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Verschiedene Mittheilungen aus Zeitschriften

Source: Zeitschrift für katholische Theologie , 1881, Vol. 5, No. 3 (1881), pp. 574-580
Published by: Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck

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574 Bemerkungen und Nachrichten.

die „Christlichkeit", wenn darunter die Uebereinstimmung mit der vo


Luther erfundenen Heilslehre versteht, abzusprechen, und könnte ma
eine bedeutende Anzahl „wissenschaftlicher Leistungen" herstellen, von
denen sich freilich bei der absoluten Selbstverständlichkeit und objektiven
Bedeutungslosigkeit des Resultats kein Zweck absehen ließe. Die R
zensionen von Hilgenfeld (Ztschr. für Wissensch. Theologie, 1879
S. 493; vgl. 1881, S. 251) und Overbeck (in Sybel's histor
Ztschr. 1880, VI, 499) nehmen denn auch eine ironische Stellung zu
dem Engelhardt'schen Buche ein, wobei selbst diesen radikalen Theo
gen die darin zu Tage tretende Pietätslosigkeit unangenehm auffällt
Auch ein Gesinnungsgenosse des Verfassers, Oberconsistorialrath
Or. Sllählin in München, hat sich ein bescheidenes Plaidoyer für
die Christlichkeit unseres Apologeten erlaubt (Justin der Märtyrer un
sein neuester Beurtheiler, Lpz, 1880), worin er mit rührender Naivitä
dessen Unbekanntschaft mit der lutherischen Rechtfertigungslehre dadurc
entschuldigt, daß diese Lehre, weil sie einen vollständigen Verzicht au
das eigene Ich und gänzliche Hingabe an Gott verlange, von dem
natürlichen Menschen am schwersten erkannt und anerkannt werde
könne. Wie will es aber Herr Stählin erklären, daß die gesammte
Christenheit der ersten anderthalb Jahrtausende, darunter so viele groi e
Heilige, deren praktische „Christlichkeit" doch wohl die des „sanftlebe
den Fleisches von Wittenberg" himmelweit übertraf, jene angeblich
Heilswahrheit aus natürlicher Herzenshärtigkeit nicht einzusehen ve
mochte, während dies den Anhängern Luthers so leicht fällt? Hätt
der h. Paulus diese Lehre wirklich gepredigt, so konnte sie ebens
wenig in der alten Kirche spurlos verloren gehen, als dies seit Luthe
In der von ihm gestifteten Gemeinschaft geschehen ist. Denn daß d
Märtyrer und Asceten der Urkirche untauglichere Organe für die u
verfälschte Bewahrung der apostolischen Lehre vom rechten Heilsweg
gewesen seien, als die Streittheologen des Lutherthums, kann doch
kein vernünftiger Mensch annehmen, abgesehen davon, daß dann sactisch
nicht Christus, sondern Luther der Welt die Erlösung gebracht haben
würde. B. B.

Verschiedene Mittheilungen aus Zeitschriften. sàuetâs


sockis 1W1 vol. X111. tà. IX. p. MD—Mi: Vioaru Dupitu
Iuris. Die Verhandlungen der Concils-Congregation über die Frage,
ob ein Domcapitular bei der Wahl eines Capitular-Vicars valide
ob lioito sich selbst die Stimme geben könne (und über zwei ähnliche
Fragen), wurden damit abgeschlossen, daß keine allgemeine Entscheidung
darüber gegeben, sondern bestimmt wurde, daß man in jedem einzelnen
Falle sich an den apostolischen Stuhl wende.
— - p. 416—422. Noch vor Kurzem besaßen viele Kirchen,
die nicht Pfarrkirchen waren, das unbestrittene Recht, in ihrem Kirch
hofe oder in ihrer Gruft zu begraben. Als durch Staatsgesetze die
Beisetzung außerhalb des öffentlichen und gemeinsamen Gottesackers

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Mittheilungen aus Zeitschriften. 575

verboten wurde, verloren deshalb diese Kirchen das Recht des Begräb
nisses nicht. Sie könnten also nach strengem Recht auf dem öffent
lichen Gottesacker gerade so begraben, wie früher in ihrer Privatgrust,
und die Leichen von ihrer Kirche aus ohne Beiziehung des Pfarrers
auf den Kirchhof begleiten und daselbst nach dem vorgeschriebenen
kirchlichen Ritus beisetzen.
äs xdilosopdio odr^tisune 1881, Hpril
p. 587—602 N. 8sxst: I/àpnt okrotà àns los plus uneions
monuments <ts lu pàie àv^niso. „Bei dem Studium der älte
sten Monumente unserer Nationalpoesie erscheint unser Vaterland in
seinen ersten Anfängen vor uns als ein durchaus christliches, wie auch
die ältesten geschichtlichen Nachrichten es als solches charakterisiren; ja
mehr, eine durch und durch katholische Nation bewohnt es, die enge
mit der Kirche von Rom verknüpft ist und sich als eine natürliche
Bundesgenossin des Papstthumes in der Ausführung von dessen großen
Plänen betrachtet." So faßt Sepet das Ergebniß obiger Abhandlung
zusammen. Er beginnt mit der Besprechung des „Gesanges von der
h. Eulalia" aus der Karolingerzeit, dem ältesten bis jetzt bekannten
Reste aus der Entstehungsepoche der französischen Poesie, worin sich
die gänzliche Abhängigkeit der Nationaldichtung von den lateinischen
Gesängen der Liturgie, speciell den Sequenzen, kundthut. Den Schluß
macht eine Betrachtung des Rolandsliedes.
^tliöiisouln, Ido, 1881 IVIurà 19. Mittheilungen über
einen von Gardiner herausgegebenen Fortsetzungsband (I^ttros unä
puxers à.) zu Bremers Quellenwerk über Heinrich VIII. von Eng
land. Der Band bringt Documente aus den Jahren 1S31 und 1532.
Im Vordergrunde steht die Frage der Ehescheidung des Königs,
welche, wie der Ree. bemerkt, für das damalige England der Mittel
punkt aller kirchlichen und politischen Fragen war. Er meint, „man
könne wünschen, daß sie eine edlere gewesen wäre." Papst Clemens VII.
ging ihm gegen den königlichen Ehebrecher zu langsam und zu scho
nend vor; er lieh Heinrich nach seiner Ansicht die Zeit, die derselbe
nöthig hatte, um Volk und Clerus in seinem Lande auf den Abfall
vorzubereiten; bei früherem kräftigen Auftreten würde der Papst die
Unterthanen des Königs auf seiner Seite gesehen haben.
1881 ?gdruur^ 5. Die bisher unedirten englischen
Schriften von Wiclif und seinen Freunden, welche kürzlich Matthew
(Mm enAlisd vocks sie.) herausgegeben, sollen nach einem Berichte
des Ath. a. a. O. den Beweis liefern, daß die der wiclifitischen Secte
beigelegten revolutionären und communistischen Tendenzen größtcntheils
auf Mißverständnissen beruhen. Allein schon die neuen Aeußerungen,
die der Berichterstatter selbst hiefür anführt, enthalten umgekehrt Be
weise für den antisocialen Charakter der wiclifitischen Lehre. Sie be
streiten offen und klar den Todsündern das Recht auf ihr Eigenthum
und sprechen damit ein Princip aus, von dessen praktischer Verwer
thung sich der Pöpel durch die beigefügten theoretischen inconsequenten

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576 Bemerkungen und Nachrichten.

Clauseln begreiflich nicht abwendig machen ließ. — Während in den


neu herausgegebenen wiclifitischen Schriften vielfach Klage geführt
wird, daß Engländer gegen kirchliche Urtheile nach Rom appellirten
auf Kosten ihres Geldes und ihrer Ehre, hat der anglikanische Dom
herr Dixon in dem soeben erschienenen 2. Bd. seiner Lisdorf ok
à àrà otHnAlunà t'wm tirs abolition ok tirs lioniân juris
äietion halb unfreiwillig den Beweis erbracht, daß zur Zeit der Mög
lichkeit einer Appellation an den Papst die Sprüche der englischen
Ketzergerichte milde waren, daß hingegen maßlose Strenge Eingang
fand, seitdem Heinrich VIII. die Appellationen verbot, den Supremat
an sich zog und die Richter keine Revision ihres Spruches zu fürchten
hatten. (Vgl. Rsvus à qusst. bist. 1881, 1. L.vri1 p. 613).
Lidliotirsgus äs l'àeole àss odurtss 1881. nr. 1.
p. 109 88. Die größte Publication, welche man der Liberalität Papst
Leo XIII. und dem Fleiße der Gelehrten in der beginnenden neuen
Periode der Archivbenützung zu Rom verdankt, sind die ausführliche»
Rs^istru Innoosntii IV. E. Berger hat schon die erste Lieferung
dieses Urkundenwerkes über einen der größten mittelalterlichen Päpste,
das wir früher (S. 192) angekündigt haben, veröffentlicht. Die
Lidliotbsguö theilt a. a. O. aus einem Rechenschaftsberichte, welcher
am 17. und 24. Dez. 1880 in der àuà«wiô àss iossriptious si
ksllss-lsttrss zu Paris gelesen wurde, mit, daß Berger 8600 Er
lasse Jnnocenz IV. vereinigt habe, von denen etwa 6000 ungedruckt
seien; er werde, wie im I.Hefte, fortfahren, nur die wichtigeren dem
Worlaute nach zu geben, uni die Grenze von 3 Bänden gr. 4° nicht
zu überschreiten; außer den Erörterungen über die Geschichte des
Papstes werde ein Vlàoirs sur lu àiplowutigus à'Inuossnt IV.
beigegeben; abgesehen von den Beiträgen zur Beleuchtung des Kirchen
streites unter Friedrich II. dürften schon die reichen Ergänzungen und
Berichtigungen zu unseren bisherigen grundlegenden Werken über locale
Kirchen- und Klostergeschichte, wie ltulia suera, LluIIiu oliri
stiunu, Nonustison àZlieuuuw und Lspunnu suAiuàu von Vielen
willkommen geheißen werden. — Berger hat als Mitglied der „Schule
von Rom", eines Zweiges der Heols àss àurtss, gearbeitet. Im
nemlichen Rechenschaftsberichte heißt es, daß ein anderes Mitglied
jener Schule, Ant. Thomas, die Arbeiten an den Vatikanischen Rege
stenbänden fortsetze. „ Hr. Thomas hat mit der Ausbeutung der Acten
aus der Kanzlei Papst Bonisaz VIII. den Anfang gemacht. Er hat
die ersten Resultate seiner Studien unter dem Titel ,Notizen über
Bonisaz VIII. und das erste Register feiner Bullen' vorgelegt. An
ausgewählten Beispielen zeigt er darin, welchen Reichthum neuer Daten
die Erlasse dieses Papstes darbieten" u. s. w. Die Mols àss ekui
tss hat tüchtige katholische Kräfte herangebildet, und der Ausblick in
die künftige wissenschaftliche Thatigkeit für Erforschung des Mittel
alters, der sich mit ihren emsigen archivalischen Arbeiten zu Rom er
öffnet, ist ein sehr erfreulicher.

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Mittheilungen aus Zeitschriften. 577

Liviltà vuttoliou svr. XI. vol. VI. 16. Aprils 1881


p. 268 88. Unter der Überschrift 8oionW nàràli finden wir einen
interessanten Bericht über den Ausgang einer kürzlich mit dem bekann
ten Flüssigwerden des Blutes des h. Januarius vorgenommenen Unter
suchung. Der Chemiker Ponzo war von der italienischen Regierung
zu genauester wissenschaftlicher Prüfung beauftragt. Er verfolgt in
dem amtlichen Berichte, den die Civiltà, benützt, den Vorgang bis in
sein letztes Detail und steht sich, Alles zusammenfassend, in der Noth
wendigkeit, jede Möglichkeit des Betruges zurückzuweisen. Zugleich
versagt ihm zufolge die Naturwissenschaft allen Aufschluß. Er schließt
mit der Erklärung: „Wir sind außer Stande, das geheimnißvolle
Problem zu lösen (Li s iwxo88ibilo ài 8eioMoro ii mistorio80
problowu). "
vol. VI. 18. dinAno 1881 x. 655—676 : Im Zrunà
àiàtà ài Lonauedorib. In der Reihe seiner gründlichen Artikel über
Bibel und moderne Assyriologie, welche sich auf die gesammte bedeu
tendere Literatur dieses Gebietes, die deutsche sowohl als die englische
und französische stützen, ist Gius. Brunengo 8. à. in vorstehendem
Hefte bei der IV Kön. 19, 35 f. erzählten Niederlage der Assyrier
angelangt. Nachdem er früher gezeigt, wie genau die aus den Keil
schriften gewonnenen Daten auch in der Geschichte Scnnacheribs mit
der Bibel übereinstimmen, untersucht er jetzt die beiderseitigen Angaben
über den Ausgang des bekannten Kriegszuges gegen Ezechias und
Aegypten. Die Mittheilungen der Inschriften über den großen Schlag,
der das Unternehmen zu Nichte machte, lauten zwar aus sehr nahe
liegenden Gründen mehr als dürftig. Was man bisher kennt, find eben
Lobeserhebungen auf die Großthaten des Königs. Sie lassen aber nicht
bloß dem biblischen Berichte von dem göttlichen Strafgerichte den sreie
steu Raum übrig, sondern deuten auch in ihrer eigenthümlichen Fas
sung genügend an, daß sie eine eingetretene Katastrophe künstlich und
wie auf Verabredung verhehlen. Ihr Schweigen kann somit ihrem
sonstigen apologetischen Zeugniß für die Bibel nicht den mindesten
Eintrag thun. Uebrigens findet man einen Ersatz an der bekannten
Ucberliefcrung bei Herodot II, 141, welche aus ihrer ägyptisch-sagen
haften Färbung heraus unschwer den VvAolu8 vomim der heil.
Schrift erkennen läßt. Den willkürlichen Deutungen der Schrifterzäh
lung aber kann man den Ausspruch des Assyriologen Rawlinson gegen
überstellen: „Der Bericht der Bibel verlangt die Annahme eines tödt
lichen Unterganges der Vielen, welcher geheimnißvoll und plötzlich zur
Zeit des Schlafes durch directes Eingreifen Gottes erfolgt ist."
krooi8 di8torigus8 1881 ài p. 261—284, -là x.
344—365, Vuii àkon: Lu lubie à „Nonilu 8eorà 8. -1/
Riffel beginnt seine Mittheilungen über die Nonitu eoereta mit dem
treffenden Ausspruch: „Es wäre unnütz, auf eine ernstliche Widerle
gung derselben einzugehen .. Sie sind das Machwerk eines Ruchlosen,
der das ungeheure Verbrechen unter der Maske der Anonymität be
Zeilschrift für lach. Theologie. V. Jahrgang. 36

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578 Bemerkungen und Nachrichten.

gangen hat" (Aush. d. Jesnitenord. 2. Aufl. S. 238). Trotzdem daß


Letzteres schon seit der ersten Zeit ihrer Verbreitung (im I. 1612 zu
Krakau) festgestellt ist, vergeht, wie van Aken bemerkt, kein Jahr,
ohne daß nicht wenigstens eine neue Ausgabe in Frankreich oder
Belgien an's Licht tritt. „Wenn Andere nicht müde werden in der
Förderung der Lüge, warum sollten wir müde werden in der Vertretung
des Rechtes?" (p. 264). Die Arbeit des Verfassers ist eine dankens
werthe objective Untersuchung, eigentlich eine Geschichte der Nouita,
die solche Entschuldigungen nicht nöthig gehabt hätte. Es wird darin
u. A. unter Hinweisen auf den Inhalt der Nouitu und auf das
Ergebniß der ersten gerichtlichen Nachforschungen der Verdacht neu be
stätigt, daß das Libell in Polen, und zwar von einem gewissen Hiero
nymus Zaorowski, welcher aus der Gesellschaft entlassen war, verfaßt
wurde. Das Juliheft soll einen bibliographischen Appendix bringen,
welcher als Ergänzung der historischen Arbeit nicht entbehrt werden kann.
Revue eutkoligus 1881 Nai p. 439—463, tllaos
ssus: Res niâmes Reilos à wo^su-a^s au point às vus àe
la civilisation. Der Verf. zeigt in einer schön geschriebenen Ueber
ficht, daß die großen Abteien der Benedictiner, Cistercienier, Prämon
stratenser und anderer Orden im Laufe des Mittelalters auch für Bel
gien geworden, was sie in moralischer, socialer, artistischer, intellec
tuelle! und materieller Beziehung überall da waren, wo man ihnen
Freiheit der Bewegung gestattete.
Rsvus àss huostious bist. 1881. 1. àvisr. p. 246—63,
vuobssus: Rs prowior Ridsr pontitioalis. Zwei Abhandlungen
von A. Lipsius in den Jahrbüchern für Prot. Theologie 1879—80
veranlaßten den Kirchenhistoriker der neuen Pariser theolog. Facultät
auf das Feld dieser früher schon von ihm behandelten Fmge (siehe
diese Zeitschr. 1879, 812 ff.) zurückzukehren. In den sonstigen
Resultaten mit D. übereinstimmend, schob Lipsius die erste Rédaction
des Rid. pout. bis in das 5. Jahrhundert zurück, wo sie im Anschluß
an einen unter dem heil. Leo I. verfaßten Papstkatalog (eàl.
Rsooisuus, eine kurze Papstgeschichte) entstanden wäre. Demgegen
über vertritt D. mit musterhaft umsichtiger und scharfer Kritik folgende
Sätze: 1. Zwischen dem Liberianischen Papstkatalog von 354 und der
ersten Rédaction des Riß. pout. gibt es keinen Versuch einer Papst
geschichte im Sinne einer Aneinanderreihung biographischer Notizen;
2. der sog. Leonianische Katalog, der mit Sixtus Iii. schließen soll,
hat niemals existirt; 8. der Rib. pout. wmde weder unter Felix III.
noch unter Gelasius, sondern erst nach dem Tode des Papstes Symmachus
(514) redigirt. — Maitz in Berlin hat auf die früher mit ihm über
den Rid. pout. gepflogenen Auseinandersetzungen D.'s vornehm ab
lehnend geantwortet und angekündigt, daß er in den Uouum. dorm,
die vier wichtigsten Textrecensionen dieser Schrift zum Abdruck bringen
werde. Man darf wünschen, daß D. mit der von ihm ebenfalls ver
sprochenen einheitlichen und historisch commentirten Ausgabe der wichtigsten

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Mitteilungen aus Zeitschriften^ 57S

unter allen Quellen der älteren Papstgeschichte nach der Berliner


Publication nicht allzulange zögem werde.
1. ^.pril 1881. p. 357—427 Henri àe l'Lpiueis:
I,o ?ups ^Isxànàrs VI. Es ist zwar M Katholiken keine erfreu
liche Aufgabe, aber doch eine Ehrensache katholischer Wissenschaft, über
Bücher wie dasjenige des Piaristen Leonetti mit seiner, wie es scheint,
nicht glücklichen Rechtfertigung Papst Alexanders VI. skupu ^Iss
sunà VI. Bologna 1880 NureMum, 3 vol.) sich offen und
rückhaltlos auszusprechen. Eine Beurtheilung dieses Werkes von ganz
compétent» Feder war für diese Zeitschrist in Aussicht genommen;
sie wäre allerdings nicht als eine Empfehlung desselben ausgefallen.
Jetzt ist dieser Besprechung der unfern Lesern schon durch seine Galilei
fludien bekannte Historiker de l'Epinois in der- oben notirten eingehen
den und durchaus unparteiischen Arbeit zuvorgekommen. Wir begnü
gen uns auf dieselbe zu verweisen. Der Verf. zeigt unter Anführung
der einschlägigen Quellenstellen, daß das Resultat Leonetti's, wonach
Alexander nicht bloß von einem Theile, sondern vom allen geläufigen
Beschuldigungen freizusprechen wäre, leider nicht auf solidem Boden
ruhe. Der neue, mit großem Aufwand von Fleiß und niit noch
größerer Liebe zur Sache durchgeführte Versuch einer Ehrenrettung
enthält thatsächlich nur wieder die Warnung, nicht von dem gewöhn
lichen Urtheil, wie es auch Card. Hergenröther mit aller Freimüthig
keit ausgesprochen, abzuweichen. Leonetti greift in Bezug auf das
Vorleben Alexanders zu Aufstellungen über die Genealogie der Borgia's,
die sich seit den Arbeiten des Bollandisten Matagne und des italie
nischen Gelehrten Cittadella keineswegs halten lassen; er erhebt Zwei
fel wider die Aechtheit eines für die Charakteristik des Kardinals und
späteren Papstes geradezu entscheidenden Documentes, nemlich des von
Raynaldus (u. 1460 irr. 31) unbedenklich angeführten Beschwerde
bricses Pius II. an Roderich Borgia, während sich l'Epinois aus
dem vatik. Archiv von doppelter Seite her die Aechtheit des frag
lichen Stückes bestätigen läßt; er sucht vergebens sich mit den zahl
reichen und übereinstimmenden Berichten über simonistische Umtriebe
Roderichs bei seiner Papstwahl zur Entschuldigung des letzteren aus
einanderzusetzen; er stellt das Leben und Treiben am Hofe Alexanders,
das leider allzusehr den Geist der damaligen Renaissancezeit athmete,
in einer Weise dar, die vielfach den Stempel historischer Willkürlich
keit an der Stirne trägt. Auch bei Alexander muß das Wort Gel
tung haben: Die Päpste bedürfen Nichts als die Wahrheit. Sonst
beraubt sich die katholische Wissenschaft der Achtung, die sie nöthig
hat, um sich bei Freund wie Feind für ihr sonstiges Vorgehen nach
diesem Worte, das in Tausenden von Fällen zugleich ihren Sieg be
deutet, den Credit zu bewahren. Indessen muß man den fleißigen
Bemühungen Leonetti's in mancher anderen Hinsicht Dank wissen.
Eine ganze Zahl nebensächlicher Fragepunkte ist zu Gunsten Alexander VI.
klarer geworden. Daß Solches zu erreichen ist (und dies kann

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580 Bemeàngen und Nachrichten.

jedem kirchlich Gesinnten nur erwünscht sein) haben wir schon früher an
den angeblichen Mordthaten des Cesare Borgia gezeigt (1880, 798).
8eioll?a e Isäs 1881 là. 72V, NurM 31, p. 499s.:
Bericht über einen wichtigen Fund zur vielerörterten Geschichte des
römischen Priesters Hippolyt. Ausgrabungen in der Basilica S.
Johann im Lateran zu Rom, welche zur Vergrößerung der Absis vor
genommen wurden, haben zur Entdeckung von Bruchstücken einer apf
Hippolyt bezüglichen damasianischen Marmorinschrift geführt. Es ge
lang de Rossi aus einem Petersburger Codex, der früher der Abtei
S. Germain-des-Prös angehörte, den Wortlaut der ganzen Inschrift zu
erhalten. Da seine in der archäologischen Akademie zu Rom verlesene
Abhandlung über den Fund noch nicht zugänglich ist, geben wir den
Text nach obiger Zeitschrift, indem wir mit ihr die entdeckten Frag
mente durch größere Buchstaben hervorheben.

/«»à/' OHA 31188^ 'l'^MM,


à se/smJ. 81!N?1M N/4N8188I!
A/aà8 8H0VI? VI80LIi^
7)evok«s (?/àsko er/N ?IOer/m,
Hr/aàssek r/ààam ^>eoeeI)1Z111! gösset.
àââ'cam âaàe //Äem «e^r/e/'sr/àe r/k »mne« /
Ke r/oskee Meer/Ä co/î/àu/s Maev/e «1
àee aàà ee/sHI' 1>J.Naàm.? / »m/à (S/-«'às.
In dieser Inschrift findet jene Anficht eine entschiedene Bestäti
gung, welche im Anschluß an Prudentius (poristspfi. 11. v. 17 ss).
den àtui. I^iboriuuus und die vopositio murt^rum dèn römischen
Hippolyt als Presbyter und bekehrten Novatianer von dem Bischof
und Kirchenschriftsteller Hippolyt unterscheidet (S. diese Zeitschr. Bd. II
1873 S. 525). Bekanntlich hat die Döllinger'schc Hypothese, welche
den (letzteren) heiligen Hippolyt für den Verfasser der gehässigen Philo
sophumena und für den ersten Gegenpapst hält, die Identität Beider
zur Voraussetzung Sie wird jetzt um vieles unwahrscheinlicher, als
sie ohnehin schon war. Es sei beigefügt, daß sich neuestens auch L.
Duchesne in Paris gegen die Abfassung der Phildsophumena durch
Hippolyt ausgesprochen hat (LuIIotin critique 1881, 1. Nu!)

Dem durch seine Werke über die Theologie und Philosophie der
Vorzeit rühmlichst bekannten ?. Joseph Kleutgen 8. 3. ist es
trotz seines leidenden Zustandes gelungen, die Veröffentlichung eines
die ganze Dogmatil umfassenden, zunächst für Studircnde bestimmten
Lehrbuches unter dem Titel lustitutiouss tfisoluAieag zu
beginnen. Der !. Band (über 700 Seiten stark), wird in den nächsten
Wochen bei Fr. Pustet in Regensburg erscheinen. Die theolog. Schulen
erhalten hiemit die reife Frucht der vieljährigen scholast. Studien d. Verf.
in einer übersichtlichen, nicht bloß dem Inhalte, sondern auch der Form
nach dem hl. Thomas so viel als möglich sich anschließenden Darstellung.

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