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Wolfgang Rug

77 Klangbilder
gesprochenes Hochdeutsch

Übungen, Spiele, Tipps und Tricks


zum phonetischen Training
Deutsch als Fremdsprache

Sprachniveau B1 bis C2
Dr. Wolfgang Rug hat bis Herbst 2005 an der Universität Tübingen als Dozent
für Deutsch als Fremdsprache und Organisator internationaler Programme
gearbeitet. Er ist Initiator und (Mit-)Autor des Lehrwerks Grammatik mit
Sinn und Verstand, des Fehlerbuchs für anglophone Deutschlerner Meine
199 liebsten Fehler, des in zehn Sprachen übersetzten Büchleins 50 prak-
tische Tipps zum Deutschlernen und des Lehrbuchs Arbeit mit Texten (alle
im Klett-Verlag) und hat zahlreiche Aufsätze zu einem breiten Spektrum von
Themen im Bereich Deutsch als Fremdsprache veröffentlicht.
Wolfgang Rug war Mitinitiator des Arbeitskreises Deutsch als Fremdspra-
che beim DAAD, aus dem sich der FaDaF e. V. entwickelte. Er hat die Reihe
Materialen Deutsch als Fremdsprache mit auf den Weg gebracht, hat Fach-
tagungen angeregt und als Dozent zahlreiche DaF-Fortbildungsseminare im
In- und Ausland mitgestaltet.

77 Klangbilder beinhaltet eine CD mit dem Buchinhalt als PDF-Datei.


Darin sind alle Hörbeispiele (blau gedruckt) als Audiodateien verlinkt.

Zeichnungen: Simon Peter, Jena


Layout und Satz: Diana Becker
Die Hörmaterialien auf der CD wurden gesprochen von:
Johannes Fast, Wolfgang Rug, Friederike Ursprung

© SCHUBERT-Verlag, Leipzig
1. Auflage 2012
Alle Rechte vorbehalten
Printed in Germany
ISBN: 978-3-941323-12-4
Inhaltsübersicht

 Vorbemerkungen 40 Tübingen – nicht: Tübinggen


41 Silben mit Vokalanlaut – keine Silbenbindungen
1 Gesprochenes Hochdeutsch
42 Bindungen sind verboten, aber manchmal geboten
Vokale und Diphthonge 43 Weich aus den offenen Vokalsilben heraus
44 Die „Härteskala“: b, d, g bis p, t, k
2 Langvokale spielen 45 In Baden-Baden baden gehen: b, d und g
3 Langvokale sehen, sprechen, deklamieren 46 „Auslautverhärtung“ von -b, -d und -g
4 Kurzvokale üben und spielen 47 Harter, stimmloser Silbenauslaut
5 Lang- und Kurzvokale 48 Keine angehängten Vokale bitte!
6 Kurze Silben zu lang, lange Silben zu kurz 49 p – t – k: Nicht zu viel und nicht zu wenig Luft!
7 Lange Vokale, kurz ausgesprochen 50 Siebenmal [k]
8 Die Flötentöne des göttlichen Goethe: ö-Klänge 51 Das ch-Schema
9 Kühne Küsse: ü-Klänge 52 ch-Spiele: Ich liebe dich nicht!
10 „Französische“ Nasalierungen im Deutschen 53 Ach, mach nicht so’n Krach: -ch [x]
11 Die drei „klassischen“ Diphthonge 54 Hahahahahah … – Lach mal wieder!
12 Das Bleistiftspiel: [´], [å], [a], [aÜ] 55 Was die Zunge kann: säuseln, pfeifen, zischen
13 Das Schweinchen-Spiel: Stamm + Endung
56 Fünfmal z [ts]
14 Endungen minimalisieren
57 sch-Spiele [S]
15 Endungen mit Schnupfen
58 f – ph – v – w; qu: [f], [v] und [kv]
16 ich hap – wir haaabm
59 Junge Journalisten in Jeans: [j], [Z] und [dZ]
60 Komplexe Konsonantenverbindungen
Das vokalische -r
17 Das Oberammergau-Lied: Übungen mit [å] Abschleifungen in der gesprochenen Umgangssprache
18 Ganz viele Diphthonge: -r hinter fast allen Vokalen
61 Nachgestellte Artikel
19 werden – aber ohne r-Klang
62 Nachgestellte Personalpronomen
20 Die Endungen -en und -ern
63 Verschwundene Silben
21 Die Klanggruppe -ern betont und minimalisiert
64 was, mal, hin/her (r-)
22 Komm mal her, Berliner Bär: [-eÜ°å], [-EÜ°å], [-E°å]
65 Umgangssprachliche Schludrigkeiten
23 Was aus mir mal wird: [-iÜ°å] und [-I°å]
24 Oh, ein Mord im Chor: [-oÜ°å] und [-O°å]
Wort- und Satzakzente, Sprechmelodie
25 Vom Mörder nichts gehört: [-PÜ°å] und [-{°å]
26 Der Geburtstag des Urgroßvaters: [-uÜ°å] und [-U°å] 66 Wortakzente [1]
27 Du bist zu stürmisch für mich: [-yÜ°å] und [-Y°å] 67 Wortakzente [2]
28 Das Jahr war hart, aber wunderbar: [-aÜ°å] und [-ar] 68 Akzentverschiebungen
29 Unbetonte Vorsilben: Der „phonetische Käfer“ 69 Satzakzente sind starke Botschaften an den Hörer
30 er- und ver- ganz klein 70 Ganz deutliche Kommunikationssignale
71 „Auweia!“: Ausdrücke mit viel Musik
Die konsonantischen -r 72 Satz- und Wortakzente sichtbar machen
73 Die Grundmelodien im deutschen Satz
31 Das r-Phänomen: Ganz verschiedene Klänge
74 „Phrasierung“: Pausen und Sprechbögen
32 r3: „Kratz-r“ und r2: „Reibe-r“
33 r3: Harte und weichere Kratz-r-Bedingungen
Was Sie noch wissen sollten
34 r2-Übungen und Hilfen
35 -r hinter Vokal: Vokalisch oder konsonantisch? 75 Praktische Tipps zum mündlichen Vortrag
36 Gerolltes -r: regional, individuell, theatralisch 76 Praktische Tipps zum phonetischen Training
77 Phonetisches Inventar der deutschen Sprache
Die übrigen Konsonanten
Anhang
37 Die Zungenspitze vorn an den Zähnen
38 Spiele mit der Zungenspitze, mit l  Welche Blätter sind für Sie besonders wichtig?
39 Alles kann man, wenn man will: [n] und [N] Kontrastiv für 11 + 1 Sprachen

W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag 


Vorbemerkungen

1 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch ist ein praktisches Lehr- und Lernmaterial für die Mittel- und Oberstufe
(Sprachniveau B1–C2) mit Erklärungen, Bildern, Übungen, Aufgaben, Spielen, Tipps und Tricks – zum Training ei-
ner guten deutschen Aussprache und Intonation.

2 Gegenstand von 77 Klangbilder ist das heute gesprochene Hochdeutsch, also der Klang der gesprochenen Spra-
che, der mündlichen hochdeutschen Alltagskommunikation.

3 77 Klangbilder will nicht in erster Linie eine systematische Darstellung der deutschen Phonetik und Intonation sein.
Es werden aber alle wichtigen Strukturen und Klänge der gesprochenen hochdeutschen Standardsprache vorge-
führt und erklärt. Das geschieht mit einfachen Worten, ohne überflüssige Fachterminologie.

4 77 Klangbilder ist an vielen Stellen neu, z. B. beim vokalischen r, bei den Diphthongen, beim konsonantischen r,
bei den Abschleifungen des gesprochenen Hochdeutsch. Vieles ist aktueller, übersichtlicher, sprechorientierter
und vor allem lernorientierter als in bisherigen Phonetik-Lehrwerken.

5 Jedes Blatt von 77 Klangbilder stellt ein spezifisches Problem oder Thema in den Vordergrund und enthält viele
Hörbeispiele, die dazu nötigen Erklärungen, Bilder, Übungen, Tipps und Tricks.

6 Jedes Blatt enthält Querverweise auf verwandte Seiten und – wichtig für Lehrerinnen und Lehrer – Türen zur Gram-
matik: Das sind Tipps, wo man im normalen Unterricht immer wieder einige Minuten Training der Aussprache ein-
schalten kann. Besonders nützlich sind auch bei vielen Seiten die Kästen „Wichtige Wörter“. Dort findet man die
Wörter, die in der Alltagskommunikation besonders oft gebraucht werden.

7 Die einzelnen Blätter von 77 Klangbilder sind so gestaltet, dass sie bei der ersten Bearbeitung – im Unterricht oder
im Selbststudium – nicht länger als 15 Minuten Zeit beanspruchen, bei Wiederholungen nicht länger als 10 Minu-
ten. Jedes einzelne Blatt soll also leichte Arbeit sein, die mehr Vergnügen als Mühe bereitet. Jedes einzelne Blatt
soll aber – wenn nötig – oft wiederholt werden. Dabei ist Sprechen wichtig, nicht Lesen. Die Audio-Datein helfen
dabei.

8 77 Klangbilder ist ein leicht verwendbares praktisches Phonetik-Lehr- und Lernmaterial, das sich am wirklichen
Nutzen für die Deutschlernenden und an deren tatsächlichen Schwierigkeiten orientiert. 77 Klangbilder ist deshalb
an vielen Stellen kontrastiv ausgerichtet. Es greift Fehler und Hauptschwierigkeiten auf, die von den Lernenden
wichtiger internationaler Muttersprachen (Englisch, romanische Sprachen, slawische Sprachen, ostasiatische Spra-
chen u. a.) zu bewältigen sind. Der Anhang auf Seite 82 bietet nützliche Hilfen.

9 77 Klangbilder ist besonders nützlich für Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer,


die ihren Deutschlernenden ein praktikables Lehrmaterial für das selbstständige Üben und Weiterlernen außer-
halb des Unterrichts an die Hand geben wollen;
die ihren täglichen Deutschunterricht durch kurze, aber intensive phonetische Übungen anreichern und at-
traktiver und effektiver gestalten wollen;
die für ihren Unterricht Folien oder durch Beamer oder Vergrößerung visuelle „Schaubilder“ herstellen wollen;
die nach einer praktischen und lebendigen Grundlage für einen systematischen Ausspracheunterricht suchen.

10 77 Klangbilder ist nützlich für Deutschlernende der Mittelstufe und Oberstufe (Sprachniveau B1–C2),
die mit ihrer deutschen Aussprache noch nicht zufrieden sind;
die ihren Deutschunterricht als zu trocken, zu wenig „mündlich“, zu wenig auf sprachliche Kommunikation aus-
gerichtet empfinden;
die Spaß daran haben, jeden Tag ein paar Minuten selbstständig richtiges Sprechen zu trainieren.

11 77 Klangbilder enthält eine CD mit dem Inhalt des Buches im Adobe PDF-Format für die Verwendung am Com-
puter. Darin sind die im Buch enthaltenen Hörbeispiele als Audiodateien verlinkt. Durch Anklicken dieser Stellen
können die entsprechenden Beispiele angehört werden.

 W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag


Gesprochenes Hochdeutsch: Wo spricht man so, wer spricht so?
1
1 Deutsch ist eine plurizentrische Sprache: In den deutschspra-
chigen Regionen (Deutschland, Österreich, Schweiz) sprechen
viele Menschen in der alltäglichen Kommunikation Dialekte 1 3
Rostock

(Mundarten). Die Dialekte sind Varietäten der Sprache Deutsch. 2


Hamburg
Dialekte weichen nicht nur in der Aussprache, sondern auch in Bremen
Elb
e

der Grammatik und Morphologie, in Wortschatz und Idiomatik 4


O
de
r
Hannover
zum Teil sehr stark vom Standarddeutsch oder Hochdeutsch ab. We BERLIN
ser
Deutsch ist also eine sehr plurizentrische Sprache. 5

2 Dialektale Färbungen 6
Dortmund
Düsseldorf Kassel Leipzig Dresden
Auch wenn die Menschen in der alltäglichen und beruflichen 7 Köln
Erfurt
10
11

Kommunikation in den deutschen Regionen Hochdeutsch

Rh
e
9

in
sprechen, klingt diese gesprochene Sprache oft mehr oder 8 Frankfurt
Main

weniger stark dialektal gefärbt. Grammatik und Morphologie, 13


14
12
Wortschatz und Idiomatik entsprechen dann weitestgehend Saarbrücken
Mannheim Nürnberg
den hochdeutschen Normen, aber die Aussprache verrät die

in
Rhe
Stuttgart
regionale Herkunft. Nec
kar 15
Don
au
17

3
16
Wo spricht man Hochdeutsch? Freiburg München
18
Wien

Eigentlich nirgendwo im deutschsprachigen Raum. Aber in der


norddeutschen Region kommt die dort gesprochene Sprache im 19 Zürich Innsbruck

Alltag dem Hochdeutschen ziemlich nah, am nächsten in der Re- Bern


gion 100–200 km rund um Hannover. Zu dieser Region gehören
der größte Teil von Niedersachsen (aber nicht mehr Hamburg),
je ein Stück von Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sach- 1 = Schleswig-Holstei- 6 = Niederrheinisch 14 = Fränkisch
nisch/Hamburgisch 7 = Kölnisch/Kölsch 15 = Schwäbisch
sen-Anhalt, Thüringen, Hessen und Nordrhein-Westfalen. 2 = Ostfriesisch 8 = Moselfränkisch 16 = Alemannisch/
3 = Mecklenburgisch/ 9 = Hessisch Badisch

4
Vorpommersch 10 = Thüringisch 17 = Bairisch
Wer spricht Hochdeutsch? 4 = Berlinerisch/ 11 = Sächsisch 18 = Österreichisch
Märkisch 12 = Saarländisch 19 = Schweizerdeutsch
Menschen, die im PR-Bereich von Firmen und Institutionen 5 = Westfälisch 13 = Pfälzisch Schwyzerdütsch
arbeiten; von ihnen erwartet man gutes Englisch und dialekt-
freies Hochdeutsch.
Sprecher und Moderatoren im Bereich von Rundfunk und Fernsehen.
Auch die Lehrerinnen und Lehrer für Deutsch als Fremdsprache, deutsche und nichtdeutsche, sollten korrekt
Hochdeutsch sprechen.
Aber: Alle anderen Berufe kann man auch gut mit dialektaler Färbung ausüben, alle Berufe in Politik, Schule
und Hochschule, Gesellschaft und Wirtschaft, selbst in höchsten Positionen. Das beweisen z. B. alle deutschen
Bundespräsidenten und Bundeskanzler, auch die Politiker der früheren DDR, und ganz besonders gilt das für
Österreich und für die Schweiz.

5 Ergebnisse: Gesprochenes Hochdeutsch, deutsche Umgangssprache oder Standardsprache ist eine Sprache, die
eigentlich nirgendwo in den deutschen Sprachregionen ganz normgerecht und „korrekt“ ausgesprochen wird.
In bestimmten Medien- und Öffentlichkeitsbereichen wird aber korrekte hochdeutsche Aussprache erwartet. –
Vor allem aber: Gesprochenes Hochdeutsch ist die deutsche Sprachform, die den größten überregionalen
und internationalen Verkehrswert besitzt. Deshalb ist gesprochenes Hochdeutsch auch die Sprachform, an
der sich Deutsch als Fremdsprache orientieren soll. – In Österreich und in der Schweiz wird man jedoch be-
stimmte Aussprachevarianten bevorzugen.

6 Die 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch stellen die wichtigsten Regeln, Tipps und Tricks zum gespro-
chenen Hochdeutsch zusammen. Regionale oder individuelle Aussprachevarianten werden nicht besonders be-
rücksichtigt:
die Sonderformen der gesprochenen Sprache in Österreich und in der Schweiz,
die vielfachen regionalen Färbungen der hochdeutschen Aussprache in den verschiedenen Regionen,
die Bühnensprache, also die überartikulierten, besonders markierten Ausspracheformen im Theater, beim
Rezitieren, beim Diktieren eines Textes, beim Singen im Chor oder als Solist, bei Anlässen, wo mit besonderem
Pathos gesprochen wird.
Alle diese Klangformen werden hier nicht vorgestellt. Vorgestellt und geübt werden die Klangformen der nicht
regional gefärbten gesprochenen Sprache Hochdeutsch.

  Verwandte Seiten: 36 und alle anderen r-Seiten: 17–28, 31–35, 38, 51, 52 u. a.

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2 Langvokale spielen

1 Schauen Sie eine Minute auf die Beispiele und „hören“ Sie im Kopf die jeweiligen Klänge:
Eeeeeeesel im Schneeeeeee  Teeeeeee am Seeeeeee
weeeeweeeeweeee.espeeeedeeee.deeee  eeee www.spd.de Oh je, oh je,
Was ich sehe, ist kein Meer; was ich sehe, ist ein See. oh jemineh,
sooooooo weit oooooooben die Kooooooohlen hooooooolen
wie heißen
Das Gefüüüüüüühl ist oft sooooooo schwüüüüüüül.
die Webseiten
die schööööööönen Söööööööhne des Kööööööönigs
von CDU, FDP
und DGB?
siiiiiiiiiiiieben Zwiiiiiiiiiiiiebeln aus Siziiiiiiiiiiiilien
Vielleicht, dass manche mich im Land der Dääääääänen wääääääähnen,
oder in dem Land, woooo die Hyääääääänen gääääääähnen. (Songtext von Max Raabe)

2 Setzen Sie sich ganz aufrecht hin, le-


gen Sie den Kopf zurück, zeigen Sie
mit dem weit ausgestreckten Arm auf
einen imaginären Punkt vor Ihnen, Woran man lange Vokale
schräg oberhalb Ihrer Augenhöhe. (d. h. auch: lange Silben) erkennen kann:
Sprechen Sie – extrem theatralisch und a) am Dehnungs-h hinter dem Vokal:
gedehnt – die Wörter auf diesen Punkt Bahn gähnen Sehnsucht wohnen
hin, ganz langsam, gedehnt und laut. Söhne Huhn kühn
b) an Doppelvokalen: Saal Boot See Tee
c) am -ie: vier sieben Biene Dienst
3 Setzen Sie sich ganz aufrecht hin. Kreuzen Sie die Arme auf d) am nachfolgenden -ß: Straße groß Spaß
Ihrem Oberkörper. Führen Sie die Arme dann langsam und Und: Manchmal kann man auch erkennen,
ganz weit nach außen, dabei leicht nach schräg oben und dass Vokale (und Silben) kurz sind:    5
öffnen Sie dabei die Hände. Sprechen Sie bei dieser lang-
samen Bewegung (wie in Übung 2) die Wörter bis zur Manchmal kann man leider nichts erkennen.
äußersten Spannung der Arme und Hände aus. Teilen Sie Bei diesen Wörtern muss man es wissen:
Ihren Atem so ein, dass Sie genug Luft haben für ein lang- Maschine Gras Gas Schule lösen Hose
sames und lautes Aussprechen der Wörter, ganz parallel zu
Ihren Armbewegungen nach weit außen.

4 Strecken Sie die Arme seitlich so weit wie möglich nach außen, ganz in Höhe Ihrer
Schultern. Drehen Sie die Innenflächen Ihrer Hände nach oben. Sprechen Sie ab-
wechselnd langsam und gedehnt:
Teeeeeee am Seeeeeee – hoooooooch oooooooben
Drücken Sie während des Sprechens mit Ihren ausgestreckten Handflächen nach
oben, so als ob Sie ein Absinken der Hände verhindern müssten. Machen Sie sich
deutlich, dass die langen Vokale [eÜ] und [oÜ] „hoch“ klingen müssen, nicht absin-
ken dürfen.

5 Kennen Sie den Schneeseekleerehfeedrehzehwehtee?


Das ist ein Zaubertrank aus einem Kinderbuch von Franz Fühmann. Genauer gesagt ist das ein Tee, mit dem
man das Weh (Krankheit) des Drehzehs (ein Zeh, der sich drehen lässt) der Fee (eine gute Zauberin) der
Kleerehe (das sind Rehe, die nur Klee fressen), also der Kleerehfee, die am Schneesee wohnt, heilen kann.
Alles klar? Wenn Sie wollen, können Sie das alles statt mit (hohem) eeee mal mit dem deutlich tieferen ääää spre-
chen. Aber nur zum Spaß, denn das klingt schrecklich und ziemlich „schwäbisch“, und dann wieder mit richtig
hohem eeee.

  Türen zur Grammatik: Verben der Vokalklasse (sehen, stehen, nehmen); Konjunktiv II; 
  Verwandte Seiten: 3, 5–9, 66–72 betonte Gesprächspartikel (ja, bloß, eh)

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Langvokale sehen, sprechen, deklamieren
3
1 Langvokale im Text sichtbar machen
Im Text von Franz Kafka werden die Langvokale betont und zusätzlich durch Fettdruck markiert. Der Text ist
außerdem so abgedruckt, wie man ihn beim Sprechen „phrasiert“.    74, 72

2 Längen-Hervorhebung im Text
ooooo (5) sehr lang, Satzakzent
eee (3) lang, Wortakzent, aber nicht mehr stark betont
aa (2) im System lang, aber durch fehlende Betonung ziemlich kurz
ie im System lang, aber unbetont und ziemlich kurz

Franz Kafkaa – Kleine Faaaaabel

Ach,
saaagte die Maus,
die Welt wird enger mit jeeeeedem Taaaaag.
Zuerst waar sie sooooo breit,
dass ich Angst hatte,
ich lief weiter
und waar glücklich,
dass ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern saaah,
aber diiiiiese langen Mauern laufen sooooo schnell aufeinander zuuuu,
dass ich schoon im letzten Zimmer bin,
und dort im Winkel steeeht die Falle,
in die ich laufe. –
Du musst nur die Laufrichtung ändern,
saaagte die Katze,
und fraaaaaß sie.

  Verwandte Seiten: 3, 5–9, 66–74   Türen zur Grammatik: Verbformen der Vokalklasse; Wortbildung

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4 Kurzvokale üben und spielen

1 Die Höhenunterschiede zwischen LANG und KURZ:


Ab jetzt
eine große Stufe tiefer [eÜ] [E] beten besser lerne
[oÜ] [O] oben offen
ich die
[iÜ] [I] Liebe Lippe
Wörter
eine mittlere Stufe tiefer [PÜ] [{] König können mit den
nur eine kleine Stufe tiefer [yÜ] [Y] Schüler müssen Ohren!
[uÜ] [U] Schule muss
gleiche Höhe [EÜ] [E] Mädchen messen
eine kleine Stufe nach oben [aÜ] [a] malen Ball

2 Üben Sie singend die Unterschiede zwischen LANG und KURZ.


Singen Sie zuerst mit lang anhaltender Stimme den Langvokal; fallen Sie dann mit einem scharfen Akzent auf
den Kurzvokal ab, nach folgendem Muster:

eeeeeeee é ooooooo ó iiiiiiiiiiiiiiiiiii í


ööööööö ö üüüüüüü ü uuuuuuu ú
Kurze Vokale (also auch kurze Silben)
3 Schauen Sie sich eine halbe Minute lang den folgenden Satz
erkennt man:
an und „sprechen“ Sie ihn im Kopf mehrfach nach:
a) am Doppelkonsonanten hinter dem
Netttte Netttte Vokal: Alle kessen Affen können zusam-
Männnner Männnna men klettern, zappeln und plärren.
Mit anderen Doppelkonsonanten gibt es
müssssen müssssn nur wenige Wörter: Krabbe paddeln
   alllle    alllle Waggon  Pizza
b) am -ck (das eigentlich für -kk steht):
 flotttten  flottttn picken
 Motttten  Mottttn c) am -tz: Kritzekratze kratzt die Katze.
d) wenn eine Konsonantenkombination
  küssssen   küssssn mit n- folgt: -nd (und Kind),
-nt (Kant  bunt), -ng (lang singen),
4 Sprechen Sie den Satz, und zwar mit extrem „hackender“ -nk (krank Gedanke), -nch (manch),
Aussprache. Verstärken Sie die einzelnen Vokalsilben mit -nsch (Wunsch  Mensch), -nf (Senf
einem knappen, harten Schlag mit der „Handkante“ und sanft)
außerdem mit einem ruckartigen Nicken mit dem Kopf. e) meist vor -ch: doch Michael rechts –
aber: hoch Buch
f ) bei den meisten Konsonantenkombi-
5 Machen Sie sich den orthografisch-phonetischen Zusam- nationen mit r-: Fürst Kern Bernd
menhang klar: Stirn … – aber: Wert Herd
Doppelkonsonanten werden im Deutschen nicht gespro- g) bei Konsonantenkombinationen mit l-:
chen, sie klingen wie ein einfacher Konsonant, sie zeigen Geld Milch Welt Hals … – aber: du
nur, dass der vorangehende Vokal kurz ist. holst
Anmerkung für Lehrer: Man kann im Unterricht solche Sät- Und: Oft kann man auch erkennen, dass
ze und Wörter an der Tafel so schreiben, um den richtigen Vokale (und Silben) lang sind:   2
Klang, die richtige Aussprache zu verdeutlichen:

Nettttttte Männnnnna müssssssn alllllle flottttttn Mottttttn küssssssn.

  Türen zur Grammatik: Deklination; Konjugation; Modalverben; 


  Verwandte Seiten: 5, 6, 43 Adjektive; Orthografie (Doppelkonsonanten, Trennung)

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Lang- und Kurzvokale: Kopf rauf – Kopf runter
5
1 Stellen Sie sich in der Klasse oder Gruppe in einem kleinen Kreis auf.

Sprechen Sie die Wörter Sprechen Sie die Wörter


auf der linken Seite auf der rechten Seite
mit dem Kopf extrem nach oben, mit dem Kopf nach unten,
legen Sie den Hals ganz zurück mit hängenden Armen,
bis zum Anschlag im Nacken; Kinn auf die Brust,
unterstützen Sie die Haltung mit den Körper ohne jede Spannung.
einem ausgestreckten Arm/Finger.

Stimme wird gespannt, Stimme wird locker,


Töne gehen nach oben, Töne liegen deutlich tiefer (   4),
Töne kommen weiter nach vorn. Töne bleiben weiter hinten.

Liebe Lippe
bieten bitten

oben offen
holen wollen

König können
mögen möchte

üben müssen
müde küssen
ottos mops
Schule runter ottos mops trotzt

Ernst Jandl, poetische Werke, hrsg. von Klaus Siblewski, © 1997 Luchterhand Literaturverlag,
Mut Mutter otto: fort mops fort
ottos mops hopst fort
otto: soso
reden
heben otto holt koks
otto holt obst
otto horcht
Mädchen retten
München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH

otto: mops mops


käme hätte otto hofft
ottos mops klopft
2 otto: komm mops komm
Nur bei [a:] ist die Stimme Bei [a] ist die Stimme
tiefer, weiter hinten: höher, weiter vorn: ottos mops kommt
ottos mops kotzt
raten hatte otto: ogottogott
fahren fallen Ernst Jandl

  Verwandte Seiten: 4, 6   Türen zur Grammatik: Konjugation der Verben; Modalverben; Wortbildung; Orthografie

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6 Kurze Silben zu lang, lange Silben zu kurz

1 Machen Sie sich die Beziehungen zwischen der LANG/KURZ-Aussprache und der Orthografie klar:
Lange Silben kann man erkennen
am -ie-: lieben viel geschrieben Lang, wenn:
geblieben vier sieben -ie [i:]
am Doppelvokal [eÜ], [aÜ], [oÜ]: See Meer Tee Schnee ee/aa/oo [e:], [a:], [o:]
Saal  Saar Boot -h (bei allen acht Langvokalen)
am Dehnungs-h: sehen sich sehnen sich Kurz vor:
gewöhnen  Gefühl ff, ck, ll, mm, nn, pp, rr, ss, tt
(sehr frequent)
Kurze Vokale kann man erkennen
bb, dd, gg (selten)
am folgenden Doppelkonsonanten: können müssen wissen
tz, pf, chs, x
wollen
am -ck: wecken backen glücklich
an Konsonantenkombinationen: kratzen Katze Apfel Gipfel
wachsen wechseln Axt extra

2 Oft wird nur der einfache Vokal geschrieben; dann sieht man nicht, ob die Silbe lang oder kurz ausgesprochen
wird. Man muss also „wissen“ (= lernen), wie die Wörter richtig ausgesprochen werden.
Sprechen Sie erst ganz langsam, dann ganz schnell (aber richtig):
was Spaß das Glas lang müde haben hat Rat Rad wen holen macht Macht schon
schön schräg schwarz streng scharf Schaf haben ich hab hart Bart Sarg stark Star Stern

3 Zwei Regeln: Silben mit -ng werden immer kurz gesprochen.


Hat eine Silbe sehr viele Konsonanten, wird sie – meistens – kurz gesprochen.
lang fangen Schlange springen schwingen gelingen
schwarz schwitzen schnarchen Pfropfen Klotz scharf kratzen …
Aber (lang): tratschen du schläfst

4 In Anlehnung an die Muttersprache (z. B. Amerikanisch) werden kurze Silben oft zu lang ausgesprochen.
Sprechen Sie die folgenden Wörter zuerst in gedehnter, also falscher Aussprache; machen Sie dabei den Mund
recht weit auf:
laaang kraaank Schraaank Klaaang gebraaacht gemaaacht gedaaacht gelaaacht aaalle
gaaanz  gehaaabt er haaat Staaaadt Prograaamm Grammaaatik Klaaaasse interessaaant die Baaank
Ich bin gaaanz saaatt, ich bin gaaanz kraaank.
Sprechen Sie die Wörter noch einmal, jetzt aber richtig, d. h.: extrem kurz, ganz knapp. Öffnen Sie den Mund nur
ganz knapp, sprechen Sie die Wörter mit einem festen Beat-Rhythmus, klopfen Sie den Takt dazu:
lang krank Schrank Klang gebracht gemacht gedacht gelacht alle ganz  gehabt er hat
Stadt Programm Grammatik Klasse interessant die Bank
Ich bin ganz satt, ich bin ganz krank.
Auch oft falsch ausgesprochen werden: Gott Mutter Uni können kann

5 Umgekehrt werden – in Verbindung mit der Muttersprache (z. B. Japanisch, Spanisch, Griechisch) – lange Vokale
oft zu kurz ausgesprochen.
Sprechen Sie die Wörter mit übertrieben langen Vokalen (z. B. Raaaathaus) und dann richtig:
Hochschule Rathaus Glashaus jeder Mensch sehr schön jeden Tag der Staat Tübingen mit dem
Zug gewohnt rote Rosen getötet

  Verwandte Seiten: 2–5, 7–10, 14–16,   Türen zur Grammatik: Artikelwörter; zusammengesetzte 
19, 22–28, 60 Nomen; Konjugation von haben; Verbformen

10 W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag


Lange Vokale, kurz ausgesprochen
7
1 Die Zahlen 4 und 7 werden mit -ie- geschrieben und lang ausgesprochen.
lang:
Aber: Die Zahlen 14 und 40, 17 und 70 werden mit -ie- geschrieben, man spricht 4 7 -ie- [i:]
sie aber kurz aus, der Langvokal wird gekürzt. (Nur die Leute im Ruhrgebiet und in
Westfalen – z. B. in Dortmund oder Bielefeld – sprechen 14, 17, 40 und 70 lang aus.) kurz:
14 40
Sprechen Sie jetzt schnell hintereinander die folgenden Zahlen: -ie- [I]
17 70
14 77 87 74 24 17 47 44 744 477 714 417

2 Die „internationalen“ Vorsilben (aus dem Lateinischen) de-, e- (aus ex-), ko- (aus con-), pro-, re- sind
theoretisch lang; meist sind sie aber unbetont, sie werden deshalb ziemlich kurz gesprochen. Aber de-
nicht als „deutsche“ Kurzvokale (   4), sondern als „gekürzte Langvokale“. Insofern gibt es also doch – e-
bei internationalen Wörtern – die Phoneme [e] statt [E] und [o] statt [O]. Man merkt den Unterschied, ko-
wenn man die Wörter „kontra“ [O] und „Koalition“ [o] vergleicht. pro-
re-
Sprechen Sie jetzt die folgenden Wörter, achten Sie auf die „kurzen Langvokale“:
Demokratie defekt demaskieren Detektiv eklatant emotional Koexistenz Korrelation 
korrekt Programm Problem protestieren Profit Produkt rekapitulieren Reaktion
Reform Regierung resolut Reporter

3 So geht es auch mit anderen unbetonten Langsilben in internationalen


Wörtern. „international“ – und unbetont:
Sprechen Sie aufmerksam die Wörter – die ersten Silben deutlich kurz, [e] (statt [E])
die Akzentsilbe stark betont: und
Beton Botanik cholerisch feminin Genie Genozid grotesk [o] (statt [O])
Helikopter Honorar Kerosin Legende legitim legal
Lokomotive Melodie Memoiren Monogramm modern
Modul negieren Notar notorisch pedantisch penetrant
Phonetik  Fotograf Pogrom Potenz Roman Semester
Sequenz solide  Tenor total Tomate vehement Vehikel
Vokal Vokabeln  votieren

In bestimmten Positionen gibt es also „kurze Langvokale“ (   77):


[a] a Waggon Akkord [o] o korrekt Produkt
[e] e defekt Respekt emotional [u] u Mutation kulant
[i] i pikant Likör [y] y Psychologie pyroman

4 Genauso verkürzt man auch die (langen) Formen des bestimmten Artikels (den/dem),
wenn sie ganz unbetont sind. den [den]
Sprechen Sie aufmerksam die Ausdrücke und Sätze – die betonten Silben sind fett statt [deÜn]
gedruckt: dem [dem]
statt [de:m]
mit den Leuten mit dem Löffel den Kerl da Ich kenne den
die [di]
Mann nicht. Ich hab mit dem ganzen Unsinn nichts zu tun. 
statt [di:]
Ach, sagte die Maus, die Welt wird enger und dort ist die
Falle.

  Verwandte Seiten: 6, 67–72, 75–77   Türen zur Grammatik: Zahlen; „internationaler“ Wortschatz; bestimmter Artikel

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8 Die Flötentöne des göttlichen Goethe

1 Sprechen Sie die langen ö-Klänge weit hinaus nach schräg oben (   5):
die Flötentöne des göttlichen Goethe
Goethe hatte zehn schöne Söhne.
Ö Ö Ö Ö ÖÖ ÖÖ
Goethes schöne Flötentöne
Wichtige Wörter mit [PÜ]:
hoch höher noch höher am höchsten
schön schöner noch schöner am schönsten schön böse nötig gewöhnlich hören 
Ich habe Flöhe, so viele schöne Flöhe! mögen benötigen Töne Lösung größer 
Oh, wie gewöhnlich! größt- höher höchst-

2 Noch mal wie   5: Unterscheiden Sie die langen und kurzen Vokale:

holen hoffen Tropen Tropfen König können Goethe göttlich

oben offen wohl wollen mögen möchte Chöre Köln

3 Die Unterscheidung von [o:], [P:], [O] und [{] ist sehr wichtig:
a) für einzelne Wörter: schon schön; Lose Lösung; Hose böse Wichtige Wörter mit [{]:
b) für Singular–Plural: Sohn Söhne; Bock Böcke; Rock Röcke
c) für Adjektiv-Steigerung: groß größer am größten können könnte Köln
d) für Verbformen: können konnte könnte gekonnt möchte

4 Schauen Sie im Spiegel zu, wie Ihre Lippen bei [oÜ] und [PÜ] aussehen:
Ihr Zeigefinger passt gerade einen Zentimeter weit zwischen die rund-gespitzten Lippen. Beim [o:] ist aber Ihre
Zunge im Mund zurückgezogen, beim [P:] pressen sich die hinteren Zungenränder seitlich an die hinteren obe-
ren Zähne. (Sie könnten sich hinten fast auf die Zungenränder beißen.) Der Mundraum wird enger. – Bei [O] und
[{] geschieht alles ebenso, nur mit viel weniger Spannung.
Sprechen Sie Wörter und Sätze mit [o:] und [P:] bewusst falsch, indem Sie sie kurz und entspannt sprechen, also
[O] und [{]:
Rotte Rossen sind schönn – totte Sönne sind nicht so schönn.
Verbessern Sie es sofort, ziehen Sie die Vokale schöööön lang:
Roooote Roooosen sind schöööön – toooote Sööööhne sind nicht so schöööön.
Üben Sie hin und her.
Drehen Sie das Spiel um: Sprechen Sie Wörter und Sätze mit [O] und [{] bewusst
falsch, indem Sie sie lang und gespannt sprechen, also [o:] und [P:]:
Köhnen Sie mal herkohmen, hier gibts tohle Rööke und tohle Sooken.
Verbessern Sie es sofort wieder, üben Sie hin und her:
Können Sie mal herkommen, hier gibt es tolle Röcke und tolle Socken.

5 Noch ein paar schöne Beispiele zum Üben:


können konnte gekonnt
groß größer am größten
An deine Schönheit könnte ich mich gewöhnen.
Ohgottogott, schon wieder die „Toten Hosen“. (= populäre deutsche Rockgruppe)
Rote Rosen sind schön, so schön.
Große Köter (= Hunde) können sich an den Donner nicht gewöhnen.
Oh schöner Mond, wie oft möchte ich dich da oben loben können.
Die Bonner können in Bonn viel besser wohnen, nachdem die Bonner Bonzen nach Berlin gezogen sind.
Und hier noch ein paar Städte: Köln Bonn Göttingen Völklingen Köthen Mönchengladbach
Königstein Köpenick

  Türen zur Grammatik: Plural; Adjektiv-Steigerung; Modalverben sollen, wollen, mögen, müssen; 
  Verwandte Seiten: 2–7, 9, 10, 24, 25, 27 Verbformen (Konjunktiv II)

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Kühne Küsse machen müde Mütter munter
9
1 Üben Sie das [uÜ] – bilden Sie mit den übereinandergelegten Daumen und aufge-
stellten Zeigefingern unter dem Kinn eine U-Form; drücken Sie mit den Zeigefingern
die Lippen zusammen. Sprechen Sie die Beispiele langsam und mit langem [uÜ]:
Ich muss Uwe besuchen.
Ruhe zum Schmusen
Schuhe für die Schule
Nur du, Gudrun! – Nur zu, Udo!
Das Huhn hat nichts zu tun.


Suchst du den Kuchen?
Du kannst ihn gern versuchen. Ü Ü Ü Ü ÜÜ ÜÜ
2 Schauen Sie im Spiegel zu, wie Ihre Lippen bei [uÜ] und [yÜ] aussehen: Der kleiner Finger passt nur einen halben
Zentimeter weit zwischen die extrem rund-gespitzten Lippen. Beim [uÜ] ist aber die Zunge im Mund zurückgezo-
gen, beim [y:] pressen sich die Zungenränder seitlich an die oberen Zähne. – Bei [U] und [Y] ist es ebenso, nur mit
viel weniger Spannung. Sie können den Effekt noch verstärken, wenn Sie die rund-gespitzten Lippen stark nach
vorn drücken. – Sie werden ein perfektes [yÜ] sprechen.
Wichtige Wörter mit [yÜ]:
3 Sprechen Sie die langen ü-Klänge weit hinaus nach schräg oben:
üben lügen grüßen Schüler  Süden 
kühne Küsse nach mühevollen Übungen Stühle Kühe Türen Brüder Füße
Müde Mütter muss man küssen. Grüße  müde süß früh für über 
dümmer als dumm, krummer als krumm drüben Rügen Thüringen Lübeck
ein junger und glücklicher Jüngling
Du, Ute, unser Junge ist immer unpünktlich.
ein schlimmes Getümmel in Tübingen Wichtige Wörter mit [Y]:
Übermut tut nicht immer gut. müssen küssen bücken dünn
Ein glücklicher Lümmel kommt in den Himmel. künstlich  stündlich jünger dümmer 
Lügen, nichts als Lügen und dumme Küchengeschichten! gesünder Küche Brücke Mütter
Flüsse Düsseldorf
4 Wie   5 – Unterscheiden Sie die langen und kurzen Vokale:

mutig Schule müde üben Mutter Schussel küssen müssen


Uhu Gudrun Süden Schüler bunt drucken künstlich drücken

5 Wie heißen die Pluralformen?


Bus – Huhn – Buch – Lüge –
Fluss – Stuhl – Kuh – Kuss –

6 Bilden Sie von den Nomen Adjektive mit -lich:


Süden – Kunst – Stunde – Mund –

7 u oder ü? Beispiel: kurz – kürzer – am kürzesten

bunt dünn
dumm gesund
rund jung

8 Zum Schluss noch ein paar schöne Städte:


München Fürth bei Nürnberg Würzburg Lüneburg und die Lüneburger Heide Lübeck Schöne Grüße
aus dem schönen Lüdenscheid! Münster Düsseldorf Zürich Raus aus Tübingen! Ab nach Thüringen! 
Auf nach Rügen! Wärst du doch in Düsseldorf geblieben! Nein, Dürer wohnte nicht in Düren, sondern in
Nürnberg.

  Türen zur Grammatik: Plural; Modalverb müssen; Verbformen (Konjunktiv II: würde); 
  Verwandte Seiten: 2–6, 8, 26, 27 Adjektiv-Steigerung; Wortbildung bei Adjektiven

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10 Dem Engagement eine Chance
„Französische“ Nasalierungen im Deutschen

1 Hier sind ein paar schöne deutsche Wörter aus dem „internationalen“ Wortschatz, die man ziemlich „französisch“
ausspricht. Versuchen Sie es bitte, aber nicht zu sehr französisch:

Engagement sich engagieren Appartement


Eine Chance (auch: engl. Apartment)
Chance chancenreich
pour Revirement
la France! Nuance nuancieren (Leute im Team auswechseln)
Balance balancieren nuancenreich
Bonbon Champagner Raison
Orangen orange Camembert (ein Käse)
lancieren
(etwas auf den Weg bringen, fördern)

2 Sie können die etwas französisch klingenden Nasalierungen üben, indem Sie
zuerst die Laute [aÜ], [a·Ü] und [oÜ] lang und deutlich aussprechen
und dann noch einmal, aber mit zugehaltener Nase.

3 Die Deutschen sind sich aber nicht ganz einig.


Man kann die Wörter

Bonbon [bo‡bo‡] oder [bONbON]


und

Champagner [Sa‡panjå] oder [Sampanjå]


sprechen, also auch ohne Nasalierung.
Und Appartement sprechen heute viele auch englisch (Apartment) aus (nicht aber Engagement, Chance und
Balance).
Manche Deutsche können es nicht so gut mit dem Französischen, es klingt dann gar nicht schön: Schangse
(Chance) und Angaschemang (Engagement).

4
4 Sprechen Sie die Wörter noch einmal, jetzt aber richtig deutsch, also mit französisch-ähnlichem Klang.
Wenn Sie gut Französisch können, können Sie genauer feststellen, warum diese Wörter im Deutschen doch nicht
so ganz richtig „französisch“ klingen.

  Verwandte Seiten: 39, 67   Türen zur Grammatik: „internationale“ Wortbildung

14 W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag


Die drei „klassischen“ Diphthonge (Doppelvokale)
11
1 Rappen Sie mit den drei „klassischen“ deutschen Diphthongen – mit je 2 x 4 Doppeltakten:
eieieieieieieiei eieiaiaieyeyayay [a°I]
auauauauauauauau auauauauauauauau [a°U] Eurrrro
eueueueueueueueu äuäuäuäuäuoioioy [O°I]
Man merkt: Deutsche Diphthonge sind ziemlich kurze
Klänge – sie sind die Kombination von zwei Kurzvoka-
len. Iuro Evro Eiro
Wichtige Wörter:
[a°I] eins zwei drei bei weil frei klein
sein heißen leicht schreiben
[a°U] auf Frau Haus Auto Baum draußen
bauen schauen
[O°I] Euro Europa deutsch Deutschland
heute Häuser Leute neu treu
Oiro Öro

2 Besuchen Sie alle fünf Damen, und schauen Sie zu, was die Deutschen in ihren Häusern machen:
Frau Maier, Frau Meier, Frau Meyer, Frau Mayer, Frau Majer
In Deutschland haben die bescheuerten Leute neulich in ihren Häusern 90 Säue und 99 Mäuse mitsamt ihren
Häuten und Läusen verfeuert.
Sprechen Sie, mit dem Kopf nach unten, weil Sie dann den Klang des [O°I] richtig treffen: Der Frosch freut sich.

3 Sprechen Sie alle fünf Frauen mit dem Namen „Meier“ noch einmal, nun aber extrem „amerikanisch“ oder „italie-
nisch“ (mit lang gezogenem [aÜ]). Und dann wieder richtig auf Deutsch.

4 Schaubild: [a°I] und [a°U]


Ergebnis
Tonhöhe RAI/Laura
país/Raúl [a°I] und [a°U] klingen so:
[i] [u]
heiß/Haus my wife/ Man fängt höher an,
[I] [U] mouse man hört tiefer auf,
]

man ist schneller fertig.


aÜu°
°i] [
[aÜ
h:

U° ]
] [a
lisc

[aÜi] [aÜu]

h: [a°I
ng

c
  De
uts sE
he
[a] nisc
r ika c
h:

me ni s
[aÜ]   A   Italienisch/S pa

Tondauer

  Verwandte Seiten: 5, 18, 20–28, 77   Türen zur Grammatik: Verben der Vokalklasse; Plural; Wörter

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12 Das Bleistiftspiel – [´], [å], [a] und [a:]

1 Legen Sie sich einen Holzbleistift oder dünnen Filzstift zurecht, sechseckig
und mit dem normalen Durchmesser von acht Millimetern.
Schritt 1: Sprechen Sie Wörter wie hatte, Kette, Mitte, Sonne …
und lassen Sie, wie bei einem „Filmriss“, bei dem auslau-
[-´] tenden unbetonten, reduzierten, minimalisierten [-´] Ihr
Gesicht einfach starr stehen. – Versuchen Sie dann, mit
der flachen Seite des Stifts zwischen den Zähnen, ohne
anzustoßen, hindurchzukommen: Es wird nicht gelingen,
der Bleistift wird gegen die Zähne stoßen.

Schritt 2: Nun das Gleiche mit Wörtern wie aber, lieber, wieder …
Es geht um das „vokalische r“, also um den ebenfalls unbetonten, reduzierten, minimalisierten
[å] Kurzvokal [å]. Jetzt werden Sie mit dem Bleistift knapp hindurchkommen. Sie können sogar
ein wenig „klappern“, weil Sie nach oben und unten etwa einen Millimeter Platz haben.

Schritt 3: Nun das Gleiche mit Wörtern wie hatte, satt, machen …
Dabei lassen Sie beim kurzen [a] das Gesicht stehen; jetzt kommen Sie mit dem Stift sehr gut
[a] zwischen den Zähnen hindurch, sie können relativ laut klappern, Sie haben nach oben und
unten einige Millimeter Platz.

Schritt 4: Zum Schluss kommen Wörter wie Abend, sagen, haben …


Lassen Sie beim langen [aÜ] das Gesicht stehen; jetzt haben Sie nach oben und unten gut
[aÜ] einen Zentimeter oder mehr Platz.

Ergebnis: Die vier Vokale [-´], [å] (unbetonbar), [a] und [aÜ] (betonbar) unterscheiden sich in der Artikulation vor
allem darin, dass „die Klappe“, also Ihr Mund, unterschiedlich weit geöffnet ist, Zahnabstand: null Millimeter beim
[-´]; acht bis zehn Millimeter beim [å]; ca. 15 Millimeter beim [a]; ca. 20 Millimeter oder mehr beim [aÜ].
Tipps für Lehrer:
1. Die Schüler haben immer einen Blei- oder Filzstift dabei. Die Übung kann also ohne weitere Vorbereitung
ausgeführt werden.
2. Sprechen Sie bei Silben mit [-´], [å] nicht von unbetonten Silben, sondern von reduzierten, minimalisierten
Silben.

2 Sprechen Sie dreimal die Wörter in der ersten Zeile mit -e [-´], in der zweiten Zeile mit -er [å]:
1. zuerst richtig, also mit extrem reduzierter, ganz unbetonter Aussprache,
2. dann mit – falsch – betonter Endung, -e- und -er-artig,
3. und dann wieder richtig.
[-´] Liebe diese nette fette kleine Ratte
[å] aber lieber keiner besser Wetter September
Noch einige Wortpaare zum Üben; achten Sie darauf, die Endung richtig auszusprechen:

Schärfe schärfer Bässe besser lieber Liebe Güter Güte

guter gute Städte Städter höher Höhe Wette Wetter

schöner Schöne Bitte bitter Enge enger Messer Messe

Fette Vetter heller Helle Gebiete Gebieter lieber Liebe

  Türen zur Grammatik: Genus (m/f); Deklination der Artikel und Adjektive; 
  Verwandte Seiten: 5, 13–16, 17–30, 31, 61–63, 77 Wortbildung der Nomen und Adjektive; Komparativ

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Das Schweinchen-Spiel (Stamm + Endung) – Muster:
13
1 Das „phonetische Schweinchen“
Schritt 1: Zeichnen Sie in den Rahmen weiter unten ein dickes,
fettes Schweinchen – im Profil, also von der Seite: mit Ganz
Rüssel, Ohr, Auge, Beinchen und einem dicken Bauch …
aber noch ohne Ringelschwänzchen. wichtig!
Das Bild symbolisiert die betonte Stammsilbe eines
zweisilbigen deutschen Worts nach dem Muster:
Stamm + Endung.
Schritt 2: Zeichnen Sie dann, mit kleiner Minigeste, noch das
Schwänzchen: die Zweitsilbe, die Endung (siehe Muster).

Ergebnis:
Das Wortmuster Stamm + Muster
Endung zeigt eine voluminöse,
fette Erstsilbe und ein kleines
1
0,05

Mini-Anhängsel als „Rest einer


Zweitsilbe“.
Im Englischen (endungsarm)
werden unzählige Wörter nur
noch einsilbig gesprochen bzw.
auch geschrieben; im Deut-
schen (endungsreich, aber nicht
endungsbetont) sind die Wörter
keineswegs „zweisilbig“, sondern
nur „1,05-silbig“.
Sie bestehen nur aus einer
Akzentsilbe und einem angehängten
kleinen Rest: -´ oder -å (Liebe,
weiter) oder -´ in verschiedenen
Konsonanten-Kombinationen (hattet,
machtest) oder nur Konsonanten
(Gabl, machn, diesm).

2 Es entsteht das Rhythmus-Muster  , das wichtigste Rhythmus-Muster der deutschen Grundgrammatik, der
deutschen Sprache: eine betonte Stammsilbe, eine kurze, unbetonte, „minimalisierte“, „reduzierte“ Endung, aber
unter Beibehaltung der Silbigkeit.

3 Der „kleine Rest“ in vier Varianten:


a) deutlich ausgesprochen: -´, -´ + K(onsonant): Liebe, hattet
b) -´ + K -K, d. h., das -´ wird rausgeworfen: hattn, gutn    14
c) wie b), aber mit Änderung des Konsonanten: habm, gegng    15–16
d) -´ñ, das Schwänzchen ist abgeschnitten:
1. Person Präsens und Konjunktiv II: ich hab (hap), ich würd    63
Imperativ (heute auch in der Schreibung üblich): Komm her!
(oft veraltete) Dativformen: meinem Kinde meinem Kind
bestimmte Wörter: heute heut
gerne gern
nach Hause nach Haus

  Türen zur Grammatik: Verbformen; Tempus, Konjunktiv; Deklination der Nomen und Adjektive; 
  Verwandte Seiten: 14–19, 20, 21, 61–63, 66–72 Steigerung; Singular/Plural; Artikelwörter, Pronomen; Wortbildung u. v. a.

W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag 17


14 Damit das Rhythmus-Muster  entsteht: Endungen minimalisieren
Raus mit dem -e/-e- aus den Endungen – und schon werden die richtig klein!

1 Das [´] bleibt:


-e bleibt: Liebe -´ Liebe
Das [´] bleibt!
eine -´ eine, ’ne

2 Weg mit dem [´] (wenn man locker spricht):


-e geht weg: ich/er hätte -ñ ich hätt Weg mit dem [´]!
ich komme -ñ ich komm

3 Raus mit dem [´] aus der -en-Endung:


-en Vokal geht raus – ganz leicht auszusprechen, sehr bequem:
f schaffen -n schaffn
[x] ch machen -n machen Raus mit
[ç] ch sprechen -n sprechn dem [´]!
t hatten -n hattn
[s] ss/ß müssen -n müssn
[z] s diesen -n diesn
sch zwischen -n zwischn
Diese hier sind etwas schwieriger auszusprechen – eine kleine Schwingung bleibt:
ng fangen -n -ng fangn/fangng Raus mit
n denen -n den’n
m Bremen -n -m’m Bremn/Brem’m
dem [´]!

4 Raus mit dem [´] aus der -en-Endung, aber der Konsonant ändert sich:
b haben -m habm
p Lippen -m Lippm Oh, hier hat sich
g gegen -N gegng was verändert!
k Krankenhaus -N Kranknghaus

5 Ein kleines Rest-[´] bleibt erhalten – oder es entsteht Einsilbigkeit:


Ein mini­
h hohen -´n ho´n
l fallen -´n fall´n oder falln kleines [´]
r fahren -´n fahr´n oder fahrn bleibt drin!

6 Raus mit dem [´] aus anderen Endungen:


-em jedem -m jedm
Atem -m Atm
Raus mit
diesem -m diesm
manchem -m manchm dem [´]!
-el Regel -l Regl
Zettel -l Zettl

7 [´] bleibt drin, aber ganz klein, „minimalisiert“:


-et t hattet -´t hattet Nur hier bleibt
-es t gutes -´s gutes [´] drin, aber
s dieses -´s dieses ganz klein!
b liebes -´s liebes

  Türen zur Grammatik: Artikelwörter; Konjugation der Verben; 


  Verwandte Seiten: 12–19, 61–63, 66 Deklination von Nomen und Adjektiven; Plural; Wortbildung

18 W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag


Hier habm Sie was zum Übm: Endungen mit Schnupfen
15
1 Schritt 1: Sprechen Sie die folgenden Wörter mit redu-
zierten Endungen aus. Es wird ohne Schwierig-
keiten gehen, das -e vor dem -n rauszulassen.
Sprechen Sie das -n deutlich aus:
liebn schaffn machn sprechn kochn
Nicht vergessen:
hattn lassn mischn Wiesn blickn  

Schritt 2: Halten Sie sich jetzt fest die Nase zu (das ist wie
bei starkem Schnupfen). Sprechen Sie alle Wör-
ter noch einmal: Es geht nicht gut, Sie bekom-
men von innen einen Luftstoß in die Ohren.
Sie selbst „hören“ noch etwas von dem -n, aber
„außen“ wird man die Endung kaum hören.

2 Schritt 1: Sprechen Sie nun die folgenden


Wörter mit reduzierten Endun­
gen aus, aber mit veränderten Das müssn Sie üüüüüüübm!
Konsonanten: -m und -N:

b: (haben Leben)
habm Lebm [bm] p: (Lippen schleppen)
Lippm schleppm [pm]
g: (gegen wegen)
gegng wegng [gN] k: (danken Krankenhaus)
dangkng Krangknghaus [kN]
Schritt 2: Und jetzt die gleichen Wörter „mit Schnupfen“, also mit fest zugehaltener Nase: Es geht nicht,
Sie bekommen von innen wieder den Luftstoß in die Ohren.

Ergebnis: Man kann so nur sprechen, wenn die Nase frei ist.

3 Schauen wir uns die Wörter gegen und danken genauer an:
Schreibweise und Silbenstruktur: ge-gen dan-ken
phonetisch sehr exakt, überexakt: ge:g´n daNk´n
phonetisch, aber gesprochen: ge:gN daNkN
rhythmisiert: ge:gN daNkN

4 Noch ein paar Wörter und Sätze zum Üben. Sprechen Sie die Wörter
1. zuerst phonetisch-reduziert,
2. dann überkorrekt (mit -en),
3. dann wieder ganz reduziert.
Achten Sie auf den richtigen Rhythmus:
bm: das Lieben üben Leben geben sieben Raben Schwaben haben sieben Leben.
pm: Waschlappen Attrappen die Klappen zuklappen sich über die Treppen schleppen
gng [gN]: gegen legen überlegen Augen Regen bringt Segen liegen bleiben biegen
kng [kN]: Krankenhaus danken blinken sinken stinken in Gedanken versunken

  Türen zur Grammatik: Verbformen; Perfekt der Verben der Vokalklasse; Modalverben; Plural; Zahl sieben;
  Verwandte Seiten: 12–14, 16, 40, 43 Wortbildung; Präposition gegen; Konjunktionen und noch mehr …

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16 ich hap – wir haaabm

Das Verb haben ist (nach sein) das zweitwichtigste Verb der deutschen Sprache.
Es lohnt sich also, haben richtig auszusprechen.

1 Betrachten Sie die Schreibweise und sprechen Sie die Wörter überbetont zweisilbig aus:

(ich) ha-be (wir/sie) ha-ben

2 Reduzieren Sie nun die Endsilben und sprechen Sie die Wörter so, wie Sie sie jetzt sehen:

haaabe haaaben

3 Werfen Sie jetzt den e-Vokal aus den Endungen raus:

haaab haaabn Haabm Sie’s ge­


merkt? Absolut
wichtig!
4 „Verhärten“ Sie im Singular das -b zu -p („Auslautverhärtung“     46),
assimilieren Sie im Plural -bn zu -bm:

haaap haaabm

5 Reduzieren Sie nun beim Singular den Langvokal zum Kurzvokal:

hap
Wer so spricht,
hat viel gelernt!
6 Hier ist das Ergebnis – so spricht man auf Deutsch:

ich hap wir/sie haaabm

7 Und jetzt die ganze Konjugation:

orthografisch gesprochen: in Buchstaben und phonetisch


ich habe ich hap [Iç hap]
du hast du hast [duÜ hast]
er/sie hat er/sie hat ['Eå/ziÜ hat]
wir haben wir haaabm [wiÜå haÜbm]
ihr habt ihr hapt ['iÜå hapt]
sie haben sie haaabm [ziÜ haÜbm]

  Verwandte Seiten: 14, 15, 43–46   Türen zur Grammatik: haben als Grundverb, Modalverb, in Ausdrücken; Perfekt

20 W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag


Das Oberammergau-Lied: -er [å] – und alles nach dem Muster 
17
1 Schritt 1: Lernen und singen Sie gemeinsam das Oberammergau-Lied:
Heut kommt der Hans zu mir,
freut sich die Lies.
Ob er aber über Oberammergau,
1
oder aber über Unterammergau,
oder aber überhaupt nit1 kommt,
das is’2 nit1 g’wiss3.
hochdeutsch: 1nicht; 2ist; 3gewiss 2

Schritt 2: Nun wird das Lied umgeschrieben,


und zwar so: r/er a:
Heut kommt der Hans zu mia, 3

freut sich die Lies.


Oba aba üba Oba’ammagau,
oda aba üba Unta’ammagau,
oda aba übahaupt nit kommt,
das is’ nit g’wiss.

Schritt 3: Jetzt wird laut und fröhlich dreistim-


mig Kanon gesungen.

Schritt 4: Es gibt auch noch diese Strophe:


Hans isst den Schweizerkäs’ ohne Gebiss.
Ob er’n aber über’n Oberkiefer kaut,
oder aber über’n Unterkiefer kaut,
oder aber überhaupt nit kaut,
das is’ nit g’wiss.

2 Geburtstagskalender
Im September hat meine Mutter Geburtstag, im Oktober hat mein Vater Geburtstag,
im November hat meine Schwester Geburtstag, im Dezember hat mein Bruder Geburtstag.

… in der gleichen Weise wie beim Oberammergau-Lied. Sie sprechen im Chor:


Im Septemba hat meine Mutta Gebuatstag, im Oktoba hat mein Vata Gebuatstag,
im Novemba hat meine Schwesta Gebuatstag, im Dezemba hat mein Bruda Gebuatstag.

Anmerkung für Lehrer: Man kann das Schriftbild mit dem Computer noch besser gestalten, indem man das
reduzierte [å] „herunterhängen“ lässt, also tief stellt: Oba’ammagau – im Dezemba.

3 Und jetzt richtig schön falsch. Je nachdem, woher die Schüler kommen: Lesen, sprechen oder singen Sie alles
noch einmal, aber richtig schön breit „amerikanisch“, gefühlvoll gerieben „französisch“, sinnlich mit der Zunge
gerollt „russisch“, l-artig „chinesisch“ … Der Spaß für alle ist garantiert. – Und dann wieder richtig schön auf
Deutsch.

4 Noch ein paar Wörter und Sätze zum Üben:


immer wieder auf und nieder
schnell, schneller, noch schneller, noch viel schneller
hoch, höher, noch höher, noch viel höher
weit, weiter, noch weiter, noch viel weiter … und so weiter
Wörter, Wörter, nichts als Wörter

  Türen zur Grammatik: Deklination der Artikel, Pronomen, Adjektive; 


  Verwandte Seiten: 12–14, 29–31, 61, 62 Steigerung; Wortbildung; Präpositionen; Konjunktionen

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18 Ganz viele Diphthonge – -r hinter fast allen Vokalen

1 Der Konsonant -r hinter allen acht langen Vokalen


Sprechen Sie die Wörter und achten Sie auf deutliche Diphthonge mit [-å]:
[EÜ] Märchen jährlich gefährlich Bär der
[eÜ] sehr Gewehr Meer
[iÜ] wir Bier Tier vier
[oÜ] vor Ohr Tor Chor Chlor
[PÜ] Öhrchen Törchen Gehör
[uÜ] Uhr Ururgroßvater zur Geburt Kur
[yÜ] für Tür Gebühr
[aÜ] war wahr wunderbar Fahrbahn Saar Bargeld

2 Der Konsonant -r hinter sechs (von neun) kurzen Vokalen


Sprechen Sie die Wörter und achten Sie auf deutliche Diphthonge mit [-å]:
[E] Herz gern er- (   30) zer- Berg Bert
[I] wird Wirt Stirn Gehirn
[O] dort fort Dortmund Form Wort Höa mal: Es gibt
[{] örtlich nördlich 17 Diphthonge,
[U] kurz Kurt Kurs nicht nua 3!
[Y] kürzlich kürzer

Nur das kurze [a] kann mit -r keinen Diphthong bilden (   28):
[a] Garten Karte

3 Erkenntnis: Deutsch hat also nicht nur die drei „klassischen“


Diphthonge [a°I] [a°u] [O°I] (   11), sondern noch 14 weitere Diph-
thonge, Vokale + -r. Das sind zusammen also 17 Diphthonge.
Alles darüber    19–30 und 35.

4 Man spricht auch vokalisches -r, wenn noch weitere Konsonanten folgen. Sprechen Sie die Wörter vokalisch:
kurz Ort dort fort Kurs Kurt Nürnberg Fürth (Stadt bei Nürnberg) kürzlich du fährst er stirbt
Geburt Geburtstag Sturz er stürzt Form du formst

5 Weiter gehts    35 und 36, wo man lernt, wann und warum man solche Wörter auch konsonantisch (als „r2“ oder
auch „gerollt“) sprechen kann.

  Verwandte Seiten: 11, 17, 19–21, 22–30,   Türen zur Grammatik: Verbformen (3. und 2. Person Präsens); Partizip II der Verben der t-Klasse; 
31, 35, 61, 62, 77 Personalpronomen; untrennbare Vorsilben; Präpositionen u. a.

22 W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag


werden – aber ohne r-Klang
19
1 Zwei wichtige Erkenntnisse vorweg:
1 Das Verb werden ist (mit sein und haben) eines der drei wichtigsten Verben der deutschen Sprache.
2. Im Verb werden spricht man in der gesprochenen Sprache kein -r-.
Das -r- steht nur auf dem Papier geschrieben.

2 Betrachten Sie die Schreibweise und sprechen Sie zweisilbige Formen überbetont zweisilbig aus:

ich werde/werd wir werden


Ich wüad saagng:
er/sie/es/man wird
„Weardn” wiad
ich wurde wir wurden imma wichtiga!
ich würde/würd wir würden
(Perfekt/Passiv) worden, geworden

3 Nun wird die Aussprache der Formen in der gesprochenen Sprache deutlich
gemacht:
a) lange Vokale durch Dreifachvokale: weeeadn
b) -r- durch -a-
c) Verkürzung der Endung so weit wie möglich
d) -d am Ende verhärtet als -t (Auslautverhärtung)
Die phonetische Schreibweise steht in [Klammern].

weeeade [veÜ°åd´\veÜ°åt] weeeadn [veÜ°ådn]


wiat [vI°åt]
wuade [v°Uåd´] wuadn [vU°ådn]
wüade [vY°åd´\vY°åt'] wüadn [vY°ådn]
(Perfekt/Passiv) woadn  [vO°ådn]  gewoadn  [g´vO°ådn]

4 Sprechen Sie nun die Formen richtig, schnell, mit guter Aussprache.
Und die Zweisilbigen
5 Spielen Sie je nach Muttersprache oder Sprachkenntnissen fremde Aussprachen: immer so: 
mit deutlich „amerikanischem“ Akzent oder
mit deutlich „russischem“ Akzent oder
mit deutlich „französischem“ Akzent oder
mit deutlich „chinesischem“ Akzent (oder Spanisch, Italienisch,
Japanisch, Polnisch …)

6 Und jetzt alles richtig auf Deutsch:


ich werde/ich werd sie wurden wir wurden er wird er ist krank geworden
ich würde/ich würd sie würden er wurde  ich würd das auch so machen

  Verwandte Seiten: 17, 18, 22–24, 26, 27, 31, 35   Türen zur Grammatik: Grundverben; Passiv; Konjunktiv II; Futur

W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag 23


20 Die Endungen -en und -ern

1 Schreiben Sie in großer Schrift die folgenden Wörter:


… und alles
enden Enten nach dem
ändern entern, Hintern Muster:
 

2 Malen Sie nun in großer Schrift Wörter in phonetischer Schrift ab und


machen Sie sich klar, wie die Endungen reduziert werden:

'Endn 'Entn
Wichtige Wörter mit -ern:
ändern verändern sich
enden Enten ärgern verbessern 
verschlechtern wandern 
stolpern klettern  erwei-
tern erwidern  stottern 
Worauf es ankommt: In den Endungen ist der Vokal [-´-] raus. meckern lästern entern
kentern Eltern Hintern

'Endån 'Entån Dativ-Pluralformen:


Kindern Messern Rädern
Häusern Bürgern  Schwes-
ändern entern tern Brüdern Adern
Leitern Bauern  Mauern
Hühnern Wäldern …

'Eltån
Wunderbar,
wie gut man die
Eltern Wörter mit -en
und mit -ern
unterscheiden kann!
Worauf es ankommt:
In den -ern-Endungen ist kein -er-, sondern der Vokal [-å-] drin.

3 Noch drei Sätze zum Nachplappern:


Die Eltern wandern mit den Kindern zu ihren Bekannten in den Wäldern von Graubünden.
Beim Klettern an den Wänden hat er sich mit den Händen nicht gut festgehalten und ist unten auf den
Hintern gefallen.
Nicht meckern, nicht labern, nicht stottern, sondern reden!

  Verwandte Seiten: 12–14, 21, 22, 61   Türen zur Grammatik: Verben; Dativ Plural von Nomen, Pronomen, Artikeln, Adjektiven; Steigerung

24 W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag


Die Klanggruppe -ern betont … und ganz unbetont, reduziert, minimalisiert
21
1 Die folgenden Wörter enthalten die Klanggruppe -ern in betonter Form:

[-E°ån]
gern Kern Werner Bern Ferne lernen
Konzern Sterne Kerner (= ein guter Weißwein)

2 Sprechen Sie die Wörter noch einmal, jetzt aber bewusst falsch, mit „amerikanischem“ oder „französischem“ oder
„russischem“ oder „chinesischem“ r.

3 Sprechen Sie die Wörter noch einmal, jetzt aber -a-artig:


gean Kean Weana Bean Feane leanen Konzean Steane Keana
Was lernen wir: Die betonte -ern-Gruppe wird deutlich als Diphthong gesprochen.

Sprechen Sie nun die Sätze langsam mit betont konsonantischem r (   34):
gern Kern Werna Bern Ferne lernen Konzern Sterne Kerna

und dann wieder locker und vokalisch:


gean Kean Weana Bean Feane leanen Konzean Steane Keana

4 Die folgenden Wörter enthalten die Klanggruppe -ern in unbetonter Form:


ändern Bauern Mauern meckern labern lästern stottern Eltern
Schwestern verbessern wandern Und nicht ver-
[-ån] gessen: 
5 Sprechen Sie die Wörter noch einmal, jetzt aber bewusst falsch, mit „amerikani­
schem“ oder „französischem“ oder „russischem“ oder „chinesischem“ r.

6 Sprechen Sie die Wörter noch einmal, jetzt aber -a-artig, im Rhythmus  , aber
nicht als Diphthong, sondern nur als -an:

ändan Bauan Mauan meckan laban lästan stottan Eltan


Schwestan fabessan (verbessern    30) wandan
Was lernen wir daraus: Die unbetonte -ern-Gruppe wird als ganz kleines -ån, also
monophthongisch gesprochen.

7 Sprechen Sie die folgenden Sätze ganz richtig, dann wieder bewusst falsch und am Ende wieder ganz richtig:
Werner sieht so gern die Sterne in der Ferne.
Ich sehe so gerne die Sterne über Herne. (Industriestadt im Ruhrgebiet)
Die Bauern meckern wegen der hohen Steuern.
Früher musste ich immer mit den Eltern und meinen Brüdern und Schwestern in den Wäldern
herumwandern.
Meckern und lästern ist gut, verbessern und verändern ist besser.

  Verwandte Seiten: 20, 22, 31   Türen zur Grammatik: Verben; Plural; Dativ Plural u. a.

W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag 25


22 Komm mal her, Berliner Bär!

1 Am Silbenende werden in der lockeren, unmarkierten Umgangssprache die betonten langen e-/ä-Laute und der
kurze e-Laut als Diphthong ausgesprochen, wenn noch ein -r folgt.

2 Sprechen Sie die Wörter und Sätze:


Ich liebe dich mehr und mehr, ich liebe dich sehr, so sehr. Wichtige Wörter mit -er, -ehr, -eer:
Das Meer ist sehr, sehr schön. mehr sehr her her- leer schwer 
Wehrt euch gegen das Meer. Ich fahr nie mehr ans Meer. Wert Erde Meer Teer  Verkehr
Die Kneipe am Meer heißt „Kehr wieder!“.
Mancher ist aber nie mehr wiedergekehrt.
Der Geldbeutel ist leer, sehr leer. – Bei wem soll ich mich beschweren?
Wegen des Mehrwerts ist die Arbeit sehr viel mehr wert.
Wörtersammlung: Kehrtwendung zurückgekehrt begehrt entbehrt Gewehr
[-eÜ°å]
wehrt sich Bundeswehr Teer beschwert sich Heer verzehrt Verzehr Speer
Wert Schwert Pferd Herd Erde Erdbeere Verkehr verkehrt

3 Sprechen Sie die Wörter und Sätze:


Wichtige Wörter:
Jedes Jährchen ein paar weniger Härchen.
Hier steppt der Bär, hier ist was los! der wer fährt gefährlich jährlich 
Ohne Gewähr, wirklich ganz ohne Gewähr! Bär Märchen
Oma erzählt euch das Märchen von dem kleinen Bärchen.
Wer ist gefährlich? – Der da? Der ist ganz ungefährlich.
Wörtersammlung: Bär gefährlich Gewähr gewährleisten Märchen jährlich
Flair Gärprozess fährt  Gefährte Au-pair-Mädchen Nährlösung [-EÜ°å]
4 Sprechen Sie die Wörter und Sätze:
Wichtige Wörter:
Ein typischer Herz-Schmerz-Film!
Hermann, du blöder Kerl, du hast kein Herz! gern Herz Herr Berg Werk Kern 
Herr Merz, heute ist schon der 13. März. Kerze Stern Kerl März Vers
Auf dem Berg da sitzt ein ganz erbärmlicher Zwerg.
Herbert, bring mal ’ne Kerze! – Hier ist die Kerze, meine Perle!
Wörtersammlung: herzlich herrlich Herrschaft herrschaftlich Bergwerk Schmerz
schmerzlich Scherz scherzen Vers Ferse Therme Wärme ärmlich erbärmlich [-E°å]
5 Wiederholen Sie    21, 1–3, die hierher gehören.

6 Alles bunt durcheinander. Sprechen Sie die Sätze:


Ich begrüße Sie sehr, Herr Bär, sagte der Fuchs.
Komm mal her, Berliner Bär!
Die Feuerwehr fährt gefährlich schnell.
Das ist eine schwere Verkehrsgefährdung.
Hierher, du dummer Kerl, hier ist es ungefährlich.
Hermann, ich begehre dich so sehr, ich verzehre mich nach dir so sehr.
Wer ist denn der Kerl da, der dich so sehr begehrt? – Nur der Herbert.
Käpt’n Blaubär und die Gummibärchen sind nicht sehr gefährlich.

7 Oder doch mit konsonantischem r („r2“    31, 34, 35)?


a) Sprechen Sie die Sätze und Wörter in 3 und 4 emphatisch, rezitierend, überexakt.
b) Bilden Sie (mit konsonantischem -r-) von den folgenden Wörtern
Pluralformen: Meer Bär Speer Gewehr Heer
Verbformen: Verkehr Gewähr Verzehr leer Wehr Teer
Nomen: leer schwer

© marika/PIXELIO

  Verwandte Seiten: 17–21, 23–30,     Türen zur Grammatik: best. Artikel; Fragewörter; Richtungsverben und Richtungsadverbien; 
31, 33–36 Steigerung; Formen der Verben mit -r; Nomen auf -r; Pluralformen

26 W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag


Was aus mir mal wird?
23
1 Am Silbenende werden in der lockeren, unmarkierten Umgangssprache das lange [iÜ] und der kurze I-Laut als
Diphthong ausgesprochen, wenn noch ein -r folgt.

2 Sprechen Sie die Wörter und Sätze:


Bier gibts hier bei mir erst nach vier! Wichtige Wörter:
Herr Ober, mir bitte noch ein Bier. wir ihr mir dir hier vier Bier
Ich bin wie ein Tier und das will zu dir. Tier Gier passiert telefoniert
Ich lieb dich wie ein Stier, und wie der’s macht, das zeig ich dir.
Her zu mir, du Ungetier.
Wörtersammlung: verliert verziert Zier Tierkreis Tierarzt Stier [-iÜ°å]
Stierkampf Gier schmiert verschmiert

3 Sprechen Sie die Wörter und Sätze:


Was wirst du jetzt machen? Wichtige Wörter:
Was wird aus uns nur werden? wird wirst Wirtschaft Geschirr
Wer nichts wird, wird Wirt. Firma Schirm Birne 14 40
Schwirr ab, hier wird vom Wirt nichts mehr ausgeschenkt.
Wir sind Wirtschaftswissenschaftler, er ist Diplom-Betriebswirt und
ich promovierter Volkswirt.
Mir schwirrt der Kopf, wer soll denn das ganze Geschirr spülen?
[-I°å]
Ich bin ganz verwirrt, unsere Firma wird ins Ausland verlagert, das ist doch vollkommen hirnrissig.
Wörtersammlung: Wirtschaft wirtschaftlich Volkswirtschaft Betriebswirtschaft Wirtschaftswissen-
schaft  Geschirr schwirrt wirr verwirrt Schirm beschirmen Firma firmieren Birne Gehirn
hirnrissig

4 Alles bunt durcheinander. Sprechen Sie die Sätze:


Wir und ihr – was wird aus mir?
Wir sind Vegetarier, hier bei mir wird kein totes Tier gegessen.
Er ist Wirtschaftswissenschaftler: Er ist schon ab vier in der Wirtschaft und trinkt Bier,
bis ihm die Birne schwirrt.
Zwischen mir und dir ist zu viel passiert, jetzt wirds nichts mehr.
Was ist denn mit dir passiert? Wirst du krank?
Hier wird Blatt 7 wiederholt: 4, 14, 24, 40, 44, 104, 114, 144
Sie starteten mit ihrer Firma am 14.4.2004.

5 Oder doch mit konsonantischem r („r2“    35)?


a) Sprechen Sie jetzt alles in Übung 2 und 3 emphatisch, rezitierend, überexakt.
b) Bilden Sie (mit konsonantischem -r-) von den folgenden Wörtern
Pluralformen: Bier Tier Stier
Verbformen: Zier Gier
Infinitive: verziert verschmiert telefoniert frisiert probiert passiert

  Verwandte Seiten: 4, 5, 18, 19, 22–28,    Türen zur Grammatik: Personal- und Possessivpronomen; Richtungsadverbien; Zahlen; werden; 
31, 33–36 Verben auf -ieren (2. und 3. Person Singular Präsens); Pluralformen der Nomen auf -ier

W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag 27


24 Oh, ein Mord! – Wo? – Dort, im Chor!

1 Am Silbenende werden in der lockeren, unmarkierten Umgangssprache das lange [oÜ] und das kurze [O] als
Diphthong ausgesprochen, wenn noch ein -r folgt.

2 Sprechen Sie die Wörter und Sätze:


Wichtige Wörter:
Bayern vor, noch ein Tor!
Aber Bayern verlor durch ein Gegentor. vor(-) bevor(-) davor(-) hervor(-)
Ich sing Tenor im Kirchenchor. Ohr Tor Chor Doktor  Professor
Bevor ich gehe, leih mir dein Ohr! u. a. Wörter mit -or
Mama, der Onkel Doktor hat gar nicht gebohrt.
Herr Professor, Herr Professor, mein Ohr tut mir weh.
Der Doktor war ein armer Tor, bevor er den Verstand verlor.
Mehr Mohrrüben, mehr Mohrrüben, sangen die Hasen im Chor.
Hier steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor. (Goethe)
[-oÜ°å]
Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehn. (Shakespeare)
Wörtersammlung: verbohrt gebohrt Bohrinsel das Tor der Tor verlor geschmort Mohr Mohr-
rübe  Moor  Chor empor hervorragend bevorstehend sich vorstellen vorher zuvor hervor
bevor davor Rohr Chlor Labor Doktor Professor Direktor

3 Sprechen/Spielen Sie den aufgeregten Dialog:


Wichtige Wörter:
A: Ein Mord, ein Mord!
B: Wo denn? dort fort geworden worden fordern
A: Dort, dort hinten. Wort  Form Norm Ort Sorte Sport
B: Ich seh dort aber gar nichts! in Ordnung ordnen normal formal
A: Oh, jetzt ist er fort, er ist gar nicht mehr dort.

[-O°å]
B: Also doch kein Mord in unserm Ort.
A: Ich sag kein Wort mehr.
B: Ok, kein Wort von einem Mord in unserm Ort.
Wörtersammlung: an Bord dort Dortmund Dorf Dorn enorm fordern Form formal formell
fort Forst Gehorsam gehorcht Hort Horst Korn Korb Lord Mord Nord Norm normal Ort
Ordnung ordentlich anordnen Portemonnaie Pforte Proportion Portion proportional Reporter
Reportage Sorte sortieren Sport sportlich Sportler stornieren Tortur Torte Wort

4 Alles bunt durcheinander. Sprechen Sie die Sätze:


Nichts wie fort von Dortmund, Herr Doktor.
Oh, ein Mord! – Wo? – Dort, im Chor!
Ein Mord mit Chloroform, das ist enorm in unserm Ort.
Mein Chorleiter meint, ich sollte im Chor Tenor singen.
Der ist doch total verbohrt, der ist doch nicht mehr normal.
Der Tor brachte kein Wort mehr hervor.
Sehr in Ordnung, dass du Sportler geworden bist!
Sport ist Mord, Herr Lord.
Fährt der alte Lord fort, fährt er nur im Ford fort. (Song von Heinz Ehrhardt)

5 Oder doch mit konsonantischem r („r2“    35)?


a) Sprechen Sie jetzt alles in Übung 2 emphatisch, rezitierend, überexakt.
b) Bilden Sie (mit konsonantischem -r-) von den folgenden Wörtern
Pluralformen: Chor das Tor der Tor Ohr Rohr Doktor Labor
Infinitive: gebohrt er verlor er schwor er fror/ist erfroren

  Verwandte Seiten: 4, 5, 8, 18, 19, 22, 23,   Türen zur Grammatik: Präpositionen, Konjunktionen, Adverbien; Verben mit festen Vorsilben; Wortbildung;
25–28, 31, 33–36 werden; Formen bestimmter Verben der Vokalklasse; Pluralformen der Nomen auf -or

28 W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag


Vom Mörder hat man nichts mehr gehört
25
1 Am Silbenende werden in der lockeren, unmarkierten Umgangssprache das lange [öÜ] und das kurze [{] als
Diphthong ausgesprochen, wenn noch ein -r folgt.

2 Sprechen Sie die Wörter und Sätze:


Wichtige Wörter:
Hörst du, wie ich singe? Hast du das gehört?
Mich stört, dass du mir nicht zuhörst. gehört Gehör stört gestört
zerstört empört Behörde
Wem gehört das ganze Computer-Zubehör?
Oh Gott, mein ganzes Gehör ist zerstört.
Der Hase hat sein Häschen mit Möhrchen betört.
Zu Möhren habe ich ein gestörtes Verhältnis.
[-PÜ°å]
Was die Behörden da machen, das verstört die Leute.
Wörtersammlung: gehört (2) unerhört Gehör zerstört verstört stört Behörde behördlich betört
Möhrchen Öhrchen Törchen Zubehör Stör (ein Fisch)

3 Sprechen Sie die Wörter und Sätze:


Wichtige Wörter:
Der Mörder kam aus dem nördlichen Bezirk.
Vom Mörder hat man nichts mehr gehört. örtlich förmlich Wörter wörtlich
Körper körperlich fördern Förderung
Schön, dass Dörte befördert wurde.
Wörter, nichts als Wörter, und alle so förmlich.
Du mit deinem unförmigen Körper, richtig kartoffelförmig.
Der Mörder ist öfters der örtliche Oberförster.
[-{°å]
Hiermit werden Sie zum Oberförster befördert.
Wörtersammlung: fördern befördern förderlich förmlich Körper körperlich verkörpern Mörder
nördlich örtlich Wörter wörtlich Körner Förster

4 Wie heißen die Pluralformen – mit richtiger Aussprache?

Dorf – Korb – Korn – Wort –

Ohr – Chor – das Tor – Ort –

Mord – Doktor – Sport – Tenor –

Labor – Moor – Pastor – Dorn –

5 Oder doch mit konsonantischem r („r2“    35)?


a) Sprechen Sie die kurzen ö-Silben in Übung 1 bis 3 emphatisch, rezitierend, überexakt.
b) Bilden Sie (mit konsonantischem -r-) von den folgenden Wörtern
Infinitive: gestört gehört betört empört schwört

  Verwandte Seiten: 5, 8, 18, 22–24, 26–28,    Türen zur Grammatik: Verben (2. und 3. Person Singular Präsens; Partizip II) 
31, 33–36 Wortbildung von Verben und Adjektiven; Plural

W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag 29


26 Der Geburtstag des Urururgroßvaters

1 Am Silbenende werden in der lockeren, unmarkierten Umgangssprache das lange [uÜ] und das kurze [U] als
Diphthong ausgesprochen, wenn noch ein -r folgt.

2 Sprechen Sie die Wörter und Sätze:


Wichtige Wörter:
Mein Urgroßvater fuhr nur einmal zur Kur.
Die Geburt auf dem Flur war für mich eine Tortur. Urlaub zur nur fuhr stur pur
Uhr Kur Geburt
Und deshalb brauch ich Whisky pur.
Natur Zensur Tour Schnur Flur
Bad Urach ist eine Miniatur-Kurstadt.
Eine Nassrasur, das ist die reinste Fünf-Minuten-Kur.
Sie sang zehn Stunden nur in Moll und in Dur, das war für meine
Natur die reinste Tortur, und seitdem bin ich für Zensur. [-uÜ°å]
Erst fuhr er zur Tour de France, und dann wieder retour.
Unsere Kurstadt hat ein Kurhaus, einen Kursaal und ein Kurorchester und rundherum ist Natur pur.
Wenn Adam mein Urururururururgroßvater ist, dann muss Eva meine Urururururururgroßmutter sein.
Wörtersammlung: ur(alt) Ursprung Uhr Geburt Dur fuhr/fuhrst Kur Kurhaus Kurstadt nur
Flur  pur Spur Zensur Rasur Tortur Miniatur Natur retour stur Tour zur

3 Sprechen Sie die Wörter und Sätze:


Wichtige Wörter:
Der Kater Murr hat ganz kurz geschnurrt.
Kurt hatte Geburtstag, und deswegen war er sturzbesoffen. wurde durch kurz Geburtstag
Sturz Furcht Sturm Wurm Frankfurt
Frankfurt wurde von Kurt im Sturm erobert.
Er ist ein Mann wie ein Turm im Sturm.
Kurz war der Sturz vom Frankfurter Messeturm.
Zum Geburtstag, liebes Kurtchen, zum Geburtstag viel Glück.
[-U°å]
Beim Sturz sind alle durcheinander gepurzelt.
Wörtersammlung: durch wurde kurz Geburtstag Frankfurt (ge)schnurrt (ge)murrt Kurt Sturm
Burg Turm Sturz purzeln Wurm Furz

4 Alles bunt durcheinander. Sprechen Sie die Beispiele:


der Geburtstag des Urururgroßvaters
Mein lieber Kurt, du bist von Natur aus ziemlich stur.
Zurzeit bin ich ziemlich durcheinander.
nur kurz, nur ganz kurz durch die Natur
Auch wer nur ein Wurm ist, findet seine Spur durch die Natur.

5 Oder doch mit konsonantischem r („r2“    35)?


a) Sprechen Sie jetzt die kurzen u-Laute in Übung 3 emphatisch, rezitierend, überexakt.
b) Bilden Sie (mit konsonantischem -r-) von den folgenden Wörtern
Pluralformen: Uhr Miniatur Spur Flur Zensur
Infinitive: Tour Spur

  Verwandte Seiten: 6, 18, 19, 22–25, 27,     Türen zur Grammatik: nur; werden; Präposition zu; fahren (Präteritum); 
28, 31, 33–36 Wortbildung auf -ur und mit ur-

30 W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag


Du bist zu stürmisch für mich
27
1 Am Silbenende werden in der lockeren, unmarkierten Umgangssprache das lange [yÜ] und das kurze [Y] als
Diphthong ausgesprochen, wenn noch ein -r folgt.

2 Sprechen Sie die Wörter und Sätze:


Wichtige Wörter:
Moment, ich führ dich zur Tür.
Die Gebühr ist ganz ungebührlich hoch. für natürlich (ge)spürt (ge)führt
Ich habe leider überhaupt nichts gespürt. du führst Tür Gebühr
Warum hast du uns in Versuchung geführt?
Für dich tu ich alles, für dich tu ich natürlich alles.
Die Eistanz-Kür wurde sehr natürlich ausgeführt.
Die Gebühr ist für uns zu hoch, das führt doch zu nichts.
[-yÜ°å]
Wörtersammlung: für führt/führst/geführt Kür Gebühr ungebührlich
gespürt Spürhund Spürnase schürt natürlich Tür Geschwür

3 Sprechen Sie die Wörter und Sätze:


Wichtige Wörter:
Mehr Gewürz, die Suppe ist zu wenig gewürzt.
Ich würde sie viel mehr würzen. würde würd Kürze kürzer kürz-
In der Kürze liegt die Würze. lich  würzen Gewürz stürzen stür-
Es wird stürmisch, die Stürme kommen. men gestürzt Würzburg Nürnberg
Der Nürnberger Club muss mehr stürmen.

[-Y°å]
Kürzlich fuhr ich von Nürnberg über Fürth nach Würzburg.
Muss man dir denn die Würmer aus der Nase ziehen?
Es brausen die Stürme, es stürzen die Türme.
Kürzlich wurde die Stadt gestürmt, in Kürze wird der Diktator gestürzt.
Wörtersammlung: Nürnberg Fürth Fürst fürstlich kürzlich Kürze/kürzen kürzer/kürzest
würde/würd stürmt/gestürmt Stürme stürmisch Türme Würmer würzen/würzt/gewürzt
Gewürz Würze  Fürze Stürze stürzen/stürzt/gestürzt Schürze

4 Alles bunt durcheinander. Sprechen Sie die Sätze:


Du bist zu stürmisch für mich.
Für mich kann es nie stürmisch genug sein.
Die Nürnberger haben zu wenig gestürmt, und deshalb führt Fürth.*
Für mich wär das viel zu unnatürlich, ich würd das niemals machen.
Tür auf, Tür zu, Tür auf, Tür zu …, das würd ich nicht ertragen, das wär für mich zu viel!
Hier ist der kürzeste Weg zur Tür!
*
Es geht um das fränkische Fußballderby 1. FC Nürnberg gegen den Nachbarclub Greuther Fürth.

5 Oder doch mit konsonantischem r („r2“    35)?


a) Sprechen Sie jetzt alle Wörter mit den kurzen ü-Lauten in Übung 3 emphatisch, rezitierend, überexakt.
b) Bilden Sie (mit konsonantischem -r-) von den folgenden Wörtern
Pluralformen: Tür Gebühr
Infinitive: geführt verführt gespürt geschürt
c) Sprechen oder singen Sie mit stark rollendem -r-:
„Ich brech die Herzen der stolzesten Frau’n, weil ich so stürmisch und so leidenschaftlich bin.“
(ein Song von Heinz Rühmann    36)

  Verwandte Seiten: 5, 10, 18, 19, 22–26, 28, 31,    Türen zur Grammatik: werden; Konjunktiv II; Präposition für; 
33–36 Verben (Präsens/Präteritum/Partizip II); Steigerung

W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag 31


28 Ja, das Jahr war hart, aber wunderbar

1 Am Silbenende wird in lockerer, unmarkierter Umgangssprache auch das lange [aÜ] als Diphthong ausgespro-
chen, wenn noch ein -r folgt. Folgt nach langem -ar noch ein Konsonant, spricht man auch konsonantisch.
Aber: Die kurze Lautgruppe -ar muss konsonantisch ausgesprochen werden, weil [a] und [å] zu ähnlich sind.

2 Sprechen Sie die Wörter und Sätze:


Wichtige Wörter:
Sag Ja zum neuen Jahr, nicht nur im Januar!
Und so fahr ich Jahr um Jahr, die Gefahr ist wunderbar. war -bar (wunderbar) dar- (darstellen) ich
An der Bar wird bar bezahlt, und zwar jetzt! fahr Fahrt gespart gar klar ein paar
Herr Kommissar, bitte einen Kommentar! Jahr Gefahr -ar (Kommentar) (und) zwar
Sorry, aber Ihr Kommentar ist völlig unbrauchbar.

[-aÜ°å]
Solidarität ist machbar, Herr Nachbar.
Am Neckar, am Neckar, da ists so wunderbar.
Da war ein Paar in der Bar und hat ein paar Kognaks getrunken.
Das Inventar ist noch brauchbar, ich bin ganz und gar zufrieden.
Ich stell einen Saarbrücker Kommissar dar und fahr immer mit dem Fahrrad, und an der Saar bin ich ein Star.*
*
Gemeint ist der Fahrrad fahrende dicke „Tatort“-Kommissar Max Palu aus Saarbrücken.
Wörtersammlung: Ar bar Bar -bar (wunderbar, denkbar, brauchbar …) dar- (darlegen, Darbietung)
fahr gar (2) Haar Jahr Karfreitag klar Klarheit Nachbar nachbarschaftlich Neckar paar Paar
Gefahr Saar Star (2) Kommentar Inventar Kommissar Cäsar Zar Singular Sparkasse zwar
Auch mit Konsonant: Art Bart Fahrt spart/gespart zart

3 Sprechen Sie die Wörter und Sätze:


Wichtige Wörter:
Ich bin halt arg arm, ich Armer.
Red nicht so barsch mit mir, Martin. arm Arm Artikel hart 
Der Hund scharrt im Garten. stark scharf warm
Martin, du bist ein Armleuchter, du kannst mich mal am A… lecken, du A… warten parken warnen
Martha, ich warte auf dich im Garten, sei nicht so hart. Karte Garten Start
Die Arbeiter warten auf dem Arbeitsmarkt auf Arbeit.
Veronika, der Spargel wächst. (ein berühmter Song der Comedian Harmonists)
Wörtersammlung: arbeiten Arbeit arg arm Armin Armut Arm
Arsch  Artikel  barsch Farbe  farbig harmlos hart Garten karg
[-ar] + Konsonant

Karte Karzinom DM  Margarine Markt Martha Martin parken 


Park  Parkplatz  Part Partitur Quark  Sarg scharf Spargel stark
starr/starrt warm warnen  warten Warze

4 Alles bunt durcheinander. Sprechen Sie die Sätze:


Ja, das Jahr war hart, aber wunderbar.
Ja, ja, ganz klar, das Jahr mit Tina in Java war wunderbar.
Martin war der Star in der Bar, der Armleuchter.
Wunderbar, deine Postkarte, so farbig, und der Himmel ist ganz klar.
Ja, die Armut war karg und hart, damals bei uns am Neckar.
Martha mit Martin am Arm in einer Nachtbar, obwohl es gar nicht Nacht war.

5 Oder doch mit konsonantischem r („r2“    35)?


Bilden Sie (mit konsonantischem -r-) von den folgenden Wörtern
Pluralformen: Haar Gefahr Paar
Verbformen: Paar Fahrt
Infinitive: gepaart gespart Start

  Verwandte Seiten: 3–6, 18, 22–27, 31, 33–36   Türen zur Grammatik: sein; Adjektive; Wortbildung; Singular-Plural

32 W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag


Die unbetonten Vorsilben: Der „phonetische Käfer“– Muster: 
29
Nicht nur die unbetonten Endungen werden reduziert und minimalisiert (   12–17), sondern auch bestimmte
Vorsilben mit dem Rhythmus-Muster 
Um das bildlich darzustel-
len, taugt das phonetische
1 Sprechen Sie die Wörter mit Vorsilben. Schweinchen (   13) nicht.
Ganz kurze unbetonte, minimalisierte Vorsilben: Hier hilft der phonetische
ge- Käfer, der das Rhythmus-
gesehen geküsst geliebt geheiratet geschieden
be- Muster symbolisiert.
berühren befühlen betasten begreifen Die Stammsilbe ist der
er-
erblicken erkennen erfahren dicke Körper hinten, die
ver-
verliebt verlobt verheiratet vernachlässigt vergessen Vorsilbe ist das winzig
kleine Köpfchen vorn.
Etwas längere unbetonte Vorsilben:
zerschlagen zerstört zerbrochen zer-
entstehen entstanden entschlossen entsetzt ent-
miss-
missachten misslingen misstrauen über-
überfallen überfahren überstehen übersetzen

2 Verändern Sie mit dem Computer das Schriftbild der Wörter, indem Sie die unbetonten und reduzierten Vorsil-
ben klein und tief schreiben. Das sieht dann so aus:
gesehen geküsst geliebt geheiratet geschieden
berühren befühlen betasten begreifen
erblicken erkennen erfahren
verliebt verlobt verheiratet vernachlässigt vergessen

zerschlagen zerstört zerbrochen Ich hab’s begriffen,


entstehen entstanden entschlossen entsetzt ich hab’s erfasst,
missachten misslingen misstrauen
ich hab’s gecheckt;
ich werd’s bestimmt
überfallen überfahren überstehen übersetzen
nicht mehr vergessen!

3 Malen Sie sich selbst auf Karten phonetische Bildchen, die zeigen, wie man die unbetonten, reduzierten Vorsil-
ben ausspricht:

g´- b´- 'E° å- få-


tsE°å- 'Ent- mIs- 'yÜbå-
Und dann noch mal alles von vorn: ganz kurz, ganz unbetont, ganz reduziert, ganz minimalisiert, und richtig
deutsch ausgesprochen. Besonders kurz ist der Diphthong 'E°å- (er-    30).
Tipp für Lehrer: Sprechen Sie bei ge-, be-, er- und ver- nicht von unbetonten Vorsilben, sondern von redu-
zierten bzw. minimalisierten Vorsilben.

  Türen zur Grammatik: Verben (und abgeleitete Adjektive, Nomen) mit „unbetonten“ = reduzierten,
  Verwandte Seiten: 12–15, 22, 30, 66 minimalisierten Vorsilben; Perfekt; Partizip II

W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag 33


30 er- und ver-: Aber ganz klein – und richtig deutsch!

1 Sprechen Sie noch einmal die folgenden Wörter:


erblicken erkennen Erkenntnis erfahren Erfahrung erbauen erhalten
erhaltenswert ertragen Ertrag erleben Erlebnis
['E°å-]
2 Sprechen Sie die Wörter nun bewusst falsch, indem Sie das -r falsch aussprechen – entweder „englisch/amerika-
nisch“, „französisch“, „russisch“, „spanisch“, „italienisch“ oder „chinesisch“.

3 Sprechen Sie jetzt die Wörter noch einmal, aber mit einem bewusst langsamen und überdeutlichen a-Klang an
der -r-Stelle:
eablicken eakennen Eakenntnis eafahren Eafahrung eabauen eahalten Eafasst?
eahaltenswert eatragen  Eatrag ealeben Ealebnis Fadammt wichtig!

4 Sprechen Sie nun die Wörter noch einmal, aber mit extrem kurzem, mini-
malisiertem ['E°å-]. So klingt es richtig auf Deutsch. – Sie können die Übung
noch verstärken, indem Sie die Stammsilbe sehr stark betonen und mit
Kopfnicken oder Klatschen begleiten:

erblicken erkennen Erkenntnis erfahren Erfahrung


erbauen erhalten erhaltenswert ertragen Ertrag
erleben Erlebnis
Was lernen wir? Der Diphthong ['E°å-] ist der kürzeste Diphthong der deutschen Sprache.

5 Sprechen Sie die folgenden Wörter:


verliebt verlobt verheiratet vernachlässigt vergessen verstehen Verstand
Veranlassung Verfassung Verführung [få-]
6 Sprechen Sie das -r in der Vorsilbe ver- bewusst falsch aus, auf „englische“, „französische“, „russische“, „spanische“
oder „chinesische“ Weise.

7 Machen Sie sich Folgendes klar: Wenn man das ver- als Diphthong aussprechen würde [fE°å-], würde das, auch we-
gen des f-, relativ lange dauern. Um die Vorsilbe zu minimalisieren, wird der Diphthong deshalb auf [-å] reduziert.
Sprechen Sie jetzt die Wörter noch einmal, aber mit einem bewusst langsamen und überdeutlichen -a an der
-er-Stelle:
faliebt falobt faheiratet fanachlässigt fagessen fastehen Fastand Fafassung Faanlassung

8 Sprechen Sie nun die Wörter noch einmal, aber mit extrem kurzem, minimalisiertem [få-]. So klingt es richtig
auf Deutsch. – Sie können die Übung noch verstärken, indem Sie die Stammsilbe sehr stark betonen und mit
Kopfnicken oder Klatschen begleiten:

verliebt verlobt verheiratet vernachlässigt vergessen


verstehen Verstand Veranlassung Verfassung Verführung

9 Und jetzt bitte in gutem Deutsch – beim ersten Mal langsam, dann schnell:
erinnern verringern erringen Erinnerung verrückt erraten erröten erahnen verraten
verachten verrückt verantworten Verein vorn Vorrat verursachen Vereinigung Verrat
Verachtung verreisen

  Türen zur Grammatik: Verben (und abgeleitete Nomen) mit „unbetonten“ = reduzierten, 
  Verwandte Seiten: 12–15, 22, 29, 66 minimalisierten Vorsilben; Perfekt; Partizip II; nominale Wortbildung

34 W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag


Das r-Phänomen: Ganz verschiedene Klänge
31
1

r1 (vokalisches r) [å] ca. 60–65 % aber wieder ver- der wir Uhr
   17–30

vokalisch

Form/Formen gern dort


zwischen r1/r2 variabel Herr Müller/Herrrrr Müller!!!!
   18–28, 35, 36

konsonantisch, etwas Stimme

Buchstabe r rote Rosen raus und rein


(r, r-, -r-, -rr-, r2 (Reibe-r) [r] +/– 20 % Türen fahren stark warten
rh-, rrh-)    28.3–5, 32, 34–36

weicher, wenig stimmhaft

zwischen r2/r3 variabel bringen draußen groß


   44, 45

hart, stimmlos

kratzen tragen Preis


r3 (Kratz-r) [r] 10–15 %
(fast wie -ch [x]    53) Fritz schreiben Straße Sprache
   33, 35, 36, 53

2 Drucken Sie einen (literarischen) Text mit großer Schrift (16 pt) und 1,5 Zeilenabstand aus. Markieren Sie mit
einem gelben Markerstift alle r1, mit einem orangen Stift alle r2 und mit einem roten Stift alle r3. Entscheiden
Sie, wie Sie die Wörter, die zwischen r1/r2 (z. B.: Form, Formen) bzw. zwischen r2/r3 (z. B.: bringen) stehen, aus-
sprechen wollen.

  Türen zur Grammatik: „r1“ in der gesamten deutschen Grundgrammatik 


  Verwandte Seiten: 12, 17–28, 29, 30,   (Morphologie der Verben, werden, Pronomen, Artikelwörter, Nomen, Adjektive, Komparativ); 
32–36, 42, 53, 67–70 Präpositionen, Wortbildung mit Vorsilben ver-, vor-, her- u. v. a.

W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag 35


32 r3 – „Kratz-r“ und r2 – „Reibe-r“

1 r3: Kratz-r und Hustenbonbons


Sprechen Sie extrem kratzend [x]: achchch dochch Bauchch
und jetzt – extrem kratzend, ach-artig [x]: kchchch tchchch pchchch
und jetzt – etwas weniger stark: krrrrrrrr trrrrrrrr prrrrrrrr
Jetzt kratzt es bei Ihnen hinten im Gaumen so sehr, dass Sie ein Hustenbonbon brauchen. Man versteht, warum
die Schweizer die Hustenbonbons „mit 13 Kräutern“ erfunden haben. Schweizer lieben es, so zu sprechen.

2 Folter mit Bleistift: die r3-Kratz-Stelle im „Sagittalschnitt“ – und


von dort das r2, das Reibe-r.
r3 (das „Kratz-r“): Nehmen Sie einen spitzen Bleistift und ste-
chen Sie sich damit (bitte nur in Gedanken), genau im Winkel
des Kinns, schräg nach oben durch das Kinn und die hintere 4 5 6
7
3 Vokal
r2 r3
Zunge – so wie es im Schaubild gezeigt wird. Verlängern Sie 1 2
8
in Ihrer Vorstellung die Drucklinie der Bleistiftspitze nach 1
9
2
oben – sie zeigt genau an die Stelle, wo es beim Kratz-r kratzt:
hinten oben – kkkchchch.
r2 („Reibe-r“): Setzen Sie noch einmal zum Kratzen an; halten
Sie etwas an und machen Sie sich die Artikulationsstelle ganz
bewusst – aber Vorsicht: Nicht kratzen, nur etwas reiben und
dann sofort in einen Vokal übergehen:
roooo raaaa rüüüü rääää
rote Rüben für Robert 1 – Lippen – labial
rote Rosen für die rote Rita 2 – Zähne – dental
3 – Zahndamm – alveolar
rauf und runter runter und rauf 4, 5, 6 – harter Gaumen – palatal
raus und rein rein und raus 4 – vorderer harter Gaumen – präpalatal
6 – hinterer harter Gaumen – postpalatal
7 – weicher Gaumen – velar
3 Der Trick „Die gefesselte Zunge“: Klemmen Sie Ihre Zunge in
8 – Zäpfchen – uvular
das Halbrund der unteren Zähne fest ein, mit ein wenig Druck. 9 – Zunge – lingua
Sprechen Sie dann: Kra Kra Kra Kre Kre Kre Krä Krä Krä etc.
und dann: Ra Ra Ra Rä Rä Rä Re Re Re etc.
Das r2 mit „gefesselter Zunge“ üben: Das klingt absolut deutsch. Sie können das deutsche r3 und r2 wunderbar
sprechen. – Sie können Ihre Zunge auch fesseln, wenn Sie den Korken einer Weinflasche fest zwischen die Zähne
nehmen (   34).

4 Schauen Sie sich die r3-Kratz-Position und die r2-Reibe-Position im Schema    31 genau an.

5 Sprechen Sie so, als ob Sie eine starke Sprechbarriere hätten und den Vokal nur mit großer Mühe, nach viel Kraft-
anstrengung endlich herausbekommen. Sie können laut oder flüsternd üben:

kkkch (kr) pppch (pr) tttch (tr) schschch (schr) fffch (fr)
krachen Protest Tragödie schreien Freiheit

rrrrraaa rrrrreee rrrrrüüü rrrrrööö rrrrriii


ran reden Rübe rötlich Rhinozeros

6 Erkenntnis: Die Zunge tut beim r3 und beim r2 vorn an der Zungenspitze und an den seitlichen Zungenrändern
überhaupt nichts, sie ist völlig passiv, sie schläft, sie hat Urlaub.
Der Zungenmuskel bildet hinten eine Barriere: Beim r3 kommt Luft zum härteren oder weicheren Kratzen; beim
r2 kratzt es nicht, die Stimme reibt ein bisschen, dann kommt sofort der Vokal.

  Verwandte Seiten: 31, 33–36, 42,   Türen zur Grammatik: Komparativ; Relativpronomen; Vorsilben mit -r; Verben mit Präpositionen (darin, woran);
53, 60, 64 Formen von Verben und Nomen mit auslautendem -r (Türen, Schülerin) und inlautendem -r- (fahren)

36 W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag


Das r3: Harte und etwas weichere Kratz-r-Bedingungen
33
1 Sprechen Sie extrem kratzend den Laut [x]: ach doch Bauch    53.
Artikulieren Sie nun die drei harten und stimmlosen Laute [k], [p], [t] in der Art, dass eine k+r
extreme Sprechhemmung (die erreichen Sie mit viel Energie) verhindert, den Klang auszu- kratzen
sprechen, bis am Ende doch die Luft herausplatzt (* = Luftexplosion):
kkkkk* ppppp* ttttt*
p+r
Wiederholen Sie die Übung, nun aber ohne Luftexplosion, mit einem [x]-artigen Kratz-r: Preis
kkkkkchchch pppppchchch tttttchchch
Sprechen Sie nun übertrieben kratzend die folgenden Wörter und dann korrekt: t+r
kratzen Kreis prima Preis Trauer tragen tragen
Krach Creme Prolet Prädikat treu Tradition

2 Helfen Sie sich mit einem Bleistift-Piks. Unterstützen Sie die Artikulationsstelle des Kratz-r
(hinten/oben) durch einen leichten Bleistift-Piks oder mit Ihrer Fingerspitze in der Beuge von
Kinn und Hals (wie auf dem Schaubild    32). Üben Sie, wie in Übung 1, das Kratz-r in den S+r
Klang­kombinationen: schreiben

schschschchchch [Sx] oder [Sr] fffffffffchchch [fx] oder [fr]


f+r
fressen
Sprechen Sie nun – übertrieben kratzend und mit Unterstützung des
Bleistifts oder Fingers – die Wörter:
schreiben Schrift Fritz Franz Übrigens:
schreien schräg Friede Freude Freiheit Ob Sie als phonetisches Zeichen
für „r3“ [r] oder [x] schreiben,
Sprechen Sie jetzt in „normaler“, flüssiger Sprechweise: können Sie selbst entscheiden.
schreiben Schrift Fritz Franz
schreien schräg Friede Freude Freiheit

3 Die drei weichen Kratz-r-Positionen sind br-, gr-, dr-. Weicher als [k], [p], und [t] sind die Laute
[g], [b] und [d], aber im Anlaut und in Kombination mit -r sind sie deutlich härter als z. B. in den
romanischen Sprachen, im Englischen und in den slawischen Sprachen (   44–45).
b+r
braun
Sprechen Sie – überdeutlich und ggf. mit Bleistift- oder Finger-Piks – die Wörter:
braun groß draußen g+r
groß
Brühe grün drüben
Gras braten dran d+r
draußen

4 Falsch und richtig: Spielen Sie jetzt bei den Kratz-r-Wörtern die verschiedenen „Fehler“ der „amerikanischen“,
„französischen“, „italienischen“, „russischen“ und „chinesischen“ Aussprache … Lachen Sie herzlich darüber – und
dann wieder richtig auf Deutsch.

5 Wie stark soll man denn „kratzen“? Wenn Sie das „Kratzen“
richtig gut geübt haben, sodass es immer problemlos ge- Was macht die Zunge bei r3?   32
lingt, können Sie die Intensität des Kratzens reduzieren. Je
Hinten bildet der Zungenmuskel eine
mehr Betonung, desto stärker wird gekratzt; je weniger Be-
Barriere, dann kommt Luft und kratzt,
tonung, desto weniger kratzen.
härter oder weicher.
Vorn bleibt die Zungenspitze völlig passiv,
nicht die kleinste Spannung oder Bewegung.

  Verwandte Seiten: 31, 32, 36, 44, 45, 53, 60

W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag 37


34 r2-Übungen, r2-Hilfen

1 Eine Hilfe für das r2: das „Oberkörperpaket“: Greifen Sie


„überkreuz“ mit Ihren Händen nach beiden Schultern; drü- Was macht die Zunge bei r2?   32
cken Sie die Ellbogen fest gegen die Brust; ziehen Sie dann
Hinten bildet der Zungenmuskel eine
Ihre Schultern ganz hoch bis an die Ohren: Bilden Sie eine
Barriere, dann kommt keine Luft, sondern
ganz enge und ganz feste, kompakte Verbindung zwischen
sofort der Vokal.
den Schultern, dem Hals und dem Kopf. Schaukeln Sie sich
Vorn bleibt die Zungenspitze völlig passiv,
hin und her, haben Sie sich so richtig lieb. Sprechen Sie in
nicht die kleinste Reaktion.
dieser festen, angespannten Position ganz leicht und locker:

raus rein raus rein rauf runter rauf runter rote Rosen rote Rüben

2 Noch mal als Übungshilfe für das r2: die „gefesselte Zunge“. Stecken Sie Ihre Zunge ins Gefängnis; fesseln Sie
die Zunge, indem Sie sie gegen die unteren Zähne drücken, vorn und seitlich, schön fest. Machen Sie dann
mehrfach den Mund auf und zu, die Zunge geht brav mit dem Unterkiefer nach unten. Sprechen Sie dann:
rararara rärärärä rererere rorororo
Es geht mit diesen Vokalen besser als mit rururu oder ririri.

Eine zweite Methode, Ihre Zunge zu fesseln:


Nehmen Sie den Korken einer Weinflasche fest zwischen Ihre Zähne:
rararara rärärärä rererere rorororo

3 Schauen Sie sich die r2-Artikulation auf dem Schaubild    32 an.
Kratzen Sie nicht, höchstens ein bisschen mit der Stimme reiben;
gehen Sie sofort in einen Vokal über:
roooo raaaa rüüüü röööö rääää riiiiii ruuuuu reeeee
rote Rosen für die rote Rita rote Rüben für Robert
rauf und runter, raus und rein Ro-Ro-Ro-Ro-Robinson

4 Sprechen Sie auf gut Englisch: auf gut Deutsch:

the Royal Family Royalismus


rules Regeln
Rock’n Roll Rockmusik, Rollschuhe
rare Rarität
rhythm Rhythmus
rich reich
red rot
rats Ratten
a Rolls Royce for Roy Rollmöpse für Rainer

5 Singen Sie, so schön Sie können, das „Röslein-Lied“ (aus einem Gedicht von Goethe):
Röslein, Röslein, Röslein rot, Röslein auf der Heide(n).

6 Schwierige Wörter für anglophone und slawische Sprecher, für Japaner, Chinesen, Italiener, Spanier … und für
alle anderen auch:
relativ Lehrerin Religion Religionslehrerin verringern Erinnerung Euroregion Aurora irrepara-
bel  Rarität Terrorist Reiseleiterin Beraterin reinreiten allein reiten Reiterin Retterin Richterin
rasieren Rehrücken polarisieren Polaroid Lichtreflex Larifari falleri – fallera Belehrung Loreley
gering  gelingen verringern Lore, geh ran, es geht voran! Logarithmus Relativitätslehre

  Verwandte Seiten: 18, 22–28, 31–33,   Türen zur Grammatik: Komparativ; Relativpronomen; Vorsilben mit -r; Verben mit Präpositionen (darin, woran); 
35–38 Formen von Verben und Nomen mit auslautendem -r (Türen, Schülerin) und inlautendem -r- (fahren)

38 W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag


-r hinter Vokal
35
Wann spricht man vokalisches [å] = „r1“, wann konsonantisches [r] = „r2“? Das ist ein
Skandal !!!
1 Schauen Sie noch einmal das r-System   31 an. Es geht um die Aus-
sprache-Varianten zwischen dem vokalischen r1 und dem konsonan- V/K
tischen r2.

2 Wiederholen Sie    12, 17, 18–28. Dort wurde die vokalische Ausspra-
che (r1) eingeübt (außer beim kurzen [-ar]    28). Das vokalische r1 zu
sprechen ist zwar ganz einfach: Alle Menschen auf der Welt können
so einen a-Laut sprechen. Trotzdem macht es vielen Deutschlernern
V
aus aller Welt große Schwierigkeiten: Weil die Schrift auf dem Papier ein „r“ zeigt;
weil es von vielen Lehrern auf der ganzen Welt leider falsch gelehrt wird; weil es
auf der ganzen Welt leider falsch geübt wird.

3
V
Bei unbetonten Silben mit -er (Endungen) ist der Vokal [å] absolut dominant:
Oberammergau aber wieder Dezember ändern (   17, 20–21)

4 Endet die Silbe mit langem Vokal + r, dann ist die vokalische

V
Aussprache (r1) absolut dominant: Verwandte Seiten:

Tür Tor war für Tier mir dir ihr …  12, 17–21, 22–28, 31–34

5 Wird die Silbe aber erweitert, folgt also noch eine weitere Silbe (z. B. bei Infinitiv, Plural, bei vielen
Flexionsformen etc.), dann wird die konsonantische Aussprache (r2) dominant. Der Grund ist, dass
bei den zweisilbigen Wörtern das -r- nicht mehr der letzte Laut der ersten Silbe ist, sondern der
erste Laut der zweiten Silbe: Tür [tyÜ°å] Türen [tyÜr´n]:
K
Tü-ren To-re wa-ren de-ren füh-ren Tie-re telefonie-ren

6 Folgt dem Vokal in einem einsilbigen Wort noch ein Konsonant (oder zwei), ist auch hier in der
unmarkierten, alltäglichen Sprechweise die vokalische Aussprache dominant:
kurz Norm Schirm Herz Scherz fährt führt hört
V
7 Werden diese Wörter aber erweitert, folgt ihnen also eine zweite Silbe, dann ist auch die konsonan-
tische Aussprache gut möglich:
Kürze Normen firmieren Herzen Scherze
V/K
8 Schauen Sie sich die Übersicht an, die die Verhältnisse klärt:

vokalisch: r1 V „r1“ und „r2“ sind möglich. K konsonantisch: r2 Genaueres


Sprechen Sie [å]. V vokalisch: [å] konsonantisch: [r] Sprechen Sie [r]. K auf Blatt
aber, ändern 17, 20, 21
Mord Mord 24
vor voran, vorüber 24, 41
vorn vorn 24
hört hören 25
durch durch 26
Wörter Wörter 26
Professor Professoren 24
Sorte Sorte 24
wer, werden 21
Märchen 21
Kirche Kirche 23
wird wird 23
geworden geworden 24
Spur spürt Spuren, spüren 26/27
war, wahr waren, wahre, Ware 28
Was lernen wir daraus: Sprechen Sie dort, wo es möglich und sinnvoll ist, vokalisch (r1): im Alltag, in Ge-
sprächen, in lockerer Kommunikation. Es ist einfacher, vermeidet Aussprachefehler, klingt ungezwungen.
Ein konsonantisches r2 würde „markiert“ klingen, angestrengt, scharf, überkorrekt, gestelzt, gezwungen.

W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag 39


36 Gerolltes -r – regional, individuell, theatralisch

1 Schauen Sie noch einmal die folgenden Blätter an:


 31 – Dort wird das ganze r-System im Deutschen erklärt.
 35 – Dort wird gezeigt, wo man auch konsonantisch statt vokalisch sprechen kann (hart, Orte).
 33 – Dort werden die harten und weichen Kratz-r-Laute geübt (kratzen, groß).
 32 – Dort wird der Reibe-r-Laut geübt (raus, rein, rot).

2 In allen konsonantischen Positionen kann natürlich auch im Deutschen kräftig „gerollt“ werden.
Und zwar

R
a) vorn, mit der Zungenspitze: RRRRRRRRaus („Zungen-r“)
(Ähnlich klingt das r, das in Spanien, in Italien, in den Ländern
mit slawischen Sprachen gesprochen wird.) r rrr
rrr rrRRRR
b) ganz hinten, mit dem Zäpfchen: rrrrrrrrraus („Zäpfchen-r“)
Nicht jeder Deutsche kann das, manche können es überhaupt nicht, aber manche können es mit großer
Perfektion. – Nehmen Sie sich viel Zeit, solche komischen Geräusche zu machen; es klingt oft sehr lustig.

3 Wer in Deutschland rrrrrollt das [r], in welchen deutschsprachigen Regionen wird gerrrrrollt?    1, „Deutschkarte“
regional: in der Schweiz, in Österreich, in Bayern, in Franken, im Osten Sachsens, in den Orten auf der Schwä-
bischen Alb, im Sauerland in Nordrhein-Westfalen. So sprechen auch Menschen, die früher in
den deutschsprachigen Gebieten östlich von Oder und Neiße gelebt haben (Schlesien, West- und
Ostpreußen), und deutschsprachige Menschen, die in Osteuropa gelebt haben oder leben.
individuell: Manche Menschen sprechen auch so, ganz individuell, weil es ihnen so gefällt. Es klingt ja auch so
schön maRRRkant.

4 Wenn – z. B. im Chor – gesungen wird oder wenn auf der Theaterbühne deklamiert wird, kann das Zungen-rrrrrrr
zum klanglichen Ereignis werden. So singt z. B. in Mendelssohns Oratorium „Elias“ der Chor:
Herrrrrr, unser Herrrrrrscher, wie herrrrrrlich ist dein Name!
Oder singen Sie mit dem wunderbaren Schauspieler Heinz Rühmann:
Ich brrrrech die Herrrrzen der stolzesten Frrrrau’n, weil ich so stürrrrmisch und so leidenschaftlich bin.
In Goethes Drama „Faust I“ ruft der Teufel Mephistopheles ganz am Schluss:
Heeerrrrrrr zu miiiiiirrrrrrr!

5 Soll man also mit der Zunge oder hinten mit dem Zäpfchen rrrrrrrollen?
Antwort 1: Wenn man es kann, ist es sicher schön und macht Spaß.
Antwort 2: Das Roll-r ist aber nur für künstlerische oder theatralische Zwecke sinnvoll, nicht für die gespro-
chene Sprache des Alltags.
Antwort 3: Wenn Ihr Sprechalltag in einer deutschsprachigen Roll-r-Region liegt, können Sie natürlich gern
versuchen, sich anzupassen.
Antwort 4: Wenn in Ihrer Muttersprache das r stark gerollt wird (z. B. Italienisch, Spanisch,
Russisch), dann sollten Sie die deutschen Roll-r-Varianten nicht imitieren,
sondern das „richtige“ Kratz-r (r3) und das Reibe-r (r2) und besonders natürlich
das vokalische r (r1) üben. Wenn Sie das nicht tun, wird Ihre Aussprache immer
italienisch, spanisch oder russisch oder … klingen.

  Verwandte Seiten: 31–35

40 W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag


Die Zungenspitze vorn an den Zähnen
37
1 Schöne Fühl-Erlebnisse mit der Zungenspitze:
Berühren Sie mit der Zungenspitze die oberen Schneidezähne.
[n] Mit breiter Zunge, im oberen Zahnkranz:
Summen Sie: nnnnnnnnnnnn.
[d] Nur mit der Zungenspitze:
Flüstern Sie wiederholt: d-d-d-d.
[t] Jetzt mit mehr Druck:
Flüstern Sie, jetzt aber härter: t-t-t-t.
[l] Nur mit der Zungenspitze an den vorderen
oberen zwei Zähnen:
Summen Sie: lllllllll.
[-] Tippen Sie nur mit der Zungenspitze an die
vorderen oberen Zähne, ohne jedes Geräusch
und ohne jeden Ton.
Sie merken: Bei allen vier Konsonanten ist die Grundposition
gleich – die Zunge ist dicht hinter den oberen Schneidezähnen
oder hat leichten Kontakt mit ihnen:
Bei [n] legt sich der seitliche Zungenrand oder die ganze Zunge in
den oberen Zahnkranz hinein, bei [d], [t] und vor allem bei [l] ist
nur die Zungenspitze mit den vorderen zwei bis vier Zähnen in Kontakt.

2 Benutzen Sie diese Konsonanten-Nachbarschaft im Mund. Sprechen Sie mit großer Sensibilität, leise, flüsternd,
mit ein bisschen „Erotik“. Gehen Sie vom [n] oder [l] mit Verzögerung, ganz sensibel, in das [d] oder [t] hinein, bei
[t] mit einer kleinen Luftexplosion (*) am Schluss, also so: Welll…t*:
alt kalt Welt anders Antwort ändern alternativ intern unten älter Eltern Aldi Andi
Undine  endlich Ende intim Indien in die endlos entlehnen anti- Antike unten

3 Wenn Sie Niederländisch als Muttersprache sprechen: Wiederholen Sie in der Übung 2 noch einmal alle Wörter
mit -l- (-lt, -ld, -tl, -dl); achten Sie genau darauf, dass Sie keine kleinen Minivokale dazwischensetzen (Welet,
endelich). – Zur Abwechslung sprechen Sie diese Wörter mal so richtig „niederländisch“ aus und dann wieder –
sehr sorgfältig – richtig deutsch.

4 Sprechen Sie die folgenden Wörter mit -l- „slawisch“ oder „kölnisch“ aus, weit hinten im hohlen Mundraum, hin-
ten im Hals, und dann auf Deutsch und richtig:
Slowenien Slowakei Polen polnisch slawische Linguistik Kolonie Kalorie Ljubljana katholisch
Galina Galizien Moldawien Labor Wald bald Wladimir Köln Lust Land Landlust lustvoll

  Verwandte Seiten: 38, 39, 44   Türen zur Grammatik: alle Wörter mit l

W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag 41


38 I love you – Ich liebe dich
Spiele mit der Zungenspitze, mit l

1 Amerikanisch, Niederländisch und Kölnisch (Zunge nach hinten rollen):


Sprechen Sie extrem amerikanisch: „I love you, my lovely lady.“
Sprechen Sie richtig kölnisch: „Mir läwen all in Kölle.“ „Kölle Alaaf!“ (der Kölner Karnevalsruf )
Was ist das für ein [l]? Wie artikulieren Sie diese Klänge?

2 Lassen Sie die Zunge wandern.    32, Abbildung


Singen Sie – ganz deutsch – mit der Zungenspitze an den Zähnen ein l-Lied. Wandern Sie dann langsam – mit
Kontakt zum Gaumen – mit der Zungenspitze so weit wie möglich nach hinten – immer weitersingen! – und
dann wieder weiter bis ganz nach vorn. Beobachten Sie, wie sich jeweils der Klang verändert.

3 Das Apfelschalenspiel
Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Apfel gegessen und ein Stück der Apfel-
schale ist zwischen Ihren oberen Schneidezähnen stecken geblieben, genau
in der mittleren Zahnritze. Einen Zahnstocher haben Sie nicht; Sie versuchen
nun „von innen“, mit der Zungenspitze, durch Hin- und Herwischen das Scha-
lenstück herauszukriegen. – Das kitzelt ein bisschen, genau an der Stelle, die
das [l] artikuliert, indem die Zungenspitze hinter die oberen Zähne drückt.

4 [l] mit „Cheese-Gesicht“


Artikulieren Sie nun die Beispiele – die Vokale sind e-Klänge oder i-Klänge:
Welt Eltern Weltgeltung Weltbild Geld kälter Bild Iltis
Geld regiert die Welt.
Machen Sie dabei ein richtig übertriebenes, breites, grinsendes „Cheese-
Gesicht“.

5 Stemmen Sie Ihren Ellbogen fest auf den Tisch und Ihr Kinn fest in die Hand; der Mund kann nicht mehr aufge-
hen, im Mund kann sich kein Hohlraum bilden, der Mund bleibt innen flach. Machen Sie dann wieder Ihr breites
„Cheese-Gesicht“ und drücken Sie die Zungenspitze gegen die vorderen oberen Zähne. Beginnen Sie dann zu
singen: hhllllllllllll lllllllll lelelelele lilililili.
Und noch einmal die Wörter von Übung 4. Lassen Sie sich Zeit mit dem -llllll- und genießen Sie – mit einer zele­
brierten kleinen Luftexplosion – das abschließende -t* (   37.2).

6 Daraus lernt man: Das breite Gesicht bewirkt, dass Ihr Mundraum flach bleibt, die Zunge kann nach oben/hin-
ten keinen Raum bilden und kann sich nicht „amerikanisch“ oder „kölnisch“ nach hinten beugen.
Wörter mit e oder i vor dem l und mit -d oder -t hinter dem l- sind also gut, um das deutsche [l] zu üben.
Der l-Klang entsteht ganz vorn, im vorderen Mundraum, auf der vorderen Zungenfläche und nicht hinten (wie
z. B. bei Englisch, Russisch, Polnisch, Tschechisch, Niederländisch oder eben „Kölnisch“).
Das deutsche l klingt hell, nicht dunkel.

  Verwandte Seiten: 37   Türen zur Grammatik: wollen, lassen

42 W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag


Alles kann man, wenn man will
39
[n] Die Zunge macht vorne zu. – [N] Die Zunge macht hinten zu.

1 Die Übung mit dem Bonbon (und ohne Bonbon)


Nehmen Sie ein kleines, rundes, hartes Bonbon in den Mund (z. B. ein Pulmoll-Hustenbonbon). Schieben Sie das
Bonbon mit der Zungenspitze überall an die oberen Zähne, seitlich links, vorn, seitlich rechts und wieder zurück.
Sie können es (innen) klickern hören. Drücken Sie das Bonbon auch gegen den vorderen Gaumen, also nach
oben, und schieben Sie es hin und her, bis es alle ist. Machen Sie – jetzt ohne Bonbon – das Gleiche noch einmal,
so, als ob Sie Ihren trockenen Mund mit der Zunge etwas feucht machen wollen – so wie an einem heißen Som-
mertag, wenn Sie gerade nichts zum Trinken haben.

2 Jetzt noch einmal, aber mit Musik! Alles aus Übung 1 sind richtige n-Positionen. Sie brauchen nur – mit Bonbon
oder ohne – dabei zu „singen“, und zwar durch die Nase.

3 Wer müde ist, soll gääääähhhnen!    10


Gähnen Sie – mit offenem Mund. Bilden Sie mit der Zunge ganz hinten eine Barriere, atmen Sie tief ein und aus,
aber nur durch die Nase. – Beginnen Sie, beim Ausatmen zu singen – es entsteht ein nasaler, -ang-artiger Ton.
Jetzt können Sie „Französisch“: Bonbon Chance Engagement Appartement Nuance

4 Die Enge wird eng und immer enger.


Wenn Sie die Barriere aus Übung 3 weiter nach vorn legen, entsteht das deutsche -ng [N]    40:
singen eng Tübingen Bonbon (deutsch).

5 [n] mit „Cheese-Gesicht“: Artikulieren Sie noch einmal die Wörter – alle mit e
und i als Vokal:
Wind Ventil Kind sind Kenntnis es brennt er rennt
Machen Sie beim -n- ein breites, grinsendes „Cheese-Gesicht“.    38

6 Setzen Sie das Kinn fest auf den Arm, der Mund wird flach (   38.5/52.1/37.2).
Machen Sie ein „Cheese-Gesicht“, drücken Sie vorn und seitlich die Zungen-
spitze gegen die oberen Zähne. Singen Sie hhnnnnnn nnnnnnn nenenene
ninininini.
Und noch einmal die Wörter von Übung 5. Lassen Sie sich Zeit mit dem -nnnnnnt;
genießen Sie – mit einer kleinen Luftexplosion – das abschließende -t*/-d*. Wichtige Wörter:
an-/An- kunft
7 Daraus lernt man: Das breite Gesicht bewirkt, dass Ihr Mundraum flach bleibt, fahrt
die Zunge drückt sich von den vorderen Zähnen an breit nach oben gegen den lauf
Gaumen und bildet eine totale Barriere. Der Ton geht durch die Nase (und klingt schrift
im Kopf ). Der Ton kann nicht durch den Mund hinaus. kommen
Wörter mit -ent, -end, -int und -ind sind gute Übungswörter: teil
in-/In- kompetent
brennt brennend Endspiel spinnt Kind human
toleranz
8 n-Spiele für Japaner, Vietnamesen (und andere): Singen Sie lang und deutlich auf
kann man Mann
dem -nnn:
dann wann wenn
Ich kannte eine alte Tante aus Bad Cannstatt. kein mein dein sein
Die Tante rannte, als die Kantine brannte und ich ihr meinen Namen nannte. von
Ich komme aus Japan und suche den Bahnhof. Wein Rhein Bein
Wann kommst du auf dem Bahnhof an? sein klein fein
Japan heißt auf Japanisch Nippon.
Nanni, wir fahren mit den Verwandten auf dem Rhein von Bonn nach Xanten.
Marzipan aus Japan

  Verwandte Seiten: 37, 40, 10   Türen zur Grammatik: Wörter mit Vorsilben an-, ein-, hin-, in-, un-; Partizip I

W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag 43


40 Tübingen – nicht: Tübinggen
(wie Englisch: „singer“, nicht wie „single“)

1 Ein kleiner, aber hartnäckiger Fehler ist, statt [N] ein [Ng] zu sprechen. [N] in Wörtern mit -ng- wird von Sprechern
vieler Muttersprachen (Englisch, romanische und slawische Sprachen) mit einem zusätzlichen -g gesprochen:
Fingger engger Tübinggen Bedingunggen Lieder gesunggen

Tübing
Im Deutschen muss man sofort zum Vokal oder zum -n kommen, ohne die
kleinste g-Explosion. Der Fehler ist ziemlich hartnäckig. Er steht in Verbin-
dung mit falscher Betonung der Endungen: gesúng-gèn Tü-bing-gèn. n
(   13–15, 61–62). Das falsche -g ist geradezu eine Voraussetzung dafür,
dass die Endsilbe einen mehr oder weniger starken und falschen Nebenak-
zent bekommt. Der Trick ist also: Man kommt dem Fehler am besten durch
energische Betonungsübungen bei (   66–72).

2 Rhythmische Eisenbahnreise nach Stuttgart


Fahren Sie jetzt – mit dieser extremen Rhythmisierung: mit Handklatschen und dynamischem Kopfnicken – von
Tübingen nach Stuttgart und wieder zurück. Die Schwabenstädte müssen fast einsilbig klingen:
Tübingen Reutlingen Metzingen Nürtingen Wendlingen Plochingen Esslingen Stuttgart

3 Zweisilber als Einsilber


Noch deutlicher klappt das bei zweisilbigen Wörtern, wenn man sie fast einsilbig
spricht:
lange Zunge länger singen (länga singn) länga
4 Wenns noch nicht richtig klappt, hilft folgende sportliche Übung: Stützen Sie Ihre Ellbogen fest auf der Tischplat-
te auf, drücken Sie Ihr Kinn, den ganzen Kopf fest auf Ihre geballten Fäuste herunter, sodass der Unterkiefer nicht
nach unten kann. Machen Sie ein „Cheese-Gesicht“ und sagen Sie – ohne Vokal in der Endung:
singn gelingn hängn Tübingn – ganz ohne das falsche -g.

5 Noch mal: Falsch und richtig


Sprechen Sie noch mal die Wörter aus Übung 2 und 3, aber extrem falsch und – nun nicht mehr so übertrieben
rhythmisiert – auf Deutsch – ohne jedes kleine -g-.

6 Englische und deutsche Ausdrücke mit ähnlichem Klang ne-


beneinander: Spüren Sie sorgfältig, wie bei englischen Wör- Wichtige Wörter:
tern: single, England (alle mit [Ng]) die g-Explosion im Gau- bringen hängen singen  springen
men passiert, im Deutschen aber nicht:
fangen  gelingen klingen  dringend
the jungle Mogli, der Junge aus dem Dschungel
jung Junge lang Länge eng Enge
anglosaxon angelsächsisch
-ung: Zeitung Zeitungen  Richtungen
the finger der Finger, der Ringfinger
Ding Ring Anfang Finger Menge
England England
The Bangels der Bengel (frecher Junge) England Hongkong Pingpong
single singen

  Verwandte Seiten: 4, 10, 37, 39, 40, 44   Türen zur Grammatik: Wortbildung: Wörter auf -ung; Formen der Wörter auf -ng

44 W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag


’Oooh und ’aaah – Silben mit Vokalanlaut
41
Schön knackig und fest – und keine Silbenbindungen!

1 Der harte Vokalanlaut ist ein deutsches Ausspracheprinzip.


Sprechen Sie die Wörter mit Vorsilben. Achten Sie auch darauf,
die Vorsilben ganz klein auszusprechen – und bitte keine Bin-
dungen! Man muss neu (und hart) mit dem Vokal beginnen:
geantwortet beantworten gearbeitet verarbeiten
geohrfeigt geirrt beenden geendet geändert  verän-
dern beurteilen geurteilt missachten Verein geeint
sich erinnern Wiedervereinigung überall sehr geehrtes
Publikum ei ei ein Ei
2 Üben Sie noch einmal die Wörter aus Übung 1, indem Sie vor den Vokalanlaut eine „Sprechbarriere“ einbauen,
so, als ob Sie den Vokal nur mit großer Mühe herausbekommen. – Sprechen Sie die Wörter so (und achten Sie auf
den Rhythmus     29):
ge****arbeitet ge****ohrfeigt

3 Wie heißen die Partizip-II-Formen? Sprechen Sie aufmerksam:


antworten arbeiten einigen urteilen ahnen sich eignen ändern enden sich ärgern ehren
ohrfeigen achten sich irren

4 Auch über die Wortgrenzen hinweg: Keine Bindungen! Sprechen Sie aufmerksam die Wörter und Sätze:
Guten Abend. innen und außen in einer einsamen Hütte in Amerika in einer anderen Art Das ist alles,
was er ist. schöne Aussichten an einem anderen Wochenende Das ist eine andere Erfahrung.  in der
Uni  Der Aufsatz ist in Arbeit.

5 Noch ein bisschen Geografie mit Behinderungen: Schauen Sie die Zeilen aufmerksam an, trennen Sie die Wörter
und Silben und sprechen Sie langsam und deutlich – die Nomen sind hier alle kleingeschrieben:
Erkommtaussüditalien, sieausnorditalien.
miteinemargentinierinamerika
Warumfahreicheigentlichimaugustnachathen?
vonirlandnachisland
Eristausantwerpen, nichtausaachen.
Aachenoderessenoderaugsburgoderinnsbruck, dasistdocheinerlei.

6 Darf man manchmal doch binden?    42, 61, 62.

7 Wenn Sie Französisch, Spanisch, Italienisch als Muttersprache sprechen: Nehmen Sie gleich     Blatt 54 dazu und
üben Sie den Wechsel von hartem Vokalanlaut und h-Anlaut.

  Türen zur Grammatik: Formen, Partizip II von vokalanlautenden Verben mit Vorsilben; 
  Verwandte Seiten: 29, 42, 43, 61, 62, 66 Relativsätze; Personalpronomen

W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag 45


42 Bindungen sind verboten, aber …
… manchmal bindet man trotzdem – ganz weich

1 Es gibt eine Reihe von Wörtern, bei denen man die Silben weich verbindet.
Der Grund: Die Deutschen haben wohl die Herkunft dieser Wörter vergessen, da-r ° auf an in
verstehen sie nicht mehr als Zusammensetzung, sondern als eine neue
lexi­kalische Einheit. wo-r ° auf in an
hin°-ein, hin°-aus, hin°-über, hin°-auf, hin°-unter vor ° an aus
her°-ein, her°-aus, her°-über, her°-auf, her°-unter

gegen- in- auf- hinter-


nacheinander
mit- vor- wieder haben wir miteinander gegessen
wieder sind wir beieinander gesessen
an- 'ein°-ander bei- wieder sind wir auseinander gegangen
wieder haben wir nacheinander
für- kein verlangen
Richtige Betonung Ernst Jandl
über- unter- beachten!!!
Ernst Jandl, poetische Werke, hrsg. von Klaus Siblewski, © 1997 Luchterhand
Literaturverlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH

2 Sprechen Sie die Wörter aus Übung 1 versuchsweise hart getrennt aus (hin-ein) – das klingt sehr „deutsch“, aber
etwas komisch, nicht wahr? Die Aussprache ist nämlich falsch.

3 Und jetzt alles wieder richtig auf Deutsch, mit schönen, weichen Bindungen (   64):
hinein hineingehen hinaus hinausfahren herauf heraufkommen
herunter herunterladen hinüber hinüberschauen herüber herüberkommen
miteinander reden ineinander verliebt sein daran denken darüber nachdenken
daraufkommen vorankommen  vorübergehen vorausgehen Worin liegt der Grund?

4 In der gesprochenen Umgangssprache kann man noch weiter verkürzen – durch Weglassung von Vokalen und
der Vorsilben her-/hin- zu r- (   64):
reinkommen rüberkommen drauf rausfahren mit’nander raufkommen runterladen dran denken
rüberschauen drüber nachdenken

5 In der gesprochenen Umgangssprache darf man nachgestellte, unbetonte ich, er, es, uns, ihr, euch weich anbin-
den.    60
Bitte umgangssprachlich lesen und sprechen:
Hat er es nicht gewusst? Ach, das hab ich vergessen. Ach, er hat es bestimmt vergessen.
Wenn ich das gewusst hätte. Ich sag es ihm, wenn er nach Hause kommt. Er hat uns gar nicht gesehen.
Habt ihr das gesehen? Er hat euch doch gesagt, dass er kein Geld mehr hat.

  Türen zur Grammatik: hin/her; Präpositionen; Verben mit Präpositionen; Verben mit betonten/ 
  Verwandte Seiten: 34, 39, 41, 60, 64 untrennbaren Vorsilben; Personalpronomen; Relativsätze

46 W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag


Ganz weich gehts aus den offenen Vokalsilben heraus
43
… und keine Doppelkonsonanten sprechen!

1 Die Übung ist besonders gut für Leute aus skandinavischen und baltischen Ländern.
Sprechen Sie die Wörter; versuchen Sie, aus dem Vokal der ersten Silbe ganz weich in den stimmhaften Konso-
nanten in der zweiten Silbe überzugehen (Die Schreibweise imitiert die Aussprache.):

-b habm lebm gebm liebm reibm siebm


-g legng Segng fügng tragng fragng bügln
-d redn leidn radln Südn badn Bodn

2 Sprechen Sie jetzt die gleichen Wörter noch einmal, aber stop-
pen Sie den Vokal ab, so, als ob die Vokalsilbe von der Folgesilbe
abgetrennt wird. Es klingt dann nicht deutsch, sondern ziemlich
„skandinavisch“:
Ganz offen, schön
-b ha’bm le’bm ge’bm lie’bm rei’bm sie’bm fließend und
-g le’gng se’gng fü’gng tra’gng fra’gng bü’gln weich in die En­
-d re’dn lei’dn ra’dln Sü’dn ba’dn Bo’dn dung hineinspre­
chen, so: haaabm

3 Und jetzt noch einmal, aber richtig schön fließend.

4 (besonders gut für Menschen aus Italien und Skandinavien)


Im Deutschen spricht man keine Doppel-Konsonanten. Doppel-Konsonanten zeigen nur, dass die vorange-
henden Vokale kurz gesprochen werden(   5, 7). Sprechen Sie die Wörter, aber zuerst auf falsche, gedoppelte
Weise:
fal-len kön-nen hat-ten Pup-pe bel-len kom-men fül-len ken-nen Sin-ne

5 Und jetzt bitte noch einmal, aber richtig auf Deutsch bitte, kurz und scharf akzentuiert:
fallen können hatten Puppe bellen kommen füllen kennen Sinne
fal´n kön´n hatn Pupe bel´n komn fül´n ken´n Sine

  Verwandte Seiten: 41, 42, 15, 16, 66; 4, 6   Türen zur Grammatik: Modalverben, Verformen, Infinitiv; Plural; Formen von Wörtern, die auf Vokal enden

W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag 47


44 Die „Härteskala“ b, d, g p, t, k

1 Übersicht [b], [d], [g] und [p], [t], [k]


Wie weich, wie stimmhaft? … Wie hart, wie stimmlos?

b p g k d t
britisches Englisch Carol
Paul Tom
+ 120 im Anlaut [thhh] cat

stärker aspiriert
poster tea
cup

immer härter,
deutsch im Anlaut Paul Kolumbien Tango
+ 100 hart, ganz Post kochen Tasse Tee
stimmlos prost kratzen tragen
deutsch am Ende ab weg Kind
+ 80 einer Silbe halb Weg und
Grab schräg bald
+ 70 spanisch im Anlaut Paolo Columbia tango


deutsch + r, bringen grün draußen
+ 20 fast keine Stimme braun Gras Drogen
zunehmend

brechen groß dran


härter

deutsch + l/n blau


weich, kaum Glas
+ 15 Blume ––
noch Stimme gnädig
blond
deutsch im Anlaut Boris Gorbatschow der da
+ 10 der Silbe, Baden-Baden Gogo-Girl du Dummer
wenig Stimme bei Gustav Dortmund

deutsch innen, in haben wegen oder


0 etwas Stimme vokal.-stimmhafter geben legen reden
Umgebung leben Regel Süden
französisch Baden-Baden
(frz.) dimanche
- 10 englisch (frz.)
Gounaud darling
bye-bye
ganz weich,
- 20 sehr stimmhaft russisch Boris Gorbatschow da
südamerikanisch Belo Horizonte
- 30 Guatemala San Diego
spanisch bailar (sp. tanzen)

2 [p], [t], [k] oder „Zettels Flug“


Schneiden Sie einen etwa 15 cm langen und 4 bis 5 cm breiten Zettel aus dünnem Papier und halten Sie ihn
3 cm vor den Mund. Sprechen Sie dann ab der Position „+10“ nach oben die einzelnen Wörter. Der Zettel wird
sich anfangs gar nicht, ab der Position „+70“ ein wenig und dann immer stärker bewegen. Der Zettel wird bei der
„britischen“ Position „+120“ (z. B.: Tom, a cup of tea, please.) weit ausschlagen.

  Verwandte Seiten: 43, 45–49, 58   Türen zur Grammatik: Personal- und Possessivpronomen; Präpositionen; Verben und Nomen

48 W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag


In Baden-Baden baden gehen
45
1 [b] und genauso auch [d] und [g] haben im Deutschen vier Aussprachevarianten (   44.1, Ebenen (von unten)
4, 5, 6, 7, 10):
1. zwischen Vokalen bzw. in stimmhafter Umgebung: weich und nicht sehr stimmhaft (viel weniger als in
romanischen, slawischen Sprachen oder Englisch;    44.1, Ebene 4): sieben Leben haben geben den Hebel
heben; ebenso: Regeln sagen die Waden baden
2. am Silbenanfang: noch relativ weich, aber fast nicht mehr stimmhaft (   44.1, Ebene 5): in Baden-Baden
baden  Bis bald bei Boris, Baby; ebenso: Geh doch golfen, Gustav, du Dussel.
3. mit nachfolgenden „klingenden“ Konsonanten -l, -n und vor allem -r: schon ein bisschen härter und keine
Stimme mehr (   44.1, Ebenen 6, 7): Blaue Blumen blühen. Ich bringe dir braune Brühe aus dem Brauhaus.
Und ebenso: Heb dein Glas, Gladiator. Sei gnädig zu dem Gnom. im grünen Gras große Gräben graben
Draußen drohen dreißig Dromedare.
4. am Silbenende, im Auslaut („Auslautverhärtung“): schon fast ganz hart und absolut stimmlos
(   44.1, Ebene 11 und    46): Hau ab, geh weg, du Hund!

2 Sprechen Sie abwechselnd links englisch und rechts deutsch; die deutschen Wörter beginnen fast stimmlos, also
deutlich härter. (Die Wörter in den Beispielpaaren bedeuten meist das Gleiche, manchmal aber auch nicht.):

both beide blow blasen brown braun beans Bohnen


bye-bye bei, Beispiel bring bringen blue blau blood Blut
green grün glass Glas glance Glanz gay geil
go gehen god Gott grass Gras gold Gold
to die dein Dorothy Dorothee dear dir Dover doof
dean Dekan deal Dienstag door dort dragon Drache

3 Wenn Sie Spanisch, Französisch oder eine slawische Muttersprache sprechen, können Sie sich entsprechende
Wortpaare gegenüberstellen.

4 Üben Sie kleine b-/d-/g-Explosiönchen, Konsonanten wie ein platzender Kaugummi (Marke „bubble-gum“), und
rappen Sie dazu, im 3/4- oder im 4/4-Takt, mit allen möglichen Vokalen. Üben Sie das, bis Sie richtig im Rhythmus
sind und es schön deutsch klingt:

3/4-Takt 4/4-Takt
bababa dadada gagaga babababa dadadada gagagaga
bebebe dedede gegege bebebebe dededede gegegege
bibibi dididi gigigi bibibibi didididi gigigigi
bobobo dododo gogogo bobobobo dodododo gogogogo
bububu dududu gugugu bubububu dudududu gugugugu
bäbäbä dädädä gägägä bäbäbäbä dädädädä gägägägä

5 Noch ein bisschen internationale Geografie – und sprechen Sie dabei deutsch. Vergleichen Sie die deutschen
Namen mit Englisch oder mit Ihrer Muttersprache:
Bulgarien Dänemark Belgien Grönland Griechenland Guatemala Ghana Bali Goa Buenos Aires 
Boston Barcelona Bern Bordeaux Birmingham Bagdad Bari Genua Danzig Breslau Brüssel
Berlin Bonn Bielefeld Düsseldorf Dortmund Bremen Dresden Bamberg Bayreuth

6 Für Spanier, Lateinamerikaner, aber auch für Japaner wichtig: Bei manchen Wörtern kann es ein b-w-Problem
geben, also ein [b]-[v]-Problem (   58):
bald Wald Bohnen wohnen Band Wand Beil weil Bass was bieder wieder Bein Wein
Besen Wesen

  Türen zur Grammatik: best. Artikel; Relativpronomen; Konjunktionen; 


  Verwandte Seiten: 43, 44, 46, 47, 58 Präpositionen bei, gegen, durch; trennbare Vorsilben; Wortbildung

W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag 49


46 Am Ende wirds richtig hart: „Auslautverhärtung“ von -b, -d, -g
Ein wichtiges Ausspracheprinzip: Harter, stimmloser Silbenauslaut!

1 Auslautverhärtung
Wichtige Wörter:
Die weicheren/etwas stimmhaften Konsonanten b/d/g (   45) wer-
den in der Position am Silben- oder Wortende ziemlich hart ausge- sind und ab- weg- endlich 
sprochen (   44.1, Ebene 10: + 80 %); man nennt das „Auslautverhär- gründlich Kind Weg Hund
tung“. rund gesund …
Die p/t/k-Laute in dieser
ab [ap*]
„verhärteten“ Auslautpo-
weg [wek*] sition sind fast so hart wie
und [unt*] bei Wörtern mit -p, -t, -k
(wie: schlapp, hat, Glück).
* = kleine Luftexplosion

Fragen Sie eine/n deutsche/n Bekannte/n nach der Melodie des be-
rühmten Film-Songs von und mit dem Kabarettisten Heinz Erhardt:
Fährt der alte Lord fort, fährt er nur im Ford fort …
… fährt er nur im Ford fort …
2 Sprechen Sie die Wörter am Ende mit deutlicher „Auslautverhärtung“:
ich glaub ich hab ich schreib ich bleib ich trag ich sag ich red ich lüg
trüb Leib Lob weg Weg Sieg Rad fad Geld Grund Bad Hand Band

3 Deutsch und nicht deutsch


Sprechen Sie die folgenden Wörter erst deutsch, dann nicht deutsch (z. B. „russisch“, „französisch“, „englisch“).
Das Problem liegt in der Mitte der Wörter, am Ende der ersten Silbe:
endlich grundlos endlos Endnote Bad Nauheim Wegrand leblos

4 Der Trick, wenn hart und weich aneinanderstoßen: Folgt auf einen solchen verhärteten Auslaut eine weich an-
lautende Folgesilbe, gibt es im Deutschen den Trick mit der „Spannung – Entspannung, die man nicht hören
kann“, die man aber richtig interpretiert.
Sprechen Sie zuerst die drei Wörter mit hörbarer Luftexplosion (*) so:
ab*bestellen weg*gehen und*die

Und dann ohne Luftexplosion: hart, ganz stimmlos


abbestellen ['apb´…] ab p
Entspannung

und die ['UntdiÜ] und t


weg k
weggehen [vEkgeÜ…]
Der Trick dabei liegt in der harten konsonantischen Artikula- b bestellen
tion von p/t/k, die im Mundraum mit starker Spannung ange- d die
setzt wird (die können Sie zur Probe sehr lange anhalten), um g gehen
dann – durch Entspannung – wieder gelöst zu werden, sodass weich und etwas stimmhaft
man ohne * und ganz fugenlos „weich“ weitersprechen kann.

5 Ausdrücke und Sätze zum Üben:


eine rundliche Dame eine gründliche Arbeit Sie sind grundlos verärgert. Endlich kommst du. Und des-
wegen bist du weggegangen? Die Zeitung hab ich gründlich satt, die werd ich abbestellen. Mit dir möcht
ich endlos weitertanzen.

  Türen zur Grammatik: sein (sind); und; erste Person Präsens/Konjunktiv II von Verben mit -b, -d, -g 
  Verwandte Seiten: 44, 45, 47 am Ende der Stammsilbe; trennbare Vorsilben; Wortbildung: zusammengesetzte Wörter

50 W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag


Am Ende: Hart bleibt hart, stimmlos bleibt stimmlos
47
Ein wichtiges Ausspracheprinzip: Harter, stimmloser Silbenauslaut!

1 Harter und stimmloser Auslaut am Silbenende


Harte/stimmlose Konsonanten am Silbenende sind und bleiben immer hart/stimmlos bzw. stimmlos („Auslaut-
härte“).
hart und stimmlos: [-t]: satt [-p]: Krupp [-k]: Stück
stimmlos: [-f]: Wolf [-S]: Fisch [-x]: wach [-ç]: ich [-s]: was Hass

2 Regel: Auch wenn ein weicher, stimmhafter Konsonant oder ein Vokal folgt: Hart und stimmlos bleibt hart und
stimmlos.
Harte/stimmlose Konsonanten am Silben- oder Wortende bleiben immer hart und stimmlos, auch wenn es mit
einem stimmhaften Konsonanten weitergeht:
nicht der atmen Hypnose Die Deutschen lieben’s
glücklich Nachbar Fischgeruch offenbar hinten hart!
Wolfgang Aufgabe Was sagst du?
Erasmus Aasgeier Hassgefühl
Viele Deutschlernende neigen hier zur Aufweichung der harten und stimmlosen
Silbenauslaute.

Gute Beschreibung für Deutsch: „Hart bleibt hart,


stimmlos bleibt stimmlos.” oder: „Hart wird nicht weich
gemacht, stimmlos wird nicht stimmhaft gemacht.”
Das ist klarer als „progressive” oder „regressive
Assimilation”.

3 Beispiele:
hart weich/leicht stimmhaft hart weich/leicht stimmhaft hart weich/leicht stimmhaft
-d/t -g Entgelt -ch [ç] -g ich gehe -sch -g Fischgeruch
-b entbehren haltbar -w ich war -b waschbar
-d ist das ist die -l ich liebe ich lasse
-f -g Wolfgang Aufgabe
-n ich nehme
-b/p -g abgeben Abgang -w aufwärts Aufwind
-m ich mache
-b abbestellen -m aufmachen
Topgewinn -ß,-ss -s und fraß sie dass sie -n Aufnahme
-d abdecken Obduktion -s -d dass die das da -l Auflage
-l maßlos -d auf die
-g/ck -g weggehen Stückgeld
-r ausreden es reicht -r aufregend
-b Glück bringen
-g es gibt es geht
-ch [x] -b Nachbar machbar -w es war es wird
-g Dachgarten -b es besteht
-w Bauchweh -n dass nur
-n Nachname -m das macht
-l Nachlass

4 Noch ein paar Ausdrücke und Sätze zum Lesen und Sprechen (Die Problemzonen sind unterstrichen.):
Die Aufgaben sind machbar, Herr Nachbar. Wolfgang, ist das nur Fischgeruch oder ist das Mundgeruch?
Erst das Ende des Kommunismus, jetzt das Ende des Kapitalismus. Ich bin Waschbär, ich leide unter Nasch-
gier. Wenn ich die Aufgabe nicht löse, bekomme ich Bauchweh. Es reicht, das sind alles Ausreden.

  Türen zur Grammatik: bestimmter Artikel; es; ich; ist/hat; Verbformen mit -t; Präpositionen; 
  Verwandte Seiten: 42, 43, 60–62 dass-Sätze; was-Fragen; trennbare Vorsilben; Wortbildung: zusammengesetzte Wörter

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48 Keine angehängten Vokale bitte!
„Sprossvokale“ – Dase klingte ganze schlechte!

1 Endungen auf -e [´] haben im Deutschen wichtige morphologische, grammatische Funktionen.


Sie zeigen an:
Nomen: Ziege Riese Wiese Liebe Ganz
Plural: Schränke Tische Stühle wichtig!
Feminine Formen: eine schöne Frau
1. Person Singular Präsens (   14.2, 63.1): ich komme ich gehe
1./3. Person Singular Konjunktiv II (   14.2, 63.1): ich hätte er ginge
1./3. Person Singular Präteritum: ich hatte er machte ich heiratete

2 Deshalb -e [´] nur dort, wo -e [´] hingehört. Und sonst nicht! Niemals! Ganz verboten! Besonders wichtig für
Sprecher aus Italien, Spanien, China, Japan, der Türkei und manchmal auch aus anderen Ländern! Sprechen Sie
die „italienisch“ aussehenden Sätze, aber richtig auf Deutsch:
Die Stadte iste nichte so schmutzige. die juristische Fakultäte
Meineautoisteganzekaputte. Sie iste ganze fertige mite derarbeite.

Sprechen Sie noch einmal, indem Sie nach dem konsonantischen Auslaut ganz langsam eine kleine – stimm-
lose – Luft­explosion (*) produzieren:
Die Stadt* ist* nicht* so schmutzig*. die juristische Fakultät*
Mein* Auto ist* ganz* kaputt*. Sie ist* ganz* fertig* mit* der Arbeit*.

Und dann noch mal flüssig, auf gut Deutsch:


Die Stadt ist nicht so schmutzig. die juristische Fakultät
Mein Auto ist ganz kaputt. Sie ist ganz fertig mit der Arbeit.

3 Es gibt auch keinen Platz für irgendwelche Laute auf -i oder -o- oder -e oder -u, wo sie nicht hingehören. Nie-
mals! Absolut verboten! Auch für Menschen aus Japan, China, Vietnam, der Türkei! Sprechen Sie die „japanisch“
aussehenden Wörter und Sätze in gutem Deutsch:
Ichi bin nicheto ini die Scheweize gereiseto.
Dase schemecketo nichiti guto.
75: Fünufundusibizichi Das klingt alles
Er hata michi nichtu besucheto. ganz schrecklich!
Eso isti jetozuto Herobisto.
Der Hausomeisetero isto heute nicheto ime Dienesto.
Üben Sie konsonantische Silbenauslaute und Konsonantengruppen ganz
langsam, ganz sensibel, ganz exakt, so lange, bis es Ihnen gelingt.

4 Noch ein paar Sätze zum Üben für alle, die es brauchen:
Das Glück kommt zuletzt. Die Stadt ist seit dem Krieg ganz kaputt. Der Hut ist jetzt ganz platt. Der Hut
sitzt nicht ganz fest. Sport ist Mord. Er ist Professor am Sportinstitut. Er studiert Betriebswirtschaft.
Sie ist nicht alt, sie ist noch jung. Der Angsthase heißt Angsthase, weil er immer Angst hat.

  Türen zur Grammatik: gesamte Morphologie; Personalpronomen; ist, hat, 3. Person Singular Präsens; 
  Verwandte Seiten: 42–47, 60, 63 Konjunktiv II; Partizip II auf -t; und; nicht; das/dass; Wortzusammensetzungen

52 W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag


p–t–k
49
Mit nicht zu viel und nicht zu wenig Luft!

1 Wie viel Aspiration ist richtig? Geben Sie den Beispielen „Peter, Tom und Carol“ und „Karla bei einer Tasse Tee“
a) einen britischen „Oxford-Englisch-Klang“: sehr stark aspiriert    14.1, Ebene 12
b) einen „sächsischen“ oder „fränkischen“ Klang: ganz weich, fast b, d, g
c) einen hochdeutschen Klang: mittelstarke Aspiration, nicht zu viel, nicht zu wenig.    14.1, Ebene 10

2 Wiederholen Sie die Übung „Zettels Flug“.    44.2

3 Wie hart – wie weich ist richtig? Geben Sie dem Satz: Peter arbeitet den ganzen Tag mit dem Computer und im
Internet.
a) einen „amerikanischen“ Klang: ziemlich weich
b) einen „fränkischen, Nürnberger“ Klang: ganz weich, fast b, d, g
c) einen hochdeutschen Klang: mittelstarke Aspiration, nicht zu viel, nicht zu wenig.

4 p – t – k auf Deutsch mittelstark aspirieren! Sprechen Sie abwechselnd englisch (britisch) und deutsch:

a cup of tea eine Tasse Tee Kiss me, Kate. Küss mich, Katja.

it can happen es kann passieren Peter is a killer. Peter isst im Keller.

Sprechen Sie abwechselnd „spanisch“ und „deutsch“:

Pedro Peter colonia Kolonie, Köln

comercio Commerzbank técnica Technik

cacao, café Kakao und Kaffee colegio Kolleg, Kollegen

5 Das hat auch was mit st-/sp- und mit z zu tun.    56, 57
Wenn z. B. die Schwaben richtig Hochdeutsch sprechen wollen, wird die Aspiration manchmal übertrieben stark
(so wie britisch). Sprechen Sie zuerst übertrieben aspiriert, dann aber wieder hochdeutsch korrekt die Wörter
und Sätze:
Der Student studiert in Stuttgart, und zwar
Straßenbau, nicht Sprachwissenschaft.
Treiben Sie Sport? Ja, ich spiele Tennis im Tubist
Musik und Text: Pigor
städtischen Sportzentrum.
Stocksteif stand er da und stotterte, er war Tubist, du bist Tubist
völlig sprachlos. Und du bist immer der Tubist der du bist
spitze Steine stumme Sterne 22 Zähne Ob dein Bass die Pest und du der Bastard der Bassisten bist
In Köln tobt am Karneval der totale Terror. Oder du der beste Tubist auf der Piste bist
Ob dich der Boy mit dem Busterbass im Studio disst*
Ob sich der Pastor im Bus über deinen Bass bepisst
6 Noch ein paar Sätze zum Üben: Weil deine Tuba partout nicht in den Postbus passt
Liebe Mutter, bitte, bitte, auf den Toast Ob du der Boss oder ob du bloß der Bubi bist
bitte viel mehr Butter! Bei dieser Tem- Du bist der Tubist der du bist
peratur eine Tasse Tee trinken?  tausend * Jugendsprache: diskriminiert, mobbt
Touristen auf der Titanic Tausend Küsse,
CD „Pigor singt – Benedikt Eichhorn muss begleiten – Vol. 6“ (roofmusik), www. pigor.de/tubist
Dein Thomas. Was für ein toller Traum: Mit
Tina Turner einen tollen Tango tanzen.

  Türen zur Grammatik: Zahlen mit 2, 10, 1000; Verben, 3. Person Präsens Singular; 
  Verwandte Seiten: 42–48, 50 Präteritum und Partizip II der t-Klasse

W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag 53


50 Siebenmal [k]

1 Übersicht: Sieben verschiedene Schreibweisen für [k]:

k König Karl der Kleine hat kolossale Kopfschmerzen.

g weg weglaufen Weg


[k] ck An der Ecke sitzt die Zecke und wartet auf den Zuckerbäcker.

c Carlo trinkt mit Caroline in Cannes Coca-Cola.

[ks] chs sechs wachsen wechseln Fuchs Lachs Luchs Dachs

x Max extra exakt Xaver


[kv] qu quer Qual Qualität Aquavit    58

2 Ein verwirrendes Schriftbild: ch und ck


Lesen Sie zuerst alle Sätze, ohne Stimme, aber sehr aufmerksam und mit Konzentration. Sprechen Sie dann die
Sätze und achten Sie auch darauf, dass hinter [k] die Endung -en zu einem [kN] wird, statt [-k´n] oder [-kn]
(   15):
backen stecken stechen Stöcke Wochen Locken
Wichtige Wörter mit -chs:
lachen lächeln lecken rächen Röcke machen 6 wachsen wechseln
Becher Bäcker zunächst nächtlich nackt nachts verwechseln  zunächst
nach hoch höchst- hocken Macken Ticks nächst-  demnächst  höchst- 
nächstens höchstens Machs noch mal, Max. Wachs wach höchstens Wachs  Fuchs
Lachs
Hecke Hexe Gewächs Gedächtnis verwechseln rechts
Lernen Sie zwei Zeilen auswendig, üben Sie das fehlerfreie Nachsprechen.

Kein Grund zur


Und noch ein paar Sätze:
Verwirrung!
Nachts bin ich manchmal nackt und manchmal nicht.
Wenn mein Wecker mich morgens wecken will, dann lächle ich und
verstecke mich unter der Decke.
Beim Bäcker kaufe ich sechs Wecken und sechs Brötchen, lecker,
lecker!
Der Bäcker backt Kuchen mit viel Zucker; darf ich mal versuchen,
darf ich mal dran lecken?
Tischlein deck dich, Esel streck dich, Knüppel aus dem Sack!
(aus einem Märchen)

  Verwandte Seiten: 15, 44, 46–49, 51–53, 60   Türen zur Grammatik: Zahlen mit 6; Steigerung (Superlativ); internationale Wörter; Orthografie

54 W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag


Das ch-Schema
51
1 Übersicht: Machen Sie sich die vier möglichen Klänge der Schreibweise -ch- klar:

[ç] Manchmal liebe ich dich wirklich nicht richtig, mein Eichhörnchen.

[x] Ach, mein Bauch ist doch noch da.


Buchstaben
Ganz ähnlich ist das „r3“ in: kratzen, springen, tragen. (   31–33)



ch
[k] Fuchs Lachs Dachs sechs wechseln am höchsten höchstens
(Das klingt wie die Aussprache von -x in: Max Praxis extrem)

[j] in der gesprochenen Sprache nach ß/ss/s/z/sch ([-s] [-ts] [-S]):


ein bisschen Küsschen Lieschen Kätzchen Fläschchen

2 Spielen Sie ein bisschen mit den Zahlen:


Wichtige Wörter:
6 16 66 20 30 36 66 40 50 60 66 70 76
80 86 66 99 616 666 hoch höher am höchsten höchstens
Jahreszahlen: 1616 1660 2006 2016 nach nächst- nächstens
„Route 66“ heißt auf Deutsch „Fernstraße 66“. alle Zahlen mit 6: 6, 16, 56, 6666 …
Sechzehn ist schöner als sechzig oder sechsundsechzig. wachsen verwechseln
Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an, mit 66 Jahren, da hat Dach Loch Bauch
man Spaß daran. (Songtext von Udo Jürgens) mich dich sich
durch manch- solch- manchmal

3 Sprechen Sie den Anfang des Märchens, achten Sie auf die -chs- und -j-Laute, und wenn Ihnen was einfällt,
fantasieren Sie noch ein bisschen weiter …

Ein 
Dachs und ein Luchs liefen durch den Wald. Sie wollten
am Fluss Lachse fangen. Es war ein schöner Tag zu erwar-
ten, und der Dachs hatte sogar ein Fläschchen Rotwein
mitgebracht.
Da trafen sie an einer Wegkreuzung den Herrn Fuchs, der mit seiner
Freundin, einer jungen Füchsin, auch unterwegs war. Die beiden sahen
sich so ähnlich, dass man sie hätte verwech-
seln können, der Fuchs hatte lediglich einen © ems74/PIXELIO
etwas buschigeren Schwanz, und die Nase der Füchsin war ein bisschen länger als die
des Fuchses. „Guten Tag, Herr Dachs, guten Tag, Herr Luchs“, sagte der Fuchs mit ein
bisschen zu viel Höflichkeit. „Wohin des Wegs?“ – „Wir wollen am Fluss Lachse fangen“,
sagte der Luchs. Und der Dachs sagte: „Kommen Sie doch ein bisschen mit, Herr Fuchs,
dann machts mehr Spaß!“ Da flüsterte der
Fuchs seiner Füchsin etwas ins Ohr. Er gab ihr
noch ein kleines Küsschen, und im nächsten
Moment schon war sie verschwunden.
„Jetzt wird es aber höchste Zeit, dass wir
zum Fluss kommen“, sagte der Luchs, und der
Fuchs ging mit dem Dachs und dem Luchs
zum Fluss. Als sie am Fluss ankamen, … © Anguane/PIXELIO

(Wer weiß, wie die Fuchs-Dachs-Luchs-Lachs-Geschichte am Ende ausgeht …


© dieter haugk/PIXELIO Sie können sicher ein bisschen weitererzählen.)

  Türen zur Grammatik: Superlativ; Zahlen; möchte; Singular/Plural von Wörtern mit -ch; 
  Verwandte Seiten: 44–47, 49, 50, 52, 53, 60, 65 Steigerung von Wörtern wie hoch

W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag 55


52 ch-Spiele: Ichchch liebe dichchch nichchchchcht!

1 ch [ç] mit „Cheese-Gesicht“


Machen Sie ein breites, grinsendes „Cheese-Gesicht“, so breit wie möglich; Sie spannen
damit Ihre Backen nach beiden Seiten; dadurch werden die Lippen ganz breit und ge-
spannt, auch die Zunge kann schön flach und breit werden, der Mundraum wird flach.
Blasen Sie jetzt ruckartig, in kleinen heftigen Stößen, Luft durch den Mund. So klingt
ch [ç] (manche sagen dazu „ich-Laut/ich-Klang“). Sprechen Sie jetzt die Wörter, indem
Sie den ch-Laut mit viel Luft scharf herausstoßen – es soll wirklich pfeifen und zischen:
echt schlecht feucht gerecht nicht richtig reich

Ernst Jandl, poetische Werke, hrsg. von Klaus Siblewski, © 1997 Luchterhand
2 Wo das ch so richtig pfeift: auf der flachen Zunge ganz vorn. Lassen Sie das [ç] ganz vorn Ernst Jandl

Literaturverlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH


so richtig über die flache Zunge pfeifen. Holen Sie tief Luft und werden Sie mit dem pfei- dich
fenden Luftstrom immer stärker, so wie im Schaubild: dich

ch ch
dich
Das ist echch chchch t  schlechch chchch t. dich
dich
3 Rezitieren Sie doch mal laut das Jandl-Gedicht: Ich mein’, das Jandl-Gedicht, das ist doch dichtung
echt nicht schlecht, das Gedicht, mein’ ich! richtung
4 Vom [j] zum [ç] – Sprechen Sie die Wörter: ja Jakob jeder Jerusalem Johannes ich
ich
Sprechen Sie jetzt nur das [j] aus; Sie machen dabei ein breites „Cheese-Gesicht“. Spre-
ich
chen Sie das [j] mit einem e- oder i-artigen Ton. Blasen Sie dann stoßweise ruckartig Luft
aus dem breiten, flach geöffneten Mund. Spielen Sie mit diesem hellen Luftstrom oder ich
Luftton auf rhythmische Weise: Sie produzieren den perfekten [ç]-Laut. ich

5 Kinn fest auf den Arm stützen, Mund wird flach. – Stemmen Sie Ihren Ellbogen auf den Tisch und Ihr Kinn fest in
die Hand; Ihr Mund wird zusammengepresst, er kann nicht aufgehen und keinen Hohlraum bilden. Dann wieder
das „Cheese-Gesicht“ und fest Luft zischen:
chchchch ichchchch michchchch dichchchch sichchchch echchchcht
Die Luft muss vorn und seitlich laut und hell zischen – pardon: „zichchchchen“.

6 „Amerikanisch“, „Französisch“, Deutsch: Sprechen Sie die Wörter aus Übung 2 noch einmal, aber ganz „amerikanisch“,
wie ein helles aspiriertes [kh], und machen Sie auch noch eine schöne Liebeserklärung: Ich liebe dich wirklich! oder
das Gegenteil: Ich liebe dich wirklich nicht! – Und dann auf „Französisch“ mit einem ganz weichen sch [Z].

7 Und noch ein bisschen „Chinesisch“ oder „Dänisch“ oder „Isländisch“: Sprechen Sie
abwechselnd Wörter und Sätze mit [ç] und mit [s] – achten Sie darauf, was Ihre
Zunge dabei tut: Wichtige Wörter:
ich ist mich Miss fressen frech lächeln lässig Kissen küssen Kü- ich mich dich 
che Löcher Schlösser Düsseldorf dicht Michel Michael vermissen  nicht  nichts (   65.1c) 
wissen wichtig bisschen richten Riss Richard möchte müssen  bes- durch  solch- manch- 
ser Becher Ich sehe dich, aber du siehst mich nicht. Schön, dass ich dich möchte sprechen 
lächeln sehe. Siehst du, Lächeln ist wichtig. Sie lächelte mir ins Gesicht. richtig  wichtig
8 Nun bitte wieder deutlich und richtig auf Deutsch: wirklich  20  30 40 
60  66 rechts  echt 
Richtig, gehen Sie nach rechts, das ist wichtig. Nichts da, ich liebe dich nicht, schlecht  leicht  reich 
wirklich nicht. Ich habe mich mir nichts dir nichts in dich richtig verliebt. weich
Mir reichts, du bist ein Wicht, ein Leichtgewicht, ein unwichtiges Nichts!
Ein Bleichgesicht kommt leicht aus dem Gleichgewicht.

9 Und das auch noch: Wörter auf -ig: Alle Wörter auf -ig (Adjektive, Nomen und die Zehnerzahlen von 20 bis 90)
spricht man – wenn keine Endung dazukommt – mit einem hellen „ich-Klang“ [ç]:
wenig lustig fleißig mäßig heftig König Käfig Honig 30 60 70 90
Und wie klingts, wenn eine Endung folgt (Plural, -en, -er)?
wenige lustiger fleißiger sich mäßigen heftige Könige Käfige
  Türen zur Grammatik: Personalpronomen ich, mich, dich, sich; Negation; Adverbien; 
  Verwandte Seiten: 50, 51, 53–56, 62 Zahlen 16, 20, 30 … 90, 60–69; Adjektive auf -ig, -lich

56 W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag


Ach, mach nicht so’n Krach!
53
1 Am besten können die Schweizer das -ch [x] im Rachen kratzen.
Kratzen Sie die Laute übertrieben fest und hart:
Ach, mein Bauch ist doch noch da.
Der Koch hat ein Loch im Kochtopf, jetzt kann er schon seit Wochen Haben Sie auch an
nichts mehr kochen. das „r3” gedacht, das
Ich muss immer lachen, wenn wir solche Sachen machen. „Kratz-r”?
   31–33

2 Franzosen, andere auch, tendieren dazu, den [x]-Laut (manche sagen


auch „ach-Laut/ach-Klang“) zu weich und etwas stimmhaft, reibend
auszusprechen. Sprechen Sie die Sätze in Übung 1 noch mal auf „franzö-
sische“ Weise – dann aber wieder richtig auf Deutsch: kratzend, ziemlich
hart und völlig stimmlos.

3 Im Hochdeutschen spricht man den [x]-Laut nur nach a- (machen),


o- (doch, hoch), u- (Buch) und au- (auch):
ach Krach machen doch noch hoch Stocherkahn Buch
Flucht  auch Bauch Kuchen versuchen brauchen kochen
fluchen

4 Im südlichen Sprachraum, in der Schweiz, Österreich, Oberbayern sprechen viele Leute den [x]-Laut auch in
anderen Positionen. – Sprechen Sie die Wörter erst regional; z. B. „schweizerisch“, dann aber wieder hochdeutsch:
ich mich durch manche solche durch mich lächeln echt schlecht Ich liebe dich. Ich liebe dich
nicht. Ich liebe dich nicht wirklich. Ich liebe dich nicht richtig. Ich liebe dich nicht wirklich richtig.

5 Bilden Sie die Pluralformen, Partizipien, Wörter mit -lich und -lein.
Pluralformen: Dach Bach Bauch Loch
Buch Schlauch Nacht Fach Wichtige Wörter:
Partizipien: sprechen brechen kriechen  ach auch doch noch machen lachen
möchte  bringen denken kochen besuchen versuchen  rauchen
Adjektive auf -lich: Nacht Woche schwach brauchen dachte brachte  sprach brach 
hoch schwach  Sachen Sprache Buch
Wörter mit -lein: Bach Bauch Buch Dach Loch
Nacht Woche  Kuchen Dach Fach Krach
Zahlen mit 8: 18, 28, 88 …

6 Sprechen Sie die Sätze:


Ich muss manchmal lächeln und manchmal lachen, wenn wir solche Sachen machen.
Der Koch kocht in der Küche und macht dumme Sprüche.
Als ich 18 war, habe ich viele Nächte mit Nachtwachen durchgebracht.
Ich ärgere mich noch und nöcher (umgangssprachlicher Spaßausdruck) über meine Studienfächer.
Ach, ich brauch einen Wacholderschnaps, weil ich doch noch acht Wochen alleine kochen muss.
Komm mich doch mal besuchen, um den Kuchen zu versuchen.

  Türen zur Grammatik: Zahlen mit 8; mögen, bringen, denken, riechen, sprechen; 
  Verwandte Seiten: 49–52, 54, 31–33 Plural/Adjektive von Wörtern mit -ch; Wortbildung

W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag 57


54 Hahahahahah … – Lach mal wieder!
100 Heinzelmännchen helfen 81 Einzelmenschen

1 Das Phänomen [h] im Deutschen: ein minikleines Lachen, ganz wenig Luft, ohne jede Anstrengung, ohne
Reibung oder Kratzen im Gaumen
Die Fehler: 1. zu viel Reibung, zu hart, ähnlich wie [x] (slawische Sprachen)
2. ein weicher Vokalanlaut statt h- und daher von Vokalen nicht zu unterscheiden (Franzosen,
Italiener)    41; Das kann zu Missverständnissen und Wörterchaos führen.
3. zu viel Luftverlust, Stress bei der Aussprache

2 Wiederholen Sie     Blatt 41.

3 Üben Sie das Lachen – für Ihre Gesundheit und für Ihre Aussprache, als tägliche Praxis, morgens vor dem Spiegel:
in ganz kleinen Portiönchen, quer durch alle Vokalklänge; rhythmisch oder einfach so zum Vergnügen. Lachen
Sie sich so richtig aus (Sie leben dann vielleicht auch länger.). Zählen Sie, wie viele kleine Luftstöße Sie mit einem
Atemzug schaffen: 20, 30 oder 50 und noch mehr?

4 „Rappen“ Sie im 4/4-Takt, im 2/4-Takt (Beat) oder im 3/4-Takt (Wiener Walzer); abwechselnd mit und ohne h-, durch
alle Vokalklänge:
4/4: ha-ha-ha-ha    a-’a-’a-’a    ho-ho-ho-ho    o-’o-’o-’o    hi-hi-hi-hi etc.
3/4: hi-hi-hi    i-’i-’i    ha-ha-ha    a-’a-’a    ho-ho-ho etc.

5 Sprechen Sie bewusst falsch, reiben und kratzen Sie dort (ein bisschen auf „Russisch“, „Polnisch“ oder „Tsche-
chisch“), wo ein lockeres, kleines h- hingehört. – Oder verausgaben Sie sich völlig (so, wie es Franzosen passiert,
die beim -h schnell zu viel Luft verlieren). Und dann bitte wieder richtig auf Deutsch:
Hannelore, heute habe ich Holz gehackt. – und nicht „russisch“: Channelore …
Heute hackt Hans hinterm Haus Holz. – und nicht „französisch“: Eute … oder Hhheute …

6 Und zum Abschluss noch ein paar hübsche Sätze, mit und ohne h-:
Wichtige Wörter:
Heidi kommt aus Hamburg, Ankunft am Flughafen um halb acht Uhr
abends. Hallo! Hey! hier her-
Hallo Hannelore, mir ist heut ganz heiß. hin- hinter- heim
heut(e) zu Haus(e)
Heut Abend geht Heinz Huber in ein Hamburger Hochhaus, um hier sein
haben heißen helfen
hübsches Häschen abzuholen.
holen halten heben
Hans und Anita haben heute den ganzen Himmel im Herzen. hoch heiß halb hart 
Heinz-Hubert hat heute seinen hundertsten Hip-Hop-Hit gehabt. Haus Hand Hund
Mit der Lufthansa von Hamburg bis Athen. Haut Hitze Himmel
Huhn Herr Herz Halt 
Wo ich meinen Hut hinhäng, da ist mein Zuhause. (Udo Lindenberg) Hut
Heut gibts keine Heinzelmännchen mehr, die bei der Arbeit helfen, heut Zahlen mit 100: 101
gibts fast nur noch gehetzte Einzelmenschen. 111  800 1989 …
Noch ein bisschen Geografie, mit oder ohne H-: Hamburg Heidelberg
Aachen Augsburg Hohenschönhausen Hannover Österreich
Ungarn Elmshorn Ansbach Albstadt Herne Halberstadt
Hechingen Echterdingen Hildesheim Horb Bad Orb von Eisenach
nach Heidenheim von Aalen nach Halle

  Türen zur Grammatik: haben; Partizip II (   44.1–3), Verben mit Vorsilben und vokalischem Anlaut; 
  Verwandte Seiten: 41, 16, 51–53 Vorsilben/Adverbien mit her- und hin-; Zahlen mit 100, Jahreszahlen

58 W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag


Was die Zunge sonst noch alles kann: säuseln, pfeifen und zischen
55
1 Mit dem s ist es wie mit dem Senf: Das s gibt es in drei Arten – es klingt
a) besonders mild (zwischen Vokalen): grasende Hasen [z] (viel Stimme)
b) mittel (Silbenanfang): Seite 6 und Seite 7 [s] (etwas Stimme)
c) scharf (Silbenende, bestimmte Wörter): was nass heiß [s] (ganz stimmlos)
Straße du hast Sex (engl.)

2 (a) besonders mild [z]: Säuseln Sie das Nonsens-Gedicht, so süß Sie
können, mit ganz viel Stimme. Es soll fast „französisch“ oder „russisch“ Wichtige Wörter a):
klingen: lesen gelesen gewesen 
Schau, ein Riese auf der Wiese, Keine Drüsen, sondern Düsen, rasen  blasen  reisen Reise
Sieh, die Hasen auf dem Rasen, Viel Getöse um das Böse, lösen, Lösung  leise weise
Rote Rose auf der Hose, Beste Pause ist zu Hause, Gemüse  Rose Hose Weise
Gute Speisen auf den Reisen, Schön gelesen, gut gewesen! Phase Phrase Pause zu Hause

3 (b) mittel [s]: Am Anfang gehts noch ein bisschen stimmhaft zu, aber
längst nicht mehr „französisch“ oder „russisch“. Sprechen Sie die Bei- Wichtige Wörter b):
spiele zuerst ganz „säuselnd“ (wie bei Übung 2), dann trockener, nur sie Sie sein sind so  sein/e 
noch mit ganz wenig Stimme, denn so klingt es auf Deutsch: selbst selber  Zahlen mit 6, 7,
Susis siebter Saisonsieg auf Seite sechs und Seite sieben 16, 17, 26, 27 seit seitdem
Susanne und ihre sieben Sachen sind so süß. sollen sehen  sagen Samstag 
der sechste Seitensprung von Siegfried Sauersaft Sonntag  Seite  Sand Süden 
Ich sah sie, seit sie so süße Sachen säuselte, sieben Mal. sauber süß sauer selten
Aber sonntags sah ich sie ganz selten. satt sicher

4 (c) scharf und ohne Stimme [s]: So spricht man


Wichtige Wörter c):
a) bei -ss- und -ß: dass nass heiß draußen Straße
b) bei -s im Auslaut: was das Glas das dass was es als
c) bei Kontakten mit stimmlosen Konsonanten: bis aus muss lassen 
du hast hat sie Gast riskant Aspirin lässt wissen  weiß heiß 
d) englische oder andere internationale Wörter: Sex Safe Samba nass heißen süß Haus
6 mal 6 = 36 sechsmal Softeis Sex von sechs bis sieben Geld im Maus  Hals  Maß Masse
Safe  dass sie hat sie ist sie ist so muss sie und fraß sie lässt Kasse Straße draußen
sich  ach, sagt sie was Glas das dass muss musste heißen
„Aus, die Maus!“

5 Für manche (z. B. Menschen aus China, aus Dänemark und Island) ist der Wechsel von [z], [s] und [ts] ein Problem,
aber auch Englischsprechende müssen üben. Sprechen Sie die Zahlen ganz schnell:
20 2 32 27 26 36 37 22 72 77 13 30 232 272 227 10 210 12 1222 32 272
Sprechen Sie die Zahlen noch einmal flüsternd, ohne Stimme.

6 Auch der Wechsel von [z], [s], [ç] und [S] ist ein Problem:
Ich sehe diese sieben schönen Mädchen und staune.
Mädchen, ich liebe dich nicht, auch nicht ein bisschen.
Das hat er so schnell gesagt, dass ich staunen musste.
Ich habe in Lausanne und in Zürich Französisch studiert.
Und dann zeigte er ihr seine sensiblen Reflexzonen.
Was Susi sagt, ist sicher richtig, aber ganz schön abstrakt.
Die Sozialdemokratische Partei Schwedens ist gar nicht sehr sozialistisch.
Die Studenten in Deutschland und in der Schweiz sind selten sehr sozial engagiert.

  Türen zur Grammatik: Pers.- und Poss.-Pronomen; sein; es; das; Zahlen mit 6 und 7; Präpositionen; 
  Verwandte Seiten: 47, 52, 56, 57, 60, 62 Konjunktion dass; Kasus bei Artikel, Adjektiv, Nomen; Fugen-s; Relativsätze; Plural u. a.

W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag 59


56 Das „z“: Fünfmal [ts]

1 Übersicht: Das z-Phänomen: Fünf Schreibweisen für [ts].


Dieser deutsche Buchstabe ist ein Zusammenklang aus zwei Wichtige Wörter:
stimmlosen Konsonanten: zu zwischen zu- zusammen  zu viel
zu sehr zugeben Zufall  Zustand
(z) = [t] + [s], aber nicht: [d] + [z] zustimmen zer- zerstören zerfallen
ziehen  zeigen (be)zahlen setzen sitzen 
Also: Sprechen Sie „mit Schmackes“, also schön scharf, ener-
kratzen  putzen Zahlen mit 2 und 10, also: 14,
gisch und völlig ohne Stimme. Vor allem das -t- im Doppel-
22, 32 jetzt  zuletzt  Zeichen Zeit Zimmer 
laut muss hart genug artikuliert werden; man muss es gut
Ziel  Satz  Zug Holz Salz stolz spitz
hören können, dann wird das -s-Element von selbst scharf.
Wörter mit -tion: Nation rational
Schreibweisen und Beispiele:

z Zum Verzweifeln: zweiundzwanzig Zähne zu wenig!

tz Kritzekratze kratzt die Katze.

[ts]
zz Pizza Pazza in der Pizzeria, aber bitte pizzicato!

c Cicero und Cäsar kamen aus dem Erotikcenter und hatten


keinen Cent mehr in der Tasche.

-ti- Sei kein Nationalist, sei lieber ein Rationalist.

2 Zweiundzwanzig Zahlen – immer mit z-Energie! Üben Sie mit schnellen Zahlenwechseln:
20 2 33 27 26 36 37 22 72 77 13 30 232 272 227 10 210 12
1222 32 272 2222 …
Flüstern Sie die Zahlen noch einmal, leise, ganz ohne Stimme.

3 „Cent“ oder „Zent“ – Englisch und Deutsch im Wechsel?


Klären Sie im Englischen und im Deutschen Sprechweise und Schreibweise:

Elizabeth – Elisabeth New Zealand – Neuseeland


zoo – Zoo zebra – Zebra
celebrate – zelebrieren center – Zentrum
circus – Zirkus Celsius – Celsius
certificate – Zertifikat to realize – realisieren
organization – Organisation cent [sEnt] – Cent

4 Noch ein paar schöne Beispiele:


Zeit für siebenunddreißig Zigaretten aus Neuseeland
Ich putze meine 22 schmutzigen Zähne jetzt mal mit Soda, Sand und Seife.
Bezahlst du den Sekt, dann bezahle ich die Sahne und die Zwiebeln.
Wir sind zusammen 17 Sänger, und jetzt singen wir zusammen zwei Serenaden.
Cicero und Cäsar gingen zusammen in den Zirkus, Cicero hatte eine Zigarette im Mund und Cäsar trug einen
Zylinderhut, aber keiner hatte einen Cent.
„Wann fährt der Zug nach Leipzig?“ – „Um 22 Uhr 02.“ – „Oh Mann, dann wirds aber Zeit!“

  Türen zur Grammatik: Zahlen mit 2 und 10; zu in allen grammatischen Funktionen (Präposition, 
  Verwandte Seiten: 29, 47, 55, 57, 60, 62 Konjunktionen; Steigerung, Wortbildung); zusammen; Vorsilbe zer-; Infinitivsätze

60 W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag


sch-Spiele [S]
57
1 Meditationsübung: zen-buddhistisches Wasserrauschen
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen unter einem Wasserfall oder einer Dusche, „Sprache” ist eins der
und das Wasser rauscht ganz tief und ruhig über Sie hinweg. Sie sind ganz schwierigsten Wörter in
ruhig und entspannt. Sie hören das Rauschen des Wassers. Sie beginnen
der deutschen Sprache!
ganz leise und langsam, so tief wie möglich, das Rauschen des Wassers mit
Ihrer Stimme zu imitieren. Üben Sie das ruhige, tiefe -sch- so lange, bis es
richtig ruhig und tief klingt.

2 Nicht auf die Zunge beißen!


Stellen Sie beide Kiefer, also alle Zähne aufeinander und sprechen Sie in die-
ser Position ein schschsch und dann Wörter wie: Schaf Schande schauen
schlafen. In Wirklichkeit brauchen Sie die Zähne nicht ganz aufeinanderzu-
stellen, man lässt ein bisschen Platz. Machen Sie sich klar, dass Sie beim [S]
zwei Bewegungen machen müssen:
a) Die Lippen stülpen sich weit nach vorn.
b) Die Zungenspitze hat vorn bei den Zähnen nichts zu suchen, sie muss
weiter hinten im Mund „versteckt“ werden, sie muss sich im Mund
zurückziehen.

3 Trick: Bilden Sie mit Daumen und Zeigefinger einen möglichst großen Kreis, wie ein O.
„Stülpen“ Sie die Lippen o-förmig in den Kreis hinein, ziehen Sie die Zunge ganz nach
hinten; machen Sie ganz tief: schschschsch … 
Gehen Sie mit der Zunge nach vorn zu den Zähnen: ßßßßß – Der Ton wird ganz hoch [S] [s]
und scharf. Spielen Sie die Geräusche mehrfach vor und zurück.

4 Genießen Sie die schschschschöööönen Wörter. Übertrei-


ben Sie das [S], indem Sie bestimmte Wörter mit viel Liebe Wichtige Wörter:
sprechen, ganz leise, ganz lang, ganz intensiv:
zwischen schon schön stark sprechen
schschschschöööön schschschschaaaade Sprache Stimme Stein stellen bestimmt 
Schschschschokolade So eine Schschschschande! stehen studieren scheinen  Schein
Schschschschuuuule So eine Schschschschei … schade Schokolade Schule Student
(pardon!) schreiben klatschen deutsch

5 Die Musik der altmodischen WC-Spülung


Stellen Sie sich die folgende Szene vor: Ein Arbeitermietshaus, Baujahr 1900, mehrere
Stockwerke. Es gibt schon WC, aber diese Räume befinden sich zwischen den Etagen im
Treppenhaus, es sind schmale, hohe, kleine Räume. Ganz oben hängt eine Wasserschüs-

[S] [ç]
sel aus Eisen für die Wasserspülung, daran eine Metallkette mit Griff. Wenn man zieht,
rauscht das Wasser zum Spülen herunter. Danach füllt sich oben die Schüssel wieder: Erst
rauscht es ganz tief, sch-artig, aber der Klang wird immer heller, je voller die Schüssel
wird, bis er ganz hell, ch-artig, endet. Spielen Sie die­se Klangveränderung phonetisch
nach: mit ganz viel Luft, vom schschsch … bis zum hohen, hellen chchchch … (Ihr Ge-
sicht wird sich dabei bis zu einem breiten „Cheese-Grinsen“ verändern!).

6 Hamburg grüßt Stuttgart


Machen Sie sich über die Dialektfärbungen der Hamburger und der Schwaben lustig:
Wenn der Hamburger sich an einen spitzen Stein stößt (jeweils mit scharfem, stimmlosen [s]),
dann ischd dr Schduddgardr högschd fruschdrierd.

  Türen zur Grammatik: Verben: ist, hast; 2. Person Singular Präsens/Präteritum: 


  Verwandte Seiten: 51, 52, 55, 60 bist, hast, hattest; stehen/stellen/sprechen …; Superlativ; schon

W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag 61


58 f – ph – v – w; qu: Die oberen Zähne auf der Unterlippe, mit Luft oder mit Stimme

1 Die oberen Zähne auf die untere Lippe: [f] fest Luft durchblasen
[v] locker Ton durchsingen
Dabei geht es im Deutschen ein bisschen unsystematisch zu: zwei Klänge [f] und [v]; drei Buchstaben f, v, w;
noch mehr Schreibweisen: für [f]: f, ff, ph, v
für [v]: v, w
und mit [k]: qu
Sprechen Sie die Wörter:
f: laufen fahren fatal fallen schlafen Schaf Strafe Foto
Frau Friseur

[f]
ff: schaffen Affe Giraffe Kaffee schlaff straff hoffen offen
ph: Philosophie Physik Paragraph Phonetik Phrase Phase
v: von vor vergessen verlieren

Schreibproblem
verlegen verheiratet Vater Hannover
verstehen vorüber voran vier Vers
v = [f]

v: Vase Karneval Verb verbal versiert


Hannoveraner Havarie verifizieren v = [v]
[v]
Varieté Varietät  variieren
w: wer wo was wenn wann wie warum wohnen wählen
Wahnsinn womit  woran wofür weil wollen  weiß  weit
wichtig

[kv]

qu: quer Qualität Quantität Quark  quasseln Quatsch
Quantum Querulant Querelen  sich quälen

2 [v] (= deutsch: w) muss mit den oberen Zähnen auf der unteren Lippe gesprochen werden („labiodental“), nicht
zwischen Ober- und Unterlippe („bilabial“).
Sprechen Sie die Wörter im Vergleich englisch und deutsch:

Wow! wauwau white weiß quantity Quantität


why weil quality Qualität quick Quecksilber
when wenn to quit Wir sind quitt! quarrels Querelen
where wo, wer

Ähnlich sind die Unterschiede der spanischen/lateinamerikanischen Sprechweise und der deutschen bei Namen
wie: Havana/Havanna Venezuela.

3 Trick: Wer Schwierigkeiten mit dem deutschen [v] = w hat: Halten Sie sich mit dem Daumen die Oberlippe nach
oben – dann klingt Ihr [v] sofort richtig deutsch.

4 Um [b] = b und [v] = w deutlich zu unterscheiden, wiederholen Sie    45.6.

5 Ein paar schöne Sätze zum Sprechen mit lauter Stimme:


Der, die, das – wer, wie, was – wieso, weshalb, warum – wer nicht fragt, bleibt dumm!
(Titelsong der Kindersendung „Sesamstraße“)
Wer würde nicht gern hin und wieder in Venedig verweilen?
Wer die Wahl hat, hat die Qual, das ist eine wahre Lebensweisheit.
Was quasselst du da, du Quatschkopf?
Wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wär, wär mein Vater Millionär. (Kindervers)

  Türen zur Grammatik: Fragepronomen, w-Fragen; indirekte Fragesätze; Vorsilben ver-, vor-; 
  Verwandte Seiten: 19, 29, 30, 44, 45 Präpositionen von, vor; Vergleiche mit wie; Relativsätze; wollen, werden, wissen

62 W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag


Junge Journalisten in Jeans auf der Jagd nach Reportagen
59
1 Hier gibt es ein bisschen französisch-englisch-lateinisch-deutsche Konfusion, die aber gleich geklärt wird:
1. Der [j]-Laut kann mit j- und mit -i- geschrieben werden (und sogar mit ch    51):
jung ja je jeder Jura Jod Jahr Januar Juni Juli jagen Nation rational

[j] Portion Station ionisieren idiotisch


und (gesprochen): ein bisschen ein Kätzchen    51.1

2. Den [Z]-Laut schreibt man mit j-; mit g- nur bei Wörtern, die aus dem Französischen stammen und bei denen
das Französische (auf Deutsch) imitiert wird:
Journalist Etage Blamage Reportage Genie couragiert Jalousie Jury
[Z] Engagement Orangen Ingenieur

3. Der Doppellaut [dZ] wird bei Wörtern gesprochen, die aus dem Englischen stammen, bei denen das Englische
(auf Deutsch) imitiert wird:
joggen Jeans Gentleman Jazz Job Joint Jetset jetten

[dZ]
2 Was lernen wir daraus? Die „deutsche“ Aussprache bewegt sich im europäischen Kontext.
Die Wörter stammen zum Teil aus lateinischer Quelle (Jura Januar Juni Juli rational), teils aus deutscher
Quelle (ja jeder je), teils aus französischer Quelle (Engagement Reportage Journalist Ingenieur Oran-
ge), teils aus englischer Quelle (Job Gentleman Jet). Das hat sich im Lauf der Sprachgeschichte so ergeben
(und es kommen weitere Wörter hinzu – heute vor allem englisch-artige). Aber die deutsche Aussprache ist im-
mer festgelegt – genial (mit [g]), aber Genie (mit [Z]). Warum? Wer weiß das schon.
Das muss man einfach akzeptieren. Man wird gelegentlich (beim Lesen) stolpern, aber es zeigt die Einbindung
des heutigen Deutsch in den europäischen Rahmen, und es ist ja auch sehr amüsant. Am besten: Zuhören und
nachsprechen! Sie werden auch – nicht ganz gut Hochdeutsch sprechende – Deutsche finden, die die Wörter
sehr komisch aussprechen: Job wie jung; Jeans wie Tschienz; orange wie orangsch; Journalisten wie Dschurnalis-
ten. Aber das klingt nicht so gut.

3 Sprechen Sie die Sätze:


Die jungen Journalisten haben einen stressigen Job und jetten von Termin zu Termin, um ihre Reportagen zu
machen.
Sein Juraexamen war eine einzige Blamage, einen Job wird er so schnell nicht bekommen, nicht im Januar
und nicht im Juli.
Das war wirklich genial, du bist ein richtiges Genie.
Die Aufdeckung des Skandals ist der Reportage eines couragierten und engagierten Journalisten zu verdan-
ken, die ganze Nation kann stolz auf ihn sein.
Mancher tut wie ein Gentleman, aber früher hat er auch seine Joints geraucht.
Ingenieur ist ein ganz schön stressiger Job, mein Junge.

4 Noch ein paar schöne Beispiele zum Sprechen und Üben:


Schade für sein ganzes Engagement, den schönen Job ist er los. Chancen für gute Reportagen für junge
Journalisten In der Jury sitzen nur Juristen, kein einziger Journalist. Eine ganze Portion Hausaufgaben,
ganz schön idiotisch! Jede Orange ist schön, je oranger, desto schöner. Ja, ja, ganz jammerschade, die
schönen Orangen nur noch Matsch!

  Verwandte Seiten: 10, 51, 52, 57   Türen zur Grammatik: Ja-Nein-Fragen; jeder; je, je … desto, internationale Wortbildung

W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag 63


60 Komplexe Konsonantenverbindungen

1 Welche Konsonanten miteinander können und gern miteinander wollen:

kratzen Kreis Krach Schrei schräg Schrift fressen Freiheit Franz 


k+r [S] + r f+r
Krebs schreien Frankreich
klein Klaus Klavier schlagen schlafen Fleck fleißig fliegen
k+l [S] + l f+l
Klecks Schlange Schluss Fläche
tragen Tragödie   Schnupfen schnell groß grau grün  
t+r [S] + n g+r
traurig Trübsinn Schnee Schnabel gratulieren
prima Programm schmeißen Schmutz glauben glitschig
p+r [S] + m g+l
Produkt Preis schmecken schmal Glas  Glück
Pleite platt komplex  schwitzen schweigen braun brennen  
p+l [S] + w b+r
Platin Schwein schwierig bringen Brief
draußen Drama   blau Blume blasen
d+r b+l
drohen dringend blass

2 Und was noch alles dazukommen kann:

[S] + Straße Strecke   [S] + sprechen Sprache [s] + abstrakt Konstruktion


t+r streng  streiten p+r springen spröde Sprit t+r Instrument
Pferd Pfund Pfand [s] +
p+f p + f + l Pflicht Pflaume Pflege Esprit
Karpfen stopfen Kopf p+r

3 Die Übung mit dem mit x = [ks] (Der Buchstabe x ist eigentlich überflüssig.)
Sprechen Sie aufmerksam die vielen „Ixe“ (ikse, ickse, ichse):
Verflixt, wo ist denn Maiks Keksdose, die ich extra hier hingelegt habe?
Das Schicksal hat Felix und Trixi aus Cuxhaven mit üblen Tricks ganz ausgetrickst.
Über den Fuchs, den Dachs und den Luchs gibts eine Extra-Geschichte.    50
Axel geht Alexa nur bis zur Achsel, aber demnächst wächst er ihr über den Kopf.

4 Wortbildungs-Stress 1: Zusammengesetzte Wörter:


Herzkranzgefäße Herz-Kreislauf-Krise Herzschlag Laufschritt Angstschweiß Aufschnitt Aufschrift
Kunstgriff Kunstschrift Dienstpflicht Durststrecke Klatschspalte Kopfsprung selbstständig Hetz-
schreiben Herzschmerz Heftpflaster Haftpflicht Schmerzpflaster Schmutzfleck

5 Wortbildungs-Stress 2: Das „Fugen-s“ machts noch etwas komplizierter, besonders bei Wörtern mit -ung, -heit,
-keit, -schaft, -tät: Bleiben Sie übermäßig lang und deutlich auf dem Fugen-s: Gesellschaftssssskritik:
Ankunftszeit Gehaltsklasse Geschwindigkeitsstress Universitätsstraße
Empfangsschreiben Geschäftsbrief Sicherheitsstreifen Volkstrauertag
Empfehlungsschreiben Geschäftsschreiben Wirtschaftskraft Volkszeitung

6 Übung mit -st und -t:


Frau zum Mann: Was denkst du, was du machst, was du bist? Du rauchst, trinkst, schreist, du schläfst, stinkst,
schnarchst, du machst keinen Sport, du kriegst einen Bauch, du lachst mich aus, du treibst es zu weit, mir
reichts jetzt.
Frau zur Freundin: Was denkst du, was er macht? Er raucht, er trinkt, er schreit, er schläft, er stinkt, er
schnarcht, er macht keinen Sport, er kriegt einen Bauch, er lacht mich aus, er treibt es zu weit, mir reichts.

7 Im letzten [lEtstn] Moment höchstens [hPÜkstns] noch eine Übung – und bitte ohne -e- in der Endung (   14)
und ohne „Sprossvokale“ (   48):
höchstens längstens letztens mindestens wenigstens meistens erstens 6./7./8. am höchsten 
am längsten im letzten Zug den schwersten Streit höchst spannend höchst strittig höchst schwierig
zum 66. Geburtstag

  Verwandte Seiten: 32, 33, 38, 44–51, 55–57, 67   Türen zur Grammatik: Konjugation; Superlativ; Wortbildung, Fugen-s, Wortzusammensetzungen

64 W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag


„Abschleifungen“: Nachgestellte Artikel
61
… miniklein, reduziert, verkürzt – aber immer erkennbar

1 „Das Ei ist weg.“ – So reden die Deutschen: Unbetonte Artikelwörter können mit vorangehenden Wörtern – vor
allem Präpositionen – zusammengezogen werden. Beim unbestimmten Artikel ist das „ei“ weg – nur die Endung
ist noch da – weil sie das wichtige Signal ist:
mit ’ner tollen Frau ’ne ideale Karriere ’n Studienwechsel so’n blöder Typ
An ’nem schönen Abend mit so ’nem Typ in ’ner kleinen Kneipe …

2 Im Keller beim Wein – ’ne Erfahrung fürs Leben …


Bei einigen Präpositionen darf man den nachgestellten bestimmten Artikel auch beim Schreiben „zusammen-
ziehen“:
im ins am ans beim
Manchmal sieht man auch die Schreibweise: fürs. Wichtig ist, dass die Artikelform genau verstanden wird.
Sprechen Sie umgangssprachlich:
bei dem Arbeiten für das Leben in dem Kino an dem Abend an das Finanzamt in das Bett bei dem
Teufel

3 So spricht man, aber so schreibt man nicht (außer bei *). Aber auch die anderen Präpositionen ermöglichen Ver-
kürzungen der folgenden unbetonten Artikel.
Sprechen Sie umgangssprachlich die (unkorrekt geschriebenen) Ausdrücke und die (korrekt geschriebenen)
Sätze:
mita (mit der) Bahn mitm (mit dem) Auto
Mita Zeit schafft iias,
mitna (mit einer) Freundin mitnem (mit einem) Freund
fürn/fürdn (für den) Chef fürne (für eine) Arbeit sone schöne Aussprache
fürnen (für einen) Euro fürs* (für das) Leben hinzukriegng.
im* (in dem) Wohnzimmer inda (in der) Küche
innem (in einem) Taxi innen (in einen) Film
ins* (in das) Kino beim* (bei dem) Essen
beina (bei einer) Freundin beinem (bei einem) Prof
son (so ein) Unsinn sone (so eine) blöde Idee
annen (an einen) Freund anna (an einer) Kreuzung
annem (an einem) Abend

In irgend so einem Keller haben wir gesessen und uns


mit dem besten Wein betrunken.
Ich nehme Sie auf der Stelle bei dem Wort.
So eine dumme Sache – und das wegen so einem Mann.
(In Norddeutschland – aber nur dort – ist sogar der Plural
gebräuchlich: so’ne dummen Geschichten.)

  Türen zur Grammatik: bestimmter und unbestimmter Artikel; Artikelwörter so ein, solch-; 
  Verwandte Seiten: 13–16, 62–65, 72 Präpositionen; Dativ bei Position, Akkusativ bei Richtung

W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag 65


62 „Abschleifungen“: Nachgestellte Personalpronomen
… miniklein, reduziert, verkürzt – bleiben aber immer erkennbar

1 Hitze hätt’se, sagt’se. (Hitze hätte sie, sagte sie.)


Personalpronomen (du er sie/Sie es wir ihr), die hinter dem Verb stehen und unbetont sind, verändern in
der gesprochenen Umgangssprache ihre Klangqualität, sie werden verkürzt und stark reduziert. Auch ihn/ihm
können abgeschliffen werden. Man kann aber immer genau erkennen, was gemeint ist.

2 Sprechen Sie die (falsch geschriebenen) Kurzsätze, wie man sie spricht. Pardon: Lesense die Kurzsätze, wie manse
spricht. Dabei kann die er- und die ihr-Form ähnlich klingen:
Hatse (hat sie) nicht recht? Gehnse (gehen sie) weg! Isse (ist sie) krank?
Hatm (hat ihm) das keiner gesagt? Kommta (kommt er/ihr) noch? Machts (macht es) viel Ärger?
Machta (macht er/ihr) auch mit? Wills (will es) nicht klappen? Haste (hast du) noch Geld?
Machnwa (machen wir) da auch mit? Biste (bist du) verrückt? Machste (machst du) mit?
Habmwa (haben wir) noch Zeit? Gehnwa (gehen wir) rein? Habta (habt ihr) noch Geld?
Hatta (hat er) schon gegessen? Kommta (kommt er/ihr) auch? Hats (hat es) weh getan?
Habta (habt ihr) schon was gegessen? Gehta (geht er/ihr) auch mit?

3 Sprechen Sie die Sätze, wie man sie spricht. Pardon: Lesense die Sätze, wie manse spricht:
Und dann hat er uns gesagt, dass er später kommt.
Dann hat sie ihm einen Kuss gegeben.
Was hast du denn geantwortet?
Du hast ihm doch hoffentlich kein Geld gegeben?
Hast du was, bist du was.
Da habt ihr uns aber angeschwindelt.
Hätte er Teilzeit, könnte er länger …

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des DGB

  Türen zur Grammatik: Personalpronomen; Fragen; Wortstellung, wenn das Pronomen nicht auf Platz 1 steht; 
  Verwandte Seiten: 42, 61, 63–65 Verben des Sagens und Fragens; Konjunktionalsätze; Dialoge; reale und irreale Bedingungssätze

66 W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag


„Abschleifungen“: Verschwundene Silben
63
mit vielen Freiheiten beim Sprechen, Rappen und Dichten

1 So schreibt man nicht, so spricht man nur: -e [´] am Ende der Verbformen    14, 16, 19:
a) 1. Person Singular Präsens: Ich mach das nicht. Nööö, mach ich nicht!!!
b) 1. und 3. Person Konjunktiv II: Ich würd das nicht machen.
c) Bei musste, wusste, dachte und aus rhythmischen Gründen (Gedichte, Songs)
kann man auch das -e [´] in der 1. Person Präteritum weglassen:
Ich hatt einen Kameraden …

Lesen Sie still – und sprechen Sie dann laut die schriftsprachlich geschriebenen Sätze so,
wie man sie spricht; suchen Sie für jeden Satz den besten Sprechrhythmus:
Ich habe nichts als Ärger, nichts als Ärger habe ich.
Oh, wäre ich nie geboren! (aus Goethes Faust)
Wenn er nicht gekommen wäre und hätte mir geholfen, ich wäre verloren gewesen.
Habe ich’s dir nicht gesagt? Ich gewinne.
Ich werde dir mal was sagen: …
Ich hatte einen Kameraden, einen besseren findest du nicht. (Ludwig Uhland)    unten bei 3
Das konnte ich nicht wissen, ich werde dich vermissen …
Das wusste ich nicht; so musste es ja kommen.
Ich dachte, ich wäre allein.

2 Einige Adverbien gibt es in zwei Varianten:


gern/e zu Haus/e nach Haus/e heut/e Abend

Manchmal klingen die Formen ohne -e etwas moderner, manchmal geschieht es nur, um den Rhythmus zu
verbessern. Modernisieren oder rhythmisieren Sie die folgenden Sätze:
Heute Nacht wird es passieren, heute Nacht soll es gerne passieren.
Und wenn ich abends ausgehe und gar nicht mehr nach Hause gehe …
Ich wäre so gerne bei dir.
Zu Hause war heute Abend alles ruhig.

3 Vokale in unbetonter Zwischensilbe können ausgelassen werden. Das wird auch manchmal so geschrieben.
Bei -r- kann das Auswirkung auf die r-Aussprache haben. Verkürzen Sie die Einzelformen und die Formen in den
Sätzen. Die betreffenden Laute sind hervorgehoben:
unsere Leute – bessere Lebensbedingungen
Das ist heute teuerer als gestern.
Ich klettere auf jeden Baum.
Ich schüttele jedem die Hand.
Ich bettele niemanden an.
Zum besseren Kennenlernen unserer Weine nehmen Sie bitte unseren Prospekt mit.
Ich hatte einen Kameraden, einen besseren findest du nicht. (Ludwig Uhland)
Interessant, sehr interessant, und so originell, wirklich originell, nicht wahr?

4 Dativformen von einsilbigen Nomen und den Imperativ Singular spricht (und schreibt) man heute ohne -e.
Sprechen Sie die Sätze „modern“ und umgangssprachlich:
Über die Liebe bin ich im Bilde, aber wie sage ich es meinem Kinde.
Es ändert sich die Lage bei Nacht wie auch am Tage.
Komme unter meine Decke und mache es dir bei mir bequem. (Songtext)

  Verwandte Seiten: 13, 14, 16, 19, 61, 62,   Türen zur Grammatik: Verbformen im Präsens, Futur; Präteritum; Konjunktiv II und I, Imperativ, 
64, 65, 69–72 indirekte Rede; haben, werden; Adverbien; Possessivpronomen; Komparativ; Nomen im Dativ

W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag 67


64 Komm mal rauf, wir machen was zusammen
etwas was   einmal mal   hin/her r-

1 et- bei „etwas“ und ein- bei „einmal“ werden abgeschliffen,


wenn etwas (engl.) „something“ bedeutet (und nicht „ein wenig“),
wenn einmal (engl.) „once, one day“ bedeutet (und nicht „ein einziges Mal“).
Sprechen Sie die Sätze:
Und nun mal was ganz Spannendes!
Ich hab mal was ganz Tolles erlebt.
Hast du was gesehen?
Das ist ja was ganz Neues!

Sprechen Sie die Sätze mit Abschleifungen (wo es möglich ist):


So etwas Schönes habe ich noch nie erlebt.
Kommen Sie mich doch bitte einmal besuchen, wenigstens ein Mal!
Ich habe einmal etwas gesehen, was die ganze Sache etwas positiver erscheinen lässt.

2 Der Unterschied von her-/hin- entfällt in der gesprochenen Sprache, es wird einfach r- vor die Wörter gesetzt.
Sprechen Sie die Sätze:
Wer rausgeht, muss auch wieder reinkommen.
Hurra,
Was ist denn rausgekommen? Deutsch ja mal
Was haben Sie denn rausgefunden? ganz einfach – ich
Wie komm ich hier wieder raus? glaub, ich hab’s
Ich bin ein Star, holt mich hier raus! jetzt raus!
Sprechen Sie die Wörter und die Sätze in vereinfachter
Form:
herunter hinunter herüber hinüber hinaus
heraus hinausgehen herumlaufen hereinfallen
hinüberkommen herausholen herauskriegen
Komme bitte einmal herunter und gehe einmal hin­
über zum Milchgeschäft.
Gehen Sie bitte mutig hinein, aber kommen Sie bitte
auch gesund wieder heraus!
Jetzt habe ich herausgefunden, wie man hinüber,
hinauf und herunter richtig ausspricht.
Ich habe gewusst, wie man in den Schlamassel
hineinkommt, aber ich weiß nicht, wie man wieder
herausfindet.

  Verwandte Seiten: 31, 32, 34, 36, 42,


61–63, 65, 69–72   Türen zur Grammatik: Richtungsadverbien; Richtungsverben; etwas, was; Relativsätze; Gesprächspartikel mal

68 W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag


Noch mehr „Abschleifungen“: Allerlei Schludrigkeiten in der Umgangssprache
65
Alles kamma, wemma will, und’n bissjen is mehr als nix.

1 Hier folgt ein bunter Rest von Abschleifungen in einzelnen Wörtern. So spricht man, wenn man im Gespräch
locker und vor allem sehr schnell spricht. So schreibt ma (pardon: man) natürlich nich (pardon: nicht), das is
(pardon: ist) doch klar!
a) Bei bestimmten Wörtern in unbetonter, schnell gesprochener Position können -d/t, -n und -l am Ende
ein Stück weit oder ganz abgeschliffen werden:
ma(l) nich(t) ma(n) oder ma(l) is(t)
sin(d) ka(nn) un(d) we(nn)
und vor allem die Gesprächspartikel (den)n.

Duden? du denn!

Wo bist du´n gewesen? Wo hast dudn gesteckt?

… wenn
… wenn Mama man mal nicht
nicht da ist? da ist!
Un da ka ma ma sehn, was passiert, we ma ma nich da is.

b) Im Kontakt mit s-, z- und sch- wird die Verkleinerungssilbe -chen am


Anfang mit j (statt ch) gesprochen – aber nicht geschrieben.    51
bisschen Küsschen Herzchen Fläschchen
Aber nicht bei: Kindchen Kettchen
Herzjen, gib mir mal ein Küssjen, meinetwegen nur ein bissjen.
(Aber bitte so nicht schreiben!)

c) Besonders populär ist die Abschleifungsform nichts nix, die man


aber so auch nicht schreibt:
Tut mir leid, aber ich hab überhaupt nix verstanden.
Das war nix, das war wirklich nix, und das wird auch nix mehr.

2 Sprechen Sie die Beispielsätze in umgangssprachlicher Form:


Bisher ist es ganz gut gegangen, es ist glücklicherweise nichts Schlimmes passiert.
Da kann man mal sehen, dass gar nichts funktioniert, wenn man mal nicht da ist.
Wo bist du denn gewesen? Bist du denn überhaupt zu Hause gewesen?
Was ist denn los mit euch? Habt ihr denn den Termin vergessen?
Kann man sich denn kein bisschen auf euch verlassen?
Muss man denn alles selbst machen?
Katastrophe im Kinderzimmer: Das Kindchen hat aus seinem Fläschchen mit dem
Herzchen ein bisschen auf sein Bettchen gekleckert.

  Türen zur Grammatik: sein; man; können; Passiv; Konjunktionen: und, wenn; 
  Verwandte Seiten: 39, 46, 51, 52, 61–64, 69–72 Diminutiv; Negation; Gesprächspartikel denn

W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag 69


66 Wortakzen [1] te

1 Betonte Stammsilbe, extrem reduzierte Endung      12–17


Das ist das Grundmuster der Betonung bei den einfachen deutschen Wörtern: Verben (hatten machen
laufen); Nomen (Stelle Messer Gabel); Adjektive (sauber clever besser); Artikelwörter (diese keiner
manche); Präpositionen (über hinter zwischen) und andere Wörter.
Das Grundmuster hat grammatische Wirkungen:
Plural: Haus Häuser Praktische Hilfsmittel für die Blätter 66–72:
Genus/Kasus: ein eine/einen
Komparativ: hoch höher a) Schriftgröße und Hervorhebung:
Flexion/Tempus/Modus: hat haben/hatte/hätte „Computer“
b) mehrstufige Betonungspunkte:
Die extremste Reduzierung entsteht dort, wo das -e- elidiert  –  –  usw.
werden kann: machn laufn habm etc., wie Sie auf den Blät- c) Klatschen, Klopfen, Trommeln, Kopfnicken
tern    14–16 sehen und wiederholen können.

2 Betonte Stammsilbe, unbetonte Zweitsilbe 


Hier trägt die Zweitsilbe keinen Akzent, wird aber auch nicht reduziert; sie ist einfach unbetont, ohne Akzent.
Frankreich Frankfurt Reinhard nützlich essbar leistungsschwach Deutschland Kapstadt
Friedrich freundlich zahlbar farbstark

3 Reduzierte Vorsilbe, betonte Stammsilbe, reduzierte Endung   ()

Haben Sie bereits vergessen, was Sie auf den Blättern 29 und 30 gelernt haben?
Dort erfahren Sie, was Sie wiederholen müssen. Das ist besonders wichtig.
Die unbetonten Vorsilben sind besonders reduziert, die Stammsilben tragen deutlich den Wortakzent – auch
quer durch die ganzen „Wortfamilien“ hindurch:
arbeiten: gearbeitet erarbeiten verarbeiten bearbeiten Bearbeitung überarbeitet

4 Betonte trennbare Vorsilben (beim Verb, Nomen, Adjektiv)


Deutsch ist reich an betonten Verbvorsilben, die bei der Verbflexion abgetrennt werden. Füllen Sie die Tabelle
mit den wichtigsten trennbaren Vorsilben aus, schriftlich und vor allem sprechend.
Vorsilbe Verbform flektierte Form Partizip II Infinitiv + zu Nomen
ab abfahren fährt … ab abgefahren abzufahren die Abfahrt
an ankommen
auf aufwachen
aus ausdrücken
ein einschlafen
mit mitnehmen
nach nachfragen
um umsteigen
vor (sich) vorstellen
zu zumuten
So gehen auch viele andere betonte Vorsilben, zu denen Sie sich jeweils ein paar Wörter (Verben, Nomen, Adjek-
tive) zusammensuchen können:
da(r) + Präp.-: daneben dahinter- dran- her/hin + Präp.-: heran- herein- hinein-
r + Präp.-: rein- raus- runter-    64 fort- los- weg- weiter- zurück- zusammen-

5 Betont oder reduziert: Ein paar Vorsilben kommen sowohl in reduzierter (Übung 2) als auch in betonter
(Übung 3) Form vor. Die Vorsilben können dann auch verschiedene Wortbedeutungen bewirken.
hinter: hinterlassen | hinterlistig Hinterhalt voll: vollbringen | sich volllaufen lassen
über: übersetzen | Überleitung Übergang wider: widersprechen | Widerspruch
um: umsorgen | umleiten Umstand wieder: wiederholen | Wiederbelebung
unter: Unterhaltung | Unterschrift Unterhalt

  Türen zur Grammatik: gesamte Grundgrammatik (Formen, Verben, Nomen); Präpositionen; 


  Verwandte Seiten: 12–19, 34, 42, 64, 67–72 Verben mit unbetonten und betonten Vorsilben; Wortbildung

70 W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag


Wortakzen [2] te
67
1 Zusammengesetzte Wörter (1): Wenn die erste Komponente eine bestimmte (attributive) Funktion hat, dann
wird sie stark betont; die zweite bleibt unbetont oder trägt nur einen schwachen Nebenakzent:
Blumenvase Küchentisch Bürostuhl Wirtschaftskraft Wirtschaftswissenschaften
Betriebswirtschaft Abschlussfest Politikverdrossenheit Globalisierungsverlierer

Machen Sie aus den Beispielen kleine Sätze nach dem Muster: Eine Blumenvase ist eine Vase für Blumen.

2 Bei Doppelnamen wird immer die letzte Komponente betont – das ist die gleiche Betonung wie bei Adjektiv +
Nomen, z. B. schönes Württemberg:
Baden-Württemberg Sachsen-Anhalt Mecklenburg-Vorpommern Rheinland-Pfalz VW-Kombi
Hamburg-Münchner Hans-Egon Müller-Lüdenscheid (berühmte Comic-Figur)

3 Zum Beispiel (Drei-)Buchstaben-Wörter: Die letzte Komponente wird betont:

Was bedeuten
die eigentlich?
SPD CDU FDP DGB VWL BWL USA DDR UdSSR ARD ZDF
HIV AKW ICE VW BMW HSV VfB EU UN OECD DAAD DFG ABC
GG StGB BGB …
Hören Sie dazu den deutschen Rap-Klassiker „MfG“ der Gruppe „Die Fantastischen Vier“.
Wenn Sie die Buchstabenwörter in ausgesprochene Wörter auflösen, kann sich die Betonung verändern:
gleich: ZDF Zweites Deutsches Fernsehen verschieden: BWL Betriebswirtschaftslehre

4 Ossi, Wessi, Tussi, Promis: „Kurzwörter“ werden meist vorn betont. … und nach dem Abi und der Zivi-
Zeit dann die Uni mit Mathe und
z. B. Schülerwörter: Mathe Bio Abi Reli … Bio, das bisschen BAföG, morgens
Studi-Wörter: Uni Hiwi Zula … Müsli, abends Taxi, und immer mit
Politikwörter: Sozi Nazi Stasi Demo Fascho … ’ner anderen Tussi in die Disco.
Lifestyle-Wörter: Müsli Knacki Macho Fuzzi Profi …
Alltagswörter: Taxi Info Kita Spezi …

5 Wo werden die internationalen Wörter betont? Oft dort, wo sie in der Herkunftssprache betont werden, wo sie
im Französischen betont werden (auf der letzten Silbe), und oft nicht dort, wo sie im Englischen betont werden.
Oft ist die Betonung überraschend und muss gelernt werden:
Nation national Nationalität Diktator diktatorisch Diktatur
Büro bürokratisch Bürokratie Philosophie philosophisch Philosoph
Musik musikalisch Musiker Chaos chaotisch Chaot
Politik politisch Politiker Literatur literarisch
Foto Fotograf fotografisch Fotografie Interesse interessant
Demokrat demokratisch Demokratie Charakter charakteristisch
Übersetzen Sie die Wörter ins Englische und Französische und vergleichen Sie die Wortakzente. Im Englischen ist
fast alles verschieden, im Französischen (Spanischen, Italienischen) ist vieles (aber nicht alles) gleich.
Suchen Sie andere internationale Wörter mit gleichen Endungen und klären Sie die Wortakzente.

6 Verben auf -ieren werden auf dem -ie betont. Aber wie heißen die Nomen?
Telefoniiiiiiiiieren!
probieren studieren telefonieren regieren reagieren garantieren
(sich) interessieren philosophieren charakterisieren tendieren schikanieren transferieren
tapezieren  diskutieren differieren negieren pausieren kassieren (sich) rasieren frisieren

7 Wörter, die für Sie wichtig sind


a) Sammeln Sie die wichtigsten Fächer an der Schule und Wissenschaften an der Universität.
b) Sammeln Sie die wichtigsten Fachausdrücke in Ihrem Fachgebiet oder Beruf.
c) Sammeln Sie wichtige Ausdrücke aus Politik, Medien und Öffentlichkeit.

  Verwandte Seiten: 66, 68   Türen zur Grammatik: Wortbildung; Attribution

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68 Wo sind die Wortakzen ? [3] – Akzentverschiebungen
te

1 Zusammengesetzte Wörter (2): Ist die erste Komponente eine Reihung, dann wird ihr hinterer Teil stark betont:
Mann-Frau-Verhältnis Max-Planck-Gesellschaft Hanns-Martin-Schleyer-Halle Kohlenwasserstoff-Verbin-
dung Paris-Dakar-Ralley Schwarz-Weiß-Film Nomen-Verb-Verbindung Creutzfeld-Jakob-Krankheit

2 Wörter mit un- bilden oft einen negativen Kontrast zu entsprechenden Wörtern ohne un-; dann wird un- stark
betont. – Bilden Sie Kontrastwörter mit un-/Un-; achten Sie auf die Verschiebung des Akzents. Und genauso ist
es bei Wörtern mit der lateinischen Vorsilbe in-/ir-/il-.
angenehm interessant
pünktlich verheiratet
Pünktlichkeit geeignet
genau vernünftig
Genauigkeit seriös
diskutabel liberal
Toleranz reversibel

Wie heißen die Gegenteile (ohne un-) – und wie werden sie betont?
unschön untypisch Unklarheit unsymptomatisch irreal illegitim unsympathisch

3 Mancher Professor benimmt sich wie ein Diktator, aber Professoren sollen keine Diktatoren sein.
Wie heißen die Pluralformen, wie werden sie betont?
Doktor Lektor Mentor Direktor Sektor Transistor Faktor Ventilator Reaktor

4 Noch mal die internationalen Wörter: Suchen Sie passende Wörter für die leeren Felder und achten Sie auf die
richtigen Wortakzente:
Adjektiv Beruf/Akteur Verb Abstraktion andere Abteilung
– Chemie
Biologe – –
diktatorisch – –
studieren –
Philosophie –
traditionell
real/realistisch
Mathematiker – –
System
politisch –

5 Englische und deutsche Geografie: Wie heißen – richtig betont – die Wörter auf Deutsch? Achten Sie auf die Be-
tonungsunterschiede:
Deutsch
Englisch
Land/Kontinent Sprache/Nationalität Menschen
America
Brazil
Portugal
France
Great Britain
Italy
Mexico
Africa
Asia
Europe

  Türen zur Grammatik: Plural; Adjektive; zusammengesetzte Wörter, internationale Wörter; 


  Verwandte Seiten: 24, 66, 67, 69–72 Länderbezeichnungen; Negation von Wörtern

72 W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag


Satzakzente sind starke Botschaften an den Hörer
69
1 Satzakzente sind starke phonetische Botschaften: Dem Zuhörer wird
die Grammatik, die Satzstruktur deutlich gemacht,
mit Nachdruck gesagt, was das Thema ist,
Neues, bisher noch nicht Bekanntes gezeigt,
etwas demonstrativ bezeichnet; ein Kontrast wird stark hervorgehoben,
die Emotionalität, die Gestimmtheit, die Absicht klargemacht,
gezeigt, wie ein Text gegliedert ist.
2 Die Satzstruktur (genauer: die Verbstruktur) wird geklärt:
starke Betonung
trennbare Vorsilben: Du sollst aufhören! Hör endlich auf!
lautere Stimme
Warum hörst du denn nicht endlich auf?
andere Satzteile, die eng zum Verb gehören: Und jetzt gehen wir Kaffee trinken.
Wir trinken bald mal zusammen einen Kaffee. Kaffee trink ich mit dem nie mehr.
3 Negation eines Satzteils und Korrektur werden deutlich gemacht:
Eine Lösung finden wir nicht heute und nicht morgen, aber vielleicht übermorgen. Nicht ich bin daran
schuld, sondern du.
höhere Stimme
4 Das Themenwort, Schlüsselwort wird stark akzentuiert:
Das gehört mir nicht. (Ist das klar? Thema: die ganze Aussage)
Das gehört mir nicht. (Aber vielleicht gehört mir was anderes. Thema: der Gegenstand)
Das gehört mir nicht. (Aber vielleicht dir? Thema: der Besitzer)
Das gehört mir nicht. (Basta! Thema: Schluss mit der Diskussion)
5 Es wird demonstrativ mit dem Finger auf etwas gezeigt:
Wo kommt der denn her? Mit dem da rede ich nicht mehr. sehr deutlich

6 Neues wird durch starke Akzentuierung bekannt gemacht:


langsamere Stimme
Es war einmal ein reicher König. Der lebte in einem großen Schloss. bei Langvokalen:
In diesem Schloss feierte er einmal ein großes Fest. Zu diesem Fest lud er
alle Prinzen und Prinzessinnen der Nachbarländer ein …
gedeeeehnte Stimme

7 Im Dialog, im Streit haut man sich „Schlagwörter“ um die Ohren:


„Hast du das gemacht???“ – „Nein, das hab ich nicht gemacht.“ – „Doch, du hast Und sie
das gemacht!“ – „Stimmt ja gar nicht!“ – „Du bist blöd!“ – „Du auch!“ bewegt sich
8 Kontraste werden deutlich klargemacht: doch!
Es geht hier nicht um das, was du denkst, sondern es geht um mich, allein um mich!
9 Emotionalität, Gestimmtheit, Absicht werden dem Hörer verdeutlicht:
Das ist alles ganz falsch. (Man möchte extrem übertreiben.)
Der Körper spielt
Du hast super gekocht, es hat toll geschmeckt. (Man möchte stark loben.)
Das ist totaler Mist, was du da geschrieben hast. (starke Kritik)
mit: Finger, Hän­
Hör ja auf damit! (Drohung) de, Faust, Kopf.
Komm endlich her! (Ungeduld)
Hört das denn nie auf? (Man möchte hören: Doch, doch, es hört bald auf.)
Jetzt komm endlich her! (sehr ungeduldig; „Komm“ ist emotionales Schlüsselwort.)
10
Die Erzählstruktur wird verdeutlicht, die Textgliederung wird gezeigt:
Und dann ist der Weihnachtsmann gekommen. Zuerst hat er eine kleine Rede gehalten, dann wurden die
Geschenke verteilt. Als letzte habe ich auch was bekommen. Und am Ende haben wir Weihnachtslieder
gesungen.
Worauf es im Leben ankommt? Erstens: auf die Liebe, zweitens: auf die Liebe,
und drittens: ganz besonders auf die Liebe.
1., 2., 3. …

  Türen zur Grammatik: Satzbau; Fragen; Demonstrativpronomen; Negation; Dialoge; Konjunktionen; Redepartikel;
  Verwandte Seiten: 66–68, 70–72 versichernde, textgliedernde Adverbien; Ordnungszahlen

W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag 73


70 Noch mal Satzakzente: Ganz deutliche Kommunikationssignale
Negationen, Gesprächspartikel, Verstärkungswörter

1 Hier wird deutlich gesagt, dass es nicht so ist:


Nein, ich hab ihn nicht gesehen. Nee, Geld hab ich keins mehr. Nein, das hab ich nicht gesagt. Nein, so
was hab ich noch nie erlebt. Nein, so ist es nicht gewesen. Dumm, dass ich nicht dabei gewesen bin. Ich
habe keine Lust mehr. Nein, ich hab von ihr nichts mehr gehört.

2 Sagen Sie’s noch deutlicher, mit Verstärkungswörtern:


Nein, ich hab ihn überhaupt nicht gesehen. Nee, Geld hab ich gar keins
mehr. Nein, das hab ich gar nicht gesagt. Nein, so was hab ich über- Überhaupt
haupt noch nie erlebt.  Nein, so ist es nie und nimmer gewesen. Dumm,
dass ich gar nicht dabei gewesen bin. Ich habe absolut keine Lust mehr. nicht!
Nein, ich hab von ihr überhaupt nichts mehr gehört.

3 Falsch oder unpassend, jedenfalls starke Kontraste:


Es war nicht die Nachtigall, sondern die Lerche. Ich hab keine Kraft mehr Es war die Nachtigall,
und keine Lust mehr. Von mir kriegst du keinen Euro und keinen Cent. 
du Dummerchen!
Ich esse kein Fleisch mehr, nur noch Gemüse. Keinen Wein mehr, nur
noch Kamillentee, bitte. Du bist kein Mensch, du bist ein Monster.

4
Hören Sie ja gut zu! Die stark betonten Gesprächspartikel kann man kaum überhören:

Hör ja auf mit diesem Blödsinn, sonst knallts! Mach ruhig so weiter, dann wirst du schon sehen!
Hör doch endlich mit dem Rauchen auf! Wenn ich doch bloß aufgepasst hätte! Komm du mir
bloß nicht mehr unter die Augen! Du hast ja sowieso keine Ahnung!
5 Die Gesprächspartikel – ganz unbetont, aber in der Nähe eines stark betonten Worts – können für freundliche
Musik im Satz sorgen:
Das ist aber schön geworden! Die Idee ist einfach wunderbar! Wie sind Sie denn auf diese Idee gekom-
men? Mensch, das ist ja großartig! Du hilfst mir doch, oder? Lass mal, ich mach das schon. Wie heißen
Sie eigentlich? Hätten Sie vielleicht etwas Zeit für mich?

6 Die Gesprächspartikel – ganz unbetont, aber in der Nähe eines stark betonten Worts –
können für unfreundliche Musik im Satz sorgen:

Das hast du aber toll hingekriegt! Das kann ich ja nicht Such doch mal in
Wo find ich wissen! Wo kommst du denn her? Mit dem red ich „Grammatik mit
denn was über jedenfalls nicht mehr! Jetzt hör doch auf! Du bist viel-
Sinn und Ver­
Gesprächs­ leicht ein Idiot! Bin ich denn dein Hilfsarbeiter? Sie sind
stand” (Klett)
partikel??? wohl total übergeschnappt? Das hättest du eigentlich
Kapitel 18 und
wissen müssen. Ich bin schließlich nicht Ihre Putzfrau. Katalog 10!

7 Legen Sie Ihre ganze Emotionalität in die supertollen Verstärkungswörter:

Dein Geschenk war ganz große Klasse. Das hab ich echt überhaupt nicht
gewusst. Ich hab mich super darüber gefreut. Das war echt super von dir,
wirklich ganz toll. So ein Riesenrindvieh hab ich noch nie gesehen. 
Alles echt
Die irren Typen sind echt cool drauf. Sie müssen mich unbedingt mal super!!!
besuchen.  Ist doch wirklich echt geil, die deutsche Sprache!

  Verwandte Seiten: 69, 71–72   Türen zur Grammatik: Negation; Gesprächspartikel; Verstärkungswörter; Konjunktionen; Dialogstrukturen

74 W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag


„Auweia, hier wird mit Musik und viel Emotion gesprochen!“ – „Und ob!“
71
1 Ausrufe der Begeisterung, der Lust, der Überraschung, der Trauer etc. … Sie sind wie Sätze, ganz kurz, aber mit
starker Betonung, viel besonderem Klang.

Mutter sucht ihren acht-


jährigen Sohn und findet
Auffahrunfall bei Glatteis Auweia, das
ihn am Schrank, wo die
Aha, hier steckst
wird teuer! du also!
Süßigkeiten liegen.

Jemand sieht seinen Jemand stürmt ins Zimmer


(verheirateten) Oh, oh, wenn das und ruft: „Leute, ich hab im
Freund, wie er eine mal keine Pro- Lotto gewonnen!“ Waaasss?
andere Frau küsst. bleme gibt!

Mann hat sich beim Ra-


sieren etwas verletzt, Frau Ach was!!!
Ein Mann schnappt „He, Sie haben mir will Pflaster holen.
einer Frau einen Park- meinen Parkplatz
platz weg. weggenommen!“
Mann zu Frau: „Du, ich muss
Na und??! noch mal dringend ins
Ach so!?!
Büro, es kann spät werden.“
Frau (gespielt, spitz):

2 Hier sind noch ein paar von diesen schönen Ausrufen und Kommentaren. Denken Sie sich – am besten zusam-
men mit Deutschen – kleine Situationen oder Dialoge aus und lassen Sie sich den Klang der Ausrufe von Deut-
schen dramatisch vorsprechen, vorspielen:

Oh, oh! Na ja! Was solls!


Ach du je!!! Na na! Tja!
Ach! Oooch! Na so was! Von wegen!
Hheee??? Na gut! O. k.!
Hmm! (mit Kopfnicken) Na also! Was soll’n das!
E, e! [’´’´] (mit Kopfschütteln) Na wenn schon! Und wie!!!
Igittigitt! Also nein! Also neee! Wie bitte????
Ätsch!! He? [h´] Wow!
Auuu! (oder: Autsch!) Komm schon! Komm, … Das wärs! Das wars!

3 Hier wird mit Kurz- und Kürzestsätzen geantwortet, und zwar sehr deutlich. Sprechen Sie’s nach, mit viel
Emotionstheater:
Würdest du dir so was kaufen? – Nie im Leben!
Kann ich mit dir rechnen? – Selbstverständlich!
Hast du das gemacht? – Na hör mal!
Bist du damit einverstanden? – Eigentlich nicht!
Was denkst du, soll ich so was machen? – Auf gar keinen Fall! (Auf gar keinen Fall!)
Das ist aber dumm gelaufen! – Ja, leider!
Da hast du aber Glück gehabt. – Ja, Gottseidank! (Gott sei Dank!)
Wo ist denn unser Auto? – Sch…, das is (ist) geklaut!
Wie schmeckts euch denn? – Prima!
Wie isses (ist es) denn gewesen? – Geil! Wirklich echt geil!

  Verwandte Seiten: 69, 70, 72   Türen zur Grammatik: Dialoge; direkte Rede

W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag 75


72 Satz- und Wortakzente und die Reduzierungen sichtbar machen

1 Ein 5-stufiges Akzent-Modell für Deutsch: Die Akzente und Reduzierungen werden sichtbar, lesbar (laut oder
leise), sprechbar gemacht.

18 pt groß und fett (Satzakzente) 6 pt (stark reduzierte Silben: Endungen, unbetonte


Vorsilben, Mittelvokale, Zwischensilben)
14 pt (Wortakzente, Nebenakzente) 0 pt („elidierte“ Silben: Endungs-e, -e- als Mittelvokal)
Beispiele: ich hab er hätt gerne gern
12 pt (unbetonte Silben, ohne Akzent)
interessant mündlich: intressant

   –     Franz Kafka – Kleine Fabel


,  , Ach, sagte die Maus,
     die Welt wird enger mit jedem Tag.
, Zuerst war sie so breit,
 ,  dass ich Angst hatte,
 ,
 ich lief weiter und war glücklich,
 dass ich endlich rechts und links
  ,  in der Ferne Mauern sah,
    
     aber diese langen Mauern laufen
 ,  so schnell aufeinander zu,
  ,   dass ich schon im letzten Zimmer bin, Das kann man al­
  ,   und dort im Winkel steht die Falle, les leicht mit dem
  –  in die ich laufe. – PC nachmachen!
 ,  Du musst nur die Laufrichtung ändern,
  , 
  sagte die Katze, und fraß sie.
2 2-stufiges Textbild: Hier werden nur die Satzak-
zente hervorgehoben. Sprechen Sie den nebenste- Als die Gazellen von den Löwen Mitbestimmung
henden Text von Peter Bichsel so flott Sie können. forderten, waren die Löwen dagegen. „Es kommt
Sie werden merken: Auch dieses Druckbild hilft, noch so weit, dass die Gazellen bestimmen, wen
eine gute deutsche Betonung zu erreichen. wir fressen“, sagten die Löwen. Sie beriefen sich
3 Sprechen Sie die beiden Texte noch einmal und ver- auf eine unverdächtige Studie des WWF (World
stärken Sie die Silben mit Satzakzenten mit einer Wildlife Fund) und sprachen von Wildpartner-
verstärkenden körperlichen Reaktion: schaft bei klarer Kompetenzentrennung: Fressen
auf der einen Seite, Gefressenwerden auf der
a) nur den Rhythmus mit einem brummenden
anderen Seite. „Denn“, so sagten sie, „es liegt auf
m- oder dm-Ton,
der Hand, dass einer nicht zugleich etwas vom
b) den Text mit einem kleinen, aber scharfen Kopf-
nicken Gefressenwerden und vom Fressen versteht. Und
c) oder mit einem kleinen Klatschen mit den Hän- der Entscheid, jemanden zu fressen, muss schnell
den und unabhängig gefasst werden können.“
d) oder mit kleinen Taktschlag mit der Hand auf Das leuchtete denn auch den Gazellen ein. „Ei-
den Tisch. gentlich haben sie recht“, sagte eine Gazelle, „denn
Die Übung dient zur Sensibilisierung für den Rhyth-
schließlich fressen wir ja auch.“ „Aber nur Gras“,
mus. In der Alltagskommunikation sind b) und d) sagte eine andere Gazelle. „Ja, schon“, sagte die
stark übertrieben und eine Unart, die man z. B. erste, „aber nur weil wir Gazellen sind. Wenn wir
bei manchen Politikern oder ungeübten Rednern Löwen wären, würden wir auch Gazellen fressen.“
beobachten kann. „Richtig“, sagten die Löwen.
Peter Bichsel
„Wege zum Fleiß“, aus: Peter Bichsel, Geschichten zur falschen Zeit. Kolumnen 1975–1978
© Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 1998

  Verwandte Seiten: 13–30, 61–65, 66–71, 73–75   Türen zur Grammatik: gesamte Grundgrammatik (Morphologie); direkte Rede; Fragen, Appelle u. v. a.

76 W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag


Die Grundmelodien im deutschen Satz
73
Der Ton macht die Musik: abfallend   ansteigend   schwebend

1 Die Satzmelodie zeigt, wie der Satz verstanden werden soll, z. B. als Aussage, als Aufforderung, als Frage nach
einer Information, als Frage nach einer Entscheidung, als Ausdruck eines starken Gefühls. Dabei ist vor allem
das Ende der Melodie wichtig, die Endphase ab dem letzten Satzakzent.
Übrigens:
2 Normale Aussagen: abfallende Melodie:
Die Deutschen „singen” beim
So klingts in Deutsch  land. Ein Bauer hatte drei Söh  ne. Sprechen nicht so viel wie
So ist das Le  ben. Ich mache jetzt Schluss  . Ich hab keine
Lust  mehr. Ich geh nach Hau  se.
die Amerikaner, die Russen
oder die Franzosen.
3 Aufforderungen: abfallende Melodie:
Mach die Tür  zu! Zieh die Schu  he aus! Räum die Klei  der weg! Mach mir’n Kaf  fee!

4 Pointierte, emphatische Aussagen oder Aufforderungen; Kontraste:


Hauptakzent mit höherem Ton, danach stark abfallende Melodie: Amerikanisch:
Das war al  les für die Katz! Du bist ein Rie  senrindvieh! „Oh, that’s fan tas
tic!”
Ich will  das aber nicht! Was hast  du denn bloß?!! Deutsch:
Wer raus  geht, muss auch wieder rein  kommen! „Das ist aber toll!”
5 Informationsfragen (w-Fragen): abfallende Melodie:
Wo bist du denn so lange gewe  sen? Warum hat du mir denn nichts davon erzählt ? Wer hat dir denn
so  was erzählt? Was hast du dir denn da  bei gedacht?

6 Entscheidungsfragen (Ja-Nein-Fragen): ansteigende Melodie:


Hätten Sie etwas Zeit  für mich? Kommst  du heut Abend? ’n Kaf  fee?

7 Schwebende Melodie (d. h.: mittlere Tonhöhe, die Spannung wird gehalten), wenn eine Äußerung noch nicht
fertig ist, weil
a) der Satz noch weitergeht (Nebensatz, Infinitiv, Relativsatz, andere Gliedsätze)
b) eine Aufzählung erfolgt
Ich hab nicht gewusst  , dass es so lange dauert  . Ich freu mich  , wenn du kommst  . Vergiss nicht  ,
mich vorher anzurufen  . Frag mich , dann sag ich dir warum  .
Erstens aber kommt das Fressen  , zweitens kommt die Liebe dran  , drittens das Boxen nicht vergessen  ,
viertens Saufen  , so lang man kann  , und fünftens, Brüder, achtet scharf  , dass man hier alles dürfen darf  .
(Es geht also um Fressen, Liebe, Boxen, Saufen und alles Dürfen. Frei nach Bertolt Brecht: „Aufstieg und Fall
der Stadt Mahagonny“)

8 Kommentar: In den vorstehenden Übungen und Beispielen handelt es sich um musikalische Grundmuster der
deutschen Sprache. Es kann in der Wirklichkeit der sprachlichen Kommunikation vielfache Variationen geben:
von einzelnen Sprechern, in bestimmten Sprechsituationen, mit bestimmten Absichten, als raffiniertes Spiel.
Wenn es also heißt: „Der Ton macht die Musik!“ oder „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus!“, so
wird deutlich, dass hier das eigentliche Spiel mit der deutschen Sprache erst beginnt.
Zum Glück gibt es aber viele interkulturelle Erfahrungen, die einem helfen, wenn man
freundlich oder unfreundlich höflich oder unhöflich verbindlich oder abweisend
herzlich oder kalt gefühlsbetont oder sachlich interessiert oder uninteressiert
locker oder gestresst gründlich oder oberflächlich sicher oder unsicher
ruhig oder aufgeregt
sprechen oder verstanden werden möchte.

  Türen zur Grammatik: Satzbau; Fragesätze; Aufforderungen; Konjunktionen; Nebensätze; 


  Verwandte Seiten: 68–72, 74 Relativsätze, direkte und indirekte Rede, Dialoge; Zeichensetzung

W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag 77


74 „Phrasierung“: Pausen und Sprechbögen
Kleine Pausen machen/, zusammengehörende Wortgruppen in einem Bogen sprechen/,
das macht Sätze und Texte verständlich.

1 Kleine Pausen macht man, wo im geschriebenen Text ein Komma gesetzt wird oder gesetzt werden kann – man
spricht also so, wie man schreibt (eigentlich ist es sogar umgekehrt: man schreibt so, wie man spricht): Das gilt
für alle Neben- und Hauptsätze, die mit Komma getrennt werden, auch für Infinitivsätze, egal ob mit oder ohne
Komma. Vor der kleinen Pause – man kann sie auch Zäsur nennen – ist die Melodie schwebend (   73.7):
Man schreibt so/, wie man spricht. Ich sag dir/, dass es so ist. Ich sag dir/, es ist so. Ich bitte dich/, es zu
versuchen. Ich möchte dich bitten/ zu kommen.

2 Nachgestellte Attributionen mit Satzcharakter (Relativsätze, „Appositionen“) trennt man beim Sprechen durch
kleine Pausen – mit schwebender Melodie:
Relativsätze/, die hinter einem Nomen stehen/, trennt man vorn und hinten durch kleine Pausen.
Daniel Düsentrieb/, das geniale/, aber etwas lebensfremde Supergehirn von Entenhausen/, erfand für Onkel
Dagobert/, dieses Ekel von Geiz und Habsucht/, einen absolut einbruchssicheren Geldsafe.

3 Texteinschübe – zwischen Klammern oder Gedankenstrichen – trennt man beim Sprechen (mit schwebender
Melodie) durch kleine Pausen:
Hans Bethe/ – für die Erklärung der Fusionsvorgänge im Inneren von Sternen erhielt er 1967 den Nobel­-
preis –/ war 1933 wegen seiner jüdischen Abstammung aus der Universität Tübingen verdrängt worden.

4 Was zusammengehört, z. B. komplexe Nominalphrasen, spricht man „in einem Bogen“. Die Sprechbögen kann
man auch „Phrasen“ nennen und alles zusammen, mit den Pausen (Zäsuren) auch „Phrasierung“. Man soll also
mit guter Phrasierung sprechen. Mit anderen Worten: Beim Sprechen soll man zeigen, was wie zusammenge-
hört:
Angesichts des Schreckens von Hiroshima und Nagasaki wurde Hans Bethe zum Anwalt einer nuklearen
Abrüstung.
Hiroshima wurde  für viele Menschen auf der ganzen Welt ein Symbol für die Hoffnung auf welt-
weiten Frieden.

5 Sätze, Gliedsätze, Infinitivsätze spricht man in Bögen, phrasiert:


Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. – Es gab noch keine Wesen, die die Erde bewohnten. – Am
Ende schuf Gott Eva, um Adam eine Lebensgefährtin zu geben. – Nachdem sie wussten, was gut und
was böse ist, mussten sie das Paradies verlassen.

6 Auch kleinere Sinngruppen (mehrteilige Adverbien, mehrteilige Verbgruppen) spricht man „in einem Bogen“,
phrasiert, auch wenn das kaum richtige Pausen bewirkt und der Sprechfluss fließend bleibt. Gleichzeitig soll na-
türlich auch der ganze Satz „in einem Bogen“ gesprochen werden – das wird hier durch die größeren Bögen am
Anfang und Ende verdeutlicht. (Das heißt auch: Beim Lesen, vor allem auch bei langen Sätzen, soll man immer
schon schauen, wann der nächste Punkt kommt; bis dahin muss der Sprechbogen reichen.)
An diesem Tag stand er besonders früh auf. Das Geschirr auf dem Tisch/, das noch nicht wegge-
räumt worden war/, war ihm egal. Da kann man leicht in eine problematische Situation geraten.

  Türen zur Grammatik: Satzbau, Fragesätze, Konjunktionen; Attribution; Nebensätze, 


  Verwandte Seiten: 69–73, 75 Relativsätze, indirekte Rede, Dialoge; Zeichensetzung; Textgrammatik

78 W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag


Zehn (+1) praktische Tipps zum mündlichen Vortrag
75
1 Vor einem Publikum (Klasse, Seminargruppe, Audito- 7 Noch mal die „Schlüsselwörter“ (   69): Schlüssel-
rium) sprechen bedeutet: Nicht lesen, sondern sich wörter gehören zur begrifflichen Struktur eines Vor-
möglichst frei sprechend dem Auditorium zuwen- trags. Es ist nützlich und hilfreich, wenn man im Vor-
den, „mit Herzen, Augen, Mund und Händen“. Die trag sicherstellt, dass das Publikum Schlüsselwörter
Zuhörer hören nicht nur, sie sehen auch. „Sprechen“ wirklich verstanden hat:
heißt also auch: Die Zuhörer immer wieder anschau- durch besonders deutliche Betonung,
en, auf ihre Impulse und Reaktionen achten (Lächeln, durch verlangsamte Sprache,
Nicken, Minenspiel, Gestik) und lebendig agieren durch Rückfragen,
und reagieren. Also: Beim Vortrag die Augen hoch durch Wiederholung,
vom Manus­kript und ins Publikum gerichtet! durch Tafelanschrift, Nutzung des Overhead-Pro-
jektors, Powerpoint etc.
2 Die hinten sitzenden Zuhörer sind die Sprechpart-
ner. Wenn sie das Gesprochene gut hören können, 8 Zu diesen Verständnisverstärkern gehören natür-
ist die Stimme laut und deutlich genug. lich auch die Medien, die das gesprochene Wort des
mündlichen Vortrags effektiv unterstützen können:
3 Ein Manuskript ist gut – und eines, das man mit dem gut gegliederte Vortragsskizze als Handout auf
Computer in großen Buchstaben (16–18 pt), größe- Papier,
rem Zeilenabstand und farblich markierten Schlüs- gut erkennbar gestaltetes Wandposter,
selwörtern vorbereitet hat, ist besonders gut. Aber groß genug und deutlich genug geschriebene
wichtiger als die genaue Wortfolge des Manuskripts Overhead-Folien,
ist das klare gedankliche Konzept im Kopf. Powerpoint-Projektion,
vorzeigbare Objekte, Original-Töne vom Tonträger
4 Also frei sprechen, nicht lesen, d. h.:
etc.
genügend laut, zum ganzen Zuhörerkreis,
nicht aufgeregt und hektisch, aber auch nicht zu Für jedes Medium gilt: Gute Vorbereitung und funk-
langsam, monoton und langweilig, tionierende Technik sind der halbe Erfolg.
mit deutlichen Pausen und guter Phrasierung
(   74), 9 Was sonst noch wichtig ist:
mit deutlichen Satzmelodien (   73, 74), zu Beginn eine Ansage, wie lange ungefähr Ihr
mit deutlichen Satzakzenten (   69–72), besonders Vortrag dauern wird,
bei den inhaltlichen „Schlüsselwörtern“, Kontrast- und eine absolut klare Benennung des Themas,
wörtern, Argumentationswörtern (   69), dazwischen eine immer wieder deutlich erkenn-
und die Körpersprache effektiv einsetzen, nicht bare, transparente Gliederung,
aufdringlich, aber sicher und sichtbar (   69). am Ende die Ankündigung des gleich zu erwar-
tenden Schlusses und eine deutliche, positiv stim-
5 Frei sprechen mit Fehlern ist besser als Ablesen mit mende Schlussformulierung, „Schlusspointe“.
weniger Fehlern, aber mit schlechterer Ausspra-
che. Sie können zu Anfang Ihrer Rede ein freund- 10
Noch ein Wort zum Vorlesen: Wer vorliest, soll gut
liches Wort über die vielen kleinen Fehler sagen, die vorbereitet sein. Ein schlecht vorgelesener Text ist
vermutlich kommen werden; Ihr Publikum wird posi- für die Zuhörer eine Zumutung.
tiv reagieren. Aber die Anstrengungen einer schlech- An die Deutschlehrer: Einen Schüler unvorbereitet
ten Aussprache beim Ablesen eines Manuskripts einen längeren Text in der Klasse, vor einem Publikum
sind frustrierend und werden übel genommen, sie vorlesen zu lassen, ist auch eine Zumutung, nicht nur
sind eine Zumutung für alle. für die Zuhörer, sondern vor allem für den betref-
fenden Schüler selbst. Es gibt viel bessere Methoden,
6 Man kann seine Aussprache beim mündlichen Vor- im Unterricht einen Text zu präsentieren, z. B. durch
trag erheblich verbessern, indem man sich bei der Tonträger. Wer vorliest, soll vorher die Chance ge-
Vorbereitung der Hilfe einer deutschen „Leihstim- habt haben, sich gut vorzubereiten und soll auch
me“ bedient. Man bittet eine befreundete deutsch- gut vorbereitet sein, damit es etwas Gutes wird,
sprachige Person (mit angenehmer, gut verständli- damit es schön klingt und für alle eine Freude ist.
cher und nicht dialektal gefärbter Stimme) darum,
das fertige Redemanuskript auf einen Tonträger 11
Eine gute Aussprache und Intonation beim münd-
(Kassette, CD, I-Pod) zu sprechen: als lebendige Rede, lichen Vortrag ist natürlich ein wichtiges Medium
nicht als Textlektüre. Diese Tonfassung hört man sich der Verständigung. Aber es ist auch eine Geste des
dann zur eigenen Vorbereitung mehrmals an, nicht persönlichen Respekts gegenüber den Zuhörern,
nur passiv, sondern zunehmend aktiv mitsprechend, eine Geste des interkulturellen Respekts gegen­
anfangs „im Kopf“, dann laut und immer sicherer. über der Fremdsprache Deutsch.

W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag 79


76 Zehn praktische Tipps zum phonetischen Training
und zum Arbeiten mit diesem Lehr- und Lernmaterial

1 „77 Klangbilder“ hat 77 Arbeitsblätter, 73 davon (au- 6 Die Übungen, Sätze und Wörter einmal leise, dann
ßer 1, 75, 76 und 77) sind Seiten zum Lernen und mehrmals laut sprechen, mit den Augen und mit
Üben. Nicht alle werden für Sie in gleicher Weise dem Mund und den Ohren; und dann: gar nicht
wichtig und nützlich sein, vielleicht brauchen Sie ei- mehr lesen, sondern nur noch sprechen und hö-
nige Seiten überhaupt nicht. Was für Sie persönlich ren, also „auswendig“. Die beigefügte CD hilft Ih-
nützlich und wichtig ist, hängt davon ab, nen dabei.
welche Muttersprache Sie sprechen    Anhang,
S. 82,
wie gut Ihre Deutschkenntnisse schon sind, 7 Nutzen Sie die akustischen Freiräume, die Sie ha-
ob und wie oft Sie schon im deutschen Sprach- ben, zum lauten Üben:
raum waren und mit deutschsprachigen Men- wenn Sie allein zu Hause sind,
schen Deutsch gesprochen haben, beim Spazierengehen,
wie Ihre individuellen Hör- und Sprechveranla- beim Auto- oder Fahrradfahren,
gungen sind. beim Kochen oder bei der Hausarbeit,
vor dem Einschlafen und nach dem Aufwachen,
Suchen Sie sich Ihre wichtigen und nützlichen Seiten
im Bad, beim Duschen, Rasieren, Make-up,
heraus, Ihr persönliches Lernprogramm.
warum nicht auch auf der Toilette …
2 Finden Sie heraus, was im Einzelnen Ihre persön- Das reicht immer für drei, fünf oder zehn Minuten
lichen Fehler und Schwierigkeiten mit der Aus- zum Üben, Brummen, Singen, Sprechen, Deklamie-
sprache sind. Stellen Sie einen Katalog zusammen. – ren.
Wie?
a) Einiges wissen Sie selbst, aus Ihrer Erfahrung mit 8 Für jedes wirkliche Problem „Ohrwürmer“ schaffen.
der Fremdsprache Deutsch. Das sind Sätze, Reime, Liedchen, Wortfolgen oder
b) Fragen Sie Ihre Deutschlehrer. Wörter, die man so gut auswendig kann, dass sie in
c) Fragen Sie Freunde und Bekannte, mit denen Sie einem drin sind und dort singen und klingen. Man
Deutsch sprechen. hört sie, auch wenn man sie nicht laut spricht, und
man eignet sich dabei „richtiges Deutsch“ an. Die CD
3 Versuchen Sie, Ihren persönlichen Katalog gut zu hilft Ihnen dabei.
organisieren. Wie? – In vier Stufen:
Stufe 4: Das sind Fehler, die die Kommunikation
stark behindern, die Ihre Aussprache für 9 Beschaffen Sie sich eine Hörkassette (für den Re-
deutsche Zuhörer schwer verständlich korder, den traditionellen Walkman) oder eine Hör-
machen. buch-CD. Es können auch mehrere sein, aber eine
Stufe 3: Hauptfehler, fremde Klänge in Ihrem ist wichtig. Oder programmieren Sie Ihr modernes
Deutsch, an denen man Ihre Herkunft I-Pod. Lassen Sie sich von deutschsprachigen Ken-
sofort erkennt nern beraten, was geeignet ist. Ein breites Angebot
Stufe 2: geringere Fehler, die weniger stören finden Sie in Musikgeschäften, Buchhandlungen
Stufe 1: kleine, marginale Fehler und Abwei- und sogar in Supermärkten. Oder Sie besuchen ei-
chungen nen Flohmarkt, wo oft Kinder ihre Kinderkassetten
oder alten Hörbücher billig anbieten.
4 Stellen Sie sich für Ihren Fehlerkatalog ein Trai- Wichtig sind:
ningsprogramm zusammen. a) möglichst einfache Texte; sehr gut sind: Märchen,
10 Übungseinheiten für Fehler der Stufe 1 Kinderliteratur,
25 Übungseinheiten für Fehler der Stufe 2 b) eine sympathische, gut verständliche Stimme.
35 Übungseinheiten für Fehler der Stufe 3
50 Übungseinheiten für Fehler der Stufe 4 Und dann: Finden Sie Ihre Lieblingstexte heraus,
hören Sie diese ganz oft, wie Kinder das tun (siehe
Eine Übungseinheit: fünf, maximal zehn Minuten,
oben bei „Ohrwürmer“), lernen Sie „Ihre Texte“ aus-
die Zeit, die Sie brauchen, um eine Seite dieses
wendig.
Buches zu bearbeiten oder zu wiederholen.

5 Wie oft? – Jeden Tag ein bisschen, das ist viel bes- 10
Üben Sie Phonetik auf musikalische Weise. Machen
ser als langes, aber nur seltenes Üben. Zum Beispiel Sie Ihre Stimme und Ihre deutsche Aussprache zu Ih-
drei (verschiedene) Übungseinheiten pro Tag – die rem Soloinstrument, trainieren Sie Ihre Technik und
„phonetische Viertelstunde“. Planen Sie eine Trai- Ihren künstlerischen Ausdruck, Ihnen und Ihren Part-
ningszeit von ca. drei bis sechs Monaten. nern und Zuhörern zur Freude.

80 W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag


Das phonetische Inventar der Standard- und Umgangssprache
77
In der linken Spalte sehen Sie die Phonem-Zeichen des international üblichen Zeichenkatalogs (IPA), die in den
„77 Klangbildern“ verwendet werden. Die mittlere Spalte führt alle deutschen Schreibweisen dieser Klänge auf, die
möglich sind. Die dritte Spalte bringt für alle Schreibweisen Wortbeispiele. Bei den drei „klassischen“ Diphthongen wird
in Klammern auch die abweichende Notation aus Dieling/Hirschfeld, „Phonetik lernen und lehren“ zitiert (München 2000,
S. 39). Beim „Knacklaut“, dem festen Vokalansatz im Deutschen, wird das IPA-Zeichen [/] aus Gründen der besseren Lesbar-
keit in diesem Buch nicht verwendet, stattdessen ['] (   41). Für Diphthonge wird das Bogenzeichen  °  verwendet.
Phonem Schreibweisen Beispiele
Lange Vokale
[aÜ] a, ah, aa Wagen er nahm Staat
[EÜ] ä, äh Mädchen wählen
[eÜ] e, ee, eh leben Schnee sich sehnen
[iÜ] i, ie, ieh, ih, y Maschine Biene du siehst ihr Handy
[oÜ] o, oh, oo oben wohnen Moor
[PÜ] ö, öh, eu schön dröhnen Ingenieur
[uÜ] u, uh zu Schuh
[yÜ] ü, üh, y müde kühl Zypern
   8 „kurze Langvokale“
Kurze Vokale
[a] a hatte Stadt
[å] (minimalisiert) er („r1“    31, 12, 17–19, 20–28) aber vergessen
[´] (minimalisiert) e (   14, 29) hatte bekommen gefallen es
[E] e, ä wenn hätte
[I] i, ie Mitte vierzehn
[O] o hoffen
[{] ö können
[U] u und
[Y] ü, y müssen Psychologie (durch Betonung kurz    8)
Diphthonge
[a°I] ([ae8]) ei, ey, ai, ay, aj Meier Meyer Maier Mayer Majer
[a°U] ([ao8]) au Bauer sauber
[O°I] ([OP8]) eu, äu, oi, oy heute Bäume Loipe Woyzeck
Diphthonge mit -r mit kurzen Vokalen mit langen Vokalen
[aÜ°å] bei „unmarkierter“ Sprech- wahr Saar war
[E°å] [EÜ°å] weise: alle betonten härter erfahren der Märchen
[eÜ°å] Vokale mit nachfolgendem sehr leer Gerhard
[I°å] [iÜ°å] -r („r1“) am Silbenende wird Viertel vier mir
[O°å] [oÜ°å] (außer [a]), auch wenn dort vor Ohr Moor
[{°å] [PÜ°å] noch weitere Konsonanten wörtlich hört Öhrchen
[U°å] [uÜ°å] folgen (   18, 22–28) durch Kur Uhr
[Y°å] [yÜ°å] kürzen Kür Gebühr
Konsonanten
['] ([/]) (-) „Knacklaut“ be'obachten, 'in 'Ordnung, ge'antwortet
[b] b, bb Bär haben Ebbe
[d] d, dd der Addition
[g] g, gg gegen Egge
[p] p, pp, -b Paul sprechen Puppe abfahren
[t] t, tt, -d, th, dt hat hatte rund Theo Stadt
[k] k, ck, -g, ch-s Karl Ecke weglaufen Fuchs
[m] m, mm, n am Hammer haben ([haÜbm]    15, 16)
[n] n, nn den denn
[N] ng, n Tübingen hängen gegen ([geÜgN]    15)
[j] j, i Johannes Ion (umgangssprachlich) ein bisschen
[f] f, ff, v, ph Ofen offen vor Philosophie
[v] w, v, qu wer Vase (aber: Vater), quer ([kveÜ°å]    58)
[h] h haben nahe
[z] s Hase sieben
[s] s, ss, ß was Wasser Straße
[S] sch, s(p), s(t) schön waschen Straße spielen
[Z] j, g Journalismus Rage (Wörter aus dem Französischen    59)
[ç] ch, g ich Milch zwanzig
[x] ch (ähnlich „r3“    31–33) Krach machen; (kratzen, tragen, Produkt)
[l] l, ll leben wollen Karl
[r] „r2“ (   31, 32, 34: r rr, rh, rrh) rot Karren Rhythmus Katarrh
„r3“ (   31–33) kratzen tragen schreien

W. Rug: 77 Klangbilder gesprochenes Hochdeutsch SCHUBERT-Verlag 81


77 Klangbilder – kontrastiv für 11 + 1 Sprachen
Anhang: Welche Blätter sind für Sie wichtig?

Die folgende Übersicht zeigt am Beispiel von 11 verschiedenen Herkunftssprachen, Zeichenerklärung


wie wichtig (oder weniger wichtig) die einzelnen Blätter von „77 Klangbilder“ sind. Sie x Informationsseite
kann allerdings nur eine grobe Orientierung geben; probieren Sie es selbst aus, ob die­ (wichtig für alle Sprachen)
 von höchster Wichtigkeit
se Angaben auch für Sie zutreffen. (Die Rubriken Englisch, Portugiesisch/Brasilianisch  sehr wichtig
und Spanisch differenzieren nicht zwischen den europäischen und amerikanischen  wichtig
Sprachvarianten.) Die leere Spalte ganz rechts lässt Platz für Markierungen für Ler- leer wenig oder gar nicht wichtig
nende, deren Herkunftssprache in der Liste nicht enthalten ist.

Blatt CHI ENG FRA ITA JAP POR/BRA RUS SPA SWE TRK UNG
 1 x x x x x x x x x x x
 2           
 3           
 4           
 5           
 6           
 7           
 8           
 9           
10          
11           
12           
13           
14           
15           
16           
17           
18           
19           
20           
21           
22           
23           
24           
25           
26           
27           
28           
29           
30           
31           
32           
33           
34           
35           
36           
37         
38         
39           
40           
41           
42           
43          
44           
45           
46           
47           
48       
49           
50           
51           
52           
53           
54          
55           
56           
57           
58          
59          
60           
61           
62           
63           
64           
65           
66           
67           
68           
69           
70           
71           
72           
73           
74           
75           
76 x x x x x x x x x x x
77 x x x x x x x x x x x

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