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Die Nationale

Wasserstoffstrategie

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Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi)
Öffentlichkeitsarbeit
11019 Berlin
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Stand
Juni 2020

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BMWi

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PRpetuum GmbH, 80801 München

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Inhaltsverzeichnis
I. Wasserstoff: Potenzial erkennen, Chancen nutzen ............................................................................................................................................................................................... 2

II. Nationale Wasserstoffstrategie: Ziele und Ambitionen ........................................................................................................................................................................... 5


Globale Verantwortung übernehmen 5
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Wasserstoff wettbewerbsfähig machen 5


. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

 Einen „Heimatmarkt“ für Wasser­stoff­technologien in Deutschland entwickeln,


Importen den Weg bereiten ....................................................................................................................................................... 5
Wasserstoff als alternativen Energieträger etablieren 6
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Wasserstoff als Grundstoff für die Industrie nachhaltig machen 6


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Transport- und Verteilinfrastruktur weiterentwickeln 7


. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Wissenschaft fördern, Fachkräfte ausbilden 7


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Transformationsprozesse gestalten und begleiten 7


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 Deutsche Wirtschaft stärken und weltweite Marktchancen für deutsche


Unternehmen sichern 7
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Internationale Märkte und Koopera­tionen für Wasserstoff etablieren 8


. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Globale Kooperationen als Chance begreifen 8


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 Qualitätsinfrastruktur für Wasser­stoff­erzeugung, Transport, Speicherung und


Verwendung weiter ausbauen, sichern und Vertrauen schaffen 8
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Rahmenbedingungen stetig verbessern und aktuelle Entwicklungen aufgreifen 9


. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

III. Wasserstoff: Status quo, Handlungsfelder und Zukunftsmärkte ........................................................................................................................ 10


Status quo und erwartete Entwicklung für Wasserstoff und seine Folgeprodukte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
Wasserstoff als europäisches Gemeinschaftsprojekt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
Internationaler Handel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
Transport- und Verteilinfrastruktur im In- und Ausland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
Forschung, Bildung und Innovation .................................................................................................................................. 13

IV. Governance der Nationalen Wasserstoffstrategie ............................................................................................................................................................................................ 15


Zusammenwirken von Bund und Ländern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16

V. Aktionsplan: Notwendige Schritte für den Erfolg der Nationalen Wasserstoffstrategie ................ 17
Erzeugung von Wasserstoff . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
Anwendungsbereiche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18

VI. Glossar .................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................... 29


2

I. Wasserstoff: Potenzial erkennen, Chancen


nutzen
Eine saubere, sichere und bezahlbare Energieversor- • Wasserstoff ist ein Energiespeicher, der angebots-
gung ist für unser Leben essenziell. Dafür legt die orientiert und flexibel erneuerbare Energien spei-
Energiewende mit unseren Anstrengungen und Erfol- chern und einen Beitrag zum Ausgleich von Ange-
gen beim Ausbau der erneuerbaren Energien und im bot und Nachfrage leisten kann. Das macht
Bereich Energieeffizienz die Grundlage. Mit den Wasserstoff zu einem wichtigen Baustein der
Beschlüssen des Bundeskabinetts zum Klimaschutz- Energiewende.
programm 2030 hat die Bundesregierung die Voraus-
setzungen für das Erreichen der Klimaziele 2030 • Wasserstoff ist ein wesentliches Element der Sek-
geschaffen. Sie verfolgt dabei langfristig das Ziel der torkopplung. In den Bereichen, in denen Strom
Klimaneutralität im Einklang mit den Zielen des aus erneuerbaren Energien nicht direkt eingesetzt
Übereinkommens von Paris, um die Erderwärmung werden kann, öffnen grüner Wasserstoff und seine
deutlich unter 2 Grad zu halten und möglichst auf Folgeprodukte (Power-to-X) neue Dekarbonisie-
1,5 Grad zu begrenzen. Deutschland hat sich zudem rungspfade.
gemeinsam mit den Staaten der Europäischen Union
zu dem Ziel der Treibhausgasneutralität in 2050 • Bei verschiedenen chemischen und industriellen
bekannt. Dies bedeutet nach den Beschlüssen zum Prozessen ist Wasserstoff schon heute unabding-
Kohleausstieg, dass insbesondere auch die sehr bar. Als Grundstoff wird er zum Beispiel für die
schwer zu vermindernden Emissionen, wie beispiels- Herstellung von Ammoniak benötigt. Künftig soll
weise prozessbedingte Treibhausgase aus der Indust- der bereits heute verwendete fossil erzeugte Was-
rie, möglichst vermieden werden müssen. serstoff ersetzt werden. Wasserstoff kann darüber
hinaus durch die Verwendung als Grundstoff wei-
Eine erfolgreiche Energiewende bedeutet die Kombi- tere Produktionsprozesse in der Industrie dekar-
nation von Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und bonisieren, für die nach derzeitigem Stand der
Umweltverträglichkeit mit innovativem und intelli- Technik keine anderen Dekarbonisierungstechno-
gentem Klimaschutz. Dafür brauchen wir alternative logien zur Verfügung stehen. So ist für eine treib-
Optionen zu den derzeit noch eingesetzten fossilen hausgasneutrale Erzeugung von zum Beispiel Pri-
Energieträgern. Das gilt insbesondere auch für gasför- märstahl der Einsatz von Wasserstoff als Ersatz für
mige und flüssige Energieträger, die in einem Indust- Steinkohlenkoks derzeit der technologisch vielver-
rieland wie Deutschland auch langfristig ein integraler sprechendste Pfad.
Teil des Energiesystems bleiben werden. Wasserstoff 1
bekommt hier eine zentrale Rolle bei der Weiterent- • Bestimmte industrielle CO2-Quellen, zum Beispiel
wicklung und Vollendung der Energiewende: prozessbedingte Emissionen der Zementindustrie,
lassen sich langfristig nur mit Hilfe von Wasserstoff
• Wasserstoff ist ein vielfältig einsetzbarer Energie- dekarbonisieren. So können abgefangene industri-
träger. Er kann zum Beispiel in Brennstoffzellen elle CO2-Emissionen mit Wasserstoff in verwert-
die wasserstoffbasierte Mobilität befördern und bare Chemikalien umgewandelt (CCU) und neue
zukünftig als Basis für synthetische Kraft- und Wertschöpfungsketten für die Grundstoffindustrie
Brennstoffe genutzt werden. erschlossen werden.

1 Aus Sicht der Bundesregierung ist nur Wasserstoff, der auf Basis erneuerbarer Energien hergestellt wurde („grüner“ Wasserstoff),
auf Dauer nachhaltig.
I. WASSERSTOFF: POTENZIAL ERKENNEN, CHANCEN NUTZEN 3

Damit Wasserstoff ein zentraler Bestandteil unserer ergibt sich ein Fördervolumen von bis zu 1,4 Mrd. Euro.
Dekarbonisierungsstrategie werden kann, muss die Darüber hinaus hat die Bundesregierung aus Mitteln
gesamte Wertschöpfungskette – Technologien, Erzeu- des Energieforschungsprogramms eine hervorra-
gung, Speicherung, Infrastruktur und Verwendung gende Forschungslandschaft aufgebaut. Zudem wird
einschließlich Logistik und wichtiger Aspekte der die anwendungsorientierte Grundlagenforschung zu
Qualitätsinfrastruktur – in den Blick genommen grünem Wasserstoff im Rahmen des Energie- und Kli-
werden. mafonds von 2020 bis 2023 mit 310 Mio. Euro weiter
ausgebaut und es ist beabsichtigt, die anwendungs-
Um das Ziel der Treibhausgasneutralität zu erreichen nahe Energieforschung zu Wasserstofftechnologien
und um seiner internationalen Verantwortung zur mit 200 Mio. Euro von 2020 bis 2023 zu stärken. Hinzu
Erreichung der Ziele des Klimaabkommens von Paris kommen die „Reallabore der Energiewende“, welche
gerecht zu werden, muss Deutschland Möglichkeiten den Technologie- und Innovationstransfer von der
schaffen, Wasserstoff als Dekarbonisierungsoption zu Forschung in die Anwendung auch bei Wasserstoff
etablieren. Dabei ist aus Sicht der Bundesregierung beschleunigen und für die im Zeitraum von 2020 bis
nur Wasserstoff, der auf Basis erneuerbarer Energien 2023 Mittel in Höhe von 600 Mio. Euro vorgesehen
hergestellt wurde („grüner“ Wasserstoff), auf Dauer sind. Im Rahmen des Nationalen Dekarbonisierungs-
nachhaltig. Daher ist es Ziel der Bundesregierung, programms werden unter anderem Investitionen in
grünen Wasserstoff zu nutzen, für diesen einen zügi- Technologien und großtechnische Anlagen in der
gen Markthochlauf zu unterstützen sowie entspre- Industrie gefördert, die Wasserstoff zur Dekarbonisie-
chende Wertschöpfungsketten zu etablieren. Die Bun- rung von Herstellungsverfahren einsetzen. Hierfür
desregierung geht jedoch gleichzeitig davon aus, dass stehen von 2020 bis 2023 über 1 Mrd. Euro zur Verfü­
sich in den nächsten zehn Jahren ein globaler und gung. Weitere Programme zur Förderung des Wasser-
europäischer Wasserstoffmarkt herausbilden wird. Auf stoffeinsatzes in der Industrieproduktion sowie zur
diesem Markt wird auch CO2-neutraler (z. B. „blauer“ CO2-Vermeidung und -Nutzung in den Grundstoff­
oder „türkiser“) Wasserstoff gehandelt werden. Auf- industrien sollen Industrie-Investitionen in Wasser­
grund der engen Einbindung von Deutschland in die stoff­technologien unterstützen. Zusätzlich hierzu
europäische Energieversorgungsinfrastruktur wird sieht das Zukunftspaket des Koalitionsausschusses
daher auch in Deutschland CO2-neutraler Wasserstoff vom 3. Juni 2020 vor, dass weitere 7 Mrd. Euro für
eine Rolle spielen und, wenn verfügbar, auch über- den Markthochlauf von Wasserstofftechnologien in
gangsweise genutzt werden. Deutschland und weitere 2 Mrd. Euro für internatio-
nale Partnerschaften bereitgestellt werden. Die tat-
Wasserstoff bietet zugleich ein wachsendes industrie- sächlich verfügbaren Mittel für die einschlägigen
politisches Potenzial und eine Chance, die deutsche Programme ergeben sich aus den jeweiligen Haus-
und europäische Wirtschaft bei der Bewältigung der haltsansätzen der Ressorts.
Folgen der Corona-Pandemie zu unterstützen. Ziel
der Nationalen Wasserstoffstrategie (NWS) ist es daher Es ist damit zu rechnen, dass die Nachfrage nach Was-
auch, die damit verbundenen volkswirtschaftlichen serstoff mittel- bis langfristig signifikant steigen wird.
Chancen zu nutzen. Um die Potenziale der Wasserstofftechnologien zu
heben, gilt es jetzt, die nächsten Schritte zu gehen und
Die Bundesregierung hat bereits früh die Möglichkei- gemeinsam mit der Wirtschaft einen echten Markt-
ten von Wasserstofftechnologien erkannt. So wurden hochlauf zu realisieren. Für dieses Ziel schafft die NWS
zum Beispiel im Rahmen des Nationalen Innovations­ den Rahmen für private Investitionen in die wirtschaft­
programms Wasserstoff- und Brennstoffzellentech- liche und nachhaltige Erzeugung, den Transport und
nologie (NIP) von 2006 bis 2016 rund 700 Mio. Euro die Nutzung von Wasserstoff.
an Fördermitteln bewilligt, im Zeitraum 2016 bis 2026
4 I . WA S S E R S TO F F: P OT E N Z I A L E R K E N N E N , C H A N C E N N U T Z E N

Die für die Energiewende voraussichtlich benötigten rung im September 2018 gemeinsam mit der Euro-
großen Mengen an Wasserstoff werden aus heutiger päischen Kommission und 27 europäischen Staaten
Sicht nicht nur in Deutschland produziert werden eine europäische Wasserstoffinitiative beschlossen
können, da die erneuerbaren Erzeugungskapazitäten sowie Wasserstofftechnologien und -systeme als eine
innerhalb Deutschlands begrenzt sind. Daher wird Wertschöpfungskette von strategischem Interesse
Deutschland auch in Zukunft ein großer Energieim- definiert. Diese Dynamik wird die Bundesregierung
porteur bleiben müssen. Deshalb werden wir inter­ nutzen und auch im Rahmen der 2020 anstehenden
nationale Kooperationen und Partnerschaften rund deutschen EU-Ratspräsidentschaft das Thema Wasser-
um das Thema „Wasserstoff“ aufbauen und intensi- stoff im Sinne dieser Strategie weiter vorantreiben.
vieren.
Die dargestellten Maßnahmen liegen in der Verant-
Das Thema „Wasserstoff“ hat auch auf europäischer wortung der jeweils zuständigen Ressorts und werden
und internationaler Ebene in den letzten Jahren eine von diesen im Rahmen der geltenden Haushalts- und
hohe Dynamik entwickelt. So hat die Bundesregie- Finanzplanansätze finanziert.
5

II. Nationale Wasserstoffstrategie: Ziele und


Ambitionen
Mit der NWS schafft die Bundesregierung einen kohä­ größere Pfadabhängigkeiten vermieden werden oder
renten Handlungsrahmen für die künftige Erzeugung, die sich nicht anders dekarbonisieren lassen, etwa zur
den Transport, die Nutzung und Weiterverwendung Vermeidung von Prozessemissionen in der Stahl- und
von Wasserstoff und damit für entsprechende Inno- Chemieindustrie oder in bestimmten Bereichen des
vationen und Investitionen. Sie definiert die Schritte, Verkehrs. Aber wir haben längerfristig auch Teile des
die notwendig sind, um zur Erreichung der Klimaziele Wärmemarkts im Blick.
beizutragen, neue Wertschöpfungsketten für die
deutsche Wirtschaft zu schaffen und die internationale
energiepolitische Zusammenarbeit weiterzuentwickeln. Einen „Heimatmarkt“ für Wasser­stoff­
Vor diesem Hintergrund verfolgt die NWS insbeson- technologien in Deutschland entwi-
dere folgende Ziele: ckeln, Importen den Weg bereiten

Globale Verantwortung übernehmen Als erster Schritt für den Markthochlauf von Wasser-
stofftechnologien ist eine starke und nachhaltige inlän­
Die Bundesregierung bekennt sich zu Deutschlands dische Wasserstoffproduktion und Wasserstoffver-
globaler Verantwortung für die Reduktion von Treib- wendung – ein „Heimatmarkt“ – unverzichtbar. Ein
hausgasemissionen. Unser Land kann mit der Ent- starker Heimatmarkt schafft auch eine wichtige Sig-
wicklung eines Marktes für Wasserstoff und dem Ziel, nalwirkung für den Einsatz von Wasserstofftechnolo-
Wasserstoff als Dekarbonisierungsoption zu etablie- gien im Ausland. Die Anreize für den Markthochlauf
ren, einen wesentlichen Beitrag zum weltweiten Kli- für Wasserstofftechnologien in Deutschland und ins-
maschutz leisten. besondere die für den Aufbau und Betrieb von Elek-
trolyseuren werden dabei so gestaltet, dass diese mit
der Energiewende übereinstimmen.
Wasserstoff wettbewerbsfähig
machen Die Bundesregierung sieht bis 2030 einen Wasser­stoff­­
bedarf von ca. 90 bis 110 TWh. Um einen Teil dieses
Unter den geltenden Rahmenbedingungen ist die Bedarfs zu decken, sollen bis zum Jahr 2030 in Deutsch­­­
Erzeugung und Nutzung von Wasserstoff noch nicht land Erzeugungsanlagen von bis zu 5 GW Gesamtleis-
wirtschaftlich. Insbesondere die Verwendung fossiler tung einschließlich der dafür erforderlichen Offshore-
Energieträger, bei denen aktuell die Folgekosten der und Onshore-Energiegewinnung entstehen. Dies ent-
CO2-Emissionen nicht eingepreist sind, sind noch spricht einer grünen Wasserstoffproduktion von bis zu
deutlich günstiger. Damit Wasserstoff wirtschaftlich 14 TWh 2 und einer benötigten erneuerbaren Strom-
wird, müssen wir die Kostendegressionen bei Wasser- menge von bis zu 20 TWh. Dabei ist sicherzustellen,
stofftechnologien voranbringen. Ein schneller inter- dass die durch die Elektrolyseanlagen induzierte Nach­
nationaler Markthochlauf für die Produktion und frage nach Strom im Ergebnis nicht zu einer Erhöhung
Nutzung von Wasserstoff ist hier von großer Bedeu- der CO2-Emissionen führt. Im Rahmen des Monitorings
tung, um technologischen Fortschritt sowie Skalenef- der nationalen Wasserstoffstrategie wird die Bundes-
fekte voranzutreiben und zeitnah die notwendige kri- regierung zudem die Bedarfsentwicklung für grünen
tische Masse an Wasserstoff für die Umstellung erster Wasserstoff detailliert erfassen. Für den Zeitraum bis
Anwendungsbereiche zur Verfügung zu haben. Ein 2035 werden nach Möglichkeit weitere 5 GW zugebaut,
besonderer Fokus liegt dabei auf Bereichen, die schon spätestens bis 2040.
jetzt nahe an der Wirtschaftlichkeit sind und bei denen

2 Annahme: 4.000 Volllaststunden und ein durchschnittlicher Wirkungsgrad der Elektrolyseanlagen von 70 Prozent.
6 I I . N AT I O N A L E WA S S E R S TO F F S T R AT E G I E : Z I E L E U N D A M B I T I O N E N

Um den zukünftigen Bedarf zu decken, wird der über- Wasserstoff als alternativen
wiegende Teil der Wasserstoffnachfrage aber importiert Energieträger etablieren
werden müssen und kann nicht nur mit der loka­len
Erzeugung von grünem Wasserstoff bedient werden. Wasserstofftechnologien und darauf aufbauend alter-
Die EU insgesamt verfügt über einige ertragreiche native Energieträger sind integraler Bestandteil der
Standorte für Strom aus erneuerbaren Energien und Energiewende und tragen zu ihrem Erfolg bei. Einige
damit auch ein großes Erzeugungspotenzial für grü- Anwendungsbereiche, zum Beispiel im Luft- und See-
nen Wasserstoff. Die Bundesregierung wird sich dafür verkehr oder Industrien mit prozessbedingten Emis-
einsetzen, dieses Potenzial zu erschließen und weitere sionen, werden sich auch langfristig nicht ausschließ-
Erzeugungskapazitäten aufzubauen. Dazu wird sie die lich oder nur mit großem Aufwand direkt mit Strom
Zusammenarbeit mit anderen EU-Mitgliedstaaten versorgen lassen. Insbesondere in der Luftfahrt, zu
intensivieren, insbesondere im Bereich der Nord-und Teilen im Schwerlastverkehr, bei mobilen Systemen
Ostsee, aber auch in Südeuropa. Dabei kommt unter für die Landes- und Bündnisverteidigung und in der
anderem der Offshore-Windenergienutzung eine be­­ Seeschifffahrt sind viele Routen und Anwendungen
sondere Rolle zu. Die Bundesregierung wird gemein- nicht rein elektrisch darstellbar. Deshalb müssen die
sam mit den Anrainerstaaten der Nord- und Ostsee derzeit eingesetzten fossilen Einsatzstoffe und Ener-
die Wasserstoffproduktion mithilfe eines verlässlichen gieträger durch auf erneuerbarem Strom basierende
Regulierungsrahmens für Offshore-Windenergie for- Alternativen, wie z. B. durch PtX-Verfahren hergestell-
cieren. Zudem strebt sie an, auch in anderen Partner- tes Kerosin, ersetzt werden
ländern, z. B. im Rahmen der Entwicklungszusam-
menarbeit, Produktionsmöglichkeiten systematisch
zu erschließen. Ziel der Bundesregierung ist es, Pla- Wasserstoff als Grundstoff für die
nungssicherheit für zukünftige Lieferanten, Verbrau- Industrie nachhaltig machen
cher und Investoren im In- und Ausland zu schaffen.
Wasserstoff ist ein wichtiger Grundstoff für die deut-
Dazu bedarf es zusammen mit entsprechenden Part- sche Industrie (Chemieindustrie, Stahlherstellung
nerländern einer Investitions- und Innovationsoffen- usw.). Aktuell wird in Deutschland jährlich Wasser-
sive. Die Bundesregierung wird mit dieser Wasser- stoff im Umfang von rd. 55 TWh für stoffliche Anwen­
stoffstrategie den Aufbau von Produktionskapazitäten dungen genutzt, der zu großen Teilen auf Basis fossi-
und neuer Lieferketten unterstützen und unseren ler Energieträger erzeugt wird. Diese Anwendungen
Partnerländern Technologien und maßgeschneiderte müssen soweit wie möglich in eine auf grünem Was-
Lösungen anbieten. Dadurch werden Beschäftigungs- serstoff basierende Produktion überführt werden.
effekte in Deutschland und in unseren Partnerlän- Gleichzeitig muss die Dekarbonisierung emissionsin-
dern erzeugt, die in langfristige Wachstumspfade tensiver Industrieprozesse mittels Wasserstoff und
münden. wasserstoffbasierten Rohstoffen aus PtX-Verfahren
vorangebracht und so auch neue Anwendungsfelder
Der Aktionsplan der Wasserstoffstrategie und die gel- für Wasserstoff und PtX-Rohstoffe erschlossen werden.
tenden Haushalts- und Finanzplanansätze bilden für Schätzungen zufolge würde zum Beispiel die Trans-
den Markthochlauf die Grundlage. Sofern sich eine formation der heimischen Stahlproduktion hin zu
stärkere Nachfrageentwicklung als angenommen einer treibhausgasneutralen Produktion bis 2050 über
abzeichnet, wird die NWS im Rahmen der Evaluie- 80 TWh Wasserstoff benötigen. Die Umstellung der
rung weiterentwickelt. deutschen Raffinerie- und Ammoniakproduktion auf
Wasserstoff würde wiederum etwa 22 TWh grünen
Wasserstoff erfordern. Die deutsche Industrie hat –
aufgrund der dort bereits vorhandenen und perspek-
II. NATIONALE WASSERSTOFFSTRATEGIE: ZIELE UND AMBITIONEN 7

tivisch stark steigenden Nachfrage – hervorragende Industriemaßstab systemisch zur Anwendungsreife


Voraussetzungen, zum Treiber beim Markthochlauf zu bringen. Um die gute Ausgangsposition deutscher
von Wasserstoff sowie zum internationalen Vorreiter Unternehmen und Forschungseinrichtungen bei
für Wasserstofftechnologien zu werden. Wasserstofftechnologien zu fördern, werden wir auch
exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler,
talentierten Nachwuchs sowie qualifizierte Fachkräfte
Transport- und Verteilinfrastruktur anwerben, ausbilden bzw. fördern sowie den engen
weiterentwickeln Austausch mit anderen führenden Forschungsnatio-
nen suchen. Es ist auch beabsichtigt, Neuansiedlun-
Importe und die Entwicklung von Absatzmärkten für gen von Forschungseinrichtungen, die Einrichtung
Wasserstoff und seine Folgeprodukte setzen die Ent- von Kompetenzzentren sowie Gründung von Bil-
wicklung und Verfügbarkeit einer entsprechenden dungs- und Forschungskapazitäten mit Fokus auf die
Transport- und Verteilinfrastruktur voraus. Deutsch- vom Strukturwandel besonders betroffenen Gebiete
land verfügt mit seinem weit verzweigten Erdgasnetz verstärkt zu fördern.
und den angeschlossenen Gasspeichern über eine gut
ausgebaute Infrastruktur für Gase. Um die Potenziale
von Wasserstoff optimal nutzen zu können, werden Transformationsprozesse gestalten
wir unsere Transport- und Verteilinfrastruktur weiter­ und begleiten
entwickeln und weiterhin für Sicherheit in der Anwen­
dung sorgen. Dazu gehören auch der Aus- und Zubau Die Energiewende und der verstärkte Einsatz von
von dezidierten Wasserstoffnetzen. Hierzu wird die erneuerbaren Energieträgern erfordern von den ver-
Bundesregierung den regulatorischen Rahmen und schiedenen Akteuren zahlreiche Anpassungen. Gemein­
die technischen Gegebenheiten für die Gasinfrastruktur sam mit Wirtschaft, Wissenschaft sowie den Bürge-
auf ihren Anpassungsbedarf überprüfen und weiter- rinnen und Bürgern werden wir Wege erarbeiten, wie
entwickeln. Zum Beispiel werden vorhandene Fern- die Energiewende mit einem Beitrag von Wasserstoff
leitungs-Erdgas-Infrastrukturen, die nicht länger für gelingen kann. Die notwendigen Transformationspro-
den Erdgastransport benötigt werden (etwa L-Gas), zesse werden wir mit Dialogprozessen begleiten und –
auf ihre Eignung für die Weiterentwicklung zu reinen wo nötig – die Stakeholder unterstützen.
Wasserstoffinfrastrukturen geprüft oder die Möglich-
keiten der Sicherstellung der Wasserstoffverträglich-
keit vorhandener oder modernisierter Gasinfrastruk- Deutsche Wirtschaft stärken und
turen untersucht. weltweite Marktchancen für deut-
sche Unternehmen sichern
Wissenschaft fördern, Fachkräfte
ausbilden Deutschland hat jetzt die Chance, im internationalen
Wettbewerb eine wichtige Rolle bei der Entwicklung
Forschung ist ein strategisches Element der Energie- und dem Export von Wasserstoff- und Power-to-X-
und Industriepolitik. Denn nur mit einer langfristig Technologien (PtX) einzunehmen. Die breite, interna-
angelegten Forschungs- und Innovationsförderung tional gut vernetzte deutsche Akteurslandschaft rund
entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Was- um Wasserstofftechnologien wird nicht nur ein wich-
serstoff – von der Erzeugung über Speicherung, Trans­ tiger Erfolgsfaktor für den Markthochlauf von Was-
port und Verteilung bis hin zur Anwendung – sind serstofftechnologien in Deutschland sein, sondern
Fortschritte bei diesen Schlüsseltechnologien der Ener­ insbesondere die Chancen deutscher Unternehmen
giewende zu erzielen. Bis 2030 sind Lösungen im auf diesem Zukunftsmarkt stärken. Die Herstellung
8 I I . N AT I O N A L E WA S S E R S TO F F S T R AT E G I E : Z I E L E U N D A M B I T I O N E N

der Komponenten für die Erzeugung und Nutzung heit stärken. Der internationale Handel mit Wasserstoff
sowie die Versorgung von Wasserstoff wird zur regio- und dessen Folgeprodukten wird damit zu einem be­­
nalen Wertschöpfung beitragen und die in diesen deutenden industrie- und geopolitischen Faktor, der
Bereichen tätigen Unternehmen stärken. Damit dies strategische Zielsetzungen und Entscheidungen erfor­
gelingt, wird bei der Umsetzung der Wasserstoffstra- dert, aber auch neue Chancen für alle Seiten bietet.
tegie und insbesondere bei Fördermaßnahmen darauf
geachtet, dass alle Regionen Deutschlands von den
neuen Wertschöpfungspotenzialen der Wasserstoff- Globale Kooperationen als Chance
wirtschaft profitieren. Die Beförderung des Markt- begreifen
hochlaufs von Wasserstofftechnologien leistet auch
einen wichtigen Beitrag bei der Bewältigung der wirt- Die weltweite Aufbruchstimmung bei den Wasserstoff­
schaftlichen Folgen der Corona-Pandemie und legt technologien wollen wir mit unseren Partnern aus
einen weiteren Grundstein für eine nachhaltige Aus- aller Welt für schnelle technologische Fortschritte
richtung der deutschen Wirtschaft. nutzen. Auf internationaler Ebene fördert die Zusam-
menarbeit mit potenziellen Liefer- und anderen
Importländern deren Beitrag zum Klimaschutz und
Internationale Märkte und Koopera­ schafft nachhaltige Wachstums- und Entwicklungs-
tionen für Wasserstoff etablieren chancen. Insbesondere im Nordseebereich und in
Südeuropa sowie im Rahmen von Energiepartner-
Wir müssen die zukünftige Versorgung mit Wasser- schaften der Bundesregierung oder der Zusammenar-
stoff und dessen Folgeprodukten vorbereiten und beit mit den Partnerländern der deutschen Entwick-
nachhaltig gestalten. Denn mittel- und langfristig lungszusammenarbeit bieten sich Möglichkeiten für
wird Deutschland Wasserstoff auch in erheblichem gemeinsame Projekte und die Erprobung von Tech-
Umfang importieren. Gemeinsam mit anderen zukünf­ nologien.
tigen Importeuren teilen wir das Interesse am mög-
lichst zeitnahen Aufbau eines globalen Wasserstoff-
markts. Angesichts ihres Potenzials für erneuerbare Qualitätsinfrastruktur für Wasser­stoff­
Energien bieten sich dabei auch für die aktuellen Pro- erzeugung, Transport, Speicherung
duzenten- und Exportnationen fossiler Energieträger und Verwendung weiter ausbauen,
attraktive Chancen, ihre Lieferketten auf die Nutzung
von erneuerbaren Energien und Wasserstoff umzu-
sichern und Vertrauen schaffen
stellen und so zu potenziellen Lieferländern für Was-
serstoff zu werden. Hierdurch können diese Staaten Durch die besonderen physikalischen und chemischen
auch langfristig von den bestehenden Handelsbezie- Eigenschaften von Wasserstoff ist eine robuste Quali-
hungen profitieren. Dabei gilt es sicherzustellen, dass tätsinfrastruktur für die Entwicklung und vor allem
lokale Märkte und eine Energiewende vor Ort in den zur Überwachung von Anlagen zur Erzeugung, Trans-
Partnerländern nicht behindert, sondern durch die port, Speicherung und Verwendung von Wasserstoff
Produktion von Wasserstoff unterstützt werden. essenziell. Hauptkomponenten dieser aufzubauenden,
nationalen und europäisch vernetzten Mess- und Qua­
Der internationale Handel mit Wasserstoff und syn- litätsinfrastruktur sind Metrologie und physikalisch-
thetischen Folgeprodukten wird nicht nur neue Han- chemische Sicherheitstechnik. Es bedarf insbesondere
delsbeziehungen für Deutschland und die EU schaf- wissenschaftlich akzeptierter und regulatorisch veran­
fen, sondern auch eine weitere Diversifizierung der kerter Messmethoden und Bewertungskriterien sowie
Energieträger und -quellen sowie der Transportrouten international akzeptierter technischer Normen und
ermöglichen und hierdurch die Versorgungssicher­ Standards. Darüber hinaus muss ein hohes Sicherheits­
II. NATIONALE WASSERSTOFFSTRATEGIE: ZIELE UND AMBITIONEN 9

niveau etabliert werden. Negativereignisse und Unfälle


können die Akzeptanz der Wasserstofftechnologie
gefährden. Es gilt Vertrauen bei den Nutzern zu schaf-
fen.

Rahmenbedingungen stetig verbes-


sern und aktuelle Entwicklungen
aufgreifen

Die Umsetzung und Weiterentwicklung der NWS ist


ein fortlaufender Prozess. Der Stand der Umsetzung
und Zielerreichung wird regelmäßig von einem neu
gegründeten Staatssekretärsausschuss für Wasserstoff
der betroffenen Ressorts überwacht, der auch über die
Weiterentwicklung und Umsetzung der Strategie ent-
scheidet. Der Staatssekretärsausschuss wird von
einem Nationalen Wasserstoffrat mit hochrangigen
Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirt-
schaft und Zivilgesellschaft begleitet und beraten.
Nach drei Jahren wird die Strategie erstmals evaluiert.
Auf dieser Basis wird die Bundesregierung dann über
die Weiterentwicklung der Strategie einschließlich
entsprechender Maßnahmen entscheiden.
10

III. Wasserstoff: Status quo, Handlungsfelder


und Zukunftsmärkte
Status quo und erwartete Deutschland eine wichtige Rolle spielen müssen. Ver-
Entwicklung für Wasserstoff und schiedene Studien mit Szenarien, in denen die Treib-
hausgasemissionen um 95 Prozent gegenüber dem
seine Folgeprodukte
Basisjahr 1990 reduziert werden und die dabei das
gesamte Energiesystem betrachten, lassen einen Ver-
Der nationale Verbrauch von Wasserstoff liegt aktuell brauch von strombasierten Energieträgern in Größen­
bei rund 55 TWh. Der Bedarf besteht dabei haupt­säch­­ ordnungen zwischen 110 TWh (BMU Klimaschutzsze-
lich für stoffliche Herstellungsverfahren im Industrie­ narien) und rund 380 TWh (BDI Klimapfade) in 2050
sektor und verteilt sich gleichmäßig zwischen der erwarten. Neben den Industrie- und Verkehrssektoren
Grundstoffchemie (Herstellung von Ammoniak, entsteht langfristig auch ein Bedarf im Umwandlungs­
Metha­nol usw.) und der Petrochemie (Herstellung sektor. Die zukünftige Ausgestaltung der politischen
konventio­neller Kraftstoffe). Der Hauptteil des ge­­ Rahmenbedingungen, insbesondere hinsichtlich der
nutz­ten Wasserstoffs ist hierbei „grauer“ Wasserstoff. Ambitionen beim Klimaschutz und der zur Erreichung
Etwa 7 Prozent des Bedarfs (3,85 TWh) werden über jeweils verfolgten Strategien, wird dabei maßgeblichen
Elektrolyseverfahren (Chlor-Alkali-Elektrolyse) ge­­ Einfluss auf die Entwicklung der Gesamtnachfrage
deckt. Da aber insbesondere in der Petrochemie der und die Verbräuche in den einzelnen Sektoren haben.
eingesetzte Wasserstoff nicht zur Gänze zusätzlich
produziert wird, sondern zum Teil als Nebenprodukt Die Nationale Wasserstoffstrategie zielt auf folgende
in anderen Prozessen entsteht (z. B. Benzinreformie- strategische Zukunftsmärkte:
rung), lässt sich die aktuell verbrauchte Wasserstoff-
menge von rund 55 TWh nicht vollständig durch Erzeugung von Wasserstoff
„grünen“ Wasserstoff ersetzen.
Für den Markthochlauf der Wasserstofftechnologien
Die zukünftige Entwicklung des Wasserstoffmarktes und deren Export ist eine starke, nachhaltige und zur
in Deutschland, aber auch weltweit, wird maßgeblich Energiewende beitragende inländische Wasserstoff-
von dem Ambitionsniveau des Klimaschutzes und der produktion und Wasserstoffverwendung – ein „Hei-
zur Erreichung jeweils verfolgten Strategien bestimmt. matmarkt“ – unverzichtbar. Für eine langfristig wirt-
Vor dem Hintergrund des Übereinkommens von Paris schaftliche und nachhaltige Nutzung von Wasserstoff
und dem Bekenntnis der Bundesregierung zu dem müssen Erzeugungskapazitäten für Strom aus erneu-
Ziel der Treibhausgasneutralität 2050 werden für den erbaren Energien (insb. Wind und Photovoltaik) kon-
Wasserstoffmarkt folgende Entwicklungen erwartet: sequent weiter erhöht werden.

Bis 2030 wird durch den Anstoß des Markthochlaufs Industrie


ein erster Anstieg des Bedarfs an Wasserstoff insbe-
sondere im Industriesektor (Chemie, Petrochemie Bestimmte Industriebereiche werden sich nicht mit
und Stahl) und zu einem geringeren Maße im Verkehr den herkömmlichen Technologien CO2-frei umgestal-
erwartet. Konservative Abschätzungen gehen in der ten lassen. In diesen Bereichen müssen gasförmige
Industrie von einem zusätzlichen Bedarf von 10 TWh und flüssige Energieträger zunehmend durch alterna-
aus. Weiterhin ist von einem wachsenden Bedarf für tive Technologien substituiert werden und alternative
die Brennstoffzellen-betriebene Elektromobilität aus- Rohstoffe oder Verfahren mit keinem oder sehr gerin-
zugehen. Weitere Verbraucher (z. B. langfristig Teile gem CO2-Ausstoß zum Einsatz kommen. Bei vielen
der Wärmeversorgung) könnten hinzukommen. dieser Prozesse werden perspektivisch Wasserstoff
und dessen Folgeprodukte genutzt werden können.
Um das Ziel der Treibhausgasneutralität 2050 erreichen Insbesondere in Teilen der Chemieindustrie und den
zu können, werden Wasserstofftechnologien auch in Raffinerien kann bereits heute „grauer“ Wasserstoff
III. WASSERSTOFF: STATUS QUO, HANDLUNGSFELDER UND ZUKUNFTSMÄRKTE 11

ohne Anpassung durch grünen Wasserstoff ersetzt oder in der Land- und Forstwirtschaft) oder in der
werden. Des Weiteren können die existierenden Infra- Logistik (Lieferverkehr und andere Nutzfahrzeuge wie
strukturen der Chemieindustrie, bspw. Wasserstoff- Gabelstapler) die batterieelektrische Mobilität ergän-
netze, weiterhin genutzt und ggf. für andere Anwen- zen und den Ausstoß von Luftschadstoffen sowie
dungen – etwa der Stahlindustrie – ausgebaut und CO2-Emissionen erheblich senken. Auch in bestimm-
optimiert werden. Zum Beispiel soll Wasserstoff schon ten Bereichen bei PKWs kann der Einsatz von Wasser-
bald in Pilotprojekten in der Stahlindustrie zur Direkt­ stoff eine Alternative sein. Der Einsatz im Straßenver-
reduktion von Eisenerz anstelle des emissionsintensi- kehr setzt den bedarfsgerechten Aufbau der erforder-
ven Hochofenprozesses eingesetzt werden. Ziel ist es, lichen Tankinfrastruktur voraus.
dass anstehende Investitionen für Produktionsanlagen
im industriellen Maßstab auch in die klimafreund- Es gilt, den Strukturwandel in der deutschen Fahr-
lichen Technologien fließen. Langfristig spielt Wasser- zeug- und Zulieferindustrie konstruktiv und zielfüh-
stoff daher eine wichtige Rolle bei der Sicherung des rend zu begleiten. Etwa mit Blick auf die Brennstoff-
Industriestandorts Deutschland. zellentechnologie ist es das Ziel, den deutschen
Maschinen- und Anlagenbau zu stärken und bei der
Verkehr Verbesserung der Kosten-, Gewichts- und Leistungs-
parameter von Brennstoffzellen-Komponenten
Mobilitätsanwendungen bergen großes Potenzial zur (Stacks, Drucktanks u. a.) im globalen Wettbewerb
Anwendung von Wasserstoff. Der Verkehrssektor eine Führungsrolle einzunehmen.
muss auf technologischen Fortschritt setzen, um die
sektoralen Klima- und Erneuerbaren-Ziele zu errei- Wärmemarkt
chen. Die wasserstoff- und PtX-basierte Mobilität ist
für solche Anwendungen eine Alternative, bei denen Auch langfristig wird nach Ausschöpfen der Effizienz-
der direkte Einsatz von Elektrizität nicht sinnvoll oder und Elektrifizierungspotenziale bei der Prozesswärme­
technisch nicht machbar ist. Dazu gehören auch mili- herstellung oder im Gebäudesektor ein Bedarf an gas-
tärische Anwendungen, bei denen die Interoperabilität förmigen Energieträgern bestehen bleiben. Wasserstoff
zwischen Bündnispartnern gewährleistet sein muss. und seine Folgeprodukte können langfristig auf ver-
schiedene Weise einen Beitrag zur Dekarbonisierung
Vor allem im Luft- und Seeverkehr wird sich langfris- von Teilen des Wärmemarkts leisten.
tig ebenfalls eine Nachfrage nach klimaneutralen
Treibstoffen entwickeln, welche auch durch die was-
serstoffbasierten Energieträger aus PtX-Verfahren Wasserstoff als europäisches
gedeckt werden kann. Sowohl im Luft- als auch im Gemeinschaftsprojekt
Seeverkehr sind für die Dekarbonisierung klimaneut-
rale synthetische Kraftstoffe erforderlich. Im Luftver- Wichtige Voraussetzungen und Fragen beim nationa-
kehr sowie in der Küsten- und Binnenschifffahrt kön- len Markthochlauf von Wasserstofftechnologien und
nen je nach Einsatzbereich auch Brennstoffzellen beim Aufbau eines internationalen Wasserstoffmark-
sowie batterieelektrische Antriebe zur Anwendung tes lassen sich nur im EU-Binnenmarkt und -Rechts-
kommen. Diesbezüglich muss die technische Ent- rahmen weiterentwickeln. Mit dem Markthochlauf von
wicklung aber noch abgewartet werden. Wasserstofftechnologien auch in anderen Mitglied-
staaten wird die Entwicklung des EU-Binnenmarktes
Die Einführung von Brennstoffzellenfahrzeugen kann für Wasserstoff zunehmend wichtig. So verfügt die EU
u. a. im Öffentlichen Personennahverkehr (Busse, Züge), insbesondere mit der Nordsee über ertragreiche Stand­
in Teilen des Straßenschwerlastverkehrs (LKW), bei orte für Windenergie sowie in Südeuropa große Poten­
Nutzfahrzeugen (z. B. für den Einsatz auf Baustellen ziale für Photovoltaik und Wind. Diese Potenziale
12 I I I . WA S S E R S TO F F: S TAT U S Q U O, H A N D LU N G S F E L D E R U N D Z U K U N F T S M Ä R K T E

können für die Erzeugung von erneuerbarem Wasser- erreichen. Der internationale Handel mit Wasserstoff
stoff langfristig eine große Chance darstellen. Auch und dessen Folgeprodukten ist damit ein bedeutender
die gut ausgebaute europäische Gasinfrastruktur kann industrie- und geopolitischer Faktor.
Anknüpfungspunkte für den Transport von Wasser-
stoff bieten. Um die Voraussetzungen für einen inner- Auf internationaler Ebene kann die Zusammenarbeit
europäischen Markt zu schaffen, brauchen wir einen mit potenziellen Liefer- und Importländern deren
starken europäischen Rahmen. Zentrale Herausforde- Beitrag zum Klimaschutz fördern, den Markthochlauf
rungen lassen sich nur im EU-Kontext klären: Etwa von Wasserstofftechnologien beschleunigen und
Lösungen zur Erzeugung in wind- und/oder sonnen- nachhaltige Wachstums- und Entwicklungschancen
reichen Gebieten und der Verteilung des Wasserstoffs schaffen, wenn sie sich an den Erfordernissen der
bedürfen zwangsläufig der grenzüberschreitenden Partner orientiert. So lassen sich zum Beispiel ambi-
Zusammenarbeit. Gleiches gilt für das Ordnungsrecht tionierte Standards für die Zertifizierung und die Nach-
und die Investitionsbedingungen oder den Austausch haltigkeit der Produktion von Wasserstoff vereinbaren
von Erfahrungen. Darüber hinaus sind auf europäischer sowie Marktvolumina erhöhen. Insbesondere die beste­
sowie internationaler Ebene klar definierte Nach­hal­tig­ henden Energiepartnerschaften der Bundesregierung,
keitsstandards für die Produktion und den Transport aber auch die Zusammenarbeit mit den Partnerländern
von Wasserstoff sowie Impulse zur Systematisierung, der deutschen Entwicklungszusammenarbeit und der
umweltwirksamen Einordnung und Klassifizierung Internationalen Klimaschutzinitiative bieten Möglich­
von Strom, Wasserstoff und seinen synthetischen Fol- keiten für gemeinsame Projekte sowie für die Erpro-
geprodukten zu setzen. Die EU kann durch frühzeitige bung von Importrouten und -technologien. Ergänzend
Standard- und Rahmensetzung die grundlegenden hierzu können sich jedoch auch weitere internationale
internationalen Rahmenbedingungen maßgeblich Kooperationen ergeben. Von besonderer Bedeutung
mitbeeinflussen. Auch die beihilferechtlichen Rah­men­ wird die Rolle der aktuellen Exporteure fossiler Brenn­
bedingungen sind mit Blick auf die mit dem Einsatz stoffe sein, wenn sie über ein hohes Potenzial für die
von Wasserstoff, bspw. in der Stahl- und Chemiein- Produktion von Wasserstoff verfügen. Vor allem in
dustrie, verbundenen höheren Betriebskosten weiter- Entwicklungsländern ist darauf zu achten, dass der
zuentwickeln. Deutschland wird bei der Entwicklung Export von Wasserstoff nicht zu Lasten der derzeit
des Marktes für Wasserstoff und entsprechender Nach­ häufig noch unzureichenden Energieversorgung in
haltigkeitsstandards eine proaktive Rolle spielen, seine den betreffenden Exportländern geht und hierdurch
Erfahrungen mit der Energiewende einbringen und Investitionsanreize für zusätzliche fossile Energie-
die Rahmenbedingungen für Sektorkopplung und die quellen vor Ort entstehen. Die Produktion von grü-
Entwicklung eines EU-Binnenmarktes für Wasserstoff nem Wasserstoff soll daher auch als Impulsgeber
zu einem Schwerpunkt der deutschen Ratspräsident- genutzt werden, um in diesen Staaten den schnellen
schaft machen. Die Bundesregierung wird sich inner- Aufbau von Erzeugungskapazitäten für erneuerbare
halb der EU dafür einsetzen, dass wesentliche Inhalte Energien voranzutreiben, die wiederum auch den
dieser Strategie auch in eine europäische Wasserstoff- lokalen Märkten zugutekommen.
strategie einfließen.
Die notwendigen Handelsbeziehungen im Bereich
Wasserstoff werfen umfangreiche geopolitische Fra-
Internationaler Handel gen auf, die rechtzeitig in die Politikentwicklung ein-
bezogen werden müssen. Sie bieten aber auch viele
Auch über den europäischen Binnenmarkt hinaus wird Chancen: Zum Beispiel zum Ausbau des EU-Energie-
der Import erneuerbarer Energien mittel- und lang- binnenmarktes, zum Aufbau neuer internationaler
fristig für Deutschland notwendig, um die Klimaziele Wertschöpfungsketten, zur Kooperation mit Partner-
bis 2030 und die Treibhausgasneutralität bis 2050 zu ländern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit,
III. WASSERSTOFF: STATUS QUO, HANDLUNGSFELDER UND ZUKUNFTSMÄRKTE 13

die ein hohes Potenzial erneuerbarer Energien zur LOHC können leicht und sicher über weite Strecken
PtX-Produktion haben, oder zum Ausbau bestehender transportiert werden. Auch hier bietet sich – neben
sowie Etablierung neuer Handelsbeziehungen mit der Erschließung neuer – die Nutzung existierender
Energieexporteuren. Transportkapazitäten und dezidierter Infrastruktur
an (z. B. Pipelines, Methanol- und Ammoniaktank-
schiffe). Unter dem Motto „Shipping the sunshine“
Transport- und Verteilinfrastruktur könnten so erstmals mit Hilfe der Forschung neue
im In- und Ausland Potenziale bei der Gewinnung und dem Transport von
grünem Wasserstoff in großem Maßstab erschlossen
Importe und die Entwicklung von Absatzmärkten für werden. Der Handel mit PtX-Produkten über weite
Wasserstoff und seine Folgeprodukte setzen die Ver- Strecken und der Transport von Wasserstoff über Lei-
fügbarkeit einer entsprechenden Transport- und Ver- tungsnetze können sich dabei ergänzen. THG-Emis-
teilinfrastruktur voraus, insbesondere im Bereich der sionen beim Transport von Wasserstoff gilt es dabei
Fernleitungsnetze. Deutschland verfügt mit seinem zu vermeiden.
weit verzweigten Erdgasnetz und den angeschlossenen
Gasspeichern über eine gut ausgebaute Infrastruktur
für Erdgas. Perspektivisch sollte ein Teil der Gasinfra- Forschung, Bildung und Innovation
struktur auch für Wasserstoff genutzt werden können.
Zudem sollen Netze zum ausschließlichen Transport Forschung ist ein strategisches Element der Energie-
von Wasserstoff geschaffen werden. Vor dem Hinter- und Industriepolitik. Bei Wasserstoff- und anderen
grund der geografischen Lage und der Rolle Deutsch- PtX-Technologien haben deutsche Unternehmen und
lands als wichtigem Transitland in Europa können Forschungseinrichtungen eine Vorreiterrolle inne.
diese Veränderungsprozesse nur in Zusammenarbeit Hierzu hat die langfristig ausgerichtete und verlässli-
mit den europäischen Nachbarn sowie angeschlosse- che Forschungsförderung der Bundesregierung ent-
nen Drittstaaten gestaltet werden. Neben der Produk- scheidend beigetragen. Die institutionelle Förderung
tion müssen auch für den Transport von Wasserstoff in Deutschland finanziert weltweit hervorragende
und die damit verbundenen Emissionen einheitliche Forschungseinrichtungen und -infrastrukturen und
Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstandards entwickelt ermöglicht den Transfer von Spitzenforschung in die
und entsprechende Nachweisverfahren etabliert wer- Praxis.
den. Ein Wasserstoffmarkt bringt auch in Deutschland
für einige Komponenten der Infrastruktur sowie für Wir setzen auf eine Forschungsförderung bei Schlüs-
bestimmte Geräte und Anlagen beim Endnutzer tech- seltechnologien und neuen Ansätzen entlang der
nische Herausforderungen mit sich. Daher müssen gesamten Wasserstoffkette: Von der Erzeugung über
notwendige Transformationsprozesse (H2-Readiness Speicherung, Transport und Verteilung bis hin zur
etc.) rechtzeitig ermöglicht und angestoßen werden. Anwendung. Die Verzahnung einer zukunftsweisen-
Allerdings sollte sich dieser Transformationsprozess, den Grundlagenforschung und einer zielgerichteten,
um Fehlinvestitionen zu vermeiden, an dem voraus- anwendungsnahen Forschung bereitet den Weg für
sichtlichen Bedarf im Lichte des Ziels der Treibhaus- Schlüsseltechnologien wie zum Beispiel elektrolyse-
gasneutralität in 2050 orientieren. sowie biobasierte Verfahren der Wasserstofferzeu-
gung, Methanpyrolyse („türkiser“ Wasserstoff), künst-
Insbesondere für den internationalen Handel gelten liche Photosynthese und Brennstoffzellen. Dabei gilt es
auch der Transport von Wasserstoff in Form von PtX- sektorspezifische Besonderheiten wie die der Luft-
Folgeprodukten oder gebunden an LOHC (Liquid fahrt, des Seeverkehrs oder der Industrie zu be­­rück­
Organic Hydrogen Carriers) als wichtige Optionen. sichtigen und mögliche Spillover-Effekte zwischen
Flüssiger Wasserstoff, PtL-/PtG-Folgeprodukte oder verschiedenen Anwendungsbereichen zu nutzen.
14 I I I . WA S S E R S TO F F: S TAT U S Q U O, H A N D LU N G S F E L D E R U N D Z U K U N F T S M Ä R K T E

Ebenso prüfen wir die Möglichkeiten und Chancen, logien aufzulegen. Wir erforschen unter anderem
die sich aus natürlichen Wasserstoffvorkommen Wasserstoffanwendungen wie die Direktreduktion zur
ergeben könnten. klimarelevanten Verringerung des CO2-Ausstoßes in
der Stahl- oder Chemieindustrie.
Dabei fördern wir Forschung in der Gewissheit, dass
die Ergebnisse von heute die Innovationen von mor- Ziel ist es nun, Innovationen aus dem Labor schneller
gen sein werden. Es bedarf eines Brückenschlags von als bisher in die Anwendung zu bringen und sie nach
der Forschung in die Anwendung. Neben den Realla- industriellen Maßstäben umzusetzen. Die Reallabore
boren der Energiewende setzen wir auf das bewährte der Energiewende wurden hierzu als neue Fördersäule
Format der Verbundprojekte mit starken Partnern aus der Energieforschung etabliert, um bei Schlüsseltech-
Wirtschaft und Wissenschaft. Die langen Vorlaufzei- nologien – allen voran im Wasserstoffbereich – den
ten von der Forschung bis in die Anwendung machen Innovationstransfer zu beschleunigen und den Techno­
es mit Blick auf die zeitige Zielerreichung notwendig, logien schneller als bislang zur Marktreife zu verhelfen.
die anwendungsnahe Energieforschung zu stärken. Auch das Nationale Dekarbonisierungsprogramm
beschleunigt die Verfügbarkeit und den Einsatz von
Wir verstärken die vorwettbewerbliche Zusammenar- innovativen Klimaschutztechnologien in der Indust-
beit von Wissenschaft und Wirtschaft auch in der rie, die auf Wasserstoff setzen.
anwendungsorientierten Grundlagenforschung. Flagg­
schiffvorhaben wie Carbon2Chem und die Koperni- Wasserstoff ist dabei auch ein Bildungsthema: Die
kus-Projekte sind Vorbilder für eine erfolgreiche Was­­serstoffwirtschaft braucht Fachkräfte – in Deutsch­
Zusammenarbeit von exzellenter Wissenschaft und land und im Ausland. Daher werden wir neue Wege in
innovativen Unternehmen. Diese Erfahrungen nut- der Zusammenarbeit von Bildung und Forschung
zen wir, um international sichtbare „Showcase“-Ini- gehen.
tia­tiven mit Exportpotenzial für Wasserstofftechno-
15

IV. Governance der Nationalen Wasserstoff-


strategie
Zur Überwachung der Umsetzung und Weiterentwick- sollen über Expertise in den Bereichen Erzeugung,
lung der Strategie wird eine flexible und ergebnis- Forschung und Innovation, Dekarbonisierung von
orientierte Governance-Struktur ins Leben gerufen Industrie, Verkehr und Gebäude/Wärme, Infrastruk-
(siehe Abbildung 1). tur, internationale Partnerschaften sowie Klima und
Nachhaltigkeit verfügen. In seiner ersten Sitzung
Ein Ausschuss der Staatssekretärinnen und Staatsse- wählt der Wasserstoffrat eins seiner Mitglieder zur
kretäre für Wasserstoff der betroffenen Ressorts wird Vorsitzenden bzw. zum Vorsitzenden.
die Aktivitäten der NWS laufend begleiten. Zeichnet
sich eine Verzögerung der Umsetzung oder eine Ver- Aufgabe des Nationalen Wasserstoffrats ist es, den
fehlung der Ziele der Wasserstoffstrategie ab, ergreift Staatssekretärsausschuss durch Vorschläge und Hand-
der Staatssekretärsausschuss in Abstimmung mit dem lungsempfehlungen bei der Umsetzung und Weiter-
Bundeskabinett umgehend korrigierende Maßnah- entwicklung der Wasserstoffstrategie zu beraten und
men und passt den Aktionsplan den neuen Erforder- zu unterstützen. Um die Koordination zwischen Bun-
nissen an. Ziel ist es, den fortlaufenden Einklang der desregierung und Wasserstoffrat sowie eine enge
NWS mit den Entwicklungen auf dem Markt und die Anbindung des Rates an die operative Arbeit der Res-
Zielerreichung insgesamt zu gewährleisten. sorts bei der Umsetzung der NWS zu gewährleisten,
tagen der Staatssekretärsausschuss und der Nationale
Die Bundesregierung beruft einen Nationalen Wasser- Wasserstoffrat in regelmäßigen Abständen gemein-
stoffrat. Der Rat besteht aus 26 hochrangigen Exper- sam. Zudem nehmen die Ressortverantwortlichen (z. B.
tinnen und Experten der Wirtschaft, Wissenschaft die zuständigen Abteilungsleitungen) der betroffenen
und Zivilgesellschaft, die nicht Teil der öffentlichen Ministerien als Gäste an den Sitzungen des Rates teil.
Verwaltung sind. Die Mitglieder des Wasserstoffrats Auf Wunsch der Länder können auch zwei Repräsen-

Abbildung 1: Governance-Struktur der Nationalen Wasserstoffstrategie

Strategisches Management: Entscheidet über


Ausschuss der Staatssekretäre für Wasserstoff Ziele, Programmatik, Aktionsplan etc.
Monitoringbericht
Beratung und
Unterstützung

Nationaler Wasserstoffrat Leitstelle


Sekretariat Unterstützung der Ressorts
Vorsitzende/r* Koordination
und des Wasserstoffrates
Erzeugung, Forschung und Innovation, Unterstützung Projektstruktur zur
Dekarbonisierung der Industrie, des Verkehrs Projektmanagement
NWS-Umsetzung
und von Gebäuden/Wärme, Infrastruktur,
internationale Partnerschaften, Klima und
Nachhaltigkeit
Beratung und Handlungsempfehlungen,
fachliche Unterstützung
Ressortveranwortliche und Ländervertreter als Gäste
1

Weiterentwicklung Aktionsplan NWS Monitoring und Unterstützung

Maßnahmen werden von Verantwortlichen in


Maßnahme 1 Maßnahme 2 Maßnahme 3 Maßnahme 4 Bundesregierung in Kooperation mit relevanten
(auch internationalen) Partnern umgesetzt
* Von den Mitgliedern des Nationalen Wasserstoffrats gewählt.
1
Z.B. AL-Ebene.
16 I V. G O V E R N A N C E D E R N AT I O N A L E N WA S S E R S TO F F S T R AT E G I E

tanten der Bundesländer als Gäste an den Sitzungen und die internationale Perspektive. Für den Monito-
teilnehmen. Der Wasserstoffrat tritt mindestens zwei- ringbericht werden kontinuierlich relevante Indikato­
mal pro Jahr zusammen. ren in den verschiedenen Handlungsfeldern (z. B. die
in Deutschland, Europa und in anderen relevanten
Der Innovationsbeauftragte „Grüner Wasserstoff“ des Staaten installierte Elektrolyseleistung oder die Menge
Bundesministeriums für Bildung und Forschung ist und Herstellungsart von Wasserstoff in den verschie-
ständiger Gast des Staatssekretärsausschusses und des denen Anwendungsbereichen) erhoben und ausge-
Nationalen Wasserstoffrates. Er/Sie verantwortet die wertet. Auf der Grundlage dieser Monitoringberichte
Ausrichtung der Forschung- und Entwicklungsaktivi- wird alle drei Jahre ein erweiterter Bericht erstellt, in
täten des BMBF sowie deren Transfer in die Praxis in dem die Strategie und der Aktionsplan insgesamt eva-
Kooperation mit den an der Umsetzung beteiligten luiert sowie Vorschläge für deren Weiterentwicklung
Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. erarbeitet werden. Ziel ist es, auf dieser Grundlage die
Er/Sie trägt vielversprechende innovative Ansätze laufende Anpassung der NWS an Markt­entwicklungen
und Impulse aus Forschung in Verantwortung des und die Zielerreichung zu gewährleisten.
BMBF auch in den politischen Raum und die öffentli-
che Diskussion.
Zusammenwirken von Bund und
Neben dem Wasserstoffrat richtet die Bundesregierung Ländern
eine Leitstelle Wasserstoff ein. Im Auftrag der Bundes­
regierung unterstützt das Sekretariat der Leitstelle die Neben den Maßnahmen auf Bundesebene gibt es auch
Ressorts bei der Umsetzung der NWS sowie den Was- auf Länderebene verschiedene bereits laufende oder
serstoffrat bei der Koordinierung und Formulierung geplante Maßnahmen im Bereich Wasserstoff, die für
von Handlungsempfehlungen. Weitere Aufgabe der den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft und die Sicher­
Leitstelle ist das Monitoring der Nationalen Wasser- stellung der Vorreiterrolle deutscher Unternehmen
stoffstrategie. Die Leitstelle unterstützt ferner die nicht minder wichtig sind. Eine enge Zusammenar-
Ressorts aktiv bei der Umsetzung der Nationalen beit zwischen Bund und Ländern ermöglicht es, Maß-
Wasserstoffstrategie durch eine flexible Projektma- nahmen aufeinander abzustimmen, Synergieeffekte
nagementstruktur. Hierzu werden bei der Leitstelle zu nutzen, Pfadabhängigkeiten vorzubeugen, wert-
themenspezifische Task Forces eingerichtet. volle Erfahrungen auszutauschen und verbleibende
Handlungsbedarfe zu identifizieren. Zu diesem Zweck
Ein jährlicher Monitoringbericht dient dabei sowohl wird die Bundesregierung zeitnah (1. Halbjahr 2020)
dem Wasserstoffrat als auch dem Staatssekretärsaus- ein geeignetes Plattform-Format einrichten (z. B. Ein-
schuss als Basis für Empfehlungen bzw. Entscheidun- richtung eines Bund-Länder-Arbeitskreises „Wasser-
gen. Neben den wesentlichen Fortschritten zum Aufbau stoff“) und sicherstellen, dass die Länder über die Akti­
einer Wasserstoffwirtschaft legt der Bericht darüber vitäten des Wasserstoffrates informiert sind. Dabei
hinaus dar, welche bislang nicht absehbaren Heraus- werden bereits bestehende Netzwerke, Initiativen und
forderungen im Berichtszeitraum aufgetreten sind, Arbeitsgruppen zum Thema Wasserstoff berücksich-
und identifiziert den Handlungsbedarf. Dabei berück- tigt und – sofern sinnvoll – auf diesen aufgebaut.
sichtigt er in besonderem Maße auch die europäische
17

V. Aktionsplan: Notwendige Schritte für den


Erfolg der Nationalen Wasserstoffstrategie
Die Bundesregierung legt mit dem Aktionsplan zur Dimension von Wasserstoff gestaltet und für die
NWS die Grundlagen für private Investitionen in die deutsche Wirtschaft genutzt. In der NWS ist somit
wirtschaftliche und nachhaltige Erzeugung, den Trans­ von vornherein der Gedanke der fortlaufenden Wei-
port und die Nutzung von Wasserstoff. Damit kann terentwicklung verankert.
auch ein Beitrag zur Bewältigung der Folgen der
Corona-Krise und der Wiederbelebung der deutschen
und europäischen Wirtschaft geleistet werden. Dafür Erzeugung von Wasserstoff
wird die Bundesregierung für die folgenden Bereiche
verschiedene Maßnahmen in einer ersten Phase des Eine verlässliche, bezahlbare und nachhaltige Erzeu-
Markthochlaufs bis 2023 umsetzen. Die dargestellten gung von Wasserstoff ist die Basis für dessen zukünf-
Maßnahmen liegen in der Verantwortung der jeweils tige Verwendung. Damit eine deutliche Kostende-
zuständigen Ressorts und werden von diesen im Rah- gression bei der Herstellung von Wasserstoff erreicht
men der geltenden Haushalts- und Finanzplanansätze werden kann, müssen jetzt Erzeugungsanlagen zur
finanziert. Im Rahmen der ressortübergreifenden Aus- Technologiedemonstration im industriellen Maßstab
gestaltung der NWS wird jedoch stark auf eine syste- aufgebaut und eine entsprechende Skalierung erreicht
mische Betrachtung geachtet. Das heißt: Angebot, werden.
Versorgung und Nachfrage werden immer zusam-
menhängend betrachtet. Maßnahme 1
Verbesserte Rahmenbedingungen für den effizien-
Die im Aktionsplan beschriebenen Maßnahmen bil- ten Einsatz von Strom aus erneuerbaren Energien
den die erste Phase der NWS ab, in der bis 2023 der (bspw. Sektorkopplung) und eine faire, an den Klima-
Markthochlauf und die Grundlagen für einen funk- zielen und den Zielen der Energiewende (bspw.
tionierenden Heimatmarkt angestoßen werden. Netz­dienlichkeit) ausgerichtete Ausgestaltung der
Parallel hierzu werden wegbereitende Themen wie staatlich induzierten Preisbestandteile von Energie-
Forschung und Entwicklung sowie internationale trägern stärken die Mög­lichkeiten zur Erzeugung
Fragestellungen vorangetrieben. In der nächsten von grünem Wasserstoff. Die Einführung einer CO2-
Phase, ab 2024, wird der entstehende Heimatmarkt Bepreisung für fossile Kraft- bzw. Brennstoffe in den
gefestigt und die europäische sowie internationale Bereichen Verkehr und Wärme stellt ein wichtiges

2030
2. Phase

2023 Markthochlauf stärken


National und international

1. Phase
Markthochlauf starten
Chancen nutzen

2020
18 V. A K T I O N S P L A N : N OT W E N D I G E S C H R I T T E F Ü R D E N E R F O LG D E R N AT I O N A L E N WA S S E R S TO F F S T R AT E G I E

Element dafür dar und wird ergänzt um die im Kli- siehe Maßnahme 14). Auch Ausschreibungsmodelle
maschutzprogramm 2030 vorgesehene Senkung für die Herstellung von grünem Wasserstoff, der
der EEG-Umlage. Kurz- bis mittelfristig wird dies zum Beispiel zur Dekarbonisierung der Stahl- und
jedoch nicht ausreichen, um Unternehmen die Chemieindustrie dient, werden geprüft. Sofern
Grundlage für den Betrieb von Anlagen zur Erzeu- erforderlich, werden dafür die Mittel des Nationa-
gung von grünem Wasserstoff in Deutschland zu len Dekarbonisierungsprogramms entsprechend
sichern. Wir werden daher, über die im Klimapaket aufgestockt.
beschlossenen Maßnahmen hinaus, weitere Refor-
men der staatlich induzierten Preisbestandteile
prüfen und gleichzeitig die CO2-Bepreisung weiter Maßnahme 4
als zentrales Leitinstrument etablieren. Diese Prü- Wegen der hohen Volllaststunden ist Windenergie
fung wird auch die Frage umfassen, ob zur Herstel- auf See eine attraktive Technologie zur Erzeugung
lung von grünem Wasserstoff verwendeter Strom erneuerbaren Stroms, welcher für die Produktion
weitgehend von Steuern, Abgaben und Umlagen von grünem Wasserstoff genutzt werden kann.
befreit werden kann. Insbesondere streben wir die Damit sich entsprechende Investitionen lohnen,
Befreiung der Produktion von grünem Was­serstoff werden die Rahmenbedingungen dafür weiterent-
von der EEG-Umlage an. Wir werden dabei sicher- wickelt. Dabei werden unter anderem die verstärkte
stellen, dass dadurch die EEG-Umlage nicht steigt. Ausweisung von Flächen, die für die Offshore-Pro-
duktion von Wasserstoff bzw. PtX genutzt werden
können, die dafür notwendige Infrastruktur und
Maßnahme 2 Möglichkeiten für zusätzliche Ausschreibungen für
Betrachtet werden darüber hinaus die Möglichkei- die Erzeugung von erneuerbaren Energien Themen
ten für neue Geschäfts- und Kooperationsmodelle sein, die diskutiert werden (Umsetzung ab 2020).
von Betreibern von Elektrolyseuren mit Strom-
und Gasnetzbetreibern unter Beachtung der regu-
latorischen Entflechtung (Ergebnisse 2020). Viel-
versprechende Ansätze, bei denen eine signifikante Anwendungsbereiche
Netzentlastung zu angemessenen Preisen gewähr-
leistet ist und dabei die Wettbewerbsneutralität im Für die Weiterentwicklung des Wasserstoffmarktes
Wasserstoffmarkt gewahrt bleibt, wollen wir im braucht man eine verlässliche Nachfrage und einen
Rahmen von ein bis zwei Modellprojekten testen. verstärkten Einsatz von Wasserstoff. Aus ökonomi-
Der Änderungsbedarf des regulatorischen Rah- schen Gründen muss der Markthochlauf von Wasser-
mens zur Schaffung der dafür notwendigen Vor- stoff gezielt und schrittweise erfolgen. Daher soll des-
aussetzungen wird entsprechend geprüft. sen Nutzung als alternativer Kraftstoff in bestimmten
Bereichen des Verkehrs oder als Grundstoff für die
stoffliche Verwertung und Einsatz als Reduktionsmit-
Maßnahme 3 tel in der Industrie in prioritären Anwendungsberei-
In der Industrie unterstützen wir unter anderem chen vorangebracht werden. Als prioritär zu betrach-
im Rahmen des Innovationspakts Klimaschutz ten sind kurz- bis mittelfristig Bereiche, in denen der
auch die Umstellung auf Wasserstoff mit einer Einsatz von Wasserstoff nahe an der Wirtschaftlich-
Förderung für Elektrolyseure (Umsetzung ab 2020, keit ist und in denen keine größeren Pfadabhängig-
für weitere Details zum Innovationspakt „Klima- keiten geschaffen werden oder in denen keine alter-
schutz“ und der dort vorgesehenen Unterstützung nativen Dekarbonisierungsoptionen bestehen.
von Wasserstoffanwendungen in der Industrie
V. AKTIONSPLAN: NOTWENDIGE SCHRITTE FÜR DEN ERFOLG DER NATIONALEN WASSERSTOFFSTRATEGIE 19

Verkehr • Da insbesondere der Luftverkehr auf absehbare


Zeit auf Flüssigkraftstoffe angewiesen sein wird,
Maßnahme 5 kommt dem Einsatz von erneuerbarem Kerosin
Eine zeitnahe und ambitionierte Umsetzung der im Luftverkehr aus Klimaschutzsicht eine wich-
EU-Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED II) soll tige Rolle zu. Eine Verpflichtung der Inverkehr-
den Einsatz von grünem Wasserstoff bei der Kraft- bringer zum Einsatz strombasierter Flugkraft-
stoffherstellung und als Alternative zu konventio- stoffe, für deren Produktion grüner Wasserstoff
nellen Kraftstoffen verankern (Umsetzung 2020). erforderlich ist, erscheint daher grundsätzlich
Wesentliche Hebel sind hier: sinnvoll. Es gilt zu prüfen, welche Kerosinmen-
gen technisch und nachhaltig zu welchem Zeit-
• Eine ambitionierte THG-Quote steigert den punkt realisierbar sind. Im Sinne eines ambitio-
Anteil für erneuerbare Energien im Verkehr und nierten Markthochlaufs wird zunächst eine
kann in Kombination mit spezifischen Maß- Quote in Höhe von mindestens zwei Prozent in
nahmen Anreize für Wasserstoff oder dessen 2030 erörtert. Bei der Verpflichtung gilt es Wett-
Folgeprodukte als Kraftstoffalternativen im Ver- bewerbsnachteile der deutschen Luftfahrtbrache
kehr schaffen. Die Bundesregierung setzt sich zu vermeiden. Die Bundesregierung wird sich
daher zum Ziel, den Mindestanteil erneuerbarer daher mit ihren europäischen Partnern für eine
Energie am Endenergieverbrauch des Verkehrs- multilaterale Regelung einsetzen.
sektors im Jahr 2030 signifikant über die EU-
Vorgaben hinaus zu erhöhen. Eine Festlegung • Eine einheitliche und transparente Methodik
erfolgt im Rahmen der im Koalitionsvertrag zur Bestimmung der CO2-Bilanz für den Einsatz
festgeschriebenen Weiterentwicklung der THG- von Energieerzeugnissen und deren Nachhal-
Quote des BImSchG. tigkeit ist übergeordnet über alle Anwendungs-
bereiche hinweg essenziell für den nationalen,
• Der Einsatz von grünem Wasserstoff bei der europäischen und weltweiten Handel von alter-
Herstellung von konventionellen Kraftstoffen nativen Energieträgern. Hier werden wir uns
stellt einen sinnvollen Einsatz von Wasserstoff frühzeitig und aktiv auf europäischer Ebene
dar, der einen realen Beitrag zur Reduktion der einbringen.
vom Verkehr verursachten THG-Emissionen
leisten kann. Wir werden daher die nationale
Umsetzung der RED II nutzen, um die Anrech-
nung des Einsatzes von grünem Wasserstoff bei Alle weiteren unten aufgeführten Maßnahmen sind
der Produktion von Kraftstoffen auf die Treib- laufend bzw. werden im Jahr 2020 weiter verfolgt.
hausgasminderungsquote zu ermöglichen. Dies betrifft insbesondere die Schaffung neuer För-
Zudem werden wir die Anreize bei der RED II- derrichtlinien, auf deren Grundlage dann Aufrufe zur
Umsetzung nach Möglichkeit so setzen, dass Einreichung von Förderanträgen erfolgen können.
grüner Wasserstoff bei der Produktion von Teilweise bedarf es noch der Notifizierung bei und der
Kraftstoffen schnellstmöglich zum Einsatz Genehmigung durch die EU-Kommission. Förderauf-
kommt. Damit wollen wir konkrete Anreize für rufe sind regelmäßig, beginnend mit 2020, vorgesehen.
Investitionen in Elektrolyseanlagen setzen,
damit der Markthochlauf zügig erfolgen kann.
Ziel ist, dass eine Elektrolyseleistung in einer
Größenordnung von 2 GW aufgebaut wird.
Ergänzend werden wir gegebenenfalls beglei-
tende Fördermaßnahmen ergreifen.
20 V. A K T I O N S P L A N : N OT W E N D I G E S C H R I T T E F Ü R D E N E R F O LG D E R N AT I O N A L E N WA S S E R S TO F F S T R AT E G I E

Maßnahme 6 Maßnahme 8
Die Fördermaßnahmen im Rahmen des Nationalen Der koordinierte Aufbau einer bedarfsgerechten
Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brenn- Tankinfrastruktur zur Versorgung der Fahrzeuge
stoffzellentechnologie (NIP) werden fortgesetzt. Die auch im schweren Straßengüterverkehr, im ÖPNV
aus dem Energie- und Klimafonds (EKF) zu­sätz­lich und im Schienenpersonennahverkehr (siehe auch
bis 2023 zur Verfügung stehenden Mittel schaffen Maßnahme 20) wird gefördert. Der Energie- und
hier auch für die Wasserstoff- und Brennstoffzel- Klimafonds (EKF) enthält hierfür über alle alterna-
lentechnologie verstärkt Fördermöglichkeiten. tiven Technologien bis 2023 3,4 Mrd. Euro als
Zuschüsse zur Errichtung von Tank- und Lade-
• Marktaktivierung zur Unterstützung von Inves- infrastruktur. Sofern erforderlich, werden die Mit-
titionen in Wasserstoff-Fahrzeuge (leichte und tel für die Wasserstoffinfrastruktur zeitlich früher
schwere LKW/Nutzfahrzeuge, Busse, Züge, Bin- zur Verfügung gestellt. Gemäß Klimaschutzpro-
nen- und Küstenschifffahrt, PKW in Flottenan- gramm 2030 wird die Bundesregierung Konzepte im
wendungen), neben der NIP-Förderung stehen Bereich der Nutzfahrzeuge auch für den Aufbau
aus dem EKF hier über alle Technologien hin- von Wasserstofftankstellen entwickeln. Um den
weg, also auch zur Nutzung für Wasserstoffan- Einsatz grünen Wasserstoffs im Schwerlastverkehr
wendungen, bis 2023 zur Verfügung: zu fördern, wird das Wasserstoff-Tankstellennetz
• 2,1 Mrd. Euro Zuschüsse zum Kauf elektrisch zügig ausgebaut.
betriebener Fahrzeuge,
• 0,9 Mrd. Euro als Zuschüsse zum Kauf für

Nutzfahrzeuge mit alternativen, klimascho-


nenden Antrieben, Maßnahme 9
• 0,6 Mrd. Euro zur Förderung des Ankaufs von Hinwirken auf ambitionierte Weiterentwicklung
Bussen mit alternativen Antrieben. des europäischen Infrastrukturaufbaus zur Erleich-
terung grenzüberschreitender Verkehre mit Brenn-
• F&E-Aktivitäten mit dem Ziel, weitere Kostenre- stoffzellenantrieb (AFID); Novellierung der Richtli-
duktion zu erreichen (bspw. im Bereich Nutz- nie zum Aufbau von Infrastruktur für alternative
fahrzeuge, kleine Flugzeuge). Kraftstoffe (Umsetzung ab 2021).

• „HyLand – Wasserstoffregionen in Deutschland“


als dreistufiger Ansatz zur Förderung der Erstel-
lung, Verfeinerung und Umsetzung integrierter Maßnahme 10
regionaler Wasserstoff-Konzepte. Eine Fortset- Unterstützung des Aufbaus einer wettbewerbsfähi-
zung dieses im Jahr 2019 erfolgreich durchge- gen Zulieferindustrie für Brennstoffzellensysteme
führten Förderkonzeptes ist geplant. (Brennstoffzellen und Komponenten für Brenn-
stoffzellensysteme) einschl. Schaffung einer indust-
riellen Basis für eine großskalige Brennstoffzellen-
Stack-Produktion für Fahrzeuganwendungen.
Maßnahme 7 Prüfung des Aufbaus eines Technologie- und Inno-
Entwicklung und Förderung von Anlagen zur vationszentrums für Wasserstofftechnologien zur
Erzeugung strombasierter Kraftstoffe, insbesondere Ermöglichung von Fahrzeugplattformen für Brenn­
zur Erzeugung von strombasiertem Kerosin, und stoffzellenantriebe sowie die Unterstützung des
fortschrittlicher Biokraftstoffe. Dafür stehen bis Aufbaus eines deutschen Brennstoffzellensystem-
2023 1,1 Mrd. Euro im Energie- und Klimafonds Anbieters für die Logistik/Intralogistik.
(EKF) zur Verfügung.
V. AKTIONSPLAN: NOTWENDIGE SCHRITTE FÜR DEN ERFOLG DER NATIONALEN WASSERSTOFFSTRATEGIE 21

Maßnahme 11 Maßnahme 15
Zielführende Umsetzung der Clean Vehicles Direc- Im Rahmen der Umstellung auf klimafreundliche
tive (CVD) zur Unterstützung von Null-Emissions- Industrieverfahren wird neben Investitionskosten-
Fahrzeugen im kommunalen Verkehr. zuschüssen der Betrieb von Elektrolyseanlagen
unterstützt. Dafür wird die Bundesregierung ein
neues Pilotprogramm für Carbon Contracts for
Difference (CfD) aufbauen, das sich in erster Linie
Maßnahme 12 auf die Stahl- und Chemieindustrie mit prozessbe-
Einsatz für eine CO2-Differenzierung der Lkw- dingten Emissionen bezieht. Dabei garantiert die
Maut zugunsten klimaschonender Antriebe im Bundesregierung die Förderung der Differenzkos-
Rahmen der Eurovignetten-Richtlinie. ten zwischen tatsächlichen Vermeidungskosten
bzw. eines projektbezogenen, vertraglich definier-
ten CO2-Preises pro vermiedener Menge Treibhaus-
gasemissionen und ETS-Preisen für den Aufbau
Maßnahme 13 und den Betrieb von Technologien zur Dekarboni-
Einsatz für die internationale Harmonisierung von sierung mit dem Ziel der Treibhausgasneutralität.
Standards bezüglich Mobilitätsanwendungen für Sollte der ETS-Preis zukünftig über den vertraglich
Wasserstoff- und Brennstoffzellensysteme (z. B. geregelten CO2-Preis (und damit den Vermeidungs-
Betankungsstandards, Wasserstoff-Qualität, Eichung, kosten der jeweiligen Technologie) steigen, sind die
Wasserstoff-Kfz Typengenehmigung, Zulassung Unternehmen verpflichtet, die Differenz an den
von Schiffen etc.) Bund zu zahlen. Durch ein solches Programm ent-
stehen Investitionssicherheit und Anreize für ein
Vorziehen von Klimaschutz-Projekten, welche
indirekt Anreize zur Erzeugung von Wasserstoff
Industrie erzeugen und zu einem Markthochlauf von Was-
serstofftechnologien führen. Nach erfolgreicher
Maßnahme 14 Pilotphase kann ein solches Instrument auf zusätz-
Investitionskosten in CO2-freie Technologien kön- liche Bereiche der Industrie ausgeweitet werden.
nen aufgrund der internationalen Wettbewerbssi- Eine enge Koordinierung mit der Europäischen
tuation nicht vollständig an den Kunden weiterge- Kommission wird angestrebt.
geben werden. Die Bundesregierung fördert daher
im Rahmen verschiedener Programme die Umstel-
lung von konventionellen fossilen Technologien
mit prozessbedingten Emissionen auf treibhaus- Maßnahme 16
gasarme oder treibhausgasneutrale Verfahren in Die Nachfrage nach Industrieprodukten, die mit-
der Industrie. Dabei spielt die Umstellung auf den tels emissionsarmer Prozesse und der Nutzung von
Grund- und Brennstoff Wasserstoff eine zentrale Wasserstoff hergestellt wurden, soll gestärkt wer-
Rolle, insbesondere in der Stahl- und Chemiein- den. Die Bundesregierung setzt sich dafür ein, nati-
dustrie. Als Förderprogramme stehen hierfür der onal und auf europäischer Ebene Lösungen zu prü-
Fonds zur „Dekarbonisierung in der Industrie“ fen, wie Märkte für klimaneutrale und Kreislauf-
sowie die Programme zum „Wasserstoffeinsatz in produkte in energieintensiven Industriesektoren
der Industrieproduktion“ (2020 –2024) und zur stimuliert werden können. Eine Nachfragequote
„CO2-Vermeidung und -Nutzung in Grundstoffin- für klimafreundliche Grundstoffe, z. B. grünen
dustrien“ zur Verfügung. Stahl, wird geprüft. Voraussetzung für solche Maß-
22 V. A K T I O N S P L A N : N OT W E N D I G E S C H R I T T E F Ü R D E N E R F O LG D E R N AT I O N A L E N WA S S E R S TO F F S T R AT E G I E

nahmen ist ein aussagekräftiges, ambitioniertes tion in Direktreduktionsanlagen, können einen


und nachvollziehbares Labelling der klimafreundli- essenziellen Beitrag zur Dekarbonisierung der
cheren bzw. nachhaltigeren Zwischen- und End- Stahlherstellung leisten. Die Option der Ab­­schei­
produkte. dung und stofflichen Nutzung von CO2-Emissi-
onen (CCU) wird in Forschungsvorhaben auch
in der Stahlindustrie erprobt. Vor dem Hinter-
grund anstehender Investitionszyklen soll Pla-
Maßnahme 17 nungssicherheit geschaffen werden. Dies betrifft
Gemeinsam mit Stakeholdern – insbesondere der insbesondere Rahmenbedingungen und mögli-
energieintensiven Industrie – sollen innerhalb che Unterstützung bei Direktinvestitionen.
branchenspezifischer Dialogformate langfristige
Dekarbonisierungsstrategien auf der Basis von • Logistik: Der Einsatz von Wasserstofftechnolo-
Wasserstoff entwickelt werden (Start 2020, für gien im Güterverkehr erfordert Anpassungen
Chemie-, Stahl-, Logistik- und Luftfahrtbranche, entlang der gesamten Lieferkette. Hierzu soll
weitere Branchen folgen stetig). kurzfristig im Rahmen der Innovationskom-
mission zum „Innovationsprogramm Logistik
• Chemiebranche: In der Chemiebranche besteht 2030“ der Austausch zu den Perspektiven von
bereits ein hoher Bedarf an Wasserstoff zur Wasserstofftechnologien in der Logistik gesucht
stofflichen Verwendung, der zurzeit im Wesent- werden. Thema des Dialogs wird sein, wie Fahr-
lichen durch grauen Wasserstoff gedeckt wird. zeughersteller, Infrastruktur- und Energie-
Im Dialog soll unter anderem erörtert werden, sowie Kraftstoffanbieter und Logistikunterneh-
wie grauer Wasserstoff zunehmend substituiert men ihr Angebot aufeinander abstimmen
werden kann. Dabei gilt es, die Grundstoffver- können und so mittels Wasserstofftechnologien
sorgungsketten der Chemiebranche zu beach- zur Dekarbonisierung des Schwerlastverkehrs
ten und auch Lock-in-Effekte zu vermeiden. So beitragen können.
sollen bei Wegfallen der bisher genutzten fossi-
len Grundstoffe ggf. auch neue Kohlenstoff- • Luftfahrt: Im Rahmen des „Runden Tisches
quellen erschlossen werden können (CCU, DAC Luftfahrtindustrie“ werden auch die Heraus­
usw.), die wiederum eine CO2-neutrale Roh- forderungen des Pariser Abkommens für die
stoffbasis für die stoffliche Umwandlung, d. h. Luftfahrt diskutiert. Wasserstofftechnologien
chemische Produktion ermöglichen. Umgekehrt können auch hier einen Beitrag leisten.
bestehen an manchen Stellen Wasserstoff-Über-
produktionskapazitäten, wie z. B. bei der Chlor- • Weitere Branchen: Weitere Anwendungen, die
Alkali-Elektrolyse, bei der Wasserstoff als sich auch langfristig nicht vollständig mit Strom
Nebenprodukt anfällt. Noch unausgeschöpfte aus erneuerbaren Energien versorgen lassen
Potenziale sollen erfasst und auf ihre Nutzbar- oder hohe unvermeidbare Prozessemissionen
keit diskutiert und ggf. geprüft werden. aufweisen, werden alternative Energieträger
nutzen müssen oder ihre Kohlenstoffkreisläufe
• Stahlbranche: Der Dialog wird unter anderem z. B. über Wasserstoff-basierte CCU-Optionen
folgende Themen umfassen: Alternative Verfah- schließen müssen. Auch hier gilt es im Dialog,
ren, wie das anteilige Einblasen von Wasserstoff benötigte Anpassungen eines nachhaltigen
zur Vermeidung von Treibhausgasemissionen in Regulierungsrahmens – auch auf EU-Ebene –
bestehende Hochöfen für eine Übergangszeit frühzeitig vorzubereiten (z. B. Methodik für die
und vor allem die vollständige H2-Direktreduk- Anrechenbarkeit von CCU).
V. AKTIONSPLAN: NOTWENDIGE SCHRITTE FÜR DEN ERFOLG DER NATIONALEN WASSERSTOFFSTRATEGIE 23

Wärme ren als auch durch Anpassung und Umrüstung


erreichbare H2-Readiness von Teilen der Gasinfra-
Maßnahme 18 struktur), vom Inverkehrbringer bis zum Endver-
Im Gebäudebereich in Wohn- und Nichtwohnge- braucher, diskutiert und rechtzeitig angestoßen
bäuden fördern wir seit 2016 im Anreizprogramm werden. Dasselbe gilt für die Optionen zur Umwid-
Energieeffizienz (APEE) die Anschaffung hocheffi- mung und Nachnutzung von Leitungen etc., unter
zienter Brennstoffzellenheizgeräte. Diese Förderung anderem für die zukünftige Versorgung mit Was-
wird fortgesetzt und die Bundesregierung beabsich­ serstoff. Die für den Auf- und Ausbau einer Wasser-
tigt sie bei Bedarf auch zu verstärken. Es wird zudem stoffinfrastruktur notwendigen regulatorischen
geprüft, ob deren Anwendungsbereich erweitert Grundlagen werden zügig in Angriff genommen.
werden kann. Im Rahmen des APEE und der künf- Dazu wird kurzfristig ein sogenanntes Markter-
tigen BEG sind von 2020 bis 2024 bis zu 700 Mio. kundungsverfahren durchgeführt.
Euro eingeplant, die auch für die Förderung von
Brennstoffzellenheizgeräten genutzt werden können.

Maßnahme 21
Die Verzahnung von Strom-, Wärme- und Gas-
Maßnahme 19 i­nfrastrukturen wird weiter vorangetrieben. Es gilt
Zur Stärkung der langfristigen Ausrichtung der die Planung und Finanzierung sowie den regulato-
Wärmeversorgung auf die Nutzung von erneuerba- rischen Rahmen so zu gestalten, dass die verschie-
ren Energien prüft die Bundesregierung im Rah- denen Infrastrukturen koordiniert und energie-
men des KWKG Möglichkeiten für die Förderung wendetauglich, bedarfsgerecht sowie kosteneffi-
von „Wasserstoff-readyness“-Anlagen. zient weiterentwickelt werden. Hierbei müssen
sowohl die Potenziale bestehender Wasserstoff-
Infrastruktur berücksichtigt werden, als auch die
Anschlussfähigkeit der Infrastruktur im EU-Kon-
Infrastruktur/Versorgung text gewährleistet sein (Umsetzung in Arbeit, das
Ergebnis einer vom Bund beauftragten Langfrist-
Eine sichere und verlässliche, bedarfsgerechte und studie liegt im 2. Halbjahr 2020 vor).
insgesamt effiziente Versorgung mit Wasserstoff wird
zukünftig zentral für den Wasserstoffmarkt sein.
Dabei werden die Potenziale bestehender Infrastruk-
turen – soweit benötigt – nach Möglichkeit genutzt Maßnahme 22
und, wenn nötig, der Aufbau neuer Versorgungsstruk- Beim Aufbau neuer Infrastruktur wird besonderes
turen angestoßen. Dafür sind folgende Maßnahmen Augenmerk auf den bedarfsgerechten Ausbau des
vorgesehen: Wasserstofftankstellennetzes gelegt, sowohl im
Straßenverkehr und an geeigneten Stellen im
Maßnahme 20 Schienennetz (z. B. Gemeindeverkehrsfinanzie-
Der langfristig erforderliche Handlungsbedarf die- rungsgesetz) als auch bei den Wasserstraßen (siehe
ses Transformationsprozesses wird mit den rele- auch Anwendungsbereiche). Adressiert werden
vanten Stakeholdern erarbeitet und ein Bericht mit dabei sowohl individuelle Nutzerinnen und Nutzer
Handlungsempfehlungen erstellt. Dabei müssen als auch Betreiber von Flotten mit einer großen
die Möglichkeiten zur Nutzung bestehender Struk- Anzahl von Fahrzeugen mit Wasserstoff- bzw.
turen (sowohl dezidierte Wasserstoff-Infrastruktu- Brennstoffzellenantrieb.
24 V. A K T I O N S P L A N : N OT W E N D I G E S C H R I T T E F Ü R D E N E R F O LG D E R N AT I O N A L E N WA S S E R S TO F F S T R AT E G I E

Forschung, Bildung und Innovation Maßnahme 25


In einer neuen ressortübergreifenden Forschungs-
Mit neuen Initiativen der Forschungs- und Innovati- offensive „Wasserstofftechnologien 2030“ werden
onsförderung soll entlang der gesamten Wasserstoff- die Forschungsmaßnahmen an Wasserstoff-Schlüs-
Wertschöpfungskette die Basis für künftige Markter- seltechnologien strategisch gebündelt (Umsetzung
folge gelegt werden. Durch Bündelung von zielgerich- ab 2. Quartal 2020). Zentrale Elemente der For-
teten Fördermaßnahmen verankern wir Forschung schungsoffensive sind:
und Innovation als strategisches Element der Ener-
gie- und Industriepolitik der Bundesregierung. Dabei • „Reallabore der Energiewende“, um marktnahe
wird auf das 7. Energieforschungsprogramm aufge- PtX-Technologien im industriellen Maßstab
setzt. Im Fokus stehen kurz- bis mittelfristig: umzusetzen und den Innovationstransfer zu
beschleunigen;

Maßnahme 23 • großangelegte Forschungsvorhaben „Wasser-


Gemeinsame Wasserstoff-Roadmap als Kompass: stoff in der Stahl- und Chemieindustrie“ als
Deutschland will sich als Leitanbieter für grüne zukunftsweisende Angebote, um Klimaneutra­
Wasserstofftechnologien am Weltmarkt positionie- lität zu erreichen;
ren. Hierfür wird kurzfristig eine Roadmap für eine
deutsche Wasserstoffwirtschaft mit internationaler • Vorhaben im Verkehrssektor, um mit Hilfe von
Ausstrahlungswirkung gemeinsam mit Wissen- Forschung, Entwicklung und Innovation die
schaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft auf den Kosten der Technologien zur Nutzung von Was-
Weg gebracht. Aus den Anwendungsszenarien lei- serstoff weiter zu reduzieren;
ten sich Forschungs- und Handlungsbedarfe ab
(Start: 1. Halbjahr 2020). • Machbarkeitsstudien und Potenzialatlanten, um
wirtschaftlich geeignete Standorte in der Welt
für die grüne Wasserstoffwirtschaft von morgen
zu finden. Hierbei werden auch die weitere Ent-
Maßnahme 24 wicklung des Energieeigenbedarfs und die ver-
Kurzfristig werden Demonstrationsprojekte zu fügbaren natürlichen Ressourcen der jeweiligen
grünem Wasserstoff mit Hilfe der Forschung zu Staaten berücksichtigt;
internationalen Lieferketten auf den Weg gebracht.
Es geht um die Beantwortung grundlegender Fra- • internationale Netzwerke und FuE-Kooperatio-
gen und Aspekte: Die Lieferanten- und Technolo- nen, um neue Märkte für deutsche Technologie-
giebeziehung ist idealtypisch zu entwickeln; exporte vorzubereiten;
robuste Lösungen und modulare Lösungen sind
im weltweiten Einsatz zu erproben. Produktions- • die Gründung eines neuen Forschungsnetz-
standorte in Partnerländern der Entwicklungszu- werks „Wasserstofftechnologien“, um die Ver-
sammenarbeit werden dabei mit einbezogen netzung und den offenen Austausch von Wirt-
(Start: 1. Halbjahr 2020). schaft und Wissenschaft als Impulsgeber für
die Förderpolitik zu stärken.

Die Forschungsoffensive flankiert das Nationale


Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brenn-
stoffzellentechnologien (siehe auch Maßnahme 6).
V. AKTIONSPLAN: NOTWENDIGE SCHRITTE FÜR DEN ERFOLG DER NATIONALEN WASSERSTOFFSTRATEGIE 25

Maßnahme 26 kompakte und zuverlässige hybrid-elektrische


Innovationsfreundliche Rahmenbedingungen sol- Antriebsarchitektur auf Wasserstoff-Brennstoff-
len den Weg für den Praxiseinsatz von Wasserstoff- zellenbasis) sowie nachhaltige Bodenstromver-
technologien ebnen. Dazu wird geprüft, ob und sorgung (multifunktionale Brennstoffzelle).
welche Maßnahmen (u. a. Forschungs- und Experi-
mentierklauseln) geeignet sind, um den Marktein- • Flugerprobung wasserstoffangetriebener und
tritt von Wasserstofftechnologien zu erproben und hybrid-elektrischer Technologien (Kombination
den Transfer in die Praxis zu erleichtern. Hierzu von Wasserstoff/Brennstoffzelle/Batterietech-
wird kurzfristig ein Leitprojekt zur wissenschaftli- nologien) im Bereich der Regionalflugzeuge
chen Politikberatung aufgelegt. Das Projekt soll sowie Vorbereitung dieser Technologien für den
praktisch verwertbare Grundlagen schaffen, um kommerziellen Großraumflugzeugbereich.
den nationalen und den europäischen Rechtsrah-
men so weiterzuentwickeln, dass der großskalige
Roll-out von Anwendungen zu Erzeugung, Spei-
cherung, Transport und Nutzung von Wasserstoff Maßnahme 28
sowie die Umsetzung entsprechender Geschäfts- Fortsetzung der Fördermaßnahmen im Maritimen
modelle wirtschaftlich möglich sind. Das schließt Forschungsprogramm im Querschnittsthema
die Weiterentwicklung der Qualitätsinfrastruktur „Maritime.Green“ (Green Shipping). Auf EU-Ebene
ein, insbesondere hinsichtlich aller Sicherheitsan- befindet sich aktuell die Partnerschaftsinitiative
forderungen, einer Bewertung der System- und „Zero-Emission-Waterborne Transport“ für das
Anlageneffizienz sowie der eichrechtskonformen neue HORIZON Europe in Vorbereitung. Ziel ist das
Abrechnung auf der Basis zuverlässiger Messver- Nullemissionenschiff mit geschlossenen Stoffkreis-
fahren. Hindernisse im nationalen und europäi- läufen. Für das Maritime Forschungsprogramm
schen Rechtsrahmen sind zu identifizieren und, sind von 2020 bis 2024 ca. 25 Mio. Euro eingeplant,
darauf aufbauend, Vorschläge zu deren Weiterent- wovon auch ein Teil im Kontext Wasserstoff
wicklung zu formulieren (Start: 2. Quartal 2020). genutzt werden kann (Maßnahme ist gestartet).

Maßnahme 27 Maßnahme 29
Im Bereich der Luftfahrt werden die im europäisch Bildung und Ausbildung stärken – national und
vereinbarten Dokument Flightpath 2050 formu- international: Mit der Unterstützung und Weiter-
lierten Ziele durch das Luftfahrtforschungspro- entwicklung der beruflichen und wissenschaftli-
gramm unterstützt. Dieses Programm wird fortge- chen Aus- und Weiterbildung im Bereich der Was-
führt und eine Förderung des hybrid-elektrischen serstofftechnologien ebnen wir den Weg für Arbei-
Fliegens wurde aufgebaut. Für den Bereich Wasser- tende und Betriebe hin zu einer effizienten und
stofftechnologien sind von 2020 bis 2024 25 Mio. sicheren Handhabung von Wasserstofftechnolo-
Euro im Luftfahrtforschungsprogramm eingeplant gien. Dies betrifft vor allem die Qualifizierung von
(Maßnahme hat begonnen): Personal zur Produktion, Betrieb und Wartung in
Bereichen, in denen Wasserstoff bisher nur eine
• Aufbau der Gesamtsystemfähigkeit im neuen untergeordnete Rolle gespielt hat. Dazu gehören
Technologiebereich des hybrid-elektrischen beispielsweise der Anlagenbau sowie im Verkehrs-
Fliegens u. a. durch disruptive Antriebskonzepte bereich die Ausbildung von Werkstattpersonal für
(z. B. Brennstoffzelle, H2-Triebwerk/Generator, Brennstoffzellenfahrzeuge. Neben qualifizierten
26 V. A K T I O N S P L A N : N OT W E N D I G E S C H R I T T E F Ü R D E N E R F O LG D E R N AT I O N A L E N WA S S E R S TO F F S T R AT E G I E

Fachkräften bedarf es exzellenter Wissenschaftle- in Übereinstimmung mit der Energiewende garan-


rinnen und Wissenschaftler sowie talentierten Nach­ tieren. Parallel hierzu wird Deutschland auch mit
wuchses. Hier gehen wir neue Wege der Zusammen­ anderen Ländern den Austausch zu gemeinsamen
arbeit, um Bildung und Forschung zu verbinden, Standards intensivieren, um einer Universalisie-
etwa über Kompetenzzentren von außeruniversitä- rung in internationalen Organisationen den Weg
ren Forschungseinrichtungen und Hochschulen. zu ebnen.
Mit Exportländern legen wir Berufsausbildungsko-
operationen auf und verstärken gezielt das Capa-
city Building mit eigenen Programmatiken wie für
Doktoranden (Umsetzung ab 2021). Maßnahme 31
Auf EU-Ebene wollen wir Investitionen in For-
schung, Entwicklung und Demonstration für
grünen Wasserstoff verstärken. Eine Option ist
Europäischer Handlungsbedarf die Schaffung eines neuen „Important Project of
Common European Interest (IPCEI)“ für den
Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Bereich Wasserstofftechnologien und -systeme als
Halbjahr 2020 gibt eine gute Gelegenheit, u. a. im Rah- gemeinsames Projekt mit anderen Mitgliedstaaten.
men der Vorbereitung des Legislativpaketes zu Sek- Betrachtet werden soll dabei die gesamte Wert-
torkopplung und Gasmarktdesign, wichtige Dossiers schöpfungs- und Nutzungskette von Wasserstoff
rund um das Thema „Wasserstoff“ proaktiv voranzu- (Erzeugung, Transport, Verteilung, Nutzung). Die
bringen. Dazu gehört insbesondere der von der EU- Bundesregierung geht dafür aktiv auf die EU-Kom-
KOM vorgesehene Aktionsplan „Wasserstoff“ sowie mission und EU-Mitgliedstaaten zu, um Unterstüt-
die Strategie zur Smart Energy System Integration. zung für ein solches Projekt zu gewinnen und des-
sen Umsetzung anzustoßen (laufender Prozess).

Maßnahme 30
Damit sich ein Markt entwickeln kann, der zur Maßnahme 32
Energiewende und Dekarbonisierung beiträgt und Vor dem Hintergrund des „European Green Deal“
die deutschen und europäischen Exportchancen setzt sich die Bundesregierung unter anderem für
stärkt, besteht ein Bedarf für verlässliche Nachhal- eine beschleunigte Umsetzung der EU-Wasserstoff-
tigkeitsstandards sowie für eine anspruchsvolle initiativen ein. Zudem unterstützt sie auf der
Qualitätsinfrastruktur, (Herkunfts-)Nachweise für Grundlage dieser Strategie die Ausarbeitung eines
Strom aus erneuerbaren Energien sowie für grünen Grünbuchs der Kommission zur inhaltlichen Vor-
Wasserstoff und seine Folgeprodukte. Auf euro- schattierung einer EU-Wasserstoffstrategie. Mit
päischer Ebene wollen wir im Bereich Wasserstoff einem gemeinsamen Markthochlauf von Wasser-
und PtX-Produkte Nachhaltigkeits- und Qualitäts- stofftechnologien erschließen wir Skaleneffekte
standards setzen und so den Aufbau des internatio- und schaffen die Grundlage für einen erfolgreichen
nalen Wasserstoffmarkts aktiv begleiten. Dazu gehört Wasserstoff-Binnenmarkt.
auch die Unterstützung der Entwicklung von euro-
päischen Regulierungen, Codes und Standards in
den verschiedenen Anwendungsbereichen, die die
Weichen für den internationalen Markt stellen
werden und einen Markthochlauf in Deutschland
V. AKTIONSPLAN: NOTWENDIGE SCHRITTE FÜR DEN ERFOLG DER NATIONALEN WASSERSTOFFSTRATEGIE 27

Maßnahme 33 nen. Hierbei wird auch die weitere Entwicklung des


Die Gründung einer europäischen Wasserstoffge- Energieeigenbedarfs sowie der Verfügbarkeit von
sellschaft zur Förderung und Erschließung gemein- natürlichen Ressourcen wie zum Beispiel Wasser
samer internationaler Produktionskapazitäten und der jeweiligen Staaten berücksichtigt. Die Energie-
-infrastrukturen wird ausgelotet und bei ausrei- partnerschaften tragen dabei auch zur eigenen
chend europäischer Unterstützung vorangetrieben. Dekarbonisierung und wirtschaftlichen Entwick-
lung der entsprechenden Wasserstoff-Exportländer
bei.

Internationaler Wasserstoffmarkt und außen-


wirtschaftliche Partnerschaften
Maßnahme 35
Auch im Kontext Wasserstoff bietet die internationale Wir werden die Zusammenarbeit mit Partnerlän-
Zusammenarbeit wirtschafts-, klima-, außen- und ent­ dern im Rahmen einer Wasserstoffallianz in Ab­­
wicklungspolitische Chancen. Diese wollen wir nut- stimmung mit EU-Initiativen zügig voranbringen.
zen und das Zukunftspaket des Koalitionsausschusses Die avisierte Zusammenarbeit wird einen Schwer-
vom 3. Juni 2020 sieht hierfür zusätzliche 2 Mrd. Euro punkt bei der Kooperation entlang der gesamten
vor. Daher verstärken wir unsere Aktivitäten zum Auf­ Wertschöpfungskette haben. Für deutsche Unter-
bau und zur Intensivierung internationaler Koopera- nehmen wird eine Plattform zur Positionierung in
tionen zum Thema Wasserstoff auf allen Ebenen. Auslandsmärkten geschaffen. Zudem soll deut-
Neben der Entwicklung von Wasserstofftechnologien schen Unternehmen, die Wasserstoff benötigen,
und -märkten zusammen mit den Partnerländern der Bezug des klimaneutralen Energieträgers
stehen dabei auch Möglichkeiten und Chancen der erleichtert werden (Start der Initiative in 2020).
Umstellung von Produktion und dem Export fossiler
Energieträger auf Wasserstoff im Fokus. Folgende
Maßnahmen tragen hierzu bei:
Maßnahme 36
Die bereits laufenden internationalen Aktivitäten
Maßnahme 34 insbesondere im Rahmen der Energiepartnerschaf-
Integration von Wasserstoff in bestehende Energie- ten und der multilateralen Zusammenarbeit wie
partnerschaften und Aufbau neuer Partnerschaften dem International Partnership for Hydrogen and
mit strategischen Export- und Importländern Fuel Cells in the Economy (IPHE), der Internationa-
eröffnen Zukunftsperspektiven. Zum Beispiel indem len Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA)
auf Basis von deutschen Technologien in Partner- oder der International Energy Agency (IEA) werden
ländern der Export von Wasserstoffprodukten wir verstärken und mit Blick auf die überregiona-
ermöglicht wird, die Wirtschaft von fossilen Ener- len Aspekte von Wasserstoff nutzen. Die Erstellung
gieträgern unabhängiger gemacht wird und von Potenzialatlanten für die Erzeugung von
Deutschlands Wasserstoffbedarf gedeckt wird. Es grünem Wasserstoff und dessen Folgeprodukten
sollen zum Beispiel bestehende Energiepartner- wird dabei helfen, zukünftige Lieferländer und
schaften mit Partnerländern – v. a. durch die Grün- Exportchancen für Anlagen zu identifizieren (siehe
dung spezifischer Fach-AGs – genutzt werden, um auch Maßnahme 25). Damit sollen Informationen
nachhaltige Importpotenziale für Energieträger auf gebündelt werden, welche Energieträger vor dem
Basis von Wasserstoff und Absatzmärkte für deut- Hintergrund der allgemeinen Rahmenbedingun-
sche Wasserstofftechnologien erschließen zu kön- gen in den Partnerländern am besten produziert
28 V. A K T I O N S P L A N : N OT W E N D I G E S C H R I T T E F Ü R D E N E R F O LG D E R N AT I O N A L E N WA S S E R S TO F F S T R AT E G I E

werden können. Ein besonderer Schwerpunkt wird Maßnahme 38


auf die Länder mit einer aktiven deutschen Ent- Gegenüber den aktuellen Exporteuren fossiler
wicklungszusammenarbeit gelegt und deren Poten­­ Brennstoffe wird die Bundesregierung den Dialog
ziale für die Produktion von Wasserstoff. Dabei ist zugunsten einer schrittweisen, globalen Energie-
auch der steigende Energieeigenbedarf und die wende unter Einbeziehung von Wasserstoff inten-
Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen wie Wasser sivieren. Durch eine zumindest teilweise Substitu-
zu berücksichtigen. Potenzialatlanten für ausge- tion fossiler Brennstoffe durch Wasserstoff sollen
wählte Länder der deutschen Entwicklungszusam- auch mit wichtigen energiepolitischen Akteuren
menarbeit werden zur deutschen EU-Ratspräsi- neue Chancen ergriffen werden.
dentschaft fertiggestellt (Umsetzung ab 1. Halb­jahr
2020).

Maßnahme 37
Pilotvorhaben in Partnerländern, auch der deut-
schen Entwicklungszusammenarbeit unter Beteili-
gung der deutschen Wirtschaft, sollen aufzeigen, ob
und wie grüner Wasserstoff und dessen Folgepro-
dukte dort nachhaltig und wettbewerbsfähig pro-
duziert und vermarktet werden können. Hierzu
sollen Konzepte entwickelt und konkrete Umset-
zungsoptionen erarbeitet werden. Dabei wird dar-
auf geachtet, dass ein Import von grünem Wasser-
stoff oder darauf basierenden Energieträgern nach
Deutschland zusätzlich zur einheimischen Energie-
produktion in den jeweiligen Partnerländern
erfolgt und nicht zu Lasten der häufig unzurei-
chenden erneuerbaren Energieversorgung in den
Entwicklungsländern geht. Zudem darf die nachhal-
tige Wasserversorgung in teilweise ariden Regionen
dieser Länder nicht durch die Erzeugung von Was-
serstoff beeinträchtigt werden. Es wird eine nach-
haltige Erzeugung entlang der gesamten Lieferkette
angestrebt. Mit diesen Vorhaben sollen die Chan-
cen des Wasserstoffmarktes als wichtiger Baustein
der partnerschaftlichen Entwicklungszusammen-
arbeit genutzt und den Partnerländern damit neue
Chancen auf nachhaltige Wertschöpfung, Energie
und Arbeitsplätze sowie Anreize für eine Dekarbo-
nisierung ihrer Volkswirtschaften und den Aufbau
nachhaltiger Lieferketten eröffnet werden (Umset-
zung ab 2020).
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VI. Glossar

Grauer Wasserstoff: Grauer Wasserstoff basiert auf Türkiser Wasserstoff: Als „türkiser Wasserstoff“ wird
dem Einsatz von fossilen Kohlenwasserstoffen. Maß- Wasserstoff bezeichnet, der über die thermische Spal-
geblich für die Produktion von grauem Wasserstoff ist tung von Methan (Methanpyrolyse) hergestellt wurde.
die Dampfreformierung von Erdgas. Seine Erzeugung Anstelle von CO2 entsteht dabei fester Kohlenstoff.
ist – abhängig vom eingesetzten fossilen Ausgangs- Voraussetzungen für die CO2-Neutralität des Verfah-
stoff – mit erheblichen CO2-Emissionen verbunden. rens sind die Wärmeversorgung des Hochtemperatur-
reaktors aus erneuerbaren oder CO2-neutralen Ener-
Blauer Wasserstoff: Als blauer Wasserstoff wird Was- giequellen sowie die dauerhafte Bindung des Kohlen-
serstoff bezeichnet, dessen Erzeugung mit einem stoffs.
CO2-Abscheidungs- und -Speicherungsverfahren
gekoppelt wird (engl. Carbon Capture and Storage, Folgeprodukte: Aus Wasserstoff können weitere Fol-
CCS). Das bei der Wasserstoffproduktion erzeugte geprodukte hergestellt werden (Ammoniak, Metha-
CO2 gelangt so nicht in die Atmosphäre und die nol, Methan usw.). Sofern diese Produkte unter der
Wasserstoffproduktion kann bilanziell als CO2- Verwendung von „grünem“ Wasserstoff erzeugt wer-
neutral betrachtet werden. den, wird im Folgenden übergreifend von Power-to-X
(PtX) gesprochen. Je nachdem, ob die erzeugten Folge-
Grüner Wasserstoff: Grüner Wasserstoff wird durch produkte in gasförmiger oder flüssiger Form anfallen,
Elektrolyse von Wasser hergestellt, wobei für die Elek- spricht man von Power-to-Gas (PtG) oder von Power-
trolyse ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien to-Liquid (PtL).
zum Einsatz kommt. Unabhängig von der ge­­wählten
Elektrolysetechnologie erfolgt die Produktion von
Wasserstoff CO2-frei, da der eingesetzte Strom zu
100 Prozent aus erneuerbaren Quellen stammt und
damit CO2-frei ist.
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