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SÜSS & SAFTIG TEIL 2

BIENE UND
HONIG

www.BUND-bawue.de/rundbriefe 01
McMöhre süß und saftig

Dank der Unterstützung durch das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport in
Baden-Württemberg wurde das McMöhre Angebot für Schulen um die Bereiche
Streuobstwiesenproduktvermarktung und Imkerproduktvermarktung erweitert.

Bienen nehmen auf der Liste der wichtigsten Nutztiere den dritten Platz ein.
Denn ohne Bienen gibt es nicht nur keinen Honig und keinen Bienenwachs, sondern
auch kaum Obst oder Gemüse. Bienen sind bis zu zehn Tage lang hundertprozentig
blütenstet und sammeln z.B. nur Apfelblüten, Lindenblüten oder Rapsblüten.
Damit leisten sie bei der Befruchtung unserer Kulturpflanzen einen unverzichtbaren
Dienst. Ein kleinerer Teil der Sammlerinnen besucht gezielt andere Pflanzen und
hat so im Falle einer Veränderung (z.B. geerntetes Rapsfeld) Ausweichmöglichkeiten.
In Baden hatte 2016 jeder Imker etwa acht Völker (8.820 Mitglieder, 70.504 Völker),
in Württemberg 7,4 Völker (12.461 Mitglieder, 91.650 Völker). Das Durchschnittsalter
der Imkerschaft lag zwischen 2007–2014 bei über 56 Jahren. Inzwischen gibt es aber
ein großes Interesse am Thema Imkerei und die Imkerkurse sind gut ausgebucht.
Die Imkerei in Deutschland wird zu über 90 Prozent als Liebhaberei betrieben.

Spannend ist für große und kleine Forscher seit jeher jedoch die Frage des Zusam-
menlebens der Bienen. Wie funktioniert so ein Bienenstaat, wie werden Entschei-
dungen getroffen, wie kann die Temperatur im Brutraum bei 35 °C gehalten werden
und wie können 40 Gramm Wachs einen Inhalt von zwei Kilogramm Honig h ­ alten?
Im Rahmen des vom Ministerium für Kultus, Jugend- und Sport unterstützten
Projektes McMöhre durfte ich Schülerfirmen beim Aufbau von Imker AG´s und bei
der Vermarktung von Bienenwachsprodukten unterstützen. In diesen zwei Jahren
bin ich aus dem Staunen gar nicht mehr herausgekommen und habe mich intensiv
mit dem Leben der Bienen beschäftigt. Dieser Rundbrief soll nun Basiswissen mit
neuen Forschungsergebnissen zum Thema Bienen für Kindergruppenleiter*innen,
Neuimker*innen, Lehrkräfte und AG Leiter*innen liefern, die mit
Spielen und Experimenten Kinder und Jugendliche für eine bienen-
freundliche Umwelt begeistern möchten. Imkeranzüge und
Kerzengießformen können auch noch nach Ablauf des Projektes
McMöhre im BUND Büro Heidelberg bei Birgit Eschenlohr
gegen eine Portospende ausgeliehen werden.
INFO
Das Projekt McMöhre wurde
unterstützt durch das Ministerium
für Kultus, Jugend und Sport
Baden-Württemberg

02
INHALT
1. Bienenarten 05

2. Geschichte  05
2.1 Napoleon stellt die Lilien auf den Kopf 05
2.2 Zeidlerwesen 06

3. Wirtschaftliche Bedeutung der Bienen  07


3.1 Kalifornien und die Bienen 08

4. Biene Biologie 09
4.1 Der Bien (Das Bienenvolk) 09
4.2 Königin – geboren um zu legen 09
4.3 Arbeiterinnen: Von Ammen, Bau- und Sammelbienen 10
4.4 Drohnen 11
4.5 Übersicht zu Größe und Entwicklungszeiten 12
4.6 Körperbau 13
4.7 Sinnesleistungen 14

5. Bienenprodukte 16
5.1 Wachs und Wabenbau 16
5.2 Lageplan  17
5.3 Honig und Honigtau  18
5.4 Trachtangebot  19
5.5 Pollenernte 20

6. Verteidigung und Gesundheitsprophylaxe 21


6.1 Bienengift 21
6.2 Propolis (Kittharz, Knospenharz) 21
6.3 Reinigung 21

7. Parasiten 22
7.1 Varroamilben 22
7.2 Amerikanische Faulbrut 23

8. Kommunikation und Orientierung 24


8.1 Rundtanz 24
8.2 Schwänzeltanz  24
8.3 Schwärmen 25 INFO
9. Von Schwärmen und Forschern 26
9.1 Bruder Adam und die Buckfastbienen  26
9.2 Wohnungssuche bei den Bienen 26
9.3 Martin Landauer und die Bienen 27
9.4 Thomas D. Seeley und die wilden Schwärme 27

10. Beutesysteme 30
10.1 Top Bar Hive 31

11. Verschiedene traditionelle ­Bewirtschaftungsformen 32


11.1 Schwarmimkerei in East-Afrika  32
11.2 Beehunting 33
11.3 Zeidlerei – Alte Tradition neu entdeckt 35
11.4 Naturreservat Shulgan Tash – Russland 36

03
12. Gründung einer Imker AG 37
12.1 Standort 38
12.2 Raumbedarf 38
12.3 Zeitaufwand 39
12.4 Meldepflicht 39
12.5 Bienenstich 40
12.6 Ertrag und Kostenaufwand 40
12.7 Häufige Gebrauchsgegenstände 43
12.8 Jahresverlauf 44
12.9 Kooperation mit einem Imker*in vor Ort 45

13. Aktionsidee 46
13.1 Aktiv werden: Pestizidfreie Kommunen 46
13.2 Samenkugeln selbst gemacht 48

14. Bienen Medien 49


15. Weiterführende Infos  50
16. Quellen, Dank, Bilder, Impressum  51

PRAXISTEIL
Experimente53
Biene zeichnen 54
Die Sinne der Biene 56
Stationen zum Thema Licht und Farbe 59
Experiment zur Wabenform 60
Experiment Volumen 61

Bastelideen  62
Bienen häkeln 63
Plastizierwachs65
Summbiene66
Bauanleitung Bienenwabe 67

Spiele70
Nektar sammeln 71
Der hungrige Bär  72
Auf der Suche nach dem richtigen Stock 73
Pollenstapelei74
Trachtfindetanz75
INFO
Von Januar bis Dezember durch das Bienenjahr 77
Begriffe und Bilder zuordnen 85

Kerzen95
Bienenwachskerzen gießen 96
Mittelwandkerzen rollen 100
Stumpenkerzen101
Teelichter101
WachsAnhänger102
Docht103
Kleine „Bienenwachs“ Materialkunde 104
Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett 105

Rezepte106
Lippenbalsam zum Eigenbedarf 107
Farblose Schuhcreme mit Bienenwachs 111
04
1. BIENENARTEN

Weltweit gibt es etwa 20.000 Bienenarten. Diese kann man in vier Gruppen untertei-
len: Solitärbienen, Hummeln, Stachellose Bienen und Honigbienen. Unsere Honigbie-
nen kommen ursprünglich aus Eurasien (Europa und Asien werden hier als Kontinent
zusammengefasst) und Afrika. Auf dem amerikanischen Kontinent gab es früher nur
stachellose Bienen. Diese wurden vor der Ankunft der europäischen Eroberer schon
2.000 Jahre zuvor von den mesoamerikanischen (ein Kulturareal in Mittelamerika,
welches heute großräumige Gebiete der heutigen Staaten Mexiko, Belize, Guatema-
la, El Salvador, Honduras, Nicaragua und Costa Rica umfasst) Einwohnern kultiviert.
Ab dem 17. Jahrhundert kündigte die „Fliege des weißen Mannes“ dort das Nahen
der weißen Siedler aus der neuen Welt an.

Bienen wurden weltweit bisher nur minimal züchterisch verändert. Man spricht bei
den Honigbienen eher von geografischen Rassen. Eine Ausnahme bilden in letzter
Zeit und nur bei zwei europäischen Bienenrassen die Italienische Honigbiene (Apis
mellifera ligustica) und die aus Österreich/Slowenien stammende Kärtner Honig­
biene (Apis mellifera carnica). Ursprünglich war in Nordeuropa die Dunkle Biene
(Apis mellifera mellifera) verbreitet. Nachdem ein einflussreicher Bienenexperte
1847 ein bewegliches Wabensystem mit besonders ruhigen und sanftmütigen Bienen
vorschlug und den Import von südlichen Bienenrassen empfahl, folgten viele Imker
diesem Rat. Es kam zu einer Durchmischung von Völkern aus Österreich, Italien und
dem nahen Osten. Die Imker beklagten sich über eine Zunahme der Aggressivität
und der Schwarmneigung. In den1930er Jahren folgte eine zweite Importwelle von
öster­reichischen Züchtern, die eine „neue“ Carnica gezüchtet hatten, die einen
guten H ­ onigertrag und Sanftmut nachweisen konnte. So kam es zu einer flächen-
deckenden Verbreitung der neuen Rasse in ganz Deutschland. Das Bundeslandwirt-
schaftsministerium untersucht im Forschungsvorhaben genomische Selektion bei
der Biene (GeSeBi) das Erbgut von etwa 3.500 Völkern.

2. GESCHICHTE
Bereits die alten Ägypter wussten mit dem desinfizierend wirkenden Propolis ihre
Toten zu mumifizieren. Die frühen Christen sahen in der Biene die Verkörperung
einer idealen Frau, die fleißig, reinlich, ordnungsliebend und keusch ist. Für rituelle
Handlungen und zur Verehrung der Heiligen werden auch heute noch reine Bienen-
wachskerzen eingesetzt. INFO
2.1 Napoleon stellt die Lilien auf den Kopf
Der Krönungsmantel von Napoleon und Joséphine wurde auch aus
Bewunderung für die Bienen mit Abbildungen dieser Tiere bestickt,
die für Fleiß, Arbeitseifer und Ordnung stehen. Die Form stellt aber
auch das Wappen der verhassten Bourbonen (Lilien) auf den Kopf
und drückt symbolisch den Sieg der französischen Revolution über
die Bourbonen aus. Und so ließ Napoleon drei Bienen sogar in sein
Wappen einsetzen Der Franzosenkaiser adelte mit seinen Wappen­
bienen auch kooperierende deutsche Städte. Diese „Guten Städte Signatur BPSP_04331A
des französischen Kaiserreiches“ (Bonnes villes de l‘Empire français) in der Bild- und Plan-
durften gleich drei goldene Bienen in ihre Stadtinsignien aufneh-­ sammlung des Stadt­
archivs Mainz
men. Beispiele waren Köln und Mainz.

05
2.2 Zeidlerwesen

Nürnberger Lebkuchen und „Ströme von süßem Gold“


Das Wort Zeidel bedeutet Honig. Als „Zeideln“ wurde demnach die Tätigkeit des
„Honigwaben aus dem Stock herausschneiden“ bezeichnet. Ein Zeidler war also ein
Imker, dessen Handwerk darin bestand, im Wald nach Bienenstöcken zu suchen,
diese auszubeuten und so wertvollen Honig zu gewinnen. Bienenhonig war im Mit-
telalter für Speisen und Getränke das einzige Süßungsmittel und daher sehr begehrt.
Um an den begehrten Honig zu kommen, musste man die natürlichen Behausungen
der Bienenvölker finden. Die Biene ist ursprünglich ein Waldtier. Den Bienenstock
fand man in sonnigen Baumhöhlen in bärensicherer Höhe.

Die erbeuteten „Ströme von süßem Gold“ flossen so z.B. ins nahe Nürnberg, wo der
Honig vornehmlich für die Lebküchnerei aber auch zum Konservieren von Früchten,
der Zubereitung des Honigweins (Met) und zum privaten Verbrauch genutzt wur-
de. In der Blütezeit Nürnbergs gab es rund um Nürnberg 92 Zeidelgüter und ganze
Zeideldörfer. Die Ortschaft Feucht entwickelte sich auch durch ihre gute Lage zum
Zentrum des Zeidelwesens und erhielt im 14. Jahrhundert ein eigenes Zeidlergericht.
Die Marktgemeinde Feucht liegt 15 Kilometer südlich von Nürnberg. In der Umge-
bung bildeten nektarreiche Tannen, Fichten, Linden, Salweiden und ausgedehnte
Heide­kraut-, Heidelbeer-, und Preiselbeerflächen die Lebensgrundlage für viele
wilde Bienenvölker. Dieser artenreiche Wald gehörte im Mittelalter nicht der Stadt
Nürnberg sondern dem Kaiser. 1266 wurde dieses Gebiet daher in einer Urkunde als
„des Kaisers und des Reiches Bienengarten“ bezeichnet. So gehörten neben dem
Wild auch die wilden Bienen dem Kaiser. Dieser übertrug die Ausbeutung der
Bienenstöcke den Zeidlern.

Die Zeidler bildeten einen eigenen Berufstand und waren


angesehene Leute. Die Zeidler markierten und nutzten
die Bienenbäume als ihr Eigentum. Sie besaßen vom
Kaiser die Zollfreiheit und übten auch waldpolizeiliche
Funktionen aus. Ihre Zeidelgüter waren vererbbar.
Als Gegenleistung konnte der Kaiser sie jedoch
zum Dienst mit der Armbrust einberufen. Auf
Wappen werden Zeidler daher oft mit einer über
der Schulter gelegenen Armbrust abgebildet.
Der Aufwand, die Honigwaben herauszuschneiden,
war jedoch hoch. Da war es doch einfacher, das
Stück Stamm mit dem Bienenstock in der Nähe des
Hauses aufzustellen (Klotzbeute). INFO
So konnte man es auch besser vor wilden Tieren
schützen. So entwickelte sich die Hausbienenzucht.
In verschiedenen Regionen entwickelten sich verschie-
dene Formen der Bienenkörbe und Bienenkästen.
Man begann auch sich wissenschaftlich mit den
Bienen zu beschäftigen.

Infos zum Zeidlermuseum:


www.zeidelmuseum.de

06
3. WIRTSCHAFTLICHE BEDEUTUNG DER BIENEN

Die Biene ist das wichtigste Bestäubungsinsekt unserer Kulturpflanzen. 75–80


­Prozent aller Blütenbesucher sind Honigbienen. Sie erwirtschaften in Deutschland
mit ihrer Bestäubungsleistung jährlich einen Wert von rund zwei Milliarden Euro.

Das Sammelgebiet eines Bienenvolkes erstreckt sich auf ein Gebiet von etwa drei
Kilometer um den Standort. Bienen erhöhen nicht nur die Erträge, sondern auch
deren Qualität. Der Wert von Honig und Wachs wird von der Bestäubungsleistung
der Bienen um das Zehn- bis Fünfzehnfache überstiegen. Auch andere Insekten
sowie der Wind leisten Bestäubungsarbeit.

Setzt man den Ertrag mit der Bestäubung über Bienen auf 100 Prozent, so liegt
dieser ohne Bienen beim Anbau von Äpfeln bei unter 40 Prozent, bei Birnen knapp
über 10 Prozent und bei Raps und Rotklee weit unter 10 Prozent.

Weltweit ging in den letzten 40 Jahren fast ein Drittel des landwirtschaftlich nutz-
baren Bodens durch Erosion verloren. Zum Verlust von zehn Millionen Hektar
Acker­land kommt der Einsatz von Pestiziden. In Oberflächengewässern sind 12–100
verschiedene Stoffe nachweisbar, die als Einzelsubstanz zwar in einer nicht tödlicher
Dosis auftauchen- in der Mischung aber eine erhöhte Wirkung zeigen! Pestizide
können als fettlösliche Substanzen den Wachs der Bienen belasten. Die Brut wächst
in einem belastetem Umfeld auf. Außerdem gelangen Pestizide über den Blüten­
pollen in den Futtersaft, mit dem die Ammen die Maden füttern.

Der Verlust der Sortenvielfalt und der Anbau von genmanipulierten Nutzpflanzen
bereiten weitere Probleme. Die durch den Klimawandel in vielen Regionen schlei-
chend ansteigende Durchschnittstemperatur begünstigt zudem die Verbreitung von
Krankheitserregern und Parasiten. Durch die Hitze und Dürre produzieren die Pflan-
zen weniger Blütenstaub und Nektar.

Unsere Bienen haben also mehrere Stressfaktoren:


• Mangel an Pollen und Nektar
• Belastung durch Umweltgifte
• Zu hohe Völkerdichte
• Beutensystem und Größe der Völker
• Imkerliche Praxis
• Bienenkrankheiten
• Natürliche Feinde (Wespen, Spinnen, Ameisen, Spechte, INFO
Mäuse, Bären und neu z.B. die asiatische Hornisse)

Der Film „more than honey“ schockierte viele Naturfreunde. Im BUND Kindergrup-
penleiterrundbrief zum Thema Mandeln gibt es einen Bericht zur nicht artgerechten
Bienenhaltung im Mandelanbau und den daraus resultierenden Problemen.

07
3.1 Kalifornien und die Bienen

Jeder dritte Bissen, den ein Amerikaner zu sich nimmt, verdankt er der Biene (Obst,
Vieh­futter, Soja). Bienen sind nach Rindern und Schweinen das drittwichtigste Haus-
tier. Für die ­Bestäubung der Mandelbäume werden Unmengen an ­Bienen benötigt.
Um diese zu gewährleisten gibt es ­„Bienen-Broker“, die Bienenvölker „verschieben“
und die Logistik sowie Termine koordinieren. Bei einem Bienen-Broker können so
z.B. 40 fahrende Imker unter Vertrag stehen. Dies ist ein lukratives Geschäft. Durch
den wachsenden Bedarf und den ­Kollaps vieler Bienenvölker stieg der Preis für
Bienenarbeiterinnen auf 150 Dollar pro Box an. Und so werden etwa 50 Prozent aller
Bienenvölker aus allen Regionen der USA zu den Mandelplantagen transportiert.
Das sind immerhin über 35 Milliarden Tiere! Manche Bienen
reisen so 4.200 Kilometer quer durch die USA. Im Truck
verenden zum Teil 30 Prozent der Larven, da sich die
Arbeiterinnen nicht ausreichend um die Brut kümmern.
Kein Wunder bei dem Stress. Sind sie doch einen Mo-
nat vor ihrem natürlichen Rhythmus zur Vermehrung
des Volkes im Winterquartier geteilt worden. Norma-
lerweise würden sie bis Februar ruhen. In den Mandel-
plantagen erwartet sie eine Ernährungseinöde, daher
füttern die Imker zu. Nach zwei Wochen Mandelplantage
wandern die Bienen zu Orangenplantagen nach Florida.

Über Zuchtprogramme hat man versucht, die Honig­


leistung der Bienen zu steigern. Aus robusten
Honigsammlerinnen wurde eine Super­biene geformt.
Hin­zu kommt die Belastung durch Spritzmittel.
Neonicoidoiden-Nervengifte sollen Pflanzenschädlinge
abtöten. Am Oberrhein gingen in wenigen Wochen
330 Millionen Bienen ein, nachdem sie damit in Berührung
kamen. Ihr Orientierungssinn und ihre Lernfähigkeit sinken
und sie zeigen ein verändertes Verhalten in der Brutpflege
und Nahrungssuche. Wenn zwei Pestizide zusammen gespritzt werden, kann die
Toxizität um das 1200 fache steigen. Zusätzlich macht den Bienen die ursprüng-
lich aus Asien stammende Varroamilbe zu schaffen. Sie führt zu Missbildungen bei
der Brut (besonders den Drohnen). Als ob das nicht schon genug Probleme wären,
so gibt es seit 2006/2007 ein neues beunruhigendes Phänomen. Unter dem Namen
„Colony Collaps Disorder“ (CCD), erleiden ganze Bienenvölker einen Kollaps und
die Stöcke sind plötzlich leer. Dies tritt besonders in Nordamerika auf, doch auch in
anderen
Regionen der Hemisphäre verschwinden die Völker spurlos. Normalerweise erleidet
ein Bienenvolk im Winter einen Verlust von zehn bis fünfzehn Prozent, nun sind es
aber 50 Prozent. Inzwischen vermuten einige Fachleute, dass die Kombination aus
Störung in der Winterruhe, langen Transporten, aussetzen in Monokulturen und
somit einseitiger Ernährung, Kontakt mit Spritzmitteln und die Leistungssteigerung
durch Zucht, das Immunsystem der Tiere schwächt und sie so anfälliger für Erkran-
kungen werden lässt.

08
4. BIENE BIOLOGIE

4.1 Der Bien (Das Bienenvolk)


“Der Bien” ist eine Bezeichnung für das Bienenvolk, die zum Ausdruck bringt, dass
das Bienenvolk als solches ein Organismus ist. Als Organismus ähnelt er Säugetieren,
die auch etwa eine Körpertemperatur von 36 °C halten, sich nicht so stark vermehren
und ihre Nachkommen mit Muttermilch/Futtersaft füttern. Ammenbienen produzie-
ren diesen Futtersaft in speziellen Drüsen.

Im Frühjahr wächst das Bienenvolk auf etwa 40.000 Individuen an, da die Königin
mehr Eier legt als Bienen sterben. Nach der Sommersonnenwende legt die Königin
weniger Eier als Bienen sterben und so schrumpft das Volk auf etwa 10.000 Indi-
viduen. Ab November findet keine Brutpflege mehr statt. Die Bienen, die zuletzt
herangewachsen sind, überdauern den ganzen Winter.

4.2 Königin – geboren um zu legen


Weisel- ist der Name der Königin. Sie lebt etwa fünf Jah-
re lang. Sie entscheidet nicht wie eine Regentin, sondern
sichert den Bestand des Volkes durch das Legen von Eiern.
Durch einen besonderen Geruchsstoff (Pheromon) för-
dert sie den Zusammenhalt des Bien. Versorgt wird die
Königin von Arbeiterinnen, die sie mit Futter versor-
gen, putzen und den Kot abtransportieren. Nachdem
sie ein bis drei Hochzeitsflüge mit einem Flugradius
bis zu sieben Kilometern unternommen hat, bewahrt
die Königin das Sperma von 10 bis 20 Drohnen in einer
Samenblase auf. Dieser Vorrat wird ihr bis zum Lebens-
ende zur Verfügung stehen. Sie kann selbst steuern, ob sie
befruchtete (Arbeiterinnen/Königinnen) oder unbefruchtete
(Drohnen) Eier legen soll. Die Königin steckt ihren Vorderkör-
per in die Zelle. Mit den Vorderbeinen ertastet sie die Größe der
Zelle und legt in kleine Zellen ein befruchtetes, in große Zellen ein
unbefruchtetes Ei ab. Zu Spitzenzeiten legt sie täglich mehr als ihr
eigenes Körpergewicht (2.000 Eier). Nachdem sie geschlüpft ist, wird sie dauerhaft
mit Gelée Royal gefüttert. Dann unternimmt sie einen oder mehrere Hochzeits­
flüge, um sich mit mehreren Drohnen zu paaren. Danach bleibt sie im Stock, bis der
Platz zum Wabenbau oder zur Einlagerung von Honig zu knapp wird und das Volk
INFO
schwärmen möchte. Dabei verlässt die alte Königin vor dem Schlüpfen der neuen
Königin den Stock, um eine neue Bleibe zu suchen. Damit die Königin flugfähig wird
und längere Strecken fliegen kann, setzen die Arbeiterinnen sie vorher auf Diät.

Gelée Royal besteht aus verdautem Pollen und Honig. Er wird von jungen Arbeite-
rinnen (“Ammen”) produziert. Die Futtersaftdrüse liegt im Kopfbereich und liefert
den Futtersaft für die jungen Bienen und die Königinnen. Der Futtersaft tritt an der
Innenseite der Mandibeln aus und ist sehr proteinreich. Die Ammen füttern damit
die Larven. Königinnenlarven erhalten davon besonders viel. Die Königin ist daher
größer als eine Arbeiterin, hat ausgebildete Eierstöcke und lebt länger. Sollte die
Königin des Bienenvolkes verloren gehen (z.B. beim Hantieren am Bienenstock), so
können auch sehr junge Arbeiterinnen-Maden mit Gelée Royal gefüttert werden.
Die Zelle wird dann nachträglich zu einer Weiselzelle umgebaut. Die so entstan-
denen neuen Königinnen nennt man “Nachschaffungsköniginnen”.

09
Wer wird wie viele Tage gefüttert?
Gelée Royal Bienenbrot Keine Fütterung

Königin 11 5

Arbeiterin 3 6 12

Drohne 3 11 10

4.3 Arbeiterinnen: Von Ammen, Bau- und Sammelbienen

Arbeiterinnen sind Schwestern und Halbschwestern

Arbeiterinnen entwickeln sich aus befruchteten Eiern. Sie werden nur in


den ersten Tagen mit Gelée Royal, danach werden sie mit nicht ganz so
hochwertigem Futter gefüttert. Die Eierstöcke sind unterentwickelt.
Die Arbeiterinnen verrichten je nach Lebensalter und
Bedarf im Stock unterschiedliche Tätigkeiten.

In besonderen Situationen können sie aber


in kurzer Zeit bestimmte körperliche Eigen-
schaften ausbilden, um eine früher ausgeübte
Tätigkeit wieder neu aufzunehmen (z.B. Bau-
oder Ammenbiene).

Der grobe Ablauf sieht wie folgt aus:

Erste Tage Putzbiene Zellen reinigen

Etwa 1 Woche lang Ammenbiene füttert Maden

Danach Lagerbiene Produktion und


Einlagerung des Honigs INFO
Danach Baubiene Wachsschuppen werden
abgesondert und verbaut

Danach Wächterin Wachdienst am Flugloch

Nach drei Wochen Sammelbiene Nektar, Pollen, Wasser,


Propolis sammeln

„Kommunikationstechnikerinnen” stellen sicher, dass die Schwingungsübertragung


auf der Wabe störungsfrei funktioniert. Es gibt keine Biene, die im Stock die Auf-
gaben verteilt. Die Einzelbiene erkennt, was zu tun ist. Die Reizschwelle liegt aber
bei den Tieren unterschiedlich hoch. Ist es z.B. im Stock sehr warm, so fühlen sich
einige Bienen berufen den Stock zu kühlen. Andere Bienen fühlen sich aber erst bei
höheren Temperaturen dazu berufen.

10
4.4 Drohnen

Drohnen haben keinen Vater – aber einen Großvater!”

Drohnen sind männliche Bienen. Sie gehen aus unbefruchteten Eiern der Königin
hervor. Sie haben genetisch gesehen keinen „Vater” und somit nur einen Chromo­
somensatz (haploid). Dieses Phänomen nennt man auch Jungfernzeugung (Parthe-
nogenese). Neun Tage nachdem das etwa ein Millimeter lange, weiße und stift-
förmige Ei gelegt wurde, wird die Brutzelle mit einer durchlässigen Wachsdecke
überzogen, in der sich die Made mit dem Kopf in Richtung der Zelldecke dreht und
in einen Kokon einspinnt. Als Puppe hat sie schon Ähnlichkeit mit der erwachsenen
Biene. Sie ist jedoch weiß gefärbt und bekommt erst kurz vor dem Schlüpfen ihre
dunkle Farbe. Nach dem Schlüpfen sind sie nicht stocktreu und wandern von Bienen-
volk zu Bienenvolk.

Drohnen haben keine Sammelvorrichtungen, daher beteiligen sie sich weder am


Sammeln von Nahrung noch an sonstigen Aufgaben im Stock. Ihre Aufgabe ist die
Begattung einer Königin. Bis zu diesem Zeitpunkt werden sie im Stock gefüttert und
umsorgt. Drohnen entwickeln sich nur zur Fortpflanzungszeit
ab etwa Ende April. Bei gutem Wetter brechen sie auf, in der
Hoffnung eine Königin zu begatten. Hierzu fliegen sie zu
sogenannten „Drohnensammelplätzen”. Wenn sich eine
neue Königin beim Hochzeitsflug diesen Plätzen nä-
hert, kann die Befruchtung in der Luft durch mehrere
Drohnen stattfinden. Hierbei reißt das Geschlechtsor-
gan der Drohnen heraus und die Drohnen sterben.
Doch auch Drohnen, die keine Königin befruchten
konnten, sterben spätestens nach der Sommer-
sonnenwende Ende Juni, denn dann werden sie
abgedrängt und nicht mehr im Bienenstock geduldet.
Alleine können sie nicht überleben und verhungern.

Eigentlich braucht es ja nur wenige Drohnen, um ande-


re Königinnen zu befruchten. Trotzdem leistet sich ein
­Bienenvolk den „Luxus”, jedes Jahr hunderte von Drohnen
zu versorgen. In der wesensgemäßen Bienenhaltung
geht man davon aus, dass die Drohnen vermutlich eine
weitere wichtige Funktion im Volk haben. Eventuell
sind sie für die Harmonie im Volk und den Aus-
tausch der Völker untereinander zuständig. INFO
Drohnenbrut wird regelmäßig ausgeschnitten,
um die Vermehrung und Ausbreitung der Var-
roamilbe im Bienenvolk zu unterbinden. Leider
wehren sich die Bienen nicht alleine gegen die
Varroamilbe und der Imker*in kann das Bienen-
volk während der Brutzeit nicht behandeln. Da sich
die Varroamilbe bevorzugt in Drohnenbrut vermehrt,
„opfert” man einen Teil der Drohnenbrut und gibt sie
entweder den Hühnern zum Fraß oder man schmelzt die
Drohnenwaben im Wachsschmelzer aus und erhält dabei
Wachs.

11
4.5 Übersicht zu Größe und Entwicklungszeiten

Größe der Entwick- Größe Besonderheit Lebens­ Anzahl


Wabenzelle lungszeit des erwartung im Stock
Made/ Insekts
Puppe

Arbeiterin Ø 5,3 mm 21 Tage 15 mm Verkümmerte Sommerbiene: 5.000 – 


Eierstöcke 2 – 6 Wochen 40.000
Winterbiene
2 – 6 Monate

Drohne Ø 6,9 mm 24 Tage 20 mm Breiter Hinter- 1 – 3 Monate 0 – 1.000


leib, männliches
Geschlechtsorgan,
kein Stachel,
große Augen,
lange Fühler

Königin Zapfen­- 15 Tage 25 mm Voll entwickelte 3 – 5 Jahre 1


för­mig­e Eierstöcke, langer
Weiselzelle, Hinterleib, lange
ø10 mm Beine, Stachel

Ei

Pollen
INFO
Rundmade
Honig

Streckmade
Wassertropfen (luftdurchlässig
zur Verdunstung an verschlossen)
der Zellenwand
„aufgehängt“ Streckmade
(reguliert Temperatur (Vorpuppe)
und Feuchtigkeit)
Puppe oder
Nymphe

12
4.6 Körperbau

Hakenreihe

Flügel: Bienen besitzen zwei Paar Flügel.


Das vordere Paar ist viel größer als das hintere.
Zur Stabilisierung der Flügel beim Flug g­ reifen
Häkchen, die sich an der Vorderkante vom
Hinterflügel befinden, in eine Rinne am
Vorderflügel.

Vorderbein

Sporn
Hinterbein
Putzscharte

Körbchen

Schienenrandborsten

Kopf Arbeiterin
Punktaugen (Drei Stück) Kopf Drohne INFO
Netzauge
Netzauge
4.000–5.000 Facetten
7.000–8.000
Facetten
Fühler

Vorderkiefer,
Mandibeln
behaarte Zunge
(Rüssel) mit Löffel

Mandibeln: Kauen Pollen, Wachs wird durchgeknetet


und zum Bau von Brut und Vorratszellen genutzt.
Außerdem können sie sich damit gut festhalten.

13
4.7 Sinnesleistungen

Sehsinn
Bienen verfügen über Facettenaugen und drei Punktaugen. Mit diesen Punktaugen
kann die Biene polarisiertes Licht erkennen, hell/dunkel und ob sie gerade fliegt.
Bienen bewegen sich in den Wabengängen und dabei würde es uns wahrscheinlich
schwerfallen, die Orientierung zu behalten. Wo ist denn hier oben- und wo unten?
Auch bei bedecktem Himmel müssen sie sich orientieren können. Hier helfen die drei
Punktaugen, die polarisiertes Licht wahrnehmen.

Die Facettenaugen erlauben ein Grobrastersehen mit Einzelaugen:

4.000 bei der Bienenkönigin

5.000 bei der Arbeiterin

8.000 bei einer Drohne

Das menschliche Auge ist hundert Mal leistungsfähiger, aber Bienen können zehn
Mal mehr zeitlich aufeinander wahrnehmen und sehen im Gegensatz zu uns polari-
siertes Licht.

Farbensehen
Bienen sehen utraviolett, gelb, blau und weiß- alles andere erscheint ähnlich. Bienen
können 14 verschiedene Weißtöne als eigene Farbe erkennen. Statt grün nehmen sie
grau wahr. Eine Biene sieht kein Rot! Statt rot sieht sie schwarz. ­Karthäusernelken
blühen Scharlachrot und werden daher eher von Schmetterlingen besucht. Beim
Rotklee sieht die Biene den Blauanteil und beim Klatschmohn lockt der UV Bereich
(= Ultraviolett) die Biene an. Beim Mohn erscheint ihr nur der Blütenstaub hell, sonst
alles schwarz.

Geruchssinn
Bienen haben keine Nase. Dafür sitzen aber etwa 60.000 Duftrezeptoren auf den
beiden Antennen mit denen sie sogar dreidimensional riechen können. Sie können
diese drehen und erkennen aus welcher Richtung der Duft kommt. Fußdrüsen liefern
ein wachshaltiges Sekret mit einem Duftstoff, der zu Markierungszwecken einge-
setzt wird.

Hörsinn
Bienen haben keine Ohren, sie hören eher schlecht und nehmen eher Erschütte-
INFO
rungen wahr. Tiefe Erschütterungen, wie z.B. die von einem Rasenmäher verursach-
ten Töne, mögen sie nicht. Über den Vibrationssinn können verschiedene Tonlagen
erkannt werden. Bienen sitzen meist breitbeinig auf einer Wabe, die mitschwingt,
wenn eine andere Biene darauf tanzt. Sie hält dann die Fühler auf die Wabe. An
zwei Stellen können sie mit den Fühlern “hören”. Ein weiteres Hörorgan befindet
sich am Knie.

Geschmackssinn
Er ist im Rüssel und den Mandibeln verortet. Mit den Vorderbeinen schmecken Bie-
nen, ob der Zuckergehalt ausreichend ist. Erst dann wird der Rüssel in die Flüssigkeit
getaucht.

Tastsinn
Der ganze Bienenkörper ist mit Sinneshaaren bedeckt.

14
Temperatursinn
Mit den Fühlern können sie auch räumlich sehen. Außerdem erkennen sie, wo es
warm oder kühl ist. Die Fühler der Biene sind auch ein Thermometer. Es ist wichtig
für die Bienen, die Temperatur z.B. für einen Ausflug richtig einschätzen zu können.
Heizer- und Kühlerbienen halten den Brutraum mit hoher Konstanz auf 35°C.

Zeitsinn
Dieser befindet sich im Gehirn. Bienen fliegen gezielt Blüten an und können bis vier
zählen. Sie können einschätzen, wann Blüten Nektar bieten. Bei Raps kann man fast
auf die Uhr schauen. Dieser bietet etwa ab elf Uhr Nektar an.

Schweresinn
Für Menschen ist es schwer „Leicht” und „Schwer” zu fühlen, außerdem ist es wich-
tig für die Bienen zu wissen, wo Oben und Unten ist. Kleine Metallelemente befin-
den sich zwischen Brust und Hinterleib. Damit kann sie sich zur Erdachse ausrichten.
Bienen brauchen den Schweresinn zur Ausrichtung in Richtung Magnetfeld (oben/
unten).

Orientierungssinn
Bienen sind ein fliegendes GPS System.

INFO

15
5. BIENENPRODUKTE

5.1 Wachs und Wabenbau


Honigbienen bauen Waben aus Wachs. Dieser besteht aus Estern langkettiger
Alkohole und Fettsäuren. Eine Wabe kann drei Kilogramm Honig aufnehmen.
Es ist schon erstaunlich, dass ein so leichtes Material (Wachswabe) so
schweres Material (Honig) tragen kann. Außerdem stellt sich die Frage,
wie Bienen die äußerst funktionale Sechseckform bauen. Schaut man
sich eine Wabe genauer an, so sind die sechseckigen Waben auf der
Rückseite sogar mit drei etwas spitz zulaufenden Dreiecken inei-
nander verschachtelt und stabilisieren sich so g­ egenseitig. Legt
man mehrere Sechsecke nebeneinander, so können sie ohne
Raumverlust das Optimum an Inhalt aufnehmen. In einer Bie-
nenwabe können etwa drei Kilogramm Honig gelagert werden.
Doch wie baut eine Baubiene dieses Meisterwerk? Bei 10–12 Tage
alten Wachsbienen bilden sich die Wachsdrüsen so aus, dass sie bei
Bedarf durchsichtige Wachsplättchen an den vier Paar Wachsspiegeln
im Bauchbereich ausschwitzt. Diese werden mit den Beinen zu den
Mundwerkzeugen (Mandibeln) transportiert und an die über 12 Tage
alten Baubienen weitergegeben. Diese kneten das Wachs mit ihren
Kauzangen zurecht. Den Wachsblättchen wird ein öliges Sekret
beigegeben, welches in der Kopfspeicheldrüse produziert wird.
Nun können die Wachsstücke modelliert und verbaut werden.
Danach erwärmt eine Heizerbiene mithilfe ihrer Muskelenergie
den Wachs kurzfristig auf etwa 40 °C: Das Wachs beginnt nun
zu fließen. Durch die Oberflächenspannung zieht sich die Röhre in
eine sechseckige Form. Wachs ist am Anfang schneeweiß. Erst durch
den Eintrag von Blütenstauböl erhält er seine gelbe Farbe. Je häufiger
eine Brutwabe benutzt wurde, desto dunkler wird sie. Am Ende ist sie
dunkelbraun bis schwarz. Um eine neue Wabe zu bauen, hängen sich die Bienen
zu einer Baukette aneinander. Sie beginnen an verschiedenen Stellen oben am
Rahmen. Die Übergänge haben eine etwas andere Form. Mit einer Lupe kann man
diese Übergänge erkennen.

Hinweis
Mit Zelldeckeln aus Wachs werden auch Brut- und Honigzellen verschlossen. Die
­Zellen der Brut sind dabei porös und atmungsaktiv, die Deckel von Honigzellen wer-
den luftdicht verschlossen. Eine Zelle kann im Laufe der Zeit durchaus unterschied-
lich genutzt werden. Mal als Lager für Pollen oder Honig – aber auch als Brutzelle.
INFO
Werden die Zellen als Brutzellen verwendet, so werden sie mit der Zeit immer dunk-
ler und enger, da nach jeder geschlüpften Puppe deren Puppenhaut wie eine Tapete
zurückbleibt. Entweder werden diese alten Wachsteile von Bienen abgenagt oder
durch frischen Wachs erneuert, oder ein Volk überlebt den Winter nicht und Wachs-
motten ernähren sich vom alten Wabenwerk. Waben werden von Bienen normaler-
weise so gebaut, dass sie unten frei sind und schwingen können. Diese Eigenschaft
ist anscheinend sehr wichtig für die Kommunikation. Die Schwingungen werden
durch eine heftige Brustmuskulatur erzeugt und von den Beinen aufgenommen und
„gehört“.

Wachsspiegel Wachsspiegel
16
BIENENWACHS: EIN BELIEBTER BESTANDTEIL
IN KOSMETISCHEN PRODUKTEN
CERA ALBA, Bienenwachs (Deutsche Bezeichnung), bees wax

Cera alba ist der von Arbeiterbienen produzierte Wachs. Wachse sind
chemisch betrachtet Ester, die aus einem langkettigen, einwertigen
Alkohol (Fettalkohol) und einer Fettsäure bestehen. Bei 20 °C sind sie
knetbar und schmelzen bei über 40 °C. Dann sind sie sehr dünnflüssig
und nicht fadenziehend. Der Schmelzpunkt liegt bei 60-67 °C. Natürli-
che Wachse haben in kosmetischen Mitteln filmbildende sowie wasser-
abweisende Eigenschaften, fördern die Glanzbildung auf der Haut und
schützen die Haut vor Feuchtigkeitsverlusten. Durch die Änderung der
Grenzflächenspannung lassen sich sonst nicht mischbare Flüssigkeiten
verbinden (Emulsionen). Der Geruch eines Produktes wird verbessert.

5.2 Lageplan

Wenn man sich einen Bienenstock anschaut, so erkennt man ein System. Man kann
sich eine Art Fußball als Zentrum des Bienenvolkes vorstellen. Dieser verteilt sich
über mehrere Waben. Hier findet das Brutgeschäft statt. Der Brutraum wird von
„Heizerinnen“ auf eine Temperatur von 35° Celsius gehalten. Steigt die Temperatur
INFO
im Brutraum zu sehr an, so nehmen die Bienen die Wärme auf und gehen zu küh-
leren Ecken, um sie abzugeben. Droht es im Brutraum zu kühl zu werden, gehen die
Heizbienen in leere Waben und werfen den „Flugmotor“ an. Nach zwanzig Minu-
ten sind die Bienen total erschöpft und werden von „Tankbienen“ mit „Treibstoff“
versorgt. Für den kurzfristigen Bedarf wird Pollen und Honig im Halbkreis darüber
eingelagert. Vorräte für den Winter werden so weit wie möglich vom Flugloch ent-
fernt gelagert. Jeder Bienenkasten, aus dem Honig geerntet werden soll, hat einen
Bereich für Honig. Ein Absperrgitter hindert die Königin daran, diese oberen ä ­ ume
zu betreten. Da sie etwas größer ist als ihre Arbeiterinnen, können diese in den
Kasten wandern und Honig einlagern, sie kommt jedoch nicht durch das Gitter und
kann somit keine Eier dort ablegen. Das ist für den Imker praktisch, da er so keine
Brutzellen in den Rähmchen findet und ohne Sorge die Honigzellen entdeckeln und
schleudern kann. Sobald Brut in der Wabe ist, wird diese nicht geschleudert.

17
5.3 Honig und Honigtau

Nektar sammeln
Bei Temperaturen ab acht Grad Celsius bis zehn Grad Celsius beginnt meist im ­
März der regelmäßige Ausflug. Eine Biene wiegt etwa 90 Milligramm. In einem
Darmabschnitt im Hinterleib befindet sich so eine Art Tank, mit dem sie etwa
40 Milligramm Nektar transportieren kann. Das entspricht etwa der Hälfte des
­Eigengewichtes!. Eine einzige Kirschblüte kann an einem Tag mehr als 30 Milli-
gramm Nektar erzeugen. Das wären für einen ganzen Kirschbaum täglich fast zwei
Kilogramm Nektar. Eine Apfelblüte ist täglich mit etwa zwei Milligramm Nektar
gefüllt. Sie könnte also die Tagesleistung von 20 Apfelblüten sammeln. Pro Blüten-
besuch kann eine Biene nur die gerade zur Verfügung stehende Nektarmenge ein-
sammeln. Danach füllt die Blüte den Nektarvorrat auf. Um ihre Honigblase einmal
zu füllen, muß sie etwa 100 Apfelblüten oder 1.500 Kleeblüten besuchen. An einem
besonders guten Sammeltag kann eine besonders emsige Biene bis zu 3.000 Blüten
besuchen. Jede Biene fliegt täglich etwa sechs bis zehnmal, bei einer guten Tracht
sogar bis zu zwanzigmal täglich. Aus drei Teilen Nektar entsteht durchschnittlich
ein Teil Honig. Für 500 Gramm Honig sind also etwa 50.000 Sammelflüge notwendig.

Wie Honig entsteht


Die Bienen saugen den zuckerhaltigen Nektar oder Honigtau über ihren Rüssel
auf, transportieren ihn in ihrer Honigblase zum Bienenstock und geben ihn an die
Stockbienen weiter. Er wird mehrfach umgelagert und über die Futtersaftdrüse mit
Enzymen, Vitaminen, Eiweiß und Mineralstoffen angereichert. Es findet eine Um-
wandlung von Glucose zu Fructose und eine Bildung von höheren Sacchariden statt.
Außerdem wird der Nektar eingedickt. Die Reduzierung des Wassergehalts erfolgt
in zwei Schritten: Zuerst wird ein Tropfen Nektar über den Rüssel mehrfach heraus-
gelassen und wieder eingesaugt. Ab einem Wassergehalt von 30 bis 40 Prozent wird
der etwas eingedickte Nektar in leeren Wabenzellen ausgebreitet. Um eine mög-
lichst hohe Verdunstung zu erzielen, werden die Zellen nur teilweise gefüllt. Durch
Fächeln mit den Flügeln wird der Vorgang weiter beschleunigt. Der jetzt fertige
Honig wird noch einmal in Lagerzellen über dem Brutnest um- und eingelagert und
mit einer luftundurchlässigen Wachsschicht abgedichtet. Imker bezeichnen diesen
Vorgang „Verdeckeln“. Daran erkennen sie, ob der Honig reif ist und geerntet
werden kann. Der gewünschten Wert liegt laut der Deutschen Imkerbund Vorschrift
bei 18 Prozent. Liegt der Wassergehalt über 20 Prozent, könnte der Honig gären und
verderben. Der Imker überprüft den Wassergehalt daher mit einem Refraktometer.
Im Pflanzensaft befindet sich überwiegend Saccharose (Rübenzucker). Mit einem
INFO
körpereigenen Enzym wird die Saccharose aus dem Pflanzennektar in Glucose
(Traubenzucker) und Fruktose (Fruchtzucker) aufgespalten.

Honigtau ist ein zuckerhaltiges Ausscheidungsprodukt, das z. B. von Blattläusen,


Schildläusen, Blattflöhen, Mottenschildläusen und verschiedenen Zikaden produ-
ziert wird. Diese Insekten ernähren sich von Pflanzensäften und nehmen dabei viel
zuckerhaltige Flüssigkeit auf. Diese geben sie dann nach abtrennen der Eiweiße, die
sie für ihr Wachstum benötigen, in Form von Honigtau wieder ab. Ameisen erbetteln
sich diesen Honigtau und halten sich die Blattläuse wie Milchkühe, die sie sogar ge-
gen Fraßräuber verteidigen. Honigtau ist für viele verschiedene Insektenarten eine
beliebte Nahrungsquelle. Die meisten anderen Insekten lecken den dicken und
klebrigen Film jedoch ab, wenn er auf Blättern oder Nadeln einen Film bildet. Honig­
tau ist anfangs klar. Er ist reich an Zuckern wie Frucht-, Trauben- und normalem
Zucker (Saccharose). In kleineren Mengen findet man auch Maltose, Fructomaltose

18
und Melezitose sowie Oligosaccharide. Wenn die Zuckerart Melezitose (Dreifachzu-
cker mit zwei Molekülen Glucose und einem Molekül Fructose) einen Anteil von
10 bis 12 Prozent überschreitet, wird der Honig im Honigraum fest (kandiert).
So kann er nur noch schwer ausgeschleudert werden. Man bezeichnet ihn
daher auch als Zementhonig. Sobald der Melezitose-Gehalt im Honig eines
überwinternden Volkes über 10 Prozent beträgt, kann dies für das
Bienenvolk tödlich enden.

5.4 Trachtangebot

Januar
Je nach Wettersituation blühen eventuell
schon Hasel und Schnee­glöckchen

Februar bis März


Erlen (Pollen), Hasel (Pollen), Schnee-und Märzenglöckchen,
Winterlinge, Krokus, Kornelkirsche

März
Erlen (Pollen), Lärche (Pollen), Eiche (Pollen), Pappel (Pollen), Ulme (Pollen),
Hasel, Weiden (wichtigste Pollen- und Nektarspender)

April bis Ende Mai


Rosskastanie, Birke (Pollen), Schlehe, Feldahorn, Obst, Löwenzahn, Raps,
Kleearten, Bärlauch, Eberesche

Juni bis Juli


Wiese, Johannis- und Stachelbeere (Nektar, wenig Pollen), Apfel (viel Pollen
INFO
und Nektar), Himbeere (beste Nektarspenderin), Brombeere, Edelkastanie
(gute Nektarspenderin), Honigtau (alle zwei bis fünf Jahre besonders bei Eiche,
Linde guter Lausbesatz)

August
Ende der späten Waldtracht, Sonnenblume, Trachtlücke

September bis Oktober


Sonnenblume, Astern, Schneebeere, Mais, Goldrute, Distel, Efeu, Mais (Pollen)

Oktober-Dezember
Efeu (viel Nektar, wenig Pollen), Gelbsenf

19
5.5 Pollenernte

Wie kommt der Pollen ins Höschen?


Neben Honig wird von Sammelbienen auch Pollen gesammelt und in Zellen einge-
tragen und festgestampft. Beim Sammeln streifen die Sammelbienen die Pollen-
körner entweder unbeabsichtigt mit ihrem Körper von den Staubbeutel ab oder sie
kratzen sie gezielt mit den Vorderbeinen und den Kiefern. Erst einmal bleiben die,
vom öligen Pollenkitt klebrigen, Pollenkörner an Fiedern und Häkchen der feinen
Körperbehaarung hängen. Die „Höschen“ füllen sich beim Flug von Blüte zu Blüte
wie folgt: Auf der Innenseite der Hinterbeine bilden mehrere Reihen von Borsten
eine Pollenbürste. Damit wird das Haarkleid ausgebürstet. Mit dem Pollenkamm, der
sich etwa in Gelenkhöhe des gegenüber liegenden Beines befindet, wird die Bürste
ausgekämmt. Nun kommt der Pollenschieber zum Einsatz. Mit ihm schiebt die Biene
den Pollen dann portionsweise so lange vom Kamm weg in das außen liegende
Pollenkörbchen, bis es voll ist. In der muldenartigen Vertiefung bilden dicke, nach
innen gerichtete Borsten das Körbchen. Der Pollen wird mit etwas von dem ge-
sammelten Nektar vermischt und mit Hilfe der Mittelbeine festgeklopft. Ein
Höschenpaar Pollen wiegt dann ca. 20 Milligramm.

Pollenernte durch Vibration befruchtet Kulturpflanzen


Hummeln und einige andere Bienenarten können durch Vibration Pollenkörner aus
den Blüten von bestimmten Pflanzenarten herausschütteln. Durch Schwingungen
öffnet sich eine kleine Pore am Ende des Staubbeutels und gibt so den Pollen frei.
Die Biene packt die Blüte mit den Beinen oder Mundwerkzeugen. Dann läßt sie ihre
Flugmuskulatur rasch vibrieren. Pflanzenarten wie z.B. Tomaten, Kartoffeln, Auber-
ginen oder Heidelbeeren sind auf diese Form der Bestäubung angewiesen, da Wind
oder normale Bienenkontakte nicht ausreichen, um den Pollen aus den Staubbeuteln
zu befreien.

INFO

20
6. VERTEIDIGUNG UND GESUNDHEITSPROPHYLAXE

6.1 Bienengift
Der Bienenstock bietet möglichen Feinden viele begehrte Schätze. Neben Honig und
Pollen gibt es auch reichlich eiweißreiche Maden und Puppen zu erbeuten. Daher
produzieren Arbeiterinnen vieler Bienenarten zur Verteidigung ihres Volkes das Bie-
nengift Apitoxin. Es besteht aus einem komplexen Proteingemisch und wird in der
Giftblase gespeichert. Erst ab einem bestimmten Alter können Bienen diese Giftblase
füllen und den Stachel zu Verteidigungszwecken einsetzen. Der Stachel ist eigentlich
ein umgewandelter Legeapparat. Bei den Arbeiterinnen befindet sich am Ende des
Stachels ein Widerhaken. Sobald der Stachel aus der Scheide gezogen wird, setzen
Drüsen unter dem Stachel ein Alarmhormon frei. Sticht eine Arbeiterbiene z.B. einen
Menschen, so bleibt der Stachel mit dem Stechapparat in der Haut des Menschen
hängen. Nach dem Stich wird der Stechapparat mit der Giftblase aus dem Hinterleib
der Biene gerissen. Die Giftblase pumpt das Gift in den möglichen Angreifer. Duft-
stoffe markieren die Stelle und regen andere Bienen an, ebenfalls hier zuzustechen.
Daher ist es sinnvoll, den Stachel möglichst schnell zu entfernen und sich ruhig- aber
zügig zu entfernen. Die Arbeiterin stirbt an dieser großen Verletzung. Die Königin
verfügt auch über einen Stachel. Dieser ist jedoch ohne Widerhaken und kann nach
dem Stich wieder von ihr herausgezogen werden. Die Königin tötet damit andere
Jungköniginnen im Stock.

6.2 Propolis (Kittharz, Knospenharz)


Bei einem so großen Volk besteht die Gefahr, dass sich Schimmel bildet
oder sich Krankheiten ausbreiten. Um dies zu vermeiden, überziehen
Bienen alle Wabenränder, Holzflächen und Fremdkörper mit einer sehr
dünnen Schicht aus Propolis. Dieser wirkt antibiotisch, antiviral und pilz-
hemmend. Um ihn zu erhalten, sammeln, die Arbeiterinnen Harze von
Blatt­knospen, Zweigen und Baumrinden. Diesen klebrigen Knospenüber-
zug finden sie z.B. an Kastanien, Pappeln und Weiden. Die Bienen nehmen
die braune Masse mit den Oberkiefern (Mandibeln) auf und transportieren
sie in ihren Pollensammelkörben zum Stock. Pro Flug können zehn Milligramm
transportiert werden. Die Sammlerinnen übergeben ihre Fracht an die Stockbie-
nen. Mit Pollenöl, Speichel und Bienenwachs vermengt, wird die Masse durchge­
knetet und überall dort ausgebracht, wo sich Krankheitserreger entwickeln könnten.
Um Propolis für den menschlichen Bedarf zu gewinnen, wird ein besonderes Gitter
in den Bienenstock gehängt oder gelegt. Die Bienen versuchen diesen Fremdkörper-
wie andere Fremdkörper auch – durch einbalsamieren unschädlich zu machen. Dafür
überziehen sie das Gitter mit Propolis. Nach der Entnahme des Gitters wird dieses
INFO
tiefgekühlt, damit das Propolis spröde wird und abgeklopft werden kann. Wenn Bie-
nen erkranken, so verlassen sie häufig den Stock. Wenn ein Imker einen leeren Stock
vorfindet, so ist dies in der Regel ein Zeichen dafür, dass sein Bienenvolk schwer
erkrankt war. Ein Grund ist ein hoher Befall durch die Varroamilbe.

6.3 Reinigung
Bienen legen großen Wert auf Hygiene und putzen alle Zellen gründlich aus, bevor
sie neu genutzt werden. Sterben Bienen im Stock, so werden diese von Arbeiter-
bienen aus dem Stock getragen und in einiger Entfernung zum Stock abgeworfen.
Dringt ein Fremdkörper ein, der zu groß ist, um durch das Einflugloch hinaustrans-
portiert zu werden, so werden diese „einbalsamiert“. Kranke Larven können von
Bienen erkannt und entfernt werden. In der Geschichte der Bienenzucht wurden
ertragreiche und sanfte Bienenvölker bevorzugt und gezüchtet. Etwas weniger
sanfte Arten scheinen im Umgang mit der Varroamilbe erfolgreicher zu sein.

21
7. PARASITEN

7.1 Varroamilben

Lebenszyklus der Varroamilben


Varroamilbenweibchen ernähren sich von der Hämolymphe der Bienen und der
Bienenbrut und können dabei Krankheiten wie z.B. den Flügeldeformationsvirus
übertragen. Zur Vermehrung lassen sie sich gerne in die größeren Drohnenbrutwa-
ben kurz vor der Verdeckelung einschließen, da diese eine längere Entwicklungszeit
haben. Dort legen die Weibchen ein unbefruchtetes Ei, aus dem sich ein Varroamil-
benmännchen entwickeln wird. Im Abstand von 30 Stunden werden befruchtete Eier
abgelegt. Die Nymphen müssen sich mehrfach häuten und sind darauf angewiesen,
dass die Muttermilbe der Bienenlarve Wunden zufügt, damit die Nymphen an diesen
Wunden saugen können. Da die Drohnen in verdeckelten Zellen sind, können sie
den Energieverlust durch die saugenden Tiere nicht ausgleichen und entwickeln sich
nicht so gut. In einer Drohnenwabenzelle entwickeln sich so sechs weibliche Nym-
phen, die sich nach der letzten Entwicklungsstufe mit dem Varroamilbenmännchen
(Bruder) paaren. Die Weibchen und die Varroamilbenmutter verlassen nach dem
Schlüpfen der Drohne dessen Wabe. Zwar können auch Arbeiterinnenzellen befallen
werden, die Brut von Drohnen wird aber bis zu achtmal stärker befallen als die von
Arbeiterinnen. Königinnenbrut wird fast nie befallen.

Varrose
Darunter versteht man ein außer Kontrolle geraten Ausbreitung der ursprünglich
aus dem ostasiatischen Raum kommenden Varroamilbe. Der europäischen Biene
(Apis mellifera) fehlt das Putzverhalten des Ursprungswirtes der Varroa-Milbe – der
östlichen Honigbienen ( Apis cerana).

Hier säubern sich die Bienen gegenseitig und entfernen die Milben. Außerdem
verdeckelt die Asiatische Honigbiene die Zellen früher. Kapbienen und Asiatische
Honigbiene bauen außerdem nur Waben mit einer Größe von 4,8 Millimeter (statt
5,3 Millimeter bei unseren heimischen Honigbienen). Auch unter europäischen
Honigbienen gibt es einige Bienenvölker, die über Sinneszellen in den Antennen
eine sich vermehrende Milbe in den verdeckelten Brutzellen riechen können. Sie
öffnen dann die Zellen und entfernen die Brut samt Milbenstadien und fressen
diese auf. Diese effiziente Methode wird „Varroa-sensitive Hygiene“ (VSH) genannt.
258 Gene sind bei VSH dabei in den Fühlern einer VHS aktiven Biene anders
aktiviert als bei einer Biene ohne VSH Aktivierung. Besonders aktiv sind INFO
die Gene bei Ammenbienen. Die Antennen-Gene
der Sammlerinnen sind hingegen weniger aktiv.
Nur etwa fünf Prozent der Bienenvölker, die
bei einem Versuch auf Gotland der natürlichen
Auslese überlassen wurden, überlebten. Die
Forscherin Barbara Locke vermutet, dass die
Bienenlarven dieser Völker jenen Duft-
stoff, der die Milben zu Eiablage anregt,
später freisetzen.

22
7.2 Amerikanische Faulbrut

Die Amerikanische Faulbrut ist eine meldepflichtige bakterielle Brutkrankheit, die


sich in schon verdeckelten Brutzellen befindet. Dabei löst sich die Larve auf. Zurück
bleibt eine zähe, schleimige Substanz, die an einem Streichholz anhaftet, wenn man
dieses in die Zelle steckt. Durch den Putztrieb der Bienen wird sie ebenso verbrei-
tet wie über räuberische Bienen, die über Milben infiziert werden. Problemvölker
dürfen nicht verstellt oder in Sperrbezirke eingetragen werden. Ein gültiges Gesund-
heitszeugnis ist beim Kauf oder Verstellen eines Volkes erforderlich.

Bienenstockkäfer
Er ernährt sich im Bienenstock von Brut, Honig und Pollen. Erstmals gefunden wurde
er 2015 in Europa (Süditalien). In Deutschland gibt es ihn nicht.

Tracheenmilbe
Diese verstopfen die Atemwege der Biene und führt zu deren Tod. Sie spielt aller-
dings seit Behandlung der Varroamilbe keine Rolle mehr, da sie empfindlicher als die
Varroamilbe auf diese Mittel reagiert.

Viren
Spielen eine immer größere Rolle, da sie durch die Varroamilbe übertragen werden
(wie Borreliose durch Zecken). Am deutlichsten wird das am Flügeldeformationsvi-
rus, bei dem die flugunfähigen Bienen verkrüppelte Flügel haben.

INFO

23
8. KOMMUNIKATION UND ORIENTIERUNG

Während der ersten drei bis fünf Orientierungsflüge sammelt eine Biene kein
Futter, sondern Informationen über die Umgebung um den Stock herum. Hierzu
fliegt sie zuerst aus dem Stock heraus, wendet sich um und fliegt im Abstand von
ein bis drei Metern hin und her, um sich das Bild einzuprägen.

8.1 Rundtanz

Erforscht und entdeckt wurde der Rundtanz von dem Nobelpreisträger Karl
von Frisch. Die Tracht befindet sich dabei in Stocknähe und ist unter 50 Me-
ter entfernt. Beim Rundtanz wechselt die Biene im Kreis laufend ständig
die Richtung. Sie tanzt den Ort des Zieles dann noch einmal an dieser- oder
an einer anderen Stelle im Stock. Am Ende des Tanzes verteilt die Tanzbie-
ne geerntete Pollen oder Nektar an die Nachtänzerinnen. So können sie die
Tracht am Zielort riechen und schmecken.

8.2 Schwänzeltanz

Mit dem Schwänzeltanz werben die Sammlerinnen andere Sammelbienen für den
Besuch einer bestimmten Sammelstelle oder in der Schwärmzeit auch für die Be-
sichtigung einer möglichen neuen Behausung für das Volk, die sie entdeckt haben.
Dabei erklären sie den anderen Bienen im dunklen Stock sehr genau, in welche
Richtung diese fliegen müssen und wie weit das Ziel entfernt liegt. Je langsamer der
Tanzrhythmus, desto weiter ist das Ziel entfernt. Weiter entfernte Ziele lohnen sich
für Bienen nicht, da der Energieaufwand für den Flug und die Gefahr auf dem Weg
erbeutet zu werden zu hoch ist.

Bei 100 m Schwänzelstrecke in 15 Sekunden 9–10 x

Bei 500 m Schwänzelstrecke in 15 Sekunden 6x

Bei 1.000 m Schwänzelstrecke in 15 Sekunden 4–5 x

Bei 5.000 m Schwänzelstrecke in 15 Sekunden 2x

Zur besseren Orientierung tanzt die „Vortänzerin“ auf der Wabe eine Acht. Beim
Mittelteil rüttelt sie kräftig mit dem Hinterleib. Die Richtung wird auf der senkrech-
INFO
ten Wabe mit dem Start nach Oben- Richtung Sonne getanzt. Weitere Bienen folgen
ihr beim Tanz und so erhalten sie alle wichtigen Informationen. Auf dem Kopf befin-
den sich neben den Facettenaugen auch drei Punktaugen, mit denen die Biene pola-
risiertes Licht wahrnehmen kann. Das hilft ihr z.B. bei bedecktem Himmel, den Stand
der Sonne zu bestimmen. Die Biene tanzt den Moment, den ihre Kolleginnen vorfin-
den, wenn sie zum Flugloch ausfliegen. Wichtig ist hier der Stand der Sonne. Wenn
eine Biene im Stock z.B. senkrecht nach oben tanzt und dann die Acht tanzt, so muss
die Biene, die ausfliegt, senkrecht auf die Sonne zufliegen. Liegt z.B. der Apfelbaum
links vom Sonnenstand, so wird der Mittelteil der Acht im entsprechenden Winkel
gesetzt. Beim Tanzen kann die Biene den weiteren Verlauf des Sonnenstandes mit
einberechnen. Die Entfernung vom Stock zur Futterquelle wird durch den Schwän-
zeltanz bei Windstille dargestellt. Bei Rückenwind kann es schneller, bei Gegenwind
langsamer gehen. Bienen, die im Stock tanzen, führen zudem rund um das neue Ziel
zusätzlich sogenannte „Brauseflüge“ auf. Dabei markieren sie den neuen Zielort mit
einem bieneneigenen Duft (Geraniol), der aus einer Drüse am Hinterleib (Nassanov-
Drüse) stammt.
24
8.3 Schwärmen

Der Entwicklungshöhepunkt des Bien ist im Mai/Juni erreicht. Das Volk teilt und ver-
mehrt sich somit. Die alte Königin verlässt mit etwa der Hälfte der Bienen den Stock,
bevor die erste Prinzessin schlüpft. Sie suchen sich dann eine neue Nisthöhle. Diesen
Vorgang nennt man „Schwärmen“.

Für beide Teile bestehen Chancen und Gefahren. Die alte Königin steht mit der
Hälfte des Volkes vor der Aufgabe, in kurzer Zeit ein neue geeignete Behausung
zu finden. Die Arbeiterinnen, die mit ausschwärmen, werden biologisch gesehen
schon auf das Ereignis vorbereitet, indem sie einen stark ausgeprägten Bautrieb
entwickeln, um in kurzer Zeit neue Waben bauen zu können. Sie füllen am Tag des
Schwärmens ihren Honigmagen mit insgesamt etwa ein Kilogramm Honig als Weg-
zehrung auf. Danach stürzen sie auf ein Signal hin aus dem Bienenstock und reißen
die alte Königin mit. In der Nähe z.B. an einem Ast sammelt sich der Schwarm zu
einer etwa fußballgroßen, zapfenförmigen Traube. Nun werden Kundschafterinnen
entsendet, die geeignete Nisthöhlen suchen sollen. Sie teilen ihren Schwestern ihre
Fundstellen mit dem Schwänzeltanz mit. Diese Fundstellen werden von anderen
Bienen besucht und untersucht. In einer Art demokratischem Prozess entschei-
den sich die Arbeiterinnen für ihr neues Zuhause. Gemeinsam ziehen sie dann
los. Nach neuen Forschungsergebnissen, ist die hier getroffene Entscheidung
eine sehr gute Wahl.

Das Volk, das mit der neuen Königin im


alten Stock zurückbleibt, hat zwar einige
Vorräte, Brut und ein sicheres Zuhause –
es ist aber ungewiss, ob der Hochzeits-
flug der neuen Königin erfolgreich
sein wird und sie zum Volk zu-
rückkehrt. Daher gibt es auch in
diesem Volk ein Risiko.

Schwärmen oder nicht


schwärmen – das ist hier
die Frage

Bei der wesensgemäßen Bienenhal-


tung geht man davon aus, dass Völker,
denen man die Möglichkeit des Schwär-
INFO
mens gibt, gesünder und widerstandsfä-
higer sind. Bienen, die schwärmen, haben
keinen Bienenstock mit Vorräten und Brut zu verteidigen. Daher sind sie in der Regel
sehr friedlich. Viele der Schwärme überleben aber in unserer aufgeräumten Natur
nicht, da sie entweder keine geeignete Höhle finden oder es im Sommer nicht mehr
genug blühende Pflanzen gibt (leere abgeerntete Felder). Daher nehmen Imker
Schwärme in ihre Obhut und füttern diese. Dies geht auch indem man das Volk kurz
vor dem Schwärmen teilt.

25
9. VON SCHWÄRMEN UND FORSCHERN

9.1 Bruder Adam und die Buckfastbienen

Am 3. August 1898 wurde Karl Kehrle als Sohn eines Müllers in


Mittelbiberach geboren. Da er ein eher krankheitsanfälliges und
schwaches Kind war, wurde er mit elf Jahren 1910 in das Benedik-
tinerkloster Buckfast in Südengland gebracht. Der als Bruder Adam
in das Kloster eingetretene Junge wurde der Klosterküche und so-
mit auch der Klosterimkerei zugewiesen. Die einheimische Schwar-
ze Biene (Apis mellifera mellifera) wurde 1913 durch die Milben-
seuche (Tracheenmilbe) enorm geschädigt. Das Bienensterben
raffte von den 46 klostereigenen Bienenvölkern alle einheimischen
Bienen dahin. Nur 16 Kärntner Bienen (Apis mellifera carnica) bzw.
italienische Bienen (Apis mellifera ligustica)-Anpaarungen über-
lebten. 1919 übernimmt er die Klosterimkerei, eignet sich Fachwis-
sen an und tauscht sich mit Fachleuten aus. Er züchtet mit seiner
Buckfast eine eigenständige Bienenrasse. Für diese Leistung wurde
er 1973 durch die Königin von England zum „Officer of the Most
Excellent Order of the British Empire (O.B.E) ernannt. 1974 wurde
ihm das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland
verliehen. Die Buckfastbienen werden inzwischen in 21 Ländern
weitergezüchtet. Zuchtziele* sind u.a. Fruchtbarkeit, Sammeltrieb,
Krankheitsfestigkeit, Schwarmträgheit, Langlebigkeit, Wetter- und
Winterfestigkeit, Bautrieb, Sanftmütigkeit und Putztrieb. Wirtschaftlich gesehen
vereinen sie die positiven Eigenschaften der Honigbienen.

*dies gilt auch für alle anderen in Deutschland gehaltenen Bienenrassen

9.2 Wohnungssuche bei den Bienen


Mitschrieb Mellifera e.V. Fachtagung mit Thomas D. Seeley u.a.
vom 22.–24.7.2016 in Rosenfeld (siehe auch 9.3, 9.4, 11.1, 11.2)

Lange Zeit dachte man, dass Bienen über ihren Tanz anderen Bienen „nur“ Infor-
mationen über Pollen, Nektar und Propolis (klebriger Kitharz, mit dem z.B. Bäume
ihre Knospen überziehen und somit schützen) übermitteln. Bei kurzen Entfernungen
teilen sie dies in einem Rundtanz mit, bei größeren Entfernungen über den Schwän-
INFO
zeltanz. Ab einer Distanz von etwa 5.000 Meter lohnt sich der Aufwand für eine Bie-
ne nicht mehr (Feinde und Energieverbauch). 1945 entdeckte ein Forscher ­namens
Lindauer durch genaue Beobachtung, dass Bienen auch mögliche Standorte für ein
neues Zuhause durch einen Tanz darstellen. Im Frühjahr legt eine Bienenkönigin
viele Eier und das Volk wächst an. Irgendwann wird es dem Volk zu eng und bei
einem Teil des Bienenvolkes werden über Botenstoffe alte Fähigkeiten (z.B. bei einer
Sammelbiene die Fähigkeit Wachs auszuschwitzen) reaktiviert. Sobald ein neuer
Standort gefunden wurde, müssen viele Bienen sehr schnell Waben bauen, um Fut-
ter für den Winter und Zellen für die Aufzucht neuer Bienen herstellen zu können.
Das Volk teilt sich und fliegt vor dem Schlüpfen der neuen Königinnen mit der alten
Königin aus dem Stock heraus. Bisher hatte die Königin Eier gelegt und ihr Volk über
Duftstoffe, die im Stock verteilt wurden, gelenkt. Der Duft signalisierte dem Bienen-
volk, dass alles in Ordnung ist und unterdrückte die Entwicklung der Eierstöcke bei
den Arbeiterinnen. Nur am Anfang ihres Lebens hat sie den Stock beim Hochzeits-
flug verlassen. Um nun wieder fliegen zu können, wurde sie auf „Diät“ gesetzt.

26
Die Arbeiterinnen nehmen etwas Honig im Honigmagen mit und versammeln sich
um die Königin herum in der Nähe des Bienenstocks und bilden so eine Schwarm-
traube. Da sie keine Vorräte und kein „Zuhause“ verteidigen müssen, sind sie meist
sehr friedlich. Nun werden Spurbienen losgeschickt. Ihre Aufgabe besteht darin, ein
neues Heim für das Bienenvolk zu finden. Es sollte genug Platz für alle bieten – aber
nur durch einen kleinen Eingang zugänglich sein, damit Feinde (Buntspecht, Mäuse,
Marder, Bären) nicht hineingelangen. Feinde haben es teilweise auf den Honig –
aber vor allem auf die eiweißreiche Brut abgesehen. Doch wer entscheidet in dieser
Schwarmtraube, welche Behausung die besten Überlebensmöglichkeiten bietet?
Die Königin? Die Spurbienen oder das ganze Volk?

9.3 Martin Landauer und die Bienen

Der Zoologe Martin Landauer war 1945 auf dem Gelände der Universität München
unterwegs. Zu dieser Zeit war dieses Gebiet nach den Bombenangriffen im zweiten
Weltkrieg ein großes Trümmerfeld. Hier entdeckte er eine Schwarmtraube. Einige
Bienen tanzten auf dem Schwarm, gaben aber weder Pollen noch Nektar weiter.
Dafür waren einige Tänzerinnen schmutzig, einige schwarz, andere rot oder mit
Mörtel behaftet. Er nahm eine und roch am Flügel. Der Geruch erinnerte ihn an
einen Schornstein und so verfolgte er den Schwarm. Nach einer gewissen Zeit kamen
alle Spurbienen aus einer Richtung. Als der Schwarm in diese Richtung aufbrach,
folgte er ihnen durch die Trümmerlandschaft in München. Heute wäre dies nicht
mehr möglich, da dort sechsstöckige Häuser stehen. Dies war die schönste Entde-
ckung seines Lebens. Er hat aber nicht herausgefunden, wie die Entscheidungs­
findung im Schwarm verläuft.

9.4 Thomas D. Seeley und die wilden Schwärme

1955 fing Thomas D. Seeley mit der Erforschung des Phänomens an. Hierzu
benötigte er einen Stuhl, Bleistift, Papier, eine Stoppuhr und Malmaterial,
um Bienen zu kennzeichnen. Ein Schwarm besteht aus etwa
10.000 Arbeiterinnen und einer Königin. Nur etwa drei
Prozent der Arbeiterinnen im Schwarm sind Spurbienen.
Spurbienen sind meist die ältesten Sammelbienen,
deren Gehirne vorher besonders aktiviert werden.
Von außen kann man aber nicht erkennen, welche
INFO
der Bienen nun Spurbienen sind. Eine Spurbiene
besucht und tanzt immer nur einen Ort. Also
bepunktete Seeley 4.000 Bienchen. Hierzu wur-
den Nummern von eins bis fünfhundert in acht
verschiedenen Farben verwendet. Die Königin
wurde in einem Käfig auf einem Brett befestigt.
Das Schwarmvolk versammelte sich um sie. Die
Bienen tanzten drei Tage, bis sie abhoben und sich
auf den Weg zu einem neuen Zuhause machten.
Eine Kamera dokumentierte zuvor:

• Wer tanzt?
• Wie lange sie tanzen?
• Wie viele Runden getanzt wurden?
• Und in welche Richtung der Tanz deutete?

27
Wohnraum für eine Familie mit 1.000 Mitbewohnerinnen gesucht und gefunden
In einem robusten lebenden Ahornbaum wurde das Einflugloch in fünf Meter Höhe
gefunden. Es war 15 Quadratzentimeter groß und das Volumen der Höhle betrug
etwa 40 Liter.

Die Forscher wollten mehr darüber erfahren, welche Behausungen bei den wilden
Schwärmen besonders beliebt sind. Wenn Bienen sich also ein neues Zuhause aus-
suchen könnten- wie sollte die Größe und Lage der Wohnung sein? Hierzu wurde
folgender Versuch durchgeführt:

Es wurden 252 Boxen mit unterschiedlichem Volumen und unterschiedlich großem


Einflugloch aufgestellt. Ergebnis: Besonders beliebt ist eine Raumgröße von
90 ­Quadratzentimeter mit einem Einflugloch von 15 Quadratzentimeter. Zehn
Liter Volumen war zu klein, 100 Liter zu groß. Besonders gern bezogen sie Räume,
in denen es noch Waben gab.

Wie geht eine Spurbiene bei ihrer Suche vor?


Spurbienen fliegen hoch und runter und suchen nach dunklen Öffnungen. Sie
brauchen 30 – 40 Minuten, um sich eine mögliche Behausung in Ruhe anzuschauen.
Sie gehen eine Minute rein, dann wieder raus, wieder rein... Sie bewertet das
Volumen und andere Faktoren. Danach fliegt sie zurück und tanzt auf der Schwarm­
oberfläche. Andere Spurbienen haben eventuell keine Höhle gefunden und sehen
der Tänzerin interessiert zu. Nicht alle sind aktiv und interessiert.

Wie funktioniert das mit den Spurbienen und einer neuen Behausung?
Beispiel: Eine Spurbiene hat einen neuen Standort gefunden. Sie kommt zur
Schwarmtraube und tanzt diesen Ort. Je nachdem, wie überzeugt sie von den
Eigenschaften des neuen Ortes ist, tanzt sie mehr oder weniger begeistert. Ein
starker Schwänzeltanz spricht für die Qualität der neuen Behausung. Die Spurbienen
möchten andere überzeugen, auch für dieses Ziel zu tanzen. Sie fliegt nicht zu
anderen Fundorten, um deren Eignung mit ihrem Fund zu vergleichen! Viele Bienen
sind noch unentschieden und warten ab, denn das Interesse und die Tanzbegeiste-
rung lässt bei den Spurbienen automatisch nach- besonders bei einem „schlechten“
Fund. Die Bienen sehen den Tänzerinnen nicht von oben zu, sie gehen hin und sehen
eher, wie viele Bienen mittanzen. Je begeisterter die Spurbiene von ihrem Fund ist,
desto mehr andere Bienen kann sie mit der Zeit zum mittanzen anregen. Ausschlag-
gebend ist die Mehrheit. Es ist noch unklar, ob Duftstoffe weitergegeben werden
und wann das Quantum erreicht ist, um eine Entscheidung zu treffen. INFO
Beispiel: Biene A tanzt in der ersten Tanzrunde 90 Runden. Sie ist begeistert und
möchte, dass alle Bienen mitkommen. Sie fliegt zurück zum Ort und kommt zehn
Minuten später wieder. Nun tanzt sie nur noch 75 Runden und fliegt wieder zurück
zum Fund. Danach tanzt sie nur noch 60 Runden. Nach mehreren Stunden sinkt das
Interesse, bis sie nicht mehr zum Fundort fliegt. Biene B hat den Ort etwa 100 Bienen
gezeigt und fliegt zurück zum Schwarm. Das Verhalten der Bienen ändert sich.
Eine Entscheidung wurde getroffen. Nun müssen sich die Bienen auf den Flug vor­
bereiten. Dafür lassen alle vom „Gewinnerort“ ein besonderes Signal ertönen.
Mit den Flügeln wird ein besonderer Ton erzeugt. Die Flugmuskulatur wird aufge-
wärmt und die Flügel schlagen nun 250mal in der Sekunde. Im Thermobild erkennt
man den Temperaturanstieg innerhalb von 15 Minuten. Unser Ohr nimmt einen
Pieplaut wahr, der 15 Minuten bis eine Minute vor Abflug zu hören ist. Wird auf
den Schwarm Wasser gerieselt, verzögert sich der Abflug etwas. Es ist wichtig, in
welchem Stadium ein Schwarm gefangen wird. Wenn die Bienen während der

28
Piepphase eingefangen und umgesiedelt werden, dann möchten die Spurbiene
ihre Arbeit weiterführen und den Schwarm erneut zu dem neuen Heim führen.
Den Pieplaut können Imker sich inzwischen über eine App übermittelt lassen. Wenn
in einem Schwarmvolk alle Bienen bereit sind, hört der Piepton irgendwann auf,
dann ertönt ein Schwirrlaut. Diesen können wir hören. Für die Bienen ist es eine
besondere Vibration. Das Volk möchte die Königin beim Flug mitnehmen. Der
Schwarm fliegt erst langsam, wird dann schneller, erreicht einen Peak und bremst
etwa 60–90 Meter vor dem neuen Zuhause ab. Dies dauerte in den Versuchen unter
15 Minuten.

Gibt es visuelle Lotsen oder wird ein Sammelhormon aus einer Drüse gesterzelt?
Versuch: Sechs Bienen sterzeln, drei mit Versiegelung, drei ohne – kaum ein Unter-
schied. (Beim sterzeln richtet die Biene vor dem Flugloch den Hinterleib auf und gibt
aus einer Duftfalte Signalstoffe ab, die sie zusätzlich durch Flügelschwirren in der
Umgebung verteilt).

Wie lange braucht es, bis sie einziehen?


Mit der Drüse wird nicht gelotst. Das Flugloch finden Bienen jedoch mit Pheromon-
markierung in neun Minuten, ohne Markierung aber erst nach 20 Minuten. Die
Orientierung im Flug erfolgt visuell. Die schnellsten Bienen fliegen oben im
Schwarm. Diese lotsen wahrscheinlich den Schwarm.

INFO

29
10. BEUTESYSTEME

Je nach Region und Zeit wurden sehr viele verschiedene Systeme entwickelt,
um Bienen zu halten.

Die ersten Systeme wurden dem hohlen Baum nachempfunden.


Danach entwickelten sich für den Imker praktische Systeme am
Boden, die je nach Bedarf mit neuen Aufstecksystemen erweitert
werden konnten (Magazinbeuten). So hat das Bienenvolk mehr
Platz zum Einlagern von Honig.

INFO

30
10.1 Top Bar Hive

Der Name kommt von der Art, wie hier die Waben im Kasten hängen. Sie werden
von den Bienen an eine Holzleiste (Top Bar) gebaut, die mit der Wabe herausgenom-
men werden kann. So kann man trotz Naturbau immer das gesamte Geschehen im
Bienenvolk sehen und dieses den Schüler*innen zeigen. Auch Jungvölker lassen sich
so einfach bilden. Die Varroabehandlung z.B. mit einem mit Ameisensäure getränk-
ten Schwammtuch von oben oder das Träufeln von Oxalsäure sind möglich. Honig-
waben können einzeln entnommen werden. Unter Umständen kann man die mit
Honig gefüllten Waben sogar schleudern. Presshonig ist natürlich auch möglich.

Die Top Bar Hive steht meist auf eigenen Füßen. In Afrika, wo die Idee dieser Beute
herkommt, wird sie auch an starke Äste in Bäume gehängt. Sie ist sehr empfehlens-
wert, wenn man die wesensgemäße Bienenhaltung (z.B. Naturbau) mit den Anfor-
derungen der Varroabekämpfung und Sichtbarkeit von biologischen Vorgängen im
Bienenvolk (Larvenstadien, Königin...) kombinieren will. Sie ist einfach herzustellen,
Bauanleitungen sind im Internet verfügbar. Im Imkereihandel ist sie neuerdings auch
erhältlich, z.B. Bergwinkel Werkstätten. Große Honigernten sind mit ihr allerdings
nicht zu erwarten.

Info
Wer in der Nähe von Karlsruhe wohnt kann von Marc Lafontaine „Home-Hive“
Bienenvölker mieten. Die Völker werden angeliefert und abgeholt. Es ist eine
monatliche Miete je nach Entfernung zu entrichten. Dafür gibt es eine fachkundige
Beratung. www.bievital.com

INFO

31
11. VERSCHIEDENE TRADITIONELLE ­
BEWIRTSCHAFTUNGSFORMEN

11.1. Schwarmimkerei in East-Afrika


swarm beekeeping

In Ostafrika gibt es sogenannte Fluchtschwärme. Bienen fliehen am selben oder am


nächsten Tag, wenn das Volk z.B. durch Honigernte, Schädlinge oder Krankheiten
gestört wurde. Dabei bleibt die Brut zurück und damit auch etliche Krankheitser-
reger. Die im Futter oder Haarkleid von den Bienen mitgetragenen Sporen werden
im neuen (leeren) Nest durch den Naturwabenbau verbaut und somit unschädlich
gemacht. Daher ist es gut, keine Mittelwände einzufügen, denn das unterbricht die
Selbstheilungskraft der Biene! Die Bienen wählen auch hier eine große Höhe, damit
keine Tiere wie z.B. Ameisen ins Nest kommen. Kranke Bienen schaffen es nicht,
zurück ins hoch gelegene Nest zu fliegen. Zwischen den Völkern besteht dort ein
Abstand von etwa einem Kilometer. So gibt es in den Völkern zwar Varroamilben
und amerikanische Faulbrut- die Bienen sind aber nicht krank. Pharmaunterneh-
men aus den USA und Europa beraten Imker in Afrika aber nun dort auch, so wie
in Europa und den USA zu imkern, obwohl wir hier trotz intensiver Behandlung der
Völker keine Fortschritte der durch Varroamilben übertragenen Erkrankungen und
Belastungen aufweisen können. In Deutschland hat man 1978 mit der Varroamilben-
behandlung angefangen. Aus heutiger Sicht sehen dies Fachleute als Fehler an.

INFO

32
11.2 Beehunting

Mitschrieb Mellifera e.V. Fachtagung „Schwarmintelligenz,


Waldbienen und Varroatoleranz“ mit Thomas D. Seeley
vom 22.–24.7.2016 in Rosenfeld

Wie findet man die Beetrees?


Man fängt sie von Blumen und füllt Waben mit
Zuckerwasser.

Man benötigt eine kleine Kiste mit zwei Kammern, einem Schieber
und einem Fenster. Die Wabe sollte fünf mal fünf Zentimeter mes-
sen. Eine Mischung aus 60 Prozent Zucker und 40 Prozent Wasser wird
mit etwas Anisextrakt gelöst und mit einer Pipette in die Waben
getropft. Diese Wabe legt man in die Vorkammer der Box.

Nun sammelt man fünf bis zehn Bienen von Blüten ab. Das Fenster wird geöffnet
und der Schieber geöffnet. Die Bienen entdecken nun die Lockwabe. Sie bleiben
fünf Minuten mit der Lockwabe in einem Raum.

Wenn die Kiste geöffnet wird, drehen viele Bienen sofort um, merken sich den
Standort und fliegen heim. Dann kommen sie zurück, wenn in der Umgebung nicht
ein noch verlockenderes Angebot besteht. Dann kommen mehrere Bienen. Die Spur-
bienen werden nun farblich markiert wie eine Königin. Mit einem Notizbuch wird
alles festgehalten, in welche Richtung die Bienen abfliegen. Außerdem sollte notiert
werden, wie lange die Bienen wegbleiben (dies sagt etwas über die Entfernung zum
Nest aus). Man rechnet zwei Minuten für die Tracht und zwei Minuten für den Flug.

Kehrt die Biene

• nach vier Minuten zurück, so ist das Nest in der Nähe.


• kehrt sie nach fünf bis neun Minuten zurück, so ist das Nest unter
zwei Kilometer entfernt.
• kehrt sie nach zehn bis 15 Minuten zurück, so ist das Nest über
zwei Kilometer entfernt – aber auffindbar.

Die Bienen werden mit der Lockwabe in der Vorkammer eingeschlossen, dann
bewegt man sich mit dem Kästchen in Flugrichtung der Bienen. Jede Biene hat
nach seiner Erfahrung eine andere Persönlichkeit. Seit den Experimenten hat er
einen anderen Bezug zu ihnen.
INFO
1978 hatte er sein erstes Baumbienenvolk entdeckt. Ein Volk braucht nach seinen
Forschungsergebnissen einen Quadratkilometer, zwischen den Völkern sollten
58 Meter Abstand liegen. Die Baumhöhlen werden bevorzugt in 9,8 Metern Höhe
bezogen. In den USA wurde keine bevorzugte Baumart festgestellt. Es wurden
Eschen, Eichen, aber auch Nadelgehölze bezogen.

In Europa gibt es auch Bären. In den USA finden Schwarzbären die Bienen in dieser
Höhe erst spät. Sie riechen nicht gut, sie sehen nicht gut – daher ist die Höhe von
fast zehn Metern sicher für Bienen. Wenn der Wind einen Baum umfallen lässt,
versuchen die Bären z.B. eine Roteiche zu öffnen. Das Flugloch hat in der Regel nur
einen Durchmesser von 5,2 Zentimeter, die Höhle fasst aber durchschnittlich 45 Liter
und ist eng, schlank und hoch. Es wurden Behausungen mit 30-60 Liter gefunden.
Der Boden war voll mit Propolis und Baumharz. Die Zellengröße im Brutnest betrug
5,35 Millimeter. Die Zellengröße von Wand zu Wand betrug 5,4 Millimeter.

33
Zusammenfassung
• Die Nester lagen weit auseinander
• Die Kolonien sind klein
• Die Nester sind klein und schmal
• Cavity walls and floors sind mit Propolis und Baumharz ausgekleidet
• Die Brutzellen haben eine normale Größe

Bei einer Begutachtung von Waldstücken wurden eher Nester in niedriger Höhe
entdeckt, da man bodennah unterwegs ist und die „höheren“ im Wald schlecht
entdeckt.

Im Sommer 1994 gab es in den USA eine Völkersterblichkeit von 90 Prozent.


Im Jahr 2000 lag die Vermutung nahe, dass es keine wilden Völker mehr gibt.

1976 neun Völker


50 Prozent der Waldfläche untersucht
18 Völker insgesamt geschätzt

2002 acht Völker


50 Prozent der Waldfläche untersucht
16 Völker insgesamt geschätzt

Sind die wilden Bienen auch von der Varroamilbe befallen?


Hierzu wurde folgende Versuchseinrichtung aufgebaut:

Fünf Lockbeuten wurden in den Bäumen aufgestellt

Dei Schwärme untersucht

Ergebnis
Ja, alle drei Völker hatten Varroamilben.

Nebenbei
Ein Schwarzbär entdeckte die in den Bäumen auf einem Brett in einer Astgabelung
montierten Lockbeuten und lernte, sie auszuräubern. Seither werden Lockbeuten
dort nur noch an Seilen an einem langen Ast befestigt.

INFO
Berechnung
Von den etablierten wilden Bienenvölkern sterben etwa 20 Prozent, von den
Schwarmvölkern sterben etwa 80 Prozent – aber 20 Prozent überleben den ersten
Winter. Wenn der Schwarm erst im Juni/Juli/August unterwegs ist, bleibt weniger
Zeit für die Einla­gerung der Wintervorräte. Im Mai geschwärmte Völker haben
bessere Überlebens­chancen.

34
11.3 Zeidlerei – Alte Tradition neu entdeckt

Das Wort zeiteln kommt vom lateinischen „excidere“ („herausschneiden“) über


das altdeutsche „zeideln“ („Honig schneiden“). In Russland hat die Zeidlerei eine
ununterbrochene 500 Jahre lange Tradition. Noch heute werden im Reservat über
100 Bienenvölker in Bäumen gehalten. Der Zar hatte diese Haltungsform verboten,
in den Regionen haben sich die Menschen jedoch nicht daran gehalten.

Mit Kettensäge und Handarbeit wird ein 32 Zentimeter breiter und ein Meter hoher
Schnitt in den Baum gesetzt. Die beiden Schnitte werden über Kreuz gesetzt und
in der Mitte einige Schnitte gerade gesetzt. Per Handarbeit wird der Baum ausge-
höhlt. Der zuvor ausgesägte Bereich kann nicht wieder verwendet werden, da die
Kettensäge zu viel Holz wegnimmt und der „Deckel“ so nicht dicht genug wäre.
Es entstehen zwei Teile (Zwei Drittel oben, Ein Drittel unterer Bereich). Holznägel
werden von unten nach oben eingeschlagen. Für das Einflugloch wird ein Quadrat
ausgeschnitten und ein zehn Zentimeter großer Holzkeil wird wieder eingesetzt
(so passen nur noch Bienen durch). Hintergrund: Die Bienen bauen oben einen
kleinen Bereich aus, um Honig einzulagern, der im Winter von ihnen verbraucht
wird. Darunter kommt der Brutraum und darunter befindet sich der Raum, in dem
die Bienen Honig einlagern, den der Zeidler entnehmen kann. Dazu löst er erst das
Seil um die Holznägel, dann die mit Reisig verkleidete Abdeckung sowie die extra
zugesägte Abdeckplatte und die Wachsstreifen. Die polnischen Kollegen haben
eine besondere Klettertechnik, um an die Bienenvölker im Baum zu gelangen. In
Deutschland wurde in Rosenfeld ein Zeidlerkurs angeboten. Hierzu wurden Bäume
mit einem Durchmesser von 80 Zentimeter ausgewählt und ein Gerüst zur Bearbei-
tung der Bäume aufgebaut. In Rosenfeld waren polnische Kollegen zu Besuch.
In alle Bäume sind im ersten Jahr Schwärme eingezogen.

Weitere Infos: www.tree-beekeeping.org

INFO

35
11.4 Naturreservat Shulgan Tash – Russland

Zum Gebiet: Auf einer Fläche von 225 Quadratkilometern findet eine natürliche
Schwarmbesiedlung statt. 98 Prozent der Wälder sind alt, nur zwei Prozent bilden
offene Flächen. Pro Hektar sind viele Bäume, die als Zeidlerbäume in Frage kämen.
Es gab wenig erfolgreiche Versuche mit natürlichen Höhlen zu arbeiten. 90 Prozent
der Fläche sind Nationalpark. Hier befinden sich 30 Prozent aller weltweit wach-
senden Linden. Dies ist der beste Baum für Bienen. Es gibt neben 800 Wildvölker
auch 3.000 andere Völker (1:3 Verhältnis). Der Hochzeitsflug findet 16 Kilometer
von zu Hause entfernt statt. Im Nationalpark gibt es dunkle Bienen. Vor Ort gibt es
aber Angst vor einer Durchmischung mit kommerziell genutzten Bienen. Die Völker
kamen am Anfang nach einer Durchmischung damit gut klar. Aber mit einer neuen
­Königin ging die Leistung zurück. Wirtschaftsvölker können Wildvölker hybridisie-
ren. Die Verbreitung der Hybridisierung schätzt er mit zehn Kilometern pro Jahr.
Früher hatten zwei bis drei Prozent Prozent der Völker ein Problem mit Kreuzungen.
Nach 20 Jahren wurde der Straßenbau intensiviert und so sind heute etwa neun
bis14 Prozent Durchkreuzung zu verzeichnen. Es wurde ein Gesetz zum regionalen
Schutz erlassen. Es wirkte aber nicht wie gewünscht. So sind sie einen eigenen Weg
gegangen und haben mit der UNESCO kooperiert. Nun bekommen private Zeidler
gezüchtete Königinnen. Mit alten Werkzeugen werden 600 Zeidlerbäume bearbeitet
und der Zeidlerhonig achtmal so teuer verkauft wie normaler Schleuderhonig.
Der Schleuderhonig wird zu einem Preis von sieben Euro pro Kilogramm, der
Zeidlerhonig für etwa 50 Euro pro Kilogramm verkauft.

Der Durchmesser der Bäume beträgt durchschnittlich 80 Zentimeter. Er rechnet mit


einem Bienenvolk pro Quadratkilometer. Sechs Jahrzehnte schwankte die Zahl der
Völker dauernd, es gab eine Sterblichkeitsquote von 36 Prozent. Grund dafür waren
Bären, Frost, Krankheiten, Marder, Specht und Ameisen. Vor 37 Jahren trat die Var-
roamilbe erstmals auf. Fünf Jahre lang war die Sterblichkeit sehr groß und es
gab wenige Schwärme.

Für Zeidlerbäume werden oft die Kronen zurückgeschnitten um ein Dickenwachs-


tum zu fördern. Einen Ast lässt man stehen. Im Ural werden häufig Kiefernbäume
als Zeidlerbäume verwendet. Diese sind oft 180 Jahre alt. Der Opa richtet ihn für
den Enkel her. Mit 250 Jahren ist er „reif“ für die Zeidlerei. Dann ist die Rinde noch
lebendig- innen ist er aber abgestorben und das Holz dient nur der Statik. So lässt
er sich gut aushöhlen. Dabei werden unter 10 Prozent beschädigt. Dies hat keine
große Auswirkung auf den Baum. Er hält trotz Aushöhlung starke Winde aus. Ein
Bruch über der Aushöhlung ist wahrscheinlicher als
ein Bruch im Bereich der Höhle. Der Baum kann bis
zu 150 Jahre genutzt werden. Die Familien der
INFO
ethnischen Völker vor Ort markieren ihn oft mit
einem besonderen Zeichen.

36
12. GRÜNDUNG EINER IMKER AG

Für die Gründung einer Imker AG muss sich die Lehrkraft oder der Jugendbegleiter
grundlegende Kenntnisse über Bienen und Imkerei aneignen. In manchen Schulen ist
der Hausmeister*in, Elternbeiratsvorsitzender oder Kollege*in Imker*in und sollte in
die Planungen einbezogen werden.

Die örtlichen Imker Vereine vermitteln zudem oft Paten, die einen beim Start
tatkräftig mit Rat und Tat unterstützen. In Baden-Württemberg gibt es zwei Imker-
verbände. Über beide Verbände werden Schulungen angeboten. Außerdem bietet
Mellifera Intensivschulungen in der Fischermühle an. Mellifera setzt sich für eine
wesensgemäße Bienenhaltung ein und hat das bundesweite Projekt „Bienen machen
Schule“ ins Leben gerufen. Auf der Internetseite findet man Ansprechpartner in der
eigenen Region.

Badischer Imkerverband: www.badische-imker.de

Württembergischer Imkerverband: www.lvwi.de

Mellifera: www.mellifera.de/

Bienen machen Schule: www.bienen-schule.de

Die Imker AG
Sie kann entweder jahrgangsübergreifend oder mit Lehrplanbezug angeboten
werden. Eine mit Honig gefüllte Wabe oder ein Kasten kann sehr schwer werden.
Einige Imker AG´s arbeiten daher lieber mit kleineren Halbzargen. Eine Gruppen­
größe von maximal acht Teilnehmern bei den Bienen hat sich bewährt. Dadurch
ist am Bienenstand eine individuelle Betreuung möglich.

INFO

37
12.1 Standort

Die Versorgung des Bienenvolkes mit Nektar und Pollen ist überlebenswichtig. Ist
diese „Tracht“ zu weit entfernt oder nur z.B. über Raps eine kurze Zeit verfügbar,
so ist der Standort nicht gut geeignet. Bienen sammeln etwa in einem Umkreis bis
zu drei Kilometern. Der Imker wird seine eigenen Bienen im eigenen Garten kaum
zu Gesicht bekommen, da die Bienen erst einmal ein Stück fliegen, bevor sie mit dem
sammeln beginnen. Der Standort der Bienen sollte in der Nähe der Schule sein. Dies
kann entweder auf dem Schulgelände oder in einem nahegelegenen Grundstück
sein. Die Bienen brauchen einen trockenen, sonnigen und
etwas windgeschützten Standort. Die Fluglöcher sollten
in Richtung Süden, Südosten oder Südwesten zeigen. In
der Nähe braucht es zudem eine Wasserquelle. Bevor
ein Bienenstand aufgebaut wird, empfiehlt es sich mit
den Nachbarn in Kontakt zu treten und sie über das
Vorhaben zu informieren.

Zum Nachbargrundstück sollte ein Abstand einge-


halten werden, um mögliche Konflikte zu vermeiden.
Eine Hecke, die etwa fünf Meter rund um den Standort
entfernt steht, veranlasst die Bienen hochzufliegen und
kann dazu beitragen, Konflikte mit den Nachbarn zu ver-
meiden. Es gibt jedoch keine gesetzliche Regelung dazu.

12.2 Raumbedarf

Eine Imker AG braucht zum einen Platz für das


Aufstellen der Bienenstöcke. Außerdem bietet sich
die Anlage eines Bienengartens mit einer kleinen
„Wassertankstelle“ an. Da Bienen nicht direkt im
Nahbereich des Bienenstockes sammeln, kann diese
Fläche auch an einem anderen Platz im Schulgelände
eingerichtet werden.

Für handwerkliche Tätigkeiten sollte die Imker AG ab und zu


den Werkraum nutzen dürfen. Außerdem wird zum Schleudern des Honigs
ein Raum benötigt, der sauber ist und den man auch wieder sauber machen kann
(z.B. Schulküche). Da einige Materialien gelagert werden müssen, sollte es eine Art
INFO
Abstellraum geben. Neben den Imkeranzügen, Handschuhen und geschlossenem
Schuhwerk braucht es auch Platz für Bienenkästen, Sonnenwachsschmelzer und
Arbeitsgeräte. Eine Honigschleuder kann eventuell vom Imkerverein vor Ort aus­
geliehen oder an einem Lehrbienenstand benutzt werden.

38
12.3 Zeitaufwand

Pro Jahr rechnet man mit einem Zeitaufwand von etwa einer Doppelstunde in der
Woche. Durchschnittlich besuchen gut organisierte Imker*innen ihre Völker etwa
30 Mal im Jahr. Neuimker*innen schauen noch öfter nach ihren Völkern, da sie die
Königin sehen wollen (und dabei teilweise bei der Suche nach der Königin ebendiese
aus Versehen erdrücken).

Der überwiegende Arbeitseinsatz am Bienenvolk findet im Mai bis Juli statt. Im


Winterhalbjahr (November bis April) gibt es genug Tätigkeiten rund um die Bienen-
haltung (Weiterbildung, handwerkliche Tätigkeiten, Vermarktung der Produkte,
Wachsarbeiten...). Während der Schwarmzeit zwischen Mai und Juni sollte man jede
Woche nach den Bienen schauen. Es gibt aber auch Zeiten, da ist bei den Bienen
sehr wenig zu tun. Vor den Osterferien sollten die Bienen genügend Platz für ihre
Entwicklung haben. Dann kann man die Ferienzeit gut überbrücken. Die Pfingst­
ferien liegen häufig in der Schwarmzeit. Hier ist eine wöchentliche Kontrolle ratsam.
In den Sommerferien sind eigentlich alle wichtigen Arbeiten gelaufen. Es stehen
noch die Fütterung für den Winter und die Varroabehandlung an. Diese erfolgt
meist im August bis Mitte September. Eventuell können aber z.B. beim Füttern
Kollegen oder ältere Schüler aushelfen.

12.4 Meldepflicht

Im § 1a der Bienenseuchenverordnung steht: „Wer Bienen halten will, hat dies


spätestens bei Beginn der Tätigkeit der zuständigen Behörde unter Angabe der
Anzahl der Bienenvölker und ihres Standortes anzuzeigen.“ In den meisten
Bundesländern ist dies die/der zuständige Amtstierärztin/Amtstierarzt im Kreis-
Veterinäramt. Die meisten Imker regeln die Meldung über eine Mitgliedschaft in
einem Imkerverein. Dann sind die Bienen automatisch auch versichert.

In Baden-Württemberg müssen sich nur die nicht im Verein organisierten


Imker*innen bei der Tierseuchenkasse (TSK) anmelden und jährlich ihre Völkerzahl
melden.

Um eine Seuchenausbreitung durch Wanderbewegungen zu vermeiden, müssen


Völker, die von einem Bundesland in ein anderes transportiert werden, eine vom
Amtstierarzt unterschriebene Gesundheitsbescheinigung haben. Diese darf nicht INFO
älter als neun Monate alt sein und muss dem Veterinär bzw. Bienensachverständigen
am neuen Standort vorgelegt werden. Nach § 5 der Bienenseuchenverordnung
muss ein Wanderimker ein Schild mit Namen, Anschrift und Völkerzahl und je nach
Bundesland auch das Gesundheitszeugnis anbringen. In Baden-Württemberg
muss bei jeder Wanderung eine Gesundheitsbescheinigung vorliegen. In Bayern,
Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen oder Rheinland-Pfalz ist dies nicht notwendig,
wenn man innerhalb des Kreises wandert.

39
12.5 Bienenstich

Wer mit Bienen arbeitet, muss mit Bienenstichen rechnen. Ein Schutzanzug kann
helfen, manchmal kommt es aber trotzdem zu einem Stich. Daher sollten die Eltern
der Kinder über das Vorhaben informiert sein. Sie sollten schriftlich bestätigen, dass
bei ihrem Kind keine Bienenstichallergie bekannt ist. Für alle Fälle sollte sich die
Lehrkraft im Vorfeld erkundigen, wo und wie ärztliche Hilfe im Notfall erreicht wer-
den kann. Bienen stechen, wenn sie sich oder ihr Volk in Gefahr sehen. Das kann z.B.
der Fall sein, wenn sie in ein Hosenbein hochkriechen und der Raum so enger wird
oder wenn sie sich in Haaren verheddern. Man kann sich also mit einem Schleier
oder S­ ocken, die über die Hose gezogen werden, schützen. Hektische Bewegungen,
Parfüm, ein nahender Rasenmäher und ein nahendes Gewitter können die B ­ ienen
jedoch in Alarmstimmung versetzen. Wenn eine Biene gestochen hat, werden
­Signalstoffe abgegeben, die andere Bienen auch in Alarmbereitschaft versetzt. Beim
Bienenstich verhakt sich der Stachel in der menschlichen Haut und bleibt hängen.
Wenn die Biene sich entfernt, reißt sie ihren ganzen Stechapparat heraus und diese
große Wunde führt zu ihrem Tod. Der Stechapparat pumpt weiterhin Gift in die
Haut des Menschen. Daher sollte man den Stachel so schnell wie möglich z.B. mit
dem Fingernagel abkratzen. Die Stichstelle kühlen, wenn
sie anschwillt. Bei erfahrenen Imkern, die schon mehr-
fach gestochen wurden, geht die Schwellung schneller
zurück oder tritt gar nicht auf. Neulinge werden zwei
bis drei Tage Schmerzen haben und eine Schwellung
verspüren. Bei Stichen in den Mundraum können
die Atemwege zuschwellen. Hier heißt es, so-
fort bei einem Arzt vorstellig zu werden. In
s­eltenen Fällen können allergische Reaktionen
­erfolgen. Diese treten meist innerhalb von we-
nigen M ­ inuten auf. Bei einem Schockzustand,
­Rötungen und Schwellungen, an von der Ein-
stichstelle entfernten Stellen, Krämpfen, Schwindel
oder starkem Herzklopfen sollte die Person sofort
aus der Nähe der Bienen entfernt werden um weitere
Stiche zu vermeiden. Sofort ärztliche Hilfe anfordern
und sich um den Patienten kümmern.

Stachelapparat

12.6 Ertrag und Kostenaufwand


INFO
Für eine Schülerfirma oder Imker AG macht es Sinn, die möglichen Kosten erst ein-
mal durchzurechnen und zu schauen, ob einige Anschaffungen bezuschusst werden
oder ausgeliehen werden können (z.B. Honigschleuder). Beim Schulträger können
z.B. Sondermittel beantragt werden: In einigen Regionen gibt es einen Zuschuss
über das Landratsamt, die Stadt oder regionale Geldinstitute. Viele empfehlen mit
mindestens zwei Völkern zu starten. Imker*innen in Imkervereinen vor Ort beraten
Interessierte gerne. Einige stellen eventuell auch Ableger zur Verfügung. Bienen
wurden seit langer Zeit auf bestimmte Eigenschaften gezüchtet: Sanftmütigkeit,
hoher Ertrag und kaum Schwärme bilden. Für eine Imker AG sollte ein sanftmütiges
Volk mit Gesundheitszeugnis ausgewählt werden.

40
Einnahmen
Pro Volk und Jahr ist mit etwa 15 Kilogramm Honig
(etwa 30 Gläser) und 750 Gramm Bienenwachs zu
rechnen. Rechnet man für den Honig fünf Euro für
500 Gramm Honig, so wären das bei 30 Gläsern
150 Euro. Abziehen müsste man hier aber noch
den Preis für die Gläser und Etiketten. Der
Wachs wird entweder zu neuen Mittelwän-
den verarbeitet oder zu Kerzen verar-
beitet. Die meisten Imker haben heute
wegen der häufigen Belastung von
fremdem Wachs mit Umweltgiften einen
eigenen Wachskreislauf. Der Verkauf von
Ablegern kann auch etwas Geld einbringen.

Honigproduktion
Ein Absperrgitter verhindert, dass die Königin in
den aufgesetzten Honigraum hochklettert. Es besteht
sonst die Gefahr, dass Brut beim Schleudern des Honigs
mitgeschleudert wird. Wenn Eiweiß in den Honig
kommt, wird dieser schlecht (gärt). Honig wird von
den Bienen immer wieder im Stock umgelagert,
bis er einen geringeren Wassergehalt hat. Dann
wird er von den Bienen in Wachswaben ver-
deckelt und ist so gut haltbar. Ein Rähmchen
kann dann schon einmal zwei Kilogramm
schwer sein. Somit sind die Kisten sehr
schwer und für Schüler bietet es sich an,
mit kleineren Halbzargen zu ­arbeiten.
Bevor Imker*innen Honigwaben zum
Schleudern entnehmen, testet man,
ob nichts heraustropft und ob der
Wassergehalt laut Refraktometer etwa
18 Prozent beträgt.

Um den Honig schleudern zu können, müssen


die Wachsdeckel auf beiden Seiten der Wabe
entdeckelt werden. Die Waben werden dann in
die Honigschleuder gesetzt und ausgeschleudert.
INFO
Dann wird die Wabe um die eigene Achse gedreht
und noch einmal ausgeschleudert. Der Honig sollte
nach dem Schleudern noch einmal gesiebt werden. Er
sollte nie offen gelagert werden, da er Feuchtigkeit und Gerüche (z.B. Heizölduft)
anzieht. Je nach Trachtpflanzen kristallisiert er schneller oder langsamer. Um ihn
cremig zu halten, wird er gerührt. Dem Honig darf nichts zugesetzt werden – auch
keine Geruchsstoffe. Bei der Abfüllung von 500 Gramm gibt es laut Eichgesetz eine
Toleranzgrenze von 3 Prozent (485 Gramm sind also auch ok). Weitere Infos, was
alles auf einem Etikett vermerkt werden muss, findet man zum Beispiel hier:

www.die-honigmacher.de

www.lwg.bayern.de/bienen

41
Ausgaben
Es gibt einmalige Investitionen, Verbrauchsmaterial und jährlich anfallende Kosten.

Jährlich anfallende Kosten:


Neben eventuell anfallenden Fahrtkosten, Telefonkosten und Lohnkosten fallen
auch Kosten für Versicherungen an. Diese sind aber über eine Mitgliedschaft im
örtlichen Imkerverein abgedeckt.

Langfristige Investition:

• Bienenstand ( Kosten etwa 150 Euro pro Bienenvolk)


• Bienenvolk (etwa 50 Euro pro Volk)
• Zwei Kästen mit je drei Zargen, ein Absperrgitter, Fütterungseinrichtung,
30–40 Rähmchen
• Eine Sonnenwachsschmelze
• Vier Honigeimer
• Ein Rähmchenlocher
• Ein Stockmeißel
• Ein Smoker
• Hammer und Zange zum Rähmchenbau
• Wabentrafo
• Imkeranzug mit Schleier und Handschuhen
• Kerzengießformen
• Honigschleuder und Waage können eventuell vom Imkerverein
vor Ort ausgeliehen werden.

Verbrauchsmaterial:

• Winterfutter (etwa 16 Kilogramm Zucker pro Volk)


• Rähmchenleisten, Holzleim, Nägel, Wabendraht, Mittelwände
• Rauchmaterial,
• Mittel zur Bekämpfung von Varroamilben oder Wachsmotten
• Gläser, Etiketten
• Siebe
• Dochte
• Varroabehandlungsmittel
INFO
Eine Liste der Erstanschaffungen mit Kosten gibt es z.B. auf der Seite
der Ulmer Imker www.imker-ulm.de

42
12.7 Häufige Gebrauchsgegenstände

Schutzkleidung
Im Fachhandel gibt es eine Vielzahl von Systemen. Neben Overalls
gibt es auch Jacken mit einem verstärkten Kragen und Imkers­
chleier mit unterschiedlichen Hüten. Hier überwiegen helle Töne,
da diese das Bienenvolk weniger an einen hungrigen Braunbären
erinnern, der sich über eiweißreiche Kost und Honig zum Nachtisch
hermachen könnte. BUND Kindergruppen und McMöhre Schüler-
firmen können einige Imkeranzüge und Schleier sowie Kerzen­
gießformen in Baden-Württemberg gegen eine Portospende
ausleihen.

Smoker
Rauch bedeutet für ein Bienenvolk Gefahr durch einen Waldbrand.
Als natürliche Reaktion auf diese Gefahr versuchen sie von dem
wichtigen Energieträger Honig so viel wie möglich in ihrer Honig-
blase zu retten. Damit sind sie erst einmal beschäftigt, reagieren
„sanftmütig“ und stechen nicht
so schnell zu. Ein Smoker hat
eine Innendose (Brennkammer)
in die man als Anzünder z.B.
Eierkarton legt, an einer Ecke
anzündet und wartet, bis es gut
brennt. Nun wird die Dose in
den Smoker gestellt und einige
Holzspäne als Brennmaterial da-
zugegeben. Mit dem Blasebalg
wird Luft zugeführt und die
Holzspäne fangen leicht Feuer.

Stockmeißel
Der Stockmeißel ist ein Universalwerkzeug. mit
ihm lassen sich die Rähmchen gut lockern und INFO
heraushebeln. Für Schülerhände gibt es den Wa-
benheber mit Holzgriff.

Bienenbesen
Um Bienen vorsichtig von den Waben oder
Deckeln fegen zu können, gibt es im Fachhandel
geeignete Besen.

43
Rähmchen
Je nach Haltungsform können die Rähmchen selbst gebaut werden.
Zur besseren Stabilität werden in den Holzrahmen Löcher ge-
stanzt, durch die ein Draht gezogen wird. Im Imkerbedarfshandel
können passend zum System aus Bienenwachs gegossene Mit-
telwände erworben werden- oder mit einer Spezialform selbst
gegossen werden. Die vorgeformte Wabengröße entspricht der für
die Aufzucht von Arbeiterinnen und Lagerzellen. Der Draht kann
mit einem kleinen Gerät nachgespannt werden. Durch Anlegen einer
ungefährlichen Spannung (meist 12 Volt, z.B. Autobatterie oder Trafo
aus der Physiksammlung der Schule) wird der Wabenhdraht erhitzt und
so die Mittelwand eingeschmolzen. Für den Naturwabenbau kann ein
Streifen mit flüssigem Wachs angeklebt werden, der die Bienen zum
Wabenbau anregt. Die so gebauten Waben brechen aber leichter
ab, wenn das Rähmchen zur genauen Untersuchung in der Hand
gedreht wird. Ein Entdeckeln und Ausschleudern dieser Zellen ist
schwer möglich.

12.8 Jahresverlauf

Im Frühjahr
Die Bienen tragen Nektar und Pollen ein, die Königin legt Eier und das Volk braucht
mehr Platz. Etwa zur Zeit der Kirschblüte wird ein weiteres Stockwerk mit Waben
„aufgesetzt“. In der Zarge sollte ein Baurahmen für die Drohnenbrut (wird nach
Verdeckelung zur Verringerung der Varroabelastung ausgeschnitten) und Rähmchen
mit Mittelwänden zur Verfügung gestellt werden. Wenn der zweite Wohnraum gut
angenommen wurde, kann der Honigraum aufgesetzt werden.

Im Sommer
Neben der Honigernte stehen die Gestaltung der Etiketten und der Honigverkauf
an. Die Varroamilben gehen wegen der längeren Entwicklungszeit der Drohnen
gerne in Drohnenbrutzellen.

Im Herbst
Im Oktober sollten weniger als fünf Prozent der Bienen von Milben befallen sein.
Findet man im Winter mehr als eine Milbe pro Tag im Schieber, sollte bei niedrigen
Temperaturen mit Oxalsäure behandelt werden. Natürliche Mittel zur Behandlung
sind Milchsäure, Ameisensäure, Oxalsäure und Thymol. In der brutfreien Zeit findet
INFO
die Oxalsäurebehandlung statt. Bei der Milchsäurebehandlung muß jede Wabe
herausgezogen und behandelt werden.

Im Winter
Als Wintertraube bezeichnet man die kugelförmige For­
mation, die die Winterbienen mit der Königin im Winter
im Bienenstock einnehmen. In der Mitte befindet sich
immer die Königin. Die Temperatur beträgt hier – selbst
wenn es „draußen“ im zweistelligen Minusbereich sehr
kalt ist mindestens 20 Grad Celsius. Die Arbeiterinnen,
die sich im kühleren Randbereich der Traube befin-
den, tauschen ständig den Platz mit den Bienen im
warmen Inneren. Jede Störung bedeutet einen Energie-
verlust, daher kontrolliert man zu dieser Zeit eher
die äußeren Bedingungen (z.B. ob der Mäuseschutz in

44
Ordnung ist). Gegen Ende des Winters findet man etwa eine Handvoll tote Bienen
auf dem Bodenbrett sowie die Deckel der aufgebissenen Futterzellen. Eventuell
muss zugefüttert werden. Hierzulande ist es normal, wenn zehn Prozent der Bienen
den Winter nicht überleben. In schwierigen Jahren können es bis zu 30 Prozent sein.
In dieser eher ruhigen Zeit können Kerzen gegossen und Rähmchen gebaut werden.

12.9 Kooperation mit einem Imker*in vor Ort

Die Jugendlichen einer Imker AG oder Schülerfirma könnte Imker*innen oder einen
Lehrbienenstand vor Ort besuchen und nach ihrem Arbeitsaufwand, dem Ertrag und
Herausforderungen im Umgang mit den Bienen befragen. So wird der Jahresablauf
eines Bienenvolkes und die anstehende Arbeit mit einem Bienenvolk besser nachvoll-
ziehbar. Folgende Produkte könnten eventuell in Kooperation mit den regionalen
Imkern gefertigt und vermarktet werden:

• Rähmchen für die Beute


• Gießen von Mittelwänden
• Kerzenproduktion
• Wachsmalstifte
• Schuhcreme
• Honigetiketten (siehe Link Honigverordnung)

Kosmetikprodukte wie z.B. Lippenbalsam, Creme oder Seifen unterliegen der


EU-Kosmetikverordnung. Hier sind besondere Anmeldeverfahren und Kosten
zu beachten. Im CPNP (Cosmetic-Products-Notification-Portal) muss ein Produkt
ge­meldet sein. In der Produktinformationsdatei ist eine Beschreibung der Wirkung
­sowie ein Sicherheitsbericht und eine Bewertung mit Beschreibung der Herstell­
methode und gegebenenfalls der Nachweis der angepriesenen Wirkung (und
Daten über Tierversuche ) zu erbringen. Eine Person muss hierfür als verantwort­-
liche Person benannt werden. Man muss Kosmetik nicht auf Bundes- oder EU-
Ebene anmelden. Allerdings ist eine Produktinformationsdatei vorzulegen, welche
in der entsprechenden Gegend notifiziert werden muss. Einige Inhaltsstoffe sind
verboten.

Einige Imker bieten auch „Leihvölker“ an. INFO

Schaukasten Topbar

45
13. AKTIONSIDEE

13.1 Aktiv werden: Pestizidfreie Kommunen


Blütenreich und ohne Gift

Anders als man vielleicht denkt, kommen Pestizide – also chemische Mittel, die
ungewollte Pflanzen oder Schädlinge abtöten – nicht nur in der Landwirtschaft zum
Einsatz. Auch in unseren Städten und Gemeinden werden Pestizide eingesetzt, um
Wege in Parks, Sport- und Spielplätze oder Straßenränder frei von unerwünschten
Kräutern und Gräsern zu halten oder um gegen ungeliebte Insekten vorzugehen.
Auch in Privat-und Kleingärten sind Pestizide beliebt: Fast 100 Tonnen allein des
Mittels Glyphosat wurden 2014 in Hobbygärten ausgebracht. Das Problem: Viele INFO
der eingesetzten Mittel stehen im Verdacht, beim Menschen Krebs zu erregen, die
Fortpflanzung zu schädigen oder den Körper hormonell zu beeinträchtigen. Werden
Pestizide auf Flächen wie Sport- und Spielplätzen oder in Kleingärten gespritzt, kön-
nen die Wirkstoffe in direkten Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern kommen.
Insbesondere für Kinder und Schwangere ist das eine Gefahr. Auch Haustiere wie
Hunde und Katzen sind den Stoffen schutzlos ausgeliefert. Auch für die Artenvielfalt
in der Stadt hat der Einsatz von Pestiziden fatale Auswirkungen. Pestizide beseiti-
gen nicht nur unerwünschte Wildkräuter und Insekten, sondern dezimieren auch
Honigbienen, Wildbienen, Schmetterlinge, Fledermäuse und Vögel. Denn diese sind
auf die Wildkräuter und Insekten als Lebensraum und Nahrungsquelle angewiesen.
Zudem schädigen bestimmte Pestizide Bienen auch direkt. Von den über 560 Wild-
bienen-Arten in Deutschland steht bereits über die Hälfte auf der Roten Liste der
vom Aussterben bedrohten Arten. Sieben Prozent der Wildbienen-Arten sind bereits
für immer verschwunden.

46
Blütenbesuchende Insekten sind aber unentbehrlich für die Bestäubung von Wild-
und Kulturpflanzen. Sie erhalten die Pflanzenvielfalt und sichern landwirtschaft-
liche Erträge und damit unsere Ernährung. Laut Welternährungsorganisation sind
weltweit rund zwei Drittel unserer Nahrungspflanzen auf Bestäuber angewiesen. In
Städten und Gemeinden sichern Honigbienen, Wildbienen und Schmetterlinge den
Kleingärtnern eine gute Obsternte und den Stadt-Imkern reichlich Honig. Weil die
intensive Landwirtschaft Lebensräume massiv zerstört, sind Siedlungsgebiete oft der
letzte Rückzugsort für bedrohte Arten. Es ist höchste Zeit, sie und die Menschen in
den Städten vor dem schädlichen und unnötigen Einsatz von Pestiziden zu schützen.

Von einer pestizidfreien und bienenfreundlichen Bewirtschaftung kommunaler


Flächen profitieren alle.

Die Bildung: Naturerleben für Klein und Groß wird auch in der Stadt möglich.

Die Ernte: Dank der fleißigen, von Pestiziden verschonten Bienen,


kann mehr Honig, Obst und Gemüse in Kleingärten und auf
Streuobstwiesen geerntet werden.

Der Tourismus: Die Kommune wird attraktiv auch für Besucherinnen


und Besucher.

Die Artenvielfalt: Pestizidfreie Kommunen helfen der Artenvielfalt!


Auch bedrohte Tier- und Pflanzenarten finden hier ein Zuhause.

Pestizidfreie Kommune: Es tut sich was!


Bundesweit sind bereits über 50 Städte ganz oder oder teil-
weise pestizidfrei, einige von ihnen sogar schon seit über
20 Jahren, wie zum Beispiel Tübingen. Die Maßnahmen
sind vielfältig. So werden Flächen mit mehrjährigen
Stauden bepflanzt, die Insekten ein ganzjähriges
Blütenangebot und damit Nahrung und Lebensraum
schaffen. Frühzeitiges Reinigen von Verkehrsflächen
und planerische Weitsicht bei der Bebauung sind wich-
tige Elemente, um einen zu starken Bewuchs zu ver­
hindern. Alternativen zur Chemiekeule sind vielfältige me-
chanische und thermische Verfahren. Das Wichtigste jedoch
ist die Kommunikation mit den Bewohnern. Kann eine bunte
Blühfläche vielleicht nicht schöner sein als eine grüne Rasenfläche?
INFO
Muss jeder Löwenzahn auf dem Gehweg erbittert bekämpft werden?
Wie viel Wildkräuter sind akzeptabel? Diese Fragen müssen öffentlich diskutiert
werden, um ein anderes Bewusstsein im Umgang mit Natur zu schaffen.
Argumentationshilfen und weitere Infos gibt es unter
www.bund.net/pestizidfreie_kommune

47
13.2 Samenkugeln selbst gemacht
Mrs. Bee´s Nektarpflanzen -Samenkugeln

Material
Alte Wachstuchdecke als Unterlage, Mörser und Stößel,
Teelöffel, Esslöffel, Tonpulver oder Bentonit, Samen,
Erde, Wasser, Messbecher, grobes Sieb, eventuell Brot­
zeittüten und Stift
Für sechs Samenkugeln rechnet man
• 1/2 Teelöffel Samen (je nach Samengröße
reicht eventuell auch eine Prise)
• 4 Esslöffel torffreie Erde oder Kompostmischung
• 5 Esslöffel Tonerde oder Bentonit
• etwas Wasser, bis die Masse zusammenbackt
und man Kugeln formen kann

Alternatives Rezept
Zehn Prozent Wasser, fünf Prozent Samen, 35 Prozent Kompost/Erde, 50 Prozent
Tonpulver

Herstellung
1) Bentonit oder Tonerde im Mörser zerkleinern, um eine bessere Bindung
zu ermöglichen.

2) Erde mit Samen mischen.

3) Tonerde/Bentonit zugeben

4) Wasser zugeben, bis die Masse geschmeidig ist

5) Walnussgroße Kugeln formen (nicht größer, da sie sonst zu lange


brauchen um zu trocknen und eventuell vorher anfangen zu keimen
und dann vertrocknen).

6) Einige Tage trocknen lassen und im Frühjahr auswerfen, die Kugeln


kann man bis zu zwei Jahre aufbewahren.

Materialhinweis
Tonerde ist nicht so einfach zu bekommen. Manchmal bekommt man diese im
­Kachelofenfachgeschäft. Alternativ kann man Bentonit kaufen. Dieses gibt es
manchmal in der Gartenabteilung eines Baumarktes oder beim Tierbedarf. Genauer
INFO
gesagt: Katzenstreu. Da gibt es aber große Unterschiede. Bitte die Inhaltsangabe
genau studieren. Toll ist es natürlich, wenn die Sämereien mit der Gruppe im Herbst
selbst gesammelt und getrocknet wurden. Alternativ dazu können passend für die
Region Samen bestimmter Pflanzen oder Blühmischungen für Bienen bei einem
Fachbetrieb besorgt werden. Je nach Bodenbeschaffenheit können das unterschied-
liche Blühpflanzen sein. Samenkugeln nicht in Naturschutzgebiete oder außerhalb
der Ortschaft ausbringen.

Bezugsadresse
Rieger-Hoffmann GmbH, In den Wildblumen 7, 74572 Blaufelden
www.rieger-hofmann.de

Veitshöchheimer Bienenweide, Blütenreiche Bienenmischung aus 50 Wild- und Kul-


turpflanzen (Einjährige, Zweijährige bis Fünfjährige) geeignet für Brachen, Acker-
randstreifen, Ausgleichsflächen, Wegränder, Parkanlagen, Gärten und Weinberge)
www.saaten-zeller.de
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14. BIENEN MEDIEN

Kinderbücher
Bei den Bienen, Anne Möller, Meyers Verlag, kleines Bilderbuch

Das Bienenbuch, Jakob Streit, Verlag Freies Geistesleben

Summs und die Honigbienen, Vera Trachmann, Schlauberger Verlag


(zweisprachig, ab 6 Jahren)

Wie lebt die kleine Honigbiene? Eine Geschichte mit vielen Sachinformationen
und CD, Friederun Reichenstetter, Hans-Günther Döring, Arena Verlag

Sachbücher
Die Forschung der Bienenwelt, Neue Daten-neues Wissen,
HOBOS (Honeybee Online Studies)

Honigbienenhaltung Werner Gekeler, Ulmer Verlag

Imkerbuch, Matthias Lehnherr, Aristaios Verlag Basel

Gute imkerliche Praxis artgerecht, rückstandsfrei und nachhaltig,


Wolfgang Ritter, Ulmer Verlag

Abenteuer Bienenkugel; Undine Westphal, undinewestphal.jimdo.com

Imkern mit Kindern und Schülergruppen, Undine Westphal (mit vielen Spielideen)

Die Schulimkerei, Planung, Aufbau, Betrieb, Undine Westphal

Mit Kindern im Bienengarten, Irmgard Kutsch, Gudrun Obermann,


Verlag Freies Geistesleben

Die Biene, Wolfgang Schmidt, Arbeitsmaterial, www.ws-montessori.de

Natürlich imkern in Großraumbeuten, ISBN 978-3-8001-7262-2


v. Orlow, 2013, Ulmer Verlag

Bienenkiste, Korb und Einfachbeuten, ISBN 978-3-440-13273-9


Pohl, 2013, Kosmos Verlag

Wesensgemäße Bienenhaltung in der Bienenkiste, ISBN 978-3-89566-341-3


Klein, 2016, Pala-Verlag
INFO
Die Biene Geschichte, Biologie, Arten, Noah Wilson-Rich, Haupt Verlag

Unsere Honigbiene, Entstehung-Entwicklung-Nutzen, Farbtafeln mit CD,


www.imkerbund.at

MORE THAN HONEY, vom Leben und Überleben der Bienen,


Markus Imhoof/Claus-Peter Lieckfeld, orange press

Bienendemokratie: Wie Bienen kollektiv entscheiden und was wir davon


lernen können, Thomas D. Seeley, S. Fischer Verlag ISBN 978-3-10-075138-6

Following the Wild Bees: The Craft and Science of Bee Hunting (Englisch)
von Thomas D. Seeley

49
Kisten/Koffer/CD
Bienenkiste, www.bienenkoffer.de

CD: Experimentelle Bienenkunde in der Schule, Hans Joachim Frings


(fertiggestellt von Gerhard Winkel), Schulbiologiezentrum Hannover,
kann über https://www.mellifera.de/shop bestellt werden.

Filme Biene
Sendung mit der Maus: https://www.youtube.com/watch?v=rrloSlQx3AU

Löwenzahn: https://www.youtube.com/watch?v=w-qwvV1TaNc

Bastelbücher
Buntes aus Bienenwachs, Kerzen gießen, tauchen und verzieren, Kokott, tapiko-
Verlag, Bezug über www.kerzenidee.de

Imkerbedarf
Oft lohnt es sich (auch für eine Exkursion mit der Bienen-AG) zu einem Imkerhändler
in der Nähe zu gehen. Hier kann man sich auch mal alle Gerätschaften anschauen!
Infos über die nächstgelegenen Imkerbedarfsläden erteilt der örtliche Imkerverein.

Süddeutsche Imkereigenossenschaft in Göppingen: www.suedd-imker.de

Holtermann: www.holtermann.de

Kerzenideen (u.a. Teelichtformen, Anleitungsfilme) www.kerzenidee.de

15. WEITERFÜHRENDE INFOS

Spannende Links für Schulen


www.hobos.de

www.bienen-schule.de

www.lwg.bayern.de/bienen (Bienen im Werkunterricht, Das Bienenjahr,


INFO
Wir ernten Honig, Wachsernte...)

https://www.llh.hessen.de/fachinformation/arbeitsblaetter/310-12-materialien-zu-
fuehrungen-gruppen-und-schulen.html

http://www.schulbiologiezentrum.info (Pollenkalender, Experimente)

http://www.lwg.bayern.de/mam/cms06/bienen/dateien/die_asistische_hornisse.pdf

Weitere Links
www.mellifera.de

www.bluehende-landschaft.de

50
Die Bienen-App, Bienen füttern mit bienenfreundlichen Pflanzen, Bundesministeri-
um für Ernährung und Landwirtschaft, www.bmel.de/bienenapp

http://www.siebengebirgsimker.de/Richtige-Kennzeichnung-von-Hon.47.0.html

www.die-honigmacher.de/

Ansprechpartner
Landesimkerverbände Baden Württemberg

Landesverband Badische Imker e:V.: www.badische-imker.de

Landesverband Württembergischer Imker e.V.: www.lvwi.de

16. QUELLEN, DANK, BILDER, IMPRESSUM

Quellen

Mitschrieb bei der Melliferatagung mit Thomas D.Seeley

„Zeidlereibienen in lebenden Bäumen: Neue Erfahrungen mit einer alten Tradition“


Dr. Frank Krumm & Norbert Poeplau, Imkermeister

Die Biene Geschichte, Biologie, Arten von Noah Wilson-Rich, Haupt Verlag

Infos von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau

Die Bienenkiste, Erhard Maria Klein, pala Verlag

Hobby-Imker Frieder (Internetforum)

Undine Westphal (Spielideen und Infos)

Experimentelle Bienenkunde in der Schule, Schulbiologiezentrum Hannover (CD)

BUND Broschüre Pestizidfreie Kommunen, Blütenreich und ohne Gift

http://www.zeidelmuseum.de/zeidlerwesen.html

http://www.haut.de/inhaltsstoffe-inci/inci-detail/2813/
INFO
ADIZ Ausgabe 1/2016, Spürnasen im Stock, Dr. Heike Ruff

Die Selbstverteidigung der Bienen stärken (Cindy Hempp Chemp@web.de)

Bienen halten verpflichtet, Dr. Jürgen Schwenkel

Umweltjournal Rheinland Pfalz Heft 58 September 2015 (Umformuliert)


Die Buckfastbiene, Norbert Theurer
Bienentanz Prof. Dr. Juergen Tautz, HOBOS
Ohne Bienen geht es nicht, Petra Friedrich, Barbara Löwer
Haben Bienen eine kognitive Karte? Prof. Dr. Randolf Menzel
Goodbye Maja, Joana Kelèn

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Bienenzüchtung in


Deutschland, Prof. Dr. Kaspar Bienefeld

51
Dank

Mein besonderer Dank geht an Undine Westphal für ihre Unterstützung und viele
inspirierende Stunden. Martin Denoix (www.imker-ulm.de) vom BUND-Ulm danke
ich für die tolle fachliche Beratung! Claudia Winter von sujet.design für die tolle Ge-
staltung, Cornelia Graf für´s Korrekturlesen. Außerdem gilt mein Dank Jens Stiebig,
der mir beim Imkerkurs in Neustadt an der Weinstraße geduldig alle Fragen beant-
wortet und mich für die Bienen begeistert hat. Ein herzliches Dankeschön geht auch
an Leonie Schuchardt vom BUND Heidelberg für´s Probelesen und Kommentieren.

Und natürlich dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport ohne deren Unter­
stützung, ich nicht die Möglichkeit gehabt hätte, Schulen in dieser Form bei der
Vermarktung von Imkerprodukten und dem Aufbau einer Schulimkerei unterstützen
zu können.

Bilder

Bilder und Zeichnungen wurden überwiegend von Birgit Eschenlohr, BUND erstellt.

Stadtarchiv Mainz: S. 5

Martin Denoix: S. 9 (Königin), S.11 (Drohnen), S. 25, S 78, S. 82 (Schwärme),


S. 31 (Top Bar Hive)

Archiv Mittelbiberach: S. 26 (Zeichnung Bruder Adam)

Stephan Pucher: S. 32 (Imkerei Afrika)

Undine Westphal: S. 56 (Zeichnung Biene)

Grete Strosack: S. 100 (Mittelwandkerzen)

Birgit Eschenlohr: S. 105 mit freundlicher Genehmigung


durch Madame Tussauds Wien

Impressum INFO
Texte:
Birgit Eschenlohr, BUND Büro Heidelberg (im Welthaus)
Willy-Brandt-Platz 5, 69115 Heidelberg
birgit.eschenlohr@BUND.net

Gestaltung:
Claudia Winter, www.sujet.de

V.I.S.D.P: Sylvia Pilarsky-Grosch

52
EXPERIMENTE

EXPERIMENTE

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BIENE ZEICHNEN

Vorbereitung
Poster oder Tafel, Stifte herrichten, Papier verteilen, Vorlage zum Spickeln.

Material
Tafel oder Poster, Stifte in verschiedenen Farben, TN Papier und Stifte.

Aufgabenstellung
Wir malen gemeinsam eine Biene. Danach besprechen wir die Sinnesleistungen
und markieren diese mit verschiedenen Farben.

Info
Man fängt mit dem Kopf an und zeichnet vor der Gruppe an einer Tafel oder auf
einem Poster die verschiedenen Teile der Biene und ordnet den Organen hinterher
in verschiedenen Farben bestimmte Sinnesleistungen zu. Je nach Alter und Anspruch
können Feinheiten eingebaut werden (Löffelchen, um auch den letzten Tropfen
Nektar zu bekommen und diesen zu tragen und lagern, damit er trocknen kann;
3 Punktaugen; mit Hakenleiste zwischen Vorder- und Hinterflügeln...).

Nach dem Kopf wird der Brustteil gemalt. Dieser besteht aus Muskelfleisch. Hier
setzen die Flügel und die sechs Beine an. Mit dem vorderen Beinpaar werden die
Fühler geputzt. Unter der Kralle befindet sich ein Haftläppchen.

Bei den hinteren Beinen befinden sich die Körbchen zum Pollentransport sowie
ein Kamm, um den Pollen abzustreifen. Nun wird der Hinterleib gezeichnet.
Die Kinder malen meist einen Stachel, der herausragt, ein. In unserer Zeichnung
wird der Stachel in der Stachelrinne mit Widerhaken gezeichnet, da die Biene
den Stachel nur bei Gefahr herausschiebt. Dies kann sie nur, wenn sie schon so

EXPERIMENTE
weit entwickelt ist und eine volle Giftblase hat. Das ist bei ca. 50 Prozent der Bienen
im Stock der Fall.

Einige Kinder spiegeln in der ersten oder zweiten Klasse – das ist ok und man
sollte nicht darauf eingehen.

Eine ausführliche Beschreibung der einzelnen Sinne und eine Beispielzeichnung


finden sich auf den nächsten Seiten.

Erfahrungswert
Viele Kinder setzen (wenn sie die Biene alleine malen sollen) den Stachel an den
Kopf. Außerdem denken viele Kinder, der Honig würde aus Pollen gemacht.
Um diesem Irrtum zu begegnen, kann man die Pollenpakete mit Bienenschnitzeln
zur Eiweißversorgung vergleichen. (Bienen sind Vegetarier. Das Bienenschnitzel
besteht aus pflanzlichem Eiweiß = Pollen. Nektar könnte als Flugbenzin bezeichnet
werden).

Tipp
Zum Geruchssinn kann ein Versuch gestartet werden. Zuckerlösungen werden in
unterschiedlicher Konzentration in Schalen gefüllt. Man beobachtet die Bienen,
wie sie sich verhalten. Sie werden mit den Füßen durchlaufen und erst wenn sie
die Lösung attraktiv finden, den Rüssel hineinhalten.

54
Sinne der Biene:
Die Bienen sind uns weit überlegen.

Sehsinn
Vier bis 7.000 Facettenaugen, zusätzlich drei Punktaugen, damit kann die Biene
polarisiertes Licht erkennen, hell/dunkel und ob sie gerade fliegt.

Geruchssinn
Bienen haben keine Nase, mit den Fühlern können sie aber dreidimensional
riechen, wir Menschen folgen der Nase nach, Bienen erkennen, aus welcher
Richtung der Duft kommt. Auf den Fühlern sind sehr viele Sinneszellen.
Sie können diese wie Antennen drehen.

Hörsinn
Bienen haben keine Ohren, sie hören eher schlecht und nehmen eher Erschütte-
rungen wahr. Tiefe Erschütterungen, wie zum Beispiel, die von einem Rasenmäher
verursachten Töne mögen sie nicht. Über den Vibrationssinn können verschiedene
Tonlagen erkannt werden. Bienen sitzen meist breitbeinig auf einer Wabe, die mit-
schwingt, wenn eine andere Biene darauf tanzt. Sie hält dann die Fühler auf die
Wabe. An zwei Stellen können sie mit den Fühlern „hören“. Ein weiteres Hör-Organ
befindet sich am Knie.

Geschmackssinn
Rüssel & Mandibeln, mit den Vorderbeinen schmecken (Vergleich: Mit den Füßen
über Wurstbrot laufen, eine Fliege läuft auch über ein Butterbrot), bevor eine
Biene etwas aufsaugt, geht sie mit den Vorderbeinen in die Flüssigkeit, um den
Zuckergehalt zu testen. Bier würde sie zum Beispiel, nicht aufsaugen.

EXPERIMENTE
Tastsinn
Beim Menschen ist dies die Haut, bei den Bienen sind es die Sinneshaare, Bienen
sind komplett mit Sinneshaaren am ganzen Körper behaart (wie ein Bär).

Temperatursinn
Mit den Fühlern können sie auch räumlich sehen. Außerdem erkennen sie, wo es
warm oder kühl ist. Die Fühler der Biene sind auch ein Thermometer. Es ist wichtig
für die Bienen die Temperatur, zum Beispiel, für einen Ausflug, richtig einschätzen
zu können.

Zeitsinn
Er befindet sich im Gehirn. Bienen fliegen gezielt Blüten an und können bis
vier zählen. Sie können einschätzen, wann Blüten Nektar bieten. Bei Raps kann man
fast auf die Uhr schauen. Dieser bietet etwa ab 11 Uhr Nektar an.

Schweresinn
Für Menschen ist es schwer „Leicht“ und „Schwer“ zu fühlen, außerdem ist es
wichtig für die Bienen zu wissen, wo Oben und Unten ist. Kleine Metallelemente
befinden sich zwischen Brust und Hinterleib. Damit kann sie sich zur Erdachse
ausrichten. Bienen brauchen den Schweresinn zur Ausrichtung in Richtung
Magnetfeld (oben/unten).

Orientierungssinn
Bienen sind ein fliegendes GPS System.

55
DIE SINNE DER BIENE

Sehsinn EXPERIMENTE
Geruchssinn

Tastsinn

Hörsinn

Geschmackssinn

56
SINNESSTATIONEN
Vorbereitung
Drei Stationen aufbauen mit Anleitungen und Material, in die Münzdosen einen
Zettel mit der Anzahl legen, Klasse in drei Gruppen aufteilen, Wechsel der Stationen
mit einem angekündigten Signal vorführen.

Material
Laufzettel mit Aufgaben

Station 1 mit drei Gewichtsdosen (Zucker in Plastiktüten zu 200g, 300g, 400g)


und drei Zigarrenkisten, X Bänder (gibt es im Bürobedarf), Zimtstangen,
Salbei, Knoblauchgranulat, Pfefferminze, in Teeaufgießbeutel verpackt

Station 2 etwas gleichgeformte Plastikbehälter mit Deckel, Centmünzen,


Unterlegscheiben oder in Tüten verpackter Zucker

Station 3 mit Fühlkartons (nicht scharfkantige Gegenstände wie z.B. Feuerzeug,


Königinnenzuchtbehälter, Garnspule, ...)

Aufgabenstellung
Station 1: Gewichte und Geruchsdosen
Versuche zu schätzen, wie schwer die einzelnen Gewichtsdosen sind.

Gewichtsdose 1:

Gewichtsdose 2:

EXPERIMENTE
Gewichtsdose 3:

Versuche zu “erschnüffeln” was sich in den einzelnen Geruchsdosen befindet.

Geruchsdose 1:

Geruchsdose 2:

Geruchsdose 3:

57
Station 2: Münzdosen
Versuche alle Dosen in die richtigen Reihenfolge zu bringen.
Beginne mit der leichtesten Dose (Inhalt 10 Münzen), und beende
die Reihe mit der schwersten (Inhalt 100 Münzen). Anheben und
schütteln erlaubt, öffnen verboten.

Station 3: Fühlkartons
Versuche die fünf Gegenstände, die sich in den Fühlkartons befinden, durch Tasten
und Fühlen zu erraten. Die einzelnen Gegenstände dürfen nicht aus den Kartons
herausgenommen werden.

1. Gegenstand:

2. Gegenstand:

3. Gegenstand :

4. Gegenstand:

5. Gegenstand:

EXPERIMENTE
Erfahrungswert
Das Mittelfeld der Gewichte bereitet die größeren Probleme (40,50,60). In die Fühl-
kartons nichts reinlegen, was kaputt gehen könnte (also keine Schneckenhäuser...).
Mehl eignet sich weniger als Gewicht, da die Beutel aufreißen können.

Tipp
Zigarrenkisten etwa ein Jahr lang ausdünsten lassen, bevor sie verwendet werden.
Keine Centstücke verwenden, da die “verschwinden”, als Döschen können auch
Cremedosen aus der Apotheke verwendet werden. Zur Auflösung der Münzstation
die Deckel öffnen. In die Töpfchen Zettel mit der Anzahl der Gegenstände legen.
Für Schulklassen kann man mit 45 Minuten für die drei Stationen rechnen.

58
STATIONEN ZUM THEMA LICHT UND FARBE

Vorbereitung
Drei Gruppen bilden, Zettel und Material auf drei Tische verteilen.

Material
Laufzettel für die Stationen für jedes Kind.

Station 1
Komplexauge: Kopien = Anzahl TN,
Bauanleitung Komplexauge,
Scheren, Kleber, „Insektenauge“ aus Holz
(Kinderspielwaren, Memo)

Station 2
Saftmale: Papier, Stifte

Station 3
Farbe: Kopien von verschiedenen Blüten (Gartenkatalog, Fotos),
Diarähmchen mit bunter Folie (Konrad Elektronik, Farbfolien)

Erfahrungswert
Die Stationen zu den Saftmalen sind dann besonders sinnvoll, wenn es dazu
schon eine Vorabinformation gab.

Hinweis
Das Blütenblatt ist so eine Art Landebahn und die Saftmale erleichtern die Orien­

EXPERIMENTE
tierung, wo es zum Nektar geht. Einige Saftmale kann man auf dem Fingerhut oder
auf Stiefmütterchen erkennen. Bei einigen Blumen wurden Saftmale an- oder weg-
gezüchtet. Für Hummeln ist es besonders wichtig, beim Anfliegen auch tat­sächlich
Nektar vorzufinden. Bienen können 14 verschiedene Weißtöne als eigene Farbe
erkennen, statt rot sehen sie schwarz (beim Mohn nur den Blütenstaub hell, sonst
alles schwarz), statt grün wird grau gesehen.

Tipp
Thema Hybridpflanzen, insektenfreundliche Gärten.

59
EXPERIMENT ZUR WABENFORM

Material
Knete in verschiedenen Farben, zwei Holzbretter.

Anleitung
Forme etwa 20 gleich große Kugeln (Durchmesser etwa daumenbreit) aus verschie-
denfarbiger Knete. Diese bunt gemischt und eng nebeneinanderliegend auf ein
Brett legen. Das zweite Brett auflegen und sich auf dieses Brett stellen. Das Brett
entfernen und staunen!

EXPERIMENTE

60
EXPERIMENT VOLUMEN

Material
1 fester Tonkarton oder Wabenkarton, Stift, Schere, Murmeln,
(evtl. 4 Wäscheklammern), Backblech oder Tablett .

Versuchsvorbereitung
Aus festem Tonkarton vier 63 cm lange und etwa 3 cm breite Streifen schneiden.
Diese zu einem Dreieck (20,20,20 cm), Quadrat (15,15,15,15 cm), Kreis und Sechseck
(10,10,10,10,10,10 cm) formen. Hierzu die Kanten mit dem Daumennagel knicken,
(beim Wabenkarton können die Biegekanten bis zur Hälfte mit einem Cutter geritzt
werden). Die verbleibenden Zentimeter werden mit Klebstoff bestrichen und an
den Anfang geklebt und evtl. mit einer Wäscheklammer gehalten, bis der Kleber
trocken ist.

Aufgabe
1. Legt die Formen auf ein Tablett oder auf ein Backblech (oder legt Äste um das
Testfeld, damit die Kugeln nicht wegrollen). Füllt Murmeln in die Formen und
zählt aus, wie viele Murmeln in welche Form passen.

2. Wenn man viele Sechsecke auf den restlichen Tonkarton zeichnet und im
Vergleich dazu Kreise – wo gibt es mehr nicht nutzbaren Lagerraum?

Hinweis

EXPERIMENTE
Ich habe die Formen aus 30 cm langen Streifen hergestellt und kleine Murmeln
verwendet. Dabei kommen aber andere Ergebnisse heraus. Im Kreis und im Sechseck
fanden gleich viele Murmeln Platz.

61
BASTELIDEEN

BASTELN

62
BIENEN HÄKELN
Material
Hellbraune, dunkelbraune und gelbe Wolle, Häkelnadel,
Schere, Nadel, ­Spezialwolle, schwarze Pfeifenputzer,
Klettband und gelbe Wolle für Pollenhöschen, 2 große
schwarze Knöpfe als Augen, weißer, starker Bastelfilz,
Filzstift, 2 Heftklammern.

Herstellung
Es wird eine Art Schlauch in den Farben hellbraun und braun/schwarz
gehäkelt. Zwei schwarze Pfeifenputzer im Kopfbereich als Fühler und
Rüssel durchziehen und in Form biegen. Füllwatte in den Schlauch ge-
ben und zwei Mal abbinden (es entstehen so drei Teile).

Drei schwarze Pfeifenputzer als Beine durch den mittleren Teil ziehen.
Das ­Schlauchende schließen. Die Hinterbeine evtl. mit einem zusätz-
lichen Pfeifenputzer verdicken.

Aus gelber Wolle werden zwei Pollenkissen gehäkelt und mit Klettband
an den Hinterbeinen befestigt.

Die Knöpfe als Augen am Kopf festnähen.

Zwei größere und zwei kleinere Flügel aus dem weißen Filz ausschnei-
den und
evtl. mit einem Filzstift die Adern aufmalen. Je einen großen und einen kleinen
Flügel mit einer Heftklammer verbinden und an den Bienenkörper nähen.
Evtl. noch die Flügel mit einem Klettband als Hakenleiste versehen und verbinden.

Info
Um die verschiedenen Jobs zu verdeutlichen, die eine Biene im Laufe ihres Lebens
durchläuft, können Bienen gehäkelt werden, die mit kleinen Utensilien und Schil-
dern ausgestattet werden. Mit den Kindern kann diskutiert werden, wie man die
verschiedenen Jobs optisch darstellen kann. Viele Kinder kennen z.B. keine Baumei-

BASTELN
sterkelle. Die Bienen sind mit Spezialwolle gefüllt, die im Bastelladen zur Herstellung
von Puppen erhältlich ist. Eine Wespe ergänzt die Sammlung, um den farblichen
Unterschied zu verdeutlichen. Wespen haben die typisch gelb/schwarze Warnfarbe,
Bienen sind jedoch braun gefärbt. Viele Kinder antworten auf die Frage, welche
Farbe eine Biene hat, mit gelb/schwarz.

Wespen legen die Beine beim Flug an, bei Bienen baumeln die Beine locker im Flug.
Die Bienen können mit kleinen Infoschildern ergänzt in der Schulvitrine ausgestellt
werden.

Variante
Im Bastelladen gibt es auch Styroporkugeln
in runder und ovaler Form, die für eine
Bastelarbeit gut geeignet sind.

63
Hintergrundinfo
Je nach Ausbildung der körpereigenen Drüsen
haben Bienen verschiedene Fähigkeiten.

1. Putzfrau
Beim Aufräumen lernen Bienen den Bau gut kennen.

2. Ammenbienen
200 mal am Tag müssen die Maden gefüttert werden
(ein Menschenbaby nur 5 bis 6 mal am Tag). Die Futtersaftdrüse
befindet sich im Kopfbereich und könnte mit einem Euter
verglichen werden.

3./4. Baumeisterbienen
Wenn die Arbeiterin etwa 13 Tage alt ist, werden vier Wachsdrüsen
auf jeder Seite im Bauchbereich aktiviert. Der Wachs ist durchsichtig
und erhält seine gelbe Farbe erst, wenn die Biene den Wachs mit
dem Mund abnimmt. Die gelbe Färbung des Wachses kommt vom
Pollenöl, welches die Biene mit dem Futter aufnimmt.

5. Wächterin
Die Giftdrüse am Stachel ist erst ab etwa der Hälfte des Lebensalters
einsetzbar. Erst wenn die Giftblase voll ist, kann sie stechen. Der
Stachel ist dann ausfahrbar und versenkbar. Somit können etwa
„nur“ 25.000 Bienen stechen – aber wir wissen nicht welche.

BASTELN
6. Sammlerin
Hier ist wieder die Kopfdrüse aktiv, die nun von Füttern in eine Honigproduktion
überleitet. Nektar geht in den Honigmagen, dann wieder zurück. Mit Enzymen
angereichert, kommt er wieder durch die Kopfsaftdrüse, um Zucker aufspalten zu
können. Im Bienenmagen wird nur Nektar gesammelt. Er ist ganz sauber und
man könnte ihn mit einer Gefrierbox vergleichen.

Die Königin kann bis zu sieben Jahre alt werden. Sie muss „nur“ Eier legen.
Im Sommer können das bis zu 2.000 Eier am Tag sein.

In der Nacht: Im Bienenstock gibt es keine Betten- auch nachts wird gefüttert,
geputzt usw. Die Sammelbienen haben dann Aufgaben im Stock. Die Königin
legt auch in der Nacht Eier.

64
PLASTIZIERWACHS

Gerätschaften
Herdplatte, Backpapier, Simmertopf oder
zwei unterschiedlich große Kochtöpfe, Waage,
Rührlöffel, evtl. Lebensmittelfarbe, evtl. Thermometer,
Löschdecke, Topfhandschuh

Zutaten
Bienenwachs, reines Wollfett

Herstellung
Pro Person verwendet man 500 g Wachs und läßt diesen im
doppelwandigen Topf (Simmertopf) bei 70 °C * schmelzen
oder wahlweise einen Topf mit etwas Wasser befüllen und
den zweiten Topf ins Wasser stellen.

Dann pro Person 30 g reines Wollfett (Adeps lanae, Apotheke)


einrühren und Masse abkühlen lassen.

Fest werdendes Wachs mit dem Löffel vom Topfrand nehmen und
auf ein Backpapier legen. Achtung! Die Wachsmasse kann noch sehr heiß sein.
Nun die Masse in kleinen Portionen durchkneten.

Wachs kann bei zu starker Hitze brennen. Daher den Topf stets beaufsichtigen
und für Notfälle eine Löschdecke parat halten.

BASTELN

65
SUMMBIENE

Material
Papier in A5 (Postkartengröße), Spatel (Apotheke),
breites Gummiband, 4 quadratisch geschnittene
Filzklebeplättchen, Seil, Schere, Tacker.

Herstellung
Filzplättchen an die Enden des Spatels kleben, Papier halbieren
und über den Spatel legen und an den Seiten zusammen festtackern.
Seil um ein Ende knoten. Gummiband längs über den Spatel
ziehen. Kinder sollen sich mit einem Abstand von je zwei
Armlängen aufstellen und die Summbiene über dem Kopf
kreisen lassen.

SUMMBIENE AUS RECYCLINGMATERIAL


Material
Hellbrauner Bastelkarton, Holzleim oder Heißklebepistole, Wollfaden oder Paket-
schnur, Holzklammer, Wachsfarben oder Filzstift, Weinkorken, Brett, Messer, Schere,
Luftballon.

Herstellung
Aus hellbraunem Tonkarton zwei Bienen nach einer Vorlage ausschneiden und
dunkelbraune oder schwarze Streifen aufmalen. Von der Wolle oder Paketschnur
1 Meter abmessen und abschneiden. Diesen zwischen die beiden Tonkartonteile
legen und festkleben. Den Metallbügel der Holzwäscheklammer lösen. Die Holz-

BASTELN
teile mit dem vorderen dicken Ende zum Kopf hin ankleben. Weinkorken in etwa
5 mm dicke Scheiben schneiden und die Scheibe halbieren. Die halben Scheiben
ankleben und zwei Minuten fest andrücken. Den Luftballon in 5 bis 10 mm breite
Streifen schneiden. Den Gummizug über die Holzklammer und die Korkenhälften
ziehen. Diese muss glatt aufliegen und darf keine Falten werfen, da hier der Ton
entsteht.

66
BAUANLEITUNG BIENENWABE

Aufgabe
1. Schau dir die leer geschleuderte Wabe mit einer Lupe genau an.
Was macht die Wabe so stabil?

2. Versuche mehrere sechsseitige Zellen zu basteln. Orientiere dich am Original!

3. Schau dir danach erst die Anleitung zum Bau der Waben an und stelle
mindestens 2 mal 3 her.

Materialbedarf
Leeres Wabenstück, Lupe, Papier, Stift, gelber Tonkarton A3, Bleistift, Geodreieck
oder Vorlage, Schere, langes Lineal, Kleber.

Umsetzung
Sechs Röhrenlinien mit einem Abstand von 5 cm (das ist etwa eine 10 fache Ver­
größerung) mit einer Länge von 17,5 cm und 19,2 cm sowie eine Schnittkante von
0,8 cm aufzeichnen. Für den Deckel werden 3 Rhomben mit Schnittkante eingezeich-
net. Der Winkel beträgt 40°. Ausschneiden und die Kanten mit dem Daumennagel
oder Geodreieck falten und die Enden zusammenkleben. Mindestens 2x3 Röhren
versetzt aneinanderkleben. Beide Teile Deckel an Deckel legen. Die Verzahnung der
Zellen kann bei einer ausgeschleuderten Wabe gut untersucht werden.

Hintergrund
In der Natur ist es wichtig, mit wenig Materialeinsatz einen guten Nutzen zu erzie-
len. Bei den Bienenwaben ist der Wachs bei einer Temperatur von 35° weich und
gut formbar. Eine Bienenwabe ist trotz geringem Eigengewicht sehr stabil und kann
etwa 3 kg Honig aufnehmen. Die Verzahnung der beiden Zellschichten ist bei sechs-
seitigen Prismen nur über das Aufsetzen einer Maraldischen Pyramide möglich.

Variante
Die Zellen der Arbeiterinnen sind im Durchschnitt 5,37 mm groß. Die Zellen der
Drohnen durchschnittlich 6,91 mm. Der Zapfen, in dem sich eine Königin entwickelt,
ist etwa 20 mm lang. Diese Zellen könnten auch in einer zehnfachen Vergrößerung

BASTELN
als Anschauungsbeispiele hergestellt werden. Aus Knete oder Ton können Maden
und Stifte hergestellt und eingesetzt werden.

67
➂ ➀ ➄
40°

5,
3
➀ ➄ ➂

cm
➁ ➅ ➃
➅ ➃ ➁➁

➆ ➆

17,5 cm
19,2 cm
5 cm

Die Schablone (siehe A3 Vorlage) ausdrucken oder selbst erstellen. An den durchge-
zogenen Linien ausschneiden. Die gepunkteten Linien werden gefalzt. Die gelben
Flächen sind die Klebeflächen. Wie nummeriert zusamenkleben.

BASTELN

68
Kopiervorlage A3
Arbeiterinnenzelle 10 fach vergrößert
SPIELE

SPIELE

70
NEKTAR SAMMELN
Material
Pfeife, Stoppuhr, Messbecher.

Pro Gruppe
5 Eimer mit gleicher Farbe sowie ein
Trinkbecher mit Löchern im Boden und
ein Trinkbecher ohne Löcher
(Variante klein: 5 Trinkbecher und 2 Filmdöschen).

Zeitaufwand
15 Minuten

Intention
Das Spiel soll den Kindern die Zusammenhänge bei der Sammeltätigkeit der
Bienen nahebringen. Erkennen der Wechselwirkungen zwischen Organismen
und ihrer Umwelt.

Durchführung
Je vier Eimer pro Gruppe werden mit Wasser gefüllt und auf der Wiese
verteilt, volle Eimer in unterschiedlichen Abständen zum leeren Eimer
aufstellen. Die leeren Eimer (pro Gruppe ein Eimer) nebeneinander
hinter einer Trennlinie (Bienenstock) aufstellen. Erklären Sie den TN,
dass Bienen blütenstet sind und beim Nektar sammeln einen Teil des
gesammelten Vorrates als Energie für ihren Flug benötigen. Im Bienenstock
werden Nektar und Pollen an die Stockbienen übergeben. Teilen Sie die
Kinder in Zweiergruppen ein. Ein Kind wird Sammlerin, das andere Stockbie­
ne. Jeder Gruppe wird eine Farbe zugeteilt, die der Farbe der Eimer entspricht.
Sammlerinnen erhalten die Trinkbecher mit Loch, Stockbienen die Trinkbecher
ohne. Erklären Sie den Kindern, dass diese mit den löchrigen Bechern aus den Ei­
mern auf der Wiese (Blüten) das Wasser (Nektar) holen müssen. Die gefüllten Becher
werden an der Trennlinie (Bienenstock) in den ganzen Becher des Mitspielers (Stock­
biene) übergeben. Dieser läuft damit zum leeren Eimer und befüllt diesen mit dem
restlichen Wasser. Gewonnen hat die Gruppe, die innerhalb der vorgegebenen Zeit
das meiste Wasser (Nektar) gesammelt hat.

Pro Durchlauf wird den Kindern fünf Minuten Zeit gegeben.

Variante SPIELE
Die farbigen Becher werden bestimmten Uhrzeiten zugeordnet z.B. gelb: 11 Uhr.
Die Spielgruppen laufen alle los und dürfen in der ersten Runde nur an gelbe
Becher, dann an rote, danach an grüne und zuletzt an blauen Bechern sammeln.
Hierbei evtl. einen Helfer im Spielfeld platzieren, um dies zu überprüfen.

Bezug zur Biene:


Bienen sind blütenstet und sammeln erst einmal z.B. nur Lindenblütenhonig. Da­
durch ist die Bestäubungsleistung sehr gut. Einige Pflanzen öffnen ihre Blüten zu
bestimmten Zeiten. Bienen können sich einige Zeiten merken. Einige Landwirte
können die Zeit an den Bienen ablesen (z.B. Rapsblüte um 11 Uhr). Rapsfelder bieten
zwar viele Blüten, sobald die Rapsernte beginnt, ist das Sammelgebiet aber plötzlich
verschwunden. Bienen haben für solche Fälle immer einige Sammlerinnen, die ande­
re Gebiete als Alternative ausgekundschaftet haben. Trotzdem sind unsere Bienen in
Not – es fehlen großflächigere Blühstreifen. Maisfelder bieten z.B. keinen Nektar.

71
DER HUNGRIGE BÄR

Vor langer Zeit gab es auch in unseren europäischen Wäldern noch Bären. Ein be­
sonderer Leckerbissen für sie war der Honig der Wildbienen. Doch um an den Honig
zu gelangen, musste der Bär sehr geschickt sein. Wenn die Bienen ihn entdeckten,
wurde er von ihnen vertrieben. In diesem Spiel muss der Bär sehr geschickt sein und
lautlos zum Honig gelangen. Die schlafenden Bienen müssen genau hinhören, ob
der Bär kommt.

Ziele
Geschicklichkeit, Schleichen, Wahrnehmung, Konzentration.

Material
Augenbinden und Honigbonbons/Wachswabenstückchen.

Durchführung
Drei Kinder bekommen als „Bienen“ den Platz um den Bienenstock, auf den ein
­Wabenstückchen gelegt wird. Ihnen werden die Augen verbunden. Alle anderen
Kinder bilden einen Kreis.

Der „Bär“ steht im Kreis. Vorsichtig muss er sich nun anschleichen. Das Gras darf
nicht rascheln, und kein Stock darf brechen! Hören die Bienen den Bären, muss er
drei Schritte zurück und noch einmal versuchen, an den Honig zu gelangen.
Hat er das Wachsstück, schleicht er leise davon und zurück zu einer beliebigen
Stelle im Kreis. Anschließend wird gewechselt.

Variationen
Jeweils ein Bär und eine Biene verteilen sich im Gelände / sobald die Biene etwas
hört, zeigt sie drauf.

Bezug zur Biene:


Bienen haben genetisch immer noch den Bären als Feind abgespeichert und reagie­
SPIELE
ren wahrscheinlich aggressiver auf dunkelhaarige Personen und dunkle Kleidung.
Daher ist Imkerkleidung häufig hell. Bären können zwar auf Bäume klettern,
riechen aber wohl höher gelegene Bienenvölker nicht so gut. Daher und weil
Bienen eigentlich wärmeliebende Waldtiere waren, siedeln sich wilde Bienen­
schwärme gerne in einer Höhe von etwa zehn Metern an. Bären mögen nicht nur
den leckeren Honig- sie sind auch sehr an den eiweißreichen Maden interessiert!

72
AUF DER SUCHE NACH DEM RICHTIGEN STOCK
Bienen, die von der Futtersuche zurückkehren, haben selten Probleme, ihren
Ausgangsort wiederzufinden. Sie erkennen ihren Stock, indem sie sich die Lage
und den Geruch des Eingangs merken. Ob das wohl nur die Bienen können?

Ziele
Wahrnehmung, Konzentration, Wissensvermittlung.

Material
Entweder Duftöl auf einen Wattebausch geben oder Kräuter.

Durchführung:
Für jeden Bienenstock (ca. drei bis vier) gibt es einen Wächter, der sich einen be­
stimmten Duft aussucht. Die Wächter verteilen sich anschließend auf der Wiese. Die
Bienen schließen die Augen und bekommen einen Geruch auf einen Wattebausch
geträufelt oder in die Hand. Anschließend müssen sie von Stock zu Stock fliegen,
um herauszufinden, zu welchem Volk sie gehören.

Variationen
Mit Kräutern: Die Wächter sind blind und müssen erschnüffeln, ob die Biene in
den Stock hinein darf!

Achtung
Nicht zu viele verschiedene Düfte benutzen, da die Nase nach drei bis vier Mal
schnuppern erschöpft ist.

Bezug zur Biene


Jeder Bienenstock hat einen eigenen Duft. Die Königin lässt im ganzen Stock Duft­
stoffe verbreiten, die den Arbeiterinnen mitteilen, dass es ihr gut geht. Stirbt die
SPIELE
Königin und fehlt dieser Duft, so entwickeln sich bei einigen Arbeiterinnen die
Eierstöcke und sie legen Eier. Da die Arbeiterinnen aber nie einen Hochzeitsflug
erlebt haben, kommen aus diesen unbefruchteten Eiern nur Drohnen – also männ­
liche Bienen. Das Volk ist dann „drohnenbrütig“.

73
POLLENSTAPELEI
Erlebnispädagogisches Spiel- Gruppenwettbewerb

Ort Raum oder Außengelände.

Ziel Möglichst viele Tennisbälle auf einer Person so zu stapeln,


dass sie eine Minute stabil liegen bleiben.

Material Viele Tennisbälle, zwei Stofftiere, Stoppuhr.

Durchführung
Es werden zwei Gruppen gebildet. Jede Gruppe bekommt eine Bedenkzeit, in
der sie überlegen kann, wie sie möglichst viele Bälle auf welcher Person in welcher
Haltung stapeln kann. Dies kann von der Gruppe mit Hilfe einiger Bälle getestet
werden. Gruppe B darf beim ersten Versuch der Gruppe A zuschauen und „aus
Fehlern lernen“. Die Gruppe darf in Ruhe aufbauen. Die Zeit wird erst dann ge-
nommen, wenn die Gruppe dem „Bestapelten“ das Stofftier auf den Ballhaufen
setzt. Fällt ein Ball oder das Stofftier zu Boden, so hat die Gruppe null Punkte.
Ansonsten werden die Tennisbälle gezählt. Jede Gruppe hat die Möglichkeit, bei
einem zweiten Versuch ihr Ergebnis zu verbessern.

Regel Es dürfen keine Bälle unter Kleidungsstücke gestopft werden.

Weiterführende Fragen und Forscheraufträge


1) Die Kinder sollen beobachten, wie Bienen den Pollen transportieren.
Hierzu setzt sich jedes Kind vor eine Blüte und beobachtet in aller Ruhe,
wie die Biene den Pollen sammelt.

2) Bienen sind Beinsammler. Einige Wildbienen sammeln den Pollen am Bauch.


Wenn möglich, tote Bienen vom Imker erfragen und diese unter einem
Mikroskop oder Lupe genau anschauen. Wie sieht das Putzbein aus, wie der
Kamm und das Pollenhöschen? In welche Richtung zweigen die Haare?

3) Blütenpollen besorgen (Imker fragen oder im Reformkostladen) und den


Kindern zur Verkostung anfragen. Sehen alle Pollen gleich aus? Können die


Kinder den Pollen nach Farben sortieren? Wenn möglich, den Pollen unter
einem Mikroskop betrachten.
SPIELE
Info
Die Biene bringt etwas Honig im Honigmagen mit, wenn sie Pollen sammelt. Der
Pollen liefert wertvolles Eiweiß und kann mit einem „Steak“ verglichen werden.
Es liefert Energie z.B. für die Aufzucht der Maden und die Produktion von Wachs.
Pollen wird in einem sogenannten Pollenkranz in der Wabe eingelagert. Je nach­
dem, woher der Pollen kommt, ist die Farbe und Struktur unterschiedlich. Wenn eine
Biene in den Bienenstock kommt und gerade eine neue Pollenquelle gefunden hat,
so untersucht eine Biene am Empfang erst einmal, was sie mitgebracht hat und ob
das Volk davon mehr brauchen kann. Wenn dies zutrifft, darf die Biene den anderen
Bienen den Standort der Pollenquelle vortanzen. Diese fliegen dann dorthin.

74
TRACHTFINDETANZ

Materialbedarf
Im Klassenzimmer: Schatzkiste mit Honigbonbons, Zahlenschloss (vier Nummern),
eine aus Papier gebastelte etwa handtellergroße Sonne, je ein Blatt Papier mit
einem Apfelbaum, einem Lindenbaum, einer Sonnenblumenblüte und einer Raps-
oder Löwenzahnblüte, kleiner Papierring als Ausgang vom Bienenstock, Stoppuhr,
Klebeband oder Stöcke.

Draußenvariante
Mit bunten Tüchern oder Nummern vier Pflanzen in der Umgebung markieren.
Zwei nah und zwei weiter entfernt. Aus einem Weidenast einen Kreis formen, der
bei bedecktem Himmel den Stand der Sonne anzeigen soll sowie ein Holzstück oder
Karton.

Aufgabe
Die Gruppe gelangt erst dann an den Schatz, wenn sie die richtige Reihenfolge der
Pflanzen herausfindet. Hierfür bekommen sie den unteren Informationstext.

Anleitung
Auf dem Boden wird die Größe und Position der Bienenwabe, auf der die
Biene später tanzen soll, gekennzeichnet. Mit einem * wird die Mitte der
oberen Wabenkante markiert (= Stand der Sonne). Nun legt man die
Position der Sonne fest und stellt die Hilfsmarkierung (Karton) für den
Bienenstockausgang auf. Die Blätter (oder farbigen Tücher) werden im
Klassenzimmer oder auf dem Gelände verteilt. Der Spielleiter misst je­
weils aus, wie viele Schritte er etwa gebaucht hat (gemessen zum Bie­
nenstock). Nun notiert sich die Gruppenleitung die Nummern, die sie
für das Zahlenschloss eingestellt hat. Die erste Nummer wird auf dem
Apfelbaumbild notiert, die zweite Nummer auf dem Lindenbaum, die
dritte Nummer auf der Sonnenblumenzeichnung und die vierte Num­ Start
mer auf der Rapsblütenzeichnung. Nun geht der Tanz los. Der Spielelei­
ter zeigt den Mitspieler*innen, wo es in seiner Wabe senkrecht nach Oben
geht und „tanzt“ die erste Mittellinie mit „bewegter Hüfte“- und biegt dann
ohne Hüftwackeln im Halbkreis nach links laufend zum Startpunkt zurück. Nun
wieder mit Hüftwackeln entlang der Mittellinie und nun nach rechts im Halbkreis
zurücklaufen. Je nach Entfernung legt er/sie nun eine bestimmte Anzahl an Achten SPIELE
zurück. Eine Acht besteht aus: Mittellinie, links rum, Mittellinie, rechts herum.

Achtung
Der Tänzer tanzt das, was die anderen Bienen beim Flug aus dem Stock sehen.
Steht die Sonne also senkrecht vor dem Ausflugsloch und genau in dieser Linie
steht fünf Meter entfernt der Apfelbaum, so tanzt der Spieleleiter*in senkrecht
nach „Oben“ sechs Mal eine Acht.

Liegt die Sonnenblume vom Ausgang und zur Sonne gesehen 45° rechts, so tanzt
man die Mittellinie 45° nach rechts gerichtet.

Wer die Lösung finden möchte, tanzt hinter dem Vortänzer her und zählt die Run­
den mit. Nun gehen die Mittänzer zum Ausgang des Bienenstockes und laufen in
dem Winkel zur Sonne (*Mitte) in der gezählten Entfernung los. Nun müssten sie auf

75
die erste Tracht stoßen und können die Nummer der Gruppe mitteilen. Wenn alle
Nummern in der richtigen Reihenfolge übermittelt wurden, kann die Schatztruhe
geöffnet und der Schatz an alle verteilt werden.

1 m Entfernung könnte er in 15 Sekunden 9 – 10 Achter tanzen bei

5 m 6 x

Bei 10 m 4–5x

Bei 50 m 2 x

Hintergrundwissen Schwänzeltanz
Mit dem Schwänzeltanz werben Bienen andere Sammelbienen für eine bestimmte
Sammelstelle oder in der Schwarmzeit auch für eine mögliche neue Behausung für
das Volk, die sie als Spurbiene entdeckt haben. Dabei erklären sie den anderen Bie­
nen im dunklen Stock sehr genau, in welche Richtung diese fliegen müssen und wie
weit das Ziel entfernt liegt. Je langsamer der Tanzrhythmus, desto weiter ist das Ziel
entfernt.

Bei 100 m Schwänzelstrecke in 15 Sekunden 9 – 10 x

Bei 500 m Schwänzelstrecke in 15 Sekunden 6x

Bei 1.000 m Schwänzelstrecke in 15 Sekunden 4–5x

Bei 5.000 m Schwänzelstrecke in 15 Sekunden 2x

Zur besseren Orientierung tanzt die „Vortänzerin“ auf der Wabe eine Acht.
Beim Mittelteil rüttelt sie kräftig mit dem Hinterleib. Die Richtung wird auf der
senkrechten Wabe mit dem Start nach oben – Richtung Sonne getanzt. Weitere
Bienen folgen ihr beim Tanz und so erhalten sie alle wichtigen Informationen.
Auf dem Kopf befinden sich neben den Facettenaugen auch drei Punktaugen, mit
denen die Biene polarisiertes Licht wahrnehmen kann. Das hilft ihr z.B., bei be­
decktem Himmel den Stand der Sonne zu bestimmen. Die Biene tanzt den Moment,
den ihre Kolleginnen vorfinden, wenn sie zum Flugloch ausfliegen. Wichtig ist hier
der Stand der Sonne. Wenn eine Biene im Stock senkrecht nach oben tanzt und dann
die Acht tanzt, so muss die Biene, die ausfliegt, senkrecht auf die Sonne zu­fliegen.
Liegt z.B. der Apfelbaum links vom Sonnenstand, so wird der Mittelteil der Acht im
entsprechenden Winkel gesetzt. Beim Tanzen kann die Biene den weiteren Verlauf
des Sonnenstandes mit einberechnen. Die Entfernung vom Stock zur Futterquelle
SPIELE
wird durch den Schwänzeltanz bei Windstille dargestellt. Bei Rückenwind kann es
schneller, bei Gegenwind langsamer gehen.

(Idee aufgeschnappt bei der wunderbaren Bienenausstellung in Bad Dürkheim)

76
VON JANUAR BIS DEZEMBER DURCH DAS BIENENJAHR
Vorbereitung
Leine aufspannen, Karten und Klammern auf Tisch verteilen.

Material
Karten (siehe Kopiervorlage), Wäscheleine, Wäscheklammern.

Aufgabenstellung

Sortiert die Karten von Januar bis Dezember.

Info

Einige Karten wie z.B. der „Smoker“ sind in verschiedenen Monaten einsetzbar.

Erfahrungswert

Kinder haben in drei Minuten die Karten hingehängt und diskutieren an der
Wäsche­leine, Erwachsene sortieren häufig an den Tischen.

Tipp

Es ist günstig, dieses Spiel am Anfang eines Bienenprojekts einzusetzen, das Ergebnis
abzufotografieren und das Spiel am Ende des Projekts noch einmal durchzuführen.
Dann die Ergebnisse vergleichen.

01_Kerzen 02_Hasel 05_Ablegerbildung 05_Apfelbaumblüte

03_Mandelblüte 04_Löwenzahn 05_Königin 05_Drohnenbrut

04_Brut 04_Honig 05_Drohnenwabe 05_Honig sieben

04_Wachsschmelzen 05_Drohnengeburt 06_Honigwabe 06_Honigwabe


entdeckelt

77
06_Honig 06_Zusetzkäfig 07_Bienenschwarm 07_Königin
geschleudert kennzeichnen

06_Zusetzkäfig im 06_Schleuder 07_Maroniblüte 07_Wanderimker


Brutraum

06_Weiselzelle 06_Entdeckeln 07_Drohnenflug 07_Lindenblüte

06_leere Wabe 07_Wanderimker 07_Brombeerblüte 07_Naturwabenbau

07_Wachsschmelze 08_Varoabehandlung 11_Rähmchenbau 12_Oxalbehandlung

08_Varroamilben 08_Sonnenblume 12_Varroamilben 12_Wintertraube


behandlunglung behandlung

08_Ameisensäure 09_Aster 12_behandelte 12_totes Volk


Bienen

09_Winterfütterung 09_Winterfütterung 12_Auszählen der 12_Christrose


Varroamilben

DURCH DAS BIENENJAHR 78


DURCH DAS BIENENJAHR 79
DURCH DAS BIENENJAHR 80
DURCH DAS BIENENJAHR 81
DURCH DAS BIENENJAHR 82
DURCH DAS BIENENJAHR 83
DURCH DAS BIENENJAHR 84
BEGRIFFE UND BILDER ZUORDNEN
Vorbereitung
Zwei Gruppen bilden, Zettel für die beiden Gruppen auslegen.

Material
Etwa 35 Zettel mit Begriffen, Zettel mit Zeichnungen.

Aufgabe
Ordnet die Begriffe den Bildern zu, es geht nicht um Schnelligkeit,
sondern um die richtige Zuordnung.

Erfahrungswert
Die Zuordnung Schwänzeltanz, Rundtanz ist schwer.

Tipp
Die Kinder können die Zeichnungen selbst herstellen.

Refraktometer Imkerjacke Rähmchen Wabendrahtspanner

Spanngurt Imkerschleier mit Hut Mittelwand Rähmchenösen

Imkeranzug mit Handschuhe Rähmchenlocher Kreuzklemme/


Schleier Abstandshalter

Futtertasche Beuten Stockmeißel Wabendrahtabroller

85
Wabendraht Naturwabe Leucht-, Zeichenplätt­ Kennzeichnungsrohr
chen mit Nummer

Smoker Rauchstoff/Tabak Kennzeichnungs- Kerzenform


zubehör

Bienenbesen Wachs Trenngitter Docht

Sonnenwachs- Zusetzkäfig Versand Entdeckelungsgeschirr Entdeckelungsgabel


schmelzer Königin

Entdeckelungsmesser elektrisches Honigerhitzer/ Ameisensäure-


Entdeckelungsmesser Verflüssiger Verdunster

Bienenwachskerzen Bienewachspastillen Nassenheider- Pollenfänger


Verdunster

Honigschleuder Trafolöter Pollen Futterschale

Honigsieb Honig Futterteig Behandlung

86
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88
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91
92
Beuten Rähmchenlocher

Naturwabe Kreuzklemme/Abstandshalter

Wachs Wabendraht

Sonnenwachsschmelzer Wabendrahtabroller

Kerzenform Smoker

Docht Rauchstoff/Tabak

Bienenwachskerzen Bienenbesen

Imkerjacke Stockmeißel

Imkerschleier mit Hut Refraktometer

Rähmchen Futtertasche

Wabendrahtspanner Handschuhe

Mittelwand Imkeranzug mit Schleier

Rähmchenösen

93
Trafolöter Honigsieb

Spanngurt Honigschleuder

Behandlung Entdeckelungsmesser

Futterteig Entdeckelungsgabel

Futterschale Entdeckelungsgeschirr

Pollen Trenngitter

Pollenfänger Kennzeichnungszubehör

Bienenwachspastillen Königinnen Zeichenrohr

Nassenheider-Verdunster Zusetzkäfig Versand/Königin

Ameisensäure-Verdunster elektrisches
Entdeckelungsmesser

Honigerhitzer/Verflüssiger
Leucht-, Zeichenplättchen
mit Nummer
Honig

94
KERZEN

KERZEN

95
BIENENWACHSKERZEN GIESSEN

Material
• Herdplatte
• Sintertopf oder zwei unterschiedlich große Kochtöpfe,
etwas Wasser im größeren Topf
• Thermometer bis 100°C
• Tischabdeckung
• Silikonkautschukformen
• Gummiringe
• Dochthalter (Holzstäbe oder Stricknadeln)
• Eventuell Abstandhalter für Dochthalter (z.B. Holzklötzchen)
• Schöpflöffel oder Kännchen zum Ausgießen
• Schere
• Papier zum Einschlagen der Kerzen
• Küchenpapier
• Eventuell Topflappen, für den Brandfall Löschdecke
• Für die Lagerung der Formen Küchenpapier und Behälter

Achtung
Wachs sollte immer nur im Wasserbad geschmolzen werden. Heißes Wachs niemals
unbeaufsichtigt lassen! Brennendes Wachs nicht löschen, sondern mit einem Topf­
deckel, Decke oder Sand ersticken.

KERZEN

96
Herstellung
• Materialien griffbereit auslegen, Löschdecke in der Nähe der Wachsstati­
on gut sichtbar auslegen, eine Person soll die ganze Zeit beim Wachs die
Aufsicht führen
• Mit den Schülern vorab besprechen, was mit Wachs passiert, das zu hoch
erhitzt wird und wie man dieses Feuer löscht (kein Wasser verwenden,
sondern Flamme mit einer Löschdecke, Sand o.ä. ersticken)
• Hinweis darauf geben, dass ALLE! Gummiringe benötigt werden und
nicht! zum „flitschen“ missbraucht werden dürfen
• In der Tabelle Dochtstärke für die Form ermitteln
• Spezial-Kerzendocht in die Form einlegen, den Docht an beiden Seiten ca.
2 cm aus der Gießform herausstehen lassen, Dochtrichtung (V) beachten
• Mit mehreren Gummiringen die Gießform in verschiedenen Höhen um die
Form legen und die Kerzenform auf den 1,5-2 cm langen Docht stellen
(Kerzenspitze = Formboden)
• Den Docht in den Dochthalter (zwei etwa 5 cm lange Holzstäbchen, die
mit zwei Gummiringen an den Enden umwickelt sind) in der Mitte der
Form fixieren und anspannen, eventuell Holzklötzchen als Abstands­halter
einfügen, da sich das Wachs an den Stäben hochzieht, überstehenden
Docht nahe am Dochthalter abschneiden
• Wachs im Sintertopf oder im Wasserbad (zwei unterschiedlich große
Töpfe stehen ineinander, dazwischen etwas Wasser) nicht über 75°C
erhitzen, um eine Schrumpfung beim Erkalten zu vermeiden, Gießtem­
peratur 72-75°C
• Je nach Topf entweder umfüllen in ein Gefäß mit einem guten Ausgießer
oder eine Saucenkelle verwenden
• Form erkalten lassen, je nach Durchmesser kann es unterschiedlich lange
dauern (etwa 15-30 Minuten)
• Bei großen Formen kann sich beim Erkalten durch das Zusammenziehen
des Wachses ein Trichter bilden, dieser kann nachgegossen werden
• Kerzendocht in Kerzenbodennähe abschneiden (also da, wo der Docht­
halter ist)
• Dochthalter und Gummiringe entfernen und Kerze vorsichtig herauslösen
• Den Docht eventuell noch in flüssiges Wachs tauchen, damit sich die

KERZEN
Docht­spitze nicht entflechtet

97
Beschriftung, Reinigung und Lagerung der Formen

Auf der Silikonoberfläche haften weder wasserfeste Stifte noch Etiketten wirklich
gut. Vor oder nach längeren Gießpausen kann eine Reinigung der Formen sinnvoll
sein. Hierzu spült man sie innen mit warmem Wasser aus, in das man vorher etwas
Geschirrspülmittel gegeben hat. Mit einer weichen Zahnbürste erreicht man auch
die kniffeligen Stellen in der Form. Vor dem Wiedergebrauch muss die Form abso­
lut trocken sein. Gummiringe können sich bei einer Lagerung ins Silikon drücken
und Rillen bilden. Werden die Formen länger mit Gummiringen um die Form herum
gelagert, können sich diese sichtbar in der Kerze als Vertiefung abzeichnen. Daher
bei der Lagerung der Formen die Gummiringe entfernen. Die Silikonformen können
sich bei einer falschen Lagerung mit der Zeit verformen. Sie sollten daher auf einem
geraden Untergrund gelagert werden. Flache Formen auf einer geraden Oberfläche,
runde Formen stehend. Das Aufeinanderstapeln der Gießformen kann nach einiger
Zeit zu Verformungen führen. Werden die Formen längere Zeit nicht gebraucht,
so sollte man diese kühl, trocken und möglichst staubfrei einpacken. Hierzu eignen
sich Papier-Küchentücher. Auf dem Küchentuch notieren, um welche Form es sich
handelt. Hierzu die Nummer (z.B. 1.000) oder Art der Form (z.B. Biber) sowie die
Dochtstärke (z.B. D7) notieren.

KERZEN

98
Beipiele für Wachskerzengießformen
und Materialeinsatz
Material: Silikonkautschuk

Nr. Motiv Gewicht Docht- Hinweis


Kerze stärke
535 Bienenkorbkerze 42g (60g) 7 löst sich gut
mit Biene aus der Form,
Wartezeit
537 Tannenzapfen 38g (40g) 7 löst sich gut aus
der Form, kurze
Wartezeit
540 Stumpenkerze 134g (150g) 7 längere Warte­
zeit
762 Bienenkorbkerze 108g (115g) 7 löst sich gut aus
der Form, etwa
20 Minuten
786 Längliche Kerze, 99g (110g) 7 lässt sich gut
Wabe und lösen
gr. Biene
854 Apfel 180g (180g) 9 Lange Warte­
zeit, löst sich
nur schwer
913 Teelicht Hase 27g (30g) 5 löst sich gut aus
der Form, etwa
20 Minuten
912 Osterhase 88g (90g) 7 Löst sich gut
aus der Form,
etwa 30 Minu­
ten Wartezeit
928 Elch (75g) 7 Hals bricht
oft ab, Geweih

KERZEN
bleibt z.T.
stecken
1000 Biber 43g (50g) 7 Löst sich gut
aus der Form,
etwa 20 Minu­
ten Wartezeit

Achtung: Die Kerzenspitze zeigt immer zum Boden der Form.


Der Zopf im Flechtmuster des Dochtes sollte beim Gießen mit
dem „V“ nach unten zeigen (^).

Merkhilfe: Mit den Händen in den Himmel der Sonne entgegen


und den geschlossenen Beinen Halt im Boden.

Quelle: Hobby Kreation 2012 Preisliste,


Gewicht erste Zahl selbst gemessen

99
MITTELWANDKERZEN ROLLEN

Material
• Mittelwände aus Bienenwachs (Imkerbedarf),
möglichst gewalzt (sind elastischer)
• Eventuell Wachsstreifen in anderen Farben
• Etwas flüssigen Wachs
• Dochte in verschiedenen Stärken
(Imkerbedarf oder Bastelladen)
• Schere und Messer
• Saubere, abriebfeste Unterlage
• Langes Lineal oder Leiste
• Föhn

Anleitung
Schräg verlaufende Kerzen: Mittelwände vor der Verarbeitung in einem warmen
Raum lagern. Tische mit Unterlage bedecken, Material bereitlegen. Die Mittelwände
werden mit der schmalen Seite zum Tischrand auf die Unterlage gelegt. Eventuell
mit einem Föhn die Mittelwände anwärmen, damit sie beim Aufrollen nicht brechen.
Die Wand mit Hilfe eines Lineals oder Leiste diagonal schneiden (es entstehen zwei
Dreiecke). Docht auf die kurze Seite der Wachsplatte legen, etwa 2 cm überstehen
lassen und abschneiden. Den Docht in die Wachsplatte drücken und die Mittelwand
weiter vom Docht aus möglichst ohne Zwischenräume gerade an der zweitlängsten
Linie entlang bis zur Spitze aufrollen. Verzierung mit z.B. in der Sonne gebleichten
Mittelwänden, dunklen Wachsplatten, mit Malfarbe für Wachs oder Streuflitter
verzieren. Den überstehenden Docht eventuell in flüssiges Wachs tauchen, dadurch
lässt sich die Kerze leichter anzünden.

KERZEN

100
STUMPENKERZEN

Warme Mittelwände der Länge nach teilen. Docht auf die kurze Seite der Wachs­
platte legen, etwa 2 cm an der Spitze überstehen lassen und abschneiden. Den
Docht in die Wachsplatte drücken und die Mittelwand weiter vom Docht aus
­möglichst ohne Zwischenräume gerade rollen.

TEELICHTER
Für Teelichter gibt es eigene Gießformen (z.B. über www.kerzenideen.de) und
je nach Jahreszeit sogar kleine Wachsaufsetzer, die diese Teelichter als Geschenk
einzigartig machen. Ein Nagel wird vor dem Gießvorgang in der Mitte der Formen
in die hierfür vorgesehenen Löcher gesteckt. Wenn der Wachs fast erkaltet ist,
zieht man das Teelicht am Nagel heraus und dreht den Nagel anschließend vor­
sichtig heraus. Nun wird ein gewachster Teelichtdocht von der Unterseite durch
das Loch gesteckt und das Metallplättchen bündig eingedrückt. Der Wareneinsatz
liegt pro T
­ eelicht zwischen 16-19 g und pro Aufsatz zwischen 2-4 g. Frisch gegossen
sind m
­ anche Wachslichter noch zu groß, um in eine Aluminiumschale zu passen.
­Nachdem sie erkaltet sind, passen sie in handelsübliche Hüllen. Auch die Farbe der
Kerze ändert sich, wenn sie erkaltet.

KERZEN

101
WACHSANHÄNGER
Wachsanhänger können gut als Weihnachtsbaumschmuck oder für besondere
Weihnachtskarten verwendet werden. Das Porto ist jedoch höher, da
die Anhänger meist zu dick geraten.

Bei der Herstellung der Anhänger sollte die Aufhängung


im Vorfeld überlegt werden. Entweder richtet man dünne
Gold- oder Silberfäden in der passenden Länge her und
drückt diese z.B. mit einem Zahnstocher vorsichtig in
die noch flüssige, an den Rändern aber schon erkaltende
Wachsmasse oder man macht mit einem Nagel ein Loch,
wenn der Wachs noch weich und warm ist. Hat man
dies vergessen, so kann man mit einer angewärmten
Nadel auch später noch ein Loch einstechen.
Die Wachsanhänger härten schnell aus, daher
können in kurzer Zeit recht viele Anhänger
hergestellt werden.

Die Wachsanhänger sollten nicht im Ölkeller


gelagert werden, da das Wachs den Ölgeruch
annehmen kann. Wer gerne mit Farben
experimentiert, kann im Fachhandel Wachs-
farbkonzentrat erwerben. Ein Block ist je nach
Hersteller etwa für 1–1,5 kg Wachs gedacht.
Hier lohnt es sich, ein wenig zu experimentieren.
Achtung: Die Farbe dunkelt beim Erkalten nach!

KERZEN

102
DOCHT
Der Docht hat ein oberes und ein unteres Ende. Die Spitze des auf der flachen Seite
eingewebten „V“ zeigt nach unten. Eine kleine Merkhilfe : Mit den „Händen“ zur
Sonne, mit den geschlossenen Beinen in den Boden. Besonders bei dicken Kerzen
ist die Richtung zu beachten. Möchte man Dochte für Teelichter selbst herstellen, so
gibt es im Handel auch die kleinen Befestigungsplatten. Hier kann man den in die
passende Länge geschnittenen und evtl. gewachsten Docht einführen und mit einer
Zange festklemmen.

Orientierung Dochtstärke je nach Dicke der Kerze


Hier empfiehlt es sich, eine Brennprobe zu machen. Bei einem verkehrt eingesetzten
Docht biegt sich dieser häufig nach außen und führt zur Bildung einer Rußfahne mit
flackernder, großer Flamme und Wachsabfluss.

Grober Richtwert:

Kerzendurchmesser Dochtstärke
1,5 cm 01
1,3–1,4 cm (z.B. Christbaumkerzen) 02
2 cm 03
2–2,5 cm Tafelkerzen 04
3 cm 05
4 cm 06
5 cm 07
6 cm 08
8 cm 10
9 cm 12
11 cm 14
40 cm lange Mittelwandstreifen 04

KERZEN

103
KLEINE „BIENENWACHS“ MATERIALKUNDE

Wachsproduktion
Die Arbeitsbiene kann im Alter von 12–18 Tagen Wachs produzieren. Die Wachs­
drüsen sind flächig in sogenannten „Spiegeln“ angeordnet. Sie liegen zu vier Paaren
zwischen den Bauchschuppen des Hinterleibes. Um Wachs zu erzeugen, benötigen
die Bienen reichlich Kohlenhydrate (Honig, Zucker) und Pollen. Das Wachs tritt
flüssig aus und erstarrt, sobald es mit Luft in Kontakt kommt.

Info Mittelwand
Imker verwenden gegossene oder gewalzte Bienenwachsplatten, um sie in
ge­drahtete Rähmchen (die in den Bienenstock gehängt werden) einzulöten.
Diese Mittelwände zeigen bereits das Sechseckmuster der Bienenwaben. Honig­
bienen-Arbeiterinnen bauen die Mittelwände im Bienenstock nach beiden
Seiten hin weiter aus.

Für ein Kilogramm Wachs schwitzen die Honigbienen etwa 1.250.000 Wachs­
plättchen aus den Wachsdrüsen ihrer Hinterleiber.

Eine Bienenwabe mit einem Gewicht von 40 Gramm kann bis zu zwei Kilogramm
Honig aufnehmen.

Die Waben dienen aber auch der Aufzucht der Bienenmaden.

Alte dunkle Waben, aus denen schon viele Bienen geschlüpft sind, werden mit
einem Sonnen-oder Dampfwachsschmelzer ausgeschmolzen. Die hellen Honig­­-
waben aus unbebrüteten Waben werden nach dem Schleudern des Honigs von
den H
­ onigbienen „ausgeschleckt“ und können erneut zur Honigeinlagerung in
den Bienenstock gehängt werden.

Auch das Wachs, mit dem die Honigzellen verdeckelt waren und das vor dem
­Schleudern mit der Wachsgabel entfernt wurde, wird später ebenso wie die
­Drohnenbrutwaben eingeschmolzen. Das Wachs wird anschließend gereinigt ­
und in einer Mittelwandgießform zu neuen Mittelwänden gegossen. Auf diese
Weise ergibt sich für das wertvolle Wachs, für dessen Herstellung die Honig-
bienen viel Nektar, Honig und Pollen fressen müssen, ein Kreislauf.

KERZEN

104
MADAME TUSSAUDS WACHSFIGURENKABINETT

Biografie
Als Tochter einer Haushälterin, die beim erfolgreichen Wachsbildhauer ­
Dr. Curtius in Paris gearbeitet hat, erlernte die in Straßburg geborene Marie
die Kunst des Wachsskulptierens. Er hinterließ ihr 1794 die Ausstellung,
die das Geschäft mit viel Geschick halten konnte. Das war für eine Frau zu
Zeiten der Revolution sehr schwer. Damals waren viele Menschen Analpha­
beten und sie besuchten die Ausstellung, um die Persönlichkeiten der
Revolution anzusehen. Marie fertigte Totenmasken von Ludwig XVI., Marie-
Antoinette und Robespierre an. Mit 40 Jahren zog sie mit ihrem vierjährigen
Sohn nach London und reiste dort 33 Jahre lang durch Großbritannien. Sie
erweiterte die Ausstellung um die britische Königsfamilie und andere Berühmt­
heiten wie z.B. Admiral Nelson. 1835 ließ sie sich in London nieder. Inzwischen
gibt es weltweit 19 Ausstellungen, in denen Persönlichkeiten und die Kultur des
jeweiligen Landes dargestellt werden. Schon früh erstellte Madame Tussauds
ansprechende Programmhefte für ihre Ausstellungen.

Blick in die Werkstatt


Die Herstellung einer Figur dauert heutzutage etwa drei
Monate und kostet um die 200.000 Euro, da der Zeit- und
Materialeinsatz bemerkenswert ist.

Formen und Modellieren


Um eine gute Kopie der prominenten Person herstellen zu
können, benötigt man über 500 exakte Messungen an Kopf und Körper.
Am Anfang posiert die Person auf einer Drehscheibe und wird von allen Seiten
fotografiert. Über einem Metallgerüst wird aus etwa 150 Kilogramm Ton die
­Figur gestaltet. Die Künstler benötigen dazu ein großes anatomisches Wissen, mit
dem sie jeden Knochen, jede Sehne und jeden Muskel richtig nachbauen k ­ önnen.
Um eine Person zu modellieren, arbeiten die Fachleute ca. 170 Stunden.

Abdruck
Aus dem Tonkopf wird ein Gipsabdruck in mehreren Teilen hergestellt. In diese

KERZEN
Kopfform wird das 77 Grad Celsius heiße Wachsgemisch gegossen. Diese Mischung
besteht aus Bienen, Japanwachs, Farbstoff und einer geheimen Zutat. Japanwachs
wird aus einer Mischung aus verschiedenen Früchten (Pflanzenfett und freie Fett­
säuren) hergestellt. Der hohle Wachskopf ist später etwa 13 Millimeter dick und
fünf Kilogramm schwer. Der Körper wird in Harz und Glasfaser gegossen. Für ihn
benötigt man noch einmal etwa 20 Kilogramm Wachs.

Haare und Augen


Danach werden aus Acrylharz die Augen gefertigt. Nach Möglichkeit wird auch das
gesamte Gebiss nachgebildet. Etwa 500 Gramm menschliches Haar wird pro Figur
verwendet. Dabei wird jedes Haar einzeln mit einer Nadel ins Wachs eingestochen.
Die Haare werden nun gewaschen, geschnitten und gestylt. 140 Stunden brauchen
die Stylisten alleine für die Haarpracht. Die Haut wird von Künstlern mit Ölfarben
lebensecht gestaltet.

Man braucht etwa 17 Millionen Blumen, um genug Honig zu produzieren, damit


man ein halbes Kilogramm Bienenwachs erhält. Bienenwachs ist auch die umwelt­
freundlichste erneuerbare Form von Wachs.

Die Fotos von Christina Stürmer wurden


bei Madame Tussauds in Wien aufgenommen. 105
REZEPTE

REZEPTE

106
LIPPENBALSAM ZUM EIGENBEDARF
Hinweis für Gruppenarbeiten
Es macht Sinn eine Gruppe in Kleingruppen aufzuteilen und maximal drei bis fünf
Personen einen Balsam herstellen zu lassen. Andere Gruppenmitglieder können in
der Zeit z.B. Mittelwände zu Kerzen rollen. Vor der Aktion macht es Sinn darauf
hinzuweisen, dass Wachs nicht überhitzt werden darf und im Falle eines Brandes
auf keinen Fall Wasser zum Löschen verwendet werden darf. Die Branddecke muss
in Greif­weite der Herdplatte liegen. In der „Lippenbalsamgruppe“ sollte jemand die
Temperatur und den Topf ständig kontrollieren. Zwei Personen sollten die Zutaten
abwiegen und eine Person könnte schon einmal die Etiketten mit Namen, Herstel-
lungsdatum und Zutaten beschriften.

Hinweise zu den Zutaten


Sheabutter versorgt die Haut mit Nährstoffen und fördert die Zellerneuerung.
Vitamin E wirkt entzündungshemmend, zellerneuernd und schützt vor den
sogenannten freien Radikalen.

Material
Herdplatte, Sinter-Topf (Doppelwandiger Topf) oder zwei unterschiedlich große
Töpfe, Wasser, Waage, eventuell Becherglas, Stäbchen oder Holzspatel, Lippenstift-
hülsen (etwa 70 Cent) oder Kruke 10 g (Apotheke, etwa 30 Cent) Teelöffel, Küchen-
tücher, Abfalleimer, Thermometer (T= 0 bis 100°C), Topfhandschuh, Löschdecke,
eventuell Ceranfeldschaber, alte Wachstuchdecke als Unterlage.

Praxistipp
Die meisten Sinter-Töpfe haben keinen guten Ausgießer. Um die geringen Mengen
zielgenau in die Lippenstifthülsen abfüllen zu können, muss die Flüssigkeit eventuell
in ein Becherglas oder einen kleinen Aufschäumbecher umgeschüttet werden. Beim
Zeitplan an die Reinigung der Arbeitsmaterialien- und flächen denken. Wachs klebt
stark am Boden fest und lässt sich mit Wasser kaum aufwischen. Daher möglichst

REZEPTE
sauber auf einer mit einer alten Wachstuchdecke oder Papier ausgelegten Fläche
arbeiten. Nicht zu viele Farb- oder Duftstoffe einsetzen. Lippenbalsam gleich aus­
probieren oder kühl lagern.

107
REZEPTE LIPPENBALSAM

Zubereitung
Zutaten im Wasserbad langsam erhitzen, bis die Masse klar ist. Unbedingt gut
verrühren! Möglichst mit „kleinem Berg“ in Lippenstifthülsen oder Tiegel abfüllen.
Erst wenn die Masse ausgekühlt ist, sollte die Kappe aufgesetzt werden.

Rezept 1 „Lippensanft“
für 10 Stück á 10 ml

Zutaten: 5 g Blütenblätter der Ringelblume


6 g Bienenwachs
100 ml Olivenöl

Rezept 2 „Mandelmund“
für 3 Stück á 10 ml

Zutaten: 10 g Jojobaöl
10 g Mandelöl
10 g Bienenwachs
1 Teelöffel Honig

Rezept 3 „Honigsanft“
Zutaten: 7 g Bienenwachs
20 g reine Sheabutter
5 g Honig
1 Kapsel Vitamin E
nach Bedarf Duftöl

Rezept 4 „Lippengruß FlowerPower“

REZEPTE
Zutaten : 1 Esslöffel Olivenöl
1 Teelöffel Karottenöl
1 Esslöffel Lanolin
1 Teelöffel Akazienhonig
10 Tropfen Panthenol
3 Tropfen Geranienöl
3 Tropfen Lavendelöl

Rezept 5 „Lippenschmeichler freches Früchtchen“


Zutaten: 1 Esslöffel Olivenöl
1 Teelöffel Jojobaöl
1 Esslöffel Lanolin
1 Teelöffel Honig
10 Tropfen Panthenol
3 Tropfen Zitronenöl
3 Tropfen Mandarinenöl

108
Rezept 6 „ besänftigender Lippenschmeichler“
Zutaten: 1 Esslöffel Mandelöl
1 Esslöffel Lanolin
1 Teelöffel Honig
10 Tropfen Panthenol
2 Tropfen Calendulaöl
2 Tropfen Kamillenöl
2 Tropfen Zitronenmelissenöl

Rezept 7 „Biene-Maja-Lippenbalsam“
Zutaten: 10 g Jojobaöl
10 g Mandelöl
10 g Bienenwachs
10 g Sheabutter
1 g Honig

REZEPTE

109
Hinweise
Die Rezepte wurden leicht abgewandelt. Als Vorlage dienten Rezepte von textkind
und www.ihr-wellness-magazin.de. Das Biene Maja Rezept stammt von einem
Seminar am 7.5.2015 in Benediktbeuren. Weitere Rezepte findet man unter
https://textkind.wordpress.com/tag/lippenbalsam-selber-machen.

Zutaten können bezogen werden z.B. über www.pura-natura.com, Spinnrad oder


www.odoris.de. Wachs erhält man günstig im Imkerfachgeschäft.

Diese Rezepte sind nur für eine Schulungseinheit im Unterricht oder Eigenbedarf
gedacht. Der Verkauf von Lippenbalsam unterliegt der EU-Kosmetikverordnung
(Verordnung (EG) Nr. 1223/2009.

Kosmetische Mittel sind demnach „Stoffe oder Gemische, die dazu bestimmt sind,
äußerlich mit den Teilen des menschlichen Körpers (Haut, Behaarungssystem, Nägel,
Lippen und äußere intime Regionen) oder mit den Zähnen und den Schleimhäuten
der Mundhöhle in Berührung zu kommen, und zwar zu dem ausschließlichen oder
überwiegenden Zweck, diese zu reinigen, zu parfümieren, ihr Aussehen zu verän-
dern, sie zu schützen, sie in gutem Zustand zu halten oder den Körpergeruch zu
beeinflussen.“ „Kosmetische Mittel können unter anderem ... Lippenpflegemittel
und -kosmetika ... sein“.

Für Schülerfirmen, die eine Rezeptur melden und vertreiben möchten:


Für das Inverkehrbringen von kosmetischen Mitteln gibt es keine Zulassungspflicht.
Alle kosmetischen Mittel, die seit dem 11. Juli 2013 auf dem Markt bereit gestellt
werden, müssen aber vorher über das CPNP (Cosmetic Products Notification Portal)
bei der Europäischen Kommission notifiziert (gemeldet) werden. Hierbei muss eine
für das kosmetische Mittel verantwortliche Person (in der Regel Hersteller oder Im-
porteur, ggf. auch Händler) das kosmetische Mittel beim Notifizierungsportal CPNP
anmelden, die Person muss für jedes kosmetische Mittel einen Sicherheitsbericht
vorzeigen können und das Mittel den zuständigen Behörden melden.

CPNP umfasst dabei drei Notifizierungspflichten, die man vor dem Inverkehrbringen
erfüllen muss:

REZEPTE
• Informationen über das kosmetische Mittel und seine Rezeptur, die den Gif-
tinformationszentren zum Zweck der schnellen und angemessenen Beratung
im Falle von Gesundheitsstörungen zugänglich gemacht werden.
• Informationen über das kosmetische Mittel ohne die Rezeptur, die den zustän-
digen Behörden der Bundesländer zum Zweck der Überwachung zugänglich
gemacht werden.
• Für kosmetische Mittel, die Bestandteile in Form von Nanomaterialien ent-
halten, müssen 6 Monate vor dem Inverkehrbringen der kosmetischen Mittel
Informationen zu den Nanomaterialien notifiziert werden (Art.16 der EU-
KosmetikV). Diese Informationen gehen ausschließlich an die Europäische
Kommission und bei Bedarf an deren Wissenschaftlichen
Ausschuss für Verbrauchersicherheit.

Quelle: www.cvuas.de, Informationsdienst der Chemischen und Veterinärunter-


suchungsämter (CVUA) Stuttgart, Karlsruhe, Freiburg und Sigmaringen sowie des
Staatlichen Tierärztlichen Untersuchungsamtes (STUA) Aulendorf-Diagnostikzentrum

http://www.bvl.bund.de/DE/03_Verbraucherprodukte/03_AntragstellerUnterneh-
men/02_Kosmetik/01_Notifizierung/bgs_fuerAntragsteller_kosmetik_Notifizierung_
node.html 110
FARBLOSE SCHUHCREME MIT BIENENWACHS

Zutaten
10 g wenn vorhanden, möglichst gebleichtes Bienenwachs
(sorgt für den Glanz)

10 gehäufte Teelöffel Lanolin

55 ml Mandel- oder Orangenöl

5 ml Rizinusöl (macht das Leder geschmeidig)

Variante
5 g Pigmentpulver zugeben (z.B.: Holzkohlepulver,
Erd- und Theaterfarben, für die Farbe Weiß Titandioxid)

Materialbedarf
Zutaten, Herdplatte, Sintertopf oder Topf im Wasserbad,
Schneebesen, Gläser mit Deckel, Etiketten, Stift

Herstellung
Sintertopf oder Topf im Wasserbad langsam und wenig erhitzen.

1. Sintertopf oder Topf in einem Wasserbad langsam erhitzen.

2. In den Sintertopf/Topf werden nacheinander 10g Bienenwachs,


10 gehäufte TL Lanolin und 60 ml Öl gegeben.

3. Warten, bis das Wachs geschmolzen ist und dann den Herd abschalten.
Die Mischung mit dem Schneebesen verrühren, bis die Masse homogen
und cremig erscheint.

4. Saubere Gläser bereitstellen und die fertige Bienenwachs-Schuhcreme

REZEPTE
darin abfüllen.

5. Die Bienenwachs-Schuhcreme abkühlen lassen und erst dann den


Deckel aufsetzen.

6. Etiketten mit Zutaten, Menge, Herstellungstag und Abfüller erstellen


und auf die Gläser geben.

Fertig ist die selbst gemachte Bienenwachs-Schuhcreme!

Sobald sie ausreichend abgekühlt ist, können Lederschuhe oder Taschen damit
behandelt werden. Die Schuhe mit der Schuhcreme einreiben und danach mit
einem Lappen oder einer Bürste polieren.

Gut verschlossen und kühl gelagert, hält die Bienenwachs-Schuhcreme etwa


acht Monate lang.

111