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Schmölders, Günter

Article
Die Umsatzsteuer in den wichtigsten ausländischen
Steuersystemen

Wirtschaftsdienst

Suggested Citation: Schmölders, Günter (1951) : Die Umsatzsteuer in den wichtigsten


ausländischen Steuersystemen, Wirtschaftsdienst, ISSN 0043-6275, Verlag Weltarchiv,
Hamburg, Vol. 31, Iss. 7, pp. 26-31

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http://hdl.handle.net/10419/131342

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www.econstor.eu
Die Umsatzsteuer
in den wichtigsten ausländischen Steuersystemen
Prof. Dr. G ünter Sditnölders, Köln

DieForm
A nfänge unserer heutigen Um satzsteuer in der
prozentualer A bgaben vom H andelsverkehr
interessen m ißachtet und die steuerliche Belastung
ausschließlich nach staats- und w irtschaftspolitischen
sind bis ins A ltertum hinein zurückzuverfolgen, ü b e r­ Gesichtspunkten verteilt.
all, wo eine V olksw irtsdiaft ein geordnetes Finanz­ Im großen gesehen, stehen sich dam it heute 3 Um­
system zur Entfaltung bringt, finden w ir die Umsatz­ satzsteuersystem e gegenüber:
steuer als tragendes Element darin enthalten. In 1. D i e k o n t i n e n t a l e n Umsatzsteuer-
Griechenland, im hellenistischen Ä gypten und das s y s t e m e (Deutschland, Frankreich, Belgien, Schweiz,
ganze M ittelalter hindurch fehlt sie in keinem der Italien), wo die U m satzsteuer sich neben d er Einkom­
H auptstaaten; von Spanien aus w andert die „Alka- m ensteuer allmählich zum tragenden Element des
bala" über die P yrenäen nach Frankreich und Italien, m odernen Steuersystem s entw ickelt h at o der auf dem
wo sie von zahlreidien Landesfürsten und Städten W ege dazu ist.
übernom m en und auf breiter G rundlage eingeführt 2. D i e a n g l o - s k a n d i n a v i s c h e n S y s t e m e
wird. In Zeiten besonderer A nspannung der öffent­ (England, USA., Schweden), wo die allgem eine Um­
lichen Finanzen tritt die U m satzsteuer jew eils beson­ satzbesteuerung im wesentlichen b ish er abgelehnt
ders in den V ordergrund; K aiser A ugustus griff auf wird, jedoch neben traditionell hohen besonderen
sie zur Befriedigung seiner V eteranen zurück, Spanien V erbrauchssteuern einzelne U m satzsteuern auf den
versuchte m it der A lkabala seine kolonialen Erobe­ gehobenen Bedarf gelegt w erden.
rungszüge zu finanzieren, in England erschien sie als 3. D i e „ t o t a l e n “ U m s a t z s t e u e r s y s t e m e
Bündel der verschiedensten A kzisen in der N ot der d e r a u t o r i t ä r e n S t a a t e n , w ie d er UdSSR,
Napoleonischen Kriege, A m erika versuchte sich m it ihr und in gew isser Hinsicht auch d er S atellitenstaaten,
aus dem finanziellen Zusammenbruch der Sezessions­ wo die U m satzsteuer als M ittel d er totalen W irt­
kriege zu retten. So erscheint die Um satzsteuer schaftslenkung im Zeichen der Kriegs- und Rüstungs­
geradezu als Rückgrat der Steuersystem e und dem­ w irtschaft angew andt wird.
gemäß als V orgängerin der allgem einen Einkommen­ Die Stellung, die die U m satzsteuer im Steuersystem
steuer, die dann im 19. Jahrhundert ihren Siegeszug einnimmt, kennzeichnet m ehr oder w eniger den
antrat und die U m satzsteuer als tragendes Element C harakter des ganzen W irtschafts- und Finanzsystems;
des Steuersystem s ablö ste; der wachsende S teuer­ in gew isser W eise erlaubt sie d arüber hinaus Rück­
bedarf verlangte eine genauere A npassung der Steuer schlüsse auf die Staats- und B esteuerungsm entalität
an die Leistungsfähigkeit und an die persönlichen sowie auf die Steuerm oral d er verschiedenen Völker.
V erhältnisse des Steuerträgers. Die V erlagerung des Schwergewichts auf die Umsatz­
steuer pflegt überall da einzutreten, wo der Fiskus
DIE UMSATZSTEUER IM MODERNEN STEUERSYSTEM
auf eine höhere G ew innbesteuerung nicht zurück­
Der finanzielle Druck der beiden W eltkriege zwang greifen kann oder will, w eil entw eder die G renze e r­
jedoch die m eisten Staaten, erneut ihre Zuflucht zur reicht ist oder w eil m it ein er ausreichenden M it­
U m satzsteuer zu nehmen. 1916 tauchte der Umsatz­ w irkung der Steuerzahler an der G ew innerm ittlung
steuergedanke in Deutschland in der Form des W aren­ und S teuerveranlagung nicht zu rechnen ist; im ex ­
um satzstem pels zuerst w ieder auf, 1917 faßte er in trem sten Fall ist das p riv ate Einkommen oder der
Frankreich Fuß, 1919 folgten Italien und 1921 Belgien G ewinn b ereits zu G unsten der Staatsw irtschaft b e­
mit der Einführung der U m satzsteuer; auch die USA. seitigt, so daß dem S taat keine andere W ahl bleibt,
sahen sich 1929 gezwungen, vorübergehend eine Um­ als zur indirekten Besteuerung des M assenverbrauchs
satzsteuer zur A bw ehr ihrer W irtschaftskrise ein­ in Form v o n Umsatz- oder V erbrauchsteuem ü ber­
zuführen. Vollends nach dem zw eiten W eltkrieg griff zugehen.
die U m satzsteuer auch in den Ländern um sich, in Im Rahmen der W irtschaftspolitik w ird die Umsatz­
denen man sich bisher noch erfolgreich gegen sie ge­ steu er endlich in imm er größerem Umfange als M ittel
w ehrt hatte, so 1940 in G roßbritannien und 1941 in der Produktions- und Konsum lenkung verw endet, w o­
der Schweiz und in Schweden. bei sich die einzelnen S taaten n u r noch nach dem
Zu ganz besonderer Bedeutung gelangte die Umsatz­ G rade dieser nichtfiskalischen A usgestaltung der
steuer in der UdSSR., wo sie seit 1930 im Rahmen der Steuer unterscheiden. Die H auptnachteile der Umsatz­
großen Finanzreform als M ittel der totalen Produk­ steu er — die Erhöhung des gesam ten Kosten- und
tions- und W irtschaftslenkung der sow jetischen Preisniveaus und die V orbelastung der A usfuhr durch
Rüstungs- und Kriegswirtschaft eingeführt wurde. Der die K um ulativw irkung — w erden in den Umsatz­
Gedanke der rigorosen U m satzbesteuerung ist der steuersystem en in verschiedener W eise berücksichtigt
Ausdruck eines Regimes, das jegliche V erbraucher­ bzw. zum Ausgleich gebracht; ebenso unterschiedlich

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Schm ölders: D ie U m satzsteuer in ausländischen Steuersystem en

ist die Frage der Steuerüberw älzung gelöst, die teil­ schwellen des U m satzsteueraufkom mens auch die V er­
w eise durch die von betrieblichen V erhältnissen ab­ schlechterung der K aufkraft der W ährung nicht w enig
hängige A rt der Steuerbem essung erschwert oder gar beigetragen hat, so ist doch letzten Endes der A usbau
verhindert wird, so daß die U m satzsteuer insow eit des französischen Um satzsteuersystem s sowie die
teilw eise zu einer A rt von „B etriebssteuer“ w erden immer w eitere Erhöhung ih rer Steuersätze der eigent­
kann. liche Grund dafür, daß die Um satzsteuer 1949 nahezu
DAS KONTINENTALE UMSATZSTEUERSYSTEM die H älfte (46 ®/o) des G esam tsteueraufkom m ens
A n der Spitze der kontinentalen System e in bezug auf (gegen 38*/o im Ja h re 1945) aufgebracht hat; dem­
Bedeutung und technische A usgestaltung der Umsatz­ gegenüber b eträg t das Einkomm ensteueraufkommen
steuer steht das f r a n z ö s i s c h e Umsatz­ (1949) nur 24 "/o des G esamtsteueraufkom mens. V er­
s t e u e r s y s t e m (Taxes sur le chiffre d'affaires). Es gleicht m an diese Zahlen mit dem deutschen Einkom­
besteht aus 4 Einzelsteuern, nämlich der Produktions­ mensteuer* (38 Vo) und U m satzsteueraufkom m en (21 ®/o)
steuer, der allgem einen Umsatzsteuer, den Sonder­ des Jah res 1949, so w ird um so deutlicher, welche
um satzsteuern und dem Gemeindezuschlag zur all­ erstrangige Stellung die „Taxes sur le chiffre
gem einen Umsatzsteuer, die den gesam ten W aren- d'affaires“ im französischen Steuersystem einnehmen;
und D ienstleistungsum satz in einer sorgfältig aus­ in keinem anderen kontinentalen Land h at die Um­
gew ogenen Belastungskom bination treffen. Diese satzsteuer eine derartige Bedeutung erlangt.
Steuern bestehen nebeneinander und sind grundsätz­ Das b e l g i s c h e U m s a t z s t e u e r s y s t e m steht
lich nicht gegeneinander abzugs- oder anrechnungs­ dem französischen an K om pliziertheit und Bedeutung
fähig. Ihre steuertechnische A usgestaltung ist im ein ­ nur w enig nach, wenngleich es auch mit den „Taxes
zelnen sehr kompliziert, so daß in diesem Rahmen sur le chiffre d'affaires“ kaum verw andte Züge hat,
nur ein kurzer H inw eis auf den C harakter des franzö­ sondern sich eher der deutschen kum ulativen Umsatz­
sischen U m satzsteuersystem s gegeben w erden kann *). besteuerung annähert.
Bei der P r o d u k t i o n s s t e u e r handelt es sich Das belgische U m satzsteuersystem (Taxes assimilées
um eine vorbildlich aufgebaute phasenpauschalierte au timbre) besteht im wesentlichen aus einer kum ula­
Steuer, die auf jeder Umsatzstufe des steuerpflichtigen tiven Ü bertragungssteuer von 4,5 <>/o, einer pauschalier­
W irtschaftsbereichs (Produktionssphäre) in Form einer ten, einm aligen Ü bertragungssteuer mit differenzierten
indirekten Besteuerung des „M ehrw ertes“ erhoben Steuersätzen (4,5—^9«/o), einer erhöhten U bertragungs­
wird. Die K um ulativw irkung w ird dam it in sehr steuer (Luxussteuer) von 7,5 Vo und einer erm äßigten
eleganter A rt und W eise ausgeschaltet, da von der Fakturensteuer von 0,45 "/o.
errechneten Steuerschuld die auf der Einkaufsfaktura Der auf den ersten Blick sehr kom pliziert erschei­
ersichtliche V orbelastung cier W aren, Roh-, Hilfs- oder nende Aufbau des belgischen U m satzsteuersystem s
Betriebsstoffe usw. abgesetzt w erden kann. Beim läßt sich auf zwei einfache G rundprinzipien zurück­
Ü bergang des Produktes aus der Produktions- in die führen, nämlich auf den Wunsch nach einer differen­
Konsumsphäre b eträgt die Produktionssteuerbelastung zierten Belastung der verschiedenen W arengruppen
14,5 “/o (bzw. 5,5 Vo für steuerbegünstigte Umsätze) bei gleichzeitiger Verm eidung der K um ulativwirkung
vom V erkaufspreis der G roßhandelsstufe; sie w irkt der Steuer, sow eit die Steuerhäufung aus sozialen
w ie eine „Einzelhandelsvorum satzsteuer" in dieser oder wirtschaftspolitischen Gründen unerwünscht ist.
Höhe. Ihre Überw älzung w ird dadurch wesentlich er­ Diese Phasenpauschalierung erreicht die belgische
leichtert, daß sie offen in Rechnung gestellt w ird; U m satzsteuer ohne die um fassenden Registrierungs­
außerdem sind in die Produktionssteuer gewisse und Meldepflichten der französischen M ethode einfach
Elemente einer Aufwands- und Luxussteuer m it diffe­ dadurch, daß zw ar grundsätzlich alle V erkäufe der
renzierten Steuersätzen (Sonderumsatzsteuer) ein­ Ü bertragungssteuer unterliegen, jedoch so viele Be­
gearbeitet. freiungen hinsichtlich bestim m ter V erkäufer- und
Ergänzt w ird die Produktionssteuer durch die (kumu­ Käuferkreise eingefügt w orden sind, daß praktisch
lative) a l l g e m e i n e U m s a t z s t e u e r sowie der größte Teil des notw endigen Bedarfs von der Be­
durch Zuschläge zu dieser allgem einen U m satzsteuer steuerung überhaupt oder doch von ihrer K um ulativ­
zu G unsten der Gerneinden und durch einzelne Sonder- w irkung gew isserm aßen nachträglich w ieder befreit
um satzsteuerh. Das Bild, das das französische Umsatz­ wird, w ährend der gehobene Bedarf der zusätzlichen
steuersystem heute bietet, ist auf Grund seiner ge­ Belastung (Luxussteuer) oder mehrfacher Besteuerung
schichtlichen Entwicklung, die die Freude der Fran­ unterliegt.
zosen am steuerpolitischen Experim entieren und die Obgleich das v eraltete belgische Steuersystem an
U nstetigkeit der innerpolitischen V erhältnisse deutlich V ielfalt der Steuern und Steuersätze nichts zu
w iderspiegelt, außerordentlich bunt und vielseitig. wünschen übrig läßt, h at sich audj h ier die Umsatz­
Seit 1945 ist in der F inanzstatistik ein gew altiges A n­ steuer den ersten Platz im Steuersystem erobert. 1950
steigen des U m satzsteueraufkom m ens festzustellen, machte die U m satzsteuer 35 "/o des gesam ten Steuer­
und zw ar von 65 Mrd. im Ja h r 1945 auf 618 Mrd. ffrs. aufkommens aus; nicht w eniger als 84 Vo des Auf­
im Jah re 1949. W enn zu diesem nom inellen An- kommens an indirekten Steuern entfielen auf die Um­
satzsteuer. Die geplante Steuerreform sieht allerdings
1) N ä h eres vgl. S c h m ö l d e r s , G., Das fran zö sisd ie Umsatz-
steu ersy stem , Steuer und W irtsd ia ft 1949, H eft 3. keinen w esentlichen A usbau der Um satzsteuer vor.

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Sdim ölders: Die U m satzsteuer in, a u slä n d isd ie n S teu ersy stem en

sondern eine Reform und Erw eiterung der direkten mählich aufgerückt. Die Bedeutung der W arenum satz­
Besteuerung: ob daraus bereits zu scbließen ist, daß steu er für den Bundeshaushalt liegt in erster Linie
die Um satzsteuer in Belgien in der nächsten Zukunft darin, daß das Aufkommen aus dieser Steuer restlos
an Bedeutung zugunsten der direkten Steuern ein­ der eidgenössischen Finanzverw altung zufließt, w äh­
büßen wird. Steht bei der individualistischen Einstel­ rend d er Bund alle d irekten Steuern mit den Kantonen
lung des belgischen V olkes durchaus dahin. und Gemeinden teilen muß.
Im Großherzogtum L u x e m b u r g ist im Rahmen der In I t a l i e n w urde ein allgem eines U m satzsteuer­
Ü bernahm e des deutschen Steuersystem s in den system im m odernen Sinne im Anschluß an den ersten
K riegsjahren auch die deutsche U m satzsteuer in der W eltkrieg eingeführt. Bereits w ährend des Krieges
Fassung vom 16. O ktober 1934 in Kraft getreten. In zwang der w achsende K riegsbedarf den Staat dazu,
A nbetracht der beibehaltenen niedrigen Steuersätze einzelne W arenum sätze m it einer S teuer zu belegen.
und anderer V ergünstigungen w ie der O rgantheorie Die heutige italienische U m satzsteuer (imposta sull'-
ist der prozentuale A nteil der U m satzsteuer mit nur entrata) zeichnet sich durch eine starke Differenzie­
16 Vo am Gesam tsteueraufkom m en von 1949 als gering rung der Steuersätze, die V ielzahl der Bemessungs­
zu bezeichnen; die Einkom m ensteuer erbringt mit grundlagen und durch das V orhandensein einer Reihe
35 ®/o des Gesamtaufkommens in Luxemburg imm er­ besonderer Zusatzsteuern zur U m satzsteuer aus. Im
hin m ehr als den doppelten Anteil. einzelnen sind die um satzsteuerlichen Bestim mungen
Das einzige kontinentale Land, daß der Einführung sehr umständlich, da die Umsatzsteuerpflicht an Geld­
der Um satzsteuer bis zum zw eiten W eltkrieg erfolg­ eingänge anknüpft, die durch gewisse W irtschaftsakte
reich W iderstand leistete, w ar die S c h w e i z . Erst ausgelöst sein müssen. A us sozialen G ründen w erden
1941 sah sie sich durch den m it der Kriegsmobil­ verschiedene W arenum sätze entw eder ganz befreit
machung verbundenen steigenden Finanzbedarf ge­ oder m it niedrigeren Steuersätzen getroffen; Erzeug­
zwungen, die U m satzsteuer in der Form einer nisse mehrstufiger Betriebe w erden m it einem e r­
G rossisten-Einphasensteuer einzuführen, die die rest­ höhten einm aligen Steuersatz belegt. Seit der Um­
lose Befreiung des Exports bei voller Einfuhrbelastung satzsteuerreform im Ja h re 1940 ist die U m satzsteuer
der ausländischen W aren ermöglicht und eine w eit regelm äßig mit m indestens 25 Vo am Gesamtsteuer-
geringere A nzahl von U nternehm ungen zur Besteue­ aufkomm en beteiligt.
rung heranzieht als die Einzelhandels- oder die A ll­ Auch in den übrigen Ländern der w estlichen Hemi­
phasenum satzsteuer. sphäre, w ie Holland, Spanien, Portugal usw., steht
Die eidgenössische W arenum satzsteuer gliedert sich die U m satzbesteuerung neben der Einkomm ensteuer
in eine Steuer auf den W arenum satz im Inland, eine m ehr oder w eniger im M ittelpunkt des ganzen Steuer­
Steuer auf die W areneinfuhr, eine Luxussteuer und system s; m it der w eithin v erb reiteten Erkenntnis von
eine A usgleichsteuer auf den Umsatz von G roßunter­ der Ü berspannung der Einkommen- und V erm ögen­
nehm en des Einzelhandels. Umsatzsteuerähnlich sind steuern dürfte im Rahmen der A ufrüstung der w est­
die Stem pelsteuern des Bundes auf W echsel und lichen W elt m it einem v erstärk ten A usbau der Um­
Schecks, auf Präm ienquittungen für Versicherungs­ satzsteuersystem e in den einzelnen Ländern zu
verträge und auf Frachturkunden j da alle D ienstleistun­ rechnen sein, um auf d er einen Seite den erhöhten
gen um satzsteuerfrei sind, erfüllen diese Stempel­ Finanzbedarf zu decäcen und auf der anderen Seite ein
abgaben teilw eise die Funktion der U m satzsteuer auf marktkonform es M ittel für eine gewisse Produktiöns-
einzelnen Sondergebieten. und V erbrauchslenkung in die H and zu bekommen.
Die A usgestaltung des schweizerischen Umsatzsteuer-
systems macht eine um fassende Begriffsbestimmung DIE ANGLO-SKANDINAVISCHEN SYSTEME

notwendig, um den Kreis der steuerpflichtigen Per­ In den anglo-skandinavischen Ländern gilt seit langer
sonen möglichst genau abzugrenzen und den C harakter Zeit eine kräftige direkte Besteuerung als Ausdruck
der Einphasensteuer zu w ahren. A ls grobe Regel gilt, des dem okratischen V olksw illens; jed er soll genau
daß die Steuerpflicht grundsätzlich auf den zw eit­ w issen und errechnen können, w as e r an Steuern zu
letzten V eräußerer der W are fällt, so daß die Steuer zahlen h at und w ie und w ann er sie zu zahlen hat.
sich nach der deutschen U m satzsteuerterm inologie als Die U m satzbesteuerung w urde aus diesen Gründen
K l e i n h a n d e l s v o r u m s a t z s t e u e r qualifiziert. zunächst w eithin abgelehnt; erst u n ter dem wachsen­
Im G esam tsteuersystem der Schweiz verkörpert die den Staatsbedarf des K rieges m ußten auch diese
W arenum satzsteuer zusammen m it den Tabakzöllen, Länder auf die U m satzbesteuerung zurückgreifen.
der fiskalischen Belastung des Branntweins und der 1940 führte G roßbritannien die »Purchase Tax* als
B iersteuer das wichtigste Element der M assen­ K riegsteuer ein. Der Zweck der neuen Steuer, die im
belastung. britischen S teuersystem eine völlige N euerung dar­
U nter den Steuern der Eidgenossenschaft nimmt die stellte, w ar es in erster Linie angesichts der kriegs­
W arenum satzsteuer nach ihrem Aufkommen neben bedingten W arenknappheit neben und teilw eise an­
den Zöllen die erste Stelle ein. Im Jah re 1950 machte stelle der R ationierung den V erbrauch der von ihr
die W arenum satzsteuer 27 "U des Bundessteuer­ betroffenen W aren einzuschränken und die Nachfrage­
aufkommens aus; in diese führende Stellung ist sie kaufkraft von ihnen abzulenken. Daneben sollte sie
allerdings erst im Laufe des letzten Jahrzehnts all­ der K riegsfinanzierung dienen und die beträchtlichen

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Scäimölders: Die U m satzsteuer in au slän d isd ien S teuersystem en

Ausfälle an Zoll- und V erbrauchssteuereinnahm en Steuer geltend gemacht w orden waren, das Über­
ausgleichen, die der Krieg m it sich bringen mußte. gewicht über die finanziellen Erwägungen, die bis
Die „Purchase Tax" stellt sich als G roßhandelssteuer dahin immer w ieder die Abschaffung der Steuer v e r­
auf den Umsatz solcher Gebrauchs- und V erkehrs­ hindert hatten. Auf Grund eines Staatsratsbeschlusses
güter dar, die w eder lebensnotw endig sind noch als vom 5. A pril 1946 w urde die Beseitigung der „All­
für den täglichen N orm albedarf der britischen durch­ gem einen U m satzsteuer“, sow eit sie m it dem Steuer­
schnittlichen Lebenshaltung erforderlich angesehen satz von 5 ’’/o erhoben w orden war, u n ter Beibehaltung
werden. In ihrer steuerlichen Eigenart kennzeichnet der „Erhöhten U m satzsteuer“ (nunm ehr V erkaufs­
sie sich als .K leinhandelsvorum satzsteuer“ im Sinne steu er genannt), der „W arensteuer“ und der Pelz­
der U m satzsteuerterminologie. w arensteuer beschlossen. Die Abwicklung der A ll­
Auf die umfangreichen Bestimmungen der Purchase gem einen Um satzsteuer verzögerte sich mehrfach und
Tax, besonders auf das um fassende Eintragungs- und kam endlich durch die V erordnung Nr. 86 vom 5. M ärz
Steueraufsichtswesen, das als solches einen Frem d­ 1948 zum Abschluß. Seitdem besteht in Schweden an ­
körper in der englischen S teuerverw altung darstellt, stelle einer allgem einen Um satzsteuer nur noch die
kann an dieser Stelle nicht w eiter eingegangen sogenannte V erkaufssteuer, die durch die erw ähnte
w erden ^). Erw ähnensw ert bleibt aber, daß die Ein­ „W arensteuer“, die Pelzw arensteuer sowie eine A n­
haltung und Befolgung der kasuistischen Form vor­ zahl besonderer V erbrauchssteuern (Papiersteuer,
schriften seitens der steuerpflichtigen U nternehm un­ Biersteuer, M ineralw assersteuer, M argarinesteuer,
gen einen Stand der Steuerm oral voraussetzt, w ie er Seiden- und Spielkartensteuer usw.) ergänzt wird.
heute wohl überhaupt nur in G roßbritannien v o r­ Die „V erkaufssteuer“ für die obengenannten W aren
handen ist. des gehobenen Bedarfs ist eine K leinhandelsvor­
Aufkommensmäßig leidet die Purchase T ax unter um satzsteuer, d. h. die Steuerpflidit besteht beim V er­
ihrem beschränkten Geltungsbereich, bei dem fast alle käufer, der steuerpflichtige W are eigener oder fremder
M assenum satzartikel außer Betracht bleiben. Das H erstellung zum V erkauf bringt. Die „W arensteuer"
Steueraufkom m en aus den M assenverbrauchsgütern für Süß waren, Kosmetika usw. ist eine Verbrauchs­
Tabak und A lkohol ist neben der Einkomm ensteuer steuer, die auf der Fabrikationsstufe erhoben wird,
v o n jeher das Rückgrat des britischen Staatshaushalts ebenso die Pelzw arensteuer, die bei der gew erbs­
gew esen und blieb dies auch im Kriege; das Auf­ m äßigen Zubereitung von Pelzwerk erhoben wird.
kommen aus den übrigen A ufw andsteuern und Zöllen Seitdem die A llgemeine Um satzsteuer aufgehoben ist,
sank dagegen im V erlauf des Krieges so stark ab, blieb der Geltungsbereich der Um satzsteuer sehr be­
daß die „Purchase Tax" in den ersten Jah ren nicht grenzt, w as auch in dem niedrigen Steueraufkom men
einmal ganz ausreichte, diesen A usfall w ieder w ett- zum Ausdruck kommt. W ährend zur Zeit der Er­
zumachen. Ihre Stellung im Steuersystem hat sich seit hebung der A llgem einen Um satzsteuer (vor 1946) das
dem Ende des Krieges sehr gefestigt; sie erbringt Aufkommen aus der A llgem einen U m satzsteuer und
jährlich m it 200—^300 Mill. £ ungefähr 7 “/o des Ge­ der V erkaufssteuer 15 ®/o des Gesam tsteueraufkom ­
samtsteueraufkomm ens. V on ih rer ursprünglich b e­ mens betrug, machte die Um satzsteuer 1948/49 kaum
absichtigten W iederabschaffung nach Kriegsende ist 4 "/o des Gesam tsteueraufkom m ens aus.
kaum noch die Rede. In den anderen skandinavischen Ländern liegen die
In den K riegsjahren m ußte auch S c h w e d e n zur um satzsteuerlichen Verhältnisse* ähnlich; der Gedanke
Finanzierung seiner um fangreichen V erteidigungs­ der A llgem einen Um satzsteuer hat auch hier noch
maßnahmen vorübergehend zur U m satzsteuer greifen; nicht Fuß gefaßt.
vom 1. Ja n u ar 1941 bis 30. Juni 1948 galt eine „All­ In diesen Ländern w erden von jeh er verhältnism äßig
gemeine U m satzsteuer“ von 5 ®/o auf der Kleinhandels­ hohe spezifische V erbrauchssteuern auf Genußmittel,
stufe, von der gew isse Lebensm ittel und W aren des insbesondere auf Branntwein und sonstige geistige
täglichen Bedarfs ausgenom m en w aren, sowie eine G etränke sowie auf Tabak und T abakw aren erhoben;
„Erhöhte U m satzsteuer“ von 20 °/o für eine Anzahl daneben steht die progressive Einkommensteuer,
W aren des gehobenen Bedarfs w ie Teppiche, Luxus­ z. T. auch die Vermögen- und Erbschaftsteuer, an­
schuhwerk, Gold- und Silbererzeugnisse, Perlen, gesichts des nach w ie v o r beachtlich hohen Standes
Plattenspieler, Feldstecher, gew isse Photoartikel, der allgem einen Steuerm oral nach w ie v o r im M ittel­
Taschen- und A rm banduhren, Grammophone und punkt des Steuersystem s.
Grammophonplatten sowie Ledertaschen und -koffer.
DIE UMSATZSTEUER IN DER SO W JETUNION
Dazu trat 1944 eine besonders gestaffelte „W aren­
steuer" für Schokolade, Konfekt, Putzmittel, Zahn­ Die enorm e Bedeutung, die die Um satzsteuer im
pasta und Kosmetik sowie 1943 eine „Steuer auf Pelz­ Rahmen der sowjetischen Finanzwirtschaft besitzt —
w aren“ m it kom biniertem spezifischen und W erttarif. rd. % der Gesam teinnahm en des Staatshaushalts
Nach Kriegsende gew annen die sozialpolitischen, stam m en aus der U m satzsteuer — erk lärt sich aus der
volkswirtschaftlichen und steuertechnischen Gesichts­ Liquidierung des Privateigentum s, die die Einkom­
punkte, die von jeh er gegen die allgem eine Umsatz- men- und V erm ögenbesteuerung dezimiert hat, und
aus der hervorragenden Eignung der U m satzsteuer
') N äheres vgl. S c h m ö l d e r s , G ., Die britisd>e P u rd iase Tax,
Der W irtsd iaftssp ieg el, 1948, N r. 17. zur Erzielung w irtschaftspolitischer W irkungen im

VII / 29
Sdim ölders; P ie U m satzsteuer in au slän d isd ien S teu ersy stem en

Sinne der Produktions- und V erbraudislenkung, durch H ier kommt die steuerliche Begünstigung der Schwer-
die die rüstungs- und kriegswirtschaftliche O rientie­ und R üstungsindustrie unverhüllt zum Ausdruck;
rung der sow jetrussischen Volkswirtschaft wesentlich steuerfrei sind alle Erzeugnisse der Luftfahrtindustrie,
unterstützt wird. Die Steuerreform vom 2. Sept. 1930 Erzeugnisse der Presse, w ie Bücher, Zeitschriften und
beseitigte über 50 verschiedene Steuern, in erster Zeitungen, ebenso Film vorführgeräte und Kinofilme.
Linie V erbrauchssteuern aller Art, und ersetzte sie Steinkohle und Koks, Gußeisen, Stahl und W alz­
durch die A llgemeine Umsatzsteuer, die dam it zum w erkserzeugnisse sind m it 0,5 ®/o, die Erzeugnisse der
Rückgrat des sow jetrussischen Steuer- und Finanz­ chemischen Industrie, des M aschinenbaus, des Brücken-
system s .wurde; 1935 folgte ein w eiterer großer A us­ und Stahlhochbaus sowie der W erkzeugm aschinen­
bau der A llgem einen Umsatzsteuer, dessen Umfang industrie m it 1 */o, K ugellager und K raftfahrzeuge mit
sich allein daraus ablesen läßt, daß nicht w eniger als 2 “/o, Industriestrom mit 3 Vo zu versteuern, w ährend
6880 neue Beam tenstellen für die Erhebung und Kon­ die Steuersätze für V erbrauchsgüter, wie Textilien, je
trolle der U m satzsteuer geschaffen w urden “). Diente nach ihrem „Luxuscharakter" gestaffelt von 5—50 und
die Steuer m it ihren häufig wechselnden Steuersätzen 60'’/o festgesetzt sind; Schuhw aren sind mit 5—6 5 Vo
zunächst noch der Verbrauchslenkung, insbesondere U m satzsteuer belastet, F ahrräder m it 58 ®/o, H aushalt­
im Zusam menhang m it dem allmählichen A bbau des w aren mit 25 Vo (Schneidwaren) bis 70 Vo (Rasier­
Rationierungssystem s, so prägte sich im w eiteren klingen), Salz m it 35—80 Vo, G lühlam pen m it 35—^50 ®/o,
V erlauf ihr C harakter als wirtschaftspolitisches Hilfs­ Leuchtöl und Petroleum für Haushaltszw ecke mit 88 Vo.
m ittel der Kriegs- und Rüstungswirtschaft immer deut­ Die Krönung dieses System s bilden die Steuersätze
licher aus; gleichzeitig überzog ein immer wachsendes für Genußmittel, die sich an den in jahrzehntelanger
N etz von K ontrollorganen der Polizei und Steuer­ Erfahrung austarierten V erbrauchssteuersätzen orien­
aufsicht das gesam te W irtschaftsleben, um die häufigen tieren: Tabak 58,3 Vo (Machorka) bis 90 Vo (Zigaretten
V erstöße gegen die bis ins einzelne gehenden A n­ m it Papiermundstück), Kakao und Schokolade 57 "/o,
ordnungen einzudämmen und zu ahnden. K inoeintrittskarten 15—38 Vo, Branntw ein und Liköre
Die U m satzsteuerbelastung der einzelnen W irtschafts­ (einschl. Brennspiritus!) von 55—84 Vo usw. Dabei
zweige ist dabei ih # ^ kriegswirtschaftlichen und gelten für Lebensm ittel des gehobenen Bedarfs durch­
strategischen Rangordnung genau um gekehrt p ro ­ aus ähnliche Sätze: Frühkartoffeln 15—62 Vo, Speise­
portional; die Landwirtschaft, die 1939 mit etw a 16 Vo fett 20—68 V», Fleisch und W urstw aren und Fleisch­
am W ert des Sozialprodukts beteiligt war, rangierte konserven 27—71 Vo, Geflügel 33— 43 "/o, Speiseeis
m it 37 Vo der U m satzsteuereinnahm en an erster Stelle, 17—32 Vo, Käse 10—69 Vo usw.
unm ittelbar gefolgt v on dem H andel m it landw irt­ Die Steuersätze w erden häufig geändert und neu fest­
schaftlichen Erzeugnissen, der bei 2,5 ®/o A nteil am gesetzt, für einzelne G ebiete, U nternehm ungen und
Sozialprodukt nicht w eniger als 34,4 ®/o des Umsatz­ W irtschaftsverbände erm äßigt oder erhöht. Für die
steueraufkom m ens aufzubringen hatte. U m gekehrt w ar U m satzbesteuerung der landw irtschaftlichen Erzeug­
die Schwerindustrie, die über 60 Vo des Sozialprodukts nisse ist das G ebiet der Sow jetunion in 8 Zonen und
lieferte, am Umsatzsteueraufkom m en nur m it 5 “/o b e­ insgesam t 55 Einzelgebiete und Rayons eingeteilt, um
teiligt, da für sie Steuersätze von 0,5 Vo bis 1 Vo den besonderen S tandortverhältnissen und der u n ter­
gelten; die Textilindustrie (10 Vo A nteil am Sozial­ schiedlichen Besiedlungsdichte Rechnung zu tragen.
produkt) ist dagegen am U msatzsteueraufkom men Das U m satzsteueraufkom m en verbleibt den einzelnen
imm erhin mit 13 Vo beteiligt. S taatshaushalten der S ow jetrepubliken zu ganz v e r­
D ieser Einstufung in verschiedene steuerliche .A u s­ schiedenen Prozentsätzen zw ischen 5,3 Voi (Russische
beutungsklassen" entsprechen die Steuersätze, die für Sozialistische Föderative Sowjetrepublik) und 57,3 Vo
die einzelnen W irtschaftsstufen und W arenum sätze (Tadjiskische Sozialistische Sowjet-Republik); auch der
gelten. Gänzlidi steuerfrei sind alle Rohstoffumsätze Finanzausgleich w ird also im w esentlichen durch die
sowie die Umsätze an Düngemitteln, landwirtschaft­ U m satzsteuer geregelt.
lichen Maschinen, Baumaschinen und W erkzeugen, Die U m satzsteuer ist grundsätzlich einstufig; Umsätze
ferner die Umsätze im Rahmen der V ersorgung der innerhalb der sow jetischen Produktions- und H andels­
Roten Armee, der Kolchose, Energiebetriebe und organisation sind nicht steuerpflichtig, sondern nur
A potheken. Die Genossenschaften genießen ein d e r V erkauf „nach außen". D adurch w ird gleichzeitig
Steuerprivileg in G estalt einer Ermäßigung aller erreicht, daß die Steuersätze von dem höchsten V er­
Steuersätze um 15 Vo. Im übrigen gilt für jeden W irt­ kaufspreis berechnet w erden, den die W aren auf
schaftsverband ein besonderer Steuersatz, der für die ihrem W ege durch die verschiedenen Produktions­
landwirtschaftlichen Umsätze in 8 verschiedenen geo­ und H andelsstufen erreichen, und daß die Besteue­
graphischen Zonen vom V olkskom m issar für Finanzen rung d er steuerpolitisch ohnehin bevorzugten Schw er­
festgesetzt wird. Für nichtlandwirtschaftliche Erzeug­ industrie — von den R üstungsw erken ganz abgesehen
nisse sind die Steuersätze dagegen im allgem einen in — zur seltenen A usnahm e w ird; denn in der Regel
allen Zonen einheitlich festgesetzt.
w erden Baustoffe o der W alzw erkserzeugnisse nicht
*) V gl. H a e n s e l , P., The Sales Tax in Russia, T ax M agazine,
C hicago, 1936; S c h m ö l d e r s , G., Steu ersy stem und W ett-
,,nach außen", sondern n u r an nachgeordnete W irt­
hew erbsordnim g, O rdo: Jahrbuch Bd. III, 1950. schaftsverbände und S taatsbetriebe abgegeben.

VII / 30
Schm ölders: Die U m satzsteuer in au slän d isd ien S teuersystem en

Die im Vorstellenden kurz skizzierten U ntersdiiede Um satzsteueraufkom mens bildet. Die deutsche Umsatz­
in der U m satzbesteuerung zwischen den einzelnen steuer, eine kum ulative A llphasensteuer mit schwach
Ländern beruhen im wesentlichen auf der unterschied­ entw ickelter Differenzierung der Steuersätze, v erh arrt
lichen Lösung zw eier Probleme, die sich bei jeder Be­ trotz ih rer auJJerordentlichen Belastungshöhe (4®/o
steuerung von H andelsum sätzen stellen; einmal ist kum ulativ = 10— 15 “/o des Endpreises) im w esent­
es die Frage der P h a s e n b e s t e u e r u n g (Ein­ lichen noch in ih rer Frühform ; die Entwicklung dürfte
phasen-, M ehrphasen- oder A llphasenbesteuerung, im auch hier die in m odernen System en unentbehrliche
letzteren Falle mit oder ohne K um ulativw irkung der Differenzierung nach W arengruppen und -arten und
Steuer), zum anderen die Aufgabe der D i f f e ­ die A bkehr von der unerträglichen Kumulativw irkung
r e n z i e r u n g d e r S t e a e r S ä t z e nach W aren­ erzwingen, w ie sie die gegenw ärtigen gesetzgebe­
gruppen und -arten, m it deren Hilfe die sozialpoliti­ rischen Erörterungen ü ber eine Einphasen-Sonder-
schen Bedenken, die gegen die U m satzsteuer sprechen, um satzsteuer, eine Zusatzsteuer für mehrstufige Be­
w eitgehend beseitigt w erden können. In beiden triebe und ü ber die Abstufung der Steuersätze für
Beziehungen ist die Tendenz einer internationalen Lebensmittel einerseits, Luxusw aren und Genußmittel
Angleichung der verschiedenen U m satzsteuersystem e andererseits bereits erkennen lassen. M it dem
nicht zu verkennen; die Beschränkung der fran­ Schumanplan sind auch die bisher m ehr akadem ischen
zösischen „Produktionssteuer“ auf den N ettoum satz Erörterungen über eine grundlegende System änderung
(W ertschöpfungsbetrag oder „M ehrw ert“) nähert sich der Um satzsteuer in ein akutes Stadium eingetretenj
bereits der britischen Einphasen = „Purchase T ax “ es w äre nicht unmöglich, daß die unm ittelbaren
und der schweizerischen W arenum satzsteuer an, die Zw angsläufigkeiten der Preis- und Kostenangleichung
beide ihrerseits m it dem zunehm enden Finanzbedarf im Bereich der M ontanunion zu einer beschleunigten
mehr und m ehr auf die Erfassung des M assenver­ Durchführung längst fälliger Entwicklungen auf dem
brauchs zusteuern, die das Rückgrat des französischen Gebiet der U m satzsteuer führen könnten.

S u m m ary : T u r n o v e r T a x e s i n R ésum é: L a t a x e s u r l e c h i f f r e R esu m en : E l i m p u e s t o sobre


the M ajor Foreign Tax d'affaires dans les systèmes las v e n t a s en los s is te m a s
S y s t e m s . The fin ancial p re ss u re of fiscaux étrangers. S ous la tributarios más im p o rt­
tw o w o rld w a rs h a s re v iv e d th e tu r n ­ p re ssio n fin an cière d es d eu x g u e rre s a n t e s e n e l e x t r a n j e r o . La
o v e r ta x w hich th ro u g h th e in tro d u c ­ m o n d iales la ta x e s u r le chiffre ca rg a fin an ciera d e la s d o s g u e rra s
tio n o f a g e n e ra l in co m e ta x h a d lo st d 'a ffa ire s — a y a n t p e rd u d 'im p o rtan ce m u n d ia le s h a re su c ita d o e l im puesto
o f im p o rta n c e in th e 19th c e n tu ry . a u 19. siècle, a p rè s la m ise e n v ig u e u r so b re la s v e n ta s , e l cu a l p erd ió
R ou g h ly sp e a k in g , 3 sy ste m s of tu rn ­ de l'im p ô t s u r le re v e n u — a re p ris im p o rta n c ia e n el siglo XIX, deb id o a
o v e r ta x ca n b e d isc e rn e d to d a y ; th e u n e p la c e im p o rta n te . V u d an s l'e n ­ la in tro d u c c ió n del im p u esto g e n e ra l
sem b le on p e u t a c tu e lle m e n t d isc e rn e r so b re la re n ta . En g e n e ra l s e d e sta c a n
c o n tin e n ta l sy s te m (G erm any, F ra n ce,
tro is sy stè m e s d 'im p o sitio n s u r le s h o y tr e s sistem as de im p u esto s so b re
Belgium , S w itzerlan d , Italy ), th e A nglo-
chiffres d 'a ffa ire s : le sy stè m e co n ­ la s v e n ta s : El sistem a c o n tin e n ta l
S can d in av ian sy ste m (B ritain, th e USA., tin e n ta l (A llem agne, F ran ce, B elgique, (A lem ania, F ra n cia, B élgica, Suiza,
Sw eden), a n d fin ally th e sy s te m of S uisse. Italie )! le sy stè m e anglo- Ita lia ), e l sistem a an g lo -esca n d in a v o
th e a u to rita ria n s ta te s. T h e m an ifo ld sc a n d in a v e (A n g leterre, E ta ts - U nis, (In g laterra, EE. UU., S uecia) y p o r fin
changes th a t th e tu rn o v e r ta x h a s e x ­ Suède) i e t le sy stèm e d e s é ta ts el sistem a d e lo s E stad o s a u to rita rio s .
p e rie n c e d in th e v a rio u s c o n tin e n ta l to ta lita ire s . L 'a u te u r d é c rit e n d étail El a u to r p u n tu a liz a e l d e sa rro llo d e l
sta te s, a re d e sc rib e d in d e ta il. T he le s form es m u ltip le s du d év elo p p em en t im p u esto so b re la s v e n ta s e n lo s
o v e rstra in in g of in com e a n d p ro p e rty de ce sy s tè m e d a n s le s é ta ts co n ­ d ife re n te s p a is e s co n tin e n ta le s . La
ta x e s a s w ell a s th e h ig h fin an cial re ­ tin e n ta u x . O n p e u t s 'y a tte n d re à ce e x a g e ra c ió n de lo s im p u esto s so b re la
q u irem en ts th ro u g h in c re a se d d efe n c e (jue d a n s le s p a y s in d iv id u e ls l'im ­ re n ta y la fo rtu n a y la a lta d em an d a
pro g ram m es a r e all lik e ly to le a d to a p o sitio n fiscale e x trê m e s u r le s re v e n u s d e fondos d eb id o al re a rm a m e n to co n ­
fu rth e r e x te n s io n o f th e tu rn o v e r ta x e t le s fo rtu n e s a lla n t d e p a ir av e c d es d u c irá p ro b a b le m e n te a u n d e sa rro llo
in th e iiid iv id u a l c o u n tries. T h ro u g h d é p e n se s m a s siv e s p o u r la d éfen se in te n so d e l im p u esto so b re la s v e n ta s
th e a v e rsio n th a t th e A nglo - S can­ n a tio n a le n e fe ra su iv re l'a u g m e n ta ­ en lo s d ife re n te s p a is e s. C om o lo s
d in av ian c o u n trie s h a v e a g a in s t in ­ tio n d e la ta x e su r le chiffre d 'a ffa ire s. p a is e s an g lo -e sc a n d in a v o s tie n e n u n a
d irect tax es, th e tu r n o v e r ta x w a s n o t L 'a v e rsio n d e s p a y s a n g lo -sc a n d in a v e s a v e rsió n h a c ia lo s im p u esto s in ­
in tro d u c ed in th e s e c o u n trie s b efo re c o n tre la c o n trib u tio n in d ire c te le s a d ire c to s, e llo s h a n re c u rrid o a l im ­
th e seco n d w o rld w a r. T h e o b je c t of fait r e v e n ir à la ta x e s u r le chiffre p u e s to so b re la s v e n ta s so la m e n te en
th e B ritish p u rch ase ta x w a s to c u rta il d 'a ffa ire s se u le m e n t a u cours de la la se g u n d e g u e rra m u n d ial. In In g la­
co n su m p tio n in ad d itio n to o r in s te a d g u e rre d e 1939. En A n g le te rre la te rra , e l „P urchase T a x “ d e b ía re ­
“p u rch ase t a x ' d e v a it ou re m p la c e r ou em p lazar e l ra c io n a m ie n to de c ie rta s
of ra tio n in g . I t is ra ise d a s a p re -re ta il
co m p lém en ter le sy stè m e so it du m ercan cías. E n S u ecia ta m b ié n fué
tu rn o v e r ta x . In S w eden, to o , th e tu rn ­
ra tio n n e m e n t so it de la re stric tio n . in tro d u c id o e l im p u esto so b re la s
o v er ta x w a s in tro d u c e d in th e se c o n d P e n d a n t la g u e rre d e 1939 c ^ tte ta x e fut v e n ta s d u ra n te la se g u n d a g u e rra
w o rld w ar, ta k in g th e form o f g e n e ra l im p o sée au ssi e n S uède, so u s form e m u n d ial, e n form a g e n e ra l o esp ecial,
ra te s an d h ig h e r r a te s a s a m e a n s of d 'im p o sitio n g é n é ra le e t d 'im p o sitio n com o m ed io p a r a d irig ir e l consum o y
directin g c o n su m p tio n for th e p u rp o se sp é ciale, d a n s le b u t d e d irig e r la p a ra fin an ciar la s m ed id as de la defensa.
of financing d efe n c e effo rts. In th e co n so m m atio n e t d 'a s s u r e r le fin an ce­ En la U nión S o v iética, e l im p u esto so b re
Soviet U nion, th e tu rn o v e r ta x h a s m e n t de la d éfen se n a tio n a le . D ans la s v e n ta s h a sido p u e s to e n e i c e n tro
becom e th e c e n tre of th e w h o le ta x l'U n io n S o v iétiq u e la ta x e su r le chiffre d e l sistem a trib u ta rio y a r ro ja d o s te r ­
sy stem an d it y ie ld s tw o th ird s of th e d 'a ffa ire s r e p ré s e n te le fa c te u r c e n tra l cios del to ta l d e lo s in g re so s del fisco.
to tal b u d g et re v e n u e . T he fu n d a m e n ta l d u sy stèm e fiscal. Les d ifféren ces e n tre Las d ife re n c ia s e n tre la s m o d alid ad es
d ifferen ces in th e ta x a tio n of tu rn o v e r le s sy s tè m e s d e s p a y s in d iv id u e ls se del im p u esto so b re la s v e n ta s e n los
in th e v a rio u s c o u n trie s a r e in th e fo n t se n tir su rto u t d an s la q u e stio n des d ife re n te s p a is e s b a s a n e sen cialm en te
p h ases of ta x co llectio n a n d in th e p h a s e s d e p e rc e p tio n e t de l'éch élo n n e- en el p ro b lem a d e l g ra v a m e n de fases
d ifferen tiatio n of ta x r a te s b y com ­ m e n t d e s ta u x d 'im p ô ts se lo n g ro u p es y e n la d ife re n c ia c ió n d e la s cu o tas
m odities. de m archandises. se g ú n g ru p o s de m ercan cías.

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