre due prouincie subsequenti , si chiama Tanguth & per tutti li suoi
monti, si troua Reubarbaro perfettissimo, in grandissima quantità, & i mercanti, che
iui Io cargano, lo portano per tutt'il mondo.

Succuir ist ohne Zweifel jj^j Sü-dscheü, in der Provinz Kän-sü, éin noch

jetzt wegen seines Rhabarberhandels berühmter Ort.

Lib. I, cap. 3$. — Ramusio, II, fol. 13 b.

Campion è una città, che è capo della prouincia di Tanguth. La città è molto
grande, & nobile, & signoreggia a tutta la prouincia.

Campion ist die Stadt ~\^~ Kän-dsheü in der Provinz Kän-sü.

Lib. I, cap. 40. — Ramusio, II , fol. 1$ c.

Partendosi da questa città di Campion , & caualcando per dodici giornate , si truoua
vna città nominata Ezina in capo del deserto dell'arena, verso Tramontana, & con
( 63 )

tiensi softo la prouihcia di Tanguth. ....... Et quando s'e caualcato per questo de-
serto 40 giornate, si truoua vna cittä verso Tramontana detta Carachoran. Et tutte
le prouincie sopradette , fr cittä, cioe : Sachion, Chamul, Chinchitalas , Succuir,
Campion, fr Ezina sono pertinenti alla gran prouincia di Tanguth.

Der FIuss fp^ Thab-lay-cho , oder tfpf Thao-lay-cM

entsteht aus mehreren Bächen, die auf der Nordseite des hohen Schneegebirges
Amuni-eku, nordwestlich vom See Chuchu-noor, entspringen. Er fliesst vor Sü-dsche«
vorbei nach Nordost, nimmt, nachdem er China verlassen hat, den aus Süd

osten von Kän-dscheü kommenden FIuss .IL Che-schuy (l) auf, und

führt, vor und nach der Verbindung mit demselben, den Namen Edsine.
Er hat seinen Abfluss in die beiden Seen Sobo und Sogo ; von denen der letzte

noch unter der Dynastie Ming, Z^J^Z- -Sf F-dsy-nay-chay, d. i.

See von Idsina genannt ward. An diesem Flusse standen zur Zeit der Mongo
lischen Herrschaft mehre bedeutende Orte, zu denen auch Ejina des Marco-
Polo gehörte, das von Kän-dscheü fast gerade in Norden iag.

Aus Marco-Polo's Angabe sieht man also deutlich die Ausbreitung von Tangut
nach Osten und Norden, und die Nothwendigkeit es von Tübet ganz zu trennen.
Wie überhaupt in Mittelasien, wohnten auch in Tangut Horden der verschieden
sten Stammvölker neben einander, und folgten mit ihnen Heerden den Flüssen und
dem "Wiesenwuchse. Den grössten Theil der Bewohner machten Türkische Stämme

aus, und zwar Uiguren, Chinesisch j-jjljy Käö-tschäng, oder yjßjy Chuy-khu.

Nach der angeführten Geschichte der Liaö wohnten dort ™it $<x Kao-tschang, & 0^
Chuy-ku, e> /-"-t-n^M. Asalan Chuy-ku, &■ O2^ 0 ^ /-et Chuy-ku von Kan-dscheu,
e> 0^ o ^ /-v Chuy-ku von Scha-dscheu , 0 0^ 0 Chuy-ku von Cho-dscheu.
( S. oben S. 30, Anmerkung 4.) Alles das stimmt vortrefflich mit Marco -Polo. Den
noch weidete dprt auch die Horde ^' '^v ^-m> vJ^^ o /^A9 oder der Tang-chiang vom
Westen des gelben Flusses , das ist die eigentlichen Tangut, die wie wir wissen Tübetischen
Ursprungs waren.
Die Chuy-ku, welche ein Volk mit den Uigur ausmachten, hatten im Mittelalter
ein mächtiges Reich im östlichen Theile des inneren Asiens gestiftet, das aber ums Jahr
848 unserer Zeitrechnung vernichtet ward ; Worauf sich ihre Horden zerstreuten und
westlich nach Tangut zogen.

Hier wurden sie in der Gegend von Kän-dscheü und Schä-dscheü mächtig, und ge
gen 1000 hatte sich ihre Herrschaft über die ganze kleine Bucharei, bis zu den Quellen
des Oxus verbreitet. Es ist also gar nicht unnatürlich, dass bei den Mongolen zur Zeit
Tschingis-chan's und seiner Nachfolger die Benennungen Uigur und Tangut gleichbe-

(1) Dieser FIuss ist auf d'Anville's Charten, durch einen Irrthum Etschine, und Et^tne genannt worden, ob
gleich dieser Name ihm nicht zukömmt.
17
( 66 )
deutend waren ; weil dieses Land vorzüglich von Uigurisch -Türkischen Nationen be
wohnt ward.

Folgende von Herrn Schmidt gegen mich, angeführte Mongolische Stelle erklärt sich also
Von Selbst : 0J-t© j-H/O^j-O V)n""nt 0 ftnLn' J*>-i\>"-b. J-^- fl"^! \jni ütoj
« Was das Uigur Volk betrifft, so wurde das Volk von Tangut zu der Zeit Uigur ge-
» nannt. »

In einem Briefe an Herrn Abel-Re'musat der Auszugsweise im Journal asiatique (Band


Ij S. 321 , u. f. ) eingerückt worden ist, giebt Herr Schmidt, um die Identität der Ui-
guren und Tübeter zu beweisen, folgende Stelle aus der Geschichte der Mongolischen
Chane , die er im Original besitzt, y*^*- ^fc^ ^OA)-^ W J ■ ° in ^ j-1^ Jg'°" m»
nn,u jju Ii iAn i \J \$n ii \\n i " f 1 1 j tti i. N^j^oai. j^i A nn u ^Su^jl^. j i |Y»i nj^. V^n^ in^n,u
J-^ji^u- j-M-n-L. J n i Mi T Jj$i-nJi. k\> Lu-i-L^ ?M iM i ^ .. |j ffj n \- e^-OC •• ^frlft>V "" " 1 ^ ^ " > " J v" 1
o p^a^ |i j-t-t-er^ i u v^xiJiAt \>vLJ-^ ^fh/S o±e>v ^ rr'-t.s ' 1 •• -orL" " 1 1 o J^mjaj
.. \K)1")'" ,s^^jj- «Nach diesem, da er [ y-^-v- > Altan-chagan ] sieben und sechzig
» Jahr alt war, im Küi-Takka Jahre (1573) zog er gegen Chara-Töbet zu Felde, und
» unterwarf sich die beiden Abtheilungen der oberen und unteren Uigur. Die drei Ober-
» häupter der unteren Abtheilung : Arik-Ssaghardshaiwa , Garbo-Lombum und Sserteng
» Sereb dshab , nebst vielen des Volkes nahm er gefangen , und führte die beiden Arik
» Lama und Gumi Schoga nebst vielen Tibetern mit sich in seine Heimath. »
Für's erste muss ich bemerken, dass Herr Schmidt in seiner Ubersetzung ein Wort
ausgelai.sen hat, denn im Original steht V^nüvmi yL^, ^njvm ^'^u A\>m> «die obere
» und untere Horde der Schira- Uigur. » Es ist aber dieses Wort Schira, wegen der
Erklärung des Textes von Wichtigkeit, wie man sogleich sehen wird.

Die Chinesen nenen das eigentliche Tübet jfimt Ktä Sj~lPn$> d. das west-

liehe Zdng, und den östlichen nach China zu gelegenen Theil tW( X^J «frfr

U-sy-iäng, d. i. Schwari-Tübet. Diese Benennung besteht seit der Zeit der Mongolischen
Dynastie Yuan, und stimmt vollkommen mit der von Chara-Tübet oder Schwari-Tübet ,
in Herrn Schmidts Mongolischer Geschichte, überein. Sie bezieht sich besonders auf
den Theil des Landes nordöstlich vom Flusse Dsatschu , bis gegen den See Chuchu-
tioor hin und namentlich gehört die ganze Gegend am den Flüssen Jj '^&\t Jeke
Tschi'idam und >j '^"f Bachan Tschi'idam , oder wie sie auf den Mandshuischen
Charten heissen )j Tschaidam , dazu. In Norden wird Chara-Tübet dort von dem

Schneegebirge j t f ^bj^J Nan-schän begränzt, das südlich von Schä-dscheü liegt, und

auf dem der ^Aaj'PtJP Bulunggir, und seine Nebenbäche entspringen.

In der Gegend des Flusses Tschi'idam lag, zur Zeit der Yuan und der Mtng, die be

festigte Gränzstadt ^j|fy*y£^ Z^tT Ngän-üng-wey , von j/^j ]/jJ^ Schä-dscheu in

Süden ; von 9^ —J-"* Chan-tüng-wey \n Westen ; und 1500 Ly in Südwesten

von jf*]*] "~^J^ Kän-dscheü. Die Yuan gabert dem Buyan-Timur , der aus kaiserlichem

Geblüte stammte, den Bezirk dieser Stadt als Lehn, und ertheilten ihm den Titel eines
( «7 )

p_ F*1. Ning-wang. Der ursprüngliche Name des Landes war Sari-Uigur, und

es gränzte an den Theil von Tübet , dessen Bewohner nicht in Städten , sondern
in beweglichen Filzhütten wohnen , und ein nomadisches Leben führen. Die Pro
dukte des Landes sind Kamele , Pferde , Ochsen und Schaafe. Nach der Vertreibung
der Mongolen aus China , forderte im Jahre 1374 der Stifter der Dynastie Ming den
Buyan-Timur auf sich zu unterwerfen; der auch vier Jahre später den Anführer seiner
Leibgarde Namens Madar als Gesandten nach Peking abfertigte , und Panzer , Säbel
und andere Dinge als Tribut schickte. Der Kaiser war damit sehr zufrieden , be
schenkte den Gesandten , und den Fürsten der ihn abgeschickt hatte , und sendete
dem letzteren ein Insiegel , auf dem die Namen der vier unter ihm stehenden Horden
AJuan, Adschen, Josiän und Tili eingegraben waren. Alle diese Horden wohnten im
Lande Sari-Uigur. Im ersten Monate des folgendes Jahres 1375 schickte derselbe
Fürst eine zweite Gesandtschaft unter der Anführung des Buyan-buchua mit Geschen
ken an den Chinesischen Kaiser, die ihm am Laternenfeste vorgestellt wurde, und
bei dieser Gelegenheit ein Diplom in goldenen und silbernen Buchstaben erhielt,
durch welches dem Buyan-Timur der Königliche Titel Ngän-ti'ng-wdng beigelegt, und er
als Lehnsträger und Statthalter der Gränzörter Ngän-ting und Aduan bestättigt wurde.
Schara und andere seiner Untergebenen erhielten den Rang als Obristen. Im Jahre
1376 schickte der Kaiser eine Gesandtschaft an den neuen König, die ihm und den Sei
nigen köstliche Stoffe überbrachte. Im folgenden Jahre ward Buyan-Timur vom Schara
gedödtet , und bald darauf auch der Thronfolger Bantscha-schiri ; wodurch sehr grosse
Unruhen im Lande entstanden. Dordschiba Anführer einer Tübetischen Parthei ,
kam, auf seiner Flucht nach der Sandwüste Gobi, durch Ngän-ting, plünderte diesen
Ort, und nahm das Königliche Siegel mit sich. Die innere Zerrütung des Landes
dauerte noch einige Zeit lang fort, und von Seiten der Chinesischen Kaiser, als
Lehnsherrn , wurden dort verschiedene Veränderungen gemacht. Die Fürsten von Sari-
Uigur oder Ngän-ting beaupteten sich bis zum Ende des XV.1" Jahrhunderts, bis in

den Jahren • |- Dschtng-te ( 1506 bis 1522) die Mongolischen Horden unter

Ybura-Ordos das Land um den See Chuchu-noor einnahmen , und sich bis nach Ngän-ting
verbreiteten (l). ■
Es ist nun wohl keinem Zweifel unterworfen , das V^aiUa*. y^. Sira-Uigur in
Herrn Schmidts Mongolischer Geschichte, und Schari-Uigur der Chinesischen Schrift
steller derselbe Name sind, und beide in Chara-Tübet oder Schwari-Tübet zu finden
waren. Wie wir sehen kamen im Aufange der XVI Jahrhundert die, es bewohnenden
gröstentheils Türkischen Horden , welche Überbleibsel der Chuy-kü , eines Uigurischen
Volkes waren (2) , unter die Bothmässigkeit Mongolischer Fürsten. Es ist also leicht

f1) J^* Mmg-szu, oder Geschichte der Dynastie Ming, Buch CCCXXX, Blatt 12 bis 16.

(2) In jenen Gegenden hausten selbst früher Uigurische Stämme, neben anderen Bewohnern verschiedener

Abkunft. Die ehemahlige Stadt Jpjjj^ " jpg* Y-gü-chian , d. i. die Uiguren Stadt, lag von JVgän-

s^-wey, in Norden, also in der Nähe der Flusses Bulunggir. Sie ward unter der Dynastie Dsln ( 265 bis 419
nach Christi Geburt) angelegt, und in den Mitte des VI. Jahrhundertf , unter den letzten Guey zerstöhrt. —
S. Thay-zing-y-thiing-dschy , Buch CLXX, Blatt 8 verso.
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zu begreifen , dass 1573 Altan-Chagan dort Schira-Uigur (l) fand, deren Häupter Mön-
golisch-Tübetische Namen hatten, und die der Lamaischen Religion zugethan waren ;
so wie sich auch Tübetische Priester bei ihnen aufhielten.

Der Unterschied zwischen der Uigurischen und eigentlichen Tangutischen Sprache,


wird aus Raschid- eddin volkommen einleuchtend, welcher sagt: « Mangu-chan hatte
» Schreiber die seine Befehle in Persischer , Chinesischer s}^, Tübetischer ',
» Tangutischer ^jäS^j,- und Uigurischer Sprache abfasten. » — Diese
Stelle würde uns, wenn auch kein Uigurisches Wort auf uns gekommen wäre ,
die Identität dieser Sprache mit der Türkischen beweisen ; weil wäre ein Unterschied
zwischen beiden , Mangu-chan offenbar Schreiber für die letztere gehabt haben
müsste, weil ein ansehnlicher Theil seiner Unterthanen aus Türken bestand, und sonst
seine Befehle nicht verstanden haben würde. Das Türkische behielt noch lange Zeit,
wenn es mit den von dem Syrischen abgeleiteten Uigurischen Alphabete geschrieben
war, den Namen Uigurisch, wie man aus den Unterhandlungen der Genueser von
Kaffa in der Krym , mit den Mongolischen Fürsten von Soldaya [ Sudak], Cembalo, u.
s. w. ersieht, in welchen jene Sprache Lingua Ugaresca genannt wird (2). Das von
Herrn von Hammer , im IV Bande der Fundgruben des Orients bekannt gemachte höchst
merkwürdige Diplom des Timur-Kutlugh vom Jahre 1397 beweiset ebenfalls , dass die
Türkisch -Uigurische Sprache und Schrift, noch damals von den Mongolischen , im
südlichen Russlande herrschenden Fürsten , bei öffentlichen Verhandlungen gebraucht
wurde. Der geschätzte Herausgeber hat dieses Diplom , mit Beihülfe einiger gelehrten
Freunde , vollkommen übersetzt und erklärt.

Abdallah Beidhawi, kannte ebenfalls den Unterschied der Uigur und eigentlichen Tan
guten wenn er sagt : ojjfj^y» _>ajU_j Ijjt jyytj oj*£j j j cvy'j jt&fj oj* ^!yf *i" o^-H 3?*^
« Schigemuni- Burchan den die Völker von Indien, Kaschmir, Tübet, Chatai [China],
» Tangut und Ighur für einen Gesandten Gottes erkennen. (3) »

(1) Diese Sari-Uigur oder gelben Uigur, sind wahrscheinlich dasselbe Volk welches von den Chinesen auch

jQ| jj~f ^j" —^^j-* Chuäng-theu Chuy-kü, das ist, Gelb-köpfige Chuy-kü genannt wird, und das in

Tangut, auf dem Wege von Chotian nach dem nordwestlichen China wohnte, — Vergleiche Abel-Rhnusat ,
Histoire de Ia Ville de Khotan, tiree des Annales de la Chine; Paris, 1820, in-8.', S. 95.
(2) Siehe Herrn Sa'mt-Martin's , Memoires sur l'Armenie, t. II, p. 275. — Rapport sur les archives de Genes,
par M. Ie Baron Silvestre de Sacy , in den Memoires de l'Institut, tom. III, p. 114.
(3) Historia Sinensis, «d. And. MuIIero; Jenae, 1689, in-j..', S. 28 des Persischen Textes.

ENDE.