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Das Ende der Gutenberg Galaxis

oder

retten eBooks die Welt?

Manifest [in Arbeit]


für elektronische Bücher, die nachhaltige Entwicklung der
Wissensgesellschaft und einer gesunden Umwelt

Diskussionsgrundlage Version 0.3

Mit der Bitte um kritische Würdigung und Kommentare

MedienFabrik
Gesellschaft für Medien- und Verlagsservices mbH
Januar 2011
Diskussion über
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1. Vorbemerkung zu Version 0.1
Wir wollen mit der vorliegenden Diskussionsgrundlage einen neuen Aspekt der Entwicklung weg
vom gedruckten und hin zum elektronischen Papier beleuchten. Weder der Umwelt- noch der
Wissensvermittlungsaspekt sollten unseres Erachtens an letzter Stelle einer Diskussionsagenda
rund um die Transformation des Gedruckten in das Digitale stehen, sondern sehr weit vorne.
Wir haben mit der ersten Version der Diskussionsgrundlage einmal versucht, die Fakten, soweit
uns das möglich war, zusammenzutragen. Dabei stellen wir die unter Umständen provokative
Hypothese auf, dass unser Planet aus Umwelt- und Ressourcengründe keine gedruckten Bücher
mehr verträgt und aus Sicht der effizienten Wissensvermittlung auch nicht mehr brauchen kann.
So, und jetzt laden wir alle ein unsere Fakten, Daten und unsere Hypothese zu hinterfragen und zu
falsifizieren [oder eben zu verifizieren]. Unser Ziel ist es, ein kleines Manifest zum Thema eBooks
abseits aller traditionellen und emotionalen Einstellungen zu diesem Thema zu führen. Wir sind
unbedingt davon überzeugt, dass eine global funktionierende Wissensgesellschaft eine conditio
sine qua non für die Gesellschaft von morgen ist. Ohne das kollektiv zu erarbeitende Wissen
werden wir wohl die aktuellen Probleme unseres Planeten und noch weniger die zukünftigen
adressieren können.
Vielen Dank schon jetzt für den konstruktiven Input.

Euer Team MedienFabrik.

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2. Vorbemerkung zu Version 0.2
In der vorliegenden Version 0.2 haben wir auf der Suche nach wissenschaftlicher Exaktheit und
Untermauerung der vorgebrachten Argumente hinsichtlich der Umwelt- und Klimabelastung den
Stern-Report eingebaut und das hinsichtlich einer möglichen Neugestaltung unseres Planeten
exzellente Werk MacroWikinomics: Rebooting Business and the World von Don Tapscott.
Damit ist unser Manifest natürlich noch lange nicht abgeschlossen. Wir suchen nach weiteren
Argumenten oder Gegenargumenten für eBooks und warum die Welt nicht ohne diese
auskommen wird.
Vielen Dank schon jetzt für den konstruktiven Input.

Euer Team MedienFabrik.

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3. Vorbemerkung zu Version 0.3
In der vorliegenden Version haben wir die bisher fehlende Beschreibung einer möglichen
Umsetzung der neuen Wissensvermittlung mit eBook Technologien eingearbeitet. Konkret haben
wir dabei die not-for-Profit Organisation Worldreader.org beschrieben sowie deren Aktivitäten, die
sich zurzeit in erster Linie auf Ghana beschränken. Worldreader.org ist erst 2009 gegründet worden
und damit noch eine junge Organisation, die Zeit und finanzielle Mittel benötigt, um die Aktivitäten
auf breiterer Basis umsetzen zu können.
Wie immer würden wir uns über Feedback, kritische Würdigung und Ideen freuen.

Euer Team MedienFabrik

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4. Die Wissensgesellschaft lässt warten
Nach Angaben der KfW Entwicklungsbank können am Ende des ersten Jahrzehnts des neuen
Jahrtausends noch immer rund 760 Millionen Erwachsene weltweit nicht richtig lesen und
schreiben. Die Weltbank setzt die weltweite Alphabetisierungsrate von Menschen über 15 Jahren
mit gerade einmal 83 Prozent an. Nach Prognosen der UNO werden auch 2015 noch 710 Millionen
Menschen ohne grundlegende Lese- und Schreibkompetenz sein. 98 Prozent der Analphabeten
leben in Entwicklungsländern, aber auch 4 Millionen Menschen in Deutschland gelten als
Analphabeten. Zwei Drittel der Betroffenen weltweit sind Frauen. Untersuchungen zeigen, dass
mit niederem Bildungsniveau hohe Geburtenraten, Chancenlosigkeit am Arbeitsmarkt und
ökonomische Abhängigkeit gerade von Frauen einhergehen.

Wir haben hier also 15 Jahre nachdem das Web uns Hoffnung auf eine bessere Welt mit
einfacherem Wissenszugang gegeben hat noch immer einen gewaltigen Aufholbedarf, wenn wir an
uns selbst weiterhin die Anforderung der Entwicklung einer Wissensgesellschaft stellen.

Bezieht man das derzeit angenommene Bevölkerungswachstum – Die UNO erwartet bei mittlerer
Projektion bis 2025 in etwa 8,0 Milliarden und bis 2050 knapp 9,2 Milliarden Menschen - in eine
dynamische Betrachtung über die Aufgabe zur Entwicklung einer Wissensgesellschaft mit ein, dann
können wir ermessen, dass eine gewaltige Aufgabe vor uns liegt. Die hauptsächliche Quelle des
Wissens ist die Schrift aber es können nicht mehr gedruckte Bücher sein auf die wir bei der
Herausbildung der Wissensgesellschaft zurückgreifen.

Gedruckte Bücher sind teuer zu produzieren und schwer zu transportieren. Vor allem in den
Entwicklungsländern führt die fehlende verkehrstechnische Infrastruktur in Verbindung mit der
fehlenden Kaufkraft dazu, dass der Zugang zu gedrucktem Wissen nach wie vor ein Luxus ist.

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5. Klimawandel und Ressourcenbelastung (Stern-Report)

Allgemein
Wir wollen im Rahmen dieses Manifests bei der Darlegung der
Umweltsituation auf öffentlich zugängliche und auch für den Laien
[halbwegs] verständliche Quellen zurückgreifen. Diesbezüglich
scheint uns der Stern-Report ein guter Ansatz. Der Stern-Report
hat in den letzten Jahren eine breite öffentliche Diskussion
erfahren, die über Wikipedia und die Blogosphäre sehr schön
nachvollziehbar und dokumentiert ist. Darüber hinaus können
Report wie die einzelnen Kapitel unentgeltlich von diversen Seiten
heruntergeladen aber auch in kommentierter Buchform gekauft
werden. Damit bietet der Stern-Report die beste Grundlage für
unser kleines Manifest.
Der Stern-Report (englisch Stern Review on the Economics of
Climate Change) wurde 2006 vom ehemaligen Weltbank-
Chefökonomen und damaligen Leiter des volkswirtschaftlichen
Dienstes der britischen Regierung, Nicholas Stern, veröffentlicht.
Der im Auftrag der britischen Regierung erstellte rund 650 Seiten starke Bericht untersucht
insbesondere die wirtschaftlichen Folgen der globalen Erwärmung.
Der Report kommt zur Schlussfolgerung, dass die Konzentration von Treibhausgasen in der
Atmosphäre gegenüber dem Stand vor der industriellen Revolution von 280 ppm (parts per million
oder Millionstel in der Atmosphäre) Kohlendioxidäquivalenten auf heute 430 ppm gestiegen ist
und sich jährlich um über 2 ppm erhöht.
Der Klimawandel ist eine Bedrohung des Lebens auf der Erde. Es ist aber immer noch möglich, die
schlimmsten Risiken und Auswirkungen des Klimawandels mit tragbaren Kosten zu vermeiden,
wenn jetzt schnell auf nationaler und internationaler Ebene gehandelt wird. Um schwerwiegende
Folgen für die Weltwirtschaft zu vermeiden, sollte die Konzentration von Treibhausgasen in der
Atmosphäre unter 550 ppm gehalten werden aber schon in diesem Fall würde die weltweite
Durchschnittstemperatur um 2 bis 3 °C steigen.
Die Konzentration der Treibhausgaskonzentration kann auf 550 ppm begrenzt werden, wenn der
Anstieg der Emissionen innerhalb von 15 Jahren gestoppt wird und danach die Emissionen jährlich
um rund 2 % sinken. Da sich die gesamtwirtschaftliche Produktion, das Bruttoinlandsprodukt, bis
2050 etwa verdrei- bis vervierfachen wird, bedeutet dies, dass die Emissionen pro Einheit des
Bruttoinlandprodukts bis 2050 um rund drei Viertel gedrückt werden müssen.
Wenn nichts getan wird, um die Emissionen von Treibhausgasen zu reduzieren, könnte die
Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre bereits 2035 das Doppelte ihres
vorindustriellen Niveaus erreichen, was einen Anstieg der Durchschnittstemperatur von mehr als 2
°C bedeuten würde. Längerfristig gesehen läge die Wahrscheinlichkeit, dass der Temperaturanstieg
5 °C überschreiten würde, bei mehr als 50 %, wenn nicht gehandelt wird. Dieser Anstieg würde
dem Anstieg der Durchschnittstemperatur seit der letzten Eiszeit entsprechen.
Nach Meinung des Stern-Reports sind die Anstrengungen zur Vermeidung des Klimawandels und
der Förderung von Wachstum und Entwicklung keine Gegensätze. Im Gegenteil, die Bekämpfung

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des Klimawandels ist langfristig gesehen eine Wachstumsstrategie. Emissionen können durch eine
höhere Energieeffizienz, durch Bedarfsänderungen sowie durch die Nutzung sauberer Kraftwerks-,
Heizungs- und Transporttechnologien reduziert werden.

Holz, Papier und Umwelt


Der Kraftwerkssektor müsste dem Stern-Report folgend weltweit bis 2050 wenigstens 60 %
weniger Kohlendioxid ausstoßen, damit die Konzentration von Treibhausgasen auf oder unter 550
ppm Kohlendioxidäquivalente stabilisiert wird. Auch die Verringerung von Emissionen außerhalb
der Energiewirtschaft, wie sie zum Beispiel bei der Abholzung von Wäldern entstehen, ist
wesentlich. Der Verlust von Wäldern trägt jährlich mehr zu den globalen Emissionen bei als der
Verkehrssektor. Die Erhaltung der Wälder ist eine äußerst rentable Möglichkeit zur Verringerung
von Emissionen.
Darüber hinaus müssten, so eine Forderung des Reports, die Innovationen zum Einsatz
kohlenstoffarmer Technologien gefördert werden, da die der Einsatz neuer kohlenstoffarmer
Technologien um zumindest das Fünffache des 2006 gegebenen Niveaus wachsen sollte.
Der 2006 herausgebrachte Stern-Report hat in der Folge heftige Diskussionen hervorgerufen über
die es auf Wikipedia eine sehr gute zusammenfassende Darstellung gibt. Es gibt Stimmen, die dem
Report eine zu negative Haltung vorwerfen aber auch Stimmen, die genau im Gegenteil meinen,
dass der Report die Situation sowie die Prognose über die Entwicklung viel zu positiv darstellt. In
der Politik, so heißt es, macht man dann etwas richtig, wenn alle Seiten mit dem Erreichten
unzufrieden sind. In diesem Sinne dürfte der Stern-Report also vieles richtig gemacht und
dargestellt haben. Sogar der naivste Fortschrittsgläubige [im konservativen Sinne] bestreitet heute
die durch die Industrialisierung entstandenen nicht mehr. Wir sind mit den Ressourcen unseres
Planeten zunächst unwissend – nun aber wissend – nicht sorgsam genug umgegangen.

Rebooting The Planet


In seinem jüngsten und höchst bemerkenswerten Buch MacroWikinomics:
Rebooting Business and the World hat der renommierte Wissenschaftler
und Autor Don Tapscott anhand ausgewählter Branchen dargelegt, dass es
mit der heute vorhandenen Technologie schon Möglichkeiten gibt, den
Umgang unserer Gesellschaft mit den knappen natürlichen Ressourcen
nachhaltig zu verbessern. Im Sinne des Stern-Reports verweist Tapscott
dabei auf die vielfältigen Möglichkeiten, die sich aus dem sinnvollen Einsatz
kollaborativer Technologien und Methoden ergeben.
Diesbezüglich bietet vor allem die zunehmende Virtualisierung vieler
Lebensbereiche die Chance, den Ressourcen unseres Planeten eine
entsprechende Pause zu gönnen bzw. Abbau und Verwendung effizienter zu
gestalten. Dies ist, wie auch Don Tapscott darlegt, gerade angesichts der erst beginnenden
Entwicklung der großen und bevölkerungsreichen Regionen wie China oder Indien unbedingt
erforderlich.
Virtualisierung geht einher mit der Teilung von vorhandener Infrastruktur [Cloud Sourcing, Shared
Resources etc] und mit der Abnahme der benötigten natürlichen Ressourcen pro Person. So
können beispielsweise große Server in den Rechenzentren von Google, Amazon & Co die Daten viel
ressourceneffizienter verwalten als Millionen kleiner Server in Unternehmen und Haushalten. Und

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genau an dieser Stelle können wir mit unserem Manifest bzw. unserer Vision über die eBooks als
Beitrag zur Entwicklung der Wissensgesellschaft bei gleichzeitiger Entlastung der Umwelt
anknüpfen.

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6. Die Gutenberg Galaxis ist vorbei
Die gedruckten Bücher haben uns in den letzten 500 Jahren zumindest in den
Industriegesellschaften geholfen, uns aus einer agrarisch geprägten, wissenmäßig durch weltliche
und kirchliche Instanzen abhängigen Gesellschaft über die Industrialisierung in eine und
Wohlstandsgesellschaft zu entwickeln. Ohne die Gutenberg'sche Innovation der Druckmaschine
mit beweglichen Lettern wäre das wohl so nicht möglich gewesen. Der Medientheoretiker Marshall
McLuhan hat diese hinter uns liegende Epoche als die Gutenberg Galaxis bezeichnet, welche die
Phase der Oralität und Literarität abgelöst hat. Das Leitmedium der Gutenberg Galaxis war das
gedruckte Buch:

„Der Buchdruck neigte dazu, die Sprache von einem Mittel der Wahrnehmung zu einer tragbaren Ware zu
verändern. Der Buchdruck ist nicht nur eine Technologie sondern selbst ein natürliches Vorkommen oder
Rohmaterial wie Baumwolle oder Holz oder das Radio; und wie jedes Rohmaterial formt es nicht nur die
persönlichen Sinnesverhältnisse, sondern auch die Muster gemeinschaftlicher Wechselwirkung.“ (Marshall
McLuhan, The Gutenberg Galaxy, 1962)

Das gedruckte Buch war das Leitmedium in einer von Atomen determinierten Welt. Auf Grundlage
der zunehmenden Digitalisierung der letzten 3 Jahrzehnte befindet sich Gutenberg Galaxis in der
evolutionären Ablöse durch das elektronische Zeitalter. Diese Ablöse des bedruckten Papiers durch
neue elektronische Technologien wie eBooks ist aus Entwicklungs- und Umweltperspektiven auch
dringendst geboten.

Die Papier- und Buchproduktion ist schon heute ein nicht zu unterschätzende Umweltbelastung,
die sich selbst unter Einrechnung technischer Fortschritte und effizienterer Technologien um ein
Vielfaches erhöhen würde, wenn wir bei steigender Weltbevölkerung und zwecks Umsetzung der
Ziele einer Wissensgesellschaft noch mehr Bücher drucken, verteilen und entsorgen müssten. Das
Buch ist ein, aus Umweltperspektive nicht mehr zeitgemäßes Medium. Bereits heute, werden
jährlich über 125 Millionen Bäume abgeholzt, um Papier zu erzeugen und trotzdem haben wir nach
wie vor 760 Millionen Analphabeten, die noch nie ein Buch gesehen haben. Die Produktion eines
gedruckten Buches verbraucht über 20 Liter kostbaren und äußerst knappen Wassers. Ein eBook
hingegen verbraucht in einer Gesamtverbrauchsrechnung nur rund 2 Tassen davon.

Die Papierindustrie wird zwar nicht müde darauf hinzuweisen, dass auch die digital-elektronische
Infrastruktur viel Energie verschlingt und CO2-Belastungen produziert aber das verändert sich sehr
rasch. Die Informationstechnologie steht noch ganz am Anfang ihrer Lernkurve. Die Energie-,
Wirkungs- und Schadstoffeffizienz verbessert sich [frei] nach dem Mooreschen Gesetz alle 18
Monate um das Doppelte. Die neuen eBook Reader verbrauchen nur mehr den Bruchteil der
Energie von PCs und Notebooks und auch diese sind heute bereits sehr effizient. Wir können hier
noch ähnliche Fortschritte erwarten wie in der industrialisierten Wirtschaft vom Umstieg von der
Dampfkraft auf elektrische und fossile Energie. Das ist auch notwendig, wenn wir unseren Planeten
gerade vor dem Hintergrund der dramatisch ansteigenden Bevölkerung im Gleichgewicht halten
wollen.

Im November 2008 gab das UN Klimasekretariat bekannt, dass die Treibhausgasemissionen in 40


erfassten Industriestaaten zwischen den Jahren 2000 und 2006 um 2,3 % gestiegen sind. Die
Störung des natürlichen Gleichgewichts der Atmosphäre durch Eingriffe in den Naturhaushalt und
durch anthropogene Emission von Treibhausgasen verstärkt den natürlichen Treibhauseffekt und

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führt zur globalen Erwärmung. Für die im Kyoto-Protokoll reglementierten Gase Kohlenstoffdioxid
(CO2) als Referenzwert für die Treibhausgase festgelegt. Kohlenstoffdioxid (CO2) hat einen Anteil
von ungefähr 20 % am natürlichen Treibhauseffekt und macht etwa 60 % des vom Menschen
verursachten zusätzlichen Treibhauseffekts aus. Der weltweite anthropogene CO2-Ausstoß betrug
im Jahr 2006 circa 32 Milliarden Tonnen.

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7. Papier, Bücher und Umweltbelastung
Die Papierproduktion für unsere Bücher, Magazine und Zeitungen ist ein wesentlicher
Mitverursacher der CO2-Belastung. Der Verband Deutscher Papierfabriken schätzt, dass der
europäische Pro-Kopf-Verbrauch von Papier rund 200 kg pro Jahr beträgt. Das entspricht dem CO2-
Ausstoß eines durchschnittlichen Familienautos auf 1000 Kilometer. Für diese 200 kg Papier
werden in Deutschland 560 kWh Energie benötigt. Die taz hat im Oktober 2010 wissen lassen, dass
jede Ausgabe ihrer Tageszeitung rund 300 Gramm CO2 verursacht, was einer Autofahrt von zwei
bis drei Kilometern entspricht.

Der Börsenverein des deutschen Buchhandels schätzt, dass in Deutschland jährlich rund 1 Milliarde
Bücher gedruckt und hergestellt werden. Setzen wir das in Relation
zur Anzahl der Einwohner von knapp 81,7 Millionen, dann kommen
Im deutschsprachigen Raum
für den deutschsprachigen Teil der Schweiz und für Österreich für werden jährlich rund 1,2
die insgesamt rund 12 Millionen Einwohner nochmals rund 150 Milliarden Bücher produziert
Millionen Bücher dazu. Wir werden wohl nicht so falsch liegen, und generieren damit rund 9
wenn wir postulieren, dass alleine im deutschsprachigen Raum rund Milliarden Kilogramm CO2
1,2 Milliarden Bücher jährlich produziert werden. Äquivalent.

In einem interessanten Vergleich der Umweltbelastung, der


wiederum auf einer Studie der renommierten Cleantech Gruppe basiert, wird dargelegt, dass ein
gedrucktes Buch im Zuge der Druckproduktion, Bindung, Transportlogistik und Entsorgung
Treibhausgase mit einem Äquivalent von bis zu 7,5 kg CO2 produziert. Das macht damit alleine für
die errechneten 1,2 Milliarden Bücher Deutschland, Österreich und die Schweiz jährlich 9
Milliarden Kilogramm CO2.

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8. eBooks, eBook Reader und Umweltbelastung
Die ersten wirklich massentauglichen eBooks kamen erst 2009 auf den amerikanischen und 2010
auf den europäischen Markt. Dabei war sicher Amazon mit dem Kindle eBook Reader ein Pionier.
Unabhängig wie man als Lesender, Autor oder Verlag zum Unternehmen Amazon stehen mag, das
Unternehmen hat uns hier über Jahre hinweg eine Innovation betrieben, die uns vielleicht eine
Perspektive vermitteln vermag, wie wir Wissensgesellschaft trotz Bevölkerungswachstum
bewältigen können. Mit den eBook Readern wie den Amazon Kindle kommen wir in komplett
andere Energieverbrauchs- und Schadstoffverbrauchsdimensionen als mit den traditionellen PCs
oder Note/Netbooks.

Die Produktion eines Amazon Kindle eBook Readers der Generation 3 verursacht eine CO2-
Belastung von 168 Kilogramm und damit deutlich weniger als der jährliche Papierverbrauch eines
durchschnittlichen Menschen in Deutschland. Wir gehen für die weitere Betrachtung davon aus,
dass ein eBook Reader über eine durchschnittliche Betriebsdauer von 3 Jahren im Einsatz ist.
eBook Reader kommen bei einem Energiebedarf von rund 0,004 kWh mit
Ein 3-Jahres Abo einer rund 1 bis 3 Gramm CO2 pro Betriebsstunde aus (Berechnung: 0,3 Ampere
gedruckten
Tageszeitung produziert
mal 12 Volt über eine Stunde gleich 3,6 Wattstunden, macht 0,0036 kWh).
und 300 kg CO2 Eine Betriebsstunde müsste ausreichen, um die taz bzw. jede andere
Äquivalent. Ein ePaper Tageszeitung zu lesen. Hinzu kommt noch der die Belastung aus der hinter
Abo mit eBook Reader dem ePaper liegende Server- und Telekommunikationsinfrastruktur.
hingegen nur 6 kg. Diesbezüglich gibt es nur wenig verlässliche Daten aber wenn wir den
Wert mit 3 Gramm CO2 pro elektronisch bezogenem ePaper ansetzen
dürften wir auf der sicheren Seite sein. Diesbezüglich verweisen wir auf eine interessante
Kalkulation, die auf Grundlage von Amazon und Kindle von exacteditions angestellt wurde [siehe
hier]. Damit ergibt sich pro elektronisch als ePaper bezogene Ausgabe der taz ein CO2-Verbrauch
von maximal 6 Gramm verglichen mit den 300 Gramm für die gedruckte Ausgabe. Das ist eine
Reduktion um 294 Gramm pro Ausgabe oder knapp 98 Prozent. Wer also 3 Jahre lang seine
Tageszeitung liest konsumiert knapp 1.000 Ausgaben und 300 kg CO2. Mit dem eBook Reader
kommt er gerade einmal 6 kg.

Gehen wir davon aus, dass die taz als Referenzwert für Zeitungen herhalten kann, dann hätten wir
einmal dieses Lesesegment abgehandelt und festgestellt, dass aus der Umweltperspektive heraus
wohl kein Raum mehr für Diskussionen über das Für und Wider von ePaper und der
Transformation der Medienbranche dorthin bleibt.

In einer CO2 Footprint Analyse hat sich ein eBook Reader also nach dem 23. eBook amortisiert und
ab dem 24. Buch enorme Vorteile gegenüber den gedruckten Büchern. Nutzt man einen eBook
Reader auch für Magazine und Zeitungen, dann kann die Amortisation bereits in wenigen Wochen
erfolgen. Bei voller Nutzung der Speichermöglichkeiten des Kindle ergibt sich eine
Einsparungsmöglichkeit von 11.185 kg CO2 im Vergleich zu den gedruckten Büchern.

Wir sind wirklich keine Umweltfundamentalisten aber was wirklich unglaublich verstörend für mich
ist an dieser Bilanz ist, dass ein Großteil der gedruckten Sachbücher redundantes Wissen enthalten
und nur einen geringen neuen Informationsanteil (zwischen 10 bis 20 Prozent ist der allgemeine
Wert). Ebenso wird ein erheblicher Teil der gedruckten Bücher niemals gelesen, sondern als
Überschussproduktion entsorgt. Letzteres kann durch Print-on-Demand-Produktion vermieden
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werden aber das redundant gedruckte Wissen und die dadurch entstehende Umweltbelastung
kann nur durch eBooks beseitigt werden.

Demgemäß und vor dem Hintergrund der ständig steigenden Bevölkerungsanzahl können
gedruckte Bücher und Magazine nicht mehr als zeitgemäß bezeichnet werden. Tradition hin oder
her – hier schulden wir unseren Kindern und den nächsten Generationen die entsprechende
Verantwortung. Dieser Umwelt- und Zukunftsaspekt kommt mir in der laufenden Diskussion zu
kurz.

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9. Wissensgesellschaft 2.0
Bisher haben wir versucht, die Notwendigkeit zur Transformation der papiergebundenen zur
elektronischen Wissensvermittlung primär unter der Perspektive der Umwelt- und
Ressourcenbelastung darzulegen. Es fehlt bisher noch die Perspektive, wie die neue
Wissensvermittlung mit eBooks stattfinden kann. Gibt es schon Beispiele für die Hypothese, dass
Wissensvermittlung mit eBooks effizienter stattfinden kann wobei sich der Begriff Effizienz in
diesem Zusammenhang sowohl auf die Umweltbelastung wie auch auf die Wissensvermittlung
bezieht?
Die Antwort darauf ist ja! Es gibt bereits Referenzprojekte, die sich mit dem Thema der neuen
Wissensvermittlung mittels eBook-Technologien beschäftigen und eines davon möchten wir hier
ausführlicher darstellen.
Die not-for-Profit Organisation Worldreader.org mit Standorten in Seattle [USA] und Barcelona
[Spanien], die es sich mit der Mission Books for all zum Ziel gesetzt hat, das neue elektronisch-
digitale Buchformat zu nutzen, um damit den Menschen in den unterentwickelten Ländern auf
neue Art Wissen vermitteln und damit die Selbstentwicklung der Länder durch gut ausgebildete
Menschen ankurbeln zu können. Die Organisation wurde vom ehemaligen Amazon Manager David
Risher gegründet und hat vielleicht auch deswegen einen der beiden Standorte in Seattle, der
Heimat von Jeff Bezos' Amazon.

Tatsächlich arbeitet Worldreader.org auch mit Amazon zusammen und nutzt derzeit die Amazon
Kindle eBook Reader als Plattform für ihre Aktivitäten. Angesichts fehlender Alternativen
hinsichtlich einer global verfügbaren eReader Plattform und den Möglichkeiten des global
verfügbaren Amazon Whispernet ist diese Partnerschaft aktuell eine Zwangsläufigkeit.
Worldreader.org ist wie wir der Meinung, dass die neue eBook Technologie die Kosten und
Komplexität der Wissensvermittlung deutlich reduziert und ihr intelligenter Einsatz somit
tatsächlich das Potenzial zur Herausbildung einer globalen Wissensgesellschaft bietet. Die
Organisation wurde 2009 gegründet und hat nach ersten Feldversuchen an der Benjamin Franklin
International School in Barcelona seine Aktivitäten nach Ghana expandiert.

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Dort wurde zuletzt im November 2010 ein Projekt mit 500 eBook
Readern für 6 Schulen gestartet wobei man versucht, sehr vorsichtig
und reflektierend mit dieser neuen Technologie umzugehen. Für die
Menschen in wissensmäßig rückständigen Ländern scheint die eBook
Technologie und die mit ihr mögliche kostengünstige Vermittlung von
Wissen tatsächlich als Chance begriffen zu werden.
Beim Aufbau der entsprechenden Inhalte geht Worldreader mit einem
3-stufigen Konzept vor. Zunächst werden die eBook Reader mit
vorgeladenen Inhalten an die Schüler ausgeliefert. In der Phase 2 wird
neuer Content gemeinsam mit den lokalen Lehrern auf die Kindle Plattform hochgeladen. In der
letzten Phase wird letztlich den Schülern ein Gutschein in der Höhe von US-$ 15-20 zur Verfügung
gestellt mit dem sie Bücher ihrer Wahl aus dem Kindle Shop beziehen können.
Initiativen wie diese bieten im Zeitalter des globalen Dorfes, das sich mit den sozialen Plattformen
wie Facebook, Twitter & Co soeben herausbildet die Chance auf eine Beseitigung von
Zugangsbarrieren zu Wissen und Information. Das wiederum ist die unbedingte Voraussetzung für
die Umsetzung der Perspektive Wissensgesellschaft.

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