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DEUTSCHE NORM Dezember 2004

DIN 53142-2
X
ICS 85.060

Prüfung von Pappe –


Durchstoßprüfung –
Teil 2: Prüfung mit linearem Vorschub
Testing of board –
Puncture test –
Part 2: Puncture test with linear move
Essai sur cartons –
Essai de perforation –
Partie 2: Essai à déplacement linéaire

Gesamtumfang 8 Seiten

Normenausschuss Materialprüfung (NMP) im DIN


Normenausschuss Papier und Pappe (NPa) im DIN
DIN 53142-2:2004-12

Vorwort
Diese Norm wurde vom Arbeitsausschuss NMP 426/NPa „Physikalisch-technologische Prüfverfahren für
Papier und Pappe“ erarbeitet.

Die Durchstoßprüfung bewertet, ähnlich wie der Berstversuch, eine Kombination verschiedener Eigenschaften
des geprüften Materials.

Neben erkennbaren Auswirkungen des Durchstoßvorgangs, wie z. B. Einstechen, Weiterreißen und


Aufbiegen der Probe, treten auch noch weitere Einwirkungen auf, die beispielsweise auf die so genannte
Polsterwirkung bei Wellpappe zurückzuführen sind.

DIN 53142, Prüfung von Pappe — Durchstoßprüfung besteht aus:

 Teil 1: Prüfung mit dem Pendelschlagwerk

 Teil 2: Prüfung mit linearem Vorschub

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DIN 53142-2:2004-12

1 Anwendungsbereich

Diese Norm legt eine Durchstoßprüfung mit linearer Bewegung fest, die zur Bestimmung des Widerstandes
dient, den eine eingespannte Probe dem Durchdringen eines Durchstoßkörpers entgegensetzt.
1)
Er kann für Vollpappe1) und Wellpappe angewendet werden.

2 Normative Verweisungen
Die folgenden zitierten Dokumente sind für die Anwendung dieses Dokuments erforderlich. Bei datierten
Verweisungen gilt nur die in Bezug genommene Ausgabe. Bei undatierten Verweisungen gilt die letzte
Ausgabe des in Bezug genommenen Dokuments (einschließlich aller Änderungen).

DIN 6735, Papier, Pappe und Halbstoffe — Übersicht von Begriffen.

DIN EN ISO 186, Papier und Pappe — Probenahme zur Bestimmung der Durchschnittsqualität
(ISO 186:2002); Deutsche Fassung EN ISO 186:2002.

DIN EN ISO 7500-1, Metallische Werkstoffe — Prüfung von statischen einachsigen Prüfmaschinen — Teil 1:
Zug- und Druckprüfmaschinen — Prüfung und Kalibrierung der Kraftmesseinrichtung (ISO 7500-1:2004);
Deutsche Fassung EN ISO 7500-1:2004

DIN EN 20187, Papier, Pappe und Zellstoff — Normalklima für die Vorbehandlung und Prüfung und Verfahren
zur Überwachung des Klimas und der Probenvorbehandlung (ISO 187:1990; Deutsche Fassung
EN 20187:1993.

3 Begriffe
Für die Anwendung dieser Norm gilt der folgende Begriff.

3.1
Durchstoßarbeit
ist die gesamte beim Durchstoßen einer Probe mit einem Durchstoßkörper bestimmter Form und Maße
verbrauchte Energie.

ANMERKUNG Die Energie wird beim Einstechen, Weiterreißen und Aufbiegen der Probe verbraucht und in Joule
angegeben.

4 Bezeichnung des Verfahrens


Bezeichnung des Verfahrens zur Bestimmung der Durchstoßarbeit mit linearem Vorschub (LV):

Prüfung DIN 53142 — LV

5 Kurzbeschreibung
Bei diesem Verfahren wird eine Probe in linearer Bewegung durchstoßen. Dabei ist die
Vorschubgeschwindigkeit während des gesamten Prüfablaufs konstant. Bei der Prüfung werden Kraft und
Weg gemessen. Durch anschließende Integration wird die Durchstoßarbeit berechnet.

1) Begriffe/Definitionen für Vollpappe und Wellpappe, siehe DIN 6735.

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DIN 53142-2:2004-12

6 Proben

6.1 Probenahme

Die Probenahme muss nach DIN EN ISO 186 durchgeführt werden. Die Proben müssen frei von oberflächlich
erkennbaren Vorschädigungen (z. B. Knicke, Rillen) sein.

6.2 Anzahl der Proben

Solange nichts anderes vereinbart ist, muss aus mindestens 20 Probestücken je eine Probe von mindestens
175 mm x 175 mm entnommen werden.

7 Probenvorbehandlung
Die Proben müssen vor der Prüfung nach DIN EN 20187 vorbehandelt werden.

8 Geräte und Hilfsmittel

8.1 Universalprüfmaschine

Als Belastungseinrichtung sollte eine Universalprüfmaschine nach DIN EN ISO 7500-1, mit einer
Kraftmesseinrichtung Klasse 1, ab 0,4 % bezogen auf die Nennkraft des verwendeten Kraftaufnehmers,
benutzt werden.

Der Antrieb der Universalprüfmaschine muss lastunabhängige Geschwindigkeiten auf die Probe aufbringen
können. Die Prüfgeschwindigkeit muss (600 ± 6) mm/min betragen. Die Universalprüfmaschine muss die
Nenngeschwindigkeit innerhalb von 0,1 s ab dem Startzeitpunkt erreichen. Kraft- und Wegmesskette müssen
so ausgelegt sein, dass im Versuch mindestens 25 Messpunkte je Sekunde erfasst werden.

8.2 Durchstoßkörper

Der Durchstoßkörper muss eine rechtwinkelige, gleichseitige Dreieck-Pyramide aus Stahl, mit
korrosionsgeschützter, gehärteter Oberfläche darstellen, deren Kanten mit einem Radius von 1 mm gerundet
sein müssen (siehe Bild 1).

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DIN 53142-2:2004-12

Maße in Millimeter

Seitenansicht

Bild 1 — Durchstoßkörper

Die Oberflächenrauheit der Pyramide sollte RZ 10 betragen. Die Pyramide muss spielfrei so auf dem
Kraftaufnehmer der Universalprüfmaschine befestig sein, dass ihre Symmetrieachse durch die
Pyramidenspitze mit der Krafteinleitungsachse zusammenfällt (siehe Bild 2).

Legende
1 Durchstoßkörper
2 Montageteil
3 Kraftaufnehmer

Bild 2 — Aufnahme für den Durchstoßkörper

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ANMERKUNG Da im Versuch auch Reibungskräfte auftreten, sollte die Oberfläche des Durchstoßkörpers frei von
Anlagerungen gehalten werden, die die Reibung zwischen Durchstoßkörper und Probe beeinflussen können. Der
Durchstoßkörper sollte vorzugsweise mit Alkohol gereinigt werden. Reinigungsmittel mit Inhaltsstoffen, die die
Reibeigenschaften verändern, sollten nicht angewendet werden. Dazu können z. B. auch Reinigungstücher für optische
Geräte zählen.

8.3 Einspannvorrichtung

Die Probe muss zwischen zwei Spannplatten von mindestens 175 mm x 175 mm eingelegt werden. Das
Festhalten der Probe muss durch Federkraft von mindestens 250 N und höchstens 1 000 N bewirkt werden.
Die dreieckigen gleichseitigen Öffnungen in den Spannplatten müssen eine ausgezogene Seitenlänge von
(100 ± 0,2) mm haben. Sie müssen an den Ecken abgerundet sein.

Legende
A Kantenrundungen
B Eckenrundungen
C Bezugsachse

Bild 3 — Einspannvorrichtung

Die Radien der Kantenrundungen „A“ der Öffnung müssen (0,5 ± 0,1) mm betragen, die Radien der
Eckenrundungen „B“ der Öffnung (3 ± 0,1) mm. Die spannenden Oberflächen der Spannplatten müssen so
beschaffen sein, dass die Probe während der Prüfung nicht zwischen den Spannplatten gleitet. Es muss
durch entsprechende konstruktive Maßnahmen sichergestellt sein, dass die Probe vollflächig zwischen den
Spannplatten gespannt wird.

9 Durchführung
Es müssen mindestens je zehn Proben gegen die Oberseite und gegen die Unterseite geprüft werden.
Jeweils fünf auf jeder Seite mit den Wellen parallel zur Bezugsachse der Einspannvorrichtung und fünf mit
den Wellen im rechten Winkel zur Bezugsachse der Einspannvorrichtung. Bei Vollpappe müssen jeweils fünf
Messungen mit der Laufrichtung parallel zur Bezugsachse der Einspannvorrichtung und fünf mit der
Laufrichtung im rechten Winkel zur Bezugsachse der Einspannvorrichtung durchgeführt werden. Die Prüfung
muss im gleichen Normalklima wie die Probevorbehandlung durchgeführt werden (siehe Abschnitt 7).

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DIN 53142-2:2004-12

Die vereinbarte Anzahl der vorkonditionierten Proben für das Durchstoßen muss bereitgestellt werden.

Die zu prüfende Probe muss zwischen die Einspannplatten gelegt werden.

Die Einspannplatten müssen geschlossen werden.

ANMERKUNG 1 Falls selbstspannende Einspannplatten benutzt werden, entfällt dieser Vorgang. Selbstspannende
Einspannplatten können bei der Prüfung variable Spannkräfte auf die Probe ausüben. Randbedingung ist, dass die Probe
im Spannbereich nicht vorgeschädigt wird und die Probe bei der Prüfung nicht in den Platten rutscht.

Die Kraftanzeige der Universalprüfmaschine muss auf null gesetzt werden. Der Durchstoßkörper muss der
Probe so angenähert werden, dass eine Vorkraft von (0,5 ± 0,25) N erreicht wird. Die Weganzeige der
Universalprüfmaschine muss auf null gesetzt werden. Die Prüfung muss gestartet und messtechnisch
beendet werden, nachdem der Durchstoßkörper mit seiner Basisfläche die gesamte Probe durchstoßen hat.

Die Universalprüfmaschine muss in die Ausgangsposition zurückgefahren werden.

Die Einspannplatten werden geöffnet, und die Probe wird entnommen.

ANMERKUNG 2 Da beim Versuch mit einer Universalprüfmaschine Kraft und Weg direkt gemessen werden, ist die
Verwendung eines Kragens, wie er beim Durchstoßpendel benutzt wird, nicht erforderlich.

Der Ablauf muss für alle Proben wiederholt werden.

10 Berechnung
Die Durchstoßarbeit wird für jede einzelne Prüfung nach Gleichung (1) bestimmt:

h+d
E=  F (s) ⋅ ds
0
(1)

Dabei ist

E die Durchstoßarbeit in Joule;

h die Höhe des Durchstoßkörpers, angegeben in Millimeter;

d die Dicke der Probe, angegeben in Millimeter;

F(s) die gemessene Kraft in Abhängigkeit vom Weg, angegeben in Newton.

ANMERKUNG Übliche Dickentoleranzen der Probe haben keinen signifikanten Einfluss auf die gemessene
Durchstoßarbeit.

Die gemessenen Energiewerte stimmen im Allgemeinen nicht mit denen des Pendelschlagwerks überein. Hinweise über
Korrelationen dieser Prüfung mit der Durchstoßprüfung nach DIN 53142-1 findet sich im Literaturhinweis.

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DIN 53142-2:2004-12

11 Prüfbericht
Der Prüfbericht muss sich auf die vorliegende Norm beziehen und folgende Angaben enthalten:

a) Art und Bezeichnung des geprüften Erzeugnisses;

b) verwendetes Normklima;

c) Nennkraft des Kraftaufnehmers;

d) Durchstoßarbeit in Joule auf 0,1 J gerundet:

 Anzahl der geprüften Proben je Seite,


 arithmetische Mittelwerte, getrennt nach Ober- und Unterseite der Probe,
 Gesamtmittelwert,
 Vertrauensbereich,

e) jede Abweichungen von dieser Norm, die das Ergebnis der Prüfung beeinflusst haben kann;

f) Prüfdatum.

Literaturhinweise

Wellpappe Nachrichten, April 2003, 2. Jahrgang, Verlag H. Buchmüller, Albert-Schweitzer-Str. 43,


47259 Duisburg.