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Univ.-Prof. Dr. Dennis Bock


Lehrstuhl für Deutsches und Internationales Strafrecht,
Strafprozessrecht und Wirtschaftsstrafrecht
- Institut für Kriminalwissenschaften -
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
dbock@law.uni-kiel.de
durch
Wiss. Mit. Klara Malberg

Arbeitsgemeinschaft Strafrecht I
Wintersemester 2014/2015

Sechster Übungsfall
(Schwerpunkte: Subjektiver Tatbestand II (Vorsatz))

John Fletcher (F), ein im Bundesgebiet lebender amerikanischer Staatsbürger, unterzog sich
im Februar 2006 anlässlich der Behandlung einer akuten Geschlechtskrankheit im US-
Hospital in Nürnberg freiwillig einem HIV-Test, der ergab, dass er mit dem sogenannten Hu-
manen Immunmangel-Virus (HIV) infiziert ist. Bei der Eröffnung dieses Sachverhalts Anfang
Juni 2006 informierte der zuständige Arzt den F in einem ausführlichen Beratungsgespräch
über Art und Auswirkungen der AIDS-Krankheit (Acquired Immune Deficiency Syndrome),
wobei er besonderen Wert auf die Aufklärung über notwendige Schutzmaßnahmen beim Se-
xualverkehr - auch bei homosexuellem Verkehr - legte. Hierbei wies er den F eingehend und
eindringlich darauf hin, dass er ansteckend für den Rest seines Lebens sei und daher zum
Schutze seiner Partner Kondome beim geschlechtlichen Verkehr verwenden müsse. Da sich
der AIDS-Erreger zwar besonders konzentriert im Samen und im Blut, jedoch auch in jeder
anderen Körperflüssigkeit befinde, dürfe er weder Oral- noch Vaginal- noch Analverkehr oh-
ne Kondom betreiben. Bei ungeschütztem Verkehr der genannten Art könne er den Erreger an
seine Partner weitergeben und bei diesen „eine tödliche Krankheit" verursachen. Dabei mache
es keinen Unterschied, ob es beim Sexualverkehr zum Samenerguss komme oder nicht. Im
Rahmen weiterer Untersuchungen, bei denen sich keine Anzeichen für eine bereits ausgebro-
chene AIDS-Erkrankung ergaben, belehrte der Arzt den F Mitte Juli 2006 nochmals über die
Möglichkeit der Ansteckung anderer mit dem Virus. Ungeachtet dessen übte der F im August
2006 in einem Homosexuellen-Club mit Paolo Tardelli (T) ungeschützten geschlechtlichen
Verkehr, und zwar Analverkehr, aus, ohne seinen Partner auf seine HIV-Infektion hinzuwei-
sen. Er vollzog den Analverkehr zunächst ohne Kondom, unterbrach ihn jeweils und setzte
ihn anschließend mit Kondom bis zum Samenerguss fort. T steckte sich bei F mit HIV an.

Strafbarkeit der Beteiligten nach dem StGB?

Abwandlung:
Strafbarkeit des F nach dem StGB, wenn dieser den T im Vorfeld über seine Infektion aufge-
klärt hatte?