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Modellbahn

schule DM 16,80
Nr. 3
öS 130,- SFr 16,80
hfl 21 bfr 408,-
lfr 408,- dkr 83,-

Straßenverkehr
Der Kastenwagen in der
bäuerlichen Umgebung

Hausbau
Fenster ermöglichen
den Blick ins Haus

Fahrzeuge
Belebungen rund um das
Dampflok-Führerhaus

Elektrik
Professionelle Steckver-
bindungen für Module

Anlagenbau
Werkstatt
Werkzeuge und Tipps
für den Anlagenbau

Ideen und deren Ansichtssache


Umsetzung Naturnachbildungen
sind je nach Sichtweise
verschieden
Systeme und
unendliche Vielfalt

Editorial
E
inen bunten Bilderbogen mit Ar­beits­­prinzip eines Modellan­la­gen­bau­
Mo­­­dellbahnanlagen blättern ers, der in dieser Ausgabe von Mo­dell­
wir hier auf, in un­ter­schiedli­ bahn­Schu­­­le vorgestellt wird. In die­­sem
chen Nenngrößen, Dimensio­ Satz steckt genau das, was wir unter
nen, Themen. Da kommt aber noch „Kunst des Anlagen­baus“ verstehen: Näm­­
Markus Tiedtke
et­was hinzu, was auf den ersten Blick lich aus Ge­se­henem, Beobachtetem, in Geschäftsführender
weniger deutlich wird, beim professionel­ eigenschöpferischem Gestalten Werke zu Redakteur

len An­lagen­bau aber aus­schlagge­ben­­d ist: schaffen, die Maßstäbe setzen.


Die Per­sön­lichkeit, die hinter der kün­ Das Künstlerische im Bau von Modell­­
stleri­schen Komposition steckt. bah­nanlagen gehört zur Themen-Palette
Wir gehen bewusst so weit, im Zusam­ der vorliegenden Ausgabe von Modell­
menhang mit Modellbahnanlagen den Be­­ bahnSchule. Der Ein­stieg, in unser wun­
griff „Kunst“ zu verwenden. Was sich in derschönes Hobby ist jedoch das eigent­
man­­­cher An­la­ge präsentiert, ist eben nicht liche Haupt­thema. Für den An­fän­ger wird
nur maß­stabs­­ge­treu verkleinerte, akri­bisch aus der Fülle der Infor­ma­tio­nen sicher
genaue Wie­der­gabe des großen Vorbilds. eben­so viel und Interessantes zu ent­neh­
Lang­jäh­­rige Beob­ach­tung steckt dahinter, men sein wie für den Profi.
die in einem künst­leri­schen Prozess ins Viel Spaß bei der Lektüre wünscht
Mo­dell umge­setzt wird. „Se­hen lernen, Ihnen
um Träu­­me zu verwirklichen“, lautet das
ab Seite

48 Kulissen Hintergründe erweitern


optische jede Anlage.
Inhalt

3 EDITORIAL

Schwerpunkt Anlagen
Wenn Träume wahr werden...
Bis die Träume von einer Mo-
dellbahnanlage wahr werden,
6
Blick ins ab Seite
ist es ein langer Weg.
Blick in die
Fenster 56
Vom Teppich auf die Platte
Vor dem Baubeginn steht die
Unterwelt intensive Beschäftigung mit
der Technik und den ver-
12
40
Die Fenster von Modellhäuser können schiedenen Anlagenformen.
ab Seite
mit nur wenigen Mitteln belebt werden. Von Nachbar zu Nachbar...
Viel Platz für die große Anla-
ge ist selten. Die Alternative:
24 Module. Aber bitte genormt.
Pläne schmieden
Das A und O für den späte-
ren Spielspaß ist der sorgfäl-
tig erstellte Plan; egal, ob mit
32 dem Bleistift oder dem PC.
Ausflug in die Unterwelt
Ein solide gefertigter Unter-
bau gewährleistet langjährige
Freude an der Modellbahn-
anlage. Und auch im „Schat-
40 ten“ ist was los.
Kulissenbau
Von den Theater-Profis kann
Unter man so einiges lernen für die
großen Modell­bahnanlagen stimmungsvolle Gestaltung
geht es lebendig zu. 48 von Anlagen-Hintergründen.

Bauwerke
Die Augen der häuser
Häusermodelle fangen an zu
Titel Eisenbahn
Landschaft
und leben, wenn man sich ihrer
Fenster gestalterisch
bilden nicht nur an­nimmt. Und mit der richti-
beim Vorbild eine gelun­ gen Beleuchtung schafft man
gene Harmonie, auch auf
der Modellbahn­anlage
56 „Nachtleben“ auf der Anlage.
lassen romantische
Straßenverkehr
Kleine Details Szenen unser Herz
höher schlagen. Harter Job für Pferd und Ochs

beleben ab Seite 72 Fotograf: Markus Tiedtke


Ein besonderes „Schmankerl“
für Anlagenbauer sind ländli-
che Szenen mit Fuhrwerken.
Die Idylle vergangener Tage,
Dampflokomotiven führen die eigentlich schwere Arbeit
neben Kohle und Wasser auch war, läßt sich im Modell
weitere Ausstattungsteile auf außerordent­lich stimmungs-
voll verwirklichen, wenngleich
ihren Tendern mit. das Angebot an Modellen
62 doch etwas schmal ist.

Fahrzeuge
Details für eine lebendige Optik
Mit relativ wenig Aufwand
lassen sich Dampflokmodelle
attraktiv beleben und damit
auch aufwerten – zumindest
für den vorbildorientierten
4 Modellbahnschule 3
72 Modellbahner.
Kleine
und
große
Anlagen
Das Hobby
„Modellbahn“
ist vielfältig.
Elektrik
ab Seite

12
Der gute kontakt
Auf gute, sichere Kontakte von
Segment zu Segment kommt
es an bei Modulanlagen.
Verschiedene Steckertypen
erfüllen unterschiedliche
Forderungen.
Um besonders freizügig mit
mehreren Modul-Erbauern
Anlagen zusammenstellen zu
können, empfiehlt sich eine
gemeinsame elektrische
Anschlussnormung. Einige
bestehende Normen werden
76 hier vorgestellt.

Werkstatt
Wo gehobelt wird...

Module
...fallen hier zwar auch Späne.
Doch das eigentliche Thema
sind die Werk­zeu­ge und die
grundsätzlichen handwerkli- Modellbahnzüge rauschen
chen Tätig­keiten, die für die ab Seite von Anlage zu Anlage.

24
Konstrukti­on eines professio-
82 nellen Unterbaus nötig sind.

Ansichtssache In der
Impressionen zur natur Landwirtschaft
Wald und Wiesen, Natur und prägten spezielle
Landschaft neben den Stre­ Fuhrwerke über
cken der Modellbahn –  es
gibt viele Möglichkeiten und
Jahrhunderte
ab Seite hinweg den

62
viele Materialien, um Na­türli­
ches adäquat auf die An­la­ge Fuhrpark der
zu bringen. Drei bekann­te Bauern.
Anlagenbauer werden hier

89
mit ihrer ganz persönlichen
Handschrift vorgestellt. Transportmittel für das Land
Natürlich die Natur gestalten
Andreas S. Lüneburg bevorzugt
fast ausschließlich Ma­terialien,
90 die die Natur liefert.
Mikrokosmos mit viel Leben
Hans Poschers Spezialität sind
feinst gestaltete Szenen. Jedes
Material wird von ihm Träume aufs
92 farblich überarbeitet.
Grossräumige Naturszenerien
Josef Brandls Anlagen atmen
Papier bringen
Weite, Naturnähe. Er über- Jeder Anlage geht
setzt seine Materialien in
94 über­zeugende Natur. eine meist be­schäf­tigungs­
intensive Planungsphase
Schlußlicht voraus.
Innovatives – detailliertes
Ein Feinst-Pantograph für Z,
ein flüsternder Schleifer für
Wechselstrom, eine stromfüh-
ab Seite 32
rende Kupplung und viele
96 maßstäbliche Häuser...

97 PREISKATEGORIEN, SYMBOLE

98 IMPRESSUM Modellbahnschule 3 5
Jede Modellbahnanlage ist auch ein Spiegelbild des Besitzers
Schwerpunktthema

Wenn Träume
Das richtig gewählte Konzept und Thema ist Garant für eine
Modellbahn, die auch noch nach Jahren ihren Spielreiz nicht
verliert. Viele Träume und Wünsche gehen der sorgfältigen
Planung vorweg. Raum und Geldbörse holen einen aber wie­
der auf den harten Boden der Tatsachen zurück, der aber
überhaupt nicht langweilig zu sein braucht und trotz Ein­
schränkungen viele Mög­lich­keiten offen lässt.

6 Modellbahnschule 3
wahr werden...
Der Traum vieler Modell­bah­
ner ist eine große Anlage.
Sie weicht in der Regel vom
üblichen Kreis­ verkehr ab
und ihre Form entspricht
nicht mehr dem klassischen
Rechteck.

Auch weniger große Träume


werden wahr: Auf kleine,
dem Vorbild akribisch nach­
emp­fundene Motive be­­
schränkt sich das Team
Eichholz.

Modellbahnschule 3 7
Hans Poscher, ein be­ kann­
ter Anlagenbauer, zieht
Schwerpunktthema

land­­­schaftliche Mo­tive den


städtischen vor. Die roman­
tische Atmos­ phäre einer
primitiven Waldbahn in Ru­­
mänien, wo die Zeit schein­
bar ste­ hen geblieben ist,
fasziniert ihn mehr als
Großanlagen mit hekti­
schem Spiel­be­trieb.

Deutschland ist ein waldreiches Land. Warum


nicht auch große Wälder auf der Modellbahn?
Wälder und Berge sind Sinn­
bilder für Natur – und auf
der Mo­dell­bahn sehr
be­lieb­te Land­schafts­for­men.
Die Sehn­­ sucht nach einer
heilen Welt wird so umge­
setzt. Man hört förmlich den
Kuckuck rufen und die
Mühle am rauschenden
Bach emsig klappern und
meint, die frische Wald­ luft
zu atmen.

8 Modellbahnschule 3
Modellbahnschule 3 9
Schwerpunktthema

Urlaubseindrücke sind oft


eine weitere Antriebs­ kraft,
auch ausländische The­ men
in Deutschland mit Akribie
und Liebe umzusetzen. Ob
die hohen Ber­ ge der Ost­
schweiz im typisch bunten
Herbst­kleid oder das flache
Land im britischen Corn­­wall
mit seinen menschenleeren
Nebenbahn­stati­onen­ – die
Haupt­sache ist doch, dass
man auch noch in vielen
Jahren Gefallen an seiner
Modell­bahnanlage findet!

Reisen über Deutschlands Grenzen hinaus lassen den


Wunsch nach ausländischen Themen aufkommen
10 Modellbahnschule 3
Modellbahnschule 3
11
Fotos: Andreas Stirl (1), Markus Tiedtke (5), mit freundlicher Genehmigung aus Sammlung Josef Brandl (1)
Schwerpunktthema

12 Modellbahnschule 3
Modellbahnsysteme und Anlagenformen

Vom Grundsätzlichen zum Speziellen,


von den ersten Überlegungen, die
Modellbahn vielleicht zum
„lebenslänglichen“ Hobby zu machen,
bis hin zu professionellen
Anlagenformen reicht das
Themen-Spektrum dieses Beitrags.

Vom
Teppich
auf die
Platte Modellbahnschule 3 13
Schwerpunktthema

W
er mit dem Hob­
by Modelleisen­
bahn an­­fängt,
soll­
te nicht ein­
fach drauf­­los­bauen. Wenn die
Freu­de an der Modellbahn groß
und dauerhaft sein soll, bedarf
es doch einiger grundlegender
Über­legungen. Denn un­ter den
Fehlern einer anfänglichen
Be­ geisterung und eines daraus
re­sultierenden unüberlegten
Kauf­ rausches leidet man
wo­möglich seine ganze Modell­
bahner-Karriere lang.
Wer gleich zu Anfang mit
einem H0-Oval seine Träume in
flott dahinrauschende Züge
umsetzt und erst viel später
merkt, dass er mit seinem
be­ schränkten Platz doch viel­
leicht mit der N-Spur besser
bedient gewesen wäre, hat
diese erste Fehlinvestition teu­er
bezahlt.. Und wer sich
an­fänglich hohe bastlerische Zie­ Eine Grundsatzentscheidung betrifft das Stromsystem. Hier die Dreileiter-Wechselstrom-Bahn.
le gesteckt hat und mit der Zeit
merkt, dass die eigenen hand­
werklichen Fä­higkeiten oder die notwen­ in Baugröße H0, bei den Stra­ ßen­
dige Freizeit nicht ausreichen, wird unter fahrzeugen setzt sich dies in noch
Umständen lieber mit der im Betrieb etwas stärkerem Maße, insbesondere bei
einfacheren Wech­­selstrombahn, kombiniert den früheren Epo­chen, fort, und das
mit einem Fertiggelände, seine reichliche Aus­stattungs­zube­hör von
Hobbyträume erfüllt sehen. H0 sucht man in N – bis auf das
Angebot weniger und teurer
Welche Nenngröße? Kleinserienher­stel­ler – vergebens.
Ganz am Anfang steht die Fra­ge der zu Die nächste Größe ist TT (Table-
wählenden Spurgrö­ße. Entscheidend dürf­ Top), der Maßstab liegt bei 1:120.
ten der vorhandene Platz in den eigenen Diese früher vor al­ lem im Gebiet
Räumen und die Grundvorstellung über So hat fast jeder Modelleisenbahner einmal ange­ der ehemaligen DDR verbreitete
die Ausübung des Hobbys sein. Wer z. B. fangen, mit einer „ebenerdigen“ Spielanlage. Spurwei­ te vermag die Platzvorteile
nur über beschränkten Platz zu Hause ver­ von N und die Detail­lie­rungs­vor­teile
fügt und höchstens mit von H0 in sich zu vereinen, bildet
Fast schon einer Anlage in
Grö­­­ße einer üblichen
der also einen guten Kompro­miss zwi­
schen beiden Spurweiten, leidet
eine Grund­­­platte auskommen
muss, aber gerne groß­zü­
derzeit aber noch etwas un­ter einer
Ange­botsschwäche.
Philosophie: gige Land­schaf­ten bau­en
oder schöne lange Züge
Die am meisten verbreitete Spur­
weite ist H0 (sprich Ha Null). Der
Die Nenngröße mit der Spurweite N im
fahren lassen will, der ist Ausdruck ist abgeleitet von „Halb
Null“, da der Maßstab 1:87 in etwa
Maßstab 1:160 wohl am der Hälfte des 0-Spur-Maßstabes
besten beraten. Der noch kleinere Maßstab Auf die Größe kommt es an: Zweimal Baureihe V von 1:45 entspricht. H0 bean­
1:220, Nenn­grö­ße Z, hat seine ganz eigene 100, vorne in Nenngröße N, hinten im Maßstab 0. sprucht zwar schon einiges an Platz,
Phi­losophie. Die Baugröße ist zwar prädesti­ aber man kann in einem normalen
niert für Großprojekte auf überschaubarem Zimmer immer noch eine ganz ver­
Raum, doch viele Miniclub-Fans begeistern zeitig hervorragende Laufeigen­schaf­ten nünftige Bahn auf einer Platte auf­
sich eher für Gags wie Spielanlagen im haben. Mit N gewinnt man viel Platz, ver­ bau­en. Wie sich in dieser Spur­wei­te der
Koffer. Weshalb das im Verhältnis zu H0 nünftige Gleis­systeme sind ebenfalls erhält­ Platz noch besser und vor allem modell­
eingeschränktere modellangebot Z-Bahner lich, und auch das Fahr­ zeugangebot bahngerechter ausnutzen lässt, wird im
nur am Rande stört. scheint ausreichend zu sein. Dafür leidet Anschluss an diese grund­ sätz­
lichen
Das Manko schlecht laufender Fahrzeuge der Mo­dellbahner unter einem etwas ein­ Überlegungen erörtert.
hat die Spurgröße N schon lange abgelegt, geschränkten Angebot auf dem Zubehör­ Die unbestreitbaren Vorteile von H0 lie­
vor allem Fleischmann wartet mit super sektor. Bereits im Gebäude­ bereich sind gen in einer bereits sehr gut darstellbaren
detaillierten Triebfahr­zeu­gen auf, die gleich­ nicht so viele Häuser auf dem Markt wie Detail­lie­rung des schon besser vermittel­

14 Modellbahnschule 3
Bescheidener Anfang

p Anfang auf der Platte


Ist die allererste Phase eines Modell­
bah­ nerlebens, die sich fast immer auf
dem Fußboden abspielt, zu Ende, wan­
dert die Bahn ein Stockwerk höher. Eine
Plat­tenanlage entsteht, auf der die
Glei­se fest verlegt sind. Daneben kann
be­ reits Landschaftsgestaltung geprobt
werden, die ersten Bauwerke entstehen
und kommen auch auf die Platte.
Viel Platz beansprucht eine solche Ein­
steiger-Anlage, bestehend aus einer
Platte auf zwei Holzböcken, nicht. Sie
wirkt sich somit auch nicht störend auf
ENTSCHEIDUNGEN ZU BEGINN DES ANLAGENBAUS die sonstigen Platz­ bedürfnisse in die­
1. Welche Nenngröße Z – N – TT – HO – O – usw.
sem Zimmer aus, das mit Bett und
Schreib­ tisch durchaus als Kinder-/
2. Welche Spurweite Normalspur oder diverse Schmalspuren
Ju­gend­zimmer angesehen werden kann.
3. Welches Stromsystem Bei HO: Gleichstrom oder Wechselstrom,
Auch ein Kleiderschrank fände noch
einzeln, gemeinsam oder getrennt durch Systemwechsel im Bahnhof u.ä.
problemlos Platz.
4. Welche Technik Manuell, digital, automatisch oder gemischt
5. Welches Thema Haupt-, Neben-, Privat- oder Industriebahn,
Gemischt, einzeln, getrennt im Bhf., parallel o.ä.
6. Welche Epoche Epoche 1 Anfang und Länderbahn 1835 bis 1920
Epoche 2 Deutsche Reichsbahn bis 1949
Epoche 3 Deutsche Bundesbahn/Reichsbahn DDR bis 1968/1970
Epoche 4 Deutsche Bundesbahn/Reichsbahn DDR bis 1989
Epoche 5 Deutsche Bahn AG aktuell
7. Welche Jahreszeit Frühjahr, Sommer, Herbst, Winter
8. Welche Landschaft Flachland, Mittel- oder Hochgebirge, Küste usw.
9. Welche Anlagenart Zimmeranlage, Diorama, transportaple Segmentanlage, Modul
10. Welche Modulnorm Eine bereits vorhandene, eine „neue“ eigene oder sich einer Vereinsnorm
anschließen

p Wohnen mit der Bahn


Wohnen und Bahnbetrieb in einem
Fein detailliert fährt es sich auch in Nenngröße N, durchaus attraktiv auch für H0-Anhänger.
Raum – auch das kann gutgehen. Diese
an der Wand entlang aufgebaute
An­lagenform, in Kurzform „adW-Anlage“
genannt, ist ein ideales Konzept für alle
Modellbahner, die nicht unbedingt ein
eigenes Zimmer für ihr Hobby erübrigen
können oder wollen. Es entsteht, wie
hier ausnahmsweise in natura darge­
stellt, ein „multifunktionaler“ Raum. Hier
wird gegessen und anschließend kann
man sein Ver­ dauungsschläfchen auf
dem Sofa absolvieren.
Die adW-Anlage hat neben Platz­ öko­
nomie auch noch den Vorteil, schöne,
lange Paradestrecken zu bieten. Und an
der Bahn entlang lassen sich zahlreiche
unterschiedliche Szenen gestalten.

Modellbahnschule 3 15
Schwerpunktthema

baren Eindrucks vom großen


Vorbild und einer enorm
vielfältigen Ange­bots­­pa­lette,
die vom Werk­zeug auf der
H0-Drehbank bis zu na­hezu
maßstäbli­chen Schiffen und
vom Ra­ ben auf dem Zaun
bis zur „Bordstein­ schwalbe“
reicht. Dazwischen liegen
die un­terschiedlichsten Me­­
tall-Zu­rüstteile für Lokomo­ti­
ven und Wagen oder etwa
das Ausstat­tungs­­­zubehör für
die Detail­lierung der Strecke.
Auch der Kleinserienmarkt
boomt und es gibt nahezu
nichts, was man nicht kau­
fen könn­ te. Wer also eine
gut handhabbare Bahn auf­
bau­ en möchte oder ger­ ne
de­tailliert baut, wer eine Vor­
liebe für vorbildgetreue Wa­­
gen und Lokomotiven hat,
dem sei H0 ans Herz gelegt.
Auch der Samm­ ler wird
wegen des kaum mehr zu
überblickenden An­gebots in
dieser Bau­grö­ße sicherlich
sei­ne Vitrinen füllen können.
Nicht unerwähnt bleiben
sollen die Schmalspur-Va­ ri­ Realistisch gestaltete Szene
anten von H0. Hier gilt zwar auf einem Modul in Nenn­
grundsätzlich der Maß­ stab 1:87 weiter, größe H0. Die­ser Baumaß­
doch haben die Gleissysteme eine kleinere stab bietet einen hohen
Spurweite, die man als H0m (Meterspur) Detaillierungsgrad und ein
riesiges Angebot.
oder H0e (eng, z. B. Feld­bah­nen) bezeich­
net. Schmalspurbahnen finden sich meist
in Ge­birgsgegen­den, z. B. in der Schweiz Es fehlt nur noch der Oze­
oder bei Privatbahnen. Dieses Ka­pitel des an­dampfer! Frühere An­la­­
Hobbys setzt meist erst gen platzten oft förmlich aus
den Näh­ ten. Heute meint
Für jede Spur im Laufe ei­
bahner-Kar­
ner Mo­ dell­
riere ein und
man: Weniger ist mehr.

gibt es den soll hier nicht behandelt


werden.
Kreis von Die nächsten Nenn­
grö­ßen, näm­lich Spur 0
Liebhabern
(1:45 bzw. 1:43 – hier
scheiden sich die Gei­
ster), Spur I (1:32) und Be­sonderheiten dieses Hobby­zwei­ges sol­ ein Gleis­ strang mit dem Plus-Pol be­ legt,
LGB seien nur der Or­ d­nung halber len im Rah­men dieses Beitrags nicht wei­ der andere mit dem Minus-Pol des Fahr­
er­wähnt. Diese großen Spurwei­ten sind in ter be­handelt werden. trans­forma­tors. Deshalb kann es insbeson­
der Regel kaum für Anlagenbetrieb in übli­ dere bei Kehrschleifen (das Gleis führt in
chen In­nenräumen geeignet. Die Wahl des Stromsystems sich selbst zurück) zu elektrischen Prob­
Anhänger dieser Nenn­größen sind entwe­ Ist die Entscheidung zugunsten von H0 lemen kommen. die sich heut­zutage aber
der fasziniert von großen, meist aus Metall gefallen, stellt sich die Frage nach dem mit Hilfe elektronischer Schaltungen leicht
gefertigten Ma­schi­nen oder Frischluft lie­ Strom­system. Es gibt zum einen die Gleich­ beheben lassen.
bende Gartenbah­ ner, die Modelle in strombahnen. In diesem System ist Unbestreitbarer Vorteil des Gleichstrom­
einer gro­ ßen Spurweite in ihren systems, das auch als Zweileitersystem be­­
Gärten fahren sehen wollen. Die zeichnet wird, ist die Möglichkeit, sich für
unterschiedlichste Schienensysteme und
Fahr­zeu­ge entscheiden zu können. Nahezu
Viel Betrieb, Land­schaft, Ge­­
bäude auf kleinem Raum jeder Hersteller hat sein eigenes Gleis­
ermöglicht Nenn­ größe TT. system mit Unterschieden in Pro­ filhöhen,
Hier eine Anlage, die nicht Weichenformen, Schwellen usw. Somit
größer ist als ein Tisch. kann man sich das passende Gleis aussu­

16 Modellbahnschule 3
Metallfahrzeuge von Kleinse­rien­herstellern Die Platte wächst
einsetzen, wenn man mit dem Bau der
Anlage fertig ist und sein Augenmerk auf
einen hoch detaillierten oder besonders
aus­gefallenen Fuhrpark setzt. Die
Alternative zum Zwei­ leitersystem ist das
mit Wech­ selstrom betriebene Drei­ leiter­
system. Hier liegt eine Phase des Stroms
auf den beiden Schienenprofilen, die
andere auf dem Mittelleiter, der heutzutage
in Form von Punkt­kontakten ausgeführt ist.
Von diesen „Pukos“ nehmen die
Lokomotiven und auch entsprechend aus­
gerüstete Wa­gen­modelle ihren be­nö­tigten
Strom mittels eines Schienen­schleifers auf. p Spiel und Arbeit über Eck
Haupthersteller ist die be­ kann­te Firma
Märk­lin in Göppingen. Die Anlagenplatte ist bereits etwas
Der Hauptvorteil des Wech­selstrom­sy­s­ ge­wach­sen und ermöglicht einen vielfäl­
tigen Rangierbetrieb. In der Zimmerecke
tems liegt in der symmetrischen Strom­
ist sie gut und vor allem einigermaßen
abnah­me: Dadurch dass die Gegen­phase Platz sparend aufgehoben. Tiefer darf
zum Mittelleiter auf den beiden außen lie­ sie allerdings nicht mehr werden, denn
genden Schienen sitzt, kann es im Fall von die Platzierung direkt an der Wand
Kehrschleifen oder Kreis­diagonalen nicht zu be­schränkt die Eingriffsmöglichkeiten auf
Kurzschlüssen kommen. Der frü­ her noch die maximale Armlänge des Bedieners.
problematische Rich­tungs­wech­sel durch Und Arme wachsen nun mal nicht nach
Um­ po­ len der Fahrspannung wird heute Modellbahnerwunsch.
problemlos mit entsprechenden Elektro­ Interessant – und möglicherweise ver­
nikbausteinen bewerkstelligt. führerisch – ist die direkte Nachbar­
schaft der Anlage zum Schreib­tisch. Von
Das Dreileiter-Gleissytem gibt es mit und
der Schreibarbeit kann man sich viel­
ohne Gleisbettung. Das C-Gleis mit ange­ leicht mit ein paar Runden Fahrbetrieb
spritzter Kunststoffbettung ist eher für den erholen. Und wenn das Papier voll ist,
un­problematischen Spiel­be­trieb vorgese­ steht der aufgeräumte Schreibtisch für
chen oder gar die unterschiedlichen Pro­ hen. Das K-Gleis dagegen muss, wie die Bastelarbeiten zur Verfügung.
dukte miteinander kombinieren. Die Fahr­ mei­ sten Zweileitergleise, eingeschottert
zeuge der unterschiedlichen Her­steller kön­ wer­­den und wendet sich eher an die vor­
nen ohnehin miteinander ge­ mischt wer­ bildorientierten Modellbahner. Bei­de Gleis­
den, wobei man sich tunlichst für ein typen haben wegen der märklin­schen Tra­
bestimmtes Kupp­lungssystem entscheiden dition der hohen Betriebs­ sicher­
heit mit
sollte. Neben Wechselstromwa­ gen, bei dem Nachteil großer Gleis­profilhöhen und
denen nur die Achsen ge­tauscht werden den sicht­baren Punktkon­tak­ten zu kämpfen
müssen, lassen sich auch die kostbaren Viele der ansonsten der Gleich­strom­tech­
nik verhafteten Her­ steller
bieten Lo­ko­mo­tiven und
Lebhafter Betrieb durch Rangieren und Umsetzen läßt sich Wagen auch für das
auf diesem Kopfbahnhof in Nenngröße N realisieren. Wechselstromsystem an, so
dass man auch hier zu einer
ansehnlichen Modell­viel­falt p Grenzen des Wachstums
gelangen kann.
Modellbahnanlagen haben häufig die
Mehr Entscheidungen geheimnisvolle Eigenschaft, immer wei­
ter zu wachsen. Hier ist es der Anlage
Hat man sich nach vielen be­­reits gelungen, das Bett aus dem Zim­
„schlaflosen Näch­­ten“ und mer zu verdrängen. Aus dem Wohn-/
zahlreichen Knei­pendis­kus­ Arbeits- und Schlafzimmer mit einem
sionen zu einer Spurgröße biss­chen Modellbahn ist hier viel Eisen­
und einem System durchge­ bahn in wenig Zimmer geworden.
rungen, muß man nun auch Of­fen­bar geht der Modellbahner aber
noch die Zukunft ins Visier immer noch einer „geregelten“ Tätigkeit
nehmen. Im Zeitalter des am Schreibtisch nach, der, wenn das
Papier voll ist...siehe oben!
Com­puters gilt es, sich mit
Gut beraten wird der rotbehemdete
einer mög­ lichen Digitalisie­ Modellbahner sein, bei dieser Platten­
rung der Anlage und des größe Einstiegsöffnungen vorzusehen.
Fahrbetriebs – zumindest in Bekanntlich entgleisen Züge grund­sätz­
Ge­danken – zu befassen. lich an Stellen, an die man mit natürlich
Wei­ter gehend kann man gewachsenen Armen niemals rankommt.
auch dar­ an denken, die

Modellbahnschule 3 17
Schwerpunktthema

spätere An­lage mit dem PC zu


steuern. Die Vorteile beim
Di­gitalbe­trieb liegen in der
Mög­lich­keit, völlig problemlos
mehrere Loks gleichzeitig fahren
zu können, ohne Gleistrennun­
gen, verschiedene Stromkreise
oder Ähnliches vorsehen zu
müssen. Doch hat dieses Spiel
schnell seine Grenzen er­ reicht,
da man nicht mehr Züge fahren
lassen soll­te, als mit zwei Augen
und zwei Händen überwacht
und gesteuert werden können.
Die Entschei­ dung für Digital
sollte zunächst je­ dem selbst
überlassen werden. Gegeben­en­
falls sollte ent­sprechende Lite­r­a­
tur zu Ra­te gezogen werden.
Das Anlagenkonzept
Während der eine seinen
Spaß am Spielbetrieb findet und
al­lenfalls gerade noch ein paar
Häuschen zu­sammenklebt, wird
der andere seinen Anlagenbe­
trieb auf einer anspruchsvolleren
Ebene ansiedeln und vorbildge­
rechte Züge in einer pas­senden
Umgebung fahren lassen wollen.
Wieder ein an­ derer möchte
sich gerne bei der Landschafts­
ge­ staltung verwirklichen und
legt weniger Wert auf einen
großen Bahn­hof oder eine Stadt.
Wer nur Freude an Fahrzeug­
modellen hat, braucht sich mit
Anlagen- und Gleispla­nung gar
nicht zu beschäftigen, er muss
nur für genügend Platz für sei­ne
Vitrinen sorgen.
Jenseits der Grenzen
Da muss der Liebhaber aus­
ländischer oder gar exotischer
Bahnen tiefer in die Recher­chen
einsteigen – und meist auch tie­
fer ins Hobby-Budget greifen. Hafenbetrieb, städtische Häuserzeilen und ein wenig Landschaft: Großanlage mit viel Tiefe in H0.
Neben den passenden Fahr­
zeug­modellen, deren La­ckie­rung
und Beschriftung muss auch auf die schen Markt wird die Ange­ botspalette terial. Der englische Markt stellt innerhalb
Besonder­ heiten der Land­ schaft, der durch eingeschränkte Nachkaufmög­lich­kei­ Europas eine Be­ son­­
derheit dar. In dem
Gebäude, der Signalanlagen und noch vie­ ten der Katalogpro­ duk­te gekennzeichnet. In­selstaat findet man in der Regel nicht die
les mehr geachtet werden. Wer sich daher Was vorhanden ist, muß gekauft werden, „kontinentalen“ Spur­wei­ten. Vielmehr sind
in seinem letzten Schweiz-Ur­laub z. B. für da es eine Zweitauflage meistens nicht die britischen Maßstäbe aus unserer Sicht
eine der malerischen Ge­birgsbahnen ent­ mehr gibt. Daher wird man sich oft etwas „exotisch“ (außer vielleicht 0) und
schieden hat, sollte vor Bau­ beginn die ge­nötigt sehen, sofort alles Vorhandene zu unseren Maßstäben oft nur ange­ nähert.
Verfügbarkeit des Zube­ hörs und die einem bestimmten Thema (Eine detaillierte Über­ sicht
Preisge­staltung der Modelle sorgfältig über­ zu erwerben, bevor es aus­ aller Spurweiten und
prüfen. verkauft ist. Merkantile Maßstäbe ist in Modell­
Auch die Beschäftigung mit den attrakti­ Auf dem europäischen bahnSchule Heft 2 unter der
ven amerikanischen Bahnen bedingt eini­ge Kon­­­tinent zu bleiben, ist Amerikaner Rubrik „Glei­se und Strecken“
Vorüberlegungen über die Aus­ge­stal­tung recht dankbar, gibt es doch zu finden). Der britische
der Modellbahn und deren Verfüg­barkeit für die zahlreichen Bahn­ver­ und exotische Mo­dell­bahner lässt sich
im Fachhandel. Ins­be­sondere im amerikani­ wal­tun­gen reichlich Roll­ma­ durch das Vorbild anregen
Briten
18 Modellbahnschule 3
aller Regel wird der Einstieg ins Hob­ by An der Wand lang
eine Plattenanlage sein. Nach an­fänglichem,
normalerweise unproblematischen Aufbau
und Betrieb wird der am­bitionierte Mo­dell­
bahner bald an die Gren­ zen des Spiel­
spaßes sto­ßen, weil ein simples „Im-Kreis-
Fah­ren“ schnell langweilig wird und ein
halbwegs vor­ bildgerechter Be­ trieb durch
den Kreis­verkehr nicht möglich ist. In man­
chen absurden Fällen bei­ßen sich die Züge
sogar fast schon „in den Schwanz“, wenn
sie zu lang sind. Auch von der Optik
befriedigen die Kreise mit ih­ ren engen
Ein Industrieareal mit Werksglei­sen belebt Kurven und einer meist unglaubwürdigen
als Spezialthema einen Anlagenbereich. Land­schaftsform kaum. p Wenig Raum für viel Strecke
Hier lässt sich mit ein
paar Tricks Abhilfe schaf­ Plötzlich bietet das Zimmer wieder viel
fen. Schon die Überbau­ Raum, sogar eine Couch paßt wieder
rein und der Kleiderschrank. Die Anlage
ung der engen Kurven
ist derweil ausgesprochen „schlank“
mit einem Hü­ gel oder ge­worden. Der Modellbahner hat sich
das Tarnen der engen jetzt für den Bau einer Wandanlage ent­
Ra­dien mit einem Wald schieden, nachdem er die platzrau­
oder stattlichen Ge­ ­ bende Platten-Bau­ weise end­ gültig satt
bäuden kann da­­­zu bei­ bekommen hatte, die ihm fast artistische
tragen, den all­ zu spiel­ Ver­renkungen abverlangte, wenn er die
zeughaften Ein­druck zu Ein­stiegsöffnungen zwecks Beseitigung
verwischen. von Problemen an unzugänglicher Stelle
An einem typischen aufsuchen mußte.
Zum Fahren von A nach B und rangie­
Beispiel lässt sich eine
ren bleiben ihm sicher noch genug
op­­­tische Kaschierung Mög­lichkeiten, und wenn er am Schreib­
veranschaulichen: Ohne tisch sitzt und arbeitet, ist die Modell­
Straßenbahnbetrieb – ­ ein attraktives Spezialthema. Bei Zun­ Bahn­­übergang wirkt je­- eisenbahn doch immer noch ganz greif­
gen- oder Kammanlagen erfüllt es einen Anlagenteil mit Leben. ­de An­siedlung inner­ bar in tröstlicher Nähe.
halb des Ovals un­glaub­
würdig, denn wie ge­ ­
und baut sehr viel selbst. Oft weisen die langen die Menschen in das Kreisinnere –
kleinen und liebenswert ­ge­stal­teten und wieder heraus? Der Bau eines Bahn­
Anlagen nicht viele Strecken auf, dafür aber über­gangs schafft Leben und Realität. Der
im­mer einen Bahnhof mit recht vielfältigen Einbau einer Brücke kann zumindest die
Betriebsmöglich­kei­ten und kleinen Szenen, en­gen Gleisradien etwas ver­decken, voraus­
die manchmal auch zum Schmun­ zeln gesetzt, die Brücken­zu­fahrt liegt seitlich an
anregen. den Gleisen.
Ein unübertroffener Trick, die platzsparen­
Geschlossene Anlagen den Plattenanlagen aufzuwerten, ist die
Als „geschlossen“ bezeichnet man Anla­ „Flucht“ in die dritte Dimension, d. h. die
gen, die auf einer Platte aufgebaut sind. In An­lage von Bergen (wohl eher Hügeln
p Auch die Schmalen wachsen
Das Zimmer hat nun offensichtlich seine
Weite Gleisradien in großzügig gestalteter Landschaft kennzeichnen diese H0-Anlage.
multifunktionalen Eigenschaften verloren
und dient hier hauptsächlich als Raum
für die Modellbahn und als Arbeits­zim­
mer. Die Wandanlage ist, dem üblichen
Modellbahnleben folgend, wieder
ge­wach­sen und präsentiert sich in der
Form eines „E“. Die Anlagenschenkel
haben auch an Tiefe gewonnen und
ge­währen dem linken Ende des zusam­
men­gedrückten „Hundeknochens“ aus­
reichend Platz für eine im „Tiefparterre“
aufgebaute Wendeschleife.
Im mittleren Schenkel des „E“ ist jetzt
Platz für einen Durchgangsbahnhof.
Rechts neben dem Schreibtisch liegen
Abstellgleise, die irgendwann einmal zu
einem Kopfbahnhof ausgebaut werden.

Modellbahnschule 3 19
Schwerpunktthema

oder Erhebun­ gen) und


Tälern (Schluchten). Hier­
durch wird dem Kreis der
„platte“ Eindruck genommen.
Ein weiteres Hilfsmittel be­ ­
steht in der filigranen Durch­
gestaltung der Land­schaft.
Kleine Rechteckanlagen
ha­ben enge Radien, nur in
der Mitte ist Platz für die
Land­schafts­gestaltung. Mög­
lich ist neben den Rund­
umfahrten lediglich ein bis­
schen Ran­gierbetrieb. Außer­
dem müssen Anlagen, die
tiefer als 100 cm sind, der
guten Zugänglichkeit halber
von der Wand abgerückt
werden. Sie beanspruchen
dann aber noch mehr Platz.
Eine L-Anlage mit Kreis­
verkehr braucht deutlich
mehr Platz, bietet aber lange
Fahrstrecken, die sich mit
einer gefälligen Strecken­füh­
rung als attraktive Parade­
strecken nutzen lassen. Über
dem L-Winkel kann ein grö­
ßerer Bahnhof angelegt wer­
den und der kleinere
Schenkel könnte allein dem Für Module typisch: Die außerordentlich detaillierte Ausgestaltung des fast malerischen Hinterhofthemas.
Rangierbahnhof, einem BW
o. Ä. vorbehalten bleiben.
Nicht außer Acht gelassen wer­den sollte ste Entwick­lungsstufe nähert sich mit dem
bei größeren An­lagen eine Einstiegs­öff­nung, „Hundeknochen“-Prinzip dem Vorbild­
sofern offene Rah­men­­bau­weise verwendet betrieb der Bahn, bei dem die Züge auch
wird. Plant man dagegen eine Holzplatte aus der Richtung wiederkommen, in die
als An­lagengrund, sollten sie weggefahren sind. Dadurch wird es not­
Hunde­ Buch­ ten für Eingriffs­
möglich­keiten vorgese­
wendig, den Kreis zu modifizieren, oh­
ihn ganz aufzugeben. Man muß sich vor­
ne

knochen hen wer­­den. We­nigstens


im Be­ reich der Kehren
stellen, daß er einfach in der Mitte
zusammengedrückt wird, so dass an den
und Schatten- stiegsluken aufweisen.
sollte die Plat­ te Aus­ beiden äußeren Enden zwei Kehren erhal­
ten bleiben, in der Mitte die Gleise aber
Ein Fiddle Yard ersetzt den Schattenbahn­
hof und speist die Modulanlage mit Zügen.

bahnhöfe
Als Alternative zum nun zur scheinbar doppelgleisigen Strecke
An­lagenselbstbau kön­ werden.
nen auch Fertig­ anlagen Die beiden „Knochenenden“ sollten ver­ garnituren einsetzen und bei ein­­em Gleis­
dienen. Sie bestehen aus einer Plastik­ deckt liegen, am be­sten in einer unteren we­chsel­­betrieb kommt nicht derselbe Zug
landschaft auf einem stabilen Holz­rahmen. Ebe­ne, und können zur Optimie­rung des wieder, der gerade verschwunden ist. Je
Die gesamte Land­ schaft ist im Tiefzieh- Bahnbetriebes noch an einen Schat­ ten­ größer die Ka­pazität des Schatten­bahn­hofs,
Verfahren ein­schließlich der Trassen vorge­ bahnhof an­ gegliedert werden. desto mehr Ab­wechslung entsteht in der
formt. Einge­ färbt ist sie auch schon, die Damit lassen sich Zug­folge.
Begrasung ist aufgebracht. Viele dieser noch mehr Zug­
Anlagen lassen sich mit Erwei­ terungsets An der Wand entlang
vergrößern. Eine Wandanlage ist vom Prinzip her
eine Rechteck­an­lage, allerdings besonders
Offene Anlagen schmal gebaut und in die Län­ge gezogen.
Bislang war nur vom „Kreis­verkehr“ Sie verläuft an der Zimmerwand entlang.
und einer Ebene die Rede. Die näch­ Verschiedene Tiefenmaße sind möglich, die
so bemessen sein müssen, daß die Anlage
von der Vorderseite her aufgebaut, be­dient
Ein typisches Diorama in
feinster Detaillierung. Blick­ und gepflegt werden kann. Die Vorbedin­
fang ist die desolate Ruine, gung lautet allerdings: wieviel Platz steht für
die Eisenbahn wird hier zur die Modellbahnanlage überhaupt zur
Randerscheinung. Verfügung? Sehr viele Mo­dell­bahner müs­

20 Modellbahnschule 3
Autorenprofil Schöne Rundungen
Horst Meier, Jahrgang 1956, ist Au­tor zahlreicher Ver­
öffentlichun­gen in vielen Publikationen. Der Land­
schaftsbau ist seine Leidenschaft, die sich in zwei Anla­
gen und der Betreuung zweier Modellbaugruppen
wiedergespiegelt hat. In der ModellbahnSchule hat er
bereits einiges von seinem Können gezeigt.

Autorenprofil
Andreas Stirl, Jahrgang 1959, ist den ModellEisenBah­
ner und ModellbahnSchule-Lesern bekannt als Foto­
graf, der sein Handwerk versteht. Inzwischen haben
aber seine Bilder das Laufen gelernt: Er ist als Kamera­
mann für die RioGrande-Videothek in ganz Deutsch­
land und in Übersee unterwegs.
p Von der Bahn eingekreist
Hier präsentiert sich ein Modellbahn­
ein „C“ aussehen. Dieser Anlagentyp weist zimmer, in dem man auch noch wohnen
oder arbeiten kann. Die Wandanlage
lange Fahrstrecken auf und bietet viel Platz
hat mittlerweile von allen vier Wänden
für eine vielfältige Landschaftsge­ staltung. Besitz ergriffen, wobei lediglich die Tür
Entlang der Strecke können zahlreiche The­ ausgespart bleibt und sich der Schrank
men untergebracht werden. Diese werden als Hindernis erweist, das demnächst
mit Szenentrennern, z. B. Wäldern, Hügeln, viel­
leicht doch noch ausrangiert wird.
Einschnit­ten, die Bahnstrecke überquerende Der Schreibtisch ist mit einer schmalen
Brücken etc, voneinander getrennt. Fahrstrecke überbaut, auf der stolze
Als Sonderform der adW-An­lage gibt es Zuggarnituren paradieren können, was
das „O“; der Ring ist ganz geschlossen. Den vielleicht der Inspiration dienen mag.
Innenraum des „O“ be­tritt oder verlässt der Prinzipiell sind hier zwei Anlagen mittels
einer Umfahrungsstrecke miteinander
Mo­dellbahner entweder unter der Anlage
ver­bunden. Hinter dem Sofa schmiegt
hindurch oder mittels eines beweglichen sich ein „Hundeknochen“ an die Wand
Anla­gen­teils, einer Brücke zum Bei­spiel. und der gegenüberliegende Anlagenbe­
Da bei Wandanlagen lebhafter Bahn­be­ reich erlaubt Verkehr von A nach B mit
trieb im Hin­ tergrund steht, empfiehlt es vielen Rangiermöglichkeiten.
sen auf ein eigenes Hobby­zimmer verzich­ sich, z. B. eine ein­gleisige Strecke in einer
ten. Mitunter ist in einer kleineren Woh­ Ebene zu gestalten, die den Be­trieb einzel­
nung der Aufbau einer Mo­dell­bahnanlage ner, erlesener Gar­ ni­
turen erlaubt. Sol­che
überhaupt nicht möglich. Eine Wandanlage An­­lagen findet man immer häufiger bei
könnte da vielleicht Abhilfe schaffen. Denn Mo­­dellbahnern, die die Maxi­me „We­niger
sie hat eine ganze Rei­he von Vorteilen. ist mehr“ verinnerlicht haben. Da findet vor­
Eine Anla­genform, die fast komplett an bildgemäßer Verkehr von A nach B statt.
der Wand (adW) entlang führt, kann wie Am einen Ende kann sich ein

Der „Adler“ vor historischer Kulisse ist ein attraktives Anlagenthema für den Spezialisten.

p Der „Kreis“ schließt sich


Das stimmt allerdings nicht so ganz,
denn immer noch bildet die Tür ein
Hindernis. Aber nur scheinbar:  Diese
Pforte, die dem Modell­ bahner sein
„Pa­radies“ er­schließt, ist jetzt mit einer
klapp­baren Brücke versehen, über die
der Zugverkehr problemlos abgewickelt
werden kann. Beendet der Anlagenbe­
treiber seine Tätigkeit, klappt er die
Brücke einfach hoch, und die Tür ist
wieder frei. Der Schrank ist etwas von
der Wand abgerückt, damit hinter ihm
die Züge durchbrausen können.
Mehrere Bahnhöfe gliedern hier das
Betriebsgeschehen, Rangiermöglich­kei­
ten gibt es „ohne Ende“. Und lange,
gerade Parade­ strecken für vorbild­ ge­
mäß lange Zuggarnituren.

Modellbahnschule 3 21
Schwerpunktthema

Auch auf der Z-Anlage


gibt’s Eis und Schnee. Der
Winter läßt sich auch im
kleinsten Baumaßstab stim­
mungsvoll realisieren.

Kopfbahnhof mit zahlreichen Umsetz- und Für das Anlagenprinzip


Betriebs­möglichkeiten befinden, unterwegs
werden je nach Wunsch ein Nebenbahn­ Der Platzbedarf für die Wandanlage hängt
Diese grandiose Alpenkulisse mit imposan­ hof und Halte­punk­te angefahren. Am ande­ zu­nächst von der Streckenführung ab. Zwei
tem Brückenbauwerk wirkt auch bei Nenn­ ren Ende kann ein „verdeckter“ Fiddle Yard Grundmodelle kommen in Betracht: Eine Stre­cke
größe Z überzeugend realistisch. errichtet werden, in dem man die Zü­ ge zwischen zwei Kopfbahnhöfen mit einfachem
zusammenstellt und um­­setzt. Eine derartige Pendelverkehr ohne Kehrschleifen oder die klas­
sische „Hundeknochen“-Form.
Anlage entspricht dem Mo­dul­prinzip. Eine platzsparende Anlage mit Pendelverkehr
kann, da keine Wendeschleife bzw. 180-Grad-
„Zungen“ und „Kämme“ Kurve benötigt wird, sehr schmal ausfallen. Die­
In großen Räumen, beispielsweise bei ses Konzept bietet sich eher für Spurgröße H0
umfangreichen Clubanlagen, ist eine „Zun­ an. Die Züge fahren auf einer perfekt gestalteten
gen“- oder „Kamm“-Anlage gut denkbar. Anlage durch die Landschaft. Man stelle sich
vor, dass eine Tenderlok mit einem Zug aus
Hier­bei handelt es sich um eine Son­der­ wenigen Wagen in vorbildgetreuem Tempo dicht
form der L-Anlage, die der Form eines „E“ vor den Augen des Betrachters vorbei­fährt man
ähnelt. Je nach Platzangebot kann diese kann die Steuerung und die vielen Details genie­
Form beliebig erweitert und ßen. Wer mehr Fahr­möglichkeiten verwirklichen
ausgebaut wer­den. Auf den will, muss eine oder zwei hinreichend große
Als „Dental“-Schaustück be­weist die einzelnen Zun­genteilen las­ Wen­ deschleifen einkalkulieren. Die eigentliche
Z-Bahn ihre Vielseitigkeit. Ob das Anlage kann zwar schmal sein, aber die
sen sich spezielle Themen,
Wendeschleifen sollten so bemessen sein, dass
Boh­­­ren da auch weh tut? so In­du­strie­­an­schlüsse, Bahn­­ sie auch von längeren Fahrzeugen problemlos
be­triebs­werk, Ha­­fen, Stadt, befahren werden können.
dar­
stellen, die man völlig
2. ERWEITERUNGSMÖGLICHKEIT
unabhängig, also auch ohne
Ein entscheidender Vorteil der Wandanlage
Szenentrenner, vom hinte­ gegenüber anderen Anlagenformen ist deren
ren langen Quer­schen­­kel weiterungsmöglichkeit: Man fängt klein und
Er­
ge­stalten kann. So lässt platzsparend an, aber nach und nach, wie es
sich auch ohne wei­ Platz, Zeit und Finanzen zulassen, wird die
teres auf dem zusam­ An­lage erweitert. Es ist sinnvoll, dabei die
Rekord der Minimalisie­rung: Mo­dul­technik zu nutzen und beispielsweise mit
Hier fährt die Z-Modellbahn menhängenden An­­la­
einem Bahnhof zu beginnen, an den links und
in einer Landschaft im Köf­ gen­ teil ein automati­ rechts je eine provisorische Wendeschleife
ferchen umher. Die Bahn ist scher Haupt­ angesetzt ist, so dass von Anfang an ein durch­
wirklich betriebsfähig. streckenbetrieb abwi­ckeln, gehender Fahr­betrieb ermöglicht wird. Ist dieser
erste Ab­schnitt fertig gestellt, wird der nächste in
Angriff ge­nommen. Wenn die Gleise verlegt sind,
22 Modellbahnschule 3
während auf den Zun­ genteilen manuell Einfach wegklappen
gefahren und viel rangiert werden kann.
Diese Anlagen-Kon­zeption eignet sich vor­
züglich für Groß­ anlagen mit mehreren
Erbauern und Be­treibern, die auf den ein­
zelnen Sektoren der Modellbahnanlage
ihre Individualität so richtig ausleben kön­
nen. Die Zun­gen­anlage ist vor allem jen­
seits des „Großen Teiches“ sehr beliebt.
Modulanlagen
Als Module bezeichnet man Anlagen-
(Strecken-)teilstücke, die in beliebiger
An­zahl an­einandergereiht werden können.
Sie haben ein einheitliches Übergangsstück p Zum Ziehen und Klappen
an beiden Kopfenden, wodurch sie belie­
big kombinierbar sind. Die aus Modulen In ganz besonders hartnäckigen Fällen
ge­baute Anlage lässt sich leicht Stück für von Platzbeschränkung muß sich der
Mo­ dellbahner schon einiges einfallen
Stück nacheinander fertigstellen, einfach
las­
sen, damit er seinem Hobby treu
demontieren und transportieren und un­ter bleiben kann. In diesem Raum be­stehen
Umstän­den ohne Probleme ergänzen und gewisse unabdingbare Not­wen­digkei­
erweitern. In die Anlage integrierte Teile las­ ten, beispielsweise in Gestalt des Bettes.
sen sich oh­ne weiteres austauschen und Das muss drinbleiben, sonst gibt’s doch
durch andere Teilstücke ersetzen. Die noch Krach mit der „besseren Hälfte“.
Mo­dule können wäh­rend der warmen Jah­ Hier eine ganz interessante Lösung für
reszeit un­ter dem Bett, auf dem Schrank, eine größere Plattenanlage. Während
auf dem Dach­ boden oder im Keller in daran gebaut oder darauf gefahren
irgendeiner trockenen Ecke verschwinden, wird, lagert die Platte, die natürlich hin­
reichend stabil sein muss, auf Stützen
um in der Hobby-Saison wieder zum
über dem Doppelbett. Wird letzteres
Le­ben zu erwachen. Horst Meier benötigt, wird die Anlage über einen
rol­
lengeführten Seilzug einfach nach
oben gezogen und z. B. durch eine
„An der Wand entlang“ plädiert Martin Krüger Rastvorrichtung an der Wand fixiert.

wird die Wende­schleife weitergerückt. So ist die einer Anlage mehrere Jahreszeiten darstellen.
Wandanlage in allen Bauphasen immer be­triebs­ Ein Ende könnte, ohne störend zu wirken, win­
fähig – und vorzeigbar! terlich gestaltet sein, so dass viele interessante
Winterdienstfahrzeuge zum Einsatz kommen. Die
3. LANDSCHAFTSGESTALTUNG Schneedecke wird entlang der Anlage immer
Die Wandanlage hat zwar eine geringe Tiefe, dünner, schließlich geht die Gestaltung in
aber durch ihre Länge kann man zahlreiche Herbst/Sommer über.
in­teressante Szenen nachbilden.
Bei der Wandanlage reicht es vollkommen aus, 4. IINTEGRATION IN DIE WOHNUNG
ein Landschaftselement bloß „anzuschneiden". Eine Wandanlage benötigt wenig Platz. Man
So lassen sich viele interessante Szenen nachbil­ kann sogar auf das Extra-Zimmer verzichten.
den: Ein See grenzt im Vordergrund an die Wird sie geschickt in die Wohnung integriert,
Strecke, und dahinter erhebt sich ein Berghang. wird eine „Baugenehmigung" seitens der besse­
Vieles, was sonst Platz benötigt, wie ein Fab­ ren Ehehälfte eher zu bekommen sein.
rikgelände oder ein Stadtviertel, braucht nur Die Anlage beansprucht zwar Raum, aber der p Wandelbarer Schrank
an­ gedeutet zu werden. Statt des Fabrikareals Platz ist nicht wirklich verloren! Man kann die
Fotos: Frank Berster (1), Horst Meier (1), Andreas Stirl (16), Markus Tiedtke (13)

könnte hinter der Bahnstrecke eine Fassade ste­ Anlage etwas höher anlegen und darunter Und noch ein Vorschlag bei akuter
hen; aus dem Gelände führt ein Werksgleis her­ Schränke einbauen und darin nicht nur die vie­ Platz­not: Kleine Modellbahnanlagen, die
aus. Da eine Wandanlage nur von der Vor­ len Bastel-Materialien und -Werkzeuge unterbrin­ nur nach Lust und Laune aufgestellt wer­
derseite betrachtet wird, kann man die Gegen­ gen. Damit die Anlagenunterseite beim Bau oder den sollen, brauchen nicht jedesmal
perspektive vernachlässigen; außerdem können zur Reparatur zugänglich bleibt, kann man wieder komplett abgebaut werden. Ein
aus einem Häuserbausatz gleich zwei (halbe) Transportrollen unter die Schränke schrauben Griff in den Schrank und, schwupp, ist
Häuser erstellt werden. und diese bei Bedarf einfach herausfahren. Am die Plat­ te herausgeklappt. Im Schrank
Die langgezogene Wandanlage bietet noch vorderen Anlagenrahmen könnte auch ein deko­ selbst ist die Anlage staubgeschützt und
einen „klimatischen“ Vorteil: man könnte auf rativer Vorhang angebracht werden, um den stört nicht die gemütliche Atmosphäre
Stauraum zu verdecken und einen leichten des Wohn­­raums.
Autorenprofil Zugang zu erhalten. Alle gestalteten Komponenten müssen
Auch der Platz über der Anlage ist nutzbar. Hier
Martin Krüger, Jahrgang 1962, hat mit elf Jahren seine erste allerdings sehr fest auf der Klappanlage
könnte man Regale anbringen, und an diesen
Modellbahn von einem Bekannten geschenkt bekommen mon­ tiert sein. Der Schrank selbst muß
geeignete Beleuchtungskörper befestigen, so
– zwei Lokomotiven in der Nenngröße Z. Dieser kleine
dass die Anlage stets gut ausgeleuchtet ist.
ver­hältnismäßig tief sein, so etwa 50 bis
Maßstab hat ihn von da an total fasziniert. Mitte der sieb­
Die mitunter kritische Einstellung mancher Mit­ 60 cm, um die Anlage mit der Klapp­
ziger Jahre baute er mangels eines umfangreichen Ange­ mechanik und möglicher­wei­se vor­han­
bots eigene Eisenbahnfahrzeuge und Autos. 1993 ent­ menschen zum Modellbahnhobby lässt sich
mög­licherweise ändern, wenn sich die Anlage dener „Unter­welt“ kom­plett verstecken
schloß er sich, aus seiner Leidenschaft einen Beruf zu ma­
nicht abseits im Keller, sondern in der Wohnung zu können.
chen und gründete eine eigene Firma. Heute überrascht er
immer wieder die Branche mit feinen Modellen und Fahr­ befindet. Da können sie sehen, wie sich das
zeugen in den Nenngrößen H0, TT, N und – natürlich– in Z. Projekt entwickelt. Und vielleicht werden sie
da­durch sogar zur Mitarbeit angeregt.
Modellbahnschule 3 23
Schwerpunkt Anlagen

24 Modellbahnschule 3
Von Modellbahnbetrieb auf Modulen
fördern das gemeinsame Spiel

Nachbar
zu Nachbar...
Große Modellbahnanlagen mit lan­
gen Fahrwegen sind der Traum aller
Modellbahner. Oft reicht aber der
Platz dafür in den eigenen vier Wän­
den nicht aus. Es gibt aber eine
Alter­native: Kleine Module aneiander
ketten, um so zu einer großen
Anlage zu fusionieren – und dabei
auch Ges­el­ligkeit und Spielspaß mit
Gleich­gesinnten zu erleben.

Modellbahnschule 3 25
Angaben in mm
Schwerpunkt Anlagen

242

195
191

D
137 12 ie Idee des Modul­baus ter, diese werden aber meistens
130
110 kommt aus dem Diora­ von mehreren Personen oder
men­bau. In­dem die­se einem Verein gebaut.
R2
70
0 mit einheitlichen Über­ Die mobile Verwendung der
50
gängen versehen wurden, konn­ Module/Segmente ist ein wei­
25 ten ganze Anlagen damit erstellt terer Vorteil. Hierbei können
0 werden. – zu­erst in kleinen Grup­ beim Zusammenstellen von An­
pen und später dann über Verei­ lagen immer neue Kombinatio­
0

70

175
189,5

205

310
325

430

500
ne bis hin zu Großanlagen von nen ausgeführt werden, so dass
mehreren Vereinen. dieselben Teile optisch immer
FREMOdul HO Regelspur N0rm 2.1 Jede Anlage kann prinzipiell wieder an­dere Anlagen ergeben.
aus Mo­du­len oder Segmenten Modulanlagen können ohne
zu­sam­mengestellt werden. Ein viel Aufwand leicht an unter­
Segment ist laut Definition ein schiedliche Orte gebracht und
Körper, der nicht überall gleich
195 gebaut ist, der sich aber an
Angaben in mm
191 bestimmten Stellen durch
gleich geartete Teile und
12
130 Gegenstücke mit anderen
118 Segmenten verbinden läßt.
R2 Die­se Ver­bindungs­stel­len
0
70 heißen Kopf­stü­cke bzw. An­
50 schluss­flächen.
25 Läßt man sich diese Defi­
0
nition auf der Zunge zerge­
hen, stellt man fest, dass
0

70

246
250

300,5

355

430

500

eine Mo­ dul­anlage im ei­


FREMOdul HO Regelspur Norm 2.02
gentlichen Sinne eine
Segment­anlage ist. Genau­
104 so wie Segmente besitzen Viele Module, auch kleine, be­nötigen
100
95
auch Module bestimmte aneinandergereiht, viel Platz.
Bauteile, die in immer wie­
12 derkehrender Form auftreten, um vorgeführt werden. Eine An­lage
39
25 möglichst eine Standardisierung kann von mehreren Per­sonen un­
0 zu erzielen. Bei den Standard­mo­ abhängig von einander gebaut
dulen sind alle Ab­ mes­ sungen werden. Es ist nicht einmal erfor­
0

70

250

430

500

des Modul­kastens festgelegt, z. B. derlich, am selben Ort oder in


FREMOdul HO Regelspur N0rm 2.04
50 cm breit und 100 cm lang. unmittelbarer Nähe zu wohnen,
Bei Modulen, die grö­ Die Vereinheitlichung betrifft um sich am Bau einer Modul­
90
Schienenoberkante ßer als 300, weitere bei Kurven- oder andersartig ge­ anlage zu beteiligen.
Befes­ti­gun­gslöcher
80 Stromleitungen 10 nach Bedarf form­ten Modulen nur noch die Dies ist zwar ein Vorteil, ent­
Kopfstücke bzw. die An­schluss­ spricht aber nicht dem Vereins­
40
weiß grün grün weiß flä­chen (Schnitt­stellen), damit sie gedanken. Ander­erseits können
0 mit weiteren Modulen beliebig Mo­dell­bahn­freun­de mit einer
kombinierbar sind. Vor­­­liebe für sehr fein detaillierte
150

300
0

40

260

2x Verbindungs­- Der Vorteil der Modulbau­wei­ Module ihre Schmuckstücke in


Angaben in mm
leitung in weiß se gegenüber der herkömmli­ der Öf­fent­lichkeit präsentieren
FREMOdul HO Privatbahn 2x Ortsleitung
chen Plattenbauweise ist die und sie in einer nur an wenigen
in grün
Boden
Über­schaubarkeit des zu bauen­ Ta­gen aufgebauten großen Mo­
den Teiles. Die meisten Module dul­anlage integrieren und den
und Segmente beschränken sich Fahr­be­trieb ge­nießen. Die größte
500
auf eine Grundfläche von 0,5 bis Vereinigung, die so arbeitet, ist
250
1,5 qm. Größere Seg­mente errei­ der FREMO (Freundeskreis Euro­
57
Schienenoberkante
chen auch mehrere Quadratme­ päischer Mo­dell­­eisen­bahner).
Trassenoberkante
Diese Vereinigung arbeitet euro­
130 130 pa- bzw. weltweit nach gleichen
Grundlagen. Die Treffen finden
240

meistens unter Ausschluss der


190

10
1032-1046

Öffentlichkeit statt, da man lieber


120

1049
100

unter sich ist und an der Anlage


120

Norden Süden
50

spielen möchte. Be­sucher wer­


den bestenfalls geduldet.
Angaben in mm Große Räumlichkeiten sind für
Boden
Module sind nicht sehr breit, bie­ den Bau kleiner Module nicht er­
HO-Modul der Bergische-Eisenbahn-Freunde Wipperfürth ten dennoch viele feine Details. forderlich. Die Arbeiten können

26 Modellbahnschule 3
Modul-Vereinsnormen in der Nenngröße HO

Eisenbahnfreunde Burscheid.

Nordmodule Barsinghausen.
Eisenbahnfreunde Breisgau.

Eisenbahnfreunde Breisgau.

Eisenbahnfreunde Breisgau.

MBC Freiberg/Neckar.
FREMO Privatbahn.
FREMO Regelspur.

FREMO Regelspur.

FREMO Regelspur.

Wuppermodule.
BEF Nebenbahn.
BEF Hauptbahn.

MEF Erkrath.
IGM Kaarst.
NEM.
V ereinigungen

Höhe Fußboden bis Schienenoberkante 1000-1300


1000 1000 1200 1200 1200
1100-1200
1300 1300 1300 1300 1050 780 940 1050 1000
Höhe Modulsüdseite am Kopfstück – 100 190 100 100 k. A. 100 137 175 95 80 20 180 190 160 200
Höhe Trassenbrett am Kopfstück – 190 190 100 100 200 100 195 195 104 80 20 220 190 190 200
Höhe Modulnordseite am Kopfstück – 240 240 100 100 k. A. k. A. 242 175 95 80 20-245 260 190 220 20

Modultiefe A 500 500 600 600 600 650 500 500 500 mind. 300
600 600 500 500 600

Anzahl der Gleise – 2 1 4 2 1 k.A. 1 1 1 1 2 2 2 2 2
Lage des ersten Gleises von der Modulsüdseite – 193 250 symm. symm. symm. symm. 250 250 250 min. 150 k. A. k. A. k. A. 250 277
Gleismittenabstand NEM 57 – 50/70/50
50 – bis 52 – – – – 46 57 67 57 46
minimaler Radius auf freier Strecke – 1000 1000 1500 1500 1500 min. 600 1000 1000 1000 1500 2000 600 900 2000 –
Stromart (Gleichstrom = GL, Wechselstrom = WS) – GL u. WS GL u. WS GL GL GL GL GL GL GL GL GL GL GL u. WS WS GL
Gleismaterial – Märklin K Märklin K Roco Line Roco Line Roco Line Roco Line Code 83 Code 83 Code 83 Code 75 Roco Roco Märklin K Märklin K Roco Line
Die Tabelle enthält die bekanntesten und teilweise größten Modulbauvereinigungen. Alle Maße sind in mm angegeben. Abweichungen der angegebenen Maße sind möglich.

Modul = Model = Modulus (Lat.)


notfalls auch am Kü­ chen­tisch tungen, um anschließend wie­
durchgeführt werden. Die kleine der seine Fahrt über die Module Dieser Begriff unterteilt sich in verschiedene Sparten. Für
Größe der Holz­ kästen ermög­ antreten zu können. unsere Anwendung kommt nur die aus der Baukunst zum
licht einen guten Zugriff von allen Tragen. Der Begriff wird als „Grundmaß, das in gewissen ein­
Himmelsrichtungen fachen Beziehungen zwischen den Bauteilen wiederkehrt“
Seiten und lädt geradezu zum
definiert.
Aus­toben an liebevoll und gut Jedes Modul besitzt eine Be­ Ein weiterer Begriff im Zusammenhang mit „Modulen“ ist die
gestalteten Motiven ein, da man trachterseite. Das ist die Seite, von Bezeichnung „Segment “, weil auch in verschiedenen
auch später als Be­trach­ter mit sei­ der das Modul haupt­ sächlich Zeitschriften immer
ner Nase genauso nah an die angesehen werden soll. Deshalb wie­der das Wort „Seg­
Fein­hei­ten gelangen kann. verwenden viele Vereine für ihre mentanlage“ auftaucht.
Ein Nachteil von Modul­an­la­ Modulnorm ein Bergprofil. Der Auch hierzu einige Zei­
gen ist die Fläche, die für Ausstel­ Betrachter soll, wenn möglich, len aus dem Lexikon.
lungen benötigt wird. Es kom­ immer vom „Tal“ zum „Berg“ Der Begriff ist als das
men schnell 100 und mehr Qua­ schauen und nicht umgekehrt. lateinische Wort für
„Abschnitt “ definiert
dratmeter zu­ sammen, und so Bei solchen Mo­dultypen ist eine
und ebenfalls in ver­
müssen Turn­hallen oder ähnliche „Himmels­r ichtungs­b estim­ schiedene Sparten un­­
Räum­lich­­­kei­ten gemietet wer­­ mung“ leicht durchführbar. Sie terteilt. Eine Ableitung
den. Dies ist dann erleichtert auch die kommt aus der Geo­
meistens mit Ko­
sten verbunden, die Module sind Beschreibung einzelnen
der
Be­­
metrie und wird als
„Fläche (Körper) die
wieder erwirtschaf­
tet werden wollen.
betriebs- standteile. Der Be­­
trach­ter, der vor der
durch eine Gerade
(Ebene) und eine Kur­
Sollte also ein fähige talseitigen Längs­ ve (Kappe) be­
wird“ definiert.
grenzt
Ver­ein den Bau seite steht, befindet
Für unseren Bereich ist Module, hier das System Jörger für
einer größeren Mo­ Dioramen sich vor der Südsei­
auch die De­finition aus Nenngröße Z, benötigen Gleis­mon­
dulanlage planen, te. Gegen­über liegt der Zoologie (!) an­ ­ t­ageschablonen sowie ge­nor­m­te
muss er sich im Klaren sein, dass die Nordseite, links ist die West­ wendbar. Der Begriff und robuste Steck­ver­bin­dungen.
diese nur bedingt in Ver­ seite und rechts befindet sich die wird hier von dem la­­
einsräumen aufgebaut werden Ostseite des Moduls. Die West- teinischen „Metamerie“ abgeleitet. Die De­ finition lautet
kann, es sei denn, der Verein be­ und Ostseiten sind auch gleich­ „Aufbau des Körpers aus mehr oder weniger gleichartigen,
sitzt einen großen Palast. zeitig die Modul­köpfe, also die untereinander geschalteten Teilen“ (Meta­ma­ren, Seg­menten)
Natürlich kann man sich auch Übergänge zum nächsten Da stellen sich einem sofort die Fragen:
auf nur wenige Module be­ Modul. Bau­ en wir Module oder Segmente, folglich sind das
schränken. Da der Zugverkehr je­ Einige Vereine benutzen nun Modul- oder Seg­ ment­an­
la­
gen? Was hat das
alles mit Tieren zu tun?
doch nicht auf un­terschiedlichen ein rechteckiges Kopf­
Ganz einfach: „Wir bauen tierisch gute
Ebenen erfolgt, sondern die Züge profil. Hier ist die „Him­ Segmentanlagen, die aus Mo­ dulen
nur von Modul zu Modul fahren, melsrichtung“ festzule­ zu­sammengesetzt werden“.
ist ein verschlungener Fahrweg gen, da sonst die elektri­ Klaus-Dieter Lang
nicht mög­lich. Am Ende der Mo­ schen Steck­ver­bin­­dun­
dul­kette muß der Zug ge­wen­det gen für die Versorgung Schablonen zur Gleisablängung
werden, sei es durch gro­ße Wen­ des Moduls vertauscht vereinfachen den Gleisbau.
deschleifen oder an­dere Einrich­ werden könnten.

Modellbahnschule 3 27
600
Schwerpunkt Anlagen

Norden 4 1 5 Süden

60
Material: 15 Sperrholz
wasserfest verleimt
100 100

120

140
Grundlagen für den

200
2 3

70
Bau im Verein
Soll eine Modulanlage im Ver­
200 200
Ansicht auf Westseite
ein erstellt werden, sind einige
Grundlagen und Regeln festzule­
250 Angaben in mm gen. Ohne solche Vor­gaben ist
46
der gemeinsame Bau nicht mög­
lich. Auf Grund der knappen Fi­
Schablone aus Alu, 2mm dick 16 16
nanz- und Platzverhältnisse sollte
Nordgleis Südgleis
der Ver­ein nur einen Grundstock

100
80

70
80 80
er­stellen, der durch weitere Mo­ Jeder Bahnhof hat seine ei­­
dule/Seg­mente von Mitglie­dern gene Steuerungs­ein­rich­tung.
erweitert wird. Groß­pro­jekte wie Übergreifendes Fahren vom
Nachbarn ist auch möglich.
Ansicht auf Westseite Haupt­ bahnhöfe, Kehren, und
25 100 100 25 Schatten­bahn­höfe bilden diesen
Grund­stock. Sie sind für Einzel­ Eine Auflistung aller Vereins­
Wupper-Modul
per­ sonen kaum erschwinglich normen würde den Rahmen die­
und können durch den Verein ses Beitrags sprengen. Bei den
mit Gleismontage-Schablone
schon eher finanziert werden. meisten Spurweiten gibt es zwi­
Modulbau im Werks­
Weitere Regeln sind erforder­ schen drei bis sieben verschiede­
unterricht – für Schüler lich, um die Nutzung und Ge­stal­ ne Vereinsnormen. Bei der be­
ein riesiger Spaß beim tung der Anlage festzulegen, liebten Nenngröße H0 existieren
Erlernen ihrer Fähig­ denn spätere Änderungen sind bei der Nor­malspur sogar über
keiten. meistens mit immensen Kos­ten 50 verschiedene Normen.
verbunden. Daher sollten nach­ An Hand einiger Beispiele
folgende Beding­un­gen eindeutig (Spur H0) sollen Unterschiede
festgelegt werden: aufgezeigt werden, um eine mar­
● gleiche Themenwahl und kante Problematik zu verdeutli­
Modul 2 Epoche, chen: Das gemeinsame Spiel auf
● Verwendung des selben verschiedenen Modulen ist
Seitenwand B Strom­systems, doch nicht so leicht, wie man es
● Verlegen einheitlicher Schie­ ­ bei scheinbar standardisierten
nen, zumindest aber gleicher Bauteilen erwarten würde.
Schienenprofile, So bauen fünf Vereine ihre Mo­
Rückwand 1
● gleiche Anschlüsse an den
dule nach der Nordmodul-Norm
Stirnseiten aller Mo­dule, (Barsinghausen), jedoch hat jeder
● dieselben elektrischen Steck­
Verein seine eigene Höhe zwi­
Rückwand 2 verbindungen,
● Festlegung der wichtigsten
schen Oberkante Fuß­boden und
Modul 1
Begrünungselemente. Schienen­ober­kante (Nord­mo­
Die Liste kann nach Belieben dul: 1050 mm, MIG-88 Hem­
fortgesetzt werden. Ziel sollte mingen: 1000 mm, MEC Berlin:
es allerdings sein, nicht nur 925 mm, MBC Holz­ minden:
Seitenwand A
technisch auf denselben Nen­ 1045 mm.
Einfacher Transportkoffer der Eisenbahnfreunde Würmtal ner zu kommen, sondern sich Sieben Vereine bauen ihre
auch im Bereich der Ge­ stal­ Mo­­dule nach FREMO-Norm,
tung bezüglich Farb­ge­bung doch auch hier gibt es Unter­
und Auswahl der wichtigsten schiede bei der Höhe (FREMO:
Produkte auf eine Linie einzu­ 1300 mm, EF Kahlgrund: 1000
schwören.
45
Am gleichen Strang
ziehen fällt schwer
36

Bedingt durch die Erfahrungen


beim Bau vieler Modulan­lagen
230

25
wurde eine große Anzahl von un­
10 20 10 terschiedlichen, vereinsinternen
60
90

Normen entwickelt. Teilweise


sind die Vorgaben ähnlich, aber,
wie so oft, hat jeder Verein seine
70 80 Besonder­hei­ten. Manche Ver­
150 eine maßen sich sogar an, „die
180 Norm“ schlechthin erfunden zu Langlöcher oder kleinere run­
280 haben. Tat­ säch­lich gibt es be­ de Löcher am Modulkpf die­
Angaben in mm
kanntlich „viele Wege, die nach nen zum Durchstecken der
Spur-Z-Modul nach NEM 912 D Rom führen“. elektrischen Leitungen.

28 Modellbahnschule 3
Modul-Vereinsnormen in der Nenngröße N und Z Modul-Vereinsnormen für HO-Schmalspur

Rhein-
Eisenbahnfreunde Würmtal.

Eisenbahnfreunde Würmtal.

Eisenbahnfreunde Würmtal.

Eisenbahnfreunde Siegburg.
Z-Modellbahn-Freunde
Z-Club International.

Team 750 Dortmund.


EAC Herzogenrath.

HEB-N-Module.

MEC München.

MEC München.

FREMO HOm.

FREMO HOe.
AG Kaarst.

V ereinigungen V ereinigungen

Sieg.

Nenngröße N N N N N N N Z Z Z Spurweite H0e H0e H0m H0e
Höhe Fußboden bis Schienenoberkante 730 985 1100 1100 1398 ca. 800 ca. 800 1100 1072,5 1072,5 HöheFußbodenbisSchienenoberkante 1000-1050 1104 1304 1304
Höhe Modulsüdseite am Kopfstück 55 127 – – 103 134 134 69/100 90 90 Höhe Modulsüdseite am Kopfstück 165 150 beliebig beliebig
Höhe Schotterbettoberkante am Kopfstück 55 127 – – 135,8 164 164 110 90 90 Höhe Schotterbett am Kopfstück 196 150 beliebig beliebig
Höhe Modulnordseite am Kopfstück 300 127 – – 152 164 164 125/140 90 90 Höhe Modulnordseite am Kopfstück 185/294 150 beliebig beliebig

Modultiefe 600 (610) 500 500 400 400 350 350 400 280 280 Modultiefe 350 min. 400 beliebig beliebig
Anzahl der Gleise 2 2 2 1 1 2 1 2 2 2 Anzahl der Gleise 1 1 1 1
LagedeserstenGleisesvonderModulsüdseite 150/417 symetr. – – 300 120 150 100/240 180 180 Lage des Gleises von der Modulsüdseite 110 120 beliebig min. 80
Gleismittenabstand 33,5 33,6 30 – – 30 – 25 25 25 Gleismittenabstand – – – –
minimaler Radius auf freier Strecke 250 400/700 – – 700 400 400 – 490 490 minimaler Radius auf freier Strecke 500 550 500 750
Gleismaterial Roco Roco – – Arnold Arnold Arnold Märklin Märklin Märklin Gleismaterial Bemo Bemo Code 70 Code40-80
Beide Tabellen enthalten die bekanntesten und teilweise größten Modulbauvereinigungen. Alle Maße sind in mm angegeben. Abweichungen der angegebenen Maße sind möglich.

NEM 900 und NEM 908D


mm, AG Verkehrsfreunde Lüne­ blieben und führten nur zu der
burg: 810 mm, MEC Bruchsal: nichtssagenden NEM-Empfeh­ Die NEM ist die Abkürzung für Norm Europäischer Mo­­
1100 mm, MEC Wolfsburg und lung (siehe Ta­belle). dellbahnen. In dieser Norm sind die Richtlinien wie der
Maßstab der einzelnen Baugrößen ( z. B.: Spur 1 hat den
MEC Hamburg jeweils 1300 mm Die Arge Spur 1 hat intern ver­
Maßstab 1:32, H0 den Maßstab 1:87 usw. ) festgelegt, an die
sowie MEF Kressbronn: 960 mm). schiedene Normen, die durch sich die Modellbahnhersteller und Privatpersonen halten sol-
Die unterschiedlichen Höhen ihre Mitglieder unabhängig von­ len. Auch einen Norm­übergang für Modulanlagen versuchte
kann man allerdings durch die einander entwickelt wurden. man dort zu verankern. Da dies bis heute nicht geschehen ist,
Modifizierung des Unterbaus an­ Den­noch sind alle Module mit­ ist dieser Teil der NEM nur eine Empfehlung. Im Norm­ blatt
gleichen. Wenn aber einander kombinier­ 900 sollen in Zukunft die wichtigen Ab­messungen für Module
auch die Anordnung
der Schienen von­
Jeder bar, da jede Fahrstra­
ße auf einem Seg­
wie Schienen­ober­kante, Modul­breite, Modulform und Maße
für die Ver­bind­ungslöcher bezogen auf die Gleismittenachse
einander abweicht, kocht sein ment aufgebracht ist festgelegt werden. Das Normblatt NEM 908 D (D steht für
Deutschland) beschreibt die Schnittstelle für den elektrischen
ist ein Zusammen­ und jedes Modul
kommen ohne Hilfs­ eigenes sich wiederum aus
Übergang zwischen zwei Modul­ anlagen. Dort wird ein
Stecksystem für die mechanische Verbindung und dessen
konstruktion nicht verschiedenen Seg­
mehr möglich. Süppchen menten (bis zu vier) elektrische Pinbelegung festgelegt.

Gerade bei zwei­ zusammensetzt.


gleisigen Strec­­kenmodulen tre­ Bei der Spurweite N sind die
ten Unterschiede besonders bekanntesten Modulvereine die
deut­­lich auf: Die von Norm zu Modellbahn AG Kaarst, der EAC
Norm abweichenden Maße für Herzogenrath, HEB-N-Module
den Gleismittenabstand begin­ Heu­ senstamm und der MEC
nen bei 45 mm, führen weiter München. Auch hier gibt es
über 46 mm (NEM), 50 mm, 55 keine Übereinstimmungen, alle
mm, 56 mm, 57 mm bis hin zu haben ihre ei­genen Normen.
60 mm. Wie soll da ein gemein­ Das Übergangsstück der Z-
sames Spiel unter verschiedenen Modellbahn-Freunde Rhein-
Vereinen stattfinden? Sieg ist bis auf einige ge­ring­­fü­gi­ge
In zwei Tabellen werden ei­nige Unterschiede mit dem des Z-
der bekanntesten Ver­eins­nor­ Club International kompati­ Module müssen nicht im­mer
men und die Vorgaben nach bel. Von Z-Bahnern wird das rechteckig sein. Auch an­de­
NEM aufgeführt. Hier treten die System von Jör­ger wegen ­re Formen oder Seg­men­te
Abweichungen deutlich zu Tage. seiner Ro­ bustheit emp­ sind in das Mo­ dul­
sys­
Die Angaben sind einer umfang­ fohlen. Er baut nach der tem integrierbar.
reichen Liste entnommen, die Norm der Eisenbahn­
Anfang der neunziger Jahre er­ freunde Würm­tal und
stellt wurde, um eine einheitliche bietet die­ se Module
NEM-Norm für Modulbauer zu auch als Bausatz an.
erstellen. Diese Bemü­ hungen Eine Besonder­
sind allerdings ohne Erfolg ge­ heit stellt die

Modellbahnschule 3 29
Zweigleisiges Modul der
BEF mit Märklin K-Gleis.
Schwerpunkt Anlagen

Schienenoberkante

„Black Box“ der


Eisenbahn­freunde

200
Burscheid e. V. dar.
Der in Leverkusen sit­
zende Ver­ ein verbin­
det die Module, die
600 nicht zueinander finden norm und das an­
wollen, über ein Flexgleis. dere nach NEM-Norm

1200
Das bewegliche Gleis kann gebaut. An das NEM-Kopf­
Angaben in mm
die verschiedenen Gleis­ab­ stück können sich dann ein an­
stände über­brücken und ist als derer Verein oder Ein­zel­personen
Boden Tar­nung in einem schwar­zen Ka­ an­koppeln.
Eingleisiges HO-Modul sten versteckt. Das System ist ge­ Zum Überwinden der unter­
der Eisenbahnfreunde Breisgau nial einfach, funktioniert aller­ schiedlichen Höhen sind aller­
dings nur, wenn sich die an­ dings verstellbare Füße oder an­
zuschließenden Mo­dule auf der­- dere Übergänge, beispielsweise
70 selben An­la­gen­höhe befinden. eine Gleiswende erforderlich.
50 Auch op­tisch entsteht durch den
50
schwar­zen Kasten ein Bruch im Modul-Elektrik
Schienenoberkante
Ge­samtbild der Modul­anlage, Vor Baubeginn sollte erst ge­
der sich bei einem Anlagen­- klärt werden, welchen Zweck
100

­the­men­wechsel sogar als positiv das zukünftige Modul erfüllen


herausstellt. soll, damit die Elektrik genauso
600 wie die Übergänge von Schiene
Rettende NEM-Norm
1200

und Modulbrett optimal ange­


gefordert passt werden kann. Daher muss
Viergleisiges HO-Modul Angaben in mm
So kocht derzeit jeder Verein eine der nachfolgenden Fragen
der Eisenbahnfreunde Breisgau und jede Modulbahnergruppe positiv beantwortet werden: Soll
Boden ihr eigenes Süppchen. Ein ge­ das Modul
meinsames Spielen mit allen 1. in eine bestehende Club­an­
50
Modulen ist nicht möglich. Ab­ lage integriert,
hilfe könnte eine neue, anders ge­- 2. als Schnittstelle zu anderen
Schienenoberkante artete NEM-Norm schaf­­fen. Sie Vereinsanlagen ge­nutzt oder
sollte eine einheitliche Schnitt­ 3. nur als perfekt gestaltetes
stelle vorgeben, damit sich alle Diorama zur Fahr­zeug­präsen­
100

zukünftigen Module über die­se tation be­nutzt werden.


600
verbinden können. In­halt dieser Wird das Modul für die be­ste­
zu schaffenden Norm sollten nur hende Anlage eines be­stimmten
1200

die wichtigsten Ab­mes­sungen Vereins gebraucht, sollten von


Angaben in mm sein: Der Abstand der Ver­ bin­ diesem Verein die internen Nor­
Zweigleisiges HO-Modul dungs­lö­cher zur Gleismitte und men erfragt und dementspre­
der Eisenbahnfreunde Breisgau der Gleismittenabstand bei einer chend auch im Bau des neuen
Boden
zweigleisigen Strecke. Moduls um­gesetzt werden. Die­
Die Breite des Modulkastens se Ver­einsnorm ist bindend und
Autorenprofil spielt dabei keine Rolle, schließ­ er­
laubt keine Abwandlungen.
Frank Berster Klaus-Dieter Lang
lich will man mit seinem Mo­ Damit ist es bei den meisten Ver­
wurde 1970 ge­ wurde 1955 gebo­ dellzug von Kasten zu Kasten einen aber nicht getan. Erst wei­
boren. Weihnach­ ren. Der gelernte fahren, nicht aber sämtliche Mo­ tere Spezifikationen führen zum
ten 1976 lag un­- Bautechniker arbei­ dule im Aus­sehen uniformieren. entsprechend korrekten elektri­
ter dem Weih­
­ tet heute in der Bau­
So ist es denkbar, 50 cm breite schen An­schluss:
nachtsbaum eine verwaltung und ist
Fleischmann-H0- Vater von drei Kin­ Mo­dulkästen an 60 oder 70 cm 4. Mit welchem Stromsystem
Startpackung, dern. breite Kästen anzu­schließen, ja (Gleich- oder Wech­sel­strom) ar­
geschenkt von Schon als kleiner selbst die An­ bindung eines beitet der Verein?
dem selbst mo­ Junge bastelte er Berg/­Talmo­duls mit einem gera­ 5. Wird digital oder analog ge­
dellbahninteressierten Vater. Damit begann gerne. Seine kindliche Neugier ließ ihn bei einer
für ihn der modellbahnerische Werdegang. Entdeckungsreise im Schrank seines Vaters
den Modul ist machbar. Hier fahren?
1988 war er als Gründungsmitglied des Ver­ eine Modellbahn aufspüren. Sofort erwachte steht eben der Gedanke der Ko­ 6. Soll dieses Modul ein nor­
eins Bergische Eisenbahn-Freunde e. V. in Wip­ sein hand­werkliches Interesse und fortan war mmu­nikation im Vordergrund. males Strec­ken- oder ein Block­
perfürth dabei. Heute ist er der 2. Vorsitzende die Modellbahn für ihn nicht mehr wegzuden­ Mittels dieser neu­ en NEM- modul werden?
des Vereins und hauptsächlich für die Elektrik ken. Als Gründungsmitglied der Bergischen
Norm kön­nt­e dann jeder Verein 7. Wird es ein Bahnhof oder
der Anlagen zuständig. Eisenbahn-Freunde e. V. ist er mit der Organi­
Der erlernte Energieelekroniker steht kurz vor sation und Ausführung der Vereinsausstellun­ bei bereits bestehenden ei­genen eine andere Betriebsstelle?
seinem Studienabschluß als Diplomingenieur gen vertraut. Als 1. Vorsitzender des Vereines Normen ein oder zwei Module 8. Ist die Strecke eingleisig oder
der Elektrotechnik, doch jede freie Minute wid­ bleibt ihm aber dennoch genügend Zeit, sich als Überbrückung bzw. Adapter doppelgleisig?
met er der Modellbahn. Ihn fasziniert vor allem mit dem Gebäudeselbstbau und sei­nem Lieb­ bau­en, um An­schluss an das ein­ Sind auch diese Fragen ge­klärt,
die Epoche 3 in H0 und die moderne Schweiz lingsthema, der Nebenbahn der Epoche 3, zu
der heutigen Zeit. beschäftigen.
heitliche Sys­tem zu erlangen. Ein gibt es für das neue Mo­dul ei­
Kopf­ stück wird nach Vereins­ gentlich nur einen An­ schluss­

30 Modellbahnschule 3
Anschlußbelegung eines Übergangsmoduls (Vorschlag) Einigung tut schwer
Pol Lüsterklemmenreihe A Pol Lüsterklemmenreihe B
Warum gibt es bis heute keine sinnvolle NEM-Norm?
1 Nördliches Gleis, nördliche Schiene 13 Besetztmeldung Nordgleis
Müssen die Vereine immer ihre Anschlußnormen als
2 Nördliches Gleis, Mittelleiter 14 Rückleiter zu 13
Maß aller Dinge durchsetzten? Es wäre schön, einen
3 Nördliches Gleis, südliche Schiene 15 Freigabe Nordgleis
ge­meinsammen Konsenz zu schaffen, der es ermög­
4 Nördliches Gleis, Fahrleitung 16 Rückleiter zu 15
licht, mehrere Vereinsanlagen miteinander zu koppeln.
5 Konstante Wechselspannung 14-16V 17 Kommunikation
Auf diese Weise wird eine neue Modellbahnerfahrung
6 Konstante Wechselspannung Rückleiter 18 Reserve ( durchschleifen)
erlebbar: Das Spielen miteinander unter Verwendung
7 Pluspol konstante Gleichspannung 14-16V 19 Reserve (durchschleifen!)
8 Minuspol konstante Gleichspannung 14-16V 20 Kommunikation
vieler Vereinsanlagen.
9 Südliches Gleis, Fahrleitung 21 Rückleiter zu 22
Interessenten für einen Gedanken­ aus­
tausch mögen
10 Südliches Gleis, nördliche Schiene 22 Freigabe Südgleis sich bitte unter folgender Adresse melden: Bergische
11 Südliches Gleis, Mittelleiter 23 Rückleiter zu 24 Eisenbahn-Freunde e. V., Gaulstraße 39 in 51688
12 Südliches Gleis, südliche Schiene 24 Besetztmeldung Südgleis Wipperfürth.

plan. Für ein normales Strecken­ Welche hoher Ausgleichsstrom vom Querschnitts belegbar. Die Bele­
modul, welches beispielsweise Leitungen? Trafo mit der höheren Spannung gung ist in der obenstehenden
für die Clubanlage gefertigt wer­ Für einen Übergang gemäß zum Trafo mit der kleineren Span­ Ta­belle als Vor­schlag aufgelistet.
den soll, muss die Elektrik nach NEM werden Lei­tungen benö­ nung. Die elektrische Schal­tung, Sollte Ihr Interesse am Mo­dul­
einer vorgefertigten Zeichnung tigt, an denen die Gleise ange­ die nur bei 28,8 V funktionierte, bau geweckt worden sein, wobei
installiert werden. Wesentlich schlossen sind. Bei einer zwei­ wird den Dienst verweigern, da Sie aber nicht wissen, wie Sie an
sind auch die speziellen Steck­ gleisigen Gleich­strom­strecke ihr der Wert von 24 V zu klein ist, die bisher bekannten Normen
verbindungen, die eben­ falls in wä­ren das je zwei Leitungen für und das Netzteil durch den kommen können, empfehlen wir
vielen Club­nor­men festgelegt ist. das nördliche und für das südli­ hohen Aus­gleichs­strom leerge­ Ihnen folgende Vorgehensweise:
Ein Blockmodul be­nötigt die che Gleis. Für Wechsel­strom­fah­ saugt wird. Der andere Teilneh­ Sie können sich über die gro­
gleiche Steck­ver­bin­dung wie ein rer wird noch je ein Mittel­leiter mer mit 19,2 V hat noch weniger ßen Modellbahnverbände infor­
normales Strec­kenmodul, da­mit pro Gleis mitgeführt. Bei einer zu lachen. Ihm „fliegt“ die ganze mieren. Alternativ können Sie
die Verbin­dung zu allen Modu­ eingleisigen Strecke wird das Elek­tronik um die Ohren, da auch den Verein der beiden Au­
len hergestellt werden kann. Ein Gleis an den Klem­ diese nur für 19,2 V, toren dieses Artikels – es handelt
Blockmodul hat aber zusätzliche men, die für das Solide nicht aber für 24 V sich um die „Bergischen Eisen­
Überwachungs- und Sich­er­ungs­ Nord­gleis bei einer ausgelegt war. bahn-Freunde“, Wipperfürth/­
aufgaben. Dafür muss eine ande­ zweigleisigen Strec­ Elektrik Auch fragt man Hückeswagen (Adresse in der
re, ebenfalls im Ver­ein erarbeitete ke gedacht war, an­ sich, warum der Tabelle unten) – anschreiben. Es
und dann vorgeschriebene elek­ geschlossen. Sinn­ bevorzugt Spannungswert von werden jedoch nur Briefe von
trische Schaltung eingebaut wer­ voll wäre außerdem 24 V genormt wird, den Autoren bearbeitet, denen
den, die es ermöglicht, die Block­ noch je eine konstante Wechsel- da alle Lampen, Signale und DM 6,- in Briefmarken für Rück­
signale zu stellen, die Be­ legt­ und Gleich­spann­ung von 14 bis Elektronik­bau­steine nam­hafter porto und anfallende Fotokopie,
meldung an den vorherigen 16 V. Mit diesen Stromversorgun­ Hersteller für einen Spannungs­ etc. beiliegen.
Block zu übermitteln, die Freimel­ gen könnten z. B. Beleuch­tungen bereich von 12 bis 16 V ausgelegt Frank Berster, Klaus-Dieter Lang
dung des nachfolgenden Blocks von Häusern und das Stel­len von sind. Diese würden ebenfalls bei
zu empfangen und dementspre­ Weichen­an­trie­ben bzw. -moto­ 24 V zerstört werden. So ein gro­
chend den Zug weiterfahren zu ren realisiert werden. ßer, genormter Span­nungs­be­
lassen. Dafür muss an dieser Stel­ reich kann also nicht in Sinne Kontaktadressen

Fotos: BEF Wipperfürth (2), Markus Tiedtke (16); Zeichnungen: Klaus-Dieter Lang, Markus Tiedtke
Was sagt die NEM? Bergische Eisenbahn-Freunde
le ein Stellpult installiert werden. einer Normung liegen. Desweite­ Gaulstr. 39, 51688 Wipperfürth
Für jede dieser er­wähnten Mo­ Die NEM 908 D empfiehlt an ren ist die Herstellung einer BDEF
dularten gibt es eine Vereins­ dieser Stelle nur eine geglättete Wech­ selspannung aus einer Postfach1140, 30011 Hannover
norm, die vorschreibt, wel­ che Gleich­span­nung von 24 V mit Gleichspannung, die eventuell Eisenbahnfreunde Breisgau
Aufgaben die elektrische Schal­ einer zulässigen Schwan­ kung für einige Anwendungen ge­ Lorettostr. 24 a, 79100 Freiburg

tung übernehmen muss. von +/-20%. Das wäre ein zuläs­ braucht wird, keine leichte Aufga­ Eisenbahnfreunde Würmtal
Rudolf-von-Hirschstr. 27, 82152 Krailing
siger Span­nungs­bereich von 19,2 be und nur von erfahrenen Prak­ oder Manfred Jörger
Je ein Kabelstrang für Digital, bis 28.8 V. Da beide extremen tikern zu bewerkstelligen. Da­mit Hügelstr. 9, 82178 Puchheim-Ort
Ko­mu­nikation mittels Kopfhörer, Spannungs­ werte zulässig sind, werden dann aber diejenigen FREMO Privatbahn
kann man sich gut vorstellen, was ausgeschlossen, die keine Vor­ Peter Merte, Dietkirchenstr. 6
Normalstrom und Schal­ tungen 53913 Swisttal
der Nachbar­mo­dule werden passiert, wenn nun ein Verein kenntnisse in Elektrik be­ sitzen. HEB-N-Module
bei den BEF-Modulen benötigt. 19,2 V und ein anderer Verein Das kann ja wohl auch nicht im Günther Langer, Niedergartenweg 15
28,8 V Gleichspannung an dieser Sinne des Erfinders sein, denn alle 64331 Weiterstadt
einen Modul-Normschnitt­stelle Interessenten wollen mitspielen. Modellbahn-AG Kaarst
Mühlenweg 5, 41564 Kaarst
übertragen will. Der Span­­nungs­ Die NEM 908D schlägt eine
N-Bahn-Freunde München
unterschied zwischen beiden SUB-D25 Steckverbindung vor. Dachauerstr. 184, 80992 München
Werten (19,2 V und 28,8 V) von Besser wäre eine Verbindung der Nordmodule Barsinghausen
9,6 V be­wirkt, daß die beiden Module mittels zweier Lü­ s­
ter­ Postfach 1107, 30881 Barsinghausen
Span­ nungen der Transformato­ klemm­reihen. Sie ist kos­ten­gün­ Wupper-Module
ren sich auf ca. 24 V als Mittelwert stig und leicht beschaffbar und Gisela Lenzen, Alfred-Dobbert- Str. 57
42111 Wuppertal
einigen. Gleichzeitig gelangt ein auch mit Leitungen gro­ ßen

Modellbahnschule 3 31
Schwerpunktthema

Gleis- und Anlagenplanung konventionell oder mit dem Computer

GLEISBAU
Teil 1 ● Planun



g von Strecke
und Anlage
Teil 2 ● Geräusch
Teil 3 ● Fertiggle
g
dämmun
ise
Pläne
schmieden

au gleise
Teil 4 ● Selbstb
rbett
Teil 5 ● Schotte
bung
Teil 6 ● Farbge

Bevor der erste Zug über die Anlage rollen kann, ist viel Planung
angesagt. Wunsch und Wirklichkeit müssen in Einklang gebracht wer-
den. Die Raumgröße und der Maß­stab sind wichtige Faktoren.

32 Modellbahnschule 3
Während die Gleise einer
Nenngröße stets den korrek­
ten Maßstab aufweisen, wer­
den für die Gestaltung des
Umfelds einer Anlage Model­
le in teilweise recht exoti­
­
schen Maß­­ stäben von der
Zu­­­be­hör­-In­dus­trie an­gebo­ten.
Oft wirken die Häuschen
niedlich, indes, Maß­stäb­lich­
keit sieht doch an­ ders aus,
wie der Vergleich zeigt.

Modellbahnschule 3 33
Schwerpunktthema

Der richtige Schwung für Kurven mit Übergangsbögen


entsteht mit Hil­fe von Kurvenlinealen. Die Planungs-
Reinzeichnung ge­lingt mit dem Tuschezeichner.
Konventionelles Planungs-Instrumentarium: Unterschiedliches Schreibgerät, Zirkel,
Gleisschablonen, Kurvenlineale, Geodreieck und – ganz wichtig – der Radiergummi.

D
ie Planung und Gestal­ und Enttäu­ schungen möglichst aus Zeit­ schriften und Büchern quet­schte Hunde­kno­chen führt
tung einer Mo­ dell­ abzusichern. Zunächst sei als er­ inspirieren zu lassen. wieder zu einem ganz anderen
bahn­anlage setzt nicht ste, möglicherweise be­ schrän­ Im Konzept der zu planenden Fahr­be­trieb, zu­mal oft noch auto­
nur eine hand­werk­li­ ken­­
de Vorbedingung der vor­ Anlage sollte keinesfalls der Spiel­ matische Zug­­schal­tungen au­to­
che Erfah­­­
rung voraus, die sich handene Platz genannt, nach spaß fehlen. Die Gleis­pla­nung ist ma­ tisierte Betriebsabläufe her­
jeder Modellbahner aneignen dem sich meist auch die Anlagen­ daher entscheidend davon ab­ vor­rufen. Wer nur eine Ne­ben­
kann, sondern auch Phantasie form richtet. Platz sowie Form hängig, welche Art von Betrieb strecke plant, kann auf den enor­
und vor allem Umsicht. Es gilt, alle und Größe der Anlage liefern also auf der Anlage stattfinden soll. men Platzbedarf einer zweigleisi­
möglichen Beschränkungen wie die ersten Vorgaben. Emp­fehlens­ Ein Rundkurs erfordert eine an­ gen Haupt­stre­cke na­türlich ver­
z. B. Raumart und -größe, Zeitauf­ wert in die­­ser Phase des Planens dere Gleisfüh­rung als ein rangier­ zichten. Er wird sich später aber
wand, Arbeitsaufwand und die ist es, sich von betonter von- auch mit beschaulicherem Ver­
finanziellen Mittel zu bedenken, Vor­­bild­gleis­plä­ Punkt­-zu-Punkt- kehr zu­ frie­
den geben müssen.
Gleispuzzle mit vielen
um sich gegen spä­­tere Probleme nen und Bildern Ge­staltungsmöglichkeiten:
Betrieb. Der ge­ Auch die Wahl des Strom­­ sys­
Mit verkleinerten Gleis­ tems kann schließlich die Gleis­
schablonen lassen sich gestaltung beeinflussen, wenn
die gewünschten Gleis­ man beispielsweise Kehr­schlei­
strecken und Wei­ chen­ fen einbauen will.
straßen erstellen. Neben dem sinnvollen, am
Vorbild orientierten Be­triebs­
ablauf sollten interessant
plat­­zierte Betriebsstätten
wie Bahn­­hof, Güterverlade­
stellen, Bahnbe­triebs­werk
Abwechslung ins Spiel
brin­gen. In diesem Sta­dium
ist zunächst nur die „Ober­
flä­
che" interessant. Sie
nimmt auf engstem Raum
alle die Dinge, die man in
Katalogen und Pu­b­li­kationen
gesehen hat, bereitwillig auf.
Nach der ersten Phase der
Begei­ sterung kommt jedoch
zwangsläufig die Er­nüch­terung,
wenn man versucht, die „giganti­
schen“ Aus­wüch­­se in Form und
vor allem auf ein Maß zu bringen.
Im Laufe weiterer Planungs­über­
le­gun­gen wird man schließlich
herausfinden, dass in einer ver­

34 Modellbahnschule 3
Auf Transparentpapier gezeichnete
Planungsalternativen können überein­
andergelegt werden, um ihr Zusam­
menspiel zu überprüfen und die opti­
male Lösung zu finden.

Im fortgeschrittenen Planungsstadium kann man Gleisschablonen im Maß­


stab 1:1 anfertigen und damit die Gleise auf der Anlage endgültig fixieren.

diesen Schablonen größere Ra­ einem kleineren Maßstab 1:20,


dien und Übergangsbögen, die – der Rasterlinienabstand beträgt
sich ohne wei­teres mit Hilfe der hier 2,5cm – dient. Auf dem
teilweise in den Gleissystemen Transparentpapier werden nun
mit angebotenen Flex­gleise reali­ die ersten Gleisskizzen aufge­
sieren lie­ßen, zeich­nerisch nicht zeichnet. Der Vorteil des transpa­
darstellbar. Dies führt schon in der renten Papiers besteht darin, dass
nünftigen Be­schrän­kung letztlich kei­­ten usw. soll­ten schon jetzt, im Planungsphase zu einer doch sich die verschiedenen Entwürfe,
doch die optimale Lösung liegt. Vorfeld, er­kannt und nach Mög­ eher langweiligen, starr und sche­ auch ausschnitt­wei­se, immer
Das Planen geschieht nicht nur lichkeit eliminiert werden. Eine matisch wirkenden Gleisgeome­ wie­der auf dem vor­hergehenden
in einer Ebene, sondern auch in Dis­ kussion über den Gleisplan trie, die der zukünftigen Modell­ Entwurf aufbauen lassen. Zudem
der dritten Dimension mit har­ mit Hobbykollegen kann keines­ bahnanlage den gewünschten kann man es vermeiden, eventu­
monisch gestaffelten Rampen, falls schaden, wobei man auch „Schwung“ nimmt. ell noch brauchbare Skizzen aus­
Bö­­schun­gen, Mauern und Stra­ für deren Kritik ein offenes Ohr radieren zu müssen. Trotzdem,
ßen. Einen prägenden Einfluss auf haben sollte. Durch einen derarti­ Gleissystemunabhängige ums Radieren kommt man nicht
die Gesamtpla­ nung hat selbst­ gen Erfah­rungs­austausch wird Planung auf Papier herum, denn Fehler sind leichter
verständlich auch die „unterirdi­ der Gleisplan sicherlich an For­ im Planungsstadium zu beseiti­
sche“  Stre­ckenführung, falls vor­­­ mat und Stim­migkeit gewinnen. Individuelle, vom Gleissystem gen als später auf der Anlage.
gesehen. Hierzu zählen Schatten­ unabhängige Planung bedeutet Hat der Gleisplan in seiner Ge­
bahn­hö­fe, Gleiswen­deln und Planen mit Schablonen, Planen wie zu alten Zeiten. Dazu samtheit auch die Hobbykolle­
natürlich die Stei­gungs-/ Gefälle­ abhängig vom Gleissystem werden herkömmliche Zeichen­ gen überzeugt, kann dieser mit
strecken, welche die An­ la­
gen-­ utensilien wie Bleistift (Gradation Hilfe von Tuschezeich­nern (Rapi­
Niveaus miteinander ver­­­­bin­den. Alle Modellbahnhersteller mit HB), Zirkel, Geo­drei­eck, Kurvenli­ dographen) oder feinen Filzstif­
Aus der Notwen­dig­keit, derartige eigenen Gleissystemen bieten neale und vor allem ein Radier­ ten in eine Reinzeichnung umge­
Stei­gungen gemäßigt (maximal 3 für ihre unterschiedlichen Spur­ gummi benö­tigt. All dies ist im setzt werden. Foto­kopien dieser
Prozent, also 3 cm pro Meter weiten sogenannte Gleis­­plan- Schreib­warengeschäft erhältlich. Reinzeich­nung in Orginalbaugrö­
Strecke, besser sind höchstens Zei­chen­scha­b­lonen an. Auf die­ Als Papier genügt Milli­me­terpa­ ße können später zum Auspro­
2,5 cm) auszuführen, können sich sen Schablonen sind die von pier oder Transparentpapier. Auf bieren der Gleislage beim Auf­
für die „oberirdische“ Planung gra­ ihnen entwickelten Gleissysteme einem Bogen weißen Zeichen­ bau der Anlage verwendet wer­
vierende Mo­difika­tio­nen und mit den ver­ schie­ den. Zusätzlich er­
Ein­schrän­kun­gen ergeben. Das denen Gleis­stücken gänzen lässt sich der
Glei­che gilt auch für die unbe­ und Wei­chen maß­ Planen heißt, sich für eine von Plan mit Fotokopien
dingt einzuplanenden Ein­ griffs­
mög­lichkeiten für die unterirdi­
stäblich ver­klei­nert
(1: 10) aufgedruckt
vielen Lösungen festzulegen der Original-Mo­
dellweichen, denn
schen Streckenabschnitte. und ausgestanzt. Mit der Kampf um jeden
Bei jeder Planung ist die Mach­ einem spitzen Bleistift oder papiers wird zuerst ein Raster Zen­timeter Nutzlänge und inter­
­barkeit des Entwurfs zu hinterfra­ einem feinen Tuschezeichner (H0=50 cm, TT=36 cm, N=28 essante Gleis­verbin­dun­gen ist
gen. Planungsfehler wie zu enge können diese Streckenbestand­ cm, Z=20 cm) aufgezeichnet, das nur durch Probieren im Ori­ginal­
Radien, zu wenig Raum für den teile ganz ein­fach auf Pa­pier über­ als Plangrund­ lage für die erste maß­ stab zu gewinnen. Ist die
Hintergrund, Zugangsmöglich­ tragen wer­den. Leider sind mit skiz­zenhafte Anlagenplanung in Gleisplanungsphase dann

Modellbahnschule 3 35
Schwerpunktthema

Das Märklin-Gleisplanspiel für die dreidimen­


sionale Darstellung von Gleisplänen für die
Nenngrößen H0 und Z. Vorgegebene Raster­
maße lassen Planungsflexibilität nicht zu.

Der Planungsbogen von Roco besteht


aus einem Raster­feld und leicht haften­
den Gleissymbolen, die auszuschnei­
den sind. Das System ist in beschränk­
tem Umfang flexibel, zumindest bei
den längeren Gleisteilen. die, leicht
gebogen, als Flexgleisdarstellungen
einsetzbar sind.

end­­lich abgeschlossen, kann sind flexible Kur­ven­bänder, bei­


Bildschirm kontra Geodreieck man sich Gedanken um das spielsweise von Letraset, dienlich,
Papierhersteller und Produzen­ten ist selbstverständlich auch die in „Bühnen­ bild“ machen. Schließ­ die im gut sortierten Zei­­ chen­
von Bleistiften kön­nen aufat- den Programmen vorgesehene lich gibt das „Drumherum“, das bedarfs­han­del erhältlich sind.
men: Ihre Produk­te werden, was Mög­lichkeit, Ver­drahtungs-Sche­ Gelände und die Häuser, der An­
ihren Einsatz bei der Planung von mata zu erstellen und zu doku- lage erst die richtige Würze. Aber Gleisplanspiele
Modell­bahnan­lagen betrifft, durch mentieren. Ein korrekter Ver­drah­ auch hierbei sollte grund­sätzlich Für die Märklin-Gleissysteme
den Com­puter noch lange nicht tungsplan ist schließ­lich die Haupt­ gelten: weniger ist mehr! in den Nenngrössen H0 und Z
aufs Al­tenteil geschickt. Und um vor­aus­setzung für die technische
das noch frü­here Stadium der
Das Vorbild liefert dabei mei­ gibt es zur Planung einer Mo­
Funktions­si­cherheit einer Mo­dell­
Anlagenplanung, nämlich die Idee, bahn­an­lage. stens passende Beispiele zur Aus­ dellbahnanlage Gleisplan­spiele
ins Spiel zu bringen: Auch hier Die Möglichkeit, auch die Mo­dell­ wahl, auch für spezielle und inter­ im Maßstab 1:5, mit denen man
ersetzt der PC keinesfalls das land­schaft per Gleisplanungs­ essante Lösungen. Das gilt für die seinen Anlagen­ ent­
wurf in der
daran we­sentlich beteiligte Gehirn programm „in den Griff“ zu Po­siti­o­nie­rung von Gebäuden, letzten Pla­nungsphase auch drei­
– und wird die kreative Leistung be­kommen, stößt doch auf enge de­­ren Gruppierung und Bau­wei­ dimensional aufbauen kann, um
wohl auch nie erbringen können. Grenzen. Die 3-D-Darstellung auf se und selbstverständlich auch so einen räumlichen Eindruck zu
Zwi­schen Idee und detaillierter dem Bild­schirm wird kaum den für die Art der Landschaftsgestal­ gewinnen. Der Inhalt des Gleis­­
Planung gibt es eine Art Grauzone, wirklichen räumlichen Verhältnissen tung. Aber Vorsicht: Man sollte planspiels reicht zum Pro­be­auf­
eine Phase des Skizzierens und in ihren Perspektiven gerecht. die Anlage mit den gewünschten bau einer mittel­ gro­
ßen Anlage
Spielens mit Einfällen, kurz gesagt Dafür sind die verschiedenen Ein­
das ide­ale Ent­faltungsterrain für
Ausstattungsmaterialien keines­ und beinhaltet zusätzlich zu den
fluss­grö­ßen viel zu komplex. Um
„ge­dul­diges“ Pa­pier, Blei­stift und wirklichkeitsnahe räumliche Dar­ falls über­laden. Denn schließ­lich zusammensteckbaren Gleisen
Radier­gum­mi. stel­lungen zu er­hal­ten, müß­te man sind Modellbahnanlagen immer bahn­ technische Anlagen wie
Wer das kreative Stadium der sich schon aufwendiger CAD-Pro­ nur kleine Ausschnitte des gro­ Schie­­bebühne, Drehscheibe so­
Ideen-Samm­lung mit dem obliga- gramme (CAD=­Com­puter Ai­ded ßen Vorbilds. Sich an die optima­
torisch hohen Pa­pier­verbrauch hin- Design) be­dienen. le Lösung heranzutasten, ge­lingt
ter sich gebracht hat, dem bietet Ein „Otto Normalverbraucher“ im hier nur durch ständiges Probie­ Autorenprofil
sich im PC ein williger Helfer. Vor­ Umgang mit Computern wird sich, ren mit den verschiedenen Ele­ Sönke Windelschmidt, Jahrgang 1964,
aussetzung für seinen Einsatz ist um eine vernünftige PC-Planung menten für die An­ lagen­
ausge­ von Be­ruf Bauingenieur, ist in seiner Frei-
allerdings, daß der Anlagenbauer seiner Modellbahnan­lage auf die staltung. zeit aktiver Museumsbahner und erledigt
in spe sich weitestgehend einem elektronischen Beine zu stellen, auf die Öffentlichkeitsarbeit für das Eisen­
be­stimmten Gleis­system ver- eine längere Einarbeitungszeit Planen mit Planungsbogen bahn­museum Bochum-Dahlhausen. Sei­
schreibt. Freier Gleisbau, wo­mö­g­ ge­fasst machen müssen. Da kann ne Erfah­rungen und Vorstellungen zum
lich mit selbst konstruierten Wei­ schon die Frage nach dem Sinn Für das ROCO-LINE-System Thema Mo­dell­bahn vermittelt er in inter-
chen, ist in den Pro­grammen nicht einer derartigen An­schaf­fung wird ein Pla­nungsbogen, beste­ essanten Artikeln den Lesern der Modell­
verankert und damit entfällt diese gestellt werden, zumal der Band­ hend aus einem Rasterbogen mit bahnSchule.
vor allem für fortgeschrittene breite der gestalterischen Mö­g­ selbsthaftenden und wiederver­
Mo­dellbahner sehr attraktive lichkei­ten systembedingt doch wendbaren Gleissymbolen, als Autorenprofil
Möglich­keit der individuellen enge Grenzen gesetzt sind. Für Entwurfshilfe angeboten. Die da­ Rainer Dell, Jahrgang 1955, ist Praktiker
Gleisführung bei der den Computer-Freak eröffnen sich r­in enthaltenen größeren Sym­ durch und durch. Neben dem Bau von Mo-
Computerplanung. mo­dellbahnerisch zwar keine völ- bole sind bedingt flexibel und las­- dellen bekannter Hersteller zeichnet er
Alle diejenigen, die eine absolut lig neuen Hori­zon­te, er wird
sen sich als sanft ge­schwungene sich durch besonders filigrane Superun-
präzise Gleisführung in der Pla­ jedoch durchaus seinen Spaß gen aus. Auch im Bereich Anlagenbau gibt
nungsphase schätzen, werden im da­ran haben, seine Gleisab­schnitte und große Kur­
er in der ModellbahnSchule seine Erfah-
PC einen durchaus kompetenten Modellbahnan­lage am PC  zu pla- ven­radien mit einplanen. Als Er­ rungen gerne weiter.
Assistenten finden. Sehr vorteilhaft nen. gänzung zu dieser Pla­nungs­hilfe

36 Modellbahnschule 3
gibt es seit geraumer Zeit eine man sich mit dem Programm ver­
Reihe von Programmen. Es stellt traut gemacht, kann man auch
sich al­lerdings die Frage, ob sich di­rekt loslegen und seine Anla­ge
die Anschaffung eines Planungs­ planen. Die Gleissysteme fast
programms überhaupt lohnt. aller Modellbahnhersteller von Z
Will man nur eine einzige An­lage bis hin zu den großen Spurwei­
planen, oder hat man die Aus­ ten sind als Bibliothek vorhanden.
sicht, das zu erwerbende Pro­ Zusätzlich gibt es auch Bibliothe­
gramm auch häufiger einzuset­ ken mit Gebäu­de­modellen aller
zen? Kernfrage ist dann: „Brauche Nenngrößen. Somit lässt sich
ich dieses Hilfsmittel für mein auch das Um­feld der Gleisanla­
Anlagenprojekt?“ gen mit in die Planung einbezie­
Um eine Entscheidung zu tref­ hen. Auch die Gestaltung des
fen ist es hilfreich, die Vor- und Ge­ländes ist am Computer be­
Nachteile eines Planungs­ pro­ reits möglich. Das Programm
gramms zu kennen. Als Beispiel stellt Funk­­tionen für Böschungen
wollen wir hier das Programm und Pfeiler für die Erzeugung un­
Mit Gleisplanungs-Schablonen lassen sich die Streckenele­men­te in WinRail Version 4.1 kurz vorstel­ terschiedlicher Höhenlagen zur
verkleinertem Maßstab zeichnen. Die Schablonen sind hersteller­ len. Das Pro­gramm läuft auf allen Verfügung.
bedingt an die jeweiligen Gleissysteme gebunden. PCs mit dem weit verbreiteten Weitere Hilfsfunktionen unter­
Be­triebs­system Windows ab Ver­ stützen den Planer. Gleise verbin­
sion 3.11. Die Sys­tem­voraus­set­ den, Parallelstrecken erzeugen,
zungen sind nicht sehr
wie Pfeiler zum Aufbau einer dungen geplant werden, ist ein hoch, jedoch gilt auch
Brücke und zur Montage von Planungsprogramm si­cher­lich hier allgemein: Je lei­ Jedes Gleissystem beruht
Rampen oder höhergelegenen hilfreich. Außerdem mag es stungsfähiger der PC,
Stre­cken­teilen. Nachteilig ist da­ manchem Modell­bah­ner auch desto zügiger läuft das auf starren Gleisformen
bei, dass dieses Gleisplanspiel in Vergnügen bereiten, Anlagen am Programm.
das jeweilige Gleissystem fest Heimcom­puter zu planen. Denn Wie auch bei anderen Pro­ Kreise schließen und die automa­
eingebunden ist und eine frei­ere die mei­ sten Planungsprogram­ grammen kommt man um eine tische Verwendung von Flex­
Gestaltung nicht zu­lässt. me verfügen auch über Biblio­ Lernphase nicht herum. Zunächst gleisen ermöglichen eine freizü­
the­ken der Modellbahnzubehör-­ scheint es sehr einfach zu sein, gige Gestaltung der Gleisanlage.
Planen mit dem Computer Her­steller, insbesondere von Mo­ ein Gleis an das andere zu platzie­ Auch Steigungen und Gleiswen­
Vor der Ent­scheidung zum Er­ dellge­bäu­den. Mit diesen lassen ren. Es empfiehlt sich, zur Übung deln lassen sich berechnen und
werb eines Pla­nungspro­gramms sich dann die Anlagen fast bis ins einen einfachen Gleisplan mit erzeugen. Al­ler­dings ist man an
für den Heim­­com­puter steht kleinste Detail auf dem Farbmo­ dem Programm zu entwerfen. So das durch den Gleishersteller
eine generelle Fra­ge: Was möch­ nitor planen. Einige der im Markt lernt man die Arbeitsweise des vorgegebene Gleisraster gebun­
te der Planer mit diesem Pro­ befindlichen Pro­ gramme kön­ Programms am besten kennen. den. Nicht ins Raster passende
gramm erreichen? Wie genau nen dreidimensionalen An­sich­ Ein Handbuch als Text­datei sorgt Gleislücken lassen sich durch
und exakt möchte er seine Mo­ ten der geplanten Anlage liefern. für den ersten Überblick über die Flexgleise verbinden, abge­läng­te
dellbahn­ anlage in der Theorie Für die Gleis­ Funktionen des Weichen können je­doch nicht
vorausplanen? Oft genügt es au­ planung am PC Programms. Hat verwendet werden. Die indivi­
Wohin mit dem Gleis­
genscheinlich, wenn man einen stück? Das Märklin-Gleis­
Anlagenentwurf einigermaßen planspiel, das auch Ram­
genau mit dem Bleistift aufzeich­ pen und Pfeiler enthält,
net. Man kann die An­zahl und hilft dem Planer, auch die
Bauart der Wei­ chen ermitteln dritte Dimension in sein
und man erkennt, zumindest Kalkül mit einzubeziehen.
ungefähr, wieviel Platz für
große oder kleine Gebäude
vorhanden ist. Für den Bau
und die Gestaltung der
Anlage bleibt dann genü­
gend Spielraum, und der
Modellbahner kann sei­
ner Phantasie beim Ba­
steln freien Lauf lassen.
Für Anlagen mit einem
weniger aufwändigen
Gleisplan ist daher der Ein­
satz eines Com­pu­ter­
programms nicht unbe­
dingt erforderlich. Sollen je­
doch kompliziertere Wei­
chen­straßen oder Gleis­ver­bin­
Schwerpunktthema

duelle Ver­wen­­dung der Gleis­ ten Ausdruck kann man auch nur
stücke ist also eingeschränkt. die Gleise, nur Gebäude oder nur
Beim end­gül­ti­gen Bau der Anla­ die Geländeform zu Papier brin­
ge in der Pra­xis kann dies noch gen.
berücksichtigt werden. Zusätz­lich Eine weitere wichtige Funk­tion
gibt es auch die Mög­lichkeit, Ver­ ist die Erstellung von Sta­tistiken.
drahtungspläne und Gleis­ Hiermit kann der ge­naue Bedarf
bildstellpulte zu er­stellen. an Gleisstücken, Weichen usw.
Von Vorteil ist auch die Mög­ automatisch er­ mittelt werden.
lichkeit, Gleispläne im Maß­stab Durch Eingabe der Einkaufsprei­
1:1 auszudrucken. Einer­ seits se lassen sich auch Kosten ermit­
kann dies zum Herstellen von teln. So­gar die theoretische Ge­
Schablonen dienen, andererseits samt­län­ge der Kabel in den Ver­
beispielsweise auch für die Verle­ drahtungsplänen lässt sich se­
gung von Flexglei­ sen hilfreich kun­denschnell ermitteln.
sein. Im Übrigen können die Der wesentliche Vorteil der
Pläne in unterschiedlichen Maß­ Computerplanung besteht in der
stäben ausgedruckt werden. exakten Einhaltung der Geome­ Für Modulanlagen werden einzelne Modul-Pläne angefertigt. Farb­
Auch der Inhalt der Ausdrucke ist trie. Das bedeutet, dass nur Gleis­ lich ausgelegt, helfen sie dem Vorstellungsvermögen auf die Sprünge.
variierbar. Neben dem komplet­ anlagen ge­zeichnet werden, die

auch in der Praxis zusammenpas­


Die wichtigsten Gleisplanungs-Programme (Auswahl) sen. Schummeln, wie es mit Blei­
Hersteller Programm Fähigkeiten Systemanforderungen stift und Radiergummi geht, funk­
Busch Pc Rail Gleisplanung Windows 95, 98, NT tioniert am PC nicht!
Landschaftsgest. Letztlich kann man trotzdem
und Zubehör resümieren: Das was der PC kann,
Teileverwaltung kann der Mo­dellbahner zumin­
Gunnar Blumert WinRail 4 Gleisplanung Windows 95, 98, NT dest vom In­halt her genauso gut,
Zubehörverwaltung auch wenn nicht jede von Men­
Stücklistenerstellung schenhand gezeichnete Linie
C & E 3rd PlanIt Gleisplanung, Windows 95, 98 exakt gleichmäßig ist. Aber, mo­
Zubehör und derne Technik kann auch faszi­
Landschaftsgestaltung nieren. So ist es bei der Anlagen­
3-D-Ansichten planung vielleicht auch. Da wird
Modellplan WINTRACK Gleisplanung, Windows 95, 98, NT wohl die persönliche Ein­schät­
Landschaftsgestaltung zung und Vorliebe des Modell­
Gebäudekonstruktion bah­ ners die Entscheidung „PC
Verdrahtungsplan oder Bleistift“ beeinflussen.
NEG Verlag Raily 2.0 Gleisplanung Windows 95, 98, NT
Zubehörverwaltung Proportionsstudien
Stücklistenerstellung Für die richtige Auswahl der
endgültigen Standorte der Ge­
bäude, deren Größenverhält­
nisse zueinander und zur Um­

Gleis- und Anlagenplanung am Bildschirm

Planung von Gleis- und Weichensyste­ Gebäude für die Gestaltung des Aus dem Gleis­plan lassen sich noch
men am Monitor: Das gewünschte Um­felds lassen sich aus der weitere Daten herausziehen: Hier z. B.
Konstruktions-Detail wird von einer Bibliothek des WinRail-Programms eine Auflistung der benötigten Artikel
Me­nüleiste abgerufen. von der Me­nü­leiste herunterladen. mit Bestellnummer und Preis.

38 Modellbahnschule 3
Fotos: Horst Meier (11), Markus Tiedtke (8)
Das Zusammenspiel von Landschaft und Häusern läßt
sich fast ausschließlich vor Ort ermitteln. Anfangs kön­
In manchen Fällen kann es hilfreich sein, sich kleine, dreidimensionale Modelle nen passend große Schachteln ein Gebäude simulie­
seiner Anlage anzufertigen, um die Wirkung der Landschaft zu überprüfen. ren, um den optimalen Standort zu ermitteln.

gebung (Gleislage, Landschaft, kann sich eine Übernahme der teln von Bausätzen. Alle Positio­ lungen, kom­men um diese Art
Hintergrundkulisse) ist es wich­tig, täglichen Praxis aus dem Indu­s­ nen im Zusammenspiel mit Glei­ der Proportionsstudie oh­ nehin
die Hauptblickrichtung auf die triedesign erweisen. Trotz ausge­ sen, Straßen und Gelände­höhen nicht herum.
„Schokoladenseite“ der Anlage klügelter CAD-Praxis pflegt man können auf diese Wei­se vorab Sind die Proportionen für rich­
festzulegen. Und es ist zu überle­ grundsätzlich, komplexe Model­ überprüft werden. Jetzt zeigt tig befunden und festgelegt, kön­
gen, ob im Vordergrund maß­ le, eine Modell­ bahn­anlage ist sich auch, ob die Ge­bäudewahl nen die ersten Ge­bäu­de endgül­
stäbliche, im Hintergrundbereich eben­falls komplex, im Maßstab die richtige war. Klein­ ste Ver­ tig zu­sammenmontiert werden.
dagegen aber ge­ schie­bungen oder Tauchen nach nochmaliger Über­
ringfügig kleinere Verdrehungen der ­­prüfung der Standorte, Gruppie­
Objekte ihren Platz Provisorische Stellproben Stand­orte um einen rungen und Ge­bäudehöhen viel­
finden sollen. Die­-
ser perspektivische
er­zeugen eine Raumvorstellung oder zwei Zentime­
ter können schon
leicht doch noch proportionale
Un­stim­mig­keiten in Verbindung
Trick kann – ge­ ganz neue und viel­ mit der Anlagenumgebung auf,
schickt genutzt und während der 1: 1 anzufertigen. Die­se Verfah­ leicht positiv überraschende lassen sie sich in diesem Bau­sta­
gesamten Bau­phase permanent rens­wei­se stellt si­cher, dass alle Wir­kun­­gen erzielen. Diese Pro­ dium noch relativ leicht revidie­
überprüft – die Tiefenwir­ kung räumlichen und perspektivi­ portionsstudien am Objekt sind ren. Ist dann ein gelungenes Er­
einer Anlage ungemein verstär­ schen Aspekte eines Entwurfs durch keinen Computer mit schei­nungsbild er­reicht, kann
ken. berücksichtigt und Un­­s­tim­mig­ 3-D-Zeich­nungs-Programm zu man mit der De­ taillierung be­
Um die richtige Abstimmung keiten vermieden werden. er­­­setzen. Liebhaber des Kit­ba­ ginnen. Stück für Stück strebt nun
aller variabel einzusetzenden Ele­ Am Anfang begnügt man sich shing, d. h., des Umbaus von Ge­ endlich die An­ lage ihrer Voll­
mente untereinander zu finden, mit den Rohbau­ bäuden nach ei­ endung entgegen. Rainer Dell,
bedarf es eines guten Raumge­ ten und Schach­ genen Vo­r­stel­  Sönke Windel­schmidt
Auch die Planungsphase
fühls und eines sicheren Blicks einer Modellbahnanlage
für Proportio­nen. Als sehr hilfreich hat zweifellos ihre Reize.
Wenn dann endlich der
Gleisbau beginnen kann,
wird der Anlagen­ bauer
sicherlich aufatmen.

Die Gebäude im WinTrack-Programm wer­


den einzeln nach den Vorstellungen des
Planers konstruiert. Auch die Ausrichtung
der Häuser läßt sich variieren.
Schwerpunktthema

Ausflug in

40 Modellbahnschule 3
Unter der Anlage stecken die Technik
und viel Fahrbetrieb

die Unterwelt
Ein stabiler Unterbau gewährleistet
einen unbeeinträchtigten Fahrbe­
trieb, auch über Jahre hinweg. Mit
einem soliden Grundgerüst kann
die Modell­bahnanlage sogar einen
Umzug überstehen. Doch die
Unterwelt bleibt nicht ungenutzt,
große Schattenbahnhöfe dienen
als Abstellplätze für Züge und Lok
und Höhenunterschiede werden
über Spezialrampen erklommen.

Modellbahnschule 3 41
Schwerpunktthema

D
er Unterbau jeder An­
lage dient nicht nur als
tragendes Element, er
wird auch geprägt von
der Oberfläche und Funktion der
zukünftigen Modellbahnanlage
Es gibt zwei unterschiedliche
Arten des Unterbaus: Die ge­
schlossene Anlagenform, als ge­
schlossene, ebene Platte, und die
offene Anlagenform, bei der ein­
zelne Trassen(bretter) die Aus­
gangsform bilden und die Land­
schaft über einem ansonsten of­
fenen Unterbau in verschiede­ Die Firma Noch bie­ Der fertig erstellte
nen Bauarten gestaltet wird. tet ein ungewöhnli­ Steckunterbau ist so
Gleichzeitig hat sich eine Misch­ ches, flexibles Steck­ stabil, dass auch die
form herausgebildet, die die Vor­ system für den Ge­­ Gleistrasse einen gu-
teile beider Bau­arten vereint. ländeunterbau an. ­ten Halt findet.

Plattenbauweise Nun wird man zwar eine einzi­


Die bekannteste Bauart stellt ge Platte in einer vernünftigen
wohl die Eisenbahnplatte dar, bei Anlagengröße (mindestens 2 m
der sich Gleise, Gebäude und x 1 m, besser noch größer) zuge­
Landschaft praktisch in einer schnitten bekommen, aber kaum
Ebene befinden. Ver­einzelt kön­ transportieren und ins Haus tra­
nen dabei Gleise eine Stufe gen können, weil oft enge Trep­
höher führen und in der ersten penhäuser Hindernisse darstel­
Etage einen weiteren Kreis zie­ len. Da aber ab einer bestimmten
hen. Neben enormem Platzbe­ Anlagengröße ohnehin eine Ver­
darf, der zudem kaum zufrieden­ steifung der Platten erfolgen soll­
stellend ausgenutzt werden kann, te, kann man sie sich gleich für die
kommen ein großes Gewicht der Unterkonstruktion zunutze ma­
ganzen Anlage und meist unzu­ chen, die insbesondere bei Flä­
reichende Eingriffsmöglichkeiten chen über 2 qm unbedingt erfor­
hinzu. derlich wird. Die Platte sollte Die Verbindung erfolgt mit ser, Bretter zu einem stabilen Rah­
Eisenbahnplatten entstehen durch hochkant unterlegte und Spaxschrauben. Die Segmente mengerüst verschraubt. So ent­
oft aus 16 mm dicken Pressspan­ verschraubte Dach­latten versteift untereinander müssen mit Ge­ steht in der vorher festgelegten
platten, weil sie kos­ten­gün­stig und verwindungsfrei gemacht windeschrauben, kombiniert mit Anlagen­ grundform und -größe
und ausreichend stabil sind. Sie werden. Dabei kann man die in Unterlegscheiben, miteinander ein waagerechtes Gittergerüst,
können aber bei hoher Luft­ der richtigen Größe zurechtge­ verbunden werden. Das ganze das kaum Verwindungen unter­
feuchtigkeit oder anderen Näs­ sägten Plattensegmente (z. B. 1,5 m Arrangement kann dann z. B. auf liegt und als geeignete Basis für
seeinflüssen leicht quellen. Alter­ x 1,00 m) an den Rän­dern unter­ Böcken ruhen. den nachfolgenden Land­schafts­
nativ­ma­terial stellen sogenannte füttern und diese Latten dann je­ aufbau dienen kann. Ausrei­
Tisch­lerplatten (Stärke 18 mm) weils zusammenschrauben. Vor Rahmenbauweise chend für ein solches Holzgitter
dar, die bedeutend weniger wie­ dem endgültigen Befestigen der Bei der weit verbreiteten „offe­ sind Kanthölzer in einer Stärke
gen, aber eine höhere Fes­tigkeit Latten sollte man Aussparungen nen Rahmenbauweise“ werden von 4 x4 cm oder 5 x 5 cm, Dach­
aufweisen, dafür allerdings auch für die notwendige Kabelführung stabile Kanthölzer (Vier­kant­lei­ latten von 3 x 6 cm oder Bretter
mehr kosten. nicht vergessen. sten), Dachlatten oder, noch bes­ ab einer Stärke von 2,5 x 7,5 cm.
Denkbar sind auch passend zu­
geschnittene Tischlerplatten. Be­
reits beim Kauf sollte man auf
Module als Bausatz möglichst gerade, nicht verzoge­
ne und krumme Höl­zer achten.
Der Gitterabstand beträgt in
der Regel etwa 50 cm, kann aber
an den Auf­tauch­öff­nun­gen auch
etwas größer ausfallen. Die Latten
müssen nicht immer recht­
winklig miteinander verbunden
werden, auch schräge Streben,
die beispielsweise ein­em abge­
schrägten Kantenverlauf folgen,
sind denkbar. Zur größeren Ver­
wind­ungsfestigkeit bringt man an
Verschiedene Anbieter haben Module als Die Unterbauten sind auch als ebenerdige
Bausätze in ihren Programmen. Segmente für den Anlagenbau verwendbar.

42 Modellbahnschule 3
Spantenbau

Die Gleistrasse ruht auf stabilen, senkrecht


stehenden Sperrholzspanten.

Für die Verlegung der Kabel sieht man


ausreichend große Löcher vor.

den Ecken Diagonal­ver­stre­bun­ er räumliches Vor­stel­lungsver­ leimen, gegebenfalls zusätzliche Das Gelände kann man mit Styrodor­
gen an, da erst ein ge­schlossenes mö­gen und eine exakte Planung kleinere Leistchen, die einfach in platten füllen und entsprechend formen.
Dreieck alle möglichen Seitwärts­ für die Landschaft. die Ecken geklebt werden, die
bewegungen ver­hindert. Dieses Die Spanten-Bretter besorgt Eckverbindungen zusätzlich ver­
System ist auch für die Beine bei­ man sich am besten als Recht­ steifen. Meist kann dann sogar
zubehalten, sofern man feste eckplatten im Bau- oder Holz­ die normalerweise erstellte Drei­ kaum noch.
Pfos­ten für die Anlage vorsieht. markt. Der individuelle Land­ ­ ecksverbindung entfallen. Die Trassen müssen nun nicht
Der vorhandene Rahmen wird schafts­­ver­lauf und alle an­deren An den für die Trasse vorgese­ unbedingt aus langen Stücken
nun in den folgenden Ar­beits­ Öffnungen sägt man zuhause mit henen waagerechten Passagen bestehen, bei deren An­fer­tigung
gängen mit vertikalen Stüt­zen als der Stich­säge aus. In den Spanten der Spanten werden dann die viel Verschnitt anfiele. Sie lassen
Basispunkten für die Trassen ver­ sieht man auch schon den Tras­ Trassenbretter aufgeleimt. Die sich auch aus Plattenstücken ma­
sehen oder gleich mit den soge­ senverlauf vor. Spanten-Platten und Trassen soll­ terialsparend aussägen, wobei
nannten Spanten. Dies sind Zur Gewichts­ einsparung las­ ten unbedingt aus leichtem und die Schnitt­stellen mit den Abfall­
Sperr­holz- oder Tischlerplatten, sen sich kreisrunde Öffnungen mehrfach verleimtem Sperrholz stücken unterfüttert und verleimt
auf die schon der ge­ (am besten wasserfest werden können. Diese Baume­
samte Landschafts­ver­
lauf übertragen und
Die Spanntenbauweise ist verleimt) in der Stärke
ab 10 mm, idealerwei­
tho­de eignet sich auch für die
Anfertigung von Gleiswendeln.
ausgesägt wurde. Meh­ der Platte überlegen se 12 mm, bestehen. Während sich die Spanten­
rere solcher Span­ ten Die Spanten können bau­weise vorzugsweise für spä­
hin­tereinander erlauben später, hineinschneiden, ebenso die dabei etwas dicker ausfallen, die teren Landschaftsbau mit Flie­
die Landschaftshaut auf­zu­brin­ Durchführungslöcher für die Ka­ Trassen ohne weiteres weniger gendrahtgewebe oder kreuz
gen. Das ganze Span­ tenwerk bel. Die Spanten befestigt man dick, je nach Spurgröße und Län­ und quer verklebten Pappstrei­
kann man zur Voll­endung brin­ am besten mit Spax­ schrauben ge. Keinesfalls sollte man Press­ fen eignet, sollten diejenigen An­
gen, wenn man nicht nur Quer­ am Grund­ rah­
men. Auch eine span­ platten einsetzen, die sehr lagenbauer darauf verzichten, die
spanten einbaut, sondern auch Verleimung ist möglich, allerdings schwer sind, leicht brechen und ihre spätere Landschaftsgestal­
noch solche in Längsrichtung müssen zur Sicherung trotzdem sich nicht gut biegen lassen. Pap­ tung mit Hart­­­schaumplatten vor­
sowie schon die Öffnungen für ein paar Schrauben eingedreht pelsperrholz hingegen ist sehr nehmen wollen. Es sei denn, sie
die eine Etage tiefer liegenden werden. Wer Längs- und Quer­ leicht und dabei äußerst fest. schneiden die Platten paß­genau
Trassenbretter des Schatten­bahn­ spanten vorsieht, sollte die Ver­ Mehrfach (in Schichten quer und für die jeweiligen Öffnungen. Hart­
hofs. Beides verlangt vom Erbau­ bind­ungsstellen miteinander ver­ schräg) verleimt, verzieht es sich ­schaumplatten, zum Teil mehr­

Modellbahnschule 3 43
Schwerpunktthema

fach aufeinandergeschich­tet, am schlechtesten hinkommt. dieser Stelle verzichten, zumin­


ruhen am bes­ten auf am Rah­ Da­­
zu gehört auch, einen Min­ dest aber darf keine bewegliche
mengerüst verschraubten Holz­ dest­ab­stand der Ebenen von ca. Zunge hier zum Liegen kommen,
leisten, die alle dieselbe Höhe 15 cm bei HO zu berücksichti­ denn die Funktion wäre nicht
ha­ben müssen. gen, um notfalls in Schatten­ mehr ge­geben.
Auf den ­fertigen Rahmen las­ bahnhofs­berei­chen auch einmal Natürlich benötigen die einzel­
sen sich für bestimmte Be­reiche mit der Hand über vor der Un­ nen Segment­über­gänge auch
wie Bahnhof, Stadt, Industrie­ glücksstelle stehende Zuggarni­ ein­heitliche Steck­verbindungen
gelände, Bw usw. zusätzlich Holz­ turen greifen zu können. für die zahlreichen Kabel. Mehr
platten aufschrauben, die die Ba­ darüber in der Rubrik „Elektrik“ in
sis für die Themengestaltung Segmentanlagen diesem Heft.
bieten. Zum einen sind sie eben, Auch eine Rahmenanlage läßt
zum anderen lassen sie sich bis sich teilen, man spricht dann von Modulbauweise
zur endgültigen Fertigstellung einer Segmentanlage. Sie besteht Module und Anlagen­seg­men­
des Themenbereiches immer im Grunde genommen aus meh­ te lassen sich hervorragend kom­
wieder herausnehmen, um an reren, dafür kleineren Gitterkä­ binieren und bilden fast die Ide­
einer anderen, besser zugängli­ sten, die für den Anlagenbau und alform einer Anlage, kann man
chen Stelle die diffizilen Arbeiten -betrieb miteinander verbunden doch einzelne Zwisch­enmodule
exakter durchführen zu können. werden. Wichtig ist dabei, daß an aus der An­lage herausnehmen
Alle anderen Anlagenbereiche den Nahtstellen das gleiche Land­ und mit Clubs oder Freunden zu
können mit der herkömmlichen s­­ chaftsprofil wie am Nach­barteil neuen Konstellationen zu­ sam­ zung von Böc­ken sollte man be­
Methode fertiggestellt werden. vorhanden ist. Bei der Gleis­ menfügen. Bei den Holz­arbeiten achten, daß diese eine Anlagen­
An die ausreichend großen trennung sind die Gleis­ enden an den Modulen ist wichtig, dass höhe von etwa 70 bis 80 cm
Ein­griffsöffnungen in die Unter­ be­­sonders stabil zu halten, bei­ sie wegen des Transportes und vorgeben, sofern sie industriell
welt von unten und von der Seite spielsweise durch Auflöten der des häufigeren Auf- und Abbaus ge­fertigt sind.
ist unbedingt zu denken. Be­ Profile auf Schrau­benköpfe, da sie deutlich stabiler und verwin­ Für die Holzrahmenkonstruk­
triebs­­unglücke passieren nach sonst beim Transport verbogen dungssteif gebaut werden müs­ tion sind Beine besser geeignet,
dem Murphyschen Gesetz im­ werden können. Auf Weichen sen. Stärkeres Holz sowie zusätzli­ da sie einer verwinkelten An­la­-
mer am liebsten dort, wo man solllte man in seiner Planung an che Streben und Ve­rsteifungen g­en­­form viel eher folgen können.
sind daher vorzusehen. Auch Auch beanspruchen sie unter
muss man sich für eine der zahl­ der Anlage nicht so viel Platz wie
reichen Anschlussnormen zum ein Bock und können zusätzlich
Kuppeln mit anderen Modulen auch einzeln unter Anlagenstel­
entscheiden, die an den Stirn­ len an­gebracht werden, wo zu­
wänden zum Tragen kommen.. sätzliche Stützdienste gefordert
wer­den. Die schrä­gen Ver­stre­
Anlagenhöhe und Beine bungen als notwendige Stabili­
Die Platte oder das Holz­rah­ sierungen da­bei nicht vergessen!
mengerüst – die Basis für die spä­ In manchen Fällen erscheint es
tere Anlage – sollten natürlich auf empfehlenswert, Beine höhenju­
eine vernünftige Höhe angeho­ stierbar zu machen, um Boden­
ben werden. Dazu verwendet uneben­ heiten ausgleichen zu
man in der Regel Beine oder Un­ können. Eine weitere Verbesse­
terstellböcke. rung besteht darin, die Beine mit
Vorher sollte man sich jedoch Mö­belrollen zu versehen. Dann
über die Höhe seiner Anlage Ge­ läßt sich die Anlage auch von der
danken machen. Eine ide­ale An­ Wand wegrollen. Diese Empfeh­
lagenhöhe für Erwach­sene sind lung gilt allerdings eher für kleine­
90 cm bis 110 cm von Fußboden re Anlagen, da man größere Rah­
bis Schienenoberkante. Ein fla­ menanlagen kaum noch auf
cherer, eher horizontaler Einblick Rollen bewegen kann, ohne dass
ist im­mer besser, dagegen wirkt die Unterkonstruktion dabei
von oben betrachtet alles schnell übermäßig beansprucht wird.
spielzeughaft. Eine größere Hö­he Andere Unterstützungs­mög­
begünstigt und erleichtert oh­ lichkeiten für eine Anlage be­
nehin das Arbeiten unter der An­ stehen in stabilen Rohr­ge­stel­len,
lage und schafft letztlich auch Wand­­konsolen, Profileisen (ver­
einen größeren schraubbare Lochprofile) mit
Stauraum für all Wandanker und ähnlichen Me­
die Dinge und tallkonstruktionen.
Es muß nicht immer
ein Tunnel sein: Die
Schachteln, die Der Anlagenunterbau aus Me­
Zufahrt in den Schat­ sich in einem Mo­ tallprofilen ist eindeutig stabiler
tenbahnhof kann mit dellbahnerleben und kann sich nicht verziehen,
Bäu­men getarnt wer­ an­sam­meln. sprengt aber in der Regel das nor­
den. Bei der Benut­ male Modell­bahn­bud­get. An der

44 Modellbahnschule 3
Ein seitlicher Fangzaun
be­wahrt die kostbaren
Fahrzeuge in Gleis­­wen­
den vor einem eventuel­
len Sturz in die Tiefe.

Gleiswendel sollten gro­


ße Radien aufweisen, da­­­­
mit auch zugerüstete
Lo­ko­mo­tiven problemlos
verkehren können.

Wand fest verankerte, waage­ satz wartet. Der Name „Schatten­


rechte Profileisen eignen sich be­ bahnhof“ rührt daher, daß es sich
sonders für eine „An der Wand“- um einen verdeckten Bahn­ hof
Anlage. Damit spart man sich die handelt, den man nicht sieht, der
vorderen Beine, die manchmal sozusagen im Schatten der Anla­
stören können. ge liegt.
Anlagenebenen, Trassenbret­ Ein solches Zugdepot hat aber
ter u. Ä. lassen sich sehr leicht mit außer seiner Speicherfunktion
Gewindestangen und passen­ noch weitere Funktionen. So
den Muttern (eventuell auch so­ kann er als Zielpunkt für einen
genannten Einschlagmuttern) auf sinnvollen Modellbetrieb fungie­
Ab­stand halten. So kann man im ren. Statt eines vorbildwidrigen
Schattenbahnhofsbereich Platz Kreisverkehrs, bei dem die Züge bahnhöfen ist die Ver­län­gerung imposanten Gleiswendel errei­
schaffen, wo sonst Spanten oder nie aus der Richtung zurückkom­ der Fahrtzeiten. Erst hierdurch chen lässt.
dickere Stützleisten aus Holz die men, aus der sie verschwunden wird Modellbahn­betrieb plausi­ In den verdeckten Bereichen
Eingriffsmöglichkeit behindern. sind, hilft der Schattenbahnhof, bel, Der Zug, der gerade den sollte man grundsätzlich die
vor allem in Kombination mit sichtbaren Bahn­hof verlassen hat, Schienen mit einer guten Ge­
Schattenbahnhöfe einem „Hundeknochen“ zu vor­ fährt nicht gleich wieder in den räuschdämmung versehen. Hier
Oftmals möchte der Modell­ bildorientiertem Betrieb. Da­rüber nächsten Bahnhof ein. Der Zug eignet sich Schaum­ gum­ mi als
bahner mehr Zuggarnituren ver­ hinaus lassen sich durch Einbe­ entschwindet zu­nächst für den kostengünstig und wirkungsvol­
kehren lassen, als auf seiner Anla­ ziehung eines oder mehrerer Betrachter. Nach einer bestimm­ ler als Korkstreifen. Man sollte al­
ge Platz vorhanden ist. Ein ver­ Schattenbahnhöfe, die über eine ten Fahrt­zeit und nach einer sinn­ lerdings auf eine gute Qualität
deckter Zugspeicher ist dann die Paradestrecke verbunden sind, vollen Pause im Schattenbahn­ achten, da sich Schaumgummi
Lösung. verschiedene Be­triebs­vor­gaben hof kommt erst einmal der Ge­ bei aggressiver Luft und unter
Vergleicht man die Modell­ miteinander kombinieren. Lange genzug aus der gleichen Rich­ Son­nen­­ein­strahlung zersetzen
bahn­ anlage mit einem Com­ Zug­gar­nituren verkehren aus­ tung zurück. Erst einige Zeit später kann. Al­ternativ kann man auch
puter, so stellt der sichtbare, ober­ schließ­lich auf der Paradestrecke,erscheint wieder derselbe Zug Moos­ gummi verwenden, das
irdische Bereich den Ar­ beits­ während nur die kurzen Züge in am selben Tunnel. aber preislich deutlich höher
speicher dar. Man kann auf dem den durch Platzb­eschrän­kung Schattenbahnhöfe kann man liegt. Der Effekt einer guten
Bildschirm nur einen in unterschiedlichen Geräusch­däm­mung besteht da­
Bruchteil dessen sehen,
was tatsächlich im
Schattenbahnhöfe dienen Ebenen einrichten. Die
Unterbau-Kon­struk­tion
rin, daß der Zug nicht nur optisch
im Un­ tergrund verschwindet,
Computer alles abge­ als Zugspeicher weist mindestens zwei sondern auch akustisch. Aus dem
speichert ist. Die we­ Ebenen auf, eine sicht­ lauten Rau­schen auf geschotter­
sentlich größeren Kapazitäten an verkürzten und eingeengten bare, auf der die Züge fahren, und ten Glei­sen wird ein leises, fernes
Daten lagern versteckt auf der Bahnhof einlaufen. eine verdeckte (untere), auf der Zi­schen.
Festplatte, von wo man sie jeder­ Dadurch wird der kleine Bahn­ man die Züge abstellen kann.
zeit abrufen kann. hof kurzerhand zum Ne­ ben­ Noch vielseitiger wird das Sy­ Gleisharfe als Abstellplatz
Im Prinzip verhält es sich so bahn-Eldorado erklärt und setzt stem mit drei oder mehr Ebenen, Bei der bekanntesten Form
auch mit den Zügen auf der An­ durch einen manuellen Be­trieb wenn man dabei zwei dieser Eta­ eines Schattenbahnhofs wird das
lage. Auf der „Parade­strec­ke“ kann zusätzlich zum automatisierten gen als „Zugremise“ verwendet. Durchgangsgleis einfach zu einer
immer nur eine be­grenzte An­ Hauptstrec­ken­­be­trieb einen wei­ Dieses bedingt aber ein funkti­ Gleisgruppe ausgedehnt. Hier­
zahl von Zügen ge­zeigt werden, teren betrieblichen Hö­he­punkt onssicheres Abtauchen in diese durch schafft man sich ähnlich
während der Rest abgestellt im Der nächste, nicht zu unterschät­ Ge­filde, das sich – zumindest für wie bei einem richtigen Bahnhof
Schatten­bahn­hof auf seinen Ein­ zende Vorteil von Schat­ ten­ die unterste – oft nur mit einer Platz für ganze Züge. Und

Modellbahnschule 3 45
Schwerpunktthema

damit sind wir In Schattenbahnhöfen


gleich bei einem be­ steht die Oberlei­
Haupterforder­ tung aus selbst ange­
nis dieser Schat­ fertigten, kostengün­
t e n­b a h n­h o f s ­ stigen Drähten.
form angelangt.
Die Gar­nituren
ge­ben die Gleis­längen vor. Baut
man ihn trapezförmig auf, wer­

Fotos: Horst Meier (2), Andreas Stirl (10), Markus Tiedtke (2), Sammlung Josef Brandl (1)
den die Gleise zur Spitze des Tra­
pezes hin immer kürzer. Die
Folge ist, daß die Züge aufgrund
ihrer individuellen Länge fes­ten
Glei­sen zugeordnet wer­den
müs­ sen – ein entscheidender
Nachteil.
Richtet man seine Gleisharfe
dagegen wie ein Parallelo­gramm
aus, werden alle Glei­ se gleich
lang, jedes Gleis ist frei auswähl­
bar, denn jeder Zug passt in jedes
Gleis. Bei ausreichender Länge
ließen sich sogar zwei dieser
Rhom­ben hintereinander setzen,
man hätte die doppelte Wech­
selmöglichkeit. Die Län­ge eines
solchen Schat­ten­bahnhofs rich­
tet sich dabei grundsätzlich nach
den eingesetzten Zügen, den vor­
handenen Steigungen und der
Zug­kraft der Loks. Daher lohnt es Eine sichere Elek­ trik und eine vorgewählter Zug in einem be­ Weichen­winkeln, die man aus­
sich nicht, einen Schatten­ ausreichend dimen­sionierte stimmten Gleis anschließend gemustert hatte, dort noch gut
bahnhof beliebig lang zu ma­ Auslaufstrecke für die Lok sind frei­e Fahrt erhalten. einsetzen kann.
chen, sondern eher einen weite­ unabdingbar. Verschiedene In der Regel wird der Harfen-
ren vorzusehen. Schal­t­mö­glichkeiten, beispiels­ Bahnhof bei einer zweigleisigen Aufrückbahnhof
Bei den harfenförmigen Schat­ weise mit sogenannten Reed- Hauptstrecke immer nur von Bei einem sogenannten Auf­
tenbahnhöfen gilt es – eben­so Kontakten, sind erforderlich einer Seite aus befahren. Dies rückbahnhof spart man sich in
wie eigentlich bei allen anderen Als weitere Alternative sollte lässt die Möglichkeit zu, die Aus­ der Regel die Weichen, kann
– ein Überholgleis vor­­zu­sehen, man sich die Möglichkeit vorbe­ fahrweichen als an­ triebslose dafür aber seine Züge nicht frei­
um die Mög­ lich­keit zu Weichen zu betreiben zügig wechseln lassen, sondern
haben, einen bestimm­ und sie vom ausfahren­ nur in einer festen Rei­henfolge.
ten Zug dauerhaft ver­ Fiddle Yards sind den Zug „aufschneiden“ Hier liegen nämlich die Abstell­
kehren zu lassen. Das ideale Abstellbahnhöfe zu lassen, was immense bereiche für die Zü­ge alle hinter­
Haupt­augen­merk dürfte Kosten einspart. Auch einander auf einem Gleis. Ähn­
allerdings darauf gerich­ für Modulanlagen wird man in Schatten­ lich wie im Blockstellenbetrieb
tet sein, einen automati­ bahnhöfen auf das ein­ der Bahn schaltet dann der erste
schen Zugwechselbetrieb einzu­ halten, manuell Züge aus jedem fachste Gleismaterial zu­ rück­ Zug, der die vorderste Blockstelle
richten. Dies bedeutet, dass der beliebigen Gleis abrufen zu kön­ greifen können, was be­ deutet, verlässt, den nächsten hinter sich
einfahrende Zug den im Nach­ nen. Dann müßte der einfahren­ daß man z. B. altes Gleis­material frei und macht gleichzeitig sei­
bargleis wartenden frei­ schaltet de Zug nur sich selbst „Halt“ ertei­ mit zu hohen Schie­nenprofilen nen Gleisabschnitt „zu“. Nachein­
und gleichzeitig stehen bleibt. len. Per Knopfdruck würde ein oder Wei­ chen mit steileren ander rücken alle Zü­ge auf mit
der Folge, daß zum Schluss die
letzte Block­stelle wieder frei ist
und der zuerst abgefahrene Zug,
Versteckte, ebenerdige Abstellbahnhöfe dann dort wieder zum Halten
kommt. Vor seiner Einfahrt sollte
er den ersten Gleis­ab­schnitt wie­
der fre­ is­
chalten. Auch diese
Schatten­bahn­hofsform wird
zweckmäßigerweise mit einer
Überholmöglichkeit versehen.
Eine ähnliche Funktion erfüllen
auch „unterwegs“ auf der Strecke
eingerichtete Block­stellen. Sie er­
lauben zwar höhere Zugzahlen,
Im Ausland sind auf Ausstellungen kleine, Ein Schattenbahnhof kann sich wie ein Fid­dle
transportable Fiddle Yards sehr beliebt. Yard auch ausserhalb der Anlage befinden.

46 Modellbahnschule 3
schränken aber die Freizügigkeit Zeit Abwandlungen von Schat­­ stellgleise auf einer riesigen Dreh­ Fall ist der Handbetrieb überflüs­
des Verkehrs stark ein, wenn bei­ tenbahnhöfen dahingehend her­ scheibe oder Schiebe­bühne. Auf sig geworden, sogar ein automa­
spielsweise eine Probefahrt mit ausgebildet, dass man die Ab­ ihr wird die eingefahrende Lok tischer Zugablauf ist durch­führ­
einer neuen Lokomotive unter­ stellmöglichkeiten nur halb ver­ vom Zug abgekuppelt. Auf der bar, doch die Kosten für die Tech­
nommen werden soll. Hier­ zu deckt und in derselben Ebene großen, selbstgebauten und von nik schlagen nun merklich zu
müssten erst alle Block­ stellen wie die Anlage selbst anordnet. Hand betriebenen Schei­be ge­ Buche.
freigeräumt werden, ein recht Man nennt diese Form des langt die wie beim Vorbild Fiddle Yards lassen sich auch
mühsames Unter­fan­gen. Die Ent­ Abstell­bahn­hofes „Fiddle-Yard“. pflicht­gemäß gedrehte Schlepp­ von der Anlage räumlich trennen,
scheidung, Auf­rück­bahnhöfe Die Grundidee kommt aus ten­der-Dampflok wieder zum indem man sie beispielsweise in
(oder vermehrte Blockstellen) zu den USA und England. Man hat Ein­fahrgleis. Anschließend dreht einen Nebenraum verlegt oder
bauen, sollte daher gut durch­ hier auch einen Abstell­bahnhof man die Scheibe mit dem ver­ sie in einem anderen Raumbe­
dacht werden. zum Aufgleisen und Speichern bliebenem Zug wieder zurück. reich, wo eine Anlage nicht sinn­
von Loks und Zügen, aber er liegt Jetzt kann die Lok an das ur­ voll wäre (Dach­ schräge, Regal
Fiddle Yard entweder hinter der Anlage, bei­ sprüngliche Zugende gelangen usw.) ansiedelt. Vielfach werden
Eine Alternative gänzlich an­ spielsweise hinter einem Hinter­ – alles ohne großartige Lokr­ dann die Übergangsformen zwi­
derer Art ist die Abwandlung der grund angeordnet, oder er befin­ angierfahrten. Findet der Betrieb schen einem herkömmlichen
tiefergelegten Gleis-De­ pots zu det sich am Ende der Strecke ohne Schlepp­ tenderloks statt, Schat­ten­bahnof und einem Fidd­
ebenerdigen Bahn­hö­fen an hinter einem Szenentrenner, der reicht eine Schiebebühne voll­ le-Yard fließend. Ein Fiddle-Yard
einem Ende der Modellbahnan­ ein Berg, ein Wald oder eine Fa­ kommen aus. Dann sind aber läßt sich auch mit einer
lage mit bequemem Zugriff auf brik sein kann. Rangierfahren mit Hilfe der Kehrschleife kombinieren.
das Zugmaterial. Verdeckte Die Fiddle-Yards findet man Schiebebühne von einem Zu­ Der kompakte, handbetriebe­
Schat­ten­bahnhöfe haben näm­ we­gen dieser Anordnung in der gende zum anderen erforderlich ne Fiddle Yard ist vor allem in der
lich den großen Nachteil der teil­ Re­gel nicht in der Form von Statt einer großen ist auch die Verbindung mit einer Modul­
weisen Un­zu­gäng­lich­keit, weil Durchgangsbahnhöfen, in denen Montage einer normal großen anlage eine sinnvolle Einrichtung
sie ja verdeckt sind. Hier lassen sie von hinten ein Zug einfährt und Dreh­scheibe am anderen En­de und daher auch auf Ausstellun­
sich kaum einsehen und aufge­ vorne ein anderer ihn wieder ver­ des Fiddle Yards denkbar. Auch gen im Ausland sehr beliebt. In
tretene Stö­ rungen nur schwer läßt. Fiddle-Yards werden regel­ die Schiebebühne ist je nach Deutschland sind sie dagegen
beheben. mäßig als Kopfbahnhöfe ausge­ Platzverhältnis durch eine Wei­ kaum verbreitet, dochwie ich
Daher haben sich in jüngerer bildet. Häufig liegen die Ab­ chenstraße ersetzbar. In diesem meine, zu Unrecht.  Horst Meier

Modellbahnschule 3 47
Schwerpunktthema

Hintergründe zur optischen Vertiefung von Modellbahnanlagen

KULISSENBAU
48 Modellbahnschule 3
Einer Modellbahnanlage sind sowohl in ihrer Länge als auch in ihrer Tiefe Grenzen
gesetzt. Doch mit optischen Mitteln kann man eine größere Anlage vortäuschen –
und plötzlich wirkt die Anlage nicht mehr nackt wie auf einem Präsentierteller, son-
dern wie ein realer Ausschnitt der großen Welt.

Modellbahnschule 3 49
Schwerpunktthema

E
ine Modellbahnlage ist
immer auf eine be­
stimmte Fläche be­
grenzt. In der Vorstel­
lung des Besitzers ist sie aber mit
einem fiktiven Hinterland ver­
bunden, schließlich kommen
Autos auf Straßen gefahren, die
am Anlagenrand im Nichts
enden. Solange eine Anlage sehr
groß und vor allem sehr tief ist,
vermißt man als außen stehen­
der Betrachter auf den ersten
Blick nicht das fehlende Umland.
Handelt es sich dagegen um
schmale Module, wirken die klei­
nen, aneinandergereihten Schau­
stücke bei einer im Raum frei
stehenden Aufstellung nackt wie
auf einem Präsentierteller.
Verschiedene Hersteller bieten
in ihren Programmen spezielle
Hintergrundfotos an. Es sind stets
lan­ge, auf Papier gedruckte Land­
schaften. Je nach Anlagenbreite

Man muß wegen eines Wüstenfotos nicht gleich nach Amerika


fliegen, gemalte Hintergründe erzielen eine ähnliche Wirkung.

setzt sich der Hintergrund aus len und der Fotohintergrund


mehreren Postern zusammen und wür­de künstlich wirken.
Hintergründe mit unterschiedlichen Motiven als lange Fotos oder ergibt dann eine Gesamtlänge Nicht jeder Anlagenwinkel be­
Zeichnungen werden von einigen Zubehörherstellern angeboten. von bis zu knapp sechs Metern. steht aus reiner Naturlandschaft.
Faller hat diesbezüglich das Das Zentrum jeder Modellbahn
größte Sortiment. Auch Auhagen ist ein Bahnhof, an den sich in der
und Vollmer können mit Fotohin­ Regel eine Siedlung oder eine
tergründen aufwarten. Ein ver­ Stadt anschließt. Gerade hier
gleichender Blick in die einschlä­ muß man sich aus Platzgründen
gigen Kataloge lohnt sich, zumal nur auf eine Andeutung des
jeder Hintergrund ein anderes Stadtgebiets beschränken. Mit
Motiv aufweist. nur wenigen Häusern, die man zu
Diese Hintergrundart dient als Gruppen zusammenstellt, wird
optische Verlängerung einer ty­ ein Wohnviertel angedeutet.
pisch deut­schen Landschaft und Hier ist man besonders auf einen
bringt sehr viel Tiefe. Je nach pfiffigen Hin­tergrund angewie­
Blick­winkel wirkt aber die schein­ sen, um die Illusion einer Groß­
bar dreidimensionale Bildkulisse stadt zu verstärken. Die her­
flach. Das gilt auch für die Licht­ kömmlichen Fotohintergründe
führung. Der Lichteinfall der bieten allerdings nur Landschaf­
Je nach Blickwinkel und Lichteinfall verlieren Hintergründe ihre Sonne auf dem Poster gibt auch ten, keine Stadtgebiete. Auch
Tiefenwirkung und wirken am Anlagenrand etwas plakativ. für die Ausleuchtung der Modell­ werden keine Gebäude im Bild­
bahnanlage die Lichtrichtung vor. vordergrund im gewählten Maß­
Würde man statt dessen die stab gezeigt. Hier ist das Hinter­
Viele Modellbahnanlagen werden Lichtstrahler aus der entgegenge­ grundsystem von MZZ den an­
setzten Richtung auf die Anlage deren Fotokulissen überlegen,
wie ein Ausschnitt aus der Welt scheinen lassen, würde das Auge denn das System des Schweizer
des Vorbilds angesehen sofort den Unterschied feststel­ Herstellers setzt sich aus vielen

50 Modellbahnschule 3
Komponenten zusammen und
ist wie ein Baukastensystem zu
verstehen. Als Basis dient ein neu­
traler Wolkenhimmel, auf den
man verschiedene Landschafts­
kulissen, die an den Konturen aus
einem Papierbogen ausgeschnit­
ten werden, aufkleben kann. Das
Angebot beschränkt sich nicht
nur auf herkömmliche bergige
Landschaft, man hat auch die
Wahl zwischen Alpen, Flachland,
einer Industrie oder Stadtland­
schaft und sogar einer Winterku­
lissse. Es können durch das Zu­
sammenstellen verschiedener
Motive die unterschiedlichsten
Kulissen erstellt werden. Typische
Hausfassaden und Hinterhöfe
werden im passenden Maßstab
für verschiedene Nenngrößen
angeboten. Auch an einen Mit­
telgrund wurde gedacht. Die
Motive sind etwas kleiner und
blasser, um räumliche Tiefe vor­
zutäuschen. Alle Kulissenteile
sind gemalt, der Lichteinfall er­
folgt von rechts nach links.
Das System erlaubt auch die
Herstellung von kostengünstigen
Halbreliefs oder sogar ganzen
Körpern. Solange man die Model

Hintergründe von MZZ können zu halbplasti­


schen Kulissen umfunktioniert werden.

Ausgeschnittene Hintergrundhäuser werden


auf Pappe aufgeklebt und verschachtelt.

Die Straße leitet durch den gewählten Bo­­gen


geschickt in den Hintergrund über.

Modellbahnschule 3 51
Schwerpunktthema

nicht mit einem vollplastischen


Bausatz kombiniert, ist die Wir­
kung akzeptabel. Wer jedoch
seine Stadthausbausätze bis an
den Anlagenrand führen möchte,
sollte auf eine Mischung zwi­
schen beiden Systemen verzich­
ten, da die Zeichnungen mit der
Fassadenstruktur der Plastik­
bausätze nicht mehr mithalten
können. Doch als unmittelbarer
Hintergrund, zum Beispiel als
Fort­­setzung des Häusermeers
verfehlen die Zeichnungen ihre
Wirkung nicht.
Wer auch bei diesem Herstel­
ler oder bei einigen amerikani­
schen Anbietern nicht die pas­
senden Hintergrundkulissen fin­
det, kann sich selbst Hintergrün­
de malen oder einen Theaterku­
lissenmaler beauftragen, denn
eine künstlerische Ausbildung

Ein großformatiges Zigaretten-Werbeplakat


mit abend­ licher Skyline verleiht bei dieser
N-Anla­ge der Stadtkulisse mehr Tiefe.

Papierbausätze mit Halbreliefhäusern kön­


nen statt halbierter Plastikhäuser kosten­
günstig die Hintergrundkulisse beleben.

Statt einer Fotokulisse mit unpassenden Mo­­


tiven können selbstgemalte Hinter­grün­de das
Hauptmotiv optisch stützen und weiterführen.

beim Umgang mit Farben ist er­ große Werbeplakate mit Land­
forderlich. schaft oder Stadtmotiven finden.
Es gibt aber auch Alternativen, Mit etwas Geschick ist es mög­
um an einen individuellen Hin­ lich, bei den gewerblichen Rekla­
tergrund zu gelangen. Zum einen metafelvermietern bzw. den
kann man sich ein geignetes Hin­ Werbeagenturen das passende
tergrundmotiv suchen und foto­ Großplakat zu erhaschen. Späte­
grafieren (wegen der Filmkör­ stens nach der Werbekampagne
nung möglichst mit einer Mittel­ ist es ohnehin wertlos und ein
formatkamera), um sich anschlie­ nicht verklebtes Großplakat ist
ßend in einem Fotofachlabor immer in irgendeiner Ecke aufzu­
sich ein entsprechend großes treiben. Ein Kasten Bier oder ein
Poster anfertigen zu lassen. Auch kleiner Obulus vereinfacht unter
wird heute mit Tintenstrahldruc­ Umständen die Verhandlungen.
kern eine brauchbare Druckqua­ Wer den Übergang von der
lität erreicht, was allerdings ein Modellbahnanlage zum Hinter­
Jedes Theater und Filmstudio nach dem Scan entsprechend
vorbereitetes Bild in einem digita­
grund fließend halten möchte,
hat die Möglichkeit, Bausätze als
verwendet Hintergründe, len Fotoprogramm voraussetzt. Halbreliefs einzusetzen, Gerade
Wer mit sehenden Augen hohe Stadhäuser eignen sich be­
warum nicht durch unsere Werbeplakatwelt sonders dafür, denn oft führen die
auch die Modellbahn? schreitet, wird gelegentlich auch Bahnstrecken in Städten an nicht

52 Modellbahnschule 3
Halbreliefhäuser selbst gebaut

Die Fassaden gewöhnlicher Pola-Stadt­häu­


ser werden individuell zurecht geschnitten
und zu neuen Häusern zusammen gestellt.

Fotos: Andreas Stirl (4), Markus Tiedtke (6), Modellbaufotos: Rainer Dell, Markus Tiedtke
Zusätzliche Polystyrolplatten mit einer
Ma­teri­
alstärke von 1,5 mm geben den
Halb­reliefhäu­sern die nötige Stabilität.

enden wollenden Häuserrück­ Hausfassaden aus verschiedenen Maßstäben setzen. Bei einer H0-
fronten und Hinterhöfen entlang. Bausätzen neu zusammenzustel­ Bahn sind es Bauwerke im Maß­
Mit nur wenig Aufwandkann len oder aufzustocken. stab 1:100 und bei einem deutli­ Holzleisten für die Fixierung der Hinter­
man jeden Bausatz halbieren und Ähnlich geht man auch bei chen Abstand können auch Bau­ grund­kulisse werden mit Fliesenlegekeilen
beide Fassaden verwenden. An Bäumen oder Büschen vor. Hier sätze der Nenngröße TT gesetzt vorgebogen und anschließend verleimt.
einer Stelle setzt man Rückwand sind der Phantasie keine Grenzen werden. Auf hohen Bergen kom­
an Rückwand nebeneinander, gesetzt und eine so gestaltete Ei­ men schließlich N-Häuser zu ste­
um eine typische Hinterhofsitua­ senbahnanlage hebt sich wohl­ hen.
tion zu erhalten, wäh­rend man an wollend von dem überall anzu­ Normalerweise passt man die
einer anderen Anlagenstelle die treffenden Einerlei ab. Modellbahnplatten der eckigen
Vorderfronten der selben Bausät­ Die stets zu schmale Anlagen­ Raumform an. 90-Grad-Ecken
ze zu einem Stra­ßenzug zusam­ platte kann man mit einem klei­ zer­stören aber bei einem großzü­
menfasst, de­ren Straße zwischen nen optischen Trick vergrößern. gigen Hintergrundkulissenverlauf
Bahntrasse und Häuserfront ver­ indem man von vorn nach hin­ die Wirkung. Die Hintergrund­
läuft. ten gehend die Bauwerke und wand sollte daher stets in einem
Auf diese Weise spart man Bäume etwas kleiner werden möglichst großzügigen Bogen
sogar Geld, denn aus nur einem lässt. Vor allem beim klassischen verlaufen, auch wenn man damit Die große Hintergrundplatte aus Pressspan
Bausatz hat man zwei halbe Häu­ Dioramenbau im Zinnfigurenmi­ in den Ecken Platz von der Anlage findet am Boden ausrechend Halt und
ser gewonnen. Man kann diese lieu wendet man diese Methode verschenkt. Selbst kleine Bö­gen wird dabei sauber im Bogen gehalten.
Art des Modellbaus sogar noch mit großem Erfolg an. Auf der steigern bereits die Wirkung
steigern, indem man anfängt, die Modellbahnanlage muss man merklich, denn in jeder Ecke bil­
allerdings auf einen wichtigen det sich ein Schattenverlauf, der
Gesichtspunkt Rücksicht neh­ die Illusion eines scheinbar end­
Autorenprofil men, und das ist die sich bewe­ losen Hintergrundes deutlich
Markus Tiedtke, verantwortlicher Redak- gende Eisenbahn. Während man schmälert. Je weicher der Bogen
teur der ModellbahnSchule, wurde 1960 bei unbewegten Motiven alle Fi­ verläuft, desto weniger fällt die
geboren. Als Fotograf in Deutschland viel guren und Anlagenteile zuneh­ Ecke ins Gewicht. Paßt man dann
unterwegs, nutzt er seine knappe Freizeit,
mend kleiner werden läßt, bleibt noch die Anlagengestaltung dem
um sich seiner zweiten Leidenschaft, dem
Modellbau, hinzugeben. Beim Gestalten
der auch im hinteren Anlagen­ großzügigen Bogenverlauf an.,
von Modellbahnanlagen und Schau­ kreis verkehrende Zug gleich wird die Hintergrundkulisse zu
stücken fließen seine ganzen Erfahrun- groß. Daher sollte man niemals in einer scheinbar nie enden wol­
gen, die er seit seiner Kindheit gesammelt unmittelbarer Nähe der Bahn­ lenden Theater- oder Filmkulisse.
hat, ein.
Die Dächer schmiegen sich an den Hinter­
strecke Gebäude mit kleineren Markus Tiedtke grund. Des Schattens und der Tiefen­ wir­
kung wegen fallen die Dächer wieder ab.

Modellbahnschule 3 53
Bauwerke

54 Modellbahnschule 3
Belebte Fenster in Stadthäusern

Fenster ist nicht gleich Fenster. Dahinter


leben Menschen mit unterschiedlichen
Eigenschaften und Vorlieben. Etwas
von dieser Individualität lässt sich mit
ge­
ringem Aufwand mit kleinen Ver­
STADTHÄUSER VERÄNDERN
änderungen an den Fen­s­ Teil 1 ● Große Hausfassaden

tern von Stadthaus­


mo­ Teil 2 ● Dachbau
Teil 3 ● Fenster und Beleuchtung
dellen nachempfinden. Teil 4 ● Farbliche Gestaltung

Die
Augen
der
Häuser
Modellbahnschule 3 55
Bauwerke

1 Bedruckte Papierbögen mit verschiedenen Fensterdekora­


tionen und Vorhängen liegen den meisten Bausätzen bei. 2 Eintönige Farben, beispielsweise bei den Kibri-Bausätzen,
peppt man mit Buntstift oder Filzstift ganz nach Wunsch auf.

F
enster schaffen Verbin­ in manchen Fällen durch die ge­ Aufmerksamkeit gewidmet. Je Frau Schmidt schätzt frische Luft
dungen – von drinnen samte Wohnung, von einer Ge­ nach Baustil gibt es zierliche und hat deshalb in ihrer Woh­
nach draußen und um­ bäudefront zur gegenüberlie­ Sprossenfenster, den Bausätzen nung immer mindestens ein
gekehrt. Von dieser genden, hindurchschauen. Man sind Vor­hang­imita­tio­nen aus Fens­ter geöffnet. Diesen „gesun­
wich­tigsten Aufgabe abgesehen, ist in Holland offenbar sehr offen mehr oder weniger farbig be­ den“ Wunsch sollte der Modell­
erfüllen Fenster architektonische für die Welt, man braucht zur drucktem Papier beigelegt, die hausbauer respektieren und mit
Funk­tionen. Sie schaffen bauliche Wahrung seiner Privatsphäre man nach Lust und Laune hinter wenigen Schnitten und Klebun­
Strukturen und gliedern Fassa­ keine Vorhänge. In die klaren Fenster­ gen einige Fenster oder Fenster­
den. In ihrer Größe und Ge­stal­ deutschen Wohn­ Frau Schmidt einsätze klebt. Und flügel der Fassade öffnen. Ein bis­
tung spiegeln sie ein Stück Kultur­ straßen und -vierteln mancher Hersteller schen neugierig ist Frau Schmidt
geschichte und etwas vom Le­ sieht es da schon liebt frische hat auch daran ge­ obendrein. Sie nutzt ihre offenen
bensgefühl der jeweiligen Haus­ anders aus. Da dacht, dass Woh­ Fenster, um rauszugu­ cken und
bewohner wider. geben sich die Fen­ Luft, Herr nungsfenster gar sich über die Vorgänge draußen
Fenster werden von Land zu ster viel „zugeknöpf­ nicht sel­ten ge­öffnet auf der Straße auf dem Laufen­
Land recht unterschiedlich inter­ ter“, oft mit Vor­ Müller seine sind, und dies in sein den zu halten. Bereits ein einzel­
pretiert. Dies wird spätestens hängen richtigge­ Modell umgesetzt. nes „Preiserlein“, das zum geöffne­
dann deutlich, wenn man bei­ hend zugehängt, Topfpflanzen Der Modellbahner, ten Fenster herausschaut, belebt
spielsweise die Gren­ze zu den „vermummt“. dem es eher um die eine Hausfassade ungemein.
Niederlanden überschritten hat Für den Erbauer und Gestalter Gesamtwirkung etwa einer städ­ Übrigens: Auf der Anlage gern
und durch städtische Wohnstra­ von Modellbahnanlagen stellt tischen Häuserzeile geht, dürfte und oft nachgestellte Szenen aus
ßen geht oder fährt. Da ist alles sich das Thema Fenster und mit dem im Bausatz vorzufinde­ dem Alltag, wie beispielsweise
offen, auch wenn die Fenster ge­ deren Gestaltung auf ganz spezi­ nen Material durchaus zufrieden der Brand des Finanzamtes oder
schlossen sind. Der mehr oder fische Weise. Gerade im Bereich stellend zurechtkommen. der Bankraub am helllichten Tag,
weniger neugierige Passant kann Stadthäu­ser bietet der einschlä­ Wem allerdings das Detail am sollten „Fenstergucker“ in den be­
in holländischen Wohnhäusern gige Markt eine außerordentlich Herzen liegt, wer durch Fein­ nachbarten Wohnhäusern gera­
breite Palette an Produkten, die heiten Atmosphäre und Le­ben­ dezu provozieren!
für jeden Geschmack und für digkeit auf seiner Anlage schaffen Herr Müller muss in jedem
jeden Gestaltungswunsch Pas­ möchte, muss sich schon an den Fenster mindestens einen gro­
sendes bereithält. Dem Basteltisch be­mühen. Hier einige ßen Blu­­men­topf haben, sonst
Fenster-The­ma haben die Her­ Anregun­gen für lebensvolle Fen­ leidet seine Lebensqualität. Ab­
steller durchaus detailliert ihre ster-“Ansichten“ an Stadthäusern: hilfe im Modell ist da schnell ge­

Die Gestaltung der Vorhänge


im oberen Beispiel verwehrt
einen Blick in den Raum da­­
hin­ter. Seitlich geraffte Gardi­
nen (rechts) gestatten einen
kleinen Einblick ins Zimmer.
Bei einem offenen Hausflur sollte man
den Eingangs­be­reich unbedingt mit Fuß­
bo­den und Wand passend gestalten.

56 Modellbahnschule 3
3 Vorhänge brauchen auch im Mo­
dell Abstand zur Fensterscheibe... 4 ...der mit ca. zwei Millimeter dicken Strei­
fen an den Fensterrahmen erzielt wird. 5 Der zerschnittene Papierbogen mit den bedruckten
Fen­stern hebt sich jetzt deutlich ab.

schaffen. Ein innen an die Haus­ am breiten Mittelmaß des Ge­


wand knapp unterhalb der Fen­ schmacks. Wer hier andere We­­ge
steröffnung geklebter Polystyrol- gehen will, kann zum Farbtopf –
Streifen wird zur Fensterbank, auf am besten wirken Aquarellfar­
der Blu­mentöpfe, die man ohne ben oder Buntstifte – greifen und
viel Mühe selbst anfertigen kann einige kräftigere Nuancen setzen.
oder die aus der Bastelkiste ge­
Vorhänge in Drei-D
kramt werden, ihren Platz finden.
Auf Zahnstocher klebt man klei­ Es dürfte in der Realität außer­
ne grüne Schaumstoffflocken als ordentlich selten vorkommen,
Grünpflanze oder modelliert mit dass Vorhänge un­mit­telbar hinter
Gips große Kakteen, die anschlie­ der Fenster­ scheibe angebracht
ßend mit grüner Farbe angemalt sind, förmlich an ihr kleben. In
werden. Und für außen gibt es
schmucke Blumenkästen, die
man mit Blumen ganz nach Ge­
den Modellhäusern ist dies je­
doch die Regel. Mit zwei bis drei
Millimeter dün­ nen Polystyrol-
6 Zusätzliche Tiefe und Perspektive erzielt man durch
mehrmaliges Falten der Vorhangimitationen.

schmack garnieren kann. Streifchen, zwei für jedes Fenster,


die oberhalb und unterhalb bzw.
Fenster haben ihre Kleider
seitlich neben den Fenster­
Vorhang-Nachbildungen aus öffnungen auf die Innen­wän­de
Pa­­pier waren die ersten Bausatz- als Abstandshalter angeklebt
Zugaben für eine detailliertere werden, und die dann als Träger
Gestaltung der Fenster – und für die Vorhang­imi­ta­tionen fun­
sind bei vielen Herstellern auch gieren, lässt sich eine rea­listische
die einzigen. In der Regel sind Tiefenwirkung erzielen. Die ge­
diese kleinen bedruckten Felder samte Haus­fassade gewinnt mit
sehr zurückhaltend koloriert. Ihre diesen Drei-D-Vorhängen an Pla­
Gestaltung entspricht nicht un­ stizität. Um den Vorhängen noch
bedingt dem „letzten Schrei“ der zusätzliche Tiefe zu verleihen,
Wohntextilien-Mode, die Her­ kann der Modellhausbauer die

7
steller orientieren sich hier eher Papiervorlagen einfach einige
Für abgedunkelte Fenster hinterklebt man die ge­
wünschten Fensterausschnitte innen mit Pappekästchen.

Es müssen nicht immer Vorhänge sein. Im


„Wintergarten auf der Etage“ (links) würden
sie den Pflanzen das Licht nehmen und im
Hausflur sind sie ohnehin überflüssig.

Modellbahnschule 3 57
Fotos: Markus Tiedtke Modellbau: Britta Herz, Ulrich Kiesow, Markus Tiedtke
Bauwerke

Etwas für „Nachtschwärmer“: Die gemütliche Kneipe wurde hier ins rechte Licht gerückt. Realistisch wirken die unten matt verglasten Fenster.

Male im Zickzack falten, denn ein ner ist verreist und damit bleiben mütliches Schummerlicht. In Autorenprofil
Vorbild-Vorhang ist ja auch kein die Fenster seiner Wohnung vielen Fenstern ist nur der Wi­ Wolfgang Mahnert, Jahrgang 1958, ist
plattes Ding, sondern fällt in üppi­ dun­ kel. Einige Hersteller legen derschein des Fern­seh­appa­ra­t­es im Beruf und als Modellbahner Archi-
gen Falten. Mit etwas Beobach­ ihren Bausät­zen Ab­ zu se­hen. Aus dieser tekt. Sein Wissen stellt er in der Serie
„Stadt-häuser verändern“ den Lesern
tungsgabe und bastlerischem
Geschick lässt sich allein mit un­
blendmasken bei,
die eine freie Wahl
Beleuchtete Licht-Vielfalt kann
der detailbewusste
der Modellbahnschule zur Verfügung.

terschiedlichen Vorhängen eine


lebendige Hausfassade verwirkli­
der hellen und
dunklen Fenster ge­
Innenräume Modellbauer sehr
in­te­res­sante An­­re- wünschte Beleuch­tungs­stärke
chen. statten. Von dieser geben ihr gung­en schöpfen. lässt sich dann gegebenenfalls
Möglichkeit realisti­ Um unterschied­ durch Zwischen­schaltung eines
Hell und Dunkel
scher Gestaltung Inneres bei liche Beleuch­tung Widerstandes erzielen. Der lau­
Völlig unglaubwürdig sind sollte der Modell­ ins Modellhaus zu fende Fern­seher wird mit bläuli­
Haus­ fassaden, in denen bei bahner unbedingt Nacht preis bringen, kann man chem Flackerlicht imitiert, das
Nacht jedes Fenster hell erleuch­ Ge­brauch machen. im Inneren Etagen- aus Werkstatt-Bausätzen bekannt
tet strahlt. Mancher Hausbewoh­ Aber auch die Beleuchtung und Raumab­tren­n­un­gen kon­ ist. Man sollte allerdings die Span­
der einzelnen Räu­me, die sich struie­ren. Das ge­schieht am ein­ nung, mit der dieser Be­ leuch­
hinter den Fenstern be­ fachsten mit dünnen Polystyrol- tungsbaustein versorgt wird, et­
finden, fäl­lt in der Realität Platten oder stabilem Karton. Für was reduzieren, denn mit den
im­mer sehr unterschied­ einzelne Räume baut man mit üblichen 14 Volt Wechselstrom
lich aus. Manche mö­ diesen Materialien Kästchen zu­ entsteht ein viel zu grelles Licht.
gens hell, andere wie­ sammen, die hinter das oder die Wolfgang Mahnert
derum bevorzugen ge­ Fenster geklebt werden. Die ge­

Realistisch aufgelockerte Hausfassa­


den durch eine variationsreiche Ge­­
stal­tung der Fensterpartien. Ein klei­
ner Blick ins Innere belebt zusätzlich.

58 Modellbahnschule 3
Modellbahnschule 3 59
Straßenverkehr

FUHRWERKE
Teil 1 ● Bespannung
Teil 2 ● Kutschen
Teil 3 ● Landwirtschaftliche
Fuhrwerke
Teil 4 Städtische Nutzfuhrwerke
Landwirtschaftliche Fuhrwerke und Ackergerät

Modellbahnschule 3
Harter Job für
Das landwirtschaftliche Fuhrwesen
früherer Tage ist ein wunderschö­
nes The­
ma zur Nachgestaltung
auf der Modellbahnanlage. Der
Ka­sten­wa­gen und der Leiter­
wagen beherrsch­
ten die Szene.
Beide Typen werden in Realität
und in Modellen vorgestellt.

Pferd und Ochs Modellbahnschule 3 63


Fast wie ein antiker
Streitwagen aus den
Zeiten des Ben Hur:
der Kipp- bzw. Stürz­
wagen, der eine feste
Gabeldeichsel hatte.
Straßenverkehr

Modell von Langley

Fuhrwerk-Parade in Nenngröße H0. Von oben nach Oft vorgespanmnt: Ochsen oder Einspannkühe.
unten: Langholzwagen, Jauchewagen, Kastenwagen Oben ein Kastenwagen als Heuwagen, unten
und Leiterwagen. Modelle von s.e.s. ein kleiner Graswagen. Modelle von Preiser.

D
er dritte Teil der Se­rie Fuhrwerke Das eher verhaltene Interesse für das Thema Wissen um alles, was mit Ackerbau und Vieh­
wendet sich den echten „Arbeits­tie­ „Landwirtschaft auf der Modellbahnanlage“ zucht zu tun hat, kaum mehr präsent ist. Das
ren“ zu. Im landwirtschaftlichen Ein­ hat natürlich seine Gründe. Es ist nicht so spek­ betrifft die historische Erschei­nungs­form wie
satz früherer Tage oblag den Zug­ takulär wie die Arbeitswelt eines In­dustrie­ auch den aktuellen Stand der Land­wirtschaft.
tieren nicht nur das gesamte Fuhr- und Trans­ reviers mit Berg­wer­ken, Hochöfen, Raffinerien. Und die heutige Form der Land­wirtschaft mit
port­wesen; oh­ne die Kraft und die Ausdauer Es ist nicht so attraktiv, lebendig und vielfältig ihrem hohen Mechani­sie­rungs­grad dürfte
der vorgespannten Pferde oder Rinder wäre wie ein städtisches Zentrum mit Bahnhof, Ge­ mangels an­heimelnder At­mos­phäre kaum
eine wirtschaftlich sinnvolle Boden­be­arb­ei­ schäftsstraße und Straßen­bahn, auch nicht so geeignet sein, beim Modell­ bahner den
tung un­denk­bar gewesen. bunt und fröhlich wie ein Kir­mesplatz. Wunsch zur Um­setzung zu wecken.
Ein ganz erheblicher Anteil des Strecken­ Zugegeben: Der Normalbürger hat heute
netzes der Ei­ sen­ bahnen liegt in landwirt­ kaum mehr Bezug zum „Leben auf der Schol­ Wirtschaftsfaktor Pferd
schaftlich genutztem Gebiet. So selbst­ ver­ le“. Der Anteil der im Bereich Land- und Forst­ Etwas über die Wertschätzung von Zugtie­
ständlich und fast schon banal diese Fest­stel­ wirtschaft Be­schäftigten an der Gesamt­zahl ren, insbesondere von Pferden, bei der bäuer­
lung möglicherweise klingt, für viele Modell­ al­ler Erwerbstätigen in Deut­sch­land ist radikal lichen Bevölkerung läßt sich aus einem altbay­
eisenbahner bilden die „Fel­der“, durch die ihre ge­sunken; Seit dem Ende des Zwei­ten Welt­ erischen Spruch erfahren: „Weiber­sterb‘n ist
Züge fahren, allenfalls eine Rand­er­scheinung kriegs ist er bis heute auf unter ein Viertel zu­ kein Verderben, aber Rossverrecken tut den
auf der Anlage, die, wenn überhaupt, mit ir­ rückgegangen. Der Agrarbereich ist weitestge­ Bauern schreck‘n“. Es waren mit Sicherheit kei­
gendeinem landwirtschaftlichen Fahr­ zeug hend aus dem Blick­feld der Menschen ver­ ne menschenverachtenden Machos, die die­
ge­rade einmal angedeutet wird. schwun­den. Und das bedeutet auch, dass das sen Ausspruch geprägt haben. Er gibt vielmehr
die Le­benserfahrung der Land­be­völkerung
frü­herer Tage und ihre enge Partnerschaft mit
den Arbeitstieren wieder. Denn der Tod eines
Zugtieres war ein schwerer wirtschaftlicher
Schlag und ging nicht selten an die Existenz
kleinerer Bau­ernhöfe. Beim Ableben der Bäu­
erin bestand dagegen im­merhin die Chance
der Wie­derverheiratung des Bau­ern, die eine
entsprechende Mit­gift, auch in Gestalt von
Pfer­den und Rindern, ein­schlie­ßen konnte.
Das Pferd zählte auf dem „flachen Lande“
einst zum wertvollsten Besitz des Bauern, des
Fuhrmannes, des Brauerei­be­sitzers (Bräus), des
Sägewerks- und Mühlenbesitzers, des Metz­
germeisters und Gast­wirts, des Gutsbesitzers
Kastenwagen in voller Fahrt. Der bäuerliche „Chauffeur“ thront auf einem quer über die und auch des Arztes. Das blieb so die Regel bis
Seitenwände des Kastenaufbaus gelegten Brett. Modell in Nenngröße 0 von Schnitker.

Kastenwagen in den Maßstäben 1:87 (H0) und 1:76 (00)


Anbieter Langley Merten Merten Preiser Preiser Preiser Preiser s.e.s. s.e.s. s.e.s.
Nenngröße 00 H0 H0 H0 H0 H0 H0 H0 H0 H0
Bestellnummer G 26 H0 2470 H0 2497 30435 30468 30472 30474 16 1000 03 16 1000 04 16 1000 05
Epoche bis 3 bis 3 bis 3 bis 3 bis 3 bis 3 bis 3 bis 3 bis 3 bis 3
Wagenladung – Säcke – Jauchefaß Gras Dung – – – Jauchefaß
Zugtiere 4 Pferde 2 Pferde 2 Pferde 2 Pferde 2 Pferde 2 Kühe 2 Kühe 2 Pferde 2 Pferde 2 Pferde
Wagenlenker 1 stehend 1 sitzend, 1 stehend 1 sitzend 1 sitzend 1 stehend 1 gehend 1 gehend – – –
Fertigmodell/Bausatz Bausatz FM FM FM FM FM FM FM FM FM
Materialien WM Kunststoff Kunststoff Kunststoff Kunststoff Kunststoff Kunststoff Kunststoff Kunststoff Kunststoff
Modellbauaufwand ▲▲ – – – – – – – – –
Zeit für Modellbau ●● – – – – – – – – –
Detaillierung ■■ ■■ ■■ ■■■ ■■■ ■■■ ■■■ ■■ ■■ ■■
Preisgruppe 2 2 2 2 2 2 2 1 1 1
Bemerkung ● englischer ● einfacher ● hoher Aufbau ● niedriger

Wagentyp Wagentyp, Aufbau


nicht umbaubar

64 Modellbahnschule 3
Drei typische land- bzw. forstwirtschaftliche Fuh- Englische Spezialität: Zwei Rappen hintereinan- Ackerbau-Geräte in feinster Metallausführung.
ren:  Langholz, Getreide und Korn. Modelle in der angeschirrt vor einem mit Leitergerüsten aus­ Oben hein Heuwender, darunter ein Kartoffelro-
Nenngröße H0 von Preiser. gestatteten Kastenwagen. 00-Modell von Langley. der. Modelle in H0 von Marks.

Pferde-, Maschinen- und Gerätebestand der Landwirtschaft im Wandel der Zeit


Vom Hafer zum Diesel
Länder Pferde Elektro- Schlepper Luftbereifte Dünger- Binde-
motoren Ackerwagen streuer mäher
Innerhalb weniger Jahr­ 1925/1939 1949 1925 1949 1925 1949 1925 1949 1939 1949 1925 1949 1925 1949
zehn­ te hat sich in der Land­
Schleswig-Holstein Schleswig-Holstein 164 156 13 50 0,2 4 2 10 5,2 10 15 16
wirt­schaft eine gravierende Lübeck
Än­ de­ rung ergeben. Über
Hamburg Hamburg 206 203 21 89 0,3 16 2 10 5 12 14 16
Jahr­hun­der­­­te hinweg war das
Hannover
Pferd aus den landwirtschaftli­
Oldenburg Niedersachsen 167 150 24 69 0,2 5 3 13 6 14 12 13
chen Ar­­beits­­prozessen nicht
Braunschweig
wegzudenken. Zunächst die
Dampf­­kraft und dann der Ver­ Schaumburg Lippe

bren­nungs­motor haben das Bremen Bremen 170 178 22 83 0,1 3 3 13 3 13 3 5

Trans­­portwesen und die Rheinprovinz Nordrhein-Westfalen 148 146 31 89 0.2 6 3 14 7 18 17 20


Westfalen
Bo­den­be­arbeitung im Agrarbe­
Lippe Rheinland-Pfalz
reich schließlich revolutioniert.
Hessen-Nassau Hessen 129 123 22 70 0,1 5 3 15 3 11 16 21
Die Tabelle verdeutlicht, in wel­
chem Tempo sich diese Ent­ Hessen-Waldeck

wicklung trotz des 2. Welt­ Bayern Bayern 95 87 43 100 0,2 6 2 11 2 4 7 7


krieges vollzog. Auf das Pferd Württemberg Württ. Baden
konnte man zunächst noch Baden Baden 92 78 68 141 0,1 6 3 10 1 2 7 7
nicht verzichten, doch mit dem Hohenzollern Württ. Hohenz.
Be­ginn des Wirtschaftswunders Westdeutschland Bundesrepublik 126 120 36 91 0,2 6 3 12 4 10 4,7 13
konnten sich auch die kriegs­
geschädigten Klein­bauern
mo­tori­sche Antriebe leisten. Arbeiter und Tagelöhner wa­ ren zu jener ehemaligen DDR hielten sich die animali­
Mit der Ein­ führung der motorisierten Zeit viel niedriger und die Ma­ schinen schen Fuhr­ werke nur unwesentlich länger,
Schlepper hat sich das Tempo in der Land­ wesentlich teurer als heute. Da­her konnten denn im Zuge der Zusammenfassung gro­
wirtschaft geändert. Feste Straßen und sich nur sehr große Bauern­höfe die neue­ ßer Flächen zu LPGs setzte man dort voll
We­ ge ermöglichen es, größe­ re Distanzen sten technischen Err­ungen­schaf­t­en leisten. auf die Industri­alisierung der Land­wirtschaft.
schneller zurückzulegen. Die An­schaff­ungs­ Nicht selten mussten in der „Pionierzeit“ Die Umstellung der landwirtschaftlichen
kosten der Fahrzeuge sind allerdings hoch der landwirtschaftlichen Mechanisierung Fuhrwerks­trak­tion läßt sich mit dem ra­san­
und abgerech­nt wird in ge­nutzten Schlep­ die Maschinen we­gen technischer Mängel ten Niedergang der Dampf­lokomotive ver­
per­­stun­den und Benzin­preis. abgestellt werden. Und dann wurden Pferd gleichen, wenngleich sie erst Jahre später
Theoretisch hätte bereits um 1930 jeder und Wagen wieder aus dem Stall geholt. begann. Die Angaben der Pferde-, Ma­schi­
Bauer einen automatisierten Betrieb, wie In Westdeutschland verschwanden die nen- und Gerätebe­ stän­
de in der Tabelle
man ihn heute überall vorfindet, sein Eigen mit Tieren bespannten Fuhrwerke im Laufe sind auf je 1000 ha landwirtschaftlich
nennen können. Doch die Lohnkosten für der sechziger Jahre fast vollständig, in der ge­nutzte Fläche bezogen.

in die Zeiten vor dem Zweiten Weltkrieg. Das Prunk mit Bespannungen und Ge­ schirren Die armen Bauern nutzten als Einspanntiere
Auto war bis dahin eher ein städtisches Fort­ wurde vor allem bei kirchl­ichen Anlässen wie auch Ziegen, die allerdings nur in sehr be­
bewe­gungs­­­mittel und hatte in der ländlichen Wall­fahrten und Prozessionen entfaltet. schränk­tem Maße als Zugtiere einzusetzen
Region nur in ge­ringem Ausmaß Fuß gefasst. Bei den weniger Begüterten waren es Och­ waren. In den südlichen Gefilden Eu­ropas
Die Einspanntiere der reichen Bauern wa­ sen und Ein­spannkühe, die die „logistische“ schließlich war der Esel das „klassische“ Zugtier
ren Pferde. Sie be­gleiteten Grundlage für den Ar­ der kleinen Leute.
die Menschen buch­stäb­ „Weiber­sterb‘n ist kein beitsalltag besorgten. Un­ Viel zu transportieren
lich von der Wiege bis zur ver­zichtbar vor allem in
Bahre. Neben ihrem Ein­ Verderben, aber bergigen Regionen war „Die Landwirtschaft ist ein Transportunter­
satz zu Transport­zwecken Ross­verrecken tut den die beständige Zugkraft nehmen wider Willen“, eine Feststellung, die
und zur Bodenbe­ arbei­ Bauern schrec­k‘n“ der Zugochsen, beispiels­ gar nicht so sehr an den Haa­ren herbeigezo­
tung wurden die Pferde weise beim Um­bre­chen gen ist. Prak­tisch das ganze Jahr über gab es im
auch zur Taufe geschirrt. Den Hoch­zeits­wagen der Wiese zu einem Feld. „Die Bestellung der bäuerlichen Betrieb et­was zu fahren und zu
zogen selbstverständlich Pferde, möglichst Fel­der und jede Zugarbeit wird infolge der transportieren, Dabei muß­ten bei doch recht
Schim­mel. Und Rappen sollten es schon sein, gebirgigen Natur des Landes leichter durch ge­mäßigtem Fahrtempo nicht selten ganz ge­
die den Dahingeschiedenen auf seinem letz­ das Hornvieh als durch Pferde verrichtet“, liest hörige Dis­tanzen zurückgelegt werden, denn
ten Weg zum Fried­hof führten. Besonderer man dazu in „Der Bayerische Wald“ von 1846. oft lagen Felder und Wiesen – vor der „Flur­

Modellbahnschule 3 65
Straßenverkehr

1 Der H0-Kastenwagen von


2 Dünne Leisten werden in korrekter
3 Komplett neu entsteht hier aus dün-
s.e.s. erhält einen höheren Ka- Länge markiert und anschließend abge- nen Polystyrol-Streifen eine Gabeldeich-
stenaufbau aus 0,5-mm-Polysty- längt. Hier entsteht die V-Verstrebung am sel, um einen im Vorbild gar nicht selte-
rol-Platten und -leisten. Kastenaufbau. nen Ein-Pferd-Vorspann zu realisieren.

schiedlichen Grö­ßen gebaut, die


sich nach den zu fah­renden Gütern
und den verwendeten Einspann­
tieren richteten. Neben dem Pfer­
de­wa­gen gab es den kleineren Kuh­
­wagen, sehr gro­ße Wagen benutz­
ten die Fuhrleute. Gro­ße Bauernhö­
fe unterhielten ei­nen regelrechten
Fuhrpark von Kastenwagen in un­
terschiedlichen Ausführungen.
Die Varianten, in denen Kas­ten­
wagen anzutreffen waren, dürften
kaum aufzuzählen sein. Allein die
Räder, also ihr Durchmesser, die
Breite der Felgen und die Dicke der
Speichen, unterschieden sich nicht
nur abhängig vom Ge­wicht des
Fahrzeugs, sondern auch in Abhän­
gigkeit von der Beschaffenheit der
zu befahrenden Böden. Nasser,
moo­riger Boden beispielsweise er­
forderte breitere Fel­gen als har­ter,
steiniger Unter­grund. In allen Fällen
waren es aber eisenbereifte Holzrä­
der, die erst ab den fünfziger Jahre
des 20. Jahrhunderts im Zuge der
Technisierung der Land­wirt­schaft
Ernteszene auf der Modellbahnanlage. Der Leiterwagen ist noch längst nicht voll beladen, Garbe auf durch Luftbereifung ab­gelöst wur­
Garbe wandert per Handbetrieb hoch auf den „gelben Wagen“ (Diorama von Hans Poscher, Viersen). den. Es gab auch regionale Unter­
schiede in Aussehen und Gestalt
der Wagen. Und jeder Wagenbau­
Autorenprofil bereinigung“ nicht selten verstreut – in einiger er hat­ te seine ei­ gene Handschrift. Doch
wurde 1945 als Nachkriegskind gebo- Ent­fernung zum Hof. Kasten- und Leiter­
w agen grundsätzlich waren sich die Kastenwagen in
ren. Als ausgebildeter Redakteur hat waren die alltäglichen Transportmittel, wobei ganz Deutschland ziemlich ähnlich.
er seit 1970 bei der Tagespresse und sperrige Fuhren wie beispielsweise während Da der Aufbau eines Kasten­wagens kein
später bei Fachpublikationen gearbei- der Ge­treide- und Heuernte in der Regel mit star­res Gefüge aufwies, sondern aus bewegli­
tet. Heu­te ist er freier Fachjournalist
im Bereich Textilien.
dem Leiter­ wagen bewerkstelligt wur­ den. chen Brettern bestand, ließ sich der Umbau je
Im neunten Lebensjahr bescherte ihm der Weihnachts- Selbst­­
verständlich er­folgte auch der Perso­ nach Trans­portaufgabe leicht be­werkstelligen.
mann ein kleines Trix-Modellbahn-Oval – teilweise noch nen­trans­port mit Fuhrwerken. Und für Spe­ Eingesetzt wur­de der Kasten­wa­gen in unver­
ein Produkt aus der Vorkriegszeit. In den späten siebziger zialzwecke, also besondere La­degüter, gab es änderter Form zum Transport von allen mögli­
Jahren brach der Modellbahnvirus dann erneut und mit
aller Macht aus: Seine Fahrzeugsammlung begann zu
außerdem spe­zielle Fahrzeuge. chen mehr oder weniger sperrigen Dingen,
wachsen, Modellhäuser gesellten sich dazu – mit dem die lose auf der Ladefläche lagen. Mit wenigen
fernen Ziel, irgendwann einmal eine Anlage in der Nenn-
Der universelle Kastenwagen Hand­griffen konnte der Kas­ten­­wagen in einen
größe H0 zu erschaffen. Das landwirtschaftliche Trans­ portmittel Leiter­wa­ gen, einen Mistwagen, ei­ nen Jau­
schlechthin war der Kastenwagen. Da er um­ chewagen oder in einen kurzen oder langen
bau­fähig und auch in der Länge verstellbar Holz­ wagen umgewandelt werden. Zusätz­
Autorenprofil war, konnte er praktisch alle anfallenden Trans­ liche Ladekapazität, vor allem in der Höhe
Wolfgang Spenger wurde 1964 geboren und schon als portaufgaben bewältigen. In der Regel wurde beim Einsatz bei der Ernte, wurde geschaffen,
Kind von der Eisenbahn geprägt. Er zählt zu den bewähr- der Kasten­wagen zweiachsig gebaut, in man­ indem man den Boden sehr schmal hielt und
ten Mitarbeitern der ModellbahnSchule und ist Mitautor
chen Regionen waren auch einachsige Karren Seitenleitern stark abgeschrägt in die Run­gen
der Serie „Fuhrwerke“.
anzutreffen. Dieser Wagentyp wurde in unter­ einhängte. Wurden alle Bretter des Kas­tens

66 Modellbahnschule 3
4 Hier ist der Wagen bereits mit
Als Heuwagen eingesetzter Leiterwagen. Bequem
fahren die Kinder und haben ihren Spaß daran.
Alterungsspuren versehen. Die Strän­
ge entstehen in Eigenbau aus dün-
nem, lackierten Draht.

entfernt und der Achs­stand durch Ein­setzen treide aufwies wie ein her­
eines längeren Lang­baums vergrö­ßert, ent­ kömmlicher Lei­terwagen.
stand aus dem Kas­tenwagen ein Lang­­holz­ Durch­­set­zen konn­te sich diese
wagen zum Fahren von Bäumen.. Wo Torf Sonderentwicklung in stärke­
gestochen wurde, diente der Kastenwagen rem Umfang allerdings nicht,
na­türlich auch zum Abtransport dieses Pro­ da das Fuhrwerk zu viele Einzel­
dukts. teile hatte.
Ein weiteres „klassisches“ Ein­satzgebiet des Nicht zu­ letzt wegen ihrer
Kas­tenwagens war die Be­för­der­ung von Was­ uni­versellen Einsatzmöglich­
ser und flüssigem Dünger. Das Wasser- bzw. keiten und ihrer einfachen Bau­
Jauchefass wurde dann einfach auf den weise hielten sich Kastenwa­ Im Hof wird das Getreide vom Erntewagen auf eine orts­
Boden des Kastenwagens gepackt, nachdem gen auf vielen Höfen bis Ende feste Dresch­maschine übergeladen und gedroschen.
man die seitlichen Bret­ter entfernt hatte. Das der sechziger Jah­re. In dieser
Fass – es bestand bis in die Zeit wurden die noch mit
drei­ßiger Jahre hinein mei­ dennoch viel Volumen be­­ansprucht, passte
stens aus Holz, bis es dann
Ein schmales, hartes den alten Speichenrädern
ausgestattetetn Wagen nur genau zu diesem leichten Gefährt. Wie kaum
spä­ter aus verzinktem Eisen Brett statt weich noch für untergeordnete ein anderes bäuerliches Fuhr­werk vermittelt
gefertigt wur­­de – lagerte gepolstertem Sessel Dienste ver­wendet, denn der Leiter­wa­gen typische Ernte-Atmosphäre,
lediglich auf den Boden­ als Zugmittel kam der Trak­ die der Modellbahner sehr stimmungsvoll mit
bre­ttern des Kas­ten­wagens. Gegen seitliches tor zum Einsatz. Einschlägige Mo­delle können den entsprechenden Fahrzeugen und Fi­guren
Ver­rollen war es durch Rungen gesichert. Zum also epocheübergreifend auf der Mo­ dell­ auf seiner Anlage nachempfinden kann.
Trans­port und Aus­bringen der Jau­che (Gülle) bahn­an­lage Ver­wendung finden. Den Laderaum des Leiter­wa­gens begrenz­
wurden meistens äl­tere oder ausgediente ten schräg eingesetzte Seitenteile in Leiter­
Kastenwagen verwendet. Leiterwagen im Ernteeinsatz form. Wurden die Leitern nicht be­nötigt, häng­
Über eine richtige Sitz­gele­genheit verfüg­ Im Gegensatz zum „All-round-Talent“ Kas­ te man sie im Winter geschützt irgendwo im
ten Kas­ten­wa­gen nicht. Dem Fuhr­werkfüh­rer tenwagen wurde der Leiterwagen meist nur Haus auf, im Sommer war ihr Platz dann an
genügte ein quer im Vor­derteil eingesetztes für den Transport von Getreide, Stroh und Heu überdachten Außenwänden des Wohn­hau­­­
Brett, wenn er sitzen wollte. Oder er nahm eingesetzt. Dieses relativ leichte Ladegut, das ses oder des Schuppens. So hatte man sie
einfach vorn auf dem Kastenbo­
den Platz. Bei schweren,
raumfüllen­ den Fuh­ ren, die nur
Kastenwagen im anderen Maßstäben
sehr langsam dahinrollten, führ­te
Anbieter Kehi Kehi Merten Merten Preiser Schnitker Schnitker Schnitker
der Bauer sein Gespann zu Fuß
Nenngröße TT TT N Z N 0 0 0
neben den Zugtieren.
Bestellnummer 129 142 N 2497 N 2497 79475 DR-1001F DR-1002F DR-1003F
Zu Beginn des 20. Jahrhun­derts
Epoche 2 bis 3 3 bis 4 bis 3 bis 3 bis 3 bis 3 bis 3 bis 3
gab es Bestrebungen, den ohne­ Wagenladung 2 Wasserfässer unbeladen Säcke und Säcke und unbeladen Holzstämme unbeladen unbeladen
hin recht problemlosen Um­bau Milchkannen Milchkannen
der Kastenwagen noch mehr zu Zugtiere 2 Pferde 2 Pferde 2 Pferde 2 Pferde 2 Pferde 2 Pferde 2 Pferde 2 Pferde
vereinfachen, um letztlich eine Art Wagenlenker 1 sitzend 1 sitzend 1 sitzend 1 sitzend 1 stehend keiner keiner keiner
Standardfuhrwerk für praktisch Fertigmodell/Bausatz FM FM FM FM FM FM FM FM
alle Zwecke zu schaffen. Kon­kre­te Materialien WM WM Kunststoff Kunststoff Kunststoff Kunststoff Kunststoff Kunststoff
Form nahmen diese Über­legun­ Modellbauaufwand – – – – – – – –
gen im „Hornburger Wagen“ an, Zeit für Modellbau – – – – ­– – – –
der 1900 im Westfälischen ent­ Detaillierung ■■ ■■ ■■ ■■ ■■■ ■■■■ ■■■■ ■■■■
wickelt wur­de. Dieser Typ verfügte Preisgruppe 2 2 2 2 2 6 6 6

über ein Ladegerüst oberhalb der Bemerkung ● ohne ● moderner ● Modell ohne ● Modell ohne ● Modell ohne
Seitenwände Anhänger Pferd Best. Nr. Pferd Best. Nr. Pferd Best. Nr.
niedrigen Seitenwände. Die­ ses
● Kutschersitz ● Gummi- DR-1001F0 DR-1002F0 DR-1003F0
Gerüst ließ sich je nach Art und bereifung ● Pferde ● Pferde ● Pferde
Höhe der Ladung einstellen, so angespannt angespannt angespannt
dass ein „Hornburger Wagen“ fast ● ohne ● niedrige ● normale

die gleiche Beladekapazität an Ge­ Seitenwände Seitenwände Seitenwände

Modellbahnschule 3 67
Bindebaum

Spann-
seil
Straßenverkehr

Spann-
welle

Winde-
löffel

Erntewagen vom Typ Leiterwagen mit


Bindebaum und Spannwelle

kam „Technik“ ins Spiel: Zwischen die


letzten beiden Leitersprossen wur­de
eine hölzerne Spann­welle ge­legt. Ein
Seil führt von einem Ende dieser Welle
über den Bindebaum zum gegenüber­
Durst hat die Kuh, auch die von Preiser. Eine liebevoll gestaltete Szene mit einem als Wasserfass- liegenden Wel­len­en­de. Mit „Windelöf­
Transporter umgebauten Kastenwagen (Diorama von Hans Poscher, Viersen). feln“, beweglichen Hebeln, die in Wel­
len­­öff­nun­gen gesteckt wurden, ließ
sich die Welle drehen und damit der
auch gleich bei der Hand, wenn der Kasten­ zum heimatlichen Bauernhof fahren durften. Bindebaum über das Seil kräftig anziehen. Die
wagen in einen Leiterwagen umgebaut Ein charakteristisches Detail des Leiterwa­ Ladung wurde gut zusam­men­ge­preßt und für
wurde. gens beim Ernte­einsatz war der Bindebaum. den Transport festgehalten.
Der Achsstand des Leiter­wagens konnte Getreide, Heu und Stroh sollten möglichst ra­
durch einen verlängerten Langbaum ver­grö­ tionell befördert werden. Deshalb mußte Zum Kippen und Stürzen
ßert werden. Unterschiede gab es in der Aus­ hoch über die Leitern geladen werden. Damit Im Gegensatz zu den bisher beschriebenen
führung der Leitern. Gebaut wurden sie so­ nun während des Transports nicht die Hälfte Fuhrwerken ver­fügte die Kippkarre, die auch
wohl als Spros­senleitern mit senkrecht ste­ der Ladung „über Bord“ ging, mußte sie von als Sturz­karre bezeichnet wurde, nur über eine
henden Sprossen als auch als Lattenleitern mit oben her befestigt werden. Diesem Zweck Achse. Ein simpler Me­chanismus erlaubte das
horizontal ver­laufenden Latten oder „Ringsen“. diente der Bi­ndebaum, ein bequeme Abladen durch
Ähnlich wie der Kastenwagen war auch langer, gerader und hinrei­ „Im Märzen der Kip­pen des Wagenkastens
der Leiterwagen äußerst spartanisch mit Sitz­ chend starker Fichtenholz­ nach hinten. Vorteile bot
ge­le­genheiten ausgestattet. Der Bauer konnte stamm, der parallel zur Bauer die Rösslein diese Wa­genform vor allem
es sich entweder vorn seitlich auf dem Leite­ Längs­richtung des Leiter­ einspannt...“ im hügeligen Gelände. Um
rende „bequem“ machen oder einfach auf wagens mittig oben auf das bei steileren Gefällen den
einem Teil der Ladung Platz nehmen. Bei Fuder gelegt wurde. Die Befestigung am vor­ Wagen sicherer durch das Zugtier, in der Regel
hochbeladenen Erntewagen marschierte der deren Fuhrwerkteil bildete entweder die ein Pferd, halten zu können, spannte man mit
Führer des Fuhrwerks ohnehin zu Fuß neben oberste Spros­se eines Stützgerüstes oder ein einer starren Gabeldeichsel an. Dieses Ver­
den Zugtieren einher. Komfor­tabel hatten es Seil, das an beiden Leiter­holmen befestigt war. fahren wiederum beschränkte das Gewicht
allerdings die Passagiere von Ern­ te­
wagen, Zu­sammen mit dem Bindebaum bildete die­ der Ladung, weil die Deichsel Teile der Last auf
meis­tens die mithelfenden Kin­der, die auf der ses Seil ein gleichschenkeliges Dreieck. Bei der das Zugtier übertrug. Die Kippkarre war vor
hoch­ aufgeschichteten Ladung schaukelnd rückwärtigen Befestigung des Bindebaums allem auf größeren Höfen zu Hause.

Leiterwagen in den Maßstäben 1:87 (H0), 1:160 (N) und 1:220 (Z)
Anbieter Merten Merten Merten Noch Noch Noch Noch Noch Preiser Preiser Preiser
Nenngröße H0 N Z H0 H0 H0 H0 H0 H0 H0 H0
Bestellnummer 2496 2496 2496 11950 11960 11970 11980 11990 30436 30465 30472
Epoche bis 3 bis 3 bis 3 bis 3 bis 3 bis 3 bis 3 bis 3 bis 3 bis 3 bis 3
Wagenladung Langholz Langholz Langholz Langholz Heu Kisten unbeladen Weinfässer unbeladen Langholz Gras
haufen u. Fässer
Zugtiere 2 Pferde 2 Pferde 2 Pferde 2 Pferde 2 Pferde 2 Pferde 2 Pferde 2 Pferde 2 Pferde 2 Pferde 2 Ochsen
Wagenlenker 1 stehend, 1 stehend, 1 stehend, 1 gehend 1 stehend 1 stehend 1 gehend 1 gehend 1 lenkend 1 gehend 1 gehend
1 sitzend 1 sitzend 1 sitzend
Fertigmodell/Bausatz FM FM FM FM FM FM FM FM FM FM FM
Materialien Kunststoff Kunststoff Kunststoff Kunststoff Kunststoff Kunststoff Kunststoff Kunststoff Kunststoff Kunststoff Kunststoff
Modellbauaufwand – – – – – – – – – – –
Zeit für Modellbau – – – – – – – – – – ­

Detaillierung ■■ ■■ ■■ ■■ ■■ ■■ ■■ ■■ ■■■ ■■■ ■■■
Preisgruppe 2 2 2 2 2 2 2 2 2 2 2
Bemerkung ● ohne ● ohne ● ohne ● im Katalog ● mit seperaten ● Rechen ● ohne ● kleiner
Seitengatter Seitengatter Seitengatter als Kastenwa- Strohballen u. Harken Seitengatter Leiterwagen
gen vermerkt liegen bei von ärmlichem
● 1 Mitfahrer Bauernhof
● ideal für
Epoche 1-2

68 Modellbahnschule 3
wechselbare umbaubare Runge Aufnahme für
Ladebordwand Runge Ladebordwand Ladegerüst

Langbaum Querschnitt Langbaum Zuröse

Deichsel

Draufsicht Draufsicht

Normaler Kastenwagen Hornburger Wagen

Ackerbau-Geräte im Maßstab 1:45 (0), 1:87 (H0) und 1:160 (N)


Anbieter Marks Marks Marks Marks Pitter’s Pappkiste Pitter’s Pappkiste Preiser Preiser Schnitker Schnitker Schnitker
Nenngröße H0 H0 N N H0 H0 H0 H0 0 0 0
Bestellnummer 11 12 9716 9717 11 14 30431 17600 DN-1001 DN-1002 DN-1003
Geräteart Heurechen Lanz- Heurechen Heuwender Einscharpflug Heurechen Pflug Pflug und Erdkrumen- Ackerwalze Pflug
Kartoffelroder Geräte zerkleinerer
Epoche bis 3 bis 3 bis 3 bis 3 bis 3 bis 3 bis 3 bis 3 bis 3 bis 3 bis 3
Zugtiere 1 Pferd 2 Pferde 2 Pferde 1 Pferd 1 Zugtier 1 Zugtier 1 Pferd 1 Zugtier 1 Zugtier 1 Zugtier 1 Zugtier
Gerätelenker 1 sitzend – – – – – pflüg. Bauer – – – –
Fertigmodell/Bausatz FM FM FM FM FM FM FM BS BS BS BS
Materialien MS-Ä MS-Ä MS-Ä MS-Ä MS-Ä MS-Ä Kunststoff Kunststoff WM WM WM
Modellbauaufwand – – – – – – – ▲ ▲▲ ▲▲ ▲▲
Zeit für Modellbau – – – – – – – ●● ●● ●● ●●
Detaillierung ■■■■ ■■■■ ■■■■ ■■■■ ■■■■ ■■■■ ■■■ ■■■ ■■■■ ■■■■ ■■■■
Preisgruppe 3 4 3 3 - - 2 2 4 4 6
Bemerkung ● ohne Zugtier ● ohne Zugtier ● ohne Zugtier ● ohne Zugtier ● ohne Zugtier ● ohne Zugtier
● enthält auch
1 Bollerwagen
mit Milchkannen

Kippwagen im Maßstab 1:45 (0) und 1:220 (Z)


Ländliche „Zugbildung“ Süße Milch bitte! Anbieter MZZ Schnitker Schnitker
Nenngröße Z 0 0
Während der Erntezeit herrschte Hochbe­ Der ländliche Milchtransport, vor allem Bestellnummer 3142 PH-0V2 DN-2002
trieb und dichter Verkehr zwischen Acker und über längere Strec­ken, warf besondere Proble­ Epoche 3 3 3
Hof. Es galt, die wenigen Erntetage möglichst me auf. Die Milch mußte in jedem Fall „süß“ Wagenladung Plane unbeladen Wassertank
rationell zu nutzen. Zu diesen Zeiten traf man bleiben und durfte nicht „ausbuttern“. Für den Zugtiere 1 Zugtier 1 Zugtier 1 Zugtier
häufig regelrechte „Fuhrwerks-Züge“ an, die Kannentransport von der Melk­stätte zur Sam­ Wagenlenker – – –
aus einem Zugtier und zwei leeren Leiterwa­ melstelle ge­nügte dem Bauern der einfache Fertigmodell/Bausatz FM BS BS
gen bestanden. So stand immer genügend Kastenwagen. Die Fuhrleute jedoch, die grö­ Materialien WM WM WM
Transportkapazität für das Einbringen der Feld­ ßere Mengen zur Molkerei beförderten, be­ Modellbauaufwand – ▲▲ ▲▲
frucht zur Verfügung. dienten sich stark gefederter Spezialwagen. Zeit für Modellbau – ●● ●●●
Auch die Behältnisse für den Milch­ Detaillierung ■■ ■■■■ ■■■■
transport mußten Spezial­aus­füh­run­ Preisgruppe 2 2 2
gen sein. Ab 1910 hatte sich allge­ Bemerkung ● ohne Zugtier ● ohne Zugtier ● ohne Zugtier
● ohne Seiten-
mein die verzinkte Eisenblechkan­
Preiser Preiser s.e.s. s.e.s. s.e.s. wände
ne mit spezieller Deckelabdichtung
H0 N H0 H0 H0
weitgehend durch­­gesetzt.
30477 79476 16 1000 01 16 1000 02 16 1000 06
bis 3 bis 3 bis 3 bis 3 bis 3 Bei Eis und Schnee wärmeren Jahreszeiten oft aufgeweicht und
Getreide unbeladen Langholz unbeladen unbeladen
Im Winter waren die Trans­port­ erschwerten den Transport. Im Winter, wenn
2 Pferde 2 Pferde 2 Pferde 2 Pferde 2 Pferde tätigkeiten auf dem Lande zwar ein­ der Boden hart gefroren war, ließ sich das
1 gehend 1 gehend – ­– – geschränkt, sie ruhten jedoch nicht Trans­port­problem mit dem Schlit­ten ele­gant
ganz. Es gab Langholz aus den Wäl­ lösen.
FM FM FM FM FM dern zu transportieren, es wurde
Bodenbearbeitung
Kunststoff Kunststoff Kunststoff Kunststoff Kunststoff Mist „gefahren“ und auch Besor­
– – – – – gungsfahrten standen an. Bei Eis und Die Kraft und Ausdauer von Zugtieren bilde­
– – – – – Schnee waren Fahrten mit dem te auch die Voraussetzung für die vielfältigen
■■■ ■■■ ■■ ■■ ■■ Kastenwagen kaum möglich. Man Arbeiten auf Feldern und Äckern.
2 2 1 1 1
be­diente sich des Schlittens, dem in Das Ackergerät, das als Sinn­ bild für die
sehr hoch ● auf Stirnseite ● ohne auf Stirnseite
● ●
aller Regel Pferde vorgespannt Land­wirtschaft schlechthin angesehen wer­
beladen hohe Lade- Seitengatter hohe Lade-
● auf Stirnseite gatter gatter waren. Einen Vor­teil vor allem für den kann, ist der Pflug. Ähnlich wie das Rad
hohe Lade- den Trans­port sehr schwerer Lasten zählt er seit Beginn der Landwirtschaft und
gatter bot der Winter: Die meist unbefe­ damit der Seßhaftigkeit zu den Urerfin­
stigten Wege waren während der dungen der Mensch­­­heit. Bis auf extreme

Modellbahnschule 3 69
Straßenverkehr

Notzei­ten, in denen auch Men­schen


„unter das Joch“ mussten, waren es
Tiere, die den Pflügen vorgespannt
wurden. Verwendet wurden vor al­lem
Pferde. Weniger begüterte Landwirte,
die nur ein Pferd für die Feldarbeit er­
übrigen konnten, pflügten wohl auch
mit einer Mischbespannung aus Pferd
und Ochs. Diese etwas ungewöhnli­
che Methode muß es wohl tatsächlich
gegeben haben, jedenfalls ist sie auf
einem mittelalterlichen Steinrelief an
einem Brückenpfeiler der Do­nau­­­­
brü­cke in Straubing dokumentiert.
Schließlich gab es noch die „reinrassi­
gen“ Be­span­nungen mit Ochsen und
Ein­spannkühen.
Im ausgehenden 19. Jahrhundert
Am Rand der eingleisigen Nebenstrecke wurde dieser Kartoffelroder (Marks) abgestellt. Bespannt setzte die Me­ chanisierung des Pflü­
wurde dieses Gerät im Allgemeinen mit einem Pferd, das hier wohl gerade Pause macht. gens durch Nutzung der Dampf­kraft
ein. Heute regiert der Dieselmotor
diese grundlegende bäuerliche Arbeit.
Tipps für Kleidung und Selbermalen Außer dem Pflug gab es eine Reihe weiterer
mit Zugtieren bespannter Ackergeräte. Dem
Den Stil der ländlichen Arbeitskleidung ver­ Feldarbeit, z. B. bei der Ernte, war mit
gangener Tage prägten Zweckmäßig­ keit, Staub, viel Staub verbunden. Auch dies soll­
Einarbeiten des Saatguts, dem Zerkleinern
Ein­fachheit und Haltbarkeit. Auch hochsom­ ­te der Modellbauer beim Bemalen seiner größerer Erdbroc­ken und dem Glätten ge­
merliche Temperaturen und die körperlich Figuren be­ achten. Über die ge­ trock­
nete pflügter Felder dienten Eggen, in der Regel mit
schwe­­re Arbeit waren noch kein Anlass, auf Grund­farbe werden mit sehr trockenem Pin­ einem Pferd be­spannt. Mit tierbespannten
legere Kleidungsstücke umzusteigen, oder sel mit hellen Ockertönen Staubspuren an­­ Walzen schließlich erfolgte die Verdichtung
gar mehr Haut als unbedingt nötig der Son­ gelegt, eher aufgewischt, vor allem im Be­­ des bearbeiteten Erdreichs.
ne auszusetzen. Allen­falls bei den Kindern reich der Beine und auch auf den Schultern. Als Gerätschaften zur Heu­ernte wurden auf
gab es „Marsch­er­leich­ter­ung“. Im ausgehen­ Wenn man schon Pinsel und Farben parat
den Feldern Heurechen und Heuwender be­
den 19. Jahr­hundert war Sonnenbräune am liegen hat, sollte man auch den Fuhrwerken
Körper überhaupt nicht „in“, auch nicht bei realistische „Spuren der Arbeit“ verpassen. wegt. Auch sie waren üblicherweise mit
den Bauern. Gebräunte Haut galt als Zei­ Etwas dunkle Farbe wie z. B. Umbra, mit fast einem Pferd bespannt.
chen da­ für, dass man darauf angewiesen trockenem Pinsel aufgebracht, hinterlässt Die ehemals sehr mühselige Kartoffel­ernte
war, un­ter freiem Himmel körperliche Arbeit realistische Gebrauchs­spuren. Intensiv bear­ von Hand ge­hör­te zu den Bereichen landwirt­
verrichten zu müssen. beitet werden sollten z. B. Jauchewagen, schaftlicher Tätigkeit, die im Laufe der Zeit me­
Die Bekleidung der von der Industrie bei denen es sich in der Regel um ältere, chanisiert und damit rationalisiert wurden.
angebotenen Fertigfiguren präsentiert sich praktisch ausgediente Fahrzeuge handelte. Unterstützung bot da der Kartoffelroder, der
meist in ungebrochen farbiger Leuchtkraft. Ihr Verwendungs­zweck hinterlässt natürlich
So sind sie für die Darstellung land­ wirt­ Spuren. Man kann gerade bei Jauchewagen
von Pferden gezogen wurde.
schaftlicher Sze­nen allerdings kaum brauch­ ausgiebig „patinieren“, auch fast schwarze
Änderung der Zugkraft
bar, denn die Land­ bevölkerung früherer Bodenbretter wirken hier durchaus echt.
Ta­ge bevorzugte eher gedeckte Farben bei Die fünfziger und sechziger Jahre brachten
Jacke, Hose und Kleid. Die Erntehelferin im auf breiter Front die Mechanisie­rung in den
knallroten Som­merkleid hoch auf dem gel­ landwirtschaftlichen Betrieb. Das altherge-
ben Erntewagen dürfte außerordentlich sel­ brachte, vertraute Fuhrwesen, das auf der Zug­
ten anzutreffen ge­ wesen sein. Der Bauer
kraft von Tieren beruhte, neigte sich allmählich
trug zur Feldarbeit in der Regel Kleidung,
die eher durch Zweck­­mäßigkeit als durch seinem Ende zu. Motorkraft ersetzte den „Ha­
kräftige, auffallende Farbe­n glänzte. Bei der ferantrieb“, wobei sich der Übergang flie­ßend,
Ge­staltung der Sze­nen, vor allem beim Sel­ aber doch in einem relativ schnellen Tempo
ber­malen der Figuren, sollte man also unbe­ vollzog. So konnte man in diesem Zeitraum
dingt auf zurückhaltende Farb­ gebung der Lebendig wirken landwirtschaftliche Fuhr­­ Traktoren und Hänger wie „klassische“, mit Tie­
bäuerlichen Kleidung achten. Etwas ausge­ werke erst mit Alters-und Gebrauchsspuren. ren be­spann­te Fuhr­werke gleichzeitig bei der
waschenes Blau, dunkles Grün sowie Braun Feldarbeit und beim Transport erleben. Viele
und Grau paßten schon eher aufs Land.
Selbst­verständlich sollten entsprechende
Bauern praktizierten beispielsweise eine Art
Be­­malun­gen bzw. Übermalungen mit matten Mischbetrieb: Den Transport von Ackergerä­
Farbentypen erfolgen. ten vom Hof aufs Feld beispielsweise über­
Eines sollte der Modellbauer unbedingt nahm der Traktor. Zum Arbeitseinsatz wurden
be­ach­ten: Eine Kopfbedeckung gehörte fast dann aber Pferde den Geräten vorgespannt,
im­mer zum Arbeits-Habit. Die Frauen weil die Bauern befürchteten, der Traktor
schmück­ten sich mit Kopftüchern, bei deren könn­te im weichen Erdreich steckenbleiben
Dar­stel­lung man helle, kräftigere Farben ver­
oder auf Grund der hohen Auflagekraft der
wenden kann. Und der Bauer trennte sich
nur höchst ungern von seinem alten Filzhut Leicht glänzende Farben heben das Tier­fell Reifen auf relativ kleiner Aufstandsfläche den
oder seiner verschossenen Arbeitskappe. hervor, bei Kleidung bitte immer matte Töne! Ackerboden zu sehr verdichten. Doch auch
dieser Dienst der Tiere endete bald.

70 Modellbahnschule 3
Firmenadressen für weitere Infos Reichhaltige Modellauswahl?
Marks Burgstraße 5 ● D-95111 Rehau
Mertens ● D-91628 Steinsfeld 60
Die Palette der Modelle kann bei den
MZZ Im Trenschen 26
● CH-8207 Schaffhausen
wer­
Fuhr­­ ken in der Nenngröße H0 als
Noch Postfach 1454 recht vielseitig bezeichnet werden und
Nostalgie ● D-88230 Wangen überzeugen. Bei N wird das Angebot
Kehi Modellbau Hellerstraße 7-9 spär­licher. Und bei den Nenn­größen TT
Ein von Pferden oder Ochsen gezogenes ● D-99817 Eisenach
oder 0 gibt es nur sehr wenige Modelle.
Langley c/o Gunters Car Company Hier ist man auf das Angebot von einigen
landwirtschaftliches Fuhrwerk kann ein gan­ Edewechter Landstraße 91
zes Spek­trum an Empfindungen im Betrachter ● D-26131 Oldenburg
Kleinserienher­stel­lern angewiesen. Doch
hervorrufen. Da schwingen bei den etwas Äl­­ Pitter`s Pappkisten Peter Hoeveler Junior keines der angebotenen Fuhrwerke ist mit
Postfach 20 05 23 nur einem Pferd ausgestattet, auch
teren vielleicht noch Erinne­run­gen an Erleb­ ● D-41205 Mönchengladbach an­dere Zugtiere wie Ochsen oder Esel
nisse der Kind­heit mit. Den Jün­geren, die land­ Preiser Postfach 12 33 fehlen fast gänzlich. Dabei wären gerade
wirt­schaftliche Fahrzeuge allenfalls als Ver­ ● D-91534 Rothenburg o.d.T
die Ochsen auch in der Alpen­ region
Schnitker Biberstraße 82
kehrshindernis kennen, er­ scheint ein mit ● D-33378 Rheda-Wiedenbrück genau die richtigen „Antriebs­kräfte“.
Ochsen be­spannter Erntewagen dagegen fast s.e.s schmidt electronic system Bis auf einige wunderschön filigran wir­
schon urzeitlich, exotisch, fremd, und doch auf Breitenbacherstraße 11+12 kende Metallmodelle der Ackergeräte der
● D-13509 Berlin Firmen Marks und Pitter`s Pappkiste fehlt

Modellbau und Motive: Andreas Lüneburg (1), Hans Poscher (5), Markus Tiedtke
eine gewisse Weise wiederum an­heimelnd.

Fotos: Andreas Lüneburg (1), Markus Tiedtke (18); Zeichnungen: Markus Tiedtke
dieser Be­ reich bei den großen Figuren-
Es ist, wie eingangs erwähnt, nicht damit und Sze­ ne­rieherstellern weitgehend. Sie
getan, irgendwo auf der Modellbahnanlage konzentrieren sich fast ausschließlich auf
ein Fuhrwerk zur Illustration des Landle­bens industrielle Sortiment die gewünschte Spezia­ die landwirtschaftlichen Geräte, die von
ab­zustellen. Das Ge­fährt sollte in eine Szene lität nicht bereithält. Und Phantasie, um die Traktoren gezogen werden.
eingebaut werden, es muss in einen funktio­ Szenen lebensecht zu gestalten. Für das „Personal“ gilt Ähnliches. In der
am stärksten vertretenen Nenngröße H0
nalen Zusam­ men­ hang mit geeigneter Bo­ Ideales Anschauungsmaterial liefern heute,
lassen sich aus der Vielfalt der angebote­
dengestaltung und ar­ beiten­den Personen wo die von Tie­ren bewegten Fuhrwerke aus nen Figür­chen durchaus realistisch wirken­
gebracht werden, um Leben­zu vermitteln. der Alltagswelt verschwunden sind, im Spät­ ­de Szenen komponieren. Auffällig ist aller­
Es ist durchaus lohnend und, je nach An­ som­mer, in der Erntezeit, von Vereinen oder dings ein ge­wisser „Kin­derman­gel“. Gera­
lagenthema und -epoche, sehr attraktiv, ein Kommunen in ländlichen Regionen organi­ de die Land­
­ be­völkerung früherer Tage
nos­talgisches The­ma wie das landwirtschaftli­ sierte Aus­ stellungen über historische land­ er­freute sich doch eines reichen Kin­der­
che Fuhr­­we­­sen früherer Zei­ten ins Mo­dell wirtschaftliche Themen. Da sind dann auch se­ gens. Und der Nach­ wuchs musste in
Ern­ tezeiten „hart ran“. was sich auch in
umzusetzen. Die einschlägigen Hersteller füh­ Fuhrwerke und Ackergeräte dabei, die oft in Mo­ dellszenen wiederspiegeln sollte. Da
ren in ihren Sortimenten ein überschaubares Funktion gezeigt werden – ideales An­schau­ kann man sich nur mehr „Nach­ wuchs“
Angebot an Fahr­zeugen, das die we­sentlichen ungs­material für jeden Mo­dell­anla­gen­bauer, auch bei den einschlägigen Herstellern
Ty­pen und Einsatz­bereiche umfaßt. Bastleri­ der sich diesem Thema widmen möchte. wün­schen.  Klaus Peter Lang
sches Geschick ist dann gefragt, wenn das Klaus Peter Lang, Wolfgang Spenger
Details für
Fahrzeuge

Belebung von Dampflokomotiven

Dampflokomotivmodelle
lebendiger zu gestalten
erf­­ordert wenig Auf­wand.
Es genügen einige Detail­
arbeiten, um ein anspre­
chendes, realitätsnahes
Er­gebnis zu erzielen. Hier
ein paar Vor­
schläge zur
optischen Aufwertung von
Schlepp­ten­dern und Lo­­
ko­motiv­führer­häu­sern.
Der Führerstand des H0-Serien­
modells der BR 44 von Roco
wirkt nach dem Anstrich der
Armaturen wie ein Original.

Eine vorbildgerecht gealterte


und mit echter Kohle beladene
Dampflok bietet auf jeder
Mo­dellbahn eine Augenweide.

72 Modellbahnschule 3
eine lebendige Optik
J
edes neu erworbene Kohle, unter der sich bei den entstehen. Um große Kohlenhau­ Zur Vervollständigung der Ten­
Dampflokmodell kann Schlepptender­loks oft auch noch fen, die oft auf dem Tender von derausrüstung ist an der Tender­
in der De­tail­lierung der Motor und das Ballastge­ Gü­ter­­zug­lokomotiven zu beob­ stirnwand eine Wurfhe­bel­brem­
noch verbessert wer­ wicht befinden. achten waren, im Modell umzu­ se­(Weinert 8682, für preußische
den. Wichtiger ist es jedoch, Echte Kohle mit der Spülmittel- setzen, wird der Kohlen­ kasten Tender Weinert 8685) anzubrin­
durch einige sinnvolle, am Vor­ Weißleimmethode einfach auf mit einem Aufsatz versehen. Die­ gen. Ab Epo­che 3b ist auf der
bild orientierte Maß­nah­men das die vorhandene Kohleimita­ tion ser kann aus 0,5 mm dicken Holz­ Heizerseite an der Wasserka­
Modell zu beleben. Damit lässt aufzukleben, ist zwar eine opti­ fur­nier­strei­fen bestehen oder ist stenoberseite ein Einfüllstutzen
sich der Ge­ samteindruck des sche Verbesserung, kann das ge­ fertig als Weiß­metallteil (Weinert für Entkalker (Weinert 8666) auf­
Modells deutlich verbessern. wünschte Resultat realistisch dar­ 9200) im Handel erhältlich. zukleben. Auf den Tendern von
Einige dieser Maßnahmen zur gestellter Füllhöhen jedoch nicht Beim Bekohlen des Tenders ist Loko­motiven aus der Länder­
optischen Aufwertung von Mo­ bringen. es immer wieder passiert, dass bahn­­zeit dagegen wurden die
delldampflokomotiven wer­­den Um ein optisch ansprechen­ etwas Kohle auf den Tender Entkalkungsmittel in einfachen
nachfolgend beschrieben. des, den realen Betriebs­ bedin­ neben den Kohlen­kasten gefal­ Bottichen mitgeführt.
gungen nachempfundenes Er­ len und dort zu­mindest für eine Zusätzlich lassen sich die Mo­
Tenderausstattung geb­nis zu erzielen, ist die vorhan­ be­stimmte Zeit liegen geblieben delle mit kleinen Accessoires
Beim Blick auf den Tender dene Kohle­imita­tion durch eine ist. Zur realitätsnahen Ge­stal­tung wie Schürhaken, Zweizahn und
einer „richtigen“ Dampfloko­ Kunst­stoff­platte zu ersetzen oder soll­te dies mit ein paar Tropfen Kohlenschaufel aufwerten.
motive fallen die unterschiedli­ das Ballastgewicht so weit abzu­ klarem Mattlack und einigen Glänzenden Klarlack be­nötigt
chen Füll­höhen des Kohlen­ feilen, dass beim Auf­füllen des Stück­chen Kohle auch im Mo­
kastens auf. Bei Modellloko­ Kohlenkastens mit „echter Koh- dell nachgestellt werden.
motiven ist dies meist nicht der le“ vorbildgerechte, von Lok zu
Fall. Bis hin zum Kohlen­­- Lok unterschiedliche Füllhöhen
kastenrand reicht die Kunst­stoff-
oder Weiß­metall­imitation der

Modellbahnschule 3 73
Zierliche
Fensterrahmen
Die Führerhäuser von
Fahrzeuge

den meisten Kunst­stoff­


modellen sind ma­ter­ial­
bedingt recht dick ge­­
halten. Da­durch wirken
beim seitlichen Blick
die Bleche der Fen­ster­
rahmen wie Pan­­­zer­plat­
ten. Mit einer Halb­­­
rundfeile kann man das
Material vorsichtig im
Führerhaus abtragen
und eine kaum sicht-
bare Schräge erstellen.

Bekohlung vorbereiten
Die Kohlehaufen der meisten der Einsatz überarbeitet wer-
Loks sind sehr hoch an­gesetzt. den. Gewicht und Kunst­stoff­teil
Möchte man echte Koh­­le dar- werden nach der Be­ arbeitung
über streuen, wird der Haufen fest verbunden und die Fugen
zu hoch. Ent­ sprechend muss abgedichtet.

man, um kleine Wasser­pfüt­zen in


der Umgebung der Was­
lackiert werden. Die Innen­wän-
de des Führer­stands in Hellgrau
Details sind wie
serkastendeckel darzustellen. Die RAL 7005, Hand­räder und Hebel
Kalk- bzw. Sodaablagerungen Sei­den­matt­rot (RAL 3002), der
von verdunstetem Wasser lassen Wasser­stands­an­zei­ger und die
sich am einfachsten mit stark ver­ übrigen Messinstrumente glän­
dünntem Mattweiß sehr dezent zend­­Weiß, deren Zeiger Rot. Bei
nachbilden. Länderbahnfahrzeugen sind die
Ar­maturenge­häu­se und Hand­
Dampflokführerstand griffe durchweg Messingfarben.
Damit es auf dem Führerstand Und wenn schon der feine Pin­
einer Modelldampflok für das sel der Größe 00 „in Betrieb“ ist,
„Preiser“-Personal gemütlicher sollte man es nicht versäumen,
wird, sollten zwei Führerhaussitze zusätzlich die Trieb­werks­be­leuch­
(Weinert 8196) eingebaut wer­ t­
ungen mit glänzendem Weiß
den. Vor der Montage ist der Sitz­ und die Strom­ver­teiler­dosen der
träger in der Führer­ standsfarbe Loko­motiv­elek­trik mit seiden­
und die Sitzfläche lederbraun mattem Gelb auszulegen.
anzumalen. Um die nunmehr betriebsge­
recht gestaltete Dampfloko­mo­
Armaturen tive nicht mutterseelenallein auf
Zusätzlich zu den schon vor­ die Reise schicken zu müssen, ist
handenen Armaturen am Steh­ zu guter Letzt noch das Dampf­
kessel ist auf der Lokfüh­rer­stands­ lokpersonal an seiner Wir­kungs­
seite an der Führerhausinnen­ stätte zu platzieren.
wand noch ein Bremsventil – lei­ Diese kleinen Details verhelfen
der gibt es das noch nicht als ein­- jeder Dampflok auf der Anlage
zelnes Zurüstteil – anzubringen. und auch in der Vitrine zu eigener
Die Stehkesselarmaturen so­wie Individu­alität und schaffen einen
der Führerstand sind in der Regel Blickfang, den man gerne ge­
in Schwarz gehalten. Auch diese nießt.
Bereiche sollten vorbildgerecht Rainer Dell, Markus Tiedtke

74 Modellbahnschule 3
Fotos: Markus Tiedtke Modellbau: Markus Tiedtke
Mater ial
Inneneinrichtung Tenderausstattung
● echte Kohle
Die Decken von Dampflokomotiven
sind hell angestrichen. Hier kann man ● Kohlenschaufel und
Hellgrau oder Weiß verwenden. Schürhaken
Zusätzlich montiert man seitlich die ● Kohlenkastenaufsatz

beiden Sitze und die Handhebel­ ● Einfüllstutzen für


bremse auf der Kohlenkastenseite. Entkalker
● Handhebelbremse
● Weißleim-Spülmittel-
gemisch
● diverse Farben

Mater ial/
Werkzeuge
Führerstandausstattung
Kleinteile für Tender ● Führerhaussitze
● Führerbremsventil
Schürhaken und Kohleschau­ Fässer mit Sodamittel stehen
● diverse Farben
feln liegen seitlich auf dem lem bei DR-Dampfloks
vor al­
● feine Pinsel
Tender, um jederzeit für den hinten auf dem Tender. Alle
● Lokführer- und
Heizer griffbereit zu sein. Auch Teile werden farbig aufge-
ein Besen ist denkbar. Zwei peppt und festgeklebt. Heizerfiguren

das Salz in der Suppe Lokpersonal und herun­ter­


gefallene Kohle beleben
jedes Dampflokmodell.

Modellbahnschule 3 75
Elektrik

76 Modellbahnschule 3
Steckverbindungen für Module

Der
gute
Kontakt
Betriebssicher sollten die elektri­

schen Verbindungen zwischen

Modulen unbedingt sein.

Und untereinander passen sollten

sie auch. Verschiedene

Modell­bahner-Organisationen

haben sich über Normung auf

diesem Ge­biet Gedanken gemacht

und entsprechend genormte

Systeme entwickelt.

Modellbahnschule 3 77
Stecker und Buchsen
Elektrik

Bananenstecker sind die einfachste


elektrische Verbind­ungs­mög­lichkeit
in Steckform. Für mehradrige Ver­
bindungen empfiehlt sich diese Ver­
bindungsart jedoch nicht. Hier zwei
verschiedene Bauarten: oben Ste­
cker mit 2,3 mm Durchmesser, unten
Stecker mit 4 mm Durch­mes­ser.

B
ei herausnehmbaren Die bekann­
Anlage-Teilen oder teste Steck­­ver­
Modul-An­la­gen sind bindung ist die Sub-
Aus dem Computerbereich geläu­ kontaktsichere elektri­ D-Type, die im Com­­ ­
fig: 
Die Stecker vom Typ Sub-D. sche Steckver­ bindungen die puterbereich ge­ läufig ist.
Diese Steckerart kann bei Strom­ Grund­vor­aus­­set­­z­ung für einen Die kleinste Pol­zahl beträgt
stärken bis maximal 1 A eingesetzt
werden. Hier ein Sub-D 9 mit neun
reibungslosen Betrieb. Ver­ bin­ bei dieser Type neun. Die
Polen in zwei Reihen. dun­gen zwischen zwei Modulen Zahl der An­schlüsse (Pole) ist
durch Löten der einzelnen Dräh­ Bestand­ teil der Typenbezeich-
te oder mittels Lüster­klemmen nung. Sub-D 9 hat demnach von 300 mA bis
herzustellen, ist sehr umständlich neun Pole. Darüber hinaus gibt es über 1 mA auf. Die
und aufwändig, vor allem, wenn Typen mit 15, 19, 23, 25 bis 37 Stromstärke hängt ab vom
die Module gelegentlich wieder Polen in zweireihiger Ausführung. Motortyp der eingesetzten Fahr­
Etwa genauso breit wie der zweirei­ getrennt werden sollen. Eine hohe Polzahl bei nur zwei zeuge (Standardmotor oder
hige Sub-D 9: der Sub-D 15 mit 15 Am einfachsten lassen sich Polreihen lässt den Stecker unför­ Faulhaber-Glocken­an­kermotor),
Polen in drei Reihen.
elek­ trische Verbindungen mit mig breit werden. Um Platz zu von der Anzahl der im Betrieb
den altbekannten Bananen­ ste- sparen, werden auch dreireihige befindlichen Fahrzeuge und zu­
ckern herstellen und wieder tren­ Stecker angeboten. Deren Pol­ sätzlichen Stromverbrauchern
nen. Bei Bananen­ steckern und zahlen betragen 15 und 50. wie Spitzenlicht, Innen­beleuch­
den dazu passenden Kupplun­ Der Nachteil dieser sehr filigra­ tung usw. Bei Stromstärken über
gen besteht bei mehradrigen nen Bauart: Bei etwas rauer 1 A sollten Messer­steckverbin­
Verbin­dungen allerdings immer Hand­ habung können die Pins dun­ gen zum Einsatz kommen.
Mit dem Sub-D 50 mit 50 Polen in die Gefahr von Verwechs­lungen. leicht verbogen werden. Sie können Stromstärken von bis
drei Reihen lässt sich schon eine
gan­ze Menge schalten. 
Kurzschlüsse durch versehentlich Sehr viel robuster sind Cen­ zu 5 A verkraften. Sub-D-Stec­ker
freiliegende Bananenstecker sind tronix-Stecker und -Buchsen. Es werden nur bei Ver­bindungen
ein weiterer Nachteil dieser ein­ gibt sie mit 14, 24, eingesetzt, die mit
fachen elektrischen Ver­bindung. 36 und 50 Polen. Centronix statt Stromstärken unter
Moderne, mehradrige Steck­ ­ Centronix-Buchsen Bananen – die 1 A belastet sind. Sie
verbindungen gibt es in einer Pol­ sind standardmäßig eignen sich ideal für
zahl von zwei bis fünfzig, mit und mit Klammern ver- richtige Wahl die Steuer­lei­tun­gen
ohne Gehäuse, rund und längs, sehen, die sicherstel­ sorgt für siche­ von Weichen und
Beim Centronix wird der Stecker
kurz gesagt: Man bekommt für je­ len, dass die Stecker ren Kontakt für Gleis­einspei­sun­
den Einsatzzweck die passende nicht versehentlich gen bei Baugrößen,
durch Drahtbügel beidseitig am Soc­
kel fixiert. Im Bild eine Type mit 50 Steckverbindung. Allen gemein­ herausgezogen werden können. die kleiner als 0 sind. Ist nicht
Polen in drei Reihen. sam ist, dass sie gelötet werden Wird auf Robustheit und einen auszu­schließen, dass doch gele­
müssen. Sie sind so konstruiert, hohen Übertragungsstrom Wert gentlich hö­here Strom­stärken
dass sie nur in einer bestimmten gelegt, sind Messersteckverbin­ auf­treten, empfiehlt es sich, zwei
Position verdrehsicher zu­ sam­ dungen die beste Wahl. oder mehrere Kontakte parallel
men­ge­steckt werden können. Beim Betrieb von Modell­bah­ zu schalten, um die Bela­ stung
Das schließt Fehl­ kontakte und nen ist – auch in Abhän­gigkeit eines Kontakts zu re­duzieren.
Höhere Stromstärken als 1 A sollten Kurz­ schlüs­se mit hoher Sicher­ von der verwendeten Spurweite Einige Modellbahn­vereini­
mit den stabilen Messersteckverbin­ heit aus. Ein paar der gebräuch­ – mit unterschiedlich hohen gun­gen haben sich intensiv Ge­
dungen übertragen werden. Hier lichsten Steckver­bindungen wer­ Strö­men zu rechnen. Bei der Bau­ danken über die Mo­dul­elektrik
eine 20-polige Type.
den im Folgenden vorgestellt: größe H0  treten Strom­ stärken und da­mit auch über die elek­

78 Modellbahnschule 3
Modul-Stellpult mit Aufbaurichtlinien des EMFS
Ortsfahrreg­ler. Als
elektrische Verbin­
dung dienen hier
Normbuchsen und
-stecker.

Achtpolige Ringleitung

Das Schema stellt den Mehrzugbetrieb von Modul zu Modul dar. Der
jeweilige Nachbar kann seinen Zug auf das hier dargestellte Modul steu-
ern, auf dem bereits z. B. Rangierbetrieb herrscht. Die Kopplung zu den
Nach­bar­modulen erfolgt über Telefon­buchsen. Es gibt nur zwei Einspei­se-
Stromkreise, je eine Fremdeinspeisung vom Nach­ barbahnhof auf jeder
Seite und eine Ortseinspeisung mit einem Hand­fahrregler über eine fünf-
polige DIN-Buchse. Über eine passende Anzahl von Schaltern erfolgt die
Zuordnung der einzelnen Gleisabschnitte (einpolige Darstellung).
Die einzelnen Aderfarben der Ringleitung sollten zur besseren
Übersicht und Fehlervermeidung von Modul zum Nachbar­
modul übernommen werden. Die Adern sind Stromkreisen Zwei Bahnhöfe mit dazwischenliegenden Streckenmodulen
zugeordnet, die durch die Farben Grau, Blau, Braun, Gelb und
Violett gekennzeichnet sind. Die Farbe Weiß bleibt dem jeweili-
gen Ortsregler vorbehalten. Rechts die farbliche Zuordnung der
Adern zur Steckerleiste, die die Verbindung zum Nachbar­
modul schafft. Links die Verbindungen der Ringleitung mit den
Anschlussbuchsen der Handfahrregler.

Schalterleiste an einer Ringleitung


Um einen Zug von einer Betriebsstelle (Bahnhof) in die benachbarte Be-
triebsstelle innerhalb eines Stromkreises fahren zu können, bedient man
sich einer Blindleitung. An der willkürlich festgelegten Trennstelle, wo die
Zuständigkeitsbereiche der jeweiligen Bahnhöfe voneinander abgegrenzt
sind, werden die Anschlüsse der Gleisstrecken und die Anschlüsse der
Blindleitungen über Kreuz verbunden. Die Blindleitung speist den Fahr-
strom des Nachbarbahnhofs in den eigenen Betriebsstellenbereich ein.
Diese Schaltung ermöglicht es, einen Zug mit einem Fahrregler ruckfrei von
einem Bahnhof über die Trennstelle in einen anderen zu fahren. Stellt man
beim Fahrversuch einen Kurzschluss beim Überfahren der Trennstelle fest,
sind die Stecker der Blindleitung zu vertauschen (einpolige Darstellung).

Autorenprofil
Ralf Kryn, 1966 in Dortmund geboren, ist verheiratet und Vater von
zwei Kindern. Eisenbahn hat Tradition in seiner Familie – er war in
Um einen Gleisabschnitt an jeweils nur einen Stromkreis zu vierter Generation bei der Bahn und erlernte dort den Beruf des En-
ergieanlagen-Elektronikers. Nach dem Studium der Elektrotechnik
koppeln wird eine Schalterleiste verwendet. Beim Drücken
arbeitet er jetzt als Software-In­genieur.
einer Taste werden alle anderen Tasten entriegelt und dadurch Zum Hobby Modellbahn kam er über eine Märklin-Anlage. Ihn fas-
nur der Stromkreis der gedrückten Taste geschlossen. Die abge- ziniert besonders die Realisierung eines vorbildgerechten Betriebs und die dazugehöri-
setzte rote Taste der Schalterleiste bewirkt ein sofortiges ge Technik. Heute hat er vor allem sein Herz an die Schmalspur verloren. Seine Vorliebe
gilt der Deutschen und Schwei­zerischen Bundesbahn der sechziger Jahre. Außerdem
Abschalten der Spannungszufuhr zum Gleisabschnitt (FREMO).
beschäftigt er sich gern mit der Furka-Oberalp-Bahn und der Rhätischen Bahn.

Modellbahnschule 3 79
Z w e i O r t s f a h r re g l e r trische Ver­bin­dung zwischen
Er­weiterung der Ver­ den Modulen gemacht.
drahtung eines einfa-
Der Freundeskreis Euro­ pä­
ischer Modellbahner (FREMO)
chen Bahnhofs nach
Elektrik

e. V. hat ein Sys­tem ent­wickelt,


den EMFS-Richtlinien
das auf ei­ner achtpaarigen Ring­
zum Anschluss eines lei­tung für H0-Regelspur beruht.
zweiten Ortsfahr­reg­ Diese Ringleitung ermöglicht
lers. Das kann ein dem Modellbahner zum einen
Walk-Around-Hand­­ das Fahren seines Zuges über die
regler sein. gesamte Aus­dehnung der Mo­
dul-Anlage. Zum anderen kann
die Anlage in mehrere Fahr­
M o d u l v e rd ra h t u n g abschnitte unterteilt werden, auf
denen unabhängig voneinander Die Steuerung der Lokomotiven
Züge unterwegs sein können. Als auf dem Modul erfolgt über
Verbin­dungs­elemente bevorzugt Orts­fahr­regler. Jederzeit kann
der FREMO Messer­federleisten mittels einer seitlichen Buchse
wegen ihr­er Robustheit. ein Hand­fahr­regler zusätzlich
an­­geschlossen werden.
Eine einfachere Alternative ha­
ben die Eisenbahn- und Modell­
bahn­freunde Sieben­gebirge e. V. im Wesentlichen auf dem einfa­
(EMFS) in ihren Richt­ linien für chen elektrischen Aufbau der Ei­
H0e-Module be­schrieben. Hier senbahn- und Modell­bahn­freun­
können zwei Zugbewegungen de Sie­ben­gebirge. Statt Telefon­
unabhängig voneinander mittels buchsen übernehmen jedoch
einer zusätzlichen Blindleitung Mes­ser­steck­ver­bin­dungen die
Die beiden Buchsen­leisten an den jeweiligen Modultrennstellen
ausgeführt werden. Vor allem aus elektrische Kopp­lung der Modu­
Preisgründen werden Viermilli­ le un­tereinander.
werden über eine zentrale Löt­ leiste miteinander verbunden.
meter-Te­lefon­buchsen einge­ Der Verein Bergische Eisen­
Damit lassen sich Fehler­bei der Verdrahtung weitestgehend
setzt, also Bananenstecker mit bahn-Freunde e. V. benutzt
ausschalten. Durch konfektionierte Verbindungsleitun­gen wird den dazu passenden Buchsen. eine 30-polige Leitung, die ca.
der gesamte Aufbau der Verdrahtung über­­sichtlicher gestaltet Die von der Mo­dell­bahn­ab­ 1,20-1,30 Meter lang ist und
und vereinfacht (Furka-Gruppe). teilung der Dampf­ bahn Furka sechs Schalter aufweist. Als
Berg­­strecke (DFB) entwickelten Stecker dienen Messerfeder­
U n a b h ä n g i g e S t e u e r u n g m i t z w e i O r t s f a h r re g l e r n Furka-Modul-Nor­men beruhen leisten für die Schaltströme

Gute Kontakte zwischen den Modu­


len erhöhen den Fahrspaß und
ma­chen den Betrieb sicher.

Bei größer angelegten Bahnhöfen ist es sinnvoll, zwei Orts­


fahrregler in ein Modul einzubauen, um zwei Lokomotiven
un­ab­
hängig voneinander steuern zu können. Mit dieser
Schaltung wird dies ermöglicht. Außerdem können so Züge
vom Nach-barmodul geholt bzw. ins Nachbarmodul geschickt
werden. Schalter C wählt die Richtung, in der der gewünschte
Nachbar­bahnhof liegt. Schalter B bietet die Auswahl zwischen
dem Ortsfahrregler 2 oder Schalter C. Schalter A hat die
Alternativen Strom von Schalter B oder von Ortsfahrregler 1
oder „Aus“. Über diesen Schalter werden die ausgewählten
Gleisabschnitte mit Strom versorgt (Furka-Gruppe).

80 Modellbahnschule 3
und normale DIN-Buchsen für dung den unbestreitbaren Vor­ Steckverbindungen (Bestell-Nummern)
eine Kommunikationsleitung. teil, dass bei der Verbin­ dung Type Art Conrad RS Comp. Farnell
Die sechs Schalter dienen zur mehrerer Module unterschiedli­
Sub-D9 Buchse 742082 465-261 150-730
Schaltung der Blockstellen. cher Besitzer mit diesen Klem­
Sub-D9 Stecker 742066 465-255 150-726
Al­­­le Module können sowohl men der Kontakt mittels einzel­
Sub-D15 Buchse 741680 465-283 150-731
am Anfang einer Blockstrecke, ner Leitungen schnell und den
mit­ ten drin oder an deren Ge­ge­ben­heiten des Modulüber­ Sub-D15 Stecker 741663 465-277 150-727
Ende stehen. Je nach Standort ganges entsprechend hergestellt Sub-D19 Buchse 741310 – –
werden unterschiedliche For­ wer­den kann. Die Lüsterklemm­ Sub-D19 Stecker 741280 – –
de­r­un­gen an die Elektrik eines reihe A sollte am nördlichen und Sub-D23 Buchse 741329 – –

Zeichnungen: Eisenbahnfreunde- und Modellbahnfreunde Siebengebirge e. V.


je­den Mo­­­duls die Lüsterklemmrei­ Sub-D23 Stecker 741299 – –
ge­ stellt, die durch Vereine ent­ he B am südlichen Sub-D25 Buchse 741698 465-306 150-732
ge­zieltes Um­­­­­­legen wickeln für Modulseitenteil an­ Sub-D25 Stecker 741371 465-299 150-728
der Scha­l­ter er­füllt gebracht sein. Die Sub-D37 Buchse 741426 465-328 150-733
werden. ihre Module Lüster­klemm­rei­he A Sub-D37 Stecker 741400 465-312 150-729
Damit mehrere Ver­bind­ungs- ist für ein Schnitt­stel­ Sub-D50 Buchse 741485 465-340 150-835
Vereine ihre Modul­ Normen len­modul zwingend Sub-D50 Stecker 741418 465-334 150-834
anlagen zu einer gro­ vorgeschrieben, da
Centronix 14 Buchse 740268 473-795 285-031
ßen Anlage zusammenstellen diese Klemmreihe für die Fahr­
Centronix 14 Stecker 740250 473-773 285-018
können, sollte im Rahmen der stromeinspeisung auf dem Mo­
Centronix 24 Buchse 740284 470-601 147-750
NEM die Schnittstelle zwischen dul benötigt wird.
Centronix 24 Stecker 740276 470-645 147-748
zwei unterschiedlichen Cluban­ Die Klemm­reihe B ist optional,
lagen genormt werden. Laut der da sich in dieser einige Datenlei­ Centronix 36 Buchse 740306 470-623 147-752
Empfehlung nach NEM 908 D tungen für Gleisbesetztmeldun­ Centronix 36 Stecker 740292 470-651 147-749
müssen dort zwei Stecker in gen befinden, die nicht für alle Centronix 50 Buchse 740322 473-824 285-043
Form je einer SUB-D25-Verbin­ Module erforderlich sind. Der Centronix 50 Stecker 740314 473-789 285-020
dung (nach DIN 41652) ange­ Leitungsquerschnitt sollte nicht Messer 8 Buchse 740020 100-6217 –
bracht sein. Da die Norm nur ei­- kleiner sein als 0,75 Quadratmil­ Messer 8 Stecker 740012 100-6201 –
Fotos: Ralf Kryn (6), Markus Tiedtke (4)

ne Empfehlung und an dieser limeter, da eine Modulanlage Messer 12 Buchse 740047 100-6239 –
Stelle nicht verbindlich ist, ist es große Ausmaße und somit ei­ne Messer 12 Stecker 740039 100-6223 –
ratsam, eine andere Steck­ ver­ enorme Länge erreichen kann. Messer 16 Buchse 740080 100-6251 –
bindung in Form von zwei zwölf­ Der Spannungsverlust wäre Messer 16 Stecker 740071 100-6245 –
poligen Lüster­klemm­leisten für sonst zu groß und würde sich Messer 20 Buchse 740080 100-6289 –
2,5 Quadratmillimeter ­Lei­­tungs­­­- bei den Funktionen weit ent­
Messer 20 Stecker 740071 100-6267 –
quer­schnitt zu wäh­len. Diese hat fernter Module bemerkbar ma­
Messer 30 Buchse 740101 100-6302 –
gegenüber der SUB-D-Ver­ bin- chen. Frank Berster, Ralf Kryn
Messer 30 Stecker 740098 100-6295 –

Bezugsadressen: Conrad Elektronik (Conrad)


Klaus-Conrad-Straße 1
92240 Hirschau
RS Components GmbH (RS Comp.)
Hessenring 13b
64546 Mörfelden-Walldorf
Farnell Electronic Components GmbH (Farnell)
Grünwalder Weg 30
82041 Deisenhofen

! KONTAKTPFLEGE Kontaktadressen
Wer Wert darauf legt, über seine Freundeskreis Europäischer
Modul-Steckverbindungen für
Modellbahner (FREMO) e.V.
längere Zeit „gut­ en Kontakt“
Postfach 100 536
zu haben, sollte folgende
Regeln un­bedingt beachten:
46205 Darmstadt
http//www.fremo.org
1. Die Steckverbindungstype
nach der zu erwartenden Eisenbahn- und
Stromstärke auswählen. Modell­bahn­freunde
2. Steckverbindungen sorgfältig Siebengebirge e. V.
und – vor allem – ohne Wolfgang Schmitz
Gewalt­an­wendung zu­sam­- Bernhard-Klein-Straße 2
menstecken und lösen. 53604 Bad Honnef
3. Öffnen und Zusammenste-
cken der Kupplungen und Furka-Modul-Gruppe NRW
Stecker einer Steck­ver­bindung Heinz und Franz Waffel
nur im spannungslosen Auf der Kluse 20a
Zustand. 44263 Dortmund

Modellbahnschule 3 81
Werkstatt

Holzarbeiten im grö­
­ßeren Rahmen sind
Grundlagen des An­­
lagenbaus. Es fallen
viele Holz- und
Säge­spänereste an,
weshalb in dieser
Bau­phase ein geeig-
neter Raum gesucht
werden sollte.
Das für den Unter­
bau benötigte Werk­
zeug findet man da­­
gegen in der Regel
in seinem ei­ genen
Werk­zeug­schrank.

Umfangreiche Holzarbeiten erfordern keinen allzu großen Werkzeugpark.

Wo gehobelt
82 Modellbahnschule 3
Die Wahl der richtigen Werkzeuge und

wird ...
Ver­
bindungsmaterialien sind Garant für
einen soliden Holzunterbau. Eine Schrei­
nerlehre ist dafür nicht notwendig.

Modellbahnschule 3 83
Werkstatt

2 Die Bohrlöcher sollte man im oberen Bereich erweitern, damit sich Schrau­be­ n­köpfe
versenken lassen. Hier übernimmt ein steinerner Kugelfräser die Arbeit.

Sägekanten durch die großen An­schlag­winkel, der am besten


Sägen genauer und die Ecken stabil und daher aus Metall sein
sind exakt im rechten Winkel. sollte. Mit ihm werden alle rech­
Das Holz muss man ohnedies ten Winkel auf alle möglichen
kaufen und der Zuschnitt kostet Hölzer und Latten übertragen,
nichts extra, er ist in den Quadrat­ und das sind mehr, als man viel­
meter­preis bereits eingerechnet. leicht an­nimmt.
1 Exakt vertikale Bohrungen gelingen mit einem Bohr­ So entfällt im heimischen Sor­ Für das Anzeichnen längerer
ständer. Hier lassen sich auch mehrere Bretter timent bereits ein Werk­zeug der gerader Linien eignet sich der
ge­meinsam bohren. Es empfiehlt sich beim Durch­ gehobenen Preisklasse: Die Kreis­ Zollstock nicht. Hier ist ein länge­
bohren die Verwendung einer schützenden Unterlage. ­­säge, mit der sich gerade Schnitte res Stahl­ lineal empfehlenswert.
durchführen lassen. Über zwei Mar­ kierungsstriche
Die Idee, mit einer Handsäge wird eine Linie gezogen. Lange
oder einer elektrischen Stichsäge Linien gelingen mit Hilfe einer

D
ie Herstellung eines so­ Grund­­ausstattung an Werkzeu­ entlang einer aufgezeichneten Holz- oder Kunststoffleiste, die
liden Unterbaus für gen und eine durchdachte Vor­ Linie einen längeren, geraden aber gerade sein muss und nicht
ei­ne Anlage oder ein planung auf dem Papier ist schon Schnitt zu erzielen, kann man ge­ verzogen sein darf. Mit einer
Modul erfordert viele „die halbe Miete“. Und diese trost vergessen – er gelingt nur Schraub­ zwinge oder Klemme
Hand­griffe und vor allem Werk­ Grund­aus­stattung braucht man absoluten Profis, und das nachfol­ hält man die Leiste auf ihrem Platz
zeuge. Über die passende Aus­ sich bis auf ein paar Ausnahmen gende, mühsa­ und kann so auf
stattung mit Werkzeugen und auch nicht extra wegen des me Glatt­ho­beln Ingenieurstudi­um den zweiten
deren Handhabung wollen wir Modellbahnhob­bies anzuschaf­ oder -schlei­­fen Mann verzich­
mit aufschlussreichen Bildern fen, meist hat man das Notwen­ ist kein genaues
nicht notwendig ten. Verschiede­
und einer Tabelle informieren. digste ohne­hin zu Hause. Arbeiten. Zwar lassen sich mit ne Ma­ße und Hilfslinien markiert
Die Erstellung eines standfe­ Die großen Holzteile von Plat­ einiger Mühe gerade Kanten er­ man mit verschiedenfarbigen
sten Unterbaus setzt nicht notge­ ten, Spanten und Trassen sollte zielen, aber ob die gewünschten Stif­ten. Mit ihnen zeichnet man
drungen eine Schrei­nerlehre vor­ man sich im Baumarkt zuschnei- Maße dann genau stimmen, darf Alterna­tiv­maße oder unter­
aus. Eine sinnvolle den lassen. Dort werden die bezweifelt werden. Rechteckige schiedliche Hö­hen­linien etc. auf.
Tischler- oder Sperrholzplatten, Beim Auf­zeichen auf Holz gilt
aus denen man nur noch den der Grundsatz, dass man jeden
Land­schaftsverlauf auszusägen Strich nur einmal zieht! Hin und
braucht, führen viel schneller her gefahrene Linien werden
zum Erfolg. breit und ungenau und lassen ein
Es empfiehlt sich, die be­ Ablesen des Maßes kaum zu.
nötigten Teile verkleinert Von einem Geodreieck kann
aufzuzeichnen und sich man Winkelmaße ablesen und
die entsprechenden sie an einem verstellbaren Me­
Maße auszurechnen. tallwinkel einstellen. Es ist ein hilf­
Holzstärken an­gesetzter reiches Instru­ment beim Bau von
Platten dürfen dabei Modulen, wo nicht nur rechte
Für das Anzeichnen nicht vergessen werden. Winkel vorkommen, sondern an
von Maßen benötigt
Zum Einstieg in die Kurvenmodulen verschiedene
man:
Kon­struktion steht Mes­sen Krümmungen gewünscht wer­
p  Bleistift und farbige und Zeichnen auf dem Pro­ den. Diese setzen sich auch auf
Stifte, Stahl­lineal, gramm. Einen Zollstock, Blei­ dem Untergestell fort, weshalb
Schieb­lehre (links), stifte und Spitzer hat sicher jeder man auf den variablen Winkel
Schraub­zwinge, zu Hause. Un­ abdingbar ist ein nicht verzichten kann.
Leimklemme (oben),
An­­s­chlag­­winkel, ver­
stellbarer Win­kel,
84 Modellbahnschule 3 Zollstock. (rechts).
3 Beim Kreisbohrer hebt sich der ausgesägte Kreis mit heraus. 4 Die Sägekanten sollten durch Schleifen unbedingt gebrochen werden.

Das A und O beim Anlagen- xieren, damit nichts verrutscht.


unter­bau ist neben dem Zu­ Wer seine Anlage in mehreren
schnitt der Bretter das Bohren Segmenten oder Modulen plant
von Löchern. Erst damit kann und die Stirnwände pass­genau
man in die Phase eintreten, Teile miteinander verschrauben will,
miteinander zu verbinden. Eine sollte sich die Anschaffung eines
elektrische Bohrmaschine ge­ Bohr­ ständers überlegen. In ihn
hört heute eigentlich in jeden wird die Bohrmaschine einge­
Haushalt, Wenn nicht, besorgt spannt und beim Bohren mittels
man sich gleich eine mit Rechts-/ eines Absenk­mechanis­mus’ ex­
Linkslauf, die dann möglicher­ akt senkrecht nach unten geführt.
weise noch eine verstellbare Ge­ Bohrt man nun die Verbindungs­
schwindigkeit hat. So lassen sich löcher in einem Arbeitsgang in
im nächsten Schritt die Schrau­ die zusammengeklemmten, be­
ben gleich maschinell ein- und n a c h­b a r t e n
ausdrehen. Profis legen Stirn­ 5 Das angezeichnete Loch wird vorgekörnt, damit der
sich ein Schnell­ ­ Bohrer beim Ansetzen nicht verrutscht.
spann­­fut­ter zu, um
sich die lästige
Hand­h a­b ung
eines Ma­schi­ dübel, zusätzlich miteinander nen und im Holz längst nicht so
nen­schlüs­sels zu verbinden. Auch hier­­ für sind gut halten wie Schrauben.
ersparen. Mit ei­ exakt dec­kungs­glei­che Bohrlö­ Zur Verwendung gelangen so­
nem Griff sind Boh­ cher in beiden Stirnseiten ver­ genannte Spax- oder Mon­ ta­
rer oder Bithalter aus Zum Sägen sollte man schiedener Segmentkästen geschrauben mit einem Senk­
dem Futter ge­tauscht. benutzen: zwingend erforderlich. kopf. So kann die eingedrehte
Das Bohren von maßgenauen p Feinsäge, Gehrungs­ Natürlich kann man auch Ver­ Schraube vollkommen im Holz
Löchern erfordert eine exakte lade (links), Stichsäge bindungen mit Metall­stif­ten her­ verschwinden, ohne dass etwas
Markierung. Der aufgezeichnete mit Säge­blättern stellen, je nach gewählter Mo­ davon übersteht. Diese Schrau­
Punkt wird mit einem Vorkörner, (oben), kleine Bügel- dulnorm oder zu erwartender ben haben meist Kreuzschlitze,
Versenker oder Vorstecher wei­ oder Pucksäge mit Beanspruchung. Die erforderli­ die ein maschinelles Verschrau­
ter vertieft, so dass man die Ma­ auswechselbaren chen Bohrungen erstellt man auf ben begünstigen.
schine ge­nau ansetzen kann und Sägeblättern (grob die gleiche Art wie die Löcher für Vor der Verschraubung bohrt
der Bohrer beim nachfolgenden und fein). die Holzdübel. man ein kleines Loch vor, tief
Bohrgang nicht seitlich aus­ Feste oder auch wieder lösba­ genug, um mit der Schraube das
weicht bzw. wandert. Dies wird bretter, sitzen sie genau über­ein­­ re Holzverbindungen stellt man Holz wegen auftretender Materi­
allerdings überflüssig, wenn man an­der. Die zu verbindenden Seg­ sinnvollerweise über eine Ver­ alspannungen nicht zu spalten.
Holzbohrer verwendet, die diese men­te (meist als eine Art Kasten schraubung her. Nägel dienen Der Durchmesser der Bohrung
Vorkörnspitze schon haben. Bret­ ausgeführt) sollte man nicht nur dabei lediglich als Fixierhilfe, entspricht in etwa der des Ge­
ter und Spanten kann man mit miteinander verschrauben, son­ denn für eine dauerhafte Verbin­ windeschafts. Fällt er allerdings
Brettspannern, Schraubzwingen dern über hölzerne Füh­ dung taugen sie nicht, da sie sich größer aus, steht dem Gewinde
oder in einem Schraubstock fi­ rungsstifte, so genannte Holz­ mit der Zeit wieder lockern kön­ weniger Ma­ teri­
al zur Verfü­

Modellbahnschule 3 85
Werkstatt

7 Der Einbau des Spantes wird mit


dem Anschlagwinkel kontrolliert.

8 Mit einem elektrischen Schwingschleifer lassen


sich größere Flächen abschleifen und glätten.

6 Die Bohrmaschine ist beim Bohren möglichst gerade zu halten. es sich, sie mit größeren Löch­ern sägeblätter achten. Sie richten
zu versehen. Diese Öffnungen sich nach dem zu bearbeitenden
ent­­stehen mit einem Lochboh­ Holz und seiner Stärke. Für ex­
rer, dessen Konstruktion und trem enge Kurvenschnitte gibt es
gung, in das sich das Gewinde aus Kanthölzern noch zusätzli­ Wir­kungs­weise sich aus den Bil­ spezielle schmale Sägeblätter.
einkrallen kann; die Schraube cher Nagelbleche oder Holz­ver­­­ dern ersehen lässt. Mit i­hm kann Alle Sägeschnitte müssen im
findet nicht genügend Halt. Sie bin­der bedienen, die an den man auch Öffnungen für Kabel­ Nachgang geglättet werden, da­
wird ma­­nuell oder maschinell, z. B. Kreuzungspunkten der Hölzer durchführungen schaffen. mit man sich an abstehenden
mit einem Akkuschrauber und festgeschraubt werden und dem Sägearbeiten wer­den in Form Holzfasern nicht verletzt und die
passendem Bit, eingedreht. Sie Gan­zen einen festen Halt geben. von Aussägearbeiten mit einer Sache auch optisch feiner ausfällt.
schneidet sich so ihr Gewinde Vor dem endgültigen Ein­dre­ elektrischen Stichsäge erforder­ Schleifschwämme, auf Blöcke
selbst, ohne die Faserstruktur des hen der Spaxschraube sollte das lich. Auf diese Maschine sollte aufgezogenes Schleif­pa­pier und
Holzes zu zerstören. äußere Bohrloch so vertieft wer­ man nicht verzichten, denn diese Feilen leisten hier gute Dienste.
Sich ausschließlich nur auf eine den, dass der Schraubkopf darin Arbeit mit einer Handstich- oder Beim Schleifpapier gibt es unter­
Holzleimverbindung zu verlas­ verschwinden kann. Hierzu dient gar Laubsäge vornehmen zu wol­ schiedliche Körnungen. Grobe
sen, ist nicht in allen Fällen ratsam. ein Versenker oder ein Kegelfrä­ len, hieße den Schleifarbeiten
Stark beanspruchte Klebenähte ser. Behelfen kann man sich auch Arbeitsaufwand Ritze, Ratze mit erhöhtem
können sich ohne eine zusätzli­ mit einem deutlich größeren und die Mühe voller Tücke . . . Abtragvermögen
che Verschraubung wieder lösen. Boh­rer. Die eingelassene Schrau­ zu vervielfachen nimmt man mit
Für eine bombenfeste Holz­ver­ be kann man durch Überspach­ und den Murks vorzuprogram­ Körnung 60 oder 80 vor. Mit hö­
bindung sollte die Schraub-/ teln mit Holzspach­tel­mas­se op­ mieren. Ähnlich sinnvolle Säge­ herer Körnungszahl wird das Pa­
Leimmethode eingesetzt wer­ tisch verschwinden lassen. arbeit ist das Ablängen und Zu­ pier immer feinkörniger und der
den. Zudem kann man sich für Um Gewicht bei Spanten­plat-­ schneiden von Latten, Kanthöl­ Schliff immer sauberer. Bei Holz­
den Unterbau ten einzusparen, empfiehlt zern, Streben usw. Für Gehrungs­ arbeiten im Rahmen des Anla­
schnitte (im Winkel von 45°) ist genbaus kann man mit 240er-
die Anschaffung einer Schneid- oder 360er-Schleifpapier schon
oder Gehrungslade sinnvoll. Die­ beste Ergebnisse erzielen. Flächi­
se Schnitte vollführt man mit ges Schleifen bedingt eine ebene
einer Feinsäge mit geeigneter Unterlage für das Schleifpapier.
Zahnung und oberer Verstär­ Maschinell kann man sich eines
kung. Sägeschnitte mit der Schwing- oder Exzenterschleifers
Hand gelingen nicht bedienen, sollte da­bei aber die
Zum Bohren und jedem auf Anhieb. Am Staubentwicklung beachten.
Verschrauben sind Anfang sollte erst der Manuell hilft ein Schleifklotz aus
notwendig: Führungsschnitt stehen, Kork oder Kunststoff weiter.
p Bohrmaschine mit bei dem die Säge ohne Raspeln sind für richtig grobe
Maschinenschlüssel Druck auf Zug geführt Schleifarbeiten, wenn z. B. größe­
(links oben), Sortiment wird. Die vorhandene re Bereiche abgetragen oder er­
Bohrer inkl. Holz­bohrer Zah­nung der Säge spielt weitert werden sollen. Gut geeig­
(links), Ver­sen­ker, dabei auch eine wesentli­ net sind Rundraspeln z. B. zur Er­
Kegelfräser oder che Rolle. weiterung von Bohrlöchern.
Steinfräser (links), Holz­ Beim Sägen mit der Stichsä­ Das Grundgerüst entsteht aus
leim (oben), passende ge sollte man auf passende Stich­ Kanthölzern. Beim Verzahnen der
Schrauben­dreher
(oben rechts), Akku­
schrau­ber mit passen­
86 Modellbahnschule 3 den Bits.
Ü B E R B L I C K-TA B E L L E
Grundausrüstung erweiterte Ausrüstung Verwendungszweck
Zollstock Messinstrument
Bleistift zum Anzeichnen von Maßen
farbige Stifte zum Anzeichnen von anderen Maßen,
Maßänderungen
Stahllineal zum Anzeichnen längerer Linien

Fotos: Horst Meier (13), Roland Scheller (1), Markus Tiedtke (1)
Anschlagwinkel zur Übertragung des rechten Winkels auf Holz
Geodreieck, Winkelmesser zur Maßvorgabe bei variablen Winkeln
verstellbarer Winkel zum Übertragen von variablen Winkelmaßen
auf Holz
Körner zum Vorkörnen von Bohrlöchern
Spitzbohrer, Vorstecher zum Vorkörnen von Bohrlöchern
Schraubstock, Brettspanner zum Festlegen von Brettern und Werkstücken
Wasserwaage für exaktes Ausrichten des Unterbaus
Bohrmaschine zum Bohren von Löchern, Schrauben
Bohrmaschine mit Schnell- zum Bohren von Löchern, Schrauben
spannfutter (komfortablere Ausführung)
Sortiment Bohrer zum Bohren von Löchern
Sortiment Holzbohrer für exakteres Bohren von Löchern
Lochbohrer zum Bohren von großen Öffnungen
Versenker, zum konischen Vergrößern der Bohrlöcher
(ersatzweise großer Bohrer) und zur Aufnahme des Schraubkopfes
Bohrständer für exakt senkrechte Löcher (in Verbindung
mit Bohrmaschine)
elektr. Stichsäge für Holzzuschnitte, die keine exakt gerade
Kante verlangen
Sortiment Stichsägeblätter unterschiedliche Sägeblätter für verschiedene
9 Mit der Stichsäge wird aus den rechteckigen Spanten Holzsorten und stärkere Kurvenschnitte
der spätere Landschaftsverlauf ausgesägt. Handsäge/Fuchsschwanz zum Ablängen von Latten
Schneid- oder Gehrungslade für schräge oder senkrechte Schnitte von
Leisten
kleine Bügel- oder Pucksäge für kleinere Holzanpassungsarbeiten
elektrische Kreissäge für Holzzuschnitte, die eine exakt gerade
Hölzer werden die Zapföffnun­ schen Schraub­ kopf und Holz­ Kante verlangen, Selbstzuschnitt von
gen an den Latten zunächst vor­ platte gelegt werden. So können Plattenteilen
elektrische Tischkreissäge dto., absolutes Profiinstrument
gesägt, dann der herauszutren­ Schrau­ben und Muttern das Holz Holzraspel für grobe Holzanpassungsarbeiten
nende Klotz mit einem Stechbei­ bei festem Anziehen wenig schä­ Rundraspel zum Vergrößern von Bohrlöchern
tel herausgeschlagen und abste­ digen. Schleifschwamm zum Abschleifen rauer Sägekanten
hende Fasern mit der Raspel ab­ Gewindeschrauben gibt es Schleifklotz und Schleifpapier zum Abschleifen, unterschiedlich starke Schleif-
körnungen sinnvoll
geschliffen und mit ei­ner Feile mit unterschiedlichen Köpfen.
Feile Abschleifen von Holzkanten und Glätten von
oder Schleif­­- Rund- und Sechs­kant­köpfe sind Raspelschliffen
sehr verbreitet, wobei sich letzte­ Dreieckfeile für Feilstriche in Ecken
re mit Schrauben­schlüs­seln sehr elektrischer Schwingschleifer zum Abschleifen größerer Holzflächen
gut fest­ziehen lassen. elektrischer Exzenterschleifer zum Abschleifen größerer Holzflächen
(alternativ)
Für optisch saubere Lösungen
Schraubendreher, für händische Verschraubungen
empfehlen sich Schloss­ schrau­ (unterschiedliche Größen)
ben, die einen halbrunden Kopf Akkuschrauber mit verschie- für leichtere und zügigere Verschraubungen,
ohne Schlitz haben. Dahinter sitzt denen Bits verschieden große Bits beschaffen
ein Vierkant, der sich im Holz Holzkit, Holzspachtelmasse zum Überspachteln sichtbarer Schraubköpfe
„festkrallt“. Die Verbindung wird Spachtel für das Überspachteln mit Spachtelmasse
Die Verbindung von
und den Landschaftsbau
Segmenten und über eine Mutter auf der Rück-
kräftiger Hammer zum Einschlagen von Einschlagmuttern,
Modulen lässt sich seite erreicht. Anheften von Schrauben und Stemmarbeiten
herstellen mit: Schnell lösbare Verbin­dun­gen Stemmeisen/Stechbeitel zum Herausstemmen von Zapföffnungen und
wie bei Modulen erhält man Holzanpassungen
p  Gewindeschrauben
mit Sechskantkopf durch die Verwendung von Flü­ Klemme zum Halten der Werkstücke, für Druckver-
bindung beim Leimen
(links), unterschiedlich gel­schrau­ben und -muttern. Die­
Spannband, Möbelgurt zum Halten größerer Werkstücke, für Druck-
breite Unter­­leg­ se lassen sich mit der Hand fest verbindungen beim Leimen
scheiben (oben), anziehen. Man kann die Flügel­ Schraubzwingen zum Halten der Werkstücke, für Druckver-
Flügel- und Schloss­ mutter auch mit Schlossschrau­ bindung beim Leimen
schrauben (oben ben kom­binieren. Eine ebenfalls Drahtbürste Reinigung von Werkzeugen (Feilen, Raspeln)
rechts), Flügel­schrau­ gute Verbindung ergeben Ein­ Holzleim für Holzverleimungen
ben verschiedener Holzleim, wasserfest für Holzverleimungen, die sich unter Feuchtig-
schlagmuttern. Das sind Innenge­ keitseinfluss nicht lösen sollen
Größen kombiniert mit windestücke mit Kral­len, die in Flachpinsel für flächiges Auftragen von Leim
Ein­schlagmuttern.
ein vorgebohrtes, passendes Holzdübel für Führungsverbindungen von Segmenten
Loch mit einem Hammer von und Modulen
Nägel (Sortiment) zum Anheften von Holzteilen bis zur end-
schwamm endgültig  geglättet. einer Seite her eingeschlagen
gültigen Befestigung
Die Verbindung der Holz­seg­ werden und dort fest sitzen blei­ Holz-, Spax- oder für Schraubverbindungen von Holzteilen,
mente untereinander er­ folgt ben. Von der anderen Seite wird Montageschrauben, (Kreuzschlitz)
durch Verschraubung mit Ge­ die passende Schraube einge­ (verschiedene Größen)
Gewindeschrauben Schrauben mit metrischem Gewinde für
windeschrauben. Auf das metri­ dreht und festgezogen. Die Ein­
lösbare Verbindungen zweier Holzteile
sche Gewinde der Schrau­ be schlagmutter kann allerdings nie­ Unterlegscheiben Metallunterlage für Schraube und Mutter zur
kommt als Ge­genpart die Mut­ter. mals von der Einschlagseite her Schonung des Holzes bei hohem Druck
Dabei sollten we­ gen des belastet werden, da die auftrete­ Sechskantmuttern Gegenpart für Gewindeschauben
Schrau­b­­­­druckes passende, mög­ nen Zugkräfte die Mutter wieder Flügelschrauben und -muttern metrische Schraubverbindung, die per Hand
festgezogen werden kann
lichst breite Un­ter­leg­scheiben, aus ihrer Krallenposition heraus­ Schlossschrauben metrische Schrauben, die einen abge-
zur Scho­nung des Holzes zwi­ ziehen würden. Horst Meier rundeten Kopf (für die Sichtseite) haben
Einschlagmuttern festsitzender, einzuschlagender Gegenpart
der Gewindeschraube
Nagelbleche, Nagelverbinder gelochte Metallplatten, mit denen Holzkon-

Modellbahnschule 3 87
struktionen fester miteinander verbunden sind
88 Modellbahnschule 3
Ansichtssache
Begrünung und Belaubung: Prägende Elemente der Modell-Landschaft

E Impressionen
ine sehr weite ordentlichen Vielfalt ihrer Ein­satz­
Weg­s trecke möglich­keiten.
liegt zwischen Hans Poscher, eben­­­­falls Mo­
den ersten Ge­ dellanlagenbauer aus dem Profi-
s­­­ tal­tungs­an­fängen von Lager, setzt alles ein, was ihm ge­

zu Wald
Landschaft für die Mo­ Adaptionen an das Thema fällt und was seinen gestalteri­
dellbahn und den aktu­ „Na­ tur“ eher zu verwirkli­ schen Ambiti­o­nen entgegen
ellen Schöpfungen von chen waren. Unverkenn­bar kommt. Ganz selbstverständlich
Modellbau-Profis, die ist der Trend, dem lebenden mischt er Na­­tur­pro­dukte mit syn­
Natur zum Vorbild ha­ Vorbild in Farbe, Form und thetischen Materialien. Das na­

und
ben und Natur im ge­ Struktur der Modelle und türlich wirkende Outfit erzielt er
wählten Maßstab zu Basis-Produkte immer nä­ mit der Airbrush-Pistole, die er
realisieren vermögen. her, bis zu einer kaum virtuos zu handhaben weiß.
Bastelte der Mo­ dell­ glaublichen Per­fektion, zu Josef Brandl, der professionelle
bahner früherer Tage kommen. Schöpfer von imposanten Groß­

Wiese
meist eine Landschaft Andreas S. Lüneburg geht anlagen, schwört auf das Matten-
um seine Fahr­strecken in seinen Landschaftsgestal­ Ma­terial von Silflor, das er in star­
herum, geht man heu- tun­gen einen ganz konse­ kem Umfang für seine Mo­
te vielfach den umge­ quenten Weg: Der Modell­ dellwiesen und -bäume verwen­
kehrten Weg: Der Gleis­ anlagenbauer, der sich wei­ det. Seine Ge­schicklich­keit und
körper wird integraler Bestandteil torte ließ sich meist kaum ver­ testgehend der Nenn­ größe 0 sein naturnah ge­ schultes Vor­
der mög­lichst naturnah gestalte­ leugnen. Der Modellanlagen­ verschrieben hat, verwendet für stellungsvermö­gen schaffen per­
ten Landschaft, er wird in sein na­ bauer, der Natürliches zu ge­ seine Modell-Na­ tur fast fekte Modelle, die aus sich heraus
türliches Umfeld eingebettet. stalten wünschte, war eben wei­ ausschließ­lich Mate­rialien natür­ lebendig und völlig realitätsnah
Die Frage, wie Natur ins Modell testgehend auf die eigene Phan­ lichen Ursprungs. Die Reinersha­ wirken. Grund­­sätzlich verpasst
zu bringen sei, dürfte sich den frü­ tasie bezüglich der Mate­rial­aus­ gen Naturals erfüllen seiner An­ der bayerische Modellanlagen-
heren Anlagen­bauern konzeptio­ wahl und auf seine hand­werk­ sicht nach in idealer Weise die Profi seinen Arbeiten ein Farb-
nell zunächst in weniger scharfer lichen Fähigkeiten für die Erstel­ Anforderungen an natürliche fi­nish aus der Sprühpistole.
Form ge­stellt haben. Denn einer­ lung von Wäl­dern, Wiesen und Farbe, natürliche Struktur und na­ Auf den folgenden Seiten wer­
seits dominierte der Fahrbetrieb, Feldern angewiesen. türliche Form. Vorteile, die für d­ en diese drei Modellan­la­gen­
andererseits existierte bereits ein Mit der Zeit wurden dann Ma­ diese Produkte sprechen, sieht er bauer, ihre Arbeitsweise und ihre
umfängliches Markt­angebot an terialien von einer Reihe von Her­ auch in ihrer leichten Verar­ künstlerischen Vor­stell­ung­en prä­
Bauwerken, die trotz verbreitet stellern entwickelt, mit denen beitbarkeit und in der au­ ßer­ s­ entiert. Lü­ne­­burg, Brandl und Po­
beschränkter Maßstäb­lichkeit scher, das sind drei eigenständige
viele Modell­bah­­ner­wünsche zu Kün­stler-Individuen, die nach lang­
erfüllen vermochten. Was dage­ en Jahren des Experi­men­tierens
gen an Land­ schaftsausstattung
verfügbar war, ließ sich wohl
Mit einer naturnahen mit unterschiedlichsten Mitteln
und Materialien zu ihrer ganz per­
kaum mit der Vokabel „naturnah“
belegen. Die Herkunft aus der Re­
Landschaftsgestaltung steht sönlichen Handschrift gefunden
haben. Ihre Schöpfungen weisen

und fällt jede Anlage durchaus Berührungs­punkte un­


tereinander auf, vor allem da, wo
es um das naturnahe Er­gebnis
geht. Markante Unterschiede lie­
gen in der Wahl des Materials, aus
Foto: Markus Tiedtke

dem ein jeder seine Natur schafft.


Klaus Peter Lang

Modellbahnschule 3 89
N
Ansichtssache

atur im Modell mit Na­


türlichem gestalten.
Fast ausschließlich Materialien eines von mehreren Streumate­rial-­Ty­
pen schafft Lüneburg die zusätzli­
Da­rin besteht, in ein
Schlagwort zu­sam­
natürlichen Ursprungs setzt Andreas che Bandbreite an Va­ria­tio­n­­en,
die er für eine realistische Wie­
men­gefasst, das Credo und das
Grundrezept, nach denen An­
Lüneburg zur Gestaltung seiner der­ gabe des natürlichen Be­
wuchses für notwendig erachtet.
dreas Lüneburg sei­ ne Modell­
bahnanlagen er­schafft. Der Gym­
Mo­dell-Landschaften ein. Sie sind, wie Das farbliche Endergebnis kann
für sich stehen. „Die Streu­ ma­
nasial-Lehrer aus Erlangen hat die
„Schöp­fungsgeschichte“ seiner
er sagt, sehr leicht zu verarbeiten und terialien sind vom Her­­steller so
dezent und na­türlich eingefärbt,
Anla­
Wei­
gen auf ganz individuelle
se modifiziert: Bei ihm
ermöglichen durch ihre Vielfalt in dass sich eine farbliche Nachbe­
hand­lung erübrigt“, meint er.
kommt zuerst die Landschaft und
dann die Eisenbahn. Womit er
Form und Farbe die Verwirklichung Feinste Nuancierungen in Ma­
terial und Farbton beherrschen
sich in harmonischem Ein­klang
mit der wirklichen Hi­storie befin­
praktisch jeden Gestaltungswunsches. auch die Gestaltung der vegetati­
onsfreien Böden. Die Reiners­ha­
det, was sich wie­ gener Palette

Natürlich die Natur


derum in der unterschiedlichs­-
Wahl seiner Un­ ter Natur-Materi­
terrichtsfächer alien für die­ sen
wiederspiegelt: Zweck erlaubt es,
Denn Lüneburg geographisch ein­

gestalten
lehrt neben Eng­ deutig bestimm­
lisch auch Geschichte. bare Re­gionen nachzubilden. So
Als intensiver Nutzer des In­ könnte beispielsweise das An­
formationsangebots der Fach­ lagenthe­ma „Spessartrampe“ mit
presse hat er selbstverständlich Böden und ungepflasterten We­
einen umfassenden Über­ blick gen aus dem dort typischen
über die Produkte, die der Markt Lie­­ferfirmen waren phantasielos, turnähe ist „herstellungsbedingt“ roten Sandsteinmaterial ausge­
bietet, und über Verfahrenstech­ ohne echten, beobachteten Be­ gegeben: 95 Prozent der Produk­ stattet werden. Selbstver­ ständ­
niken und Ma­te­ria­lien, die von zug zur Natur, einfach knallig, und te sind natürlichen Ursprungs. lich enthält das „mineralische
den einzelnen Anlagenbauern sind es teilweise heute noch“, ur­ Priorität hat für Lüneburg die Sortiment“ auch sonstige Bunt­
bevorzugt eingesetzt werden. teilt er. Was ihn nach wie vor bei Landschaft, der er ein naturnahes, sandsteine und Granite in al­len
Doch seit sich Lüneburg mit den Standardprodukten emp­ lebendiges Gesicht gibt. Die ge­ möglichen Farbvarianten und
dem Bau von Modellbahnanla­ findlich stört, ist die rigide Be­ samte Bodengestaltung, also Korngrößen.
gen beschäftigt, haben ihn im­ schränkung auf ein sehr schmales Wie­sen, Felder, Wege und sonsti­ Auch bei der Belaubung der
mer die „unmöglichen“ Farben Farbspektrum, das der unendli­ ge Partien ohne Pflanzen­wuchs Selbstbaubäu­ me und -büsche
der naturimitierenden Materi­ chen Farbvielfalt, wie sie die Na­ wird bei ihm zum größten Teil mit ver­lässt sich Lüneburg weitge­
alien der bekannten Hersteller tur bietet, einfach widerspricht. den Streu­ materialien von Rei­ hend auf das Sortiment von Rei­
gestört. „Die Farben der meisten Mangels Alternativen habe er ners­ha­gen bewerkstelligt. „Die nershagen. Büsche und kleinere
Produkte der entsprechenden jah­ relang mit Nachbearbeiten Viel­­­falt dieser Produkte erlaubt Baumexem­ plare entstehen aus
und farblichem Finish der verfüg­ praktisch alle Arten und Nu­an­cen dem be­währten Meer­schaum.
Autorenprofil baren Ausstattungsteile herum­ der Ge­ländedar­stel­lung“, erklärt Die zarten Stämm­chen grundiert
experimentiert. er. Allein das Thema „Wiese“ läßt er mit dunkler Stamm­farbe vor.
Andreas S. Lüneburg,
1958 in Kiel geboren,
Richtig zufrieden wurde er mit sich in mindestens vier verschie­ Aus klein geschnittenem Matten­
ist Lehrer für Englisch dieser Verfahrensweise nicht. Vor denen Grundvarianten darstel­ material entsteht die Grund­be­
und Geschichte an einigen Jahren nun hat Lüneburg len, die eine jahreszeitlich gebun­ laubung, die anschließend mit
einem Abendgymna- seine individuelle Arbeitsweise dene Gestaltung ermöglichen. dem Reinershagener Streu­­ma­
sium in Erlangen.
Als Kind kam er über
und seine Handschrift entwic­, Durch den gleichzeitigen Ein­satz terial verfeinert wird. Bei richtigen 
die „Weihnachtsanlage“ zur Modellbahn, kelt, die seiner persönlichen
was ihn aber nicht so recht gefiel; denn Grund­überzeugung naturnahen
nach den Feiertagen mußte sie wieder Gestaltens voll entspricht:
weggeräumt werden. Heute beschäftigt
er sich vorzugsweise mit dem Modellanla-
Nahezu aus­schließ­lich setzt er
genbau in Nenngröße 0 und schätzt vor für sei­ne Landschafts­gestaltun­
allem Nebenbahn-Themen. Seine Spezia- gen die Pro­dukte von Rei­ners­ha­
lität sind idyllische Landschaften. Als gen Naturals ein, die er – natür-
Autor von Spezialthemen hat er sich in der
Fachwelt einen Namen gemacht.
lich – auch über die Fachpresse
kennengelernt hat. Ein Probe­set
dieses Herstellers hat ihn letztlich
davon überzeugt, mit diesen Ma­
terialien für seine
Zwecke ab­
solut r­ ichtig
zu liegen. Es kommt auf die Nuance an. Vier mit Reinershagen Na­­
Denn Na­ turals gestaltete Wiesentypen mit deutlichen Unterschieden.

90 Modellbahnschule 3
Wiesen-Darstellung: Natürlich
matt wirkt das Begrünungs­ma­ Wuchtiger Baum im ländlichen
terial von Reinershagen. Milieu – der natürliche Baum­
wuchs ist nie symmetrisch.

Etwas Fingerspitzengefühl
ge­hört dazu, wenn Bäume ihr
Rindenpulver erhalten.

Aus feinen Seemoossbüschen


setzt Andreas Lüneburg die
Kro­­­ne eines Baums zusammen.

Fahr­strecken von bis zu 30 Me­


tern. Und obendrein be­ schert
ihm dieses Bauprinzip die Mög­
lichkeit, szenische Vielfalt ohne
Überfüllung zu realisieren.
Vor mehreren Jahren begann
Lüneburg, sich intensiv mit Nenn­
Fotos: Andreas Lüneburg

größe 0 zu beschäftigen. Und


seit­her ist er nicht mehr davon
losgekommen. Bei ihm entste­
hen Selbstbau­modelle, auch mit
dem Um­ bau von Fahrzeugen
beschäftigt er sich gerne. Seit vier
Bäumen verwendet er Drahtt­ bei den Begrü­nungen, auf eine Dabei seien sie sehr leicht zu ver­ Jahren hat er die Spur 0e für sich
rohlinge, die er in natürlicher Schluss­be­hand­lung mit Farbe. arbeiten und böten praktisch un­ entdeckt. Die kommt seinen
Baum­stamm­far­be grundiert. Das Das Problem der Farb­ än­
de­ endliche Variationsmöglichkei­ Platz­vorstellungen optimal ent­
Ge­rüst für die Belaubung bildet in rung und -ausbleichung durch ten für die Naturgestaltung auf gegen: „Ich kann mit 0e-Ra­di­en
diesem Fall Busch­werk. Seit kur­ Licht­einwirkung stellt sich Lüne­ der Mo­dell­bahn. Überzeugend fast wie in Nenn­größe H0 bauen
zem ex­peri­men­tiert er mit Stahl­ burg natürlich auch. „Nach ein seien außerdem die kompetente und habe trotzdem den faszinie­
wolle, mit der er bereits ausge­ paar Jahren muß man eben und ausführliche Bera­tung sowie renden Detaillie­rungs­grad der
zeichnete Er­gebnisse erzielt hat. etwas nachbessern“, erklärt er. die promp­te Lie­ferung. großen Spur“, schwärmt er.
Das letzte Fi­ nish, den „krönen­ Mit seinen bevorzugten Materi­ Bevorzugt beschäftigt sich Lü­
Vom Weihnachts-
den“  Ab­schluss der Laubkrone, alien brin­ge das allerdings keinen neburg mit Nebenbahn-The­men.
Eisenbah­ner zum
bilden auch hier wieder die fei­ besonderen Aufwand mit sich. Es „Da gibt es Wald, Feld und Acker
nen Blatt-Variationen von Rei­ genüge, die lichtgeschädigten Landschaftsgestalter und alles atmet Idylle“. Man sieht
ners­­hagen. „Von diesen an den Par­tien an der Oberfläche nach­ Immer an der Wand entlang es seinen Anlagen auch an: Idylle
na­türlichen Ori­ginal­formen ori­ zubehandeln – ganz einfach mit bei relativ geringer An­lagen­tiefe, liegt ihm mehr als Dramatik.
entierten Blätt­chen gibt es be­ dem Original-Streumaterial. das ist sein aus dem „Weihnachts- Doch Idylle läßt sich nicht ohne
stimmt etwa 20 in Form und „Kein anderer Anbieter bringt Frust“ entstandenes Lieblings­ Akribie im Modell gestalten.
Farbe unterschiedliche Ausfüh­ Produkte in einer derartigen Fein­ konzept Seine als „kleine Anla­ „Raus­gehen in die Natur und ge­
run­­gen“, er­zählt Lü­ne­burg. Bei heit auf den Markt wie Reinersha­ gen“ bezeichneten Schöpfun­gen nau beobachten, und erst dann
den so belaubten Mo­­dell­bäu­ gen“, begründet Lü­neburg sei­ne sind nicht tiefer als 30 bis 45 cm. an­fangen zu gestalten“, lautet
men verzichtet er, genauso wie Vorliebe für die­ se Materialien. Dafür entschädigt er sich durch seine Devise.

Modellbahnschule 3 91
E
Ansichtssache

ine Insel zum Ent­span­


nen, zum Träu­men, zum
Von der Natur abgucken ist für Hans len Flüssigkeit getränkt, bis sie
sich ganz vollgesogen haben.
Entfalten der Phantasie
– das verbindet sich bei
Poscher das Arbeitsprinzip Nummer Anschlie­ßend werden sie sorgfäl­
tig durchgetrocknet.
Hans Poscher in Viersen ganz ele­
mentar mit seiner Beschäf­tigung
Eins. Um möglichst nahe beim Vorbild Den ersten Schritt vorbildge­
rechter Farbgebung seiner Bäu­
mit der Modell­bahn. „Ich will mit
den Anlagen, Dioramen und Mo­
Natur zu gestalten, setzt er zum Bei­ me vollzieht der Viersener Mo­
dell­bahnspe­zialist mit der Einfär­
dulen, die ich baue, kleine heile
Welten schaffen“, meint er, wenn
spiel für die Belaubung seiner bung der Stämme und dicken
Äste in Airbrush-Tech­nik, seiner
er auf die Beweggründe für sein
Hobby, das er zum Beruf gemacht
Mo­dell­bäume und die Begrünung mit ganz besonderen Spezialität.
„Eine vorbildgerechte Be­lau­­bung
hat, angesprochen wird.
Harmonie der Ge­
Vorliebe Naturmaterialien ein. der Bäu­ me entsteht im We­
sentlichen mit den

Mikrokosmos mit
staltung, lebensvolle Pro­­dukten von Green
Szenen und Stimmig­ Scene und Woo­
keit bis ins kleinste dland“, führt er aus. Die
De­ tail prägen seine Belaubung der Baum­
Arbei­ ten, in denen kro­nen bezeichnet er

viel Leben
die Darstellung von doch als „etwas hei­
Na­tur eine wichtige, oft dominie­ kel“. Weder zu viel noch zu wenig
rende Rol­le spielt. „Natur ist mein Ma­terial soll es sein. Da kann er
Hauptthema, mit dem ich mich sich auf sein Fingerspit­zenge­fühl
als Modellanlagen­bauer am lieb­ verlassen, das er sich in langen
sten beschäftige“, bestätigt er. Jahren der Praxis erworben hat.
Die Anlagenausstattung mit sprechen“, begründet Poscher Modellbäume sind pflanz­lichen „Wichtig ist dabei, nur die Peri­
Modellbäumen und -sträuchern, seine Materialwahl. Generell gilt Ursprungs. Die filigranen „Roh­lin­ pherie der Baumkrone zu belau­
mit der „Bepflanzung“ des Bo­ für seine Naturgestaltungen die ge“ bestehen aus Meer­schaum, ben, um die Zweigstruktur sicht­
dengrun­des, spiegelt das wider, Devise: „Weg von den Standard­ ein Material, das den natürlichen bar zu erhalten“, er­klärt er. Eine
was die Anlagen des Viersener produkten“. Gemessen an seinen Baumwuchs in seinen Fein­heiten farbliche Nach­­behand­l­ung der
Mo­dell­bauers als Gesamt­kom­ Ansprüchen, vor allem, was die für Mo­dell­zwecke in idealer De­ gut ausgetrockneten Belau­bung
positionen auszeichnet. Höchst­­­ Farbgebung und Feinstrukturie­ taillierung verwirklicht. ist für Poscher unumgänglich.
mögliche Natürlichkeit in Form rung angeht, sei ein großer Teil Den ersten wichtigen Bear­bei­ Für die kleineren und feineren
und Farbe verbindet sich mit de­ der von den einschlägigen Her­ tungsschritt in der „Produk­ tion“ Baumarten sowie für Busch­werk
tailbewußter und außerordent­ stellern angebotenen Materi­ vom feingliedrigen Meer­ reichen die Meer­schaum­zweige
lich leb­­hafter Dar­stel­lung. alien „nicht gerade das Gelbe vom schaumzweiglein zum Modell­ allemal. Für kräftigere Exemplare
„Selbstverständlich setze ich Ei“. Die Grün-Töne der Bäume baum nennt Poscher „elastifizie­ setzt er auch geätzte Messingteile
Materialien ein, die sich mög­ und der Matten zur Wiesenge­ ren“. Das Aus­ gangsmaterial ist ein, die sehr realistisch durchge­
lichst nahe am Thema Natur be­ staltung beispielsweise wiesen in durch den Trocknungsvorgang staltet und äußerst stabil sind.
finden, die auch ihre Sprache den meisten Fällen eine nur ent­ sprö­­de geworden. Um nun das Zur Begrünung seiner Anlagen
fernte Ähnlichkeit mit natürlicher Grund­gerüst des entstehenden verwendet Poscher Silflor-Mate­
Autorenprofil Farbigkeit auf. „Wer eine mög­ Modellbaumes für Anlagenzwe­ rialien in den un­ter­schiedlichsten
lichst naturnahe Darstellung von cke geeignet zu ma­chen, muss es Farbtönen. Für eine Wiese oder
Hans Poscher, 1960 im
Nieder­rheinischen ge-
Wäldern und Wiesen wünscht, durch hö­here Elastizität bruchsi­ Weide zum Beispiel hat er eine
boren, ist gelernter kommt um eine farbliche Nach­ cher wer­­den. Die Meerschaum­ ei­gene Technik entwickelt: Er zer­
Maler und Lackierer. behandlung der von der Indu­ zwei­ge werden mit einer speziel­ ­pflückt die Matte in etwa dau­
Mit der Modellbahn strie gelieferten Produkte nicht
kam er im zarten Alter
her­um“, fasst Poscher zusammen. Die Idylle auf dem
von drei Jahren in Berührung, als er sich – in
Maßen natürlich – mit der väterlichen Ähnliches gelte für die Detaillie­ Lande gepaart mit
Anlage auseinandersetzen durfte. Intensiv rung. Der Modellbauer, der Stan­ punktuell gesetz-
mit dem Hobby beschäftigt er sich seit dardprodukte für seine Natur­ ten, verfeinerten
1985, zum Beruf hat er es vor zehn Jahren nachbildungen einsetzt, wird, Pflanzen sind Hans
gemacht. Er produzierte Materialien für Poschers Mar­ken­
sofern er den exklusiven Wunsch
die Modellanlagengestaltung und führte zeichen.
einen Einzelhandel mit den einschlägigen nach natürlicher Wirkung hegt,
Produkten. Als Modellbahnspezialist baut auch hier Nacharbeit zu leisten
er Modellbahnanlagen im Kundenauftrag haben. Für den Viersener Mo­
und beschäftigt sich intensiv und kenntnis-
dellbauer ist die Sache klar: Exklu­
reich mit dem Patinieren von Fahrzeugen.
sivität ist mit der Mehrzahl der im
Markt befindlichen „Natur“-Ma­
terialien nicht zu erzielen; der ge­
stalterische Eigen­
anteil muß
überwiegen.
Die meis­
ten seiner

92 Modellbahnschule 3
Seemoosbüsche als Bäume werden eingefärbt
und mit Woodland-Schaumflocken bestreut.

Für den Untergrund werden Silflor-Matten und


eige­ne, natürliche Materialien verwendet.

Fotos: Markus Tiedtke

Man soll immer wieder kleine Szenen oder einzelne Tiere im Wald entdecken.

men­nagelgroße, un­regel­mäßige beleuchtung zu­rück­zu­füh­ren ist.


Stück­chen. Vom Schneiden der Tageslicht, vor allem direkte
Matten hält er nichts: „Da entste­ Sonnenein­strah­lung, sollte ver­
hen viel zu regelmäßige, mieden werden. Beim Kauf einer
‘harte’ Kan­ten, die eine naturnahe Beleuchtungseinrichtung, z. B. für
Gestaltung der Wie­se mit ihren ein Diorama, sollte man unbe­ Verschiedene Materialien und deren zusätzliche
lebhaften, welligen Strukturen gar dingt auf UV-arme Leuch­t­mittel Einfärbung ergeben Hans Poschers Biotop.
nicht zu­ lassen“, meint er. Die zurückgreifen“, rät Poscher.
Begrü­nungs­fleckchen klebt er Selbstverständ­
lich hängt der schlaggebender Bedeu­tung“, er­ platziert, ihr Einsatz und ihre Posi­
mit Weiß­­leim auf den zu gestal­ Al­­terungs­prozeß durch Lichtein­ klärt Poscher. Dieses Verfahren tion sind ganz genau überlegt.
tenden Flächenausschnitt. Bei wirkung­in starkem Maße von der farblichen Nachbe­handlung Absolut plausibel wirken diese
die­sem Verfahren entstehen steigert die Individualität der Ge­ Kompositionen, die erinnerte Be­
Airbrush-Behandlung
durch Überlappungen und aus­ staltung, so entstehen dann wirk­ obachtung ist überzeugend und
gedünnte Partien zwangsläufig schützt vor Schäden lich ex­klu­sive Werke. lebendig umgesetzt.
jene Unregel­mäßigkei­ten, die durch UV-Licht Wer sich einmal die Anlagen Hans Poscher verlässt sich bei
den naturnahen Ein­druck einer den verwendeten Mate­r­ia­lien ab. und Dioramen in Viersen genau­ der Ausgestaltung seiner An­
wirklichen Wiese hervorbringen. Acryl­­-Farben beispielsweise sind er anschaut, wird von der schier lagen in starkem Maße auf sein
Poscher: „Solche Modellwie­sen erheblich UV-beständiger als un­glaublichen Fülle der Details in fotografisches Gedächtnis. Die
mit Zufallsstruktur le­ben aus sich Lacke auf Wasserbasis. Da be­ den einzelnen Szenen be­geistert beobachteten Szenen le­ ben
heraus und beleben die ganze grünte Flä­chen wie auch Bäume sein. Immer wieder entdeckt darin weiter, bis er sie eines Tages
Modellbahnan­lage.“ generell mit der Airbrush-Pi­stole man etwas Neues, ob es nun die „abruft“ und im Modell umsetzt.
Allgemein bekannt ist in Mo­ nach­gearbeitet werden, kommt Eich­hörnchen am Baum­stamm Die Stim­mig­keit, mit der dies
dellbahnerkreisen der Effekt, dass es zu dem willkommenen Ne­ sind, die Katze, die gerade mal gelingt, be­ruht weniger auf Kalkül,
mit der Zeit so­wohl Belaubungen benef­fekt, dass diese lichtemp­ schnell um die Ecke huscht, oder auf vorherberechneter Wirkung,
wie auch die saftig grüne Wiese findlichen Anlagenteile für einen die Eule, die würdevoll unter ei­ sondern auf der Wiedergabe des
ihre Farbbrillanz einbüssen. Die längeren Zeitraum vor stö­renden nem Dach­über­hang schlafend wirklich Ge­se­henen und Er­leb­
Farben werden matter – was Ver­­fär­bun­gen und Farb­verlust ge­ die Nacht abwartet. ten aus der Intuition heraus. „Se­
nicht unbedingt nur am Staub schützt werden. Die Mo­dell­menschlein sind hen lernen, um Träume zu ver­
liegt – und hellen auf. „Hier liegt „Die Nacharbeit mit der Air­ prä­gender Bestandteil der Sze­ wirklichen“, so kennzeichnet der
ein Lichtschaden vor, der auf den brush-Pistole ist für meine Na­ nen, sie werden nicht etwa nach Viersener Mo­dell­anlagenprofi
Ultraviolett-Anteil in der Anlagen­ turgestaltung ohnehin von aus­ dem Prin­zip „Da fehlt noch was“ sein Gestaltungsrezept.

Modellbahnschule 3 93
A
Ansichtssache

usruhen, einfach ein­


tauchen kann das
Landschaften, die Ruhe atmen und ger Kopfschmerzen: die mangeln­
de Maßstäblichkeit. Im Laufe der
Au­ge des Betrachters
in Josef Brandls Mo­
doch belebt sind bis ins kleinste Zeit seien bei mehreren Herstel­
lern die Bäume schon zu ei­ner
dell­bahnanlagen. Da gibt es
schöne lange Streckenab­schnit­
Detail. Das ist das Markenzeichen des einigermaßen akzeptablen Grö­­ße
gewachsen, ähnlich wie die Häu­
te, wo sich eigentlich gar nichts
„tut“. Da herrscht Landschaft,
Modellanlagen-Gestalters Josef sermodelle. Man könne ohnehin
bei der Maßstäblichkeit keine allzu
Natur pur. Die Bahnstrecke gleitet
an einem Waldrand vorbei und
Brandl. Für Begrünung und Belaubung starren Dogmen setzen, denn der
Baum im Garten muß proportio­
da­hin­ter öff­net sich die Per­spek­
tive auf Wiesen und Felder.
setzt er Materialien ein, die nur eine nal schon zum Häuschen passen.
Wesentliche Ge­stal­tungs­ele­men­
„Am liebsten baue ich land­
schaftsbetonte Modellbahnan­la­
Grundbedingung erfüllen müssen: Ihm ­te wie Berge ließen sich ohnehin
nicht nenngrößengerecht dar­
gen“, sagt Brandl. Er läßt seinen
Landschaften viel Raum
zu helfen, Natur perfekt nachzubilden. stellen. Wenn dann auch die
Bäume zu den reduzierten Ma­

Großräumige
zur Entfal­ tung, zum At­ ßen der Berglandschaft passen,
men. Die Motive wirken sei das hin­nehmbar.
selbstverständlich, ha­ben Geheimnisse macht Brandl
eine eigenständige Aussa­ nicht, wenn man ihn nach seiner
gekraft, wie sie höchst ein­ Arbeitsweise und
drucksvoll bei der Groß­ den bevorzugten

Naturszenerien
anlage „Schiefe Ebe­ne“ des Deut­ Ma­­terialien befragt.
schen Dampflokomotiv-Muse­ Zur naturnahen Ge­
ums in Neuenmarkt-Wirsberg staltung seiner Wie­
zum Ausdruck kommt. sen und Felder ver­
Enorm viel beobachtete Natur wendet er fast aus­
steckt in den Arbeiten des bayeri­ Das Organische ist das Kenn­ den gibt und da und dort ein paar schließlich die Begrünungs-Pro­
schen Anlagen­bauers, von den zeichen von Brandls Werken. Bäume steckt und ein paar Wie­ dukte von Silflor. „Die große Aus­
großen Räumen bis zum winzi­ Das kommt be­son­ders zum Aus­ senmatten auslegt – nur mit le­ wahl an unterschiedlichen For­
gen Detail. Das Gesamt­konzept druck in seiner Kunst der Über­ bensechter Natur hat das nichts men, Strukturen und Färbungen
stimmt. Da tauchen keine Unge­ gänge. Der Feldweg zum Beispiel zu tun“, meint er nachdrücklich. dieser Matten gibt mir den not­
reimtheiten auf, da passt alles und besitzt keine scharfe Abgrenzung Einsetzbar, auch wenn hohe An­ wendigen Spielraum, um frei ge­
macht Sinn. Das Waldstück muss gegenüber den benachbarten sprüche gestellt werden, seien stalten zu können“, erzählt er. Vor
an dieser Stelle sein, an keiner an­ Wie­sen- oder Feldrändern. Da ra­ die von ihm angesprochenen allem kön­ne er die Silflor-Basis­
deren. Es ist nicht hineingesetzt in gen Gras­ büschel herein, und Standardmaterialien industrieller ma­teri­alien so kombinieren, dass
die Anlage, um Platz auszufüllen, zwischen den Traktorfahrspu­ Provenienz schon. Voraussetzung er die gewünschten Effekte, auch
es ist organischer Bestand­teil der ren wächst allerlei. Oder der für ihre Verwendung auf an­ jahreszeitbezogen, er­zielt.
gesamten Kompo­sition. Waldrand: Da kann die Sonne spruchsvollem Niveau sei aller­ Auch wenn das fertig be­grünte
noch Buschwerk und Unterholz dings, dass man diese Bäume und Gelände in seiner perfekten Na­
Autorenprofil wach­ sen lassen. Und um den Be­grünungen einer intensiven farb­ türlichkeit wie von Zauberhand
kleinen Bach wächst das Gras lichen Nacharbeit unterzieht, um geschaffen wirkt, sind Brandls Ar­
Josef Brandl, 1952 in
Bayern geboren, ist
üppig und bildet vielgestaltige naturechte Farbtöne zu erzielen. beitsmethoden recht ein­fach. Er
Gär­ tner von Beruf. Polster. Ein weiteres Problem, mit dem zerschneidet die Silflor-Mat­ ten,
Sei­ne erste und offen- Einen optischen Genuß ganz die Standard-Modellbäumchen da sie sich nach seiner Erfah­rung
bar prägende Mo­dell­ besonderer Art bieten die Wie­ behaftet sind, macht Brandl weni­ zum Zerreissen nicht eignen. Die­
bahn-Erfahrung
sen auf den Brandl-An­lagen. „Wie
mach­­ te er mit einer
kleinen Trix-Express-An­fangs­packung.
natürlich gewachsen“. Sie sind so
Den Einstieg in den professionellen Mo- bucklig und ungleichförmig wie
dellbahnanlagenbau wagte er 1986. Von in der wirklichen Natur. Manch­
ihm stammen so bekannte Großanlagen mal konzentriert sich das Wachs­
wie „Wachau“ und „Schiefe Ebene“, die er
im Kundenauftrag erschuf. Mit Vorliebe
tum in dicken, hochaufgeschos­
arbeitet er in den Nenngrößen H0; sein senen Büscheln, aber da­neben
Herz schlägt vor allem für die Landschaft. wird es kärglicher, da schimmert
Seine besondere Neigung gilt den Schwei- der Erd­boden durch.
zerischen Gebirgsbahnen, und da vor al­
„Die Farben stimmen hinten
lem der RhB, der er in einer stimmungsvol-
len Anlage ein Denkmal gesetzt hat.
und vorn nicht“. Zu diesem Resü­
mee kommt Brandl, wenn er
einen Großteil der standardisier­
ten Produkte für die Gestaltung
von Natur im Modell betrachtet,
die im Markt zu fin­
den sind. „Na
gut, wer sich Birken und andere Laubbäume stammen aus dem Programm von
damit zufrie­ Silhouette, die Wiesen sind dagegen mit Fasern selbst erstellt.

94 Modellbahnschule 3
Bei der Gestaltung von Nadel­
wäl­dern greift Josef Brandl auf
das Silflor-Ma­terial zurück.

Wasser und ausgedehnte Wie­


sen mit unterschiedlichem Be­­
wuchs Brandls Zentralmotive.

Fotos: Markus Tiedtke (3), Sammlung Brandl (1) tungen, idyllische Inseln in lie­
bevoll natürlicher, perfekter Ge­
staltung. Man meint förmlich,
Waldluft zu atmen.
Etwas wird man auf Brandl-
Anlagen nicht finden:  Überfül­
lung und Überfrachtung mit The­
men und Szenen. Sparsam wer­
den Figuren und Fahrzeu­ge ge­
setzt, genau an die richtige Stelle.
Die großzügige Natur steht bei Josef Brandl im Vordergrund, die Eisenbahn wird fast zur Randerscheinung Ein einsamer Wanderer oder
Radfahrer auf dem Feldweg zwi­
ses Material wird auf vorkolorier­ durch Baumstümpfe, Sägespä­ne folgt mit der Sprühpistole mit schen Wald und Kornfeld wirkt
ten Grund geklebt und mit Zuta­ von der letzten Baumfäll-Aktion, scharz-grauen Farbtönen. An­ plausibel und belebt das Bild ge­
ten wie längeren und ab­ wei­ Unterholz. Und die Bäume? schlie­­ßend wird in winzige Flo­ nauso wie ein ganzer „Preiser“-
chend gefärbten Fasern gar­niert. Brandl bevorzugt hier die Produk­ cken zerschnittenes Silflor-Mate­ Pulk. Und auf den Straßen
Am Schluss steht eine leichte te des Hau­ses Silhouette, als Bau­ rial mit dem empfohlenen Alles­ herrscht keine ewige Rush-hour.
Nach­bearbeitung mit der Sprüh­ sätze und, bei Nadelbäumen, als kleber an den Astenden fi­xiert. Der sparsame, wohlüberlegte,
pistole, um gewünschte Farb­ Fer­tigmodelle. Einige der be­reits be­laub­ten Bäu­ auf exakter Beobachtung beru­
stellungen noch besser her­ Die Belaubung erfordert, soll me werden außer­dem noch mit hende Ein­satz der Mittel ist wohl
auszuholen und zusätzliche Farb­ sie natürlich wirken, sehr viel Be­ feinstem Woodland-Streu­ma­ ein ganz wesentliches Ele­ment
effekte zu erzielen. Das Re­sultat: obachtung, Einfühlungs­ver­mö­ terial verfeinert. Den letzten von Brandls Hand­­schrift. Seine im
Die Wiese lebt. „Schliff“ er­ halten die Bäume Modell­maßstab ge­staltete Natur
Auch Wälder leben in der Na­ In der Beschränkung zeigt durch leichten Farbauftrag mit ist verinnerlichte Reminiszenz
tur und eben­so selbstverständ­ sich der Meister der Sprüh­pi­stole. Diese „Fi­nish“ des lebendigen Vorbilds. Um so
lich auf den Anlagen von Josef gen, Sorgfalt und Fin­ger­spit­zen­ bringt zusätzliche farbliche Nuan­ bauen zu kön­­ nen, muß man
Brandl. Das fängt beim Wald­bo­ gefühl. Der bayerische Modell­ cen ins bereits le­bendige Bild. mehr mitbringen als ein gutes
den an. Da werden die Bäu­me bauer erzielt hier perfekte Resul­ Die Wälder von Brandl sind Au­genmaß und handwerkliches
nicht einfach in den Untergrund tate. Zuerst werden die filigranen durch­gestaltet, von vorn bis hin­ Geschick. Zutiefst vertraut mit der
gesteckt und damit basta. Der Baumrohlinge im Bereich der ten im gleichen Detaillie­rungs- Natur muß sein, wer solche Anla­
Waldboden lebt, wird belebt Kro­ne so zurechtgebogen, dass und Qua­litätsniveau.. Denn von gen schafft, wie Josef Brandl das
durch entsprechend gewähltes sie natürlich wirken. Die Farbge­ „Ku­­lissen-Kunst“ hält er überhaupt tut. Als gelernter Gärtner bringt er
und behandeltes Silflor-Material, bung von Stamm und Geäst er­ nichts. Eingear­ beitet sind Lich­ wichtige Voraussetzungen mit.

Modellbahnschule 3 95
Immer mehr Details
Auffallende Entwicklungen, originelle Modelle, aktuelle Trends
Schlußlicht

Ohne Kompromiss
Sommer-Neuheiten, die der Modellbahn den Weg weisen
HECKL Kleinserie: Lupe erforderlich sind be­weglich und halten auch dem norma­
Man möchte kaum seinen Augen trauen, len Be­triebs­­all­tag stand. In Nenn­größe N kann
aber die zierlichen Stromabnehmer der Bau­ man von solchen Zurüstteilen leider nur träu­
art SBS 10 befinden sich auf einem Spur-Z- men, in Z sind sie da­ge­gen Realität ge­wor­den.
Mo­dell. Während sich in der Nenn­­größe H0 Vielleicht kann sich derselbe Hersteller dazu
die Her­stel­ler nur langsam in Richtung feiner durchringen, auch für die Spur­weiten TT
Strom­ab­nehmer be­we­­gen, hat der Klein­ und N entsprechende Pan­tographen zu ent­
serien­hersteller Heckl, Bochum, quasi über wickeln.
Nacht im Maß­stab 1:220 eine kleine Re­ FALLER: Goethestraße 62
volution in punkto Zier­lich­keit und Kom­pro­ Faller setzt den eingeschlagenen Weg im
miss­lo­sig­keit in Bezug auf Maß­stäb­lichkeit Bereich an­ nähernd maßstäblicher Stadt­
vollbracht. Doch wer denkt, diese kleinen häuser konsequent fort. Das in den letzten
Wippen seien nur Stand­­modelle, der irrt. Sie Wochen ausgelieferte Eck­haus „Goethestraße
62“ für die Nenn­größe H0 ist in
der Grundfläche zwar sehr klein
gehalten und fügt sich in das be­
stehende Grund­riss­konzept der
Pola-Stadt­ häuser­ein, doch Ge­
schoß- und Fen­s­ter­hö­hen ent­
sprechen dem Maß­­stab 1: 87. Im
Ge­gen­satz zum Zubehör­her­steller Faller setzt seine maßstäbliche Stadt-
Ki­bri, der die weiterhin mehrfarbi­ haus­serie in der Nenngröße H0 fort.
gen Fas­sa­den­­­teile mög­lichst in
einem Bauteil kom­plett spritzt, set­ drucks we­ gen grundsätzlich lackieren und
zen sich die Hausfas­saden bei Fal­ anschließend altern.
ler weiterhin aus verschiedenen Die hohe Fassade setzt sich aus mehreren
Teilen zu­sam­­men. Die­sen Vorteil Etagen zusammen, eine ideale Vor­aus­set­zung
wer­den vor allem Mo­dell­bahner für Kitbasher, die Spaß daran haben, ihre Mo­
zu schätzen wissen, die ihre Häu­ delle nacheigenen Vor­stel­lungen umzubau­
ser des vorbildgerechten Ein­ en. Alle Bau­teile sind passgenau und die
Güterwagen serien­mä­
ßig mit niedrigen Spur­
kränzen: Fleisch­mann
macht es jetzt möglich.

Extrem feine Strom­­ab­


nehmer der Bauart SBS
10 für die kleinste
Mo­dellbahn der Welt
von Heckl Klein­serien.

96 Modellbahnschule 3
Erklärungen für Marktübersichttabellen
Modellbauaufwand
▲ = wenige Handgriffe
Erst unter einer Lupe ▲▲ = Bastelspaß für jedermann
werden alle Details ▲▲▲ = für routinierte Bastler
des Stromabnehmers ▲▲▲▲ = spezielles Können und Werkzeuge
von Heckl sichtbar. Zeit für Modellbau
● = unter 5 Std.
Bau­anleitung in der übersichtlichen Art er­ Dass auf der Anlage die Räder ohne Probleme ●● = bis ca. 20 Std.
●●● = bis ca. 50 Std.
stellt, wie man es von Faller gewohnt ist. laufen, hat der bereits vor Jahren ausgelieferte ●●●● = mehr als 50 Std.
Das Original stammt aus der Köln, ist aber und konstruktionsbedingt mit RP-25-Radsät­
seiner Ar­chitektur wegen universell einsetzbar, zen ausgestattete Flachwagen der Bauart Köln Detaillierung (Maßstababhängig)
also auch kein typisch südbadisches Haus, wie bewiesen. ■ = vorbildähnlich
■ ■ = maßstäblich, wenige Details
man es leider vielfach im Faller­ka­talog antref­ MÄRKLIN: Schneller Blick auf Digital- ■ ■ ■ = maßstäblich, viele Details
fen kann – schließ­lich widmen sich die we­ Decodereinstellung ■ ■ ■ ■ = Vorbild exakt wiedergegeben
nigsten Modell­bahnanlagen ei­nem südbadi­ Wer kennt nicht das Prob­lem: Digital betrie­
Abkürzungen Materialarten
schen Land­schaftsthema. Weiter so! Wir freu­ bene Lok­modelle werden nach langer Ruhe­
BS = Bausatz Gh = Gießharz-Gußteile
en uns schon auf die nächsten Stadt­häuser pause wieder auf die Gleise gestellt, doch FM = Fertigmodell Ms-Ä = Messing-Ätzteile
FLEISCHMANN: Niedrige Spurkränze man hat die eingegebene Lok­nummer ver­ pr. = preußisch Ms-G = Messing-Gußteile
Es geht also doch: Serienmäßig Radsätze gessen. Jetzt heißt es, in die Ge­ brauchs­ bay. = bayerisch PS = Polystyrol-Kunststoff
mit RP-25-Spurkränzen. Ohne groß auf die anleitung zu schauen und das Lokgehäuse Wm-G = Weißmetall-Gußteile
Pauke zu hauen, liefert Fleischmann seine teilweise umständlich zu demontieren.
Neuheiten mit den niedrigen Spurkränzen Beim neuen Flaggschiff, der BR 10, geht das Preiskategorien
aus, ganz zur Freude des Vorbildeindruckes. viel einfacher: Man braucht nur noch das DM bis 19,- 1 DM 500,- bis 749,- 11
Euro bis 9.71 Euro 255,65 bis 382,96
Oberteil des Tenders abzuheben DM 20,- bis 39,- 2 DM 750,- bis 999,- 12
Euro 10,23 bis 19,94 Euro 383,47 bis 510,78
– oh­ne Schrauben oder son­sti­ge DM 40,- bis 69,- 3 DM 1.000,- bis 1.499,- 13
Finger-Klimm­­züge. Noch bes­­ser Euro 20,45 bis 35,28 Euro 511,29 bis 766,43
DM 70,- bis 99,- 4 DM 1.500,- bis 1.999,- 14
wä­re es allerdings ge­ wesen, Euro 35,79 bis 50,62 Euro 766,94 bis 1.022,07
wenn die Techniker den De­ DM 100,- bis 149,- 5 DM 2.000,- bis 2.499,- 15
Euro 51,13 bis 76,18 Euro 1.022,58 bis 1.277,72
coder sichtbar unterhalb des DM 150,- bis 199,- 6 DM 2.500,- bis 2.999,- 16
Fahrwerks angebracht hätten. Euro 76,69 bis 101,75 Euro 1.278,23 bis 1.533,36
DM 200,- bis 249,- 7 DM 3.000,- bis 4.999,- 17
Euro 102,26 bis 127,31 Euro 1.533,88 bis 2.555,95
DM 250,- bis 299,- 8 DM 5.000,- bis 7.499,- 18
Schnell ist der nur mit einer Euro 127,82 bis 152,87 Euro 2.556,46 bis 3.834,18
stabilen Clipsver­bin­dung am DM 300,- bis 399,- 9 DM 7.500,- bis 9.999,- 19
Euro 153,39 bis 204,- Euro 3.834,69 bis 5.112,41
Fahrzeug befestigte Tender­ DM 400,- bis 499,- 10 DM über 10.000,- 20
aufsatz abgehoben, um an Euro 204,52 bis 255,13 Euro über 5.112,92
den Decoder zu gelangen.

Wurzel-Wirr-Warr
Auf einen mathematischen Lapsus macht uns Hans-Ge­org Schwarze aus
Spurkranzkompromiss
Schwerte aufmerksam: H0T für eine hochwertige Optik und
In ModellbahnSchule, Heft 2, sind auf Seite 60 Berech­nungsformeln für gleichzeitig störungsfreien Betrieb
Längen und Flächen von Dächern aufgeführt. Und da haben sich durch
ein technisches Kom­ mu­ni­
kations-Problem zwischen Redaktion und „Die drei Beiträge zum The­ma Rad/Schiene der Spur­weite
Druckerei ein paar kleine Fehler eingeschlichen, die bei begeisterten H0 treffen genau den Punkt und sind für sich ge­sehen richtig.
Häusle­bauern hoffentlich noch nicht zu irrwitzigen Dachkon­struktionen Grundsätz­lich unterstütze ich die Aus­sa­gen des dritten Bei­
geführt haben. Die Redaktion bedauert diese Feh­ler und stellt gemäß trags Maß­stäblicher geht’s nicht von Willy Kosak“, meint Mo­
Mitteilung von Herrn Schwarze die Formeln folgendermaßen richtig und dellbahnSchule Leser Peter Thomin.
ergänzt das Rechenwerk um interessante Details: „Vor fünf Jahren habe ich mit H0pur® begonnen, aber sehr
Traufenlänge t = b+f+c schnell die Erfahrung gemacht, daß sich 0,3 mm hohe Spur­
Sparrenlänge s = r1 = √a2+h12 kränze nicht für alle Modelle eignen. Das Vorbild erlaubt Spur­
Gratlänge g = r = √a2+b2+h12 od. = √a2+c2+h12
Dreieck links F2 = a . √b2+h12 od. = a . s od. = a . r1
kränze von bis zu 0,44 mm Höhe, umgerechnet auf H0. Zu­
Dreieck rechts F4 = 0,5 . (c1+c3) . s od. = 0,5 . t4 . s sammen mit einem „Hauch von Nichts“ von 0,2 mm er­geben
sich 0,64 mm Spur­kranzhöhe, was RP 25-Ni­veau entspricht.
Diese Formeln gelten nur bei gleicher Neigung aller Dachflächen. Da Bei maßstäblicher Einhal­tung aller anderen Werte ergibt
der Modellbauer über die Neigung der Dachfläche feste Vor­stellungen
hat, seien folgende Formeln zur Berechnung der Dachhöhe h angefügt: sich damit ein sehr gut laufendes Finescale-System, das ich
Dachhöhe h1 = tan α . a als HOT bezeichne, wobei „T” für „Tran­sition”, also Übergang,
Sparrenlänge s = r1= h1/sin α steht. Auch habe ich Weichen verschiedener Her­­­stel­ler nach
bei Dachneigung 30°: tan α = 0,5774, sin α = 0,5000 H0T umgebaut. Der optische Gewinn scheint mir im Gleis­
bei Dachneigung 35° tan α = 0,7002, sin α = 0,5736 bereich noch deutlicher als bei den Fahrzeugmodellen.“
bei Dachneigung 40° tan α = 0,8391, sin α = 0,6428
Mehr darüber im Internet unter: h0t@egroups.com.

Modellbahnschule 3 97
Immer mehr Details
Auffallende Entwicklungen, originelle Modelle, aktuelle Trends
Schlußlicht

Technische Innovationen Mehr „Nüchternheit“ in der Modellbahnarchitektur


Faller, Kibri, Pola und Vollmer bieten seit geraumer Zeit
Kleine Dinge mit großer Wirkung im­mer wieder neue Mo­ delle von Stadt­ häusern an. Alle
● Ruhe auf dem Gleis Teil auf, das jeden Wechsel­strom­ ha­ben sie aber eins gemeinsam: Es sind Ge­bäu­de­mo­delle
Während Märklin seine äl­teren f­ahrer im wahrsten Sinne des mit zum Teil sehr verspielten Fassaden. Keine der Haus­
fronten spiegelt jedoch die Nüchternheit des sozialen
H0-Modelle derzeit op­tisch kräf­ Wortes aufhorchen läßt – denn Wohn­ ungsbaus und der Archi­ tektur der sechziger Jah­ re
tig über­arbeitet und sie serien­ er hört nichts! Ein „Flüsterschlei­ wieder, obwohl diese Zeit auf der Modell­bahn weiterhin
mäßig mit dem neuesten Digital­ fer“ reduziert die Fahrge­räu­sche die beliebteste Epo­ che dar­
­­ stellt. Fehlt den Her­ stellern
de­co­der und dem daraus resul­ von Lok oder Wa­gen auf ein so etwa die Phan­ta­sie? Nein, wir Modellbahner sind gefragt.
tierenden elektronisch geregel­ geringes Maß, daß man nur noch Erst wenn sich die voraussichtlichen Stück­zahlen rechnen,
ten Fahrkomfort ausstattet, wartet die Lauf­ge­räusche der Räder auf wer­­den entsprechende Mo­ delle hergestellt. Doch wir
Roco mit einem neuen, kleinen, den Schienen hört. Das typische Mo­ dell­
bahner lieben es eben, landauf, land­­ ab immer
aber dennoch beeindruckenden Scheppern der Blech­schleifer ist noch eine romantische Welt im Kleinen wiederzugeben.
passé, auch beim Fah­ Nüchternheit ist nicht ge­fragt. Hier ist man also weiterhin
ren über Wei­ chen­ auf den Selbst­­ bau angewiesen – in­ ter­
essante Vorbilder
gibt es ja genug.  Rainer Dell
straßen. Alle in der Pro­
duktion befindlichen
W e c h­s e l­s t r o m ­­-
modelle werden seit ● Strom kuppeln während des Di­gitalbetriebs im
kurzem nur noch mit Wieder fällt Roco wegen einer Wechselstromsystem gehört von
diesem „Flüster­schlei­ scheinbaren Kleinig­keit auf: Kup­ nun an der Vergangenheit an.
fer“ aus­gestattet. Die peln mit gleichzeitiger Strom­ Auch sind beim Einsatz nur eines
zwei für Lok und übertragung. Im Gegensatz zu Digitaldecoders verschiedene
Wagen unterschied­ Märklins stromführender Kupp­ Funktionen in allen Betriebssyste­
lich langen Schleifer lung kann man bei der Roco- men denk­­ bar, zum Beispiel in
werden auch in Kürze Kupplung vier verschiedene Per­sonenwagen ab­schalt­bare In­
als Einzelteile zum Stromkreise von Wagen zu Wa­ nen­beleuch­tungen mit unab­
Nachrüsten im Han­ gen durchführen. Das Lichtfla­­- hängig einschaltbarer, richtungs­
del angeboten. ckern bei beleuchteten Wa­gen abhängiger Zug­­­schluss­be­leuch­
Ein neuer, fast lautloser Mittel­ tung so­wie weitere Funk­­tionen,
schleifer vom Gleichstrom­ rie­ die erst noch in ferner Zukunft
sen Roco sorgt für Ruhe auf entwickelt werden wollen.
Wechsel­stromgleisen.
Fotos: Michael Kratzsch-L. (1), Markus Tiedtke (6)

Mit dieser Kupplung sind aller­


dings keine Rangier­spiele mög­
Eine mehrpolig stromführende lich, denn einmal miteinander
Kurzkupplung von Roco erlaubt verbundene Wa­­gen lassen sich
vielfältige Stromdurchführungen nur mit etwas Kraftaufwand wie­
in ganzen Zugverbänden. der trennen. Die Anschaffung
nur eines Decoders für einen
ganzen Zugverband hilft, Kosten
zu senken – unser Mo­dell­bahn­
budget erhält da­durch Spielraum
für weitere An­schaffungen.

Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften sinnwahrend zu kürzen.

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Heft 1/2000.
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