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NPD beschließt Fusion mit der DVU

NS-Szene

»Historisches Ereignis« – NPD


beschließt Fusion mit der DVU.
Andreas Speit nem Samstag die Verschmelzung mit prangen auf der Website des NPD-Lan-
der DVU. Die gefällten Entscheidungen desverbandes Bilder des NPD-Spitzen-
Nach dem NPD-Bundesparteitag in entsprachen den großen Erwartun- kandidaten Matthias Heyder und Pü-
Hohenmölsen machte nicht die NPD- gen. Am Ende des Parteitags hatten schel mit dem Werbesatz: »Warum
Bundesführung die nachhaltigen von 207 Delegierten 194 für die Fusion stimmt der SPD-Bürgermeister NPD-
Schlagzeilen. Ein SPD-Bürgermeister, gestimmt. »Ein historisches Ereignis«, Positionen zu?«
Hans Püschel aus Krauschwitz, löste wie der NPD-Bundesvorsitzende Udo Auf dem Parteitag gab sich Heyder
vielmehr eine breite Berichterstattung Voigt und der Noch-DVU-Bundeschef bereits sehr zuversichtlich und kün-
aus. Die NPD-Führung um Udo Voigt Matthias Faust vor den Gästen beto- digte eine »Generalmobilmachung« für
stört's nicht. Erklärte das langjährige nen. den Kampf um den Einzug in den
SPD-Mitglied doch nach seinem Be- Unter den begeisterten ZuhörerIn- Landtag an, weil seine Parteigänger
such des NPD-Parteitags, dass mit den nen hatte da auch schon Püschel Platz »das asoziale System da draußen ver-
»Verteufelten« gesprochen werden genommen. In einem Leserbrief an die achten«.
sollte, denn die hätten »gar nicht so »Mitteldeutsche Zeitung«, die ihn nicht Im Bürgerhaus herrschte unter den
schlechte Ideen«. veröffentlichte, den aber die NPD NPD-Gästen meist auch Harmonie. Ein
Der Parteitag am 6. November in der Sachsen-Anhalt auf ihre Website stell- »Parteitag der Einheit«, versicherte
sachsen-anhaltinischen Provinz ver- te, schildert er »viele junge Leute, Voigt. Getreu dem Motto »Gemeinsam
lief ganz nach dem Plan der NPD-Füh- Frauen, sogar Kinder« gesehen zu ha- stärker« beschwor Faust nicht minder
rung. Kein öffentlicher Machtkampf, ben: »Beinah wie auf einem SPD-Partei- die kommende »starke Rechte« für
[1] Der DVU-Bundes-
keine sichtbaren Personalintrigen. Im tag! Keine Springerstiefel, keine Deutschland. Die NPD-Führungskader
vorsitzende Matthias Bürgerhaus der Stadt feierten an die Schlägertypen«. In den Reden, erzählt aus Berlin und Dresden bemühten sich
Faust. 400 NPD-Mitglieder und -Gäste an je- er weiter, habe er »kaum einen Satz ge- so auch darum, nicht den Eindruck zu
funden«, den er »nicht selbst hätte erwecken, sich eine desolate DVU
[1] unterschreiben können!« ohne politisches Profil, geringen per-
Aussagen, die der NPD im Vorfeld sonellen Ressourcen und kaum vor-
der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt handenen finanziellen Mitteln einfach
sehr gelegen kommen. Auf der Website einzuverleiben. Vor der Abstimmung
»Kompakt Nachrichten«, die der NPD- für die Verschmelzung mit der DVU
Stadtrat Matthias Gärtner aus Magde- musste Faust dann doch noch einmal
burg verantwortet, folgte gleich ein deutlich versichern, dass auf die NPD
langes Interview mit Püschel, in dem keine neuen Schulden zukommen
er darlegt: »Unsere Gesellschaft wird würden, sondern gar zusätzliche Geld-
dermaßen von diversen mächtigen einnahmen. Der Noch-DVU-Chef be-
Lobby-Interessen – also im Wesentli- richtete, dass die DVU eine größere
chen immer Finanzinteressen – (...) Erbschaft mitbrächte, zu der auch ein
dirigiert, befindet sich praktisch in Haus in Freiburg gehöre, dessen Ver-
deren Würgegriff (...) als dass einer kauf rund 450.000 Euro eingebracht
der (...) Verantwortlichen sich trauen hätte. Nicht unerwähnt blieb, dass der
würde bzw. frei genug von ihnen wäre, DVU-Gründer Gerhard Frey der DVU
diese Probleme anzusprechen«. Längst ihre Schulden in Höhe von 980.000

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NPD beschließt Fusion mit der DVU
NS-Szene

[1]

Euro erließ. Im Bundesanzeiger konnte doch für das Amt des NPD-Vize. Verge- NPD, müsste nach dem Ja des DVU- [1] Udo Voigt, Partei-
schon gelesen werden, dass diese Ent- ben und vergessen? Mit 160 Ja-Stim- Bundesparteitags zur Fusion eine je- vorsitzender der NPD.

schuldung am 25. Oktober 2010 auf men von 201 abgegebenen Stimmen weilige Mitgliederbefragung erfolgen.
dem DVU-Konto verbucht wurde. wurde er einer von drei Vize-Vorsitzen- Per Briefwahl soll in beiden Parteien
Auf dem Parteitag schimmerte den- den. Der Gesichtsausdruck von Tho- diese Urabstimmung erfolgen. »Wenn
noch kurz durch, dass in der NPD mas Wulff, der in Hamburg den Vorsitz wir dies alles noch in diesem Jahr
nicht jeder die DVU als gleichberech- anstrebt, deutete nicht auf eine neue schaffen, gibt es zum Neujahrsauftakt
tigten Partner betrachtet. Auf Nach- Freundschaft hin. An der Elbe ist eine neue, starke NPD in Deutsch-
fragen musste Voigt einräumen, dass Faust wenig wohlgelitten, hatte er land«, versicherte Voigt. Am 25. No-
sich von den 4.000 DVU-Mitgliedern doch den verstorbenen Jürgen Rieger vember 2010 wurde aber das Chaos in
höchstens 1.000 der NPD anschließen als politisch kaum tragbar ausge- der DVU sichtbar. Vier Tage vor dem
würden. Alles jedoch »aktive Kader«, macht. Das gefällt den Ziehsöhnen geplanten DVU-Parteitag sagte Björn
redete Voigt die Zahl schön. Ein Initia- Riegers, die die Hamburger Partei- Neumann von der DVU-Hamburg den
tivantrag, von der mecklenburg-vor- spitze bilden, wenig. In Bremen wird Termin gegenüber der taz ab: »Aus or-
pommerischen NPD um den Fraktions- Faust so nun im Mai 2011 für die NPD ganisatorischen Gründen«. Aber auch
chef Udo Pastörs forciert, wollte in den Bürgerschaftswahlkampf zie- aus Sorge vor den Kritikern der Verei-
prompt den geplanten Namenszusatz hen. Um die Fusion nicht wegen Kritik nigung. »Bei den Einladungen ist et-
zur NPD »Die Volksunion« torpedieren. an ihm zu gefährden, wurde in einem was schief gelaufen, was nicht zum
Das war jedoch nicht opportun. Buh- Entwurf des Verschmelzungsvertrages Anlass genommen werden soll, den
rufe kamen auf und Voigt sprach ein extra ausgeführt: »Die zukünftige Parteitag anfechten zu können«,
Machtwort: Die NPD wird 2011 »NPD. Tätigkeit von Herrn Faust muss geson- räumt Neumann ein. Die NPD schweigt
Die Volksunion« heißen. Er ließ aber dert außerhalb des Verschmelzungs- offiziell. K
auch durchblicken, dass nicht bei je- vertrags (...) geregelt werden«. In den
dem öffentlichen Auftreten der Zusatz NPD-Bundesvorstand wählten die De-
zwingend sei. legierten sogleich den Noch-DVU-Vize
Die DVU-Gäste, hinten links vom Ingmar Knop und das Noch-DVU-Bun-
Podium aus an einem Tisch platziert, desvorstandsmitglied Heiner Höving.
ließen sich nichts anmerken. Im Ge- Auf dem NPD-Parteitag musste Faust
genteil: Faust entschuldigte sich für jedoch einräumen, dass in seiner
so manche verbale Attacke gegen die Noch-Partei Widerstände zu überwin-
NPD. Nicht ohne Grund, kandidierte er den seien. Läuft alles nach Plan der

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