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Univ.-Prof. Dr. Dennis Bock


Lehrstuhl für Deutsches und Internationales Strafrecht,
Strafprozessrecht und Wirtschaftsstrafrecht
- Institut für Kriminalwissenschaften -
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
dbock@law.uni-kiel.de
durch
Wiss. Mit. Klara Malberg

Arbeitsgemeinschaft Strafrecht I
Wintersemester 2014/2015

Vierter Übungsfall
(Schwerpunkt: Objektiver Tatbestand IV (Täterschaft))

Adel Maatouk (M) war zwei Monate vor der Tat aus einem Hafturlaub nicht in die Justizvoll-
zugsanstalt zurückgekehrt. Hierzu war er von Hamzeh Dyoub (D) überredet worden, der
schon jahrelang aus dem gleichen Grund von der Polizei gesucht wurde. D plante u. a. ein
größeres Rauschgiftgeschäft, für das er M gewinnen wollte. Er nahm M bei sich auf, stattete
ihn mit 20.000 € aus und übergab ihm einen Revolver, den dieser fortan ständig führte. Sein
Auto ließ D „fast kriegsmäßig” ausstatten. M und D entschlossen sich, im Falle drohender
Verhaftung von ihren Schusswaffen Gebrauch zu machen, um sich die Flucht auch unter bil-
ligender Inkaufnahme der Tötung von Polizeibeamten freizuschießen. Am 22.10. 2007 gegen
18.30 Uhr wurden D und M auf der Straße von zwei Polizeibeamten in Zivil aufgefordert,
sich auszuweisen. M hatte schon vorher bemerkt, dass dem von einem Bekannten gefahrenen
Kraftfahrzeug des D ein ziviles Polizeifahrzeug gefolgt war, und hatte D darauf aufmerksam
gemacht. Als sie angesprochen wurden, wussten beide, dass sie Polizeibeamte vor sich hatten.
Zwei weitere Polizeibeamte standen mit gezogenen Dienstwaffen in der Nähe. Einer hatte die
Waffe auf M gerichtet, nachdem der kontrollierende Beamte etwas zur Seite getreten war. M
zog seine Waffe nicht. D erschoss zunächst den vor M stehenden Beamten, um sich der Fest-
nahme zu entziehen. M erhob sofort beide Arme zum Zeichen der Aufgabe und ließ sich dann
in dieser Stellung rückwärts gegen die Hecke fallen, rutschte daran herunter und blieb schließ-
lich mit angewinkelten Armen auf dem Bürgersteig neben der Hecke liegen. D bemerkte dies
nicht, wähnte M vielmehr noch in unmittelbarer Nähe. Sodann erschoss D den anderen heran-
getretenen Polizeibeamten, um zu verhindern, dass er und M festgenommen wurden. Nun
entfernte sich D. Später traf er M und fragte ihn, warum er nicht geschossen habe. M erwider-
te: „Du, der stand vor mir mit gezogener Waffe, ich habe tierische Angst gehabt. Ich schieße
nicht." Am nächsten Tage ließen sich D und M, von der Polizei überrascht, widerstandslos
verhaften.

Strafbarkeit der Beteiligten nach dem StGB?