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KlAUS DONA • REINHARD HABECK

Im Labyrinth des
Unerklärlichen
Rätselhafte Funde der Menschheitsgeschichte

Begleitbuch zur Mystery-Ausstellung


UNSOLVED MYSTERJES

JOCHEN KOPP VERlAG


Copyright © 2004 bei
Jochen Kopp Verlag, Graf-Wolfegg-Srr. 71 , D-721 08 Rottenburg
Alle Rechte vorbehalten

Umschlaggestaltung: Peter Hofstätter, Angewandte Grafik, München


Satz und Layout: Agentur Pegasus, Zella-Mehlis
Druck und Bindung: MOHN Media Mohndurck GmbH, Gütersloh

ISBN 3 -93 02 1 9 -8 1-6

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Dieses e-Buch ist eine Privatkopie und nicht zum Verkauf bestimmt!
» Wenn aber, fragt der klassische Archäologe, in der Vorgeschichte
höherentwickelte Techniken existierten, warum findet man
dann keine Spuren davon?
Aber gewiß doch, man findet Spuren. Und vielleicht würde man noch
mehr Spuren finden, wenn der Geist bereit wäre, sie zu suchen.«
Louis Pauwels
ÜBER DIE AUTOREN

KLAUS DONA
wurde 1949 in Jenbach/TirollÖsterreich geboren und hat sich als Kulturmanager mit
der Planung und Durchführung zahlreicher Großausstellungen, Festivals und Konzert­
aufnahmen einen international bekannten Namen gemacht. T hemenschwerpunkt
seiner organisatorischen Arbeit ist Südostasien und im besonderen Japan. In dieser
Funktion war er in den Jahren 1982 bis 1987 als Marketingmanager für den Wiener
Tourismusverband erfolgreich tätig. Großartige Ausstellungen wurden inzwischen
von Klaus Dona realisiert, darunter
1992 Der Glanz des Hauses Habsburg in
Tokio, die in Japan der Auslöser für
einen publikumswirksamen »Habsbur­
ger-Boom« gewesen ist. Daneben enga­
giert sich Klaus Dona für das V ölker­
verbindende und initiierte Ideen wie
den Freundschaftsvertrag zwischen den
Bezirken Floridsdorf (Wien) und Katsu­
shika-Ku in Tokio, oder koordinierte­
gemeinsam mit dem ehemaligen Wie­
ner Bürgermeister Dr. Helmut Zilk - Klaus Dona (Foto: Reinhard Habeck)
die Dreharbeiten für den berühmtesten
japanischen Serien-Kinofilm Tara-San. Von 47 Filmen wurde nur dieser im Ausland
gedreht. Für die Stadt Wien eröffnete sich somit ein beispielloser Werbeeffekt.
Als Initiator der Ausstellung UnsoLved Mysteries - die Weft des UnerkLärLichen, die 200 1
in Wien eine vielbeachtete Weltpremiere hatte, betrat Klaus Dona neue Pfade. Nach
mehrjähriger Vorbereitungszeit, intensiven Recherchen vor Ort und eigenen For­
schungsreisen nach Süd- und Nordamerika sowie Ostasien gelang ihm das scheinbar
Unmögliche, an dem zuvor schon viele namhafte Kollegen gescheitert waren: Die
Realisierung einer fantastischen Ausstellung mit einer umfangreichen Kollektion
rätselhafter Originalstücke, persönlich aufgespürt in Geheimarchiven und unbekann­
ten Privatsammlungen. In dem vorliegenden Werk schildert Klaus Dona, gemeinsam
mit Co-Autor Reinhard Habeck, die spannende Entstehungsgeschichte von UnsoLved
Mysteries und die schrittweise Entdeckung bisher unbekannter prähistorischer Kultu­
ren anhand kontroverser Schaustücke, die Laien und Wissenschaftler gleichermaßen
ins Staunen versetzen. Seit März 2003 berichtet der Autor in der populären japani­
schen Fachzeitschrift MU regelmäßig über seine historischen und archäologischen
»Ooparts«-Studien in aller Welt. Klaus Dona hat drei Kinder und lebt und arbeitet in
Wien.
6

Die wichtigsten Ausstellungen (Auswahl) :


Impressionistische Naturschilderungen in der österreichischen Landschafts­
malerei von 1 8 70 bis zur frühen Moderne, Tokio, Osaka und Chiba
1 996-1 997
Imari-Porcelaine from the personal Collection 01Empress Maria Theresia in
Okayama, Osaka, Hagi, Gifu, Yokkaichi und Tokio 1 997- 1 998
Der Glanz des europäischen Rittertums, Yokohama 1 998
Samurai und Bushido im Historischen Museum der Stadt Wien 1 999
Österreichisch-japanische Begegnungen - 130 Jahre freundschaftliche Bezie­
hungen anläßlich des Besuches des österreichischen Bundespräsidenten in
Japan, Tokio 1 999
Täuschend echt - Die hohe Kunst der Plastikköche im Museum Bellerieve,
Zürich 1 999
Rubens und seine Zeit in Tokio, Nagoya und Kyoto 2000
Weltpremiere der Ausstellung Unsolved Mysteries - Die Welt des Unerklär­
lichen in Wien vom 2l. Juni bis 4. November 200 1
Biedermeier-Ausstellung in Nagoya, Nagoya City Museum, vom l . März
bis 1 3 . April 2003
Unsolved Mysteries - Die Welt des Unerklärlichen, Fortsetzung mit neuen
Exponaten im Mystery Park, Interlaken, Schweiz, vom 5. November 2004
bis 6. März 2005

Internet: www.unsolved-mysteries.info
REINHARD HABECK
wurde 1962 in Wien/Österreich geboren, ist ausge­
bildeter Vermessungstechniker und arbeitet nun­
mehr seit vielen Jahren als freier Schriftsteller und
Illustrator. Er ist für viele in- und ausländische Zeit­
schriften, Verlage und Agenturen tätig und hat bis­
lang nahezu 100 Humor-, Kinder- und Jugendbü­
cher graphisch sowie textlich mitgestaltet. Sein be­
vorzugtes T hema als Autor sind die Grenzbereiche
unseres Wissens. Bisher veröffentlichte Habeck zwölf
Sachbücher zu diesem Themenkomplex. Er ist Mit­
autor etlicher Anthologiebeiträge, die in mehrere
Sprachen übersetzt wurden.
Der Autor hat zum Gelingen des Projekts Unsolved
Mysteries maßgeblich beigetragen. Mit Fachkennt­ Reinhard Habeck (Foto:
nis, Konzeptideen und Recherchen unterstützte er Christiane Ladurner)
seit Beginn die ehrgeizige Idee, den Mut und die
Risikobereitschaft des Ausstellungsmachers Klaus Dona. Habeck unternahm histori­
sche und archäologische Studien in verschiedenen Ländern der Welt und hat persön­
liche Recherchen, vor allem in Ägypten sowie Süd- und Mittelamerika, in diesem
Buch ausgewertet.

Wichtigste Buchpublikationen (Auswahl):


Das Licht der Pharaonen - Hochtechnologie und elektrischer Strom im alten
Agypten (mit Co-Autor Peter Krassa), München 1992
Die Palmblattbibliothek und andere geheimnisvolle Schauplätze dieser Welt (mit
Co-Autor Peter Krassa), München 1993
UFO - Das Jahrhundertphänomen - Prominente und Fachgelehrte zur UFO­
Frage, Wien 1997
Das Unerklärliche - Mysterien, Mythen, Menschheitsrätsel, Wien 1997
Die letzten Geheimnisse - Rätselhafte Funde der Geschichte, Wien 2003

Habeck ist zudem Mitgestalter und Katalogautor der Groß-Ausstellung Unsolved


Mysteries, die im Jahre 200 1 in Wien erstmals mysteriöse archäologische Sammler­
stücke der Öffentlichkeit präsentierte, die nun 2004/2005 in der Schweiz und in
Japan, ergänzt um neue Exponaten, eine internationale Fortsetzung findet.

Internet: www.reinhardhabeck.com
Inhalt

Statt eines Vorworts


Klaus Dona: Mein unmöglicher Traum wurde Wirklichkeit 11

Einleitung
Reinhard Habeck: Die "Welt des Unerklärlichen 19

I. Teil
VORSTOSS INS UNBEKANNTE
1 Projekt Unsolved Mysteries
Kennen wir unsere Vergangenheit wirklich? 28
2 Verstaubte Geschichte
Dinge, die es nicht geben dürfte . 33
3 Ignorierte Beweise
» Unsolved Mysteries«, diejeder besichtigen kann . 43

II. Teil
SÜDAMERIKA RUFT!
4 Spurensuche im Land von EI Dorado
Auftakt im Goldmuseum von Bogota . 56
5 Was man sucht, es läßt sich finden
Muchas gracias - danke, endlich eine heiße Spur 62
6 Nachforschungen in Ecuador
W'ir fanden noch nie gezeigte Artefakte 71
7 Spektakuläre Höhlenfunde
Kolumbus, Kopfmagie und Pater Crespis »MetaLlbibliothek« 84
8 Erinnerungen an sagenhafte Zeiten
Bizarrer Schädelkult, Steinzeit-Chirurgen und ein Blick in
Dr. Cabreras » Geheimkammer« . 1 00
9 Nazca - Das achte Weltwunder
Wer schufdie gigantischen Linien und riesenhaften Scharrbilder? 1 12
10 Akte X - Die Ausstellung
WtlS niemand glauben wollte, wurde wahr 121
III Teil
FOSSILIEN, DIE NICHT INS SCHEMA PASSEN
11 Unerforschtes zur Erdgeschichte
Ungereimtheiten und unerwartete Entdeckungen 1 34
12 Forschung in Erklärungsnot
Kontroverse um versteinerte Fußabdrücke . 1 42
13 Handwerkliche Gegenstände aus der Urzeit
Das Zeitparadoxon und ein vorsintflutlicher Hammer 1 55
14 Koexistenz von Saurier und Mensch?
Das Dilemma mit den Datierungen und die Dino-Figuren
von Acambaro . 1 64
15 Und die Riesen gab es doch!
Neue Knochenfunde bestätigen uralte Legenden 1 73
16 Menschwerdung mit Fragezeichen
Intelligenzsprung und neue widersprüchliche Erkenntnisse . 185

Iv. Teil
VERSUNKENE WELTEN
17 Wann begann der Ursprung unserer Zivilisation?
Kartographen der Frühzeit stellen Weltbild infrage 1 98
18 Der Atlantis-Streit
Platons Erben suchen weiter . 210
19 MU und die Unterwasserruinen von Yonaguni
Überreste einer untergegangenen Hochkultur? 22 1
20 Das Mysterium von La Mana
» Organisches Gold« und leuchtende Artefakte 232
21 »Burrows' Cave« und die unlesbaren Schriften
Vermächtnis einer globalen prähistorischen Kultur? 246
22 Nomoli - Die Hüter der Himmelssteine
Rätsel um eine in Stein eingeschlossene Metallkugel 262
23 Kinder der Sterne
Hatten unsere Urväter Besuch aus dem Weltall? 27 1

V. Teil
WISSEN, DAS VERLORENGING
24 Alles schon dagewesen!
Moderne Technologien der Frühzeit am Beispiel der Agypter
und Chinesen . . 288
10

25 Licht für den Pharao


Elektrischer Strom im alten Agypten 300
26 Die ungewöhnlichen Steine aus Sutatausa
High- Tech-Zeugnisse einer weitfortgeschrittenen Hochkultur 314
27 Der »Genetische Diskus«
Uraltes biologisches Wissen 324
28 Magische Schädel aus Edelstein
Mit welchen Methoden wurden sie hergestellt? 336
29 Inty Nan und die »Wissenden der Zeit«
Megalithrätsel und die Macht der Pyramiden 347
30 Vorwärts in die Steinzeit
Wenn unsere Kultur versinkt . . . 359

Blick zurück im Staunen


Schlüsse und Perspektiven 369

Dankeschön 373

Literaturhinweise . 375

Sachregister 378

Personenregister 382

Ortsregister 384
Statt eines Vorwortes
Klaus Dona:
Mein unmöglicher Traum wurde Wirklichkeit
» Wenn alle anderen zweifeln, was heißt das schon?
>Das Nicht- Wahrnehmen von etwas beweist noch lange nicht dessen Nicht-Existenz. «(
Dalai Lama

Geht es Ihnen manchmal auch so, daß Sie mit Dingen konfrontiert werden, die
sie sich beim besten Willen nicht erklären können? Mir ist es in den letzten
Jahren ständig so ergangen. Seitdem ich mir die kühne Idee in den Kopf gesetzt
hatte, eine große Ausstellung über rätselhafte Entdeckungen zu organisieren,
läßt mich das spannende Thema Mystery nicht mehr los.
Heute bin ich davon überzeugt, daß vor den uns bekannten Hochkulturen
bereits fortgeschrittene Zivilisationen existiert haben. Da aber bisher kaum über
Funde berichtet wird, die diese These untermauern, und die wenigen bekannt­
gewordenen Entdeckungen von der etablierten Wissenschaft weitestgehend
unterdrückt oder nicht anerkannt werden, erscheint meine Behauptung auf den
ersten Blick als unvernünftig. Aber das ist keineswegs der Fall.
Meine vielen Forschungsreisen, die zur Recherche und Vorbereitung der
Ausstellung Unsolved Mysteries - Die Welt des Unerklärlichen notwendig waren,
führten mich um die halbe Welt. Ich fand verblüffende Hinweise und Fakten,
die unser Weltbild erschüttern könnten. Türen zu geheimen Archiven wurden
mir geöffnet, ich betrat verstaubte Kellerdepots und hatte Zugang zu unbe­
kannten Privatsammlungen. Das, was ich zu sehen bekam, hat mich wahrhaft in
Staunen versetzt. Ich habe unglaubliche, sensationelle und phantastische Expo­
nate gesehen, die normalerweise den neugierigen Blicken des Publikums ver­
schlossen bleiben. Vielleicht aus guten Gründen. Denn die archäologischen
Anomalien, von denen hier die Rede ist, sind dazu angetan, unser bisheriges
Geschichtsbild über den Werdegang des Lebens und die Entstehung der Zivili­
sation ernsthaft anzuzweifeln. Wenn die mysteriösen Artefakte einer weiteren
Untersuchung, ihre Echtheit und Authentizität betreffend, standhalten - und
die bisherigen Analysen haben nichts Gegenteiliges herausgefunden - müßte
wohl die Geschichte der Menschheit neu geschrieben, zumindest aber umge­
schrieben werden.
Den Eindruck teilen mittlerweile viele kritische Zeitgenossen, die anhand
rätselhafter Funde und neuer Entdeckungen einen Umbau unseres überlieferten
12 I

Geschichtskalenders fordern. Irgend etwas stimmt nicht mit unserer Vergan­


genheit. Sie war offenkundig phantastischer, als uns Lehrbücher Glauben ma­
chen. Wie sonst soll man kuriose Fundsachen verstehen, die es eigentlich gar
nicht geben dürfte? Die außergewöhnlichen Artefakte existieren tatsächlich,
können von interessierten Ausstellungsbesuchern bestaunt werden und stehen
ebenso couragierten Forschern für wissenschaftliche Analysen bereit. Darunter
so bizarre Objekte wie menschliche Relikte aus der Dinosaurierepoche, ein
»Weltkartenstein« aus der Vorzeit, Knochenfragmente von Riesen, prähistori­
sche High-Tech-Werkzeuge, Schriftzeichen aus der Steinzeit, »Glühbirnen« aus
dem alten Ägypten, leuchtende Steinscheiben unbekannten Ursprungs, Figuren
aus prähistorischen Höhlen, die an Astronauten erinnern, perfekt geschliffene -
mindestens 500 Jahre alte - Kristallköpfe aus Mittel- und Südamerika und
vieles mehr. Die Liste solcher »Unsolved Mysteries« ist lang. Sie sprengen die
Grenzen der Wissenschaft und zeigen uns, daß die Erkenntnisse und Errungen­
schaften des Altertums nichts anderes sind als Spuren eines uralten Wissens, das
im Laufe der Jahrtausende in Vergessenheit geriet.
Stimmt das Bild vom Fortschritt unserer Zivilisation? Gab es Kulturen, von
denen wir nichts mehr wissen? Hat es die sagenumwobenen Inselreiche Atlantis
und MU vielleicht doch gegeben? Gab es in grauer Vorzeit eine ungeheure
Katastrophe, die alle Spuren davon auslöschte? Können Überreste dieser Vor­
zeitkultur mühsam ermittelt, aber dennoch entdeckt werden?
Seit langem diskutiert die Fachwelt diese Fragen kontrovers und bietet
Widersprüche anstelle von plausiblen Erklärungen. Geheimnisvolle Spuren und
Zeugnisse aus frühen Zeiten beleben immer wieder eine weltweite Diskussion
über den Ursprung unserer Zivilisation. Ein alter Sinnspruch besagt, daß nicht
die gelösten, sondern vielmehr die ungelösten Probleme unseren Verstand wach
halten, zum Nachdenken zwingen und nicht selten zu neuen Erkenntnissen
führen. Hier findet meine Begeisterung an rätselhaften Phänomenen, die ich
mit vielen Menschen teile, ihre Erklärung.
Der Grundstein dafür wurde schon vor etlichen Jahren bei meinen vielen
Auslandsreisen gelegt. Als reiselustiger Ausstellungsmacher, der für Transport,
Organisation und Logistik von Kunstschätzen verantwortlich zeichnet, verbrin­
ge ich immer wieder viele Stunden in Flugzeugen, muß auf Flughäfen geduldig
auf die nächste Maschine warten und ziehe von einem Hotel ins nächste. Um
mir die Zeit zwischen den Terminen zu vertreiben, hatte ich immer spannenden
» Leseproviant« im Handgepäck, darunter die populären Werke von Quer­
denkern wie Robert Charroux oder Erich von Däniken. Schon in den 1 960er
Jahren spekulierten sie und andere Autoren über versunkene Hochkulturen,
Technologie der Frühzeit, Kontakte zwischen den Urvölkern oder gar Besuch
aus dem Kosmos. Die abenteuerlichen Theorien, j enseits des wissenschaftlichen
I 13
Establishment angesiedelt, faszinierten und beschäftigten mich - und sie tun es
heute mehr denn je. Daraus erklärt sich mein beherzter Plan, weltweit eine
einzigartige Ausstellung mit rätselhaften Fundsachen auf die Beine zu stellen.
Der »Startschuß« dazu erfolgte vor einigen Jahren in Japan. Während der
Aufbauarbeit zu einer Ausstellung diskutierte ich mit Museumskuratoren mein
Vorhaben. »Die großen Rätsel der Wissenschaft an einem Ort zusammenzutra­
gen«, bekam ich immer wieder aufmunternd zu hören, »ist eine wirklich tolle
Idee, Herr Dona. « Doch egal mit welchen Fachexperten, Kollegen und Freun­
den ich das strittige Thema diskutierte, es folgte im gleichen Atemzug stets der
ernüchternde Nachsatz: » . . . aber das werden Sie nie schaffen, das ist ein Ding
der Unmöglichkeit.«

Die » Väter« von Unsolved Mysteries: Klaus Dona, Dr. Willibald Katzinger und Reinhard
Habeck bei Recherchen in Südamerika. (Foto: Dr. Hans-Joachim Zillm er)

Die Argumente für die beharrliche Skepsis waren durchaus berechtigt: Welche
mysteriösen Funde gibt es überhaupt, die für eine solche Ausstellung infrage
kämen? In einschlägigen Büchern werden archäologische Seltsamkeiten und
Kuriositäten beschrieben, aber wo werden diese Mysterien aufbewahrt? Wie
findet man den Schlüssel zu den versiegelten Türen der Museumsdepots? Welche
Privatsammler sind im Besitz ungewöhnlicher Artefakte? Und selbst dann,
wenn es gelingen sollte in Geheimarchive vorzudringen: Welcher Museumsdi­
rektor wäre bereit, zweifelhafte Stücke aus dem Haus zu geben, die er selbst
14

nicht befriedigend erklären kann, weil das Alter oder die kulturelle Zugehörig­
keit unbekannt sind? Würde man angesehene Spezialisten für das Projekt
gewinnen können, die bereit wären, mysteriöse Relikte unvoreingenommen
einer wissenschaftlichen Untersuchung zuzuführen?
All diese offenen Fragen schwirrten in meinem Kopf herum, beschäftigten
mich immer mehr. Der Wunsch, das scheinbar Undenkbare zu realisieren, hatte
mich nicht mehr losgelassen. Und gerade deshalb, weil alle gesagt hatten: »Das
schaffst Du nie«, reizte es mich besonders, die große Herausforderung anzuneh­
men, wohl wissend, daß es nicht einfach werden würde. Obwohl ich später von
Neidern und Besserwissern herbe Kritik einstecken mußte, habe ich diese
Entscheidung niemals bereut. Egal wieviel Anstrengung die Organisation der
großen Phänomene-Schau Unsolved Mysteries auch gekostet haben mag, es war
das spannendste und aufregendste Projekt, das alle bisherigen Events in den
Schatten stellte.
Eine mehrjährige und streßgeplagte Vorbereitungszeit an Grundrecherchen
war unvermeidlich. Zwischen meinen Arbeiten für verschiedene Kulturaus­
stellungen nahm ich mir in der Anfangsphase viel Zeit, nach geeigneten Ausstel­
lungsstücken zu suchen. Ich studierte massenweise Fachbücher, durchforstete
das Internet nach nützlichen Informationen und nahm Kontakt mit bekannten
Autoren und engagierten Forschern in aller Welt auf. Dabei fiel mir eines Tages
ein dickes Buch in die Hände. Titel: Das Unerklärliche - Mysterien, Mythen,
Menschheitsrätsel. Auror: Reinhard Habeck. In diesem Wälzer liefert Habeck
einen umfassenden und leicht verständlichen Überblick zum Thema rätselhafte
Phänomene. Das gefiel mir. Und spannend zu lesen war es auch. Im Innenteil
des Buches fand ich die Kurzbiographie des Schriftstellers und war erstaunt zu
lesen, daß Reinhard Habeck in Wien arbeitet und wohnt. Ich fand ihn - einfach
und schnell - im Wiener Telefonbuch. Anruf, Terminvereinbarung, Treffen,
und schon waren wir auf einer Wellenlänge. Mit Reinhard Habeck fand ich
einen kongenialen Partner, der mir als erfolgreicher Autor Hunderte Tips zu
geben vermochte, wo auf dieser Welt entsprechende Funde gemacht wurden
und wo sie eventuell zu finden seien.
Wie aber sollte man an die begehrten Stücke herankommen? Selbst als wir
endlich herausgefunden hatten, wo sie sich befanden, war noch völlig unklar, ob
wir sie auch tatsächlich als Leihgabe erhalten würden. Reinhard Habeck, mein
Sohn Stefan und ich, wir waren redlich bemüht, eine gewissenhafte Arbeit
vorzulegen, aber wir sind keine Wissenschaftler. Unser Bemühen war und ist es
immer noch, kaum bekannte, verschollen geglaubte, mysteriöse Objekte aufzu­
spüren, diese zu dokumentieren und zur Diskussion zu stellen. Wir wollen
neugierig machen und Fragen aufwerfen, deren Beantwortung spekulativ blei­
ben muß. Schlüssige Erklärungen zu all diesen Mysterien können nur die
I 15

Klaus Dona im Dschungel von La Mana mit neu entdeckten Artefakten. (Foto: Klaus Dona)

Fachexperten finden. Sollte sich durch Untersuchungen eindeutig herausstel­


len, daß ein umstrittener Gegenstand bloß eine neuzeitliche Fälschung ist, darf
das nicht verschwiegen werden. Das gilt umgekehrt allerdings genauso. Es sollte
für einen Wissenschaftler keine Schande sein, freimütig einzugestehen, daß
man vor einer echten »Knacknuß« steht.
Mein erklärtes Ziel war es immer, hochqualifizierte Fachexperten in das
Proj ekt einzubinden, um mit wissenschaftlichen Analysen in dem einen oder
anderen Fall doch einer Lösung näher zu kommen. Kein leichtes Unterfangen,
wenn man weiß, daß sich selbst die Gelehrtenwelt in vielen Fragen uneins ist.
Nur in einer Sache stimmen die meisten überein: Mit »Mystery & Co. « will
man lieber nicht in Verbindung gebracht werden. Kein angesehener Wissen­
schaftler oder Museumsdirektor will sich mit kühnen Deutungen die Finger
verbrennen. Also lehnen die meisten es lieber von vornherein ab, umstrittene
Stücke genauer in Augenschein zu nehmen.
Doch es gibt sie, die wagemutigen Wissenschaftler, die trotz hämischer
Vorbehalte aus dem Kollegenkreis eine Konfrontation mit dem »Unerklärli­
chen« nicht scheuen. Bereits in der Projektphase ist es gelungen, einige sehr
namhafte Akademiker für Untersuchungen und einen wissenschaftlichen Beirat
zu gewinnen. Für ihre Unterstützung und ihr Vertrauen bin ich ihnen unend­
lich dankbar. Mein besonderes Dankeschön gilt einem Mann, der wesentlich
16
zum Gelingen der Ausstellung beigetragen hat: Mein Freund Dr. Willibald
Katzinger, angesehener Wissenschaftler und Direktor des renommierten Muse­
ums Nordico in Linz/Österreich. Wir lernten uns 1 992 bei meiner ersten
»Habsburger«-Ausstellung kennen. Dr. Katzinger war damals zweimal vor Ort
in Japan mit dabei, sowohl beim Auf- wie beim Abbau der historischen Kunst­
schätze. In dieser Zeit hat er erfahren, daß ich meine Projekte und Ausstellun­
gen sehr gewissenhaft plane und durchführe. Letztlich mag das der Grund dafür
gewesen sein, daß er sich bereit erklärt hatte als wissenschaftlicher Leiter an dem
Projekt Unsolved Mysteries mitzuwirken.
Mit dem Thema »Mystery« begibt man sich naturgemäß auf undurchsich­
tige Pfade. Das weiß auch Dr. Katzinger. Viele der in diesem Buch und in der
Ausstellung präsentierten »Unsolved Mysteries« sind durch unmittelbare Ent­
deckung der Leihgeber, Zufall, Kauf oder auf Umwegen in Privatsammlungen
gelangt. Kulturelle Zuordnung, Altersdatierung oder Fundumstände sind leider
in vielen Fällen nicht restlos geklärt. Oft mußte erst eine mühsame und
kostspielige Klassifizierung der »Archeologia mysteriosa« vorgenommen wer­
den. Wissenschaftler und Institute sind dazu herzlichst eingeladen. Doch für
Obj ekte, die es eigentlich
nicht geben dürfte und die
deshalb vorschnell als »Fäl­
schung« abqualifiziert wer­
den, will man weder Zeit
noch Geld investieren.
Dr. Katzinger bringt
die Problematik, die mit
solchen umstrittenen Fun­
den verbunden ist, auf den
Punkt, wenn er sehr auf­
richtig eingesteht: »Natür­
lich muß man nicht alles
Da staunte selbst Erfolgsautor und Mystery-Park-Gründer glauben, was Sammler er­
Erich von Däniken: » Unglaublich, was hier an sagenhaf­ zählen. Auf der anderen
ten Schätzen zusammengetragen wurde! Die Götter Seite kann gerade das Un­
hätten ihre wahre Freude damit!« (Foto: Rupert Leutgeb) wahrscheinliche wahr sein.
Außerdem gilt in der Wis­
senschaft auch der Umkehrschluß. Ich habe jede Behauptung, auch eine negati­
ve, zu begründen. Wenn ich also sage, daß Atlantis ein reines Hirngespinst ist
oder daß es keine Außerirdischen gibt, dann habe ich dies ebenso zu beweisen.
Wenn mir das nicht gelingt, bleibt die Frage offen.«
Nicht alle seine Kollegen teilen diese tolerante Einstellung gegenüber dem
17
Geheimnisvollen und Mysteriösen. Hunderte ausgesuchte Leihansuchen an
Museen in aller Welt wurden verschickt. Niederschmetterndes Ergebnis: Nahe­
zu alle Museen haben zum Teil mit fadenscheinigen Ausreden abgelehnt, ihre
verbotenen Schätze zur Verfügung zu stellen. Für Dr. Katzinger nicht ganz
überraschend: »Die Kuratoren der Museen nehmen - offensichtlich stellvertre­
tend für die wissenschaftliche Welt - für sich in Anspruch, darüber zu entschei­
den, in welchem Zusammenhang die von ihnen in öffentlichem Auftrag ver­
wahrten Obj ekte gezeigt werden dürfen. « Das Thema Mystery gehört nicht
dazu. Aus diesem Grund bleiben viele interessante Stücke weiterhin unter
Verschluß.
Nach eineinhalb Jahren mühsamer Recherche waren wir am Tiefpunkt.
Bald wurde deutlich, daß sich der Schwerpunkt auf Privatmuseen und ihre
Sammlungen ausdehnen würde. Ich dachte mir, wenn die begehrten Objekte
nicht zu uns kommen, dann müssen wir einen Weg zu ihnen finden. Wir
mußten an Ort und Stelle mit den j eweiligen Besitzern ins Gespräch kommen.
Ich organisierte deshalb zwei Reisen im Februar und September 2000. Es folgte
eine gezielte südamerikanische Museumstour, die von Kolumbien über Ecuador
nach Peru zu Privatsammlern und kaum bekannten archäologischen Plätzen
führte. Später kamen weitere Expeditionen ins Unfaßbare hinzu.
Das ganze Unternehmen war ein einziges großes Abenteuer und minde­
stens so spannend und aufregend wie die rätselhaften Stücke selbst. Ein dichter
Terminplan, der unzählige Gespräche mit Sammlern beinhaltete, brachte schließ­
lich den langersehnten Durchbruch. Nach der ersten Zusicherung einiger
Privatsammler, ihre Kunstobjekte für Unsolved Mysteries leihweise zur Verfü­
gung zu stellen, bekam das Proj ekt eine überraschende Wende und eine Eigen­
dynamik, die mich und meine Mitstreiter in der Folge zu Höchstleistungen
beflügelte. Mehr noch: Bei unseren weiteren Nachforschungen wurden wir von
der Praxis regelrecht überrollt. Wir sahen uns letztlich trotz unzähliger Absagen
und Rückschläge gezwungen, eine strenge Auswahl zu treffen, so sehr hatten
sich die Kenntnisse über Objekte und Sammler während der Vorbereitung zu
dieser Ausstellung vermehrt. 487 rätselhafte Exponate konnten später bei der
Weltpremiere in Wien der Öffentlichkeit präsentiert werden. Jedes einzelne
Stück fordert zur Diskussion heraus - vom winzigen Knochenfragment einer
unbekannten Kultur bis hin zur vier Meter hohen Sirigi-Stockwerkmaske des
geheimnisvollen Dogon-Stammes im westafrikanischen Mali. Ein buntes Pan­
optikum aufgefundener Merkwürdigkeiten breitete sich vor uns aus. Archäolo­
gische Rätsel, die eine neue Sichtweise offenlegen.
Mit Unsolved Mysteries habe ich unheimlich viel gelernt. Die vielleicht
wichtigste Erkenntnis lautet: Man muß den Mut aufbringen, sich mit unbeque­
men Fragen auseinanderzusetzen, Neues wagen, selbst dann, wenn der Ausgang
18

Sie waren bei der Premiere 2001 in Wien der große Publikumserfolg:
Hunderte originale Artefakte, die ungelöste Geheimnisse aus der
Menschheitsgeschichte dokumentieren. (Foto:: Reinhard Habeck)

ungewiß ist und vielleicht sogar im Gegensatz zu dem steht, was wir bisher an
Wissen angesammelt haben. Soll heißen: Haben wir Mut, das Undenkbare zu
denken!
Die folgenden Seiten liefern dafür j ede Menge neuer Anregungen. Doch
wir wollen nicht belehren, vielmehr neugierig machen, das Staunen bewirken
und zum Nachdenken auffordern. Co-Autor Reinhard Habeck und ich möch­
ten Sie nun, liebe Leserin, lieber Leser, mitnehmen auf eine packende Reise
durch die Welt des Übersinnlichen. Unser Buch erzählt die aufreibende Ge­
schichte zum Projekt Unsolved Mysteries, schildert die Suche und das Aufspüren
seltsamer Artefakte, zeigt die bisher unbekannten Entdeckungen und liefert
aufschlußreiche Exklusivinterviews mit Sammlern, Kritikern und Forschern aus
aller Welt. Sie machen Bekanntschaft mit grotesken Phänomenen, archäologi­
schen Raritäten und mysteriösen Vorgängen, die j enseits aller Logik für Verblüf­
fung sorgen. Es eröffnet sich eine Palette wundersamer Ereignisse, wie sie in
ähnlicher Fülle wohl noch nie vorgelegt und mit einzigartigem Bildmaterial
dokumentiert werden konnten. Gewinnen Sie mit uns einen ungeahnten Ein­
blick in die Welt des Übersinnlichen, wo Unglaubliches zur Wirklichkeit wird.

Klaus Dona, Wien im Mai 2004


Einleitung
Reinhard Habeck:
Die U7elt des Unerklärlichen
»Die Wirklichkeit hört nicht an dem Punkte auf,
wo unser Wissen von ihr aufhört. «
Prof Werner Jäger ( 1888- 1% 1), Philologe

Zu allen Zeiten lagen die scheinbar letzten Grenzen unserer Wissens immer nur
ein klein wenig weiter als durch das Erlebte, Erreichte, Bekannte und Vertraute
gekennzeichnet. Heute leben wir im Cyber-Space-Zeitalter der modernen Hoch­
technologie und spezialisierten Wissenschaften. Wir alle sind kritisch, sind
skeptisch. Besonders dann, wenn wir in unserer aufgeklärten Zeit noch immer
mit ungeklärten Dingen zwischen Himmel und Erde konfrontiert werden, die
jenseits unseres Verstehens liegen. Freilich, es gibt Sektierer, religiöse Eiferer und
Scharlatane, die für berechtigte Zweifel sorgen, wenn vom Thema Mystery die
Rede ist. Dennoch stellt sich umgekehrt genauso die berechtigte Frage, woher
wir wissen wollen, daß nur das der heutigen Wissenschaft Faßbare existiert?
Bewiesen hat schließlich noch niemand, daß all jene merkwürdigen Gescheh­
nisse, die sich unserem gesunden Menschenverstand entziehen, tatsächlich nur
Spintisiererei oder Täuschung sind.
Der Reiz des Mysteriösen, die Fähigkeit des Verstandes und die Kraft der
Phantasie - dies alles scheint mir wichtig bei der Suche nach der alles beweisen­
den Wahrheit. Ohne Mut zur Phantasie - das mögen auch Zweifler und
Kritiker bedenken -, ohne lebhafte Vorstellungskraft, ohne romantische Lei­
denschaft für die Sache wären viele bedeutende Errungenschaften der Wissen­
schaft unentdeckt geblieben.
Und es gibt sie immer noch, die unergründlichen Bereiche und unerklärli­
chen Fundsachen aus aller Welt, die nach wie vor auf ihre Erforschung warten.
Dabei sind, besonders in den letzten Jahren, gewisse beunruhigende und ver­
wirrende Dinge zutage getreten. Die Problematik bei der Sachlage liegt auf der
Hand: Es betrifft durchweg archäologische Raritäten, die von der orthodoxen
Wissenschaft »vernachlässigt« wurden oder verleugnet werden, weil es sie der
herrschenden Lehrmeinung zufolge gar nicht geben dürfte. Viele solcher ver­
blüffenden Entdeckungen müssen erst einer genauen wissenschaftlichen Studie
zugeführt werden.
Wo gesicherte Erkenntnisse fehlen und gewaltige Lücken bei der konven-
20 I
tionellen Vorstellung über die Menschwerdung offenkundig sind, müssen alte
elementare Fragen neu zur Diskussion gestellt werden: Wie kam das Leben auf
die Erde? Woher kommen wir? Kein anderes Lebewesen hat sich so weit entwik­
kelt wie der Homo sapiens. Aber wie kam es dazu? Ging der Mensch zwangsläufig
aus der Evolution hervor? Wie viele Jahre reicht die Entwicklung unserer Kultur
zurück, als deren Erben wir uns verstehen? Wo liegt die Wiege unserer Zivilisati­
on, die wir als menschliche bezeichnen? Wie und wann hat sie sich entwickelt?
Muß noch ein bislang unbekanntes Kapitel der Menschheitsgeschichte aufge­
schlagen werden?
Die Wissenschaft hat mit der Evolutionstheorie zwar offiziell viele Fragen
beantwortet. Dennoch existieren nach wie vor grobe Ungereimtheiten, die mit
der bekannten Abstammungslehre nicht in Einklang zu bringen sind. Mensch­
ähnliche Wesen gibt es, so wissen es Anthropologen, seit etwa 4 bis 6 Millionen
Jahren. Irgendwann in dieser Zeit oder kurz davor trennten sich die Wege des
gemeinsamen Stammbaumes zwischen Mfe und Mensch. Vor rund 4 , 5 Millio­
nen Jahren tauchten die ersten Vormenschen vom Typ Australopithecus auf -
Vorläufer des späteren modernen Menschen. Unsere eigene Unterart - der
intelligente Homo sapiens sapiens - hat sich erst vor rund 1 50 000 Jahren
herausgebildet. Gegensätzliche Behauptungen sind nicht akzeptabel. Aber ist es
wirklich so vermessen vorzuschlagen, daß sich die Wurzeln der menschlichen
Evolution vielleicht um Jahrmillionen früher entwickelt haben könnten? Gibt
es gute Gründe für einen solchen Verdacht?
Ich meine durchaus. Mit jedem neuen Fund werden althergebrachte Theo­
rien über Bord geworfen. Wie paßt es beispielsweise zum Puzzle der Evolutions­
lehre, daß man in Texas, USA, versteinerte Spuren von Dinosauriern und
Menschen in den gleichen geologischen Schichten findet? Wie ist es möglich,
daß man in Gesteinsschichten in der Nähe von Delta im US-Bundesstaat Utah
einen rund 440 Millionen Jahre alten Sandalenabdruck sowie einen dadurch
zertretenen Trilobiten, ein urweltliches Krebstier, gefunden hat? Oder was
haben frühe Steinwerkzeuge, die auf 200 000 Jahre datiert werden, in einem
amerikanischen flußbett in Kansas verloren? Wie erklären sich vorzeitliche
Miniatur-Segelflugzeuge und » Goldfliegen<, die man in Ägypten und Kolumbien
fand? Wie ist es möglich, daß Reliefdarstellungen aus der Pharaonenzeit exakte
elektrotechnische Details wiedergeben? Was hat eine Apparatur zur Berechnung
von Sternkonstellationen in vorchristlicher Zeit zu suchen? Auf wen müssen
geheimnisvolle Kristallschädel zurückgeführt werden, die nachweislich aus frü­
heren Epochen stammen? Jedes dieser Artefakte wurde seinerzeit mit einer
derart handwerklichen Perfektion angefertigt, wie es selbst heute, in unserer
modernen Zeit, kaum besser herzustellen wäre. Wie ist es möglich, daß archäo­
logische Artefakte präzise Informationen über genetisches Wissen enthalten?
I 21
Woher stammt das erstaunliche Wissen vieler Naturvölker, etwa die astronomi­
schen Informationen des westafrikanischen Dogon-Stammes, die zum Teil unse­
ren Wissenschaftlern erst in den letzten Jahrzehnten bekannt wurden? Welche
plausible Erklärung gibt es für eindrucksvolle Bodenzeichnungen wie j ene von
Nazca in Peru, die nur aus der Luft in ihrer gewaltigen Dimensionen zu
erkennen sind und deshalb die These herausfordern, daß die Ureinwohner
bereits fliegen konnten?
Und, und, und - so könnte man die Aufzählung merkwürdiger und
unglaublich anmutender Funde fortsetzen, die in diesem vorliegenden Werk
von Co-Autor Klaus Dona und mir dargelegt werden. Wir stießen bei unseren
historischen und archäologischen Studien auf echte Geheimnisse, die eine
schrittweise Entdeckung bisher unbekannter Kulturen offenlegt. Ergänzt wird
unser Report mit sensationellem Bildmaterial, das wir auf unseren Reisen
aufgenommen haben und das großteils hier zum ersten Mal veröffentlicht wird.
Wir können mit unser Arbeit belegen, daß Menschen früherer Zeitalter viele
wissenschaftliche Erkenntnisse besaßen, die unserem heutigen modernen Wis­
sen ebenbürtig sind. Und wir glauben auch, den Nachweis dafür erbringen zu
können, daß wir die technischen Leistungen der Menschen des Altertums und
der Frühgeschichte weit unterschätzt haben. Viele geschichtliche und vorge­
schichtliche Leistungen sind so gewaltig, so verwirrend und unglaublich, daß
wir sie fasziniert und manchmal fassungslos betrachten.
Doch nicht jeder, der sich für die letzten Geheimnisse aus früheren Zeiten
interessiert, ist in der Lage, um die Welt zu reisen, um etliche dieser prähistori­
schen Artefakte
persönlich in Au­
genschein zu neh­
men. Wer hat
wirklich Zugang
zu verstaubten
Kellerarchiven di­
verser Museen,
wo viele wertvol­
le Schätze unter
Verschluß gehal­
ten werden, weil
sie als »unerklär­
lich«, zumindest
aber »ungewöhn­
In Ecuador von den Autoren aufgespürt: Der mysteriöse » Weltkar­ lich« eingestuft
tenstein von Tumbaco«, (Foto: Dr. Hans-Joachim Zillm er) werden müssen?
22 I
Wer konnte sich jemals selbst einen persönlichen Eindruck von rätselhaften
Schaustücken machen, die normalerweise der Öffentlichkeit verborgen bleiben,
weil sie sich im Besitz anonymer Privatsammler befinden? Nur wenigen Glücks­
rittern war das bisher vorbehalten.
An dieser Stelle knüpft die von Klaus Dona initiierte spektakuläre Ausstel­
lung Unsolved Mysteries - Die Welt des Unerklärlichen an. In relativ kurzer Zeit
war es einem kleinen Team gelungen, mysteriöse Objekte aus aller Welt zusam­
menzutragen, die j eden Betrachter - egal ob Skeptiker oder Freund des Phanta­
stischen - in Staunen versetzen. Die meisten »Kuriositäten« wurden noch nie in
einer öffentlichen Präsentation gezeigt und müssen als unerforscht gelten. Eine
vergleichbare Schau mit unvermuteten Belegen untergegangener Vorzeit­
zivilisationen hat es bisher weltweit noch nie gegeben.
Ebenso spannend und unglaublich wie die Ausstellung selbst ist ihr Zustan­
dekommen. Wie das Klaus Dona völlig selbständig und in einer Rekordzeit
sowie unter Überwindung unzähliger Schwierigkeiten geschafft hat, ist mir, der
sich seit vielen Jahren mit rätselhaften Phänomenen beschäftigt, das größte aller
Rätsel. Fast könnte man meinen, überirdische Hilfe habe mitgewirkt. Auftakt
für meine Mitarbeit an dem Projekt Unsolved Mysteries war ein denkwürdiger
Tag, nämlich Mittwoch, der 8. April 1 99 8 . Eine kleine Notiz im Kalender
behielt das Datum in Erinnerung. Ich erhielt damals einen überraschenden
Anruf. Ein mir unbekannter Mann mit sympathischer Stimme, der sich mit
Klaus Dona, Kulturmanager und Ausstellungsmacher, vorstellte, war am Appa­
rat. Er erzählte mir, daß ihm eines meiner Bücher in die Hände gefallen sei. Er
habe es begeistert gelesen und sprach kryptisch von einer großen Projektidee in
diesem Zusammenhang.
Über zu viel Lob hat sich noch kein Autor beschwert. Ich war dankbar für
das Interesse an meinen Arbeiten und zugleich sehr neugierig. Damit hat Klaus
Dona gerechnet. Wenige Tage später wurde ein Treffen vereinbart. Dabei
erläuterte er mir in seinem Stadtbüro, gleich um die Ecke des berühmten
Wiener Wahrzeichens Stephansdom, euphorisch sein ehrgeiziges »Mammut­
projekt« . Klaus Dona hatte sich felsenfest vorgenommen, erstmals j ene myste­
riösen Originalexponate an einem Ort anzuhäufen, die in einschlägigen Sach­
büchern - darunter auch in meinen eigenen - über rätselhafte Phänomene
beschrieben werden. Wie aber sollte das Unmögliche möglich gemacht werden?
Welche rätselhaften Exponate kämen für eine solche Mystery-Präsentation über­
haupt infrage? Wo werden sie aufbewahrt? Welche Museumsdirektoren, Leihge­
ber und Forscher sind zu kontaktieren?
Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen konnten: Die kommenden
drei Jahre sollten die spannendsten und aufregendsten unseres Lebens werden.
Allerdings ebenso die streßreichsten. Wir waren mehrfach am Limit unserer
I 23
Kräfte, arbeiteten Tag und Nacht, oft mit wenigen Stunden Schlaf. Es herrschte
Ausnahmezustand. In vielen konstruktiven Gesprächsrunden verschafften wir
uns zunächst einen thematischen Überblick, und langsam nahm die scheinbar
»verrückte« Idee, die bislang niemand in die Realität umzusetzen imstande war,
Gestalt an. Dennoch wurden wir weiterhin mit jeder Menge neuer »Stolper­
steine« konfrontiert, die es mühevoll zu überwinden galt. Ein erhebliches
Problem war und ist die strittige Thematik selbst. Da die aufgestöberten Stücke
meist im Widerspruch zum bisher vertrauten Weltbild stehen, liefern sie jede
Menge Raum für aufregende Spekulationen. Spekulationen aber sind in der
strengen Wissenschaft ein Tabu. Jeder Fund muß exakt dokumentiert, klassifi­
ziert und altersdatiert sein.
Doch gerade diese auf wissenschaftlicher Basis erfolgte Auskunft ist bei den
zur Diskussion gestellten »Unsolved Mysteries« selten gesichert. Die Fundum­
stände sind leider umstritten, lassen sich oft nicht mehr exakt rekonstruieren.
Außerdem werden zu viele unterschiedliche Disziplinen angesprochen, zu viele
Epochen stehen zur Diskussion. Hinzu kommt noch, daß nur wenige Wissen­
schaftler dazu bereit sind, sich mit den aufgezeigten Phänomenen unvoreinge­
nommen auseinander zu setzen. Der Grund dafür könnte in der Angst begrün­
det liegen, sich womöglich mit irgendwelchen kühnen Schlußfolgerungen bei
den Fachkollegen zu blamieren.
Was aber Zweifler übersehen: Die Wissenschaftsgeschichte läuft nicht ge­
radlinig, Theorien ändern sich unentwegt und werden das aufgrund außerge­
wöhnlicher Entdeckungen und neuer Erkenntnisse auch weiterhin tun. Trotz
großartiger Leistungen der Wissenschaft und der Erweiterung unseres Wissens­
horizonts stehen wir nämlich immer noch mitten in einem Lernprozeß. Was
heute als Magie oder Aberglaube gilt, kann von den kommenden Generationen
ganz anders verstanden und eines Tages sogar selbst zur Wissenschaft erhoben
werden. Zahlreiche ehemals als utopisch angesehene Beispiele von der Bioche­
mie bis zur Weltraumfahrt belegen dies nachdrücklich.
Die Streiftrage zwischen etablierter Wissenschaft und »regelwidrigen« Theo­
rien lautet: Wie könnten rätselhafte Phänomene oder sonderbare archäologi­
sche Entdeckungen in den Hauptkorpus der Wissenschaft einbezogen werden?
Zu gegensätzlich scheinen die Fronten, da die orthodoxe Wissenschaft vor allem
darum bemüht ist, ihr Wissensgut zu untermauern, und nicht darum, Mysteri­
en aufzuspüren. Wiederholbarkeit und Gesetzmäßigkeit rangieren vor bizarren
Sonderfällen. Wird die Wissenschaft eines Tages ihren Wirkungskreis erweitern
und unerklärliche Entdeckungen sowie merkwürdige Vorkommnisse darin ein­
gliedern, zumindest so lange, bis bessere Erkenntnisse oder Theorien vorliegen?
Der erste Schritt in diese Entwicklung setzt die Bereitschaft voraus, myste­
riöse Obj ekte, wie bei Unsolved Mysteries vorgestellt, genauer einer wissenschaft-
24 I

lichen Prüfung zu unterziehen und möglicherweise »Neuzeitliches« oder »na­


türlich Erklärbares« von tatsächlich Rätselhaftem zu unterscheiden. Keine leicht
zu bewältigende Aufgabe angesichts der Datenfülle und der Schwierigkeiten der
Altersbestimmung.
Es scheint mir allerdings zur Wahrheitsfindung notwendig, daß man den
Mut aufbrächte, diese Überprüfung nicht nur einseitig der Sichtweise derzeit
herrschender Dogmen unterzuordnen, sondern ebenso neue Betrachtungswei­
sen zu erlauben - etwa die Überprüfung der Frage nach technologischem Wissen
in der Frühzeit.
Keine Scheu vor dem Rätselhaften und Unerforschten hat der angesehene
Wissenschaftler Dr. Willibald Katzinger. Der Direktor des renommierten Stadt­
museums Nordico in Linz, Österreich,
ist zwar ein erklärter Skeptiker, aber
dennoch offen für neue Ideen und
genauso fasziniert von außergewöhn­
lichen Entdeckungen der Archäologie
wie wir alle. Für Klaus Dona war es
ein Glücksfall, daß Dr. Katzinger als
wissenschaftlicher Betreuer der Aus­
stellung gewonnen werden konnte.
Augenzwinkernd meint der Gelehrte Flug über die Hochebene von Nazca, Peru:
zu seiner Funktion: »Meine Aufgabe Autor Habeck mit Dr. Willibald Katzinger,
war die Beschränkung auf den Wäch­ der im Hintergrund stets bemüht war, das
ter Zerberus, der bei überbordender umstrittene Thema » Unsolved Mysteries«
Phantasie der Ausstellungsmacher die wissenschaftlich abzusichern.
Notbremse zu ziehen hatte. « (Foto: Klaus Dona)
I n Wahrheit war Dr. Katzinger
federführend aktiv, hatte in angestrengter Kleinarbeit hunderte Kollegen, amtli­
che Stellen und Museen konfrontiert, mit dem Ansinnen außergewöhnliche
Exponate für die Ausstellung zu gewinnen. Das Ergebnis war ernüchternd. Es
hagelte eine Ablehnung nach der anderen. Dr. Katzinger stellt in dieser Frage
seinen Kollegen kein gutes Zeugnis aus, wenn er anmerkt: »Ein Vorwurf an die
etablierte Wissenschaft gipfelt darin, daß sie Erkenntnisse, die nicht in das
gegenwärtige Weltbild passen, verschleiert, verschweigt oder unterdrückt. Ein
berechtigter Vorwurf, wie ich meine. Unzählige abschlägig beschiedene Leih­
ersuchen, die ich für die Ausstellung Unsolved Mysteries an Museen in aller Welt
gestellt hatte, bestätigen mir dies. «
Enttäuschung machte sich breit. Eineinhalb Jahre harte Arbeit lagen hinter
uns, und wir standen praktisch wieder am Anfang. In dieser von Frust geprägten
Phase war das idealistische Ptojekt beinahe zum Scheitern verurteilt. Doch
I 25
Klaus Dona griff weiterhin unbeirrt nach den Sternen, war nach all den vielen
Mühen nicht bereit aufZugeben. Er glaubte nach wie vor fest an seinen unmög­
lichen Traum und wußte schon aus vorangegangenen Proj ekten, daß man das
Unerreichbare anstreben mußte, damit das Erreichbare gelingt. Nur mit dem
Unmöglichen als Ziel erreicht man das Mögliche. Diese positive Kraft und
optimistische Zuversicht beflügelten auch Dr. Katzinger und mich.
Klaus Dona änderte die Strategie. Von jetzt an machten wir uns selbst auf
die Suche nach den »Unsolved Mysteries«. Klaus Dona organisierte mehrere
Reisen, um an Ort und Stelle mit den jeweiligen Behörden, Museumsleitern
und Privatsammlern über das Ausleihen von Exponaten zu verhandeln. Die
erste große Tour, die letztlich den späteren Erfolg einleitete, führte uns quer
durch Südamerika, von Kolumbien über Ecuador nach Peru. Was wir dabei an
abenteuerlichen Begebenheiten erlebten, mit welchen interessanten Persönlich­
keiten wir ins Gespräch kamen und welche außergewöhnlichen Leihexponate
wir schließlich für die Ausstellung gewinnen konnten, davon wollen wir, Klaus
Dona und ich, in diesem Buch exklusiv berichten.
Eines vorweg: Unsere geduldigen Bemühungen und hartnäckigen Anstren­
gungen endeten erfolgreich, in einer Art und Weise, die unsere kühnsten
Erwartungen weit übertroffen hat. Interessierte Laien, wissenschaftliche Fach­
leute oder Freunde der Grenzwissenschaften konnten sich davon bereits 200 1
bei der Weltpremiere in Wien angesichts geheimnisvoller Artefakte persönlich
überzeugen. Im Mystery-Park in Interlaken/Schweiz feiert die einzigartige Aus­
stellung 2004 ein Comeback und wird 2005 auch das japanische Publikum
verblüffen. Die Schau wurde erweitert um eine Vielzahl neuer »Unsolved
Mysteries«, die inzwischen hinzugefügt werden konnten.
Insgesamt ist es Klaus Dona und seinem kleinen Mitarbeiterteam gelun-

Unsolved Mysteries
lockte in Wien viele
prominente Besucher an:
Malerfürst Prof. Ernst
Fuchs, weltberühmt für
seine phantastische
Bilderwelt, wurde von den
Autoren durch die Schau­
räume begleitet und
zeigte sich angesichts der
vielen archäologischen
Rätsel überrascht. (Foto:
Rupert Leutgeb)
26 I

gen, mehrere hundert »anormale« Schaustücke aus unterschiedlichsten Kultur­


epochen unseres Planeten zusammenzusuchen, die nun erstmals im Rahmen
einer großen Präsentation bestaunt werden können und ebenso Gegenstand
dieses Begleitbuches sind. Es ist eine geballte Ladung beispielloser Funde aus
weit zurückliegenden Epochen, die selbst Insidern, welche sich mit geheimnis­
vollen Menschheitsrätseln befassen, bislang unbekannt geblieben sind. Offene
Münder, verdutztes Kopfschütteln und aufgerissene Augen sind die durchaus
erwünschten Nebenwirkungen der Ausstellung Unsolved Mysteries.
Doch neue Entdeckungen bringen naturgemäß immer neue Probleme.
Bevor aus den von uns aufgedeckten Rätseln der Archäologie eine endgültige
Schlußfolgerung gezogen werden kann, sollten wir bemüht sein, das vorgesetzte
Datenmaterial sowohl gewissenhaft als auch emotionsfrei zu prüfen, um zu
einem annähernd objektiven Gesamturteil über die Stichhaltigkeit der verschie­
denen Artefakte und der damit verbundenen Denkmodelle zu gelangen.
Es gilt das Für und Wider sorgsam abzuwägen. Dazu aber wäre, so die
einhellige Meinung von Klaus Dona und mir, eine interdisziplinäre Zusammen­
arbeit verschiedener Wissenschaftsbereiche norwendig, um eine Klassifizierung
der strittigen Gegenstände zu ermöglichen. Unser Wunsch an die wissenschaft­
liche Fachwelt: frühgeschichtliche Funde nicht vorweg als »Unsinn« abqualifi­
zieren, nur weil ihre Existenz nicht oder nur schwer ins Schema der heute
bekannten Kulturgeschichte einzuordnen ist.
Inzwischen ist es Klaus Dona gelungen, ranghohe Wissenschaftler zu über­
reden, einige der zur Schau gestellten prähistorischen Gegenstände mit wissen­
schaftlichen Methoden zu untersuchen. Die Analysen haben zum Teil Erstaun­
liches offenbart. Mehr davon erfährt der Leser in den folgenden Kapiteln, die
eine phantastische Zeitreise durch die faszinierende Welt des Unerklärlichen
enthüllen. Wir lassen Sammler, Entdecker und Forscher zu Wort kommen,
berichten über eigene unglaubliche Erlebnisse, erörtern die eine oder andere
Theorie, diskutieren den Zweifel, wo er angebracht ist, setzen Fragezeichen, wo
selbst strengste Wissenschaft nicht weiter weiß. Alle von Klaus Dona und mir
vorgestellten rätselhaften Artefakte sind in Wort und Bild belegt. Nichts davon
verstößt gegen die Gesetze etablierter Wissenschaften, sondern steht lediglich
im Gegensatz zu dem, was wir bisher über unsere Vergangenheit herausgefun­
den haben.

Reinhard Habeck, Wien, im Mai 2004


I. Teil

VORSTOSS INS
UNBEKANNTE
»Der große Feind der Wissenschaft ist nicht der Irrtum, sondern die Faulheit. «
Henry Thomas Buckle ( 1 82 1 - 1 862) englischer Kulturhistoriker
1
Projekt Unsolved Mysteries
Kennen wir unsere Vergangenheit wirklich?

Rund um den Globus verstreut wurden und werden immer wieder erstaunliche
Relikte aus dem Erdreich gebuddelt. Historiker und Archäologen sind bemüht,
aufgefundene Spuren und grandiose Zeugnisse richtig zu deuten, die unsere
Ahnen hinterlassen haben. Stück für Stück fügt sich so in dem großen Bild der
Vorgeschichte ein Mosaiksteinchen an das andere. Überreste von Bauten ließen
sich zeitlich und kulturell einordnen; verschiedenste Artefakte konnten inter­
pretiert werden; unverstandene Schriftsymbole wurden lesbar gemacht und
fremdartige Sprachen allmählich verständlich.
Trotz solcher Erfolge, trotz allen Spürsinns und der Klugheit vieler Fachleu­
te ist das Bild der Menschheitsgeschichte keineswegs lückenlos erforscht. Selbst
deutliche Hinterlassenschaften bekannter Hochkulturen, etwa j ener der Sume­
rer, Ägypter, Maya oder Inka, geben immer noch Rätsel auf. Die berühmten
Pyramiden von Gizeh beispielsweise hüten weiterhin ihr großes Geheimnis. Bis
heute ist umstritten, wie sie gebaut wurden und zu welchem Zweck. Geheime
Kammern in der Cheopspy­
ramide, die in j üngster Zeit
mit einem Miniroboter er­
forscht wurden, werfen mehr
Fragen auf, als Ägyptologen
beantworten können. Bleiben
die letzten Rätsel ungelöst?
Woher besaß die altägyptische
Priesterschaft ihr profundes
Wissen?
Oder denken wir an die
gewaltigen Steinbastionen
von Sacsayhuaman in Peru.
Die Feste besteht aus drei par­
allel zueinander laufenden
gewaltigen Wänden, von de­
nen j ede etwa dreihundert­
sechzig Meter mißt. In den
Mauern befinden sich bis zu Das letzte erhalten gebliebene Weltwunder: Die Pyra­
neun Meter hohe, fünf Meter miden von Gizeh in Ägypten. (Foto: Adriano Forgione)
I 29
breite und vier Meter tiefe Steinblöcke, die von einem 30 Kilometer entferntem
Steinbruch ohne Zuhilfenahme von Rädern herbeigeschafft wurden. So j eden­
falls weiß es die offizielle Lehrmeinung. Wie war es den Vorfahren der Inka
möglich, »Zyklopenmauern« mit bis zu 1 00 Tonnen schweren Steinblöcken so
perfekt und ohne Mörtel ineinander zu fügen? Wir wissen es nicht.
Wieviel anderes bleibt uns noch verborgen vom Leben der Menschen
damals, ihrem Alltag, ihrer Kultur, ihren Fertigkeiten? Wie mögen die Rituale
ausgesehen haben, die vielleicht auf alten Kultplätzen vor Tausenden von Jahren
praktiziert wurden? All zu oft ist die vage Bezeichnung »Kult« nur die Um­
schreibung dafür, daß wir in Wahrheit gar nichts wissen. Vor allem aber müssen
wir uns die Frage stellen, ob jene, deren Spuren wir kaum befriedigend deuten
können, wirklich so primitiv waren, wie wir gemeinhin annehmen.
Eine endlose Flut neuer Entdeckungen sorgt dafür, daß sich das Wissen
über die Ursprünge unsere Herkunft verändert. Jeder neue Fund kann unsere
Vorstellung von der menschlichen Vergangenheit umstoßen. Es kann sich um
ein winziges Fragment eines fossilen Urzeitmenschen handeln, um erweiterte
Methoden bei der Datierung, kunstvolle Keramik oder um Grabstätten, die
neue Erkenntnisse über das Leben und Wirken unserer Vorfahren enthüllen.
Forscher können aber auch auf etwas völlig Unerwartetes stoßen, auf
sogenannte »Out of Place Artefacts« (deutsch etwa: künstlich hergestellte Ge­
genstände an seltsamen Orten) , kurz »Ooparts« genannt. Solche findet man
etwa im ausgetrockneten flußbett des Paluxy in Texas: Riesenhafte menschliche
Fußabdrücke direkt neben Dinosaurierfährten in denselben geologischen Schich­
ten. Ebenso wurden Millionen Jahre alte Werkzeuge zutage befördert, die aus
einer Epoche stammen, in der noch keine menschenähnlichen Lebewesen
existierten. Oder der Fund einer Goldkette, die aus einer 300 Millionen Jahre
alten Kohleschicht im US-Bundesstaat Illinois geborgen wurde. Wie kam sie
dort hinein? Gleichermaßen mysteriös: Eiserne Nägel, die in einem Steinbruch
aus einem massiven Sandsteinblock entdeckt wurden. Alter: 387 Millionen
Jahre!
Solche Kuriositäten, die in keine der gängigen Theorien passen, sind gar
nicht so selten, wie man denkt. Was tun mit rätselhaften Objekten, bei denen
Herkunft, Entstehung, Altersdatierung und Bedeutung ungeklärt sind? Wes­
halb werden die fraglichen Gegenstände nicht mit der gleichen wissenschaftli­
cher Akribie analysiert und die Ergebnisse öffentlich publik gemacht, wie dies
etwa bei der 1 99 1 in den Ötztaler Alpen (Gebirgszug zwischen Italien und
Österreich) aufgefundenen »Gletschermumie Ötzi« geschah? Er ist der erste
prähistorische Mensch, der j emals mit seiner Alltagskleidung und Ausrüstung
in 3200 Metern Höhe entdeckt wurde. Bei Fundsachen, die der Abteilung
»Unsolved Mysteries« zugerechnet werden müssen, geht man weniger gewissen-
30 I
haft vor. Hat man Angst vor kühnen Gedanken? Fürchten aufgeschlossene
Fachexperten die empörte Reaktion ihrer Kollegenschaft? Was hält Wissen­
schaftler davon ab, sich mit unerklärlichen Phänomenen auseinanderzusetzen?
Langwierige und kostspielige Analysen sind mühsam. Da mag es weniger
problematisch erscheinen, die Echtheit einer archäologischen Anomalie zu
bezweifeln, sie als »Laune der Natur« zu betiteln oder einfach zu ignorieren.
Aber ist dies der richtige Weg, die Rätsel unserer Geschichte zu lösen, auch
dann, wenn sich vieles nicht auf den ersten Blick deuten läßt? Was geschieht mit
lästigen »Ooparts«, die das konventionelle Dogma empfindlich stören? Und
weshalb erfährt man davon nichts in den Lehrbüchern? Statt dessen bekommen
wir dort ein hübsch geordnetes Bild über unsere Vorgeschichte vermittelt, vom
Entstehen der Arten, den ersten Schritten der Zivilisation bis hin zur Jetztzeit.
Akzeptabel ist dieses Bild allerdings nur dann, wenn einige der Ungereimtheiten
in dem Beweismaterial übersehen werden, was viele der Bequemlichkeit halber
auch tun. Unwillkommenes wird einfach weggefiltert. Wollte man diese Wider­
sprüche aber in das vorgefertigte Schema einpassen, müßte unsere ganze Be­
trachtungsweise zur Weltgeschichte neu gestaltet oder zumindest in wichtigen
Punkten ergänzt werden. Dazu sind nur wenige Wissenschaftler bereit.
Das mag vielleicht der Hauptgrund dafür sein, weshalb viele archäologische
Seltsamkeiten ohne wissenschaftliche Untersuchung in Museumsdepots ver­
schwinden, unerledigt liegenbleiben, bis sich schließlich niemand mehr an sie
erinnern möchte. Manches davon wird absichtlich unterschlagen und bleibt oft
über viele Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte unter Verschluß. Ein gutes Fallbei­
spiel liefern unsere amerikanischen Kollegen Michael Cremo und Richard
Thompson. Die beiden Forscher haben es sich wie wir zur Aufgabe gemacht,
unterdrückte Entdeckungen aus der Vergangenheit zu dokumentieren. Mit
ihrem literarischen Welterfolg Verbotene Archäologie ist das beweiskräftig gelun­
gen. Bei ihren Recherchen fiel den Autoren eine Publikation aus dem Jahre
1 8 80 in die Hände. Verfaßt wurde sie von dem amerikanischen Geologen
J D. Whitney, der Mitte des 1 9 . Jahrhunderts auf eine sensationelle Fundstelle
in den Bergen von Tuolomne in Kalifornien gestoßen war. Tief in Bergwerk­
schächten, unter dicken, unangetasteten Lavaschichten verborgen, wurden
Steinwerkzeuge gefunden, die eine fortschrittliche Herstellungstechnik zeigten.
Unter den Gerätschaften befanden sich Speerspitzen, steinerne Mörser und
Stößel. Das Besondere daran: ihr Alter wird zwischen 9 und 55 Millionen Jahre
datiert!
Wie ist das möglich? Heißt es doch offiziell, die ersten Steinwerkzeuge aus
der Neuen Welt stammen von der Clovis-Kultur, die vor rund 1 2 000 Jahren
bestand! »Als wir 1 996 von der NBC-TV-Station für die Sendung The Mysterious
Origins ofMan eingeladen wurden, erzählte ich den Fernsehmachern auch von
I 31
der Fundstätte in Kalifornien«, erklärt uns Michael Cremo und fügt hinzu: »Die
Funde befinden sich noch heute in der Universität von Berkeley, dort, wo
Whitney sie vor über 1 00 Jahren hingebracht hatte. NBC wollte diese Artefakte
filmen, wurde aber abgewiesen. Diese Dinge herauszusuchen sei eine zu große
Arbeit, hieß es. Außerdem sei man momentan unterbesetzt. Die reiche NBC­
Station roch Lunte, hakte nach und bot jede Geldsumme an, die nötig sei, um
diese Arbeit zu verrichten. Doch dann kam die Antwort vom Direktor des
Institutes, und die war unmißverständlich: Diese Obj ekte dürfen nicht gefilmt
werden . . . «
Kein Einzelfall. In den Archiven der Museen, Institute und Sammlungen
schlummern Relikte, die genügend Sprengsroff enthalten, um unser vertrautes
Geschichtsbild in die Luft zu jagen. Die etablierte Gelehrtenwelt steht vor
einem gewaltigen Berg von Problemen. Wissenschaftliche Forschung erfordert
Geld und kostet vor allem Zeit. Die Depots sind voll mit unaufgearbeitetem
Material, das auf seine Entdeckung wartet. Noch problematischer ist der Sach­
verhalt bei ungewöhnlichen Exponaten, die sich in Privatbesitz befinden.
Da hier oft nicht einmal der nähere Fundumstand bekannt ist, werden
skurrile Stücke vorschnell als »unbedeutend«, »neuzeitlich« oder »gefälscht«
deklariert, noch ehe eine wissenschaftliche Aufarbeitung stattgefunden hat.
Doch gerade bei Objekten, wo die Echtheit infrage steht, ist es sinnvoll, und für
die Wahrheitsfindung notwendig, daß die Wissenschaft sich ihrer annimmt.
Durch seriöse Untersuchungen könnten Mythen, die sich oft lange halten,
durch klare Aussagen ersetzt werden. So manches Rätsel fände seine Lösung.
Allerdings werfen eben auch viele dieser Artefakte schlicht unbequeme Fragen
auf. Fragen, die an den Grundfesten akademischer Glaubenssätze rütteln.
In diesen Ungewißheiten liegt das Hauptmotiv verankert, weshalb wir
unser Ausstellungsproj ekt Unsolved Mysteries wagten. Gleichzeitig ist die Studie
Ausgangspunkt für dieses Buch. Drei Ziele verfolgen wir mit unserer Arbeit.
Erstens:
Mysteriöse Artefakte, verschollen geglaubte Schätze sowie vor der Öffent­
lichkeit versteckte Entdeckungen der Archäologie ausfindig machen, aus
dem Schattendasein der Museen und Privatsammlungen entleihen und
in einer großen Ausstellung erstmals einem interessierten Publikum zur
Diskussion zu stellen.
Zweitens:
Aufzeigen, daß anhand der präsentierten rätselhaften Originalrelikte die
Frage nach den Ursprüngen der Menschheit und nach möglichen unter­
gegangenen Vorzeitzivilisationen neu gestellt werden muß. Ausstellungs­
besucher und -besucherinnen sollen zum Staunen und Nachdenken an­
geregt werden, wobei die Meinung der wissenschaftlichen Fachleute
32 I
ebenso gefragt ist wie j ene der Forscher der Grenzwissenschaften und aller
übrigen Interessenten.
Drittens:
Couragierte Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen sollen dazu
angeregt werden, fragwürdige Funde einer exakten wissenschaftlichen
Analyse zu unterziehen . Diese Untersuchung sollte wertfrei ohne
Ausgrenzung aus der Perspektive verschiedenster Wissenschaftszweige
stattfinden. Nur so läßt sich fächerübergreifend herausfinden, ob betref­
fende Gegenstände in den Bereich »plumpe Fälschung«, »zeitgemäßes
Kunstwerk« oder » archäologische Sensation« einzuordnen sind. Wün­
schenswert wäre es, durch die Einbindung der Wissenschaft das strittige
Thema dem Blickfeld des vormals Phantastischen zu entheben und zum
Zentrum eines konkreten Forschungsinteresses zu machen.

Das Betätigungsfeld dafür ist vorhanden, großteils unerforscht und kaum über­
schaubar. Doch bevor man Fachexperten einlädt, zweifelhafte Fundstücke wis­
senschaftlichen Untersuchungen zu unterziehen, müssen die besagten » Unsolved
Mysteries« erst einmal aufgestöbert werden. Unsere Überlegung dabei war,
möglichst viele Rätsel der Archäologie an einem Ort zusammenzutragen und
somit eine Untersuchung zu erleichtern. Wie sich zeigen sollte, eine sehr
widerspenstige Aufgabe, an der schon viele Glücksritter vor uns gescheitert
waren.
Wir durchforsteten das Internet, vergruben uns in Bibliotheken, durchstö­
berten deren Archive, suchten mühselig Adressen heraus, kontaktieren Forscher
und führten unzählige Gespräche mit Museumsdirektoren, Kuratoren und
Leihgebern. Nach über einem Jahr zeitraubender Recherchen hatten wir die
gesuchten Informationen für rund 3 5 0 rätselhafte Objekte fein säuberlich
katalogisiert sowie mit Fotos dokumentiert. Soweit feststellbar, wurden die
bekannten Daten mit der j eweiligen Altersdatierung,
Materialangabe, den Fundumständen und dem heu­
tigen Aufbewahrungsort ergänzt.
Das war die Ausgangsbasis für die nachfolgen­
den Leihansuchen an Museen in aller Welt. Jetzt
konnte der Vorstoß ins Unbekannte beginnen. Noch
ahnten wir nicht, wohin uns die spannende Spuren­
suche durch das Labyrinth des Unerklärlichen füh­
ren sollte . . .

Das Ausstellungsplakat zur Unsolved-Mysteries-Weltpre­


miere in Wien 2001. (Foto: Bernhard Moestl und Autoren)
2
Verstaubte Geschichte
Dinge, die es nicht geben dürfte

Der Staub, der sich auf unserem althergebrachten Geschichtsbild angesammelt


hat, gehört längst entfernt. Denn eines wird nicht zuletzt durch überraschende
Fundstücke, über die Archäologen zunehmend stolpern, immer deutlicher: Die
Entwicklung der Menschheitsgeschichte verlief nicht so geradlinig, wie wir das
gemeinhin annehmen. Es gab und gibt ein ständiges Auf und Ab des Wissens
und der Fertigkeiten. Und es gibt Kenntnisse, die verlorengingen, sei es durch
blutige Kriege, Ausrottung der eingeweihten Priesterschaft, brutalen Vandalis­
mus oder gewaltige Naturkatastrophen. Es dauerte oft Jahrzehnte, manchmal
Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende, bis ein verlorenes Wissen mühsam wieder­
entdeckt werden konnte. So erfand der Mathematiker Hero von Alexandria
schon im ersten Jahrhundert nach Christus die Dampfmaschine und baute sogar
zwei funktionierende Modelle. Doch wir kennen die Dampfmaschine heute
nur als Erfindung von farnes watt, der damit 1 765 den Startschuß zur westli­
chen Industriegesellschaft gab.
Selbst universelle Erkenntnisse von der Erde und dem Kosmos gab es
bereits anno dazumal. So wußte der chinesische Allroundkönner Chang Heng
bereits vor 1 800 Jahren, daß die Erde »einem Eiswasser« ähnlich sehe, und als
man in unseren Breiten über kosmische Fakten noch nicht einmal andeutungs­
weise Bescheid wußte, behauptete der Gelehrte Chi-Po selbstbewußt, die Erde
sei von kugelförmiger Gestalt und schwebe schwerelos im Raum. Diese Einsicht
war dem Chinesen vor 4600 Jahren gekommen - und vor etwas mehr als
zweitausend Jahren schrieb ein gewisser Chi-Meng in seinem Werk Hsuan Yeh,
die blaue Farbe des Himmels sei auf eine optische Täuschung zurückzuführen,
und Sonne, Mond und Sterne schwebten frei im leeren Raum.
Vieles, was als Errungenschaft der Neuzeit gilt, ist im Grunde genommen
nur wiederentdecktes Wissen. Eine Ausstellung, die anhand unerforschter Rät­
sel der Archäologie genau dieses Faktum aufzeigen soll und gleichzeitig Zweifel
an unserem gängigen Bild vom Fortschritt anmerkt, macht nur dann Sinn,
wenn man dies durch Funde belegen und öffentlich herzeigen kann. Repliken
sind immer nur eine Notlösung. Wir wollten unbedingt die Originale. Nut
wenn es gelingen würde, die authentischen Stücke zu präsentieren, durften wir
mit einem Erfolg rechnen. Doch wie kommt man an die gesuchten Raritäten
heran? Hier zeigte sich die erste große Hürde bei der Realisierung unseres
Proj ekts.
34

Strenggenommen waren die Chancen von Anfang an nicht allzu groß


einzuschätzen, von offiziellen Sammlungen einzigartige Leihgaben für eine
Ausstellung mit pikantem Schwerpunkt »Unerforschte Phänomene« zu erhal­
ten. Beim Stichwort »Mystery« stellen sich bekanntlich bei j edem orthodoxen
Akademiker die Haare auf. Egal, ob die Anfragesteller nun Dona oder Habeck
hießen, die begehrenswerten Stücke blieben in jedem Fall unberührt hinter
Panzerglas verschlossen. Einzige Möglichkeit, an die fraglichen Exponate zu
gelangen, war der amtliche Kontakt von Museum zu Museum.
Diese nervenaufreibende Sisyphusarbeit übernahm dankenswerter Weise
der namhafte Historiker Dr. Willibald Katzinger, den wir als wissenschaftlichen
Leiter für unser Projekt gewinnen konnten. In seiner verantwortungsvollen
Funktion als Direktor des Stadtmuseums Linz Nordico stellte er weltweit hun­
derte offizielle Anfragen an seine Kollegen. Diese bezogen sich durchwegs auf
mysteriöse Gegenstände, die in bekannten Universitäten, Instituten und Muse­
en lagern, die aber nur wenige Besucher zu Gesicht bekommen.
Nachfolgend wollen wir aus unserem Fundus sieben seltene Prachtstücke
kurz vorstellen. Alle genannten Objekte sind verbürgt, existieren tatsächlich.
Gerne hätten wir diese »Ooparts« für unsere Ausstellung als Leihgabe erworben.

Das Schwungrad aus der Vorzeit


im Ägyptischen Nationalmuseum in Kairo, Ägypten
Das Ägyptische Nationalmuseum ist ein Schatzhaus der Geschichte und beher­
bergt viele wundersame Dinge. Dazu gehört ein eigenartiges, scheibenförmiges
Objekt, das im Jahre 1 936 von dem Altertumsforscher Walter B. Emery aufge­
spürt wurde. Als 1 980 einer der Autoren (R. H.) den Gegenstand in Augen­
schein nahm, war er noch als Original ausgestellt, allerdings ohne nähere
Bezeichnung und Katalognummer. Museumsbesucher, die heute das »Schwung­
rad« zu Gesicht bekommen wollen, werden enttäuscht. Es ist inzwischen wieder
aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit entfernt worden und lagert vermutlich im
Depot des Museums.
Aus dem Grabungsbericht geht hervor, daß dieses 5000 Jahre alte Objekt
neben einem Skelett und zahlreichen Beigaben gefunden wurde. Wegen seiner
radialsymmetrisch angeordneten flügelartigen Einbuchtungen erinnert es an
eine Schiffi- oder Luftschraube. Das Material wird mit Schist angeführt, ein
weiches Gestein ähnlich dem Alabaster. Was war der eigentliche Verwendungs­
zweck dafür?
Neben dem polierten scheibenförmigen Gegenstand fand man Keramik­
scherben. Eine der Inschriften auf diesen Gefäßen nennt den Namen des

Links: Hochtechnologie aus einem 5000 Jahre alten ägyptischen Grab ?


Rechts: Die radialsymmetrisch angeordneten Einbuchtungen dieses merkwürdigen
Gegenstandes lassen an ein unbekanntes Antriebsaggregat denken.
(Fotos: W Emery/Archiv Autoren)

Verstorbenen. Demnach handelte es sich bei dem Toten um Prinz Sabu, einen
Administrator einer Provinzstadt, genannt »Stern aus der Familie des Horus«.
Von dem falkengestaltigen Horus wiederum wissen wir, daß dessen Name »der
Ferne« bedeutet. Horus zählt zu den ältesten und ranghöchsten Himmels­
göttern in der ägyptischen Mythologie. Weiter erfahren wir aus den Grabin­
schriften, daß Prinz Sabu in der ersten Dynastie, das heißt um 2900 v. Chr. ,
lebte. Mindestens so alt ist auch der rätselhafte Gegenstand in seinem Grab. Mit
dieser kurzen Auskunft erschöpft sich aber bereits unser Wissen.
War der technisch anmutende »Steinteller« eine Kopie eines Gegenstandes,
der vielleicht im Original aus Metall bestanden hat? Ist er die Nachbildung einer
antiken Schiffsschraube? Oder kannte Prinz Sabu den Antrieb für Flugmaschinen?

Der Galvanisierer der Huaxteken


des Middle American Resarch Institute in New Orleans, USA

Der zehn Zentimeter lange Huaxteken-Anhänger aus Vera Cruz in Mexiko ist
ein besonderes Stück. Er wurde aus einer Muschel angefertigt und stammt aus
der Panuco-V-Epoche um 1 000 bis 1 25 0 n. Chr. Auf ihm abgebildet findet sich
eine seltsame Szene: Götter oder Menschen in traditioneller Maya-Kultkleidung,
bestehend aus einem helmähnlichen Kopfschutz, einem eng anliegenden »An­
zug« und einem Hüftgürtel. Maskenartig sind Mund und Nasenbereich be­
deckt. Die linke Gestalt schüttet eine Substanz in eine unter ihr und im
Zentrum der Abbildung angebrachte Schale. Die rechte Figur hält einen längli­
chen Gegenstand in der Hand. Unterhalb der beiden Gestalten finden sich
.36

komplizierte Strukturen, dar­


unter sich kreuzende Linien,
die man als Röhren interpre­
tieren könnte. Sie führen in
einen größeren Behälter im
unteren Bereich der Abbil­
dung. In ihm erkennt man -
wellenförmig dargestellt - eine
Flüssigkeit. Im Zentrum da­
von schwimmt ein undefinier­
barer Gegenstand.
Der bisherigen archäologi­
schen Deutung nach handelt
es sich bei der Darstellung um
»zwei Götter bei einer kulti­
schen Handlung(( . Welche Art
von »Kult(( dies gewesen sein
mag, konnte bisher nicht plau­
sibel erklärt werden. Hingegen
zeigte die computergestützte
Rekonstruktion der Szene, daß
eine technische Interpretation
möglich ist. Demnach wäre auf
Die Darstellung auf diesem Anhänger der Huaxteken dem Anhänger ein elektroche­
zeigt einen elektrochemischen Galvanisierungsvor­ mischer Galvanisierungspro­
gang. (Foto: Archiv Peter Fiebag) zeß exakt wiedergegeben wor­
den.
Bisher ist ein solches Gerät archäologisch nur ein einziges Mal dokumentiert. Es
handelt sich dabei um eine »einfache((, Jahrtausende alte Trockenbatterie aus
Khuj ut Rabu'a. Sie stammt aus der Partherzeit und wurde in der Nähe von
Bagdad gefunden. Ob das Relikt inzwischen Plünderern in die Hände fiel, ist
nicht bekannt. Bis zum Ausbruch der Irak-Krieges jedenfalls, der zum Sturz des
Diktators Saddam Hussein führte, wurde die vorzeitliche Batterie im Irakischen
Nationalmuseum ausgestellt. Zur Verblüffung der Archäologen, und im prakti­
schen Versuch bestätigt, funktioniert sie nach dem galvanischen Prinzip und
erzeugt noch heute 0 , 5 Volt Spannung. Vergleicht man nun moderne
Galvanisierungstechnik mit der Darstellung der Huaxteken, ergeben sich eben­
falls verblüffende Übereinstimmungen.
Ein Bibelfraktal aus dem 1 3 . Jahrhundert
in der Österreichischen Nationalbibliothek
unter der Archiv-Nr. 2554, Wien, Österreich

Es war der Computerwissenschaftler Benoit Mandelbrot, der das Wort Fraktal


prägte. Er stieß 1 983 bei seinen mathematischen Betrachtungen auf einige
Sachverhalte, die nach dem bisherigen wissenschaftlichen Verständnis nicht
oder nur schwer zu erklären waren und bis dahin weder erwähnt noch unter­
sucht wurden. Bestimmte Formen und Prozesse lassen sich rechnerisch immer
weiter auflösen, wobei für solche Fraktale eine gewisse prinzipielle geometrische
Regelhaftigkeit oder Ähnlichkeit in sich selbst charakteristisch ist. Untersucht
man sie in ständig fortschreitenden Vergrößerungen, trifft man immer wieder
auf die gleichen Grundformen. Optisch umgesetzt, ergeben sich atemberaubend
schöne symmetrische Verwirbelungsmuster, die - immer weiter vergrößert - bis
in die Unendlichkeit laufen. Dadurch wurde deutlich, daß die belebte wie
unbelebte Welt, also unser gesamtes Universum im Mikro- wie im Makro­
bereich, mathematisch aus Fraktalen
aufgebaur ist.
Heute lassen sich fraktale Dar­
stellungen wie sogenannte »Mandel­
brotmengen« (benannt nach dem
Entdecker) durch aufwendige Re­
chenoperationen in modernen Com­
putern schaffen. Wie aber erklärt sich,
daß solche komplexen Formationen
auch auf antiken Darstellungen zu
erkennen sind? So zeigt das Titelbild
einer französischen Bibel aus dem
1 3 . Jahrhundert, wie Gott neben
Himmel, Erde, Sonne und Mond
deutlich eine fraktale Anordnung
zeichnet. Die Bibel wird in der Öster­
reichischen Nationalbibliothek in
Wien aufbewahrt.
Es gibt eine Reihe weiterer anti­
ker Darstellungen, die ebenfalls er­
Das Titelbild einer mittelalterlichen Bibel zeigt staunliche Ähnlichkeit mit Fraktalen
eine Struktur, die an moderne Fraktale eines aufweisen. So etwa eine Abbildung,
Computer-Graphikprogramms erinnert. die im Britischen Museum in Lon­
(Foto: Nationalbibliothek Wien/Archiv Autoren) don ausgestellt ist.
38 I
Die im tibetischen und japanischen
Zen-Buddhismus von den Mönchen Pixel
für Pixel, das heißt Sandkorn für Sand­
korn, gestalteten Mandalas, runde Sand­
bilder als Sinnbild für die Welt, lassen sich
in vergleichbaren Formen mit dem Com­
puter ebenso erzeugen. Bei alten Teppich­
mustern und Ornamenten wird man oft
auf Darstellungen treffen, die fraktalen
Computerbildern frappierend ähneln, dar­
unter auch der in der Mythologie und in
Darstellungen immer wieder auftauchende
chinesische Himmelsdrache
Seit 1 983 bekannt: Fraktale aus dem Sind das bloß »Zufälligkeiten«? Genie­
Computer (Quelle: Sagenhafte Zeiten, streiche antiker Künstler? Oder enthalten
Schweiz) die ästhetischen Muster eine mathemati­
sche Erinnerung aus früher Vergangenheit?
Handelt es sich womöglich um Botschaften, die vielleicht in unsere Zeit
transferiert werden sollten?

Die vorzeidiche »Satellitenkarte«


aus dem Hunan Museum in Changsha, Volksrepublik China

In einem unscheinbaren Gebäude des Hunan-Museums in Changsha, der Haupt­


stadt der chinesischen Provinz Hunan, werden unglaubliche Artefakte aus dem
2 1 00 Jahre alten Grab von Ma wang Dui aufbewahrt. Unter den sagenhaften
Schätzen befindet sich eine topographische Karte im Maßstab 1 : 1 8 0 000. Auf
Seide ist das Gebiet von Daoxian in der Provinz Hunan über das Tal des Xiao­
Flusses bis zur Gegend um die Stadt Nanhai in der Provinz Guangdong exakt
und maßstabsgetreu wiedergegeben. Die topographische Genauigkeit ist so
präzise, daß der Eindruck vermittelt wird, die Vorlage dafür sei aus großer Höhe
aufgenommen worden. Der Vergleich mit modernen Satellitenaufnahmen zeigt
in ihrer Machart tatsächlich eine verblüffende Gleichartigkeit, die selbst promi­
nente chinesische Archäologen verdutzt. Professor wang Shiping, der im Histo­
rischen Museum von Xian den ungewöhnlichen Schatz hütet, erklärt dazu
wörtlich: »Wenn es nicht so phantastisch klingen würde, müßte man sagen, das
Vorbild für diese Karte ist eine Satellitenaufnahme, die vor Jahrtausenden von
einem fremden Satelliten aus dem Erdorbit gemacht worden ist.«
I 39

Eine Satellitenkarte aus einem prähistorischen Grab in China. (Foto: Hartwig Hausdorfl
Peter Krassa)

War das Vorbild für diese China-Karte tatsächlich ein Satelliten bild? Wer aber
war vor Jahrtausenden imstande, Weltraumfotos herzustellen?
Mindestens ebenso rätselhaft: In derselben Grabstätte wurde auch die
tadellos erhaltene Mumie der Adeligen Xin Zhui entdeckt. Bei seiner Auffin­
dung schwebte der Leichnam in etwa 80 Litern einer gelblichen Flüssigkeit,
deren chemische Zusammensetzung bis heute nicht analysiert werden konnte.
Woher stammten die verblüffenden Kenntnisse der alten Chinesen?

Der erschossene Neandertaler


im Naturgeschichtliches Museum von London, England

1 92 1 machten Archäologen im ehemaligen Rhodesien (Sambia) eine groteske


Entdeckung. Als sie einen rund 40 000 Jahre alten Neandertalerfund ans Tages­
licht beförderten, stellten sie fest, daß der Schädel des Vorzeitmenschen auf der
linken Seite ein glattes, rundes Loch aufwies. Die Konturen sind sehr scharf und
sauber abgegrenzt und vermitteln den Eindruck einer Schußwunde. Direkt
gegenüber von diesem Loch ist der Schädel zerschmettert, so, als sei das
Projektil wieder auf der anderen Seite aus dem Kopf ausgetreten. Das Merkwür-
40 I
dige: Der Kopf des Ne­
andertalers befand sich
1 8 Meter unter der
Erde, ehe er von Ar­
chäologen ausgegraben
wurde. Wäre er ledig­
lich ein j üngeres Opfer,
das vor wenigen Jahr­
hunderten verstorben
Rätselhafter Fund aus Afrika: Schädel eines Neandertalers ist, zu einem Zeitpunkt,
mit einem Einschußloch. Aufgefunden wurde er in 1 8 Meter als Feuerwaffen erstmals
tiefen Erdschichten. (Foto: Archiv Autoren) nach Mrika eingeführt
wurden, könnte der
Schädel niemals durch
natürliche geologische
Vorgänge so tief begra­
ben worden sein.
Dieses Rätsel ist
nicht einzigartig. In
Rußland wurde der
Kopf eines Auerochsen,
einer vor etlichen Jahr­
tausenden ausgestorbe­
nen Bisonart, gefunden.
Er zeigt die gleiche selt­
Gegenstück aus Rußland: Wer erschoß vor vielen Jahrtau­ same Charakteristik ei­
senden diesen Auerochsen ? (Foto: Archiv Autoren) nes runden Loches .
Chemische Untersu­
chungen im Labor ergaben, daß das Tier nicht durch eine Lanze oder einen
Speer erlegt wurde, sondern offenkundig durch ein Hochgeschwin­
digkeitsgeschoß. Bleibt die Frage: Wer war in der Vorzeit bereits in der Lage, mit
Gewehren oder anderen Schußwaffen umzugehen?

300 000 Jahre alte Relikte der Mikrotechnik


im Zentralen wissenschaftlichen Forschungsinstitutfür Geologie
in Moskau, Rußland

Anfang der 1 990er Jahre fanden Goldsucher östlich des Ural-Gebirges in


Rußland winzige, technisch anmutende Artefakte. Die meist spiralförmigen
I 41
Gegenstände bestehen aus verschiedenen Edelmetallen, die größeren aus Kup­
fer, die kleinsten aus den seltenen Metallen Wolfram und Molybdän. Die Größe
der Fundstücke variiert von maximal drei Zentimeter bis 0,003 Millimeter. Die
Russische Akademie der Wissenschaften in Syktywkar (der Hauptstadt der
vormaligen Autonomen Sowjetrepublik Komi) wurde mit Analysen beauftragt,
genauso die in Moskau und in St. Petersburg, sowie ein wissenschaftliches
Institut im finnischen Helsinki.

Mysteriöse Artefakte aus Rußland entpuppten sich als moderne Instrumente der Mikro­
technik. Das Problem: Die Gegenstände sollen mindestens 20 000 Jahre alt sein.
Nanotechnologie aus der Vorzeit? (Fotos: Archiv Hartwig Hausdorf)

Die mikroskopisch kleinen Produkte lassen an hypermoderne Steuerelemente


denken, die in mikro-miniaturisierten Apparaturen ihren Dienst versehen.
Diese Technik steckt heute noch in den Kinderschuhen, verfolgt jedoch hoch­
gesteckte Ziele. So wird unter anderem an die Konstruktion von Mikro-Sonden
für den medizinischen Einsatz gedacht, etwa bei komplizierten Operationen im
Inneren der Blutgefäße. Das Unfaßbare: Geologen gestehen den aufgefundenen
mysteriösen Objekten ein Alter zwischen 20 000 und maximal 300 000 Jahre
zu! Doch selbst wenn sie »nur« 1 000 oder 1 00 Jahre alt sein sollten, stellt sich
die Frage: Wer um alles in der Welt war zur Anfertigung solcher super-filigraner
Mikrotechnik fähig, die wir in unseren Tagen gerade erst zu realisieren begin­
nen?

Der geheimnisvolle ))Kohleschädel«


aus der Geologischen Sammlung der Technischen Universität
Bergakademie Freiberg in Deutschland

Das merkwürdige Artefakt tauchte Anfang des 1 9 . Jahrhunderts in einem


Nachlaß auf und fand erstmals 1 842 als »Kohleschädel« Erwähnung. Erste
42 I
Untersuchungen zeigten, daß der
Kopf zur Hälfte aus Braunkohle und
zur anderen Hälfte aus Braun- und
Magneteisenstein bestand. Die Bil­
dung von Braunkohle im mitteleuro­
päischen Erzgebirge, dem vermeintli- ,.,
chen Fundort (oder Entstehungsort) ,
wird auf das obere Miozän, also die
Zeit vor etwa 1 5 Millionen Jahren,
datiert. Urpferde und elefanten­
ähnliche Tiere beherrschten damals
den Lebensraum. Von Menschen gab
es (soweit bekannt) noch weit und
breit keine Spur.
Untersuchungen aus dem Jahre Wer schuf den geheimnisvollen Kohle­
1 923 und zuletzt 1 9 8 8 legten daher schädeI aus Freiberg? (Foto: Archiv Autoren)
den Verdacht nahe, daß der Gegen­
stand nur eine Fälschung sein konnte. Wahrscheinlich, so wird spekuliert, hat
ein anonymer Künstler den Schädel unter Zuhilfenahme von Harzen aus
Braunkohle modelliert. Doch 1 99 8 sorgten Analysen mittels Computertomo­
graphie für eine Überraschung: Die Aufnahmen zeigten, daß der Schädel aus
konzentrischen Schalen - ähnlich den Jahresringen eines Baumes - aufgebaut
ist. Das wäre eine bislang völlig unbekannte und wenig sinnvolle Vorgehenswei­
se für eine »Fälschung« . Der Geologe Gerhard Roselt hat zudem festgestellt, daß
das verwendete Harz einen Schmelzpunkt von 1 1 0 bis 360 Grad Celcius gehabt
haben muß. Wer machte sich vor fast 200 Jahren die Mühe, eine ca. 200 Grad
Celcius heiße Masse Schicht für Schicht aufzutragen? Wäre es einfach nur
darum gegangen, einen künstlichen Schädel herzustellen, hätte man diesen in
einem Stück aus einem Klumpen Braunkohle-Harz-Mischung geformt und
anschließend die Feinheiten gestaltet.
Röntgenärzte zeigten sich darüber hinaus höchst erstaunt ob der Tatsache,
daß die gleiche »zwiebelschalenartige« Struktur auch bei einer Drehung des
Kopfes um 90 Grad auftrat. Was also ist der Kohleschädel von Freiberg wirk­
lich? Woher kommt er? Und ist er wirklich 1 5 Millionen Jahre alt?
Wissenschaftler sollten sich mit weiteren Studien um eine Klärung dieses
mysteriösen Schädels bemühen. Es wäre bedauerlich, wenn dieses Relikt irgend­
wann in einem Kellerarchiv verschwinden sollte und damit das Schicksal vieler
anderer Rätselfunde teilen würde. Doch zum Glück lassen sich nicht alle
aufgefundenen Seltsamkeiten vor neugierigen Blicken verstecken, wie wir im
folgenden Kapitel belegen können.
3
Ignorierte Beweise
» Unsolved Mysteries«, die jeder besichtigen kann

In den etablierten Museen der Welt findet der aufmerksame Besucher jede
Menge rätselhafter Schaustücke, die öffentlich ausgestellt sind. Dennoch wer­
den diese »Ooparts« nicht immer als solche erkannt. Die Gründe dafür sind
vielschichtig: Der fragliche Gegenstand kann - absichtlich oder nicht - unvor­
teilhaft plaziert sein, er fällt inmitten der Ansammlung von Kunstschätzen nicht
sonderlich auf oder es fehlt eine Tafel mit einer erklärenden Objektbezeichnung.
Es kann aber ebenso gut möglich sein, daß aufschlußreiche Informationen zum
fraglichen Gegenstand dem kunstinteressierten Museumsbesucher simpel und
einfach unterschlagen werden. Wir stießen auf überraschend viele dieser Er­
klärungslücken. Wenn man die Hintergründe aufzeigt, verschlägt es einem die
Sprache. Unsere Leser können sich selbst auf ungewöhnliche Entdeckungsreise
begeben und in den Museen im In- und Ausland fündig werden. Als kleine
Anregung dazu wiederum sieben ausgesuchte Fallbeispiele.

Die Maschine von Antikythera


ausgestellt im National-Archäologischen Museum
von Athen, Griechenland

Im Jahre 1 900 wurde vor der griechischen Insel Antikythera von Schwamm­
tauchern das Wrack eines Schiffes gefunden, das im 1 . Jahrhundert v. ehr.
gesunken war. Neben Marmor- und Bronzestatuen barg man auch einen unför­
migen Klumpen, der sich nach näherer Untersuchung im Jahre 1 9 54 durch den
Archäologen Valerios Stais und den Physiker und Mathematiker Dr. Derek J de

Die Maschine von


Antikythera aus dem
1. Jahrhundert v. ehr.
(Foto: Archiv Autoren)
44 I

Die Rekonstruktion ergab


eine astronomische
Rechenmaschine mit
40 Zahnrädern. (Foto:
Archiv Autoren)

Solla Price als Sensation entpuppte. Es handelt sich um eine Bronzeplarre mit
Kreisen und Tabellen, dazu mehr als 40 Rädchen, die einmal als eine Art
astronomische Rechenmaschine funktioniert haben müssen. Experten behaup­
ten, die Präzision des antiken » Computers« sei verblüffend. Er zeige nur mini­
male Abweichungen von 1 / 1 0 mm bei seiner Rechentätigkeit. Etwas ähnliches
wie die »Maschine von Antikythera« wurde erst wieder mit den Uhren der
Renaissance im 1 5 . Jahrhundert n. Chr. geschaffen.

Die ältesten Sternenkarten der Welt,


zu sehen im Vorderasiatischen Museum, einer Abteilung des
Staadichen Pergamon-Museums in Berlin, Deutschland

Sumerische und akkadische Rollsiegel gehören zu den ältesten Kleinstdenkmälern


der Welt. Sie entstanden schon um 3000 v. Chr. und waren nur einige Zentime­
ter lang. Die ältesten unter ihnen zeigen mythologische Gestalten und Symbole,
Vogelmenschen, Fabeltiere, technisch anmutende Gegenstände, fliegende Figu-
I 45

Rollsiegel der Sumerer zeigen die Planeten und das Zentralgestirn unseres Sonnensy­
stems. (Fotos: Archiv Autoren)

Detail aus Rollsiegel-Darstellung oben links:


Abstraktionen oder erstaunliches astronomi­
sches Wissen aus der Vorzeit? (Foto: Archiv
Autoren)

ren in Sonnenbarken. Ein etwa 4500 Jahre altes akkadisches Rollsiegel zeigt im
Hauptmotiv zwei Priester, die dem Himmelsgott Enlil huldigen. Zwischen den
Köpfen der beiden Personen ist unsere Sonne mit den umkreisenden Planeten
erkennbar. Ein anderes Rollsiegel zeigt die Sonne als Person abgebildet, um die
Himmelkörper kreisen. Sie können als Planeten unseres Sonnensystems inter­
pretiert werden. Diese wiederum ruhen auf einer abgebildeten Kette von vier­
undzwanzig kleineren Kugeln. Möglicherweise sollten damit die größten »Mon­
de« oder Satelliten der Planeten dargestellt werden. Fachgelehrte sagen, diese
Abbildungen seien lediglich Abstraktionen. Abstraktionen von was? Die gleiche
Frage stellt sich der Betrachter beim Anblick einer 2500 Jahre alten Bronzeplat­
te, die im Archäologischen Museum in Delphi, Griechenland, ausgestellt ist. Sie
zeigt in der Mitte die Sonne, die von Ringen umgeben ist, die exakt den
Umlaufbahnen der um die Sonne kreisenden Planeten entsprechen.
46 I
Kurioses »raketenähnliches« Fragment,
ausgestellt im Archäologischen Museum in Istanbul, Türkei

Im Istanbuler Archäologischen Museum ist ein kurioser Gegenstand zu bestau­


nen. Er zeigt ein flügelloses, scheinbar raketenähnliches »Fahrzeug« mit einer
darin sitzenden Gestalt, der allerdings der Kopf fehlt. Über den Ursprung des
Gegenstandes gibt es drei verschiedene Versionen:
a) es handle sich um einen 1 975 bei Ausgrabungen im türkischen Tuspa
(heure Toprakkale) nahe des Van-Sees gefundenen Gegenstand aus der
Zeit zwischen 830 bis 6 1 2 v. ehr. Er entstamme somit dem Urartu­
Königreich;
b) er sei einem Touristen abgenommen worden, der ihn vor ein paar Jahren
außer Landes schmuggeln wollte, obwohl das Ausführen von Antiquitä­
ten in der Türkei verboten ist;
c) er sei 1 973 dem Museum von einem Antiquitätenhändler angeboten
worden, der aber, nachdem man das Obj ekt als neuzeitliche Fälschung
entlarvt hatte, jegliches Interesse daran verloren hätte.

Im Istanbuler Museum kann man sich von dem kuriosen Gegenstand selbst ein
Bild machen. Da die Geschichtsforschung davon ausgeht, daß es in der Vorzeit
keine Raumschiffe und Astronauten gegeben haben könne, wird bei dem
Ausstellungsstück darauf verwiesen, daß es sich wahrscheinlich um eine Fäl­
schung handelt.

Strittiges Kultobjekt aus Instanbul (Quelle: Sagenhafte Zeiten, Schweiz)

Gentechnische Informationen auf dem Papyrus Khonsu-Mes,


ausgestellt im Kunsthistorischen Museum in Wien, Österreich

Wenn antike Überlieferungen verschlüsselte Informationen über genetisches


Wissen der Vorzeit enthalten, liegt der Verdacht ebenso nahe, daß es sich um ein
I 47
Falsifikat handeln muß. Im Falle
des altägyptischen Papyrus des
Khonsu-Mes, das sich ursprünglich
auf die Geheimlehre des Gottes Osi­
ris und auf seine leibliche Auferste­
hung bezieht, kann das definitiv
ausgeschlossen werden. Es ist in der
ägyptologischen Abteilung des Wie­
ner Kunsthistorischen Museums zu
bestaunen. Mysteriös ist die Abbil­
dung auf dem Papyrus. Sie erinnert
Darstellung einer Zellteilung auf einem alt­ verblüffend an eine Zellteilung in
ägyptischen Papyrus (Foto: Archiv Autoren) der Metaphase. Zwei Frauen ver­
sorgen die Eizelle mit Flüssigkeit,
innerhalb davon sind die Anfänge von Tochterzellen zu erkennen.
Das deutsche Forscherduo Dieter Vogel und Nicolas Benzin hält es für
denkbar, daß die alten Ägypter bereits das Verfahren des Klonens gekannt haben
könnten. Ihre Studien anhand alter Schriften und Originalquellen führten
sogar zu einem Patent über die »Entdeckung der Urmatrix« .
Der deutsche Autor Eberhard Schneider hält das verborgene Wissen über
Genetik im Altertum ebenfalls für wahrscheinlich und bringt am Beispiel des
Papyrus Khonsu-Mes das Unfaßbare auf den Punkt: »Den Priestern war offen­
bar wichtig, daß ihr Wissen über viele Generationen erhalten bleibt. Deshalb
wurden drei klare Sicherungen eingebaut. Erstens sind ganz unmißverständlich
die typischen Spindelfasern zu sehen, und zwar so korrekt wiedergegeben, als
seien sie aus einem heutigen Biologiebuch entnommen. Zweitens enthält die
Eizelle Figuren, die das sogenannte Erdhacken praktizieren, das ist eine symbo­
lische Handlung, die für Befruchtung- und Lebenszeugung steht. Und drittens
haben die Erdhacker erigierte Penisse, damit wird noch mal ganz speziell darauf
aufmerksam gemacht, daß es sich wirklich um einen menschlichen Befruchtungs­
und Lebenserzeugungsvorgang handelt. Deutlicher geht es nicht mehr. «

Unbekannte Indianerschrift vorn Titicaca-See,


ausgestellt im Museo Casa de Murillo in La Paz, Bolivien

Machen wir einen Sprung nach Südamerika. Die wissenschaftliche Lehrmei­


nung vertritt die Auffassung, weder die Inka noch ihre Vorgänger- oder Parallel­
kulturen Südamerikas hätten eine wirkliche Schrift gekannt. Eine These, die
höchst zweifelhaft anmutet. Wie konnten präzise gearbeitete Steinmonumente,
48 I
etwa j ene von Tiahua­
naco oder das gewaltige
Ruinenfeld von Puma
punku nahe dem Titi­
cacasee in Bolivien, ge­
plant, konstruiert und
gebaut werden? Impo­
sante Tempelanlagen
und Siedlungen ohne
schriftliche Fixierung im
Vorfeld der Fertigstel­
lung zu errichten, ist
schwer zu glauben . . .
Doch es schein t
Seltenes Schriftzeugnis südamerikanischer Urvölker (Foto: sehr wohl eine Schrift­
Anke und Horst Dunkel) form gegeben zu haben.
Das belegt das Fragment
einer Pergamenthaut vom Titicacasee, das unbeachtet in einem kleinen Muse­
um in La Paz aufbewahrt wird. Es ist ein einzigartiges Dokument mit rätselhaf­
ten Geheimzeichen, die bisher nicht übersetzt werden konnten. Schriftvergleiche
zeigen Ähnlichkeiten mit den Zeichen auf den Rongorongo-Schrifttafeln der
Osterinsel, die wiederum eine auffällige Ähnlichkeit mit der Harappa-Kultur
im Industal (heute ein Gebiet in Pakstan und Indien) aufweist. Trotz Über­
setzungsversuchen ist es Linguisten bisher nicht gelungen, den Inhalt der
Schriften zu entschlüsseln.

Die »Raimondi-Stele«,
ausgestellt im Archäologischen Museum von Lima, Peru

Niemand weiß, welches Volk den Tempel von Chavin de Hudntar in den
peruanischen Anden erbaute. In über 3000 Metern Höhe fanden Archäologen
Skulpturen und Stelen mit fremdartigen Köpfen aus der Zeit vor den ersten
Inka-Siedlungen, darunter auch die bis heute unverstandene »Raimondi-Stele« .
Sie bildete einst das Zentrum eines Platzes von Chavin de Huantar und wurde
aus dunklem Diorit gearbeitet. Die Maße: Höhe 1 ,75 Meter, Breite 73 Zenti­
meter und Dicke 1 7 Zentimeter. Archäologen sind sich über die Bedeutung der
Ornamentik auf der Stele uneins. In der Fachliteratur werden mehr als 26 ver­
schiedene Deutungen genannt.
Mit neuen Augen sah der deutsche Ingenieur Dr. Wolfgang Volkrodt die
I 49
Stele. Seinen Studien zufolge handelt es sich
um die in Stein gehauene Wiedergabe einer
Kesselanlage, in der Dampf produziert wurde.
Der Dampf wiederum bewegte acht schwenk­
bare Hebel und die dazugehörigen Drehkolben.
Der zentrale Dampfkessel speiste gesondert vier
Zylindersysteme, die für alle möglichen Schwer­
arbeiten vielfältig eingesetzt werden konnten.
Der Rekonstruktion nach handelt es sich bei
der »Raimondi-Stele« nicht bloß um Dekorati­
on, sondern in Wirklichkeit um den techni­
schen Aufbau einer raffiniert durchdachten an­
tiken Maschine.

Die Raimondi-Stele aus Peru zeigt Details einer tech­


nischen Apparatur. (Foto: Archiv Autoren)

Die Schätze des Pharao Tutanchamun,


ausgestellt im Ägyptischen Museum von Kairo, Ägyp ten

Die kostbaren Grabbeigaben des Gottkönigs Tutanchamun, die größtenteils im


Ägyptischen Museum in Kairo bestaunt werden können, sind weltberühmt.
Was weniger bekannt sein dürfte: Der Millionenschatz enthält eine Reihe
ungewöhnlicher Artefakte. Dazu zählen die drei silbernen und bronzenen
» Trompeten und Stopfer«. Eine dieser Fanfaren hat es in sich. Als nämlich im

Jahre 1 9 54 die Trompete gereinigt, gewartet und so dann probeweise geblasen


wurde, fiel in ganz Kairo und den Nachbarstädten die Elektrizitätsversorgung
aus. Dasselbe soll sich 1 974 bei einer turnusmäßigen Wartung wiederholt
haben: Der Energieausfall von 1 9 54 (ebenso jener am Tag der Grabauffindung
und in der Todesnacht von Lord Carnarvon) war inzwischen in Vergessenheit
geraten. Doch das mysteriöse Phänomen wiederholte sich mit gleichem Effekt:
Die Stromversorgung brach neuerlich zusammen, wenngleich diesmal nur
Groß-Kairo vom Energieausfall betroffen war. Alle Stromausfälle sind bezeugt,
auch die ägyptischen Zeitungen haben darüber berichtet. Neue Experimente
mit den Trompeten sind seither unterlassen worden.
50 I
Ein weiteres Geheimnis aus
der Sammlung Tutanch­
amuns: Einer seiner Dolche,
der nach 3300 Jahren in
dunkler Gruft seltsamerwei­
se nicht verrostet ist. Ein
Umstand, der viele Experten
an eine hohe Legierungs­
qualität denken läßt, die
selbst mit unserer heutigen
Die magischen Trompeten des Pharao (Quelle: Technik nur unter Vakuum­
Sagen hafte Zeiten, Schweiz) bedingungen hergestellt wer­
den kann. Besteht der Dolch
aus rostfreiem Edelstahl oder einer speziellen Legierung?
Die Waffe liegt neben einer zweiten Klinge aus Gold in der Zentralvitrine
im Hauptraum für die Grabschätze des Pharao, allerdings ohne Katalognummer.
Der klassischen Ägyptologie zufolge kannten die alten Ägypter nicht einmal
Eisen und verstanden erst recht nicht, Eisenerz zu Edelstahl zu verarbeiten. Ein
Widerspruch, der es wert wäre genauer untersucht zu werden. Doch die Verwal­
tung des Ägyptischen Museums in Kairo verweigert hartnäckig die Herausgabe
des Dolches zu Untersuchungszwecken.
Prunkstück der Sammlung ist
die Totenmaske Tutanch­
amuns. Vor 20 Jahren wurde
sie erstmals im Rahmen ei­
ner kreuz und quer durch Eu­
ropa ziehenden Tutanch­
amun-Ausstellung gezeigt
und von Millionen Besuchern
Tutanchamuns Dolch aus rostfreiem Edelstahl bestaunt. Die Maske der
(Quelle: Sagenhafte Zeiten, Schweiz) Pharaonenmumie ist aus
massivem Gold und hoch­
wertigen Lapislazuli gefertigt. Ihr Gewicht beträgt elf Kilogramm.
Was die damaligen Ausstellungsbesucher nicht zu Gesicht bekamen und
auch Gäste in Kairo nicht erfahren: die Existenz einer rätselhaften Röntgenauf­
nahme. Das Foto wurde von Experten der französischen Eastman-Kodak-Toch­
terfirma in Paris gemacht. Das entwickelte Bild auf dem Kodak-Röntgenfilm
verblüffte die Fachleute: Die äußerlich makellose Maske zeigt nämlich im
Röntgenbild auf der rechten Wange eine Strukturunregelmäßigkeit, die mit
bloßem Auge nicht sichtbar ist. Das Seltsame: Der »Fehler« befindet sich exakt
I 51
an jener Stelle, die auch am Leich­
nam eine kleine Narbe erkennen läßt
und von einer Bißwunde stammen
soll. Die Strukturveränderung im
Metall war also offensichtlich beab­
sichtigt.
Wie aber haben das die alt­
ägyptischen Goldmacher technisch
fertiggebracht? Wie konnte die klei­
ne Narbe im Gesicht der Mumie auf
die Totenmaske »unsichtbar« über­
tragen werden? Die Röntgenfachleute
haben für dieses Phänomen keine Die Totenmaske des Tutanchamun hat ihr
Erklärung. »Knoff-Hoff« war im Al­ Geheimnis bewahrt. (Foto: Kari Kovalcik)
tertum offenkundig keine Seltenheit.
Im Ägyptischen Museum wird eine Unmenge weiterer Rätselfunde aus der
Pharaonenzeit gehortet. Im Gedränge des dichten Besucherstroms können sie
leicht übersehen werden. Inmitten von Vogeldarstellungen steht ein Miniatur­
Segeljlugzeugmodell aus Holz. Es wurde 1 898 in einem Grab in Sakkara gefun­
den. Isolierte Kupferdrähte aus dem Tal der Könige können ebenso bestaunt
werden wie perfekt geschliffene Glaseinlagen in Statuen sowie optische
Vergrößerungslinsen. Die Bearbeitungsspuren einzelner Steinobjekte, darunter
die Rückseite eines Sarkophages, lassen auf antike Kernbohrungen und Kreissäge­
arbeiten schließen. Vor allem auf dem Gebiet der Medizin waren die alt­
ägyptischen Priester weit fortgeschritten. So findet sich auf einer Papyrusrolle
die fachgerechte Anwendung von Narkosepräparaten verzeichnet. Noch ein
Kuriosum: Bumerang/Ormige »Komm-Zurück-Stöcke« sind in einer Vitrine aus­
gestellt. Gegenstände, die man sonst nur von den australischen Ureinwohnern
her kennt. Das alles mag nur die Spitze des Eisberges sein. Eine ungeahnte
Menge weiterer »Ooparts« darf im Kellerarchiv der ägyptischen Altertümer­
verwaltung vermutet werden. Ob wir sie jemals zu Gesicht bekommen werden?
Es darf bezweifelt werden.
Damit sind wir wieder bei unserem Ausstellungsprojekt gelandet. Schwer­
punkt der von Dr. Willibald Katzinger gestellten Leihanfragen waren vorwie­
gend wertvolle Exponate aus berühmten Museen. Doch unsere Hoffnung und
Erwartung, wenigsten für einige der 3 5 0 recherchierten Obj ekte eine Zusage zu
erhalten, wurde bitter enttäuscht. Herauszufinden, welche Funde für unser
Ausstellungsprojekt infrage kämen, wo sie aufbewahrt werden, wie die Adressen
heißen, und festzustellen, welcher Kurator für das fragliche Stück verantwortlich
zeichnet, hat uns enorm viel Zeit und Nerven gekostet.
52
Die ernüchternde Bilanz nach eineinhalb Jahren Recherche war besonders
für unseren wissenschaftlichen Beirat betrüblich. Dr. Katzinger hatte seine
ganze wissenschaftliche Reputation geltend gemacht. Doch es nützte alles
nichts. Eine Absage nach der anderen flatterte ins Haus. Zum Teil wurden die
Leihgesuche mit den fadenscheinigsten Argumenten verweigert. Oder man
bemängelte die von uns angegebenen Quellen, die größtenteils aus der populär­
wissenschaftlichen Literatur stammten. Manche Museen fanden es wohl des­
halb nicht einmal der Mühe wert, auf die Anfrage, die immerhin hochoffiziell
vom Direktor eines bekannten Museums eingereicht wurde, zu reagieren. An­
dere Museen, wie das Nationalmuseum in Budapest, Ungarn, oder das Darwin­
Museum in Moskau, Rußland, haben ihre ursprünglichen Zusagen angesichts
der kontroversen Thematik wieder zurückgezogen.
Einen Achtungserfolg hatten wir dennoch zu verzeichnen: Das angesehene
British Museum in London erklärte sich bereit, fünf ungewöhnliche Schaustük­
ke für unsere Ausstellung zur Verfügung zu stellen. Darunter ein wirkliches
Mysterium. Eine prähistorische Teleskop-Linse! Archäologen entdeckten sie in
einem assyrischen Schatzhaus in Ninive am Tigris im
Irak. Sie besteht aus geschliffenem Mattglas und wur­
de wahrscheinlich im 8. Jahrhundert v. Chr. als Ob­
jektiv verwendet.
Die Ninive-Linse ist nicht der einzige Fund seiner
Art. Das Britische Museum ist im Besitz weiterer anti­
ker Präzisionslinsen. Eine davon entdeckte 1 8 84 der
englische Ägyptologe Sir Flinders Petrie bei Grabun­
gen im östlichen Tempelbezirk von Tanis in Ägypten.
Sie ist einwandfrei bearbeitet und geschliffen - auf der
einen Seite konvex (bauchig) , auf der anderen Seite
eben. Sowohl die Größe von fast sieben Zentimetern
als auch ihre Form und die fehlende Färbung schlie­
ßen eine Verwendung als Schmuckstein aus. Entste­
hungszeit nach Ansicht der Fachleute: 200 Jahre vor Eine prähistorische
Christus. Teleskop-Linse (Foto:
Normalerweise wird der große Gelehrte Galilei als Archiv Autoren)
Erfinder des Fernrohres genannt. Wahrscheinlicher ist
es, daß optische Linsen schon vor dem 1 6. Jahrhundert in Gebrauch waren.
Glas wurde erstmals um 3 5 00 v. Chr. in Ägypten hergestellt. Auf Kreta und in
Kleinasien wurden einfache optische Gläser gefunden, die etwa aus der Zeit um
2000 v. Chr. datieren.
Es ist nicht schwierig, zwei dieser Gläser zu einem einfachen Fernrohr
zusammenzusetzen. Galilei selbst vermutete, daß die »Alten« schon Fernrohre
I 53
kannten. 300 v. ehr. stellte Euklid den Lehrsatz über Berechnung und Vergrö­
ßerung des Lichts auf In griechischen Überlieferungen gibt es Beschreibungen
für Vergrößerungsgläser, die aus mit Wasser gefüllten Kugeln angefertigt wur­
den. Bleibt die Frage, wie gut diese Fernrohre waren? Welchen Wissenstand
erlangten die Priester der alten Völker? Die Hinweise verdichten sich, daß nicht
nur die Babyionier nachweislich in den Kenntnissen der Astronomie außeror­
dentlich fortgeschritten waren.
Keine Frage, die Artefakte aus dem Britischen Museum würden j ede Aus­
stellung aufwerten. Wir haben letztendlich dennoch davon Abstand genom­
men, nicht nur der horrenden Versicherungssummen wegen, die dabei im Spiel
waren. Es war vor allem die Befürchtung, daß die Ausstellungseröffnung mit
einem Eklat beginnen könnte. Wir wußten, daß Kuratoren des Britischen
Museums mit Argusaugen streng darüber wachen, ob ihre Kunstschätze in
einem ihnen genehmen Zusammenhang präsentiert werden. Schreckgespenster
der Wissenschaft sind gewiß nicht die verlangte Rahmenbedingung. Denn die
offizielle Bezeichnung der geschliffenen Gläser heißt nicht » antike Linsen«,
sondern wird lediglich mit »Schmuckstein« angeführt. Unstimmigkeiten mit
den Londoner Leihgebern wären unvermeidlich gewesen.
Unsere Situation war frustrierend. Von hunderten Kontakten hatten wir
am Ende sage und schreibe die gesicherte Zusage für ein Originalobjekt. Das
Booth Museum ofNatural History in Brighton, England, hatte sich unser erbarmt
und eines seiner außergewöhnlichsten Exponate zur Verfügung gestellt. Eine
mumifizierte Kröte in einem hohlen Feuerstein. Entdeckt wurde sie 1 899 von
Arbeitern in einem Steinbruch in Lewes, East Sussex.
Aus Großbritannien liegt eine Reihe verläßlicher Berichte über Kröten vor,
die bei ihrem Auffinden in hohlen Steinen eingeschlossen waren. Augenzeugen
berichten, daß ein Großteil der Tiere nach dem Auseinanderbrechen des Ge­
steins noch gelebt haben soll. Zoologen bieten folgende Erklärung für das
Phänomen an: Junge Kröten dringen in poröses Gestein - meist Kalkstein oder
in Felsen - ein, das eine Öffnung hat, und wachsen heran. Bevor sie wieder nach
draußen gelangen können, sind sie eingeschlossen. Der Feuerstein von Lewes
zeigt ein kleines Loch, das bis an die Oberfläche führt. Vermutet wird, daß
eingeschlossene Kröten einen Geruch absondern, der kleine Insekten anzieht,
von denen sie sich ernähren. Durch die winzigen Öffnungen oder Poren des
Steins dringt Luft, so daß sie nicht ersticken. In j üngster Zeit wird eine andere
These als Lösung diskutiert: Kröten können in eine Art Winterschlaf versinken,
durch den ihr Energiebedarf so weit absinkt, daß sie einige Jahre lang überleben
können.
Schön und gut, aber damit war keine Ausstellung zu machen. Wir waren
wieder an dem Punkt angelangt, wo wir begonnen hatten. Und es schien sich
54 I
leider zu bestätigen, was
uns Skeptiker immer
wieder prophezeit hat­
ten: Eine große Ausstel­
lung mit den strittigen
Originalstücken rätsel­
hafter Funde sei nicht
zu realisieren. Viele Stra­
pazen lagen hinter uns.
Wir waren nicht bereit,
die Flinte vorschnell ins
Korn zu werfen. Mit nur
einer einzigen Objekt­
Unser erstes (und lange Zeit auch einziges) Exponat für zusage, knapp einein­
die Ausstellung Unsolved Mysteries: Eine mumifizierte halb Jahre vor Ausstel­
Kröte in Stein. (Foto: Booth Museum of Natural H istory, lungseröffnung, änder­
England) ten wir unsere Taktik.
Das Interesse unserer
Recherchen konzentrierte sich nunmehr auf Bereiche, die wir bis dahin wenig
berücksichtigt hatten. Sammlungen aus Südamerika zum Beispiel. Das Wissen
der Schamanen, die berühmten Goldschätze, das sagenhafte Eldorado, die
imposanten Inkarnauern, geheimnisvolle Ruinen und die berühmten Wüsten­
muster von Nazca kamen uns spontan in den Sinn.
Sollten wir im Land der Sonnenkönige auf neue Spuren stoßen? Würden
seltene Obj ekte von Sammlern für unser Ausstellungsprojekt gewonnen wer­
den? Hatte unser tollkühnes Vorhaben noch eine greifbare Chance, verwirklicht
zu werden? All diese Fragen standen offen im Raum. Wir mußten es in eigener
Initiative herausbekommen. Unser Entschluß stand somit fest: Wir mußten
nach Südamerika!
Zwei Studienreisen mit dichtem Terminplan wurden organisiert. Auf dem
Programm stand eine streßreiche Tour von Wien nach Bogota, Quito, Cuenca,
Lima, !ca und zurück. Unser Plan: Der Direktkontakt mit möglichst vielen
Museen und Sammlern. Der Reisetermin wurde festgelegt. 1 9 . Februar 2000.
Bei dieser ersten Expedition, die schließlich den langersehnten Durchbruch
in unseren Bemühungen eröffnete, begleiteten uns zwei Experten: Der Wissen­
schaftler Dr. WillibaLd Katzinger sowie unser deutscher Autorenkollege und
Bauingenieur Dr. Hans-joachim Zillmer.
Alle Vorbereitungen wurden getroffen, dann war es endlich soweit . . .
11. Teil

SÜDAMERIKA
RUFT!
»Es ist nicht alles Gold, was glänzt.
Aber es glänzt auch nicht alles, was Gold ist. «
Friedrich Hebbel ( 1 8 1 3-1 863) , Tagebücher, 3 . September 1 836
4
Spurensuche im Land von EI Dorado
Auftakt im Goldmuseum von Bogota

Was halten Sie von der Vorstellung frühgeschichtlicher Aeronauten? Zugege­


ben, ein ebenso phantastischer Gedanke wie der Glaube an UFOs und Besucher
von fremden Welten. Beides wird allgemein skeptisch aufgenommen. Doch
diese Vorbehalte werden durch bemerkenswerte Funde erschüttert. Zu den
spektakulärsten Artefakten dieser Kategorie gehören seit Jahrzehnten die soge­
nannten »Goldflugzeuge« aus Kolumbien. Sie stützen die These, daß schon vor
Jahrtausenden Flugzeug-Modellbauer am Werk waren, die offenkundig über
ein erstaunliches aerodynamisches Wissen verfügten.
Die kleinen Goldobjekte werden als »religiöser Zierrat« und »Tier-Nachbil­
dungen« wie »Vogeldarstellungen«, »Motten«, »Fledermäuse« oder »fliegende
Fische« klassifiziert. Sie zeigen aber - ähnlich wie vergleichbare altägyptische
Grabbeigaben - deutliche Charak­
termerkmale, die man sonst nur von
modernen Flugzeugtypen her
kennt. Dies gilt für die Delta­
geometrie der Tragflächen in kon­
sequenter Tiefdeckerposition ge­
nauso wie das exakt dazu dimen­
sionierte Leitwerk mit der hoch­
aufragenden rechtwinkeligen Sei­
tenruderflosse sowie dem entspre­
chend horizontal angeordneten Hö­
henruder. Gefunden hatte man die » Goldflieger«-Modell aus Kolumbien
kuriosen Kunstwerke, gemeinsam (Foto: Bernhard Moestl und Autoren)
mit anderen Goldschätzen, in prä­
kolumbischen Fürstengräbern, die dem Stil nach der Tolima-Kultur zugeschrie­
ben werden. Alter: Mindestens 1 5 00 Jahre.
Im Luft- und Raumfahrtinstitut in New York wurde eines dieser Unikate
im Windkanal getestet. Resultat: Das kolumbische Goldobj ekt zeigt alle Merk­
male eines modernen Flugzeuges! Die Frage, wie präkolumbische Indianer die
Gesetze der Aerodynamik (= die Lehre des Widerstandes, den ein bewegter
Körper durch die ihn umströmende Luft erfährt) hätten so perfekt meistern
können, bleibt bis heute unbeantwortet und von vielen Wissenschaftlern unbe­
achtet.
I 57
Seit 1 996 gehen das deutsche Forscherteam Dr. Algund Eenboom und der
Luftwaffenoffizier Peter Belting dem Geheimnis der »Goldflieger« naturwissen­
schaftlich auf den Grund. Ihre im Maßstab 1 6: 1 originalgetreu nachgebauten
Modelle zeigten in praktischen Tests außerordentliche Flugeigenschaften. Wel­
che Schlüsse darf man aus den erstaunlichen Flugexperimenten ziehen?
Wurden sie im Drogentausch von Schamanen erdacht? Sind es Überbleib­
sel einer untergegangenen Hochkultur? Oder gar Erinnerungen an außerirdi­
sche Besucher? Insekten j edenfalls sind es nicht. Die haben keine Deltaflügel.
Ihre Flügel setzen oben am Rumpf an und nicht unten. Außerdem haben weder
Insekten noch Vögel ein senkrecht stehendes Schwanzruder. Eine überzeugende
Antwort fehlt.
Wir wußten immerhin, wo diese zwei bis drei Zentimeter großen Amulet­
te, die einem modernen Space Shuttle verblüffend ähnlich sehen, aufbewahrt
werden: In Privatsammlungen, im Überseemuseum von Bremen in Deutschland,
im Ethnologischen Museum Berlin Dahlem (Völkerkundemuseum) , ebenfalls in
Deutschland, und vor allem im weltberühmten Museo deI Oro in der Staatsbank
von Bogota.
Die Hauptstadt Kolumbiens war das erste erklärte Ziel unserer Reise.
Bogota liegt auf 2600 Metern Höhe im fruchtbaren Hochtal der Sabana. Im
Gebiet der Muisca- und Chibcha-Indianer hörten die goldgierigen Spanier die
Sage von EI Dorado. Von der legendären Stadt des Goldes berichten viele
südamerikanische Völker. Alles Märchen oder doch Wirklichkeit? Noch heute
brechen Abenteurer nach Südamerika auf, um das geheimnisvolle Wunderland
zu finden. Die Hinweise für eine »goldene Stadt« im Dschungel sind allerdings
dürftig.
Der echte EI Dorado hingegen, das war keine Goldstadt, sondern ein
goldener Mensch. Die Zeremonie, die diese Legende entstehen ließ, fand auf
dem Guatavita-See nördlich von Bogota statt. Er soll durch ein himmlisches
Zeichen (offenbar ein Meteoriteneinschlag) entstanden sein. Die Muisca hiel­
ten den Platz für den Wohnort eines mächtigen Gottes und nutzten ihn als
heilige Stätte. Wenn der neue König sein Amt antrat, wurde er entkleidet und
von Kopf bis Fuß mit klebrigem Harz eingerieben und mit Goldstaub bedeckt.
Der auf diese Weise »Vergoldete« bestieg ein floß mit Opfergaben aus Gold und
Edelsteinen. In Begleitung von Priestern, die ebenfalls mit Goldschätzen be­
stückt waren, wurde der König anschließend in die Mitte des Sees gebracht.
Nachdem die Schätze versenkt wurden, tauchte auch EI Dorado ins Wasser, bis
seine goldene »Haut« wieder abgewaschen war - und, so weiß es wiederum die
Legende, dem Wassergott ein weiterer Tribut gezollt wurde. Die neue Herr­
schaft konnte beginnen.
Lange Zeit hielt man diese Sage für eine erfundene Geschichte. Ein 1 8, 5 Zen-
58 I

Wertvollstes Relikt aus dem Museo dei Oro: Das Zeremonialfloß EI Dorado. (Foto: Bern­
hard Moestl und Autoren)

timeter langes und ungewöhnlich feingearbeitetes Artefakt aus purem Gold, das
den »vergoldeten« Muisca-Häuptling auf einem floß darstellt, bestätigte schließ­
lich die phantastisch anmutenden Erzählungen der Indianer. Bereits im 1 6. Jahr­
hundert wurden Versuche unternommen, den heiligen See zu entwässern und
nach dem Gold zu suchen. Obwohl etliche Gegenstände geborgen werden
konnten, war die Wasserfläche nie mit Erfolg ganz trockenzulegen. Außerdem
wurde der Schlamm der trockengelegten Stellen durch die starke Sonnenbe­
strahlung innerhalb kurzer Zeit hart wie Beton. Dem Guatavita-See und seinen
Goldopfern gelang es bisher erfolgreich, das Geheimnis um EI Dorado zu
bewahren. Das Original der unbezahlbaren Figur des »Vergoldeten« ist eines
von mehr als 33 000 kostbaren Goldexponaten, die aus vorkolumbischer Epo­
che stammen und im Museo deI Oro aufbewahrt werden.
Hier hofften wir mehr über den ursächlichen Verwendungszweck der
»fliegenden Amulette« in Erfahrung zu bringen. Die Visite am 20. Februar
2000 war zuvor angekündigt und die Museumsleitung war darüber informiert,
daß unser Augenmerk besonders auf mysteriöse Schmuckgegenstände gerichtet
war.
I 59
Für unser vierköpfiges Team wurde eigens ein persönlicher Rundgang
durchs Goldmuseum gewährt. Auf zwei Stockwerken verteilen sich atemberau­
bende Schätze. Im ersten werden die einzelnen altindianischen Kulturen Ko­
lumbiens vorgestellt und ihre Goldschmiedetechniken, im zweiten wird der
Mythos des Goldes zelebriert. Lichterspots lassen die prächtigsten Goldfunde,
massive Brustplatten, Knieschützer, Helme und »Kultobj ekte« in der Dunkel­
heit der Ausstellungsräume aufleuchten. Leise Musik im Hintergrund begleitete
die mystische Stimmung. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Sagenhaft, was hier an weltweit einmaligen Schätzen der Inka und anderer
Dynastien zu sehen ist.
Es sind gerettete Schätze eines untergegangenen »goldenen Zeitalters«, die
hinter dickem Panzerglas bestaunt werden dürfen. Gold galt als heiliges Metall
und Empfänger der schöpferischen, lebensspendenden Energie der Sonne. Es
war die bedeutendste religiöse Opfergabe und gleichzeitig Symbol der Führungs­
rnacht privilegierter Stammesangehöriger, die als Vermittler zwischen der »wirk­
lichen« Welt und der »höheren« , übernatürlichen Welt fungierten. Diese galt als
Quelle allen Wissens, zu der die normalen sterblichen Menschen keinen Zu­
gang hatten. Angesichts der aufgetürmten Goldberge würde es nicht verwun­
dern, wenn eines Tages irgendwo im Dschungel tatsächlich noch die Ruinen
einer verlassenen »Goldstadt« auftauchen sollten.
Die handwerkliche Feinheit und Raffinesse der Schmuckstücke zeugt vom
hohen Entwicklungsstand vorkolumbischer Kulturen. Viele winzige Kostbar­
keiten sind derart fein gearbeitet, daß es schwer glaubhaft erscheint, sie wären
ohne Zuhilfenahme von Vergrößerungsgläsern entstanden. Neben den Klein­
oden aus filigraner Golddraht-Technik war eine Schautafel plaziert, die unfrei­
willig zum Schmunzeln anregte. Ein primitiver, behaarter Steinzeitmensch
bearbeitet mit Meißel und Hammer eine filigrane Goldfigur. Stimmt diese
Vorstellung angesichts präziser Feinarbeit? O der ist es nicht doch wahrscheinli­
cher, daß bereits Ureinwohner spezielle Werkzeuge und Techniken beherrsch­
ten, von denen wir heute nichts mehr wissen? Unbestritten ist, daß die südame­
rikanische Metallurgie bereits vor den Inka einen hohen Entwicklungsstand
erreichte, der sich besonders in feiner Goldverarbeitung ausdrückt.
Bei unserem Streifzug durch das Goldmuseum sind uns einige aus Gold
gegossene Anhänger aufgefallen, die von der Wissenschaft als »stilisierte Vogel­
menschen« bezeichnet werden. Sie sind typisch für die Tolima-Kultur des
südlichen Kolumbien, der auch die »Goldflieger« entstammen. Auffällig ist bei
den meisten Anhängern ihr gerader, flacher und symmetrischer Körperbau,
ebenso angedeutete Flügeln, die an einen Kamm erinnern, und der viereckige
Kopf mit abgewinkeltem Aufsatz. Hinzu kommt häufig ein ankerförmiger
Schwanz. Viele dieser Schmuckstücke haben auf der Rückseite eine Schlaufe
60 I
und wurden als Brustanhänger verwendet. Wir fragten uns, was die Vorlage für
die Herstellung dieser »geflügelten Menschen« war?
Nachdenklich standen wir vor einer anderen Vitrine: Wir erblickten winzi­
ge Goldminiaturen, die von den Calima-Indianern stammen. Sie werden heute
der Yotoco-Kultur zugerechnet. Zwischen den ersten Jahrhunderten vor und
rund 1 000 n. Chr. legten sie in den Tälern west­
lich des Andengebirges Terrassen an. Sie verar­
beiteten dort Gold zu poporos. Das waren Gefä­
ße, in denen Kalk aufbewahrt wurde. Er wurde
aus pulverisierten Muscheln gewonnen und mit
gerösteten Coca-Blättern vermischt. Diese Mi­
schung erzeugte die stimulierende Wirkung ei­
ner betäubenden Droge, die als Teil traditionel­
ler Riten galt. Schamanen gelangten dadurch in
anderen Bewußtseinszustände und traten mit
»höheren Wesen« in Verbindung. Um den Kalk
vom Boden der poporos zu lösen, wurden golde­
ne Nadeln benutzt. Die winzigen Köpfe dieser
Nadeln schmücken fremdartige Menschen- und
Poporos-Nadeln sind auf ihren Tiergestalten in Masken, Helmen und »Zere­
Köpfen mit fremdartigen Minia­ monialkostümen« . Sie sollen »überirdische We­
turen geschmückt. (Foto: Anke sen« darstellen. Wer waren diese himmlischen
und Horst Dunkel) »Göttergestal ten « ?
Unsere Museumsführung war redlich be­
müht, aufkommende Zweifel an bestehenden Theorien zu zerstreuen. Alles
wurde uns genauestens - streng nach herrschender Lehrmeinung - erklärt und
Fragen geduldig beantwortet. Leider nicht alle. Denn als wir endlich zum
Schaukasten kamen, in dem die umstrittenen »Goldflieger« aufbewahrt werden,
war unsere Enttäuschung groß: Just diese Vitrine war und blieb während
unseres Besuches finster. Die einzige der ganzen Ausstellung, die abgedunkelt
war. Nun, es blieb nicht nur stockfinster, wir waren auch stocksauer. Offiziell
hieß es beschwichtigend, daß »Renovierungsarbeiten« der Grund dafür seien.
Unserer Dolmetscherin (englisch, obwohl durchaus regelmäßige Führungen in
Deutsch unternommen werden) sah man die lange Nase an. Seltsam, dachten
WIr.
Wir hatten Hoffnung, beim anschließenden Gesprächstermin mit der
Museumsdirektorin doch noch eine Möglichkeit zu finden, um die »Flieger« zu
bestaunen und vielleicht ein Exponat für unsere Ausstellung bereitgestellt zu
erhalten. Fehlschlag. Unser Ansinnen wurde barsch zurückgewiesen. Selbst der
harmlosen Idee, mit einer Taschenlampe in besagte Vitrine zu leuchten, folgte
I 61
eine herbe Abfuhr. Es blieb dunkel. Beim Gespräch wurde deutlich, weshalb.
Unbequeme Fragen waren nicht erwünscht. Alles, was auch nur entfernt mit
ungeklärten Fundstücken zu tun haben könnte, die eine neue Interpretation
erlauben, wo bisherige Auffassungen hinterfragt oder gar in Zweifel gezogen
werden, wurde als reiner Unsinn abgetan. Nein, für so eine dubiose Ausstellung
werden die merkwürdigen Goldstücke nicht hergeborgt, und damit basta.
Was nun? Der Auftakt war nicht in unserem Sinne erfolgt. Wenn wir nicht
bald einen deutlichen Erfolg vorzuweisen hatten, konnten wir die Ausstellung
vergessen. Alle Anstrengungen wären umsonst gewesen. Unser Krisen­
management zog sich mißgestimmt zur Beratung ins Hotel zurück.

Start unserer Südamerika-Recherchen: Das Goldmuseum von 80gota in Kolumbien. (Foto:


Dr. Hans-Joachim Zillmer)
5
Was man sucht, es läßt sich finden
Muchas gracias - danke, endlich eine heiße Spur

Die Goldfunde aus Kolumbien sind weltberühmt. Weniger bekannt ist, daß es
in dieser Region eine Reihe interessanter archäologischer Fundstätten gibt. Am
meisten Aufsehen erregt hat das 500 Quadratkilometer umfassende Ausgrabungs­
areal von San Augustin. In der Nähe entspringt der Rio Magdalena, ein wichti­
ger Strom, der nach Norden in den Atlantik fließt. In dieser gebirgigen Gegend
stößt man auf die Reste einer kaum bekannten südamerikanischen Zivilisation.
Im letzten Jahrtausend v. Chr. war sie hier angesiedelt. Neueste Funde, die zum
Teil auf das Jahr 3000 v. Chr. zurückgehen, bringen die bisherigen Datierungen
ins Wanken. Auf dem Areal fanden Archäologen rechteckige Kammern aus
vertikalen Megalithen mit Schlußsteinen, die mit einer vier Meter dicken
Erdschicht bedeckt waren.
Seltsam muten vor allem 300 ausgegrabene Monumentalfiguren an. Jede
der Steinplastiken sieht anders aus und erinnert an eine dämonische Teufels­
fratze mit über die Lippen herausragenden Draculazähnen. Altertumsforscher
sehen darin eine Versinnbildlichung des Übernatürlichen. Welche Schlüsse
daraus gezogen werden dürfen, bleibt allerdings ebenso unerfindlich wie die
Gründe, weshalb die Stätte um 1 5 00 n. Chr. verlassen wurde. Wer lebte hier,
und welche Religion wurde ausgeübt? Stammen die Skulpturen von einer
Kultur, deren Riten weite Verbreitung fanden?
Etwas fiel uns in diesem Zusammenhang auf: Die Charakteristik der
typischen »Reißzähne« kennt man aus j üngsten archäologischen Funden, die
einem ganz anderen Kulturkreis entstammen - aus der Inneren Mongolei. Hier
entdeckten Archäologen Pyramiden bauten und Steinmonolithe mit überein­
stimmender »Reißzahn«-Symbolik. Somit stellt sich die Frage nach einer mögli­
chen gemeinsamen Urquelle. Eine Spur, der wir zunächst nicht weiter nachge­
hen konnten. San Augustin liegt 600 Kilometer von Bogota entfernt. Dafür
fehlte diesmal die Zeit. Was wir suchten, waren attraktive Exponate für unsere
Ausstellung. Doch woher nehmen? Es sah nicht gut aus für unser Proj ekt. Einen
letzten Strohhalm hatten wir noch.
In Kolumbien gibt es eine Reihe bedeutender Kunstsammler. Artefakte,
deren gen aue Fundumstände ungeklärt sind oder die nicht in das bekannte
Geschichtsbild vorkolumbischer Entwicklung zu passen scheinen, finden kei­
nen Platz in offiziellen Museen. Sie landen meist in den Archiven der Privat­
sammler. Kaum jemand weiß von ihrer Existenz. Ein solches Corpus delicti
I 63

Ungewöhnliche Pyramiden bauten in der Inneren Mongolei (Foto: Archiv Dr. Jian Wang)

ist eine prähistorische Steinscheibe, auf der »genetische Informationen« eingra­


viert sein sollen. Wir wußten davon aus dem 1 982 erschienenen Buch Strategie
der Götter von Erich von Däniken. Demnach soll in Bogota ein gewisser
»Professor Gutierrez« leben, der im Besitz dieses ungewöhnlichen Objektes sein
soll. Existiert die ominöse »Genetische Scheibe« überhaupt? Wo befindet sie
sich heute?
Wir beschafften uns ein Telefonbuch von Bogota, einer Stadt mit sieben
Millionen Einwohnern. Dann gleich ein Schock: »Gutierrez« ist darin so häufig
vertreten wie bei uns die Namen Müller und Maier zusammen. Aber nach
langer Suche: Es gibt nur einen Professor Jaime Gutierrez. Wir riefen an. Sein
Sohn hob ab. Ja, sein Vater sei der gesuchte Mann. Er gab seine Telefonnummer
bekannt. Wir telefonierten wieder. Wir erreichten »unseren« Professor. Gutierrez
war zwar reserviert, gestand uns aber einen Besuch in seinem neuen Haus zu.
Wenig später saß unser Quartett frohgestimmt in einem Taxi und rumpelte
eine Stunde lang über einsames Gelände. Es war bereits dunkel, und die Nacht
rückte näher, als wir unseren Zielort, etwa 20 Kilometer außerhalb von Bogota,
erreichten. Vor uns die letzte Hürde: Drei bis an die Zähne bewaffnete Sicherheits­
posten verriegelten hermetisch das Gelände, ließen niemand Unbefugten pas­
sieren. In diesem Moment wurde uns schlagartig bewußt, daß sich Kolumbien
im Bürgerkrieg befand. Seit 1 964 führen die Revolutionären Streitkräfte Kolum-
64 I
biens, FARC genannt, einen blutigen Guerillakrieg und kontrollieren 40 bis 5 0
Prozent des Landes. Für Zivilisten kein gemütliches Plätzchen. Wir waren froh,
als sich endlich die Schranken öffneten.
Enge, verschlungene Serpentinen führten die letzten paar hundert Meter
hinauf zum imposanten Wohnsitz mit moderner Architektur. Ein älterer, rüsti­
ger Herr mit bärtigem Gesicht und gutmütigem Lächeln erwartete uns bereits ­
Professor Jaime Gutierrez Lega. Er führte uns durch seine damals noch im Bau
befindliche Zitadelle aus Stein. Was wir zu sehen bekamen, war außergewöhn­
lich. Den Entwurf und die geniale Gestaltung seines Felsennestes hatte der
Professor selbst vorgenommen. Verblüffend die Bauweise: Gutierrez gestaltete
sein aus zwei Gebäudekomplexen bestehendes Haus, ohne dabei einen einzigen
Ziegel oder eine Fliese zu brechen. So etwas gibt es normalerweise nicht. Bei
j edem errichteten Gebäude finden sich an Eingängen, Türstöcken und Fenstern
Ziegel oder Fliesen, die gebrochen wurden. Nicht so im Domizil von Professor
Gutierrez. Hier ist j edes Stück im Ganzen erhalten geblieben. Nichts wurde
bearbeitet oder behauen.
Zwischen den beiden Häusern befindet sich ein alter Höhleneingang, der
in einen Gräberschacht führt. In acht Meter Tiefe fand Prof. Gutierrez zwei

Autor Klaus Dona mit Prof. Gutierrez in einem Gräberschacht in acht Meter Tiefe unter
seinem Haus. Einige Gänge sind noch unerforscht. (Foto: Klaus Dona)
I 65
menschliche Skelette, die nach den
vorgenommenen Altersdatierungen
1 1 000 und 1 4 000 Jahre an diesem
Ort gelegen haben. Das Interessante
an diesen Funden sind die Schädel,
hier insbesondere die Anordnung der
Zähne im Unterkiefer: Sie stehen alle
quer und nicht wie bei Menschen
sonst üblich parallel. Wenn dem­
nächst DNA-Analysen stattfinden,
werden wir hoffentlich mehr über die­
sen Indianerstamm in Erfahrung brin­
Autor Klaus Dona mit einem 1 0 000 Jahre gen können.
alten Schädelfund, der in einer Höhle tief Noch ein Geheimnis hütet die
unter der Erde geborgen wurde. (Foto: Höhle: Von der Fundstelle der zwei
Klaus Dona) Skelette führt ein weiterer 1 5 Meter
tiefer Schacht hinab und am Ende
davon gehen drei Tunnelanlagen in den Berg hinein. Was sie bedeuten, wohin
sie führen - niemand weiß es. Sie wurden bislang noch nicht erforscht. Selbst
der Hausherr hat sie noch nicht betreten.
Irgendwann wird sicherlich auch dieses Geheimnis gelüftet werden. Gutierrez
gab sein Einverständnis, daß wir bei der Ersterkundung der unbekannten
unterirdischen Bereiche dabei sein
dürfen. Auf einer der nächsten Rei­
sen wollen wir den Abstieg in diese
rätselhafte Tunnelanlage Südamerikas
wagen.
Beim Rundgang über das Areal
lenkte uns Gutierrez weiter in eine
mächtige Halle, die er gemeinsam mit
seinen Studenten für Bildhauerkunst
und Designarbeiten nutzt. Wir er­
fuhren, daß Jaime Gutierrez Lega in
Unterkiefer mit bizarren Zähnen: Sie stehen Bucaramanga, Kolumbien, geboren
quer und nicht, wie sonst üblich, parallel. wurde und als Industriezeichner ar­
(Foto: Klaus Dona) beitet. Daneben ist er passionierter
Hobby-Archäologe. An der Universi­
tät forge Tadea Lozano in Bogota unterrichtet er Industriedesign und ist Präsi­
dent des kolumbianischen Designer-Verbandes ACD (Asociacion Columbiana
de Disenadores) .
66
Der Fachgelehrte offerierte uns einige Schaustücke seiner präkolumbischen
Sammlung, schränkte aber ein, daß die interessantesten und wertvollsten Stük­
ke in Bogota, daheim in seinem Bungalow, aufbewahrt würden. Alles fachge­
recht und sicher verpackt in Schachteln. So mußten wir zunächst vorrangig mit
wenigen Originalen und Fotos vorlieb nehmen.
Ein Objekt erweckte besonders unsere Aufmerksamkeit. Eine Keramik aus
Santamarta. Eine plumpe Figur, offenbar in einem Anzug steckend mit seltsa­
men Attributen und einem propellerartigen Aufsatz am Rücken. Auf einem
Foto zeigte uns Prof. Gutierrez zwei Keramikfiguren, die uns sofort an die
japanischen Dogu-Statuetten erinnerten. Daß es dereinst vermutlich kulturelle
Verbindungen zwischen Ecuador - der Valdivia-Kultur - und Japan gab, wird
schon seit längerem von der Wissenschaft bestätigt. Diese beiden Figuren aus
Kolumbien sind ein Hinweis, daß es zwischen Kolumbien und Japan noch
weitere Kontakte in der Vergangenheit gegeben haben könnte.
Oder haben die Künstler der Vorzeit Gleiches beobachtet und unabhängig
davon ihre identischen Eindrücke in Ton modelliert? Wie alt die Objekte sind,
wollten wir von Gutierrez wissen. »Soviel ist bekannt: Die Keramiken sind im
Rohzustand, ohne Feuer, gefertigt worden und sicher etliche Jahrhunderte,
wenn nicht sogar Jahrtausende alt.«
»Und was stellen sie Ihrer Ansicht nach dar?«
»lch gestehe ehrlich, ich weiß es nicht.« Sieht aus wie ein prähistorischer
Astronaut, warfen wir ein. Professor Gutierrez blickte uns stumm an und
schmunzelte. Ein anderes Foto erweckte vor allem die Aufmerksamkeit unseres
Fossilien-Experten Dr. Hans-Joachim Zillmer. Es zeigte versteinerte Hände in
einer Steinplatte, die über 1 00 Millionen Jahre alt sein sollen.
Unser Gastgeber zeigte uns später noch einige gravierte Steine. Sie sind mit
unbekannten Schriftzeichen und Symbolen versehen und wurden in Sutatausa
bei Bogota entdeckt. Befreundete Geologen hätten das Alter auf einige tausend
Jahre geschätzt, versicherte uns Gutierrez. Einschließlich der Gravuren, weil
sich unter dem Elektronenmikroskop deutliche Spuren von Auswaschungen
durch Wasser feststellen ließen. Was uns beim Betrachten sofort auffiel: Die
Hieroglyphen erinnern erstaunlich exakt an ähnliche Steinfunde, Skulpturen
und Tafeln, die man vor Jahren in einem unterirdischen Tunnelsystem im
amerikanischen Bundesstaat Illinois entdeckt hat. Der amerikanische Höhlen­
forscher Russell Burrows will sie dort aufgestöbert haben. Die Schriftzeichen und
Symbole passen in kein bekanntes Schema und werden deshalb vorschnell als
»Fälschungen« abgetan, ohne der Sache analytisch auf den Grund zu gehen.
Gleiches findet man auf Metalltafeln aus der umfangreichen Kunstsammlung
des inzwischen verstorbenen Pater Crespi in Ecuador. Ebenso zeigen die zahlrei­
chen Steinfunde aus dem kleinen Ort Glozel in Frankreich das gleiche Schema
I 67
unbekannter Schriftzeichen. Man attestiert ihnen ein Alter von 1 2 000 Jahren.
Auffallende Übereinstimmung zwischen den Entdeckungen in Kolumbien,
Ecuador, USA und Frankreich. Zufall? Alles Betrug? Oder gab es einst gemein­
same Wurzeln? Sind die aufgefundenen Rätsel Überbleibsel aus einer längst
vergessenen Epoche? Weiße Flecken aus den Ursprüngen der Menschheitsge­
schichte? Weshalb werden die Steinsammlungen nicht gründlich wissenschaft­
lich untersucht und die Bild- und Schriftsymbole miteinander verglichen?
Gutierrez erzählte, daß er im Besitz vieler merkwürdiger Exponate ist, bei
denen eine exakte Untersuchung bisher nicht durchgeführt wurde, da die
Wissenschaftler nicht mit solch »merkwürdigen Geschichten« konfrontiert wer­
den wollen. »Sie wissen nicht, wo sie diese Artefakte einordnen sollen, da es
meistens kaum Vergleichsobjekte gibt«, ergänzt der Kunstsammler. Das gilt
auch für das ungewöhnlichste Stück seiner Sammlung - die »Genetische Schei­
be« . Neugierig fragen wir, ob die Möglichkeit bestünde, das skurrile Ding
persönlich in Augenschein zu nehmen?
»Ja«, nickt der Professor, »sie ist das Prunkstück meiner Sammlung. Morgen
Nachmittag bin ich in Bogota, da können Sie die Scheibe sehen, wenn Sie
möchten. «
Nichts lieber als das.
Als wir am nächsten Morgen Professor Gutierrez in seinem Bungalow
aufsuchten, wurden wir herzlich empfangen. Die Räumlichkeiten waren über­
sät mit archäologischen Raritäten. An den Wänden hingen mystische Masken
aus aller Herren Länder und Regale vollgesropft mit Büchern, Skulpturen und
Keramiken. Sonderbare Steine lagen aufbereitet auf dem Wohnzimmertisch,
daneben noch verpackte Kisten. Gutierrez löste die Spannung, nahm ein schei­
benförmiges Objekt in die Hand und sagte: »Das ist sie, die Genetische
Scheibe«.
Unser erster Eindruck: Unglaublich! Der Diskus besteht aus einem schwar­
zen Stein, mißt 22 Zentimeter im Durchmesser und ist ungefähr zwei Kilo­
gramm schwer. Vorder- und Rückseite sind mit Gravuren versehen und mit
einzelnen Ornamenten, die durch lotrechte Striche getrennt sind. Am Scheiben­
rand befindet sich ein Schlangensymbol eingraviert. In ihrer Mitte hat die
Scheibe ein Loch. Gutierrez: »Ich vermute, daß die Scheibe ursprünglich auf
einem Stock befestigt war und gedreht werden konnte. Möglicherweise gab es
noch weitere solche Platten. Vor etlichen Jahren hat man auch auf den süd­
chilenischen Inseln diskusförmige Relikte ausgegraben. Da sie mit Symbolen
beschriftet sind, enthalten sie offenbar irgendwelche Botschaften. Damals wie
heute werden Informationen auf Scheiben festgehalten, denken Sie nur an die
CD-Rom oder Music-CDs. Die Motive auf der Vorder- und Rückseite dieser
schwarzen Scheibe zeigen enge biologische Zusammenhänge. «
68

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Dr. Hans-Joachim Zillm er und Autor Reinhard Habeck mit dem Prunkstück der Gutierrez­
Sammlung: der » Genetischen Scheibe«. (Foto: Reinhard Habeck)

Lassen sich die Zeichen auf dem Gegenstand genauer entschlüsseln? Was bedeu­
ten sie? Enthalten sie wirklich genetische Informationen, wie behauptet? Ärzte,
die die Scheibe später in Wien untersucht haben, konnten uns dies bestätigen.
Gutierrez: »Auf dieser Platte ist die Evolution vom Frosch zum Menschen
dargestellt«, heißt kurzgefaßt seine eigenwillige These. »Details wie Eizelle,
Spermien, Ovarien, Zellteilung oder Embryos sind erkennbar. Ein Element
zeigt zwei Wesen, offenbar männlich und weiblich. Die andere Seite enthält
Szenen, die sich vielleicht als Abbilder von Zellteilung und Froschwesen in
verschiedenen Stadien der Entwicklung interpretieren lassen. «
Hier stellt sich die berechtigte Frage, wie »primitive« Ureinwohner von
Südamerika Dinge exakt darstellen konnten, die wir erst im letzten Jahrhundert
durch Mikroskope und Elektronenmikroskope feststellen konnten? Die größte
Frage bleibt aber, was genau wurde auf der Scheibe verewigt? In diesem Augen­
blick erinnerten wir uns daran, daß uns beim Besuch im weltberühmten
Goldmuseum in Bogota besonders viele Froschamulette aufgefallen waren.
Bekannt ist, daß sich Frösche, Lurche und andere Wasserwesen vor allem im
alten Ägypten als heilbringende und religiöse Symbole göttlicher Anbetung
I 69
erfreuten und mit »Fruchtbarkeitsriten« in engem Zusammenhang standen.
Etwa, wenn man an die froschköpfige Göttin Hiqit denkt, die den Mythen
zufolge unaufhörlich das kugelförmige Weltenei empfing und austrug. Offen­
bar genossen diese glupschäugigen Geschöpfe ebenso besondere Verehrung in
der präkolumbischen Kultur.
»Ja, in ganz Amerika«, bestätigt Gutierrez, »aber die Wissenschaftler erken­
nen nicht den Zusammenhang und die ursächliche Bedeutung dieser Funde.«
Er deutet auf einen schwarzen Stein seiner Sammlung, der wie ein altägyptischer
Skarabäus aussieht, und konstatiert: »Es weiß niemand, wie alt diese Fundsa­
chen wirklich sind. Von ihrer Symbolik wissen wir aber, daß die Darstellung von
Amphibien besondere Bedeutung hat. Frösche zählen zu den sensibelsten Lebe­
wesen. Sie gehen in den See, sie kommen vom Wasser und krabbeln aufs Land.
Ein biologisch sehr komplizierter Vorgang, nämlich die Umstellung vom Le­
bensraum des Wassers zum Landtier. Frösche und Lurche sind eine der wenigen
Tiergattungen, die das machen, die ihren Lebensraum wechseln können vom
Wasser zum Land und umgekehrt. «
Aber ist das Unikat wirklich authentisch? Wie kam der Kunstsammler in
den Besitz der Scheibe? Wurde sie jemals auf Echtheit überprüft?
Professor Gutierrez macht kein Hehl aus seiner Überzeugung: »Man weiß,
daß ich prähistorische Stücke sammle. Berufsbedingt interessiere ich mich für
die Kunst meiner Vorfahren. Viele meiner Design-Arbeiten beruhen auf uralten
Konzepten und Vorlagen präkolumbischer Handwerker und Werkzeuge. Vor
Jahren tauchte ein Guaquero, ein Schatzsucher, bei mir auf und bot mir die
Scheibe zum Kauf an. Der Mann versicherte, daß sie nicht aus einem Grab
stammte, sondern bei Bauarbeiten am Rande von Bogota gefunden wurde.
Museen wurde die Scheibe angeboten. Die Direktoren konnten aber mit dem
fremdartigen Ding nichts anfangen, da es keiner bisher bekannten Epoche
zugeordnet werden konnte. Die Scheibe ist durch das Gewicht des Erdreichs
mit der Zeit eingedrückt worden, und an manchen Stellen lassen sich erodierte
Spuren feststellen, die durch fließendes Wasser entstanden sind. Befreundete
Geologen der Technischen Universität bestätigten mir, daß die Scheibe präkolum­
bischen Ursprungs ist. Wie viele Jahrtausende sie tatsächlich auf dem Buckel
hat, läßt sich nicht mehr genau feststellen. «
Wenn keine Fälschung, was dann? Könnte das kuriose Relikt von einer
Zivilisation stammen, die unserem Wissensstand ebenbürtig war? Die Legen­
den um das versunkene Königreich Atlantis kommen einem in den Sinn. Ist die
»Genetische Scheibe« ein Relikt aus dieser verlorenen Epoche?
Gutierrez zeigte weitere Stücke mit mysteriösen Schriftzeichen. Und: klei­
ne, nur wenige Zentimeter lange Steinwerkzeuge aus schwarzgrauem Lydit. Sie
belegen das einzigartige technische Geschick präkolumbischer Indianer. Man-
70

Der Kontakt zum Kunstsammler Prof Jaime Gutierrez brachte den langersehnten Durch­
bruch für unser Projekt Unsolved Mysteries (Foto: Dr. Hans-Joachim Zillmer)

che sind so fein, daß sie unter heutigen Schleifmaschinen brechen würden, wie
filigrane Nadeln Zut millimetergenauen Wachsbearbeitung. Gleiches gilt für
ärztliche Instrumente, da sich unter den mysteriösen Obj ekten dieser Samm­
lung auch ein Geburtsmesser und ein Geburtslöffel befinden, die aus dem
gleichen Material bestehen.
Das Blatt für unser Team hatte sich gewendet: Professor Gutierrez sagte zu,
uns für die Ausstellung zehn Objekte zu leihen. Es wutden letztendlich mehrere
Dutzend. Schon um vieles besser gelaunt, reisten wir am nächsten Tag weiter
nach Quito, der Hauptstadt von Ecuador. Dorthin lockten uns vor allem drei
offene Fragen: Welches Geheimnis bewahrt ein ominöser »Weltkartenstein«,
der gemeinsam mit anderen wundersamen Relikten im Dschungel geborgen
wurde? Werden die Restbestände der berühmten Metallbibliothek von Pater
Crespi in der Banco Central deI Ecuador unter Verschluß gehalten? Und: Welche
ungewöhnlichen Funde existieren noch, die für unsere Ausstellung infrage
kämen?
Wir wollten Antworten. Am 22. Februar 2000, um 1 0 Uhr Vormittags,
verließen wir Bogota mit einer Boeing-757. Flugzeit nach Quito: 1 Stunde,
25 Minuten. Wir waren aufgeregter denn je.
6
Nachforschungen in Ecuador
Wir fanden noch nie gezeigte Artefakte

Endlich in Ecuador! Der Staat liegt im nordwestlichen Südamerika zwischen


1 0 40' nördlicher und 50 südlicher Breite, somit exakt auf dem Äquator, der
dem Land seinen Namen gab. Hier begegnet man einer Jahrtausende alten
indianischen Vergangenheit, einer schier endlosen amazonischen Flora und
Fauna, einer Millionen Jahre alten vulkanischen Bergwelt und einer kolonial­
spanischen Architektur. Ecuador zählt zu den schönsten, vielseitigsten und
gebirgigsten Plätzen des Kontinents. Gleichzeitig ist es einer der preiswertesten,
aber auch ärmsten und wirtschaftlich schwächsten Staaten Südamerikas. Kein
Reisender kommt an dieser zuweilen widersprüchlichen Realität vorbei. Die
Eindrücke gehen unter die Haut.
In der ecuadorianischen Hauptstadt Quito wurden wir bereits von unserem
Kontaktmann erwartet. Sein Name: Dr. Heinz Valentin Hampejs, Arzt, Neurolo­
ge, Psychiater und Heilpraktiker aus Öster­
reich, der sich vor vielen Jahren in Ecuador
mit seiner Familie niedergelassen hat. Er ist
Experte auf dem Gebiet der Schamanen­
Medizin, führt selbst heilende Rituale durch
und ist Forschungsbeauftragter des Ecuado­
rianischen Gesundheitsministeriums. Und
Dr. Hampejs ist ein Vertrauter der indigenen
Bevölkerung.
Die Bezeichnung »Indios« mögen die
Ureinwohner Ecuadors, also jene Bevölke­
rungsgruppe, die bereits vor den Spanien
im Land ansässig war, gar nicht gern. Ver­
ächtlich wird der Begriff von den Mestizen,
Mischlingen zwischen Indianern und Wei­
ßen, häufig mit »ungebildet, arm und Unser geist- und hilfreicher Kontakt­
schmutzig« gleichgesetzt. Die werrneutrale mann in Ecuador: Dr. Heinz Valentin
Bezeichnung, die wir beibehalten wollen, Hampejs. (Foto: Reinhard Habeck)
lautet indigenas, auf spanisch »Eingebore-
ne« .
Ecuador ist in j eder Hinsicht ein multikulturelles Land.
Die Metropole Quito mit 1 ,7 Millionen Einwohnern liegt auf etwa 2850 Me-
72 1

tern Höhe. Eine gewisse Kurzatmigkeit können in dieser Höhenlage sogar


Reisende mit guter Kondition feststellen. Beflügelt vom Erfolg im Nachbarland
Kolumbien hatten wir noch genügend Luft für neue Abenteuer.
Die Krone der Anden, wie Quito auch gerne genannt wird, ist von schnee­
bedeckten Vulkanen umgeben. Dennoch beträgt die Entfernung zum Äquator
nur 22 Kilometer. Am Osthang der Stadt erhebt sich der 4794 Meter hohe
Vulkan Pichincha. Vom Dachrestaurant unseres Hotels wirkte Quitos Hausberg
auf uns bedrohlich und faszinierend zugleich. Nach längerer Zeit hatte der
dahinschlummernde feuerspuckende Berg in den letzten Jahren wieder ein
kräftiges Lebenszeichen von sich gegeben. Jederzeit konnten Gesteinsbrocken,
Asche und Staub aus dem Erdinneren emporsteigen. Die Bevölkerung ist stets
mit Schutzmasken versorgt, die griffbereit in den Häusern der Bewohner
umliegender Dörfer und Städte liegen. Denn die Menschen wissen nur zu gut
um die Gefahr des glutflüssigen Gesteins, das tief im Erdinneren darauf wartet,
entfesselt zu werden: Etliche Male wurde die Hauptstadt bereits von Schlamm­
lawinen und wochenlangem Ascheregen verwüstet. Aber man hat sich daran
gewöhnt, mit der Bedrohung im Rücken zu leben.
Dr. Hampejes kennt die bewegte Geschichte der Stadt, die 1 979 von der
UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. »Der Name Quito« , so erzählt er
uns, »stammt von den Ureinwohnern. Als sich kurz vor Ankunft der Spanier das
Inkareich nach Norden ausdehnte, leistete die Bevölkerung erbitterten Wider­
stand gegen die Invasoren aus dem heutigen Peru. Der Inkaführer Huayna
Capac gliederte das Gebiet in sein Reich ein, heiratete die Prinzessin des
besiegten Stammes und machte Quito zur nördlichen Hauptstadt des Inka­
staates. «
Geblieben ist davon nicht viel. Auf den Fundamenten zerstörter Tempel
errichteten später die spanischen Eroberer Kirchen, Klöster und Paläste im
pompösen Barockstil. Die baulichen Sehenswürdigkeiten kolonialer Zeit ziehen
Touristen ebenso an wie Ausflüge ins Vulkangebiet oder zu den berühmten
Galapagos-Inseln. Uns aber zog es ganz woanders hin. In eine Gegend, in die
sich kaum ein Reisender verirrt. Nach Tumbaco zum »Weltkartenstein« .
Das Steinrätsel wird von dem einheimischen Landwirt German Villamar
wie ein Schatz gehütet. »Nicht der einzige«, betonte unser ortskundiger Freund
Dr. Hampejs. »German ist im Besitz vieler sonderbarer Gegenstände und hat
die ungewöhnlichste Sammlung der Welt!«
Mit großer Vorfreude machten wir uns am nächsten Tag mit dem Auto auf
den Weg. Zunächst steuerten wir einen kleinen Ort außerhalb der Stadt an. Als
wir vor dem Haus von Familie Villamar hielten, fiel uns die Ornamentik auf der
Eingangstüre auf - ein Muster mit Lilienblumen. Wir sahen uns an und
erinnerten uns an einen Vorfall, der etliche Wochen zurück lag. Eines Tages lag
I 73
vor der Türe unserer Wiener
»Mystery-Zentrale« (Das City­
büro von Klaus Dona) ein
Strauß weißer Lilien. Von wem
der Frühlingsgruß stammte
und welche Bewandtnis es da­
mit hatte, haben wir nie erfah­
ren. Es blieb eines der vielen
ungelösten Begleitphänomene,
die wir während der Vor­
bereitungsphase zur Ausstel­
lung immer wieder erleben
durften.
Die Sammlung Villamar beherbergt Dutzende merk­ So viel ist bekannt: Die
würdige Artefakte aus La Mana. Einige davon wur­ Lilie in ihrer weißen Farbe ist
den uns auf einem Tisch präsentiert, darunter der das Symbol des Lichtes, der
Pyramidenstein mit dem »göttlichem Auge«. Reinheit und der Jungfräulich­
(Foto: Reinhard Habeck) keit. Nach einer Auslegung ist
sie Sinnbild der Gnade, der
Auserwähltheit, und steht mit dem Gedanken der Wiedergeburt im Zusam­
menhang. Mit einem guten Gefühl betraten wir das Grundstück. Niemand
würde hier in dieser Gegend ungewöhnliche Bestände aus verborgenen Zeiten
vermuten.
Die Vorgespräche, die Dr. Hampejs mit German Villamar führte, zeigten
Wirkung. Der Hausherr empfing uns herzlich und offenbarte uns etwa 40
merkwürdig aussehende Kunstobj ekte. Sie wurden Anfang der 1 9 80er Jahre bei
Goldgräberarbeiten mitten im ecuadorianischen Dschungel in La Mana gefun­
den, in einer Höhle, zehn Meter unter der Erde.
Die Stücke sahen alle befremdlich aus: Eigentümliche Götterfiguren, Re­
likte in Form einer Schlange, seltsam geformte Steine mit eingravierten Schrift­
zeichen, Pyramidensymbolen und ungewöhnlichen Szenen. Wir kamen aus
dem Staunen nicht mehr heraus.
Ein Prunkstück der Sammlung ist ein schwarzer Pokal aus Stein mit feinen
Einlegearbeiten. Die »Punkte« auf dem Gefäß in unterschiedlicher Größe und
Farbe konnten inzwischen als Sternbilder identifiziert werden. Der Becher zeigt
als Edelsteineinlagen u. a. die Konstellationen des Orion, Sirius und der Plejaden.
Daneben existieren noch zwölf kleine Gefäße. Sie sind mit Einlegearbeiten
bestückt, die mit Strichen und Punkten unterschiedliche Symbole wiedergeben.
Sie ähneln den Glyphen des Maya-Kalenders und Diagrammen aus dem alt­
chinesischen I Ging, sind aber keiner bekannten Kultur zuzuordnen.
74
Manche der bizarren Stücke sind erzhaltig und ziehen Magnete an. Darun­
ter ist ein herzförmiges Obj ekt, das den Eindruck vermittelt, als wären zwei
unterschiedliche Gesteinsarten zu einem Stück miteinander verschmolzen wor­
den. Die Vorderseite zeigt das Antlitz eines bärtigen Mannes mit geschlossenen
Augen. Mit etwas Phantasie erinnert es den Betrachter an das Porträt Christi auf
dem Turiner Grabruch. Ob zufällig oder beabsichtigt, sei dahingestellt. Auf der
Rückseite dieses Steines ist eine linienförmige Einlegearbeit zu sehen, die in
gewundener Schlangenform in die Spitze eines Dreiecks mündet. Die Dreiecks­
symbolik findet sich auf vielen Objekten dieser Sammlung. Etwa auf einem
Stein mit sonderbarer Abbildung.
Dargestellt ist ein Wesen, das auf einem Sockel thront und in der Hand eine
Pyramide hält. In Kopfhöhe führen waagerechte Strahlen zu zwei Geschöpfen
in gebeugter Haltung. Das
sitzende Wesen scheint ei­
nen Helm zu tragen. Aus
dem Hinterkopf führt eine
Linie zu einem sichelförmi­
gen Symbol, das an eine
»Sonnenbarke« erinnert.
Darüber befindet sich ein
weiteres fliegendes Objekt,
von dem Strahlen wegfüh­
ren.
Der dazu passende
Stein mit rätselhafter Gravur (Foto: Reinhard Habeck) Rundhelm wurde ebenfalls
am Fundort entdeckt. Er
mißt 23 Zentimeter im
Durchmesser, besteht aus
Metall und hat eine kleine
längliche Öffnung. Noch ist
die Bedeutung dieses Kult­
gegenstandes unklar. Ger­
man Villamar vermutet, daß
es sich um das Original je­
ner Kopfbedeckung handelt,
die auf einigen Steinen ab­
gebildet ist. Das Loch auf
der Helmspitze wird als gei­
Rundhelm aus Metall (Foto: Bernhard Moestl und stiges Energiezentrum ge­
Autoren) deutet, von dem - ähnlich
I 75
altindischer Lehre - Energiewirbel im Astralleib ak­
tiviert werden können. Der Kraftstrom kann, so
wird gelehrt, durch Konzentrationsübungen beein­
flußt werden. Einige Okkultisten spekulieren da­
mit, daß mit dem Helm bestimmte Meditationen
vorgenommen wurden, etwa um andere geistige Di­
mensionen zu öffnen, Botschaften von Geistern zu
empfangen oder Kontakt zu höheren Wesen aufzu­
nehmen. Ein altes Phänomen, das unter dem neuen
Ausdruck Channeling (Kanalisieren) in der Esoterik
bekannt ist.
Gleichermaßen ungewöhnlich: Ein Stein mit
herausgearbeitetem Hohlraum in der Größe eines German Villamar zeigt die
menschlichen Kopfes. Im Innenraum sind punkt­ Anwendung des Chakra­
förmige Edelsteine und ein Kreis eingearbeitet, ge­ Steines. (Foto: Reinhard
nau an j ener Stelle, wo sich esoterischen Kenntnis­ Habeck)
sen zufolge das Kopfchakra befindet. Es gibt sechs
Hauptchakras, die durch Kanäle miteinander verbunden sind. Ein siebtes
Chakra befindet sich außerhalb des Körpers über dem Scheitel des Kopfes.
Energie kann aufgenommen oder abgegeben werden. Asketen und Mystiker,
die durch gezielte Atemtechniken diese Energie beeinflussen können, sollen
dadurch angeblich übermenschliche Kräfte erlangen können.
Unter den vielen sonderbaren Objekten beeindruckte uns eines am mei­
sten: ein 27 Zentimeter hoher Pyramidenstein mit einem Auge und 1 3 eingra­
vierten Stufen. Beim genauerer Hinsehen wurde deutlich: Das Auge ist aus
Steinen gearbeitet und in das Pyramidenobjekt eingelegt. Die Farbe ist grau, wie
auch die Pyramide selbst. Beim Anblick wurde uns bewußt, daß wir diese
Symbolik kennen. Und sie ist uralt. Wir finden sie beschrieben in vielen
Überlieferungen, etwa in der Bibel, ebenso im Zusammenhang mit der Bruder­
schaft der Schlange, einer vor sehr langer Zeit im Orient existierenden Geheim­
gesellschaft. Später findet sich die Symbolik wieder bei dem Ritterorden der
Templer, danach bei den Logenbrüdern der Freimaurern und der Geheim­
gesellschaft der Illuminaten.
Plötzlich kramte German in seiner Hosentasche und holte eine Ein-Dollar­
Note hervor. Er verwies auf die gleiche Symbolik, die sich darauf abgebildet
wiederfindet. Und tatsächlich: Wie auf dem Geldschein ist auch der Pyramiden­
stein selbst nicht mit einer viereckigen Bodenstruktur dargestellt - so wie
üblicherweise der Bodengrundriß einer echten Pyramide wäre -, sondern statt
dessen flach, mit einer kleinen Seite hervorstehend - genauso wie die abgebilde­
te Dollar-Pyramide. Über diese Pyramidensymbolik wird schon seit Jahrtausen-
76

den berichtet. Verschiedene Theorien wurden dazu aufgestellt und kontrovers


diskutiert. Doch bis zum heutigen Tage kennt man nicht wirklich ihr wahres
Geheimnis . Sollte es sich bei dem Fund aus Ecuador wirklich um j enes O riginal
handeln, das für so viele Legenden und Gerüchte verantwortlich zeichnet? Das
wäre in der Tat eine Riesensensation. Fachexperten sind gefordert, genau das
herauszufinden.

Links: Der Pyramidenstein mit »göttlichem Auge«. Rechts: Unter UV-Licht-Bestrahlung


offenbaren sich phantastische Leuchteffekte. (Fotos: Bernhard Moestl und Autoren)

Es wurde immer spannender: Nach Durchsicht aller vor uns ausgebreiteten


Exponate führte uns German Villamar in einen dunklen Nebenraum. Dort
stellte er die Pyramide auf einen Tisch und schaltete eine Lampe mit UV-Licht
ein. In diesem Moment waren wir alle sprachlos. Das Auge des Pyramiden­
steines strahlte wie ein echtes Auge, und die Pyramidenstufen stellten sich als
bläuliche Eingravierungen dar. Es war beeindruckend und sah gespenstisch aus!
Mit ihrem Leuchten schien sich ein Universum aus Raum und Zeit zu öffnen .
Nach dieser gelungenen Vorstellung untersuchten wir das Obj ekt sehr
genau und stellten dabei Erstaunliches fest: am Boden der Pyramide waren
kleine Goldeinlagen zu erkennen, die der Sternenkonstellation Orion entspre­
chen. Darüber sind Gravuren angebracht, die für uns zunächst unidentifizierbare
Schriftzeichen waren. Erst viele Monate später erfuhren wir, was diese Zeichen
beinhalten. Nach einer von Prof Kurt Schildmann, dem Präsidenten der deut­
schen Linguistikgesellschaft, angefertigten Übersetzung lautet der kryptische
Text: »Der Sohn des Schöpfers (Creator) ist unterwegs. «
Die Eigenschaft des unheimlichen Leuchteffektes teilt der Pyramidenstein
mit etlichen anderen Artefakten aus dieser einzigartigen Sammlung. Was immer
das Geheimnis dieser Relikte sein mag, ihr Strahlen und Flimmern unter ultra-
1 77

Die Unterseite des Pyramidensteines enthält eine rätselhafte Schriftgravur. (Foto: Rupert
Leutgeb)

violettem Licht ist von magischer Wirkung. War das die Absicht ihrer Schöpfer?
Werden spezielle Energien mit den Steinobjekten aktiviert? Jedenfalls wurde
uns berichtet, daß empfindliche Personen, die mit den Steinen in Berührung
kamen, über Kopfschmerzen und Unwohlsein geklagt hätten. Es scheint auch
eine Rolle zu spielen, wie man die Steinobj ekte in die Hand nimmt.
Dr. Hampejs, der selbst schamanistische Techniken beherrscht, flüsterte
uns mahnend zu: »Da die Objekte Magnete anziehen, wird auch das Blut
beeinflußt, weil der rote Blutfarbstoff eisenhaltig ist. Wird das Blut beeinflußt,
kommt es aber auch zu einer Beeinflussung der Gehirnströme. Das ist der
Grund, weshalb man aufpassen muß. Wir wissen noch zu wenig über den
Ursprung dieser Steine, kennen die Programme nicht, die sie enthalten, und
wissen daher auch nicht, welche Energien diese Steine auslösen können. «
Die skurrilen Fundsachen sind bisher nicht wissenschaftlich untersucht
worden. Sobald als möglich, wollten wir Mittel und Wege finden, das nachzu­
holen. Eines fiel bei der Betrachtung der meisten Artefakte auf: Sie haben
keinen Zusammenhang mit existierenden präkolumbischen Kulturen. Es stellte
sich für uns die Frage, wie diese Objekte nach Ecuador gekommen sind und vor
allem wann?
78
Der Schlüssel wird am Fundort zu finden sein - in La Mana. Ein Ort im
ecuadorianischen Hügelland inmitten eines entlegenen Dschungelgebietes, an
welchem in den 1 980er Jahren maschinelle Goldgrabungen durchgeführt wur­
den. Der damals leitende Ingenieur und spätere Präsidentschaftskandidat
Guillermo Sotomayor stieß in zehn Metern Tiefe überraschend auf eine kleine
Höhle, in welcher sich mehrere Keramikbehälter befanden. In ihnen waren die
Artefakte vergraben und aufbewahrt. Aus welcher Zeit sie stammen und vor
allem, wer sie dort geschützt vor unbefugten Zugriffen hinterlegt hat, ist nicht
bekannt.
Etwa sechs Autostunden entfernt liegt der geheimnisvolle, mystische Platz.
Wir wollten unbedingt zum Ort des Geschehens, dorthin, wo die unglaubliche
Geschichte ihren Anfang nahm. Und wir wollten den geheimnisvollen Entdek­
ker der Leuchtobj ekte persönlich kennenlernen - Mister Sotomayor. Diesmal
klappte es (noch) nicht. Einige Monate später, bei unserer zweiten Expedition
ins Andenland, nahmen wir uns dafür die nötige Zeit - und wir hatten Erfolg.
Doch davon später mehr.
Wie kam der Bauer Villamar in den Besitz der Steine? »Sotomayor hat sie
mir übergeben«, erzählt German stolz und erinnert sich: »lch lernte ihn bei
einem Vortrag an der Universität kennen und später im Präsidentschafts­
wahlkampf. Wir freundeten uns an, und eines Tages lud er mich zu sich nach
Hause ein. « Dort angekommen, wurde Villamar ein undurchschaubares Ritual
auferlegt, das sein bisheriges Leben als Landwirt völlig verändern sollte und für
ihn unvergessen bleibt.
Lassen wir ihn selbst weitererzählen: »lch bekam eine schwarzes Tuch um
die Augen gebunden. Das Licht im Zimmer wurde ausgeschaltet, und ich
wurde gebeten, mich vor einen Tisch hinzusetzen. Wie ich später erkennen
konnte, war er mit einer schwarzen Plastikfolie bedeckt. Sotomayor sagte, ich
sollte die Hände über den Tisch halten und mich auf das Darunterliegende
konzentrieren. Und ich sollte ihm mitteilen, was ich spüre und in Gedanken
wahrnehme. Ich sah seltsame Dinge. Spiralen, Kreise, Schlangen, Augen, Pyra­
miden und anderen Symbole. Alles strahlte in unterschiedlich bunten Farben.
Dann nahm er mir die Augenbinde ab, entfernte das Plastik und schaltete eine
Lampe mit ultravioletten Licht ein. Ich war erstaunt und wie gelähmt. Vor mir
lagen all die merkwürdigen Utensilien, die ich zuvor bildhaft im Kopf hatte. «
Die Geschichte ist s o unglaublich wie die Gegenstände selbst. Doch German
schwört felsenfest, daß es sich genauso und nicht anders zugetragen hatte. Das
war noch nicht alles. Der geheimnisvolle Mister Sotomayor, offenbar ein Freund
okkulter Praktiken, schenkte ihm all die seltsamen Gegenstände. Mit einer
Auflage: Auf einem topographisch genau dafür bestimmten Platz wurde ein
Grundstück gekauft und ihm zur Verfügung gestellt. Dort solle er für die
I 79
Steinobjekte einen kleinen Tempel bauen. Villamar tat, womit er beauftragt
wurde. Seit mehr als zehn Jahren ist er nun der Hüter der Leuchtobj ekte von La
Mana.
Nachdem wir den Fundus an Merkwürdigkeiten begutachtet hatten, such­
ten wir mit Begeisterung die interessantesten Exponate aus, die für unsere
Ausstellung geeignet waren, und besprachen mit German Villamar die Leih­
konditionen. Dann der Rückschlag. Villamar beteuerte, daß er noch die einhei­
mischen Nachfahren der Inka um Erlaubnis fragen müsse. Es sei nicht sicher, ob
die Steine außer Landes geschafft werden dürfen. Denn seit ihrer Entdeckung
vor zwei Jahrzehnten würden die Relikte als magische Steine der Indigenas
verehrt. Ein Vertreter der Ureinwohner wurde verständigt. Treffpunkt für die
Verhandlung war Germans »Sonnentempel«, einige Kilometer vom Wohnhaus
entfernt. Dort würden weitere, nicht alltägliche Schätze aufbewahrt. Darunter
auch jenes kuriose Steinrelikt, wegen dem wir angereist waren. Geblendet von
der magischen Wirkung der Leuchtphänomene hatten wir beinahe unser ei­
gentliches Ziel vergessen: Wir wollten doch den »Weltkartenstein« bestaunen.
Also auf zum »Sonnentempel«!

Der Sonnentempel von Tumbaco (Foto: Reinhard Habeck)

Nach kurzer Fahrt waren wir am Ziel. Vor uns eine grüne Oase, in deren Mitte
sich ein runder, eigentümlicher Tempel erhebt. German, inzwischen vom einfa­
chen Bauer zum Seminarleiter mutiert, nutzt ihn für esoterische Seminare.
Einige Meter davor stand majestätisch unser gesuchtes Steinrätsel.
Der Findling ist etwa 60 Zentimeter hoch, · 40 Zentimeter breit und
30 Zentimeter tief. Die Besonderheit: Er zeigt eingraviert die Weltkarte vom
südlichen bis zum nördlichen Wendekreis. Wer immer diesen Gegenstand mit
80 I

Auf dem » Weltkarten stein« aus La Mana sind


neben den Umrissen der Kontinente auch
Landmassen abgebildet, die At/antis und MU
darstellen. (Fotos: Dr. Hans-Joachim Zillmer)
I 81
seinen außergewöhnlichen Gravuren angefertigt hat, wußte nicht nur über die
bekannten Erdteile Bescheid. Die Einritzungen lassen Kontinente wie Amerika,
Mrika und Asien erkennen und zeigen weitere schemenhafte Umrisse, die man
als die sagenhaften Inselkontinente Atlantis im Atlantik sowie MU und vermut­
lich Lemuria im Pazifik interpretieren könnte. Die Darstellungen sind so ange­
legt, als würde der Betrachter aus dem Weltraum auf die Erde blicken. Ein
weiteres Kuriosum: Auf dem Stein, dem von Einheimischen magische Kräfte
nachgesagt werden, sind Markierungen und Linien eingearbeitet, die an eine
Verbindung von Babyion nach Ecuador denken lassen. Wanderten vor Urzeiten
die Sumerer nach Südamerika? Das ist nur schwer zu glauben. Und doch gibt es
noch andere archäologische Ausgrabungsstücke, die den Verdacht auf sumeri­
schen Einfluß durchaus erlauben - zum Beispiel südamerikanische Rollsiegel!
Bei den Funden aus La Mana, aber ebenso in mehreren archäologischen Museen
in Quito, haben wir solche zylinderförmigen Stempel fotografiert. Die Sumerer
verwendeten sie bei religiösen und staatlichen Zeremonien. Daß diese Technik
ebenso in Südamerika gebräuchlich war, könnte ein weiterer Hinweis auf frühe
Überseekontakte sein.
Als wir dann den Tempel betraten, streiften wir vorbei an Skulpturen und
Statuen, die unheimlich und dämonisch wirkten. Dann kamen wir in einen
Raum, wo wiederum seltsame Objekte aufbereitet lagen. Insgesamt wurden
rund 300 archäologische Stücke in der verlassenen Goldmine von La Mana
entdeckt. Inzwischen traf der Vertreter der Indigenas ein - Louis Viracocha. Ein
Mann, der bei den Einheimischen als charismatische Persönlichkeit großes
Vertrauen genießt. Seine Familie fertigt seit vielen Generationen als Künstler
traditionelle Steinskulpturen mit Inkamotiven an.
Die erste Reaktion auf unser Leihansuchen: Ein kategorisches »Nein!«
»Kommt überhaupt nicht in Frage, daß diese Obj ekte Ecuador j emals
verlassen dürfen«, ließ er uns unmißverständlich wissen. Nach einer Stunde
Konversation nahm Louis aus dem Fundus einen kleinen Steinteller aus schwarz­
grünem Yadeit mit einem eingelegten blauen Kreis und einer orangefarbigen
Spirale in die Hand. Mit einem kleinen Magnetstück, das an einem Faden hing,
sollte ein Experiment folgen. Alleine der Anblick des Steintellers verwunderte
uns. Wir hatten unter vielen Logos für unsere Ausstellung eine Spirale in orange
und blau auf schwarzem Hintergrund ausgewählt. Und dieser Steinteller mit
Spirale kam in Formgebung und Farbabstimmung unserem Logo unglaublich
nahe. Doch davon wußten zu diesem Zeitpunkt nur wenige Eingeweihte. Wie
war das möglich? Seltsam. Aber es kam noch merkwürdiger.
Louis gab Dr. Hampejs den Faden mit dem Magnet und sagte ihm: »Halte
das Magnetpendel über das Zentrum der Spirale. « Gesagt, getan. Nach einigen
Sekunden fing der Magnet an, sich kreisförmig von innen nach außen zu
82

drehen. Und als er den Rand des Stein­


tellers erreichte, kreiste er ohne anzuhal­
ten einige Zeit mit gleichmäßiger Ge­
schwindigkeit. Nach diesem Test funktio­
nierte es auch bei den anderen Versuchs­
personen.
Als letzter kam einer der Autoren
(K. D.) an die Reihe: »Staunen und Ent­
täuschung. Der Magnet bewegte sich kei­
nen Millimeter von der Stelle. Der Ver­
such wurde wiederholt. Es funktionierte
bei Dr. Hampejs, bei Dr. Zillmer und
Reinhard Habeck. Ich hielt das Pendel
etwa 1 0 Minuten über der Scheibe, und es
rührte sich keinen Millimeter von der Stel­
le. Ich fragte Louis erstaunt, warum es bei
German Villamar schildert die Fundum­ mir nicht funktioniert, worauf er ein be­
stände und erklärt aus seiner Sicht die denkliches Gesicht machte und alle An­
esoterische Bedeutung der Relikte. Im wesenden bat, dieselbe Prozedur noch ein­
Hintergrund achtet Louis Viracocha mal durchzuführen.
darauf, daß die Steine der Indigenas Doch das Ergebnis war wieder das
nicht Unbefugten in die Hände fallen. Gleiche. Nachdem es bei meinen drei
(Foto: Reinhard Habeck) Freunden funktionierte und bei mir wie­
der nicht, erklärte Louis mit ernsthafter
Miene: >German, du kannst die Steine dem
Mann für seine Ausstellung ohne Beden­
ken zur Verfügung stellen!«<
Wie das? Hörten wir richtig? Ja! Die
Mißstimmung nach der anfänglichen Ab­
sage durch Louis war schlagartig verflo­
gen. Die Zusage der Leihgabe erfüllte uns
mit Freunde. Unsere abschließende Frage
an den Vertreter der heimischen Urvölker:
»Was dürfen wir daraus schließen, daß

Magnetpendel-Test bestanden: Die » Ooparts«


aus Südamerika dürfen das Land verlassen
und können exklusiv bei Unsolved Mysteries
gezeigt werden! (Foto: Reinhard Habeck)
I 83
sich das Pendel bei Klaus Dona nicht bewegte? Hat das eine besondere Bedeu­
tung?«
Louis lächelte und meinte nachsichtig: »Seht es als ein Zeichen! Ein gutes
Zeichen!« Bis heute wissen wir noch immer nicht, was dieser Vorgang eigentlich
zu bedeutet hatte. Egal, was soll's? Wie auch immer das Ritual verstanden
werden sollte - wir kamen somit zu einer Kollektion von »Ooparts« aus
Südamerika, die bis dahin niemand kannte oder jemals öffentlich zu sehen
bekam. Erfolgverwöhnt verließen wir am späten Abend die Umgebung von
Tumbaco und kehrten zurück ins Hotel. Und wir waren zuversichtlich, daß
unser Traum vom Ausstellungsprojekt Unsolved Mysteries noch lange nicht
ausgeträumt war. Würde es gelingen weitere, bisher verschlossene Türen zu
ungeklärten Sammlungen, zu öffnen?
Nach diesem Erlebnis schien uns nichts mehr unmöglich.
7
Spektakuläre Höhlenfunde
Kolumbus, Kopfinagie und
Pater Crespis »Metallbibliothek«
Über den »Weltkartenstein« und all die anderen Mirakel aus La Mana grübelten
wir noch lange. Woher kommen die fremdartigen Relikte, die aus einer vorsint­
flutlichen Epoche stammen sollen? Wie gelangten sie lange vor Kolumbus nach
Ecuador?
Die Vorstellung der Europäer, sie hätten 1 492 mit Christoph Kolumbus
einen neuen Kontinent »entdeckt«, ist ohnedies eine seltsame Verdrehung der
Fakten. Die mit ihrer eigenen Vergangenheit vertrauten Amerikaner indiani­
scher Herkunft halten diesen Anspruch der Europäer für äußerst befremdend.
Nicht zu unrecht, wenn man etwa an den vergleichbaren Fall des Marco Polo
denkt, der im Mittelalter als erster Abendländer nach China kam und die erste
Kunde von der Existenz Japans mitbrachte. Trotzdem käme kein Italiener - und
sei er auch noch so nationalbewußt - auf die Idee zu behaupten, der berühmte
Venezianer habe China und Japan »entdeckt« .
Neue Lehrbücher räumen ein, daß etwa ein halbes Jahrtausend vor Kolum­
bus bereits die Wikinger amerikanischen Boden betreten haben und dem Admi­
ral seinen ruhmreichen Titel »Entdecker der Neuen Welt« streitig machen. Ob
die Wikinger wirklich die Ersten waren, darf ebenso bezweifelt werden. Zahlrei­
che Jahrtausende alte Funde untermauern die These von der Existenz eines
frühgeschichtlichen Kulturaustausches zwischen den Kontinenten.
Wie anders läßt sich sonst erklären, daß in ägyptischen Mumien Reste von
Coca- Blättern gefunden wurden, indische Tempel Abbildungen von Mais zei­
gen und sogar sprachliche Übereinstimmungen beiderseits des Pazifiks festge­
stellt werden können? Ein botanisches Argument gibt es auch: Der flaschen­
kürbis, ursprünglich in Indien beheimatet, wurde vor 4500 Jahren im Norden
Perus in Form von Gefäßen verwendet. Wie kam er dorthin, wenn nicht auf
dem Seewege?
Viel Stoff zum Nachdenken also für Forscher. Ecuador wurde bereits im
Zeitalter des Paläolithikums (vor mehr als 1 0 000 Jahren) an der Küste und im
Hochland besiedelt, wie Funde von Steinwerkzeugen belegen. Ein Geheimnis
für die Archäologen ist die Vtddivia-Kultur. Sie entstand um 3 5 00 v. Chr. an der
südlichen Küste, in der Umgebung des heute unscheinbaren Fischerdorfes
Valdivia. Sie hat die beste Keramik Lateinamerikas hervorgebracht. In den
I 85
1 9 5 0er Jahren grub man eine Fülle fingerlanger Tonfiguren aus und stand vor
einem Rätsel. Die Stücke waren alle sehr kunstvoll gearbeitet, aber es konnte
keinerlei Entwicklung in der Töpferkunst festgestellt werden. Der Schluß
daraus: Die Kultur, deren Zeugnisse diese Keramiken waren, entstand nicht in
Valdivia, sondern wurde von einem anderen Ort dorthin gebracht. Die Zeug­
nisse stammen offensichtlich aus Japan! Der Beweis: Die Muster auf Keramiken
der wenig älteren Jomon-Kultur ähneln der Valdivia-Kultur so sehr, daß nicht
einmal Spezialisten die Stücke unterscheiden können. Es ist daher sehr wahr­
scheinlich, daß die uralte Valdivia-Siedlung japanischen Fischern ihre Entste­
hung verdankt. Trotz der fast unüberbrückbaren Entfernung dürften die japani­
schen Seefahrer dank der Meeresströmung an die amerikanische Westküste
getrieben worden sein.

Keramiken der Valdivia-Siedlung aus Ecuador stellen Archäologen vor Rätsel. Die Kultur
dürfte ursprünglich von japanischen Seefahrern gegründet worden sein. (Fotos: Bernhard
Moestl und Autoren)

Glaubhafte Belege dafür, daß sich Seevölker des Altertums aus dem Mittelmeer­
raum und Asien auf die weiten Weltmeere wagten, existieren zur Genüge. Und
umgekehrt: Präkolumbische Indianer aus Nord- und Südamerika erkundeten
die Ozeane! Das Argument der Fachgelehrten, daß die Indianerkulturen Süd­
amerikas keine seetüchtigen Schiffe gekannt hätten, zieht nicht. Sie verwende­
ten einfache flöße aus Balsaholz, behauptete bereits 1 947 der vor zwei Jahren
verstorbene Norweger Thor Heyerdahl, und wollte es ausprobieren.
Von Chronisten, die Francisco Pizarro (um 1 478- 1 45 1 ) bei seiner Erobe­
rung Perus begleiteten, liegen Berichte über das Aussehen solcher flöße vor, auf
86 I

denen sich in der Zeit vor den Inkas Bewohner des heutigen Peru und Ecuador
weit in den Pazifischen Ozean hinauswagten. Übereinstimmende Legenden der
Inka und der Polynesier erzählten von einem Sonnenkönig Kon Tiki, der mit
seinem hellhäutigen, bärtigen Volk um 500 n. ehr. aus Peru verschwunden und
einige Zeit später auf den polynesischen Inseln 8000 Kilometer im Westen ­
-

erschienen war. Daß die Polynesier sonst nur in Südamerika vorkommende


Kulturpflanzen wie Süßkartoffeln kennen, bestärkt den wahren Kern dieser
Legenden.
Heyerdahls Experiment glückte: Mit dem einfachen floß Kon- Tiki segelte
er den Pazifik hinaus und erreichte nach 1 0 1 Tagen Polynesien. Damit war
bewiesen, daß zwischen den Urvölkern tatsächlich kulturelle Kontakte bestan­
den haben könnten. Eine Behauptung, die die Wissenschaft bis dahin für
unmöglich hielt.
1 969 unternahm Heyerdahl einen weiteren Versuch in experimenteller
Archäologie. Um zu beweisen, daß die Ägypter schon Zentralamerika erreichen
konnten, baute er ein Papyrusboot, wie er es auflahrtausende alten ägyptischen
Wandgemälden gesehen hatte. Doch die Ra besaß Konstruktionsfehler und
zerbrach 960 Kilometer vor Barbados. Heyerdahl ließ sich davon nicht entmu­
tigen. Ein Jahr später überquerte er an Bord der Ra II den Atlantik in 55 Tagen.
Im Kon- Tiki-Museum zu Oslo liegen das Papyrusboot Ra 11 und das
Balsafloß Kon- Tiki nebeneinander. Ihre Sturmfahrten über zwei Weltmeere
haben den Beweis für die Möglichkeit eines frühgeschichtlichen Kultur­
austausches erbracht. Mit der Feststellung einer Möglichkeit ist j edoch noch
nicht der Beweis dafür gegeben, daß es sich tatsächtlich so zugetragen haben
muß. Doch die Beweise existieren! Von der Öffentlichkeit unbeachtet lagern sie
in den Vitrinen und Archiven des Museo Weilbauer, im Haus des archäologi­
schen Instituts der Katholischen Universität Quito.
Unser Besuch war nicht angekündigt. Im Museum wurden gerade
Renovierungsarbeiten durchgeführt. Für Gäste gab es daher vorübergehend
keinen Einlaß. Wir versuchten es dennoch und hatten Glück. Der Direktor war
nicht anwesend, aber seine Assistentin begrüßte uns freundlich und fragte, wie
sie uns helfen könne. Dr. Katzinger, der Museumsdirektor und Wissenschaftler
unter uns, klärte die Situation und nannte die Gründe unserer Reise. Es folgte
ein überraschendes »Sesam öffne Dich!« In aller Ruhe durften wir die vielen
Schätze des Museums begutachten. Und wir bekamen als einzige Besucher
entgegen der sonst üblichen Gepflogenheiten die Erlaubnis, fotografieren zu
dürfen.
Was wir dann bei unserem Rundgang entdeckten, war atemberaubend.
Hinter den Vitrinen erblickten wir erstaunliche Artefakte, die unzweifelhaft
weitere Indizien für die These früher globaler Kulturkontakte liefern: Prähisto-
Eine Fundgrube für jeden Mystery-Forscher: das Museo Weilbauer der Katholischen
Universität in Quito. (Foto: Reinhard Habeck)

Die Autoren vor einer Vitrine mit erstaunlichen Miniaturen. (Foto: Dr. Hans-Joachim Zillmer)
88 I
rische Statuetten und Kopfminiaturen, deren Stil mit polynesischen, ägypti­
schen, afrikanischen, chinesischen, phönizischen und europäischen Gesichts­
merkmalen übereinstimmen. Das konnte kein Zufall sein! Wie sollten die
Ureinwohner Ecuadors die charakteristischen Züge eines Menschentyps mei­
sterhaft wiedergegeben haben, wenn dieser ihnen völlig unbekannt war?
Die Galerie verschiedener Menschentypen der Erde ist kurios. Unter den
gezeigten Objekten fällt ein Kopf mit charakteristischem Haarschnitt auf, der
auch das Outfit moderner Punkrocker inspirierte. Man gewinnt den Eindruck,
ein nordamerikanischer Irokese hätte im Dschungel von Ecuador Porträt gestan­
den. Ein anderes Köpfchen weist auf frühe Kontakte in den Mittelmeerraum
hin. Es hat einen helmartigen Aufsatz, der an einen römischen Legionär erinnert.
Etliche aufbewahrte
1',\lOIVIA
Keramikgesichter zei­
gen eindeutig negro­
iden Charakter. Die
Figuren allein wären
noch nicht rätselhaft.
Wenn man das Alter
weiß, sehr wohl: Die
Figuren entstammen
der La- Tolita- Kultur,
die zwischen 600 v.
Chr. und 400 n. Chr.
existierte. Nach bishe­
riger geschichtlicher
Auffassung gelangten Darstellungen verschiedener Menschentypen, die nachweis­
Männer schwarzer lich mehrere Jahrtausende Jahre alt sind. Globale kulturelle
Hautfarbe erst Anfang Kontakte muß es bereits in der Vorzeit gegeben haben.
des 1 6. Jahrhunderts (Foto: Reinhard Habeck)
nach Amerika - da­
mals unfreiwillig als Sklaven. Es ist historisch belegt, daß an phönizischen wie
an ägyptischen Entdeckungsfahrten auch Menschen schwarzer Hautfarbe teil­
nahmen. Scheint es so abwegig anzunehmen, daß einige hervorragende Seefah­
rer mit ihren Galeeren schon in der Vorzeit bis nach Amerika segelten und dort
ihre Spuren hinterlassen haben?
Auch Keramikköpfe mit asiatischen Gesichtszügen fehlen nicht. Einige
davon werden der Chorrera-Kultur, ab 1 5 0 v. Chr. , zugeschrieben. Diese archäo­
logischen Funde scheinen zu bestätigen, daß zwischen Asien und Amerika frühe
Verbindungen bestanden haben. Das zeigt sich vor allem im Vergleich von
Ornamenten und Verzierungen. Besonders die Funde aus der chinesischen
I 89
Tschou-Dynastie liefern einen praktisch identi­
schen Stil zur Chavin-Kultur in Peru sowie
anderen südamerikanischen Urvölkern. Unter
den ausgestellten Exponaten ist ein nackter
Torso in rötlicher Farbe zu sehen. Er ist mit
Symbolen verziert, die an chinesische Band­
ornamente erinnern. Rot war u. a. in China
die Farbe des alten Reiches Tschou und kann
auch »nackt« bedeuten.
Dazu paßt auch eine alte Überlieferung
aus China. Sie berichtet von einer Expedition
von Hui Shen und vier weiteren buddhisti­
Ein besonders auffälliges Beispiel schen Mönchen, die 459 n. Chr. mit einer
einer Kopfminiatur aus Ecuador mit Dschunke aufgebrochen seien, um das Land
negroidem Charakter. Wer stand »Fusang« zu suchen. Der Legende nach soll es
vor Jahrtausende dafür Pate ? sich hierbei um ein sagenumwobenes irdisches
(Foto: Bernhard Moestl und Paradies gehandelt haben, das auf der anderen
Autoren) Seite des östlichen Ozeans gelegen habe.
Man ließ uns wissen, daß in Ecuador au­
ßerordentlich viele solcher kleinen Keramik­
köpfe gefunden wurden. Die meisten davon
wurden in schwer zugänglichen Höhlen ent­
deckt. Welchen rituellen Sinn erfüllten sie?
Vermutet wird, daß sie ursprünglich »kulti­
schen Zwecken« gedient haben könnten und
mit den Mythen der lokalen Bevölkerung zu­
sammenhängen. Symbole für »Kopfj agd« und
»Seelengang« werden als eine Möglichkeit an­
Vergleiche zwischen Bandelemen­ gegeben. Bekannt ist, daß bei einigen Stäm­
ten aus China (oben) und Latein­ men Südamerikas die Kopfj agd als Teil über­
amerika (unten) zeigen eine auffäl­ natürlicher und ritueller Handlung angesehen
lige Überreinstimmung, die eine wurde. Beispielsweise bei den Jivaros in Ecua­
kulturelle Verbindung in der Vorzeit dor. Bis in die sechziger Jahre des 20. Jahrhun­
nahelegt. (Foto: Archiv Autoren) derts praktizierten sie diese Tätigkeit, wobei
das Töten und die Kopfj agd nach ihrer Vor­
stellung eng mit dem Besitz zweier Seelen Arutam und Muisak verbunden
- -

war. Während Arutam dazu befähigte, sich einer Kopfj agdexpedition anzu­
schließen, war es die Aufgabe Muisaks, den Tod ihres Besitzers zu rächen. Doch
wenn der Kopf eines Leichnams schrumpfte, wurde Muisak unweigerleich in
ihn hineingezogen und besaß nicht mehr die Kraft, aus ihm zu entweichen. Bei
90 I

Für uns aus dem Konservierungsbehälter geholt: originaler Schrumpfkopf aus dem Dschungel
von Ecuador. (Foto: Reinhard Habeck)

unseren Nachforschungen in den Archiven der Banco Central dei Ecuador wurde
uns Tags darauf ein Depot geöffnet, in dem originale Schrumpfköpfe lagern
und konserviert werden.
Doch nicht alles kann mit dem Kult der »Kopfjagd« befriedigend erklärt
werden. Es ist vor allem die Kostümierung mancher Figurinen, die stutzig
macht. Weil eine plausible Erklärung fehlt, werden sie in die Kategorie »anthro­
pomorph« (die Vermischung von göttlichen mit menschlichen Attriburen) oder
»zoomorph« (Mischformen von tierischen und menschlichen Aussehen) einge­
reiht. Eine Notlösung für Dinge, die schwer deutbar sind. Wir standen vor
einem großen Schaukasten, der mit Darstellungen solcher Götterfiguren und
tierischer Mischwesen übersäht war. Ein Porträtkopf, nicht größer als vier
Zentimeter, fiel uns dabei besonders auf. Science-Fiction-Freunde werden beim
Anblick dieser kleinen Keramik mit geschlossenem Helm vielleicht an eine
moderne Nachbildung eines Astronauten denken, der dem utopischen Weltraum­
helden Perry Rhodan verblüffend ähnlich sieht. Die gleichnamige Heftroman­
serie zählt zur erfolgreichsten der Welt und erfreut sich seit Anfang der 1 960er
Jahre in Europa und Japan großer Beliebtheit. Was aber hat ein nachweislich
I 91
'f''iii''iI!=1l0-$';'-·YI)-;;( <239>

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Links: Kurios - eine 2500 Jahre alte Kopfminiatur erinnert an den Weltraumhelden »Perry
Rhodan<<. (Foto links: Bernhard Moestl und Autoren)
Rechts: Vergleich zum Keramikkopf aus Ecuador: Cover eines japanischen »Perry Rhodan«­
Romans. (Foto: Verlagsunion Pabel Moewig KG, Deutschland)

präkolumbischer Keramikkopf mit »Astronauten-Look« im Dschungel von


Ecuador verloren? Das Alter des Köpfchens wurde mit der Radiokarbondatierung
ermittelt: 2500 Jahre! Irrtum ausgeschlossen.
Der heute 83-jährige Schriftsteller Clark Darlton (Pseudoym von Walter
Ernsting) ist der »Vater« von »Perry Rhodan« und für viele Fans eine lebende
Legende. Sogar ein Asteroid ist inzwischen nach ihm benannt worden. Bei
einem Besuch in seiner Wohnung in Salzburg, Österreich, zeigte einer der
Autoren (R. H.) ihm eine Abbildung des kleinen steinalten Porträtkopfes. Und
wie reagierte Walter Ernsting? Nach einem kurzen Blick auf die Figur rief Clark
Darlton spontan und mit gespieltem Ärger: »Was? - Haben die Halunken
damals auch schon meine Ideen geklaut?« Und verschmitzt ergänzte er: »Na ja,
ich lasse halt überall etwas rumliegen - und nachher finde ich es nicht mehr
wieder . . . «
Kann man die modern wirkende Kopf-Bedeckung wirklich bloß als Zufäl­
ligkeit abtun? Eine andere Keramikfigur wird ganz offiziell von der Museums­
leitung als Curiosidado betitelt. Spekuliert wird darüber, ob die Statuette viel­
leicht einen altertümlichen Taucher zeigt. Herkunft und Alter: Cosanga, I. und
1 1 . Kultur, 260 v. Chr. bis 880 n. Chr. Die bizarren Accessoires, wie plumper
Anzug und helmartiger Aufsatz, erinnern ebenso - analog zum »Perry Rhodan«-
92 1
Kopf - an einen Raumanzug. Sind solche Figuren Ausgeburten der Phantasie?
Oder gab es für die präkolumbischen Bildhauer reale Vorbilder? Hatten antike
Hersteller solche fremden Wesep tatsächlich vor Augen gehabt? Egal ob antiker
Raumfahrer, Motorradfahrer, Taucher oder Schamane, kurios sind solche Ent­
deckungen in j edem Fall.
Viele dieser Raritäten wurden von dem Archäologieprofessor Padre Pedro
Porras bei Expeditionen im unwegsamen Dschungelgebiet der Anden oder in
unterirdischen ecuadorianischen Tunnelanlagen geborgen. Der frühere Leiter
des Museo Weilbauer ist inzwischen verstorben. Mit seiner außergewöhnlichen
Sammlung hat er der Nachwelt ein Vermächtnis hinterlassen, das noch viele
archäologische Überraschungen in sich birgt.
Um eine geheimnisumwitterte Kalksteinhöhle brodelt seit langem die
Gerüchteküche. Man nennt sie Cueva de los Tayos, wegen der schwarzen Vögel,
die in ihr leben. Das Höhlensystem liegt im Osten Ecuadors, etwa 1 00 Kilome­
ter von Cuenca entfernt mitten im Dschungel. Man gelangt nur mittels eines
anstrengenden Fußmarsches oder per Hubschrauber zum Eingang. Betritt man
das Felsenloch, führt ein Schacht 40 Meter hinunter zum Boden. Nur mit
einem Seil ist dieses Hindernis zu überwinden, bevor man in einer riesigen
Halle von mehreren hundert Metern Länge steht. Die ganze Anlage ist etwa
sieben Kilometer lang. Hier sollen mysteriöse Schätze zu finden sein: Eine
Bibliothek aus beschrifteten Metallplatten, seltsame Stühle und phantastische
Skulpturen. Die Beschreibung dieser angeblichen Relikte bildete den Schwer­
punkt des Buches Aussaat und Kosmos. Der Autor Erich von Däniken behauptete
im Jahre 1 972 darin, er habe dieses großräumige unterirdische Netzwerk er­
forscht, und zwar gemeinsam mit dem Archäologen Juan Moricz, dem Entdek­
ker und »Aufseher« der Tunnelanlage. Däniken sorgte damit weltweit für
Aufregung.
Kritiker warfen dem Schriftsteller in der Folge vor, die ganze Geschichte
frei erfunden zu haben. Grund: Weder Däniken noch Moricz konnten Beweise
(etwa überzeugende Fotos) für die Behauptung vorlegen, daß es in der Höhle
tatsächlich eine Metallbibliothek aus Gold gebe, die Informationen über die
Entstehung des Menschen auf der Erde enthalte, sowie stichhaltige Belege für
untergegangene Zivilisationen oder gar frühgeschichtliche Besucher aus dem
Kosmos.
Im Jahre 1 976 leitete Professor Porras eine aufwendige Tayos-Expedition.
Jeder Winkel wurde gründlich erforscht. Keine Spur von mysteriösen Gegen­
ständen. Nichts. Man fand lediglich einen Altar aus Steinen sowie alte Ton­
scherben, die darauf schließen lassen, daß die Höhle bereits um 1 500 v. Chr.
den Eingeborenen als Kultstätte diente. Professor Porras vermutete daher, daß
Däniken die Höhle »Cueva de los Tayos« niemals betreten hat. Dem steht Erich
I 93
von Däniken entgegen, der bis zum heurigen Tag darauf beharrt, daß er die in
seinem Buch beschriebenen Wunderdinge mit eigenen Augen gesehen hätte.
Wo aber steckt der angebliche »Götterschatz« ? Wäre es nicht doch möglich,
daß die Stollen einige ungewöhnliche Dinge enthalten, die bisher unentdeckt
geblieben sind? Hatten vielleicht Indianer ihre Schätze nach dem ganzen Medien­
wirbel längst an einen anderen Ort gebracht? Die ganze Geschichte bleibt
dubios.
Selbst wenn es die geheimnisvollen Gegenstände wirklich geben sollte, und
sei es auch nur ein winziges Fragment davon, war uns von Anfang an bewußt,
daß es praktisch unmöglich sein würde, diese für unsere Ausstellung aufzutrei­
ben. Wir wußten aber von einer anderen Sammlung, die ähnliche sonderbare
Utensilien enthält und der Spekulation Nahrung verschafft, daß Relikte aus
dem Höhlensystem dort lagern.
Gemeint ist die phantastische Kunstkollektion von Pater Car/os Crespi, die
aus nicht klassifizierbaren und nicht datierbaren Kunstobjekten besteht. Der
gebürtige Italiener hat von den vierziger
bis zu den sechziger Jahren des 20. Jahr­
hunderts die indianische Bevölkerung in
entlegenen Gebirgstälern Ecuadors mis­
sioniert und bei dieser Gelegenheit be­
gonnen, ihre Ritualgegenstände zu sam­
meln, einerseits aus Interesse und ande­
rerseits, um sie aus dem Verkehr zu zie­
hen.
Die Sammlung bestand ursprüng­ Pater Garlos Grespi war der Hüter einer
lich aus einer Anhäufung bunt gemixter ungewöhnlichen Kunstsammlung. Wohin
Kuriosa. Neben christlich-religiösen Ge­ verschwanden hunderte seiner Schätze ?
genständen wie Heiligenbildern, Kruzi­ (Foto: Archiv Autoren)
fixen und Gebetsbüchern betrifft sie
ebenso Artefakte aus Stein, die bis ins Neolithikum zurückreichen könnten,
sowie Blechplatten aus Kupfer, Messing und anderen Legierungen. Die Bild­
motive sind erstaunlich: Sie vermitteln unbekannte Schriften, surrealistisch
wirkende Symbole, bizarre Götterfiguren, himmlische Drachen, Saurier, Ele­
fanten und Pyramiden. Ferner besteht die Sammlung noch aus Gravuren auf
Tierknochen und eigentümlichen Keramiken.
Fast nichts von all dem läßt sich in die bekannten präkolumbischen Kultu­
ren einordnen. Die Artefakte sind deshalb in der Fachwelt heftig umstritten.
Die Indianer behaupteten, daß die Objekte aus bislang kaum erforschten,
kilometerlangen Höhlensystemen ihrer Vorfahren stammen. Crespi hat sie
jedoch nicht einfach konfisziert, sondern für jedes Stück bescheidene Geldbe-
94 I
träge gegeben. Dies sprach sich herum, und über kurz wuchs eine Sammlung
heran, von der nicht mehr klar zu unterscheiden war, was nun alt und was neu
ist. Das kümmerte Pater Crespi wenig, war er doch in erster Linie Missionar
und nicht Wissenschafter.
In der Ungewißheit bezüglich der Herkunft dieser Obj ekte liegt auch ihre
Hauptproblematik. Es ist kaum mehr zu unterscheiden, was nun wirklich
original ist und was Neuschöpfung. Die Wissenschaft befaßt sich deshalb nicht
mit diesen Kunstwerken. Auch die Mitbrüder brachten wenig Verständnis für
die (Sammel-) Leidenschaft Pater Crespis auf, verstanden sie sich doch in erster
Linie als Schulorden mit großer Verantwortung für die Jugend des Landes.
Crespi war bei der Bevölkerung jedoch ungemein beliebt, und ob die Salesianer
wollten oder nicht, wuchs die Sammlung bis zu seinem Tod ständig. Als diese
durch die Bücher Erich von Dänikens und Gleichgesinnter weltberühmt ge­
worden war, wollten sie immer mehr Besucher sehen, und mit der Ruhe im
Kloster war es vorbei.
Restbestände dieser Raritäten werden im Salesianerkloster Maria AuxiIadora
in Cuenca aufbewahrt. Seit einigen Jahrzehnten hat sie niemand mehr zu
Gesicht bekommen. Das wollten wir ändern und entschlossen uns zu einem
Abstecher nach Cuenca.
Am 24. Februar 2000 flogen wir mit einer Inlandsmaschine Richtung
Süden, 450 Kilometer von Quito entfernt. Das Wetter spielte mit, und wir
genossen das atemberaubende Panorama mit den Vulkangiganten Cotopaxi
(5897 Meter) und Chimorazo (63 1 0 Meter) . Wer diese Bilder vor Augen hat,
wundert sich nicht mehr darüber, daß die indianische Bevölkerung die Gipfel
der Vulkane als Wohnort ihrer Götter ansah. Als wir am kleinen Flughafen der
Kolonialstadt landeten, war das Empfangskomitee schon da. Scheinbar. Denn
wir wurden gebeten, die Plätze nicht zu verlassen. Wir blickten aus den Fenstern
und waren verdutzt. Plötzlich rollten Militärfahrzeuge an, und eine Parade mit
Pomp und Getöse begann aufzuspielen. Uns zu ehren? Wohl kaum. Nach einer
Stunde wurde kurz mitgeteilt, daß wir einen hochrangigen Mitflieger an Bord
hatten - den Vizepräsidenten von Ecuador.
Nach der gelungenen Landung machten wir uns sogleich auf den Weg in
die Banco Central deI Ecuador. Der riesige Gebäudekomplex steht auf histori­
schem Boden. An diesem Platz vermuten Archäologen nicht nur das Zentrum
der präkolumbischen Inkastadt, sondern auch die Überreste der älteren Canari­
Siedlung. In der Bank befindet sich das bedeutende Museo deI Banco Central mit
seinen unüberschaubaren - vorwiegend aus der Kolonialzeit stammenden -
wertvollen Schätzen. Wir aber begehrten die vermißten »Metalltafeln« der
Crespi-Kollektion. Das Direktorium war über unser Kommen »vorgewarnt«.
Wir wurden freundlich empfangen und unser Anliegen geduldig angehört.
I 95

Diese und folgende Seite: Die Restbestände der


Pater-Crespi-Sammlung konnten gerettet werden:
Sie bestehen aus Metallobjekten, Keramiken,
Knochen und einigen wenigen Relikten aus Holz,
Stein und Bronze. Da sich die Motive in keine
bekannte Kultur einordnen lassen, befaßt sich die
etablierte Wissenschaft nicht mit der Kollektion.
(Fotos: Bernhard Moestl und Autoren)
I 97
Die intensiven Gespräche bestätigten den Verdacht, daß heute noch ein
paar tausend Objekte der Sammlung erhalten geblieben sind. »Der Großteil der
Fundsachen wurde nach dem Tod von Pater Crespi im Jahre 1 982 aufgelöst
bzw. an die Bank verkauft«, bestätigte uns der Chefrestauraror lose MaLdonado.
Die Banco Central sei zwar im Besitz von Crespi-Schätzen, nicht aber der
»Metallbibliothek«, vielmehr habe man das Interesse auf die christlichen Motive
gelenkt sowie einige wenige Steinobj ekte und Keramiken.
Unter den wenigen erhalten gebliebenen Stücken gibt es aber durchaus
»Unsolved Mysteries« , die zu verblüffen vermögen. Etwa ein prähistorischer
Behälter, 1 3 Zentimeter hoch und 1 9 Zentimeter im Durchmesser, der aus
einem harten Granitbrocken herausgehauen wurde. Die Wandstärke beträgt
nur wenige Millimeter. Welche Technik von den Bildhauern angewandt wur­
den, um diese Perfektion zu erreichen, konnten uns auch Kunstexperten des
Bankmuseums nicht plausibel erklären.
»Und was ist mit den --------..,

berühmten >Metallplatten<
geschehen? « , fragten wir
neugleng.
»Sie befinden sich in
für die Öffentlichkeit nicht
zugänglichen Depots des
Salesianer-Ordens«, beton­
te Jose Maldonado und füg­
te hinzu: »Bis vor wenigen
Jahren waren sie am Dach­
boden des Alttraktes gela­
gert und sind dann wegen
der Klostererneuerung in Autor Klaus Dona mit Jose Maldonado. Der Chef-
den Keller gewandert.« restaurator der Banco Central dei Ecuador ermöglichte
Daß die skurrilen den Zugang zu den geheimen Depots des Salesianer­
Blechplatten nicht ebenso Ordens. Dort lagern seit Jahrzehnten die Restbestände
von der Bank erworben der Crespi-Sammlung, die für die Öffentlichkeit nicht
wurden, liegt daran, daß die zugänglich sind. (Foto: Klaus Dona)
damaligen Prüfer den be­
treffenden Überresten keinen historischen Wert beigemessen hatten. Eine vor­
eilige Vorgangsweise, die der heutige Chefrestaurator des Bankmuseums sehr
bedauert, da nicht auszuschließen sei, daß sich unter den zweifelhaften Stücken
durchaus ebenso authentische Exponate befinden. Außerdem hätte Maldonado
die Restbestände gerne in einer Sammlung zusammengefügt und der Öffent­
lichkeit zugänglich gemacht.
98 I

Im Salesianer-Kloster befinden sich die letzten Bestände der Crespi-Kollektion. Über


1 00 Exponate durften wir für unsere Ausstellung auswählen und erstmals einem großen
Publikum vorstellen. (Foto: Archiv Autoren)

Wichtige Obj ekte waren schon vor Crespis Tod in die Hände von Privatsamm­
lern gelangt und gelten seither als verschollen. Geblieben ist ein umfangreiches
Bildmaterial, das u. a. auch die inzwischen als vermißt geltenden Exponate zeigt
und vor Auflösung der Crespi-Sammlung von der Bank angefertigt wurde.
Zunächst bekamen wir nur diese Fotos zu Gesicht. Ein Versuch, im Kloster
eingelassen zu werden und einen Blick in die Kellerarchive werfen zu dürfen,
wurde - trotz Vermittlung der Bank - verwehrt. » Da ist nichts besonderes mehr
da, und es lohnt sich nicht, die Sachen anzusehen, da sie wertlos sind!«, hieß es
lapidar von einem älteren Diener Gottes. So nah am Ziel und doch alles nur
vergebliche Liebesmüh' ? So erging es in den letzten Jahrzehnten vielen Reisen­
den und Forschern, die der »Metallbibliothek« auf die Spur kommen wollten,
darunter Abenteurer, Wichtigtuer und Geschäftemacher.
Verständlich, daß Jose Maldonado aus diesem Grund anfänglich unserem
Vorhaben gegenüber mißtrauisch eingestellt war. Das sollte sich jedoch bald
ändern. Wir sind Freunde geworden. Maldonado sah uns die bittere Enttäu­
schung an, als wir vor verschlossenen Klostertüren standen. Er machte uns Mut
und versprach, er würde sich weiterhin für uns einsetzen. Und tatsächlich: Bei
der zweiten Reise im September 2000 gelang schließlich, was vor uns bis dahin
niemandem geglückt war. Die »letzte Tür« vor dem Raum mit einem nicht
I 99
unbeträchtlichen Rest der verschollen geglaubten Sammlung wurde uns geöff­
net. Ebenso bekamen wir im Depot der Bank etliche Objekte der Crespi­
Sammlung zu Gesicht. Einige durften wir davon für die Ausstellung aussuchen,
abmessen, fotografieren und filmen.
Gleiches Szenario im Hof des Salesianerklosters. Dort hatten die Padres
inzwischen die noch vorhandenen Blechplatten ausgebreitet. Bei einigen konn­
te man selbst als Laie erkennen, daß es sich offensichtlich um Fälschungen
handelt. Aber welche sind nun die authentischen Stücke? Wie läßt sich die
Spreu vom Weizen trennen? Unter der Anleitung von Kurator Jose Maldonado
wurden Objekte ausgesucht, die wahrscheinlich echt sind. Aus dem Keller
wurden zuletzt auch die Keramiken, Steinobjekte und gravierte Knochenrelikte
herbeigeschafft, abgestaubt und gefilmt. Ingesamt gelang es, über 1 00 Original­
stücke von den Restbeständen der Sammlung zu bekommen, von denen dann
bei der Weltpremiere in Wien rund 80 Exponate erstmals der Öffentlichkeit
gezeigt wurden. Der restliche Teil war zeitgleich in einer Sonderausstellung im
Nordico Museum in Linz/Österreich zu bestaunen.
Inzwischen hat sich viel getan. Die Padres des Salesianerklosters denken
daran, ein kleines Museum mit den letzten Fragmenten der Pater-Crespi­
Kollektion zu eröffnen. Beweggrund für den Sinneswandel: Die Anfragen nach
den Relikten häufen sich aus aller Welt. Es wäre zu begrüßen, wenn künftige
Ecuadortouristen sich ein persönliches Bild von der Sammlung machen könn­
ten. Eine willkommene Entwicklung, bei der wir mit unserer Unsolved-Mysteries­
Aktion nicht ganz unschuldig waren.
Es erreichten uns in der Folge noch weitere erfreuliche Meldungen aus
Ecuador: Durch Vermittlung von Jose Maldonado erklärte sich das stadt­
historische Museo deI las Culturas Aborigenes in Cuenca bereit, einige rätselhaft
wirkende prähistorische Statuetten für die Ausstellung zur Verfügung zu stellen.
Und vom Museo Weilbauer, dem archäologischen Institut der Universität in
Quito, kam die endgültige Zusage dafür, daß die »Kopfgalerie verschiedener
Menschentypen« inklusive Miniaturkeramik von »Perry Rhodan« bereit gestellt
würde.
Das alles war mehr, als wir je zu hoffen wagten. Die Rundreise durch
Ecuador erwies sich als voller Erfolg. Mit unserem Projekt Unsolved Mysteries
waren wir somit einen gewaltigen Schritt weitergekommen. Doch zum Ausru­
hen blieb keine Zeit. Das einstige Inkareich Peru, die letzte Station unserer
ersten Erkundungstour, lag noch vor uns.
Trotz aller Strapazen fühlten wir uns wie die Sonnenkönige . . .
8
Erinnerungen . an sagenhafte Zeiten
Bizarrer Schädelkult, Steinzeit-Chirurgen und
ein Blick in Dr. Cabreras » Geheimkammer«

26. Februar 2000 . Abflug von Quito 22. 04 Uhr. Landung in Lima zur Geister­
stunde um 0 . 1 4 Uhr. Wir erreichten die Hauptstadt Perus, die legendäre Stadt
der Inkaschätze und Zentrum des spanischen Kolonialreiches in Amerika, wie
geplant.
Peru ist das ideale Reiseziel für Andenromantiker und Dschungelabenteurer.
Überall im Land stößt man auf Zeugnisse längst vergangener Reiche, wobei die
Inka ( 1 200 bis 1 532 n. Chr.) nur das letzte Glied in einer langen Kette
hochentwickelter Kulturen waren. Besonders entlang der lebensfeindlichen,
nur von wenigen fruchtbaren Flußtälern unterbrochenen Küstenwüste lösten
einander im Laufe der Jahrhunderte mehrere Kulturgruppen ab, die uns bis
heute Rätsel aufgeben. Darunter die Chimu (800 bis 1 470 n. Chr.) mit ihren
fein gearbeiteten Goldschätzen, die Moche ( 1 00 bis 800 n. Chr.) und ihre
Keramiken mit grotesken Motiven, die Nazca (200 v. Chr. bis 700 n. Chr.) mit
ihren Scharrbildern, die Paracas (600 bis 400 v. Chr.) und ihre bunten Textilien
mit Mustern »übernatürlicher Wesen«, oder die Chavin (ab etwa 1 200 bis
200 v. Chr.) und ihre geheimnisvolle Ruinenstätte.
Die Anden sind wie geschaffen für Entdecker und Reisende. Wir hatten
große Abenteuerlust verspürt und wären gerne bereit gewesen, die bekannten
Touristenpfade zu verlassen. Doch unsere Reiseroute galt bevorzugt den
Museumskontakten. Und davon hat Lima eine ganze Menge zu bieten. Die
Exponate haben Weltrang.
Das Museo Nacional de Arqueologia y Antropologia ist das wichtigste von
Peru. Es bietet einen guten Überblick über die verschiedenen Kulturkreise, von
den Anfängen bis zu den Inka. Zu sehen sind Relikte der Chavin-Kultur, die aus
dem Rahmen herkömmlicher Funde fallen. Dazu zählt auch die berühmte, fast
zwei Meter hohe »Raimondi-Stele« , deren eingravierte Ornamente eine techni­
sche Interpretation erlauben. Eine Goldsammlung und ein Modell der Inka­
festung Machu Piccu ergänzen das umfangreiche Programm.
Im Museo Rafoel Larco Herrera wurde uns Zutritt in die Depots gewährt
nebst Forografiererlaubnis. Mit 5 0 000 Stücken besitzt das Museum die größte
Privatsammlung präkolumbischer Kunst: Mumien, Textilien, Gold- und Silber­
artefakte. Schwerpunkt der Sammlung sind Keramiken der Moche-Kultur.
1 10 1
Neben einem ganzen Saal, der die
Kultgefäße erotischer Darstellun­
gen enthält, verblüfften uns die
Lagerräume. Vor unseren Augen
türmten sich vom Boden bis zur
Decke tausende Gefäße. Viele da­
von mit eigenwilligen Abbildun­
gen, etwa saurierähnlichen Dra­
chen, mythologischen Misch­
wesen und fliegenden Göttern.
Die Keramiken der Mache-Kultur zeigen unge­ Andere Gefäße verblüfften wegen
wöhnliche Motive, darunter mythologische ihrer skurrilen Form oder hatten
Drachenwesen, die an Saurier erinnern. das Gesicht von bärtigen Män­
(Foto: Reinhard Habeck) nern. Ein für diesen Kulturkreis
fremdartiges Aussehen, deren Ur­
sprung man eher in Nordeuropa vermuten würde.
Im Südosten von Lima liegt noch ein interessanteres Museum. Das Museo
de Oro (offizieller Name: Museo Miguel Mujica Gallo) . Diese neben dem gleich­
namigen Goldmuseum in Bogota wichtigste Sammlung präkolumbischer Gold­
arbeiten in Südamerika vereint Kostbarkeiten unterschiedlichster Kulturen.
Der Inhalt der Vitrinen war schwer zu überblicken, weil vollgestopft mit
goldenen Masken, Halsketten und Zeremonialmessern (sogenannten tumis)
und filigranen Artefakten. Die handwerklichen Fähigkeiten präkolumbischer
Schmiede lassen jeden Betrachter ehrfürchtig staunen.
Am meisten aber staunten wir beim Anblick deformierter menschlicher
Schädel. Bei unserem Streifzug durch verschiedene Museen sind wir ihnen
häufig begegnet. Es handelt sich nicht um mißgebildeten Knochen, wie man
zunächst vielleicht glauben mag. Vielmehr sind die meist länglichen Verfor­
mungen, die auch »Turmschädel« genannt werden, durch eine künstlich hervor­
gerufene Technik erwirkt worden. In den alten Kulturen Südamerikas war
dieser Kult weit verbreitet. Die häufigste Schädelverformung war die Pressung
und Bandagierung mittels zweier Bretter, die vorne und hinten angelegt - und
mit Bändern verschnürt -, den Kopf zum Wachstum in die Länge zwangen.
Besonders lange Schädel sind aus Paracas bekannt. Wir haben aber auch Breit­
schädel zu Gesicht bekommen und bizarre Köpfe mit völlig verformter Aus­
buchtung und Dellenbildung, bei denen man sich nicht mehr sicher sein
konnte, ob der j eweilige Kopf einst wirklich einem Menschen gehörte.
Noch etwas ist merkwürdig: Deformierte Schädel sind ein globales Phäno­
men. Bekannt sind vor allem die Funde aus Südamerika. Doch Menschen mit
in die Länge gezogenen Schädeln waren schon in vorgeschichtlichen Zeiten
Unheimlicher Schädelkult: Weshalb haben
Menschen der Frühzeit begonnen, Schädel
zu deformieren ? (Fotos: Dr. Hans-Joachim
Zillmer)
1 10 3
genauso im alten Ägypten (vor allem Amarna-Epoche unter Pharao Echnaton)
anzutreffen. Ebenso war der Kult im ganzen Orient und vor allem in China
verbreitet. Und in Mitteleuropa wurden Langschädel aus dem 5 . Jahrhundert in
Awarengräbern gefunden.
Vor wenigen Jahren wurden auf Malta sechs Langköpfe wiederentdeckt. Sie
galten lange Zeit als verschollen. Der deutsche Amateurforscher Dr. Hubert
Zeitlmair stieß in einem Museum auf Fotos, die den Fund aus dem Jahre 1 9 1 6
dokumentierten. Adriano Forgione, ein Freund von Dr. Zeitlmaier, ging den
Hinweisen nach und stöberte - unterstützt von der italienischen Fernsehgesell­
schaft RA! - in alten Depots in La Valetta die gesuchten Originale auf. Das
Erstaunliche bei den Relikten ist die Größe der Schädeldecken und der Um­
stand, daß diese nur eine »Trennlinie« aufweisen. Ganz im Gegensatz zur
Anatomie der bisher erforschten Humanoiden, den Gruppen Cro Magnon,
Neandertaler oder Homo sapiens. Sie weisen alle drei »Trennlinien« bei der
Schädeldecke auf. Sind die Langköpfe aus Malta der Beleg für das frühere
Vorhandensein einer unbekannten Menschenrasse?
Der unheimliche Schädelkult wirft weitere Fragen auf: Weshalb haben
Menschen in der Frühzeit begonnen, Schädel zu deformieren? Welche Defor­
mierungen könnten natürlichen Ursprungs sein? Warum findet sich der Kult
weltweit, wo doch ein kultureller Austausch zwischen den Kontinenten -
zumindest laut traditioneller Theorie - bestritten wird? Was trieb die Menschen
auf der ganzen Welt an, so etwas zu tun? Was hat sie so beeindruckt, daß sie
bereit waren, ihre eigenen Kinder einer qualvollen Prozedur zu unterziehen und
mißzugestalten? Bis in neuerer Zeit war die Sitte, Schädel zu verformen, noch in
Lappland und auf Kreta üblich.
Die meisten Anthropologen erklären das globale Phänomen der künstli­
chen Schädeldeformierung als »Schönheitsideak In j üngerer Zeit mag das
tatsächlich zugetroffen haben. Aber ursprünglich? Gab es bestimmte Vorbilder,
denen man nacheiferte? Wollte man so sein, wie man sich überirdische Götter
vorstellte? War man ihnen vielleicht sogar begegnet?
Über die wahren Beweggründe, die zum weltweiten Kult der Schädel­
deformierungen führten, können wir nur spekulieren. Unbestritten ist aber, daß
unserer Vorfahren erstaunliche medizinische Kenntnisse besaßen und Kopf­
operationen durchführten. Das zeigt sich vor allem am Beispiel operativer
Eingriffe, die weit in prähistorische Zeiten zurückreichen. Das belegen zahlrei­
che Skelette, die Trepanationen aufweisen. So nennt man operative Schädel­
öffnungen, die es nachweislich schon seit dem zehnten Jahrtausend v. Chr.
gegeben hat.
Die chirurgischen Eingriffe erforderten mehr Wissen und Können als etwa
die Amputation eines Beines oder das Einrenken einer Hüfte. Die Knochen-
104 I

Steinzeit-Chirurgen nahmen schon


vor 1 0 000 Jahren operative
Schädelöffnungen vor. (Fotos:
Dr. Hans- Joachim Zillmer)

funde beweisen außerdem, daß über fünfZig Prozent dieser steinzeitlichen


Schädeloperationen erfolgreich durchgeführt wurden. Zumindest insofern er­
folgreich, als die Wunden wieder gut verheilten, die Patienten also überlebten.
Schädeloperationen von gleicher Präzision fand man auch bei den Maya­
Priestern in Mittelamerika sowie bei den »Medizinmännern« der Inka in Ecua­
dor und Peru. Sogar künstliche Schädeldecken aus dünnem Metall wurden
eingesetzt. Ein solches Unikat hat man uns beim Besuch in der Banco Central
deI Ecuador in Cuenca gezeigt; es war bei der Unsolved Mysteries Prämiere in
- -

Wien ausgestellt.
1 10 5
Waren Steinzeit-Mediziner in grauer Vorzeit bereits imstande, noch kom­
pliziertere Eingriffe vorzunehmen - etwa Herzoperationen? Eine phantastische,
wenngleich auch heftig umstrittene Sammlung erweckt diesen Eindruck. Ge­
meint ist die berühmte »Bibliothek von Ica«, die aus Tausenden von gravierten
Steinen und weniger bekannten Keramik-Figuren besteht. Angelegt hat sie der
Mediziner Prof Dr. Javier Cabrera. Die Exponate zeigen moderne medizinische
Operationen in allen Einzelheiten. Eine Visite in Dr. Cabreras nicht alltägli­
chem Privatmuseum war für uns ein Pflichttermin. Mit dem Bus starteten wir
von Lima aus über die Panamericana ins 300 Kilometer südlich gelegene Ica.
Das kleine Städtchen ist Sitz einer Universität und liegt landeinwärts in
einem flußtal mit Baumwollplantagen. Ica gilt als Weinmetropole Perus. Ein
Abstecher ins Archäologische Museum der Stadt lohnt sich. Dort werden die
ältesten Mumien des Landes aufbewahrt, eine davon 6000 Jahre alt. Ebenso zu
sehen sind trepanierte und deformierte Totenschädel, Knochentätowierungen
und verkleinerte Darstellungen der wichtigsten Nazca-Scharrbilder.
Für uns interessanter: Das Museo de Gliptolitos (Museum der Steinzeich­
nungen) . Einlaß wird nur nach Voranmeldung gewährt. Das hatten wir voraus­
blickend bereits von Wien aus getan. Als wir dann vor der Tür zur Privat­
sammlung standen, wurden wir bereits von einem älteren braungebrannten
Herrn in weißem Gewand und mit Krummstab in der Hand erwartet -
Dr. Javier Cabrera.
Er führte uns zunächst in sein groteskes Büro und öffnete einen Neben­
raum, der mit rund 1 5 000 gravierten Steinen (wir haben sie nicht wirklich
nachgezählt) vollgestopft war. Überall lagen in Regalen geschichtet und am
Boden übereinandergetürmt kaum überschaubare steinalte Zeugen von ein­
prägsamer Originalität. Auf den Steinen, manche bis zu 200 Kilogramm schwer,
sind viele seltsame Motive eingraviert, die, so behauptet Cabrera, von einer
unbekannten Vorzeit-Zivilisation hinterlassen wurden: Fremdartige Landkar­
ten versunkener Kulturen, unbekannte Inseln, Menschen mit Teleskopen, ur­
zeitliche Monster, Menschen auf Dinosauriern reitend, und vor allem chirurgi­
sche Eingriffe.
Die Zeichnungen sollen eine Vor-Menschheit bei ihren Tätigkeiten darstel­
len. In vorsintflutlichen Zeiten sei, so erklärte uns Cabrera geduldig, diese
vergessene Kultur in Nazca angesiedelt gewesen. Da auf etlichen Abbildern
Dinosaurier erkennbar sind, will der Peruaner den Ursprung dieser unbekann­
ten menschlichen Spezies in einer Epoche angesiedelt wissen, die rund 65 Mil­
lionen Jahre zurück in der Vergangenheit liegt. Das wäre wahrlich eine Sensa­
tion. Auf vielen Steindokumenten, die der Professor in ausgetrockneten fluß­
betten sowie in - von ihm geheimgehaltenen - unterirdischen Gängen eher
zufällig gefunden haben will und die er im Verlauf von Jahren mit viel Enthusi-
Kaum überschaubar: Die faszinierende Steinesammlung von Dr. Javier Cebrera
(Foto: Dr. Hans-Joachim Zillmer)

Die Gravuren auf den Steinen zeigen Seltsames: Menschen mit Dinosauriern . . .

(Foto: Reinhard Habeck)


1 107

. . . Herzoperationen und . . .
(Foto: Reinhard Habeck)

. . . fremde Erdteile
(Foto: Dr. Hans-Joachim Zillmer)
108 1

asmus gesammelt hatte, sind Herztransplantationen in allen Details mittels


Ritzzeichnungen verewigt worden.
Der Anlaß zum Aufbau der Sammlung war der 1 3 . Mai 1 966. »Es war mein
Namenstag, darum merkte ich mir das Datum«, erklärte uns der Arzt. »Ein
armer Fotograf schenkte mir damals einen gravierten Stein mit einer Fischfigur.
Ich spürte, j a spürte, daß er von großer Wichtigkeit war, daß die Zeichen auf
ihm weit über die Bedeutung einer bloßen Zeichnung hinausreichten. «
Nachdem uns Dr. Cabrera seine wundersame Steinsammlung gezeigt und
alles ausführliehst bis zu den Schuppen der Dinosauerer erklärt hatte, führte er
uns im Nebengebäude zu einem weiteren Archiv, das für die Öffentlichkeit
nicht zugänglich ist. Als wir den »ge­
heimen Raum« betraten, standen wir
in einem dunklen schlauchartigen Kor­
ridor mit bis zur Decke reichenden
Regalen, die alle mit Tausenden von
bizarren Tonfiguren bestückt waren. Im
wesentlich zeigten die Relikte die glei­
chen Motive wie auf den Steinen: Sau­
rier als Haustiere von Vorzeit-Men­
schen, Fabelwesen, Menschen, die auf
ihnen ritten, Götterfiguren, Szenen von
Transplantationen der Niere und des
Herzens, Operationen von Brustkrebs­
erkrankungen und sonstige operative
Eingriffe. Der Anblick war unbe­
schreiblich. Es sah aus wie in einem
Gruselkabinett. Und wir fragten uns ­
sind das alles Fälschungen? Aber wer
fälscht eine solche Unmenge von Figu­
ren, ohne etwas damit bewirken zu kön­
nen? Im Gang der wundersamen Keramik­
Die Antikenverwaltung von Peru figuren: Da kam sogar Museumsdirektor
ist über die Cabrera-Sammlung höchst Dr. Willibald Katzinger ins Grübeln.
unglücklich. Dr. Katzinger, selbst Wis­ (Foto: Reinhard Habeck)
senschaftler, kam angesichts der un­
glaublichen Relikte ins Grübeln: »Sind wir Wissenschaftler zu aller Zeit und in
jeder Situation so ehrlich und unparteiisch, wie die Ethik dies uns vorschreibt,
oder neigen wir dazu, ähnliche Sammlungen vorschnell als Fälschung abzutun
oder sie zu ignorieren? Wäre es nicht umso notwendiger, solche Gegenstände
einer wissenschaftlichen Analyse zu unterziehen?«
Die Cabrera-Kuriositäten sind nicht die einzigen ihrer Art. Vergleichbares
liefert etwa die Acambaro-Sammlung. Der Kaufmann Waldemar Julsrud ent­
deckte 1 944 beim Ausritt einige Keramikfragmente, die der Regen aus der Erde
gewaschen hatte. Zwischen 1 944 bis 1 9 52 wurden dann vor Ort in Acambaro,
nordwestlich von Mexico City, rund 33 500 weitere Figuren entdeckt, die
seltsame Attribute fremdartiger Menschenrassen zeigen (manche erinnern an
Europäer, andere an Inuit) . Ferner ebenso Fundstücke, die auch aus der Cabrera­
Kollektion stammen könnten: monsterhafte Kreaturen mit Dinosaurier-Moti­
ven. Einige der Acambaro-Artefakte konnten auf ein Alter von 2400 bis 2700
v. Chr. datiert werden. In unserer Ausstellung wurden etliche der Stücke erst­
mals der Öffentlichkeit präsentiert.
Natürlich sind Zweifel an der Echtheit solcher Figuren gegeben. Im beson­
deren bei den Ica-Steinen. Nicht nur, weil Cabrera Mediziner ist und daher
weiß, wie man chirurgische Eingriffe
bildlich und plastisch nachstellen könn­
te. Es gibt schon seit Jahren offenkundi­
ge Hinweise, daß viele der Steine und
Keramiken Fälschungen sind. Das ist be­
dauerlich. Wir haben gesehen, daß in­
zwischen den Touristen zuliebe ganz of­
fiziell Ica-Steine mit Nazca-Motiven her­
gestellt und in verschiedenen Museen
und Souvenirshops zum Kauf angebo­
Kurios: Dinosaurier als Reittier (Foto: ten werden. Ein Teil der Exponate kann
Bernhard Moestl und Autoren) daher gesichert als moderne Nachbildung
bezeichnet bzw. angenommen werden.
Nachbildung heißt aber, daß es ursprüng­
lich durchaus authentische Steine mit
rätselhaften Gravuren gegeben hat.
Schließlich gibt es auch gefälschte Geld­
scheine, und niemand käme auf die Idee,
deshalb alle Banknoten als »Blüten« zu
deklarieren. Dr. Cabrera sah es ebenso.
Seiner Ansicht nach enthalten die Steine
eine Botschaft aus der Urzeit, die noch
nicht entschlüsselt wurde.
Viele Keramiken zeigen - analog zu den Zankapfel bei der Wahrheitssuche
Motiven auf den Steinen - medizinische ist seine hartnäckige Weigerung, nähere
Eingriffe. (Foto: Bernhard Moestl und Auskünfte darüber zu geben, woher die
Autoren) Steine stammen und wo sich die unterir-
1 10 I

dischen Stollen befinden, in denen angeblich gravierte Objekte aufbewahrt


werden. »Weil die Menschen von Peru und die Menschen der Welt noch nicht
vorbereitet sind, um das archäologische weltumfassende Erbe der Menschheit
zu verstehen«, beteuerte der Professor im Interview. Untersuchungen an den
Steinen haben jedenfalls Widersprüchliches ergeben. Was als bewiesen gilt, ist,
daß die Steine sehr alt sind. Aber ob das auch für die darauf befindlichen
Gravuren zutrifft, konnte bislang trotz aller Analysen und Gutachten noch
nicht eindeutig nachgewiesen werden.
Es sollte nicht verwundern, wenn Dr. Cabrera tatsächlich echte Steine mit
ungewöhnlichen Motiven entdeckt hat. Wahrscheinlich sind sie immer noch
unter den Beständen der Sammlung. Irgendwann jedoch, so sehen es jedenfalls
die Skeptiker, dürfte er damit begonnen haben, Steine fälschen zu lassen, um
seine Theorien zu stützen. Der grundlegende Unterschied zwischen den echten
und falschen Steinen liegt möglicherweise darin, daß die echten Steine relief
artig gearbeitet sind, während die falschen geritzte Gravuren aufweisen. Ein
mutmaßlicher Fälscher erzählte, daß man dies aus ökonomischen Gründen
getan habe, weil das Ritzen in Stein viel weniger Arbeit beanspruche als das
Gravieren von Reliefs.
Auch wenn die wahren Hintergründe der Steine von Ica rätselhaft bleiben,
eines steht leider fest: Durch die Irreführung um die Herkunft der echten und
falschen Steine, ebenso der Keramiken, dürfte nun jedwede Chance vertan
worden sein, die tatsächlich echten Steine, die es zweifellos ebenso geben dürfte,
endlich wissenschaftlich zu erforschen. Offiziell gelten heute nämlich alle Steine
als Falsifikate.
Möglicherweise ein voreiliger Schluß. Bei
unserer Museentour durch Südamerika ha­
ben wir archäologische Stücke bestaunen dür­
fen, die durchaus Gleichklänge mit der
Cabrera-Sammlung erkennen lassen. Bei­
spielsweise ist im staatlichen Anthropologi­
schen Museum von Lima eine Keramik aus­
gestellt, die ein gebeugtes Wesen bei einer

Wegen ihrer eigentümlichen Charakteristik wird


die Cabrera-Kollektion als moderne Fälschung
eingestuft. Ein Besuch im Anthropologischen
Museum beweist: Hier gibt es durchaus vergleich­
bare Exponate, wie das Beispiel dieser Plastik
zeigt. Ihr prähistorischer Ursprung ist zweifelsfrei
belegt. (Foto: Reinhard Habeck)
1 111
Operation dokumentiert. Das Alter reicht zwar nicht in die Dinosaurier­
Epoche zurück, aber der präkolumbische Ursprung ist unbestritten. Gleiches
gilt für Steine mit eingeritzten Bildmotiven. Ihre Echtheit ist erwiesen, aller­
dings zeigen sie keine Saurier oder versunkenen Länder, wohl aber sonderbare
geometrische Zeichen und Tierdarstellungen.
Das Mysterium um die Steine und Keramiken von !ca konnten wir nicht
lösen. Dennoch war es unser erklärtes Ziel, einige herausragende Exponate für
unsere Ausstellung zu erhalten, um sie erstmals außerhalb Perus zu zeigen und
interessierten Kunstexperten eine Untersuchung zu ermöglichen. Dr. Cabrera
war damit einverstanden. Bei unserer zweiten Reise im September wurden
deshalb in einer aufwendigen Prozedur Dutzende Steine und Keramiken für
den Ausstellungskatalog genauestens vermessen und von unserem Profifotografen
Bernhard Moestl im Bild festgehalten. Ergänzend stand uns Dr. Cabrera für ein
langes Fernsehinterview zur Verfügung. Es sollte sein Vermächtnis werden. Nur
wenige Monate nach unserem Besuch erkrankte der Arzt und Hobbyarchäologe
schwer und verstarb schließlich im Jahre 2002 im Alter von 78 Jahren. Das
Geheimnis um seine umstrittene Sammlung nahm Dr. Javier Cabrera mit ins
Grab.

Das Autorenduo Habeck und Dona im Gespräch mit Dr. Javier Cabrera. Das letzte
Geheimnis um die ungewöhnliche Sammlung nahm der Peruaner mit in sein Grab. (Foto:
Reinhard Habeck)
9
Nazca - Das achte Weltwunder
W'er schuf die gigantischen Linen und
riesenhaften Scharrbilderf

Wir leiden an Flugangst. Besser gesagt: wir litten an ihr. Nach der Besichtigung
von Nazca aus der Vogelperspektive waren wir geheilt. Unser Leben lang werden
wir das nicht vergessen. Es war in der Tat unbeschreiblich. Dabei begann alles
recht harmlos. Nach der Inspektion von Dr. Cabreras Gruselkabinett war der
Abschluß unserer Erkundungstour der Pampa von Nazca gewidmet.
Auf dem kleinen, eher verlassen wirkenden Flugplatz von !ca zwängten wir
uns in eine winzige Fünf-Sitzer-Maschine. Zielort: Eine faszinierende Wüsten­
landschaft an der Südostküste Perus. Das Gebiet umfaßt eine Fläche von
530 Quadratkilometern. Hier be­
finden sich die weltberühmten
Scharrbilder und ein Gewirr von
Linien. Hunderte davon wurden in
den Wüstenboden gezeichnet. Ei­
nige sind pfeilgerade und kilometer­
lang, andere bilden Tierfiguren und
geometrische Formen. Gigantische
Muster und Darstellungen überir­
Mit einer kleinen einmotorigen Maschine starte­ discher Wesen ergeben das »größte
ten wir zum Wüstenwunder von Nazca. Skizzenbuch der Welt« . Ein wahres
(Foto: Reinhard Habeck) Weltwunder, das paradoxerweise
von der Erde kaum auszumachen
ist. Die Komplexität der Figuren und Linien ist nur von der Luft aus betrachtet
überschaubar. Am Boden nimmt man lediglich Vertiefungen im Erdreich wahr,
die an einen Weg, eine Straße oder an lange, flache Rillen denken lassen.
Wenn aber etwas in einem so großen Maßstab angefertigt wurde, daß es
nur von »oben« gesehen erkennbar ist, macht dies doch nur dann Sinn, wenn
man es auch aus himmlischer Höhe anschauen kann. Dies hieße aber, daß die
einstigen Nazca-Bewohner Mittel und Wege gefunden haben, sich in die Lüfte
zu erheben. Aber welche flugtechnischen Hilfsmittel standen in der Frühzeit zur
Verfügung? Unserem traditionellen Geschichtsbild zufolge überhaupt keine.
Die Zeichnungen wurden als prähistorischer Tierkreis, Landepisten für
Außerirdische und vieles andere gedeutet. Die Tierfiguren werden der Nazca-
1 1 13
Kultur zugeschrieben, die in
dieser Gegend zwischen etwa
500 v. Chr. und 500 n. Chr.
angesiedelt war. Die meisten
Keramikfunde mit Nazca­
Tiermotiven stammen aus die­
ser Zeit. Ein Großteil des aus­
geklügelten Liniennetzes ent­
stand hingegen weitaus früher
und wird in eine Epoche zwi­
schen 2000 und 1 5 00 v. Chr.
zurückdatiert.
Archäologen stellten zu­
dem fest, daß viele heute sicht­
bare Strukturen über älteren
Linien angelegt wurden. Er­
staunlich ist, daß die pisten­
ähnlichen Zeugnisse einer rät­
selhaften Vergangenheit über­
haupt noch bestehen und ent­
deckt wurden. Und das ist
trotz der überdimensionalen
Übersicht der wichtigsten Nazca-Tierfiguren. Musterung noch gar nicht so
(Foto: Archiv Autoren) lange her. Abgesehen von ei­
nigen Notizen spanischer
Chronisten aus dem 1 6. und 1 7. Jahrhundert blieb das unbekannte Linien­
system bis vor etwa 80 Jahren nahezu unbemerkt. Selbst der Pan American
Highway wurde durch die Wüste gebaut, ohne daß j emand die riesigen Gebilde
bemerkt hätte, da sie am Boden nicht erkennbar waren.
Die erste genauere Beobachtung erfolgte im Jahre 1 926, als ein Forscher­
team unter der Führung von Professor Julio C Tello, dem Begründer der
peruanisehen Archäologie, Umrisse der ersten aufgefundenen Scharrbilder auf­
zeichnete. Danach wurde die ungewöhnliche Entdeckung durch Schilderungen
und Fotos von Piloten der peruanisehen Luftwaffe bestätigt, die das fragliche
Gebiet überflogen. Selbst heute noch werden Bodenmuster entdeckt, die dem
aufmerksamen Beobachter bisher entgangen waren. Manche weisen in Relief­
darstellung auch Farbabstufungen in Braun und Grau auf.
Unser unvergeßlicher Propellerflug über Nazca führte zu einigen dieser
j üngsten Fundsachen, darunter trapezförmige Gebilde und geometrische Mu­
ster mit präziser Genauigkeit. Begonnen hatte das himmlische Abenteuer mit
einem scheinbar gemütlichen und ruhigem Flug. Nach zwanzig Minuten har­
monischen Gleitens ging unser Pilot ohne Vorwarnung zum Sturzflug über und
ergänzte diesen mit den Worten: »Auf der linken Seite erkennen Sie das Bild des
Astronauten. «

{ ,

Das erste Scharrbild, das wir zu Gesicht bekamen, war eine 30 Meter hohe Figur mit
erhobenen Arm als Willkommensgruß. (Foto: Dr. Hans-Joachim Zillmer)

Diese etwa 30 Meter hohe Figur mit zum Gruß erhobenem rechtem Arm war
das erste Wüstenbild, das wir von Nazca zu Gesicht bekamen. In diesem
Augenblick dachten wir, es würde auch das letzte sein. Was unser Flugkapitän,
ein ehemaliger Militärpilot, in der Folge an abenteuerlichen und waghalsigen
Flugmanövern hinlegte, war atemberaubend. Doch das Gesehene war so aufre­
gend, daß keine Zeit blieb, etwas aus der Magengegend hochkommen zu lassen.
(Übrigens ist geplant, für Touristen-Überflüge einen Zeppelin einzusetzen, der
Platz für 25 Personen bietet. Das soll angeblich sicherer sein. Wer's glaubt . . . )
Die Wunderwelt, die sich seitwärts, um, unter und über uns offenbarte, war
beeindruckend: Gigantische Wiedergaben von menschenähnlichen Figuren mit
Strahlenkränzen, überdimensionale Tierbilder - darunter ein Lama, eine stattli­
che, 1 8 8 Meter lange Eidechse, deren Schwanz heute die Panamericana zer­
schneidet, ein Leguan - sind leicht auszumachen. Zudem wurde ein Wal in den
kargen Wüsten boden verewigt, ein 90 Meter großer Mfe und ein mächtiger
Baum. Prunkstück ist ein kondorähnlicher Vogel mit 300 Metern Länge.
1 1 15

Die Abbilder sind von einer unglaublichen Präzision. Doch was bedeuten
diese Figuren? Die Proportionen stimmen exakt, sind weder verzerrt noch
ungenau. Deutlich wird dies am Zeichen der Spinne. Dieser 45 Meter langen
Riesenspinne gleicht haarscharf ein Krabbeltier, das zur Gattung der Ricinulei
gehört, einer der seltensten Spinnenarten der Welt. Sie kommt nur im undurch­
dringlichen Dschungel des Amazonas vor. Sie ist so perfekt in den Wüstensand
gezeichnet worden, daß man selbst das typische Fortpflanzungsorgan dieser
Spezies klar erkennen kann. Es befindet sich an der Verlängerung eines Beines.
Ist schon die Zeichnung an sich ein Rätsel, fragt man sich, wie im Altertum
dieses Detail erkannt werden konnte. Es ist normalerweise nur unter dem
Mikroskop auszumachen! Wie konnte eine solche Perfektion an Details erzielt
werden? Und was war der Verwendungszweck der Bildwerke, die dem Skizzen­
block eines Riesen entstammen könnten? Wer hat sie angelegt, wann, wie und
weshalb?
Den überwiegenden Teil der Wüstenzeichen bilden die schnurgeraden
Linien. Sie laufen parallel, kreuz und quer, bündeln sich, sind manchmal
schmaler, dann wieder breitflächig planiert oder verlaufen strahlenförmig und
überschneiden ab und zu rrapezförmige Figuren und überdimensionale Tierbil­
der. Selbst über viele Kilometer hinweg weichen die geraden Linien nicht mehr
als drei Meter vom Ideal ab. Als wir vom Flugzeug aus die ersten pistenartigen
Linien erblickten, schoß uns ein Gedanke durch den Kopf: Unglaublich, das
wirkt wie ein riesiger prähistorischer Flugplatz! Man muß es selbst mit eigenen
Augen gesehen und erlebt haben, aber die imposanten Linien vermitteln tat­
sächlich den Eindruck, als wären hier Start- und Landebahnen für Flugzeuge
oder Space Shuttles angelegt worden.
Unser Looping-Pilot bestätigte uns nach der glücklichen Rückkehr zur
Erde, daß er auf einigen breiten Linien mit seiner Maschine hätte landen
können, wenn zuvor Geröll und Steine von der Piste entfernt worden wären.
Haben wir es mit einem UFO-Landeplatz aus grauer Vorzeit zu tun? Noch aus
920 Kilometern Höhe aufgenommene Satellitenbilder zeigen schwach das
Liniennetz von Nazca.
Gerade dieser Umstand inspirierte Erich von Däniken zu seiner phantasti­
schen Idee: Die Zeichen wurden von Menschen (nicht von Außerirdischen, wie
Kritiker dem Schweizer immer wieder gerne unterstellen) angelegt, um Besu­
chern aus dem Kosmos anzuzeigen: landet hier! Ist das Liniennetz als Erinne­
rung an himmlische Wesen angefertigt worden? Wollte man mit den
Scharrbildern ein Zeichen setzen, hoffend auf die Wiederkehr der »Götter« ?
Über Nazca wurden mittlerweile unzählig viele Theorien formuliert, aber
keine konnte die Tatsache bisher plausibel erklären, weshalb die sonderbaren
Muster am besten nur aus der Luft zu erkennen sind. Eine der j üngsten
Nazca läßt sich bereits aus dem Weltraum anpeilen: Ein aus 920 Kilometern Höhe
aufgenommenes Satellitenbild zeigt schwach das Liniennetz. (Foto: NASA)

Erkenntnisse: Die Liniensysteme beruhen auf einer uralten Regen-Prozession.


Tausende Pilger, so erklärt der Archäologe Dr. Tony Spawforth von der Universi­
tät Newcasde, sollen in ihrer Not über Stock und Stein gewandert sein, um
Regengötter anzuflehen, die ihnen Wasser geben sollten. Eine Völkerwande­
rung in immer wiederkehrenden, rituellen Prozessionen soll letzdich die riesi­
gen Spuren hinterlassen haben.
Die Printmedien berichteten in großer Aufmachung über die lang gesuchte
Lösung des Jahrhunderträtsels. Was die Redakteure allerdings vergaßen zu
erwähnen: Es war inzwischen bereits das x-te »Lösungsangebot« . Hat man die
vielen anderen Enthüllungs-Thesen, die von Kollegen des Dr. Spawforth seit
Jahren als angeblich beweiskräftige Erklärung vorgebracht werden, inzwischen
vergessen? Dr. Richard Nikolaus Wegner glaubte des Rätsels Lösung darin zu
erblicken, daß die in der Erde eingefurchten Linien als Bewässerungskanäle
dienten. Andere wie Professor AIden Mason denken an ein »religiöses Jahrbuch«.
Die 1 998 verstorbene deutsche Mathematikerin Maria Reiche beschäftigte
sich seit 1 946 mit diesem verkannten Weltwunder. Sie hielt es für wahrschein-
1 1 17

Kilometerlange Linien vermitteln den Eindruck eines prähistorischen Flugplatzes. (Fotos:


Dr. Hans-Joachim Zillm er)
1 18 1

lich, daß die Linien astronomische Bedeutung gehabt haben. Doch die compu­
tergestützten Untersuchungen des amerikanischen Astronomen Gerald S.
Hawkins zeigten, daß kaum Hinweise gefunden werden konnten, die darauf
schließen ließen, daß die Linien und Zeichen tatsächlich als »astronomischer
Kalender« gedient hätten.
Zoftan Zelko wiederum, ein ungarischer Gelehrter, bietet die These einer
»riesigen Nazca-Landkarte« als des Rätsels Lösung an. Und zwar exakt in der
Verkleinerung 1 : 1 6. Doch wozu sollten Eingeborene eine Riesenkarte geschaf­
fen haben, die sie weder in die Hand nehmen noch überblicken konnten? Es sei
denn, und damit sind wir wieder bei der Schlüsselfrage, sie wurde für jemand
angelegt, der sie aus der Luft überblicken konnte.
Weitere wissenschaftliche »Entlarvungen« der flugplatzähnlichen »Pisten«
seien hier noch kurz vorgestellt: Nazca sei, so eine Behauptung, eine vorzeitliche
»Olympia-Anlage« gewesen; Indigenas hätten die Linien in Wettkämpfen ab­
spurten müssen (auch über jene senkrecht die Berghänge hinauf- und hinab­
laufenden Linien? Wie soll das möglich gewesen sein?) ; Nazca diente einer
anderen Anschauung nach als Start- und Landebahn für Ballons (Ballons? Wozu
benötigte man dann pistenähnliche Linien?) ; oder es seien sakrale Stätten gewe­
sen, an denen irgendwelchen Berg- und Himmelsgöttern geopfert wurde . . . All
diese »Erklärungen« werden noch übertroffen von der Auffassung (und das ist
wohl das »Ei des Kolumbus« aller vorgebrachten Expertenmeinungen) , bei den
Nazca-Bodengravuren handle es sich um Zeugnisse für eine vorzeitige »Beschäf
tigungstherapie«! Durchweg wissenschaftliche Theorien, die wir hier genannt
haben, aber keine überzeugt wirklich, schon gar nicht Dr. Tony Spawforths
»Regen-Prozession« .
Jüngst entdeckte Zeichen von geometrischen Anordnungen, Diagrammen
und schachbrettartigen Gebilden auf einer unebenen Bergkuppe im Gebiet von
Palpas (zwölf Flugminuten vom Nazca-Flughafen entfernt) , aber ebenso Dar­
stellungen riesiger menschenähnlicher Figuren, lassen sich nur schwer in die
Regenmacher-These einordnen. Dr. Spawforth, der mit seiner Vorstellung nun­
mehr gewissermaßen im Regen steht, wird wohl mit einem weiteren Nieder­
schlag rechnen müssen. Faktum bleibt nämlich: Die Konstruktionen und Zeich­
nungen sind ausschließlich aus großer Höhe erkennbar. Von Betrachtern, die
sich in Fluggeräten fortbewegten.
Haben wir es doch mit Bestandteilen eines antiken Signalsystems zu tun?
Angelegt, um den »Göttern«, genauer gesagt Besuchern fremder Gestirne, ein
Zeichen zu geben? Dazu paßt folgendes kleines Bonmot: Als wir von unserer
zweistündigen Nazca-Flugschau wieder nach !ca zurückkehrten und sicheren
Boden unter den Füßen hatten, waren wir alle sprachlos und überwältigt von
dem zuvor Gesehenen. Der erste, der bemüht war, das Erlebte in Worte zu
1 1 19
fassen, war Museumsdirektor Dr. Willibald Katzinger, der erklärte Skeptiker
unter uns: »So, meine Freunde, j etzt glaub' ich euch alles!«, war sein freimütiges
Eingeständnis.

Jüngst entdeckt: Runde und schachtbrettartige Muster im Wüstenboden von Nazca (Foto:
Dr. Hans-Joachim Zillmer)

Wenn es nicht so kostspielig wäre, würden wir militanten Kritikern des Kon­
zepts frühgeschichtlicher Aeronauten einen Flug über Nazca spendieren. Das
scheint himmlische Wunder zu bewirken.
»Wenn alles erklärbar wäre«, betont unser »Mitflieger« Dr. Katzinger,
»bräuchten wir nur Verwalter und keine Wissenschaftler mehr. Und wenn die
Wissenschaft selbst nicht in Frage stellen würde, was sie als bewiesen ansieht,
gäbe es keinen Fortschritt. Manchmal ist es geradezu notwendig, auch ein
wenig zu spekulieren und die Phantasie einzusetzen. «
Unsere Phantasie bekam Flügel. Die Gedanken vollgestopft mit freudigen
Eindrücken und nutzbringenden Informationen aus Südamerika, machten wir
uns auf die lange Heimreise zurück nach Europa. Ein Berg voll Arbeit wartete
auf uns. Aber der wichtigste Grundstein war gelegt. Und wir waren zu diesem
Zeitpunkt überzeugter denn je, daß die Ausstellung Unsolved Mysteries ein
Knüller werden würde. Nichts sollte das Projekt mehr ernsthaft gefährden.
Zumindest 5 0 bis 70 Originalstücke benötigten wir, um unser Vorhaben zu
realisieren. Diese Aufgabe hatten wir bereits locker geschafft. Und wir hatten
1 20 I
alles auf Film festgehalten. Nach 1 4-stündigem Flug über den »großen Teich«
landeten wir am 1 . März sicher in Wien-Schwechat. Dann der Schock beim
Auschecken. Unsere Koffer waren verschwunden! Das war nicht lustig. Vor
allem, wenn man weiß, daß sich darin 40 Diafilme, Interviewkassetten, Notizen
und Museumskataloge befanden, die auf ihre rasche Auswertung warteten.
Ohne diese Unterlagen wären wir erledigt gewesen. Wir kamen ins Schwitzen.
Dann drei Tage später die große Erleichterung. Die vermißten Koffer wurden
per Hauszustellung wieder den rechtmäßigen Besitzern übergeben.
Den Göttern sei's gedankt, wir hatten einen Glücksstern im Reisegepäck!
10
Akte X - Die Ausstellung
Was niemand glauben wollte, wurde wahr

Die Ermittlungen in Südamerika brachten uns endlich erheblich vorwärts. Nun


recherchierten wir von Wien aus weiter. Und plötzlich lief vieles nach Wunsch.
Telefoniert wurde rund um die Uhr, nützliche Kontakte eröffneten sich. Wis­
senschaftler sagten zu, einige Obj ekte untersuchen zu wollen. Der Ausstellungs­
ort in den unterirdischen Gewölben des Wiener Schottenstifts wurde fixiert
und eine Pressekonferenz vorbereitet. Das Design und die Architektur der
Ausstellung wurden genauestens durchdacht. Sie lag in den bewährten Händen
von Koichi Sasaki aus Tokio, der eine atemberaubende Kulisse für das Mystery­
Projekt realisierte. Es gab Streß von 7 bis 22 Uhr. Gleichgültig, wie viele
Anstrengungen mit dem Projekt Unsolved Mysteries verbunden waren: Unser
Mini-Team wurde jeden Tag aufs Neue mit einem spannenden Abenteuer
belohnt. Manchmal blieben wir ohne Erklärung zurück oder hatten mit
PC-Hackern unseren Ärger.
Bis vor wenigen Jahren waren ausschließlich große Firmen, Banken und
Rechenzentren die Angriffsziele von Computerkriminellen, doch das hat sich
mittlerweile geändert. Mit sogenannten »Trojanischen Pferden« ist es für einen
Hacker möglich - ähnlich dem Vorbild aus der griechischen Mythologie -
unbemerkt in fremde Systeme einzudringen und diese uneingeschränkt zu
kontrollieren. Ungebetene »Gäste« dieser lästigen Art versuchten des öfteren an
unsere sensiblen Daten heranzukommen. Nachdem die Technik unserer Com­
puter zu »spinnen« begann und wir die ersten Systemabstürze unserer PCs zu
vermelden hatten, mußten wir aktiv werden. Nur mit Hilfe einer Reihe zusätz­
licher Sicherheits-Tools konnten wir schließlich unsere Arbeit unbeschadet
fortsetzen.
Zwischendurch gab es dennoch immer wieder merkwürdige Begebenhei­
ten: Etwa dann, wenn das Telefon läutete, aber niemand in der Leitung war.
Oder es erschienen auf der Display-Anzeige des Telefons die Ziffern » 1 0 1 0 1 0«.
Eine Zahlenkombination, die laut Postauskunft nicht existierte. Dann wieder­
um tauchte auf der digitalen Anzeige eine uns völlig unbekannte Telefonnum­
mer auf. Ein Rückruf, und wir landeten überraschend im Österreichischen
Innenministerium. Dort beteuerte man uns gegenüber, niemand hätte im
»Mystery-Büro« angerufen. Es war einfach absurd. Irgend jemand konnte sich
offenbar keinen Reim darauf machen, weshalb von unserem Telefonanschluß
von frühmorgens bis in die späte Nacht hinein stundenlange Gespräche geführt
wurden. Und das rund um den Globus nach Südamerika bis Japan. Es war
zeitraubend und kostspielig, doch unsere Bemühungen hatten Erfolg.
Doch zurück zum eigentlichen Thema: Das Privatmuseum GIen Rose in
Texas (USA) ist im Besitz einer umfangreichen Sammlung von rätselhaften
Versteinerungen aus der Urzeit, darunter ein angeblich 1 40 Millionen Jahre
alter Hammer, ein »fossilisierter Finger« aus der Saurier-Epoche und ein Eisen­
becher, der bei seiner Auffindung in einer Millionen Jahre alten Kohleschicht
eingebettet war. Diese unerwarteten Entdeckungen und weitere »Irrläufer der
Evolution« wurden vom Direktor Dr. earl Baugh erstmals im Original für
unsere Ausstellung in Europa und Japan zur Verfügung gestellt.
Die Zusage für den berühmten Runenstein vom Kensington Rune Stone
Museum in Minnesota (USA) war uns ebenso ein Anliegen. Und es hatte
geklappt. Die Inschrift auf dem Stein ist
mit 1 362 genau datiert und hat deshalb
seit seiner Auffindung am Ende des vor­
vorigen Jahrhunderts erhebliche Verunsi­
cherung unter all jenen ausgelöst, die außer
der Wikinger-Fahrt Erich des Roten bis zur
Ankunft Christoph Kolumbus keine weite­
ren Begegnungen mit der Neuen Welt ak­
zeptieren wollen.
Die Kontakte zu Prof Dr. Masaaki
Kimura eröffneten die Möglichkeit, welt­
weit neue Funde aus den unterseeischen
Gesteinsstrukturen vor der j apanischen In­
sel Yonaguni zu präsentieren. Das felsige
Gebilde mit Steinsäulen, Treppen und Pla­
teaus erinnert an ein gewaltiges, von Men­
schenhand errichtetes Bauwerk. Am Mee­ Die Inschrift auf dem Runenstein von
resgrund aufgefundene Steingebilde mit Kensington besagt, daß skandinavi­
Bearbeitungsspuren und Gravierungen un­ sche Seefahrer im Jahre 1352 in
termauern diese Behauptung. Amerika landeten. Bei Unsolved
Ritualgegenstände, die mit den erstaun­ Mysteries konnte man den 1 00 Kilo­
lichen astronomischen Kenntnissen des gramm schweren Stein im Original
Dogon - Stammes aus Mali im Zusammen­ bestaunen (Foto: Kensington
hang stehen, konnten wir ebenso für unser Runestone Museum, Minnesota, USA)
Proj ekt gewinnen wie rätselhafte Stein­
skulpturen aus Sierra Leone in Westafrika.
Die Bereitstellung der kleinen »Goldflugzeuge« aus Kolumbien wurde uns
versagt. Zumindest die Originale. Repliken, originaltreu wiedergegeben, konn-
1 12 3
ten wir aus Privatsammlungen vorlegen. Mit flugtauglichen Modellen, die das
deutsche Forscherduo Dr. Algund Eenboom und Peter Belting anfertigten, wur­
den Besucher der Ausstellung reichlich entschädigt.
Besonderes Renommee: Jokey van Dieten, ehemalige Rennfahrerin und
Hüterin weltweit bekannter Kristallköpfe, ließ sich erweichen, alle in ihrem
Besitz befindlichen sechs Quarz- und Edelsteinschädel zur Verfügung zu stellen.
Unter den ungewöhnlichen Schätzen wird das Prunkstück der Sammlung
»E. T.« genannt. Der berühmte Rauchquarzkopf aus Guatemala wurde nach
wissenschaftlichen Analysen im Naturhistorischen Museum in Wien als au­
thentisch bestätigt und hat nachweislich ein Alter von mindestens 500 Jahren.
Wie er damals hergestellt wurde, bleibt rätselhaft.
Aus Glozel in Frankreich und Regionen aus Südamerika erhielten wir
faustgroße, bearbeitete Steine, die Schriftzeichen tragen, welche noch nicht
endgültig entziffert werden konnten und deshalb als Fundgrube für die Schriften­
forscher gelten.
Schon lange sind die Funde von »Burrows' Cave« in den USA Gegenstand
heißer Diskussionen. Die Sammlung besteht u. a. aus vielen tausend gravierten
Steinen, die Porträts und schwer deutbare Schriftsymbole beinhalten. Sie lassen
auf vorchristlich europäische oder phönizische Einflüsse schließen. Der Ameri­
kaner Russel Burrows will sie
1 982 in einem unterirdischen
Tunnelsystem im US-Bun­
desstaat Illinois geborgen ha­
ben. Die Stücke galten allge­
mein als unauffindbar. Ein
Teil der Sammlung, darunter
Artefakte aus Gold, sollen
Erstmals in unserer Ausstellung im Original zu besich­ unter der Hand verhökert
tigen: Exponate aus »Burrows' Cave«, einem Tunnel­ worden sein. Der größere Rest
system im amerikanischen Bundesstaat lIIinois wartet aber noch auf seine
(Foto: Bernhard Moestl und Autoren) Bergung. Über das Internet
ist es Stefan Dona (dem Sohn
von Klaus Dona) gelungen, den »richtigen« Russel Burrows ausfindig zu ma­
chen. Aus seinen eigenen Beständen sowie einzelnen Stücken, die sich im Besitz
von �yne May (Herausgeber des Magazins Ancient American) befinden, wur­
den viele für Unsolved Mysteries dargeboten.
Der amerikanische Archäologe Heil Steede hat ebenfalls Stücke der »Burrows«­
Steine bereitgestellt. Ihm hatten wir es zu verdanken, daß gleich mehrere
Kollektionen präsentiert werden konnten. Darunter Exponate der Michigan­
Tafeln, die um 1 900 in indianischen Hügelgräbern geborgen wurden sowie
eigentümliche Relikte aus den Mayaruinen von Comalcalco in Mexiko. Beide
Sammlungen stützen die These, daß Amerika bereits Jahrtausende vor Kolum­
bus von anderen Seefahrern angesteuert wurde. Neil Steede ist auch im Besitz
von einigen der berühmten Ica-Steine. Dr. Cabrera erkrankte schwer und erlag
bald darauf seinem Leiden. Die Leihzusage für besondere Steine und Kerami­
ken seiner bizarren Sammlung konnte der Peruaner leider nicht mehr erfüllen.
Neil Steede sprang ein und war gerne bereit, seine originalen Ica-Steine, die er
vor Jahren von Dr. Cabrera erhalten hatte, zu zeigen.
Inzwischen machte sich Stefan Dona auf den Weg nach Acambaro in
Mexiko. In dem kleinen Städtchen, nordwestlich von Mexico-City, wurden in
den 1 940er und 1 9 5 0er Jahren bizarre Keramiken entdeckt, die ähnliche
Motive zeigen wie die Cabrera-Sammlung aus Peru: Monsterhafte Kreaturen
und dinosaurierähnliche Tiere. Seit der Entdeckung wird über ihren Ursprung
gerätselt. Die Restbestände des ursprünglich rund 33 500 Objekte umfassenden
Gesamtfundes wurden bis vor kurzem noch unter Verschluß gehalten. Stefan
konnte sich davon dennoch einige außergewöhnliche Plastiken für unsere
Ausstellung aussuchen. Darunter ein Dutzend Dinosaurierfiguren, denen ein
Alter von 4000 Jahren zugesprochen wird. Ein Jahr nach unserer Unsolved­
Mysteries- Präsentation wurde der kulturelle
Wert der Obj ekte erkannt und ein kleines
Museum in Acambaro eröffnet.

Erstaunliche Keramiken aus Acambaro in Mexiko (Fotos: Rupert Leutgeb)

Die Recherchen in Südamerika trugen ebenfalls Früchte. Unsere Leihgesuche


wurden genehmigt. Nun galt es in aller Eile eine zweite Reise vorzubereiten.
Wir benötigten für den Ausstellungskatalog hochwertiges Bildmaterial. Bern­
hard Moestl, ein bewährter Profifotograf aus Wien, wurde engagiert und stellte
sich mit uns auf arbeitsreiche Zeiten ein. Termin für das Abenteuer: September
1 1 25

2000. Ein Kamerateam begleitete uns, um die wichtigsten Szenen ebenso auf
Film festzuhalten. In nur zwölf Tagen wurde ein Mammutprogramm absolviert.
Mehrere Sammlungen mit ihren einzelnen Relikten mußten gefilmt, fotogra­
fiert und abgemessen werden. Dann Ortswechsel, einchecken, auschecken und
zur nächsten Sammlung. Wir waren ständig unterwegs mit 1 5 wuchtigen
Koffern, Metallkisten, Filmmaterial sowie sperrigen Stativen und empfindli­
chem Fotozubehör. Die ständige Schlepperei war mörderisch. Doch es war die
Hetze wert. Wir hatten sensationelles Filmmaterial im »Kasten«.
Geblieben sind ebenso ergreifende Eindrücke, die unvergessen bleiben.
Etwa in Peru. In Lima wurden wir von dem Einheimischen Ronaldo abgeholt,
der uns die folgenden Tage mit seinem Kleinbus von Lima nach Nazca lotste.
Als er uns am nächsten Tag vom Hotel abholte, führte er uns zu einer alten
Ruine gleich außerhalb der Metropole. Auf den Fundamenten einer früheren
Kultur hatten hier die Inka später ihre Wohnstätte errichtet. Auffallend ist, daß
die Prä-Inkamauern architektonisch perfekter gearbeitet sind als die darüber
gebauten Steine der Inka.
Von der Anhöhe eröffnete sich ein traumhafter Blick hinunter zum Strand
und zu den tosenden Wellen des Pazifik. Im Hinterland dagegen Wüstengebiet.
Es war Mittagszeit, und eine schweißtreibende Hitze stand uns im Gesicht. In
unserem Umfeld war es menschenleer, kein Tier war zu hören, kein Vogel zu
beobachten.
Ronaldo führte uns zu einer steinernen Plattform und erzählte, daß an
diesem heiligen Ort die Inka und ihre Vorfahren bestimmte Rituale vollführten,
um den Götten zu huldigen. Eine solche Zeremonie wolle er nun mit uns
vollführen. Dazu stellte sich unser fünfköpfiges Team mit Ronaldo um die
Plattform auf. Wir bildeten einen Kreis, kreuzten die Arme, gaben uns die
Hände und schlossen die Augen. Dann ertönten Worte in Quechua, der alten
Inka-Sprache. Ronaldo beherrschte sie fließend. Nach wenigen Minuten öffne­
ten wir die Augen und blickten zum Himmel empor. Es war beeindruckend:
Hoch über unseren Köpfen hatten sechs Falken einen Kreis gezogen. Als wir
darauf aufmerksam machten, lächelte Ronaldo wissend: »Das ist ein himmli­
sches Zeichen! Es soll euch zeigen, daß ihr mit eurer Suche nach Wahrheiten auf
dem richtigen Weg seid. Nützt die positive Kraft, die auf euer Vorhaben
ausstrahlt!«
Ein Anliegen, das wir gerne bis zur Ausstellungseröffnung beherzigten.
Einige Tage später in !ca kam es neuerlich zu einer unerwarteten Himmelser­
scheinung. Wir waren von den Strapazen des Tages bereits gezeichnet. Während
sich Kamaraleute und Fotograf müde in ihre Gemächer zurückzogen, waren
Dr. Katzinger, Ronaldo und einer der Autoren (K. 0.) noch zu einem kleinen
Umtrunk in der Stadt bereit. Auf dem Rückweg hielten wir mit dem Wagen an
und bestaunten ein beeindruckendes Himmelsphänomen. Um den Vollmond
zeigte sich ein schmaler, perfekt gezogener weißer Kreis. Eine selten beobachtete
Halo-Erscheinung - hervorgerufen durch Eiskristalle -, die für die Jahreszeit
eher ungewöhnlich war. Ronaldo zwinkerte uns zu: »Ein weiterer Wink des
Schicksals, der deutlich machen soll, euer Unternehmen steht unter einem
guten Leitstern! Folgt ihm, vertraut auf sein Glück, dann wird fast alles mög­
lich!«
Und so war es dann auch. Wie sonst ist es zu erklären, daß es uns durch
Vermittlung von Chefrestaurator lose Maldonado gelang, die seit Jahrzehnten
vermißten Restbestände der berühmten - wenngleich umstrittenen - Kollekti­
on des 1 982 verstorbenen Paters Carlo Crespi zu retten, zu restaurieren und in
Europa und Asien einem interessierten Publikum vorzustellen? Da mußten
schon mehrere Glückssterne behilflich sein. Mit Zustimmung der Katholischen
Ordensgemeinschaft der Salesianer in Cuenca sowie der Banco Central deI
Ecuador durften wir uns die attraktivsten Metallplatten, Keramiken und
Knochenfragmente ausleihen.
Die Überraschung kam nach der Lieferung. Wir
staunten nicht schlecht. In den verpackten Kisten
befanden sich zusätzlich noch zwei alte Bronze­
arbeiten (kaum bekannte Exponate aus der Crespi­
Sammlung) , die wir ursprünglich nicht auf unserer
Liste der Leihgegenstände vermerkt hatten. Jose
Maldonado ahnte offenbar, daß die Stücke eine wei­
tere Bereicherung für die Ausstellung sein würden,
und schickre sie einfach mit. Eine Platte zeigte das
Bild eines religiösen Würdenträgers in seinem
Zeremonialkostüm. Das andere Zeugnis verblüffte
uns noch mehr: Es stellte ein geflügeltes Mischwesen
dar. Ein menschlicher Körper mit Adlerkopf. In der
Hand hielt es einen Behälter oder eine Tasche mit
Henkel. Exakt dieses Bildmotiv entsprach dem Ex­
emplar eines assyrischen Marmorreliefs aus dem
9. Jahrhundert v. Chr. Für das Original aus dem
Britischen Museum in London hatten wir bereits die

Überraschung beim Auspacken der Kunstobjekte: Die


Banco Central schickte zusätzlich zwei seltene Bronzeplat­
ten aus der Pater-Crespi-Sammlung. Eine zeigt einen
Priester, die andere Platte trägt das Motiv eines geflügel­
ten Mischwesens. (Fotos: Reinhard Habeck)
1 127

Zusage. Leider mußten wir in diesem Fall ablehnen, einerseits aus Finanz­
gründen, anderseits aus taktischen Überlegungen. Nun wurde der Exponat­
wunsch - ohne unser ausdrückliches Einwirken - mit der Reliefplatte aus
Cuenca trotzdem erfüllt. Das war kurios. Aber es paßte.
Die Schwierigkeiten mit den Ausfuhrbedingungen der mysteriösen Stein­
obj ekte aus den Sammlungen Villamar und Sotomayor aus Tumbaco bzw.
La Mana in Ecuador wurden ebenso wunschgemäß geklärt. Selbst der schwere
»Weltkartenstein« mit den Umrissen der Kontinente sowie fremder Erdteile
(Atlantis? MU?) kam unbeschadet per Flugpost an.
Privatsammler aus Bogota in Kolumbien erteilten die Zustimmung, in der
Öffentlichkeit bisher nie gezeigte Schätze erstmals zeigen zu dürfen. Durchweg
Fundsachen, die sich keiner der bekannten Kulturen eindeutig zuordnen lassen.
Viele der reich modellierten Steine mit unbestimmten Darstellungen von Tie­
ren und Menschen sind nicht nur mysteriös, sondern auch Kunstwerke ersten
Ranges.
Als eines der attraktivsten Schaustücke entpuppte sich die Genetische Schei­
be aus Bogota. Sie ist genauso rätselhaft wie der berühmte Diskos von Phaistos in
Griechenland. Eine doppelseitige Reliefdarstellung zeigt eine Bildabfolge von
der Zeugung bis zur Geburt des Menschen in Analogie zum Werden eines
Frosches.
Die meisten Obj ekte stammen aus Privatsammlungen, doch haben sich
auch renommierte Museen bereiterklärt, Exponate zur Verfügung zu stellen.
Vor allem aus Quito das Museo Weilbauer der katholisch-päpstlichen Universi­
tät. Es steuert eindeutig als präkolumbisch datierte Keramikköpfe bei, deren
negroides Aussehen unbestreitbar ist. Wie aber gelangten Schwarzafrikaner
lange vor Kolumbus nach Südamerika? Und weshalb bekommt man solche
Exponate nicht öfters zu Gesicht? Daß sie existieren, konnten wir nachweisen.
Das Museo Aborigines in Cuenca, Ecuador, öffnete seine Vitrinen für uns
und gab prähistorische Tonfiguren für die
Präsentation frei. Wegen ihrer fremdarti­
gen Attribute liefern sie Anlaß für Speku­
lationen über frühgeschichtliche Astronau­
ten. Ähnlich merkwürdig anzusehen sind
die Dogu-Statuetten der vorgeschichtli­
chen Jom6n-Periode aus Japan, die das
Nagoya City Museum bereitstellte.
Die Beispiele ließen sich beliebig ver­
Eine Dogu-Statuette aus dem Nagoya mehren. Mit Unsolved Mysteries konnten
City Museum. (Foto: Nagoya City bzw. können wir die meisten davon erst­
Museum, Japan) mals in Europa und 2005 auch in Japan
1 28

präsentieren. Selbst in den jeweiligen Heimatländern waren die von uns vorge­
legten Schaustücke kaum bekannt und selten zu bestaunen. Unsere Sorge, wir
bekämen zu wenige Originalstücke aus den Archiven des Unerklärlichen, war
letztendlich unbegründet. Ein paar hundert Objekte konnten wir auftreiben.
Jedes einzelne zwingt zum Nachdenken und fordert zur Diskussion heraus.
Einige Exponate, darunter der Kristallkopf »E. T.«, die »Genetische Scheibe« ,
High-Tech-Werkzeuge, Skulpturen aus Westafrika und andere Steinrätsel, wur­
den im staatlichen Edelsteininstitut des Naturhistorischen Museums in Wien
mit modernsten Untersuchungsmethoden geprüft. Ein Verdacht auf Betrug
oder Irrtum konnte bei diesen Gegenständen mit Hilfe der wissenschaftlichen
Inaugenscheinnahme ausgeschlossen werden.
Aufgrund der ersten Presseberichte über die geplante Ausstellung hatten
wir einen erheblichen Zusatzstreß. Denn seit in der Sammlerszene bekannt
wurde, daß wir es bereits geschafft hatten, daß renommierte österreichische
Wissenschaftler etliche Objekte auf ihre Echtheit hin untersuchten, trudelten
täglich neue Angebote ein. Besitzer von unklassifizierbaren Obj ekten waren
vermehrt daran interessiert, daß auch ihre Stücke einmal unter die Lupe genom­
men würden.
Ein paar hundert Artefakte nach Material, Alter und Kultur zu klassifizie­
ren, würde sogar das Budget des Metropolitan Museum 0/Art sprengen. Es wäre
auch absolut vermessen, von uns zu verlangen, kompetent über alle gezeigten
Objekte eine einfache Auskunft geben zu können. Völlig abstrus jedoch wäre
die Erwartung, daß diese Auskunft auf einer wissenschaftlich gesicherten Basis
erfolgen könnte. Wir sind Autoren und Aus­
stellungsmacher, keine Wissenschaftler. Wir
wollen nicht belehren, sondern Ungereimt­
heiten der Menschheitsgeschichte aufzeigen.
»Die Ausstellung Unsolved Mysteries«, das weiß
auch unser wissenschaftlicher Berater Dr.
Katzinger, »konnte nicht von Wissenschaftern
konzipiert und organisiert werden, sonst wäre
sie in dieser Einmaligkeit und in ihrer fach­
übergreifenden Buntheit nie zustande gekom­
men.«
Ein Großteil der Relikte muß als noch
unerforscht eingestuft werden. Hier sind die
Experten der unterschiedlichsten Fachrich­
tungen gefordert, entsprechende Analysen vor­
Teufelsfratze aus Kolumbien (Foto: zunehmen. Die meisten Leihgeber haben uns
Bernhard Moestl und Autoren) ihr Einverständnis für eine solche Überprü-
1 129
fung gegeben. Wo sind die Spezialisten, die unvoreingenommen diese Heraus­
forderung annehmen?
Noch voll in den letzten Vorbereitungen, überstürzten sich die Ereignisse.
Eine betrübliche Alarmmeldung ereilte uns kurz vor der Eröffnungsfeier.
Bei einigen Sammlungen, insbesondere bei jenen aus Ecuador und Kolumbien,
machten die Behörden ernste Schwierigkeiten. Prähistorische Kulturgüter dür­
fen nicht so ohne weiteres außer Landes geschafft werden. Bei der Ausfuhrab­
teilung nahm man die fraglichen Stücke genauestens unter die Lupe. Einige
»Unsolved Mysteries« aus Kolumbien wurden als prähistorische Originale si­
chergestellt und mußten in Südamerika bleiben. Das betraf vor allem die
»Teufelsfratzen« und »zoomorphen Skulpturen« der Sammlungen Luz Miriam
Toro und Alonso Restrepo aus Kolumbien.
Wir hatten große Befürchtungen, daß die interessantesten Objekte, vor
allem die Steine von Prof Jaime Gutierrez, nicht gezeigt werden könnten. Doch
unser Glücksstern war uns abermals hold. Zeitverzögert trudelten die begehrten
Stücke in Wien ein. Manche mit belustigendem Kommentar. Unter den Expo­
naten befand sich ein Steinkopf einer unbekannten Dame, Priesterin oder
Königin. Das Besondere an ihr ist die charakteristische Kopfbedeckung. Sie
erinnert verblüffend an die berühmte Büste der Pharaonin Nofretete im Ägypti­
schen Museum in Berlin.
Wer hätte gedacht, daß Ägyptens bekanntestes Kunstwerk aus der Armana­
Zeit um 1 3 50 v. ehr. eine präkolumbische »Schwester« besitzt? Die Beamten in
der kolumbianischen Ausfuhrabteilung
bestimmt nicht. Es kam ihnen auch nicht
in den Sinn, daß möglicherweise frühe
kulturelle Kontakte zwischen Lateiname­
rika und dem alten Pharaonenreich be­
standen haben könnten. Sie wußten be­
stimmt auch nicht, daß 1 9 5 8 der fran­
zösische Ethnologe Prof. Marcel Homet
im Amazonasgebiet Inschriften unbe­
kannter Kulturen entdeckt hatte, die eine
Ähnlichkeit mit ägyptischen Hierogly­
phen erkennen lassen. Und vermutlich
sind ihnen ebenso viele Keramikfunde
entgangen, die orientalischen Einfluß
lange vor Kolumbus deutlich machen.
Dabei bräuchten die in Archäologie ge­
Kolumbischer »Pharao« schulten Beamten nur in ihr Museo
(Foto: Bernhard Moestl und Autoren) Nacional zu pilgern. In dem ehemaligen
1 30 I
Gefängnis in Bogota ist eine Schatzkammer der kolumbianischen Geschichte
eingerichtet. Dort sind zwei Kopfminiaturen zu sehen, die wegen ihrer Ähnlich­
keit mit einem Pharao genauso gut im Ägyptischen Museum von Kairo ausge­
stellt sein könnten.
Es durfte also nicht verwundern, daß für den Grund der Ausfuhrgenehmi-
gung die Erklärung war: »Sieht präkolumbisch und echt aus, kann
aber nicht sein, weil die Büste wie die ägyptische
Nofrete aussieht. «
Gezittert hatten wir ebenso um die ecuado­
rianischen Exponate, vor allem die beweiskräftige
Sammlung aus der Katholischen Universität in
Quito und die des Privatmuseums Aborigines in
Cuenca. Nur mit größtem diplomatischen Ge­
schick sowie dem persönlichen Einsatz seiner Ex­
zellenz Patricio Pa/acios, des Botschafters der Re­
publik Ecuador in Österreich, war es möglich,
daß der von uns bereits vorgestellte präkolum­
bische »Perry Rhodan«-Kopf samt Gefolgschaft
Ecuador verlassen durfte.
Kolumbianische »Nofretete« Wenige Tage vor Ausstellungseröffnung wa­
(Foto: Bernhard Moestl und ren unsere Nerven noch immer bis zum Platzen
Autoren) gespannt. Im Vorraum zum Ausgangstunnel kon­
frontierten wir Besucher mit offenen Fragen aus
dem »Labyrinth des Unerklärlichen« . Was war der Auslöser für die »Erfindung«
der Sprache, die Herstellung der ersten Werkzeuge und die Anwendung der
Schrift? Wohin steuert die menschliche Evolution? Wie weit werden Gentech­
nologie, künstliche Intelligenz und drastische Veränderungen der Umwelt die
ungewisse Zukunft der Menschheit bestimmen? Solcherart »Kopfnüsse« stan­
den im Raum.
Dazu zwei ungewöhnliche Exponate: Ein Fragment eines Mannes in Denker­
pose. Alter: 5000 Jahre, Valdivia-Kultur, Ecuador. Und ein präkolumbischer
Stein in Gestalt eines Hirns. Fleißige Arbeiter waren mit der Montage der
Lichttechnik beschäftigt, Vitrinen wurden aufgestellt, Alarmanlagen installiert,
Exponate auf ihre Plätze verwiesen. Es herrschte rege Hektik und emsiges
Werken. Bei einem unserer Kontrollgänge plötzlich der Schock: Der »Denker«
und der » Hirnstein« waren aus ihrem Schaukasten verschwunden - und für
Stunden unauffindbar. Dann die Erlösung: Ein diensteifriger Reinigungsgehilfe
hatte die Exponate kurzfristig entwendet und hinter einem Kasten versteckt.
Grund: Die Vitrine mußte gesäubert werden.
Nach drei Jahren zäher Vorbereitungszeit (davon eineinhalb Jahre Recher-
I 131

Sorgte kurz vor Eröffnung der Ausstellung


für Aufregung: Das Verschwinden des
Hirnsteines und des Denkers. (Fotos:
Bernhard Moestl und Autoren)

che ohne greifbare Erfolge) war es am 2 1 . Juni 200 1 endlich soweit. Die
Mystery-Pforte im Vienna Art Center wurde für das interessierte Publikum
geöffnet. Wir hatten alles Menschenmögliche unternommen, um Museen und
Sammler zu bewegen, ihre Schätze, die sich in kein historisches Schema einord­
nen lassen, für diese große Ausstellung zur Verfügung zu stellen. Unser Einsatz
wurde belohnt. Wir hatten es - allen Unkenrufen zum Trotz - tatsächlich
geschafft. Die Weltpremiere der ersten Ausstellung dieser Art, in der nahezu
500 »Schreckgespenster« der Wissenschaft gezeigt werden konnten, war ge­
glückt und übertraf die kühnsten Erwartungen.
Mit dem unwürdigen Schattendasein, das manche Kunstobjekte bis dahin
erdulden mußten, sollte es nun vorbei sein. Unzählige Meldungen in allen
Medien Österreichs, hunderte internationale Veröffentlichungen, Abertausen­
de Internetzugriffe auf unserer Homepage www. unsolved-mysteries. info. und
das rege Besucherinteresse bezeugten eindrucksvoll: » Unsolved Mysteries« ist
ein Thema, das uns alle berührt und fasziniert. Laien ebenso wie Experten oder
Skeptiker. Wie immer man zu den letzten Geheimnissen unserer Frühgeschich­
te stehen mag, die »grauen Zellen« werden in j edem Fall lebendig gehalten.
Dazu paßt abschließend die Stellungnahme eines hochrangigen Wissen­
schaftlers. Sein Name: Dr. Rudolf Distelberger, Direktor der renommierten
Wiener Schatzkammer und international anerkannter Edelsteinexperte. Er hat
persönlich einige zweifelhafte Stücke untersucht, bei denen der Vorwurf der
Fälschung bzw. neuzeitlichen Herkunft im Raum stand. Neider, Wichtigtuer
und Ignoranten hatten unsere aufrichtigen Bemühungen schlecht gemacht und
bösartig vor der Ausstellung gewarnt. Alles sei bloß ein »Bluff des Jahres und
nichts weiter als plumper Humbug« .
Dazu Dr. Distelberger im Klartext: »Das Fälscherargument ist zu billig. Bei
keinem Stück, das ich selbst untersucht habe, konnte ich einen Hinweis auf eine
Fälscherabsicht finden. Bei manchen Stücken könnte man sogar sagen, daß der
mutmaßliche Fälscher ein besserer Wissenschaftler hätte sein müssen als die
legitimierten Zweifler. Das heißt, er hätte Dinge wissen müssen, die erst nach
der Entstehung des Stückes Gegenstand der Forschung wurden. Trotz der
Überzeugung der Echtheit habe ich keine Erklärung für diese Obj ekte anzubie­
ten. Ich denke, die Wissenschaft verhält sich redlicher, wenn sie die Echtheit der
Stücke zunächst anerkennt, auch wenn ihre Existenz rätselhaft ist. Sie sind
vielleicht nicht unerklärlich, sondern nur zur Zeit ungelöste Probleme. Diese
Haltung würde die Forschung nicht ausschalten, sondern sie vielmehr beflü­
geln.«
Eine mutige Sichtweise, der wir uns gerne anschließen.
111. Teil

FOSSILIEN, DIE
NICHT INS SCHEMA
PASSEN
»Kühner, als das Unbekannte zu erforschen,
kann es sein, das Bekannte zu bezweifiln. «
J . Kaspar
11
Unerforschtes zur Erdgeschichte
Ungereimtheiten und unerwartete Entdeckungen

Von der Geburt der Erde (dem Beginn des Erdzeitalters) bis zur Gegenwart sind
mehr als viereinhalb Milliarden Jahre vergangen. Vor rund 3 , 8 Milliarden
Jahren entstanden in der Ursuppe der Ozeane die ersten Lebensformen. Für
unsere Vorstellungskraft ein unermeßlicher Zeitraum. Unser Planet gibt seine
Geheimnisse nur zögernd preis. Und je tiefer man in seine Geschichte vor­
dringt, desto mehr Fragen scheinen offen zu bleiben.
Wie wenig wir aus den Anfängen der Erdgeschichte wissen, zeigt das
Beispiel rotierender Steinkugeln unterschiedlicher Größe und Form. Ein Dut­
zend von ihnen wurde von Dr. John Hund aus Pietersburg in der Nähe von
Ottosdal, südwestlich von Johannesburg, Südafrika, gefunden. Ähnliche Arte­
fakte lagerten bis vor kurzem im Klerksdorp Museum, Northern Province.
Seitdem vor einigen Jahren im Museum eingebrochen wurde, werden die
mysteriösen Relikte vermißt.
Das Merkwürdige an den Steinen: Sie drehen sich ohne Fremdeinwirkung
langsam um die eigene Achse und zeigen eine unbegreifliche Präzision in ihrer
Balance. Forscher des Califlrnian Space Institute der Universität in Kalifornien
stellten bei Tests verblüfft fest, daß die Genauigkeit dieser Balance über die
Grenzen ihrer Meßtechnologie hinausreicht und nur wenige Hunderttausendstel
eines Inches (angelsächisches Längenmaß) zur absoluten Perfektion fehlen.
Niemand war bislang imstande, die Herkunft dieser mysteriösen Steine zu
klären. Die Vermutung, daß es sich um Meteoriten handeln könnte, wurde
durch eine NASA-Untersuchung einwandfrei widerlegt. Die Steine müssen von
der Erde stammen. Doch eine künstliche Herstellung solcher Gegenstände wäre
allein schon durch das hohe Alter undenkbar. Die Relikte können nur unter
Laborbedingungen in der Schwerelosigkeit entstanden sein.
Wenn dies nur bei Schwerelosigkeit möglich sein konnte und die Steine
nicht von außerhalb der Erde stammen, bleibt nur ein Platz übrig, an dem die
Bedingungen der Entstehung möglich sind: sie kommen aus dem Erdmittel­
punkt. Der Erdmittelpunkt ist der einzige irdische Ort, bei dem die Erdan­
ziehungskraft gleich Null ist. Was sich genau im Erdkern abspielt, wissen wir
nicht. Er soll aus zwei Teilen bestehen - einem inneren Kern aus festem Eisen
sowie einem äußeren Kern, der aus flüssigem Eisen und Nickel besteht. Vor
rund 3 , 5 Milliarden Jahren stiegen die leichten Silikate in Richtung Erdoberflä­
che hoch. Auf diese Weise bildeten sich der Erdmantel, der vergleichsweise
1 1 35
schwere Elemente enthält, sowie die Erdkruste, die sich aus leichteren Materialen
zusammensetzt.
Der Direktor des Californian Space Instituts erzählte Dr. Hund eine andere
Theorie. Sie besagt, daß sich womöglich etwas solides und massives im Erdkern
befinden könnte, das sich im Magma oder geschmolzenem Steinmaterial be­
wegt. Dieses solide Objekt könnte im Magma schwimmen und sogar die
Ausmaße eines kleinen Mondes haben. Es wäre möglich, daß dieser Körper
entweder kugelförmig oder elliptisch ist, analog zur Form der Steine.
Dr. Hund ist um seine Steine besorgt. Wahrscheinlich nicht ganz zu
untecht. Die NASA zeigte sich sehr interessiert und verblüfft über die Steine.
Wenn die Wissenschaftler hochempfindliche Kreiselkompasse mit solch einer
feinen Balance kreieren könnten (sie geben zu, daß ihnen so etwas bislang nicht
möglich ist) , wären sie in der Lage, präzisere Führungs- und Leitsysteme für ihre
Raketen und Satelliten herzustellen. Wen wundert es da noch, daß bereits das
amerikanische Militär die südafrikanischen »Schwebekugeln« ins Visier genom­
men hat? Das mag vermutlich der wahre Hintergrund dafür sein, weshalb
Dr. Hund seine ursprüngliche Zusage, uns die Steine für Unsolved Mysteries
bereitzustellen, wieder zurückzog.
Die rotierenden Kugeln sind nicht das einzige Rätsel aus der frühen Erdge­
schichte. Das größte aller Wunder bleibt das Leben selbst. Warum wurde aus
einem chemischen Cocktail »Leben«, lautet eine der elementaren Fragen, auf
die der menschliche Geist seit Menschengedenken eine Antwort sucht. Aus
Fakten und Spekulationen haben sich drei Thesen über unsere Herkunft gebil­
det, die sich nicht unbedingt gegenseitig ausschließen, aber doch noch immer
sehr kontrovers diskutiert werden.
Die erste These geht davon aus, daß es einen Schöpfergott gibt. Die
meisten Religionen und Mythen erzählen davon. Der biblische Schöpfungs­
mythos stützt sich auf einen allmächtigen Gott, der Himmel, Erde und Men­
schen (diese nach seinem Ebenbild) erschaffen hat.
Kam das Leben anderswoher? Das wäre die zweite These, die besagt, daß
das Leben im All entstand und bereits »fertig« hierher auf unseren Planeten
Erde kam. Schon im Altertum wurde in diese Richtung gedacht. So lehrte der
griechische Philosoph Anaxagoras um 500 v. Chr. , daß es im All von Leben
wimmle und die Erde nur ein »Empfänger« organischer Substanz aus dem
Kosmos sei. Diese Theorie der sogenannten Panspermie ließe sich mit manchen
Erkenntnissen der heutigen Astronomie und Astrophysik durchaus in Einklang
bringen.
Ein Fürsprecher dieser These ist der bedeutende englische Naturforscher
Sir Fred Hoyle an der Universität Cambridge. Er und andere Naturwissenschaft­
ler sind überzeugt davon, daß die biologische Evolution nicht aus einem rein
irdischen Rahmen heraus erklärt werden kann. Organische Substanzen aus dem
All sollen seiner Meinung nach auf die Erde gelangt sein und den Entwicklungs­
prozeß vorangetrieben haben. Als »Lebensbringer« werden kosmische Wanderer
aus Eis, Staub und Gasen genannt, die einst auf die Erde niedergingen -

Kometen. Sie sollen die Lebenskeime zur Erde gebracht haben.


Die dritte These sieht die Entstehung des Leben als eine Mischung aus
Zufall und Notwendigkeit, wobei das Leben ohne äußeres Zutun aus unbeleb­
ter Materie entsteht und über Jahrmillionen hinweg zu seiner heutigen Vielfalt
- einschließlich des Menschen - aufblüht. Wie sich aus den ersten primitiven
Urbakterien komplexe Organismen entwickelt haben, läßt sich nicht vollstän­
dig rekonstruieren, da es nur wenige Fossilien gibt, die älter als 570 Millionen
Jahre sind. Mit der Evolutionstheorie hat die Naturwissenschaft ein eindrucks­
volles Modell von der Entwicklung des Leben geschaffen. Aber die wenigen
Spuren, die die Forscher entdecken, geben nicht über alles Auskunft. Die
Evolution läßt sich nicht lückenlos rekonstruieren. Manchmal genügt ein einzi­
ger Fund, um bisherige Erkenntnisse ins Wanken zu bringen.
Nicht nur die Entstehung des Lebens bleibt geheimnisvoll. Gleiches gilt für
die großen Massenauslöschungen von Arten, die es in der Milliarden Jahre
währenden Entwicklungsgeschichte des irdischen Lebens immer wieder gege­
ben hat. Pflanzen und Tiere verschwanden oft aus bisher nicht bekannten
Gründen.
Die meisten weltweiten Massenextinktionen (Schwächung bzw. beinahe
Ausrottung einer Art) fielen in das Erdaltertum zwischen 570 und 2 5 0 Millio­
nen Jahren. Aus diesem Zeitalter sind drei große Massen(aus)sterben bekannt.
Eines der größten innerhalb der Meere ereignete sich vor mehr als 436 Millio­
nen Jahren. Dabei verschwanden Schalenkrebse und Stachelhäuter. Vor mehr
als 360 Millionen Jahren ereignete sich eines der gravierendsten Massensterben
von Fischen. Panzerfische und rochenähnliche Wirbeltiere wutden dezimiert.
Das letzte Massensterben des Erdaltertums folgte vor mehr als 2 5 0 Millionen
Jahren. Damals verschwanden mehr als 90 Prozent aller Meereslebewesen und
70 Prozent aller Landtiere, darunter viele Korallen und Moostierchen sowie die
letzten Trilobiten und sämtliche Gigantostraken (große räuberische Gliederfü­
ßer) . Ebenso ausgelöscht wurden riesenhafte Urspinnen, geflügelte primitive
Insekten, Urschaben, Urlibellen und altertümliche Ammoniten.
Auslöser für dieses gewaltige Massensterben dürfte ein Asteroid gewesen
sein. Das renommierte Wissenschaftsmagazin Science berichtete im Februar
200 1 , daß amerikanische Forscher Gasreste in kugelförmigen Kohlestoff­
molekülen entdeckten, die rund 2 5 0 Millionen Jahre alt sind. Die darin enthal­
tenen Edelgase Helium und Argon weisen eine andere Zusammensetzung von
Isotopen (Atome desselben Elements mit unterschiedlichem Atomgewicht) auf
1 1 37

Die Welt vor 350 Millionen Jahren: Pflanzen- und Tiere entwickelten eine ungeheure
Vielfalt. Nur wenige Arten überlebten die großen Massenauslöschungen in der langen
Entwicklungsgeschichte des irdischen Lebens. (Abbildung: Institut für Paläontologie, Wien)

als dieselben Stoffe in der Erdatmosphäre. Diese außerirdischen Gase dürften


von einem Asteroiden stammen, der lediglich einen Durchmesser von sechs bis
zwölf Kilometern aufwies. Daß der Einschlag globale Auswirkungen gehabt hat,
beweist die Tatsache, daß entsprechende Gasballons in ganz unterschiedlichen
Erdteilen gefunden wurden. Der Einschlag dürfte massive vulkanische Eruptio­
nen auf der ganzen Erdoberfläche ausgelöst haben. Ein großer Teil der Land­
masse (vor 290 bis 2 5 0 Millionen Jahren der zusammenhängende Urkontinent
Pangäa) soll, so vermuten die Wissenschaftler, damals mit Lava bedeckt gewesen
sem.
Durch walzenartige Auf- und Abströmungen im zähflüssigen heißen
Erdmantel begannen die auf der Erdoberfläche gleichsam schwimmenden Plat­
ten der Erdkruste zu zerbrechen, auseinanderzugleiten und sich immer weiter
voneinander zu entfernen. Wir nennen dies Kontinentalverschiebung. Wo solche
Kontinentalplatten aufeinanderstießen, entstanden Gebirge. Auch heute noch
sind die Platten in langsamer Bewegung, was immer wieder zu Erdbeben mit
furchtbaren Verwüstungen führt und in Gebieten aufeinanderprallender Konti­
nente auch Vulkanausbrüche bewirken kann.
Weitere Massenaussterben sind aus dem Erdmitteltalter bekannt: vor mehr
als 205 Millionen Jahren und vor rund 65 Millionen Jahren gegen Ende der
Kreidezeit. Das letztgenannte Ereignis wird als Dinosauriersterben bezeichnet.
Über das Verschwinden der Urzeitriesen, die sich bis dahin 1 70 Millionen Jahre
prächtig behauptet hatten, gibt es unzählige Theorien. Im Vergleich zum
1 38

Menschen, der sich laut Evolutionstheorie in nur wenigen Millionen Jahren


vom affenartigen Wesen bis zum heutigen modernen Homo sapiens entwickel­
te, hatten die Urzeit-Riesen enorm viel Zeit für ihre Weiterentwicklung. Wes­
halb wurde sie nicht genutzt? Hätten sich nicht Dinosaurier und andere Arten
ebenso zu hocheffizienten Lebewesen entwickeln können? Was wäre aus den
Riesenechsen geworden, wenn sie heute noch existieren würden? Mit diesen
Fragen beschäftigte sich Dr. Dale Russel vom Royal Museum ofCanada, Ottawa.
1 982 ließ er sich auf ein kühnes Gedanken-
experiment ein. Er hatte einen kleinen, flin­
ken und sehr raubgierigen Troodontiden aus
der oberen Kreidezeit, den Stenonychosaurus,
untersucht. Dabei spekulierte er, wie sich die
Evolution wohl auf die Saurier ausgewirkt
hätte. Seine Antwort war der Dinosauroide ­
ein dreiklauiger, dreizehiger, schwanzloser und
aufrecht gehender Dinosaurier mit einem gro­
ßen Gehirn.
Der Grund für das Aussterben der Sauri­
er ist aller Wahrscheinlichkeit nach auf ein
kosmisches Inferno zurückzuführen. Durch
Meteoriteneinschläge und Vulkanausbrüche
Was wäre aus den Dinosauriern dürfte die Erde vor 65 Millionen Jahren ein
geworden, wenn sie nicht ausge­ ziemlich ungemütlicher Ort gewesen sein.
storben wären ? Hätten sie sich zum Der 200 Kilometer umfassende Chicxulub­
intelligenten »Dinosauroiden« Impaktkrater in Mexiko auf der Halbinsel
entwickelt? (Foto: Dr. Dale Russel) Yukatan hat exakt dieses Alter und erinnert
an den Urzeit-Crash. Berechnungen ergaben,
daß die Katastrophe auf einen 1 0 bis 1 5 Kilometer großer Asteroid zurückzu­
führen ist, der mit einer Geschwindigkeit von 1 5 Kilometern in der Sekunde
auf den blauen Planeten zuraste und das Ende der Dinosaurier-Ära einläutete.
Mit der milliardenfachen Kraft der Arombombe von Hiroshima bohrte sich das
Geschoß aus dem Weltall in die Landschaft. Astronomen erklären beruhigend,
daß ein solcher Crash äußerst selten vorkommt - rein rechnerisch muß aber
ungefähr alle 1 00 Millionen Jahre mit einem Killer-Meteoriten gerechnet wer­
den. Wirklich erleichternd ist das nicht.
Damals jedenfalls hatte das Desaster enorme globale Auswirkungen auf das
Klima. Unsere fernen Säugetiervorfahren waren noch kleine Nager und führten
ein bescheidenes Dasein. Die neuen Umweltbedingungen kamen ihnen zugute,
sie setzten sich schließlich durch, und der Aufstieg der Säuger begann. Rund
60 Millionen Jahre sollte es aber noch dauern, ehe sich schließlich der Mensch
Der Chicxulub-Impaktkrater in Mexiko wird mit dem Aussterben der Dinosauer in Verbin­
dung gebracht. Der Krater ist an der Erdoberfläche nicht sichtbar, da er bis zu einem
Kilometer Mächtigkeit mit Schichten aus jüngeren Gesteinen (die jünger als 65 Millionen
Jahre sind) bedeckt ist. Das Foto ist ein modernes computergeneriertes Bild, das die
Schwerkraftanomalien dieser Gegend und das Vorhandensein der Kraterstruktur aufzeigt.
(Foto: Luna r and Planetary Institute, Houston, USA)

im Verlauf von drei bis sechs Millionen Jahren aus der Reihe der Primaten
entwickelt hatte. So jedenfalls sieht es die gängige Evolutionstheorie nach
Charles Darwin und nach ihm das Schulwissen unserer Zeit.
Ganz so konstant, wie es den Anschein hat, kann sich das Leben aber auf
der Erde nicht entwickelt haben . Durch drastische Veränderungen der Umwelt
und der ökologischen Lebensbedingungen kam es immer wieder zum Ausster­
ben von Arten sowie zu einem daraufhin folgenden sprunghaften Entstehen
neuer Lebensformen. Manche Angehörige von fast zur Gänze ausgelöschten
Gruppen überlebten dennoch und haben sich hinübergerettet bis in unsere
Gegenwart. Sie überdauerten aus verschiedenen, meist nicht klaren Gründen.
1 40 I

Wir bezeichnen solche »Überbleibsel« früherer Tier- und Pflanzenwelten als


»Lebende Fossilien«. Durch die Entdeckung und Untersuchung solcher Lebe­
wesen hat sich eine neue wissenschaftliche Disziplin begründet: die Kryptozoologie,
die Wissenschaft von den verborgenen und unbekannten Tieren.
Die Forscher können heute bereits auf einige erfolgreiche Studien verwei­
sen. Zu den bekanntesten Beispielen zählt die Wiederentdeckung des seltsamen
Coelacanthus, der uns als Quastenflosser zum Begriff geworden ist. Zuvor waren
die Wissenschaftler überzeugt gewesen, daß mit den Sauriern auch die Amphi­
bien der Vorzeit ausgestorben und in den Ozeanen nicht mehr nachweisbar
seien. Sie hatten sich geirrt. Das machte ihnen jener ungewöhnlicher Fund
deutlich, der im Jahr 1 938 das Licht der Öffentlichkeit erblickte: Ein fast zwei
Meter langer Knochenfisch mit beinartigen Flossen. Der Urfisch war vor der
südafrikanischen Küste im Indischen Ozean gefangen worden und landete auf
dem Fischmarkt. Eine Zoologin des dortigen Museums wurde beim Anblick
stutzig. Untersuchungen ergaben, daß das Fisch-Fossil zur Gruppe erster Wir­
beltiere gehört, die in
der grauen Vorzeit
den Schritt aus dem
Wasser gewagt hat­
ten, um danach eine
Entwicklung einzu­
leiten bis hin zur Ent­
stehung des Men­
schen. Erst 50 Jahre
nach diesem Fund
gelang es einem deut­
schen Forscherteam,
lebende Quastenflos­ Der » Quastenflosser« galt seit über 60 Millionen Jahre als
ser in ihrem kaum er­ ausgestorben. Heute wissen wir, der Urzeitfisch hat sich in die
schlossenen Lebens­ Gegenwart hinübergerettet. (Foto: Archiv Autoren)
raum im Indischen
Ozean zu filmen. 1 99 8 wurden auch vor Sumatra, Indonesien, quietschver­
gnügte Exemplare entdeckt.
Was also spricht dagegen, daß auf unserem Planeten nicht auch noch
andere Urzeitwesen überlebt haben und ihren Lebensraum mit dem Menschen
teilen? Die Königskrabben, auch Pfeilschwanzkrebse genannt, beweisen, daß es
heute noch Arten gibt, die bereits gemeinsam mit den Dinosauriern lebten. Die
Tiere mit dem »krebsähnlichen« Aussehens gehören zur Verwandtschaft der
Spinnentiere. Man findet sie im Wasser der Atlantikküste Nordamerikas. Der
Ursprung dieser seltsamen Tiere reicht bis in die Jurazeit vor rund 200 Millio-
1 141
nen Jahren zurück. Das Erstaun­
liche: Sie sind in ihrer Entwick­
lung bis heute nahezu völlig un­
verändert geblieben.
Wir kennen noch weit ältere
Urzeitüberlebende: Die sogenann­
ten Nautiloiden. Sie existierten be­
reits zu einer Zeit, als es noch gar
keine Dinosaurier gab: vor etwa
300 Millionen Jahren. Die Tiere
Sie lebten bereits gemeinsam mit den Sauriern: haben Kiemen und eine schnek­
Königskrabben, auch Pfeilschwanzkrebse ge­ kenförmige Schale, ähnlich den
nannt. (Foto: Naturhistorisches Museum, Wien) ausgestorbenen Ammoniten. Ihr
Lebensraum blieb unverändert:
heute wie damals tummeln sie sich an den Küsten des Pazifiks und Indischen
Ozeans.
Die Entdeckungen der Zoologie belegen, daß Urzeittiere wie die Brücken­
echse und andere Reptilien oder eierlegende Säuger wie das Schnabeltier sich bis
in unsere Gegenwart hinübergerettet haben. Sie teilen heute den Lebensraum
mit uns Menschen. Und wenn wir den Spieß umdrehen? Was wäre, wenn die
lange Erdgeschichte bereits menschliche oder menschenähnliche Geschöpfe
hervorgebracht hätte? Existierte womöglich bereits lange vor unserer Zeit eine
unbekannte Menschheit, die durch ökologische Katastrophen ausgestorben ist?
Eine solche Überlegung muß von der Fachwelt als Science-Fiction-Phantasie
betrachtet werden. Die Vorstellung etwa, daß Menschen und Dinosaurier zur
gleichen Zeit gelebt haben könnten, würde die Evolutionstheorie und unsere
Abstammungslehre komplett auf den Kopf stellen.
Wie aber sind dann j ene Funde zu bewerten, die es nachweislich gibt und
die auf weit ältere, noch früher lebende Menschen schließen lassen? In den
letzten 200 Jahren wurden viele Artefakte (künstlich hergestellte Gegenstände)
und menschliche Fußabdrücke wissenschaftlich dokumentiert. Sie wurden zum
Teil in geologischen Schichten des Erdmittelalters (vor 250 bis 65 Millionen
Jahren) oder - sogar noch weiter zurückreichend - des Erdaltertums (vor 375
bis 250 Millionen Jahren) gefunden.
Solche versteinerten »Unsolved Mysteries« konnten wir in einer weltweit
noch nie dagewesenen breiten Palette in unserer Ausstellung vorstellen. Es sind
durchweg Originale, keine Kopien. Die präsentierten Relikte vom Anfang der
Zeiten verwirren die Fachwelt. War alles ganz anders?
12
Forschung in Erklärungsnot
Kontroverse um versteinerte Fußabdrücke

Bei Laetioli (Tansania, Afrika) fand Mary Leakey 1 976 Fußspuren des menschli­
chen Vorfahren Australopithecus. Sie sind in vulkanischer Asche eingedrückt
und entstanden vor etwa 3 , 5 Millionen Jahren. Sie gelten gemäß der traditionel­
len Weltanschauung als die ältesten Fußspuren des Vormenschen.
Im krassen Widerspruch dazu stehen Fossilienfunde, die - wenn es sich um
authentische Abdrücke handelt - entweder die Existenz des Menschen um
Jahrmillionen vorverlegen oder die geologischen und paläontologischen Vor­
stellungen von der Länge und vom Ablauf der Erdzeitalter infrage stellen.
Entdeckungen dieser Art wurden weltweit gemacht. Im Jahre 1 93 1 berich­
tete der Geologe Dr. Wilbur G. Burroughs, daß er nordöstlich des Mount
Vernon, Kentucky (USA) , mehrere menschliche Fußabdrücke in Versteinerun­
gen gefunden hätte. Das Problem: die geologischen Gesteinschichten sind
250 Millionen Jahre alt.
Aus der Sichtweise unserer gängigen wissenschaftlichen Lehrmeinung ein
Ding der Unmöglichkeit. Eine solche grotesk wirkende Entdeckung muß
folglich als »Fälschung« eingestuft werden, bestenfalls noch als »Laune der
Natur« . Mittlerweile sind viele Funde dieser »unmöglichen Art« dokumentiert.
Man kann sie, so bequem es auch wäre, nicht mehr wegdiskurieren. Allein in
den USA wurden in mehreren Bundesstaaten fossile Fußspuren entdeckt, die
den Schluß nahe legen, daß bereits vor mehreren hundert Millionen Jahren
menschenähnliche Geschöpfe auf der Erde umherwandelten.
Entsprechende Fußabdrücke wurden 1 822 in Missouri entdeckt. Die
Forscher Henry Schoolcraft und Thomas Benton berichteten darüber in The
American Journal ofScience and Arts.
1 927 fand man in einer Flößschicht im Fischer Canyon, Pershing County
in Nevada, den Abdruck einer Sandale. Die Sohle ist so deutlich abgebil­
det, daß sogar Spuren einer Naht zu erkennen sind. Das Alter dieses
Abdrucks wurde an hand geologischer Datierung der kohlehaltigen Schicht
auf 1 60 bis 1 9 5 Millionen Jahre geschätzt.
Im Science News Letter wurden am 29. Oktober 1 93 8 weitere versteiner­
ten Fußspuren dokumentiert, die in Pennsylvania gefunden wurden.
Im Jahr 1 983 schrieben die Moskauer Nachrichten über den Fund eines
anscheinend menschlichen Fußabdruckes in Turkmenistan. Gleich dane­
ben befand sich der versteinerte dreizehige Abdruck eines Dinosauriers.
1 1 43
Alter der Gesteinsschicht: 1 5 0 Millionen Jahre! Professor Amannijazow,
korrespondierendes Mitglied der Turkmenischen Akademie der Wissen­
schaften, gab zu, daß der Abdruck einem menschlichen Fuß sehr ähnlich
sei, betrachtete ihn aber nicht als Beweis für die Koexistenz von Mensch
und Dinosaurier.

Aber wie erklärt sich dann das Phänomen? Wie konnte jemand in derart alten
Bodenschichten solche menschlichen Abdrücke hinterlassen? Ein gepanzerter
Dinosaurier mit menschenähnlichen Füßen wird wohl nicht als Lösungsvor­
schlag akzeptiert werden können.
Zur Gilde der ungewöhnlichsten Fußabdrücke, die je gefunden wurden,
zählen j ene im ausgetrockneten flußbett des Paluxy bei GIen Rose in Texas,
USA. Eine Springflut im Jahre 1 908 riß Kalkgestein teilweise auf und legte
Fußabdrücke frei. Die stummen Zeugen können dort immer noch bestaunt
werden. Aber Vorsicht, ein gemütlicher Ausflug ist die Wanderung im Paluxy
River keineswegs. Überall lauern extrem giftige Spinnen und Klapperschlangen.
Ein Biß seitens eines dieser Tierchen endet meist tödlich. Einer der Autoren
(K. D.) wagte kürzlich dennoch den gefährlichen Spaziergang vor Ort und
konnte sich einen persönlichen Eindruck von den Spuren machen. Mit 38 Zen-

Geologisch-fossiles Dokument aus Gien Rose in Texas. Saurierfährten und menschliche


Riesenfußspur in der gleichen geologischen Schicht. Wie ist das möglich ? (Foto: Dr. Cecil
und Lydia Dougherty)
Autor Klaus Dona im ausgetrockneten Flußbett des Paluxy. Hier lassen sich menschliche
Fuß abdrücke neben Saurierspuren entdecken. (Foto: Frank Martius)
timetern Länge sind die Abdrücke von enormer Größe. Hier muß einst in
grauer Vorzeit eine Riese unterwegs gewesen sein. Die fünf Zehen schließen die
Verwechslung mit einer ausgewaschenen Saurierfährte aus. Doch das ist nicht
die einzige Besonderheit. Mindestens ebenso merkwürdig ist der Umstand, daß
parallel dazu Spuren von einem Dinosaurier verlaufen. Beide Fährten befinden
sich nachweislich in der gleichen geologischen Schicht.
Nicht j eder hat die Möglichkeit, solchen Funden an Ort und Stelle überall
in der Welt nachzuspüren. Meist fehlen die Informationen über den genauen
Fundort, der sich nicht selten in unwegsamen Gelände befindet. Der beträcht­
liche finanzielle und organisatorische Aufwand, der damit verbunden ist, darf
ebenso nicht unterschätzt werden. Nicht zu vergessen, daß sich etliche Expona­
te in Privatbesitz befinden und daher normalerweise nicht zu besichtigen sind.
Andere Relikte wiederum gelten überhaupt als verschollen. Für uns Motivation
genug, um einige dieser fossilen Rätsel aufzustöbern. Es sind durchweg Funde,
die man meist nur vom Hörensagen kennt oder von denen man in grenz­
wissenschaftlicher Literatur gelesen hatte. Interessierte Laien wie Fachexperten
sollten ohne hohe Kosten die Möglichkeit haben, sich selbst über die Echtheit
solcher Fußstapfen eine Meinung zu bilden.
Dazu mußten aber erst einige der gesuchten Stücke aufgetrieben werden.
Viele davon befinden sich inzwischen im Besitz bibelfester Kreationisten. In
Amerika sehen sie strittige Funde, wie Fußabdrücke aus der Dinosaurier-Ära,
als wichtigste Indizien dafür an, daß die traditionelle Abstammungslehre falsch
sein könnte. Im Gegensatz zu den Evolutionisten glauben sie an eine göttliche
Schöpfung. Ihrem Weltbild zufolge gab es keine langsame Entwicklung und
damit keine Evolution.
Eine zugegeben recht eigenwillige Auslegung der Erdgeschichte. Doch
auch die Evolutions-Theorie ist, wie der Name bereits deutlich macht, eine
»Theorie«, die sich unbequeme Fragen gefallen lassen muß. Bis zum heutigen
Tag hält der Konflikt zwischen bei den Lagern unerbittlich an. Mit jedem neuen
Fund wird das bisherige Bild über den Stammbaum des Menschen gehörig
durcheinandergewirbelt. Zuletzt vor wenigen Jahren mit der Entdeckung des
»Millennium Man« aus Kenia, der den Ursprung des Menschen um einige
Millionen Jahre zurück in die Vergangenheit datiert.
Kritiker haben uns vorgeworfen, daß wir mit Unsolved Mysteries Werbung
für sektenartige Gruppierungen machen würden. Ein Vorwurf, der völlig ins
Leere geht. Wir haben nie bestritten, daß das Thema »Mystery« die unterschied­
lichsten Ideologien, Lehrmeinungen und Wissensgebiete berührt, die kontto­
vers diskutiert werden. Für die Realisierung des Projekts war es aber völlig
unerheblich, ob ein mysteriöses Schauobjekt sich im Besitz der Kreationisten,
Salesianer, Mormonen, Schamanen, Freimaurer, UFO-Forscher befindet oder
aus dem Kellerarchiv eines renommierten Museums stammt. Es ging uns immer
nur um das jeweilige archäologische Objekt, das unerklärlich ist oder zumindest
ungewöhnlich, unabhängig davon, bei welchem Leihgeber es aufbewahrt wird.
Aus diesem Grund sind wir unserem Freund und Kollegen Dr. Hans­
Joachim Zillmer dankbar. Er widmet sich forschend und literarisch seit vielen
Jahren den »Irrtümern der Erdgeschichte« und legte den Kontakt zum Creation
Evidence Museum. Es befindet sich nicht weit weg vom berühmten Dinosaur
Valley State Park im texanischen GIen Rose und hat etliche Fossilien in seiner
Sammlung, die wegen ihrer Charakteristik in den großen staatlichen Museen
keinen Platz finden. Der Direktor des Museums ist Dr. Carl Baugh, ein enga­
gierter Archäologe, der Ausgrabungen in der näheren Umgebung vornimmt
und dabei auf brisante Spuren gestoßen ist. Er willigte ein, uns für die Ausstel­
lung sechs herausragende Stücke im Original als Leihgabe zur Verfügung zu
stellen. Nicht nur das. Selbst gegen eine Überprüfung der strittigen Objekte
durch unabhängige Wissenschaftler hätte er keine Einwände.
Eines dieser besonderen Unikate ist eine Steinplatte mit einem fossilisierten
Schuhsohlenabdruck. Es befand sich bis vor kurzem noch im Privatbesitz von
Mrs. Mabel Meister. Gemeinsam mit ihrem vor gur zehn Jahren verstorbenen
Mann William J Meister hatte sie 1 968 ungefähr 43 Meilen nordwestlich von
Delta im Staat Utah diesen unglaublichen Fund gemacht. Die Maße des
Sohlenabdruckes: Länge 32, 5 Zentimeter, Breite 1 1 ,3 Zentimeter.
Die Entdeckung für sich allein gesehen ist schon ungewöhnlich. Ein Detail
am inneren Rand der Fußsohle lieferte die eigentliche Überraschung. Dort sieht
man deutlich einen zertretenen Trilobiten, ein urzeitliches Krebstier. Somit
scheidet eine ungewohnte zufällige Felsbildung als natürliche Ursache aus. Die
Verwirrung bleibt: Trilobiten lebten vor 570 Millionen Jahren. Spätestens mit
Beginn der Dinosaurier-Epoche, vor etwa 230 Millionen Jahren, starben sie aus
- folglich müßte der Abdruck älter als dieses Datum sein. Nach der Evolutions­
theorie und den konventionellen erdgeschichtlichen Zeitbestimmungen kann
es einen derartiger Abdruck gar nicht geben. Es gilt als unmöglich, daß zur
damaligen Zeit Menschen existierten, wo doch noch nicht einmal Säugetiere,
sondern nur Leben im Meer in Form von wirbellosen Kreaturen vorhanden war.
Wirbeltiere und Fische entwickelten sich nach orthodoxer erdgeschichtlicher
Zeitbestimmung erst wesentlich später, im Ordovizium, also vor 500 bis 440
Millionen Jahren. Folglich kann es sich bei dem Schuhsohlenabdruck nur um
eine »Fälschung« handeln, sagen Wissenschaftler, ohne einen prüfenden Blick
auf das Gestein zu werfen. Doch der Abdruck existiert und kann jederzeit
untersucht werden.
Einige Paläontologen vermuten, daß »menschlich« aussehende Fährten von
Dinosauriern stammen. Die ursprünglichen Krallenabdrücke der Riesenechsen
1 147

Schuhabdruck in Stein mit zertretenem Trilobit. Geschätztes Alter: Mehr als 350 Millionen
Jahre! (Foto: Dr. Carl Baugh)

seien durch Schlamm zugedeckt worden und hätten schließlich eine menschen­
ähnliche Fußform angenommen. Das mag vielleicht für das eine oder andere
Exemplar gelten, nicht aber für jene Abdrücke, die deurlich alle fünf Zehen
eines Menschen erkennen lassen. Eines dieser Exemplare stammt aus der Kreide­
zeit und ist unter der Bezeichnung Burdick-Fußabdruck bekannt. Der Abdruck
ist in einem soliden Fels eingebettet und wurde um 1 940 im Bereich des Paluxy
River entdeckt. Mit beachtlichen 47,4 Zentimetern Länge und 32 Zentimetern
Breite kann nur ein zweibeiniger Riese die Spur hinerlassen haben. In wissen­
schaftlichen Fachkreisen wird das heftig bestritten. Der menschliche Fußab­
druck gilt offiziell als »eindeutige Fälschung«, da der Abdruck allzu klar mit den
typischen Merkmalen eines menschlichen Fußes übereinstimmt. Im Jahre 1 990
durchgeführte Untersuchungen erbrachten aber ein anderes, erstaunliches Er-
gebnis. Nachdem der Geologe Dr.
Don Patton das Gestein in vier
Sektionsschnitte im Zehen- und
Fersenbereich zerlegte, zeigten Detail­
aufnahmen aus dem Schnitt, wie der
ursprüngliche Schlamm, heute fester
Kalkstein, um die Zehen geflossen
war. Die durch das Gewicht des Kör­
pers unter der Fußsohle verdichtete
Struktur des Untergrunds zeigt eine
deutlich dunklere Färbung im Ge­
gensatz zu den helleren ungestörten
Gesteinspartien. Dieser Schichten­
verlauf kann nur dann entstehen,
wenn punktuell Druck auf eine wei­
che Unterlage ausgeübt wird. Eine
Fälschung durch eine steinmetz­
mäßige Bearbeitung gilt daher als un­
wahrscheinlich.
In die gleiche Kategorie fällt eine
Steinplatte aus Kreidestein. In ihr ist
Die Analyse des »Burdick-Fußabdrucks« deutlich eine menschliche Hand mit
brachte Erstaunliches zutage. (Foto: gespreizten Fingern zu sehen. Der Ab­
Dr. Garl Baugh) druck wurde in den gleichen geologi­
schen Schichten gefunden, in denen
sonst nur Fährten der Dinosaurier anzutreffen sind. Der Handabdruck ist
erstaunlich gut erhalten und macht spezifische Bestandteile sichtbar: Umrisse
vom Daumennagel, Abdrücke des Gewebegeflechts zwischen Daumen und
Zeigefinger sowie Details, die der Mittelfinger beim Eindringen in den matschi­
gen Schlamm hinterlassen hat.
Dazu paßt das Relikt eines fossilisierten Fingers aus der Dinosaurier-Ära. Es
wurde in einer geologischen Schicht mit verschiedenen Fossilien gefunden, die
sich ebenfalls in der Nähe von GIen Rose in Texas befindet. Der offenbar
menschliche Finger ist völlig versteinert und besteht aus dem gleichen Kalkstein­
material wie die in diesem Gebiet vorkommenden Gesteinsschichten. Ein
Skeptiker, der das Fragment bei Unsolved Mysteries im Schaukasten erblickte,
meinte später spöttisch, daß sei »wohl ein Zapfen aus einer Tropfsteinhöhle«.
Eine unüberlegte Schlußfolgerung. Der längliche Gegenstand zeigt tatsäch­
lich die Struktur eines Fingers. Der Fingernagel ist komplett erhalten. Wer
kennt einen »Zapfen aus einer Tropfsteinhöhle«, der einen Fingernagel auf-
1 149
weist? Niemand. Eine Durchleuch­
tung mittels Röntgenstrahlen hat kei­
nen Unterschied im Vergleich zum
Finger einer lebenden Person erken­
nen lassen. Auffallend ist allerdings,
daß die Versteinerung etwa 20 Pro­
zent über der Größe heutiger Durch­
schnittswerte für Finger liegt. Das
Einzigartige an diesem Fund ist sei­
Fossilisierter Finger aus der Saurierepoche ne innere Struktur. Bei Untersuchun­
(Foto: Dr. Garl Baugh) gen wurden nicht nur die ursprüng­
lichen Knochen, sondern ebenso das
Knochenmark nachgewiesen. Es wur­
de durch natürliche Mineralien wäh­
rend der Einbettung in das weiche
Bodenmaterial ersetzt. Ein Prozeß,
der sehr plötzlich stattgefunden ha­
ben muß, da sonst eine Zersetzung
des Gewebes eingetreten wäre.
Die j üngste Entdeckung unge­
wöhnlicher Funde stammt aus Ko­
lumbien. Zwischen Bogota und dem
nordöstlich gelegenen Städtchen Villa
de Leyva herrschte vor mehr als hun­
dert Millionen Jahren ein reges Le­
ben. Das ganze Gebiet ist eine wahre
Fundgrube für Forscher. Überall stol­
pert man über versteinerte Überreste
von Meeressauriern, Ammoniten und
anderen Fossilien. Bei unserer ersten
Südamerika-Reise erzählte uns Prof
Röntgenbild des Fingers. Von der Größe Jaime Gutierrez, daß er in dieser Re­
abgesehen, kann man keinen Unterschied im gion vor einigen Jahren eine unge­
Vergleich zu dem Finger einer lebenden wöhnliche Steinplatte mit fossilisier­
Person erkennen. (Foto: Dr. Garl Baugh) ten Knochensegmenten gefunden
hätte. Sie vermitteln den Eindruck
menschlicher Hände, da deutlich fingerähnliche Strukturen erkennbar sind. Sie
sind in einem Stein fest verschmolzen. Zusammen mit diesen Fragmenten
wurden Fossilien und Relikte von Dinosauriern entdeckt, die in geologischen
Schichten mit einem Alter zwischen 1 00 und 1 30 Millionen Jahren angesiedelt
1 50 I

Auf dieser mindestens


1 00 Millionen Jahre
alten Steinplatte sind
Knochen fossilisiert,
die den Eindruck
menschlicher Finger
vermitteln.
(Fotos: Bernhard
Moestl und Autoren)

sind. Da es nach bisherigem Wissensstand ausgeschlossen ist, daß im Erdzeital­


ter der Dinosaurier Menschen existierten, stellt sich neuerlich die Frage nach
dem Ursprung solcher Fossilien.
Eine erste Untersuchung, die wir in Wien veranlaßten, bestätigte die
Echtheit der Versteinerung. Unklar ist, ob die darin befindlichen Segmente
tatsächlich menschlichen Ursprungs sein können oder von einer eigenwilligen
Urzeitechse stammen. Die Experten sind sich darüber keineswegs einig. Die
weitere Analyse des kuriosen Stückes brachte unterschiedliche Ergebnisse. Hof-
1 151
rat Dr. Reinhard Fous (Chefarzt der Bundespolizeidirektion Wien) und Prof Dr.
Windisch vom Anatomischen Institut der Universität Wien kamen zu dem
Ergebnis, daß es sich nicht, wie ursprünglich vom Finder vermutet, um zwei
Hände handelt, sondern um einen humanoiden rechten Fuß und um eine
humanoide Hand. Diese Fachleute beziehen sich auf einen einzelnen Knochen,
der nur bei »menschlichen« Gliedmaßen zu lokalisieren ist. Das Problem ist das
Zeitparadoxon. Anderer Ansicht ist deshalb Univ. Prof Dr. G. Forstenpointer
von der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Er hält es für wahrscheinlich,
daß es sich bei dem Fund um Knochen eines Reptils oder einer urzeitlichen
Echse handeln könnte. Das Problem: Es fehlen entsprechende Vergleichsobjek­
te für eine genaue Klassifizierung.
Noch etwas ist merkwürdig. Nicht weit vom Fundort entfernt, liegt das
Kloster Santo Ecce Homo. Es beherbergt Seltsamkeiten, die mit der Entdeckung
von Prof. Gutierrez im
Zusammenhang stehen
könnten. Tausende Gläu­
bige stiegen wohl achtlos
über die Fossilienteste
prähistorischer Tiere und
Pflanzen, die spanische
Mönche beim Bau des
Klosters im Jahre 1 620
als Dekoration einsetz­
ten. Dabei ist ihnen eini­
ges entgangen. Am Bo­
den sind Versteinerungen
Das Kloster Santo Ecco Homo hütet ein Geheimnis der von Kakao, Ananas, Avo­
Urzeit. (Foto: Klaus Dona) cados und anderer Früch­
te sowie Gemüse zu fin-
den. 1 00 Millionen Jah­
re alt sollen sie sein. Aber wer hätte diese Pflanzen zu einer Zeit, als Dinosaurier
die Welt beherrschten, kultivieren können? Eine prähistorische Echse wohl
kaum.
Wir haben noch weit ältere Hinweise, die auf menschliche Spuren schlie­
ßen lassen - vorausgesetzt, die Funde sind authentisch und die Datierungen
treffen zu. Im Journal Nature vom 2 1 . Juni 1 8 83 stand ein Bericht, aus dem
hervorgeht, daß die Union Medicale vom 2. Juni einen sensationellen Fund
präsentierte. Er sei von höchstem wissenschaftlichen Interesse, sobald sich die
Bestätigung der Echtheit herausstellen würde. Im Artikel heißt es:
»Beim Erschließen einer neuen Kohlemine in Bully-Grenay (Pas-de-Ca-
Besucher des Klosters können am Boden neben tierischen Fossilienresten ebenso verstei­
nerte Früchte entdecken. Wer war vor 1 00 Millionen Jahren in der Lage, diese zu kultivie­
ren? (Fotos: Klaus Dona)

lais, Frankreich) stieß man in der Kohleformation auf eine Höhle mit sechs
versteinerten menschlichen Skeletten - ein Mann, zwei Frauen und drei Kinder.
Man fand ebenfalls die Überreste von Waffen und Utensilien aus versteinertem
Holz sowie Stein. Ferner zahlreiche Fragmente von Mammutknochen und
Fischen. Eine zweite Höhle unterhalb dieser enthielt elf Körper von großer
Dimension, verschiedene Tiere und eine beträchtliche Anzahl von verschiede­
nen Objekten zusammen mit Edelsteinen. Die Wände waren mit Szenen von
Kämpfen zwischen Menschen und gigantischen Tieren bemalt. Die fossilisierten
Körper wurden an die Oberfläche gebracht, und fünf von ihnen werden im
Rathaus von Lens ausgestellt. Die anderen Knochen werden nach Lille gebracht
und dort von der Faculte des Sciences untersucht. Telegramme mit den Informa­
tionen wurden an die Academie des Seien ces de Paris und an das British Museum
gesandt. Experten werden zu den Untersuchungen erwartet.{(
Wir erhielten diesen Bericht vor einigen Monaten von Patricia Mason und
John Bright aus den USA. Wir werden uns bemühen, nähere Informationen
über den Verbleib der fossilen Schätze ausfindig zu machen.
Menschen, eingebettet in steinaltem Kohlegestein? Das würde auf ein
geologisches Alter von sagenhaften 3 5 0 bis 280 Millionen Jahren hindeuten.
Über einen ähnlichen Fall berichtete die Zeitschrift The Geologist in ihrer
Dezember-Ausgabe des Jahres 1 862. In einem Artikel werden menschliche
Überreste erwähnt, die auf einem Kohleflöz im County Macoupin in Illinois,
USA, entdeckt wurden. Die aufgefundenen Knochen lagen in 28 Metern Tiefe
und waren von einer 60 Zentimeter dicken Schieferschicht bedeckt: »Die
Knochen waren von einer Kruste aus hartem, glänzendem Material überzogen,
das so schwarz war wie die Kohle selbst, die Knochen aber weiß und in
1 1 53
natürlichem Erhaltungszustand beließ, sobald es abgekratzt wurde. « Das unlös­
bare Problem ist wieder der Zeitfaktor: Die Mitte des 1 9 . Jahrhunderts abge­
baute Kohle im Macoupin County ist nämlich zwischen 320 und 286 Millio­
nen Jahre alt!
Ein anderes Beispiel, bei dem die Präsentation fossiler Überreste möglich
ist, betrifft eine ganze Sammlung menschlicher Knochen, Schädel platten und
Schädel, die vor über 22 Jahren in Gesteinsschichten aufgefunden wurden. Der
amerikanische Journalist Ed Conrad bemüht sich seit 20 Jahren redlich, Wissen­
schaftler dafür zu gewinnen, de­
taillierte Untersuchungen an den
Streirobj ekten vorzunehmen.
Bislang leider ohne Erfolg. Im
Mai 2002 besuchte einer der
Autoren (K. D.) Ed Conrad in
Shenandoah, Pennsylvania, USA.
Bei der Gelegenheit wurden ver­
schiedenste Obj ekte geprüft und
die attraktivsten Stücke für die
Fortsetzung von UnsoLved Myste­
ries in Interlaken/Schweiz und
Der Journalist Ed Conrad ist im Besitz mehrerer in Japan reserviert.
menschlicher Knochenfragmente, die aus Hunder­ Das interessanteste Exponat
te Millionen Jahre alten Kohleschichten stammen. ist ein etwa 5 0 0 Kilogramm
(Foto: Klaus Dona) schwerer Stein, in dessen Ober­
fläche sich ein fossilisierter
menschlicher Skelettschädel be­
findet. Wenn man auf die Schä­
deldecke klopft, merkt man, daß
er innen hohl ist. Ed kratzte von
diesem Schädel Material ab und
ließ es einen Arzt an das MedicaL
Research Center zur Untersu­
chung einsenden. Das Ergebnis
war erstaunlich: Menschliches
Knochenmaterial und getrockne­
tes Blut! Wenige Tage, nachdem
Ed das Resultat auf seiner Web­
Site publizierte, und offenkun­
Im Profil: Fossilisierter Schädel eines Riesen in dig wurde, daß die Knochen aus
Stein eingebettet (Foto: Ed Conrad) einer hunderte Millionen Jahre
alten Kohleschicht stammen könnte, widerrief das Medica! Research Center seine
ursprünglich gemachte Aussage. Der Verdacht liegt nahe, daß niemand offiziell
zugeben kann, daß der Mensch als Gattung bereits vor über 280 Millionen
Jahren gelebt haben könnte. Wer das tut, gibt sich der Lächerlichkeit preis und
setzt seine berufliche Karriere aufs Spiel.
Fossilien-Forscher Dr. Zillmer, der ähnliche Funde untersucht hat, nennt
den Grund dafür geradeheraus: »Versteinerte Lebensspuren aus Erdschichten,
die der Chronologie der Erde und des Lebens widersprechen, müssen aus
wissenschaftlicher Sicht schlicht geleugnet oder kategorisch als Fälschungen
deklariert werden. Sollte nur ein einzelner dieser scheinbar kuriosen Funde als
authentisch nachgewiesen werden, dann handelt es sich nicht einfach um die
berühmte Ausnahme von der Regel, dann würde unsere Vorstellung vom
langsamen Walten der Zeit und deren Einteilung in die geologische Zeitskala zu
einem Muster ohne Wert. «
Die Konsequenz daraus: Unser schulwissenschaftliches Weltbild würde wie
ein Kartenhaus in sich zusammenstürzen . . .
13
Handwerkliche Gegenstände aus der Urzeit
Das Zeitparadoxon und ein
vorsintflutlicher Hammer

Sind die urzeitlichen Wälder, aus denen wir Kohle gewinnen, schon von
Menschen bewohnt und bearbeitet worden? Haben sie Dinosaurier gejagt?
Traditionelle Paläontologen verneinen dies energisch. Doch es existieren neben
Versteinerungen menschlicher Fußabdrücke noch jede Menge weiterer Belege
für diese erstaunliche Behauptung. Vor allem Gegenstände, die bei ihrer Ent­
deckung in Kohle eingeschlossen waren, stellen ein unerklärliches Phänomen
dar. Sie wurden an falschen Orten oder in falschen geologischen Zeiten gefun­
den. Wir nennen solche Objekte »Ooparts«, die an der Zuverlässigkeit unseres
gängigen Geschichtsbildes zweifeln lassen.
Wie gelangt ein eiserner Fingerhut in uraltes Gestein? Das fragte sich auch
ein Ranger, der um das Jahr 1 8 80 in den Bergen von Colorado, USA, Kohle
abbaute. Das Material stammte aus einem Schacht, der 90 Meter in die Tiefe
führte. Jeden Tag nahm er davon eine Fuhre Kohle mit nach Hause. Daheim
stellte er fest, daß die Kohlestücke zu groß zum Verbrennen waren. Er zerklei­
nerte einige davon - und heraus viel ein eiserner Fingerhut. Das seltsame Arte­
fakt wurde in der näheren Umgebung bald als »Evas Fingerhut« berühmt. Das
Metall erwies sich als sehr bröckelig. Schließlich ging das Fundstück verloren.
Die Kohle, aus welcher der Gegenstand herausfiel, entstand zwischen der
Kreidezeit und dem Tertiär, also vor rund 70 Millionen Jahren. Was geschah
damals auf der Erde, als dieser Gegenstand allem Anschein nach hergestellt
wurde?
Ein weiterer Eisengegenstand, der an seinem Fundort eigentlich nichts zu
suchen hatte, wurde 1 844 untersucht. Als ein etwa 60 Zentimeter langer
Steinblock aus dem Steinbruch Kingoodie in der Nähe von Dundee, Schottland,
von einem weichen Lehm, der ihn umgab, befreit wurde, fand sich dort, wo
Gestein und Lehm zusammentraf, ein rostiger Eisennagel. Das Gestein, das den
Nagel umschloß, wurde mit 60 Millionen Jahren datiert. Ein ähnlicher Eisen­
nagel wurde 1 8 5 1 in Kalifornien gefunden. Er steckte in einem Quarzbrocken.
Unerwartete Entdeckungen dieser Art werden heute ebenso gemacht. Jüng­
stes Beispiel ist eine Metallschraube, die teilweise aus einem Gesteinsbrocken
herausragt. Gefunden wurde das mysteriöse Stück in der Region des Berges
Mazong, an der Grenze der Provinzen Ganzu und Xij iang, in China. Experten
1 56

des National Land Resources Bureau, des Colored Metal Survey Bureau der
Provinz Ganzu sowie andere namhafte Institute untersuchten das Relikt. Plausi­
ble Erklärungen fehlen.
Das gilt ebenso für einen eisernen Becher, der ein besonders auffälliges
» Ooparts«-Beispiel darstellt. Bei Unsolved Mysteries wurde das Artefakt erstmals
öffentlich präsentiert. Es gibt eine eidesstattliche Erklärung hierzu, aus der
hervorgeht, daß der Becher bei seiner Auffindung in einem Klumpen Kohle­
gestein eingebettet war. In dem beglaubigten Dokument vom 27. November
1 948, das in Sulphur Springs, Arkansas, USA, vom
Finder Frank Kennard stammt, wird der ungewöhnli­
che Vorfall bezeugt:
» Während ich 1 9 1 2 für die Municipal Electric Plant

(Anrn. : Städtische elektrische Einrichtung) in Thomas,


Oklahoma, arbeitete, stieß ich auf einen soliden Brok­
1912 aus einem Brocken ken aus Kohle, der zu groß war, um ihn weiter zu
Kohle geborgen: ein verwenden. Ich brach ihn mit einem Vorschlagham­
Eisenbecher (Foto: mer auseinander. Dabei fiel dieser eiserne Topf aus
Dr. Carl Baugh) dem Inneren des Brockens und hinterließ seinen Form­
abdruck in einem Stück aus Kohle. Jim Stull (Anrn. :
ein Angestellter der Firma) war Augenzeuge in dem Moment, als das Gestein
aufgebrochen wurde, und sah ebenfalls den Topf herausfallen. Ich versuchte den
Ursprung der Kohle herauszufinden und stellte fest, daß sie aus der Oklahoma
Mine in Wilburton stammt.
Sign. Frank Kennard«
Gelegentlich wurden auch Kunst- und Goldgegenstände in Kohle oder
Felsgestein gefunden. Viele solcher Begebenheiten sind aus dem 1 9 . Jahrhun­
dert dokumentiert. Bei der Sprengung eines Felsbrockens in Dorchester, Massa­
chuseus, USA, machten Arbeiter eine ungewöhnliche Entdeckung. In den
Steinen fanden sich zwei Bruchstücke eines Metallgegenstandes. Zusammenge­
setzt ergaben sie ein glockenförmiges Gefäß von etwa elf Zentimetern Höhe
und einem Durchmesser von 1 6 Zentimetern. Es schien aus einer Silber­
legierung zu bestehen. An den Seiten befanden sich nach einem Bericht vom
5 . Juni 1 8 52 in der Zeitschrift Scientific America » . . . sechs Figuren einer Blume
oder eines Blumenstraußes, die mit reinem Silber wunderschön eingelegt wa­
ren, und um den unteren Teil des Gefäßes war eine Weinranke oder ein Kreuz
ebenso mit Silber eingelegt. Das Anfertigen, Schnitzen und Einlegen wurde von
einem kunstfertigen Handwerker außerordentlich gekonnt ausgeführt. Dieses
seltsame und unbekannte Gefäß wurde aus dem kompakten Felsgestein etwa
4,5 Meter unter der Erde herausgesprengt. «
E i n anderer Fall i s t aus der Stadt Morrisonville im amerikanischen
1 1 57
Bundessstaat Illinois bekannt. Frau S. W Clup schaufelte gerade Kohlen, als ein
Klumpen aufbrach und eine darin befindliche Goldkette von acht Karat ans
Tageslicht gelangte. Das war im Juni 1 89 l .
Fast fünfzig Jahre davor, im Juni 1 844, hatten Arbeiter in Rutherford-Mills,
England, einen Goldfaden entdeckt. Beim Sprengvorgang in einem Steinbruch
kam er in zweieinhalb Metern Tiefe zum Vorschein. Er lag eingebettet in einen
mehrere Millionen Jahre alten Granitblock. Dieser Goldfaden wurde später als
künstlich hergestellt identifiziert.
Etliche solcher Fallbeispiele wurden von der Creation Research Society (zu
deutsch: Schöpfungs-Forschungsgruppe) gesammelt. Vordergründig wohl aus
religiöser Überzeugung. Kreationisten suchen bekanntlich nach Belegen, die
das konventionelle Weltbild über die Entwicklung der Arten widerlegen sollen.
»Ooparts« und verwirrende Ungereimtheiten in der Evolutionsgeschichte sind
ihnen bei diesen Bemühungen sehr willkommen. 1 976 veröffentlichten sie in
ihrem Magazin die Beschreibung
eines Löffels, der 1 937 in »weicher
Kohle in Pennsylvania, USA«, ent­
deckt worden war.
»Der Löffel wurde in einer
Masse bräunlicher Asche gefunden,
wie sie beim Verbrennen eines gro­
ßen Kohlestücks entsteht. Als die
Asche berührt wurde, fiel sie aus­
einander und gab den Löffel frei
. . . , es könnte sich hierbei in der
Tat um ein Relikt aus der Urzeit
handeln. «
Einer der bekanntesten Ge­
genstände aus der Galerie skurriler
erdgeschichtlicher Funde ist der
sogenannte »Hammer von Texas« .
I n der Literatur kennt man ihn
ebenso als The London Artefakt.
Nicht die Hauptstadt Großbritan­
niens ist hier gemeint, sondern der
Fundort London im texanisehen
Kimball County, USA. Während Zwei historische Aufnahmen des »Hammers von
einer Wanderung im Juni 1 934 Texas«, der 1 934 in 140 Millionen Jahre alten
stieß die damals 32-j ährige Emma Gesteinsschichten entdeckt wurde.
Hahn mit ihrer Familie auf das ei- (Fotos: Dr. Garl Baugh)
gentümliche Relikt. Aus einem Felsbrocken ragte ein Stück Holz hervor. Neu­
gierig begutachtete man das seltsame Obj ekt und versuchte es freizulegen.
Dann das Unbegreifliche: Das Holz entpuppte sich als Holzstiel eines Hammers!
Staunen und ungläubiges Kopfschütteln überkam die arglosen Wanderer. So
etwas konnte es doch nicht geben. Denn das Gestein, in dem der Hammer
eingeschlossen war, mußte ein Alter von vielen Millionen Jahren aufweisen.
Eine urzeitliche Epoche, in der - unserem Weltbild zufolge - kein menschliches
Leben existiert haben kann. Wer aber sollte sonst dieses Werkzeug angefertigt
und liegengelassen haben, wenn nicht ein Mensch?
Heute wird der Hammer von Verfechtern der Schöpfungslehre als eines der
wichtigsten Indizien gegen Darwins Evolutionslehre ins Feld geführt. Im Creation
Evidence Museum hat das wundersame Ding sein Zuhause gefunden. Museums­
direktor Dr. Carl Baugh
ließ sich dazu überreden,
den angeblich vorsintflut­
lichen Hammer erstmals
außerhalb von Texas zu
zeigen, und stellte ihn als
Leihgabe für Unsolved
Mysteries zur Verfügung.
Der Hammerkopf ist un­
gefähr 1 5 Zentimeter lang,
sein Durchmesser beträgt
drei Zentimeter. Der höl­
Röntgenaufnahme des Hammerkopfes. Sie zeigt eine zerne Stiel ist in seinem
homogene Struktur des Stahls ohne Verunreinigungen. Inneren zum Teil verkohlt,
Er besteht aus reinem Eisen. (Foto:Dr. Garl Baugh) und am unteren Ende
scheint er abgesägt wor­
den zu sein. Die kreidezeitliche Sandstein-Formation, in der das Relikt gefun­
den wurde, wird von Geologen auf mindestens 1 40, eventuell sogar auf 400
Millionen Jahre geschätzt.
Skeptiker hingegen halten es für viel wahrscheinlicher, daß ein Bergarbeiter
im 1 9 . Jahrhundert das Werkzeug verloren hatte. Später sei es dann vom
Sedimentgestein umschlossen worden. Wie das in der Praxis funktioniert haben
soll, bleibt allerdings offen. Die Kombination von Verkohlung und Versteine­
rung ist wissenschaftlich nicht zu erklären. Es gibt auf der ganzen Welt kein
vergleichbares Objekt. Eine 1 989 durchgeführte Analyse durch das metallurgi­
sche Institut BateLLe Memorial Laboratory in Columbus, Ohio, USA, verstärkte
die Verwirrung um das geheimnisumwitterte Objekt. Demnach ist das metalli­
sche Oberteil des Fundstückes aus 96,6 Prozent Eisen, 2,6 Prozent Chlor und
1 1 59
0,74 Prozent Schwefel zusammengesetzt. Die Chemiker stellten zudem ver­
blüfft fest, daß das Metall keine Spuren einer Verunreinigung aufweist und fast
zur Gänze aus reinem Eisen besteht, das nicht rostet. Röntgengenaufnahmen
und magnetische Prüfverfahren bestätigten, daß keine Unregelmäßigkeiten im
Material erkennbar sind. Anders ausgedrückt: Eine solche Qualität kann be­
stenfalls industriell erreicht werden.
Damit eröffnen sich mehr Fragen als Antworten. Ist der Hammer ein
neuzeitliches Stück? Dann können die geologischen Altersbestimmungen des
Gesteins nicht stimmen. Paßt das geologische Alter von 1 40 Millionen Jahren?
Dann muß j emand aus dieser Epoche den Hammer angefertigt haben. Eine
Überlegung wäre die Vermutung, daß es bereits damals eine uns unbekannte
Spezies gegeben hat, die solche Werkzeuge imstande war anzufertigen: men­
schenähnliche Geschöpfe, gewiß keine Urzeitechsen.
Eine andere phantastisch anmutende These zieht die Möglichkeit in Be­
tracht, daß vielleicht ein fremder Besucher aus dem Kosmos bei seiner
Erderkundung den Hammer dereinst liegen gelassen hat. Über solche kühnen
Gedankenspiele können etablierte Naturwissenschaftler wie Univ. Doz. Dr.
Bernd Lötsch, Generaldirektor des renommierten Naturhistorischen Museums
Wien, freilich nur milde schmunzeln. Sein Kommentar zu den fossilen Rätseln:
»Diesen Hammer, der angeblich 1 40 Millionen Jahre alt sein soll, halte ich für
Humbug. Ich meine, mit so einer Behauptung überfordern sie j eden Schul­
wissenschaftler. Niemand kann glauben, daß dieses Stück vielleicht ein Astro­
naut, der aus einem anderen Sonnensystem vor vielen Jahrmillionen hier gelan­
det sei, vergessen hat. Wenn es ein Astronaut aus einem anderen Sonnensystem
wirklich bis zur Erde schafft und dann ein technologisches Detail vergißt, dann
ist es sicherlich kein so armseliger Hammer. Mit einer derart primitiven Techno­
logie würde er nicht weit kommen.«
Prof. Lötsch hält auch die menschlichen Fußabdrücke neben Saurierspuren
für Unsinn: »Da haben wir wirklich einen Standpunkt, wo wir sagen, das nicht
sein kann, was nicht sein darf. Allerdings, wenn die zu klärende Frage einer
experimentellen Überprüfung zugänglich ist, dann ist der geborene Wissen­
schaftler derjenige, der sagt, bevor ich lange herumrede, probiere ich im Experi­
ment lieber aus, ob das Unmögliche nicht doch möglich ist.«
Strenge Wissenschaft und Spekulationen lassen sich eben nur schwer unter
einen Hut bringen. »Das Grundprinzip der Wissenschaft ist die Nachprüfbar­
keit, und die erreichen wir am einfachsten durch Messen, also ist j ede Theorie
durch messen zu untermauern. Alles was nicht meßbar ist, muß im Experiment
meßbar gemacht werden« , bekräftigt auch unser fachkundiger Berater
Dr. Willibald Katzinger. Der Wissenschaftler schränkt aber ein: »Die Frage ist
nur, ob das wirklich die einzige denkbare Methode der Erkenntnis ist?«
1 60 I
Direktor Katzinger geht noch einen Schritt weiter und fragt angesichts der
vielen »Unsolved Mysteries«, ob unsere Wissenschaft überhaupt dazu taugt, alle
Fragen des Lebens unvoreingenommen zu beantworten. »Hier sind wohl andere
Parameter maßgebend, Kriterien, die sich nicht an der Forderung Galileis
orientieren, daß alles meßbar sein muß«, betont der Gelehrte und stellt die
berechtigte Frage: »Wo sind die Maßstäbe für Geist, Seele oder Kreativität?«
»Es gibt natürlich Grenzfälle, wo man sagen muß, entweder j emand landet
mit einer irrwitzigen These im Irrenhaus, oder er bekommt den Nobelpreis.
Viele wegweisende Durchbrüche in der modernen Forschung, die unser wissen­
schaftliches Weltbild geformt haben, sind mehrheitlich durch Außenseiter ge­
macht worden und nicht durch fachkundige Insider«, räumt ebenso Prof.
Lötsch offen ein, rät aber gleichzeitig dringend dazu, »die Psychologie der
Anhänger von bestimmten Theorien zu untersuchen, also ihre Fähigkeit zur
selektiven Wahrnehmung zu hinterfragen« . Das bedeutet: »Jemand hat zu
einem bestimmten Thema oder einer Behauptung bereits eine vorgefaßte Mei­
nung. Man nimmt nurmehr Dinge wahr, die zu dieser vorgefaßten Meinung
passen. Nur j ene Indizien werden ausgewählt, die einem zur Stützung seiner
Überzeugung genehm sind. Anderes wird ignoriert oder eben nicht wahrge­
nommen. «
Eine Schelte, die sich viele esoterische Phantasten z u Recht gefallen lassen
müssen, wenn abenteuerliche Theorien vorgebracht werden. Doch etablierte
Wissenschaftler sind von solchen Fehleinschätzungen keineswegs ausgenom­
men. Sie müssen sich ebenso den Vorwurf gefallen lassen, daß sie bestimmte
Wahrnehmungen, etwa Fundsachen aus der Welt des Unerklärlichen, schlicht
leugnen oder unterdrücken, wenn diese nicht ins gängige Schema passen.
Dieser Konflikt erklärt die gegenseitigen Animositäten zwischen Esoterik und
Naturwissenschaft. Produktive Lösungen, die beide Lager versöhnen könnten,
sind derzeit nicht in Sicht.
Mit der Wander-Ausstellung Unsolved Mysteries stellen wir (vermutlich
weltweit) einen erstmaligen Versuch dar, diesen Teufelkreis wenigstens ansatz­
weise zu durchbrechen. Neben der Präsentation für interessierte Besucher ver­
folgen wir mit unserem Projekt noch ein anderes hochgestecktes Ziel. Da es uns
gelungen war, bei der Premiere in Wien nahezu 500 archäologische Anomalien
aus aller Welt an einem Ort zusammenzutragen, sollte es Wissenschaftlern
somit leichter gemacht werden, die strittigen Objekte zu untersuchen. Kritiker
hatten bislang die Existenz solcher Funde angezweifelt oder zumindest die
Echtheit infrage gestellt, weil die ungeklärten Objekte nicht für eine wissen­
schaftliche Prüfung zur Verfügung stünden. Mit der Realisierung der Ausstel­
lung war dieses Argument nicht mehr gültig. Wissenschaftler waren herzlich
dazu eingeladen, die gezeigten Schaustücke zu analysieren. Das Angebot gilt
1 161
immer noch, denn die meisten Leihgeber sind dazu bereit. Es liegt in unser aller
Interesse herauszufinden, ob fragliche Gegenstände wie der »fossile Hammer«
und andere Mysterien als echt und antik eingestuft werden können, als neuzeit­
lich betrachtet werden müssen oder ein unbekannter Fälscher der Urheber ist.
Einige renommierte Wissenschaftler folgten unserem Aufruf und nahmen
Untersuchungen im Naturhistorischen Museum in Wien vor. Kein einziges der
geprüften Steinrätsel - vom Kristallkopf »E. T.« bis zur »Genetischen Scheibe«
aus Kolumbien - konnte als neuzeitliche Fälschung entlarvt werden. Im Gegen­
teil: Die seltsamen Exponate wurden als authentisch und altertümlich bestätigt.
Ungeklärt blieb die Frage, welche prähistorische Zivilisation die Gegenstände
geschaffen hatte oder welche Technik zur Herstellung angewandt wurde.
Das fossile »Wunder« aus Texas sollte ebenfalls untersucht werden, damit
endgültige Klarheit über sein wahres Alter besteht. Eine exakte Zeitbestimmung
könnte durch eine mineralogisch-chemische Untersuchung an einem unabhän­
gigen Institut erfolgen. In einer Sonderführung durch die Ausstellungsräume
konfrontierten wir ranghohe Wissenschaftler mit den »unmöglichen« Funden.
Die Spezialisten wären in der Lage gewesen, den Hammer nach modernsten
Untersuchungsmethoden zu analysieren. »Was würden Sie denn machen, wenn
ich den Hammer tatsächlich im Labor überprüfe und sich mein Verdacht
bestätigen würde, daß er lediglich 1 00 oder vielleicht 200 Jahre alt sei?«, fragte
einer der ungläubigen Experten.
Wir gaben ihm zu verstehen, daß dies für uns als Veranstalter kein Problem
wäre. Spätestens am nächsten Tag würden wir eine Zusatztafel bei der Vitrine
angebracht haben mit dem für alle Besucher gut sichtbaren Vermerk: »Dieses
Exponat hat sich aufgrund aktueller Untersuchungen als neuzeitlicher Hammer
aufgeklärt.«
Das wäre es gewesen. Wie aber sieht die Sachlage umgekehrt aus? Was wäre,
wenn sich bei einer Analyse herausstellen sollte, daß der Hammer tatsächlich
1 40 Millionen Jahre alt ist? Darauf antwortete der Wissenschaftler zögernd:
»Um eine wirklich seriöse Untersuchung durchführen zu können, benötigt man
exakte Analysen, die einen Zeitraum von etwa einem Jahr umfassen. «
Ein ganzes Jahr für eine Analyse zur Altersbestimmung? Das kam uns
höchst fragwürdig vor. Der Experte für neue Untersuchungstechnologien muß
wohl gewußt haben, daß wir den »Hammer von Texas« niemals ein Jahr lang
ausleihen werden können. Selbst im Museum in GIen Rose ist das Unikat nur
als Replik zu betrachten. Das Original wird sonst im Banksafe geschützt aufbe­
wahrt. Daß es bei Unsolved Mysteries gezeigt werden konnte, ist eine kleine
Sensation. Und wir hatten sogar die einmalige Chance, eine Überprüfung
durch unabhängige Wissenschaftler einzuleiten. Der Museumsdirektor hatte so
viel Vertrauen in uns gesetzt, daß er die Genehmigung dazu erteilte.
Es war uns wichtig,
den kritischen Angriffen
von Skeptikern zu begeg­
nen, die uns unterstellten,
wir wollten der Herkunft
des Hammers gar nicht auf
die Spur kommen, weil wir
das beschämende Ergeb­
nis fürchten würden. Ein
blanker Unsinn, wofür wir
gerne den Gegenbeweis
antreten wollten. Doch ein
Dr. Carl Baugh mit Klaus Dona. Der Direktor des Creation Jahr Zeit für eine Unter­
Evidence Museu m (im Hintergrund zu sehen) erteilte die suchung eines Gegenstan­
Genehmigung für eine wissenschaftliche Untersuchung in des ? Das wäre unreali­
Wien. (Foto: Frank Martius) stisch. Unser Vorschlag an
den Wissenschaftler laute­
te daher: Stellen wir diese Information ins Internet auf unsere Website! Besucher
sollten die Hintergründe dazu erfahren, weshalb der Hammer nicht unter die
Lupe genommen werden kann.
Zu diesem Zugeständnis war der renommierte Spezialist dann doch nicht
bereit. Peinlich. Denn wir deuten dies als Bestätigung dafür, daß sich die
Koryphäe doch nicht so hundertprozentig sicher sein konnte, daß der »Ham­
mer von Texas« bloß ein Werkzeug aus dem 1 9 . Jahrhundert sei. Vielleicht gibt
es eine einfache Erklärung für dieses Rätsel. Was aber, wenn eingehende wissen­
schaftliche Untersuchungen das außergewöhnliche Alter des Hammers bekräf­
tigen würden? Wären Wissenschaftler dann anhand der Untersuchungsergebnisse
bereit, das Bild vom Menschen und seiner Entstehung neu zu überdenken?

Der »Hammer von Texas«


geistert seit vielen Jahrzehn­
ten durch die grenzwissen­
schaftliche Literatur. Bei
Unsolved Mysteries war er
erstmals im Original ausge­
stellt. Das Stück verwirrt
weiterhin die Experten.
(Foto: Reinhard Habeck)
1 163

Es gibt noch ein anderes Gedankenmodell, das das Zeitparadoxon zu


erklären versucht. Demnach wären der »fossile Hammer« und andere »Ooparts«
nichts anderes als Hinterlassenschaften aus der Zukunft oder einer Parallelwelt,
die sich in unserer Welt manifestiert haben. Könnten Löcher oder Risse existie­
ren, die in andere Dimensionen führen und umgekehrt? Haben fremde Wesen
bereits Mittel und Wege gefunden, die Mauer der Zeit zu durchbrechen? Das
sind gewiß phantastische Überlegungen, die bis vor kurzem nur phantasiebe­
gabten Science-Fiction-Autoren vorbehalten waren. Nun beginnen sich ver­
mehrt zukunftsorientierte Naturwissenschaftler ernsthaft mit diesen Fragen
auseinanderzusetzen, die imstande sind, die klassische Physik in arge Bedräng­
nis zu bringen.
Der nach Albert Einstein weltweit größte Physiktheoretiker, Professor Stephen
Hawking vom Department 01Applied Mathematics & Theoretical Physics, Cam­
bridge in England, eröffnete am 2. Oktober 1 99 5 einer verblüfften Fachpresse,
daß Zeitreisen also »Ausflüge« in die Vergangenheit und in die Zukunft -
-

grundsätzlich möglich seien, ohne die Kausalität, ohne unsere gewohnte Welt­
ordnung auf den Kopf zu stellen: »Wir können«, so versicherte Hawking, »bei
unserer Geburt zuschauen, uns im Kindergarten spielen sehen. Wir können
unsere Urahnen besuchen oder vielleicht sogar Cleopatra beim Baden in Esels­
milch überraschen. Der Zeitreisende könnte sogar in die Vergangenheit eingrei­
fen, ein Unglück verhindern. «
Wer weiß, vielleicht ist einem solchen Zeitreisenden bei der Erkundungs­
tour in andere Welten sein Werkzeug abhanden gekommen?
14
Koexistenz von Saurier und Mensch?
Das Dilemma mit den Datierungen und die
Dino-Figuren von Acambaro
Wie alt ist das? Diese Frage wird von Archäologen immer wieder gestellt. Die
Datierung eines antiken Objektes gehört zu den zentralen Aufgaben jeder
Altertumswissenschaft. Die Forschung hat zur Beantwortung dieser Frage eine
Reihe von Methoden entwickelt, die über das wahre Alter Auskunft geben
sollen. Solche Verfahren wurden ebenso bei der Altersbestimmung künstlicher
Gegenstände, versteinerter Spuren und menschlicher Knochen angewandt. Das
unlösbare Problem: Sie sind an Orten gefunden worden, wo sie nichts zu suchen
haben, nämlich in viel zu alten geologischen Schichten. Natürlich kann man das
hohe Alter durch lückenhafte Meßmethoden oder Fehler bei der Alters­
schätzungen aufgrund geologischer Schichten anzweifeln.
Dann muß dieser strenge Maßstab aber für alle Zeitdatierungen gelten.
Selbst dort, wo bisher nichts Auffälliges zu beanstanden war, weil die Datierun­
gen ins vertraute Schema paßten. Wie zuverlässig sind die erdgeschichtlichen
Datierungen? Nach welchen Kriterien wurden die Erdzeitalter bestimmt und
eingeteilt? Und woher kennt man das Alter der Erde? Wurde es beliebig gesetzt?
Der Fossilien-Experte Dr. Hans-Joachim Zillmer ist davon überzeugt. Er
behauptet, daß die Festlegung für den geologischen Zeitablauf der Erde vor
rund 1 60 Jahren willkürlich und ohne jeden Beweis erfolgte. Bis heute soll sich
daran nichts geändert haben. Dr. Zillmer begründet seine These damit, daß
»der Zeitstrahl, der durch die Abfolge geologischer Schichten künstlich geprägt
wurde, willkürlich erfunden ist und an keiner Stelle der Erde auch nur annä­
hernd nachgewiesen werden kann. Mit anderen Worten: an keinem Punkt der
Erde kann auch nur ansatzweise ein lückenloser geologischer Aufbau unserer
Erdkruste bewiesen werden, der dem Erdzeitmodell unserer >antiken< geistigen
Vordenker des 1 9 . Jahrhunderts und damit dem der modernen Normal­
wissenschaften entsprechen würde. Oft setzt sich die propagierte Gesamt­
schichtenfolge aus lauter lokal unterschiedlichen Fundorten zusammen. Die
geologischen Zeitalter als Abbild geologischer Gesteinsschichten - Historische
Geologie - bilden im Regelfall einen wild anmutenden Flickenteppich. In
Wirklichkeit verhält es sich sogar viel kurioser und gegensätzlicher. Denn oft
werden angeblich ältere Gesteinsschichten über angeblich j üngeren gefunden.«
Dr. Zillmer folgert daraus weiter, daß deshalb » in den geologischen Abtei-
1 165
lungen der Museen mit aufwendig gestalteten Modellen und Displays versucht
wird, diesen anscheinenden Widerspruch zu erklären. «
Ungereimtheiten zeigen sich nicht nur i n der erdgeschichtlichen Zeitein­
teilung, sondern vor allem bei der Datierung archäologischer Fundstücke. Die
erste Methode zur Bestimmung des absoluten Alters archäologischer Relikte
war die Radiokarbondatierung. Der amerikanische Chemiker und Nobelpreis­
träger Willard Frank Libby ( 1 908- 1 980) entwickelte sie vor rund 50 Jahren. Sie
beruht auf dem radioaktiven Zerfall des Kohlenstoff-Isotops C- 1 4 und wird
daher auch C-14-Methode genannt. Noch heute ist sie die am weitesten verbrei­
tete Technik für die Bestimmung von allen organischen Proben: Holz, Holz­
kohle, Knochen oder Muschelschalen. Was gerne verschwiegen wird: die Me­
thode ist trotz Verbesserungen fehlerhaft und ergibt nicht selten ein unsinnig
erscheinendes Alter.
Das Journal Science berichtete in der Ausgabe 1 4 1 aus dem Jahre 1 963 von
der Datierung einer Molluske, einem Weichtier. Das Alter wurde mit der
Radiokarbonmethode auf 2300 Jahre festgelegt. Das Unangenehme bei der
Sache: die Schale stammte von einem noch lebenden Exemplar! In einem
anderen Fall ergab sich für das Schneckenhaus eines ebenfalls lebenden Tieres ein
Alter von 27 000 Jahren! Science dokumentierte 1 9 84 den Fall in der Ausgabe
Nr. 224.
Angesichts solch gravierender Irrtümer stellt sich für den Laien die Frage,
wie exakt die von Wissenschaftlern vorgebrachten Datierungen zu angeblich
unanfechtbaren Funden tatsächlich sind? Wenn ein Historiker das Alter für eine
archäologische Entdeckung bekannt gibt, glauben wir es. Der Fachmann muß
es schließlich wissen. Wer sonst, wenn nicht er? Doch ein Großteil der Datie­
rungen stützt sich auf Schätzungen, die mit Fragezeichen versehen sind. Ein
gutes Beispiel dafür sind die Datierungen prähistorischer Höhlenkunst. Für das
Ermitteln der Zeitstellung war es bis vor kurzem nur üblich, den Stil der
gezeichneten Figuren miteinander zu vergleichen. Die C- 1 4-Methode kam
deshalb nicht infrage, weil man dafür zu viele Proben benötige. Große Mengen,
etwa von schwarzer Kohle, aus den Wandmalereien herauszukratzen, schien aus
konservatorischen und kunsthistorischen Gründen undenkbar. Hinzu kommt
der Unsicherheitsfaktor, daß es durch die moderne Luftverschmutzung immer
schwieriger wird, »reine« Proben von den Kunstwerken zu erhalten. Mitte der
1 990er Jahre wurde die Radiokarbonmethode weiterentwickelt und verfeinert.
Dadurch ist eine Altersbestimmung bereits mit geringen Probemengen möglich
geworden, die erst seit kurzem nun auch bei der paläolithischen Höhlenkunst
angewandt wird.
Die Spannung war groß, als die Prähistoriker-Gilde die ersten Resultate aus
den Labors erwartete. Noch größer war allerdings ihre Verwirrung nach Be-
kanntgabe der Analysen: die errechneten Datierungen widersprachen erheblich
jenen bisher gängigen Altersdatierungen, die bis dahin aufgrund des Zeichen­
stils festgelegt wurden. So lag beispielsweise das naturwissenschaftliche Datum
für die Höhle von Chauvet im Department Ardeche in Frankreich um rund
1 0 000 Jahre vor j ener Zeit, in der die Zeichnungen den stilistischen Merkmalen
zufolge entstanden sind. Die Höhle, deren Malereien ins sogenannte Magdalenien
(ab rund 20 000 Jahre vor unserer Zeit) datiert worden waren, war nun plötzlich
im Aurignacien (um 3 0 000 Jahre vor heute) bemalt worden.
Den Fachexperten geht es wie dem interessierten Laien, man wundert sich.
Die einen zweifeln an der Zuverlässigkeit der Laborberechnungen, die anderen
stellen die traditionelle stilistische Datierungsmethode in Frage. Archäologen
werden sich wohl darauf einstellen müssen, die prähistorische Kunstgeschichte
neu zu schreiben.
Neben der Altersdatierung sind es oft die Zeichnungen selbst, die den
Fachexperten arges Kopfzerbrechen bereiten. Wie sicher dürfen wir sein, daß
betreffende Wandmalereien tatsächlich das zeigen, was Archäologen in der
Abbildung zu erkennen glauben? Nehmen wir das Bespiel der Cosquer-Höhle in
Südfrankreich. Im Jahre 1 9 9 1 berichtete der Berufstaucher Henri Cosquer dem
französischen Kulturministerium,
daß er in einer Höhle tief unter
dem Meer vor Kap Morgiou prä­
historische Bilder und Gravuren
entdeckt habe. Die danach erst­
mals durchgeführten C- 1 4-Datie­
rungen durch Paläontologen er­
gaben erstaunliche Meßwerte. Das
Entstehungsalter für die Malerei­
en: 27 000 Jahre vor unserer Zeit.
Malerei eines »Krypto-Tieres« in der Cosquer­ Damit sind die künstlerischen
Höhle in Frankreich (Quelle: Göran Burenhult, Hinterlassenschaften wesentlich
Die ersten Menschen, Hamburg 1993) älter als die berühmten farben-
prächtigen Tierbilder von Lascaux.
Das Ungewöhnlichste ist aber nicht nur das hohe Alter, sondern die Darstellung
eines echsenartigen Wesens, das erstaunliche Ähnlichkeit mit einem Plesiosau­
rus aufweist.
Da unserem Wissensstand zufolge der Mensch niemals Zeitgenosse der
Saurier gewesen sein kann, wird das unbekannte Krypto-Tier offiziell als »Pin­
guin« interpretiert, der bekanntlich nur am Südpol in Erscheinung tritt. Als
Wissenschaftler ihren Unsinn eingestehen mußten, wurde aus dem »Pinguin«
ein ausgestorbener Vogel der Gattung Alk. Allerdings sucht man in der prähisto-
1 167
rischen Felskunst vergeblich nach vergleichbaren Darstellungen des Vorzeit­
Vogels. Hingegen gibt es sehr wohl noch andere alte Felszeichnungen, die wie
naturgetreue Wiedergaben j ener Reptilien aussehen, die der Mensch getreu
unserer Lehrmeinung nie leibhaftig erblickt haben kann. Unter den Dinosauri­
ern gab es gewaltige Raubechsen mit riesigen Körpermaßen, die den Rekon­
struktionen der Paläontologen zufolge so aussahen, als wären sie das direkte
Vorbild der Drachen aus den verschiedenen Mythologien.
Wer sich von der Abbildung einer solchen Urzeitechse persönlich überzeu­
gen möchte, kann dies beim Besuch des Chaco Canyon in Nordamerika nachho­
len. In der Region, wo die vier amerikanischen Bundesstaaten New Mexico,
Colorado, Arizona und Utah aneinander stoßen, liegt das Zentrum der einsti­
gen Anasazi-Kultur. Um 700 bis 1 300 n Chr. waren frühe Indianer hier ange­
siedelt, die mit ihren runden Steinhäusern architektonische Meisterleistungen
vollbrachten. Wer die Anasazi waren, woher sie kamen und weshalb sie spurlos
verschwanden, ist ungeklärt. Im Natural Bridges National Monument haben die
Wüsten bewohner eindrucksvolle Felsmalereien hinterlassen.
In drei Metern Höhe zeigt eine Malerei auf einer Fläche von etwa drei mal
zwei Metern zwei typische Anasazi. Kein Archäologie würde die Echtheit dieser
Darstellung anzweifeln. Unmittel­
bar daneben ist allerdings ein Ge­
schöpf zu sehen, das mit seinem
langen Schwanz an das Abbild ei­
nes Apatosaurier erinnert. Früher
war diese Gattung auch unter dem
Namen Brontosaurier bekannt.
Ist die Malerei wirklich au­
thentisch und alt? Oder wurde sie
nachträglich hinzugefügt? Da über
dem gesamten Bild - »Saurier« und
Anasazi-Figuren - ein dunkler
Überzug liegt, der von den Ame­
Felsmalereien und andere Hinterlassenschaften rikanern Desert varnish (Wüsten­
der Anasazi-Kultur zeigen Motive, die an Dino­ lack) genannt wird, ist eine späte­
saurier erinnern. (Foto: Frank Marlius) re Ergänzung sehr unwahrschein­
lich. Geologen bestätigen, daß die­
se dünnschichtige, glänzende blauschwarze Patina aus Eisen- und Magnesium­
oxiden nur sehr langsam gebildet wird. Ein Vorgang, der mehrere hundert Jahre
benötigt.
Damit stehen wir aber neuerlich vor einem Datierungs-Dilemma. Entwe­
der sind sämtliche Darstellungen j üngeren Datums, wogegen der natürliche
Überzug spricht, oder sie sind alle steinalt. Dann aber würde dies bedeuten, daß
ein frühgeschichtlicher Künstler einen Dinosaurier leibhaftig vor Augen gehabt
haben müßte. Wie sonst soll es ihm gelungen sein, einen solchen Urzeit­
Giganten so ausdrucksstark in Fels zu verewigen? Lebten die Saurier und
Menschen gemeinsam? Dann müßten die Zeichnungen aus einer Epoche stam­
men, als es noch Saurier gab, also vor mehr als 65 Millionen Jahren. Oder
verhält sich alles umgekehrt? Starben die Urzeit-Riesen erst viel später aus?
Provokante Fragen, die wir bereits im Zusammenhang mit den in gleichen
geologischen Schichten aufgefundenen Saurier- und Menschenspuren bei GIen
Rose in Texas aufgeworfen hatten.
Einige Forscher halten es für möglich, daß es eine lebende Saurierart sogar
noch heute geben könnte. Gemeint ist ausnahmsweise nicht »Nessie«, das
Ungeheuer von Loch Ness in Schottland, sondern ein rätselhaftes Monstrum,
das im schwer zugänglichen Sumpfgebiet von Likouala in der Volksrepublik
Kongo, Afrika, leben soll. Es wird von den in der Region ansässigen Pygmäen­
stämmen und den Siedlern aus dem Westen Mokele-mbembe genannt.
Augenzeugen berichten, die Kreatur sei ein großes Wassertier gewesen,
ungefähr neun Meter lang. Der Körper sei rötlich braun, stämmig und von der
Größe eines Elefanten, mit relativ kurzen, dicken Beinen, einem langen Schwanz
und einem schlanken, langen Hals, der in einem kleinen Kopf endet. Die
Fuß abdrücke der Riesenechse würde drei Zehen aufweisen, schwören die Au­
genzeugen. Die Schilderungen erinnern an die Merkmale eines Brontosaurus.
Genau diesen Sauriertyp zeigt auch jenes mysteriöse Felsbild der nordamerika­
nischen Anasazi-Indianer.
Trotz zweier britischer Kongo-Expeditionen in den Jahren 1 986 und 1 992
fehlen bis jetzt überzeugende Belege für die Existenz des Urzeit-Tieres. Auf­
grund der gut dokumentierten Augenzeugenberichte hält der Leiter des damali­
gen Forschungsteams, der Biologe Professor Roy P MackaI, dennoch an seiner
These fest, wonach es sich bei »Mokele-mbembe« wahrscheinlich um einen
überlebenden Saurier handelt. Daß man seiner noch nicht habhaft werden
konnte, sollte nicht weiter überraschen, da sein Lebensraum derart unwirtlich
ist, daß sogar Bewohner der Region ihn nach Möglichkeit meiden.
Es steht j edem frei, die Glaubwürdigkeit solcher Schilderungen anzuzwei­
feln. Ebenso könnte man die These aufstellen, daß Künstler des Altertums eine
blühende Phantasie besaßen und Bilder kreierten, die eher zufällig an das
Aussehen eines Urzeitriesen erinnern. Doch die genannten Beispiele sind keine
Ausnahme. Entsprechende Artefakte, die eine Assoziation zu Urzeit-Echsen
erkennen lassen, konnten wir bei unserer Erkundungstour durch Südamerika
mehrfach in Augenschein nehmen. Im Goldmuseum von Lima wird eine
2 1 00 Jahre alte Keramikvase der Mochica-Kultur aufbewahrt. Motive dieser Art
1 169

lassen sich überall auf der Welt finden, vor allem in Mesopotamien. Saurier­
ähnliche Tiere mit kurzen Beinen und gewundenen Hälsen werden von Archäo­
logen als »Schlangenhalspanther« bezeichnet, die der künstlerischen Phantasie
entsprungen sein sollen. Weshalb werden die Wunderwesen aber dann, wie des
öfteren dargestellt, von Menschen an der kurzen Leine gehalten? Eine solche
Abbildung, die offenbar gefangene Exemplare zeigt, befindet sich beispielsweise
auf der berühmten, 5 000 Jahre alten Narmer-Palette, einem der wichtigsten
Objekte aus der Beginnzeit ägyptischer Kultur.
Schwieriger haben es Archäologen bei der Beurteilung, wenn sie gleich auf
eine ganze Sammlung rätselhafter Krypto-Tiere stoßen. Es sind vor allem zwei
umstrittene Keramiksammlungen, die die kühne Frage aufwerfen, ob zu einem
Zeitpunkt, als Dinosaurier die Welt beherrschten, bereits Menschen gelebt
haben könnten. Eine davon ist die
Kollektion aus !ca in Peru, die wir
bereits vorgestellt haben. Die Motive
zeigen Fabelwesen aller Art, unbe­
kannte Landstriche, Operationen und
vor allem Saurier sowie andere bizar­
re Geschöpfe im Zusammenleben mit
großäugigen Menschen. Die andere,
weniger bekannte Sammlung, umfaßt
die Stücke aus Acambaro, Mexiko, Viele Skulpturen aus der Acambaro-Samm­
nordwestlich von Mexico City. lung erinnern an mythologische Drachen­
Während der genaue Fundort in wesen und Dinosaurier.
!ca unbekannt ist und die Kollektion (Foto: Reinhard Habeck)
von Wissenschaftlern als Falsifikat de-
klariert wird, sind die Skulpturen von Acambaro und ihre Fundumstände genau
dokumentiert: Viele Acambaro-Artefakte haben merkwürdige Menschentypen
und dinosaurierähnliche Tiere als Motiv. Seit ihrer Entdeckung in den 1 940er
und 1 9 5 0er Jahren wird über Ursprung und Bedeutung der bizarren Objekte
gerätselt. Der Entdecker der ersten Fundstücke, "Waldemar Julsrud, vermutete,
daß die Figuren in alter Zeit in Gruben rituell vergraben wurden. Sie sollen aus
Fundstellen stammen, die ursprünglich an einem Seeufer lagen. Seitdem im
Jahre 1 944 die ersten Keramikfragmente auftauchten, wurden Abertausende
von skurrilen Figuren zutage gefördert. Juan Silva, Verwalter der Acambaro­
Restbestände, stellte uns für die Ausstellung Unsolved Mysteries Dutzende Kera­
miken ebenso zur Verfügung wie der amerikanische Archäologe Neil Steede.
Das frühgeschichtliche Alter von aufgefundenen Werkzeugen in Acambaro,
darunter Messerklingen und Pfeilspitzen aus Obsidian sowie Alltagsgegenstände
aus Keramik, konnte durch Labortests bestätigt werden. Archäologen vermu-
1 70 I
ten, daß die Fundstücke der Chespicuaro-Kultur um 1 00 bis 500 n. Chr.
zugeordnet werden können. Bei den saurierähnlichen Keramiken und anderen
Stücken mit eigentümlicher Charakteristik spricht man hingegen nur vage von
einer »unbekannten Kultur« . Wer sich einen persönlichen Eindruck über die
kuriosen Funde verschaffen will, dem sei ein Besuch des Julsrud-Museums in
Acambarao empfohlen. Seit Februar 2002 haben Besucher Gelegenheit, rund
200 bizarre Stücke zu bestaunen. Tausende weitere Figuren lagern noch im
Keller, sollen demnächst aber ebenso einem interessierten Publikum zugänglich
gemacht werden.
Einige Tonfiguren zeigen Tiere mit kleinem Kopf, langem Hals und Schwanz.
Sie erinnern an Urzeit-Giganten des Typs Apatosaurus (Brontosaurus) . Andere
Exponate sind mit einem Kamm am Rücken ausgestattet, ähnlich der wuchti­
gen Knochenplatten des gepanzerten Stegosaurus. Sogar fliegende Eidechsen
lassen sich in einigen Exponaten wiedererkennen.
Bei einer Figur sind die Merkmale besonders ausgeprägt: Sie sieht aus wie
ein Urviech aus der urzeidichen Familie der Pterodactylus. Es gibt kein bekann­
tes lebendes Tier, das wir kennen und das tatsächlich dieses Aussehen hat. Die
Keramik steht von selbst. Füße
und Schwanz dienen als Stüt­
ze. Der Kopf trägt nicht, wie
man es vermuten würde, ei­
nen Schnabel, sondern einen
kleinen Mund. Das Kunstwerk
hat mehr von dem Flugdra­
chen Rhodan aus den japani­
schen Horrorfilmen, und we­
niger von einem Pterodacrylus.
Dennoch zählt dieses Stück zu
j enen Exemplaren, die dem
Aussehen nach einem wirkli­
chen Dinosaurier sehr nahe
kommen. Andere Urzeit-Gi­
Acambaro-Keramik mit dem Aussehen eines Flug­ ganten aus der Acambaro­
sauriers (Foto: Bernhard Moestl und Autoren) Sammlung, die annähernd rea­
listisch repräsentiert werden,
sind mit etwas Phantasie der Gruppe Triceratops zuzuordnen sowie Patosaurier
und Stegosaurus. Die überwiegende Mehrheit der dargestellten Geschöpfe scheint
drachenähnliche »Fabelwesen« und monsterähnliche Kreaturen wiederzugeben.
Gab es dennoch reale Vorbilder dafür?
Ein Indiz dafür könnte eine Figur sein, die an einen Blutsauger erinnert.
1 171
Ein erfundenes Phantasiegeschöpf, könnte man meinen. Doch e s gibt die
Beschreibungen genau eines solchen vampirähnlichen Monstrums tatsächlich.
Die einheimische Bevölkerung nennt es Chupacabras (»Der Ziegensauger«) , das
heure in der reichen lateinamerikanischen Folklore seinen festen Bestandteil
hat. Gibt es Gemeinsamkeit zu dem »Horror-Kabinett« aus Acambaro? Seit
Mitte der 1 990er Jahre wollen Augenzeugen immer wieder ein zweibeiniges
Wesen gesichtet haben, etwa 1 ,20 Meter bis 1 , 50 Meter hoch, das aussah wie
ein Mischwesen mit Reißzähnen. In Puerto Rico, Texas, Florida und Mexiko
häufen sich die Begegnungen mit dieser eigenartigen Kreatur. Leichen von
Hühnern, Schafen, Kühen und besonders Ziegen wurden gefunden, alle ohne
Blut und nur mit einer einzigen Stichwunde.
Saurier, mythische Drachen oder unbekannte Tierarten? Wie alt sind die
Acambaro-Figuren wirklich? Die kulturelle Zuordnung bereitet den Archäolo­
gen Mühe. 1 9 54 schickte das Instituto Nacional de Antropologia e Historia
(Nationales Institut für Anthropologie und Geschichte von Mexiko) vier Ver­
treter an den umstrittenen Fundort. Geleitet wurde das mexikanische Experten­
team von dem Prähistoriker Dr. Eduardo Noguera. In einem Bericht wurde
vermerkt, daß während der Ausgrabungen alles mit rechten Dingen zugegangen
sei. Dennoch äußerten sich die Archäologen offiziell kritisch zu den aufgefun­
denen Gegenständen. Die Schlußfolgerung, daß es zwischen Menschen und
Dinosauriern womöglich eine bislang unbekannte Verbindung gab, schien
ihnen doch zu phantastisch.
Der inzwischen verstorbene Historiker Professor Charles H. Hapgood war
einer der wenigen Wissenschaftler, die sich die Zeit nahmen, um die seltsamen
Stücke genauer zu untersuchen. 1 9 5 5 ließ er an den unmöglichsten Stellen vor
Ort Grabungen durchführen und wurde dabei vom lokalen Polizeichef unter­
stützt. Im Laufe der Arbeit kamen weitere Figuren zum Vorschein. Sogar unter
dem Wohnsitz des Polizeichefs wurde man fündig, was von Befürwortern als
Beleg für die Echtheit der Sammlung angeführt wird, da das Haus bereits Jahre
vor der Entdeckung der ersten Stücke gebaut wurde.
1 968 wurde eine Altersdatierung der Plastiken durchgeführt. Die Fachleute
billigten einigen Fundstücken ein Alter von rund 6400 Jahren zu. Datierungen
gleicher Objekte, die vom renommierten Applied Science Center flr Archaeology
(MASCA) des Universitätsmuseums der University 0/ Pennsylvania vorgenom­
men wurden, belegten ebenfalls das hohes Alter.
In den letzten Jahren hat sich der amerikanische Archäologe Neil Steede aus
Montana sehr engagiert um die Klärung solcher rätselhaften Stücke bemüht.
Gemeinsam mit Kollegen und einem Fernsehteam verbrachte er einige Wochen
in Acambaro, um den exakten Standort der Sammlung und die FundsteIlen
genau zu lokalisieren. Steede überzeugte die Behörden davon, j enes Lagerhaus
zu öffnen, wo die Acambaro-Stücke noch bis vor kurzem unbeachtet aufbe­
wahrt wurden. Mit einem kurzfristig zusammengestellten Team von Anrainern
gelang es ihm, Abertausende von Artefakten auszupacken, genau zu katalogisie­
ren und danach wieder einzupacken. Über 30 Laborproben wurden analysiert
und tausende Fotos angefertigt. Ergebnis: Die Acambaro-Sammlung enthält ein
Gemisch aus antiken authentischen Stücken und modernen Objekten. Es bleibt
weiteren Untersuchungen vorbehalten, die seltsamen Artefakte genauer zu
prüfen und eine Klassifikation zwischen »alt« und »neu« vorzunehmen. Neil
Steede, darauf angesprochen: »Die Acambaro-Sammlung hat noch nicht ihr
letztes Kapitel geschrieben!«
15
Und die Riesen gab es doch!
Neue Knochenfunde bestätigen uralte Legenden

Großwüchsige Menschen gab es sicher zu allen Zeiten auf der Erde. Die Wesen,
von denen uns die Legenden und Mythen berichten, waren mit »Verirrungen
der Natur« aber nicht zu verwechseln. Riesen waren eine eigene Spezies, die
manchmal als Titanen, Giganten und Mutanten bezeichnet werden. Goliath,
Polyphem, Rübezahl, Christophorus und andere Riesengestalten sind Beispiele
aus der Sagenwelt. Die Berichte über Begegnungen mit dem riesenhaften Yeti
vom Himalaj a oder Bigfoot aus Nordamerika kennen wir aus unserer heutigen
Zeit. Alle Völker dieser Erde wissen von Wesen von unglaublicher Größe, die
mit übermenschlichen Kräften ausgestattet sind. Einmal gelten sie als wahre
Tölpel, die nur rohe Kraft walten lassen, dann wieder sind sie Helden oder sogar
Schöpfer der Welt.
Der Ursprung der Riesen reicht weit in vorsintflutliche Epochen zurück.
Damals sollen sie die Erde bevölkert haben. Auch j ene Kinder, die aus einer
Verbindung zwischen Göttersöhnen und Menschentöchtern entstanden waren,
sollen einst »Riesen (>Gewaltige<) auf Erden« (Bibel, 1 . Mose 6, 4) gewesen sein.
Und von den allerfrühesten Menschen, den Bewohnern Lemuriens, heißt es, sie
sollen vor vielen Millionen Jahren gelebt und eine unglaubliche Höhe von
1 8 Metern erreicht haben.
Hier knüpft die norwegische Mythologie an. Sie erzählt, daß die erste
lebende Kreatur der Riese Ymir gewesen sei. Der Legende nach stammen von
ihm sowohl die heutige menschliche Rasse als auch eine Riesenrasse ab. Und die
Indianer im Nordwesten der USA kennen Erzählungen über urzeitliche Riesen,
die Menschen fraßen. Aus manchen Schilderungen geht hervor, daß die mon­
strösen Gestalten sogar tierische Körperteile wie Füße aus Giftschlangen oder
geschuppte Drachenschwänze besaßen. In Japan wiederum vernichtete der
heldenhafte Raiko mit treu ergebenen Soldaten eine ganze Riesenbande, die in
den Bergen angeblich Frauen angriff und deren Blut trank. Raikos Trick: Er
ging mit seinen Soldaten als Mfen verkleidet und bot ihnen einen Zaubertrunk
an, der die Giganten schwächte.
Im Alten Testament der Bibel werden verschiedene Riesen namentlich er­
wähnt, beispielsweise die Anakiter, Rafoiter, Og oder die berühmte Überliefe­
rung vom Sieg Davids über den Giganten Goliath. Da lesen wir: »David rannte
auf den Philister zu, schwang seine Schleuder und ließ Goliath einen Stein
gegen die Stirn fliegen, die der Helm nicht bedeckte. Goliath stürzte und fiel
aufs Gesicht. Auf diesen Moment hatte David gewartet. Er lief zu seinem
niedergestreckten Feind, zog dessen Schwert und schlug ihm den Kopf ab. « Sein
Triumph gilt seither als Symbol des Sieges des Guten über die Gewalt des
Bösen.
Diese Geschichte aus dem Alten Testament ist nur eine der vielen Überlie­
ferungen, die aufzeigt, wie ein normal gewachsener Mann einen Riesen mit List
bezwingen konnte. Goliath erreichte angeblich dreieinhalb Meter Höhe, und
sein Panzerhemd soll sage und schreibe 1 04 Kilogramm gewogen haben.
Og ist ein anderer Riese, den die Bibel nennt. Mose besiegt ihn beim Zug
der Israeliten nach Kanaan (Bibel, 4. Mose 2 1 , 32-3 5) . Sein eisernes Bett soll
neun Ellen lang und vier Ellen breit gewesen sein (Bibel, 5. Mose 3, 1 1 ) . Og war
demnach ein Koloß von rund vier Metern Größe.
Jüdischem Mythos zufolge gehörte er zu den zahlreichen vorsintflutlichen
Riesen. Als einziger von ihnen überlebte Og, weil ihm das Wasser kaum bis zum
Knie reichte. Es heißt auch, Noah habe ihn während der Sintflut mit auf die
Arche genommen. Im Schiff selbst fand der Gigant zwar keinen Platz, doch
konnte er auf dem Dach sitzen.
Eine andere Textpassage der Bibel bezieht sich auf die Umgebung Hebrons.
Dort soll vor Urzeiten ein Geschlecht von Riesen gelebt haben, das auf Enak
zurückging und nach ihm Anakiter benannt wurde. Im einzelnen waren es drei
Söhne, welche die Israeliten auf ihrem Zug ins verheißene Land in Schrecken
versetzten. Ihre Namen: Ahiman, Scheschai und Talmai (4. Mose 1 3 , 22 und
3 1 ff. ) .
Dazu passend gibt e s eine Verbindung zur griechischen Welt, die ein
Geschlecht von Göttern und frühen Königen kannte. Man nannte sie Anakas.
Der Name soll wiederum von den biblischen Riesen herstammen. Die griechi­
sche Mythologie ist eine Fundgrube für Erzählungen über Riesen. Weltberühmt
sind die Fahrten des Odysseus, des Königs von Ithaka. Sie beschreiben die
Begegnung mit einem einäugigen Riesen, der in einer Höhle hauste. Mythen­
forscher glauben, daß Schädelfunde ausgestorbener Zwergelefanten auf griechi­
schen Mittelmeerinseln die Sage von einäugigen Zyklopen (zu deutsch: »Rund­
auge«) entstehen ließen. Die Schädel hatten nämlich dort, wo der Rüssel
ansetzt, ein großes Loch, das man für die Augenöffnung auf der Stirn eines
Riesen deutete.
Es gibt allerdings mehrere Orte in Griechenland, die mit den »Irrfahrten
des Odysseus« in Verbindung stehen und die als historischer Schauplatz der
Begebenheiten angesehen werden. Einer davon ist die »Kyklopenhöhle des
Polyphe« bei Maronia im Norden des Landes. Ausgrabungen haben ergeben,
daß sie über Jahrtausende als Wohn- und Kultplatz gedient hat. Im Zentrum
des Eingangsraums steht ein großer Stalagmit, dem man den Namen »Verschluß-
1 175
stein des Polyphem« gegeben hat. Nicht weit davon entfernt befindet sich eine
große Halle, die als »Raum der Riesen« bezeichnet wird.
Viele Sagen und Erzählungen über Riesen stehen im Zusammenhang mit
Höhlen. Das Bayerkönigloch in den Felsen der Kleinen Halt (Kaisergebirgel
TirollÖsterreich) beispielsweise soll seinen Namen nach dem Tiroler Sagen­
sammler Anton Karg von einem Wache haltenden Riesen bekommen haben, der
» am Eingang zu des Kaisers Hallen« diesen Dienst versah.
Der englische Volksmund kennt viele phantastisch anmutende Erzählun­
gen über die Entstehung von Hügeln, Tälern und anderen Landschaftsformen.
So sollen Riesen des öfteren mit Erdhügeln umhergeworfen und gewaltige
Felsbrocken ins Meer geschleudert haben. Die Angelsachsen erwähnen in ihren
Gedichten mehrmals Riesen, die vor ihrer Ankunft in England existiert haben
sollen. Und das berühmte megalithische Heiligtum von Stonehenge in Süd­
england wird in alten Legenden als »Tanzplatz der Riesen« bezeichnet. Der
Magier Merlin soll die Steinkolosse einst mit magischen Kräften von Irland her
an ihren jetzigen Standort versetzt haben.

Wie wurden die tonnenschweren Steinkolosse von Stonehenge transportiert


und nach astronomischen Grundlagen errichtet? Wurden sie von Riesen
aufgestellt? Eine alte Legende nennt das Steinzeit-Observatorium
» Tanzplatz der Riesen«. (Foto: Reinhard Habeck)

Auch die Deutschen hatten ihre Riesen. Der Berggeist Rübezahl des Riesenge­
birges soll der Sage nach in vielerlei Gestalt erschienen sein. Er hätte Wanderern
geholfen, aber sich ebenso an Spöttern gerächt, heißt es in den alten Texten.
Viele Riesen spielen in den Rheinsagen eine Rolle. So soll ein Riese namens
Tännchel die Felsen gesprengt haben, die das Wasser des Rheins zwischen
Schwarzwald und Vogesen aufstauten. Und den letzten Riesen aus dem Oden­
wald hat angeblich Kaiser Maximilian höchstpersönlich bei einem mittelalterli­
chen Turnier in Worms am Rhein besiegt.
Die meisten Wissenschaftler bezweifeln, daß es für all diese mythischen
Überlieferungen reale Grundlagen gibt. »Die Gestalt der Riesen ist wahrschein­
lich aus vielerlei irrtümlichen Vorstellungsbereichen erwachsen«, vermutet der
deutsche Wissenschaftspublizist und Buchautor Ernst Probst. Seine Erklärung:
»Aufgrund existierender, stark unterschiedlicher Größenverhältnisse, wegen der
Deutung außetordentlicher Naturerscheinungen als Wirkung überstarker We­
sen, durch Ptoportionsphantasie (der unterlegene Gegner muß aus Gründen
des Effekts zu übermenschlichen Proportionen gesteigert werden, solche Vor­
stellungen spielten bei Drachensagen eine Rolle) , vielleicht aber auch durch
Halluzinationen im Rauschzustand.«
Heute wissen wir, daß fehlgedeutete Tierfossilien die eine oder andere
Legende über Riesen entstehen ließen. So manches Monster entpuppte sich erst
Jahre später als Mammutknochen. Der deutsche Jesuitenpater und Universal­
gelehrte Athanasius Kircher (er wirkte in den Städten Würzburg und Worms) ,
hat in seinem Werk Mundus subterraneus ( Unterirdische Welt) eine Auflistung
der berühmtesten Riesen veröffentlicht. Einer davon ist der »Luzerner Riese«
(»Gigas«) , dessen vermeintliche Reste 1 577 bei Reiden nahe dem Vierwaldstät­
ter See nach einem Sturm unter einer gefällten Eiche zum Vorschein gekommen
waren. Der Basler Arzt Felix Platter errechnete für diesen Koloß eine Körperlän­
ge von 1 9 Fuß (demnach müßte der Riese fünf Meter hoch gewesen sein) . Erst
Ende des 1 9 . Jahrhunderts wurden von einem Anatomen die noch vorhandenen
Knochenreste eindeutig als die eines Mammuts identifiziert.
Für Ernst Probst ist die Sachelage klar: »Fast jedes Land hatte früher seinen
Nationalriesen, der meistens auf Funde von eiszeitlichen Rüsseltierknochen
zurückging, deren wahre Natur man nicht erkannte. Auf solchen Irrtümern
beruhen auch die Sagen über Drachen und Einhörner. «
Bei der Suche nach den Ursprüngen unserer Vergangenheit landen Gelehr­
te gelegentlich in der Sackgasse. Das ist bekannt. Selbst heute in unserer
aufgeklärten Zeit ist niemand vor Irrtümern gefeit. Aber müssen deshalb zwangs­
läufig alle aufgefundenen Spuren über Riesen ins Reich der Phantasie verbannt
werden? Wir meinen, es gibt genügend Anhaltspunkte, die trotz Fehleinschät­
zungen die einstige Existenz von Riesen durchaus erlauben.
Nicht alle Fossilien lassen sich nämlich mit Sauriern oder Mammuts erklä­
ren. Auf der ganzen Welt existieren fossile Funde und riesige versteinerte
Fußabdrücke, die eindeutig von menschlichen Vorfahren hinterlegt wurden.
Das Beispiel der Riesenfußspuren aus dem ausgetrockneten flußbett des Paluxy
in Texas, USA, haben wir bereits angeführt. Ein anderer Fall ist die Entdeckung
von Prof Holger Preuschoft. Der deutsche Wissenschaftler der Universität Bo­
chum stieß 1 986 im Südwesten der japanischen Insel Kyushu auf eine verstei­
nerte Fußspur mit einer beachtlichen Länge von 44, 3 Zentimetern. Den Unter­
suchungen zufolge hinterließ ein bisher unbekannter Riesenaffe vor 1 5 Millio­
nen Jahren diesen Abdruck.
Aus der Evolutionsgeschichte sind noch andere Entdeckungen über gigan­
tische Primaten bekannt. Giganthopiticus (lateinisch für »riesiger Mfe«) wird
einer genannt. Seine Entdeckung begann mit einem Zahn. Ralph von Koenigswald
stöberte 1 93 5 in einer chinesischen Apotheke in Hongkong nach »Drachen­
zähnen« . Gemeint sind Fossilien, die zur traditionellen chinesischen Medizin
gehören. Es war keinesfalls der erste Drachenzahn, den der deutsche Anthropo­
loge erblickte und einem prähistorischen Tier zuordnen konnte. Doch diesmal
war der gewaltige Backenzahn von der Größe einer Walnuß einem menschli­
chen Zahn sehr ähnlich. Er mußte von einem Giganten stammen, dem größten
Primaten, der jemals existierte. Er wurde später Gigantopithecus getauft.
Mittlerweile wurden Kieferfragmente und hunderte Giganto-Zähne gefun­
den und analysiert. Den Untersuchungsergebnissen zufolge stammen die Relik­
te eindeutig von einer Menschenaffenart, möglicherweise einem Verwandten
des Orang-Utan. Gigantopithecus älteste Spuren sind etwa eine Million Jahre
alt. Eine »kleinere« Gigantoart soll bereits sechs Millionen Jahre alt sein. Da die
größere Gattung die jüngere ist, glauben Paläontologen, daß die Riesenaffen im
Laufe ihrer Evolution immer größer geworden sind. Der Riese lebte vorwiegend
in China und Vietnam. Weitere Untersuchungen ergaben, daß der Mfen­
Gigant 500 Kilogramm schwer und aufgerichtet drei Meter groß war. Zum
Vergleich: Ein Gorillamann wird 1 , 8 5 Meter groß und wiegt etwa 300 Kilo­
gramm.
Warum aber verschwand Gigantopithecus vor rund 200 000 Jahren nahezu
unvermittelt? Seltsam muten Berichte amerikanischer Vietnam-Veteranen an:
Sie wollen während des Krieges im Dschungel übergroßen Menschenaffen Auge
in Auge gegenübergestanden haben. Hat Giganto doch überlebt? Manche
spekulieren, er könnte auch der Vorfahre mysteriöser Mfenmenschen sein: vom
Yeti im Himalaja oder vom Bigfoot, der in den kalifornischen Wäldern gesichtet
wird. Doch leider existieren als Belege für diese aufregende These bestenfalls nur
riesengroße Fußabdrücke.
Aufgefundene überdimensionale Werkzeuge könnten ebenso auf Riesen
hindeuten. Im Museo Weilbauer in Quito (Ecuador) sind einige davon ausge­
stellt. Riesengroße Axtschneiden und Messer aus Stein, die im Dschungel
gefunden wurden, waren bei Unsolved Mysteries zu sehen. Die Bedeutung der
rund 2000 Jahre alten Relikte ist nicht geklärt. Ihrer Übergröße wegen werden
Riesenhafte Äxte, Beile und Messer wurde im Dschungel von Ecuador gefunden. Dienten
die Werkzeuge lediglich zeremoniellen Zwecken oder wurden sie einst von Riesen verwen­
det? (Fotos: Reinhard Habeck)

sie offiziell als »Kultbeile« und »Kultmesser« tituliert, die nicht für handwerk­
liche, sondern zeremonielle Zwecke gedient haben sollen.
Neben handwerklichen Gegenständen, die nach Gewicht und Größe nur
von Riesen hätten verwendet werden können, lassen ebenso gebaute Zeugnisse
den Verdacht aufkommen, hier hätten einst Riesen ihre Hände im Spiel gehabt.
Wie etwa die tonnenschweren
Lasten und Transportprobleme
von den steinzeitlichen Megalith­
kulturen gelöst wurden, ist im­
mer noch nicht restlos geklärt.
Bei unseren Recherchen stie­
ßen wir auf einige stichhaltige
Spuren aus dem Reich der Rie­
sen. Die Größenangaben der be­
troffenen Wesen schwankten da­
bei zwischen 2 , 5 und unglaubli­
chen 1 0 Metern. Eine glaubwür­ Vine Deloria, bekanntester Indianer Amerikas,
dige Quelle führte zu einer ange­ weiß von vielen Mythen über Riesen. Klaus Dona
sehenen Persönlichkeit: Vine DeLo­ erfuhr sie aus erster Hand bei einem Treffen der
ria, dem bekanntesten amerika­ wichtigsten Indianerstämme Nordamerikas.
nischen Indianer Amerikas. Über (Foto: Klaus Dona)
die Bestellung unseres Ausstellungskataloges kamen wir mit ihm in Kontakt.
Mehr noch: Einer der Autoren (K. D.) wurde von ihm zu einem dreitägigen
Meeting nach Lacey im Staate Washington in ein Indianerreservat eingeladen.
Das Thema des Treffens war ungewöhnlich, ging es doch um »Gigants und little
people«. An dem Meeting nahmen 1 5 Elders der großen indianischen Stämme
teil, und alle erzählten von den alten Mythen ihrer Stämme, von Begegnungen
mit Riesen und Zwergen. Es war eine große Ehre, hier dabeisein zu dürfen. Das
unvergeßliche Erlebnis bestätigte den Verdacht, daß es in der Vergangenheit
überall auf dieser Erde Riesen und Zwerge gegeben hat. Einige Elders erzählten,
daß sogar noch heute in ihren Reservaten kleine Menschen leben würden. Es
heißt, sie wären sehr scheu und man würde sie selten - nur mit Glück - zu
Gesicht bekommen.
Im 1 9 . Jahrhundert wurden in den USA viele der vorhandenen Mounds
(Grabhügel) geöffnet. Dabei wurden des öfteren menschliche Skelette gefun­
den, die eine Größe von 2, 1 0 bis 3,70 Meter aufwiesen. Einige dieser Skelette
sollen zwei Reihen Zähne besessen haben. Diese Funde sind in alten Archiven
aufgezeichnet, aber im letzten Jahrhundert wieder in Vergessenheit geraten. Es
sind Hunderte von interessanten Berichterstattungen, die in Archiven vermo­
dern. Von unseren indianischen Freunden haben wir dennoch etliche brisante
Aufzeichnungen in Kopie erhalten. Es wurde uns verläßlich zugesagt, daß wir
benachrichtigt werden, sobald Neues in dieser Frage auftaucht. Wenn es zu
Ausgrabungen kommt, sind wir mit dabei!
Einige der interessantesten Berichte über Riesen aus den amerikanischen
Archiven wollen wir unseren Lesern nicht vorenthalten. Hier nachfolgend
einige Beispiele:
Um 1 800 wurden in Williamson County und White County, Tennessee,
mehrere menschliche Skelette mit über 2, 1 0 Metern Länge gefunden.
1 879 wurde in einem Mound (Grabhügel) in der Nähe von Brewersville,
Indiana, ein 3 ,40 Meter großes Skelett entdeckt.
1 8 83 fanden Soldaten bei Ausgrabungen in Lompock Rancho, Kaliforni­
en, ein männliches Skelett von 3,70 Metern. Das Skelett war mit Mu­
schelschalen und Steinen, die nicht zu entziffernde Gravuren trugen,
begraben. Außerdem befand sich eine riesenhafte Steinaxt in dem Grab.
Eine weitere Merkwürdigkeit: Im Ober- und Unterkiefer hatte der Riese
doppelte Zahnreihen.
1 926 entdeckten Minenarbeiter in einem Stollen der Eagle-Kohlemine
Bay Creek (US-Bundesstaat Montana) große menschliche Backenkno­
chen. Zur großen Überraschung der Anthropologen steckten die Zähne
in einer Gesteinsschicht, die mindestens 30 Millionen Jahre alt war.
1 80 I

Es gibt noch unzählige weitere Fallbeispiele spektakulärer Skelettfunde von


Riesen in den USA in der Zeitspanne der Jahre 1 800 bis 1 930. Die meisten
Entdeckungen wurden an das Smithsonian Institute gesandt - Anfragen darüber
konnten (oder durften) jedoch nicht beantwortet werden.
In unserer Heimat Österreich lassen sich ebenfalls Hinweise finden, die sich
auf Skelettfunde riesenhafter Wesen beziehen. So heißt es etwa von der
Tischoferhöhle im Kaisertal in Tirol, daß dort im Jahre 1 667 Knochen eines
Riesen gefunden wurden, die umgehend als Merkwürdigkeit dem Landesfür­
sten von Tirol geschickt worden seien. Eine Überprüfung, ob es sich dabei bloß
um Mammutknochen oder Knochen anderen Ursprungs handelte, mußte offen
bleiben. Es läßt sich heute nicht mehr feststellen, in welchem Kellerdepot die
Relikte verschwanden.
Kürzlich sind einige strittige Skelettreste aus Ecuador aufgetaucht, die aber
erst einer genauen wissenschaftlichen Analyse unterzogen werden müssen. Wir
sind gerade dabei, den entsprechenden Fragen nachzugehen, um herauszufin­
den, ob die eine oder andere Berichterstattung sich doch auf wahre Begebenhei­
ten stützt oder als Fehldeutung oder gar Fälschung entlarvt werden muß.
Von Prof J J Hurtak, PhD . OhD. - Orientalist, Remote-Sensing-Spezia­
list, Präsident der Akademie für die Wissenschaft der Zukunft, erhielten wir
mehrere Fotos eines riesigen Fußabdruckes in Stein aus Südafrika zugesandt.
Die gigantischen Maße: Länge 1 30 Zentimeter, Breite 69 Zentimeter, Tiefe
1 8 Zentimeter. Der Fußabdruck befindet sich in einem Granitfelsen, der ein
geologisches Alter von mehreren Millionen Jahre aufweist. Entdeckt wurde der
Abdruck bereits 1 9 1 2 . Untersuchungen ergaben, daß es sich einwandfrei nicht
um eine moderne Fälschung handelt. Vielmehr kann man erkennen, wie der
damalige Schlamm durch das Gewicht des Riesen zwischen seine Zehen ge­
drückt wurde. Das Mysteriöseste: Bei dem fraglichen Relikt aus Südafrika
handelt es sich um einen linken Fußabdruck. Wie erklärt sich aber, daß man in
einem völlig anderen Land, nämlich in Sri Lanka, einen gleich großen rechten
Fußabdruck gefunden hat?
Und wie sind die Ausgrabungen von Dr. Rex Gilroy (ehemaliger Direktor
des Mount York Natural History Museums nahe der Stadt Bathurst, New South
Wales) in Australien zu beurteilen? Er fand in den letzten Jahren riesige vorge­
schichtliche Werkzeuge, Handbeile, Mörser, Keulen und mehrere in Vulkan­
asche versteinerte überdimensionale Fußabdrücke. Sie deuten auf eine bisher
unbekannte Menschenrasse hin, die man aufgrund der Größe als Riesen be­
zeichnen muß.
Unser Freund illzyne May (Herausgeber des archäologischen Magazins
Ancient American) hat uns über einen erstaunlichen Fund in Utah berichtet.
Demzufolge wurden in einer Grabanlage mehrere menschliche Skelette gefun-
1 181
den, die alle über 2,20 bis
2,40 Meter groß waren.
Einige Knochenreste las­
sen auf Körpermaße bis
zu drei Metern schließen.
In den Gräbern wurden
Sandalen, Teile von Net­
zen und weitere Gegen­
stände ans Tageslicht be­
fördert. Des weiteren wur­
den unbekannte Schrift­
zeichen entdeckt, die in
den Steinwänden einge­
ritzt sind. Durch die gün­
stigen klimatischen Ver­
hältnisse befinden sich die
Grabschätze in einem sehr
guten Zustand. Leider
wurden bei diesen aufre­
genden Funden noch kei­
ne DNA-Untersuchun­
gen sowie Altersdatierun­
gen vorgenommen . Es
wird hochinteressant zu
erfahren, vor wie vielen
Jahren diese Menschen in
Prof James J. Hurtack machte die Autoren auf den Fund Amerika gelebt haben und
eines Fußabdruckes in Stein aufmerksam, der die giganti­ was die genetischen Ana­
sche Länge von 130 Zentimetern mißt. lysen an Überraschungen
(Foto: Prof J. J. Hurtack) ergeben.
In j üngster Zeit häu­
fen sich solche unerwarteten Entdeckungen. 1 998 wurden von einer italieni­
schen Archäologiegruppe in Höhlenanlagen in Bolivien menschliche Skelette
mit über 2,40 Meter Größe entdeckt. Die Schädelknochen sind auffällig länger
als bei normalen Menschen. Sie zeigen außerdem sehr dicke, ausgeprägte
Unterkiefer. Welche Menschen waren dies und wann haben sie genau gelebt?
Wissenschaftliche Untersuchungen werden uns hoffentlich bald mehr Details
über diesen merkwürdigen Fund offenbaren.
Dem vielleicht bedeutendsten Beleg, der auf die Existenz einer frühen
unbekannten Riesenrasse hinweist, kamen wir durch eine kleine Meldung auf
Knochenfunde aus
dem amerikani­
schen Bundesstaat
Utah. Die Skelette
stammen von
Menschen, die zu
Lebzeiten zwi­
schen 2, 20 und
drei Meter groß
gewesen sind.
(Foto: Wayne May)

brasilianischen Internetseiten auf die Spur. Es war der Bericht über den Fund
eines menschlichen Riesenskeletts in Ecuador. Ein Pater namens Carlos vaca soll
laut dem Internet-Artikel im Jahre 1 962 in einer Höhle in der Provinz Loj a etwa
70 Prozent eines menschlichen Skelettes gefunden haben. Die vermutete Größe
des Wesens wurde mit beachtlichen 7,60 Meter angegeben.
Einer der Autoren (K. 0.) recherchierte bei der dritten Ecuador-Reise im
Dezember 2002 vor Ort weiter. Aus den Reisebuchnotizen: »Die Berichte über
angebliche Knochenfunde von Riesen sind faszinierend und machten mich
neugierig. Ein Versuch, über meine ecuadorianischen Freunde einen Kontakt zu
dem Pater herzustellen, blieb leider ohne Erfolg. Niemand kannte einen Pater
Carlos Vaca. Mein Gefühl sagte mir aber, daß dieser Bericht der Wahrheit
entspricht. Mit viel Glück und Geduld fand ich in der Provinz Loja die heiße
Fährte. Und doch war sie enttäuschend. Ich mußte zu meinem tiefen Bedauern
erfahren, daß Pater Carlos Miguel Vaca auf den Tag genau einen Monat vor
meinem Eintreffen im Alter von 94 Jahren verstorben war. Mit viel Mühe und
wiederum mit dem nötigen Glück konnte ich die Familie von Pater Vaca in
einem kleinen Ort ausfindig machen, und ich besuchte sie noch am selben Tag.
Pater Vaca lebte die letzten Jahre bei seiner Familie, arbeitete aber noch
täglich in einem Krankenhaus und war bis zu seinem Ableben auf mehreren
Gebieten tätig: Seelsorge im Krankenhaus, Archäologie und Musik - er kompo­
nierte über 300 Musikstücke. Die Familie empfing mich überaus freundlich
und nach einer Weile kam das Gespräch auf die Riesenknochen. Es wurde mir
bestätigt, daß alles den Tatsachen entspricht und dann führten sie mich in das
Zimmer von Pater Vaca. Dort gab es viele archäologische Stücke und für mich
fast unfaßbar - einen ganzen Schrank voll mit den Knochen des menschlichen
1 1 83
Riesenskelettes . Mir wurde
eine schriftliche Bestätigung
aus dem Jahre 1 993 gezeigt,
die von elf ecuadorianischen
Wissenschaftlern unterschrie­
ben war. Demnach wurden
exakte Untersuchungen ge­
macht, die bestätigten, daß es
sich bei diesem sensationellen
Fund wirklich um Riesen­
knochen handelt. Von der Fa­
Die Familie Vaca verwaltet das erstaunliche Erbe von milie wurden mir fünf kleine-
Pater Garlos Miguel Vaca: Knochenfragmente von re Knochenstücke für Unter­
Riesen! (Foto: Klaus Dona) suchungen in Österreich mit­
gegeben. «
Ein Professor für Anato­
mie der Universität Wien hat
inzwischen eines der Fund­
stücke als »Os Occipitale« -
das ist der Hinterkopfknochen
eines Menschen - identifizie­
ren können. Er meinte aller­
dings mit höchst nachdenkli­
cher Mine, daß dieser Mensch
- den genauen Abmessungen
zufolge - unfaßbare 7,50 Me­
ter groß gewesen sein müß­
Einige der Unikate aus dem Vermächtnis von Pater te . . .
Vaca. Die Relikte sind gerade Gegenstand wissen­ Aufzeichnungen vonJuan
schaftlicher Untersuchungen an zwei Instituten. de OEmos, Leutnant Governor
(Foto: Klaus Dona) in Puerto Viej o aus dem Jahr
1 543 und Pedro Cieza de Leon
anno 1 5 5 3 besagen, daß es in Ecuador mehrere Funde von menschlichen
Riesenskeletten gegeben hat. Sie alle sollen sich auf Geschöpfe beziehen, die
fünf- bis sechsmal größer waren, als Menschen zu dieser Zeit. Bei der Größen­
annahme eines Menschen aus damaliger Zeit können wir von durchschnittlich
1 , 5 0 Meter ausgehen. Bei fünfmal größeren Ausmaßen sind wir wieder bei den
erwähnten 7,50 Meter. In den Aufzeichnungen von Pater Carlos Vaca sind jene
FundsteIlen vermerkt, wo er die Skelettfunde gemacht hatte. Ebenso präzise
Ortsangaben über weitere sensationelle Skelettfunde. Mehr sei an dieser Stelle
1 84 I

noch nicht verraten. Es bleibt spannend. Wir sind den Riesenfunden dicht auf
den Fersen.
Die Familie von Pater Vaca offenbarte noch etwas Seltsames: Eine kleine
Glasflasche mit einer gelblichen, öligen Flüssigkeit. Sie erzählte, daß Pater Vaca
diese Flüssigkeit neben dem Skelett gefunden hätte und daß er damit, so
unglaublich das klingen mag, Steine weich formen konnte. Wäre dies womög­
lich die Lösung für die ungeklärte Frage, wie man zum Beispiel die Festung
Sacsayhuaman in Peru bauen konnte? Die dreifach gestufte Nordmauer besteht
im untersten Teil aus riesigen Blöcken von grauem Kalkstein, die präzise
bearbeitet und aneinandergefügt wurden. Die perfekte Paßarbeit ist im Anden­
raum schon Jahrhunderte vor der Inkazeit bekannt gewesen (Tiahuanaco,
Pucara, Schullpas und Sillustani) . Das
Besondere an den Mauern von Sacsay­
huaman ist die fugenlose Verlegung von
zyklopischen Steinen, manche bis zu
1 00 Tonnen schwer, mit unregelmäßi­
gen Umrissen. Die Fugen sind so eng,
daß eine Messerklinge nicht hineinpaßt.
Bis heute hat die Wissenschaft für diese
Technik keine Erklärung - eine wun­
dersame Flüssigkeit, mit der man harte
Steine erweichen konnte, wäre eine
phantastische Erklärung für das Unbe­
greifliche.
Der nächste Besuch Ecuadors
Flasche mit wundersamer Flüssigkeit aus kommt bestimmt. Bei der Gelegenheit
Ecuador. Enthält sie die Lösung zum können wir, so wurde uns von Familie
Geheimnis des »Steineschmelzens« ? Vaca erlaubt, einen Teil dieser geheim­
Eine chemische Analyse in einem Labor nisvollen Flüssigkeit mitnehmen, um
soll demnächst eine Klärung bringen. sie in Österreich analysieren zu lassen.
(Foto: Klaus Dona) Auf das Ergebnis darf man schon jetzt
gespannt sein!
Die vielen Schilderungen über Riesenfunde kann man nicht mehr ignorie­
ren. So viel läßt sich aber j etzt schon behaupten: Riesen kommen keineswegs
nur in Märchen vor! Warum aber sind sie ausgestorben? Vor 65 Millionen
Jahren wurden mit einer gewaltigen Klimakatastrophe die Dinosaurier dahinge­
rafft. Alle Lebewesen mit einem Körpergewicht von mehr als zehn Kilogramm
starben aus.
Auch die Riesen?
16
Menschwerdung mit Fragezeichen
Intelligenzsprung und widersprüchliche
Erkenntnisse

Die Spuren der Riesen und andere versteinerte Rätsel der Erdgeschichte ma­
chen deutlich, daß das traditionelle Bild über unsere Vergangenheit sehr lücken­
haft ist. Die Evolutionstheorie bietet nicht für alle aufgefundenen Artefakte, die
die Erde preisgegeben hat, eine befriedigende Erklärung. Einiges verliert sich im
Dunkel der viele Millionen Jahre zurückreichenden Geschichte oder steht im
starken Widerspruch zur gängigen Abstammungslehre.
Das Phänomen Menschwerdung und die Frage nach unserer Herkunft
beschäftigt den Menschen nicht erst seit heute. Schon am Anfang jeglicher
Zivilisation und Kultur suchten unsere Vorfahren nach Antworten. Woher
kommen wir? Wo liegt die Wiege unserer Kultur? Wann hat sich aus der Reihe
der affenartigen Primaten der intelligente Mensch herausgebildet?

Frühmenschenaffe »Proconsu/« aus Kenia, Jungtertiärzeit (Miozän), vor ca. 20 Millionen


Jahren (Abbildung: Niedersächsisches Landesmuseum)
Folgt man dem aktuellen Stand der Paläoanthropologen, dann wurde diese
Entwicklung erst rund 60 Millionen Jahre nach dem plötzlichen Verschwinden
der Dinosaurer eingeleitet. Anders gesagt: Die ersten Spuren j enes Wesens, das
man für eine frühe Form des Menschen hält, sind nur wenige Millionen Jahre
alt. Im Sinne der Evolutionstheorie hat sich die Gruppe der Säugetiere, die in
der Dinosaurier-Epoche nur ein armseliges Dasein führte, nach dem Aussterben
der Riesenechsen explosionsartig zu vermehren begonnen. Einige dieser Lebe­
wesen - Primaten und ihre Vorläufer - lebten auf Bäumen, weil sie dort
reichlich Nahrung und einen gewissen Schutz vor Raubtieren fanden. Millio­
nen Jahre später kamen Nachfahren dieser Geschöpfe von den Bäumen herun­
ter, um ein neues Leben als aufrechtgehende Zweibeiner zu beginnen. Weshalb
andere lieber auf den Bäumen blieben und sich vor etwa 40 Millionen Jahren
zur Familie der Menschenaffen entwickelten, die noch heute in mehreren Gat­
tungen und Arten in tropischen Ländern verbreitet sind, ist nicht ganz nach­
vollziehbar.
Wann trennten sich die Entwicklungslinien, die zum Menschen und zu
seinen heute existierenden nächsten Verwandten führten? Bisher war es nicht
möglich, den Zeitpunkt dieser »Menschwerdung« auch nur annähernd präzise
zu erfassen. Die frühersten Vorfahren des Menschen sollen aus Afrika stammen.

Der Urmensch Australopithecus von Tansania (Olduvai-Schlucht), älteres Eiszeitalter vor


ca. zwei Millionen Jahren (Abbildung: Niedersächsisches Landesmuseum)
1 1 87
Andererseits gibt es auch Belege, die ebenso in Asien frühe Entwicklungen zur
Menschwerdung aufzeigen. Dieser Meinung sind j edenfalls Wissenschaftler, die
in der Provinz Shanxi 1 99 5 die Versteinerung eines bisher unbekannten Prima­
ten fanden, der vor 40 Millionen Jahren gelebt hat. Die Kreatur soll nicht viel
größer als eine Maus gewesen sein. Christopher Beard vom Carnegie Natur­
geschichtsmuseum in Pittsburg, Pennsylvania (USA) : »Der Winzling könnte fünf
Millionen Jahre früher als andere Primaten auf der Erde geweilt haben. «
Welche Erklärung gibt e s für die vielen oft nebeneinander verlaufenden
Entwicklungszweige? Lange Zeit suchte man nach dem sogenannten »Missing
link«, dem fehlenden »Bindeglied zwischen Mensch und Tier« . Da man dieses
Bindeglied nicht fand, heißt es heute, daß man einer bestimmten Spezies, die
Mensch und Tier miteinander verbindet, gar nicht habhaft werden kann. Den
Grund dafür glaubt man darin gefunden zu haben, daß der Evolutionsvorgang
nicht aus einzelnen Entwicklungsstufen bestand, sondern ein fließender Prozeß
war. Anthropologen tun sich schwer, eine eindeutige Linie von primitiven
Vorfahren zum heutigen Menschen zu ziehen. Viele Fossilien repräsentieren
ausgestorbene Seitenlinien. Jeder neu entdeckte Schädel oder Knochenfund
wirft wieder die alte Frage auf: Handelt es sich eher um einen Primaten, der
noch zu den Mfen zu zählen ist, oder haben wir es bereits mit einem Vorfahren
mit deutlich menschlichen Zügen zu tun?

Pekingmensch der Homo-erectus-Gruppe, mittleres Eiszeitalter vor ca. 200 000 Jahren
(Abbildung: Niedersächsisches Landesmuseum)
1 88 I

Vor etwa vier bis fünf Millionen Jahren soll sich eine dem heutigen Schim­
pansen nahestehende Gruppe zu einer eigenen Entwicklungslinie abgespaltet
haben, aus der nacheinander Formen entstanden, die einerseits eine allmähliche
Aufrichtung und Vergrößerung des Körpers, andererseits auch eine Vergröße­
rung des Gehirnschädels, verbunden mit einem Zurückweichen der »Schnau­
ze«, erfuhren. So j edenfalls erklären es uns die Evolutionsforscher. Doch mit
jedem neuen Knochenfund wird der Stammbaum des Menschen ordentlich
durcheinandergewirbelt.
Der im Jahre 2000 aufgefundene » Millenni um Man« aus Kenia ist eines der
j üngeren Beispiele dafür. Die Knochenfragmente, die von einem bisher unbe­
kannten menschenähnlichen Wesen stammen, werden auf gut sechs Millionen
Jahre datiert. Wichtigstes Indiz dafür, daß es sich tatsächlich um einen Vorfah­
ren des Menschen handeln könnte, ist das Gebiß. Die Kieferstruktur ist weiter
entwickelt als bei bekannten Mfenarten und zeigt eine deutliche Verbindung
zum modernen Menschen. Damit sind die Fossilien des »Millennium Man« für
die Evolutionsforscher die bislang ältesten anerkannten Überreste menschlicher
Vorfahren.
Bis dahin war man davon ausgegangen, daß die Gattung Australopithecus
anamensis und der Ardipithecus ramidis die ältesten Vormenschen sind, die vor
mehr als vier Millionen Jahren lebten. Es folgten zahlreiche Nachfahren dieser
Spezies, darunter die berühmte 3,2 Millionen Jahre alte »Lucy« vom Typ
Australopithecus aforensis, von dem man bislang annahm, er habe den aufrechten
Gang »erfunden« . Das Gehirnvolumen des Australopithecus entsprach noch
fast dem des Schimpansen. Ihm folgten weitere Arten, wie der Homo rudolfensis,
der heute als »Ursprung der Gattung Mensch« angesehen wird.
Parallel zu dieser Entwicklung soll es zu einer immer feineren Differenzie­
rung des Gehirns gekommen sein. Dies führte zu einer Steigerung der intellek-

Schädelknochen des Austraolopithecus


africanus. Diese Gattung existierte vor etwa
einer bis vier Millionen Jahren. Sie bildet
den Übergang zur »höheren Menschform«.
Als älteste Spuren von Vormenschen gelten
die Knochenfragmente des »Millennium
Man« aus Kenia. Sie sind rund sechs Millio­
nen Jahre alt. Funde, die nicht ins vertraute
Schema passen, legen den Verdacht nahe,
daß der Stammbaum des Menschen noch
weiter in die Vergangenheit zurückreicht.
(Foto: Bernhard Moestl und Autoren)
1 1 89
tuellen Leistungsfähigkeit, die schließlich zur Entwicklung einer komplexen
Sprache und zum Gebrauch von immer ausgeklügelteren Werkzeugen führte.
Die Gründe für diese einzigartige Entwicklung sind Gegenstand von Spekula­
tionen und in vieler Hinsicht rätselhaft. Ebenso ist es ein Rätsel, warum dieser
gesamte Entwicklungszweig heute nurmehr in einer Art existiert und die zahl­
reichen anderen Formen, die im Laufe der Entwicklung entstanden, ausgestor­
ben sind.
Was wurde aus dem Homo erectus, einer gegenüber dem Australopithecus
schon weiter fortgeschrittenen Entwicklungslinie des Menschen mit Werkzeug­
gebrauch und deutlicher Tendenz zur Vergrößerung des Gehirnvolumens? Die
Frühform dieses Typs tauchte vor zwei Millionen Jahren auf. Es war die erste
Frühmenschenart, die in mehreren Erdteilen verbreitet war. Er lebte vor 1 , 5 Mil­
lionen Jahren in Mrika (Koobi-Fora am Turkanasee in Kenia) , ebenso in Europa
(Dmanisi in Georgien) und in Asien (Modjokerto und Sangiran aufJava) .
20 Kilometer südlich des Yangtse-Flusses in der chinesischen Provinz Sichuan
stießen 1 99 5 Anthropologen auf menschliche Relikte der Gattung Homo erectus,
deren Alter von Wissenschaftlern der Universität Iowa (USA) und des Instituts
für Paläoanthropologie in Peking auf mindestens 1 , 9 Millionen Jahre beziffert
wird. Damit muß der Zeitpunkt der menschlichen Besiedlung Asiens zurückda­
tiert werden. Der Homo erectus scheint in unterschiedlichen Gebieten der Erde
überraschend gleichzeitig aufgetaucht zu sein. Einige Anthropologen vermuten
deshalb, daß zwischen dem Homo erectus aus Mrika und den anderen kein
direkter stammesgeschichtlicher Zusammenhang besteht. Das aber macht die
Problematik um entdeckte Funde nicht unbedingt verständlicher.
Ein Schädelfragment mit den Merkmalen des Homo erectus, das 1 997 in
Indonesien gefunden wurde, verblüfft die Experten. Anthropologen des Ameri­
can Museum ofNatural History (New York, USA) konnten in einer wissenschaft­
lichen Expertise nachweisen, daß dieser Urmensch bereits ein Sprachzentrum
zur Kommunikation entwickelt hatte. Bislang konnte dies nur aus dem Verhal­
ten des Homo erectus vermutet werden, da er bereits vor 800 000 Jahren
indonesische Inseln besiedelt hatte. Eine Leistung, die ohne Boote und sprach­
liche Kommunikation der Mannschaft kaum denkbar ist. Noch vor etwa 300 000
Jahren existierten Frühmenschen dieser Gattung. Weshalb aber starben sie aus?
Die gleiche Frage stellt sich beim Homo steinheimensis, der 1 933 in Stein­
heim an der Murr, Baden Württemberg, in Deutschland gefunden wurde. Er ist
etwa 250 000 Jahre alt und wird sehr unterschiedlich interpretiert. Für einige
Forscher ist dieser Schädel ein Beleg für die älteste rituelle Tötung eines
Urmenschen in Deutschland. Demnach wurde diesem Menschen von Zeitge­
nossen der Schädel eingeschlagen und danach vom Hals abgeschnitten. Vermu­
tet wird, daß das Hinterhauptsloch gewaltsam geöffnet, das Gehirn entnom-
1 90 I

men und anschließend gegessen wurde.


Kannibalismus, bei dem man einen reli­
giösen Hintergrund vermutet, war den
Frühmenschen in Europa offenbar nicht
fremd. Manche Wissenschaftler sehen
im »Steinheimer-Mensch« einen Vorläu­
fer des Neandertalers, andere einen des
Homo sapiens sapiens, also des Men­
schen der Gegenwart.
Das rätselhafteste Aussterben in der
Menschheitsgeschichte bleibt das Ver­
schwinden des Neandertalers in der letz­
Bei der Zuordnung des Schädels »Stein­ ten Eiszeit vor mehr als 30 000 Jahren.
heimer« sind sich die Experten uneins. Unser Bild von diesen stämmigen Vor­
Handelt es sich um einen Neandertaler zeitmenschen, die im Durchschnitt bei
oder einen Homo sapiens sapiens? 1 ,60 Meter Größe 75 Kilogramm schwer
(Foto: Bernhard Moestl und Autoren) waren, wurde oft revidiert. Mit dem er­
sten Fossil, 1 8 5 6 im Tal der Neander bei
Düsseldorf, Deutschland, entdeckt,
glaubte man, unseren affenähnlichen
Stammvater gefunden zu haben: brutal
und einfältig, aber immerhin ein Zwei­
beiner.
Mit j edem neu entdeckten Homi­
niden (im Gegensatz zum affenartigen
Primaten ein m ensch en artiges Wesen)
verlor der Neandertaler mehr äffische
Züge und rückte in die Nähe des derzei­
tigen Menschentyps: Er fertigte Schmuck
an, bestattete seine Toten, sorgte für
Gebrechliche, baute Hütten aus Mam­
mutknochen, verfügte über Sprache und
musizierte auf Knochenflöten. Wenn er
uns heute auf der Straße in Jeans begeg­
nen würde, fiele er trotz seiner typischen
Physiognomie mit einer niedrigen Stirn,
Eine Rekonstruktion belegt: Der Neander­ einem massiven fliehenden Kinn und
taler würde in der heutigen Gesellschaft einem flachen Hinterkopf nicht sonder­
kaum sonderlich auffallen. Weshalb starb lich auf. Sein Gehirnvolumen war sogar
er aus? (Foto: Reinhard Habeck) größer als jenes heutiger Menschen. Der
Neandertaler war dem modernen Homo sapiens sapiens an Intelligenz fast oder
ganz ebenbürtig.
Genetische Analysen von Knochenresten stellten 1 997 klar, daß er dennoch
kein Stammvater der heutigen Menschen ist. Lange Zeit existierten beide
Formen gleichzeitig. Vermischungen sind kaum nachweisbar. Eindeutige Funde
zum Beleg großer Schlachten um die Weltherrschaft zwischen diesen beiden
Menschenarten stehen ebenso aus. Ein Rätsel indes bleibt bestehen: Weshalb ist
der Neandertaler komplett verschwunden, nachdem er sich über 2 5 0 000 Jahre
im Europa der Eiszeit bestens behauptet hatte?
Ein Quantensprung im Werden des Menschen war die Erfindung der
ersten Steinwerkzeuge. Die ältesten von der Archäologie anerkannten Funde
dieser Art stammen aus Ostafrika. Es handelt sich um Gerölle mit schneide­
artigen Kanten, die rund 2 bis höchstens 2,5 Millionen Jahre alt sind. Erst mit
den Acheuleen Werkzeugen vor rund 1 ,6 Millionen Jahren hat sich die Technik
-

der Werkzeugherstellung wesentlich verbessert. Die Faustkeile und Steinbeile


verbreiteten sich von Afrika über den Nahen Osten nach Europa und Asien aus,
veränderten sich aber dennoch in den darauffolgenden nahezu 1 , 5 Millionen
Jahren an Form und Herstellungstechnik nicht. Weshalb, kann nicht ganz
befriedigend erklärt werden.
Völlig aus dem Rahmen des gängigen Weltbildes fallen Funde, die in den
Bergwerksstollen im Tuolomne- Tafelberg in Kalifornien, USA, gemacht wurden.
Sie sind in viele Millionen Jahre altem vulkanischen Gestein eingebettet. Ihre
Herkunft, sie wurden zum Teil in 1 00 Meter Tiefe entdeckt, ist ungeklärt.
Einige detaillierte Beispiele von dort und aus anderen Teilen der Welt:
Eines der bedeutendsten Fundstücke ist ein Stein mörser (36 Zentimeter
im Durchmesser) , der in geologischen Schichten gefunden wurde, die auf
ein Alter zwischen 33 und 35 Millionen Jahre schließen lassen! Wer hat
ihn angefertigt?
1 8 5 3 soll im Sonora-Tunnel (ebenfalls im Tafelberg) neben einem
Mastodonzahn auch ein Obj ekt gefunden worden sein, das einer großen
Steinperle aus Alabaster glich, etwa 3,75 Zentimeter lang mit einer Durch­
lochung.
1 89 1 entdeckte Clarence King vom u. s. Geological survey in tertiären
Geröllschichten ein poliertes Werkzeug, das sich als Steinstößel heraus­
stellte, ganz ähnlich j enen Stößern moderner Indianer. Das Relikt soll
sich heute im smithsonian Institute befinden.
Ein besonders auffälliges Beispiel für rätselhafte Funde aus der Vorzeit ist
eine Muschelschale, auf deren Außenseite ein erkennbares menschliches
Gesicht eingeritzt ist. Das Kunstwerk wurde Ende des 1 9 . Jahrhunderts
bei archäologischen Ausgrabungen in den Schichten des Roten Crag, auch
Walton Crag genannt, in England gefunden. Alter: zwischen 2 und 2 , 5
Millionen Jahre.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fand J Reid Moir, ein Mitglied des Royal
Anthropological Institute und Vorsitzender der Prehistoric Society o[ East
Anglia, Steinwerkzeuge unter der Red-Crag-Schicht Englands. Einige
Werkzeuge könnten zwischen 2 , 5 und 5 5 Millionen Jahre als sein. Eine
Delegation des American Museum o[ Natural History, New York, reiste
1 923 nach England und erklärte die Funde für echt. Da sie j edoch nicht
ins räumliche Zeitgefüge paßten, gelangte man später zu der Ansicht, die
Produkte müssen wohl durch natürliche Einwirkungen entstanden sein.
1 9 1 2 entdeckte der Archäologe Carlos Ameghino an der Steilküste von
Miramar in Argentinien untypische Werkzeuge, die zwei bis drei Millio­
nen Jahre alt sind. Unter den Artefakten befand sich auch ein Ober­
schenkelknochen eines Toxodons, eines ausgestorbenen südamerikani­
schen Huftieres. Im Knochen des Tieres eingebettet, fand man eine
steinerne Pftil- oder Lanzenspitze, und damit den Beweis, daß vor zwei bis
drei Millionen Jahren kulturell fortgeschrittene Menschen in Argentinien
lebten. Ein Vorstellung, die für dogmatische Gelehrte völlig absurd er­
scheinen muß.
Die Ablagerungen am Fuße der Felswand von Mundesley in England
werden auf 400 000 Jahre bis 1 ,75 Millionen Jahre datiert. In diesen alten
Schichten fand der Archäologe S. A. Notcutt zu Beginn des 20. Jahrhun­
derts etwas Ungewöhnliches: Ein Holzstück, das auf seiner stärkeren Seite
abgesägt und am spitzen Ende geschwärzt war, so, als hätte man es ins
Feuer gelegt. Eigentlich konnte nur eine Metallsäge eine solche präzise
Arbeit leisten. Doch wer sollte dazu vor mehreren hunderttausend Jahren
imstande gewesen sein?
Das fragte sich auch die israelische Archäologin Prof Naama Goren-In bar,
als sie 1 989 im nördlichen Jordantal eine verblüffende Entdeckung machte.
In einer 500 000 Jahre alten Grabungsstätte fand sie ein 25 Zentimeter
langes und 1 3 Zentimeter breites Brett aus Weidenholz. Es hatte eine sehr
flache, sehr glatte und künstlich polierte Oberfläche, die so geschickt
bearbeitet war, daß keinerlei Spuren von Werkzeugen sichtbar waren. Die
Kante war völlig gerade und absichtlich abgeschrägt. Der Verwendungs­
zweck ist unklar. Ebenso unbeantwortet bleibt die Frage, welcher Höh­
lenmenschen ohne Lineal und Zeichendreieck das Artefakt angefertigt
haben soll?

Wie dürfen solche, der Lehrmeinung widersprechenden Funde im Gesamtbild


der Menschwerdung beurteilt werden? Ist es so, daß die Wurzeln unserer
1 1 93
Zivilisation doch um Jahrmillionen früher angesiedelt werden müssen? Oder
sind derartige Entdeckungen als spärliche Überreste zu deuten, die einer längst
untergegangenen Zivilisation gehörten? Einer unbekannten Kultur, die sich
unabhängig und lange vor dem eigentlichen Beginn unserer geschichtlich
überlieferten entwickelt hatte? Gibt es noch andere Spuren für die Existenz
einer oder mehrerer versunkener Zivilisationen, die unserer Aufmerksamkeit bis
j etzt entgangen sind? Berücksichtigt man den Zeitfaktor, so wäre es im Laufe
der Erdgeschichte theoretisch durchaus möglich gewesen, daß es bereits andere
Zivilisationen gab, die als Vorspiel zu unserer eigenen existiert haben könnten.
Folgt man der Evolutionstheorie, dann sind Vorstellungen von einer frühen
unbekannten Menschheit oder einer vorsintflutliche Zivilisation, die vielleicht
sogar bereits vo r dem Erscheinen des »vernunftbegabten« Homo sapiens sapiens
technologisches Wissen hervorbringen konnte, schlicht unmöglich. Erst als vor
rund 1 00 000 bis höchstens 1 50 000 Jahren der anatomisch moderne »ver­
nunftbegabte Jetztmensch« (Homo sapiens sapiens) recht übergangslos auf dem
afrikanischen Kontinent »erschienen« war, kam es zu einem folgenreichen
»Intelligenzsprung«, der in der menschlichen Entwicklung einzigartig ist.
Folgt man der »Out of Mrica«-Theorie, verließ der moderne Mensch vor
etwa 1 00 000 bis 1 2 5 000 Jahren in gtoßen Auswanderungswellen (so wurde
bisher vermutet) die Savannen Mrikas und verbreitete sich aus noch nicht näher
bekannten Gründen innerhalb weniger Jahrtausende über die ganze Welt. In
Europa soll er erst vor etwa 3 5 000 Jahren aufgetaucht sein. Dennoch gibt es
etliche Funde, die dem gängigen Lehrbild der großen afrikanischen Völkerwan­
derung widersprechen. So untersuchten Wissenschaftler der Australischen Na­
tional-Universität kürzlich ein 68 000 Jahre altes Skelett, das 1 974 am Lake
Mungo im Bundesstaat New South Wales gefunden wurde. Die Analyse von
Fragmenten der Erbsubstanz brachte ein
erstaunliches Resultat. Der genetischen
Überprüfung zufolge weist das Skelett

Schädelfragment des »vernunftbegabten


Jetztmenschen«, auch Homo sapiens sapiens
genannt. Erst vor 1 00 000 bis höchstens
1 50 000 Jahren tauchte diese Form des
modernen Menschen auf und entwickelte sich
vom primitiven Steinekratzer zum genialen
Pyramidenarchitekten und modernen Compu­
terspezialisten. Was war der Auslöser für
diesen beispiellosen Intelligenzsprung?
(Foto: Bernhard Moestl und Autoren)
DNA-Formen auf, die in Afrika nicht existieren - aber auch nicht in »moder­
nen« Aborigines. Der sogenannte »Mungo Man« kann nicht mit j enem Homo
sapiens verwandt sein, der den afrikanischen Kontinent verlassen hat.
Erstaunliche Ergebnisse lieferten ebenso die aufwendigen Untersuchungen
der italienischen Genetikerin Silviana Santachiara-Benerecetti: Nicht wie bisher
angenommen vor 1 2 5 000 Jahren, sondern erst vor 5 0 000 Jahren begann
demnach der eigentliche weltumspannende Siegeszug des Homo sapiens sapi­
ens. Die sensationellen Ergebnisse beruhen auf Genanalysen bei Menschen aus
50 ethnischen Gruppen rund um den Globus. Ihre Rückrechnungen führte zu
dem Resultat, daß nur eine keine Gruppe von etwa 2000 Personen aus dem
ostafrikanischen Busch in alle Kontinente aufbrach. Daß die ursprüngliche
Gruppe zahlenmäßig sehr klein war, erklärt auch die geringe genetische Vielfalt
der heutigen Menschheit im Vergleich etwa zum Schimpansen. Unabhängig
davon konnte ein amerikanisches Forschungsteam die Ergebnisse bestätigen.
Dank ihres überlegenen Intellekts verdrängten die »vernunftbegabten Men­
schen« in nur wenigen Jahrtausenden alle anderen hominiden Formen. Dann
ging es schlagartig aufwärts: vom Hersteller primitiver Steinkratzer, Sammler
und Jäger zum seßhaften Bauern, Metallverarbeiter bis hin zum Erbauer mathe­
matisch ausgeklügelter Pyramiden und Weltraumreisenden.
Was bei diesen Erkenntnissen stutzig macht: Die Menschheit und ihre
Ursprünge der Zivilisation machen nur einen winzigen Bruchteil der vielen
Jahrhundertmillionen der Erdgeschichte aus. Was war vor 1 0 000 bis 50 000
Jahren? Bevölkerten unseren Planet in diesen eiszeitlichen Epochen wirklich
nur phantasielose Geschöpfe?
Ebenso stellt sich die Frage, was der Auslöser für die technologische Erfin­
dungsgabe des modernen Menschen war. Woher kam der geniale Durchbruch,
der zum kulturellen Aufstieg der Menschheit führte? Ging der moderne Mensch
zwangsläufig aus der Evolution hervor, oder ist er nur zufällig entstanden?
Der amerikanische Anthropologe Dr. Richard Klein von der Standford
University, USA, zieht aus den Ungereimtheiten interessante Schlüsse. Vor
50 000 Jahren muß folglich eine genetische Veränderung im Gehirn des frühen
afrikanischen Menschen stattgefunden haben. Er wurde buchstäblich zum
»verstandesmäßigen Menschen umgekrempelt« . Nur so ließe sich erklären, daß
es nur wenige hundert Menschen waren, die sich letztlich auf der Erde durchset­
zen konnten.
Fragt sich nur, was den »genetische Urknall« am Beginn der Ahnengalerie
des modernen Menschen auslöste? An diesem Punkt setzt eine phantastische
These an, die sich auf alte globale Menschheitsüberlieferungen stützt. Inhaltlich
wird darin stets dasselbe behauptet: ))Gott« oder ))Götter«, die vom Himmel
herab zur Erde gestiegen waren, gesellten sich zu den damaligen Menschen,
1 1 95
zeugten mit ihnen Kinder bzw. schufen den Menschen nach ihrem Angesicht
und gaben ihm anschließend sein Bewußtsein, seine Sprache, seine Schrift.
Vertreter der sogenannten Paläo-SETI-Hypothese (Paläo steht für vorgeschicht­
lich, SET! für die Suche nach extraterrestrischen Intelligenzen) vermuten, daß
diese »Götter« in Wahrheit fremde Wesen einer fortgeschrittenen Sternen­
zivilisation gewesen sind, die in grauer Vorzeit in die Entwicklungsgeschichte
des Menschen eingegriffen haben.
Ein Vertreter dieser These ist der deutsche Forscher, Germanist und Autor
Peter Fiebag. Seine Begründung: »Interpretiert man die alten Mythen modern,
dann sind die Menschen folglich nichts anderes als gentechnologische sowie
pädagogische Projekte, die in kürzerster Zeit weltweit - im Vergleich zur Ge­
samtentwicklung nahezu hektisch - durchgeführt worden sind. Unübersehbar
scheinen modernste wissenschaftliche Erkenntnisse die Aussagen jener mytho­
logischen Überlieferungen als Fakten zu untermauern. Durch >wundersame
Fügung< wurde damals eine Gruppe von wenig hundert Hominiden durch eine
schlagartige genetische Veränderung in kürzerster Zeit zum modernen Men­
schen manipuliert. Diese brach umgehend auf, um sich die Erde untertan zu
machen (wie es in der Bibel zwar hochmütig-arrogant, aber doch treffend
heißt) . Hier gab es keine schrittweise Veränderung im Laufe unzähliger Genera­
tionen, sondern im wahrsten Sinne des Wortes einen Geistesblitz!«
Brachte ein gelenkter Eingriff kosmischer Mächte neue Arten hervor,
zuweilen parallel laufend, oft isoliert von der Gesamtentwicklung? Gab es
womöglich eine »Evolution
aus der Retorte?« Die kos­
mische Perspektive dieser
Fragen mag manchen kon­
ventionell forschenden Wis­
senschaftler schockieren .
Anthropologen, Paläontolo­
gen, Biologen und Geneti­
ker suchen nach Erklärun­
gen für die vielen offenen
Fragen zur Stammesge­
schichte. Über die Lösungs­
ansätze ist man sich denk­
bar uneins. Die Geschichte
der Menschwerdung bleibt
eines der spannendsten Ka­
Steuert das Wunder der menschlichen Evolution zurück pitel der Wissenschaft. So­
zu den Sternen ? (Foto: NASA) lange im großen Evolutions-
puzzle eInige entscheidende Teilstücke fehlen, wird sich daran wohl nichts
ändern.
Gleichermaßen ungewiß ist unsere Zukunft. Welchen Verlauf wird die
Entwicklung des Menschen nehmen? Wird unser Leben nur noch im biochemi­
schen Labor der Genetiker bestimmt werden, wo man sich anschickt, unser
Erbgut zu reparieren oder gezielt zu verändern? Wohin steuert das Wunder der
menschlichen Evolution? Vielleicht hinaus in die Tiefen des Weltalls, um neue
Lebensräume zu erschließen, wenn es auf der Erde zu eng wird und die
Ressourcen versiegen? Oder werden wir zuvor durch politisches Unvermögen
und mutwillige Zerstörung unserer Umwelt bald dem Schicksal der Dinosaurier
folgen?
No Teil

VERSUNKENE
WELTEN
»Bald - und du hast alles vergessen.
Bald - und alles hat dich vergessen. «
Mark Aurel ( 1 2 1 - 1 80 ll. ehr. ) , römischer Kaiser
17
Wann begann der Ursprung
unserer Zivilisation?
Rätselhafte Landkarten stellen Weltbild infrage

Der kulturelle Aufstieg des »vernunftbegabten« Jetztmenschen wurde erst vor


etwa 50 000 Jahren mit einer technischen Revolution eingeleitet. Diesen gro­
ßen Schritt vollzog der Nachfolger des Homo erectus, der heutige Mensch
Homo sapiens sapiens. Vor dieser Zeit hatte der Mensch mit primitivsten
Werkzeugen auskommen müssen, mit einfachen Klingen, Speeren und Keulen.
So j edenfalls sehen es herkömmliche Lehrbücher. Dann gelang es vor etwa
40 000 Jahren, eine Vielzahl von Erfindungen zu nutzen. Man begann, kompli­
zierte Werkzeuge wie Pfeil und Bogen, Pfeilspitzen, Meißel, Nadel, Äxte und
Speerschleudern zu entwickeln. Töpferkunst, Ackerbau und Viehzucht folgten.
Als älteste Siedlung wird Jericho genannt. Die Oase im Jordantal wurde
durch die biblische Geschichte von Josua bekannt, der die Stadt mit Trompeten
auf magische Weise zum Einsturz gebracht haben soll. Die ältesten Spuren von
Jericho werden der Natoujien-Kultur zugeschrieben, die bereits um 1 0 500 bis
8 5 00 v. ehr. bestand, also gegen Ende der Eiszeit.
Die ältesten Metallbearbeitungen sind aus Cartal Hüyük in Anatolien
(Türkei) bekannt. Dabei handelt es sich um Schmuck aus Kupferperlen. Sie
stammen aus dem 7. Jahrtausend v. ehr. Frühe Techniken der Metall-Legierung
aus Bronze mit Zinn, etwa um Waffen und Werkzeuge herzustellen, sollen erst
um 3000 v. ehr. in Mesopotamien und Ägypten entwickelt worden sein. Von
dort aus, so glaubt man, verbreiteten sich diese Kenntnisse über die ganze Welt.
Doch bereits 1 974 ließ eine Entdeckung in Thailand Zweifel an dieser Theorie
aufkommen. Bei dem Dorf Ban Chiang im Nordosten Thailands fanden Ar­
chäologen in Gräbern eine bronzene Speerspitze sowie bronzene Fuß- und
Armreifen, die auf 4500 v. ehr. datiert wurden. Somit begann die Bronzezeit in
Thailand weit früher als in Mesopotamien.
Fachleute nehmen fast einhellig an, daß in West- und Zentralasien der
Ausgangspunkt jedweder Zivilisation zu suchen ist. Die ersten Zahlen und
Schriften sollen ebenfalls aus dieser Region stammen. Gemeint ist die von den
Sumerern entwickelte 5 5 00 Jahre alte Keilschrift.
Gesetzt den Fall, unser technologischer Höhenflug hätte tatsächlich erst vor
rund fünf bis sechs Jahrtausenden mit der Erfindung der Schrift und Techniken
zur Metallverarbeitung begonnen, dann sei die naive Frage gestattet: Und was
war vorher? Was passierte in den vorangegangenen Jahrmillionen? Wie verhielt
sich die Gattung Mensch während dieser Zeitspanne? Wurde unser Planet über
Generationen hinweg nur von menschenähnlichen Idioten bevölkert, die über
Jahrhunderttausende ereignislos dahindämmerten, bis sie dann urplötzlich -
keiner weiß wie und weshalb - zu einer globalen geistigen Erkenntnis gelang­
ten?
In den vorhergehenden Kapiteln haben wir uns bemüht, die Vorgeschichte
aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Gestützt auf die vielen »Unsolved
Mysteries«, die wir in den letzten Jahren aufstöbern konnten, stellen wir die
provokante These auf, daß unsere gegenwärtige Zivilisation nur das vorläufige
Ende einer ganzen Reihe bereits vergangener Zivilisationen darstellt. Das ist
nicht so verrückt, wie es vielleicht zunächst klingen mag. Leben in der jetzigen
modernen Form gibt es seit rund 5 0 000 Jahren. Der bedeutsame Aufstieg
unserer kulturellen Entwicklung hat sich in einem verhältnismäßig kurzen
Zeitraum abgespielt. Er umfaßt etwa die letzten 1 0 000 Jahre. Nun gibt es aber
Leben in irgendeiner Form seit mindestens 5 5 0 Millionen Jahren. Wie oft kann
es während dieser langen Zeitspanne Gesellschaftsformen gegeben haben, die
entstanden sind und irgendwann wieder verschwanden? Wir meinen: viele
Male!
Beweiskräftige Spuren könnten heute so tief in den untersten geologischen
Schichten der Erde begraben liegen, daß wir - wenn überhaupt - nur spärliche
Fragmente finden. Wenn es dann gelegentlich doch gelingt, versunkene Überre­
ste ausfindig zu machen, stellt sich die Frage, ob wir das Aufgefundene richtig
zu deuten wissen. Archäologen stoßen bei ihren Ausgrabungen immer wieder
auf solche Überraschungen. Die Entdeckungen lassen nur zwei Schlüsse zu:
Entweder begann der technologische und kulturelle Aufstieg des Menschen
weitaus früher als bisher angenommen, oder vor den uns bekannten Hochkul­
turen hat es bereits fortgeschrittene Zivilisationen gegeben.
Die Besiedlung der Kontinente durch den Menschen zeigt grobe Unge­
reimtheiten. In Europa gilt der rund 620 000 Jahre alte Homo erectus
heidelbergensis als ältester Nachweis für die Existenz von Frühmenschen. Er ist
menschlicher Vorläufer des »vernunftbegabten« Jetztmenschen, der aber erst
5 8 0 000 Jahre später in Mitteleuropa auftauchte und schließlich alle anderen
Arten verdrängte.
Inzwischen sind neue Funde bekannt geworden, die am bisherigen
Geschichtsbild zweifeln lassen. Schon 1 982 wurde in Spanien ein Schädelstück
eines Homo erectus aus Orce in der Nähe von Granada entdeckt, das mit etwa
1 ,2 Millionen Jahren angegeben wird. Wegen seines hohen Alters wurde dieser
Fund zeitweise als Teil eines Eselschädels betrachtet. Noch heute ist er umstrit­
ten.
Widersprüche im Zusammenhang mit der Besiedlung Europas ergeben
sich ebenso durch die Funde in den Höhlen der Sierra de Atap uerca in Nord­
spanien. 1 994 fanden dort spanische Paläontologen Knochen und Zähne von
mindestens sechs j ugendlichen Frühmenschen in einer nahezu 800 000 Jahre
alten Schicht. Das herausragende Fossil ist ein überraschend modern aussehen­
der Mittelteil eines Schädels: statt gewölbt wie bei entfernten Vorfahren, ist er so
flach wie bei einem modernen Menschen der Jetztzeit! Er gehörte einst zu einem
Kind von elf Jahren. Woran es starb, ist unbekannt. Das Gesicht dieses Kindes,
so ergab die Rekonstruktion des Schädels, würde im Straßenbild einer heutigen
Stadt nicht auffallen. Die spanischen Forscher sehen in dem Fund ein neues
Mitglied der Gattung Homo sapiens und tauften ihn Homo antecessor.
Die Entwicklung des Menschen dürfte auch in seinen späteren Abschnitten
weitaus verwickelter verlaufen sein als bisher angenommen. Manche Funde
rücken den Ursprung vernunftbegabter Menschentypen noch weiter in die
Vergangenheit zurück. Im Jahre 1 8 80 machte der Geologe Prof Guisepp e
Ragazzoni bei Castenedolo (Italien) einen außergewöhnlichen Fund. Der Lehrer
am Technischen Institut in Brescia war auf der Suche nach fossilen Muscheln
und legte am Fuße des Colle de Vento pliozäne (Griechisch: Pleios = viel)
Schichten frei. Dabei stieß er überraschend auf einen menschlichen Schädel, der
anatomisch moderne Merkmale zeigte. Die Fundschicht wird dem Astien zuge­
schrieben, das Geologen zum Mittleren Pliozän rechnen, womit dem Schädel
ein Alter von drei bis vier Millionen Jahren zukäme. Für die herrschende
Lehrmeinung zur Besiedlung Europas also um einige Millionen Jahre zu viel.
Die Tendenz ist klar erkennbar: Fundsachen werden immer häufiger zu­
rückdatiert. Nicht nur in Europa, überall auf dem Globus folgt man diesem
Beispiel, wenn man etwa an die 1 92 1 entdeckten Knochenreste des sogenann­
ten Peking-Menschen denkt. Nach neuen Datierungen ist er nicht, wie bisher
angenommen, 200 000 bis 300 000 Jahre, sondern mindestens 400 000 Jahre alt,
wie Vertreter der chinesischen Guizhou- Universität melden.
Gleichzeitig billigt man unseren Vorfahren Fähigkeiten zu, die ihnen noch
vor wenigen Jahren abgesprochen wurden. Das Alter fossiler und archäologi­
scher Relikte wird laufend korrigiert und umdatiert und wie bei einem unvoll­
ständigen Puzzlespiel zusammengesetzt, ehe ein weiterer Fund auftaucht und
die bisherigen Erkenntnisse neuerlich über den Haufen wirft. Die Lehre daraus:
Auch Lehrmeinungen haben, wie sich zeigt, ein Verfallsdatum.
Die Liste solcher Entdeckungen aus eiszeitlichen Epochen ist lang. Fast
jeder an Vorgeschichte Interessierte kennt die 20 000 bis 30 000 Jahre alten
»Venusfiguren« des europäischen Jungpaläolithikums: Plastiken üppiger nack­
ter Frauen, unter denen die »Venus von Willendorf« aus Österreich die berühm­
teste ist. Weniger bekannt ist, daß diese Figuren im Nahen Osten eine ungleich
ältere Vorläuferin haben. 1 98 1 ent­
deckte die israelische Archäologin
Prof Naama Goren-Inbar auf den
Golanhöhen einen vulkanischen
Brocken, der in einer 230 000 Jah­
re alten geologischen Schicht ne­
ben zahlreichen Steinwerkzeugen
gefunden wurde. Dieser ähnelte
einer Frauenfigur mit Kopf, Ar­
men und Brüsten. Mikroskopische
Analysen bestätigten, daß die
Skulptur von einem frühen Men­
Die 1 0, 3 Zentimeter hohe » Venus von Wille n­ schen mit Steinwerkzeugen bear­
dorf« ist eine der berühmtesten Frauenfiguren beitet wurde, um plastische Di­
aus der Steinzeit. Sie wurde 1 908 bei Ausgra­ mensionen des Objektes und des­
Ö
bungen in sterreich entdeckt. (Foto: Natur­ sen »figurale« Wirkung herauszu­
historisches Museum, Wien) arbeiten. Es handelt sich demnach
um eine Art Proto-Plastik, die
deutlich macht, daß schon die Menschen des älteren Paläolithikums (auch
Altsteinzeit genannt; griechisch: palaios = alt, lithos = Stein) vor etwa einer
Million bis 1 0 000 Jahren bzw. 8000 v. Chr.) in Naturobjekte Figuren »hinein­
sahen« und diese durch gestalterische Modifikationen gezielt »herausmodellierten«
- 200 000 Jahre früher, als bisher angenommen!
Umdenken ist ebenso bei der ersten Anwendung von Holzbearbeitung im
alten Europa angesagt: Auf gut 400 000 Jahre schätzen Archäologen das Alter
dreier hölzerner Wurfspeere, die in einem Braunkohletagebau bei Schöningen
(Niedersachsen, Deutschland) entdeckt wurden. Robin Donnel von der Univer­
sität Sheffield in England: »Damit muß die Ansicht, daß die organisierte Jagd
erst vor rund 40 000 Jahren mit dem Aufstieg des modernen Menschen begann,
revidiert werden. «
Erste, aus Holz, Schilf und Stroh erbaute Hütten traute man bislang
frühestens dem Menschen der Jungsteinzeit - ehestens um 1 0 000 v. Chr. - zu.
Doch eine sensationelle Entdeckung auf dem afrikanischen Kontinent zeigt
nun sehr deutlich, daß man offenbar schon vor 200 000 Jahren (!) in der Lage
war, Häuser zu errichten. Damals bedeckte ein riesiges Binnenmeer Teile der
heutigen Sahara. Am einstigen Ufer in Libyen entdeckte der an der Universität
Hamburg tätige Archäologe Prof Helmut Ziegert vor wenigen Jahren die Über­
reste steinerner Rundhäuser und konnte sie aufgrund weiterer Funde datieren.
Die frühzeitlichen »Häuselbauer« vom Typ Homo erectus waren Jäger und
Fischer, die in geradezu »paradiesischen Zuständen« in einem angenehmen
mediterranen Klima lebten und bereits Spezialwerkzeuge und Waffen in Serie
herstellen konnten.
Die Frage, wann sich die ersten Menschen in Amerika niederließen, ist
ebenso strittig. Nach herkömmlicher These wird angenommen, daß die ersten
Amerikaner von Asien vor 20 000 bis 40 000 Jahren über die Beringstraße
eingewandert seien. Durch die Eiszeit war Wasser als Eis in großen Gebieten der
Erde »gebunden« , mit der Folge, daß der Meeresspiegel beträchtlich sank, und
andernorts, etwa zwischen den Kontinenten, eine Landbrücke entstanden war.
Zahlreiche Funde belegen jedoch, daß schon vorher Menschen in Amerika
beheimatet waren.
Lange galt die Clovis-Kultur, die vor etwa 1 2 000 Jahren die westlichen
Prärien Nordamerikas bewohnte, unbestritten als die älteste Kultur der Neuen
Welt. Doch Funde bei Monte Verde (Chile) - viele davon aus Holz - beweisen,
daß Amerika schon weit früher bewohnt war. Tiefreichende Grabungen deuten
auf eine Besiedlung in der Zeit vor 33 000 Jahren hin. Analysen mit der
Radiokarbon-Methode haben das hohe Alter bestätigt. Menschliche Spuren in
Südamerika sind vielfach älter als jene im Norden. Sie müssen demnach schon
vor der Einwanderung aus dem Norden existiert haben. Den einzigen Ausweg
aus dem Dilemma bietet die Annahme einer Besiedlung des südamerikanischen
Kontinentes auf dem Seeweg.
Darüber hinaus gibt es noch ganz andere Hinweise, die um vieles weiter in
die Vorzeit zurückreichen als Historiker zu glauben wagen. Mysteriöse Funde
stellen die Frage zur Diskussion, ob Amerika bereits weitaus früher von Men­
schen bewohnt war, als man bislang angenommen hat. Anlaß dazu geben
rätselhafte prähistorische Werkzeuge, die man seit Mitte der 1 9 80er Jahre
entlang des nordamerikanischen Kaw River, nahe Kansas City, entdeckte. Die
winzigen Artefakte zeigen Ähnlichkeit mit der Herstellungsart europäischer
Steinwerkzeuge, sind aber um zwei Drittel kleiner. Der Archäologe Neil Steede,
der mit den Untersuchungen der Gegenstände beschäftigt ist, stellte uns etliche
dieser Exponate für Unsolved Mysteries zur Verfügung.
Ein Großteil der Artefakte wurde zum Schneiden, ähnlich einem Messer,
vetwendet. Damit die gewünschte Werkzeugform erreicht werden konnte,
wurden bei einem Rohling mit einem anderen Stein Splitter abgeschlagen
(Abschlagtechnik) . Bei einigen Fundstücken wurde diese Bearbeitung sehr
präzise durchgeführt, um eine Schärfung der Klinge zu erreichen oder beim
Griff einen besseren Halt für die Finger zu ermöglichen.
Das Unglaubliche zeigt sich in der Datierung: Nach den Studien einiger
Forscher, darunter des Geologen Dr. Georg Carter, sollen die Artefakte 1 00 000
bis 200 000 Jahre alt sein! Ein Alter, das von der etablierten Wissenschaft nicht
akzeptiert werden kann.
Die Werkzeug-Funde vom Kaw River im amerikanischen Bundesstaat Kansas stehen im
Widerspruch zu den gängigen Theorien über die Besiedlung Amerikas: Die Artefakte sollen
bis zu 200 000 Jahre alt sein! (Foto: Bernhard Moestl und Autoren)

Die offizielle Anerkennung solcher Funde würde bedeuten, daß sämtliche


heutigen Theorien über die Frühgeschichte des Menschen, insbesondere der
Besiedlung Amerikas, zerstört wären. Die Erklärung für die »Werkzeuge« ten­
diert von offizieller Seite dahin, sie als »natürliche Absplitterungen« anzusehen,
die über Jahrtausende durch die Wasserbewegung des Flusses geformt worden
sind. Doch etliche Stücke zeigen deutliche menschliche Bearbeitungsspuren,
wie selbst Experten der Universität von Kansas in Lawrence anerkennen muß­
ten. Aus diesem Grund wurde kürzlich eine Studie ins Leben gerufen, »Projekt
Kaw River«, in die mehrere unabhängige Wissenschaftler und die amerikani­
sche Early Sites Research Society (Gesellschaft zur Erforschung prähistorischer
Stätten) eingebunden sind. Ziel ist die genaue geologische Erfassung der Kaw­
River-Region, umfassende Grabungen vor Ort und eine präzise Verifizierung
der Artefakte.
Weshalb ist über derartige Funde so wenig bekannt? Warum gibt es nicht
faßbarere Beweise, die jeden Zweifel über frühe Hochzivilisationen ausräumen
könnten? Die Antwort darauf liegt wohl in den vielen globalen Katastrophen,
die das Geschick der Erde und seiner Lebewesen im Laufe der Erdgeschichte
mehrmals beeinflußt haben. Klimaveränderungen mit kosmischen Ausmaßen
vernichteten viele Spuren unwiederbringlich.
Gewaltige Meteoriten, die auf der Erde eingeschlagen sind, könnten der
Auslöser für globale Überschwemmungen gewesen sein. Das Ende der letzten
Eiszeit und die Folgen der Erderwärmung werden ebenfalls als Grund für
extreme Klimaschwankungen angeführt. Das letzte Eiszeitalter begann vor
rund 2,3 Millionen Jahren. Dieses war in weiten Gebieten der Erde von
mehreren aufeinanderfolgenden und durch Warmzeiten unterbrochene Peri­
oden gekennzeichnet und beeinflußt. Mit dem Zurückziehen der kontinentalen
Eismassen aus Nordamerika und Europa endete vor rund 1 0 000 Jahren die
letzte Eiszeit. Viele Wissenschaftler gehen dennoch davon aus, daß die Kalt­
periode noch nicht vorüber ist, wir also nur in einer Zwischeneiszeit leben. Den
Klimaforschern zufolge sollen solche Eiszeiten etwa alle 1 5 0 Millionen Jahre
auftreten und einige Millionen Jahre andauern.
Die Ursache für diese Klimaveränderungen wird noch immer diskutiert.
Verschiedene Theorien wurden als Erklärung für Kaltperioden genannt, darun­
ter Abweichungen in der Wirkung des Erdmagnetfeldes, Schwankungen in der
Lage der Erdachse, geographische Veränderungen wie Kontinentaldrift und
Gebirgsbildung, Änderung von Meeresströmungen oder atmosphärische Ursa­
chen.
Fest steht, die Eiszeiten hat­
ten jedes Mal globale Auswirkun­
gen auf die Pflanzen- und Tier­
welt. Viele Arten starben wäh­
rend der Vereisung aus, andere
wurden abgedrängt. Auch mit der
Erderwärmung gingen große
ökologische Umwälzungen ein­
her. Vor allem die aus der letzten
Eiszeit als Fossilien bekannten
Riesenformen von Säugern wie
Höhlenbär, Riesenhirsch, Woll­
nashorn und Mammut ver­
schwanden . Das fellbedeckte
Mammut überlebte noch lange,
etwa in Sibirien. Die Frage nach Schädel eines Höhlenbären. Die meisten Skelett­
den Ursachen seines endgültigen reste dieser Tiere wurden in der Drachenhöhle in
Verschwindens vor etwa 1 0 000 Österreich gefunden. Darin barg man mehr als
Jahren ist ungeklärt. Ebenso un­ 30 000 Höhlenbären, die dort während der Eiszeit
klar ist der Grund für das plötzli­ gestorben waren. Wann und weshalb dies ge­
che »Schockfrieren« zahlreicher schah, ist nicht genau bekannt.
guterhaltener Mammutkadaver. (Foto: Bernhard Moestl und Autoren)
Welche außergewöhnliche Entwicklung ließ diese starken Dickhäuter in relativ
kurzer Zeit zu Eisblöcken gefrieren?
Wie unberechenbar das Klima ist, zeigt uns die Zahl der von Wetter­
extremen ausgelösten Naturkatastrophen in den vergangenen Jahren: Hurrikane
und Taifune sind nicht nur zahlreicher, sondern auch stärker geworden. Große
Überschwemmungen nehmen ebenso zu wie die extremen Dürren in vielen
Gebieten der Welt. Ob es Folgen der menschengemachten globalen Erwär­
mung und vielleicht Vorboten einer drohenden Klimakatastrophe sind, das läßt
sich nicht mit Sicherheit sagen.
Sollte sich das Ozonloch weiter ausbreiten, unser Klima nachhaltig verän­
dern und die mächtigen antarktischen Eispanzer weiter abschmelzen, dann
werden Inseln vor der antarktischen Küste auftauchen. Im Archiv der amerika­
nischen Kongreßbibliothek fand Charles H Hapgood, Professor für Geschichte
der Wissenschaften, eine Reihe erstaunlicher Landkarten aus alter Zeit. Darun­
ter eine Karte von Oronteus Finaeus, die 1 5 3 1 , das heißt rund 2 5 0 Jahre vor der
Entdeckung des sechsten Kontinents, entstanden war. Das Unfaßbare: Die
Karte zeigt Details, die deutlich machen, daß der »Eiskontinent« kartographiert
wurde, allerdings so, als würde er sich in einem eisfreien Zustand befunden
haben.
War die Antarktis jemals eisfrei? Vielleicht vor geologisch gar nicht so
langer Zeit? Tatsächlich existieren deutliche Hinweise dafür. Im Jahre 1 949
wurden von der Byrd-Antarktis-Expedition dem Boden des Ross-Meeres einige
Bohrproben entnommen. Die darin enthaltenen Sedimente unterzog man im
Carnegie Institut in Washington einer genaueren Analyse. Das Ergebnis ver­
blüffte die Experten: während der letzten Million Jahre müssen Teile der
Antarktis im Bereich des Ross-Meeres mehrmals eisfrei gewesen sein. Die Bohr­
proben enthielten nämlich an verschiedenen Stellen größere Mengen extrem
feinkörniger Sedimente, wie sie von Flüssen aus eisfreiem Land ins Meer
transportiert werden. Alle Bohrproben ergaben übereinstimmend, daß die letzte
Wärmeperiode in dieser Region vor 6000 Jahren endete. Begonnen hatte sie vor
annähernd 25 000 Jahren. Ein erstaunliches Ergebnis! Es bedeutet gleichzeitig:
Die Ursprungskarte mit den Küsten des Ross-Meeres müßte demnach vor mehr
als 6000 Jahren entstanden sein! Woher bezog Finaeus diese Kenntnisse? Aus
welchen älteren Archiven kopierte er sein Kartenmanuskript?
Die gleiche Frage stellt sich bei der Karte des Erathostenes. Sie enthält
ebenso wie die Karte des römischen Kartographen Pomponius Mela eine Verbin­
dung zwischen dem Kaspischen Meer und dem Arktischen Ozean. Eratosthenes,
der im 3. Jahrhundert v. ehr. lebte, fand vermutlich in der Bibliothek von
Alexandria in Ägypten ältere Aufzeichnungen über einen derartigen Durch­
gang, der bis vor etwa 1 0 000 Jahren tatsächlich bestanden haben dürfte.
206 1

Auf der Karte des Oronteus


Finaeus aus dem Jahre 1 53 1
ist die Antarktis kartographiert
- rund 250 Jahre vor ihrer offi­
ziellen Entdeckung. Nicht nur
das: Der Eiskontinent ist so
dargestellt, als befände er sich
im eisfreien Zustand - eine
Erscheinung, die vor etlichen
Jahrtausenden gegeben war.
(Foto oben: Adriano Forgiane;
Detail mitte: Archiv Autoren)

Die »Zeno-Karte des Nordens«


zeigt Grönland weitgehend
eisfrei. Bis vor etwa 10 000
Jahren war dieser Situation
gegeben. Wie konnten die
Kartographen des Mittelalters
davon wissen?
(Foto: Archiv Autoren)
Sowohl geologische als auch zoologische Argumente bestätigen diese Annahme.
Noch heute kommen die Ringelrobben und andere arktische Tiere im Kaspi­
sehen Meer vor. Diese kälteliebenden Tierarten haben sich, so hat es jedenfalls
den Anschein, erstmals nach der Polverschiebung und der damit verbundenen
Abkühlung vor rund 1 2 000 Jahren im zuvor warmen Arktischen Ozean ange­
siedelt und sind von dort aus auf dem Wege über die bestehende Wasser­
verbindung in das Kaspische Meer vorgedrungen.
Meteorologen warnen schon lange vor globalen Klimaverschiebungen, die
durch Flutwellen, Wirbelstürme, Dürreperioden und das EI-Nifio-Phänomen
bereits spürbar sind. Es gibt auf einigen alten Karten Hinweise, daß solcherart
Klimaveränderungen in der Vorgeschichte des öfteren stattgefunden haben
könnten. Eine der ersten Karten, die in diese Richtung zu deuten ist, ist die
Zeno-Karte des Nordens aus dem Jahr 1 5 5 8 . Nicolds Zeno hatte sie aufgrund von
Kartenskizzen und Reisenotizen seiner Vorfahren - der Brüder Antonio und
Carlos Zeno aus dem Jahre 1 3 80 angefertigt. Das Unverständliche an dieser
-

Karte ist die Tatsache, daß sie Grönland ohne Eiskappe zeigt. Ein Zustand, wie
er vielleicht bis vor etwa 1 0 000 Jahren herrschte. Neben den Gebirgen im
Norden und Süden ist in der Mitte der Karte eine ausgedehnte Ebene erkenn­
bar. Das macht die ganze Angelegenheit noch mysteriöser: Moderne seismische
Untersuchungen haben nämlich ergeben, daß sich unter der gegenwärtigen
mächtigen Eisdecke tatsächlich eine solche Ebene befindet. Wie aber konnte
der mittelalterliche Kartenzeichner davon wissen?
Eine andere Hypothese besagt, die Karte würde gar nicht das eisfreie
Grönland darstellen, sondern mit dem als »Engronelant« bezeichneten Karten­
teil sei die nordamerikanische Küste Labradors bzw. die kanadische Provinz
Neufundland gemeint. Man kann es drehen und wenden wie man will: In
jedem Fall ist das Dargestellte höchst ungewöhnlich.
Weitere bildliehe Belege, die die Antarktis Jahrhunderte vor ihrer »offiziel­
len« Entdeckung kartographiert wiedergeben, sind die Mercato-Karte aus dem
Jahr 1 5 38 und die Buache-Karte aus dem Jahre 1 737. Hier wird die Antarktis
wiederum ohne Eis darstellt, so, als wäre die Karte vor der Sintflut angefertigt
worden.
Eine besondere Rolle wird der berühmten Piri-Reis-Weltkarte beigemessen.
Gefunden wurde sie im Jahre 1 929. Damals machte der Direktor des Türki­
schen Nationalmuseums, B. Halil Eldem, eine überraschende Entdeckung. Bei
Renovierungsarbeiten im Topkapi-Palast in Istanbul stieß er auf zwei Fragmente
einer aus mehreren Teilen zusammengesetzten Weltkarte, dessen restlicher Teil
als verschollen gilt. Bruchstücke werden in einem Archiv in Peking vermutet.
Gezeichnet wurden die Karten im Jahre 1 5 1 3 von dem Admiral und Kartogra­
phen Piri Reis, exakt Piri Ibn Haji Mehmet (gest. 1 5 54) . Die darauf verzeichne-
ten Einzelheiten von See­
und Landgebieten stehen
im großen Widerspruch zu
den typischen Karten der
damaligen Zeit. Trotz ei­
niger Ungenauigkeiten
sind auf ihr viele Details
präzise wiedergegeben, die
Anfang des 1 6. Jahrhun­
derts noch gar nicht be­
kannt gewesen sein konn­
ten. Zum Beispiel die Dar­
stellung der Antarktis, die
nach den meisten Histori­
kern erst 1 820 entdeckt
wurde. Gleiches gilt fur die
Angaben des geographi­
schen Längengrades der
Atlantischen Küste von
Europa und Afrika.
Piri Reis war ein sehr
gewissenhafter Kartograph
und kommentierte seine
gezeichneten Karten in der
Beischrift Bahriye. Dem
Inhalt zufolge soll er seine
Weltkarte aus 20 verschie­ Die Karte des Piri Reis führte zu einem grundlegenden
denen älteren Seekarten Wandel in unserer Vorstellung von Alter und Herkunft
zusammengestellt haben, früherer Erdkarten. (Foto: Adriano Forgione)
die bei den Arabern »Jafe­
riye« heißen. Sie wurden zur Zeit Alexander des Großen gezeichnet und zeigten
die gesamte damals bekannte Erde. Das Rätsel jedoch ist: wenn der Admiral die
Wahrheit sagt, beweisen die alten Landkarten, die er abzeichnete, eine genaue
Kenntnis der Erde schon in vorgeschichtlichen Zeiten.
Eine Feststellung, die durch die Ergebnisse einer mehrjährigen Forschungs­
arbeit von Professor Charles H. Hapgood von der University 0/New Hampshire
und anderen Wissenschaftlern gestützt wird. Man stellte fest, daß viele Angaben
auf der Karte der Wirklichkeit exakt entsprechen, allerdings mit einer Verzer­
rung, die den Eindruck erweckt, als wäre sie aus großer Höhe aufgenommen
worden. Die Fülle der Übereinstimmungen kann nicht bloß als Zufall bezeich-
209

net werden, wirft aber mehr Fragen auf, als sie beantwortet: Antarktische
Küsten und Buchten stimmen in ihren Umrissen genau mit dem seismischen
Profil dieser Region überein - allerdings ohne Eisdecke zu einem Zeitpunkt, als
es zwischen Feuerland und Antarktis noch eine Landbrücke gegeben hat.
Der Schluß daraus wäre, daß der Küstenverlauf ursprünglich vor etwa
1 1 000 Jahren gezeichnet wurde, bevor er mit Eis überzogen war. Doch welche
frühen Kartographen und Seefahrer sollten damals dazu imstande gewesen sein?
Und wie kamen diese geographischen Kenntnisse schließlich auf ein Dokument
aus dem Jahr I S I 3 ? Eine These besagt, die Erbauer der kolossalen Megalithen
oder ihre Vorgänger fuhren bereits mit Booten weit über die Weltmeere hinaus.
Mit ihrem großen astronomischen Wissen, das durch die Megalithbauten rund
um den Globus belegt ist, waren sie imstande, genaue Landkarten anzufertigen.
Schriftliche Belege gibt es nicht, daher fehlen deutliche Beweise für diese These.
Amerikas Sachverständiger für Kartographie, Arlington H Mallery, prüfte
die Piri-Reis-Karte und stellte Vergleiche mit modernen Karten an. Sein Resü­
mee fällt drastisch aus: »Wir wissen nicht, wie sie damals ohne Flugzeug so
genaue Karten anfertigen konnten . . . « Und Professor Charles H . Hapgood, der
in seinem Buch Maps 01 the Ancient Sea Kings seitenweise tabellarische Verglei­
che zwischen geographischen Positionen, die auf den Piri-Reis-Karten vermerkt
sind, und unserem modernsten kartographischen Wissen wiedergibt, ließ sich
die Ansicht entlocken: »Das durch diese alten Karten gebotene Beweismaterial
scheint auf die Existenz einer technischen Zivilisation in fernen Zeiten, noch
vor dem Aufstieg irgendeiner bekannten Kultur, hinzuweisen. Diese Zivilisati­
on muß verhältnismäßig weit entwickelt gewesen sein und war entweder auf ein
bestimmtes Gebiet beschränkt, betrieb aber weltweiten Handel, oder sie war im
eigentlichen Sinn eine weltweite Kultur. «
Nach Hapgood stammen die Informationen also von einer untergegange­
nen Kultur, deren Aufzeichnungen erst von späteren Generationen wieder­
entdeckt wurden. Träumerei oder ein wichtiger Hinweis auf den Wissensstand
in vorgeschichtlicher Zeit? Charles Hapgood starb 1 982 und überließ den
nachfolgenden Generationen die Entscheidung.
Wenn wir nach weiteren plausiblen Anhaltspunkten suchen, welchen Weg
die Rasse Mensch im Verlauf von Jahrmillionen tatsächlich gegangen sein
könnte, dann sollten wir an den überlieferten Zeugnissen vergangener Kulturen
nicht vorbei gehen. Die alten Mythen um Atlantis und andere versunkene
Königreiche kommen uns wieder in den Sinn. Lag dort die Wiege unserer
Zivilisation? Bei allen Völkern der Erde existieren Erinnerungen an ein legendä­
res uraltes Land, eine mythische Insel, von der einst ihre Vorfahren kamen,
bevor sie im Meer versank.
18
Der Atlantis-Streit
Platons Erben suchen weiter

At/antis ist wie ein Zauberwort, eine tiefe Sehnsucht nach traumhaften und
besseren Zeiten. Die Geschichte vom versunkenen Kontinent hat seit jeher die
Menschen beschäftigt und übt noch heute eine unwiderstehliche Faszination
aus. Uralte Sage oder wahre Überlieferung? Seit mehr als hundert Jahren
beschäftigen sich Forscher, Autoren und interessierte Laien mit der Legende um
den versunkenen Kontinent. Die einen vermuten die Reste der untergegange­
nen goldenen Stadt auf Helgoland, manche glauben sie mit den Kanarischen
Inseln gleichsetzen zu können oder wollen Überreste im berüchtigten »Bermu­
da-Dreieck« im Atlantik geortet haben. Andere wiederum halten die Erzählung
schlicht für ein Märchen. Beinahe 30 000 Bücher mit den widersprüchlichsten
Theorien sind seither über Atlantis geschrieben worden.
Es mag für viele Prähistoriker schwer vorstellbar sein, daß eine Kultur vor
etwa 1 1 500 Jahren existiert haben könnte, die noch dazu erstaunlich hoch
entwickelt gewesen sein soll. Es gibt aber geschichtliche Aufzeichnungen, die
sich auf Ereignisse um 9500 vor Christus berufen. Die uns erhalten gebliebene
schriftliche Überlieferung von der Existenz des Inselkontinents stammt von
einem Griechen, nämlich dem bedeutenden
Philosophen Platon (427-347 v. Chr. ) . Er be­
ruft sich allerdings auf altägyptische Quellen.
Im Kreise der von Platon gegründeten
Philosophenschule wurden gerne scharfsinni­
ge Gespräche geführt. Einige davon sind der
Nachwelt erhalten geblieben. Zwei dieser Dia­
loge, Timaios und Kritias genannt, enthalten
den Atlantis-Mythos . Nach Platon hatten die
Bewohner von Atlantis ein starkes Heer, ihre
Landwirtschaft war hoch entwickelt, sie ge­
wannen und verarbeiteten bereits Metall und
hatten eine eigene Schriftsprache. Folglich
müßte Atlantis die Wiege aller heutigen Zivi­
lisationen sein.
Ihm haben wir den Atlantis-Streit Die wichtigsten Dialog-Passagen erzählen
zu verdanken: Philosoph Platon. davon, daß Atlantis »vor der Mündung lag,
(Foto: Archiv Autoren) die bei euch )Säulen des Herakles< heißt, eine
Insel, größer als Asia und Libya zusammen, und von ihr aus konnte man damals
noch nach den anderen Inseln hinüberfahren und von diesen Inseln auf das
ganze gegenüberliegende Festland . . . Auf dieser Insel Atlantis bestand nun eine
große und bewundernswerte Königsrnacht, welche sich sowohl in den Besitz
der ganzen Insel als auch der anderen Inseln und von Teilen jenes Festlandes
gesetzt hatte; außerdem beherrschte sie von den hier innerhalb gelegenen
Ländern Libyen bis Ägypten und Europa bis Tyrrhenien . «
Infolge von Erdbeben und Überschwemmungen soll die Insel Atlantis
urplötzlich im Meer versunken sein. Bei Platon heißt es dazu: » während
• • •

eines einzigen schlimmen Tages und einer einzigen schlimmen Nacht . . . ,


ebenso wohl das ganze zahlreiche streitbare Geschlecht . . . , verschwand die Insel
Atlantis . . . Deswegen ist auch jetzt das Meer dort selbst unbefahrbar geworden
und nicht zu durchschiffen, weil der sehr hoch liegende Schlamm, den die Insel
bei ihrem Untergang verursachte, dies behindert. «
Im weiteren Verlauf des Dialogs liefert Platon ein recht ausführliches Bild
von der Insel Atlantis, seiner Hauptstadt sowie der dort existierenden Staats­
form. Demnach müßte die legendäre Insel aus Bergen und Ebenen bestanden
haben, verwöhnt von einem milden Klima; künstliche Wasserkanäle soll es
gegeben haben, unterirdische Schiffswerften und große Häfen sowie glanzvolle
Städte. Die Bodenschätze: Kupfer, Silber, Gold und Edelsteine. Zehn Könige
beherrschten das Land, die aus ihren Reihen den Besten, den Weisesten und
Gerechtesten zum Machthaber über den ganzen Kontinent wählten. Der Palast
dieses Großkönigs stand im Herzen einer prachtvollen Hauptstadt. Sie war von
mehreren künstlichen Ringkanälen umgeben und mit Mauern befestigt, die
man mit Zinn und Bronze übergossen hatte. Heiße und kalte Quellen sowie
Wasser und Säfte sprudelten dort im Überfluß. Als ihren größten Reichtum
hüteten die Atlanter sechseckige Kristalle, die sie Tuaoi-Steine nannten. Sie
galten als Quelle unerschöpflicher Energie. Atlantis war - falls es jemals existiert
hat - das Paradies auf Erden.
Für die Existenz des Inselreiches spricht Platons detaillierte und anschauli­
che Beschreibung, die stellenweise so genau wiedergegeben ist, daß eine Rekon­
struktion der atlantischen Hauptstadt ohne weiteres möglich wäre. Beruhen die
alten Texte auf historische Tatsachen oder ist alles zwar eine brillante, letztlich
aber erfundene Geschichte? Die Ansichten darüber bleiben gespalten, denn die
Texte lassen sich auf zweierlei Weise deuten. Einerseits kann man Atlantis als
einen von Platon in der Theorie konstruierten Idealstaat ansehen, den er zur
Untermauerung seiner philosophischen und politischen Konzeption benötigte.
Anderseits kann man ihm glauben, daß es diese Insel wirklich gegeben hat.
Dann aber drängen sich unweigerlich Fragen auf. wann hat die Insel existiert?
WO lag Atlantis? Welche Überreste können als Beleg für dieses unvergleichliche
Reich herangezogen werden? Und was sind die Ursachen der Katastrophe, die
zum Untergang der Insel geführt haben?
Bis heute haben sich hunderte Wissenschaftler bemüht, das Rätsel um
Atlantis zu lösen. Bisher vergeblich. Hauptproblern: Platon, der seit 235 1
Jahren tot ist, bürgt als einziger »Zeuge« . Er selbst hat Atlantis nie gesehen,
genießt aber bis heute einen erstklassigen Ruf als Philosoph. Aus dem Bericht
geht unzweifelhaft hervor, daß Platon selbst Atlantis für historisch verbürgt
hielt. In seinen Dialogen betont und wiederholt er viermal, daß diese Insel keine
Fiktion sei, denn er habe von ihr von seinem Großvater gehört. Dieser wieder­
um hätte davon seinerzeit von seinem Vorfahren Solon erfahren, der in Ägypten
gewesen war.
Die Informationen sollen, so wird nachdrücklich versichert, aus der Heili­
gen Stadt Sais stammen. Dort befand sich einst der Tempel der Göttin Neith,
wo nach Platon der Atlantis-Bericht mit Hieroglyphen niedergeschrieben war.
Die Tempelanlage gehörte zu den berühmtesten Universitäten Ägyptens. Ar­
chäologen haben die Studierstube in Form von Ruinenresten nachgewiesen.
Um Christi Geburt wurde das Gebäude von den Römern zerstört. Zahlreiche
Tempelstatuen und Bauteile sind der Nachwelt dennoch erhalten geblieben und
befinden sich in verschiedenen Museen, jedoch ist das ursprüngliche Sais nach
wie vor nicht ausgegraben. Was wird man entdecken, wenn irgendwann doch
ausgedehnte Grabungen durchgeführt werden? Verborgene Hinweise, die sich
auf Ereignisse aus vorsintflutlicher Epoche beziehen? Wird man auf das verlore­
ne Testament von Atlantis stoßen? Der Tempel der Neith ist historisch belegt.
Weshalb sucht man ihn nicht?
Platon hat nur wiedergegeben, was Solon über Atlantis berichtet hatte.
Solon wiederum habe den Atlantis-Report im saitischen » Tempel der Neith« auf
einer Steinstele vorgefunden und hernach, in einer ausführlichen Version, aus
einem »heiligen Buch« abgeschrieben. Dieses Manuskript sei dann über vier
Generationen bis zu »Kritias«, dem Sprecher im Platon-Dialog, weitergegeben
worden.
Das klingt abenteuerlich. Aber galt nicht die versunkene Stadt Troja eben­
falls lange Zeit als ein Produkt ausufernder Phantasie, bis Heinrich Schliemann
( 1 827- 1 890) sie ausgrub? Auch er hatte sich auf die Schilderungen eines
antiken Schreibers verlassen. Schliemann war überzeugt, daß die Stadt Troja,
vom Dichter Homer besungen im Heldenepos Ilias, wirklich existierte. Als
Spinner belächelt, folgte der Hobby-Archäologe den pathetischen Versen des
Griechen und wurde tatsächlich an der Küste Kleinasiens fündig. Heinrich
Schliemann, der einen sagenhaften Text ernstnahm, wurde mit seiner Entdek­
kung weltberühmt.
Wie verhält es sich mit Platons Angaben nach der Herkunft des Atlantis-
213

Berichts? Keine Frage, sie können gleichermaßen überprüft werden. Überra­


schendes Ergebnis bisheriger Recherchen: Trotz vielfacher Anstrengungen konn­
ten Forscher aus aller Welt bisher nicht ausschließen, daß seine Behauptung
wahr ist und die Urquelle in graue Vorzeit zurückreicht.
Platon schildert glaubwürdig »eine denkmögliche Art des Informations­
transportes« , stimmt auch der Hamburger Altertumsforscher Dr. HartwigAlten­
müller zu und ergänzt: »Das Anzapfen ägyptischer Weisheit war im klassischen
Griechenland gang und gäbe. «
Scharen von Gelehrten pilgerten damals ins alte Land a m Nil, die einzige
Kultur, die bruchlos seit Jahrtausenden überlebt hatte. An erstaunlichen Kennt­
nissen gab es viel zu erwerben, denn die alten Ägypter waren auf den Gebieten
der Astronomie, Medizin und anderer Wissenschaften beispielhaft. In vielen
Disziplinen, von der Mathematik bis zur Bautechnik, waren sie anderen
Mittelmeervölkern haushoch überlegen. Wer in Griechenland neue naturwis­
senschaftliche Entdeckungen propagierte, hatte sie meist in Memphis, Sais oder
in der Bibliothek von Alexandria abgekupfert.
Wenn aber Platons Angaben so treffsicher sind, warum sollte er sich dann
die anderen Details über Atlantis und dessen Untergang aus den Fingern
gesogen haben? Wahrscheinlich sind wir durch eine unbegreifliche Zerstörungs­
wut um den handfesten Beweis gebracht worden. Man bedenke: Mit Millionen
von Originalschriften war die ägyptische Bibliothek in Alexandria geistiger
Mittelpunkt der gesamten hellenischen Welt. In der Sammlung wurden das
umfassende Wissen, große philosophische Werke und die verborgenen Kennt­
nisse der damaligen Zeit niedergelegt.
Zur Katastrophe kam es im Jahre 48 v. ehr. , als Gajus Julius Cäsar in
Alexandria einzog und Kleopatra unter seinen Schutz stellte. Während der
Kämpfe zwischen seinen Truppen und einheimischen Anhängern des Ptolemaios
(der mit Kleopatra um die Thronfolge stritt) wurde die Bibliothek komplett
niedergebrannt. So gingen den Wissenschaftlern nachfolgender Generationen
Informationen von unschätzbarem Wert verloren. AufZeichnungen auf Papyrus­
blättern, die wohl bei der Lösung so mancher bis heute ungelöster Rätsel aus der
Vergangenheit geholfen hätten. Vielleicht hätten sie auch das Geheimnis von
Atlantis gelüftet.
Die wenigen erhaltenen Originalschriften wurden schließlich endgültig im
7. Jahrhundert für immer ausgelöscht, als arabische Soldaten die Restbestände
der Bibliothek neuerlich in Schutt und Asche legten. Die unbezahlbaren Doku­
mente wurden dazu mißbraucht, das Badewasser in den römischen Bädern
anzuheizen. Die Zerstörungswut der Menschen hält, wie wir aus leidvoller
Erfahrung wissen, bis in die j üngste Zeit an.
Im Laufe der Geschichte verschwanden unzählige Hochkulturen auf Nim-
merwiedersehen. Rätselhafte Ruinen, gewaltige Monumente, Pyramidenbauten
und verlassene Türme, Treppen und Götzenbilder erinnern an eine ferne Ver­
gangenheit. Es sind meist nurmehr Fragmente, die sich hinübergerettet haben
in unsere Zeit und lange als wertlose Ruinen angesehen wurden. Oft wurden
alte Tempel abgetragen und als Baumaterial für neue Bauten verwendet. Oder
habgierige Eroberer vernichteten - wie europäische Konquistadoren unter Cortez
und Pizarro es mit den Maya und Inka taten - verständnislos und brutal ganze
Kulturen.
Trotz des menschlichen Vandalismus lassen sich noch Spuren versunkener
Inselreiche finden. Das setzt allerdings voraus, daß man auch bereit ist, danach
zu suchen. Viele Gelehrte der Vergangenheit und Forscher der Gegenwart
vermuten Atlantis an einer Stelle, die sich aus Platons Geschichte ergab. Denn
allein schon der Name deutet eigentlich darauf hin, daß man das legendäre
Land im Atlantischen Ozean zu suchen habe. Der Jesuit Pater Athanasius Kircher,
dessen Buch Mundus Subterraneus 1 664 erschien, erkannte damals in den
atlantischen Azoreninseln die Gipfel des untergegangenen Kontinents und
zeichnete eine für seine
Zeit erstaunlich genaue
Karte von Atlantis. Die­
se Karte wurde ur­
sprünglich in seiten­
vertauschter Form abge­
bildet. Wie Kircher zu
seinen Erkenn tnissen
gelangte, bleibt für die
Wissenschaft rätselhaft.
In j üngster Zeit haben
Forscher herausgefun­ Die At/antis-Karte von Athanasius Kircher aus dem
den, daß es bestimmte 1 7. Jahrhundert. (Foto: Archiv Autoren)
mathematische Bezie-
hungen zwischen verschiedenen Standorten mit einer metaphysischen Bedeu­
tung gibt. Demnach könnte es in der fernen Vergangenheit tatsächlich eine
einzige Quelle der Aufklärung gegeben haben, von der alles Wissen über heilige
Geometrie, Mathematik und Metaphysik ausging. Existierte auf der Erdober­
fläche ein Zentrum, das feine Energien ausstrahlte, die Eingeweihte noch heute
erkennen und nutzen können? Umfangreiche mathematische Berechnungen
ergaben jedenfalls, daß der Ursprung dieser Daten im Azorenraum liegt. Die
ermittelten Koordinaten stimmen weitgehend mit den Daten überein, die
Kircher für den untergegangenen Kontinent Atlantis lokalisierte.
Kritiker halten dem entgegen, daß man den Atlantik inzwischen gründlich
erforscht habe. Geologen und Geophysiker verweisen darauf, daß den bisheri­
gen Untersuchungen zufolge kein Hinweis entdeckt werden konnte, wonach
sich der atlantische Meeresboden in der letzten Million Jahre auffällig verändert
hätte. Somit könne hier vor kurzer Zeit - geologisch gesehen - keine Insel
untergegangen sein. Eine Feststellung, die Atlantis-Fahnder nicht erschüttert.
Inzwischen wurde das Fabelland an mehr als 50 verschiedenen Stellen der Erde
lokalisiert. In der Nordsee vor Helgoland, auf den Bahamas und auf Sri Lanka
ebenso wie im Iran, in der Sahara oder im Kaukasus. Selbst in so abwegigen
Gegenden wie Ostpreußen, Sibirien, Südafrika, Nigeria, Venezuela, Schweden
wurde Atlantis »lokalisiert«, und selbst die Antarktis muß dafür herhalten.
1 998 tauchte die Theorie auf, daß einst flüssiges Erdmagma dazu führte,
daß der gesamte Kontinent von seiner ursprünglichen Lage vor Gibraltar viele
tausend Kilometer nach Süden geschwommen wäre - und schließlich zu dem
Erdteil geworden wäre, den wir heute Antarktis nennen. Der Phantasie sind
offenbar keine Grenzen gesetzt.
Topographisch und zeitlich stimmen die »Atlantis-Entdeckungen« nicht
immer mit den Angaben von Platon überein. Atlantis soll ja laut Platon rund
1 0 000 Jahre vor Christus existiert haben. Dem wird entgegengehalten, daß
Solon (Platons Quelle) bei seinem Ägyptenbesuch einem Rechenfehler der
Priester aufgesessen sei. Was freilich nicht zu beweisen ist. Was unbestritten
bleibt, ist die Überlieferung über Adantis. Sie lebt weiter, wenngleich es bereits
in der Antike Menschen gab, die die Existenz des Inselkontinents anzweifelten.
Schon Aristoteles hielt die Berichte für erfundene Märchen. Dennoch fanden
sich in jeder Epoche unbeirrte Abenteurer, die sich auf die Suche nach der
versunkenen Stadt mit ihren märchenhaften Schätzen begaben. Dazu ein kurzer
Rückblick einiger Bemühungen, die alle von einem gemeinsamen Motto getra­
gen wurden: »Wenn es diese Insel wirklich gab, dann muß man sie auch
finden«:
Um 5 0 n. ehr.
Plinius der Altere unternimmt einen ersten Lokalisierungsversuch. Er
bringt Atlantis mit der in Südspanien gelegenen Handelsmetropole Gades
(heute Cidiz) in Verbindung.
1 475
Toscanelli, ein Renaissance-Kartograph, entwirft in Anlehnung an Platon
eine Weltkarte, auf der zahlreiche große Atlantikinseln eingezeichnet
sind. Kolumbus benutzt das Werk bei seiner Überfahrt nach Amerika.
1 530
Girolamo Frascatoro, Arzt und Humanist, identifiziert den neu entdeck­
ten Kontinent Amerika mit dem (in diesem Fall nicht untergegangenen)
Haupdand Atlantis.
Um 1 700
Olo[Rudbeck, Rektor an der Universität im schwedischen Uppsala, führt
die Gründung seiner Heimatstadt auf die Atlanter zurück. Demnach
sollen die Goten Nachfahren der Atlantischen Rasse gewesen sein.
1 779
Der französische Revolutionstheoretiker Jean Sylvain Bailly erhebt Sibiri­
en zum »Ursprungsland der Kultur« und verknüpft es mit der Tradition
von Atlantis.
1 803
Bory de St. Vincent, ein Offizier Napoleons, deutet in seiner Geschichte
und Beschreibung der Kanarien-Inseln die Kanaren als Reste des unterge­
gangenen Inselkontinents.
Um 1 870
Augustus Le Plongeon, ein Abenteurer und Hobbyarchäologe, sieht in den
Maya von Chichen Itzd Abkömmlinge der Atlanter. Es folgen Grabungen
in Mexiko.
1 922 bis 1 926
Der deutsche Archäologe Adolf Schulten führt in Südspanien Such­
grabungen an der Mündung des Guadalquivir durch. Er stößt dabei
nördlich der heutigen Stadt Cadiz auf Spuren von Tartessos, einer vorzeit­
lichen Handelsstadt, die als ältestes Kulturzentrum des Westens galt. Eine
Kette von auffälligen Übereinstimmungen zwischen dem Adantis-Be­
richt und Tartessos, das um 500 v. Chr. von den Karthagern zerstört
wurde, führten Schulten zu dem Schluß, daß es sich bei der Formel
Atlantis = Tartessos nicht bloß um einzelne entlehnte Züge handelt,
»sondern um einen vollständigen topographischen und kulturellen Hin­
tergrund« .
Um 1 93 0
Der Althistoriker Robert Graves vermutet Atlantis in Nordlibyen, am
»Triton-See«, einer riesigen Salzlagune, die vor 5000 Jahren austrocknete.
1 93 1
Die Nationalsozialisten in Deutschland vereinnahmen den spurlos ver­
schwundenen Kontinent für ihre Ziele. Hitler-Verehrer Heinrich Puder
erklärt Helgoland zum Standort eines - von Ariern bewohnten - atlanti­
schen Reiches. SS-Chef Heinrich Himmler läßt später vor der Insel unter­
seeische Messungen durchführen.
1 939
Spyridon Marinatos, ein griechischer Archäologe, bringt Atlantis mit dem
Untergang der minoischen Mittelmeer-Kultur in Verbindung. Auslöser
des Desasters sei der - historisch verbürgte - Ausbruch des Vulkans Thera
auf Santorin um 1 45 0 v. Chr. Mehrere Expeditionsteams, darunter der
Unterwasserforscher Jacques Cousteau, überprüfen das Szenario. Die Zeit­
abstimmung anhand von Tongefäßen belegt, daß die Hauptorte in Kreta
erst 50 bis 1 00 Jahre nach dem Ausbruch von Santorin zerstört wurden.
1 953
Von einem umgebauten Kutter aus taucht der deutsche Gelehrte Dr. Jürgen
Spanuth vor Helgoland, um Spuren der Sagenstadt Basileia ( Adantis) zu
=

finden.
Um 1 970
Gleich mehrere Autoren, darunter der Amerikaner Charles Berlitz, verle­
gen Adantis in die Karibik (Bermudas, Bahamas) . Unter Wasser vermute­
te Artefakte wie die »Bimini-Straße« und andere eigenartige Strukturen
werden allerdings von Skeptikern als natürliche Gesteinsformationen
bezeichnet.
1 984
Die sowj etischen Forschungsschiffe Wutjas und Riß erkunden vor der
Straße von Gibraltar den Unterwasserberg Mount Ampere - ohne Ergebnis.
1 986
Der Forscher Helmut Tributsch, Professor für physikalische Chemie und
Archäologie, glaubt in der südlichen Bretagne, auf der Insel Gavrinis,
Beweise für Platons Beschreibung gefunden zu haben, wonach die Insel
»größer als Libyen (Mrika) und Asien zusammen« gewesen sei. Tributschs
überraschende Interpretation: Diese Insel ist nichts anderes als - Europa!
1 99 1
Nach Interpretationen alter Sagen deutet fgor Boch, ein finnischer Histo­
riker, die Adanter als Art »Frostvolk«, das am Ende der letzten Eiszeit
nahe Helsinki aus den abtauenden Gletschern kroch. Bochs etymologi­
sche Ableitung lautet: Adantis Altlandis All land is ice.
= =

1 992
Der Geoarchäologe Dr. Eberhard Zangger stellt erstmals die Formel At­
lantis Troja auf. Hinter Platons Bericht verberge sich eine verzerrte
=

Erinnerung an den Trojanischen Krieg.


1 998
Der britische Oberst John Blashford-Snell, Gründer der in Südengland
ansässigen Scientific Exploration Society, startet eine Expedition zum
Titicaca-See. Mit einem nachgebauten Schilfboot der Tiwanaku-Indianer
durchfährt er den Desaguadero-Fluß 300 Kilometer weit bis zum Poop6see.
Blashford-Snells These: Die Tiwanaku, ein ausgestorbener Indianerstamm,
hätten einst als Adanter von den Anden aus einen transkontinentalen
Schiffsverkehr betrieben, der bis nach Ägypten reichte.
Jenes Werk, das den Atlantis-Boom, so wie wir ihn
heute kennen, auslöste, muß noch erwähnt werden.
Gemeint ist der 1 8 82 erstmals veröffentlichte Best­
i:>i� t'oriintjlutlid1� Welt
seller Atlantis, die vorsintflutliche Welt. Darin stellte
..
der amerikanische Forscher Ignatius Donnelly ( 1 83 1 -
Jgnatlu DoIIUeßl!.
1 90 1 ) verschiedene Thesen auf, die bis heute als eine
Art Atlantis-Standard gelten: Er habe, so führte Don­
nelly an, unter anderem dieses Buch geschrieben,

• um folgenden Nachweis zu führen: Platons Beschrei­


bung über die Insel beruht auf historische Tatsa­
1<1.... chen, die aufzeigen, daß einst im Atlantischen Oze­
,sIr,h'l S"""'ftIL
an, gegenüber der Mündung des Mittelmeeres, eine
Titelblatt des Atlantis- große Insel existierte. Sie war ein Überbleibsel eines
Buches von Ignatius Don­ atlantischen Festlandes und in der Antike unter dem
nellys aus dem Jahre 1882. Namen Atlantis bekannt. Das Inselreich sei schließ­
Seither hält das Interesse lich bei einer großen Naturkatastrophe überflutet
an dem versunkenen worden und versank bis auf die höchsten Bergspit­
Inselreich unvermindert an. zen - die heutigen Azoren - mit seinen Bewohnern
(Foto: Archiv Autoren) im Meer.
Einige Menschen konnten sich auf Schiffen und
flößen retten und überbrachten den Völkern im Osten und Westen die Kunde
von dieser furchtbaren Katastrophe. Die Legende überlebte als Sintflutsage der
Alten und Neuen Welt bis in die heutige Zeit.
Der Name Sintflut bedeutet »große Flut« . Die volkstümliche Schreibung
»Sündflut« deutet auf das in der Bibel geschilderte Strafgericht Gottes hin, der
durch eine globale Überschwemmung die sündige Menschheit zum Großteil
ausgerottet haben soll. Ähnlich dramatische Flutsagen sind fast über die ganze
Erde verbreitet. Den wissenschaftlichen Beweis für die Sintflut oder sogar eine
ganze Reihe solcher Katastrophen entnahm man den Millionen von Meeres­
fossilien, die in verschiedenen Erdschichten des Festlandes lagern.
Auch die Indianer Südamerikas kennen die Legende über eine »große Flut« .
In Kolumbien fand man prähistorische Steinobjekte in Form von Booten. Sie
zeigen einen Menschen, der von verschiedenen Tieren umgeben ist. Sie könnten
präkolumbische Darstellungen der Arche Noah sein und somit eine Erinnerung
an eine weltumspannende Sintflut. Die Artefakte waren bei Unsolved Mysteries
zu sehen und werden den Vorfahren der Muisca-Kultur zugeschrieben, einem
prähistorischen Volk, das im Gebiet rund um die heutige Hauptstadt Bogota
angesiedelt war. Eine Erzählung der Guayana-Stämme erinnert an die Beschrei­
bung der Flutkatastrophe in der Bibel (Genesis, 1 . Mos. Kap. 6-8) , die wieder­
um der Schilderung älterer babylonischer Quellen entspricht. Es heißt, einst
1 2 19

»Arche Noah«-Stein aus Kolumbien (Foto: Rupert Leutgeb)

sollen in grauer Vorzeit himmlische Götter auf Erden gelebt haben. Sie wurden
auf die Menschen zornig, weil sie ungehorsam waren und die heiligen Gesetze
nicht einhielten. Darauf beschlossen die Götter, die Menschen zu töten, und
schickten eine große Wasserflut, um die Menschheit zu vernichten.
Einige Bewohner hätten sich nach dem Untergang ihrer Insel mit Booten
nach Amerika und andernorts retten können. Kulturen der Tolteken, der
Azteken, der Maya und sogar der Ägypter seien durch die Adanter beeinflußt
worden, behaupten Atlantisforscher. Tatsächlich sind auffällige Gemeinsamkei­
ten erkennbar, wenn man hier auf sprachliche Gleichklänge zwischen Azteken
und Ägypter verweist. Gemeinsamkeiten, die sich ebenso im Pyramidenbau,
dem Totenkult, der Einbalsamierung oder Ähnlichkeiten bei archäologischen
Fundsachen wiederfinden.
Faktum ist, daß es bei den Azteken die Überlieferung einer im Meer
gelegenen gebirgigen Insel namens Aztlan gibt. Der Legende nach sei diese Insel
das Stammland des mittelamerikanischen Indianervolkes gewesen. Wenn man
in verschiedenen Mythen unserer Welt weiterforscht, lassen sich ebenso Andeu­
tungen finden, die an eine verschwundene Insel oder eine untergegangene
Zivilisation vor der Sintflut denken lassen: Anti/ha bei den Phöniziern und
Karthagern, Amenti bei den Ägyptern, Araliu bei den Babyioniern, Avalon bei
den Kelten, Atarantes bei den Berbern, Atalaya bei den Guanchen auf den
220 I

Kanarischen Inseln, Atalaintika bei den Basken oder Atlan bei den Maya. Eine
unvollständige Liste. Basiert die Ähnlichkeit zum Namen Atlantis wirklich nur
auf reiner Zufälligkeit?
Mit der Adantisfrage haben sich inzwischen viele Gelehrte eingehend
befaßt, die einen verträumter, die anderen ernsthafter. Seit der Antike wurden
unterschiedlichste Theorien um den Inselkontinent vorgebracht. Keine über­
zeugt wirklich hundertprozentig. Jeder Adantisforscher scheint nach Belieben
seine eigenen Regeln aufzustellen und pickt sich aus dem Platon-Bericht immer
nur jene Daten heraus, die ihm zur Unterstützung seiner These genehm erschei­
nen. Was nicht ins Puzzle paßt, wird der Dichterkunst zu geschrieben. Doch so
einfach läßt sich Vergangenheit nicht rekonstruieren. Der Fall Adantis ist
keineswegs abgeschlossen. Neue spektakuläre Entdeckungen der Unterwasser­
archäologie sorgen dafür, daß die Sache spannend bleibt.
19
MU und die Unterwasserruinen
von Yonaguni
Überreste einer untergegangenen Hochkultur?

In den 1 970er und 1 980er Jahren heizte CharLes BerLitz (gest. 2003) mit
Bestsellern wie Das Bermuda-Dreieck und Das Atlantis-RätseL die Debatte um
den versunkenen Kontinent neu an. Seiner These nach lag vor 1 2 000 Jahren
der Meeresspiegel um bis zu dreihundert Meter tiefer als gegenwärtig. Mit dem
Schmelzen der Eisgletscher soll es nach der letzten Eiszeit zu einer sintflutarti­
gen Katastrophe gekommen sein, die große Gebiete der Erde landschaftlich
veränderte. Einige Forscher ergänzen, daß der gewaltige Anstieg der Gewässer
ebenso durch einen oder mehrere auf der Erde eingeschlagene Asteroiden
verursacht worden sein könnte. Jedenfalls müssen vor der globalen Flutkatastro­
phe die Bänke der Bahamas über der Wasseroberfläche gelegen haben. Kuba und
die Antillen wären nach diesem Szenario viel größer gewesen, während verschie­
dene Inseln wahrscheinlich durch Landengen miteinander verbunden waren.
Heute würden nur noch die Spitzen der verschlungenen Berge aus dem Wasser
ragen. Florida wäre nach Osten hin verlängert zum Atlantik und würde sich
nach Westen hin sehr weit in den Golf von Mexiko verbreitern. Wenn es so
gewesen wäre, sagte Berlitz, dann müßten sich auch in dieser Gegend archäolo­
gische Belege untergegangener Kulturen finden lassen.
Tatsächlich wurden auf den kontinentalen Bänken der Bahamas, vor der
Küste Floridas und Mexikos Fundamente unter Wasser entdeckt, darunter
verschlungene Straßen, zyklopische Mauern, konzentrische Kreise und riesige
Blöcke. Die Bauten brachten den Inselsucher Berlitz zu der Überzeugung, daß
Atlantis innerhalb des von ihm als »Fenster zum Kosmos« mystifizierten Bermu­
da-Dreiecks gelegen habe. Luftaufnahmen aus geringer Höhe zeigen, daß diese
Ähnlichkeit mit der Architektur der Maya haben.
Als schlüssigen »Beleg« für seine These nannte Berlitz das Auffinden der
geheimnisvollen »Straße von Bimini«. 1 968 entdeckte man nahe den Inseln
Andros und Bimini, im Bereich der Bahamas, steinerne Unterwasser-Struktu­
ren, die als vorkolumbischer Tempel gedeutet wurden. Die Piloten Trig Adams
und Bob Brush hatten die symmetrische Anordnung in Form eines »J« gesichtet.
Kurios: Das Medium Edgar Cayce erklärte 1 940: »Poseidia wird das erste Gebiet
von Atlantis sein, das wiedergeboren wird. Das wird im Jahre 1 968 oder 1 969
stattfinden . . . «
Ist die Steinformation, die in sechs Metern Tiefe vor der Küste der Bahama­
Insel Bimini entdeckt wurde, wirklich von Menschenhand geschaffen worden?
Schon früh kamen Zweifel auf. Es stellte sich heraus, daß eine Struktur, die man
als vermeintlichen »Atlantis-Tempel« erhofft hatte, ein in den 1 930er Jahren
gebautes Depot für Schwämme war, und 1 9 8 1 zeigte eine von amerikanischen
Geologen durchgeführte Studie, daß die »Bimini-Straße« vor 2500 bis 3 5 00
Jahren auf natürliche Weise entstanden war. Andere Forscher halten die Streit­
frage dennoch offen und schließen beide Möglichkeiten nicht aus: die Steine
könnten sowohl durch die Natur als auch von Menschenhand dorthin gekom­
men sein. Der Forscher Dr. David Zink stellte überdies fest, daß die Verbindung
zwischen den Steinen in der oberen Lage nicht mit denen der darunter liegen­
den Grundschicht übereinstimmen.
Ebenso wurde eine Reihe von Artefakten aus dem Meer gehoben, die eine
künstliche Bearbeitung nahelegen. Dazu zählen Teile einer Marmorsäule, die
sonst nirgendwo auf den Bahamas bekannt ist, und ein Steinquader, dessen
Ursprung bisher noch nicht ermittelt werden konnte.
Nichts mehr vernommen hat man von der angeblichen Entdeckung einer
gewaltigen Unterwasserpyramide, die nahe den Bahamas gesichtet wurde. Charles
Berlitz hatte einem der Autoren (R. H.) brieflich und 1 9 82 bei seinem Wien­
Besuch davon erzählt. Sonar-Messungen ergaben in dem fraglichen Gebiet eine
ungewöhnliche symmetrische Pyramidenform. »Diese Pyramide, deren Basis
ungefähr 300 Meter beträgt, ist 1 40 Meter hoch« , erklärte Berlitz. »Sie hat die
Form der Cheopspyramide mit genau denselben Proportionen. Wir wissen
noch nicht, ob es sich um einen Bau handelt, der von Menschenhand geschaf­
fen wurde, doch besteht nirgends auf der Welt ein Hügel oder Berg, der diese
Form hat.«
Die Bestätigung einer entdeckten Pyramide unter Wasser wäre sicherlich
geeignet dazu, die wissenschaftlichen Anschauungen über die Entstehung unse­
rer Zivilisation ins Wanken zu bringen. Ein vergleichbares Monument giganti­
scher Größe fand man auf der anderen Seite des Globus - im Pazifik vor der
japanischen Küste von Yonaguni. Läßt sich hier der Beweis dafür finden, daß es
in vorsintflutlichen Zeiten bereits hochentwickelte Kulturen und monumentale
Bauwerke gegeben hat?
Im 1 9 . und 20. Jahrhundert vertraten einige Gelehrte die Auffassung, daß
es im Pazifik ein geheimnisvolles Königreich namens MU gegeben habe. 1 926
veröffentlichte der in Indien lebende Brite Oberst fames Churchward die Ergeb­
nisse seiner lebenslangen Forschungsarbeit in dem Buch The lost Continent 0/
Mu . Der Wirbel in den Medien war ihm sicher, behauptete er doch im Besitz
von stichhaltigen Belegen zu sein, wonach es im Pazifik einen versunkenen
Kontinent MU gegeben hätte. Die biblische Schöpfungsgeschichte, so beharrte
Churchward weiter, stamme nicht von den Völkern in Mesopotamien, sondern
ursprünglich von MU, dem Mutterland aller Menschen.
Churchward erklärte, ein alter asiatischer Priester habe ihn gelehrt, die in
archaischer MU-Sprache abgefaßten Hieroglyphen auf - in Indien und Mexiko
gefundenen - Steintafeln zu übersetzen. Seiner eigenwilligen » Übersetzung«
zufolge würden die Schriften bestätigen, daß MU die Wiege aller Kulturen und
sogar noch älter als Atlantis gewesen sei. Außerdem ginge aus den Texten hervor,
daß es mehrere frühe Menschenrassen gegeben hätte, die von diesem Kontinent
stammten und wie im Garten Eden ein friedliches Leben führten. Vor etwa
1 2 000 Jahren sei es dann plötzlich zu einer gewaltigen Explosion gekommen,
Erdbeben und Vulkanausbrüche verwüsteten die Insel. Gewaltige Sturmfluten
hätten MU schließlich im Ozean versinken lassen.

Der exzentrische Mister Churchward war nicht der erste, der mit der phanta­
stisch anmutenden Geschichte um das verlorene Paradies an die Öffentlichkeit
trat. Schon viele Jahre zuvor hatte der französische Abbe Charles-Etienne Brasseur
de Bourbourg die MU-Legende in die Welt gesetzt. 1 864 stieß er auf einen
Bericht über die Maya-Kultur und drei ihrer Codex-Bücher, die heute in
Madrid, Paris und Dresden aufbewahrt werden. Alle anderen umfassenden
literarischen Hinterlassenschaften der »Sonnenvölker« wurden im mörderi­
schen Rausch des Vandalismus vollkommen vernichtet.
Brasseur de Bourbourg glaubte, daß in den Dokumenten von einem ver­
sunkenen Kontinent die Rede sei. Zwei Buchstaben aus der Maya-Handschrift
verwirrten den Gelehrten. Im Alphabet glichen sie einem »M« und einem »U«.
Also reimte er sich zusammen, das unbekannte Land müsse »MU« geheißen
haben.
224 1

Bourbourgs Landsmann, der Arzt und Archäologe Augustus Lew Plongeon,


unterstützte diese These Ende des 1 9 . Jahrhunderts. Er war der erste, der die
Maya-Ruinen in Yucatan ausgrub. Die Funde bestärkten ihn in seiner Überzeu­
gung, daß Flüchtlinge von MU die Maya-Kultur begründet haben. Hinweise
auf MU will er vor allem im Codex »Troano« aufgespürt haben.
Obwohl sich die meisten Wissenschaftler heute darüber einig sind, daß es
den Kontinent MU niemals gegeben hat, wissen wir, daß im Laufe der langen
Erdgeschichte immer wieder größere Erdteile verschwunden und später durch
umwälzende Klimaveränderungen wieder aufgetaucht sind. Viele Legenden
erzählen davon. Eine stammt aus China, dem
alten »Reich der Mitte« . In den chinesischen
Mythen wird ein Paradies beschrieben, das auf
einer bergigen Insel existiert haben soll. Man
kennt den mythische Ort unter dem Namen
Penglai. Es heißt, die Insel hätte im Östlichen
Meer, also im Pazifik, gelegen, und sie sei der
Himmel auf Erden gewesen. Man erzählte au­
ßerdem davon, daß sie gelegentlich von geheim­
nisvollen Unsterblichen aufgesucht werde. Diese
himmlischen Weisen hätten Lebenselixiere ge­
trunken, seien daraufhin mit Flügeln ausgestat­
tet worden und konnten durch die Lüfte segeln.
Einige Expeditionen machten sich auf die Suche
nach dem sagenumwobenen Land. Einmal wur­
de sogar eine ganze Schiffsflotte ausgesandt, um
das Paradies aufzuspüren, ohne daß eines der
Schiffe zurückkehrte.
»Wir werden wohl niemals herausfinden, wo Diese Reliefkarte aus dem alten
die Legende entstand«, schreibt der Orientalist China stellt das verschollene
Robert K G. Temple in seinem Buch Das Land der Inselreich Penglai dar. (Quelle:
fliegenden Drachen. »Möglicherweise war Penglai Robert K. Temple; Das Land der
Tahiti oder Hawai, vielleicht auch Amerika«, ver­ fliegenden Drachen, Bergisch­
mutet Temple. Auffallend ist wiederum die Par­ Gladbach 1 990)
allele zu den Legenden um Atlantis und MU.
Und noch etwas ist mysteriös: In chinesischen Grabmälern aus dem 3 . und
4. vorchristlichen Jahrhundert wurden plastische Darstellungen der Insel ge­
funden. Auf vielen Behältern und bronzenen Räuchergefäßen finden sich eben­
falls Abbildungen davon. In manchen dieser seltsamen Grabbeigaben sind
komplizierte Reliefkarten des Sagenlandes eingearbeitet, meist mit Bergspitzen
und einer Oberflächenstruktur, in der Halbedelsteine eingelegt sind. Diese
1 22 5
Bronzearbeiten sind insofern erstaunlich, weil die erste vergleichbare europäi­
sche Reliefkarte erst aus dem Jahr 1 5 1 0 bekannt ist. Der Kartograph Paul Dox
hat sie angefertigt, und sie zeigt das Gebiet um Kufstein in Österreich. In China
war diese Technik beinahe zwei Jahrtausende zuvor bekannt. Kam das Wissen
dafür von den hohen Weisen aus Penglai oder MU?
Weshalb sollte es nicht ebenso im Pazifik Inseln gegeben haben, die wieder
versunken sind? In vielen Teilen der Welt wurden die Küstenlinien nach dem
Ende der letzten Eiszeit nachdrücklich verändert. Unterwasserarchäologen sto­
ßen immer wieder auf Häfen, Küstenfestungen und versunkene Landoberflächen.
Zuletzt vor den Pescadores-Inseln bei Taiwan. Dort entdeckten Taucher vor zwei
Jahren eine eindeutig künstlich geschaffene Mauer im Meer. Steve Shieh, Leiter
des taiwanesischen Instituts für Unterwasserarchäologie, schätzt, daß der Wall
sechs- bis siebentausend Jahre alt ist. Die Mauer befindet sich in einer Tiefe von
25 bis 30 Metern, ist etwa einen Meter hoch, 50 Zentimeter breit und über
1 00 Meter lang. Am Ende der Eiszeit standen sie noch auf Land und verbanden
Taiwan mit China.
Die Funde sind kein Einzelfall: Sonar-Messungen ergaben, daß im gleichen
Gebiet viele solcher Wälle auf dem Meeresgrund stehen. Bereits 1 976 war eine
drei Meter hohe Unterwassermauer bei den Hu-ching-Inseln entdeckt worden.
Ihr Alter wird auf 7000 bis 1 2 000 Jahre geschätzt. Mitte der 1 990er Jahre
stießen Taucher zudem auf die Ruinen einer versunkenen Stadt. Über die
Erbauer wissen die Wissenschaftler kaum etwas.
Die bisher spektakulärsten Unterwasserfunde wurden vor der japanischen
Südküste rund 300 Kilometer südwestlich von Okinawa gemacht. Sie könnten
mit den taiwanesischen Entdeckungen im Zusammenhang stehen. Vor rund
20 Jahren stieß der Sporttaucher Kihachiro Aratake zufällig auf eine mysteriöse
Formation, die sich vor seinen Augen rund 25 Meter unter der Wasseroberflä­
che auftürmte. Mit 1 5 0 Metern Breite, 200 Metern Länge und 90 Metern Höhe
ähnelte das felsige Gebilde einer gigantischen Stufenpyramide mit einer großen
Plattform an der Spitze. Nachforschungen ergaben, daß die Felsformation
bereits 1 946 erstmals gesichtet und als »sehr eigentümlich« beschrieben wurde.
Doch von Wissenschaft und Presse blieb die »Unterwasser-Pyramide« damals
völlig unbeachtet.
Der Felsklotz zeigt eine erstaunliche Vielfalt, die ehrfürchtiges Staunen
bewirkt: Gerade Kanten, glatte Plateaus, Treppenstufen und Linienmuster,
straßenartig verlaufende Terrassen und senkrechte Wände, die aussehen, als
seien sie von Menschen geschaffen worden. Kurze Zeit nach dieser Entdeckung
berichteten die wichtigsten Zeitungen Japans über diese archäologische Sen­
sation.
Seither brüten nicht nur japanische Wissenschaftler über den Ursprung des
Die Entdeckung unter dem Meer liegender Steinformationen vor derjapanischen Küste von
Okinawa sorgt für Kontroversen: Handelt es sich um Ruinen des versunkenen Kontinents
MV? (Foto: Prof. Dr. Masaaki Kimura)

zum Teil terrassenförmig angelegten Yonaguni-Monuments am Hiseki-Point


(»Ruinenplatz«) . Das Rätsel von Yonaguni zieht Geowissenschaftler, Historiker
und Esoteriker aus aller Welt an. Die bisher damit befaßten Forscher sind sich
über die Bedeutung der Unterwasserstruktur uneins. Sind es Überreste einer
versunkenen Hafenanlage oder gar eines Tempel aus der Urzeit? Hinterlassen­
schaften einer technologisch, kulturell und sozial hochentwickelten Kultur?
Wurde die Felsformation überhaupt von Menschenhand erschaffen? Sind es nur
bizarre Naturwunder, entstanden durch Erosionsprozesse? Sogar Theorien über
ein frühzeitliches Sternen- oder UFO-Observatorium sind im Gespräch.
Ein engagierter Wissenschaftler, der sich seit rund einem Jahrzehnt redlich
um eine Klärung der Rätsel bemüht, ist Prof Masaaki Kimura. Für den Meeres­
forscher an der Ryukyu Universität Okinawa ist es nach Prüfung aller Quellen
gewiß: Das Unterwassermonument kann nur von Menschen errichtet worden
sein. »Ein Beweis dafür ist, daß es am Fuß des Felsens keine Erosions-Spuren
gibt, wie abgebröckelte und verwitterte Steine«, erklärt der Spezialist.
Um die mutmaßliche Stufenpyramide führt eine flache Bahn herum, die
eine Straße zu sein scheint. Auffallend sind meterhohe Stufen, die zum Gipfel
führen. Das Alter des Fundes schätzen Wissenschaftler auf mindestens 8000 bis
Von Tauchern erkundet: Die faszinierende Unterwasserwelt vor Yonaguni (Foto: Prof Dr.
Masaaki Kimura)

1 0 000 Jahre. Damals soll die Gesteinsstruktur noch an Land gestanden haben.
Als der Meeresspiegel, bedingt durch das Ende der letzten Eiszeit, anstieg, habe
das Wasser das Monument verschluckt. Es erinnert an die Inkastadt von Machu
Pichu in Peru. Wenn wir uns vorstellen, daß eine riesige Flutwelle die Inka­
festung überschwemmen würde, bliebe ein Gebilde übrig, das ungefähr so
aussehen dürfte, wie es die Monumente von Yonaguni jetzt tun.
»Es gab bislang keine Hinweise darauf, daß schon vor so langer Zeit
Menschen in der Lage waren, eine solche vermutlich kultische Stätte zu errich­
ten«, sagte Prof Kimura. »Das kann nur durch Leute geschehen sein, die
technisch anderen Völkern weit voraus waren. Wir haben noch keine endgülti­
ge Antwort, wir müssen die Anlage systematisch weiter erforschen. «
Für ihn ist heute klar: Wenn die Natur das Monument geschaffen hätte,
müßten auf dem Unterwasser-Gang überall Felsreste liegen. Aber der Weg ist
sauber und zieht sich um den ganzen Block herum. Auch zwei Monolithe, die
228 1

einen engen Tunnel abschließen, scheinen absichtlich an dieser Stelle postiert


worden zu sein. Prof. Kimura glaubt inzwischen genügend Indizien für die
These gefunden zu haben, daß das »Bauwerk« ein Relikt des verschollenen
Kontinents MU gewesen sei, dem pazifischen Gegenstück zu Atlantis. Hierzu
liefern j üngste Forschungen und Entdeckungen des japanischen Unterwasser­
experten weitere Anhaltspunkte: Schriftsymbole der auf den Ryukyu-Inseln
gefunden Steinplatten (drei Stück werden im Naha Perefectural Museum aufbe­
wahrt) ähneln j enen Zeichen, über die bereits MU-Forscher James Churchward
in seinem Buch berichtete.
Ungeklärt ist der Ursprung der Tafeln. Erste Anzeichen einer Zivilisation in
Japan tauchten, soweit bekannt, vor rund 1 2 000 Jahren mit der Jomon-Kultur
auf. Sie ist für ihre seefahrerischen Leistungen berühmt und brachte (weltweit)
die ersten Keramiken hervor. Stammen die rätselhaften Zeichen auf den Tafeln
aus den Anfängen dieser Periode?
Mehr als 1 00 Tafeln mit ähnlich geheimnisvollen Schriftzeichen werden
noch vermißt. Einem hartnäckigen Gerücht zufolge sollen diese Artefakte vor
dem Zweiten Weltkrieg aus religiösen Gründen an einem unbekannten Ort
vergraben worden sein. Wird es gelingen, das Versteck aufzuspüren? Wenn j a,
dann könnte damit nicht nur die Geschichte um die Ryukyu-Inseln besser
erklärt, sondern vielleicht sogar das Geheimnis um MU gelüftet werden. Das
hofft j edenfalls Prof. Kimura, der bereits erste Übersetzungsversuche an den
Tafeln im Museum unternommen hat.
Bemerkenswert ist, daß die Japaner ihre prähistorischen Kaiser Kam-mu,
Jim-mu und Tim-mu nennen. Weist die Namenssilbe »mu« auf eine Verbindung
zum legendären Inselreich hin? Ein j apanischer fluß heißt ebenfalls Mu. Bloß
Zufälligkeiten oder verdrängte Hinweise auf eine ehemals versunkene prähisto­
rische Pazifikzivilisation?
Jedenfalls muß es bereits in der Eiszeit eine Kultur in Japan gegeben haben,
die über erstaunliche mathematische, astronomische und architektonische Kennt­
nisse verfügte. Im ganzen Land finden sich alte Steinheiligtümer, die aus
vorgeschichtlichen Zeiten stammen. Im Asuka-Tal in Zentral-Japan steht das
riesige Felsengrab Ishibutai. Ein Brocken wiegt fast hundert Tonnen und wurde
zehn Kilometer weit transportiert. Vergleichbare Monolithe kennt man vor
allem aus den steinzeitlichen Megalith-Kulturen Europas. Prominentestes Bei­
spiel dafür ist Stonehenge in Südengland. Einige der Steinkolosse in Japan sind
in ihren Dimensionen größer als die Monumente in Stonehenge. Ebenso
könnten die prähistorischen Steinkreise in Komakino und anderen Plätzen eine
direkte Beziehung zu den Unterwasserfunden vor Yonaguni haben. Die »Unter­
wasser-Ruine« soll exakt auf den nördlichen Wendekreis ausgerichtet sein. Hier
steht die Sonne auf der Nordhalbkugel am 2 1 . Juni um die Mittagszeit am
höchsten Punkt. Einige Forscher vermuten, die Jomon hätten die massigen
Bauten in Yonaguni errichtet oder wenigstens mit Werkzeugen behauen.
Eine Verbindung könnte ebenso zum Shinto-Glauben der Japaner beste­
hen. Am heiligen Berg Miwa waren die Menschen schon in grauer Vorzeit von
ungewöhnlichen Felsformen fasziniert. Sie bearbeiteten sie und erklärten sie zu
»Götter-Steinen«. Ein Fels-Schrein hat eine auffällige Ähnlichkeit mit den
Yonaguni-Formationen. Man nennt ihn das Felsboot von Masuda. Es ist eine
Kombination aus sauber gehauenen, geraden Kanten und natürlich belassenem
Stein. Die Ähnlichkeit der Stein bearbeitung ist verblüffend und zeigt, daß
solche Techniken schon während der Eiszeit angewandt wurden.
Kritiker überzeugt das alles nicht. Sie erklären die ebenmäßig geformten
Strukturen vor Yonaguni für Sedimentgestein, das über Jahrtausende durch die
harte Brandung vor der Küste entstanden sei. Spuren mechanischer Bearbei­
tung seien nicht gefunden worden und eine planvolle Architektur nicht erkenn­
bar. Die Erosion durch den harten Sand, Korallenbildung und Algenbewuchs
machen es extrem schwer nachzuweisen, ob die Monumente tatsächlich nur
natürlichen oder doch künstlichen Ursprungs sind. Einer, der es versuchte
herauszufinden, ist der Geologe Robert M. Schoch. Er ist an der Boston University
tätig und kam nach mehreren Tauchgängen zu der Überzeugung, daß es sich bei
dem Yonaguni-Monument eher um eine natürliche Felsformation handelt. Der
Fachmann schließt aber nicht aus, daß sie später von Menschenhand verändert
wurde. »Es gibt aufYonaguni eine lange Steinmetztradition, auch prähistorische
Instrumente und Werkzeuge wurden gefunden. Die Gräber auf der Insel weisen
einen ähnlichen Stil auf wie die Unterwassermonumente - und vielleicht hat die
Pyramide, als sie noch auf dem Land stand, die Architektur auf diese Weise
beeinflußt«, erklärt der Geologe.

Vor der Küste von Yonaguni


im Gebiet der Unterwasseran­
lage wurden etliche Artefakte
geborgen, die deutliche
Bearbeitungsspuren durch
Menschenhand zeigen. Der
im Hintergrund zu sehende
60 Kilogramm schwere Stein­
block zeigt die plastische
Form eines Tieres, das me­
chanisch herausgemeißelt
wurde. (Foto: Prof Dr.
Masaaki Kimura)
Die Funde der letzten Jahre bestärken diesen Verdacht: Auf der oberen
Terrasse der Anlage wurden Gravuren entdeckt, die an eine Schildkröte und an
einen Adler erinnern. Eine interessante Entdeckung, wenn man weiß, daß die
Schildkröte im alten asiatischen Kulturraum das Symbol für ewiges Leben war.
Für Unsofved Mysteries stellte uns Professor Kimura brandaktuell einige
Exponate zur Verfügung, die in j üngster Zeit im fraglichen Gebiet am Meeres­
grund vor Okinawa geborgen wurden. Sie zeigen klare Bearbeitungsspuren, die
nicht natürlich entstanden sein können. Dazu zählt eine drei Kilogramm
schwere Steinplatte mit einem ovalen und einem runden Loch. Zwischen den
beiden Öffnungen ist ein Kreuz-Symbol und eine rechwinkelige Gravur einge­
ritzt, sowie ein »Punkt« . Ein anderer 60 Kilogramm schwerer Steinblock zeigt
die plastische Form eines Tieres, das mechanisch herausgemeißelt wurde. Wo­
her stammen diese Artefakte und was bedeuten sie? Die natürliche Felsbrandung
kann dafür nicht verantwortlich zeichnen.
Dem pflichtet der englische Bestsellerautor und »Atlantis-Sucher« Graham
Hancock gerne bei. Er ist ebenfalls überzeugt davon, daß die Formation mensch­
lichen Ursprungs ist. Mit seiner Frau Santha Faiia fand er vor Ort zahlreiche
Muster und Formationen, deren Herkunft in TV-Beiträgen und Büchern disku­
tiert wurde.
Bislang gingen Wissenschaftler davon aus, daß der Mensch erst vor etwa
5000 Jahren begann, monumentale Architekturen zu errichten. Die ersten
Hochkulturen entstanden in Mesopotamien, in Ägypten und Nordwest-Indien
mit der Indus-Kultur. Hancock dagegen glaubt, daß die Ursprünge der Zivilisa­
tion möglicherweise tausende Jahre früher angesetzt werden müssen. Die zahl­
reichen Entdeckungen unter Wasser bestätigen, daß unsere Vorfahren viel
früher im »Baugeschäft« tätig waren, als bisher angenommen.
Eine neue Entdeckung erinnert wiederum an die Legende einer weiteren
versunkenen Landfläche, die Esoteriker im Indischen Ozean vermuten. Ihr
Name: Lemuria. Auf diesem Kontinent soll angeblich eine hochtechnisierte
Zivilisation gelebt haben. Manche Forscher meinen, Lemuria sei lediglich ein
anderer Name für MU. Wie auch immer. Die jüngsten Messungen von Sonar­
Geräten lieferten aufschlußreiche Daten: vor der Nordwestküste Indiens exi­
stierten vor neuntausend Jahren zwei Städte, die heute am Meeresgrund liegen.
Eine Reihe archäologischer Fundstücke wurde mit Hilfe von Schleppnetzen
geborgen. Untersuchungen mit der Radiokarbon-Methode belegen das hohe
Alter. Eines der interessantesten Artefakte: Eine Steintafel mit schriftähnlichen
Symbolen, 4000 Jahre vor der »offiziellen Einführung« durch die Sumerer.
Die Erfindung der Schrift, zumindest der Vorläufer davon, dürfte bereits in
der Eiszeit ihren Anfang genommen haben. Afexander Marshak vom Peabody
Museum of Archaeofogy and Ethnofogy in Harvard (Massachusetts, USA) hat
Ritzzeichnungen auf Mammurknochenfunden untersucht und die Theorie
aufgestellt, daß diese Gravuren nicht nur Vorläufer einer Schrift sind, sondern
tatsächlich eine Form prähistorischer Symbolschrift darstellen, die als Mond­
kalender diente. Ein weiteres Indiz für eine solche »Höhlenschrift« liefern Kiesel
und andere Steine, die in Mas d 'Azil und weiteren Höhlen Frankreichs, Spani­
ens und Nordafrikas gefunden wurden. Sie zeigen Symbole, deren Bedeutung
bis heute unklar geblieben ist. Ihr Alter wird zwischen 1 5 000 und 3 5 000
Jahren datiert.
Stammen die Schrifttafeln der Ryukyu-Inseln ebenso aus eiszeitlichen Epo­
chen? Prof. Kimura hält das für möglich und erkennt in den Steingravuren
Ähnlichkeiten mit j enen Schriftsymbolen, die James Curchwood in seinem
Buch beschriebenen hat. All das erhärtet die Theorie, nach der Japan und
Taiwan vor 1 0 000 bis 1 2 000 Jahren Teile einer großen Landmasse waren, die
heute unter dem Namen MU in Erinnerung geblieben ist.
Es gibt noch ein Rätsel: Die Schriftsymbole ähneln jenen Gravuren, die
man u. a. auf dem Pyramidenstein von La Mana im Dschungel von Ecuador
aufgefunden hat. Der Ort ist seit alters her ein mystischer Platz, der auch den
»Weltkartenstein« zutage förderte. Auf ihm sind neben vertrauten Erdteilen die
Umrisse unbekannter Inseln dargestellt, die als Atlantis und MU zu deuren
sind.
Könnte es einen tiefgreifenden Zusammenhang zwischen all den Hinwei­
sen geben? Angesichts der vielen spektakulären Funde können wir eine globale
Verbindung zwischen den Artefakten aus Ecuador, dem legendären Kontinent
MU und den Funden der Ryukyu-Inseln nicht ausschließen. Doch bevor
endgültige Schlüsse gezogen werden dürfen, sind weitere Untersuchungen not­
wendig. Vieles muß vorerst Spekulation bleiben. Eine späte Ehrung für die
versunkene MU-Kultur könnte es dennoch bald geben: Die atemberaubende
Unterwasserlandschaft vor Yonaguni soll Weltkulturerbe der UNESCO wer­
den.

Modell-Rekonstruktion der Unterwasseranlage von Yonaguni Island (Foto: Bernhard Moestl


und Autoren)
20
Das Mysterium von La Mana
» Organisches Gold« und leuchtende Artefakte

Mitten im Dschungel von Ecuador liegt einer der geheimnisvollsten Schauplät­


ze unseres Planeten. Er wird von den Indigenas La Mana genannt. Die Gegend
dort ist altes Goldgräberland. Einst wurde intensiver Abbau betrieben, aber die
Adern sind erschöpft. Nur mit viel Mühe fördern einige wenige Indianer gerade
so viel Gold zutage, daß sie ein ärmliches Leben fristen können. Die verlassenen
Stollen bergen aber noch Schätze. Die Reste einer Zivilisation, die längst vom
Dschungel verschluckt worden ist.
Das bedeutendste Exponat ist ein Pyramidenstein, 2 1 Zentimeter hoch,
24 Zentimeter breit und sieben Zentimeter tief. Es wurde in den 1 980er Jahren
gemeinsam mit rund 300 anderen merkwürdigen Artefakten - darunter viele,
die mit der Pyramidensymbolik
verbunden sind - in einem ver­
lassenen Stollen geborgen. Ent­
deckt hat sie der ehemalige ecua­
dorianische Präsidentschaftskan­
didat Guillermo Sotomayor. Er war
seinerzeit leitender Ingenieur in
einem der großen Goldabbau­
unternehmen und stieß bei sei­
ner Arbeit zufällig auf den myste­
riösen Schatz.
Der Pyramidenstein mit »göttlichem Auge« zählt Auf der Pyramide sind 1 3
zu den bedeutendsten Fundstücken aus La Stufen mit fluoreszierenden Ele­
Mana. Ein Raubversuch konnte verhindert wer­ menten eingraviert, denen eine
den. (Foto: Rupert Leutgeb) alte Zahlenmagie zugrunde lie­
gen dürfte. Über den Stufen ist
ein Auge mit Pupille kunstvoll eingearbeitet worden. Unter ultravioletter Strahlen­
einwirkung offenbart sich dem Betrachter ein atemberaubendes Schauspiel: die
Pyramide und das Auge leuchten in gespenstischem rötlich-blau phosphoreszie­
rendem Licht! Das »alles sehende Auge« in der Pyramidenspitze repräsentiert
die Allgegenwart sowie Allwissenheit Gottes und galt bereits in uralten Zeiten
als Ausdruck für »göttliches Licht« . Hebt man den Pyramidenstein in die Höhe
und blickt unter das Fundament, zeigt sich ein weiteres Mysterium: Schrift­
ähnliche Symbole und fünf Punkte, die eine Übereinstimmung mit dem Stern-
bild des Orion aufweisen. Einem Gerücht zufolge soll es weltweit drei Originale
solcher Pyramidensteine geben. Ein Relikt, so heißt es, sei im Besitz der Familie
Rothschild, ein zweites soll sich in einem »Hexenmuseum« in Brüssel befinden
(was wir bisher nicht bestätigen konnten) , und das dritte Stück sei nun in
Ecuador aufgetaucht. Ungeklärt bleibt allerdings die Frage, wie dieses Artefakt,
gemeinsam mit den anderen fremdartigen Obj ekten, ins zentrale Andengebiet
gelangte.

Exakt das gleiche Motiv des Pyramidensteines findet sich auf der Rückseite
der » One-Dollar-Note« dargestellt. Es gilt als Symbol für Macht und Einfluß.
(Foto: Archiv Autoren)

Eine Kuriosität am Rande: Im Jahr der Weltpremiere von Unsolved Mysteries


tauchte eine große Anzahl von überdimensionalen Kornkreismustern in unge­
wohnter Vielfalt auf. Und das nicht nur in Englands Getreidefeldern, wo das
Phänomen Ende der 1 980er Jahre seinen Anfang nahm. Kornkreisforscher
hielten es kaum für möglich, daß nach den spektakulären Bildern der vorange­
gangen Jahre noch eine Steigerung bei den Mustern und Piktogrammen mög­
lich wäre. Sie irrten sich: Es erschienen im Jahre 200 1 hochkomplizierte Korn­
kreiszeichen, die nur vom Betrachter aus dem Flugzeug in ihrer Komplexität
erkannt werden konnten, darunter ein dreidimensional wirkendes Gesicht, ein
genetischer Code, Galaxien und - eine Pyramide mit Gottesauge! Das Korn­
zeichen ähnelte im Aussehen auffällig j enem wertvollen Pyramidenstein, der
eines der begehrtesten Schaustücke unserer Ausstellung war. Nicht nur für
Unsolved-Mysteries-Freunde. Die Kunstraubmafia fühlte sich von der Gottes­
tafel und all den anderen archäologischen Unikaten ebenso angezogen. Wäh­
rend der Ausstellungszeit war es Profi-Dieben gelungen - unbemerkt von
hunderten Besuchern -, Schrauben und Sicherheitsleisten aus den Vitrinen zu
lösen. Und das, obwohl Kameras und zehn Sicherheitsleute über die Schaustük­
ke wachten.
Um von ihrem Coup abzulenken, vergossen die Täter neben dem Eingang zur
Ausstellung eine spezielle Flüssigkeit, die einen sehr starken Brandgeruch er­
zeugte. Der Rauchgeruch verbreitete sich über die Treppen in das Foyer ins erste
Tiefgeschoß. Wir waren kurz davor, Feueralarm zu geben. Die Folge davon wäre
gewesen, daß die Aufsichtspersonen sofort die Notausgänge besetzt hätten. Das
wäre dann der Moment gewesen, wo sich die Diebe ausgewählte Objekte aus
den Vitrinen genommen hätten. Die Kriminalpolizei meinte nach den Untersu­
chungen, daß wir bei dem vereitelten Kunstraub sehr großes Glück gehabt
hätten, da die Täter mit ihrer Aktion höchst professionell vorgegangen waren.
Die Mystery-Exponate waren zwar hoch versichert, aber wir konnten
heilfroh sein, daß uns die Glücksgöttin Fortuna zum x-ten Male wohlgesonnen
war. Wie schnell so etwas danebengehen kann, zeigt einer der größten Kunst­
raube der Geschichte, der im Frühj ahr 2003 ganz Österreich erschütterte. Über
ein Baugerüst brachen Diebe in das renommierte Wiener Kunsthistorische
Museum ein. Sie stahlen nur einen Gegenstand - die goldene Saliera von
Benvenuto Cellini, eine der teuersten Skulpturen der Welt. Wert des Prunkstük­
kes aus dem 1 6. Jahrhundert: mehr als 5 0 Millionen Euro!
Der Wert und die wahre Bedeutung der Stücke aus La Mana kann noch
nicht eingeschätzt werden. Der gute Erhaltungszustand der Exponate wird
damit erklärt, daß die Stücke offenbar sehr lange in der Goldmine (und
zusätzlich in Keramikbehältern) vor Witterungseinflüssen geschützt verborgen
lagen. Beim Katalogisieren der Gegenstände wurde deutlich, daß sich ein Rätsel
an das nächste reiht. Eine kleine unvollständige Auswahl jener Artefakte, die in
der Goldmine vorgefunden wurden, möchten wir kurz auflisten:

Stein mit Handgravur und Pyramidenzeichen


28 Zentimeter hoch. Die Hand gilt als wichtigstes magisches Symbol, das
in vielen Kulturen der Welt eine bedeutende Rolle spielt. Schon die
Babyionier glaubten an Zusammenhänge zwischen Handlinien und Pla­
netenbahnen.

Stein mit der Gravur einer Hand mit Pyramidensymbol


(Foto: Reinhard Habeck)
Pyramidenformiger Stein mit Bilderszene
Die Vorderseite zeigt sieben Stufen mit seltsamen Symbolen. Im obersten
Teil ist wieder das Dreieck mit dem »Göttlichen Auge« eingraviert. Auf
der Rückseite sind Tiere, ein Mensch und ein Baum zu sehen. An den
Seitenteilen befinden sich Markierungen und Punkte, die wiederum als
Sternbilder interpretiert werden können . Vielleicht gehen auch große
energetische Kräfte von diesem Stein aus. Ein Zwischenfall, der sich eines
Abends zugetragen hatte, wird uns unvergessen bleiben: Bei einem Kon­
trollgang durch die Ausstellungsräume explodierte vor unseren Augen die
Vitrine in tausende kleine Glassplitter, die dann im ganzen Saal verstreut
lagen. Wir waren bis weit nach Mitternacht mit den Aufräumungsarbei­
ten beschäftigt. Die Ursache dafür konnte nie geklärt werden.

Die Vitrine, in der dieser Stein während unserer


Ausstellung aufbewahrt lag, explodierte aus
ungeklärter Ursache. (Foto: Bernhard Moestl und
Autoren)

Sternenkonstellation aufSteinplatte und zwei Figuren


Eine kleine polierte schwarze Steinplatte zeigt eingelegte Edelsteine, die
verschiedenen Sternenkonstellationen entsprechen. Die kosmologische
Bedeutung wird durch zwei Figuren aus Stein ergänzt, die ihre breiten
Köpfe himmelwärts gerichtet haben.

Einige der in La Mana


aufgefundenen Relikte
zeigen Sternenkonstella­
Nonen und beginnen unter
Bestrahlung von UV-Ucht
zu leuchten. (Fotos: Bern­
hard Moestl und Autoren)

Schwarzer Stein mit Energiezentrum


Ein Stein zeigt schemenhaft die Plastik einer Figur mit Phallus . Energie­
zentren wurden als Leuchtobj ekte beim Geschlecht, an der Stirn und am
Rücken als Schlangenlinie eingearbeitet.
Phallusstein mit eingelegten Energie­
punkten (Fotos: Bernhard Moestl und
Autoren)

Kobrakopf mit eingelegten Chakrapunkten


Ein steinerner Kobrakopf überrascht nicht nur wegen seiner für Südame­
rika fremden Fauna. Die Kopfvorderseite zeigt ein Symbol von zwei
Ringen, die mit einem Halbkreis verbunden sind. In der Innenseite sind
leuchtende Punkte in verschiedenen Farben eingearbeitet worden, die
wiederum als Energiezentren interpretiert werden können.

Woher stammt der Kobra­


kopf mit Chakra-Zeichen ?
(Fotos: Bernhard Moestl
und Autoren)

Schlange aus Stein mit eingelegten Energiepunkten


Ein Stein wurde in Form einer eingerollten Schlange dargestellt. Sie hat
kleine eingearbeitete Leuchtpunkte sowie zwei rote Punkte, die als
Schlangenaugen dienen.

Dieses Exponat
zeigt eine Schlan­
ge mit Energie­
punkten. (Fotos:
Bernhard Moestl
und Autoren)
Delphinkopfmit Einlagen
Kunstvoller gearbeitet ist ein Stein, der als Delphinkopf gedeutet wird.
Alle Stücke mit geheimnisvoller Leuchtkraft werden von der lokalen
Bevölkerung als »heilige Energiesteine« verehrt. Es gibt aber ebenso
Indigenas, die den kuriosen Fundstücken dunkle, furchterregende und
magische Kräfte nachsagen. Welche verborgenen Energien die Steine
tatsächlich enthalten, bleibt vorerst Spekulation und kann nur durch
weitere Untersuchungen geklärt werden.

Delphinkopf mit Leucht­


kraft (Fotos: Bernhard
Moestl und Autoren)

Hundekopfmit »Drittem Auge«


Ein Stein hat die Form eines Schakal- oder Hundekopfes mit eingelegten
Leuchtplättchen als Augen. Das Stück gilt als Symbol für den Hundsstern
Sirius. Die Rückseite zeigt eine Vertiefung mit Einlage, die als »Drittes
Auge« gedeutet wird, jenes Energiezentrum, das als Hauptsitz überirdi­
scher Kräfte angesehen wird.

»Hundekopf« als Symbol für den Stern Sirius (Foto:


Reinhard Habeck)

. Achteckige Steinplatte mit sieben eingelegten Kreisen


Eine polierte schwarze Steinplatte weist sieben konzentrische Kreise auf.
Sie könnten für die sieben Hauptchakren der dem Körper (bzw. dem
Astralleib) innewohnenden Schlangenkraft Kundalini stehen.

Steinplatte, die an indische


Mandala-Vorbilder erinnert
(Fotos: Bernhard Moestl
und Autoren)
Marmorpyramide mit Leuchtspirale
Die Pyramidensymbolik findet sich bei vielen Stücken dieser Sammlung.
Die Vorderseite eines rotbraunen Pyramidensteins zeigt als Einlegearbeit
ein Spiralenmuster. Zwei größere Steinplättchen sind übereinander pla­
ziert. Von dem unteren führen spiralenförmig Punkte zu einer kleineren
Spirale an der Spitze der Pyramide. Der Symbolgehalt der Spirale, die
schon in prähistorischer Zeit auf Felsbildern und Megalithgräbern ver­
ewigt wurde, ist nicht eindeutig bestimmbar. Wahrscheinlich ist ein
Zusammenhang mit der Bedeutung als kosmisches Ursymbol.

Leuchtspiralen auf einer Marmorpyramide


(Foto: Reinhard Habeck)

W'ie, von wem und wann gelangte das komplexe Wissen über die kosmische
Ursymbolik in Form rätselhafter Gegenstände nach Ecuador? Das ist die Schlüssel­
frage, auf die es momentan noch keine plausible Antwort gibt.
Ein Teil der kuriosen Sammlung wird heute von German Villamar, einem
Bauern mit Hang zum Esoterischen, gehütet. Unter den Gegenständen befin­
det sich auch der eigentümliche »Weltkartenstein«. Im Kapitel 11./6, das unsere
erste Reise nach Ecuador beschreibt, haben wir bereits darauf Bezug genom­
men.
Der Stein ist von einer natürlichen Quarzader durchzogen, um die künst­
lich gestaltete Linien erkennbar sind. Deutet man die Linien als die Umrisse der
Kontinente, so könnte eine der Markierungen einen Punkt in Mesopotamien
bezeichnen. Folgt man der Quarzlinie auf dieser steinernen Weltkarte nach
Westen, so findet man den anderen Punkt in Südamerika - in Ecuador! Der
Weg führt an Landrnassen vorbei, die es heute nicht gibt - Atlantis und MU.
Wer ist der Urheber dieses Steins und aB der anderen Utensilien, die
Guillermo Sotomayor vor mehr als 20 Jahren dem Dschungel entrissen hatte?
Wanderten die Sumerer einst nach Südamerika? Die Steintelikte sind keiner uns
bekannten Kultur zuzuordnen. Vergleichbares gibt es nicht. Stammen die Ge­
genstände aus Atlantis und MU? Wurden sie von Eingeweihten in Sicherheit
gebracht, ehe die große Flut ihre Kultur zerstörte? Doch weshalb ausgerechnet
in einer Höhle im ecuadorianischen Dschungel? Oder wurden die Relikte erst
viel später, im Mittelalter, von esoterischen Zirkeln versteckt? Mehr Fragen als
Antworten. Wer immer diese steinernen Obj ekte geschaffen hat, es waren sicher
keine primitiven Menschen. Im Gegenteil. Man wird den Eindruck nicht los,
daß in diesen Steinen uraltes Wissen gespeichert ist.
Im September 2000 war unsere zweite Mystery-Reise nach Ecuador ange­
sagt. Dabei konnten wir uns über den geheimnisvollen Fundort ein persönli­
ches Bild machen. Es gelang uns, den Entdecker der Gegenstände, Mister
Guillermo Sotomayor, ausfindig zu machen. Von ihm erhofften wir Antwort
auf einige dringliche Fragen zu erhalten.
Sotomayor bestätigte uns, daß er in den 1 980er Jahren durch Zufall in einer
der Minen auf einen Hohlraum stieß, in dem die geheimnisvollen Artefakte
aufbewahrt lagen. Nach dem Abzug der Company blieb er in der Gegend, da er,
wie er selbst sagt, einem neuen Goldfieber verfallen war - dem Fieber, die
Vergangenheit zu enträtseln.
Trotz jahrzehntelanger intensiver Beschäftigung mit dem Thema sind die
aufgefundenen Gegenstände für ihn nach wie vor ein Rätsel: »Die Entdeckung
war für mich unbegreiflich. Bis heute verstehe ich nicht die Bedeutung und den
Zweck dieser Hinterlassenschaften. Und ich kann mir nicht vorstellen, daß es
irgend jemanden auf diesem Planeten gibt, der das Mysterium um die Steine
verstehen kann«, gesteht der Entdecker freimütig im Interview.
Der Bergbauingenieur ist überzeugt davon, daß die Steine nicht nur wegen
ihrer Leuchtkraft magische Wirkung besitzen: »Ich fühlte mich sehr krank,
hatte Migräne, Schmerzen, Angstzustände. Eines Tages legte ich mich mit dem
Kopf neben einen Stein und merkte, daß es mir schon nach wenigen Minuten
besser ging. Diese von den Steinen ausgehende Heilkraft konnte ich immer
wieder feststellen. Freunde, die gesundheitliche Probleme hatten, ließ ich eben­
falls mit den Steinen in Berührung kommen. Auch sie fühlten eine spürbare
Linderung. «
Welche geheimnisvolle Energien besitzen diese Steine? War eine unbekann­
te Kultur imstande, sie mit diesen Kräften auszustatten? Sotomayor hat sich so
seine Gedanken gemacht. Etwa darüber, weshalb man in dieser Gegend, und
überhaupt in ganz Ecuador, keine ähnlich großen Zeugnisse der Vergangenheit
vorfindet wie etwa in Peru die Inka-Festung von Machu Piccu, in Bolivien
Tiahuanaco oder in Mexiko die großartigen Pyramiden der Maya. Warum
findet man nichts von alldem in Ecuador? Sotomayors Antwort klingt kryptisch:
»Weil diese Region eine verbotene Zone war. Es war nicht erlaubt, hierher zu
kommen. Dieses Land sollte nur für die Götter bestimmt sein. «
Sotomayor sinniert weiter: »Ich denke, daß sich hier die Niederlassung
einer uralten Zivilisation befand, deren Ursprung in Mesopotamien zu suchen
ist. An diesem Ort aus mehreren Gründen. Zum einen wegen der hohen
24 0 I

magnetischen Energie der Hügellandschaft. Es sind Erzberge mit sehr viel


Mineralien. Zum anderen, weil es hier Wasser gibt. Nicht irgendein Wasser,
sondern ein spezielles Wasser, das organisches Gold enthält. Die Quelle liegt
nicht weit entfernt von j enen Stollen, wo die Leuchtobjekte gelagert waren. Die
offizielle Wissenschaft akzeptiert die Existenz des organischen Goldes nicht.
Mir ist das egal, es ist da, es hält mich gesund, und ich trinke es. «
Organisches Gold? Was hat das z u bedeuten?
Angeblich wird schon in alten Sanskritsschriften und anderen mythischen
Überlieferungen darüber berichtet. Im Mittelalter hielten Alchemisten »Gold­
wasser« für ein vollkommenes Heilmittel. Diesem Lebenselixier soll bei regel­
mäßiger Einnahme eine wundersame Kraft innewohnen, die imstande sein soll,
j ene durch die organischen Funktionen verbrauchten Lebenskräfte wieder her­
zustellen. Es soll ferner die Kraft besitzen, alle Krankheiten zu heilen. Sind wir
in La Mana auf diese lebensverlängernde Quelle gestoßen? Genau das wollten
wir herausfinden.
Ende November 2002 brach einer der Autoren (K. D.) deshalb zur dritten
Ecuador-Reise auf. Gemeinsam mit dem Wasserexperten Gerhard ljsoky sollte
das Geheimnis von La Mana gelüftet werden. Unterstützt wurden wir von der
Chefin der Firma Aqua-Splend'or, Frau Lucia Vallarino-Peet. Sie verwaltet das
etwa 265 Hektar große Gebiet, das schon in prähistorischer Zeit ein starker
Kraftort gewesen sein muß. Die Quelle von La Mana liegt in einer kleinen
verbreiterten Schlucht, die wir zu Fuß erreichten. Der erste Eindruck war
ernüchternd. Vor uns ein
Betonblock, etwa acht
mal acht Meter im Qua­
drat. Doch das Bild
täuschte. Die häßliche
Steinfassung war eine
Auflage der ecuadori­
anischen Regierung, um
die Quelle als Trinkwas­
ser nutzen zu dürfen.
Die Originalfassung ver­
birgt sich dahinter und
ist üblicherweise nicht
einsehbar. Kein Problem
Klaus Dona, ein Verwalter der Firma Splend'or, und der für Mystery-Jäger. Die
Wasserexperte Gerhard Vysoky auf dem Weg zur » Gold­ Eingangstüren wurden
quelle« im Dschungel von Ecuador uns geöffnet. Was wir
(Foto: Klaus Dona) dann zu sehen bekamen,
versetzte uns in Staunen: Eine
perfekte Quellfassung, die in der
Fassungsmauer sieben eingra­
vierte Handflächen und unzäh­
lige schwer deutbare Schriftzei­
chen zeigte. Was die Archäolo­
gen besonders verblüffte : Im
Becken der Quellfassung sind
zwei 80 Zentimeter hohe Obe­
lisken angebracht. Nach Freile­
gung der vom Urwald überwu­
cherten Quelle war man auf sie
gestoßen. Inzwischen wird der
mystische Platz mit modernsten
Mitteln geschützt, und eine per­
fekte Abfüllstation - auf einem
etwa 1 , 5 Kilometer tiefer gele­
genen Hochplateau - ist instal­
liert.
In der Nähe befindet sich
noch eine weitere kleine Quelle.
Hinter einem Betonblock verborgen, befindet sich Ihre vier Zuläufe sind wie ein
die originale Quellfassung mit eingravierten Hand­ Kreuz angeordnet - und zwar
flächen und Schriftsymbolen auf der Fassungs­ genau nach den vier Himmels­
mauer. (Foto: Klaus Dona) richtungen! Das runde Stein­
becken ist mit geometrischen
Mustern verziert, die fein zerteilte Chemiestoffe des Wassers wiedergeben. Wer
immer diese alte Anlage hergestellt hat, mußte moderne Kenntnisse über die
Molekularstruktur des Wassers gehabt haben.
Und wie steht es mit der Heilkraft des Wassers? Lassen sich der hohe
Energiegehalt und das organische Gold, von dem Sotomayor sprach, eruieren?
Gerhard Vysoky hatte ein spezielles Energetisierungsgerät mitgenommen und
unternahm damit einige Experimente vor Ort. Wir haben sie auf Video festge­
halten. In einem Fall wurde ein Metallstück in kochendes Wasser geworfen.
Schon nach wenigen Minuten legte sich ein kleiner Goldfilm (Belagschicht)
darüber. Das »Goldwasser« hatte seinen Namen verdientermaßen. Um den
hohen Energiegehalt der La-Mana-Quelle zu analysieren, mußten Proben nach
Wien gebracht werden.
Mit 16 Litern »Goldwasser« traten wir die beschwerliche Heimreise nach
Europa an. Zuvor war noch eine Zwischenstation in Bogota angesagt, doch
bereits vor dem Abflug in Guayaquil gab es ernste Probleme mit dem Zoll: Der
Versuch, mit dem Wasser einzuchecken, scheiterte. Den Beamten war nicht
plausibel, warum j emand mit so viel Wasser im »Handgepäck« auf Reisen gehen
wollte. Wir wurden in einen separaten Raum gebeten, wo uns Leute von
Interpol und vom Militär in Empfang nahmen. »Was ist in den Kartons enthal­
ten?«, schnauzte man uns unhöflich an.
»Mineralwasser aus Ecuador«, versicherten wir.
Zweifelnde Mimik der Uniformierten: »Was ist noch drinnen?«
In diesem Augenblick kamen wir ins Schwitzen. Sollte uns irgend jemand
womöglich Rauschgiftanteile zugesteckt haben? Dann wären wir erledigt gewe­
sen. Die Kartons wurden ausgepackt und eine Flasche nach der anderen heraus­
genommen. Nach der letzten Flache atmeten wir tief durch und verspürten eine
unbeschreibliche Erleichterung: Es befanden sich nur unsere Mineralwasser­
flaschen in den Verpackungen!
Die Beamten blickten ungläubig. Die Flaschen wurden wieder eingepackt
und anschließend die Kartons durch einen Scanner gefahren. Ein Vorgang, der
mehrmals wiederholt wurde. Nichts. Danach wurde hektisch telefoniert. Kurz
darauf erschien ein Chemiker, der mit einer leeren Injektionsspritze eine Pla­
stikflasche anstach und die Ampulle mit einer Probe anfüllte. Nach 20 Minuten
kam er wieder. Dann wurde lautstark diskutiert. Die Kartons wurden neuerlich
durch den Scanner gefahren. Die Prozedur wiederholte sich daraufhin noch
einige Male. Nach eineinhalb Stunden größter Nervenanspannung, nur wenige
Minuten vor dem Abflug, wurden wir aus unserer mißlichen Lage befreit und
durften Ecuador verlassen.
Wir hatten wieder einmal großes Glück gehabt. Es war zu befürchten, daß
in Bogota die gleichen Schwierigkeiten auftreten würden. Wir reisten in Bogota
ein, kein Problem. Wir reisten von Bogota weiter Richtung Europa, kein
Problem. Wir landeten in Wien, kein Problem. Wir schnappten unsere Koffer
und die Kartons mit flüssigem Inhalt. Wir hatten nichts zu verzollen und
näherten uns der letzten Absperrung. Plötzlich wurden uns zwei Polizeimarken
vor die Nase gehalten: »Kriminalpolizei, bitte mitkommen!«, hieß es unmißver­
ständlich.
»Das Wasser!« , dachten wir im Stillen und konnten uns ein Schmunzeln
nicht verkneifen. In einem Nebenraum entwickelte sich ein amüsanter Dialog.
»Was haben Sie in Südamerika gemacht?«, wollte ein Kriminalbeamter von
Gerhard Vysoky wissen.
»Ich bin Experte für Wasser. Wir haben ein Mineralwasser aus Ecuador für
eine Untersuchung nach Wien mitgenommen. «
»Und Sie? Auch Wasser?«
»Nein, ich habe für eine neue Ausstellung recherchiert.«
»Was für eine Ausstellung?«, wollte der Kriminalbeamte neugierig wissen.
» Für eine Fortsetzung von Unsolved Mysteries, die ich letztes Jahr in den
Katakomben des Wiener Schottenstifts realisierte.«
»Was? Sie haben diese großartige Ausstellung gemacht?« , konnte es der
Beamte kaum glauben und ergänzte begeistert: »Phantastisch! Ich habe sie mir
zweimal angesehen. Einfach super! Habt's wieder was Neues entdeckt in Süd­
amerika?«
»Jede Menge! Im Koffer habe ich Knochen aus Ecuador. Sie stammen von
einem Riesen, der zu Lebzeiten 7,60 Meter groß gewesen sein muß!«
Es stimmte, aber der Mann von der Kripo lachte. Er hielt das Ganze wohl
für einen Scherz. Dann erklärte er: »Schauen Sie, wir zeigen Ihnen, warum wir
sie aufgehalten haben. « Er hatte einen unserer Kartons zuvor durch den Scanner
laufen lassen. Davon wurde ein Foro gemacht, und er zeigte es uns: »Sehen Sie«,
erklärte er, »jetzt müßten die Farben zurückgehen, damit nurmehr die Schatten­
umrisse von den Plastikflaschen zu erkennen sind. «
Was tatsächlich auf dem Scannerfoto zum Vorschein kam, konnten sich die
Beamten der Kripo nicht erklären. Der Inhalt der Flaschen war vollkommen
schwarz angezeigt. Offenbar hatte die hohe Energieausstrahlung des »Gold­
wassers« diesen Effekt verursacht. Deshalb kam bei der Sicherheitsbehörde der
dringende Verdacht auf, daß in den Flaschen irgend etwas Verbotenes enthalten
sein müsse. Doch es war nur das reine natürliche Kraftwasser aus La Mana!
Inzwischen wurde das »Wunderwasser« vom Österreichischen Getränke­
institut untersucht. Ebenso haben 1 4 Wasseranalyselabors in den USA eine
Prüfung vorgenommen. Die Resultate sind verblüffend und stellen eine natur­
wissenschaftliche Sensation dar: Der Energiegehalt des »Goldwassers« ist der im
Wasser bisher höchste jemals gemessene Bovis-Wert auf der Welt!
Was »Bovis-Werte« sind, weiß Wasserexperte Gerhard Visoky: »Es sind
Energieeinheiten, benannt nach dem französischen Physiker und Ernährungs­
wissenschaftler Prof. Bovis. Er fand heraus, daß frisches Obst und Gemüse
natürlicher Herkunft ein weitaus höheres Energieniveau haben, als etwa älteres,
schlecht gelagertes oder in Reifekammern gelagertes. Vom jeweiligen Energielevel
ausgehend, stellte er eine Meßtabelle auf. So hat zum Beispiel frisches Obst und
Gemüse Werte von etwa 1 4 000 Bovis-Einheiten. Diese Energieform kann
heute mit speziellen Meßmethoden, sogenannten elektronischen Biosensorik­
Geräten, ermittelt werden. In wissenschaftlichen Studien wurde festgestellt, daß
der Mensch diese Energieform zum Leben benötigt. Energieloses Wasser oder
Speisen führen zur Schwächung des ganzen Immunsystems. Krankheiten kön­
nen die Folge sein. Der umgekehrte Effekt wird durch energiereiches Wasser
erzielt. «
Guillermo Sotomayor sollte Recht behalten mit seiner Behauptung. Das
244 1

Wasser von La Mana ist tatsächlich eine Art »Lebenselixier«! Die Analysen in
den Wasserlabors zeigten einen unglaublich energiereichen Bovis-Wert: 1 , 5 Mil­
lionen Bovis-Einheiten, pulsierend nach oben bis 1 5 Millionen Bovis!
Diese unglaubliche Kraft und Energie, die von diesem Wasser ausgeht,
beschäftigt mittlerweile Naturwissenschaftler weltweit. Hier weitere Details, die
bei den bisherigen Analysen festgestellt wurden:
Die Inhaltsstoffe entsprechen in ihrer Mineralquantität und -qualität
genau j ener von Wissenschaftlern bestimmten Mischung, welche unser
Körper bzw. die Zellen aufnehmen können.
Die im Wasser beinhalteten natürlichen Silberkolloide haben eine leicht
antibakterielle Wirkung.
Der anteilige Goldkolloidgehalt entspricht einer ausreichenden Menge,
um den Nerven- und Energiebahnen des Körpers höhere Leitwerte zuzu­
führen.
Konsumenten, die bisher das Wasser testeten, sprechen von unterschied­
lichen Empfindungen: Energieschub, Wohlbefinden und Heilwasser.

Nach strengsten Auflagen der in Österreich und in den EU-Ländern gültigen


Trinkwasserbestimmungen wurde das »Goldwasser« geprüft und nun als Ge­
tränk mit vitalisierenden Effekten für den Vertrieb zugelassen. Seit kurzem wird
es als Mineralwasser unter dem Namen SPLEND'OR nach Österreich impor­
tiert - direkt aus dem mystischen La Mana im Dschungel von Ecuador. Genau
dort, wo auch das Mysterium der mysteriösen Leuchtobjekte verborgen liegt,
die keiner bekannten südamerikanischen Kultur zugeordnet werden können.
Schon allein der Name La Mana läßt Gleichklänge mit anderen Kulturen
erkennen. Die Polynesier und Melanesier wissen beispielsweise von dem Begriff
»Mana« . Sie bringen ihn mit Magie in Verbindung, die weitgehend ihr Leben
bestimmt. »Unter diesem Worte (Mana) verstehen wir einen in j edem Lebewe­
sen haftenden, aber auch auf Gegenstände übertragbaren Seelen- oder Kraft­
stoff, der als etwas Transzendentes oder Metaphysisches aufgefaßt wird«, heißt
es dazu in einem Lexikon für Völkerkunde.
Eine andere Spur führt zum »Himmelsbrot« namens »Manna« . In der Bibel
findet sich dazu die Überlieferung. D emnach soll »Manna« den Israeliten bei
ihrem Auszug aus Ägypten als Nahrungsquelle gedient haben. Dies wiederum
weckt Assoziationen zur mittelalterlichen Parzivallegende vom »Heiligen Gral«.
Es gibt einige Erklärungen, was der Schicksalskelch gewesen sein könnte, hier
die drei bekanntesten:
1 . Ein Gefäß, mit dem Jesus und seine Jünger das Abendmahl feierten.
2. Die Schale, in der das Blut von Jesus aufgefangen wurde, als er am Kreuz
hing und mit der Lanze seine Seite geöffnet wurde.
3 . Ein mysteriöser Stein mit wundersamen Kräften, der den Menschen mit
körperlicher und geistiger Nahrung versorgen kann.

In den Chroniken von Wolfram von Eschenbach (um 1 1 70- 1 220) heißt es: »Ihn
(den Gral) brachte einstmals eine Schar, die wieder zu den hohen Sternen flog,
weil ihre Unschuld sie heimwärts zog. «
Kann es wirklich nur Zu­
fall sein, daß ausgerechnet ei­
nes der wichtigsten in La
Mana aufgefundenen Artefak­
te ein Kelch ist, der mit ein­
gelegter Sternenkonstellatio­
nen bestückt ist und magi­
sche Leuchteffekte erzeugen
kann? Mit ihm wurden noch
zwölf kleine Steinbecher ge­
borgen. Sie sind mit Symbo­
Ein Prunkstück der Fundsachen aus La Mana ist len aus Edelsteinen verziert,
o dieser schwarze Kelch mit zwölf kleinen Bechern. Sie deren Bedeutung bisher un­
enthalten eingelegte Steine in Form von Symbolen verstanden blieb. Viele Stük­
und Sternenkonstellationen. Unter Einwirkung von ke aus La Mana sind mit sol­
ultravioletten Licht beginnen sie zu leuchten und chen und ähnlichen Zeichen
wecken Assoziationen zur Legende vom heiligen versehen. Um herauszufinden,
Gral. (Foto: Bernhard Moestl und Autoren) was die Gravuren bedeuten,
werden gerade Untersuchun­
gen und Schriftvergleiche mit anderen Kulturen vorgenommen. Wenn es Sprach­
forschern gelingen sollte, sie zu entschlüsseln, könnte das vielleicht letzte Ge­
heimnis um die undurchsichtige Herkunft und den Sinn der magischen Relikte
gelüftet werden. Bis dahin müssen wir uns in Geduld üben.
21
»Burrows' Cave« und die
unlesbaren Schriften
Vermächtnis einer globalen prähistorischen Kultur?

Wenn versunkene Kulturen wie Atlantis oder MU nur Fiktionen waren, wes­
halb beschäftigen sich dann so viele Menschen seit Jahrhunderten immer
wieder mit diesem Thema? Hätte Platon die Kultur von Atlantis so genau
beschreiben können? Lokalisiert man die Superzivilisation im Mittelmeerraum,
wie manche Historiker vermuten, dann ignoriert man Platons Angaben, wo­
nach die versunkene Zivilisation vor rund 1 2 000 Jahren existiert haben soll.
Das kann auf keinen Fall stimmen, sagen die Kritiker, denn damals gab es keine
Hochkultur, die Metalle verwendete, von Königen regiert wurde und mit
Schiffen den Atlantik beherrschte. Wo also, fragt die Wissenschaft, bleiben die
Funde aus Atlantis? Gibt es irgendeinen greifbaren Beweis für die Existenz einer
oder mehrerer Hochkulturen vor dem Beginn unserer eigenen geschichtlichen
überlieferten Zivilisation?
Vielleicht haben wir die Beweise längst. Mit der Einschränkung »viel­
leicht«, weil die aufgefundenen Gegenstände nicht als Beweise erkannt und
schon gar nicht anerkannt werden. Wenn tradi­
tionelle Archäologen z. B. die Auffassung vertre­
ten, Atlantis wäre ein Hirngespinst, dann kann es
folglich auch keine archäologischen Fundstücke
geben, die von dieser Zivilisation stammen könn­
ten. Taucht dann doch ein Fragment auf, das die
Atlantis-These stützen würde, kann es sich aus
der Sicht des Skeptikers nur um eine »Fälschung«
handeln, einen Irrtum bei der Deutung des Fun­
des oder einen Fehler bei der zeitlichen Einord­
nung.
Ein solcher Fund wurde im Jahre 1 897 in
Elche (Spanien) gemacht: Es ist die 56 Zentimeter
hohe Frauenbüste aus Kalkstein, die seither für
Aufregung bei Gelehrten und Laien sorgt. Die als
Die Dame von Elche aus dem »Dame von Elche« bekannt gewordene Skulptur
Prado Museu m in Madrid ist in einem unbekannten antiken Stil gestaltet.
(Foto: Archiv Autoren) In der Nähe des Fundortes gab es nichts, woraus
man auf die Entstehungszeit schließen konnte: keine Überreste von einem
Grabmal, kein Tempel, keine Wohnstätte. Der Schmuck der dargestellten Frau
gleicht weder dem, der zur Zeit der alten Römer Mode war, noch dem der
Damen aus dem viel älteren Westgotenreich. Spekuliert wird daher, ob die
Skulptur eine »Priesterin von Atlantis« gewesen sein könnte. Im Prado Museum
in Madrid kann der Dame die Reverenz erwiesen werden.
Interessant wird die Sache dann, wenn der rätselhafte Gegenstand schriftli­
che Informationen enthält. Die gibt es zur Genüge. Eine Prüfung ist dennoch
problematisch. Man kann die aufgefunde­
nen Schriftzeichen aus grauer Vorzeit nicht
lesen. Es gibt zwar Übersetzungsversuche,
aber die sind doch recht eigenwillig. Auf
die entdeckten Symbole auf den Tafeln der
Ryukyu-Inseln in Japan haben wir bereits
verwiesen. Ebenso auf die Ähnlichkeit mit
den Zeichen auf der Unterseite des »leuch­
tenden Pyramidensteines«. Unter den Ex­
ponaten aus La Mana gibt es noch andere
Stücke, die schriftähnliche Zeichen tragen,
etwa auf einer fast einen Meter hohen Skulp­
tur aus Keramik. Sie ist mit fremdartigen
Attributen ausgestattet, die keiner bekann­
ten Kultur zuzuordnen sind.
Dennoch fällt bei vielen aufgefunde­
nen Relikten aus aller Welt auf, daß sie in
ihrer Charakteristik sehr ähnlich sind. Der
eigentliche Ursprung der Schrift scheint
viel weiter in der Vergangenheit zurückzu­
liegen als angenommen. Andererseits wäre
es durchaus denkbar, daß Völker der Urzeit
ihre Mitteilungen vielleicht in einer Form
weitergegeben haben, die keine Schrift in
Die Skulptur aus La Mana in Ecuador unserem Sinne war. Daß es verschiedenste
zeigt unter dem Hals Ornamente, die Fomen der geistigen Bildung gibt, wissen
an Schriftsymbole erinnern. (Foto: wir von den Inka, die ihre Informationen
Bernhard Moestl und Autoren) durch Quipu (Knotenschnüre) und Rechen­
bretter hinterlassen haben.
Die Knotenschnüre bestehen aus einer Reihe von Schnüren unterschiedli­
cher Stärke, worauf Zahlen und Daten festgehalten wurden. Durch Knoten, die
verschieden angeordnet sind, konnten die Informationen dargestellt werden.
Die ungewöhnliche Notierungsart konnte bisher nicht entziffert werden. Neue­
ste Untersuchungen scheinen aber eine Entschlüsselung im Sinne einer wirkli­
chen Schrift nahezulegen. Das Bild-, Symbol- und Schriftzeichensystem der
Maya ist inzwischen weitgehend entziffert worden. Die Entzifferung der Auf­
zeichnungen der mittelamerikanischen Mutterkultur, der Olmeken, ebenso wie
der möglichen »Schrifterfinder« auf dem amerikanischen Kontinent, der
Zapoteken, steht dagegen noch weitgehend aus.
Wenn man fragt, wer Schriftzeichen wann und wo erfand, erhält man aus
den Lehrbüchern die Antwort: die Sumerer, um 3500 v. Chr. in Mesopotamien.
Zweifel sind allerdings angebracht. Akzeptieren könnte man gerade noch
die Feststellung, daß in Mesopotamien die ältesten bisher entzifferbaren Texte
gefunden wurden. Doch der Ursprung der Schriften reicht viel weiter in die
Vergangenheit zurück. Zumindest die gedankliche Fähigkeit zum Schreiben
war bereits vor mehr als 5 0 000 Jahren gegeben. Eiszeitliche Funde bestätigen
das.
Einige Höhlenzeichnungen zeigen Bilder und Zeichen, die in ihrer Deut­
lichkeit an Vorläufer der Schrift erinnern. Einer Reihenfolge bildhafter Symbo­
le, die in der Höhle von La Pasiega in Nordspanien gefunden wurden, wird
schriftartiger Charakter zugesprochen. Archäologen nehmen an, daß die Höhle
einst ein heiliger Platz gewesen ist, dessen Blütezeit etwa mit 1 2 000 v. Chr.
datiert wird. Die inschriftartigen Gravuren befinden sich auf der linken Seite
einer Felswand, wo sich der Zugang zur galerieartigen Haupthöhle verengt.
Wegen ihres besonderen Platzes haben manche Archäologen den Inhalt der
Zeichen als Verbot interpretiert, in den heiligen Bezirk des Kultraumes einzu­
dringen. Deutungsversuche über die »Lesung« der »Inschrift von La Pasiega«
haben sich in verschiedensten Mutmaßungen niedergeschlagen, die mindestens
ebenso mysteriös sind wie das Original selbst.
Vielleicht muß die Erfindung der Schrift sogar noch wesentlich früher
angesetzt werden, wenn man etwa die 300 000 Jahre alten rätselhaften Ritz­
muster auf polierten Tierknochen von Bilzingsleben in Thüringen (Deutsch­
land) deutet. Sie sind von Frühmenschen so regelmäßig angebracht worden,
daß sie nicht bei alltäglichen Arbeiten entstanden sein können. Auf einem
Tierknochen wollen deutsche Prähistoriker sogar eine Gravierung erkannt ha­
ben, die einen Löwen zeigt. Die Ornamente von Bilzingsleben werden wegen
des ungewöhnlich hohen Alters in der Fachwelt allerdings nicht als Kunstwerk
anerkannt und schon gar nicht als »Informationssymbole« . Was aber bedeuten
sie dann?
Die Funde aus Thüringen sind nicht die einzigen, die die Gemüter von
Wissenschaftlern und Laien erregen. Wir haben für unsere Ausstellung etliche
Stücke unterschiedlicher Sammlungen ausfindig machen können und erstmals
als Originalexponate einander gegenübergestellt. Die bemerkenswerte Erkennt­
nis daraus: Einige Schrifrvergleiche zeigen, daß es offenbar kulturelle Verbin­
dungen über die Kontinente hinweg gegeben hat und eine Deutung als schrift­
liche Hinterlassenschaft unbekannter Hochkulturen naheliegt. Es sind Ver­
mächtnisse einer prähistorischen globalen Kultur, die mit der Erinnerung an
Inselkontinente wie Atlantis und MU im Zusammenhang stehen könnten.
Zu den sonderbarsten archäologischen Entdeckungen aus Alteuropa zählt
die Sammlung von Glozel in Südfrankreich. Im Jahre 1 924 entdeckten Bauern
in einer Aushöhlung unterhalb ihres
Feldes etwa 2500 prähistorische Ar­
tefakte, darunter viele Tongefäße,
Töpferarbeiten, Urnen, Lampen,
Phallus-Symbole, geschnitzte Mam­
mutknochen sowie verschiedenste
Werkzeuge aus Stein.
Dies alles deutete auf ein sehr
hohes Alter der Funde hin, je nach
Fundstück etwa zwischen 4500 und
1 7 000 Jahre. Da jedoch ebenso Ton­
tafeln mit unbekannten Schriftzei­
chen entdeckt worden sind, die man
Menschen am Ende der Eiszeit nicht
zubilligt, wurde die Entdeckung
nicht weiter ernstgenommen. Weni­
ger bekannt ist, daß sich die typi­
schen Glozel-Gravuren auch auf
Steinrelikten wiederfinden.
Fundstück aus Glozel in Frankreich. Was Die französische Forscherin Dr.
bedeuten die Inschriften ? (Foto: Archiv A. M. Juaneda-Calvier hat die Arte­
Dr. A. M. Juaneda-Calvier) fakte gründlich untersucht und stellte
Unsolved Mysteries einige Meisterstük­
ke der Glozel-Sammlung zur Verfügung. Angesichts der gewissenhaften Studie
geriet sogar unser sonst sachlich mit dem Thema befaßter wissenschaftlicher
Leiter Dr. Willibad Katzinger ins Schwärmen: »Eine saubere, akribische Analy­
se! Die Steine sind eine wahre Fundgrube für jeden Schriftenforscher!«
Bisher konnten die Symbole in ihrer Bedeutung nicht einwandfrei entzif­
fert werden. Man nimmt an, daß sie okkulten Sinn haben und bei heidnischen
Zeremonien verwendet wurden. Eine kleine Steinplastik trägt Inschriften auf
dem Rücken und auf der Seite. Eine Schlange ist ebenfalls auf der Statuette
abgebildet. Am unteren Kleid der Figurine sind tierartige Gravuren eingeritzt,
250 I

vermutlich ein Hirsch oder ein Steinbock. Im März 200 1 wurde bei dieser Figur
und anderen Glozel-Gravuren eine Spurenanalyse vorgenommen. Dabei konn­
te bewiesen werden, daß die Schriftsymbole nicht mit einem Metallwerkzeug
eingeritzt wurden. Ebenso haben die Untersuchungen bestätigt, daß sowohl die
abgebildeten Tiere als auch die Zeichen mit dem gleichen Werkzeugtyp angefer­
tigt wurden. Das bedeutet, daß die Schriftzeichen nicht erst später hinzugefügt
worden sind, wie Skeptiker der Glozel-Stücke bisher vermutet hatten.
Die Funde aus Glozel könnten Belege für eine unbekannte europäische
Kultur sein, die bis in die Altsteinzeit zurückreicht. Die Entdeckung hat in der
französischen Gelehrtenwelt zu heftigen Kontroversen geführt. Das Hauptpro­
blern bei der Beurteilung der Glozel-Sammlung, sagen Kritiker, liegt darin, daß
etwas Gleichartiges bisher noch nicht entdeckt wurde.
Wir meinen, die Fachwelt urteilt hier zu vorschnell, denn die Zeichen
haben eine verblüffende Ähnlichkeit mit manchen Symbolen auf den 5 5 00
Jahre alten Tontafeln der Harappa-Kultur in Pakistan. Archäologen der Har­
vard-Universität haben im April 1 999
die Funde untersucht und als authen­
tisch bestätigt. Wahrscheinlich wird es
nie möglich sein, diese Symbole zu deu­
ten, da die Sprache der Harappa-Kultur
heute völlig unbekannt ist.
Ähnliche Tafeln aus Keramik mit
5500 Jahre alt: Schrifttafeln der Harappa­ Bildsymbolen wurden im heutigen Irak,
Kultur in Pakistan (Foto: Archiv Autoren) Iran und in Rumänien entdeckt. Bei Aus­
grabungen im Zagrosgebirge im westli­
chen Iran hat man zudem noch ältere Zeichen gefunden. Sie scheinen Zahlen,
Kleidungsstücke und Tiere zu symbolisieren. Die Gravuren sind um 8 5 00
v. ehr. entstanden, also mehr als 5000 Jahre früher als die ersten allgemein
anerkannte Bilderschrift. Wegen des hohen Alters ist unter Fachleuten umstrit­
ten, ob es sich tatsächlich um die älteste überlieferte Schrift handelt oder
lediglich um »schmückende Muster« .
Was auffällt, ist dennoch die Ähnlichkeit bei verwendeten Symbolen in
sehr weit voneinander entfernten Gegenden der Welt. Ob dies bloß Zufälligkei­
ten sind, wollen wir nicht so recht glauben. Wahrscheinlicher erscheint uns die
These, daß sie einer gemeinsamen Urquelle entstammen.
Eine weitere ungewöhnliche Kollektion, die bisher nur in Sammlerkreisen
bekannt ist, umfaßt die mysteriösen Stücke von Tausa und Sutatausa in Kolum­
bien. Das unwegsame Hügelland ist archäologisch noch nicht sehr erschlossen.
In den Bergen fand man vorwiegend schwarze Steine, die mit Gravuren verse­
hen sind. Sie stellen abstrakte Figuren, geometrische Symbole und unbekannte
Schriftzeichen dar. Geologen schätzen das
Alter auf einige tausend Jahre, da sich un­
ter dem Mikroskop deutliche Spuren von
Auswaschungen durch Wasser feststellen
ließen. Ein Teil der eigenartigen Steine­
Galerie befindet sich heure im Privatbesitz
von Prof Jaime Gutierrez. Mit Unsolved
Mysteries konnten wir die herausragendsten
Stücke der Öffentlichkeit präsentieren.
Die Bedeutung der Gravuren ist um­
stritten. »Spielerische Kritzeleien« überzeu­
gen als Erklärung nicht wirklich. Einige
Mysteriöses Steinobjekt aus Sutatausa Forscher vermuten, daß die Ritzzeich­
in Kolumbien (Foto: Bernhard Moestl nungen magische Bedeutung gehabt ha­
und Autoren) ben und Dokumente einer verschollenen
präkolumbischen Symboltechnik sind.
Ganz in der Nähe der Fundstelle, 40 Kilometer nordwestlich von Bogota, fand
man eine mannigfache Felskunst mit geometrischen Motiven, die einem Lehr­
buch der Chemie entstammen könnten. Der Archäologe Miguel Priana schrieb
schon 1 926 über diese prähistorischen Felszeichnungen, die sogenannten Piedras
de Tunja.
Dieser »geometrische« Stil ist in ganz Südamerika von Argentinien bis
Chile verbreitet, vor allem aber im Amazonasgebiet. Archäologen vermuten den
Ursprung dieser sehr alten Tradition im Hochtal des Rio Guapore (Brasilien) , wo
Datierungen auf 1 0 000 Jahre v. Chr. vorliegen.
Ein außergewöhnliches Stück der Sammlung Gutierrez betrifft einen faust­
großen Stein, der im Gebiet der Chibcha- bzw. Muisca-Indianer entdeckt
wurde. Er könnte den indianischen Vorfahren vielleicht als präkolumbischer
»Übersetzungsstein« gedient haben. Die Vorderseite zeigt eine Reihe von geo­
metrischen Symbolen. Seitlich ist eine menschenähnliche Figur mit dreiecki­
gem Kopf dargestellt sowie vier unbestimmte Zeichen. Die Rückseite enthält
eine Besonderheit: Sechs Teile von Korallen sind als abstrakte Symbole in den
Stein eingearbeitet worden. In verschiedenen Kulturen galten Korallen bereits
in der Antike als magischer Schutz gegen den bösen Blick. Nach der griechi­
schen Mythologie sind Korallen Blutspritzer, die im Meer versteinerten, als
Perseus das Haupt der Gorgo abschlug. Da man auf dem Stein weder die
Bedeutung der einen noch der anderen Schriftsymbolik kennt, ist eine zweifels­
freie Entschlüsselung nicht möglich.
Was bei der Betrachtung der schriftähnlichen Zeichen aus Kolumbien aber
sofort ins Auge sticht: Sie stimmen in der Charakteristik mit anderen unbekann-
Dieser schwarzer Stein aus Sutatausa zeigt auf einer Seite eingearbeitete Korallen in Form
von Schriftsymbolen. Die andere Seite enthält schwer deutbare Gravuren (Fotos: Bernhard
Moestl und Autoren)

ten Schriften überein, die weltweit gefunden wurden. Besonders markant ist die
Übereinstimmung mit der Symbolschrift auf Steinen, Knochen und Tontafeln,
die nahe Glozel in Südfrankreich entdeckt wurden. Die Ähnlichkeit in der
Schriftart kann kein Zufall sein. Könnte dies nicht vielmehr ein Hinweis darauf
sein, daß die uralten Völker globale Kulturkontakte pflegten und ein rätselhaf­
tes Informationssystem besaßen, von dem wir heute nichts mehr wissen?
Es gibt noch weitere kaum bekannte Schriftstücke aus anderen Teilen der
Welt, die ebenfalls auffällige Ähnlichkeiten mit der Ritzschrift von Glozel
aufweisen. Etwa jene Objekte, die der Amerikaner Russel Burrows aus Olney im
amerikanischen Bundesstaat Illinois 1 982 aus einem unterirdischen Tunnel­
system geborgen haben will. Die Artefakte zeigen außerdem Darstellungen, die
Assoziationen zur altägyptischen oder phönizischen Kultur wecken. Kulturen
also, die nach gängiger Auffassung keinerlei Kontakte mit dem amerikanischen
Kontinent unterhielten. Die Gravuren auf den Gegenständen entzogen sich
bisher sämtlichen Entzifferungsversuchen. Exponate, die aus der Höhle stam­
men sollen, wurden uns von Russel Burrows, Wayne May und Neil Steede
exklusiv für die Ausstellung Unsolved Mysteries überlassen. Unter den Stücken
befinden sich vor allem runde Schieferplatten mit Porträtköpfen von Menschen
unterschiedlicher kultureller Abstammung sowie j ede Menge Steine mit unbe­
kannten Schriftzeichen.
1 9 87 will der Amerikaner einen weiteren Raum entdeckt haben, eine
Hauptkammer, die er als Main Tomb bezeichnet. Darin sollen Sarkophage und
Grabfunde aus purem Gold aufbewahrt liegen. Burrows behauptet außerdem,
daß sich mumifizierte Leichen in der Höhle befinden, neben weiteren Tausen­
den von gravierten Steinen, Skulpturen, rätselhaften Metallgegenständen, sechs
übergroßen Statuen und zahlreichen Schriftstücken in Form von Papyrusrollen.
Außer Russel Burrows hat bisher niemand das ominöse Höhlensystem
betreten. Dennoch trug der Amerikaner als Beweis für seine phantastische
Behauptung Tausende von gravierten Steinen und einige goldene Artefakte an
die Oberfläche. Doch der Amerikaner weigerte sich hartnäckig, die genaue Lage
der Höhle zu benennen. Im Fall einer öffentlichen Bekanntmachung wäre zu
befürchten gewesen, daß die Schätze automatisch dem amerikanischen Staat
zufallen würden. Das hört sich alles ziemlich dubios an.
Einige Altertumsforscher, darunter der amerikanische Professor fames Scherz
von der Universität Wisconsin, sind dennoch davon überzeugt, daß die vorgeleg­
ten Gegenstände tatsächlich uralte Grabbeigaben seien. Doch obwohl sich
Scherz alle nur erdenkliche Mühe gab, die außergewöhnliche Sammlung so
detailliert wie möglich zu dokumentieren, liegen von einigen der zutage geför­
derten Steine heute nur noch Fotos vor. Es heißt, daß rund 2000 Gegenstände
an private Sammler verkauft worden sind. Zuvor sollen aber Abdrücke und
Kopien der Goldfunde angefer­
tigt worden sein. Viele Origi­
nale aus Gold seien inzwischen
eingeschmolzen oder verhökert
worden. Der Schweizer Buch­
autor Luc Bürgin widmet sich
seit Jahren dem Geheimnis von
»Burrows' Cave« (Burrows Höh­
le) und berichtete, daß sich ein
Großteil der Steinfunde noch
heute im Höhlensystem befin­
Steinplatte mit Schriftgravuren aus »Burrows Cave« den soll, bei privaten Samm­
(Foto: Bernhard Moestl und Autoren) lern und im Besitz von Dr.
Beverley Moseley, einem renom­
mierten amerikanischen Kunstsammler und Museumsbesitzer. Weitere 500
Artefakte soll der Vizepräsident der Midwestern Epigraphic Society auf dem
Schwarzmarkt zusammengekauft haben.
Vor wenigen Jahren konnte der geheimgehaltene Standort des Höhlen­
system von dem Archäologen wtlyne May und seinem Team lokalisiert werden.
Das Abtasten des Tunnelsystems mittels Metalldetektoren und Bodenradar hat
die Angaben von Russel Burrows zunächst bestätigt. Die Auswertung der
Messungen zeigt, daß in der Höhle tatsächlich metallische Gegenstände liegen,
darunter sechs Figuren und »längliche Monumente«, die als Sarkophage zu
2 54 1

deuten sind. Außerdem zei­


gen die Daten, daß das un­
bekannte Höhlensystem
noch viel verzweigter ist, als
Burrows ahnen konnte.
Noch ein interessantes
Detail am Rande: Russel
Burrows erzählte, daß er
sich beim Anblick der Ske­
lette, die zum Teil noch
Bekleidungsreste am Kör­
per hatten, über die rost­
Autor Reinhard Habeck mit Russel Burrows, dem Ent­ braune Farbe gewundert
decker der unterirdischen Anlage in lIIinois, USA. hätte. Kunstexperte Dr.
(Foto: Christiane Ladurner) Distelberger, von uns dar­
auf angesprochen, erklärte
dazu, daß alle Textilien, egal welche Farbe sie haben, sich ins Rotbraune verän­
dern, sobald sie Jahrhunderte im Dunkeln oder in einer Gruft liegen. Ein Indiz
dafür, daß die Angaben von Russel Burrows ihre Richtigkeit haben.
Eine Bestätigung erhalten die Aussagen auch durch eine Analyse vom
Dresdner Fresenius-Institut. Der deutsche Megalith-Forscher Hubert Zeit1mair
hat einige Steine von Russel Burrows gekauft und untersuchen lassen. Der
Bescheid des Instituts macht deutlich, daß die Gravuren auf den Steinen sehr alt
sein müssen. Interessant ist ein Schriftvergleich mit Steingravuren auf Malta,
die wiederum Parallelen zu den Burrows-Relikten aufweisen.
Eine umfassende wissenschaftliche Studie, Vermessung und Klassifizierung
der Funde soll endlich helfen, das Geheimnis um den Schatz von »Burrows'
Cave« zu lüften. Wayne May, der auch Herausgeber des Magazins Ancient
Amerika ist, gelang es mit Sponsorgeldern, das fragliche Landstück zu kaufen
und mit den Untersuchungen zu beginnen. Doch die Bergung in dem unwegsa­
men Waldgebiet erwies sich bislang als äußerst schwierig. Einige Bohrversuche
wurden bereits unternommen, aber bei zehn Metern Tiefe wieder abgebrochen.
Man war auf eine unterirdische Quelle gestoßen, die weitere Bohrungen behin­
derte, da die Befürchtung bestand, daß durch Wassereinbruch alles in der Höhle
vernichtet werden könnte. Die Gefahr durch Aufweichung besteht weiterhin.
An anderer Stelle will es Wayne May jetzt neuerlich versuchen. Man ließ uns
wissen, daß die Öffnung unmittelbar bevorstünde und zumindest einer der
Autoren (K. D.) bei dem angekündigten Weltereignis vor Ort dabei sein könne.
Unerwartetes kann aber j eder Zeit geschehen. Wenn sich die ganze Angele­
genheit nicht als großer Schwindel entpuppen sollte, hätten wir es mit der wohl
spektakulärsten archäologischen Entdeckung des Jahrhunderts zu tun. Es sollte
dann freilich nicht weiter verwundern, wenn die amerikanische Regierung die
Konsequenzen der Sachlage erkennt und auf die Idee kommt, Militär in die
Region zu schicken, um das Gebiet als »militärisches Sperrgebiet« abzusichern.
Nationale Sicherheit geht eben vor. Wie immer man die Geschichte um »Burrows'
Cave« sehen mag, sie erinnert an einen filmreifen Archäologiekrimi, der noch
lange nicht zu Ende ist.
Eine Spur führt zur Sammlung von Pater Crespi in Ecuador. Manche
Gravuren auf Metallplatten, Knochen, Keramiken und Steinen sind mit der
Schrift auf den Exponaten von
»Burrows' Cave« praktisch identisch.
Besonders markant bei einigen Stein­
obj ekte, die heute leider nurmehr als
Fotos vorliegen. Bei Unsolved Myste­
ries waren u. a. zwei Stücke der we­
nig bekannten Bronzeplatten aus der
Kollektion zu sehen. Eine zeigt ei­
nen Priester im Zeremonialkostüm.
Zu seinen Füßen sind Symbole ein­
graviert, die j enen aus »Burrows'
Cave« gleichen. Die Symbole auf den
Metallplatten scheinen sich etwas da­
von zu unterscheiden. Eines der be­
kanntesten Stücke hat in der Mitte
ein Götterwesen oder einen unbe­
kannten Herrscher dargestellt. Links
und rechts davon sind neben
Schlangenmotiven rätselhafte Bild­
symbole eingraviert. Sie erinnern an
Schriftenzeichen, die als Alphabet an­
geordnet wurden. Auf den Betrach­
Metallplatten aus der Pater-Crespi-Kollektion ter wirken sie abstrakt und unver­
zeigen schriftähnliche Symbole, die sich mit ständlich. Der indische Sanskritfor­
den Funden aus »Burrows' Cave« decken. scher Prof Dileep Kumar Kanjilal von
(Foto: Bernhard Moestl und Autoren) der Universität Kalkutta ist einer der
wenigen Sprachwissenschaftler, die
einen Deutungsversuch unternommen haben. Er glaubt in ihnen altindische
Schriftzeichen zu erkennen, die brahmanischer Herkunft sind.
Ebenso wie Sammlungen von Russel Burrows (Illinois, USA) oder Pater
Carlo Crespi (Cuenca, Ecuador) sind die Michigan Tafeln (Michigan, USA) von
Unter den verschollenen Stücken der Pater­
Crespi-Sammlung in Ecuador gab es viele
Steine mit Schriftgravuren. Glücklicherweise
sind Fotos erhalten geblieben und lassen
Ähnlichkeiten mit Funden aus anderen Teilen
der Welt erkennen. (Foto: Erich von Däniken)

der Wissenschaft nicht anerkannt. Der Grund liegt in den Bildmotiven: sie
lassen, analog zu anderen umstrittenen Kollektionen, die Vermutung aufkom­
men, daß der amerikanische Kontinent bereits viele Jahrtausende vor Kolumbus
von anderen Seefahrern angesteuert worden ist. Tausende von Stücken aus
Schiefer, Ton und Kupfer wurden um 1 900 in indianischen Hügelgräbern
entdeckt. Sie sind mit christlichen Szenen und rätselhaften Schriftzeichen über­
sät. Experten zweifeln deshalb die Echtheit der Funde an, darauf verweisend,
daß die Indianer damals noch nicht davon wissen konnten. Man vermutet
daher, daß die Objekte erst bei der Öffnung der Gräber hineingelegt worden
sind. Wie das in der Praxis geschehen sein soll, ist nicht aufgeklärt.

Die »Michigan-Tafeln« aus indianischen Hügelgräbern zeigen ungewöhnliche Motive und


Gravuren, die man nicht zu deuten weiß. (Foto: Bernhard Moestl und Autoren)

Der Streit um Echtheit oder Fälschung hält an. Die 1 98 5 verstorbene amerika­
nische Forscherin Henriette Mertz beschäftigte sich jahrelang mit den geheim­
nisvollen Michigan-Objekten und ihren Inschriften. Im Gegensatz zu der
ablehnenden Auffassung ihrer Kollegen untersuchte sie einige Stücke und
erklärte diese für authentisch. Mertz zufolge wurden sie von Christen herge­
stellt, die nach dem Fall des römischen Reiches um 3 1 2 n. Chr. auf den
amerikanischen Kontinent flohen.
Die traditionelle Lehrmei­
nung geht davon aus, daß die
Einwohner der amerikanischen
Subkontinente vor der Erobe­
rung durch die Spanier keinerlei
Einflüssen von außen ausgesetzt
waren - und doch weisen viele
archäologische Objekte auf an­
Ziegelfragment aus Comalcalco mit Buchstaben, tike Handelsbesuche aus Über­
die für die Maya-Kultur untypisch sind (Foto: Bern­ see hin.
hard Moestl und Autoren) Beispielsweise die Maya­
Ruinenstätte von Comalcalco,
52 Kilometer nordwestlich von Villahermosa in Mexiko. Einer der Autoren
(R. H.) machte sich kürzlich vor Ort ein persönliches Bild von der Aus­
grabungsstätte. Die Besonderheit dieser Ruinenanlage liegt darin, daß die
errichteten Zeremonialbauten aus gebrannten Tonziegeln bestehen. Einige For­
scher, darunter der amerikanische Archäologe Neil Steede, halten es für möglich,
daß die Stadt von Leuten errichtet wurde, die in vorspanischer Zeit über den
Ozean nach Mexiko eingewandert sind. Viele der Ziegeln enthalten Graffitis,
die an altindische und europäische Vorlagen erinnern. Bei Unsolved Mysteries zu

Die Pyramide von Comalcalco. Die Ziegelsteine gleichen in Gestalt und Stilform römischen
Ziegelsteinen. (Foto: Reinhard Habeck)
sehen: authentische Comalcalco-Ziegelsteine mit exakt der gleichen Gestalt,
Farbe und Stilform wie die alten römischen Ziegelsteine. Zahlreiche Stuck­
fragmente sind mit für die Maya völlig untypischen Inschriften versehen, die
neuerlich die Frage aufwerfen, ob es frühe transatlantische und transpazifische
Verbindungen gegeben hat.
Im folgenden kurz eine Auswahl weiterer interessanter Schriftfunde, die
globale Verbindungen aufzeigen, bei denen eine gesicherte Entzifferung bisher
nicht möglich war:

Chimu-Goldplatte
Eine ungewöhnliche runde Goldplatte aus dem Chimu-Reich an der
Küste Perus sorgt für Rätselraten. Sie zeigt Bildmotive und schriftähnliche
Symbole, die um eine unbekannte Göttin eingraviert sind. Die Bedeu­
tung der kultischen Szenen ist bis heute nicht bekannt. Archäologen
sinnieren, daß die Darstellung in der
Mitte eine »Göttin des Wachstums« zei­
gen könnte und die Platte Einteilun­
gen für einen Kalender darstellt. Die
außergewöhnliche Arbeit stammt aus
dem 1 2 . Jahrhundert n. Chr.

Goldplatte der Chimu aus Peru. Ihr Inhalt


konnte bisher nicht entziffert werden.
(Foto: Archiv Autoren)

Kretische Hieroglyphenschrift
Die Schrift wurde wegen ihrer Ähnlichkeit mit den ägyptischen Hiero­
glyphen so genannt und stammt aus der ältesten Palastzeit um 1 900 bis
1 625 v. Chr. Woher die alten kretischen Hieroglyphen kamen und was sie
bedeuten, wissen wir nicht.

Der Diskos von Phaistos


Die Goldplatte aus dem alten Peru erinnert an einen anderen Gegenstand
- an den berühmten minoischen Diskos von Phaistos. Das Relikt stammt
aus alten kretischen Archiven, in denen manche Forscher Spuren des
versunkenen Atlantis entdeckt haben wollen. Auf bei den Seiten enthält
die Scheibe 24 1 Piktogramme, die noch nicht entziffert werden konnten.
Die aus Ton hergestellte Scheibe ist etwa 3700 Jahre alt; sie trägt einige
der frühesten Schriftzeichen, die wir kennen. Spiralförmig sind auf der
Scheibe 6 1 Zeichengruppen offensicht­
lich zu »Worten« geordnet. Archäolo­
gen vermuten einen Hymnus auf einen
unbekannten Gott.

Der Diskos von Phaistos bewahrt sein


Geheimnis weiterhin. (Foto: Bernhard
Moestl und Autoren)

Etruskische Schriftzeichen
Ihre ausgestorbene Sprache aus dem alten Italien scheint mit keiner
anderen auf der Welt verwandt zu sein. Alle Vergleiche mit anderen
altitalienischen Sprachen, mit dem Hethitischen oder irgendeiner Spra­
che Anatoliens blieben ergebnislos. Mehr als 1 0 000 Texte, vorwiegend
Grabinschriften, hat man in Mittelitalien gefunden. Ein Großteil der
etruskischen Schriftzeichen konnte zwar identifiziert werden, blieb aber
in seiner wahren Bedeutung bis heute unverstanden.

Minoisches Fragment der Neuen Welt


1 966 fand man in der Nähe von Fort Benning in Georgia, USA, fremdar­
tige Inschriften in Stein. Sie gehörten zu einem geborstenen Mauerstück
einer Mühle aus dem 1 9 . Jahrhundert. Das war noch vor der Zeit, als
Archäologen bei Ausgrabungen in Knossos auf erste minoische Schrift­
stücke stießen. Die gefundene Gravur in Georgia scheint minoischen
Ursprungs zu sein. Dies würde allerdings bedeuten, daß schon um 1 5 00
v. Chr. Kreter oder andere Griechen nach Amerika gekommen waren.

Spirit Pond Steine


1 97 1 wurden am Ufer des Spirit Pond (Geist-Teich) , Maine, USA, vier
Steine und ein Amulett gefunden. Drei der Steine tragen Markierungen,
die als Wikinger-Runen identifiziert
worden sind und um 1 200 n. Chr. da­
tiert werden. Dennoch gelang es nicht,
die Einritzungen zu übersetzen.

Der Spirit Pond Stein aus Maine, USA


(Foto: Bernhard Moestl und Autoren)
260 I
. Ritzsymbole aus Megalithgräbern in Portugal
Rätselhaft wirken gravierte Steine, die aus Megalithgräbern in Alvao,
Portugal, stammen. Die Steine sind durchbohrt und waren ursprünglich
in den rund 6000 Jahre alten Grabkammern an Stäbchen aufgehängt.
Anthropologen nehmen an, daß sie mit einem Totenkult zusammenhän­
gen, wenngleich gänzlich ungeklärt ist, ob es sich bloß um magische
Symbole oder doch um schriftähnliche Zeichen handelt. Manche For­
scher vermuten eine verschollene Mittelmeerschrift und erinnern an die
Funde aus der Höhle von Mas d ' Azil (Frankreich, Departement Ariege) :
Bemalte Kieselsteine aus der Steinzeit, teils mit Symbolen und Buchsta­
ben versehen, die jenen des späteren phönizischen, griechischen und
lateinischen Alphabets verblüffend ähnlich sind.

Idole der Vinca-Kultur


Ähnlich wie die Funde aus Glozel, lassen sich die Fundstücke der Vinca­
Kultur in eine Zeit zurückdatieren, in der von den Sumerern noch keine
Rede war. Die beschrifteten Tonwaren und Grabbeigaben stammen aus
Vinca nahe Belgrad in Jugoslawien sowie aus Tartaria im heutigen Trans­
sylvanien. Die Altersbestimmungen bescheinigen einwandfrei, daß die
Schriftverwendung bis auf das 6. Jahrtausend v. ehr. zurückgeht! Damit
steht fest, daß es sich bei der altbalkanischen Schrift nicht um einen
sumerischen »Import« handeln kann. Der deutliche zeitliche Abstand zu
den Anfängen der Schrift in Mesopotamien spricht dagegen. Die Vinca­
Funde erinnern in ihrer Form an ähnliche Vergleichsfunde aus der mexi­
kanischen Olmeken-Kultur, wo ebenfalls »heilige Zeichen« auf Figuren
eingraviert wurden.

Schriftsymbole der
Vinca-Kultur aus
Alteuropa (Foto:
Archiv Autoren)

Die Rongorongo- Tafeln der Osterinusulaner


Neben berühmten langohrigen Steinstatuen bezeugt nichts so augenfällig
das hohe Niveau der alten Kultur wie die hölzernen Schrifttafeln, die
kohau rongorongo. Nur wenige Exemplare sind erhalten geblieben. Für
Historiker bedeutet die Entzifferung der Osterinsel-Schrift seit Jahrzehn-
1 261
ten eine Herausforderung. Bisher hielt j edoch
kein Übersetzungsversuch der sachkundigen
Überprüfung stand. Unerklärlich bleibt die auf­
fällige Ähnlichkeit von etwa 1 60 »Rongo­
rongo«-Zeichen mit den Symbolen alter Hoch­
kulturen, die um 2500 v. ehr. auf der entge­
gengesetzten Seite der Erde blühten - die ge­
heimnisvollen Kulturen von Harappa und
Mohenjo Daro im Industal.

Schrifttafel der Osterinsulaner


(Foto: Bernhard Moestl und Autoren)

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Vergleich der Osterinsel-Schrift (unten) und der Schrift aus Mohenjo Daro, Industal.
1 60 Zeichen stimmen überein. (Foto: Archiv Autoren)

Gibt es zwischen den weltweit unbekannten Schriften eine Gemeinsamkeit?


Zeigen sie schrittweise den Weg zu einer bisher unbekannten prähistorischen
Hochkultur? Wir sind zu der Überzeugung gelangt, daß in den unverstanden
gebliebenen Schriften untergegangener Kulturen die Lösung für viele noch
ungeklärte Geheimnisse steckt. Selbst die Frage nach der Wiege aller Kulturen
mag darin verborgen liegen. Ein Bild zeigt sich indes immer deutlicher: Schon
vor Jahrtausenden waren unsere Vorfahren auf den Ozeanen seetüchtig unter­
wegs. Die Meere teilten nicht die Völker, sondern verbanden sie.
Angehörige der Induskultur, Steinzeitmenschen in Europa, die Menschen
auf Kreta, die Olmeken, die Inka und viele andere inzwischen untergegangene
Kulturen benutzten Schriftsysteme, deren Entschlüsselung noch nicht gelungen
ist - und vielleicht auch niemals gelingen wird. Wer löst das Geheimnis der
»unlesbaren Schriften«? Was könnten uns die alten Texte mitteilen, wenn wir sie
zu lesen verstünden?
22
Nomoli - Die Hüter der Himmelssteine
Rätsel um eine in Stein eingeschlossene Metallkugel

Zu den ungewöhnlichsten Schaustücken, die wir mit der Ausstellung Unsolved


Mysteries präsentieren konnten, zählen die prähistorischen Nomoli-Steinfiguren
einer unbekannten Vorzeit-Kultur aus Sierra Leone (Westafrika) . Wer sie ge­
schaffen hat und welchen Zweck sie erfüllen, ist bisher ein Geheimnis geblie­
ben.
Bekannt ist, daß der afrikanische Kontinent eine ungeheure Vielfalt von
Kulturen birgt. Eine bedeutende Rolle im täglichen Leben und in den Stammes­
religionen spielen dabei die Mythen, Volksmärchen und Legenden. Sie erzählen
vom Ursprung eines Volkes und beantworten die Frage »woher kommen wir?«
auf unterschiedlichste Weise. Die meisten Überlieferungen wurden über viele
Generationen mündlich weitergegeben. Die wenigen schriftlichen Aufzeich­
nungen, von europäischen Missionaren festgehalten, spiegeln oft mehr die
damalige europäische Auffassung von Moral wieder und weniger die ursächliche
Bedeutung afrikanischer Mythologie. Zudem umfaßt die afrikanische Sprachen­
familie weit über 1 000 Dialekte, so daß die mythologischen Ursprünge bisher
nur unzureichend erfaßt oder untersucht worden sind.
Eine dieser alten Legenden stammt aus dem Gebiet der Mende in der
heutigen westafrikanischen Republik Sierra Leone sowie im westlichen Teil von
Liberia und in den von Kissis bewohnten Teilen Guineas. Die Überlieferungen
erzählen von blauen »Himmelssteinen« und einem geheimnisvollen »Engels­
volk«, das als Steinskulpturen verwandelt vor Urzeiten zur Erde gefallen sein
soll. Tatsächlich fanden einheimische Bauern eine Vielzahl rätselhafter Figuren
und hellblaue Gesteinsbrocken, die mit der alten Legende verknüpft werden.
Die Statuetten sind aus Stein und werden Nomoli genannt, nach anderer Lesart
Nomori. Figuren dieser Art werden u. a. im Museo de l'Homme in Paris und im
Londoner British Museum aufbewahrt. Dort mißt man ihnen j edoch keine
besondere Bedeutung bei, da man weder Genaues über ihren Ursprung noch
über das Alter weiß. Viele derartige Skulpturen dürften sich auch in Privatbesitz
befinden. Während und nach der Ausstellung bekamen wir von einigen Samm­
lern vergleichbare Skulpturen angeboten.
Was auffällt: Der Gleichklang des Namens Nomoli mit Nommo aus dem
nördlich gelegenen Mali. Mit Nommos werden die kulturbringenden amphibi­
schen Götter der Dogon assoziiert. Der Schöpfungsmythos der Mende erzählt,
ähnlich wie j ener der Bambara und Dogon, daß ein urzeitlicher Kulturheros mit
1 263
einem Schiff vom Himmel herabgestiegen sein soll. Die Barke sei in der Nähe
des Berges Kouroula zum Stehen gekommen sein, erzählt die Mythe. Dort
befand sich eine Höhle, Ka genannt, in deren unmittelbarer Umgebung der
erste Teich geschaffen wurde. Aus dem Himmelschiff, so heißt es weiter, seien
Gott Faro und die ersten acht Menschen, vier Männer und vier Frauen,
entstiegen.
Ob die Nomoli-Figuren damit in Verbindung gebracht werden können,
bleibt ungewiß. Unbestritten ist aber, daß man die Nomoli vornehmlich in
Hügelgräbern oder im Erdreich gefun­
den hat, wo man sie überraschend beim
Pflügen des Ackers aus unteren Erd­
schichten geborgen hatte. Von dort ge­
langten sie in den Besitz der lokalen
Bevölkerung und namentlich der
Stammeshäuptlinge. Ebenso sind bei
Grabungen nach Diamanten einheimi­
./ sche Arbeiter immer wieder auf solche
Wen sollen die fremdartigen Nomolifiguren 1 0 bis etwa 40 Zentimeter große Figu­
darstellen ? (Foto: Reinhard Habeck) ren gestoßen, deren Herkunft ungeklärt
ist. Das Mysteriöse: Zum Teil befanden
sich die Figuren in geologischen Schichten, die zehn bis zwölf Meter unter der
Erdoberfläche lagen und ein sehr hohes Alter der Skulpturen vermuten lassen.
Einige solcher Stücke sollen sogar noch in einer Tiefe von 50 Metern entdeckt
worden sein.
Trotz Unterschieden in Einzelheiten und Gesteinsart (von Sandstein bis
Granit) , weisen die Figuren im wesentlichen die gleiche Charakteristik auf.
Dargestellt sind Menschen, Gruppen von Menschen und Tieren oder aus
Mensch und Tier zusammengesetzte phantastische Wesen. Meist sind es stehen­
de oder hockende, weibliche oder geschlechtslose Figuren, die das Kinn in die
Hände stützen. Daneben existieren auch Köpfe und Büsten mit aufwärts
gewendetem Gesicht sowie mit dem Rücken zueinander gewandte Doppel­
figuren. Besonderes Stilmerkmal der meisten Gesichter: eine stark betonte
Adlernase mit weit geöffneten Nasenlöchern, ein großer Mund, der gelegentli­
che Zähne zeigt sowie besonders hervorstehende Augen und ein platter Schädel.
Die örtliche Bevölkerung betrachtet die Figuren unterschiedlich. Sie wer­
den als »Menschen in Stein« bezeichnet. Einige Volksgruppen entwickelten
daraus einen »Vegetationskult«, den die Mende und andere Stämme mit ver­
storbenen Bewohnern ihres Landes im Zusammenhang sehen. Meist wird den
Figuren ein übernatürlicher Ursprung zugeschrieben, und sie werden für magi­
sche Praktiken verwendet oder als Schutzgötter verehrt. Die Bauern stellen diese
Steine auf ihren bewirtschafteten Feldern auf und bringen ihnen Opfer dar, falls
die Ernte reichlich ausgefallen ist. Ist das Gegenteil geschehen, werden die
Nomoli rituell bestraft und ausgepeitscht. Da die Herkunft und der ursprüngli­
che Verwendungszweck der Steine nicht geklärt sind, gibt es auch innerhalb der
ethnologischen Lehrmeinung verschiedene Ansichten über ihre traditionelle
Bedeutung.
Wen sollen die fremdartigen Skulpturen darstellen? Wer hat sie hergestellt?
Sind es Hinterlassenschaften einer fremden, vor langer Zeit untergegangenen
Kultur? In einer wissenschaftlichen Abhandlung, die im Jahre 1 960 die Fragen
untersuchte, heißt es: » selbst wenn diese Statuetten ein hohes Alter zu haben
• • •

scheinen und man berücksichtigt, daß sie keine Gemeinsamkeiten mit dem Stil
der Mende aufweisen, ist es bei unserem derzeitigen Wissenstand praktisch
unmöglich zu bestimmen, aus welcher Epoche die Figuren stammen.« Ein
Problem, das auch mehr als vier Jahrzehnte später nicht gelöst ist: Die geologi­
schen Erdschichten, in denen die meisten Figuren gefunden wurden, weisen auf
ein sagenhaftes Alter zwischen 2500 und 1 7 000 Jahren hin. Eine Datierung,
die mit den bisherigen Erkenntnissen der Archäologie nicht konform geht.
Ein Forscher, der sich diesen Fragen seit Jahren widmet, ist der italienische
Geologe Prof Angelo Pitoni. Er war vor Jahren als Regierungsbeauftragter in
Sierra Leone beschäftigt, um beim Abbau von Diamanten deren Qualität
festzustellen. Bei Grabungen in der östlichen Provinz Kono stießen Pitoni und
seine Mitarbeiter selbst auf einige Nomoli-Figuren, die tief unter der Erde zum
Vorschein kamen. Der Geologe nahm vor Ort organische Proben, um das Alter
zu bestimmen. Dabei wurden aus verschiedenen geologischen Schichten Mate­
rialen mitgenommen, darunter auch ein Fundstück aus Holz (ein Stock) , das in
etwa einem Meter Tiefe entdeckt wurde. Prof. Giorgio Belluomini von der
Universität in Rom untersuchte das Artefakt und schätzte es zunächst auf ein
Alter von 400 bis 500 Jahren. Die Überraschung folgte im Februar 1 992 nach
dreimaliger Analyse: Der fragliche Gegenstand muß nach der angewandten
C- 1 4-Datierungsmethode 2470 Jahre alt sein, mit einem Unsicherheitsfaktor
von plus/minus 50 Jahren.
Die hohe Altersdatierung der Nomoli-Artefakte wirft für die Archäologie
viele Fragen auf. Sind die Steinfiguren Hinterlassenschaften einer unbekannten
Vorzeit-Hochkultur? Bisher war man davon ausgegangen, daß die einzige fort­
geschrittene Zivilisation, die sich im westlichen Mrika entwickelt hatte, die
sogenannte afro-portugiesische wäre, die rund 400 Jahre alt ist. Die Nomoli­
Funde passen nicht in dieses Bild.
Die Altersdatierung der prähistorischen Steinfunde bleibt problematisch.
Figuren, die in tiefen geologischen Schichten entdeckt wurden und bis zu
50 Meter unter der Erdoberfläche lagen (sechste Schicht) , könnten sogar ein
1 26 5

Alter von 1 0 000 Jahren und mehr aufweisen,


j ene in der dritten Schicht etwa 5000 Jahre. Es
fällt auf, daß die tieferliegenden Figuren in der
Bearbeitung eher roher und plumper hergestellt
sind. Je höher man die Schichten hinaufgeht, um
so feiner sind sie bearbeitet, obwohl sich das
gleiche Motiv wiederholt.
Das ungewöhnlichste Artefakt ist zugleich
das älteste. Mutmaßliches Alter: 1 7 000 Jahre.
Beim Auffinden stellte man ein klapperndes Ge­
räusch fest, sobald man die Figur bewegte. Pitoni
beschloß, eine Röntgenaufnahme des Objektes
anzufertigen. Das Ergebnis verblüffte: Im Inne­
ren der Figur befand sich ein Hohlraum mit
einer erbsengroßen Metallkugel. Die Röntgen­
Eine kleinere Nomolifigur ist die aufnahme offenbarte eine halbrunde Bruchstelle,
ungewöhnlichste und mit 1 7 000 die von außen mit freiem Auge nicht erkennbar
Jahren zugleich die älteste. Im war. Vorsichtig hatte man an dieser Stelle eine
inneren fand man eine MetalI­ Öffnung herausgebrochen, und das kleine Unikat
kugel. (Foto: Bernhard Moesti kam zum Vorschein. Die Untersuchung im Natur­
und Autoren) historischen Museum in Wien brachte eine weitere
Überraschung: Die Ku­
gel besteht aus einer Mischung von Chrom und Stahl.
Wie kam sie in den harten Stein? Hat der unbe­
kannte Hersteller einen tieferen Zweck damit bewirkt,
den wir noch nicht erkennen? Konnte man vor Urzei­
ten bereits Chromstahl erzeugen? Eigentlich unmög­
lich. Skeptiker sehen sich daher veranlaßt anzuneh­
men, das Objekt sei ein Teil eines Kugellagers, das erst
zu einem viel späteren Zeitpunkt in die Statue gelang­
te. Augenzeugen versichern allerdings, daß die tief im
Erdreich gefundene Statue bereits bei ihrer Entdek­
kung »Klimpergeräusche« von sich gegeben hätte. Die
kurz darauf entstandene Röntgenaufnahme bestätigt
die Behauptung, daß die Metallkugel bereits vor dem
Auffinden in der Nomoli-Figur eingeschlossen war.
Aber wie kam sie dorthin? Und zu welchem Zweck? Die Röntgenaufnahme
Kuriosum am Rande: Die Nomoli-Figur mit der klei­ zeigt die Metallkugel im
nen Kugel war Schaustück hinter einer dicht verschlos­ Inneren der Statue. (Foto:
senen Vitrine unserer Ausstellung Unsolved Mysteries. Prof. Angelo Pitoni)
Eines Tages stellten Aufseher fest, daß sich das Obj ekt - scheinbar über Nacht
und offenbar selbständig - etwa 30 Zentimeter vom ursprünglichen Standort
entfernte. Wie es zu dieser »geisterhaften Wanderung« kam, konnte nie aufge­
klärt werden.
Vielleicht wäre es hilfreich, hin und wieder afrikanische Mythen genauer zu
analysieren, in denen beschrieben wird, wie Dinge zustandegekommen sind,
und gleichzeitig versucht wird zu erklären, warum sie sich verändert haben. Oft
sind es spirituelle Fragen und Geheimnisse, die aufgezeigt werden: Wie ist die
Welt entstanden? Woher kommen Männer und Frauen? Oder - woher stam­
men die glitzernden Diamanten? Eine alte Mythe aus Westafrika glaubt dafür
die Antwort zu kennen. Bei der Suche nach dem Ursprung mysteriöser Nomoli­
Figuren befragte Angelo Pitoni Einheimische, darunter den Häuptling
sunnitischer Muslime. Der Würdenträger erzählte ihm von einem »Engels­
volh, das in grauer Vorzeit in Ungnade gefallen sei, weil es gesündigt hätte.
Diese himmlischen Wesen wollten alle Genüsse des Lebens, ohne dafür zu
arbeiten. Es waren Herrscher, die immer unzufriedener wurden und nach mehr
Macht strebten. Schließlich sei der allmächtige Allah erzürnt gewesen und hätte
die Engel zur Erde verbannt. Es heißt, er habe die Engel in steinerne Menschen
verwandelt.
Der »Himmel« , den diese Wesen bewohnten, wurde ebenfalls zu Stein und
auf die Erde geschleudert. Ebenso wurden die Sterne, die sich in diesem
»Himmel« befanden, zerstört, und Teile davon sollen auf die Erde gefallen sein.
Die Überreste davon seien die Diamanten, die nun auf der Erde leuchten und
glitzern wie die Sterne des Nachthimmels. So jedenfalls weiß es die phantasti­
sche Legende. Lediglich erfundene Volksmärchen? Oder gibt es für diese Erzäh­
lung eine historische Grundlage?
Der Vergleich zwischen der Ähnlichkeit eines leuchtenden Sternes und dem
Glitzern eines Diamanten mag verständlich sein. Wie aber, so fragte Pitoni,
verhält es sich mit dem »versteinerten, explodierten Himmel«, von dem die alte
Überlieferung ebenfalls erzählt? Findet man auch davon Spuren auf der Erde?
Der Häuptling bejahte die Frage und verwies auf ein Gebiet in der Nähe von
Freetown, der Hauptstadt der Republik Sierra Leone. »Aber«, so gab der
Häuptling zu bedenken, »hütet euch, denn die blauen Steine, die Überreste des
ehemals versteinerten Himmels sind, enthalten das Geheimnis des Kosmos.
Wenn ihr sie mit euren Händen berührt, werdet ihr ein eigenartiges Gefühl
wahrnehmen, und wenn ihr sie betrachtet, dann werdet ihr merken, wie sich
eure Augen in ihrer Farbe verlieren. Wer ein solches Gestein mit sich trägt, fühlt
sich beschützt.«
Pitoni war skeptisch, aber doch neugierig genug, um vor Ort mit ein paar
einheimischen Arbeitern Grabungen durchzuführen. In der Folge stieß der
Geologe tatsächlich auf eine größere
Menge besagter Steine, deren blaue,
kobaltähnliche Farbe an den klaren
Himmel erinnert. Die Steine enthalten
weiße Linien und Einschlüsse, die der
Legende nach »zerdrückte Wolken des
versteinerten Himmels« darstellen sol­
len. Pitoni glaubte der Erzählung des
Häuptlings nicht und dachte eher dar­
an, daß es sich um eine Art Azurit oder
Türkis handeln würde. Er nahm einige
»Skystone« - Ein Stück Himmel? Brocken mit und ließ sie in einem Insti­
(Foto: Bernhard Moestl und Autoren) tut in Genf sowie an der Universität in
Rom analysieren. Das Ergebnis war ver­
wirrend: Steine in dieser Art der Zusammensetzung gibt es auf der Erde nicht!
Vermutet wurde, daß es sich bei den ))Himmelssteinen« ())Skystones«) um eine
künstliche Zusammensetzung handelt.
Um der Sache auf den Grund zu gehen, veranlaßten wir im März 200 1 eine
unabhängige Untersuchung im Staatlichen Edelsteininstitut des Naturhistori­
schen Museums in Wien. Und tatsächlich: Eine Röntgendiffraktionsanalyse
bestätigte, daß die Steine künstlich geschaffene Produkte aus verschiedenen
Materialien sind. Mittels Röntgenstrahlung wurden zunächst die Kristallspuren
des Gesteins beschossen. Anschließend lieferte die Röntgenstrahlung die exakte
Information, aus welchen Bestandteilen der Gesteinsbrocken bzw. das Material
aufgebaut war. Die Mineralogin Dr. Vera F M Hammer, die die Untersuchung
durchführte, kam zu folgendem Resümee:
dch habe ein winziges Stückchen des )Himmelssteines< heruntergebrochen
und ein Pulverpräparat angefertigt. Es handelt sich mit Sicherheit nicht um ein
Naturprodukt, sondern um ein Kunstprodukt. Wahrscheinlich ist ein Kalk
gebrannt worden, der anschließend mit Wasser vermischt wurde, so wie wir das
von der Wandfarbe und von Mörtelprozessen her wissen. Mit einer blauen
organischen Farbe wurde er eingefärbt und vielleicht ist Wasser dazugekom­
men, etwa Regen, und das Material hat sich anschließend wieder verhärtet, ist
kompakt geworden. «
Die Proben ergaben eine Zusammensetzung von 7 7 Prozent Sauerstoff,
20 Prozent Kohlenstoff und Kalk sowie Silizium und anderen Materialien! Der
Farbstoff, der diese wunderschöne blaue Farbe erzeugt, konnte nicht analysiert
werden.
Wie aber kommen große Mengen solcher blauen Mineralien ins tiefe
Erdreich? Welchen Ursprung haben sie tatsächlich? Die Wissenschaftlerin ver-
mutet, daß die Steine durch eine Fehlproduktion entstanden sind und Kalkgru­
ben zugeschüttet wurden, sei es nun absichtlich oder durch einen Erdrutsch.
Dort blieben die Steine Jahrzehnte verborgen, ehe sie bei Grabungen wieder
entdeckt wurden. Allerdings sind Vergleichsfunde zu den »Himmelsteinen«
nicht bekannt.
Ebenso bleibt der Umstand ungeklärt, wie die künstlichen Steine zu ihrem
Fundplatz nahe der Hauptstadt Freetown kamen. Wer hat sie wann geschaffen?
Und wie entstand daraus die Legende von den »Himmelssteinen« und ihren
Wächtern - den Nomoli?
Jüngste Analysen brachten eine neue Überraschung. Im März 2003 melde­
te sich der Herausgeber des italienischen Magazins Hera, Adriano Forgione, bei
uns und erzählte von aktuellen Untersuchungen an der Universität Rom mit
einer neuartigen Technologie. Mit einem Elektronikmikroskop und unter Zu­
hilfenahme eines Scanners sowie einer Mykroanalyse des EDS (Spektralanalyse
mit verteilter Energie) wurden Proben an einigen Nomoli-Figuren und den
»Himmelssteinen« vorgenommen. Die Mineralologen konnten die Ergebnisse
der Prüfung kaum glauben: Die untersuchten Mineralien enthielten Spuren
von Iridium! Daß es sich hierbei tatsächlich um Iridium handelte, konnte
anhand der graphischen Computerdarstellung deutlich bestimmt werden.
Die Wissenschaftler hatten vier verschiedene Tests durchgeführt. Alle mit
dem gleichen Ergebnis: Jedes Stück »Skystone« und jede Nomoli-Plastik wies
Spurenelemente von Iridium auf. In einem Probestück war die Konzentration
mit Meßwerten von 1 3 , 8 5 Prozent erstaunlich hoch. Insgesamt sind die Ergeb­
nisse sehr aufschlußreich, da man weiß, daß Iridium üblicherweise nicht auf der
Erde vorkommt, lediglich in geologischen Schichten bzw. Kratern, die mit
einem Meteoritenaufprall verbunden sind.
Wenn wir dieses Faktum berücksichtigen und mit der These von Angelo
Pitoni vergleichen, wonach die Steine um die 1 2 000 Jahre alt sein sollen,
erkennen wir Gemeinsamkeiten, die durchaus in Einklang zu bringen sind. Es
ist nicht gegen die etablierte Wissenschaft gerichtet, wenn man feststellt, daß
das Iridium von einem Meteoriten stammen könnte. Wir wissen auch, daß es
im Laufe der Erdgeschichte immer wieder Gefahren aus dem Kosmos gegeben
hat. Die großen Massensterben der Erdgeschichte, das Dinosauriersterben, die
biblische Sintflutsage und vielleicht auch der Untergang der versunkenen Insel­
reiche Adantis und MU könnten auf eine solche kosmische Katastrophe zu­
rückzuführen sein.
Die Iridiumspuren in den Nomoli-Statuen und in den »Himmelssteinen«
unterstützen die These Pitonis, wonach der alten Legende zufolge wirklich
versteinerte Objekte in grauer Vorzeit vom Himmel gefallen sind. Zumindest
aber belegen die jüngsten Resultate das hohe Alter der Steine und Figuren.
Widersprüchlich bleibt allerdings die Aussage, nach der die »Skystones« einer­
seits mit Asteroiden aus dem All in Verbindung gebracht werden, andererseits
aber künstliche Relikte sein sollen. Künstliche Meteoriten? UFO-Gläubige
werden das Szenario vielleicht mit einer gewaltigen Explosion eines fremden
Raumschiffes zu erklären versuchen, dessen Teile einst vom Himmel stürzten
und die Legende von den künstlichen »Himmelssteinen« entstehen ließen
Ob eine solch phantastisch anmutende These untermauert werden kann,
müssen weitere Forschungen in dieser Angelegenheit herausfinden. Inzwischen
hat der Entdecker der Nomoli-Statuetten, Prof. Pitoni, ein weiteres Mysterium
in Westafrika ausfindig gemacht. Es ist mit einer alten Volkslegende verknüpft,
wonach eine untreue Frau ihren Mann tötete. Der Schöpfergott sei daraufhin
erzürnt gewesen und habe die Frau in Stein verwandelt. Pitoni ging auch dieser
Überlieferung nach. Mit der ortskundigen Hilfe von einheimischen Führern
fand er nach drei Tagesmärschen nördlich von Conakry, der Hauptstadt von
Guinea, zwischen den Republiken Sierra Leone und Mali, in einem nur schwer
zugänglichen Berggebiet eine steinerne Wand. Das Unglaubliche: Aus dem
natürliche Bergmassiv ist ein 1 50 Meter hohes Flachrelief herausgehauen wor­
den. Es zeigt den Kopf einer Frau und Teile ihres Torsos. Anhand von Ablage­
rungen am Fuße der aus hartem Granit bestehenden Statue konnte Prof. Pitoni
eine Altersdatierung von ca. 1 2 000 Jahren vornehmen. Ein Zeitfaktor, der sich
auffällig mit anderen kolossalen Hinterlassenschaften deckt, etwa den titani­
schen Unterwasserstrukturen vor der j apanischen Küste von Yonaguni, die als
Relikte einer untergegangenen Vorzeit-Zivilisation gedeuret werden.

Wer schuf die 1 50 Meter hohe »Königin in Stein«? (Fotos: Prof. Angelo Pitoni)
270 I

Die lokale Bevölkerung nennt die riesige Felsfigur aus Westafrika »Dame von
Mali« und verlegt ihre Entstehung zurück in urzeitliche Epochen. Doch wer
war damals imstande, dieses gewaltige Porträt aus hartem Granitstein herauszu­
meißeln? Welche Technik kam zum Einsatz? Und weshalb verschwand diese
fortgeschrittene Kultur scheinbar spurlos? Drängende Fragen, auf die wir noch
keine befriedigende Antwort geben können.
Doch uns sollte dies nicht daran hindern, genau nach diesen verschollenen
Quellen unbekannter Zivilisationen zu suchen. »Die Dame von Mali« ist ein
ebenso guter Anlaß dafür wie die rätselhaften Nomoli-Skulpturen und ihre
kosmischen Steine.
23
Kinder der Sterne
Hatten unsere Urväter Besuch aus dem Weltall?

Die »Skystones« sind nicht die einzigen Steine, die vom Himmel fielen und mit
geheimnisvollen Besuchern aus dem All in Verbindung gebracht werden. Wir
kennen Beispiele ebenso aus j üngerer Vergangenheit. Für UFO-Gläubige ist das
Stichwort »Roswell« ein Kernpunkt ihrer Überzeugung. Die amerikanische
Kleinstadt liegt in der Wüste von New Mexico. In unmittelbarer Nähe sollen
dort im Juli 1 947 Außerirdische mit einem fremden Raumschiff abgestürzt
sein. Die US Air Force dementierte ihre erste Meldung, wonach es sich tatsäch­
lich um UFO-Teile handeln würde: In Wahrheit sei ein Wetterballon abgestürzt.
Später wurde diese Version neuerlich dementiert: Es sei ein Spionageballon
gewesen. 1 997 wurde dieser »Enthüllung« eine weitere hinzugefügt: Es waren
Radarziele und Gummipuppen. UFO-Forscher bestreiten dies bis heute und
vermuten eine Verschwörung des US-Militärs.
Mitte der 1 990er Jahre tauchten mehrere Metallfragmente auf, die angeb­
lich von dem Roswell-Wrack stammen sollen, darunter ein silberglänzendes
Stück, das bei Unsolved Mysteries präsentiert wurde. Im August 1 998 besuchten
die Redakteure des italienischen Magazins Hera - Paola Harris und Adriano
Forgione den Wissenschaftler Dr. Michael Wolf in Connecticut, USA. Der
-

Wissenschaftler zeigte den beiden Gästen einige metallische Fragmente, die


nach seiner Aussage außerirdischen Ursprungs waren. Dem Aussehen nach
erinnern sie an das sogenannte »Roswell-Fragment«, das der Forscher Derrel
Sims 1 996 bei einem Sympo­
sium in San Marino präsen­
tierte. Auf die Frage, woher
die seltsamen Metallstücke
stammen, erklärte Wolf, daß
er sie von einer internen
Quelle der Wright Patterson
Air Force Base hätte. Es wur­
den drei Objekte an Harris
und Forgione übergeben, wo­
bei eines Bill Hamilton ge­
Bei Unsolved Mysteries ausgestellt: Roswell-Fragment schickt wurde, während die
aus fast 1 00 Prozent Silizium (Foto: Bernhard Moestl anderen zwei nach Italien zur
und Autoren) Analyse mitgenommen wur-
272 1

den. Wolf erklärte, daß 99,99 Prozent dieses Materials aus reinem Silizium
bestünden, der Rest von 0,0 1 Prozent sei ein unbekanntes außerirdisches
Isotop.
Das Material, das in italienischen Labors analysiert wurde, scheint enormer
Hitze ausgesetzt gewesen zu sein. Die Frage ist: Kann es sein, daß dieser
thermische Schock durch einen UFO-Absturz hervorgerufen worden ist?
Das größere Fragment wurde an der Universität von Pisa analysiert mit
dem Ergebnis, daß es äußerlich Silizium ähnelt, doch weist es im Gegensatz
zum normalen Silizium anormale Eigenschaften auf, ist ein schlechter Wärme­
und Elektrizitätsleiter, nicht magnetisch und schmilzt durch Eis. Eigenschaften,
die wir bei Tests im Staatlichen Edelsteininstitut in Wien überprüfen ließen und
die bestätigt worden sind.
Bisher ist es nicht gelungen, den Mythos der unidentifizierbaren fliegenden
Objekte, kurz UFOs genannt, in den Griff zu bekommen. Die schrägsten
Theorien wurden vorgebracht. Insektenschwärme hat man ebenso als Lösung
angeboten wie geheime Militärprojekte oder Wesen aus dem Inneren der Erde.
Die populärste These spricht von fremden Intelligenzen, die sich in unserer
Welt manifestieren, vielleicht Außerirdische, Zeitreisende oder Parallelweltler.
Was wirklich hinter dem Phänomen steckt, wissen wir noch nicht. So viel steht
aber fest: UFOs sind keine Erfindung der Neuzeit.
Kaum ein anderes Thema hat die Phantasie der Menschen mehr beflügelt
als die Frage, ob die Erde irgendwann einmal in ihrer langen Geschichte Besuch
aus dem Weltall erhalten hat. Ein phantastischer und provokanter Gedanke.
Viele verbannen deshalb die außerirdische Visite ins Reich der Utopie und
bezeichnen solche Überlegungen als »Hirngespinste« oder »Pseudowissenschaft« .
UFO-Gläubige hingegen sind davon überzeugt, daß es die Sache wert wäre,
die alten Quellen nicht zu ignorieren, sondern vielmehr genauer nach stichhal­
tigen Indizien zu suchen. Sie verweisen auf uralte Mythen und Überlieferungen,
die von »göttlichen Himmelsboten« in seltsamen Gefährten berichten. Ebenso
wird auf archäologische Rätsel und Götterskulpturen mit fremdartigen Attribu­
ten verwiesen. Mit feuerglänzenden Vehikeln sollen einst Götter vom Himmel
gestiegen sein. Geflügelte Schlangen und fliegende Kreaturen, halb Mensch,
halb Tier, werden in allen Mythen der Völker anschaulich beschrieben.
Solche Hinweise auf mögliche vorzeitliche Astronautenbesuche lassen sich
unter dem populären Schlagwort Prä-Astronautik oder Paläo-SETI-Forschung
(SETI Search für Extraterrastrial Intelligence - Die Suche nach außerirdi­
=

schen Intelligenzen) zusammenfassen. Vor allem im deutschsprachigen Raum


ist diese These mit dem Namen Erich von Däniken verbunden, der seit Ende der
1 960er Jahre die etablierte Wissenschaft brüskierte und bis heute Widerstand
hervorruft. Mit dem im Jahr 2003 eröffneten Schweizer Mystery-Park in Inter-
laken, der die großen Rätsel der Welt zu einem
atemberaubenden Themenpark zusammenge­
faßt hat, wurde Erich von Däniken und »sei­
nen« Außerirdischen ein Denkmal gesetzt. Daß
wir mit unseren originalen Schaustücken von
Unsolved Mysteries hier »landen« konnten, freut
uns ganz besonders. Hoffen wir doch, gemein­
sam mit dem nimmermüden Götterforscher,
daß die Diskussion um unsere rätselhafte Ver­
gangenheit neu belebt werden kann.
Däniken war aber keineswegs der erste,
der provokant steinalte Menschheitsrätsel auf­
zeigte und Spekulationen über außerirdische
Einflüsse auf die menschliche Geschichte ver­
öffentlichte. Wie bei vielen utopisch anmuten­
den Ideen - Stichwort bemannte Raumfahrt -
finden wir Anspielungen darauf bei den Science­
Fiction-Schriftstellern. So schilderten bereits Prähistorische Götterfiguren aus
in den 1 940er und 1 9 5 0er Jahren Romanauto­ Ecuador erinnern an Astronauten.
ren wie Howard Phillips Lovecraft oder Clark (Foto: Reinhard Habeck)
Darlton den Besuch von Außerirdischen in der
Frühgeschichte mit hinterlassenen Spuren und Relikten, die erst von einer
späteren technischen Zivilisation zu deuten sind.
Wurde unsere Erde bereits vor Jahrtausenden von Außerirdischen besucht?
Waren die mythologischen »Götter« in Wahrheit Besucher von den Sternen?
Warum wird in den heiligen Schriften, und zwar weltweit, von den »himmli­
schen Lehrmeistern« gesprochen? Sind die in den Mythen beschriebenen Geni­
en und Mischwesen genmanipulierte Geschöpfe? Schufen womöglich fremde
Intelligenzen die menschliche Spezies »nach ihrem Ebenbild« mittels gezielter
Eingriffe in unsere Erbanlagen?
Obwohl solche kühnen Thesen Skeptiker auf den Plan rufen müssen,
finden sich durchaus in wissenschaftlichen Fachkreisen Befürworter der These
erdbesuchender Allgeschöpfe. An Universitäten, Instituten und Forschungsstät­
ten der ganzen Welt wird das strittige Thema diskutiert und ist somit dem
Bereich des vormals »Phantastisch-Utopischen« entzogen worden.
Genügt die Paläo-SETI-Hypothese den wissenschaftlichen Ansprüchen?
Leider wird das Thema in den öffentlichen Medien oft intolerant behandelt
oder auf ein völlig falsches Bild der »Hollywood-Aliens« reduziert. Andererseits
existieren viele Publikationen, die einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht
immer standhalten. Der Sozialwissenschaftler und Lehrstuhlinhaber am New
York Institute ofTechnology, Prof Dr. Luis Navia, ist nach eingehender Untersu­
chung der vorliegenden Fakten dennoch zu dem Schluß gekommen, »daß die
Theorie frühgeschichtlicher Kontakte mit außerirdischen Intelligenzen in ge­
nügendem Ausmaß den wissenschaftlichen Bedingungen entspricht. Ich sage
sogar: diese Hypothese wirft mehr Licht auf die gesammelten Unterlagen
menschlicher Frühgeschichte als manche andere erklärende Hypothese.«
Trotzdem fehlt bislang ein wirklich greifbarer Beweis, der jeden Zweifel für
das Eingreifen Außerirdischer beseitigen könnte. Haben fremde Intelligenzen
etwas hinterlassen, das wir finden können, wenn wir es finden wollen? Eine
ungeklärte Frage, die sich beim Betrachten vieler archäologischer Funde stellt.
Etliche davon haben wir bei Unsolved Mysteries vorgelegt, darunter in der
Öffentlichkeit kaum bekannte Steinskulpturen mit fremdartiger Charakteri­
stik. Durchweg Plastiken, die im Sinne der Paläo-SETI-Forschung an vorge­
schichtliche Raumfahrer erinnern.
Viele Stücke haben wir bei der katholischen Universität in Quito, Ecuador,
entliehen, einem Institut, das völlig unverdächtig ist, dem Glauben an Außerir­
dische Vorschub zu leisten. Besonders das zur Universität gehörende Museum
Weilbauer beherbergt erstaunliche Artefakte, darunter Miniaturen aus Keramik
und Stein. Interessant sind die Porträtfiguren unbekannter Rassen, die aus den
Höhlen Ecuadors stammen. Der Kopf einer Miniatur zeigt einen geschwunge­
nen Helm. Das Gesicht wirkt asiatisch - ver­
mutlich Valdivia-Kultur um 3 5 00 bis 1 5 00 v.
Chr. Auffällig sind ebenso Darstellungen der
jama-Coaque-Kultur, die um 3 5 0 v. Chr. in
Ecuador aufgetaucht war. Die Statuetten zei­
gen geschlossene Helme, haben Gesichtsmas­
ken, tragen Overalls und sind mit modern an­
mutenden Details bestückt. Eine 1 6 Zentime­
ter hohe Statuette aus dem Museo de las Culturas
Aborigines, ebenfalls Ecuador, wirkt durch ih­
ren echsenartigen Kopf (oder Helm?) beson­
ders fremdartig und bedrohlich.
Solche menschenähnlichen oder sogar
menschengleichen Wesen, die als Götter ver­
ehrt wurden, sind in allen Kulturen der Welt
Diese 16 Zentimeter hohe Kera- beschrieben. Mythologische Erinnerungen, die
mikfigur wirkt durch ihr fremdarti­ nach dem Anthropomorphismus eine Vermensch­
ges Aussehen besonders bedroh­ lichung des Göttlichen oder der Natur bedeu­
lich. (Foto: Bernhard Moestl und ten. Eine Erklärung für solche »anthropomor­
Autoren) phen(( Erscheinungen wird von manchen Wis-
senschaftlern in der Religionsform des Schamanismus gesehen, der heute noch
unter Naturvölkern weit verbreitet ist. Priester oder Medizinmänner versetzen
sich in künstliche Ekstase und begeben sich auf Seelenteise, um mit den
Göttern Kontakt aufzunehmen. Diese Art von Ekstase wird als Transformation
bezeichnet. Die Frage, wer diese Götterwesen wirklich sind, können auch
Anthropologen nicht mit Gewißheit beantworten.

Keramikfigur mit Flügeln und »Strahlenkranz« als Kopfschmuck. War der erste Schamane
ein Außerirdischer? (Foto: Bernhard Moestl und Autoren)

Auf einen einstmals engen Kontakt zwischen Erdbevölkerung und Wesen, die
als »Götter« verehrt wurden, könnte das mythologische Motiv der stufenförmi­
gen Tempel und Pyramiden hinweisen, das sich in vielen Kulturen rund um den
Globus wiederfindet. Es waren »Treppen zum Himmel« und Zeichen der
Erneuerung. Die alten Maya und die modernen Huichol-Indianer stellten bei
bestimmten Festen in ihren Tempeln Miniaturpyramiden aus Holz oder Kera­
mik auf, die als Symbol für die »Himmels-« oder »Sonnenleiter« angesehen
wurden.
Unter den Stücken aus der einstigen Goldgräberstätte La Mana, wiederum
Ecuador, befindet sich eine eigenwillige Keramik, die ebenfalls als »Himmels-
thron« aufgefaßt werden könnte. Dargestellt sind
pyramidenartig angelegte Stufen, die zu einem
Herrscher führen, der in einer Aushöhlung sitzt.
Die Rückseite zeigt ein fremdartiges Wesen mit
eingerollten Armen.
Handelt es sich lediglich um modellierte
Vorstellungen, die mit dem Glauben an Natur­
mythen, Ahnen, Geister und Dämonen ent­
standen sind? Waren es metaphysische Gestal­
ten? Schamanistische Glaubensvorstellungen?
Oder haben wir es doch mit einem Phänomen
zu tun, das als Erinnerung an leibhaftige Besu­
cher aus dem Kosmos aufgefaßt werden könnte?
Diese Fragen ergeben sich ebenso im Zu­
Keramik aus La Mana in Form sammenhang mit dargestellten »Strahlenkrän­
eines »Himmelsthrones«. Auf der zen«, die bei vielen Figuren als Kopfschmuck
Rückseite ist ein fremdartiges angebracht sind. Wir finden solche Wiederga­
Wesen modelliert. ben ebenso weltweit abgebildet auf prächtigen
(Foto: Reinhard Habeck) Felszeichnungen, wie dem Tassili-Gebirge in Al­
gerien, Felsbildern von Air in Niger, australi­
schen Höhlenzeichnungen der Aborigines oder auf Steingravuren im nord­
italienischen Val Camonica. Die prähistorischen Hinterlassenschaften werden
als »Überirdische Wesen« oder »Medizinmänner in ihrer Kluft« gedeutet. Viele
mythologische Götter werden als helle, leuchtende Wesen beschrieben, die
wegen des von ihnen ausgehenden blendenden Lichts kein Mensch anschauen
konnte. Einige Statuetten aus dem Museo Weilbauer zeigen einen solchen
charakteristischen Strahlenkranz als Kopfschmuck. Welche Bedeutung er letzt­
lich auch haben mag, er scheint die Wichtigkeit der dargestellten Person zu
betonen.
Als einer der Autoren (R. H.) vor einiger Zeit mit der Südtiroler Ethnolo­
gin Christiane Ladurner neue Ausgrabungen im Val Camonica besichtigte, hatte
er das Glück, daß ihn Dr. Ausilio Priuli zu den FundsteIlen begleitete. Der
italienische Forscher und Museumsdirektor ist einer der weltweit profundesten
Kenner prähistorischer Felskunst. Seit Jahrzehnten untersucht und dokumen­
tiert er die bronzezeitlichen Felsgravuren nahe Brescia, die in diesem Gebiet
massenweise aufgefunden wurden. Von ihm wollte wir wissen, wie er die
berühmten Gravuren deutet, die behelmte Wesen mit »Strahlenkränzen« zei­
gen. Viele Archäologen sehen in helmartigen Kopfaufsätzen einen »rituellen
Kopfschmuck aus Stroh« bzw. »Jäger mit Kapuzen« . Könnten es auch »Außerir­
dische« gewesen sein, fragten wir den Felskunstexperten.
In der prähistorischen Felskunst finden sich viele Motive seltsamer Geschöpfe. Sind es
wirklichkeitsgetreu abgebildete Wesen, die hier verewigt wurden ? (Foto: Anna Soehring)

Felsbild aus Val Camonica in Norditalien. (Foto: Reinhard Habeck)


278 1

Dr. Priuli überraschte mit sei­


ner freimütigen Antwort: »Ich
halte es für wahrscheinlich, daß
es sich um Schamanen oder um
Darstellungen mythologischer
Wesen handelt. Nach meinem
Wissenstand kann ich aber
nicht ausschließen, daß die Ab­
bilder Geschöpfe zeigen, die
vielleicht von weit her aus dem
Weltall zur Erde kamen. Eines
scheint mir jedoch gewiß: Wenn
in der Vorzeit tatsächlich extra­
terrestrische Besucher gelandet
sein sollten, dann können wir
davon ausgehen, daß der prähi­
storische Mensch diese Wesen
nicht als >Außerirdische< ange­
sehen hätte, so wie wir es heute
tun würden . Wir haben das
Wissen, um von >Außerirdi­
schen< sprechen zu können. Der
Mensch der Frühzeit wohl
kaum. Er hätte die Fremden als
>höhere Wesen< verehrt. « Reinhard Habeck mit dem italienischen Fels-
Nichts anderes behaupten kunstexperten Dr. Ausilio Priuli.
die Vertreter der Paläo-SETI­ (Foto: Christiane Ladurner)
Hypothese. In den Mythen der
Welt finden sich viele TextsteIlen, worin das Aussehen und Verhalten der
»Götter« beschrieben wird. Manche Legenden erzählen davon, daß ihr wahres
Antliz oft hinter unterschiedlichen Masken vor den Menschen verborgen blieb.
Eine 23 Zentimeter hohe Keramik aus Kolumbien zeigt, was gemeint ist.
Die sitzende Figur mit deformiertem »Turmschädel« entstand zwischen 800
v. Chr. und 300 n. Chr. Die dargestellte Persönlichkeit spielt Flöte und verbirgt
ihr wahres Antlitz hinter einer Göttermaske. Ein Ausdruck, der an die von
Dr. Johannes Fiebag ( I 956-1 999) entwickelte Mimikry-Hypothese erinnert.
Der deutsche Naturwissenschaftler stellte die Idee auf, daß eine außerirdische,
sehr weit fortgeschrittene Intelligenz in unmittelbarer Wechselwirkung mit uns
selbst steht, mit unserer Psyche, unseren Vorstellungen, unseren Ängsten und
Phantasien. Demnach hätten wir es bei mythologischen Götter-Erscheinungen
(und in der heutigen Fortset­
zung durch Berichte von an­
geblichen UFO-Kontakten)
mit einem Phänomen zu tun,
das sich uns anpassen kann.
Das heißt, der Urheber des
Phänomens würde sich im
klassischen Mimikry-Verhal­
ten dahinter verbergen kön­
nen. Wir nehmen an, wir se­
hen die Wirklichkeit, doch in
Wahrheit schauen wir nur in
einen Spiegel, den man uns
vorhält - und entdecken dar­
in nichts anderes als uns selbst.
Für Fiebag eine äußerst intel­
ligente Taktik, genauso wie
man es von einer entsprechend
hochentwickelten Intelligenz
mit einem für uns magisch
anmutenden Technologiestan­
dard erwarten sollte.
Vielleicht läßt sich auch
die berühmte Grabplatte aus
Autor Habeck vor dem » Tempel der Inschriften« in dem »Tempel der Inschriften«
Palenque, Mexiko. Hier wurde 1 952 eine der sensa­ im Palastkomplex von Palen­
tionellsten archäologischen Entdeckungen gemacht. que (Mexiko) in diese Rich­
(Foto : Christiane Ladurner) tung deuten. Sie wird als ei­
nes der wichtigsten Beweis­
stücke für einen möglichen frühgeschichtlichen Besuch aus dem Weltall ange­
führt. In diesem Maya-Heiligtum wurde 1 9 52 nach vierj ähriger Grabung die
vielleicht aufsehenerregendste Entdeckung in ganz Mittelamerika gemacht.
Dem mexikanischen Archäologen Alberto Ruz Lhuillier fiel in der Tempel­
pflasterung ein Stein mit Hebellöchern auf. Darunter fand er eine geheime, mit
Geröll gefüllte Treppe. Sie führte 25 Meter tief unter die Tempelplattform
hinab zum Grabmal eines Herrschers oder Priesters.
Für Altamerikanisten ist der Fund von Palenque genauso bedeutend wie
das Grab des Tutanchamun für die ägyptische Archäologie. Mayatempel werden
analog zu den Steinwundern in Ägypten als »Pyramiden« bezeichnet. Man hatte
angenommen, daß sie keine Königsgräber sind und sich somit von den ägypti-
280 I

schen Grabmälern unterschieden. Die Entdeckung von Palenque hat diese


Vorstellung widerlegt. Pyramiden mit Grabkammern in Mittelamerika hat es
gegeben. Ein weiteres Indiz dafür, daß im Altertum kulturelle Verbindungen zu
Ägypten und anderen Kulturen weltweit existierten.
Das Besondere ist die Grabkammer: Die Knochen des Beigesetzten lagen in
einem Sarkophag, den ein 3,80 Meter langer, 2,20 Meter breiter und 0,25 Me­
ter dicker sowie acht Tonnen schwerer, prächtiger Grabdeckel verschloß. Auf
ihm ist ein kunstvolles Relief in harten, feinkörnigen Kalkstein graviert. Im
Mittelfeld ist eine figurale Darstellung zu sehen, die sich in einem seltsamen
Gebilde befindet. Die Bedeutung des Szene wird unterschiedlich ausgelegt. Es
soll König Pacal zeigen, der in die Unterwelt hinabsteigt oder in den Rachen
eines Ungeheuers fällt. Aus seinem Körper wächst ein »Weltbaum« , und ein
übernatürlicher Vogel schwingt sich empor.
Anders lautet die phantastische Interpretation im Sinne der Prä-Astronau­
tik: Das Bild, im Hochformat betrachtet, läßt die »Fötushaltung« von Pacal als
uns heute geläufige »Raumfohrerpose« erscheinen, den »Weltenbaum« als » Vehi­
kel«, die »Zähne der Regengottmaske« als »Düsenaggregat« und die »bartartigen
Linien« datunter als »züngelnde Feuerflamme«. Gleichzeitig scheinen die Hände
des Fürsten irgendwelche Instrumente zu betätigen. Die Übersetzungen der
Mayaglyphen auf der Grabplatte lassen dazu keinen grundsätzlichen Wider­
spruch erkennen. Ihre Symbolik zeigt einen außergewöhnlichen kosmischen
Bezug und soll »Pacal im Zentrum des Kosmos« darstellen.

Die kosmische Interpretation der Grabplatte von Palenque sorgt für Gelehrtenstreit. (Foto:
Bernhard Moestl und Autoren)
Was sollte hier wiedergegeben werden? Welches Vorbild gab es für diese
»technologische« Reliefplatte? Stand ein Besucher aus dem Weltall dafür Mo­
dell? So utopisch diese Vorstellung auch klingen mag, es gibt genügend Beispie­
le noch heure bestehender lebendiger Mythen, die genau das bestätigen. Etwa
bei den Kajapo-Indianern in Brasilien, deren Schamanen einmal im Jahr zu
Ehren ihres Kulturbringer-Gottes Bep-Kororoti in einen Stroh anzug schlüpfen.
Er umschließt den Körper nahezu vollständig und erinnert an einen Rauman­
zug der Astronauten. In rhythmischen Tänzen wird der Gott geehrt, wobei der
Priester einen Bo in der Hand hält, eine Art Feuerwaffe, mit der Blitz und
Donner erzeugt werden konnte. Die Legende der Kajapo erzählt, Bep-Kororoti
sei einst mit einem fliegenden
Haus vom Himmel gestiegen
und später wieder zu den Ster­
nen zurückgekehrt.
Wer war Beb-Kororoti? Es
ist kaum zu glauben, daß bloß
ein »Gewitter« oder andere
»Naturgewalten« der Auslöser
für diese Zeremonien gewesen
sein sollen. Was hatten unsere
Ahnen tatsächlich gesehen ?
Bei Festen ehren die Kajapo-Indianer in Brasilien Die gleiche Fragestellung
ihren Kulturbringergott Beb-Kororoti. Der Legende taucht bei den Indianerstäm­
nach soll dieses Wesen einst von den Sternen men der Hopi und Zuni auf,
herabgestiegen sein. (Foto: Erich von Däniken) die im Südwesten der USA, in
den Staaten Arizona und Neu­
mexiko beheimatet sind. Eine mündliche Überlieferung, wiedergegeben von
dem Hopi-Häuptling White Bear, weiß von den Ursprüngen seines Volkes
folgendes zu berichten: Vor Jahrtausenden lebten die Ahnen der Hopi auf
einem Kontinent im pazifischen Raum, den sie »Kasskara« nannten. MU­
Forscher Prof Maasaki Kimura wird sich freuen, wenn er hört, daß Kasskara ein
mythisches Inselreich war, das mit dem versunkenen Kontinent MU in Verbin­
dung gebracht wird.
Eines Tages, so erzählt es die Stammesgeschichte der Hopi weiter, begann
Kasskara im Meer zu versinken. Die Hopi waren gezwungen, ihre alte Heimat
zu verlassen. Dabei halfen ihnen wohlwollende Kachinas aus anderen Welten.
White Bear erzählt, diese Kachinas, die mit seinem Volk schon immer in
spiritueller (und manchmal leibhaftiger) Verbindung standen, seien Wesen von
einem Planeten gewesen, der weit vom irdischen Sonnensystem entfernt liegt.
Auf »fliegenden Schildern« und auf dem Rücken »großer Vögel« hätten die
Flüchtlinge Südamerika er­
reicht. Die Indigenas vermehr­
ten sich und spalteten sich in
verschiedene Stämme. Einige
Gruppen wanderten in einem
mehrtausendj ährigen Treck
von Süden nach Norden. Sie
siedelten sich im Hochgebirge
und in den Urwäldern an. Die
Vorfahren der Maya waren
ebenso darunter wie Inka und
Azteken.
White Bear erzählt außer­ Die Kachinapuppen der Hopi und Zuni stellen ihre
dem von der Stadt Palatquapi, himmlischen Vorfahren und Lehrmeister dar.
die seine Vorfahren in Zentral- (Foto: Bernhard Moestl und Autoren)
amerika erbauten; sie galt als
das Zentrum der Wissenschaft. Unterricht erteilten die himmlischen Kachinas,
Besucher aus dem Weltall, die zu bestimmten Zeiten unter den Indianern
lebten. Das Wort Kachina bedeutet »hohe, geachtete Wissende« . Diese Lebens­
helfer und Vermittler werden von den Hopi und Zuni als himmlische Vorfahren
verehrt und bei religiösen Festen durch maskierte Tänzer in farbenprächtigen
Kostümen dargestellt. Es gibt hunderte verschiedene Kachina-Typen, von de­
nen j ede ihre eigene Wesensart und Maske besitzt. Von Generation zu Genera­
tion wird der Hopi-Mythos mündlich weitergegeben. Hopi-Kinder erhalten
geschnitzte Kachina-Puppen. Es sind jedoch keine Spielzeuge, sondern an­
schauliche Vorgaben, um die Komplexität der überirdischen Kachina-Welt
begreiflich zu machen.
Der vermutlich außergewöhnlichste Mythos, der mit Besuchern aus dem
Kosmos verknüpft ist, findet sich beim Volk der Dogon in der westafrikanischen
Republik Mali. Dieser Volksstamm, der sich zwischen dem 1 3 . und 1 6. Jahr­
hundert dort niedergelassen hat, verfügt über detaillierte Kenntnisse des Uni­
versums, die erstaunlich exakt sind. Im Ursprung ihres Schöpfungsmythos'
steht ein Wesen namens Amma, ein kosmisches Ei. Es vibrierte siebenmal, dann
brach es entzwei, und es entschlüpfte ihm eine Nommo-Gottheit. Diese stieg auf
die Erde hinab, und es folgten ihr ein weibliches Zwillingspaar und vier weiterte
Nommopaare. Von diesen acht Kindern soll das Volk der Dogon abstammen.
Bis zum heutigen Tage stellen sie auf Kornspeichern und Felsmalereien ihre
mythologischen Ursprünge dar.
1 93 1 beschlossen zwei angesehene Anthropologen Frankreichs, Marcel
Griaule und Germaine Dieterlen, eine umfassende Untersuchung über die Dogon.
Sie lebten mehr als zwanzig Jahre lang bei dem Stamm und erfuhren von den
Dogon-Priestern die innersten und heiligsten Geheimnisse. Demnach dreht
sich der komplexe Glaubensgrundsatz der Dogon um einen winzigen Stern, den
sie Po-tolo nennen. Sie wissen, daß er aus einer sehr schweren Substanz besteht
und mit einer Umlaufzeit von 50 Jahren in einer elliptischen Bahn um den
Hundsstern Sirius kreist.
Es gibt diesen Stern tatsächlich, Sirius B, der wissenschaftlich erstmals 1 862
beschrieben wurde und dessen Materie so dicht ist, daß ein Kubikmeter davon
etwa 20 000 Tonnen wiegt. Des weiteren entspricht seine Umlaufbahn der
exakten Beschreibung der Dogon, obwohl sie normalerweise für das menschli­
che Auge völlig unsichtbar ist. Erst 1 970 konnte Sirius B das erste Mal fotogra­
fiert werden.
Warum wissen die Dogon so viel über Sirius B? Die Erklärung ihrer Priester
ist noch erstaunlicher. Sie behaupten, daß sie ihr astronomisches Wissen (sie
kennen auch die vier Ringe von Saturn und die vier Hauptmonde von Jupiter)
von amphibischen Wesen erhalten haben, die sie Nommos nennen. Diese frem­
den Geschöpfe sollen vor langer Zeit mit himmlischen »Archen« zur Erde
gelangt sein. Genauer gesagt, von dem Sternensystem Sirius, das rund 8,7 Licht­
jahre von der Erde entfernt ist. Zur Erinnerung an diese Götterwesen werden
seit vielen Generationen Nommo-Figuren aus Holz angefertigt.
Die Nommos aus dem Weltall werden als amphibische Geschöpfe mit
Fischleibern beschrieben, die manchmal menschliche Gestalt annehmen konn­
ten. Eine Schilderung, die an Oannes, die babylonische Gottheit mit Fisch­
körper erinnert. Nach babylonischer Tradition war er das Oberhaupt der Annedoti,
einer Gruppe fischähnlicher Wesen, welche die Zivilisation begründeten. Was
uns noch auffällt: Der Name Nommo erinnert an Nomoli, j ene seltsamen
Steinfiguren, die in Sierra Leona gefunden wurden. Eine kosmische Verbindung

Die Mythe der Dogon,


wonach vor Urzeiten
Wesen in Fischkörpern
mit himmlischen
Archen das Wissen
brachten, erinnert
verblüffend an die
babylonische Oannes­
Legende. (Foto: Rein­
hard Habeck)
ist durch die »Skystones« gegeben. Inwiefern ein Zusammenhang zum Dogon­
Mythos in Mali besteht, müßte noch untersucht werden.
In dieser Region leben auch die Bambara. Sie schreiben die Erfindung des
Ackerbaus einem urzeitlichen Kulturheros in Gestalt einer Antilope zu, die vom
Schöpfergott Faro vom Himmel herabgeschickt wurde, um die Menschen in
der Kunst der Feldbestellung und der Ernte zu unterweisen. Darstellungen
dieser göttlichen Antilope sind überall in der Region zu finden und werden als
Tanzaufsatz verwendet. Die Bambara kennen wie die Dogon das Siriussystem
193011980 und bezeichnen den Hunds-
\ stern als »Gründungsstern«
\
\ (sigi dolo) . Seine in der Um-
" \ 1 940/1990 laufbahn befindlichen Beglei­
" \
..... ..... - ", \ ter werden als »Sterne des Wis­
- ..... ..... "" \ //
:� Sirius sens« betitelt. In der afrikani­
--
--- schen Mythologie spielt ein
göttlicher Schmied bei der Vor­
bereitung des Universums für
den Menschen oft eine ent-
Die Dogon-Beschreibung des Sirius-Systems deckt scheidende Rolle. Meist steigt
sich mit modernen astronomischen Berechnungen. er vom Himmel herab. Eine
(Abbildung: Archiv Autoren) Legende besagt, Amma, der
Schöpfergott der Dogon, schuf
den ersten Geist eines Schmieds aus der Plazenta eines Nommo-Wesens. Doch
der Geist besaß kein Feuer, und so stahl er den himmlischen Nommo-Zwillin­
gen ein Stück von der Sonne und kam über einen Himmelsbogen auf die Erde
herab.
Die Bedeutung der Schmiedekunst zeigt sich vor allem bei rituellen Gegen­
ständen. Ein heiliges Zeichen, das bei bestimmten Zeremonien zur Anwendung
kommt, zeigt die Bahnen der Sterne des Siriussystems. Es besteht aus einer
Senkrechten mit einer verdickten Ausbuchtung, das den Sirius symbolisieren
soll. Unten ist diese Linie weit nach links hin abgeknickt, womit die Dogon den
sogenannten »Schuhmacherstern« und seine Bahn um den Sirius darstellen.
Oben auf der Senkrechten sitzt ein hackenähnliches Halboval, dessen beide
Seiten weit herabhängen. Der Schnittpunkt des Ovals mit der Linie zeigt
Sirius B, den die Dogon Digitaria nennen, und dessen Bahn der rechte Arm
aufzeigt. Der linke Arm steht für den weiblichen Stern Emme Ytz (»Sonne der
Frauen« bzw. Sirius C) . Der untere Teil der Senkrechten ist länger als der obere.
Damit wollen die Dogon zum Ausdruck bringen, daß der »Schuhmacherstern«
weiter vom Zentralgestirn entfernt ist als die anderen Sterne und sich außerdem
in entgegengesetzter Richtung bewegt. Die wiedergegebenen Daten stim-
Bahn des
Digitaria
Emme Ya
(Sirius C)

Bahn des -Schuhmachers ..


Die Bahnen
der Steme des
Siriussystems

Rituelle Schmiedeeisen stellen das Sirius-Planetensystem dar.


(Foto/Abbildung: Bernhard Moestl und Autoren/Archiv Autoren)

men mit modernen astronomischen Kenntnissen überein. Ein solcher Ritual­


gegenstand wurde uns, gemeinsam mit anderen Stammesrelikten, von den
Forscherehepaaren Anke und Horst Dunkel sowie Claudia und Peter Fiebag
exklusiv für Unsolved Mysteries zur Verfügung gestellt.
Der Herstellung von Schnitzereien wird eine besondere Bedeutung beige­
messen. Sie ist Aufgabe der Maskengesellschaften (awa) . Nach der Beschnei­
dung wird j eder Knabe Mitglied der awa; hier lernt er Masken nach alter
Tradition zu schnitzen und zu gebrauchen. Neben der vier Meter langen
»Stockwerkhaus«-Maske ist die Kanaga-Tanzmaske die wichtigste. Ihr doppel­
kreuzförmiger Aufsatz zeigt das typische Amma-Zeichen. Ebenso gehört ein
rotgefärbtes Kostüm aus Pflanzenfasern zu ihr.
Die französischen Anthropologen Griaule und Dieterlen haben nach detail­
lierten Angaben der Dogon-Priester die Bedeutung von Symbolen, Rauten,
Rechtecken und anderen heiligen Maskenzeichen beschrieben. Ihren sorgfälti­
gen Untersuchungen verdanken wir einen Großteil unseres Wissens über die
Dogon-Mythologie. Demnach stellen die unterschiedlichen Muster auf der
langen Sirigi- Maske »das Herniedersteigen und das Aufsetzen der Arche« dar.
Das Herabsinken des Himmelsgefährts wird als Raute dargestellt, ihr Aufprall
aber wie ein Rechteck. Das »Sirigi«-Zeichen selbst stellt für sie »ein Haus mit
Stockwerken dar und verkörpert ebenso die Arche selbst als auch ihr )Hernie­
dersteigen(<<. Auffällig ist die Ähnlichkeit mit den ägyptischen Obelisken. Einer
altägyptischen Mythe zufolge soll der Sonnengott Re am Uranfang aller Zeiten
mit einem obeliskartigen, feuerglänzenden »Benben-Stein« vom Himmel ge-
. .

stIegen sem.
Die Dogon erklären zum
Sirigi-Zeichen: » Als die Arche
landete, ließ das Gewicht der
Arche das Blut (Anrn. : flam­
men?) zum Himmel spritzen. «
Könnte dies die Beschreibung
der Landung eines raketen­
getriebenen Fahrzeugs sein? Der
amerikanische Orientalist und
Historiker Robert K G. Temple
bekräftigt die außerirdische
Herkunft nach den Daten der
Dogon. Der Forscher bezieht
sich bei seiner provokanten,
aber genau belegten Studie dar­
auf, daß die Dogon in ihren
rituellen Tänzen die Bewegung
und das Geräusch der Arche
imitieren. Die Priester sagen,
daß Nommo das »Wort« in die
vier Himmelsrichtungen gewor­
fen habe, als er mit der Arche
Die Maskentänzer der Dogon kennen das Geheim­ herunterkam. Es soll sich wie
nis des Sirius. (Foto: Anke und Horst Dunkel) ein donnernder und vibrieren­
der Lärm angehört haben. In
diesem Zusammenhang ein interessantes Detail: »Wort« bedeutet in der Dogon­
Ausdrucksweise ebenso »Luft« . Für Temple ein Indiz dafür, daß nicht nur
Geräusche, sondern auch aufgewirbelter Wind und Staub beim Erscheinen der
Arche mitgewirkt haben.
Sind die Traditionen der Dogon ein schlüssiger Beweis für die Existenz
außerirdischer Besucher? Oder wurde ihnen das Wissen von Europäern weiter­
vermittelt, wie Skeptiker mutmaßen? Die Vorstellung, daß eine Gruppe westli­
cher Astronomen im 1 9 . Jahrhundert nach Mali eilte und die astronomischen
Kenntnisse zum Sirius-System in die angeblich so fügsamen Köpfe der Dogon­
Priester einpflanzte, klingt nicht weniger überzeugend als die Idee einer­
tatsächlichen Visite aus dem All. Wissenschaftlern ist es bisher nicht gelungen,
die Rätsel dieses westafrikanischen Naturvolkes zu lösen. Wie haben die Dogon
ihre detaillierten Kenntnisse über das Universum und Besucher vom Sirius
erworben?
Kam das Wissen doch von den Sternen?
V. Teil

WISSEN, DAS
VERLORENGING
»Es ist die Pflicht der Wissenschaft,
nicht einfach Fakten beiseite zu schieben,
weil sie außergewöhnlich erscheinen und
weil sie sich nicht in der Lage sieht, sie zu erklären. «
Alexis Carrel, Arzt, Biologe und Nobelpreisträger ( 1 873- 1 944)
24
Alles schon dagewesen!
Moderne Technologien der Frühzeit am Beispiel
der Ägypter und Chinesen
Erkundungsdrang und Aufdeckungsgelüste sind die Zeichen unserer Zeit. Doch
aus unerfindlichen Gründen (oder womöglich doch mit gezielter Absicht?)
werden rätselhafte Funde verschwiegen, die engagierte Forscher aus dem Wü­
stensand buddelten. Das zeigt sich vor allem am Beispiel der alten Ägypter. In
Tempeln und Grabanlagen gefundene Exponate machen deutlich, daß noch
längst nicht alle Geheimnisse des Pharaonenreiches enträtselt sind. Wie sie ihre
Lehmziegeln herstellten, ist bekannt. Aber bei der Erklärung, wie die Handwer­
ker der Pharaonen aus Leinen und Wolle feinste Stoffe webten oder härtestes
Gestein bearbeitet haben, da beißen sich die zuständigen Historiker die Zähne
aus.
Was ist mit jenen Artefakten, die nachweislich existieren, aber nicht in das
gewohnte wissenschaftliche Dogma passen? Stimmt die Lehrmeinung, wonach
das Wissen der Vorzeit unter jenes zu stellen sei, das uns heute zu eigen ist?
Bildlich gesehen könnte dieses Vorurteil mit einem Berg verglichen werden, auf
dessen Spitze unsere Wissenschaft des 2 1 . Jahrhunderts thtont, während die
Gelehrten aus vorgestrigen Tagen sich noch mehr oder weniger am Fuße dieses
Berges befinden. Etwa so lautet das wissenschaftliche allgemein-gültige Be­
kenntnis. Doch orthodoxe Altertumsforscher berücksichtigen dabei eines nicht:
Daß es im Verlauf der Menschheitswerdung mehrere »Berge« gegeben haben
könnte. Mehrere Höhepunkte und Tiefpunkte im wissenschaftlichen Forschen.
Daß sich Gelehrte aus vergangenen Jahrtausenden kultutell ebenfalls bereits am
» Gipfel« ihres Bemühens befunden haben könnten - und daß sie diesen mühsa­
men Weg im Verlaufe der Geschichte mehrmals gehen mußten.
So hätte beispielsweise der dem schottischen Mikrobiologen Sir Alexander
Fleming 1 945 zuerkannte Nobelpreis in Wahrheit einem unbekannt gebliebe­
nen » Kollegen« aus altägyptischer Zeit gebührt: Penicillin entdeckte man nicht
erst im Jahre 1 928 es war (wie Aureomycin und Terramycin) schon vor vier
-

Jahrtausenden im Pharaonenreich bekannt gewesen. Das wissen wir aus einem


Papyrus der 1 1 . Dynastie. Darin ist von einem Pilz die Rede, der auf stehenden
Wassern gedeiht und für die Behandlung von Verletzungen und langwierigen
offenen Wunden verschrieben wutde.
Das alte Land am Nil besitzt, abseits gewohnter Toutistenrouten, noch eine
große Fülle an erstaunlichen Ausgrabungen, die auf ein geheimes, längst verges­
senes Know-how schließen lassen. Schon die ungelöste Frage nach dem Bau der
Pyramiden sorgt für heftige Kontroversen. Weitere Seltsamkeiten werfen neuer­
lich die Frage auf, ob manche Theorie, die uns von der ägyptologischen Fach­
welt offeriert wird, so richtig ist wie immer wieder behauptet.
Ungewöhnliche Hieroglyphen geben dazu Anlaß. Sie befinden sich im
Sethos-Tempel von Abydos und bereiten den zuständigen Sprachforschen Müh­
sal. Die Gravuren zeigen Gegenstände, die ob ihrer Ähnlichkeiten mit moder­
nen technischen Errungenschaften verblüffen. Die merkwürdigen Darstellun­
gen zieren den Deckenbalken über einem Türfries, das sich im Gang der Allee
des Amun-Re befindet und einen Zugang zum » 1 . Säulensaal« des Tempels
ermöglicht. Das Relief enthält Abbildungen und verleitet unvoreingenomme­
ne, phantasiebegabte Betrachter dazu, Vergleiche anzustellen: »Sieht aus wie « . . .

Eine der Illustrationen »sieht aus wie . . . ein helikopterähnliches Fluggerät«.


Deutlich sind die Rotoren zu erkennen. Rechts daneben - ein »Fahrzeug«; es
sieht aus . . . wie ein KampJPanzer oder ein Kanonenboot. Das Rohr ist nicht zu
übersehen. Darunter: ein stromlinienförmiges »Gefährt« . Es könnte sich dabei
um ein Fluggerät mit Höhen- und Seitenleitwerken oder um eine Art Untersee­
boot handeln. Eine Etage tiefer: ein Gegenstand, der verdächtig einer (auf den
Kopf gestellten) »Schußwaffe« ähnelt. Eine altägyptische Maschinenpistole?
Der an der Universität in Trier tätige deutsche Professor Dr. Erich U7inter
widerspricht einer solchen Auffassung: » . . . für Ägyptologen, die über entspre­
chende Erfahrung auf dem Gebiet der Inschriften verfügen, ist die Frage leicht
zu lösen: Die Ägypter haben oftmals ihre eigenen Inschriften überarbeitet,

Kuriose Hieroglyphen aus dem Sethos Tempel in Abydos, LJ nll,nrQ n


Darstellungen erinnern an 1. einen Helikopter, 2. einen Kampfpanzer und 3. an ein
Unterseeboot. (Foto: Martin Schmidt-Bredow)
indem sie ein versenktes Relief mit einer Stuckschicht überzogen und die neue
Version in die wieder geglättete Fläche einmeißelten. Im Laufe der Zeit fiel der
Stuck ab. Was man heute sieht, sind die übereinander geschriebenen beiden
Versionen, also ein Eindruck, den man zur Zeit der alten Ägypter niemals
hatte.«
Wir sind wieder einmal beim »Zufall« gelandet. Sicher mag es vorkommen,
daß eine Hieroglyphe durch Überarbeitung zufällig ein technisches Erschei­
nungsbild erhält. Unklar bleibt aber, weshalb sich hier gleich eine ganze Gruppe
von Hieroglyphen im modernen Sinn als »Waffensysteme« interpretieren läßt.
Man tut sich schwer, hier bloß an »Zufälle« zu glauben. Erst recht, wenn man
weiß, was in den Überlieferungen der Pyramidentexte steht: Ausgerechnet die
alte Stadt Abydos wird dort als »Kriegsschauplatz der Götter« genannt. Wieder­
um nur eine »zufällige« Übereinstimmung?
Im Ägyptischen Nationalmuseum in Kairo lagern viele beeindruckende
Schätze aus dem geheimnisvollen Reich der Pharaonen. Über die »Luftschraube
aus Sakkara« und die »Schätze des Pharao Tutanchamun« haben wir bereits im
Kapitel 1 . /2 berichtet. Es gibt noch viele andere verblüffende Details, die der
Museumsbesucher leicht übersehen kann. Etwa den Hinweis darauf, daß es im
Altertum bereits Flugzeuge gegeben haben könnte. Dieser phantastische Ge­
danke findet durch das Wüstenwunder von Nazca in Peru sowie die »fliegenden
Amulette« aus Kolumbien, die an moderne Space Shuttles erinnern, seine
Unterstützung. Die »Goldflieger« waren der Ausgangspunkt unserer abenteuer­
lichen Mystery-Reise. In altägyptischen Grabstätten wurden ebenfalls Relikte
gefunden, die großes aerodynamisches Wissen voraussetzen. Es sind Miniatur­
ausgaben von Flugzeugmodellen aus Holz. Eines dieser seltsamen Artefakte
wurde 1 8 98 in einem Grab bei Sakkara in Ägypten gefunden. Es hat eine
Flügelspannweite von ca. 1 8 Zentimetern. Im Ägyptischen Museum in Kairo
wurde es als »Vogel-Statuette« aus
der Epoche um 200 v. ehr. regi­
striert. Seit 1 9 1 9 war das Objekt
inmitten anderer altägyptischer
Vogelmodelle plaziert. 50 Jahre
lang blieb es dort unbeachtet, bis
im Jahre 1 969 der ägyptische Ar­
chäologe und Kunsthistoriker
Prof Dr. Khalil Messiha ( 1 924-
1 998) beim Anblick stutzig wur­
de. Er erkannte, daß das eigenar­
Großaufnahme des pharaonischen Segelfliegers tige Fundstück stark von anderen
(Foto: Dipl. -Arch. Dawoud Khalil Messiha) Vogeldarstellungen abwich: Es
besaß keine Füße und Beine, dafür aber gerade Flügel und eine hochgestellte
Schwanzflosse, die nicht ins bekannte Vogelschema hineinpaßte.
Experten aus dem Flugzeugbau untersuchten den antiken Grabfund. Sie
stellten fest, daß er präzise flugtechnische Merkmale enthält, die normalerweise
nur durch viele Jahre intensiver Luftfahrtexperimente erreicht werden können.
Demnach besitzen die Flügel mit V-förmigen Vorderkanten die gleiche aerody­
namische Form wie moderner Tragflächen. Der senkrecht stehende Schwanz
des Objektes entspricht dem Seitentuder des Leitwerks neuzeitlicher Flugzeuge.
Mehr als ein Dutzend ähnlicher »Segelflieger« sollen in weiteren Gräbern
gefunden worden sein.
Wer war vor über 2200 Jahren der geniale Konstrukteur dieser Miniatur­
Segelflugzeugmodelle? Auf dem prähistorischen Artefakt findet sich eine In­
schrift eingraviert, die vielleicht den Name des Erfinders nennt. Sie heißt »Pa­
Di-Imen«. Eine altägyptische Bezeichnung, die » Geschenk des Amun« bedeutet.
Gott Amun wiederum wurde gemäß der Mythologie als »Herr des Lufthauchs«
verehrt. Er soll den Legenden zufolge mit dem Sonnengott Re eine Symbiose
. .

emgegangen sem.
Auf ein weiteres seltsames Artefakt, daß das technologische Wissen der
alten Ägypter bezeugt, machte uns Dipl.-Archäologe Dawoud Khalil Messiha
aus Kairo aufmerksam. 1 977 fand der Archäologe Perdrizet bei Ausgrabungen
in Bubastis (heute Tell Basta) in Unterägypten ein äußerst rätselhaftes Objekt.
Es ähnelt einer »pharaonischen Turbine« . Der Fundort war in der Antike der
Katzengöttin Bastet geweiht. Das Relikt soll aus der Zeit um 200 v. ehr.
entstanden sein und befindet sich heute im Ägyptischen Museum von Kairo.
Dort wird es im Raum 34 unter der Inventar-Nr. 46 1 0 1 ausgestellt. Dem
Aussehen nach könnte es sich um
den Teil einer Maschine handeln,
die im Zusammenhang mit flüs­
sigkeiten gebraucht wurde. Die
zwei Enden des Objektes haben
eine kreisförmige Aushöhlung, die
gleichförmig durch das Innere des
Zylinders bzw. der Röhre führt.
Ein Blick ins Innere der Vertie­
fung zeigt Rillenspuren, die von
Über den Verwendungszweck dieses Gegenstan­ einem Bohrer stammen könnten.
des wird in Fachkreisen diskutiert. Handelt es Mit Sicherheit läßt sich sa­
sich um eine mechanische Turbine aus der gen, daß der Gegenstand keine
Pharaonenzeit? (Foto: Dipl. -Arch. Dawoud Khalil Vase darstellt, da er auf beiden
Messiha) Seiten offen ist. Auch gibt es kei-
nen Hinweis auf eine rituelle Bedeutung oder den Gebrauch als Amulett. Daß
es sich lediglich um ein dekoratives oder ornamentales Element handelt, ist
ebenso unwahrscheinlich. Eine Laboruntersuchung wäre notwendig, um fest­
zustellen, aus welchem Material das Stück besteht. Handelt es sich bei diesem
merkwürdigen Fund um ein einfaches Getriebe? Könnte der Gegenstand als
hydraulische Turbine Verwendung gefunden haben? Es gibt eine Reihe von
Lösungsvorschlägen zu diesem Gegenstand, die alle mit Bewegung oder der
Übertragung von Bewegungskraft verbunden sind.
Die nur zwölf Zentimeter große »Turbine« ist inmitten der unüberschauba­
ren Fülle gezeigter Museumstücke nicht leicht zu finden. Doch selbst riesige
Statuen, die man nicht übersehen kann, hüten ihr Geheimnis. Etwa die be­
rühmte Dioritstatue des Herrschers Chephren. Sie wirkt besonders imposant. Im
Jahre 1 860 wurde sie im zur Chephrenpyramide gehörenden Taltempel von
dem französischen Ägyptologen Auguste Mariette gefunden.
Der König der 4. Dynastie ist auf dem Thron sitzend mit Faltenrock
dargestellt. Der Falkengott Horus umgibt mit ausgebreiteten Flügeln schützend
das Haupt des Chephren. Der Pharao galt als irdische Verkörperung des himm­
lischen Horus. Rätselhaft ist die Statue deshalb, weil sich die Frage nach der
Bearbeitung stellt. Mit welchen »primitiven« Werkzeugen wurde der Diorit, ein
Gestein von ungeheurer Härte und Widerstandsfähigkeit, bearbeitet? Die übli­
chen, dieser Epoche zugeschriebenen Steinwerkzeuge, Knochen oder andere
weichere Bearbeitungshilfen können eine derartig präzise Musterung nicht
erklären. Wir wissen: Der Diamant ist mit dem Härtewert 1 0 das härteste
Material. Diorit nimmt auf dieser Skala den Wert 8 ,4 ein. Mit heutigen
Diamantbohrern kann Diorit mit einem Pressdruck von 200 Atmosphären
bearbeitet werden. Wie aber waren die Ägypter vor mehr als 4500 Jahren dazu
in der Lage?
Die gleiche Frage stellt sich beim Besuch der elf Kilometer südlich von
Kairo am westlichen Wüstenrand liegenden Ausgrabungsstätte Abusir. Neben
den Überresten von Pyramiden und Sonnenheiligtümern stolpert man hier
über undefinierbare Gesteinsbrocken aus der 5. Dynastie um 2500 v. Chr. Das
Unbegreifliche: Auf und in einigen gut erhaltenen Blöcken aus Granit, Diorit
und Basalt finden sich Gravuren und perfekt bearbeitete Bohrlöcher mit unter­
schiedlichen Durchmessern und Tiefen. Die antiken Bearbeitungen zeigen die
gleichen Rillenmuster, Bearbeitungsspuren und eine erstaunliche Präzision, die
man nur mit modernen Kernbohrungen erreicht. Eine Methode, mit der hartes
Gestein im hohlen Bohrer steckenbleibt und nach außen geführt wird. Selbst
heute sind nur Spezialisten imstande, damit umzugehen. Skeptiker sind deshalb
davon überzeugt, daß die Kernbohrungen in Wirklichkeit aus unserer Zeit
stammen. Ein Einwand, der j edoch nicht besticht. Der englische Archäologe Sir
In der Ausgrabungsstätte Abusir südlich von Kairo weisen Gesteinsbrocken Bearbeitungs­
spuren auf, die nur mit modernen Kernbohrungen erreicht werden können. (Quelle: Sagen­
hafte Zeiten, Schweiz)

Flinders Petrie beschreibt die exakten Bohrlöcher in seinem Buch The Pyramids
and Tempels ojGizeh. Das Werk erschien bereits im Jahre 1 8 83!
Hinweise auf vorgeschichtliche Kernbohrungen und Kreissägearbeiten gibt
es viele. Einige solcher Fundstücke werden im Ägyptischen Museum in Kairo
aufbewahrt und können von aufmerksamen Beobachtern besichtigt werden.
Etwa in einer Glasvitrine im Saal 34. Dort liegt ein kleines schalenförmiges
Gefäß, etwa 1 5 Zentimeter im Durchmesser. Der Gegenstand ist aus hartem
Granit und zeigt wiederum die typischen Bearbeitungsspuren einer Kern­
bohrung, eine in der Mitte und sieben weitere um diese mittlere Vertiefung
herum. Spuren der Bohrwindungen sind deutlich erkennbar. Das kuriose Arte­
fakt wird als »Schlüssel« bezeichnet, j edoch ohne weitere Angaben über Zweck
und Herkunft.
Daß die alten Ägypter erstaunliches Geschick in der Architektur und
Baukunst bewiesen, ist bekannt. Aber auch als clevere Chemiker verblüffen sie.
Ihre Kenntnisse über komplexe chemische Prozesse sind dem heutigen Wissens­
stand durchaus ebenbürtig. Das zeigen neue Analysen französischer Forscher,
die auf 4000 Jahre alten Statuetten Reste von Kosmetika entdeckten. Sie
wurden seinerzeit auf komplizierte Art durch chemische Prozesse, bei denen
sich Bleiverbindungen bildeten, erzeugt. Gefunden wurden Laurionit und Horn­
blei, beides chlorhaltige, oxidierte Bleiverbindungen, die in der Natur sehr
selten vorkommen. Wurden die Bestandteile künstlich hergestellt?
Manchen erstaunlichen Fertigkeiten ist man in den letzten Jahren auf die
Spur gekommen. Mit dem Ergebnis, daß die Verblüffung noch größer gewor­
den ist. Zum Beispiel bei der Frage, wie es den altägyptischen Glasherstellern
vor über 5000 Jahren möglich war, Gefäße und Schmuckstücke mit durchschei­
nend gläsernen türkis- und lapislazuli blauen Überzügen zu versehen.
Man weiß zwar, daß schon um 5 5 00 v. ehr. das Töpfern in Mesopotamien
gelungen war und farbige Oberflächen hergestellt werden konnten, aber die
ersten wirklich glasartigen Glasuren entstanden am Nil. Lange wurde gerätselt,
heute weiß man: die Kunstwerke wurden nicht von Töpfern, sondern von
findigen Steinmetzen geschaffen. Die prachtvollen »ägyptischen Fayencen« sind
nämlich nicht aus Ton. Hergestellt wurden sie aus einem raffinierten Gemisch
von fein zerriebenem Quarzsand, Kalk oder Malachit sowie einem Silikat aus
flußmittel.
Dieses Mineraliengemisch wurde zunächst mit Wasser zu einem Brei ver­
rührt und erhitzt. Der so entstandenen Paste fügte der Handwerker vor dem
Formen noch ein Kupfersalz zu, das sich beim Trocknen des Rohlings als
»Ausblühung« an der Oberfläche abschied. Beim anschließenden Brennen des
Obj ekts schmolz diese Schicht zu einer blauen Glasur.
Eine komplizierte Prozedur, die vor einigen Jahren an wissenschaftlichen
Instituten durch Analysen entschlüsselt wurde. Das Rätsel, wie Steinarbeiter am
Nil vor 5000 Jahren auf dieses Verfahren gekommen waren, bleibt j edoch
ungelöst. War es wieder einmal purer Zufall? War es zielstrebiges Tüfteln? Oder
ein spielerisches Ausprobieren unterschiedlicher Gemische und Brennverfahren,
das schließlich zum Erfolg führte?
Wenn wir in den Museen vor den prachtvollen Kleinoden und filigranen
Kunstwerken stehen, die meisterhafte Handwerker vor Tausenden von Jahren
schufen, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Obwohl aus »primi­
tivem« Material geschaffen, waren Werkzeuge damals so rasiermesserscharf wie
heutige Skalpelle. Gleiches gilt für Klingen und Pinzetten aus Bronze und
Obsidian. In der Medizinwissenschaft standen die Nilbewohner modernen
»Göttern in Weiß« in nichts nach. In den »Zauberformeln für Heilungen«
werden Rezepte erwähnt, die sich auf verschiedene pflanzliche, tierische und
alkalische Substanzen beziehen. Unter den aufgelisteten Arzneien finden sich
allerdings großteils Pflanzenarten, die man bis zum heutigen Tag nicht identifi­
zieren konnte.
In einer Papyrusrolle, die der britische Ägyptologe George Smith entdeckte,
werden Narkosepräparate erwähnt. Nicht weniger als 48 klinische Fälle werden
aufgezählt und eine Beschreibung über den Vorgang der Betäubung damaliger
Patienten. Ebenso geht aus den hieroglyphischen Aufzeichnungen hervor, daß
die Operateure in jener Zeit über die Beziehung zwischen Nervensystem und
I 2 95
Bewegung der Glieder Bescheid wußten. Gleiches gilt für die Ursachen der
Paralyse. Auch die Funktion des Herzens sowie der Arterien war damals geläufig.
Kieferbehandlung und künstlicher Zahnersatz war, wie Mumienfunde aus dem
Tal der Könige bestätigen, ebenfalls nichts Ungewöhnliches.
Erstaunliche medizinische Kenntnisse sind auch aus vorpharaonischer Zeit
belegt. Eine Schieferpalette aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. zeigt eine kuhköpfige
Gottheit, die von Sternen um­
kreist wird und deren erhobene
Arme in Sternen auslaufen. Die
Darstellung der »Himmelskuh«
entspricht exakt heutigen wissen­
schaftlichen Zeichnungen des
Uterus mit Ovarien und Eileitern.
Bemerkenswert ein weiteres
Die Darstellung der ägyptischen Kuh- und Beispiel: Ärztliche Mullbinden
Sternengöttin entspricht im Grundriß genau waren um vieles feiner gewebt und
heutigen wissenschaftlichen Zeichnungen des damit wirksamer als heutige. Ge­
Uterus, der Eileiter und der Ovarien. (Quelle: heimnisumwittert bleiben auch
Doris Wolf; Was war vor den Pharaonen?, manche rund 4000 Jahre alte Klei­
Zürich 1 994) dungsstücke, die mit einem
hauchzarten Stoff aus Wolle und
Leinen gefertigt wurden. Wie die alten Ägypter im einzelnen dabei zu Werke
gingen, ist selbst Ägyptologen weiterhin noch ein Rätsel.
Mysteriös bleibt auch das Auffinden und Verschwinden eines außerge­
wöhnlichen Gegenstandes. Er wurde vor einigen Jahrzehnten in der Oase
Dakhla in der Libyschen Wüste von ägyptischen Archäologen entdeckt. Es
handelt sich dabei um eine Art Spiegel, jedoch nicht im üblichen Sinn. Den
Legenden nach soll es mit seiner Hilfe möglich gewesen sein, »in den Körper zu
blicken« . Das Ding soll wie ein moderner Röntgenapparat funktioniert haben,
versicherte der Kairoer Museumsdirektor und Arzt Dr. Fawsi Soueha einem der
Autoren (R. H.) im Interview. Das geheimnisvolle Relikt ist seit seiner Auffin­
dung aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit verschwunden.
Dazu gibt es eine interessante Parrallele aus dem alten China. Nach der
Behauptung einer chinesischen Sage soll Kaiser Ts'in Shi (25 9-2 1 0 v. Chr.)
einen »Zauberspiegel« besessen haben. Die Legende erzählt, daß es mit diesem
Gerät möglich war, »die Knochen des Körpers zu erhellen« . Trat also ein kranker
Mensch vor dieses 1 ,76 Meter hohe und 1 ,22 Meter breite Gerät, so zeigte sich
darin das Spiegelbild des Patienten - j edoch mit dem Kopf nach unten. Das
Wunderbare an dem Spiegel aber war, daß mit seiner Hilfe sämtliche menschli­
chen Organe sowie die Knochen durchleuchtet werden konnten. Kein Zweifel,
die Sage beschreibt einen altertümlichen Röntgenapparat. Noch im Jahr 206
n. Chr. soll sich diese unglaubliche Apparatur im Palast von Hien Jang in Shensi
-

befunden haben.
Bleiben wir gleich im alten Reich der Mitte. Im alten China begegnen wir
einer wahren Fundgrube an großartigen Erfindungen, die in der westlichen
Welt erst im 1 9 . und 20. Jahrhundert gelangen. Das führte bei Historikern zu
verdutzter Ratlosigkeit.
Im März 1 95 3 machten chinesische Archäologen in der Nähe von Schang­
hai eine erstaunliche Entdeckung. Sie fanden in der prunkvollen Gruft des
Feldherrn Chau Ch'u, der von 265 bis 3 1 6 nach Christus im Land der Mitte
gelebt hatte, eine höchst ungewöhnliche Grabbeigabe - einen Metallgürtel. Der
Gurt war mit 1 7 Ornamenten geschmückt und wurde später mit dem Spektro­
skop untersucht, um
die Zusammensetzung
seiner Legierung zu be­
stimmen. Dabei ergab
sich zweifelsfrei : Die
Legierung bestand zu
zehn Prozent aus Kup­
fer, zu fünf Prozent aus
Magnesium, jedoch zu
85 Prozent aus Alumi­
nium. Eigentlich ein Einen Metallgürtel aus einer Aluminium-Legierung fanden
Ding der Unmöglich­ Archäologen in einem 1 700 Jahre alten chinesischen Grab.
keit. Denn das Leicht­ (Foto: Archiv Reinhard Habeck)
metall kann nur mit
Hilfe eines Elektrolyseverfahrens aus Bauxit gewonnen werden. Dazu sind aber
Temperaturen notwendig, die tausend Grad und mehr übersteigen. Für Wis­
senschaftler des 20. Jahrhunderts kein Problem. Aluminium ist uns seit dem
Jahre 1 827 bekannt. Welche Produktionsverfahren besaßen die Chinesen im
dritten Jahrhundert, um Metallverschmelzungen herzustellen? Mit welchen
Methoden konnten bereits damals dermaßen hohe Temperaturen erzeugt wer­
den? Chinesische Wissenschaftler, so der Direktor des Archäologischen For­
schungsinstitutes in Peking, Professor Xia Nai, zeigten sich in gewisser Weise
ratlos. Seine Annahme: Der in mehrere Teile zerbrochene Gürtel sei vielleicht
erst viel später - »durch einen Räuber« - in die Gruft gelegt worden. Man fragt
sich allerdings, weshalb Grabräuber ausgerechnet die Gruft des Generals Cou
Ch'u um einen wertvollen Gegenstand bereichert haben sollten, wo sie doch zu
allen Zeiten stets auf Beute aus waren?
Aluminium ist als guter elektrischer Leiter bekannt. Auch wenn es für
1 297
Altertumsforscher unglaublich und skurril erscheinen mag, die Vermutung liegt
nahe, daß die alten Chinesen, ebenso wie dies bei anderen Kulturkreisen
nachgewiesen werden konnte, über gewisse Kenntnisse auf dem Gebiet der
Elektrizität verfügt haben müssen - Kenntnisse, über die wir Abendländer erst
seit rund 1 70 Jahren verfügen. China-Reisende haben immerhin die Möglich­
keit, ein Gürtelteil im Historischen Museum von Nanking und die zweite Hälfte
im Historischen Museum von Peking zu besichtigen. Den Chinesen gelangen
Erfindungen und Entdeckungen Jahrhunderte und Jahrtausende bevor sie im
Westen bekannt wurden.
Das zeigen auch Gegenstände, die wohl zu den merkwürdigen Erfindungen
der Welt gehören: die magischen Spiegel der Chinesen (wir kennen sie ebenso aus
Japan, übernommen nach chinesischem Vorbild) . Ihre Herkunft ist unbekannt.
Auf der Spiegelrückseite befinden sich in Bronze gegossene Symbole, Bilder und
seltsame Schriftzeichen. Die spiegelnde Vorderseite ist nach außen gewölbt und
besteht aus polierter, glänzender Bronze. Die Gegenstände sehen wie ganz
normale Spiegel aus. Sie funktionieren unter den meisten Lichtverhältnissen,
und niemand würde eine »Magie« dahinter vermuten. Hält man sie j edoch ins
grelle Sonnenlicht, scheint die spiegelnde Vorderseite plötzlich durchsichtig zu
werden. Lenkt man dann das reflektierte Sonnenlicht auf eine dunkle Wand, so
erscheinen dort die Muster oder die Schriftzeichen von der Rückseite des
Spiegels. Die massive Bronze ist auf geheimnisvolle Weise irgendwie durchlässig
geworden - bei den Chinesen nennt man sie deshalb »lichtdurchlässige Spie­
gek
Aber wie ist das möglich? Da massive Bronze nicht durchlässig sein kann,
muß wohl ein Trick im Spiel sein. Immerhin ein so guter Trick, daß westliche
Wissenschaftler erst 1 932 die erste zufriedenstellende Erklärung für die Funkti­
on des magischen Spiegels vorlegen konnten. Demnach zeigen sich auf der
spiegelseitigen Oberfläche durch präzise Bearbeitung und durch erzeugte
Materialspannungen kleine Unebenheiten, die exakt dem Muster auf der Rück­
seite entsprechen. Diese winzigen Details sind für das bloße Auge nicht sichtbar.
Lenkt man mit so einem Spiegel nun helles Sonnenlicht auf die Wand, so zeigt
das Abbild aufgrund des Vergrößerungseffektes die Umrisse der Darstellungen
auf der Rückseite. Es entsteht der Eindruck, als ob die Spiegeloberfläche
lichtdurchlässig sei. Allerdings setzt dies ein präzises Verständnis der Fein­
struktur metallischer Oberflächen voraus. Für das 5 . Jahrhundert mehr als
erstaunlich.
Dem englischen Historiker Joseph Needham ist es zu verdanken, daß in den
letzten Jahrzehnten immer deutlicher wurde, welch riesiges technisches und
naturwissenschaftliches Wissen die alten Chinesen besaßen. Der bekannte
Wissenschaftsautor und Orientalist Robert K G. Temple, ein Landsmann von
Needham, hat in seinem Buch Das Land derfliegenden Drachen einen Überblick
der 1 00 erstaunlichsten chinesischen Erfindungen zusammengestellt. Durch­
weg Errungenschaften, die von der westlichen Welt erst viele Jahrhunderte
später übernommen oder wiederentdeckt wurden. Zu diesem genialen Know­
how der Himmelssöhne zählen Entdeckungen und Erfindungen wie:
der Eisenpflug (6. Jh. v. ehr. - im Westen 2200 Jahre später) ,
Wahrnehmung von Sonnenflecken als Naturerscheinung (4. Jh. v. ehr. - im
Westen 2000 Jahre später) ,
Tiefbohrungen nach Erdgas ( 1 . Jh. v. ehr. - im Westen 1 900 Jahre später) ,
das Grundprinzip der Dampfmaschine (5 . Jh. n. ehr. - im Westen 1 200
Jahre später) ,
Lack als erster »Kunststoff« ( 1 3. Jh. v. ehr. - im Westen 3200 Jahre später) ,
Erdöl und Erdgas als Brennstoffe (4. Jh. v. ehr. - im Westen 2300 Jahre
später) ,
biologische Schädlingsbekämpfong (3. Jh. n. ehr. - im Westen 1 600 Jahre
später) ,
der Blutkreislauf(6. Jh. v. ehr. - im Westen 1 800 Jahre später) ,
das Dezimalsystem ( 1 4 . Jh. v. ehr. - im Westen 2300 Jahre später) ,
. genauere Berechnungen der Kreiszahl »Pi« (3. Jh. n. ehr. - im Westen 1 200
Jahre später) ,
der Kompaß (4. Jh. v. ehr. - im Westen 1 500 Jahre später) ,
der Seismograph ( 1 30 n. ehr. - im Westen 1 400 Jahre später) ,
Drachenfliegen (4. Jh. v. ehr. - im Westen 1 650 Jahre später) ,

In Asien war eine ganze Reihe


von Erfindungen Jahrhunderte
früher bekannt, ehe sie im
europäischen Westen »wieder­
entdeckt« wurden. Der Seismo­
graph zum Beispiel wurde in
China um 130 n. Chr. erfunden.
Im Westen wurde er erst 1400
Jahre später entwickelt. (Foto:
Archiv Autoren)
· Miniatur-Heißluftballons (2. Jh. v. ehr. - im Westen 1 400 Jahre später) ,
Helikopterschraube und der Propeller (4. Jh. n. ehr. - im Westen 1 500
Jahre später) ,
chemische Kriegsfohrung, Giftgas, Rauchbomben und Tränengas (4. Jh. v.

ehr. - im Westen 2300 Jahre später) ,


Schießpulver (9. Jh. n. ehr. - im Westen 300 Jahre später) ,
mehrstufige Raketen ( 1 4. Jh. n. ehr. - im Westen 600 Jahre später) .

Die Liste dieser erstaunlichen Erfindungen, nicht nur aus dem Reich der Mitte,
ließe sich durchaus noch weiter fortsetzen. Offenkundig haben wir Menschen
des Atomzeitalters das Wissen alter Völker bisher gewaltig unterschätzt. Wir
werden umdenken müssen.
25
Licht für den Pharao
Elektrischer Strom im alten Ägypten

Es hat den Anschein, daß von dem kundigen Wissen unserer Ahnen nurmehr
Fragmente erhalten geblieben sind. Ihr Sinn und Zweck bleibt uns oftmals
unergründlich. Rätselhafte Funde der Menschheitsgeschichte, die, obwohl sie
inzwischen in Vergessenheit gerieten, einstmals Realität waren.
Ein Kuriosum dieser Art ist ein Tonteller aus Guatemala. Er stammt aus der
toltekischen Epoche. In der Mitte ist ein Gesicht abgebildet. Der Tellerrand
hingegen zeigt ungewöhnliche Verzierungen. Wenn man nun den inneren Kreis
mit dem Kopf abdeckt, wird der Eindruck eines schematischen Aufbaus einer
elektrischen Apparatur vermittelt. Details zum Betrieb sind erkennbar: die
Kohlen, Ankerschuhe, Kupfer­
wicklungen sowie Ein- und Ausgän­
ge der Leitungen. Der schwedische
Ingenieur Reinhold Carleby beschäf­
tigte sich eingehend mit der
Tolteken-Gravur. Das Ergebnis: Der
alte Teller zeigt den Grundriß eines
Elektromotors! Carleby vermutet,
daß die Teller-Gravur nach weit äl­
teren Konstruktionszeichnungen
oder nach einem Modell angefertigt
worden sei. Daß die Gravur offen­
bar eine entsprechende Konstrukti­
onszeichnung darstellt, konnte
Carleby belegen, indem er ein Mo­ Dieser Tonteller aus Guatemala zeigt am Rand
dell davon anfertigte. Das Ergebnis Verzierungen, die der schematischen Grund­
war ein funktionierender Elektro­ lage eines Elektromoters entsprechen.
motor. Für Skeptiker bleibt der bi­ (Foto: Erich von Däniken)
zarre Fund freilich dennoch nur ein
»Verzierter Tonteller« .
Zu diesem Beispiel paßt der im Museo Regional in Oaxaca (Mexico) ausge­
stellte zwölf Zentimeter hohe goldene Anhänger des Totengottes Mictlantecuhtli
der Mixteken. Er wurde als Grabbeigabe nahe Monte Alban in Südmexiko
gefunden und soll zwischen 700 und 1 300 n. Chr. entstanden sein. Die
Brustplatte zeigt eine fremdartige und technisch anmutende Ornamentik. Was
sollte damit dargestellt werden? Lediglich
eine Laune des Künstlers? Oder war dazu
eine uralte, technische Vorlage vorhanden?
Tatsächlich läßt sich die ungewöhnliche
Brustverzierung als integrierter Schaltkreis
deuten.
Ähnlich wunderliche Fundsachen, die
mit elektrischen Kenntnissen im Altertum
zu tun haben, finden wir in vielen Kulturen
rund um den Erdball. Auf das Beispiel der
Huaxteken aus Mexiko und ihr Galvanisierer
sowie auf die 2200 Jahre alte Trockenbatte­
rie aus Bagdad, die nach dem galvanischen
Prinzip funktioniert und zum Vergolden von
Götterfiguren verwendet wurde, haben wir
bereits im 1 . Teil verwiesen.
Brustornamente auf einer Gold­ Möglicherweise waren aber die Parther
miniatur des mixtekischen Todes- und die Huaxteken nicht die Pioniere der
gottes Mictlantecuhtli erinnern an Batterieherstellung gewesen, und sie müs­
einen elektrischen Schaltkreis. sen sich den Ruhm als meisterhafte Galva­
(Foto: Bernhard Moestl und Autoren) niseure mit einem Kulturvolk teilen, das
einige Jahrhunderte vor ihnen existierte -
den Babyioniern. In verfallenen Behausungen babylonischer Alchimisten wur­
den nämlich in der Zwischenzeit ähnlich aussehende Geräte wie die im iraki­
schen Ktesiphon oder Seleukia gefundenen. »Die Zeit, in der das galvanisierte
Material entstand, ist mit dem Jahr 2000 vor Christi Geburt anzugeben«,
notierte der Sachbuchautor
und Spezialist für Grenzwis­
senschaften Andrew Tomas in
seiner Veröffentlichung Wir
sind nicht die ersten, und er­
gänzte: » . . . das heißt, sie wa­
ren 2000 Jahre älter als die
keramischen Zellen aus der
Partherzeit.« Tomas faßte zu­
sammen: »Man sollte hier
erwähnen, daß Elektroplat­
tieren und Galvanisieren erst
im ersten Teil des 1 9 . Jahr- Elektrische Batterie aus der Parther-Zeit um 200 v. ehr.
hunderts eingeführt wurden. (Foto: Archiv Autoren)
Wieder einmal ein Beweis dafür, daß ein gewisses technologisches Verfahren,
das vor viertausend Jahren angewendet wurde, in der Neuzeit neu entdeckt
werden mußte.«
Ob j edoch die Babylonier wirklich die ersten waren, die die technische
Handhabung mit elektrischen Zellen beherrschten, ist dennoch ungewiß. Über
Batterien des Altertums finden sich nämlich noch weit ältere Quellen. Ein
Abschnitt aus einer alten indischen Schrift beispielsweise - dem Kumbhadbawa
Agadsyonumi - informiert darüber. Das Erstaunliche daran: Die Texte beziehen
sich auf Ereignisse, die 7000 Jahre zurück in unserer Vergangenheit liegen. In
der Anleitung zur Erzeugung von elektrischem Strom heißt es dazu zeitgemäß
formuliert: »Nachdem man ein Stück reines Kupfer in einen wasserdichten
Tonkrug gelegt hat, dessen Öffnung nach oben zeigt, pflegt man Stücke von
Kupfersulfat sowie Vitriol hineinzulegen, das blau wie der Nacken eines Pfaues
ist. Dann wird der Krug mit Sägespänen gefüllt und obenauf ein Zinkblock
gelegt, der mit Quecksilber eingerieben ist. Mit dieser Verbindung wird eine
Kraft namens Mitra erzeugt, und das Licht, welches durch Verbindung von
Zink und Kupfer entsteht, wird auch Mitra genannt. Eine Verbindung von
hundert solcher Tonkrüge ergibt eine sehr starke Kraft.«
Gewisse Anhaltspunkte, wonach auch die Pharaonenpriester die Kunst des
Galvanisierens beherrscht haben könnten, sind uns historisch überliefert. Schon
in der berühmten orientalischen Märchensammlung von Tausendundeiner Nacht
finden sich Hinweise. Gemeint ist die Erzählung von Aladins Wunderlampe.
Mit ihr sollen »Schätze« hervorgezaubert worden sein. Der Text spricht auch
davon, daß es Aladin mit Hilfe der Zauberlampe gelungen sei, verschiedene
Objekte zu vergolden. Ebenso wurden der schönen Kleopatra solche magischen
Kräfte nachgesagt. Wäre es denkbar, daß hier ebenfalls elektrische Vorgänge im
Spiel waren? Etwa solche, wie wir sie heute in Verbindung mit der Galvanisie­
rung von Gegenständen kennen?
Es gibt noch andere interessante Quellen, die auf antike Leuchtkörper
schließen lassen. Im 2. Jahrhundert n. Chr. besuchte der griechische Chronist
Lukian ( 1 20-1 80) die Stadt Hieropolis (Syrien) . Im Tempel der Göttin Hera
sah er eine Art »leuchtenden Edelstein«, gespeist aus einer »magischen« Energie­
quelle, die den heiligen Innenraum in ein strahlendes Licht tauchte. In der Zeit
des oströmischen Kaisers Justinianus J (527-565 n. Chr.) soll in Antiochia
(Syrien) eine immerwährend strahlende Lampe gestanden haben. Im 7. vor­
christlichen Jahrhundert brachte dem griechischen Historiker Pausanias (2. Jh.
n. Chr.) zufolge Roms König Numa Pompilius eine »ewig brennende Leuchte«
in der Kuppel eines Tempels an. Der Heilige Augustus (354-430 n. Chr. ) ,
Philosoph und Kirchenlehrer, berichtet von einer »Zauberlampe«, die ununter­
brochen in einem heidnischen Isis-Tempel Helligkeit gespendet habe. Wind
und Wetter vermochten diesem Licht nichts anzuhaben. Auch über den Magier
Virgilius wird erzählt, er habe in der Mitte der Stadt Rom einen Pfeiler errichtet
und eine »große gläserne Lampe (!) angebracht, die immerzu brannte, ohne
auszugehen«. Kaiser Nero indes besaß eine grünscheinende magische
Kristalllampe, mit der er einen Raum seines Palastes ausleuchtete.
Ähnliche »Wunderlampen« soll es in Ägypten gegeben haben. Der Natur­
forscher Athanasius Kirchner ( 1 60 1 - 1 680) notierte den Fund einer »brennen­
den Lampe« in den unterirdischen Gewölben der altägyptischen Hauptstadt
Memphis. Selbst noch in der arabischen Literatur scheint sich die Erinnerung
an die elektrotechnische Vergangenheit Ägyptens niedergeschlagen zu haben.
Murtadi schreibt beispielsweise über wunderbare Lichteffekte, die die Magier
Ägyptens hervorrufen konnten, wenn sie ihr Gesicht »wie die Sonne leuchten«
ließen.
Daß es bereits im Altertum technische Experimente mit Stromquellen
gegeben haben müßte, darüber weiß auch der j üdische Okkultist Eliphas Llvi in
seinen Schriften zu berichten. Levi erzählt von der Macht der ägyptischen
Priesterschaft, die in der Lage gewesen sein soll, Tempelbauten ebenso »in
Wolken zu hüllen« wie auch »in überirdischer Klarheit« erstrahlen zu lassen.
Tagsüber sei es im Umkreis »plötzlich dunkel, in der Nacht manchmal taghell«
geworden. Lampen hätten sich plötzlich »von selbst entzündet« und Götterbil­
der seien erstrahlt.
Wir schreiben solche Überlieferungen gerne den Utopien von Dichten des
Altertums zu. Doch die Analyse der Elektrobatterien aus vorchristlicher Zeit hat
gezeigt (auch wenn ein solches Zeugnis eines einst vorhandenen technologi­
schen Wissens für manchen Altertumsforscher nur schwer zu akzeptieren ist) ,
daß man bereits in der Frühgeschichte Kenntnisse im Umgang mit Elektrizität
hatte.
Die geschichtliche Lehrmeinung, wonach nämlich erst seit dem Jahre 1 820
durch den Dänen Hans Christian Örsted die Wirkung des elektrischen Stroms
bekannt wurde, läßt sich durch eine Vielzahl von Quellen und Funden widerle­
gen. Eine heiße Spur führt, wie so oft, in das Land der Pharaonen - nach
Ägypten. Besaßen die alrägyptischen Priester - Wissenschaftler zu ihrer Zeit -
bereits Geräte, um künstlich erzeugte Energie nutzbar zu machen? Glühbirnen­
ähnliche Leuchtkörper im alten Ägypten? Ist so etwas vorstellbar? Gibt es
stichhaltige Belege für diese phantastische Behauptung?
Fragen, die einer der Autoren (R. H.) seit 1 979 bereits in mehreren
Publikationen ausführlich behandelt hat, u. a. gemeinsam mit Peter Krassa in
dem 1 992 erschienenen Sachbuch Das Licht der Pharaonen - Hochtechnologie
und elektrischer Strom im alten Ägypten. Anregung für die Studie lieferten
mysteriöse Wandreliefs im ägyptischen Hathor-Tempel von Dendera, der sich
60 Kilometer nördlich von Luxor befindet. Der Haupttempel fiel mehrmals in
seiner langen Geschichte Zerstörungen zum Opfer, wurde immer wieder aufge­
baut, zuletzt in ptolemäischer Zeit um 1 00 v. Chr. Die von dem deutschen
Ägyptologen Hans Dümichen im Jahre 1 877 aufgezeichnete »Bau urkunde von
Dendera« reicht j edoch in ihren Ursprüngen bis zum Beginn der ersten
Pharaonendynastien um 3000 v. Chr. zurück. Der Haupttempel, Rest eines
gewaltigen Tempelbezirkes, ragt im übrigen nur zu zwei Fünfteln über die
Erdoberfläche hinaus. Unterhalb des Wüstenbodens befinden sich zwölf enge
Krypten, die auf drei Stockwerke aufgeteilt wurden und von bis zu zwei Meter
dicken Mauern umschlossen sind. Was immer anno dazumal darin aufbewahrt
worden sein mag, es muß sehr wichtig und wertvoll gewesen sein und wurde vor
unbefugten Blicken geheim gehalten.

Reliefs im ägyptischen Hathor- Tempel von Dendera lassen sich elektrotechnisch deuten.
(Foto: Reinhard Habeck, Peter Krassa)

Vor mehr als zwei Jahrzehnten reiste einer der Autoren (R. H.) das erste Mal
nach Dendera, um mehr über das Mysterium des Tempels und seine erstaunli­
chen Reliefdarstellungen in Erfahrung zu bringen. Ein Abstieg in die Unterwelt
des Hathor-Heiligtum lohnt sich. Was man dort an rätselhaften Wandreliefs zu
sehen bekommt, interessierte anno 1 980 kaum jemand. Es war zu diesem
Zeitpunkt auch wenig darüber bekannt. Der Hathor-Tempel war für Ägypten­
reisende kein vorrangiges Ziel, kaum ein Reisebüro hatte Dendera auf der
.
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B esuchsliste und wenn
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doch, dann gab es keine
Hinweise darauf, was sich
an ominösen Bildwerken in
den unterirdischen Krypten
befand. Inzwischen hat sich
vieles gewandelt. Besucher
bekommen Einzigartiges zu
sehen, das weder in Ägyp­
ten noch sonstwo ein Ge­
genstück findet: Darstellun­
gen menschlicher Gestalten
neben blasenförmigen Ge­
bilden, die auch ohne aus­
ufernde Phantasie an über­
dimensionale Glühbirnen zu
erinnern vermögen. Inner­
halb dieser birnenartigen
Objekte sind Schlangen zu
sehen, die sich wellenför­
mig fortbewegen.
Sollten hier elektrische
Endadungen symbolisiert
werden? Man gewinnt den
lITTrnTfITI"1 I'T ITTTI Eindruck. Denn die Schlan­
gen entspringen j eweils aus
der mittleren Spitze einer
Lotosblume. Physikalisch
vollkommen richtig darge­
stellt, weil auch bei moder­
Übersicht der wichtigsten »G/ühbirnen«-Darstellungen nen Birnenfassungen dort
aus dem Hathorheiligtum (Abbildung: Reinhard Habeck, die Feldstärke in der Mitte
Peter Krassa) am größten ist. Somit könn-
te auch die Lotosblume als
Fassung fungieren. Von dort aus führt ein kabelartiger Schlauch zu einem
rechteckigen Behälter, der an eine Art Energiespeicher denken läßt. Auf ihm
kniet eine Figur, die den Luftgott Schu zeigt. Ein Hinweis auf ionisierte Dämp­
fe? Gestützt werden die lampenartigen Gebilde meist von sogenannten Djed­
Pfeilern mit zwei armähnlichen Gebilden, die auf einigen Abbildungen in
Berührung mit den Schlangen stehen.
3 06 1
Der klassischen Ägyptologie gelang es nie, diese seltsamen »Säulen«, welche
schon in den ältesten Gräbern um 3000 v. Chr. auftauchen, logisch und
glaubwürdig zu interpretieren. Vage spricht man dort entweder von einem
»Symbol für Beständigkeit« , einem »vorzeitlichen Fetisch«, einem »entlaubten
Baum« , einem »mit Kerben versehenen Pfahl« beziehungsweise von einem
»Fruchtbarkeitszeichen« . Fest steht, daß der Begriff »Djed« stets mit »Beständig­
keit«, »Dauer« und »Kraft« zu tun hatte. Die frappierende Ähnlichkeit dieser
Stützen mit modernen Hochspannungsisolatoren scheint kein Zufall zu sein.
Jedes auf den Reliefs gezeigte Detail hat seine bestimmte Funktion. Energie
spielt dabei j eweils eine besondere Rolle. Die Gestalten unterhalb der Birnen
könnten der symbolische Ausdruck für Spannung sein, während die knieenden
Männer als entgegengesetzte Spannung zwischen Lotosblume und »Djed-Pfeiler­
Arme« erklärt werden könnten. Besondere Bedeutung muß auch der Abbildung
des Wissenschaftsgottes Thot beigemessen werden, berichtet doch die Überliefe­
rung, er sei einst mit einer »Lotosblume« vom Himmel gestiegen und habe den
Menschen das »Licht« zurückgebracht. Auf den Reliefs in Dendera hält der
Paviangott drohend zwei Messer in den Händen. Sollte damit auf die Gefähr­
lichkeit des gezeigten Phänomens, j ene der Elektrizität, hingewiesen werden?
Das Hathor-Heiligtum birgt noch weitere Geheimnisse, ist doch darin
beinahe jede Fläche, selbst die kleinste, mit Hieroglyphen und Abbildungen
ausgefüllt: Ein faszinierendes steinernes »Dokument«, dazu errichtet, Wissen zu
übermitteln. Wissen, das offensichtlich auch elektrische Vorgänge widerspiegelt.
Um all diese Informationen technisch besser filtern zu können, wäre es notwen­
dig, sämtliche Darstellungen Denderas neu zu analysieren. Bisher hatten Lin­
guisten größte Schwierigkeiten bei der Übersetzung. Damals hatte sich die
Priesterschaft einer Art Geheimschrift bedient, ähnlich modernen Wissen­
schaftlern, die heute dem Laien zumeist unverständliche Computerfachbegriffe
als »Geheimsprache« benutzen. Zudem hat sich das Schriftbild insgesamt im
Laufe der Jahrtausende immer wieder verändert. Worte haben oft eine mehrfa­
che Bedeutung.
Im Jahre 1 869 veröffentlichte der französische Dendera-Pionier Auguste
Mariette in einem fünfbändigen Werk seine Aufzeichnungen über den Hathor­
Tempel. Daß Mariette den tatsächlichen Sinn der einzelnen Darstellungen
nicht verstand, darf ihm nicht übelgenommen werden. Erst 1 87 1 war dem
Amerikaner Thomas Alva Edison die Entwicklung der Glühbirne geglückt - für
den eifrigen Zeichner in den Katakomben der Göttin Hathor bestanden vor­
dem keine Vergleichsmöglichkeiten. Elektrizität spielte in der Welt des Auguste
Mariette keine Rolle; er arbeitete wohl im Schein einer Öllampe. »Wenn auch
Mariette zu jener Zeit in diesen Zeichnungen nichts Vernünftiges erblicken
konnte«, vermerkt der Däne Brunes treffend, »so ist es doch verwunderlich, daß
man heutzutage dieses eigenartige Bildmaterial nicht neu zu deuten versucht
hat, denn mit unseren Kenntnissen von Elektrizität und elektrischen Prozessen
braucht man nicht viel Phantasie, um in diesen Darstellungen die Kraftquelle
Elektrizität wiederzuerkennen«.
Der österreichische Ägyptologe Dr. Erich Winter gestand offen ein, daß »die
Bedeutung der Dendera-Szenen noch weitgehend im Dunkeln liegt« . Weniger
zimperlich mit Deutungsversuchen war der Ägyptologe Hermann Kees, der in
den präzisen Bilddokumenten
»5chlangensteine« erkannt ha­
ben will. Der Kairoer Ägyp­
tologe Professor Abd el Malek
Ghattes meinte hingegen, es
handle sich um »Zeichen für
die Ewigkeit«. Dr. Helmut
5atzinger vom Wiener Kunst­
historischen Museum bot die
1 Priester 2 ionisierte Dämpfe 3 elektrische Entladung (Schlange)
4 Birnenfassung (Lotos) 5 kabelartiger Strang (Lotosstengel) »50nnenbarke« als »einleuchten­
6 Luftgott 7 Isolator (Djed·Pfeiler) 8 Lichfbringer Thot mit Messern
9 Ausdruck für . Spannung« 10 entgegengesetzte Spannung
de« Erklärung an. Seine Assi­
(Haarpolarität +) 11 Energiespeicher (elektrostatischer Generator ?)
stentin Dr. E/friede Haslauer sah
Darstellungsaufgliederung eines Wandreliefs aus in den Wandreliefs dagegen
Dendera (Abbildung: Reinhard Habeck, Peter »Die Geburt eines Gottes, der in
Krassa) 5chlangengestalt - auf der Lo­
tosblüte - aus der Urflut auf
taucht. « Später ergänzte Haslauer unschlüssig: »Die abgebildeten Schlangen
könnten aber auch als Tempelwächter in Angriffistellung interpretiert werden. «
Andere Fachgelehrte sehen darin lediglich »Kulterscheinungen« oder »Phantasie­
produkte«.
All dies sind Antworten, die einem die Widersprüchlichkeit verschiedener
Deutungsversuche vor Augen führen. Mit bestem Willen lassen sich hier keine
sinnvollen Zusammenhänge feststellen. Zuweilen wird sogar die Auffassung
vertreten, religiöse Darstellungen in Tempeln und Gräbern seien nicht geschaf­
fen worden, um zu informieren, sondern um zu wirken. Angesichts der
Hieroglyphenwände oberhalb und unterhalb der Hathor-Kultstätte, wo aus­
nahmslos alle Flächen sinnvoll zur Informationsübermitdung ausgenutzt sind,
eine Auffassung von eher geringem Wahrscheinlichkeitswert.
Gibt es plausible Gründe, weshalb sich die Ägyptologie (obwohl unterein­
ander durchaus uneinig) an dogmatisch anmutende Anschauungen klammert?
Weshalb verschließt man die Augen vor Darstellungen, bei denen zumindest die
Feststellung erlaubt sein müsste: »Sieht aus, wie . . . « ?
I n jüngster Zeit wird von ägyptologischer Seite ein neuer »Lösungsvor-
schlag« ins Spiel gebracht, wonach die blasenförmigen Gebilde »verschiedene
Vorstellungen vom Sonnenlauf< wiedergeben. Ist damit endlich alles sonnenklar?
Zweifel sind berechtigt. Dennoch fällt positiv auf, daß nach einer langen
Odyssee der widersprüchlichsten »Erklärungen« nun eine weitere vorliegt, die
immerhin einräumt, daß die Darstellungen etwas mit »Licht« (»Sonne«) zu tun
haben müssen. Sie zeigen jeweils einen »bestimmten Sonnen-Zyklus«, heißt es.
Der Elektro-These folgend, machen die Abbilder unterschiedliche Formen
einer elektrischen Entladung sichtbar, vom abgeschalteten Leuchtkörper bis zur
vollen Leuchtkraft. Wer weiß, vielleicht nähern sich die unterschiedlichen
Betrachtungsweisen einander doch noch an?
Manche Autoren und Forscher, die mittlerweile auf die Reliefs aufmerksam
wurden, sprechen von »Sexualsymbolen«, von der »Schlangenkraft Kundalini«,
»antiken Bohrmaschinen« oder von »Transportgeräten« . Besonders abstrus die
Behauptung einiger Science-Fiction-Träumer, die es sogar schaffen, die Unlogik
mancher offiziell-ägyptologischer Interpretationen noch weit zu überbieten.
Etwa mit der »Erleuchtung«, daß die Darstellungen als »wichtigster Teil eines
außerirdischen Raumschiffes und Kondensator kosmischer Energie« angesehen wer­
den müssen. Auch von solchem Unsinn möchten wir uns eiligst distanzieren.
Ganz im Gegensatz zur ägyptologischen Betrachtungsweise stehen die
Studien des Wiener Elektrofachmannes Dipl. -Ing. Walter Garn. Der Proj ektlei­
ter eines großen österreichischen Industriekonzerns hatte vordem nie etwas von
Dendera gehört, bis ihm Fotos der Wandreliefs aus Ägypten vorgelegt wurden:
»Ich war durch die Art der Darstellungen sofort frappiert. Die Djed-pfeiler
sehen genauso aus wie moderne Hochspannungsisolatoren. Die Schlangen
dürften elektrische Funken oder leuchtende Gasentladungen sein, die unter
Hochspannung aus den
Spitzen der Lotosblüten
austreten. Ohne elementa­
re Kenntnisse der Elekro­
technik wäre eine solche
Zeichnung nicht möglich.
Es stimmt einfach zuviel
überein!«
Mehr noch: Walter
Garn rekonstruierte getreu
den altägyptischen Vorbil­
dern ein funktionstüchtiges Elektrofachmann Dipl. -Ing. Walter Garn baute ein
Modell! Das Garn-Modell funktionstüchtiges Leuchtkörper-Modell nach Vorlagen
entspricht einem 40 Zen­ aus dem ägyptischen Tempel von Dendera.
timeter langen Glaskörper, (Foto: Reinhard Habeck)
sein Durchmesser beträgt an der stärksten Stelle zwölf Zentimeter. Beide Enden
sind mit Harz vergossen, wobei eine Plattenelektrode auf der einen und eine
Metallspitze auf der anderen Seite eingegossen wurde. Die Herstellung kompli­
zierter Glaskörper war den alten Ägyptern, wie man inzwischen erkannte,
durchaus geläufig. Ingenieur Garn folgerte daher schlüssig: »Evakuiert man eine
Glasbirne, wo zwei Metallteile hineinreichen, so tritt bereits bei wesentlich
niedrigeren Spannungen, je nach Größe des Glasballons, eine Entladung auf.
Bei einem Druck von 40 Torr (40 mm Hg = gemessene Einheit auf der
Quecksilbersäule) schlängelt sich ein Leuchtfaden - wie eine Schlange - von
einer Elektrode zu der zweiten. Wird weitere Luft aus der Birne evakuiert, so
verbreitert sich die Schlangenlinie, bis sie zuletzt die gesamte Glasbirne ausfüllt.
Dies geschieht analog zu den Darstellungen der Reliefs im Hathor-Tempel.«
Wie aber war es der Priesterschaft möglich gewesen, die Luft aus den
»Birnen�� zu saugen, um einen möglichst kleinen Druck zu erzeugen? Die
Antwort darauf wurde uns ebenfalls optisch im Hathor-Tempel überliefert. Auf
einem Relief sind vier Männer dargestellt, die aus einer Vorrichtung Flüssigkeit
(vermutlich Wasser) spritzen. Walter Garn: »Wir wissen heute, daß man mit
sogenannten Ejektoren (Strahl- bzw. Wasserpumpen) relative hohe Vakua er­
zeugen kann, speziell dann, wenn die Pumpen in Kaskaden (Reihenschaltung
gleichartiger Teile) vorliegen. «
»Experiment gelungen!« könnte man abschließend z u der Glühbirnen­
konstruktion Ingenieur Garns vermelden. Bestimmt wäre es aufschlußreich,
sich auch weiterhin der Hathor-Kultstätte und ihren einzigartigen Bilddoku­
menten wissenschaftlich anzunehmen. Die bisherige Untersuchung hat j eden­
falls gezeigt, daß eine technisch-physikalische Interpretation möglich ist. Mehr
Mut zu einer neuen Betrachtungsweise wäre wünschenswert. Das gesamte
Material, Texte und Bilder, müßte sowohl von ägyptologischer als auch von
technischer Seite untersucht werden.
Über die Hieroglyphen, die die eigentlichen »Glühbirnendarstellungen«
umgeben, war bis vor wenigen Jahren wenig bekannt. Dies lag insbesondere
daran, daß die Schrift in Dendera, wie bereits erwähnt, in gewisser Weise eine
»Geheimschrift« ist, zu deren Entschlüsselung umfangreiche Vergleiche mit der
»Normalschrift« nötig waren.
Dennoch ist es 1 99 1 dem Hamburger Ägyptologen Dr. Wolfgang Waitkus
gelungen, eine Übersetzung der Hieroglyphen vorzunehmen und in einer
Dissertation zu veröffentlichen. Überraschendetweise enthalten die Texte von
Dendera tatsächlich technische Daten und Abschnitte, die sich problemlos mit
der »Elektrothese« verknüpfen lassen. Nicht nur das: Sie stellen eine geradezu
ideale sowie sinnvolle Ergänzung dar und bestätigen die Elektrothese in erstaun­
licher Weise.
Da ist beispielsweise von .. --- -- 32 ... ---__

»göttlichen Anweisungen« und


bestimmten »Zaubersprüchen«
die Rede, mit deren Hilfe un­
terschiedliche Erscheinungsfor­
men des Schlangengottes Har­
somtus - beginnend mit dem
Austritt aus der Lotosblume bis
hin zu seiner »erhabenen Voll­
kommenheit« - erzeugt werden
können. Die Nennung der ge­
nauen Maße und der hierfür Wir wissen heute. dass man mit sogenannten Ejektoren
verwendeten Materialien macht (Strahlpumpen) (A) relativ hohe vakua erzeugen kann . speziell wenn
die Pumpen in Kaskade - das ist die ReihenschaHung gleichgearteter
aber deutlich, daß es sich bei Teile - vorliegen. Evakuiert man eine Glasbime. in die zwei MetalHeile
(B), (C). so tritt bereits bei wesendich niedrige ren
den glühlampenähnlichen Dar­ hineinreichen
Spannungen. je nach Größe des Glas ballons (0). eine Enlladung auf.
stellungen eben nicht bloß um Bei einem Druck von etwa 40 Torr (40 mm Quecksilbersäule)
schlängelt sich ein leuchtladen von einem MetalHe� z um anderen (E).
» Phantasieprodukte« gehandelt Wird weiter evakuiert, verbre�ert sich die Schlangenl inie, bis zu
die ganze Glasbime ausfüllt. Dies wiederum entspricht exakt
haben kann. Die abgebildeten zuletzt
den Abbildu ng en in de n unterirdischen Kammern des Hathor·
Objekte müssen tatsächlich exi­ Heil igt um s .

stiert haben. Entgegen anders­ Darstellungsaufgliederung des Leuchtkörper­


lautenden Erklärungen seiner Modells nach Ing. Garn
Kollegen vermutete der Ägyp­ (Foto: Reinhard Habeck, Peter Krassa)
tologe Professor Dieter Kurth be­
reits bei ersten Übersetzungsversuchen aus dem Jahre 1 983, daß man »diese
rundplastischen Figuren wahrscheinlich in den Krypten aufbewahrte, denn sie
enthielten Beischriften zu Größe und Material«. In der Waitkus-Übersetzung
heißt es etwa zum schlauch artigen Strang, den die Ägyptologen gewöhnlich als
»Barke« ansehen: »Gold Höhe 4 Handbreit, in Kupfer die Tagesbarke, der Lotos
aus Gold.«
Kupfer als Kabelmaterial wurde auch beim Modellversuch verwendet. Ein
weiteres Detail wird in den Dendera-Texten angeführt: Der Lotos (die Birnen­
fassung) war aus Gold oder einer Goldlegierung gefertigt worden. Wir wissen,
daß Gold zu den besten Elektroleitern zählt und damit äußerst geeignet er­
scheint, um die beschriebene Leuchterscheinung zu bewirken.
Dipl.-Ing. Walter Garn erklärt dazu: »Die am Seilende befestigte Lotosblu­
me ist - wenn man voraussetzt, daß es sich um einen leitenden Strang handelt -
einwandfrei auf Erdpotential ausgerichtet. Auf jeden Fall liegt der Lotos auf
dem Potential der Füße j ener dargestellten Personen sowie der Grundfläche des
isolatorähnlichen Dj ed-Pfeilers. Das bedeutet, daß das Kabel unter dieser Vor­
aussetzung nicht isoliert gewesen sein muß, sondern aus dünnen Metalldrähten
bestanden haben könnte.« Diese Auffassung entspricht völlig der nun vorge­
nommenen Übersetzung.
Die Maße der »Birnen« werden mit »4 Handbreit« angegeben. Wenn man
eine Handbreite etwa mit zehn Zentimetern einschätzt, bedeutet dies, daß die
Leuchtkörper im Original etwa 40 Zentimeter groß gewesen sein könnten. Ob
Zufall oder nicht: Zu einem Zeitpunkt, als Ingenieur Garn die Waitkus­
Übersetzungen noch längst nicht zugänglich waren, nahm er für seine Modell­
Rekonstruktion eine Größenordung von 40 Zentimeter an. Sie paßte präzise.
Die Hieroglyphen beziehen sich, laut Waitkus, häufig auf die »Zauberkräf­
te« der Göttin Isis sowie auf bestimmte Hohepriester. Offenbar einzig und allein
deshalb, um »Anweisungen« und
»Pläne« auszuführen, die den rich­
tigen Umgang mit der »Glühlam­
pe« zum Ziel hatten.
In den Dendera-Texten wer­
den auffallend viele Begriffe ver­
wendet, die unmittelbar mit ei­
ner Leuchterscheinung im Zu­
sammenhang stehen. Am deut­
lichsten wird dies durch die Be­
schreibung von Harsomtus, einer
»leuchtenden Schlange, die aus
der Lotosblüte hervorkommt«
und zum »lebenden Ba�� wird.
Ähnlich die Übersetzung von Die­
ter Kurth: »Lebender Ba, eine
Schlange, die sich auf ihrem
Schwanz aufgerichtet hat . . .
Harsomtus in Gestalt einer
Schlange verläßt den sackartigen
Behälter. « Ursprünglich wurde
»Ba« mit der »Erscheinungsform
eines Wesen« gleichgesetzt, später
auch als Seele interpretiert. Vom
Lotos heißt es, dies sei »die Blüte,
aus der Licht hervorging« . Die
Blume steht dem Wasser und dem
Feuer, der chaotischen Finsternis Geglücktes Elektro-Experiment analog zu den
sowie dem göttlichen Licht nahe. Wandreliefs aus Dendera
Der Lotos ist das »Sinnbild der (Foto: Reinhard Habeck, Peter Krassa)
aus der Nacht hervorbrechenden Sonne« . Tatsächlich entspringt auch im tech­
nologisch interpretierten Modellversuch die »Schlange« - das heißt, die elektri­
sche Entladung - aus der mittleren Spitze der Lotosblume und richtet sich
scheinbar auf ihrem »Schwanz« so deutlich auf, bis die ganze Birne in einem
geisterhaften Licht erstrahlt. Harsomtus wird damit zum »lebenden Ba«.
Freilich verwendeten die alten Ägypter keine moderne Ausdrucksform wie
etwa »Glühbirne«, und so kann es nicht überraschen, daß eine Gasentladung mit
»Harsomtus« bzw. » leuchtende Schlange« umschrieben wird. Die Leuchtstärke
wird als »Ka« bezeichnet, was ursprünglich »Lebenskraft«, »Persönlichkeit«
sowie »Eigenheit« bedeutete. Es heißt, von »Ka« ginge »Mächtigkeit«, »Stärke«
und »Zauberkraft« aus. Die Lichterscheinung wird zum »leuchtenden Zopf«
oder » lebenden Ba«, eine Erscheinungsform, die sich in Abständen in den Lotos
zurückziehen konnte, dort - wie es heißt - »genährt« wurde, um später neuer­
lich aus der Blüte hervorzukommen. Somit könnte das in den Texten erschei­
nende »Symbol für Wiedergeburt« im Ein- und Ausschalten des Leuchtkörpers
seine Erklärung finden.
Elektrostatische Generatoren oder Energiespeicher könnten hinter der Be­
zeichnung »Serech-Thron« stehen, wobei »Serech« mit »Herrscher« übersetzt
werden kann, »von dem Macht und Stärke ausgehen«. In einem »geheimen

Reliefdarstellung aus dem Hathor-Tempel von Dendera in ll t1l1lnt"n


Peter Krassa)
Schrein((, so heißt es in den Hieroglyphentexten wörtlich, ruhe die Schlangen­
kraft, die bei richtiger Anwendung bestimmter »Zauberformeln(( und »göttli­
cher Weisungen(( geweckt werden kann.
Die heftige Abwehrreaktion der Ägyptologen auf technische Rekonstruk­
tionen auf Grundlage der Dendera-Reliefs muß vor diesem Hintergrund unver­
ständlich bleiben. Kritiker bemängeln die fehlenden Beweise. Fragmente eines
antiken Leuchtkörpers wurden bislang nicht ausgegraben. Doch hat man j emals
danach gesucht? Gab es bislang gezielte Ausgrabungen im Bezirk von Dendera?
Können wir wirklich mit Bestimmtheit ausschließen, daß vielleicht einige
Meter unter dem Wüsten boden der Hathor-Kultstätte Überreste solcher Geräte
aufzufinden wären? Und selbst wenn man sie eines Tages finden sollte, würde
man die Relikte als Teile eines antiken Leuchtkörpers erkennen? Oder würde
man nicht viel eher, wie etwa am Beispiel der Galvanisierungselemente der
Parther, zu Verlegenheits-Erklärungen wie »Zaubergerät(( oder »Kultobj ekt((
neigen?
Abschließend wollen wir noch einmal Ingenieur Walter Garn zitieren, der
angesichts der Entschlüsselung der Dendera-Hieroglyphen zu verstehen gab:
»Die sachbezogene Filterung der Dendera-Übersetzung ergibt eine gute Bedie­
nungsanleitung der im Hathortempel abgebildeten Leuchtkörper. Aus den
Texten ist j edenfalls kein Widerspruch zu der Behauptung erkennbar, wonach
die alten Ägypter bereits mit elektrischem Strom umzugehen verstanden!((
So bleibt die Hoffnung, daß nicht nur den alten Ägyptern, sondern auch
modernen Wissenschaftlern eines Tages »ein Licht aufgehen(( wird.
26

Die ungewöhnlichen Funde aus Sutatausa


High- Tech-Zeugnisse einer weit
fortgeschrittenen Hochkultur

Hochtechnologie im Altertum? Unmöglich, alles Unsinn! - Solche dogmati­


schen »Gebote« hat es zu allen Zeiten gegeben. Wer sich nicht an ihnen
orientierte, dem wurde gar übel mitgespielt. Wohl hat sich seither einiges
geändert, Lehrmeinungen haben sich als überholt erwiesen, und wir lächeln
heute wissend über unsinnige Behauptungen gelehrter Herren von anno dazu­
mal, »die Schöpfung« , die Geburtsstunde unseres Planeten, habe definitiv im
Jahre 4004 v. Chr. stattgefunden. Seinerzeit aber galt diese Datierung als absolut
korrekt und stichhaltig - und außerdem war sie vom christlichen Klerus offiziell
»abgesegnet« . Somit entsprach damals die heute unglaublich erscheinende An­
sicht der »Wahrheit« , und war gleichbedeutend mit einem für jene Zeit unum­
stößlichem Dogma. Wer sich an solche »Wahrheiten« nicht hielt - wie beispiels­
weise der italienische Philosoph Giordano Bruno , wurde, wie dieser im Jahre
-

1 600, auf dem Scheiterhaufen als Ketzer verbrannt.


Scheiterhaufen gibt es im beginnenden 2 1 . Jahrhundert keine mehr, aber
irrige Dogmen zuhauf. Nur ihr Inhalt hat sich gewandelt, hat sich dem Zeitgeist
angepaßt. Der kolumbische Industrie-Designer Prof Jaime Gutierrez glaubt
nicht an die Überlegenheit neuzeitlicher Errungenschaften. Im Andenhochland
um die Ortschaften Tausa und Sutatausa, nördlich von Bogota in Kolumbien,
stieß er auf die Reste einer Siedlung, die prähistorische Menschen im Schutz der
Felsen angelegt hatten. Die dort aufgefundenen Artefakte lösten bei ihm einen
Umdenkprozeß aus: »Ich halte das Primitive für fortgeschrittener als die Ent­
wicklung, in der sich der Mensch heute befindet. Ich glaube, die sogenannten
>primitiven< Menschen waren sich des Universums bewußter als wir heute.
Nicht etwa, weil sie größere Kenntnisse über die Bewegung der Sterne oder die
Geschwindigkeiten von Raketen hatten. Vielleicht hatten sie keinen Zeitbegriff
oder Sinn für Distanzen, aber sie hatten eine Ahnung vom Sein. «
Die Hochtäler der Umgebung u m das heutige Bogota waren schon in
grauer Vorzeit sakrale Stätten der indianischen Urvölker. Um 500 v. Chr. bis zur
Eroberung durch die Spanier war hier das Reich der Muisca angesiedelt, die zur
indianischen Sprachgruppe der Chibcha gehörten. Sie hatten Salz, Smaragde
und Gold aus Minen gewonnen, bauten auf fruchtbaren Boden und lebten in
Holzhäusern, die mit Strohdächern bedeckt
waren. Die spanischen Chronisten schätzten
ihre Zahl auf etwa eine Million Menschen.
Der Nachwelt haben sie nicht nur wertvolle
Kunstschätze hinterlassen, sondern ebenso
Skulpturen, Steine mit Gravuren, und Werk­
zeuge, deren eigentlicher Verwendungszweck
nicht immer gleich von Archäologen in seiner
Bedeutung erkannt werden konnte. Etliche
Steinfunde fallen durch ihre schwarze Fär­
bung auf. Darunter einige mit reliefartig her­
vorgehobenen Darstellungen mythischer Ge­
stalten und religiöser Symbole. Sie sind Erin­
nerungen an eine fast vergessene Goldpräge­
Technik.
Bei einigen dieser Prägeformen für Blatt­
Präge form für Blattgold (Foto: gold ist die Stilisierung nicht klar einzuord­
Bemhard Moestl und Autoren) nen. Sie zeigen tierähnliche Motive und Iko­
nen unbekannter Würdenträger. Um von ei­
nem bestimmten Motiv beliebige Kopien zu erhalten, wurden Goldlamellen
über den Stein gelegt. Gleichzeitig wurde ein Stoff mit Sand gefüllt und auf die
Figur solange eingeschlagen, bis sich auf dem Blatt aus Gold das Relief der
Vorlage bildete. Später wurden aus den einzelnen Elementen Halsketten gefer­
tigt oder Schmuckstücke für Kleider.
In dem Gebiet der Muisca liegen wichtige archäologische Schauplätze, etwa
die berühmte Lagune de Guatavita, die mit der Legende von »EI Dorado«
(wörtlich: »der Vergoldete«) verbunden ist. Der kleine kreisrunde See wurde
einst von den Muisca als Heiligtum verehrt. In seinen Wassern mußten die
Muisca-Häuptlinge baden, um die göttliche Weihe für ihr Amt zu erwerben.
Zuvor ließen sie ihren Körper mit Öl und Goldstaub vergolden.
Die ältesten Zeugnisse menschlicher Existenz in Kolumbien (zumindest
jene von der Wissenschaft anerkannten Funde) wurden in EIAbra bei Zipaquira
und in Tequendama bei Bogota gefunden. Sie sind etwa 14 000 Jahre alt. Daß es
noch weit ältere Spuren gibt, die auf menschliche Kultur schließen lassen,
belegen die fossilisierten Früchte aus dem Kloster Santo Ecce Homo bei Villa de
Leyva. In dieser Gegend wurde auch die bereits beschriebene Steinplatte gefun­
den, die menschliche Knochen aus der Dinosauerepoche zeigen soll. Bei der
»Genetische Scheibe« liegt ebenfalls der Verdacht nahe, sie stamme aus dieser
Region. Das Thema Fruchtbarkeit scheint j edenfalls eine wichtige Rolle im
Leben der Muisca und ihrer Vorfahren gespielt zu haben.
Nördlich von Sutatausa, nahe bei Villa de Leyva, befindet sich auf einer
Anhöhe ein geheimnisvoller Platz, der EI Infiernito genannt wird und von den
Chibchas Sanquencipa getauft wurde. In prähistorischen Zeiten wurden von
den Muisca oder deren Ahnen tonnenschwere Steinmonolithen aufgerichtet.
Dabei handelt es sich um eine Gruppe von Monolithen in PhaLlusform, die in
der Mythologie der Muisca Symbole der Fruchtbarkeit und des Lebens waren.
Die gigantischen Säulen erinnern an ägyptische Obelisken und Pfeiler der
Megalithkulturen. Sie sind bis zu sieben Meter hoch und haben einen Durch­
messer von 70 Zentimetern. Archäologen haben herausgefunden, daß sie nicht
nur zur Sonne zeigen und je nach Tages- oder Jahreszeit verschiedene Schatten
werfen, sondern einst ein astronomisches Zentrum gewesen sind. An diesem
orientierten sich die Muisca, um den geeignetsten Zeitpunkt für die Saat zu
ermitteln.

Die Steinmonumente von El lnfiernito, einem mystischen Platz in Kolumbien. (Foto: Klaus
Dona)

In unmittelbarer Nähe liegt Tunja auf 2820 Meter Höhe. Hier wurden interes­
sante prähistorische Felszeichnungen entdeckt, die geometrische Muster zeigen.
Der Platz war einer der wichtigsten Wallfahrtsorte der Muisca. Der Legende
nach soll hier die Heimat der Menschenmutter Bachue gewesen sein. Derselben
Überlieferung zufolge sollen bei
bestimmten Anlässen Tausende
von Indigenas aus dem 30 Kilo­
meter nördlich gelegenen Soga­
moso nach Tunja gepilgert sein,
um ihrer Menschenmutter in
Zeremonien zu huldigen. In
Sogamosa wiederum stand einst
die Muisca-Stadt Suamox mit
dem Templo dei Sol (»Tempel der
Sonne«) , der dem Sonnengott
Sue, der obersten Gottheit des
Chibcha-Volkes, geweiht war. In
der gleichen Region befindet
sich noch ein anderer heiliger
Platz der Muisca: das Wasser­
loch Pozo de Hunzahud. In die­
Ein Monolith in Phallusform beeindruckt durch sem kleinen See versenkten die
seine imposante Größe. (Foto: Klaus Dona) Stammesführer vor Ankunft der
Spanier angeblich ihre Schätze.
Trotz mehrfacher Trockenlegung wurde jedoch nie etwas gefunden. Von der
mythischen Bedeutung der Stätte erzählt eine alte Muisca-Legende: Als Hunzahua
die eigene Tochter wegen ihrer inzestuösen Liebe zu ihrem Bruder erschlagen
wollte, öffnete sich die Grube.
Dies alles mag der Grund dafür sein, weshalb in dieser Gegend viele
Steinfiguren gefunden wurden, die das Motiv »Mutter mit Kind« zum Aus­
druck bringen. Schon in der Jungsteinzeit schufen Künstler Felsbilder, die
Mütter mit Kindern darstellen. Seit dem 3 . Jahrtausend
v. Chr. sind Figurinen häufig, bei denen die Mutter das
Kind in ihren Armen hält oder säugt. Das Motiv findet
sich als zentrales Kultsymbol in allen Kulturen und wird
meist mit der Verehrung von Muttergottheiten in Ver­
bindung gebracht. Besondere Verbreitung: Alt-Babylo­
nien, Ägypten, Kongo, Zypern, Sardinien, bei den
Hethitern und eben in den südamerikanischen Anden.

Im Gebiet von Sutatausa in Kolumbien liegt die Heimat der


mythologischen Menschenmutter Bachue. Viele aufgefundene
Skulpturen haben das Motiv »Mutter mit Kind«. (Foto: Bern­
hard Moestl und Autoren)
Mutteridole und Gottheiten können unterschiedliche Bedeutung haben.
Am häufigsten ist die Deutung als »Göttermutter« in der Vorstellung von der
»Mutter Erde« als Schöpferin und Bewahrerin der Menschen und der Vegetati­
on. Und schließlich die Mutter im eigentlichen Sinne, bei der ihr Verhältnis
zum Kind ihr Wesen bestimmt.
Viele der präkolumbischen Darstellungen von Mutterschaften erinnern an
Kultbilder, die man aus dem alten Ägypten kennt. So wird die Muttergöttin Isis,
die ebenso als Himmelsgöttin verehrt wurde, häufig dargestellt, wie sie den
Horusknaben auf dem Schoß trägt und ihm die Brust gibt. Auffällig ist ebenso
die Ähnlichkeit zum christlichen Marienkult von Maria und Jesus. Wird die
Muttergottes als Partnerin eines Himmelsgottes gedacht, so erscheint sie mit der
Erde verbunden. Schon die Sumerer kannten die Vorstellung von der Erdgöttin,
die, vom Himmelsgott An geschwängert, Bäume und Pflanzen hervorbringt.
Viele der Steine, die uns die Menschen von Sutatausa hinterlassen haben,
zeigen Figuren, die je nach Blickwinkel ihre Gestalt verändern oder sich in eine
andere Figur verwandeln. Sie entspringen gleichsam der natürlichen Struktur
des Steins. Passen diese faszinierenden Objekte in das Bild, das uns die Wissen­
schaft vom dumpfen Steinzeitmenschen vermittelt? Sind sie nicht viel eher das
Werk eines wachen Verstandes?
Einige Artefakte werden als »Energie­
steine« der Schamanen bezeichnet, von deren
spürbaren Wirkungen wir uns selbst überzeu­
gen konnten. Verschiedene Mythen rund um
den Globus erzählen von der Geburt aus ei­
nem Stein oder Fels. Schamanen und andere
Heilkundige haben die magischen Kräfte der
Steine immer schon zu nutzen gewußt. Ein
Stein zeigt zwei unübersichtliche Tiergesichter.
Ein Geschöpf scheint aus dem Maul des an­
deren herauszukommen, obwohl bereits ein
Mund vorhanden ist, der die Zähne zeigt.
Einheimische in Kolumbien erzählten uns,
daß eine übersinnliche Kraft diesem und den
anderen Steinen innewohnt. Schamanen sol­
len imstande sein, diese verborgenen Ener­
gien zu aktivieren und zu nutzen, damit der
Zugang zur Welt der Geister und Dämonen
ermöglicht wird.
Von allen Steinen, denen magische Wir­ Energiestein der Schamanen (Foto:
kung nachgesagt wird, ist ein Exemplar be- Bernhard Moestl und Autoren)
sonders unheimlich. Aus dem Stein wurde eine längliche Dämonenfratze her­
ausgearbeitet. Das Kinn zeigt Gravuren, die als Barthaare interpretiert werden
können. Der Mund ist grinsend nach oben gezogen und fletscht die Zähne. Im
Bereich unterhalb des Gesichtes sind auf bei den Seiten geometrische Symbole
eingeritzt, Dreiecke, Kreise sowie unbekannte schriftähnliche Zeichen. Men­
schen, die mit dem Stein länger und intensiver in Kontakt kamen, berichten
von Vibrationen, verstärkten Sinneseindrücken und Herzrasen. Daß der Stein
tatsächlich eine starke Kraftquelle besitzt, konnten wir bei Tests mit Magneto­
metern am eigenen Leib erfahren.
Die Steine wirken in der Anfertigung eher schlicht und primitiv. Dazu Prof.
Gutierrez: »Für den einfachen Menschen bilden der Tod, die Liebe und das
Überleben die elementare Basis für das Leben. Der Mensch braucht wirklich
nur drei Dinge, um glücklich zu sein. Die Liebe, Nahrung und Schlaf. Was
darüber hinaus geht, ist überflüssig. Es ist nur ein Mittel, um eines dieser drei
Ziele zu verwirklichen. Die Hersteller der Steine verwendeten keine höhere
Technik, um sich auszudrücken. Sie reduzierten die Gestaltung auf ein Mini­
mum, um ein Maximum an Ausdruck zu erzielen. Aus diesem Grund sind die
Linien und Formen so elementar. Sie wollen nicht schmücken, weil sie den
wahren Empfindungen nichts Überflüssiges hinzufügen wollten. Daher wirken
die Figuren sehr naiv. Sie scheinen von Kindern gemacht zu sein, weil Kinder in
ihrem Ausdruck viel ganzheitlicher sind als Erwachsene. Meist sind es gerade
die Verstärkungen, die verwirren und uns die klare Sicht auf das Essentielle
verstellen. «
Unter den vielen archäologischen Kostbarkeiten, die Jaime Gutierrez be­
sitzt, befinden sich Steinwerkzeuge, die das einzigartige technische Geschick
präkolumbischer Indianer belegen. Professor Gutierrez zeigte sie uns das erste
Mal, als wir ihn bei unserer Mystery-Recherche im Jahre 2000 in Bogota
aufsuchten. Später wurden sie in Wien untersucht und waren bei Unsolved
Mysteries erstmals öffentlich ausgestellt. Es sind Relikte, die man zahlreich in
Kolumbien ausgegraben hat, die aber von der Archäologie lediglich als »Kult­
obj ekte« oder »Fruchtbarkeitssymbole« angesehen werden. Der Designer
Gutierrez ist hingegen davon überzeugt, daß diese Exponate in Wahrheit werk­
zeuge waren. Ausgeklügelte Hilfsmittel also, die der Herstellung und Bearbei­
tung feiner Kunstobjekte gedient haben könnten, etwa bei der Bearbeitung von
weichem Material wie Wachs für die Herstellung von Gußformen.
Am Beispiel wellenformiger Utensilien, die an Kaulquappen oder Spermien
erinnern, demonstrierte unser Gastgeber die Handhabung der Gegenstände:
»Es gibt unter den Werkzeugen einige, wo die Griffe exakt definiert sind. Man
kann sie nicht anders halten und verwenden als an einer bestimmten Stelle.
Dort, wo man die Finger hält, sind die Geräte nur etwas mehr als einen
320 I

Oben: Erstaunliche prähistorische High-Tech­


Werkzeuge aus Lydit. (Foto: Prof. Jaime Gutierrez)
Rechts: Instrumente für Geburtshilfe, wie z. B.
dieser Löffel, verblüffen durch ihre perfekte Form­
gebung. (Foto: Bernhard Moestl und Autoren)

Millimeter stark. Außerdem besitzen sie eIn kleines Gegengewicht für die
Balance.«
Das Erstaunliche besteht nun darin, daß bei diesen Werkzeugen eine alte
funktionierende Technologie zur Anwendung kommt und einen sehr fortge­
schrittenen Hersteller als Urheber gehabt haben muß. Die Proportionen und
die Symmetrien sind perfekt. Gutierrez faßt weiter die Funktionsweise der
Stücke zusammen: »Einige sind so geschickt gearbeitet, daß sie scheinbar mit
den Fingern verwachsen und ein müheloses Gravieren ermöglichen. Die Kurven­
form verhindert, daß die Nadel bricht. Es sind praktisch moderne Skulpturen
aufgrund ihrer Einfachheit. In ihren Figuren verwirklichen sie das Wesentliche.
Egal in welchem Abstand Sie einen modernen Kugelschreiber halten, Sie errei­
chen nie die Perfektion der prähistorischen Werkzeuge. Die Dicke des Kugel­
schreibers verhindert einfache Bewegungen. Das Gewicht ist nicht kompen­
siert. Anders bei den filigranen Werkzeugen, hier ist die Bewegung der Hand
wesentlich agiler und das Gewicht ist ausgeglichen.«
Eine ausgeklügelte Methode, die hier eindrucksvoll demonstriert wurde
und uns als Erklärung für Arbeiten im Millimeterbereich plausibel erscheint.
Aus welchem Material bestehen die Instrumente, wie wurden sie hergestellt,
von wem und wann?
Bei der Analyse im Staatlichen Edelsteininstitut in Wien konnte das Mate­
rial bestimmt werden: Es besteht aus dunklem Kieselschiefer mit kohlehaltigen
Substanzen (Lydit) und scheint von den Handwerkern bewußt dafür ausge­
wählt worden zu sein. Erst vor wenigen Jahren ist man etwa bei modernen
Kugelschreibern dazu übergegangen, diese mit mattem schwarzem Design zu
fertigen, damit sie beim Schreiben nicht blenden. Die ungewöhnlichen Objekte
aus Kolumbien wiesen hingegen schon immer diese benutzerfreundliche Eigen­
schaft auf.
»Zur Herstellung dieser Werkzeuge benutzte man wahrscheinlich Quarz«,
vermutet Gutierrez und fügt hinzu: » Quarzkristalle in geeigneten Formen, mit
denen der Stein geschabt oder graviert wurde. «
Doch bei der Ausgrabungsstelle nördlich von Bogota sind bisher keine
solche mutmaßlichen Quarzwerkzeuge aufgetaucht. Dennoch zeigen die Ob­
j ekte, unter dem Mikroskop betrachtet, deutliche Bearbeitungsspuren von
Quarzkristallen. Gutierrez vermutet deshalb, daß diese Gegenstände nicht an
j ener Stelle hergestellt wurden, wo man sie entdeckt hat.
Was die konkrete Altersbestimmung anbelangt, stößt man, wie bei allen
bisher ausgegrabenen fremdartigen Artefakten, auf die bekannten Schwierigkei­
ten. »Das Alter ist schwer zu bestimmen, da wegen des Fehlens pflanzlicher
Substanzen die Radiokarbonuntersuchung nicht angewandt werden kann und
die traditionellen Möglichkeiten zur genauen Bestimmung des Alters versagt
haben. Aber aufgrund der Typologien kann man mit Sicherheit sagen, daß diese
Werkzeuge weit vor dem Eintreffen der Spanier in Südamerika hergestellt
wurden. Einzelne Instrumente sind auf jeden Fall älter als 2000 Jahre. Mögli­
cherweise stammen sie von den Vorfahren der Muisca, die ich Prä-Muisca
nenne, da die Relikte sogar bis zu 1 0 000 Jahre alt sein könnten. «
Wir bohrten noch einmal nach: Wer waren die Konstrukteure dieser High­
Tech-Instrumente? Woher hatten die Ureinwohner das erstaunliche Wissen
über perfekte Formen und ihre technische Umsetzung? Gab es vielleicht doch
überirdische Hilfe von »außen«? Brachten »Götter« aus dem All das High-Tech­
Wissen?
»Ich glaube eher« , winkt Gutierrez ab, »daß man damals die Formen
intuitiv entwickelt hatte und nicht mit analytischen Berechnungen an die Sache
herangegangen ist. Die Menschen waren wohl auch weitaus sensibler als wir
und standen in sehr viel engerem Kontakt mit der Natur. Die Formensprache ist
oft extrem klar. « Der Designer veranschaulicht dies am Beispiel eines Gegen­
standes, der wie eine Spachtel aussieht. Die perfekte Form läßt an eine Ente
denken. Gutierrez vermutet, daß der Gestalter vielleicht nur die gleitende
Bewegung einer Ente, die auf ihrem See schwimmt, darstellen wollte.
Daneben existieren Fundstücke, die durch ihre Details bestechen. Beson­
ders auffällig ist in dieser Hinsicht der Griff eines Messers, das offenbar für
Kaiserschnitte verwendet worden ist. Die Semantik zeigt die Strangulation eines
Fötus. Dazu Gutierrez: »Dies könnte bedeuten, daß man damit klarstellen
wollte, daß es wichtig sei, einen Kaiserschnitt vorzunehmen, bevor der Fötus
Figurale Werkzeuge aus Sutatausa zeigen eine unglaubliche Pet1ektion in der
Ästhetik und Geometrie. (Foto links: Reinhard Habeck; Foto mitte: Bernhard
Moestl und Autoren; Foto rechts: Dr. Hans-Joachim Zillm er)

sich an der Nabelschnur stranguliert. Hier hat man durch Bilder auf dem Griff
den Zweck des Instrumentes eindeutig zugewiesen.«
Der Kolumbianer räumt aber ein, daß dies seine Interpretation der Darstel­
lung ist. Es gibt zwar Steine mit Schriftzeichen, die vielleicht darüber Auskunft
geben könnten, aber man kann sie nicht entziffern. Da leider auch keinerlei
Überlieferungen existieren, die dies bestätigen könnten, bleibt es vorderhand
nur beim Verdacht. Das Gleiche gilt für einen weiteren »Kultlöffel«, der als
Geburtshilfe-Instrument gedient haben könnte. Er scheint ebenfalls eine Situa­
tion darzustellen, die an den Austritt des Kopfes eines Kindes bei der Geburt
denken läßt. »Und zwar in dem Moment, wo vielleicht ein derartiges Geburts­
hilfeinsrrument benötigt wutde«, mutmaßt der Hobby-Archäologe.
Manche figuralen Gegenstände wirken so fremdartig, daß sie nicht gleich
als Werkzeug erkannt werden. Das gilt etwa für ein merkwürdiges Gebilde, das
man als »Batman mit Schwanz« bezeichnen könnte, eine fledermausähnliche
Fabelgestalt. Andere zeigen rillenartige Vertiefungen oder sind in Phallusform
gestaltet, wurden aber als Stößel oder Schlagwaffe verwendet. Gutierrez hat
diese Relikte nach Design-Aspekten genau analysiert und zeigte sich verblüfft:
»Die ästhetische Form und die Geometrie sind von einer unglaublichen Perfek­
tion. Mathematische Regeln wie der >goldene Schnitt< sind exakt wiedergege­
ben!«
Gutierrez will dennoch nicht so recht glauben, daß die Ureinwohner
Kolumbiens über exakte mathematische Grundlagen und das Wissen über
ästhetische Proportion der Dimensionen Bescheid gewußt hätten. Vielmehr sei
anzunehmen, daß sie ein sensibleres Wahrnehmungsvermögen hatten als wir
heutzutage: Ȁsthetische Elemente sind in der Natur leicht zu finden und
wurden wahrscheinlich durch genaue Beobachtung auf die künstlichen Formen
übertragen. «
Wenn dem so war, wie Gutierrez annimmt, dann geschah diese Entwick­
lung nicht von heute auf morgen. »Die Ergonomie dieser Werkzeuge ist sicher
in einem sehr lange währenden Prozeß der Evolution entstanden. Man kann
hier davon ausgehen, daß der Künstler selbst seine Werkzeuge entwickelt hatte
und im Laufe der Zeit so weit verbesserte, bis sie seinen Ansprüchen genügten.«
Ob man nun außerirdische Lehrmeister, Hohepriester versunkener Kultu­
ren, Mathematik-Genies oder einfach die Vielfalt der Natur als Lösung heran­
zieht, so liegt doch eine Erkenntnis nahe: Heutige Design-Praxis könnte aus
den ästhetischen Vorgaben präkolumbischer Künstler noch vieles lernen. »Auf
jeden Fall!« stimmt Professor Gutierrez zu. Seiner Meinung nach ist die Studie
an vorkolumbischen Gegenständen eine gute Design-Schulung für moderne
Handwerker. Auf verschiedensten Gebieten hat man bereits vor Jahrtausenden
ästhetische Probleme weitgehendst gelöst. Denken wir nur an die perfekte Form
der Pyramiden. Vom alten Ägypten über China bis in den südamerikanischen
Dschungel führt die Spur der magischen Bauten. Wie kann es sein, daß eine so
markante und perfekte Architekturform an so weit verstreuten Plätzen anzutref­
fen ist? Reicht hier »Beobachtung der Natur« als Erklärung aus? Die Frage stellt
sich ebenso bei raffinierten Techniken wie der Verarbeitung von Keramik,
Metall, Stein und anderen Materialien. Gleichklänge finden sich in vielen
Teilen der Welt an unterschiedlichsten Orten. Sie zeigen uns ebenfalls viele
harmonische Lösungen, die in ihren Charakteristiken sehr kreativ und variati­
onsreich sind. »Im heutigen Design sind Lösungen von solch ästhetischer Tiefe
selten zu finden«, gibt der Industriezeichner freimütig zu. »Die Gestaltungen
von heute sind einander viel ähnlicher, so, als gebe es nur einen einheitlichen
Design-Stil. « Und in Bewunderung an seine geschickten Ahnen: »Bei den
präkolumbischen Gegenständen sehen wir, daß jedes Problem seine ganz indivi­
duelle und spezifische Lösung gefunden hat, und alle sind hervorragend.«
Professor Jaime Gutierrez faßt die Bedeutung präkolumbischer Design­
arbeit noch einmal zusammen: »Für mich liegt ihr Ursprung in der sehr
naturbezogenen Ästhetik, in der sich die Formelernente der Pflanzen, Tiere, der
Natur an sich, der Minerale, der Formen von Muscheln und Schneckenhäusern
auf eine glückliche Weise verbinden. Die Formelernente der Natur wurden auf
die Gebrauchsgüter übertragen, wodurch man eine außerordentliche Ästhetik
erreicht hat, die in meinen Augen höher steht als die der heutigen Designer, die
viel zu weit von der Natur entfernt sind. «
Müssen wir uns eingestehen, daß die letzten 1 00 Jahre nicht die erste High­
Tech-Epoche der Erdgeschichte waren? Es sieht so aus. Vielleicht erreichen wir
in unserer technischen und wissenschaftlichen Entwicklung überhaupt erst in
Zukunft jenen Wissensstand, den manche unserer Vorväter bereits besaßen . . .
27
Der »Genetische Diskus«
Uraltes biologisches Wissen

All unser Wissen ist in den Genen gespeichert. Sie sind die Träger der Erbanlage,
deren Information bei der Fortpflanzung übertragen wird. Seit Beginn des
neuen Jahrtausends ist der Bauplan des menschlichen Lebens entschlüsselt.
Dennoch ist die tatsächliche Funktion vieler Gene nach wie vor unbekannt.
Mikrobiologen kennen noch nicht alle ihre speziellen Aufgaben im Körper.
Humangenetiker sind davon überzeugt, daß bereits die bisherigen Kennt­
nisse ausreichen, um die Medizin zu revolutionieren. Skeptiker befürchten
hingegen, daß Geschäftemacher ihr Unwesen treiben und geklonte »Wunder­
kinder« aus dem Katalog die Folge sein könnten . Oder daß moderne
»Dr. Frankensteins« mit künstlich geschaffenen Kreaturen experimentieren und
solche Menschenklone aus dem Labor eines Tages außer Kontrolle geraten
könnten. Science-Fiction-Horrorszenarien?
Die Kinoleinwand bevölkern schon lange mutierte Wunderwesen mit Na­
men wie »Professor X« , »Hulk« oder »Superman«. In einer futuristischen Welt
kämpfen sie als Helden gegen ebenso mit überirdischen Kräften ausgestattete
Bösewichte. Der Comic-Zeichner und Schöpfer des Kulthelden »Spiderman« ,
Stan Lee, erfand i n den 1 96üer Jahren eine ganze Armee von Superhelden mit
außergewöhnlichen PSI-Fähigkeiten und übermenschlichen Eigenschaften. Seine
Erklärung damals: »Bei den Wunderwesen, wie X-Men, handelt es sich nicht
um die Gattung des Homo sapiens, sondern um die des Homo superior. « Vor
einem halben Jahrhundert, zur Zeit des Kalten Krieges zwischen Kapitalismus
und Kommunismus, war diese Vorstellung pure Fantasy. Zu Beginn des dritten
Jahrtausends scheint die Utopie nun von der Wirklichkeit eingeholt worden zu
sein. Die moderne Gentechnologie ist mittlerweile so weit fortgeschritten, daß
die Schaffung mutierter Superwesen tatsächlich Realität werden könnte.
Doch so fabrikneu scheint dieser Gedanke gar nicht zu sein. In den Sagen
und Mythen der Menschheit wimmelt es nur so von seltsamen Supergöttern
und Zwitterwesen, die in sich tierische und menschliche Attribute vereinigen.
Von monströsen Mutanten ist die Rede, von tierköpfigen Göttergestalten und
von Riesen, Gnomen und Genien oder Zentauren. Ihr fremdartiges Aussehen
wird in praktisch allen Kulturkreisen anschaulich beschrieben und findet sich
ebenso abgebildet auf vielen Reliefs und Skulpturen. Ob im Kleinbildformat
auf sumerischen Rollsiegeln oder eindrucksvoll auf großen persischen Tempel­
wänden: Stets sind es absonderliche Zwittergeschöpfe, die mit Flügelpaaren und
anderen abnormen Attri­
buten versehen wurden.
Bei vielen Abbildun­
gen fällt auf, daß sie in un­
mittelbarem Zusammen­
hang mit Arbeiten am
wendelförmig illustrierten
»Lebensbaum« beschäftigt
sind. Doch was ist ein »Le­
Mythologische Göttergestalten experimentieren am bensbaum« ? Aus den alten
»Lebensbaum«. (Foto: Archiv Autoren) Mythen ist bekannt, daß
dieser häufig mit »leben­
des Wesen«, »Fruchtbarkeit«, »Weltenbaum« oder »Abbild des Kosmos« gleich­
gesetzt wurde. Bei einigen Darstellungen sind Götterwesen zu sehen, die an
diesem »Lebensbaum« hantieren. Aus den Urschriften vieler Völker geht des
weiteren hervor, daß diese »Götter« einst die Menschen und andere Mischwesen
geschaffen hätten. Wer waren diese übermächtigen »Genien«? Die Streifrage
lautet: Beruhen diese Erzählungen über Zwittergeschöpfe auf wirklichen Erleb­
nissen? Oder sind es bloß Ausgeburten der Phantasie?
Im Juni 1 999 ging die Meldung durch die Medien, wonach amerikanische
Wissenschaftler einen Menschen-Embryo geklont hätten. Kurz darauf folgte
eine UFO-Sekte, die gleiches behauptete. Schon zuvor waren Gen-Experimente
mit Tieren geglückt. Gab es ähnliche Versuche bereits in der Vorzeit? Es mag in
der Tat unglaublich klingen, aber es gibt etliche kuriose Funde, die die Frage
aufwerfen, ob Berichte über vorzeitliche »Fabelwesen« nicht doch Erinnerun­
gen an erlebte Begebenheiten darstellen könnten.
Ist es wirklich bloß Zufall, daß babylonische Bilddokumente die Interpreta­
tion einer gentechnischen Manipulation erlauben? Das Piktogramm eines die­
ser Rollsiegel zeigt als Motiv zwei Gazellen, daneben einen Mann, der ein Tier
am Geschlecht untersucht. Dahinter ein rätselhaftes Wesen und geflügelte
Genien, die vielleicht beratend zur Seite stehen. Über den Gazellen sind ver­
schlungene Symbole eingraviert, die als Abbildung von Chromosomen und der
Doppelhelix aufgefaßt werden könnten.
Enthalten solche Überlieferungen tatsächlich verschlüsselte Informationen
über genetisches Wissen der Vorzeit? Das fragt sich der Betrachter ebenso beim
Studium des altägyptischen Papyrus des Khonsu-Mes, das an eine Zellteilung
erinnert. In Kapitel I.! 3 haben wir darüber berichtet. Forscher fanden ebenso in
mystisch-prophetischen Weisheitslehren wie dem altchinesischen I Ging weitere
Bestätigungen für genetisches High-Tech-Wissen in der Vorzeit. Die Herkunft
des Orakels ist genauso rätselhaft wie die Technik, mit der es durch die Jahrtau-
sende hinweg angewendet wurde. Demnach entspricht der Aufbau der Erbin­
formation im genetischen Programm jedes Lebewesens exakt dem gleichen
Grundmuster wie beim I Ging, nämlich einer Aufsplitterung von zwei Grund­
elementen in vier Untergruppen. Weitere Analysen werden zeigen, ob das
I Ging tatsächlich ein verschlüsselter Code für wissenschaftliche Erbin­
formationen ist. Wenn ja, stellt sich die Frage, woher die alten Chinesen das
wissen konnten?
Könnte es also sein, daß unsere Vorfahren mit dem »Bauplan« des Men­
schen bereits vertraut waren? Daß sie zumindest über verblüffende Kenntnisse
der Embryologie verfügten, zeigt sich bei einem weiteren Artefakt aus Südame­
rika - der sogenannten » Genetischen Scheibe« aus Kolumbien. Der Diskus, der
auch »embryologische Scheibe« genannt wird, zählt zu den interessantesten ar­
chäologischen Stücken aus Südamerika. Wie es uns gelungen ist, das rätselhafte
Objekt zur Mystery-Ausstellung nach Wien und in die Schweiz zu holen, haben
wir bereits dargelegt.
Zur Vorbereitung unserer Ausstellung ließen wir den Diskus im Natur­
historischen Museum in Wien von Experten untersuchen. Dabei wurde bestätigt,
daß der Gegenstand nicht aus künstlichem Material wie z. B. Zement geformt
wurde, sondern aus natürlichem Kieselschiefer mit kohlehaltigen Pigmenten,
Lydit genannt, besteht. Nach der Analyse der Mineral- und Edelsteinexpertin
Dr. Vera M F Hammer konnten Verwitterungsspuren am Objekt festgestellt
werden. Spuren, die auf ein höheres Alter der Scheibe hindeuten. Die genaue
Zuordnung muß noch mit Hilfe weiterer Prüfungen geschehen.

Untersuchung im Naturhistorischen Museum in Wien (Foto: Reinhard Habeck)


Eines bedauert die engagierte Wissenschaftlerin sehr: »Was mir leider bei
der Untersuchung fehlt, ist ein Teil des Erdreichs, in dem der Gegenstand
gefunden wurde. « Für zukünftige überraschende Entdeckungen rät die Wissen­
schaftlerin jedem Hobby-Archäologen: »Sollten Sie unerwartet etwas finden,
dann nehmen Sie auch eine Probe von dem umliegenden Erdmaterial mit. Bei
einer Altersbestimmung tut man sich dann wesentlich leichter. Wenn wir bei
dem Objekt selbst eine Altersbestimmung durchführen, würden wir zwar das
Bildungsalter des Steines herausfinden, nicht aber das Entstehungsalter der
darauf befindlichen Gravuren. Und das ist es ja, was wir eigentlich erfahren
möchten. Wann wurden die Gravuren angefertigt? Erst wenn das gelingt,
würden wir uns mit vielen Fragestellungen, etwa, ob es sich um eine Fälschung
handelt oder ob es wirklich ein Objekt ist, das 5000, 1 0 000 Jahre oder noch
älter ist, wesentlich leichter tun.«
Bei der Materialbestimmung und deren Bedeutung tut sich Dr. Hammer
leichter: »Schiefer läßt sich einfach spalten, womit die Bearbeitung mit einfa­
chen Werkzeugen möglich ist. Schwieriger war es für den Hersteller, eine
kreisrunde Scheibe im Durchmesser von 22 Zentimetern aus dem Gestein
herauszuarbei ten. «
Am meisten beeindrucken die reliefartig gestalteten Bildsymbole auf der
Vorder- und Rückseite des Diskus. Sie sind mit einzelnen Ornamenten verse­
hen, die durch lotrechte Striche getrennt sind. Am Scheibenrand befindet sich
ein Schlangensymbol eingraviert. Insgesamt spiegeln die Motive auf dem
Lyditgestein ein erstaunliches biologisches Wissen wieder, über das wir selbst
erst seit einigen Jahrzehnten verfügen.
Lassen sich die Zeichen auf dem Relikt genauer entschlüsseln? Was bedeu­
ten sie? Enthalten sie wirklich genetisch-biologische Informationen? Der Besit­
zer der Scheibe, Professor Jaime Gutierrez, vertritt die Ansicht, daß auf dieser
Platte die Evolution von den Amphibien zum Menschen dargestellt sei.
Selbst für Laien sind tatsächlich biologische Details erkennbar: Gravuren,
die an Spermien erinnern, die weibliche Eizelle, Geschlechtsteile und embryo­
nale Wachstumsphasen. Prof. Gutierrez glaubt, in einigen der Abbilder sogar
eine Zellteilung zu erkennen. Außerdem, so Gutierrez weiter, seien auf einer
Seite des Diskus verschiedene Entwicklungsstadien des Frosches illustriert wor­
den.
Wir konfrontierten den Mediziner Dr. Algund Eenboom mit dem kuriosen
Fundstück. Mit Kollegen sah er sich die Segmente auf der Scheibe genauer an.
Dr. Eenboom differenziert, daß wir hier nicht genetische, sondern biologische
Informationen vermittelt bekommen. Seine erste Analyse bestätigt dennoch
den bisherigen Eindruck: »Unter medizinischen Gesichtspunkten der Embryo­
logie lassen sich trotz einiger mythologischer Überfremdungen entscheidende
URALTES BIOLOGISCHES WISSEN
Embryologie in der Vorzeit

Vorderseite: 1-, 2- und


3-Uhr-Position: Neutra­
les embryonales
Stadium vor der ge­
schlechtsspezifischen
Weiterentwicklung.

Das embryonale Die beiden folgenden


Stadium mit Dotter­ Bilder (in 2- und 3-Uhr­
sack, dargestellt auf Position) stellen die
der Vorderseite in der jeweils geschlechtliche
8-Uhr-Position. Spezifizierung in weib­
lich bzw. männlich dar.
Der Embryo mit der
geschlechtsspezifi­ Ein Blick auf die Position
schen Körperhaltung von 5 bzw. 7 Uhr zeigt je
findet sich auf der einen hockenden Em­
Vorderseite in 7-Uhr­ bryo, der männlich bzwo
Position. weiblich dargestellt ist.

Auf der Rückseite der Auf der Rückseite (in


Scheibe läßt sich in 3-Uhr-Position) hat der
dem Segment der frühgeschichtliche Bild­
8-Uhr-Position rechts hauer ein Spermium in
eine Eizelle vor der Dreiteilung abgebildet:
Befruchtung (mit struk­ Kopf- und Schaltstück
turlosem Inneren) sowie Geißel sind zu
ausmachen, rechts sehen. Wie konnten
daneben die Eizelle Mediziner der Vorzeit zu
nach der Befruchtung diesem Wissen gelan­
mit deutlich verdickter gen ? Mikroskope, um
Zellmembram sowie die Vorgänge der Be­
einem nun klar struktu­ fruchtung detailliert
rierten Zellkern. sehen zu können, gab
es vor vielen Jahrhun­
derten selbst in eurasi­
schen Hochkulturen
(angeblich) nicht . . .

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Stadien der menschli­
chen Zellteilung

Embryonale Wachs­
tumsphasen
1 329
Entwicklungsstadien des menschlichen Lebens erkennen. Besonders signifikant
sind bei allen Kopfstrukturen die weit außenliegenden Augen und das breite
Nasensegment. Ein Charakteristikum der frühen embryonalen Kopfstruktur.
Viele Details sind gut erkennbar wiedergegeben, etwa das frühe embryonale
Stadium mit Dottersack auf dem Außenring der Scheiben-Vorderseite. «
Einige Details auf der Rückseite verblüfften den Mediziner besonders: »In
einem Segment ist eine Eizelle vor der Befruchtung (mit strukturlosem Inneren)
auszumachen, rechts daneben die Eizelle nach der Befruchtung mit deutlich
verdickter Zellmembran sowie einem nun klar strukturiertem Zellkern. An
anderer Stelle hat der frühgeschichtliche Bildhauer ein Spermium in Dreitei­
lung abgebildet: Kopfstück, Schaltstück und Geißel sind zu sehen.« Die Frage
ist, wie Mediziner der Vorzeit zu diesem Wissen gelangen konnten? Entspre­
chende Mikroskope, um die Vorgänge der Befruchtung detailliert sehen und
festhalten zu können, gab es vor vielen Jahrhunderten - der Lehrmeinung
folgend - nicht.
Bliebe noch der Vorwurf der Fälschung. Der passionierte Sammler Jaime
Gutierrez erzählte uns, er habe das Relikt von einem Schatzsucher (andernorts
würde man ihn vielleicht als Grabräuber bezeichnen) zum Kauf angeboten
bekommen, nachdem Museen mit dem fraglichen Gegenstand nichts anfangen
konnten. Die kulturelle Zuordnung und die Fundumstände sind problema­
tisch. Eine eindeutige Klassifizierung ist schwer vorzunehmen.
Aus der Kunstgeschichte sind uns aber genügend Vorfälle bekannt, wo
schwer deutbare Raritäten am Schwarzmarkt verhökert wurden oder zumindest
der Versuch dazu unternommen wurde. Manchmal konnte erst viele Jahre
später die wahre Bedeutung und der Wert des betreffenden Gegenstandes
ermittelt werden. In j üngster Zeit hat das Beispiel der »Himmelsscheibe von
Nebra« für großen Medienwirbel in Europa gesorgt. Ihren Anfang nahm die
Geschichte Ende der 1 990er Jahre, als illegal handelnde Profi-Schatzsucher im
Ziegelrodaer Forst bei Nebra in Sachsen-Anhalt (Deutschland) eine schwere
Bronzescheibe von 40 Zentimetern im Durchmesser sowie ein Bronzeschwert,
Beile und Armreife zutage förderten. Über mehrere Stationen, die zum Teil
noch im Dunkeln liegen, gelangten die Stücke in die Hände eines Oberstudien­
rates und einer Gastwirtin. Im Februar 2002 gelang es Landesarchäologen und
verdeckten deutschen Ermittlern, das Kulturgut in der Schweiz zu beschlagnah­
men und die Kaufanbieter dingfest zu machen.
Erst später konnte anhand wissenschaftlicher Untersuchungen festgestellt
werden, was für ein historisch bedeutender Schatz hier sichergestellt wurde: Das
Stück ist 3600 Jahre alt, zwei Kilogramm schwer und gerade mal zwei Millime­
ter dünn. Auf ihm sind aus Goldblech gefertigte Symbole, die Sonne, Mond
und Sternbilder darstellen, aufgesetzt. Die Scheibe ist damit die älteste in
33 0 I
Europa bekannte Darstellung der
Gestirne. Des weiteren ist auf dem
Schild eine Art Schiff zu sehen,
welches für die Experten Ähnlich­
keit mit der Sonnenbarke der al­
ten Ägypter hat. Da inzwischen
der Fundort ermittelt werden
konnte und an der Ausgrabungs­
stelle weitere archäologisch inter­
essante Gegenstände zum Vor­
schein kamen, zweifelt die Fach­
welt nicht an ihrer Echtheit und
zählt sie zu »einen der bedeutsam­
sten Schlüsselfunde zur alt­
Die »Himmelscheibe von Nebra« ist 3600 Jahre europäischen Kultur- und Geistes­
alt. Foto: © Staatsanwaltschaft Basel-Stadt, geschichte« . Andere meinen sogar
Schweiz euphorisch, daß der Fund zu den
»zwanzig bedeutendsten Entdek-
kungen der Menschheit« gehört.
Ein anderes Beispiel, das vielleicht kulturhistorisch mit der »Himmels­
scheibe« im Zusammenhang stehen könnte, ist der 75 Zentimeter hohe »Berli­
ner Goldhut« . Er ist mindestens 3000 Jahre alt und
mit Gravierungsmustern versehen, die zunächst nur
als Verzierungen gedeutet wurden. Auf Umwegen
gelangte der »Goldhut« in den Besitz der Stiftung
Preußischer Kulturschätze. Der genaue Fundort ist
unbekannt, wird aber in Süddeutschland vermutet.
Entdeckt wurde der ungewöhnliche Gegenstand von
einem Hobby-Schatzsucher. Drei sehr ähnliche Ob­
jekte kannte die Fachwelt bereits früher, doch sie
wurden als Pfeilköcher, Teile von Rüstungen, Vasen
und Pfahlkrönungen gedeutet. Neue Analysen brach­
ten nun eine Überraschung: Es waren »Zeremo­
nialhüte«, die von Hohepristern getragen wurden.
Wi/fried Menghin, Direktor des Berliner Museums
für Vor- und Frühgeschichte, nennt sie »Herren der

Auf dem »Berliner Goldhut« sind Ornamente zu sehen,


die sich als kosmologischer Kalender entpuppten.
(Foto: Reinhard Habeck)
Zeit« . »Es waren Leute mit heiligem Wissen, die in die Zukunft blicken
konnten«, erklärt er in einem Artikel des deutschen Magazins Spiegel. Denn den
Schaft des »Berliner Goldhutes« schmücken 1 739 Kreisbuckel und Halbmonde.
Menghin vermutet, daß sich hinter diesen Zeichen der »Metonische Zyklus«
versteckt. Dieser besagt, daß 1 9 Sonnenjahre fast genau 235 Mondperioden
entsprechen. Offiziell wurde diese Erkenntnis allerdings erst im Jahr 432 v. ehr.
vom Griechen Meton entdeckt. Sie gilt noch heute als Zentralformel bei der
Verzahnung von Mondjahr (354 Tage) und Sonnenjahr (236,24 Jahre) . »Die
Symbole sind eine Art Logarithmentafel zur Berechnung des lunisolaren Kalen­
ders«, so Menghin.
Fundumstände, Herkunft und Bedeutung sind bei diesen Gegenständen
unklar. Dennoch zeigen die beiden Beispiele - »Himmelsscheibe« und »Gold­
hut« -, daß es wert ist, sich gerade solcher Fundsachen anzunehmen, weil eine
weitere Studie wertvolle neue Erkenntnisse bringen kann. Nicht anders ist die
Situation bei der »Genetischen Scheibe« . Hier sind Fundumstände und Bedeu­
tung ebenso strittig. Dennoch konnte bislang kein Hinweis auf eine Fälschung
gefunden werden. Der Kunstexperte Dr. Rudolf Distelberger, der auch den
Rauchquarzschädel »E. T« untersuchte, äußert sich dazu ganz offen: »Die
Scheibe aus Kolumbien ist ein inhaltlich sehr kompliziertes Stück. Hier zeigt
sich ein Problem, das wir nicht erklären können, das aber deutlich macht,
weshalb der Gegenstand von manchen Wissenschaftlern oder Museumsexperten
abgelehnt und als Fälschung eingestuft wird: Er läßt sich nicht einordnen in das
bekannte südamerikanische Kultursystem, das wir derzeit kennen. Warum aber
sollte ein Fälscher etwas fälschen, das nirgends einzuordnen ist? Das macht
keinen Sinn. Man will ja etwas verkaufen. Wenn also j emand z. B. ein Inkagefäß
verkaufen will, weil es am Kunstmarkt einen Wert hat, dann wird man ein
Obj ekt in Gestalt eines Inkagefäßes herstellen. «
Skeptiker hatte die moderne Darstellung eines Pfeiles irritiert, weshalb sie
das Relikt schon allein deshalb als »plumpe Fälschung« abqualifizierten. Tat­
sächlich wirken die Pfeile modern. Doch wir finden sie zahlreich als stilisierte
Speere in vielen Darstellungen aus der Urzeit. Bei unserer Museumstour durch
Südamerika entdeckten und fotografierten wir etliche Pfeile aus Stein, die
genau dem Vorbild auf der »Genetischen Scheibe« entsprachen. Es handelt sich
dabei um sogenannte »Kultpfeile«, deren Bedeutung von Archäologen nicht
schlüssig geklärt ist.
Kritiker bemängeln, daß mit einem Fund außerhalb seines archäologischen
Kontextes kaum etwas anzufangen sei. Und interpretieren könne man einen
solchen Gegenstand schon gar nicht. Basta! Wäre es aber nicht sinnvoller, nach
möglichen vergleichbaren Spuren zu suchen, bevor man einen ungeklärten
Fund als »Fälschung« abqualifiziert? Im Falle des »Genetischen Diskus« kennen
wir die Herkunft nicht. Jener Schatzsucher, der die Scheibe Prof. Gutierrez
verkaufte, sprach davon, daß sie nicht aus einem Grab stammen würde. Bei
einer Verlegung einer Wasserleitung sei sie auf seiner Finca am Rande von
Bogota gefunden worden. So unglaubwürdig klingt das gar nicht, denn in dieser
Region, vor allem in den nördlich von Bogota liegenden Dörfern Tausa und
Sutatausa, wurden viele Relikte geborgen, die sich mit dem Stil und den
Motiven auf der Scheibe decken. Die »Genetische Scheibe« steht als archäologi­
sches Relikt somit nicht völlig isoliert dar, wie allgemein angenommen wird. In
Kolumbien wurden etliche Funde gemacht, die Kulturen zugeordnet werden,
die lange vor den Muisca oder Chibcha entstanden sind und einst vor allem die
Savanne von Bogota bewohnten. Damals war die ganze Gegend um Bogota
noch ein großer See.
Neben den High-Tech-Werkzeugen, die wie die Scheibe aus Lydit beste­
hen, sind es vor allem Fruchtbarkeitssymbole und Froschdarstellungen, viele
davon aus schwarzem Stein, die einen Kontext zum schwarzen Diskus erlauben.
Interessant ist ein Objekt mit den Darstellungen von Kaulquappen. Bekannt
ist, daß die Ureinwohner Kolumbiens Fröschen und
Amphibien eine wichtige Bedeutung beigemessen
haben. Es sind auch wahrlich erstaunliche Geschöp­
fe. Lurche waren die ersten Landbewohner, die sich
einem Leben außerhalb des Wassers anpaßten. Den­
noch brauchen die meisten zur Fortpflanzung im­
mer noch das nasse Element.
Einige Froscharten verhalten sich derart unge­
wöhnlich, daß selbst heutige Zoologen ins Staunen
geraten. So macht der Harlekinfrosch, Pseudis
paradoxa, eine einzigartige Schrumpfungsumwand­
lung durch, wenn er sich von einer Kaulquappe in
Kaulquappen und Frösche einen Frosch verwandelt. Er lebt im tropischen Süd­
sind ein häufiges Motiv auf amerika, und die Kaulquappe wird ungefähr 25 Zen­
den schwarzen Steinen. timeter lang. Sobald jedoch die Umwandlung zum
(Foto: Bernhard Moestl und eigentlichen Frosch stattfindet, tritt auch ein beacht­
Autoren) licher Schrumpfungsprozeß ein. Wie bei anderen
Fröschen bildet sich der Schwanz zwar zurück, aber
auch ohne Schwanz gemessen ist die Kaulquappe noch um vieles größer als der
ausgewachsene Frosch, der im Höchstfall gerade noch sieben Zentimeter mißt.
Was mögen präkolumbianische Völker gedacht haben, wenn sie diesen seltsa­
men Vorgang beobachteten? In einem aufgefundenen Stein ist eine ganze
Gruppe von Kaulquappen kurz nach dem Schlüpfen eingraviert.
Ein anderer Stein zeigt ebenfalls bildhaft herausgearbeitete Figuren, die an
Kaulquappen erinnern. Der Gedanke an
eine Fruchtbarkeitsplastik liegt nahe. Bei
der Untersuchung des Gegenstandes
stellte sich allerdings heraus, daß das
Relikt aus Altamerika von einem Künst­
ler deshalb so ausgeklügelt geformt wur­
de, um perfekt von der Hand umfaßt
und als Schlaginstrument oder Waffe
Schwarzer Stein mit Gravuren aus der benutzt zu werden.
Sam mlung Alonso (Foto: Bernhard Moestl Aus der Sammlung Alonso wurde uns
und Autoren) ein schwarzer, sehr glatte Stein, zur Ver­
fügung gestellt, der in der Region Pasca
in Kolumbien gefunden wurde. Er offenbart erstaunliche Details: Oben wurden
verschiedene Figuren reliefartig herausgehauen. Ein menschenähnliches Wesen
und eine Schlange sind ebenso zu erkennen wie geometrische Darstellungen. Es
scheint, als ob der Künstler eine Metamorphose darstellen wollte, da die mensch­
liche Figur, welche obere und untere Gliedmaßen hat, auf der Rückseite des
Kopfes einige kleine Löcher aufweist, die wie Kiemen aussehen.
Ein anderes Fundstück erinnert an einen Drachen und soll nach archäolo­
gischer Zuordnung eine Eidechse mit Kamm darstellen. Auffällig ist der wellen­
förmige Schwanz, der einen Verwendungszweck als Werkzeug erlaubt, etwa für
feine Gravuren bei weichem Material. Wegen ihrer Sonnenliebe wurde die
Eidechse bei vielen alten Völkern mit Licht- und Sonnengöttern in Verbindung
gebracht. Winterschlaf und regelmäßige Häutung ließen sie zu einem Symbol
für Tod und Auferstehung werden.
Viele Gegenstände, die aus schwarzem Stein kunstvoll herausgearbeitet
worden sind, werden als Fruchtbarkeitsidole gedeutet. Etwa ein 1 3 Zentimeter
langer Gegenstand in Form eines Phallus. Das Stück, das eventuell als Werkzeug
Verwendung fand, zeigt klare geometrische Formen und auf einer Seite ein
Gesicht mit »Glupschaugen«, das dem Stil der »Genetischen Scheibe« sehr
ähnlich ist.
Das gilt ebenso für das weibliche Gegenstück, einen sechs Zentimeter
großen schwarzen Stein mit weiblichem Geschlechtsmerkmal. Schon auf den
ältesten Fels- und Höhlenmalereien der Altsteinzeit finden sich weltweit Dar­
stellungen von Vulven und anderen Sexualsymbolen, die nach anthropologi­
scher Deutung im Mittelpunkt kultischer Fruchtbarkeitszeremonien und der
Verehrung von Muttergottheiten standen.
Eine besondere Rolle wird auch den Darstellungen von Fröschen beigemes­
sen. Im Amazonasgebiet scheint die Verehrung des Frosches, ähnlich wie im
alten Ägypten, mit der Vorstellung um die Urentstehung des Lebens (Geburt)
334 I

Ein phallusförmiges Kult­


objekt zeigt auf einer Seite
ein froschartiges Gesicht.
Das weibliche Gegenstück
dazu fand man ebenso.
(Fotos: Bernhard Moestl
und Autoren)

verbunden zu sein. Froschskulpturen wurden aus vielen Materialien hergestellt.


Im Goldmuseum von Bogota, Kolumbien, lagern z. B. zahlreiche Froschidole
unterschiedlichster Größe, die von den Muisca und anderen Kulturen Kolum­
biens in filigraner Goldarbeit hergestellt wurden. Eine Kleinplastik, ebenfalls
aus Kolumbien, zeigt einen voll entwickelten Frosch, der präzise aus dem Stein
herausgearbeitet wurde. Ebenso wurde die Unterseite kunstvoll gestaltet: Sie
offenbart eine Kaulquappe in plastischer Form. Ähnliche Motive wie in Kolum­
bien lassen sich auch in Ecuador finden. Im Museo deI las Culturas Aborigines in
Cuenca sind eine Reihe von Skulpturen zu sehen, die Fruchtbarkeit und Frosch­
darstellungen verbinden, besonders auffällig bei einem »Kultphallus« , an dessen
Seite ein Frosch sitzt.
Eine 1 5 Zentimeter hohe Kleinplastik, wiederum aus schwarzem Stein,
verblüfft durch ihre perfekte harmonische Formgebung, Design und Ästhetik.
Sie wurde mit einigen raffiniert hergestellten Werkzeugen in der Region der
Muisca-Kultur nahe Bogota entdeckt. Man sieht eine Gestalt mit großen
froschähnlichen Augen, die in einem Art »Lehnstuhl« sitzt. Eine kuriose Szene,
die mancher Betrachter vielleicht mit dem nächsten Zahnarztbesuch assoziiert.
Auf der Rückseite des Stuhls sind zwei Köpfe mit »Glupschaugen« herausgear­
beitet, die im Stil wiederum an die Abbilder auf der »Genetischen Scheibe« und
an Froschgesichter erinnern.
Dazu paßt eine weitere Miniatur. Sie mißt im Durchmesser nur etwas mehr
als drei Zentimeter und zeigt drei menschenähnliche Gesichter mit verschiede­
nem Ausdruck. Der schwarze Stein ruht auf einer Unterlage. Setzt man sie in
Bewegung, wird dem Betrachter der Eindruck eines Gesichtes vermittelt, das
seinen Mund bewegt. Was inspirierte den Erfinder aus Kolumbien zur Herstel­
lung eines solchen mechanischen Steines?
Die meisten Relikte aus schwarzem Stein wurden bei Sutatausa gefunden,
einem archäologisch noch kaum erforsch­
ten Gebiet Kolumbiens. Die perfekte Äs­
thetik und das Design lassen bei etlichen
Objekten einen Gleichklang zu den Mo­
tiven auf der »Genetischen Scheibe« er­
kennen. Aus der Region stammen ebenso
Figuren und Steine mit rätselhaften
Schriftzeichen, die noch auf ihre Entziffe­
rung warten. Wer die genialen Hersteller
waren, liegt verborgen im Dunkel der Ge­
schichte. Manche Forscher schließen nicht
aus, daß im südamerikanischen Urwald
Diese 1 5 Zentimeter große Kleinplastik die Antwort liegen könnte und noch un­
überrascht durch ihre verblüffende bekannte Siedlungen auf ihre Entdeckung
Formgebung. (Foto: Bernhard Moestl warten.
und Autoren) Einen Hinweis darauf, weshalb diese
Kulturen versunken sind, vermitteln uns
die Chibcha-Indianer mit einer alten Legende. Demnach hätte vor Urzeiten
eine große Flut alles zerstört. Gott Chibchacun soll sie den Menschen geschickt
haben. Damit weist die Mythe eine verblüffende Ähnlichkeit mit der biblischen
Sintflut-Sage auf.
Endgültige Klarheit über den Ursprung und Zweck der »Genetischen
Scheibe« sowie anderer damit vielleicht im Zusammenhang stehender Artefakte
können nur weitere wissenschaftliche Untersuchungen erbringen. Werden die
Ergebnisse eine neue Sichtweise über die menschliche Frühgeschichte nötig
machen?

Noch weitestge­
hend archäologisch
unerschlossen: Die
Hochtäler in der
Umgebung nördlich
von Bogota. (Foto:
Klaus Dona)
28
Magische Schädel aus Edelstein
Mit welchen Methoden wurden sie hergestellt?

Die Welt steckt voller »Unsolved Mysteries« . Einige davon konnten wir aufstö­
bern und als Originalstücke erstmals einem großen Publikum vorstellen. Die
Funde legen ein beeindruckendes Zeugnis davon ab, daß der Geist des Men­
schen schon in frühen Zeiten zu erstaunlichen Leistungen fähig war. Man kann
die seltsamen Dinge - von antiken Leuchtkörpern bis zur »Genetischen Schei­
be« - nicht mehr wegdiskutieren. Sie sind da, können bestaunt und untersucht
werden. Die Forschungsarbeit moderner Wissenschaftler wird somit auf eine
harte Probe gestellt, und unsere herkömmliche Geschichtsvorstellung verliert
zunehmend an Bedeutung.
Zu den außergewöhnlichsten Zeugnissen unserer rätselhaften Vergangen­
heit gehören Schätze aus Bergkristall und Edelsteinen, darunter geheimnisvolle
Schädel, Masken aus Quarz, antike optische Linsen und Kultobjekte aus Edel­
stein. Bereits den Neandertalern gelang die präzise Bearbeitung von Gegenstän­
den aus Bergkristall. Dabei galten diese Urmenschen jahrzehntelang als »primi­
tive« Tiermenschen. Doch sie standen in bezug auf Werkzeug, Kleidung und
Jagdtechnik dem Homo sapiens sapiens in kaum etwas nach. Daß die Neander­
taler weit fortschrittlicher waren, als ihnen gemeinhin zugetraut wird, zeigt sich
ebenso anhand 50 000 Jahre alter Schmuckgegenstände, wie Halsketten aus
Elfenbein, die in Frankreich gefunden wurden, und ebenso an Wolfs- und
Elchzähnen, die mit durch Bohrung entstandenen Löchern versehen sind.
Ein ungewöhnliches Neandertaler-Relikt wird im Naturhistorischen Muse­
um in Brünn (Tschechien) aufbewahrt: eine geschliffene, etwa zehn Zentimeter
große Steinspitze aus durchsichtigem Bergkristall. Da das Relikr nicht für die
Jagd bestimmt gewesen sein konnte, vermuten Prähistoriker, daß der bearbeite­
te Kristall für kultische Zwecke Verwendung fand. Die Bearbeitungsart und die
Frage, welche Form von »Kult« oder religiöser Bedeutung der Gegenstand hatte,
bleiben allerdings unbeantwortet.
Wer solche Schmuckstücke seinerzeit bearbeitete, muß nicht nur über
künstlerisches Talent verfügt haben, sondern vor allem über ein erstaunliches
handwerkliches Geschick. Bergkristall ist ein sehr häufiges, j edoch schwer
schmelzbares Mineral, dessen Härtegrad den von Glas bei weitem übersteigt.
Quarzverarbeitungen werden vorwiegend in der Porzellanerzeugung und in der
Industrie vorgenommen. Quarzglas zum Beispiel, aus reinem geschmolzenen
Quarz hergestellt, eignet sich vorrangig zur Anfertigung chemischer Gefäße. Es
ist gegen plötzlich auftretende Temperaturunterschiede praktisch unempfind­
lich, außerdem säurefest und durchlässig für ultraviolette Strahlen.
Somit handelt es sich um ein überaus strapazierfähiges Material, das übli­
cherweise nur maschinell zu bearbeiten ist. Da die rhombenartige Struktur des
Kristalls spiralförmig verläuft und Achsen entstehen läßt, muß dieser Umstand
bei der Bearbeitung berücksichtigt werden. Würde man etwa gegen die Achsen
arbeiten, könnte es zu einer Zersplitterung des Materials kommen. Jeder Fach­
mann, der mit Quarzverarbeitung zu tun hat (beispielsweise bei der Herstellung
von Quarzuhren) , weiß darüber Bescheid. Dennoch existieren künstliche Wer­
ke aus Bergkristall, bei denen die kristalline Struktur bei ihrer Schöpfung außer
acht gelassen wurde. Längst untergegangene Kulturen besaßen offenkundig
eine fortgeschrittene Kenntnis der Optik und ein unglaubliches Geschick in der
Steinschneidekunst.
Im Anthropologischen Museum in Mexico City sind einige Kristallobjekte
ausgestellt, darunter ein perfekt geschliffenes Kaninchen aus Bergkristall. Es ist
etwa zehn Zentimeter groß und wird der mixtekischen Kultur zugeordnet. Die
Entwicklungsgeschichte der Mixteken reicht weit in die Vergangenheit zurück
und wird zeitlich mit etwa 650 v. Chr. bis 1 5 00 n. Chr. angesetzt. Ebenfalls aus
der Epoche der Mixteken stammt ein Kristallpokal, der in den 1 930er Jahren
von dem spanischen Archäologen Alfonso Caso in der Höhle »Grab Nr. 7« in
Monte Alban, Mexiko, gefunden wurde. Der Becher wurde vor mindestens
1 000 Jahren hergestellt und lag neben einem kleinen kristallenen Lippen­
stöpsel, kristallenen Ohrringen sowie Kristallperlen und Schätzen aus Jade.
Noch eindrucksvoller sind Produkte der High-Tech-Welt, wie asphärisch
geschliffene Gläser, die heute in der Präzisions-Optik Verwendung finden. Man
hat sie an Orten entdeckt, wo kein Archäologe sie vermuteten würde: in
schwedischen Wikinger-Gräbern auf der Ostseeinsel Gotland, die aus dem
1 2 . Jahrhundert stammen. Sie sind nahezu perfekt hergestellt worden. Das
bestätigen Experten für Augenoptik, die solche geschliffenen Bergkristalle in
einer mehrjährigen Analyse untersuchten. Legt man die Linse zum Beispiel auf
einen Text, erhält man ein Bild, wie es mit einem modernen Vergrößerungsglas
von fünf Zentimetern Durchmesser erzeugt wird. Doch erst im 1 7. Jahrhundert
gelang es dem Mathematiker Rene Descartes, theoretische Berechnungen über
asphärische Linsen anzustellen. Die tatsächliche Nutzung einer solch präzisen
Technik war bisher nur aus dem 20. Jahrhundert bekannt. Wie aber soll es vor
acht Jahrhunderten möglich gewesen sein, eine dermaßen ausgefeilte Optik­
Technologie herzustellen? Allgemein wird angenommen, daß die ungewöhnli­
chen Fundstücke aus Byzanz (der alte Name von Istanbul, Türkei) stammen
und erst später von den Wikingern durch Handel oder Raub erworben wurden.
Damit könnte der Zeitpunkt der Herstellung solcher optischer Linsen noch
weiter zurück in der Vergangenheit liegen. Über ähnliche Funde in Ägypten
und dem Nahen Osten haben wir bereits berichtet.
Wenn es um die Perfektion geschliffener Artefakte geht, dann sind Schädel
aus Kristall und anderen Edelsteinen am beeindruckendsten. Sie zählen zu den
erstaunlichsten Artefakten, die auf unserem Planeten entdeckt wurden. Seit
einem aufsehenerregenden Kristallschädelfund in der Maya-Ruinenstätte
Lubaantun im Jahre 1 927 waren solche Obj ekte immer wieder Gegenstand
heftiger Kontroversen, da für ihre Herstellung eine fortgeschrittene Technik
benötigt worden wäre. Spekulationen, die Schädel seien übriggebliebene Arte­
fakte einer untergegangenen wissenschaftlich hochstehenden Zivilisation, sie
zeigten in ihrem Inneren Bilder von UFOs oder man könne durch sie Verbin­
dung mit anderen Dimensionen herstellen, heizten die Phantasie wie die Skep­
SIS an.

Kristalle gelten als glücksbringende Steine, die über heilbringende Strah­


lung und Energie verfügen. Besonders bei den altamerikanischen Kulturen
genossen sie große Verehrung. Von den Azteken weiß man, daß sie einen
ausgeprägten Toten- und Schädelkult praktizierten. Einige Forscher vermuten,
daß Kristallschädel dem Befragen eines Totenorakels oder als Pforte zu schama­
nistischen Reisen in die Unterwelt dienten. Die meisten Schädelfunde wirken
überraschend modern und naturalistisch. Über ihre Herkunft, Methoden der
Bearbeitung und die Altersdatierung ist meist wenig bekannt. Unbestritten ist
aber, daß der Künstler enormes handwerkliches Geschick bewies, um fein
modellierte Gesichtszüge aus dem extrem harten Gestein zu arbeiten.
Die zentrale Frage dabei: Wie wurden diese künstlichen Artefakte angefer­
tigt? Sollte es seinerzeit - wann immer das gewesen sein mag - weit wirksamere
Hilfsmittel gegeben haben als diejenigen, die wir unseren indianischen Vorfah­
ren zutrauen? Hatten die Ureinwohner wie die Maya nicht nur Observatorien -
sondern auch wirkungsvolle Schneideinstrumente zur Verfügung, von denen
wir heute nichts mehr wissen?
Außergewöhnliche Schädel aus Edelstein wurden rund um den Globus
gefunden. Viele davon befinden sich heute in privatem Besitz, einige sind
öffentlich ausgestellt, beispielsweise im Britischen Museum in London. Dort
wird ein Quarzkopf aufbewahrt, der der Aztekenepoche zugeschrieben wird
und 1 8 89 in Mexiko gefunden wurde. Im gleichen Museum wurde zu
Untersuchungszwecken der Kristallkopf namens »Sha Na Ra« aufbewahrt.
Bekannt sind ebenso der Quarzschädel »Max(( aus Texas und ein Kristallkopf
aus der Smithsonian Institution sowie ein Bergkristallschädel aus Mexiko, der im
Trocadero-Museum von Paris ausgestellt ist. Im Museo Regional von Oaxaca
(Mexiko) , in der Blake Collection des United States National-Museum sowie in
der Douglas Collection in New York sind weitere dieser seltsamen Objekte -
zumeIst aus der aztekischen und
mixtekischen Kultur - zu bestaunen.
Unsolved mysteries präsentierte in
Wien sechs Originalexponate der unge­
wöhnlichsten Schädelfunde aus der ein­
zigartigen Sammlung von Jokey van
Dieten Maasland: »Shui Ting Er« aus der
südwestlichen Mongolei; den Kristallkopf
»The Jesuit« ; den Rosenquarzkopf »Baby
Luv« aus der Ukraine; »Lazuli« aus Peru;
»Oceana« aus Brasilien und einen beson­
ders bizarren Quarzkopf, der 1 908 bei
Gartenarbeiten in einem Hinterhof in
Guatemala zutage gefördert wurde. Erst
1 99 1 kaufte ihn die holländische Ex-Ral­
lyefahrerin Jokey van Dieten um den »Preis
eines sehr teuren Autos« . Seither hat sie
zu »E. T« - der Schädel wird wegen seines
Hüterin der Kristall- und Edelsteinköpfe: Aussehens, das eher an Außerirdische er­
Jokey van Dieten aus Holland. innert als an Menschen, heute so genannt
(Foto: Reinhard Habeck) - weitere Köpfe aus unterschiedlichsten
Materialien erstanden.
Die Hüterin der Edelsteinköpfe erzählte uns von seltsamen Ereignissen, die
mit der magischen Wirkung von »E. T.« in Zusammenhang gebracht werden.
Esoteriker glauben, daß in ihm überirdische Informationen gespeichert sind,
die man ähnlich einem Computerprogramm abrufen könne. Manche Men­
schen sollen bei der Inaugenscheinnahme des Kopfes in Trance gefallen sein,
andere schreiben ihm heilende Wirkung zu. Jokey von Dieten litt selbst an
einem bösartigen Kopftumor mit geringen Chancen der Genesung. Erst durch
die Magie des Schädels, so glaubt Jokey felsenfest, sei sie wieder ins Leben
zurückgeholt worden.
Wie bei vielen aufgefundenen außergewöhnlichen Dingen stellen sich auch
bei den Schädelfunden mehr Fragen, als es Antworten gibt. Skeptiker unterstell­
ten immer wieder, daß die Artefakte, darunter auch der legendäre »E. T«-Kopf,
nicht wirklich alt sind, sondern in europäischen Werkstätten vor höchstens 1 00
Jahren angefertigt wurden. Jokey van Dieten weigerte sich vor einigen Jahren,
ihren Kristallschädel in London untersuchen zu lassen. Dies wurde von Kriti­
kern als Beweis dafür angesehen, daß auch »E. T. « eine neuzeitliche Fälschung
sein müsse. Um diese Bedenken zu entkräften, entschlossen wir uns vor Aus­
stellungsbeginn, eine wissenschaftliche Untersuchung vornehmen zu lassen.
340 I
Die Analyse unternahm der renommierte Kunst­
historiker Dr. Rudo/fDistelberger. Der Edelstein­
experte und Direktor der Wiener Schatzkammer
untersuchte bereits 1 984 den berühmten Kristall­
schädel von Lubaantun, der sich in Privatbesitz
von Mrs. Anna Mitchell-Hedges befindet. Dr.
Distelberger konnte bei diesem Stück mit Zuhil­
fenahme eines Mikroskops Schleifspuren an der
Schädeloberseite erkennen, die seiner Ansicht nach
den Verdacht untermauern, der Lubantuun-Schä­
del sei vermutlich in Ober-Idarstein in Deutsch­
land angefertigt worden.
Zu ganz anderen Schlußfolgerungen gelang­
Edelsteinexperte Dr. Rudolf te der Kunstexperte bei der Untersuchung von
Distelberger untersuchte den »E. T. « im Naturhistorischen Museum in Wien.
Kristallschädel »E. I«, die Dabei stellte er zunächst fest, daß »der Schädel,
» Genetische Scheibe« und die der 1 908 in Mittelamerika gefunden wurde, eine
Werkzeuge aus Sutatausa. Größe von fünf Kilogramm aufweist, aus Rauch­
Hinweise auf neuzeitliche quarz besteht und die Maße 1 60 Milimeter (Höhe)
Fälschungen konnte er aus­ zu 1 20 Milimeter (Breite) und zu 2 1 0 Milimeter
schließen. (Foto: Reinhard (Tiefe) aufweist« .
Habeck) Auffallend seien die Augen, die eine tiefe
trichterförmige Bohrung aufweisen. »Sie könn­
ten«, so Dr. Distelberger weiter, »ursprünglich
mit Smaragden oder anderen Edelsteinen ge­
schmückt gewesen sein, wodurch die magische
Ausstrahlung des Schädels noch deutlicher zum
Ausdruck kam. «
Der ranghohe Wissenschaftler machte noch
eine erstaunliche Feststellung: »Der Kristall­
kopf ist zumindest 500 Jahre alt. Er zeigt keine
Bearbeitungsspuren mit den in Europa übli­
chen rotierenden Instrumenten. Der Fundort
Mittelamerika ist deshalb glaubhaft.« Daraus
ergibt sich für den Edelsteinexperten das vor­
läufige Resümee: »Der Schädel ist alt! Er wurde
präzise mittels Handpolitur bearbeitet. Es wäre
für einen Fälscher völlig unrentabel, in viel­ Mindestens 500 Jahre alt:
jähriger Arbeit einen solchen Schädel händisch Rauchquarzkopf »E. T«.
zu polieren, um diese Form herzustellen. Ich (Foto: Martin Vinkensteijn)
kann nicht erklären, warum der Kopf so naturalistisch aussieht, fast wie ein
europäischer Kopf, trotzdem schmäler und zugleich durch Handpolitur herge­
stellt mit Mitteln, die bei uns unüblich sind. Das ist das nicht zu lösende
Problem bei diesem Stück, das vermutlich vor seiner Entdeckung ziemlich lange
unter der Erde lag. «
Vergleichbare Schädel aus Kristallen und anderen Edelsteinen wurden rund
um den Globus von unseren Vorfahren hergestellt. Aus der Sammlung Jokey
van Dieten sind folgende Exemplare bekannt:
. Der Edelsteinkopf »Shui Ting Er« wurde 1 870 von einem chinesischen
Archäologen im Gebiet der südwestlichen Mongolei entdeckt. Er besteht
aus einem hellgrünen Edelstein. Das Alter und seine Bedeutung sind
ungeklärt. Ein Hinweis liefert vielleicht die Farbe grün. Sie galt im alten
China als Emblem des Lebens. Mehrere Götter und Göttinnen fernöstli­
cher Mythologie tragen einen grünen Anzug, z. B. der Gott der Literatur.
Aus einem klarem Stück Quarzkristall wurde der Schädel »The Jesuit«
geschliffen. Er mißt etwa ein Drittel der Größe eines menschlichen
Kopfes. Dieser Kristallkopf befand sich lange im Besitz von Ignatius von
Loyola, dem Ordensgründer des Jesuitenordens. Zusammen mit sechs
Gleichgesinnten schloß sich Ignatius zu einer Gemeinschaft zusammen,
die sich am 1 5 . August 1 534 in der Marienkapelle am Montmartre in
Paris traf und das Gelübde der lebenslänglichen Armut und Keuschheit
ablegte. Als Missionare wollten die sieben Männer ins Heilige Land
ziehen. Seit damals weiß man von der Existenz des Schädels, wenngleich
über seine wahre Bedeutung nur spekuliert werden kann. Er wiegt drei
Kilogramm, besteht aus Bergkristall und hat die Maße: Höhe 1 1 5 Milli­
meter, Breite 90 Millimeter, Tiefe 1 50 Millimeter.
In den Anfängen des 1 8 . Jahrhunderts wurde der Schädel »Baby Luv«
nahe der Stadt Luv in der Ukraine entdeckt. Er wurde aus einem Stück
Rosenquarz angefertigt und wiegt 7,5 Kilogramm. Seine Höhe beträgt
1 60 Millimeter, seine Breite 1 3 5 Millimeter und die Tiefe des Objektes
220 Millimeter. Der künstlich gefertigte Totenkopf wurde im Jahre 1 7 1 0
von einem russischen Mönch in einem alten Erdhügel gefunden. Diese
Kultstätte wird aufgrund entdeckter Artefakte den Scythians zugeschrie­
ben, einer Volksgruppe, die zumindest bis vor etwa 1 000 Jahren in
diesem Gebiet lebte. Seit 1 993 ist »Baby Luv« in Besitz der Sammlung
van Dieten.
Ein weiterer ungewöhnlicher Totenkopf ist der Schädel »Lazuli« . Er ist ca.
drei Kilogramm schwer, besteht aus Lapislazuli und kommt aus Südame­
rika. Der Lapislazuli-Schädel wurde 1 99 5 von Indigenen im nördlichen
Peru entdeckt und soll aus der Inka-Zeit stammen. Die Einheimischen
Oben links: Edelsteinkopf » Shui Ting Er«
aus der Mongolei; oben rechts: » The
Jesuit« aus Quarzkristal/; Mitte links:
Rosenquarzschädel »Baby Luv«; unten
links: Totenkopfschädel »Lazuli« aus Süd­
amerika; unten rechts: Aquamarinschädel
» Oceana« (Fotos: Martin Vinkensteijn)
glauben, daß der blaue Schädel ihnen Gutes bringen würde. Vielleicht
wegen seiner leuchtenden Farbe, die in verschiedenen Kulturen mit
himmlischen Mächten verglichen wurde und wird.
Der Schädel »Oceana«, so genannt wegen seines Gesteins aus grünlichem
Aquamarin, wurde von nomadisierenden Indianerstämmen der nördli­
chen Region Südamerikas offenbar mehrfach weitergereicht, bis er 1 997
der Sammlerin Jokey van Dieten von brasilianischen Indianern überge­
ben wurde. Sein Weg läßt sich zurückverfolgen über Kolumbien, Ecuador
und Peru, bevor seine Spur sich verliert. Auch er wiegt drei Kilogramm,
ist 1 1 5 Millimeter hoch, 90 Millimeter breit und 1 60 Millimeter tief

Der berühmteste aller Kristallschädel ist gleichzeitig der umstrittenste und


stammt aus der Mayastätte von Lubaantun (Belize) . Verschiedene Autoren
haben über dieses Objekt detailliert berichtet, das zwischen esoterischer Aura,
Weltuntergangsprophezeiung, Fälschung und einmaliger Bearbeitung eines
mittelamerikanischen Mayastammes angesiedelt ist.
Rückblick: 1 924 leitete Dr. Thomas Gann zusammen mit E A. Mitchell­
Hedges und Captain Joyce vom Britischen Museum sowie weiteren Forschern
eine Grabungskampagne in einer noch unerforschten Ruinenstadt im südlichen
British Honduras (Belize, auf der Halbinsel Yucatan, Mexiko) ein. Die Ausgra­
bungen erstreckten sich über mehrere Jahre. 1 927 folgte dann die überraschen­
de Entdeckung: Kurz vor Ende einer Teilgrabung, die durch die Regenzeit
beendet werden sollte, fand die Adoptivtochter Mitchell-Hedges' , Anna, in der
Nähe eines Altares der Stadt, die man Lubaantun genannt hatte, einen Toten­
schädel, gearbeitet aus einem großen Stück Bergkristall. Einige Tage später kam
ein Unterkiefer, ebenfalls aus Bergkristall bestehend, zum Vorschein. Zusam­
men mit dem ersten Fundstück ergab sich daraus ein lebensgroßes, anatomisch
korrektes Abbild eines Frauenschädels. Das 5,3 Kilogramm schwere Kunstwerk
ist seitdem zum Streitobjekt der Wissenschaftler geworden.
Obgleich die zahllosen von Mitchell-Hedges geborgenen Artefakte nie
auch nur einen Hauch von Fälschungsverdacht aufkommen ließen, stand hier
plötzlich die internationale Fachwelt gegen den Archäologen und seine Entdek­
kung. Der Kristallschädel fiel einfach aus dem gewohnten Rahmen, den man in
bezug auf die Maya gesteckt hatte.
Ein Vorwurf, der in j üngster Zeit immer wieder von Skeptikern vorge­
bracht wird, beruht auf einem Gerücht: Mitchell-Hedges soll den Schädel 1 943
bei Sothebys in London ersteigert haben, nachweisbar durch Unterlagen des
Britischen Museums, das um das Kristallartefakt mitbot. Zu dieser Behauptung
soll es auch passen, daß keine Fotos oder Meldungen zu diesem sensationellen
Fund vor 1 943 existieren.
Stichhaltige Beweise, etwa durch die Vorlage des Beleges, der die Sotherby­
Geschichte zweifelfrei klarstellen könnte, bekommt man nicht zu Gesicht.
Wäre diese Geschichte wahr, müßte man sich fragen, weshalb etwa das Britische
Museum nicht gleich die Öffentlichkeit davon in Kenntnis setzte, als der
Lubaantun-Schädel zum Gesprächsthema in den Medien wurde, wo man ihn
stets als »Maya-Schädel« bezeichnete. Wieso taucht dieser angebliche Beleg (den
wir noch nicht gesehen haben) erst jetzt auf? Und selbst dann, wenn Anna
Mitchell-Hedges den Schädel tatsächlich im Auktionshaus erworben hätte,
muß dies noch lange nicht bedeuten, daß der Gegenstand von einer Schleif­
werkstatt in Europa hergestellt wurde.
Der Vorwurf der Fälschung überzeugt noch aus einem anderen Grund
nicht: In verschiedenen Dokumentationen wird darauf verwiesen, daß der
Fund erstmalig am 24. Februar 1 93 5 in der Sonntagsausgabe des New York
American publiziert wurde. Bereits im Jahre 1 932 0) wurde Dr. Adrian Digby
vom Britischen Museum in London damit beauftragt, den Schädel zu vermes­
sen, um Vergleiche mit dem 1 903 vom gleichen Museum erworbenen »Azte­
ken-Kristallschädel« anzustellen.
Wie kann der Schädel dann 1 943 bei Sotherby ersteigert worden sein?
Solange der angebliche Schwindel nur auf Gerüchten basiert, gehören solche
Vorhaltungen in die gleiche Kategorie wie die unbewiesene Behauptung, die
Kristallschädel seien womöglich Relikte von Außerirdischen.
Unbestreitbar ist die Perfektion in der Herstellungstechnik. Aber auf wel­
che Weise und mit welchen Werkzeugen hatte man sich einst an das Quarzstück
herangewagt? Er konnte nur durch eine ausgefeilte technische Methode herge­
stellt worden sein. Der Schädel besitzt einen sehr hohen Härtegrad und mußte,
wie die Forschungsabteilung des HewLett-Packard-Elektronikkonzerns bestätig­
te, gegen die Achse geschliffen worden sein, was nur unter polarisiertem Licht
möglich ist. Millimeterkleine Abweichungen sorgen unweigerlich für Absplitte­
tungen. Die optischen Eigenschaften des Schädels sind ebenso verblüffend.
Stellt man vor ihn eine Lampe, wird das Licht derart gebrochen, daß die
Augenhöhlen von innen her leuchten.
Der amerikanische Restaurator Dr. Frank Dorland zu dem Phänomen:
»Läßt man übernatürliche Kräfte aus dem Spiel . . . , so müssen die Maya ihren
Kristallschädel durch manuelle Politur hergestellt haben. Eine unvorstellbare
Arbeit, die Jahrhunderte lang gedauert hätte, unabhängig von politischen und
religiösen Verhältnissen. Wir können uns schwer vorstellen, wie ein derart
anvisiertes Ziel von Generation zu Generation stur durchgehalten wurde. «
Erst nach rund 300 Jahren ununterbrochener Arbeit wäre der Schädel
vermutlich fertig poliert gewesen. Oder anders gesehen: Zehn Generationen
hätten jeweils dreißig Jahre lang die Oberfläche des Kristallschädels blank
polieren müssen. Eine sehr unwahrscheinliche und eher unlogische Annahme.
Vorausgesetzt, es sind keine maschinelle Spuren erkennbar. Doch genau die will
Edelsteinexperte Dr. Distelberger bei der Untersuchung des Lubaantun-Schä­
del entdeckt haben. Ein Indiz für den Fachmann, daß der Kopf neuzeitlich ist,
kaum älter als 1 00 Jahre. Es sei denn, man räumt ein, daß auch Urvölker bereits
spezielle Geräte besaßen, um solche Steine zu bearbeiten.
Dr. Anna RooseveLt vom Museum 01 the American Indian in New York
beharrt darauf, daß er trotz allem authentisch ist: »Der Fund von Lubaantun
steht im sinnvollen Zusammenhang mit allen anderen vergleichbaren Funden
. . . Es hätte zu lange gedauert, um ein solches Stück eigens herzustellen, so daß
es eine sehr teure Fälschung wäre, wenn das Ganze ein Schwindel ist . . . Es
erscheint mir sehr wahrscheinlich, daß er echt ist. «
Inzwischen ist es Kriminologen anhand des Schädels und durch Einsatz
einer modernen Methode zur Gesichtsrekonstruktion gelungen, ein Lebensbild
zu rekonstruieren. Demnach soll es sich bei dem Kunstwerk um die Wiedergabe
einer Mayafrau handeln, die etwa 20 Jahre alt war. Man vermutet, daß es sich
bei der Person um die Hohepriesterin der Mondgöttin IxcheL gehandelt hat.
Ixchel wird mit »Regenbogenfrau« übersetzt. Sie war die Göttin der Erotik, der
Zeugung, der Geburt und der Heilkunst. Diente der Kristallschädel ihrem
Orakel?
Der Altamerikanist und Ethnopharmakologe Dr. Christian Rätsch bestätigt,
daß klare Bergkristalle im alten Mexiko ein hohes Ansehen hatten. Sie galten als
»leuchtende Edelsteine« der Götter. Die heutigen Maya-Schamanen schätzen
den Bergkristall noch immer. »Sie benutzen nach wie vor den sas tun (den
leuchtenden Edelstein) , bei der Divination (iLmah, wörtlich >Sehen<)«, weiß der
Schamanen-Experte. Wollen sie eine Krankheitsursache erkennen oder Einblik­
ke in gewöhnlich verborgene Aspekte der Wirklichkeit erlangen, benutzen
Schamanen Bergkristalle als Konzentrationsobjekte.
Dr. Rätsch enthüllt das Ritual: »Um den Kristall, der als ein Geschenk des
Jaguargottes ( YuntziL BaLam) gilt, von >schlechten Winden< zu reinigen, wird er
in den berauschenden Zeremonialtrunk balchi eingelegt. Vor der Konsultation
nimmt der Schamane die psychoaktiven Samen ein, etwa vom Stechapfel
(Datura innoxia) , die auf Maya xtabentun (>Edelsteinkordel<) heißen. Die Kor­
del ist wiederum ein Symbol der Mondgöttin Ixchel. Setzt die Wirkung der
Psychedelika ein, verfällt der Schamane in eine prophetische Trance. Dabei
blickt er konzentriert in den Bergkristall, der nur von einer Kerze erleuchtet
wird. Sein Kristall wird nun im Ritual zu einem Tor in andere Wirklichkeiten.
Durch die Kristallpforte reist der Schamane zu der Mondgöttin oder zum
Jaguargott und fordert die Seele eines Kranken zurück oder bittet um Auskünfte
über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.«
Sammler mit ihren » Unsolved Mysteries«, die 2001 im Naturhistorischen Museum in Wien
einer wissenschaftlichen Prüfung unterzogen wurden. (Foto: Reinhard Habeck)

Nun behaupten wir nicht, daß diese Schädel allesamt der Kommunikationshilfe
in andere Welten dienten, Überbleibesel aus Atlantis sind oder womöglich sogar
mit Hilfe einer außerirdischen Zivilisation angefertigt wurden. Aber die Frage,
warum ausgerechnet Schädel in den verschiedenen Kulturen aus Kristall und
Quarz hergestellt wurden (von einem reinen ästhetischen Äußeren einmal
abgesehen) und mit welcher Technik dies geschah, sei erlaubt.
Das Orakel selbst gibt darauf keine schlüssige Antwort. Die Totenköpfe
ziehen es vor, zu schweigen.
29
Inty Nan und die »Wissenden der Zeit«
Megalithrätsel und die Macht der Pyramiden

Wenn uns eine längst untergegangene Zivilisation etwas hätte mitteilen wollen
- auf welchem, die Zeiten überdauerndem Material wäre dies wohl am besten
möglich gewesen? Es gibt eigentlich nur das eine, wirklich widerstandsfähige
Produkt, das uns die Natur zur Verfügung gestellt hat - den Stein. Steine haben
sich sogar diversen Naturkatastrophen gewachsen gezeigt und ihre Form, ihr
Aussehen über die Jahrtausende hinweg bewahrt.
Bemerkenswert ist, daß bereits vor 30 000 Jahren Höhlenmenschen auf
Mammutknochen und Elfenbeintafeln Gravuren eingeritzt hatten, die sich
heute als eiszeitliche Mondkalender entpuppen. Die Entdeckungen der Archäo­
logie zeigen immer deutlicher, daß bereits die Menschen der Steinzeit auf der
ganzen Welt Bewegungen der Himmelskörper verblüffend genau beobachteten
und dafür großartige Anlagen und Bauwerke errichteten. Mit großer Sorgfalt
gingen die Meisterarchitekten bei der Errichtung ihrer Tempel vor, um sie als
astronomische Beobachtungsposten zu nutzen. Die Rätsel, die uns diese steiner­
nen Zeugen der Vergangenheit aufgeben, sind noch längst nicht alle gelüftet.
Manchmal zeigt sich, daß das astronomische Wissen der frühen Sterngucker
sogar über j enes der Gegenwart zu stellen ist, zumindest aber diesem in nichts
nachstand. Einem solchem Hinweis sind wir selbst bei unseren Recherchen vor
Ort in Ecuador nachgegangen.
Ein Ausflug zur Mitad deI Mundo, etwa 25 Kilometer nördlich von Quito,
brachte eine überraschende Erkenntnis. Dort steht ein wuchtiges Äquator­
denkmal. Im 1 8 . Jahr­
hundert wurde es errich­
tet, nachdem die Akade­
mie der Wissenschaften
von Paris alle Bedingun­
gen für die genaue Festle­
gung des Äquatorverlaufs
erzielt hatte. Ein roter
Strich und ein Beton­
globus markieren heute
die Trennlinie zwischen
nördlicher und südlicher Äquator-Denkmal Mitad dei Mundo
Erdhalbkugel. Äquator- (Foto: Bernhard Moesti und Autoren)
hüpfen ist ein beliebter Spaß, den sich Touristen und Einheimische gerne
erlauben. Was sie dabei nicht wissen: Sie springen an der falschen Stelle! Der
Platz zeigt eine Abweichung von mehreren Bogensekunden.
Bereits die Inka und ihre Ahnen kannten den Äquator, den sie in ihrer
Sprache Inty Nan (»Weg der Sonne«) nannten. Doch sie haben dafür einen
anderen Ort festgelegt, der einige hundert Meter Luftlinie entfernt auf einem
eher unscheinbaren Hügel liegt. Die Einheimischen nennen ihn Catequilla.
Nur über einen steilen und schwer befahrbaren Schotterweg erreicht man den
Gipfel. Die letzten paar
hundert Meter mußten
zu Fuß bewältigt werden.
An sich schon ein schwie­
riges Unterfangen, mit
mehreren Kisten Film­
ausrüstung erst recht.
Eine schweißtreibende
Strapaze, bei der uns fast
die letzte Luft ausgegan­
gen wäre. Auf der Berg­
spitze dann Verwirrung:
Beschwerlicher Ausflug zum vergessenen Inka-Äquator­ Vor uns offenbarte sich
punkt, der topographisch präziser festgelegt ist als die eine Plattform mit einem
Festlegung französischer Vermessungstechniker im 1 8. Steinkreis. Im Zentrum
Jahrhundert. Woher hatten die Ureinwohner Ecuadors die dieses Kreises stand ein
astronomischen Kenntnisse? (Foto: Klaus Dona) großer Stein - die Reste
eines kärglichen Inka­
heiligtums. Was uns noch auffiel: Am ganzen Berg gibt es keine solchen Steine,
nur Erdreich. Folglich müssen sie irgendwie hinaufgeschleppt worden sein. Das
allein wäre zwar interessant, aber noch nicht sensationell. Erstaunlich ist aber,
was der Zivilingenieur Christobald Cobo herausgefunden hat, nachdem er seit
Jahren diesen Platz untersucht.
»Dieser Ort liegt tatsächlich exakt auf dem Nullten Breitengrad! Null Grad,
Null Minuten, Null Sekunden. Bei einer Länge von 78 Grad, 25 Minuten und
43 Sekunden. Die Indianer hatten diese Perfektion schon vor Jahrtausenden,
um diesen Äquatorpunkt genauer zu ermitteln als die Geodäten des 1 8 . Jahr­
hunderts«, erklärte uns der Wissenschaftler im Gespräch.
Um das belegen zu können, bediente sich der Ingenieur der modernen
Satellitenortung GPS ( Global Positioning by Satellite) . Sie ist einer präzise
=

Methode, um die Lage und Höhe von Punkten auf der Erdoberfläche zu
bestimmen. Damit können Archäologen genaue Karten von beliebigen Stand-
orten erstellen. Neben den Archäologen ver­
wenden viele andere Forscher und Militärs
diese Technik. Sie basiert auf amerikanischen
Militärsatelliten, die für die globale Navigati­
on und die Ortung von Raketen eingesetzt
werden. Die Daten der Satellitenortung sind
auf das Längen- und Breitenkreissystem bezo­
gen, lassen sich aber in j ede topographische
Karte eines Landes übertragen. Die Methode
hat sich für Archäologen als sehr genau und
zeitsparend erwiesen.
Die Satellitenmessung ergab für den
Äquatorpunkt der Indigenas nur eine geringe
Abweichung von wenigen Metern . Eine
tolerierbare Differenz, die durch eine Jahrhun­
Mit der Satellitenortung GPS derte zurückliegende natürliche Verschiebung
gelang es den tastsächlichen erklärbar ist. Hingegen ist die Fesdegung durch
Standort des Äquator-Punktes zu die Franzosen im 1 8 . Jahrhundert bewiesener­
ermitteln. Er weicht nur geringfügig maßen völlig verfehlt, obwohl die Gelehrten
vom Inka-Kultplatz ab. damals angeblich wesentlich bessere Meß­
(Foto: Bernhard Moestl) methoden besaßen als die Inka.
Christo bald Cobo ist daher sicher, auf die­
sem Hügel ein zentrales Heiligtum der indigenen Völker gefunden zu haben. In
seinem wissenschaftlichen Forschungsprojekt untersucht er verschiedene ar­
chäologische Kultstätten in den Anden auf ihre astronomischen Zusammen­
hänge. Dabei konnte er feststellen, daß eine große Anzahl dieser Bauwerke auf
Linien liegt, die von dem Äquatorpunkt der Inka ausgehend sich exakt nach
dem Sonnenstand am Beginn der Jahreszeiten ausrichten. Die Linien, auf denen
sich verstärkt Tempelanlagen und Kultplätze befinden, führen bis nach
Tiahuanaco in Bolivien. Die bisherigen Studien deuten auf einen gigantischen
prähistorischen Kalender hin, der große Teile Südamerikas umfaßt und dessen
hohe Genauigkeit wir vielleicht erst heute wieder erreichen.
Cobo resümiert: »Diese Kulturen entwickelten sich schon vor einigen
Tausenden von Jahren. Das bedeutet aber nicht, daß diese Menschen rückstän­
dig oder dumm waren. Ganz im Gegenteil! Sie waren vielmehr fähig, tiefgrei­
fende Erkenntnisse zu entwickeln, und zwar in einem umfassenden Sinn. Denn
es gab keine äußeren Einwirkungen, die sie negativ beeinflussen konnten. Wir
dürfen die Verdienste der Ureinwohner nicht schmälern. Sie schafften es, den
Raum und die Zeit auf eine natürliche für alle nutzbringende Art zu beherr­
schen. «
35 0 I
Ein ähnliches Linien-Netz kennt man auch andernorts unter dem Begriff
»Ley-Linien« . Der Brite Alfred Watkins hat sie in den 20er Jahren des vorigen
Jahrhunderts entdeckt. Es zeigte sich, daß alte Kultstätten durch unsichtbare
Linien miteinander verbunden sind. Man sagt diesen Verbindungslinien über­
natürliche Kraft und Energie nach, die von Menschen mit besonderer Bega­
bung wahrgenommen werden kann. In Südostasien werden die Kraftlinien als
»Drachenwege« bezeichnet, die mit der Kunst des Feng Shui im Zusammenhang
stehen. Mit Hilfe der »Chinesischen Geomantie« konnte so bereits im Altertum
ein geeigneter Platz für die Errichtung einer Kultstätte gefunden werden.
Daß die alten Chinesen über großartiges Wissen verfügten, haben wir
bereits erwähnt. Sie waren nicht nur die Erfinder von Schießpulver, Kompaß
oder Akupunktur, sondern ebenso hervorragende Himmelsbeobachter. Astro­
nomische Listen aus dem alten Reich der Mitte führen genau Buch über
Sonnen- und Mondfinsternisse in jener Zeit, und dies mit einer derartigen
Präzision, daß davon sogar Astronomen heutzutage lobend konstatierten: »Un­
sere Kollegen aus frühen Zeiten waren durchaus sorgfältig. Wir können ohne
weiteres auf ihre Ergebnisse aufbauen. Sieht man einmal von der Zeit nach
1 600 ab, dann stammen fast alle Angaben über Sternenexplosionen (Novas) der
letzten 3000 Jahre aus chinesischen Quellen. «
Mathematische und astronomische Hochleistungen sind über den gesam­
ten Erdball verteilt. In vielen Gebieten Westeuropas findet man in der Land­
schaft besonders viele rätselhafte Monolithe, gewaltige Menhire und Dolme
sowie riesige Steinkreise aus der Jungsteinzeit und Bronzezeit. Beeindruckend
ist der Steinkreis von Callanish auf Lewis, einer Insel der äußeren Hebriden vor
der schottischen Küste. Archäologen fanden heraus, daß er einen riesigen
Mondkalender darstellt. Berühmt ist ebenso das Kreismonument von Avebury
im Herzen Englands und die aus 3000 Steinen bestehende Allee bei Carnac in
Frankreich. Wissenschaftler vermuten in den Anlagen ein religiöses und wissen­
schaftliches Zentrum prähistorischer Astronomen.
Ähnlich imposant ist das 1 8 Meter lange Ganggrab von Newgrange in
Irland mit seinen auffälligen spiralförmigen Steingravuren. Wenige Tage vor
und nach dem kürzesten Tag des Jahres dringen einige Sonnenstrahlen durch
eine Öffnung am Dach und erhellen für wenige Minuten das innerste Heilig­
tum am Ende des Ganges. Welche überragenden Ingenieure hier am Werk
waren, zeigt sich schon daran, daß das Gewölbe von hunderten perfekt ausba­
lancierten Steinen gehalten wird, die ohne Zusatz von Mörtel unbeweglich
festsitzen. Seit der Errichtung vor 5000 Jahren sind nur zwei Steine gebrochen!
Das berühmteste megalithische Monument der Welt ist der mystische
Tempel von Stonehenge in Südengland. Wie bei allen ähnlich strukturieren
Bauten aus der Steinzeit stellt sich die Frage nach der Bedeutung. Welchen
Zweck erfüllen die Steinriesen? Warum wurden sie aufgestellt? Analog zu
Steingiganten, wie den Pyramiden in Agypten, den Megalithtempeln auf der
Mittelmeerinsel Malta, den Inkamauern von Sacsayhuaman in Peru, den Riesen­
köpfen der Olmeken in Mexiko, den mächtigen Osterinselstatuen im Pazifik
oder den tonnenschweren Steinquadern von Baalbek im Libanon, spießt es sich
überall bereits bei
der »Gretchenfrage«
- wie wurden die
Kolosse überhaupt
transportiert und
aufgestellt?
Für traditionel­
le Historiker kein
Problem: Am Bei­
spiel von Stone­
henge heißt es, daß
die tonnenschweren
Monumente von ei­
nem Steinbruch in Wie lösten die Megalithkulturen das Transportproblem tonnen­
den walisischen Pre­ schwerer Monumente ? (Foto: Anke und Horst Dunkel)
seli-Bergen bis zum
400 Kilometer entfernten Stonehenge in Südwestengland geschafft wurden -
über Land und Wasser nur mit der Kraft der Hände. Um zu demonstrieren, daß
dies leicht möglich gewesen sei und ohne Zuhilfenahme irgendwelcher »Zauber­
tricks« erfolgte, entschloß man sich im Sommer 2000 zu einem mutigen und
medienwirksamen Experiment. 40 Hobby-Archäologen wollten einen Drei­
Tonnen-Stein (gewaltig, aber im Vergleich zu anderen Riesenbrocken ein »Mini­
Steinchen«) mit primitiven Mitteln heranschaffen, um zu demonstrieren, wie
das Material für das größte prähistorische Steindenkmal Europas an Ort und
Stelle gelangte. Doch das Vorhaben stand unter keinem guten Stern. Erst
fanden sich nicht genügend Freiwillige, um den Stein mit Hilfe eines Holz­
schlittens zu ziehen; dann wurden pro Tag statt der geplanten 4,8 Kilometer nur
1 ,6 zurückgelegt. Für die Strecke über den Kanal von Bristol wurde eigens ein
steinzeidiches Ruderboot konstruiert. Doch nach sechs Kilometern Seeweg war
Schluß: Wind und Wellen brachten das floß beinahe zum Kentern, der Mono­
lith löste sich aus der Verankerung - und »plötzlich war er weg«, so der
Steuermann. Die frühzeidichen »Steinzieher« hatten mit den selben Problemen
zu kämpfen. Wie lösten sie das gewaltige Transportproblem? Ihre logistische
und bautechnische Leistung verdient Bewunderung!
Die Frage, wozu die Steinkolosse aufgerichtet wurden, wird von Altertums-
forschern unterschiedlich beurteilt. »Fruchtbarkeitskulte« vermutete die ortho­
doxe Archäologie; dies überzeugt aber als einzige Erklärung nicht. Bei einer
gründlichen wissenschaftlichen »Durchleuchtung« entpuppten sich j ene soge­
nannten Steinhaufen zur allgemeinen Überraschung als Bestandteile einer astro­
nomischen Anlage. Bereits im Jahre 1 963 machten sowohl der Astronom Gerald
S. Hawkins als auch der Vermessungstechniker C. A. Newman erstmals auf die
verblüffenden Informationen der riesigen Steinmonumente aufmerksam. Un­
abhängig voneinander stellten beide Forscher fest, daß in Stonehenge präzise
Richtungsangaben für den Sonnenaufgang bei Sommer- und Wintersonnen­
wende, die Tag- und Nachtgleiche sowie Mondaufgangs- und Monduntergangs­
punkt meßbar waren.
Spätere Kontroll-Messungen ergaben, daß Stonehenge tatsächlich eine Art
prähistorische Rechenanlage ist, die selbst zur Bestimmung und Berechnung
einer Sonnenfinsternis imstande war. Rätselhafter wird die Angelegenheit da­
durch, daß die geheimnisvollen Menhire wesentlich älter sind, als bisher ange­
nommen wurde. Nach den Untersuchungen des Forschers Geoffrey Wainwright
und anderer britischer Wissenschaftler wurden die riesigen Steinmonumente
im Zentrum - sie bilden fast konzentrische Steinkreise - in der Zeit um 2500
v. Chr. aufgestellt. Bisher hatte man angenommen, die Kolosse wären etwa
2000 v. Chr. herbeigeschafft und erst in den darauffolgenden 500 Jahren
aufgestellt worden.
Stonehenge ist zwar die berühmteste Stätte für prähistorische Sternen­
beobachtung, aber es existieren noch weit ältere astronomische Kreisanlagen,
die vor allem in Mitteleuropa ein weit verbreitetes Phänomen sind. Kürzlich
stieß man in Deurschland auf eines der ältesten Sonnenobservatorien der Welt.
Es liegt im verschlafenen Örtchen Goseck in Sachsen-Anhalt und wird auf
7000 Jahre datiert. Damit ist die Stätte eines der ältesten Heiligtümer, die in
Mitteleuropa entdeckt wurden. Die ersten Bauern Europas haben hier eine
Monumentalanlage errichtet - 2500 Jahre vor Stonehenge!
Bei allen prähistorischen Observatorien wäre eine Frage zu klären: Wie war
es einer Gesellschaft, die angeblich nur aus Nomaden und Hirten bestand, die
vor 7000 Jahren durch das Land zogen, möglich gewesen, ein derart ausgeklü­
geltes Observatorium zu bauen? Die Konstrukteure mußten über ein enormes
Wissen an Mathematik, Astronomie, Architektur und Transporttechnik verfügt
haben.
Die Rekonstruktion der Ur-Sternwarte in Goseck ergab einen Kreisgraben
mit 75 Metern im Durchmesser. Im Inneren gab es zwei weitere Kreise, die mit
übermannshohen Palisaden angezeigt waren. Am äußeren Ring befanden sich
drei aufWendig gestaltete Tore. Astronomen der Universität Bochum hatten
zudem festgestellt, daß die südlichen Tore exakt den Sonnenauf- und -untergang
zur Wintersonnenwende markierten. »Alles deutet darauf hin, daß der neolithi­
sche Himmelskult hier seinen Ausgang nahm«, erklärte der Grabungsleiter
Francois Bertemes. Bis 2007 sollen die Ausgrabungen abgeschlossen sein.
Nur 25 Kilometer von der Ur-Sternwarte entfernt ist die bereits erwähnte
»Himmelscheibe von Nebra« gefunden worden, die die Sternenkundigkeit der
frühen Europäer bestätigt. Der Haken dabei: Sie ist »nur« 3600 Jahre alt,
entstand also 2400 Jahre später. Ähnlich verhält es sich bei den »Zeremonialhüten
aus Gold«, die wahrscheinlich in der Bronzezeit als astronomischer Kalender
dienten.
Solche Fundstücke sind Zeichen der Kontinuität, mit der die frühen
Menschen, die wir bisher für Barbaren hielten, die Gestirne beobachteten und
Megalithtempel nach astronomischen Ausrichtungen erbauten. Doch wer wa­
ren die Ingenieure und meisterhaften Architekten der Frühzeit? Die ersten, die
wir mit Namen in Mitteleuropa kennen, sind die Kelten und ihre sternkundigen
Druiden - erstmals um 500 v. ehr. literarisch bezeugt. Die Kelten existierten
aber ohne Zweifel schon sehr viel früher. Ihre Herkunft, der Zeitpunkt ihrer
»Volkwerdung« und die Ursache ihrer Wanderungen sind allerdings umstritten.
Alfred Reichenberger, deutscher Archäologe, gibt offen zu: » Über die europäi­
schen Völker jener Jahrtausende wissen wir rein gar nichts. «
I n anderen Teilen der Welt ist das nicht viel anders. Nehmen wir das
Beispiel der Steine von Nabta in Südägypten. Sie gelten als ältestes Observatori­
um der Welt, das vor etwa 6500 bis 8500 Jahren errichtet wurde. Die Anlage
besteht aus einem Steinkreis und fünf Linien aufrechtstehender Megalithen.
Eine dieser Linien ist exakt in Ost-West-Richtung ausgerichtet, zwei andere in
Nord-Süd-Richtung. Untersuchungen des kalifornischen Physikers Dr. Thomas
Brophy haben gezeigt, wie komplex die Anlage gebaut worden ist. Laut Brophys
umfassenden Messungen und Berechnungen ist auf der Oberfläche der Nabta­
Steine nicht nur ein detaillierter astronomischer Kalender dargestellt, sondern
auch eine astrophysikalische Karte, welche die Konstellation des Orion und
seiner Gürtelsterne mit erstaunlicher Genauigkeit wiedergibt. Zudem sind
Bewegungen der Milchstraße markiert, die nur alle 25 900 Jahre vorkommen.
Eine noch erstaunlichere Entdeckung machte Dr. Brophy am behauenen Grund­
stein. Er zeigt ein Bild der Milchstraße, wie sie vor 1 9 000 Jahren ausgesehen hat
- und zwar aus einer Perspektive, die der Mensch auf der Erde nie gehabt hat.
Keine der uns bekannten Kulturen hatte dazu die nötigen Fähigkeiten. Wer hat
Nabta einst errichtet?
Grandiose Wunderwerke antiker Baukunst sind trotz Zerstörungswut nach­
folgender Kulturen als Zeugen der Vergangenheit erhalten geblieben. Der
Pyramide als Symbolform für Weisheit und Erkenntnis wird hierbei eine beson­
dere Rolle zugeschrieben. Aus den Abmessungen der Pyramiden versucht man
354 1
Formeln, verschlüsselte Botschaften über mystisches Wissen herauszulesen.
Größe, Schönheit und die Überwindung technischer Schwierigkeiten machten
die berühmten ägyptischen Pyramiden von Gizeh zur Sensation. Sie sind die
letzten erhalten gebliebenen Bauwerke der Sieben Weltwunder und gehören
zum gewaltigsten, was Menschen jemals geschaffen haben.
Doch nicht nur in Ägypten stehen solche Wunderwerke aus Stein. Wir
finden diese Monumentalbauten ebenso zahlreich in Lateinamerika, in China,
der Inneren Mongolei und Überreste im westlichen Mittelmeer und auf den
Kanaren. Sogar im Alpenland Österreich entdeckte man eine sieben Meter hohe
Stufenpyramide aus Stein, die wahrscheinlich aus der Zeit der Kelten stammt.
Auf der Suche nach dem Geheimnis der Pyramiden, ihrer Entstehung, ihrer
Bedeutung und weltweiten Verbreitung, ist ein neues Feld von Spekulationen
und sich zum Teil widersprechender Theorien entstanden, das nicht nur die
Fachwelt in Atem hält. Die Erklärung der Ägyptologen, die Pyramiden seien
lediglich Grabmäler gewesen, ist keineswegs so gesichert, wie behauptet wird.
Was war ihr wahrer Zweck? Welche Visionen hatten ihre geheimnisvollen
Erbauer? Theorien über die außergewöhnliche Bauweise gibt es viele, keine
überzeugt wirklich. Die alten Ägypter selbst haben uns keine Schriften hinter­
lassen, aus denen unzweifelhaft hervorginge, wie sie die technische Höchstlei­
stung damals vollbrachten. Gab es für die vermeintlichen Grabstätten der
Pharaonen noch einen anderen - geheimgehaltenen - Verwendungszweck?
Im März 1 993 feierte die internationale Presse eine Entdeckung in der
Cheopspyramide als die bedeutendste archäologische Sensation des letzten
Jahrzehnts: Ein ferngelenkter Roboter, konstruiert von dem deutschen Inge­
nieur RudolfGantenbrink, stieß nach 64 Metern im Südschacht der Königinnen­
kammer auf einen seltsamen Verschlußstein. Die Steinplatte ist mit zwei Kupfer­
beschlägen blockiert, die an Fallsteine erinnern. Ein Mysterium, das bisher
keine ägyptische Parallele kennt. Auffallend sind ebenso die Seitenwände, die
mit hellem Turakalk versehen sind, der sonst nur in Kammern verwendet wurde
und den Pyramiden bauern als heilig galt.
Daß der Roboter auf das bislang unauffindbare Pharaonengrab Cheops
gestoßen war, ist eher unwahrscheinlich, da der Schacht zu schmal ist und
manche Indizien dafür sprechen, daß Cheops gar nicht der Erbauer der »Gro­
ßen Pyramide« war. Sicher ist nur, daß den Schacht eine Steinplatte blockiert.
Somit kann der Gang nicht, wie bislang von Ägyptologen immer wieder
behauptet, zur Belüftung der Pyramide gedient haben. Welche Funktion erfüllt
der mysteriöse Schacht aber dann?
In mehreren offiziellen Stellungnahmen, etwa durch den ägyptischen
Pyramidendirektor Dr. Zahi Hawass, wurde immer wieder beteuert, daß die
Untersuchungen fortgesetzt würden und der sogenannte »Gantenbrink-Schacht«
1 993 erstmals mit der Videokamera eines Miniroboters erfaßt: Eine » Türe« mit MetalI­
beschlägen am Ende des Südschachtes in der Cheopspyramide. Im Jahre 2002 wurde sie
angebohrt. Entdeckt hat man einen Hohlraum mit einer weiteren Trennwand. Was befindet
sich dahinter? (Fotos: Ing. Rudolf Gantenbrink)

spätestens 1 998 geöffnet werde. Geschehen ist - zumindest augenscheinlich für


die Öffentlichkeit - nichts. Statt dessen tobte hinter den Kulissen ein heftiger
Gelehrtenstreit und es herrschte konfuse Ratlosigkeit darüber, wie man mit
dieser unbequemen (weil viele neue Fragen aufwerfenden) Entdeckung weiter
verfahren sollte.
Endlich, nach neun Jahren selbst auferlegter »Nachdenkpause«, willigte die
ägyptische Regierung in die neue Untersuchung ein. Am 1 7. September 2002
war es dann soweit: Wieder war ein Roboter unterwegs, den Schacht zu
erkunden. Das Ereignis wurde weltweit live im Fernsehen übertragen. Doch
statt einer Sensation blieb der Vorwurf eines manipulierten Medienspektakels.
Der Direktor des Ägyptischen Museums in Berlin, Dietrich Wildung, bestä­
tigte, daß große Teile der angeblich live gesendeten Bilder bereits Tage vorher
aufgezeichnet waren. Das ZDF räumte zudem ein, daß die Live-Übertragung
mit einstündiger Verzögerung ausgestrahlt wurde.
Die ägyptischen Archäologen hatten die Kamera auf eine zweistündige
Reise durch den 20 mal 20 Zentimeter breiten Schacht geschickt, der nach
64 Metern beim verschlossenen Kalksteinquader endete. Durch ein - natürlich
zuvor gebohrtes Loch (durch das man gewiß schon einmal vor der angeblichen
Live-Übertragung schaute) - fotografierte die Kamera einen bislang unbekann­
ten Hohlraum. Er ist leer, aber: Im Abstand von 45 Zentimetern wird wieder
eine massive Steinplatte sichtbar, die einer versiegelten Tür ähnelt. Wie schon
zuvor stellt sich die alte Frage aufs Neue: Was verbirgt sich wohl hinter dieser
jetzt entdeckten zweiten »Steintüre«, die mehrere Risse aufweist?
Wenige Tage nach der angeblichen Live-Übertragung haben Wissenschaft­
ler eine weitere, bis dahin unbekannte »Tür« entdeckt. Sie befindet sich 64 Me-
35 6 1
ter tief im Nordschacht und ist wie die erste »Tür« im Südschacht mit zwei
Kupfergriffen versehen. Damit erhalten die Spekulationen über das noch uner­
forschte Innenleben der Cheopspyramide neue Nahrung.
Was kommt auf uns zu, wenn demnächst neue Gänge entdeckt, andere
Kammern geöffnet werden? Räume, vollgestopft mit Papyrusrollen und unbe­
kannten Botschaften? Tafeln mit Aufzeichnungen über das gesamte antike
Wissen, Planetenberechnungen, Nil-Überflutungs-Voraussagen und Architektur­
geheimnisse? Womöglich Mitteilungen aus einer Zeit, als man in Europa noch
in Höhlen hauste? Wird man vielleicht auf die in den Pyramidentexten erwähn­
ten Weisheitsbücher des Kulturbringergottes Thot stoßen?
Wenn es so wäre, würde die Öffentlichkeit überhaupt j emals davon in
Kenntnis gesetzt werden? Zweifel sind erlaubt. Es sollte uns auch nicht überra­
schen, wenn die » Kammer des Wissens« inzwischen geöffnet wurde und Schätze
mit widrigem Inhalt längst sichergestellt wurden. Hat man auch andere Hohl­
räume lokalisiert, weiter untersucht und freigelegt? Daß seither unter Ausschluß
der Öffentlichkeit weitergeforscht wurde, scheint nicht so abwegig. Wer bewie­
sen hat, daß er die Öffentlichkeit an der Nase herumführt, wird bei passender
Gelegenheit nicht davor zurückschrecken, es wieder zu tun.
Der englische Forscher Robert Bauval und andere »Pyramidenmystiker«
haben vor einigen Jahren etwas Erstaunliches herausgefunden: Das Muster der
drei Gestirne des Oriongürtels deckt sich haarscharf mit der Anordnung der
Pyramiden von Gizeh. Die alten Ägypter hatten demnach nichts Geringeres
getan, als ein Stück Himmel auf Erden nachzubauen. Im Sternbild Orion
(altägyptisch Sahu) sollen laut Mythe »die Seelen der Götter« beheimatet sein.
Eine Glaubensvorstellung, die exakt mit dem astronomischen Wissen der Dogon­
Stämme in Westafrika übereinstimmt. Ihre kosmische Mythologie konnten wir
bei Unsolved Mysteries anhand ritueller Masken und Gegenstände anschaulich
machen. Eingeborene berufen sich bekanntlich noch heute in ihren alten
Traditionen auf Besucher von den Sternen, die einst vom Sirius-Sonnensystem
mit ihren himmlischen Archen zur Erde gelangt sein sollen.
Robert Bauval entdeckte mittels Computerprogramm eine ganze Reihe
weiterer astronomischer Übereinstimmungen. So entspricht die j eweilige Di­
stanz der Pyramiden zum Nil der Position des Orion zur Milchstraße. Ebenso
haben noch andere ägyptische Pyramiden und Tempelbauten, etwa die be­
rühmte Knickpyramide von Dahschur oder die Pyramide des Nepka, ein himm­
lisches Gegenstück. Selbst die kleinen Pyramiden von Abusir finden ihr stellares
»Double« in drei kleinen Gestirnen im Kopfe des Orion.
Aber wie ist eine solche präzise Konstruktion und astronomische Perfektion
überhaupt möglich? Schon das bisherige Wissen über die Pyramiden verblüffte:
Welche Erklärung gibt es für den Umstand, daß die Höhe der Cheopspyramide,
Die Pyramiden von
Gizeh zeigen eine ver­
blüffende Übereinstim­
mung mit den Gürtel­
sternen des Orion.
Sogar die Größenver­
hältnisse stimmen über­
ein. (Fotos: Quelle:
Robert Bauval, Adrian
Gilbert; Das Geheimnis
des Orion , München­
Leipzig 1 994)

multipliziert mit einer Milliarde, etwa die Distanz der Erde zur Sonne ergibt?
Mit welcher Technik haben die Konstrukteure es geschafft, das Bauwerk nicht
nur exakt nach den vier Himmelrichtungen auszurichten, sondern auch den
Standort so auszuwählen, daß der durch die Pyramide laufende Meridian
Kontinente und Ozeane in zwei gleiche Hälften teilt? Wie kommt es, daß der
Abstand von der Großen Pyramide zum Mittelpunkt der Erde ebenso groß ist
wie deren Distanz zum Nordpol? Dividiert man die Pyramiden-Grundfläche
durch die doppelte Höhe des Monuments, ergibt dies die berühmte Zahl »Pi«
3, 1 4. Geschaffen von einem Volk, das der Lehrmeinung zufolge nicht einmal
den Kompaß gekannt haben soll?
»Je weiter sich das Wissen ausbreitet, desto mehr Probleme kommen zum
Vorschein«, wußte schon der alte Goethe treffend zu formulieren. Und tatsäch­
lich, die bisherigen Erkenntnisse machen es deutlich: Die j üngsten sensationel­
len Entdeckungen bereiten der ägyptologischen Fachwelt ernsthafte Kopf­
schmerzen. Weitere Probleme könnten folgen. Etwa dann, wenn sich das wahre
Alter des Sphinx, des Wächter der Pyramidens, herausstellen sollte.
Das Monument könnte ein Überbleibsel einer unbekannten Hochkultur
aus grauer Vorzeit sein. Untermauert wird diese Behauptung durch Computer­
berechnungen, die deutlich machen, daß der Sphinx präzise nach astronomi­
schen Gesichtspunkten ausgerichtet ist. Die passenden Daten sind allerdings
nicht jene um 2500 v. Chr. , sondern die um 1 0 500 v. Chr. ! In dieser Epoche
muß der exakt nach Osten ausgerichtete Pyramidenwächter zum Zeitpunkt der
Frühjahrs-Tagundnachtgleiche auf sein Pendant am Himmel geblickt haben -
auf das Sternbild des Löwen.
Die Theorie, daß die ägyptische Kultur wesentlich älter sei als gemeinhin
angenommen, wird durch Studien eines amerikanischen Archäologenteams
unter der Leitung des Geologen Robert M Schoch von der Universität Boston
unterstützt. Der Wissenschaftler ist ebenso mit seinen Studien zur Unterwasser­
anlage von Yonaguni bekannt geworden. Er stellte 1 99 1 ungewöhnliche Erosions­
schäden in dem Sphinx-Felsen fest. Kurz gesagt: Gesteinswände sehen genauso
aus, als sei hier jahrhundertelang Wasser heruntergeronnen. Nun gab es aber
während dieser Epoche nachweislich keine langanhaltende Regenperiode. Au­
ßerdem konnten im Baumaterial umliegender Gräber, die zum Gizeh-Komplex
gehören, keine vergleichbaren Risse im Gestein entdeckt werden, die auf ähnli­
che Unwetter-Ursachen schließen lassen. Die Erosionsmuster sind so unter­
schiedlich, daß es laut Schoch und seinem Team auszuschließen sei, die Bauten
in dieselbe zeitliche Datierung
zu verlegen und daß Pharao
Chephren somit keinesfalls, wie
von der Ägyptologie behauptet,
Erbauer des Sphinx gewesen sein
kann. »Das Alter des rätselhaf­
ten Zwitterwesen muß aufgrund
der Verwitterungsspuren minde­
stens in die neolithische Feuch­
tigkeitsperiode zurückdatiert
werden« , erklärte der Geologe in Wie alt ist der Wächter der Cheopspyramide ?
einem abschließenden Untersu­ Verwitterungsspuren am Fundament deuten darauf
chungsbericht. Demnach müß­ hin, daß der Sphinx vor 9000 Jahren entstand.
te die Skulptur vor mindestens (Foto: Reinhard Habeck)
9000 Jahren entstanden sein!
»Wir wissen nicht, wer den Sphinx gemacht hat«, ergänzte hierzu der Autor
und Forscher John A. west bei einem Jahrestreffen der Geologischen Gesellschaft
Amerikas in San Diego (Kalifornien) . »Wenn wir aber nachweisen können, daß
es so viel früher eine Kultur gegeben hat, die so etwas schaffen konnte, wäre das
für die Geschichtsschreibung das, was Einsteins Relativitätstheorie für die bis
dahin geltende Physik war. «
Stehen die Theorien der traditionellen Lehrmeinung in vielen Bereichen
auf einem wackeligen Fundament? Angesichts vieler außergewöhnlicher Ent­
deckungen und neuer aktueller Erkenntnisse kann man sich diesem Eindruck
nicht verschließen. Die Frage nach dem Ursprung unserer Kultur, die Suche
nach den ersten Zivilisationen, neue Grabungen und die Analysen zu rätselhaf­
ten Funden der Vorgeschichte - all das steckt noch weitgehend in den Kinder­
schuhen. Aber schon jetzt zeichnet sich ab, daß mit weiteren verblüffenden
Überraschungen zu rechnen sein wird. Noch nie war Archäologie so spannend
wie heute!
30
Vorwärts in die Steinzeit
U7enn unsere Kultur versinkt . . .

Überall auf dem Globus suchen Archäologen und Abenteurer nach untergegan­
genen Welten und gehen Legenden nach, die von versunkenen Städten, Tempel­
ruinen und archäologischen Schätzen handeln. In mehreren Regionen der Welt
kommen Unterwasserbauten zum Vorschein, die Fischer, Seefahrer und Luftbild­
kartographen gesehen haben wollen. »Wasser konserviert mitunter besser«,
bestätigt die südamerikanische Archäologin Sonja Guillen und meint damit den
j üngsten Coup der »feuchten Wissenschaft« - eine uralte Tempelanlage, die
italienische Forscher im Titicaca-See entdeckt haben. Nach mehr als 200 Tauch­
gängen im höchstgelegenen schiffbaren See der Welt, auf 38 1 2 Metern, verkün­
dete Lorenzo Epis, Chef der Akakor Geographical Exploring Society und Leiter der
Expedition: »Es sieht so aus, als hätten wir einen heiligen Tempel, zweimal so
groß wie ein Fußballfeld, landwirtschaftliche Terrassen und eine Straße aus
einer Epoche gefunden, die lange vor den Inka existierte. «
Schon früher wurde vermutet, daß der heilige See der Andenvölker den
Schlüssel zum Geheimnis der nahegelegenen Stadt Tiahuanaco enthält. Sie
umfaßt einen Komplex von fast 450 000 Quadratmetern. Einst standen hier
mehrere blühende Städte, über die wir so gut wie nichts wissen. Alle zerfielen
nacheinander an dieser Stelle, und j ede wurde auf den Trümmern der vorherge­
henden gebaut. Nur von der letzten Metropole erheben sich inmitten eines
Trümmerfeldes noch vereinzelte Bauwerke.
Besonders mysteriös wirkt das etwas abseits liegende Trümmerfeld von
Pumapunku, das sogenannte »Tor des Pumas«. Im zerstörten Zentrum des
Komplexes, was immer er einst war, liegen bis zu 1 30 Tonnen schwere Stein­
blöcke, die exakte Bohrlöcher und millimetergenaue Bearbeitungsspuren auf­
weisen sowie Fassungen für Kupferklammern. Fachleute heutiger Bauarchitektur
würden Fräser, Bohrer und Stahlschablonen für eine solche Präzisionsarbeit
verwenden. Welche Werkzeuge benutzten die unbekannten Pumapunku-Stein­
metze?
Das tatsächliche Alter der Anlage ist ebenso ungewiß wie die Frage, wie die
Steinkolosse einst transportiert wurden und welche Kultur dafür verantwortlich
zeichnet. Selbst die Inkas wußten darauf keine Antwort, obwohl sie die Gegend
um den Titicaca-See als Wiege ihres Volkes betrachteten. Sie meinten, hier sei
der Sonnengott zum ersten Male erschienen.
Erinnerungen an die alte Legende um Gott Viracocha werden wach. Sein
3 60 I
Abbild soll auf dem berühmten Türsturz, dem drei Meter hohen Sonnentor von
Tiahuanaco, eingemeißelt sein. Das aus einem einzigen Andesitblock heraus­
gehauene Tor mit einem Gewicht von zehn Tonnen enthält technisch anmuten­
de Ornamente und wird von manchen Wissenschaftlern als »der älteste Kalen­
der der Welt« angesehen. Immer wieder hat man diese Zeichen und Figuren zu
interpretieren versucht, doch das »Sonnentor« hüllt sich weiterhin in Schwei­
gen.
Wie wir aus berufenem Munde wissen, finden gerade ausgedehnte Grabun­
gen in der Region statt. Das, was dabei zutage gefördert wurde, sprengt alle
bisherigen Vorstellungen: nach inoffiziellen Meldungen soll ein gigantisches
Tunnelsystem entdeckt worden sein, das Tiahuanaco mit dem Titicaca-See und
Pumapunka verbindet. Bei den Ausgrabungen stieß man auf Skelette von
Menschen mit riesenhaftem Wuchs und deformierten Schädeln. Ebenso fand
man eine Reihe schwarzer Steine, darunter Flöten und Masken mit grünen
eingelegten Steinen. Die Funde, die einer unbekannten Kultur entstammen,
sind gerade Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Klangversuche
mit den prähistorischen Musikinstrumenten offenbarten völlig fremdartige
Töne. Einige der Relikte konnten wir weltexklusiv bei unserer Ausstellung
präsentieren. Da erst ein Bruchteil des Geländes archäologisch erfaßt ist und
viele Gräber noch ungeöffnet sind, rechnen Archäologen mit neuen sensationel­
len Entdeckungen. Aus den bisherigen Studien geht unzweifelhaft hervor, daß
Tiahuanaco wesentlich älter sein muß als, wie bisher angenommen, 2000 Jahre.

Jüngste Entdeckungen in unterirdischen Labyrinthen in Bolivien: Gräber mit deformierten


Schädelknochen und menschlichen Skeletten, die von Riesen stammen. (Fotos: Prof.
Giancarlo Bonfanti)

Von Tiahuanaco blieb nur ein Trümmerfeld. Wo liegen die Ursprünge dieser
verlassenen Stadt? Warum blieben manche Tempel unvollendet? Was wurde aus
den Bewohnern? Welche Katastrophe hat diese blühende Stätte zerstört? Die
meisten der vielen Rätsel auf dem »Dach« der Anden harren nach wie vor ihrer
Lösung. Ein Hinweis liefert vielleicht die Legende um Viracocha. Der Ur- und
In der Ausgrabungsstätte rund um das Trümmerfeld von Tiahuanaco fanden
Archäologen in den letzten Jahren eine Reihe schwarzer Steine mit
ausdrucksvollen Gravuren. (Fotos: Bernhard Moestl und Autoren)

Schöpfergott der Inka habe, so erzählt die alte Mythe, einst die Sterblichen, die
ihn mißachteten, bestraft, indem er Feuer vom Himmel regnen ließ: »Aus der
Höhe regnete Feuer über sie und verbrannte den ganzen Ort; Erde und Steine
brannten wie Stroh . . . Viracocha, von Mitleid erfaßt, ging zum Feuer und
löschte es mit seinem Stabe . . . «
Sodom und Gomorrha in den Anden? Hat die Vernichtung der Inkastätte
etwas mit den Legenden um versunkene Königreiche wie Atlantis zu tun?
Viracocha soll später an die Küste des Meeres bei Porto Viejo gezogen sein, den
Andenvölkern künftige Ereignisse prophezeit haben und schließlich auf ge­
heimnisvolle Weise über die Meeresoberfläche in den Pazifik hinausgewandert
sein, mit der Versprechung, einst wiederzukehren. Eine Ankündigung, die zur
Tragödie der Inka wurde: Als nämlich der Spanier Hernando de Soto nach Peru
kam, wurde er von dem letzten Inka­
herrscher irrtümlich als der zurück­
gekehrte Viracocha angesehen. So
mag es die unterschiedlichsten Grün­
de dafür geben, weshalb ein kultu­
rell hochstehendes Volk letztlich aus­
gelöscht wurde. Wissenschaftler ver­
muten, daß der Hauptgrund für das
Verschwinden von alten Kulturen in
Klimakatastrophen zu finden ist.
Rest der einst blühenden Andenmetropole: Wann sind wir an der Reihe?
Das Sonnentor von Tiahuanaco. Welche Seit vielen Jahrhunderten gibt
Katastrophe vernichtete die mystische es aus verschiedenen Kulturkreisen
Stätte? (Foto: Adriano Forgione) prophetische Warnungen über einen
bevorstehenden Weltuntergang. Angefangen vom babylonischen Astronomen
Berossos, der vor 2300 Jahren lebte, über den griechischen Philosophen Heraklit,
die Hopi-Indianer in Nordamerika, die Azteken bis hin zu den Sehern des
Mittelalters wie Nostradamus und UFO-Sekten der Gegenwart. Die Frage bleibt
offen, ob das Ende, falls es irgendwann tatsächlich eintreten sollte, durch einen
Asteroiden verursacht wird, der sich auf Crash-Kurs zur Erde verirrt, durch
systematische Umweltzerstörung oder trotz aller Abrüstungsbemühungen durch
eine atomare Katastrophe. Wie viel Zeit bleibt uns noch?
Der britische Astrophysiker Stephen Hawking meint »nicht sehr viek Er
befürchtet, daß die Menschheit ein »weiteres Jahrtausend« nicht überleben
wird. Bei einem Vortrag in Edinburgh sagte der berühmte Physiker, entweder
ein » Unfall oder die Erderwärmung« würde das Leben auf der Erde auslöschen.
Die Menschheit könne nur überleben, wenn sie sich auf einem anderen Plane­
ten ansiedle, so der international renommierte Professor bei der Vorstellung
seines neuen Buches The Universe in a Nutshell. »Ich befürchte, daß die Atmo­
sphäre immer heißer, und das sie wie der Nachbarplanet Venus zu brodelnder
Schwefelsäure wird. Und ich mache mir Sorgen wegen des Treibhauseffekts. «
Die Menschheit könnte ein weiteres Jahrtausend nur überleben, »wenn sie sich
in den Weltraum ausbreitet« . Ohne die »Kolonialisierung« anderer Planeten sei
die Menschheit vom Aussterben bedroht.
Eine andere nicht zu unterschätzende Gefahr droht aus dem Weltraum
selbst. Tödliche Felsbrocken, die sich mit der Erde auf Kollisionskurs befinden,
werden erschreckend spät entdeckt - und eine Abwehr gibt es noch nicht. Vor
1 3 Jahren torkelte der Asteroid » 1 99 1 BA« in einem halben Mond-Erde­
Abstand an unserem Planeten vorbei. Mit zwölf Stunden Verspätung wurde der
Asteroid »zufällig« auf einem Foto entdeckt. Ein Einschlag des Mini-Boliden
(25 0 Tonnen bei 6,5 Metern Durchmesser) zum Beispiel auf dem Wiener
Stephansplatz, ein paar Meter von unserem Mystery-Büro entfernt, hätte alle
Gebäude im Umkreis von zwei Kilometern zerstört und tausende Menschen
getötet.
Wie viele wesentlich größere Killer-Asteroiden die Menschheit bedrohen,
ist unbekannt - es dürften Tausende sein. Die Gefahr aus dem All ist klar
erkannt, doch gibt es keine Lösung zur Abwehr, und die Zeit drängt: Zwar ist
derzeit kein Riesenasteroid mit Crash-Kurs auf die Erde in Sicht. Doch das
kann sich mit jedem Tag ändern.
In der Nacht vom 30. Juni zum 1 . Juli 1 908 kam es in Zentralsibirien zu
einer gewaltigen Explosion und dem Vorgeschmack eines Weltuntergangs. Seit
Jahrzehnten rätseln Wissenschaftler in aller Welt, was wohl die Ursache für diese
Katastrophe gewesen sein mag. Vermutet wird ein Meteorit oder ein Kometen­
kopf, der im Umkreis von 1 000 Kilometern einen unheimlichen und lauten
explosionsartigen Knall auslöste, 6000 Quadratkilometer Wald vernichtete und
das Erdreich aufgewühlte. In weiten Teilen Europas wurde der »gigantische
Lichtblitz« wahrgenommen. Taghell war es plötzlich zur mitternächtlichen
Stunde, kein Wissenschaftler konnte sich diesen Leuchtzauber erklären. Nie­
mand ahnte zu diesem Zeitpunkt, daß eine riesige Luftdruckwelle über die
Weiten der sibirischen Tunguska raste, der auch Menschen und Tiere zum Opfer
fielen. Trotz vereinzelter Verluste an Menschenleben ereignete sich die Katastro­
phe glücklicherweise über einem recht dünn besiedelten Gebiet. Nicht auszu­
denken wären die katastrophalen Folgen gewesen, wäre der »Tunguska-Meteor«
über einem großen städtischen Ballungszentrum niedergegangen.
Die wahre Identität des kosmischen Besuchers konnte nicht restlos geklärt
werden. Doch zeigt dieses Beispiel, daß die Gefahr aus dem Weltraum größer
als bisher angenommen ist. In Erinnerung sind noch die aufregenden Bilder von
der Raumsonde Galileo. Im Sommer 1 994 waren die Trümmer des Kometen
Shoemaker-Levy 9 mit der Sprengkraft von 25 Millionen Atombomben auf dem
Planeten Jupiter detoniert, was u. a. zur Bildung von Feuerbällen mit mehrfa­
cher Erdgröße führte. Droht der Erde ein ähnliches Schicksal?
Laut Wahrscheinlichkeitsrechnung trifft alle 5000 Jahre ein Objekt mit
rund 200 Metern Durchmesser auf die Erde. Die Folgen sind unabsehbar. Nach
den Berechnungen des Astrophysikers Jack Hilf vom Los Alamos National
Laboratory würden nach einem Aufprall im Atlantik rund hundert Meter hohe
Wellen entstehen, die die Küsten Amerikas, Afrikas und Westeuropas überren­
nen. Alle 300 000 Jahre verirrt sich auch mal ein richtiger Killer-Asteroid in
Richtung Erde, der einen Durchmesser 500 bis 1 000 Metern aufweist. Eindeu­
tige Spuren von Zusammenstößen gibt es jedenfalls auf der Erdoberfläche
genug: So orteten Geologen bisher 1 39 Krater, die durch gewaltige Einschläge
verursacht wurden. Einige sind groß genug, um eine Vielzahl von Lebewesen
auf unserem Planeten mit einem Schlag auszuradieren.
Die Frage, warum auf Erden keine Dinosaurier mehr anzutreffen sind, ist
wohl mit einem solchen kosmischen Inferno zu beantworten. Ähnlich dramati­
sche Vorgänge sollen sich vor rund 1 0 000 Jahren ereignet haben, als riesige
Kometentrümmer ins Meer stürzten, die beinahe der gesamten Menschheit den
Garaus machten. Das Geologen-Ehepaar Professor Alexander und Edith Tolf­
mann hat hierzu eine überzeugende Kette von mythologischen Überlieferungen
und wissenschaftlichen Untersuchungen zusammengetragen. In ihrem 1 993
veröffentlichten Buch Und die Sintflut gab es doch belegen die beiden Forscher,
daß die biblische Sintflut tatsächlich stattgefunden hat und offenbar von einem
gewaltigen Kometenaufprall auf die Erde ausgelöst wurde. Er sei in die Atmo­
sphäre eingedrungen und hätte sich in sieben große Teile und zahlreiche
kleinere Trümmer aufgespalten. Killergeschosse aus dem All, die die Erde in
eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes gestürzt hätten. Die Folgen der
Bombardierung im Zeitraffer:
1 . Eine große Flutwelle, eben die in vielen Völkern und Mythen überliefer­
te Sintflut, toste rund um den Erdball, drang tief in die Kontinente ein.
2. Diese war von Erdbeben gigantischer Stärke und dem Ausbruch von
zahlreichen Vulkanen begleitet.
3. Ein 600 Grad heißer Hitzeorkan, vergleichbar mit der Explosion von
Atombomben, fegte über weite Gegenden der Welt hinweg, setzte alles
in Brand, was brennbar war.
4. Aufgewirbelter Gesteinsstaub, Rauch der Brände und Vulkanausbrüche
verfinsterten die Sonne, ließen den Tag zur Nacht werden.
5. Ein Hagel von geschmolzenem Gestein und ein Säureregen, der Lebe­
wesen und Land verätzte, ging daraufhin nieder.
6. Und dann kam der große Regen, der Sintflut zweiter Teil, ehe die Sonne
wieder durchkam, das Land trocknete und allmählich wieder besiedelbar
machte.
7. In nördlichen Gebieten, dem heutigen Sibirien und Nordamerika, ebenso
in Gebirgsregionen - beispielsweise in Persien - fiel so viel Schnee, daß
laut Überlieferungen nur noch die höchsten Bergwipfel zu sehen waren.
8. Es folgten einige schreckliche Impakt-Winter (von Impakt Einschlag) ,
=

in deren Verlauf Tiere wie die Mammuts ausstarben.

So weit, ganz knapp gefaßt, die Sintflut und ihre Folgen aus der Sicht des
Geologen-Ehepaares Edith und Alexander Tollmann. Nach diesem für die
Menschheit dramatischen und traumatischen Erlebnis dürfte nicht nur ein
Großteil der Tier- und Pflanzenwelt vernichtet worden sein, sondern beinahe

Übersicht der
Einschlaggebiete
..1 von sieben Bruch­
stücken eines
Kometen, der vor
1 0 000 Jahren die
Sintflut ausgelöst
haben soll. (Quelle:
Edith und Alexan­
der Tollmann; Und
d ie Sintflut gab es
doch, München
1 993)
die gesamte Menschheit. Am Ende der Eiszeit, also vor mehr als 1 0 000 Jahren,
sollen nach j üngsten Schätzungen auf der Erde nur etwa fünf Millionen Men­
schen gelebt haben. Das schließen Forscher aus der Dichte von Knochenfunden
in manchen Gebieten.
Es gab Ballungszentren, in denen sich die ersten Kulturen entwickelt
hatten. Das gilt für das Volk der Tolteken in Mittelamerika und vielleicht auch
für die Inselkultur MU im Pazifik und das legendäre Atlantis, das sich laut
Platon vor der Meerenge von Gibraltar in den Atlantischen Ozean erstreckt
haben soll und durch ein mildes, feuchtwarmes Klima begünstigt gewesen sei.
Nach der Flut-Katastrophe blieb davon nichts mehr übrig. Die überlebenden
Menschen waren so klein an der Zahl und so weit voneinander verstreut, daß sie
glauben mußten, allein auf der Welt zu sein . . .
Ein Horror-Szenario, das niemand so spannend beschrieben hat wie der
Atlantisforscher Otto H. Muck. Er vermutete, ähnlich wie die Tollmanns, in
seinem 1 976 erschienen Buch Alles über Atlantis einen Killer-Asteroiden als
Ursache für das Atlantis-Drama. Sein Bild des Grauens: Ein Regen glühender
Trümmer zerpflügte wie ein Bombenhagel die Ostküste von Amerika. Billionen
Tonnen schwere Bruchstücke donnerten ins Meer. Auf der ganzen Welt war der
gewaltige Aufprall zu hören, die Nahtstelle der Kontinentalplatten Amerikas
und Europas platzte auf - und riß Atlantis nach einem schrecklichen Tag und
einer entsetzlichen Nacht für immer in die Tiefe. Aufgewühlter Meeresboden
verwandelte sich in einen monströsen Vulkan. Erdmagma und Wasser ver­
mischten sich zu gigantischen Explosionen und schleuderten kochende Asche­
wolken in den Himmel. O tto Muck will sogar das gen aue Datum der Katastro­
phe herausgefunden haben: Im Jahr 8498 v. Chr., und zwar am 5. Juni, soll das
Schicksal zugeschlagen haben.
Genauso war es. Oder ganz anders. Oder überhaupt nicht. Denn so gegen­
sätzlich, wie die Frage, ob es den Inselkontinent gegeben hat oder wo das
sagenhafte Land lokalisiert werden kann, sind auch die Theorien über das
Verschwinden von Atlantis und anderer Kulturen. Zu den populärsten Theori­
en zählen Schwankungen der Erdachse mit rasanten Polsprüngen von über
3000 Kilometern oder ruckartig sich vollziehende Kontinent-Verschiebungen
mit Erd- und Seebeben. Aber auch radikale Klimaveränderungen werden ge­
nannt, die die Polkappen zum Schmelzen brachten und Atlantis in seinem
eigenen Ozean ertränkten. Im Zusammenhang mit der Annahme, Atlantis sei
tatsächlich eine riesige Landrnasse gewesen, also nicht bloß eine kleine
Mittelmeerinsel, scheint der Asteroiden-GAU für den Untergang am schlüssig­
sten.
Eine Horrorvision, die jederzeit wieder stattfinden könnte. Auf 3D-Simu­
lationen des US-staatlichen Sandia-Laboratoriums wurde dies bestätigt. Die
Physiker haben 1 998 im Regierungsauftrag den Einschlag eines Killer-Astero­
iden mittels Giga-Rechner aus 9000 Prozessoren simuliert. Mit 20 Kilometern
pro Sekunde ließen sie in der Computer-Animation einen Asteroiden mit
1 ,4 Kilometern Durchmesser in der Nähe von Brooklyn in den Atlantik stür­
zen. Die Folgen: »2,4 Sekunden nach dem Aufprall fegt eine 5000 Grad heiße
Feuerwalze über New York. Große Teile von New Jersey verdampfen. Millionen
Menschen sterben in Sekunden. Neu-England wird von der verheerenden
Druckwelle eingeebnet, die Gluthitze läßt Städte und Wälder der Ostküste in
Flammen aufgehen. Eine Säule aus Lava, Dampf und Gestein schießt ins All.
Weltweit bricht eine Art >Nuklearer Winter< herein. Wochenlang toben globale
Schneestürme. Binnen Monaten sterben Millionen Menschen - die Verände­
rungen von Klima und Vegetation könnten zur kompletten Vernichtung der
Menschheit führen. «
Ein Asteroid mit einem Durchmesser von bis z u 1 000 Metern könnte im
Jahr 20 1 4 auf der Erde zerschellen und einen millionenfachen Schaden der
Atombombe von Hiroshima anrichten. Zum Vergleich: Der »Tunkuska-Mete­
or« soll eine Größe von etwa 50 Metern gehabt haben. Der nun entdeckte
Himmelskörper rast mit 1 1 5 000 km/h Richtung Erde. Als mögliches Aufprall­
datum gilt der 21. März 201 4. Die Wahrscheinlichkeit einer Kollision wird um
vieles höher eingeschätzt als etwa die Chance auf einen Lotto-Gewinn, so das
britische Informationszentrum für die Beobachtung von Objekten in Erdnähe.
Wie können wir uns gegen ein Bombardement aus dem All schützen? Für
die amerikanische Weltraumbehörde NASA ist die Gefahr groß genug, um ein
»Kometenabwehrprogramm« ins Leben zu rufen. So sollen die größten Kome­
ten, die sich auf potentiellem Kollisionskurs zur Erde befinden, ausfindig
gemacht und ihre Umlaufbahn berechnet werden. Bis dato kennt man nur 200.
Ist einer von ihnen auf Kollisionskurs, plant die NASA, ihn mit auf Satelliten
montierten Atomraketen zu zerstören oder zumindest aus seiner Kollisionsbahn
zu schleudern. Ein Rest der Star-Wars-Technologie. Dürfen wir der irdischen
Raketentechnik vertrauen, und darauf, daß beim nuklearen Abschußversuch
keine überraschenden Pannen passieren? Die Experten sind sich hierüber wie­
der einmal keineswegs einig. Wogegen soll man rüsten? Gegen den ganz großen
Crash? Oder dagegen, daß die Erde in einen Schwarm kleinerer Bruchstücke
von der Größe des »Tunguska-Boliden« geraten könnte, was in Summe nicht
minder verheerend wäre? Alles in allem keine sehr himmlische Perspektive.
Wäre unsere Zivilisation nach einem solchen Horror-Crash wieder in die
Steinzeit zurückversetzt? Das scheint nicht unwahrscheinlich. Doch die größte
Gefahr dafür liegt nicht in den Tiefen des Alls, sondern im Menschen selbst.
Dazu ein phantastischer und spekulativer Gedanke: Nachweislich existieren
grobe Ungereimtheiten in unserer Evolutionsgeschichte. Egal, ob man nun an
einen Schöpfergott oder an außerirdische Genforscher denken mag: Das »Expe­
riment Mensch« droht ernsthaft zu scheitern. Zum einen eröffnen uns die
neuen Entwicklungen auf dem Gebiet der »künstlichen Intelligenz«, Cyber­
Space und virtuelle Realität, eine Flucht in eine unvorstellbare, künstliche
Scheinwelt. Die Begriffe von Realität und Illusion versinken immer öfter im
Nebulösen. Zukunftsängste bei vielen Menschen liefern zusätzlich eine Hoch­
konj unktur für Endzeitprediger und UFO-Kulte, die eine Rettung vor der
Apokalypse versprechen.
Auf die Hilfe von Außerirdischen würden wir uns im Ernstfall nicht
verlassen. Tatsächlich aber könnten demnächst größere Probleme auf uns zu­
kommen: Es scheint nämlich so, als nähern wir uns einem totalen Klimawechsel.
Regisseur Roland Emmerich nahm das Endzeit-Szenario in seinem Klima­
katastrophen-Thriller The Day after tomorrow vorweg und ließ im Juni 2004 das
Kinopublikum frösteln und schwitzen. Tatsächlich dürften sich geologische
Umwälzungen anbahnen, die Überbevölkerung läßt sich kaum stoppen, und
niemand weiß, welche Folgen das alles haben wird. Addiert man dann noch eine
»kleine Atomkatastrophe« hinzu (diese muß keineswegs das Horrorszenario
eines Atomkrieges sein, ein brüchiges Kernkraftwerk reicht vollkommen) , dann
könnte die Welt schon bald ganz anders aussehen.
Was würde mit der Spezies Mensch geschehen, wenn es zu einer globalen
Katastrophe käme? Was bliebe von unserer Kultur übrig? Würden überlebende
Generationen oder eine neue Lebensform steinalte Funde in Zukunft richtig zu
deuten wissen? Angenommen, eine Autobatterie oder Fragmente eines Toiletten­
beckens kämen bei Ausgrabungen zum Vorschein. Wie würden Archäologen
der Zukunft den Gegenstand deuten? Würde man den wahren Zweck erken­
nen? Oder würde das Urteil in bezug auf die archäologische Anomalie simpel
»Kultobjekt einer unbekannten Kultur« lauten? Genau vor diesem Problem
stehen wir heute, wenn wir die ungeklärten Ausstellungsstücke bei Unsolved
Mysteries betrachten.
Der Mensch hat den Sprung vom affenartigen Vormenschen zum »intelli­
genten« Homo sapiens geschafft. Dennoch ist seine Zukunft ungewiß. Befinden
wir uns in einer evolutionären Sackgasse oder werden wir uns weiterentwickeln,
vielleicht weiter hinaus ins All wagen, auf der Suche nach neuen Lebensräumen
und Ressourcen? Müssen wir davon ausgehen, daß globale Umwelteinflüsse und
der neue Forschungszweig der Gentechnologie die menschliche Spezies radikal
verändern werden? Niemand weiß, wie der Mensch der Zukunft aussehen wird.
Irgendwann aber wird sicher auch die Kultur des modernen Menschen ver­
schwunden sein.
Etwas sollte nicht unterschätzt werden: Wer die sich abzeichnenden Ten­
denzen in der Zukunft aufmerksam beobachtet, kommt nicht umhin, der
Natur eine gewisse Intelligenz zuzuschreiben: Es hat den Anschein, als würde sie
damit beginnen, sich an den Menschen, die sie so lange vergewaltigt und
zerstört haben, zu rächen. Die Natur, so lehrt uns die Geschichte, strebt immer
nach einem Ausgleich. Der Mensch, j ener angeblich so weise, intelligente
Homo sapiens sapiens, hat bereits bedeutende Teile seiner lebendigen Umwelt,
welche es noch bis vor kurzem in so unendlicher Vielfalt gegeben hat, sukzessive
vernichtet. Die Aufzählung der schon verschwundenen oder im Verschwinden
begriffenen Tierarten ist Legion. Gleichzeitig experimentieren Genforscher mit
der Wiederbelebung ausgestorbener Lebewesen, bis hin zur Erschaffung völlig
neuer Geschöpfe, die es bisher in der Natur niemals gegeben hat. Kreuzungen
zwischen Schaf und Ziege, die »Schiege«, gibt es schon längst, und das Klonen,
das Züchten identischer Lebewesen, ist keine Utopie mehr.
Wie schon gesagt: Die Natur strebt nach Ausgleich. Sie folgt dabei offenbar
einem höheren Gesetz und wird versuchen, den auftretenden Verlust sowie
etwaige Umweltveränderungen zu kompensieren. Indem sie anstelle der ausge­
rotteten Tierarten (und Pflanzen) vermehrt - oder auch verändert und »ange­
paßt« - Neues und Ungewohntes in Erscheinung treten läßt: Die Ratten
beispielsweise werden immer intelligenter,
größer und gefährlicher. Vampirfledermäuse
überfielen vor einigen Jahren Vororte von
Mexico City, töteten zahlreiche Hunde und
verletzten Menschen schwer. Moskitos sind
längst immun gegen j edes Gift, und sie
werden immer aggressiver, Mörderbienen
und Killervögel wie aus A /fred Hitchcocks
Gruselfilmen greifen arglose Menschen an.
Die Liste des durchaus möglichen, ja wahr­
scheinlichen Horrors von Übermorgen
Unser schöner blauer Planet. Wie scheint kein Ende zu nehmen.
lange wird er es noch sein? Muß die Die lange Evolutionsgeschichte zeigt,
Menschheit ihre Heimat Erde eines daß es keine konstante Entwicklung gege­
Tages verlassen auf der Suche nach ben hat. Massensterben und das sprunghaf­
neuen Ressourcen ? (Foto: NASA) te Entstehen neuer Arten lösten sich ab,
vermutlich verursacht durch schnelle Ver­
änderungen der Umwelt. Neu ist allerdings, daß nun eine Spezies diese globalen
Veränderungen bewußt herbeiführt. Somit hat der Mensch sein Schicksal her­
ausgefordert, und die Natur antwortet. Wir werden mit dieser Antwort fertig
werden müssen, wenn wir überleben wollen. Und wenn die Menschheit nicht
wieder dorthin zurückkehren will, wo ihr Schicksal begonnen hat - im Schlamm
der Urzeit.
Blick zurück im Staunen
Schlüsse und Perspektiven

Sie ist nun zu Ende, unsere abwechslungsreiche Reise durch das Labyrinth des
Unerklärlichen. Unversehens wurden Sie, liebe Leserin, lieber Leser, hierbei mit
archäologischen Rätseln konfrontiert, die auf dem gesamten Globus an Land
und unter Wasser vorgefunden wurden. Die Begegnung mit den einzigartigen
Artefakten, darunter vielen, die erstmals als originale Schaustücke unserer
Ausstellung Unsolved Mysteries zu sehen sind, versetzen den Betrachter in Er­
staunen. Uns j edenfalls ist es im Laufe unserer mehrjährigen Recherchen immer
wieder so ergangen. Die aufgefundenen »Ooparts« führen alle Klischees ad
absurdum, die wir bisher über die Entstehungsgeschichte der Menschheit viel­
leicht widerspruchslos akzeptierten.
Unser Bestreben mit dem Projekt Unsolved Mysteries war darauf ausgerich­
tet, die Existenz bisher unbekannter Kulturen darzustellen, den Nachweis zu
erbringen, daß jene von uns aufgedeckten Mysterien keine Hirngespinste sind,
die man nur vom Hörensagen kennt. Darüber hinaus wollten wir aufzeigen,
daß die Geschichte der Menschheit bei weitem facettenreicher ist, als allgemein
angenommen wird.
Wir sind sicher nicht so vermessen zu behaupten, den sogenannten »Stein
der Weisen« entdeckt zu haben, aber es gibt eine Reihe guter Gründe, die uns
überzeugen, »richtig« zu liegen. Auf den vorangegangenen Seiten haben wir
versucht, eine Kette von Indizienbeweisen zu schmieden. Diese Kette festigt
unsere vorgelegte These, wonach die gegenwärtige, technische Zivilisation auf
diesem Planeten nicht die erste ist.
Die vielen ))Unsolved Mysteries«, auf die wir während unserer abenteuerli­
chen Entdeckungsreise gestoßen sind, rechtfertigen die Annahme, daß es bereits

Die »Köpfe« von


Unsolved Mysteries
blicken mit Staunen
zurück: Reinhard Habeck,
Dr. Willibald Katzinger
und Initiator Klaus Dona.
(Foto: Dr. Hans-Joachim
Zillm er)
3 70 I
eine (oder mehrere) Zivilisation (en) vor uns gegeben haben muß, die geniale
Erfinder hervorbrachte(n) und befähigt war(en) , sich eines High-Tech-Wissens
zu bedienen oder Kraftquellen zu nutzen, von denen wir heute nichts mehr
wissen. Die Diskussion über Vorzeit-Technologie und versunkene Welten wie
Atlantis wird von vielen Wissenschaftlern deshalb nicht ernstgenommen, weil
die technische Entwicklung, die wir kennen, in der Vorzeit anscheinend nicht
vorhanden war. Schließlich, so wird argumentiert, wurden aus prähistorischer
Zeit keine Industriemaschinen, Schornsteine, Ölquellen, Verbrennungsmoto­
ren oder große Kraftwerke gefunden. Was uns in dieser Debatte allerdings fehlt,
ist der Mut zur Phantasie, um sich vorzustellen, daß eine technische Entwick­
lung durchaus einen anderen Verlauf gehabt haben kann als den heutigen bzw.
mit den uns bekannten Methoden.
Eines zeigt sich immer deutlicher: Unsere Modelle und Vorstellungen über
die Erdgeschichte, die Menschwerdung und das Wissen über die Urvölker sind
unzulänglich. Unser wissenschaftlicher Grundrahmen bedarf eines radikalen
Wandels. So unwirklich und unglaublich viele Mysterien und rätselhafte Funde
auch sein mögen, sie existieren überall in unserer Welt. Viele unerklärliche
Entdeckungen sind es wert, einer genaueren wissenschaftlichen Prüfung unter­
zogen zu werden, die vielleicht zu einem neuen Verständnis und zu weiteren
Erkenntnissen für unsere Zukunft führen könnten. Es sind durchweg Probleme
und Ungewißheiten aus allen Bereichen der Wissenschaft, die nach wie vor auf
eine gesicherte Antwort warten.
Während der Fertigstellung dieses Buches haben sich eine Vielzahl interes­
santer Kontakte und neue brisante Spuren ergeben, die erst ausgewertet werden
müssen, ehe wir damit an die Öffentlichkeit treten werden. Das Resultat unter
dem Strich ist eindeutig: Aus dem Frage- wurde ein Ausrufungszeichen. Zweifel
wandelten sich zur festen Überzeugung: Die Menschheitsgeschichte muß in vielen
Bereichen neu geschrieben werden!
Vergessen wir eines nicht: Daß wir alle - Wissenschaftler und Laien - in
einem »Realitätstunnel« leben, der unsere Vorstellung und unser momentanes
Wissen von der Wirklichkeit und der Welt, in der wir leben, widerspiegelt.
Doch im Laufe der Menschheitsgeschichte haben sich immer wieder Dinge
ereignet, die frühere Generationen für undenkbar und unmöglich gehalten
haben. Wenn wir also behaupten, dies oder jenes könne nicht existieren, dann
gibt man sich letztlich mit dem zufrieden, was bisher erforscht werden konnte.
Vor Galileo Galilei war der damalige »Realitätstunnel« von der Auffassung
geprägt, sich hundertprozentig gewiß sein zu können, daß die Sonne um die
Erde kreist. Galilei stellte den Irrtum richtig. Und heute? Es sind kaum ein paar
Jahrzehnte vergangen, seit angesehene Gelehrte in wissenschaftlichen Abhand­
lungen explizit darlegten, daß der Mensch niemals in den Weltraum vorstoßen
würde, komplizierte Herztransplantationen nicht überlebt werden könnten
und das Klonen von Lebewesen als reine Erfindung der Science Fiction-Autoren
abgetan wurde.
Doch die wissenschaftlichen Theorien ändern sich unentwegt und werden
das auch weiterhin tun. Rätselhafte archäologische Entdeckungen und verbor­
gene Kräfte sind jenseits des gewohnten »normalen« und »erklärbaren« Weltbil­
des angesiedelt. Wir wissen weder, was z. B. UFOs sind, ob andere Intelligenzen
im Universum existieren oder aufgefundene »Ooparts« tatsächlich von unterge­
gangenen Vorzeit-Zivilisationen stammen. Doch gerade deshalb, weil wir es
eben nicht mit absoluter Sicherheit sagen können, sollten Wissenschaftler an
einer vorurteilsfreien Klärung dieser ungelösten Geheimnisse und rätselhaften
Phänomene interessiert sein. Ganz im Sinne des Schweizer Tiefenpsychologen
earl Gustav Jung, der trotz seiner Skepsis immer wieder betonte, daß »unser
Weltbild nur dann der Wirklichkeit entspricht, wenn auch das Unwahrscheinli­
che darin seinen Platz hat« .
Die unermüdliche Suche nach der Wahrheit und die Faszination am Wun­
derbaren und Geheimnisvollen wird auch weiterhin die Menschen in den Bann
ziehen. Wohl deshalb, weil schon unsere natürliche und instinktive Neugier
dafür sorgt, daß wir ungelösten Rätseln auf den Grund gehen.
Es ist bedauerlich, daß uraltes Wissen zunächst verloren ging und über
lange Zeit in Vergessenheit geriet. So manche Sache auf dieser Welt würde unter
Umständen anders aussehen, manche Entwicklung hätte vielleicht einen positi­
veren Verlauf genommen, wenn auf diesem Gebiet nicht so viel verschlafen und
versäumt worden wäre. Mehr denn je gilt es jetzt, systematisch weiterzu­
forschen, den Nachholbedarf zu decken. Vielleicht sind uns mit diesem Buch
und dem realisierten Ausstellungsprojekt Unsolved Mysteries Ansätze hierzu
gelungen . . .

Die Reise zu den » Unsolved Mysteries« dieser


Welt geht weiter . . . (Foto: Klaus Dona)
Zum Abschluß eine Bitte der Autoren:

Sind Sie vielleicht selbst im Besitz eines außergewöhnlichen Gegenstandes?


Wissen Sie von Dingen oder Begebenheiten, die es eigentlich gar nicht geben
dürfte? Haben Sie Bekanntschaft mit rätselhaften Phänomenen gemacht? Dann
würden wir uns freuen, wenn Sie uns daran teilhaben lassen. Schreiben Sie es
nieder und senden Sie es uns zu. Ihre Angaben werden vertraulich behandelt.
Wir versprechen Ihnen, alle eingesandten Beiträge gewissenhaft zu prüfen und
auf ihre Verwendbarkeit hin auszuwerten. Die interessantesten Fundstücke und
Berichte aus der Welt des Unerklärlichen wollen wir dann (so Sie damit
einverstanden sind und ein Leihvertrag zustandekommt) in einer späteren
Ausstellung präsentieren oder in einem Folgeband veröffentlichen.

Klaus Dona/Reinhard Habeck


clo Jochen Kopp Verlag
Graf-Wolfegg-Straße 7 1
D-72 1 08 Rottenburg
Dankeschön . . .

. . . sagen wollen wir als Autoren all denj enigen, die die Fertigstellung dieses
Buches in irgendeiner Weise begünstigt haben. Das gilt zunächst unseren treuen
Begleitern während unserer ersten beiden Entdeckungsreisen durch Südameri­
ka: Univ.-Lektor Senatsrat Direktor Dr. Willibald Katzinger, Fotograf Bernhard
Moestl, Stefan Dona sowie der Video-Produktionsfirma Cinevision und unse­
rem Autorenkollegen Dr. Hans-Joachim Zillmer. Ihre freundschaftliche Unter­
stützung auf diesen anstrengenden Touren wußten wir zu schätzen. Ein liebe­
volles Dankeschön gilt ebenso unseren Familien, die mit viel Verständnis den
Streß und die Hektik der letzten Jahre geduldig ertragen haben.

Dankeschön . . .
. . . sagen wir Manfred Vikas und der Firma Kunsttrans, die alle logistischen
Ausfuhrgenehmigungen sowie heiklen Transporte der Originalobjekte perfekt
abwickelten.

Dankeschön . . .
. . . sagen wir vielen Menschen, die uns seit dem Projektbeginn von Unsolved
Mysteries in vielfältiger Weise unterstützten, sei es als Leihgeber, Sammler,
Informant, wissenschaftlicher Beirat, Interviewpartner oder konstruktiver Kri­
tiker. Ihr Vertrauen und ihre Hilfsbereitschaft war uns Anreiz und Auftrag
zugleich. Stellvertretend für viele seien hier einige hilfreiche Freunde und For­
scher namentlich in alphabetischer Reihenfolge genannt. Ihre Namensnennung
besagt j edoch nicht, daß sie mit allen von uns in diesem Buch aufgestellten
Ideen und Theorien übereinstimmen müssen:
Banco Central deI Ecuador, Dr. Carl Baugh, Luc Bürgin, Russel Burrows,
Prof. Dr. Javier Cabrera (gest. 2002) , Christobald Cobo, Ed Conrad, Erich von
Däniken, Vine Deloria, Jokey van Dieten, Direktor Dr. Rudolf Distelberger,
Alexander Dona, Angela Dona, Dipl.-Bibl. Ulrich Dopatka, Anke und Horst
Dunkel, Dr. Algund Eenboom, Walter Ernsting alias Clark Darlton, Claudia
und Dipl.-Hdl. Peter Fiebag, Adriano Forgione, Dipl.-Ing. Walter Garn,
Ing. Rudolf Gantenbrink, Rene Coudris alias Jay Goldner, Prof. Jaime Gutierrez
Lega, Dr. Vera Hammer, Dr. Heinz Valentin Hampejs, Hartwig Hausdorf, Juan
Silva Ibarra, Dr. Anne-Marie Juaneda-Calvier, Katholische Ordensgemeinschaft
der Salesianer in Ecuador, Kensington Runestone Museum, Prof. Dr. Masaaki
Kimura, Peter Krassa, Mag. Christiane Ladurner, Jose Maldonado, Wayne May,
Dipl.-Archäologe Dawoud Khalil Messiha, Museo de las Culturas Aborigines,
Museo Weilbauer, Naturhistorisches Museum Wien, Dr. Ing. Richard Nielsen,
Padre Dominge Perego, Prof Angelo Pitoni, Dr. Ausilio Priuli, Koichi Sasaki,
Eberhard Schneider, Anna Söhring, Ing. Guillermo Sotomayor, Neil Steede,
Oliver Stummer, Familie Vaca, German Villamar, Luis Viracocha, Gerhard
Vysoky, Dr. Jian Wang, Dr. Wolfgang Waitkus, Prof. Dr. Erich Winter, Dr. Hubert
Zeitlmair und viele Mitarbeiter des Teams von Unsolved Mysteries.

Dankeschön . . .
. . . gebührt schließlich unserem Verleger Jochen Kopp sowie unserem
Lektor und Hersteller Thomas Mehner. Beide bewirkten schließlich die Heraus­
gabe der deutschsprachigen Ausgabe dieses Buches, dessen vorgesehener
Erscheinungstermin nur mit gemeinsamen überirdischen Kräften einzuhalten
war. Last but not least danken wir unserer Übersetzerin Fumie Puschina. Sie war
stets die gute Seele bei der Realisierung dieses aufwendigen Buchproj ektes und
vermochte eine japanische Übersetzung vorzulegen. Ohne ihre unermüdliches
Engagement, ihre Besonnenheit, Geduld und Sorgfalt wäre die Zeit- und
Sprachbarriere nicht zu überwinden gewesen.

Dankeschön . . .
. . . sagen wir zuguterletzt den vielen faszinierenden »Unsolved Mysteries«,
ohne die unser Leben vermutlich weniger aufregend und dieses Buch nie
geschrieben worden wäre.

Klaus Dona & Reinhard Habeck


Literaturhinweise

Ein Großteil der Zitate stammten aus persönlichen Interviews, die die Autoren
während ihrer Recherchen zum Ausstellungsprojekt Unsolved Mysteries mit
Leihgebern, Forschern und Wissenschaftlern im In- und Ausland führten.
Ferner wurden einige Quellen unterstützend herangezogen. Dazu eine Auswahl
weiterführender Literatur:

Aschenbrenner, Klaus ; Die Antiliden, München 1 993


Aston, MickiTaylor, Tim; Atlas der Archäologie, München 1 998
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Bauval, Robert/Gilbert, Adrian; Das Geheimnis des Orion, München-Leipzig 1 994
Bauval, Robert/Hancock, Graham; Der Schlüssel zur Sphinx, München-Leipzig 1 996
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Breasted, James Henry; Geschichte Agyptens, Wien 1 936
Bonin, Werner E (Hg. ) ; Faszination des Unfoßbaren, Stuttgart 1 988
Bürgin, Luc; Geheimakte Archäologie, M ünchen 1 998
Bürgin, Luc; Rätsel der Archäologie, München 2003
Burenhult, Gören (Hg. ) ; Die Kulturen der Neuen Welt, Augsburg 2000
Burenhult, Göran (Hg. ) ; Die ersten Menschen, Hamburg 1 993
Burrows, Russel/Rydholm, Fred; The Mystery Cave ofMany Faces, Marquette 1 992
Cinevision; Unsolved Mysteries, Verkaufskassette zur gleichnamigen Ausstellung, Wien
200 1
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Collins, Andrew; Neue Beweise für Atlantis, Bern-München-Wien 200 1
Cotterell, Arthur; Die Welt der Mythen und Legenden, München 1 990
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Dopatka, Ulrich; Die große Erich von Däniken Enzyklopädie, Düsseldorf-München 1 997
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Eenboom, Algund/Fiebag, Peter; Die Intelligenzwerdung des Menschen, in Sagenhafte
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Fiebag, Peter; Der Götterplan, München 1 995
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Sachregister
Acambaro-Figuren 1 09. 1 24. 1 69-1 72 Bibel 7 5 . 1 73-1 74. 1 9 5 . 1 98 . 2 1 8. Drachen-Motive 93. 1 0 1 . 1 67. 1 69.
Acheuleen-Werkzeuge 1 9 1 222. 244. 335 1 70. 1 7 1 . 1 76. 333
Ägyptologie 306-308. 3 5 8 Bibelfraktal 37-38 Drachenzähne 1 77
Akademie d e r Wissenschaften. russi- Bigfoot 1 73. 1 77 Dreieckssymbolik 74
sche 4 1 Bimini-Unterwasserstruktur 2 1 7. Early Sites Research Society 203
Alchemisten 240. 3 0 1 22 1 -222 Einhorn 1 76
Altertümerverwaltung. ägyptische 5 1 Bovis-Werte 243-244 Eisenbecher. gefunden in Kohle­
Altseinzeit (Paläolithikum. Zeit vor Bronzeplatten (Crespi-Kollektion) gestein 1 22. 1 56
mehr als 1 0 000 Jahren) 200-2 0 1 1 26- 1 27. 2 5 5 Eisennagel aus der Urzeit 1 5 5
Aluminiumgürtel. antiker 2%. 297 Bronzezeit 1 98 . 276. 350. 3 5 3 Eiszeit 1 90-1 9 1 . 1 94. 1 98. 200-203.
Amarna-Epoche 1 03 . 1 29 Buache-Karte 207 22 1 . 225. 227-230. 248-249.
Anakiter (Riesengeschlecht) 1 73 Buddhismus 38 347. 365
Anasazi-Kultur 1 67- 1 6 8 Bumerang 5 1 EI-Dorado-Zeremonie 57-5 8. 3 1 5
Ancient America (Magazin) 1 23. 1 80. Burdick-Fußabdruck 1 47. 1 48 Elektrizität i m Altertum 297.
254 Califo rnian Space Institute 1 34- 1 3 5 300-303
Anthropomorph 90. 274-275 Calima-Kultur (Yoroco-Kultur) 60 Elektro-Experiment nach Reliefvor-
Antikythera. Maschine von 43-44 Chakra-Energiezentren 74-75 . 236 lage 308-3 1 3
Apokalypse 362 Channeling (Kanalisieren) 75 Erdalter 1 64- 1 6 5
Archäologisches Institut der katholi­ Chavin-Kultur 89. 1 00 Erdaltertum 1 3 6
schen Universität Quito (Ecua­ Chemie. altägyptische 293 Erdatmosphäre 1 37
dor) 86-87. 99. 1 27. 1 30. 274 Cheopspyramide 28. 222. 354. Erdmittelalter 1 3 7
Arche Noah 1 74. 2 1 8-2 1 9 356-357 Erfindungen. altchinesische 297-299
Asteroiden 9 1 . 1 34. 1 36. 1 38- 1 3 9 . Chephrenpyramide 292 Etrusker 259
203-204. 22 1 . 268-269. 362-366 Chespicuaro-Kultur 1 70 Evolutionstheorie 20. 1%. 1 38- 1 39.
Astronautengötter 60. 66. 90-92. Chibcha-Kultur 57. 25 1 . 3 1 4-3 1 7 . 141, 145-146. 1 85-1 88. 1 93-1 9 5 .
1 1 4. 1 27. 1 9 5 . 272-286. 32 1 . 332. 335 367
323. 356 Chimu-Goldplatte 258 Fälschungsverdacht 1 5- 1 6 . 30-32.
Astronomie 1 1 8. 1 22 . 209. 2 1 3. Chimu-Kultur 1 00. 258 42. 46-47. 66. 69. 97. 99.
228. 283-28 5 . 3 1 6. 330. 33 1 . Chorrera-Kultur 88 1 08- 1 1 0 . 1 3 1 - 1 32. 1 42.
338. 347-348. 352-353 . 356. Clovis-Kultur 30. 202 1 46- 1 48. 1 5 1 , 1 54. 1 6 1 , 1 80.
357 Coca 60. 84 256. 327. 329. 33 1 . 339.
Adantis 9. 1 2. 69. 80-8 1 . 1 27. Creation Research Society 1 57 343-345
209-224. 228. 23 1 . 238. 246. Dame von Elche (Büste) 246-247 Felskunst. prähistorische 1 65- 1 68 .
249. 258. 346. 365. 370 Dame von Mali 269-270 276. 3 1 6-3 1 7. 333
Adantis-Karte 2 1 4 Dampfmaschine 33. 49 Finger. versteinerter 1 22. 1 48- 1 49
Adantis-Topographie. mutmaßliche Darwin-Museum in Moskau (Ruß- Fingerhut. in Kohleschicht 1 5 5
2 1 4-2 1 7 land) 52 Flugmaschinen. antike 3 5 . 46.
Adantis-Untergang 2 1 1 -2 1 3. 2 1 8 . Dendera-.. Glühbirnen«-Reliefs 56-57. 1 1 8-1 1 9 . 28 1 . 28 5-286.
268. 365 304-308 290-29 1
Außerirdische 56. 1 1 5 . 1 1 8 . 1 59 . Desert varnish (Wüsten lack} 1 67 Flugsaurier (Pterodacrylus) 1 70
1 9 5 . 271-282. 286. 323. 339. Dinosaurier-Darstellungen 93. 1 0 1 , Flüssigkeit. wundersame 1 84
344. 346. 367. 3 7 1 1 05-1 09. 1 24. 1 67. 1 68- 1 70 Freimaurer 75. 1 4 5
Australopithecus 20. 1 42. 1 86. 1 88 Dinosauriersterben 1 37- 140. 1 84. Fresenius-Institut in Dresden
Azteken 2 1 9. 282. 338-339. 362 1 86. 1 9 5 . 268 . 363 (Deutschland) 254
Babyionier 53. 2 1 9 . 234. 283. 30 1 . Dinosauroide 1 38 Frosch 68. 327. 332-334
302. 3 1 7 Dioritstatue des Pharao Chephren Fruchtbarkeitssymbolik 68-69.
Bambara (westafrikanischer Volks­ 292 3 1 5-3 1 9 . 332-333. 352
stamm) 262-263. 284 Diskos von Phaistos 1 27. 258 Früchte. versteinerte 1 5 1 - 1 52
Banco Central dei Ecuador 70. 90. 94. Djed-Pfeiler 305-306 Fußabdrücke. versteinerte (u. a.
97. 99. 1 04. 1 26 DNA-Untersuchung 1 8 1 . 1 94 neben Saurier-Fährten) 29.
Batelle Memorial Laboratory in Co­ Dogon (westafrikanischer Volks- 1 42- 1 48 . 1 59 . 1 68 . 1 80-1 8 1
lumbus. Ohio (USA) 1 5 8-1 5 9 stamm) 1 7 . 2 1 . 1 22. 262. Galvanisietung 3 5-36. 3 0 1 -302. 3 1 3
Benben-Stein 2 8 5 282-286. 356 Geburtsinstrumente. prähistorische
Bergkristall-Artefakte 336-337 Dogu-Statuetten 66. 1 27 70. 320-322
I 379

Geheimgesellschaften 75 Huaxteken-Galvanisierer 3 5-36, 30 I Kugeln, rotierende 1 3 5


Geheimschrift 306, 309 Huichol-Indianer 275 Kulthandlungen (Zeremonien) 36,
Genetik 20, 46, 68, 1 9 1 , 1 94- 1 9 5 , I Ging 73, 325-326 89, 1 03 , 249, 263-264, 307,
233, 273, 324-327, 367-368 !ca-Keramiken 1 0 5 , 1 08-1 I I, 1 24 3 1 7, 333, 336
Genetische Scheibe - moderne Em- !ca-Steine 1 05-1 I I , 1 24 Kumbhadbawa Agadsyonumi (alt-
bryologie 328 Illuminaten 75 indische Schrift) 302
Genetische Scheibe 10, 63, 67-69, Impakt-Simulation 365-366 Kundalini 237, 308
1 27- 1 2 8 , 1 6 1 , 3 1 5 , 326-329, Inka 28-29 , 47-48, 59, 72, 79, 8 1 , Kunstraubmafia 233-234
3 3 1 -336 86, 94, 99, 1 00, 1 03 , 125, 1 84, La-Tolita-Kultur 88
Geologische Sammlung der Techni- 2 1 4 , 239, 247, 26 1 , 282, 34 1 , Lebensbaum 325
sehen Universität Freiberg 348-349, 359, 361 Lemuria 8 1 , 230
(Deutschland) 4 1 -42 I nstitut für Paläoanthropologie in Leuchtobjekte aus La Mana 234-240,
Geomantie 350 Peking (China) 1 89 244-24 5 , 247
Gigantopithecus 1 77 Institute of Technology in New York Ley-Linien 3 5 0
Glasherstellung, altägyptische 2 9 4 (USA) 273-274 Löffel in Kohle-Urgestein 1 57
Gletschermumie .. Ötzi« 29 Intelligenzsprung des Menschen 1 93 , Lotosblume 305-307, 3 1 0-3 1 2
Goldflieger aus Kolumbien 20, 56-57, 1 98- 1 99 Luft- und Raumfahrtinstitut in New
60, 1 22, 290 Inty Nan (Weg der Sonne) 348 York 56
Goldhüte 330, 3 5 3 Iridium 268 Magie 23, 89, 237, 239, 244-245 ,
Goldobjekte in Ur-Gestein 1 57 Isis-Tempel 302-303 25 1 , 260, 279, 297, 302, 3 1 2-3 1 3 ,
Goldprägetechnik, antike 3 1 5 Jaguargott 3 4 5 3 1 8 , 339
Goldwasser aus Ecuador 240-244 Jama-Coaque-Kultur 274 Mammut 1 76, 204-205 , 23 1 , 249,
Goten 2 1 6, 247 Jivaros 89 347, 364
Götterdarstellungen 3 5 , 36, 274 Jom6n-Kulrur 85, 1 27, 228-229 Mandala 38
Götter-Steine 229 Kachina 2 8 1 -282 Manna (Himmelsbrot) 244
Göttliches Auge 232-234, 237 Kajapo-Indianer 28 1 Massenauslöschungen (beinahe
Gräberschächte, unbekannte 65 Kanaga-Tanzmaske 285 Ausrottung einer Art) 1 36- 1 37,
Grabplatte von Palenque 279-280 Karte des Erathostenes 205 268, 363-368
Gral, heiliger 244-245 Karte des Oronteus Finaeus 205-206 Maya 28, 3 5 , 1 04, 1 24, 2 1 4, 2 1 6,
Guanchen 220 Karte des Piri Reis 207-209 220-224, 239, 248, 257-258,
Guayana-Volksstamm 2 1 8 Karte des Pomponius Mela 205, 207 275, 279, 282, 338, 343-344,
Hammer von Texas (The London Karthager 2 1 6, 2 1 9 Maya-Codex Troano 223-224
Artefakt) 1 22, 1 57- 1 59, 1 6 1 - 1 63 Kasskara 28 1 Maya-Kalender 73
Hand, versteinerte 1 48 Kaw-River-Exponate 202-203 Medizin, altägyptische 294-295
Harappa-Kulrur 48, 250, 26 1 Keilschrift 1 98 Megalith-Kultur 6, 209, 228, 260,
Häuser, fliegende 28 1 Kelten 2 1 9, 3 5 3 3 1 6, 350, 3 5 3
High-Tech-Werkzeuge, prähistorische Kernbohrung, antike 292-293, 3 5 9 Menschenskelecce in Kohleschicht
1 2 , 1 9 1 -1 92, 3 1 9-323, 332-334 Kernbohrungen, antike 5 1 , 3 5 9 1 5 1-1 54, 1 79
Himmelscheibe von Nebra 329-33 1 , Klimaveränderung 203-207, 224, Menschwerdung 1 86- 1 9 1 , 1 9 5
353 3 6 1 -362, 365-367 Mercato-Karte 207
Himmelsdrache, chinesischer 38 Klonen 47, 324, 368 Metallschraube in Ur-Gestein
Himmelskuh 295 Kohleschädel 4 1 , 42 1 5 5-1 56
Himmelsleiter 275-276 Kometen 1 36 Michigan-Tafeln 1 23 , 25 5-256
H immelssteine (Skystones) 262, Kometenabwehrprogramm 366 Middle American Resarch Institute 3 5
266-27 1 , 284 Kontinentalverschiebung 1 37 Miksotechnik 40-4 1
Hirnstein 1 30- I 3 1 Kopfmagie 8, 89, Millenium Man 1 4 5 , 1 88
Höhlenbär 204 Kornkreis-Phänomen 233 Mimikry-Hypothese 278-279
Höhlenschrift, eiszeitliche 23 1 , 248, Kräfte, energetische 235, 24 1 Minoische Mittelmeer-Kultur 2 1 6,
260 Kreationisten 1 4 5 , 1 57 26 1
Hohlräume in der Cheopspyramide Kreissägearbeiten, antike 293 Mischwesen 90, 1 0 1 , 1 26, 1 7 1 , 273,
3 55-3 5 6 Kristallschädel (und Edelsteinköpfe) 324-325
Homo antecessor 200 1 2, 20, 1 23, 1 2 8 , 1 6 1 , 33 1 , Missing link 1 87
Homo erectus 1 87, 1 89 , 1 98- 1 99, 338-342, 344 Mitra (Leuchtkraft) 302
201 Kristallschädel von Lubaantun 338, Mixteken 337, 339
Homo sapiens 20, 1 03 , 1 38 , 19 I , 340, 343-345 Mixteken-Anhänger 300-3 0 1
1 93, 1 94, 1 98 , 336, 367-368 Kröten, mumifizieree 53-54 Moche-Kultur 1 00-1 0 1
Homo steinheimenis 1 89- 1 90 Kryptozoologie 1 40-1 4 1 , 1 66, Mokele-mbembe 1 68
Hopi 28 I , 362 1 6 8- 1 7 1 Mormonen 1 4 5
380 I
Mounds (indianische Hügelgräber) - Kon- Tiki-Museum in Oslo (Norwe­ - Royal Museum of Canada in Ottowa
1 23 , 1 79 , 256 gen) 86 (Kanada) 1 3 8