Sie sind auf Seite 1von 2

„DIE SIXTINISCHE MADONNA“

Die „Sixtinische Madonna“ ist ein Meisterwerk von Raffael. Der Maler war 32 Jahre
alt, als er das Gemälde geschaffen hat. Die Komposition des Gemäldes ist einfach: in der
Mitte ist die Madonna mit dem Jesuskind, zu ihrer Linken – der heilige Papst Sixtus, zu ihrer
Rechten – die heilige Barbara, unten sind zwei kleine Engel dargestellt.
Der Papst Sixtus schaut auf die Madonna und weist ihr den Weg zu den Menschen. Die
heilige Barbara hat ihre Augen zur Erde, zu den Menschen gesenkt. Sie weiß, was sie dem
Jungen bereiten. Das Gemälde entstand im Auftrage des Papstes und war für seine Kapelle
bestimmt. Es hat ein religiöses Sujet, aber wir sehen vor allem Menschen vor uns, Mutter
und Kind. Sie opfern sich für das menschliche Glück auf. Die Madonna schreitet gleichsam
den Menschen entgegen, die auf ihren Sohn warten. Sie weiß, dass er in Qualen sterben wird.
Und dennoch geht sie den Menschen entgegen und trägt im Arm ihr Kind zum Schimpf, aber
auch zur ewigen Anbetung durch die Menschen. Die Verwunderung prägt ihr Gesicht. Sie
kennt die Menschen, die gleichzeitig gutherzig und brutal, weise und dumm, stark und
schwach sein können. Ihr Sohn wird sich ihnen restlos hingeben, damit Güte, Weisheit und
Stärke das Böse besiegen.
Anstatt der traditionellen italienischen roten, blauen und weißen Farben dominiert in
diesem Meisterwerk von Raffael eine reiche Palette von Halbtönen. In Harmonie und
Reinheit der Formen sowie in der Größe der Auffassung ist in diesem Werk bereits die
Hochrenaissance erreicht.
Das weltbekannte Bild wird im Dresdener Zwinger, in der Gemäldegalerie aufbewahrt.
Es stammt aus der Kirche San Sisto zu Piacenza. Die „Sixtinische Madonna“ gehört zu
meinen Lieblingsgemälden. Für mich ist es nicht nur ein Meisterwerk der Malerei, sondern
ein Bild, das zum Nachdenken anregt.
in Qualen – у муках
zum Schimpf – на поталу
zur Anbetung – для поклоніння
prägen – тут лежати відбитком
heruntersteigen – спускатися
sich restlos hingeben – віддавати себе без залишку
sich aufopfern – жертвувати собою
die Hochrenaissance – Високе Відродження
„Ungleiche Ehe“
von W. Pukirew
Das ist ein Bild, das auf die meisten einen starken Eindruck macht. Stell dir vor: Ein
Brautpaar. Er ist ein alter Mann, wahrscheinlich hoher Beamter, mit Ordensbändern und
Sternen. Ein hochmütiges Gesicht, umrahmt von grauen Koteletten, ein grauer Schnurrbart.
Spärliches weißes Haar umgibt die Glatze. Rotumränderte wässerige Augen mit
Tränensäcken, herabhängende, faltige Wangen, sein mageres Gesicht verrät einen
egoistischen und herrischen Charakter. Er steht kerzengerade, man sieht, wie er sich Mühe
gibt, jünger auszusehen.
Daneben steht sie, ein reizendes, schlankes Mädchen mit blonden Locken, die ihr auf
nackten Hals und die Schultern fallen. Sie trägt ein reiches Hochzeitskleid. Die Braut ist
wahrscheinlich 50 Jahre jünger als der Bräutigam. Ebenmäßiges bleiches Gesicht, zarte,
schwache Hände. In den dünnen Fingern zittert die Kerze. Die verweinten Augen sind noch
ganz rot vom Weinen. Ihre ganze Gestalt drückt tiefe Trauer und Ergebenheit in ihr
Schicksal aus.
Und im Hintergrund sieht man viele Gesichter: neugierig, schadenfroh oder gleichgültig
sehen sie das Paar an. Aber rechts, dicht hinter der Braut steht ein dunkelhaariger
hochgewachsener, junger Mann mit gekreuzten Armen. Seine ausdrucksvollen, dunklen
Augen blicken ernst und nachdenklich. Man sieht, dass das Schicksal der jungen Frau ihn
tief berührt. Sicher weiß er, welche traurigen Umstände – Armut oder Ehrgeiz der Eltern –
sie gezwungen haben, den Alten zu heiraten. Der junge Mann steht da wie ein Ankläger; er
klagt die Gesellschaft an, in der die Frau rechtlos war und die Ehe zu einem Geschäft wurde.