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13.

Schaltanlagen

Schaltanlagen, genauer gesagt ihre Sammelschienen, bilden die Netz-


knoten der Hoch-, Mittel- und Niederspannungsnetze, Bild 13.1. Die
in den Netzknoten ankommenden und abgehenden Leitungen werden
oberbegrifflich als Abzweige bezeichnet, Bild 13.1a. Man unterschei-
det Abzweige für Einspeisungen, Abgänge und Kupplungen zu anderen
Netzknoten. Wegen der Vielzahl der Abzweige und des für die großen
Leitungsquerschnitte benötigten Anschlussraums werden die „ Knoten“
technisch als Sammelschienen realisiert, Bild 13.1b. Sind die Abzwei-
ge über Schaltgeräte (13.1) mit der Sammelschiene verbunden, spricht
man von einer Schaltanlage, in Bild 13.1c strichliert (s. a. Bild 13.2).

a) b) c)

Bild 13.1. a) Netzknoten aus Sicht der Graphentheorie, b) technische Rea-


lisierung eines Netzknotens in Form einer Sammelschiene, c) Schaltanlage
bestehend aus Sammelschiene, Abzweigen und Schaltgeräten.

Schaltanlagen (engl.: switch gear) bilden mit anderen Worten die


Schnittstelle zwischen Einspeisungen und Abgängen eines Netzknotens.

In den Schaltanlagen erfolgt die eigentliche Stromverteilung und das


Zusammenfassen von Lasten bzw. Verbrauchern. Schaltanlagen er-
möglichen die Änderung der Netztopologie bei Störungen sowie das
Freischalten und Erden von Betriebsmitteln bei geplanten Wartungs-
und Instandhaltungsarbeiten. Alle Komponenten einer Schaltanlage

A. J. Schwab, Elektroenergiesysteme,
DOI 10.1007/978-3-642-21958-0_13, © Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2012
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sind für die gleiche Spannung bemessen. Man spricht z. B. von einer
10 kV- oder 380 kV-Schaltanlage und unterscheidet generisch zwischen
Niederspannungs-, Mittelspannungs- und Hochspannungsschaltanlagen.

Schaltanlagen und die in ihnen integrierten Netzschutzeinrichtungen


sind die Grundlage des selektiven Schutzes bei Störungen (siehe Ka-
pitel 14). Sie begrenzen die Auswirkungen von Isolationsfehlern auf
den Ort ihrer Entstehung und ermöglichen so die Aufrechterhaltung
des Netzbetriebs in den nicht gestörten Teilen eines Elektroenergiesy-
stems.

Speisen einzelne Abzweige von Mittel- und Hochspannungsschaltan-


lagen Transformatoren, im Kontext auch Umspanner genannt, an de-
ren Sekundärseite wiederum eine Schaltanlage (der nächst niedrigeren
oder höheren Spannungsebene) liegt, spricht man von Umspannstatio-
nen (engl.: substation). Die Umspannstationen von Transportnetzen
werden wegen der größeren Leistungen auch als Umspannwerke be-
zeichnet. Umspannstationen bzw. -werke bilden die Schnittstelle zwi-
schen Netzknoten zweier Netze meist unterschiedlicher Betriebsspan-
nung, Bild 13.2.

Umspannstation ~ ~ ~

380 kV Netz Kuppelleitung


~ ~ ~
Kuppelleitung
220 kV Netz
~ ~ ~

110 kV 110 kV 110 kV

Schaltanlage ~
20 kV Regionale u. Kommunale
10 kV EVU, Sonderabnehmer

Regionale u. Kommunale
EVU, Sonderabnehmer

400 V 400 V 400 V Kommunale EVU,


Kliniken etc.

Bild 13.2. Schaltanlagen bilden die Schnittstelle zwischen Ein- und Aus-
speisungen eines Netzknotens. Umspannstationen und Umspannwerke bilden
Schnittstellen zwischen Netzknoten von Netzen meist unterschiedlicher Be-
triebsspannung und enthalten je eine Ober- und Unterspannungsschaltanlage
sowie mindestens einen Transformator.