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Einführung zum Thema

Gefässchirurgie 2018 · 23:404–405 M. K. Widmer


https://doi.org/10.1007/s00772-018-0445-1 Universitätsklinik für Herz- und Gefässchirurgie, Inselspital, Universität Bern, Bern, Schweiz

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Innovationen in der
Shuntchirurgie

Liebe Leserinnen, liebe Leser, Shuntchirurgie und möglicherweise der schaffen. Man darf gespannt sein, wie
Druck der Ökonomisierung mit einer sich diese Innovation bewährt. Mit dem
nun sind sie endlich da. Erstmalig hat die Fokussierung auf die Dienstleistung Kaleidoskop Nr. 3 von Hassan Hakki sind
Europäische Gesellschaft für Gefässchi- führen dazu, dass der Gefässchirurgie Sie, lieber Leser, wieder um einen The-
rurgie (ESVS) in Zusammenarbeit mit kaum mehr Beiträge zu Themen der rapievorschlag gebeten.
der Vascular Access Society (VAS) im Zugangschirurgie eingesandt werden. Der Rubrikverantwortliche freut sich
Mai 2018 Richtlinien für die Zugangs- Enttäuschend auch, wenn eingelade- über zahlreiche Behandlungsvorschläge.
chirurgie publiziert [1]. Das ist gut so, ne Autoren zugesagte Beiträge nicht, Gestalten Sie die Zeitschrift mit, schicken
denn im Alltag von Gefäßchirurgen steht zu spät oder in ungenügender Quali- Sie uns Ihren Fall zur Diskussion oder
die Shuntchirurgie nicht im Fokus von tät einreichen. Dann wird es für den Ihre wissenschaftlichen Arbeiten, damit
Wissenschaft und Industrie und auch im Rubrikverantwortlichen fast unmöglich, die Leser animiert werden und vom Ih-
Operationssaal kommen die Eingriffe sein Ziel zu erreichen – nämlich für die rem Wissen profitieren können.
meist am Schluss des Programms. Dabei Leserschaft eine attraktive Nummer zu Im Frühjahr 2018 hat sich Volker
erfordert gerade die Shuntchirurgie eine gestalten. Mickley aus Rastatt als Rubrikverant-
feine Operationstechnik und strategi- Um der myointimalen Hyperplasie wortlicher der Shuntchirurgie aus dem
sches Denken, da auch immer an einen entgegenzuwirken, wurde von der Indus- Board der Zeitschrift Gefässchirurgie
Plan B gedacht werden muss. Bei Re- trie ein externer Nitinol-Stent entwickelt, zurückgezogen. Er hat über viele Jahre
visionseingriffen ist neben technischen der die arteriovenöse Anastomose bra- eigene Artikel in der Zeitschrift publi-
Fertigkeiten Operationstaktik gefragt. chiozephal in einem idealen Winkel ziert oder Autoren aus seinem Netzwerk
halten soll, um möglichst einen lamina- animiert Beiträge zu schreiben. Die Lei-

»eineDiefeineShuntchirurgie erfordert
Operationstechnik und
ren Blutfluss zu garantieren. Frau Verena
Müller berichtet in einer konsekutiven
tung der Gefässchirurgie dankt Volker
Mickley für seine großen Verdienste und
Serie von 10 Patienten über erste Erfah- wünscht ihm privat wie beruflich alles
strategisches Denken rungen in ihrer Klinik mit diesem neuen Gute.
Device. Mit einer Übersichtsarbeit will Als neuen Rubrikverantwortlichen
Die neu veröffentlichtenRichtlinienbrin- Tobias Steinke dem Leser die Technik und habenwirRichard Kellersmannaus Fulda
gen klar zum Ausdruck, dass sich nur sehr die ersten Resultate von Studien zu en- gewinnen können, der im deutschspra-
wenige Empfehlungen auf ein Evidenz- dovaskulär geschaffenen arteriovenösen chigen Raum in Sachen Shuntchirurgie
Level A, d. h. aufgroße randomisierte Stu- Fisteln näherbringen. Die Methode steht kein Unbekannter ist. Wir freuen uns
dien, abstützen [2]. Dies ist ein Manko der noch in den Anfängen der Evaluation. auf seine Unterstützung und auf seine
Shuntchirurgie neben einem geringen In- Bekanntlich brauchen aber Innovationen Ideen zur Gestaltung von lesenswerten
novationspotential im vergangenen Jahr- Zeit, bis man deren Stellenwert in der Seiten.
zehnt. Man darf gespannt sein, was die Palette von Gefäßzugangsmodalitäten Zum Abschluss schweift der Blick
Empfehlungen der angekündigten neuen richtig einordnen kann. noch nach Europa. Im April 2018 hat
Guidelines der National Kidney Founda- Mit dem von Matthias Widmer ver- Jan Tordoir aus Maastricht seine klini-
tion Kidney Disease Outcomes Quality fassten Artikel über einen „Knochenfi- sche Tätigkeit aufgegeben. Er hat über
Initiative (NKF-KDOQI) und der Euro- xierten Port als Dialysezugang“ wird erst- viele Jahre die Shuntchirurgie in Europa
pean Renal Association – European Dia- mals weltweit über klinische Resultate ei- vorangebracht, den Bereich Shuntchir-
lysis Transplant-Association (ERA-ED- nes neuen Zugangsweges hinter dem Ohr urgie im Rahmen des European Vascular
TA) beinhalten, welche weniger chirur- berichtet. Der mit einer Klappe ausgestat- Course positioniert und war 1997 Mit-
gisch dafür mehr patientenzentriert sein tete Port, welcher mit einem herkömm- begründer der Vascular Access Society,
sollen. lichen Hämodialysekatheter verbunden deren Präsident er von 2005 bis 2007
Das oben festgestellte fehlende For- ist, erlaubt es, mit einem einfachen Kon- war. Er hat in diversen Zeitschriften un-
schungsinteresse an Fragestellungen zur nektor Zugang zur Dialysemaschine zu zählige Originalarbeiten veröffentlicht

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Buchbesprechung

F. Wacker, H. Lippert, R. Pabst


und durfte deshalb anlässlich seiner
Emeritierung von der Universitätsklinik
Atlas der arteriellen Variationen
von Maastricht, den „Dutch Honorary Klassifikation und Häufigkeit
Award“ entgegennehmen. Wir gratulie- Stuttgart: Thieme Verlag 2018, 216 S., 929 Abb., (ISBN: 9783131729613), 199,99
ren Jan Tordoir zu dieser hohen und EUR
verdienten Ehre, hat er doch entschei-
F. Wacker, H. Lippert und R. Pabst haben den bei unklaren Befunden die entsprechende
dend mitgeholfen, die Shuntchirurgie
„Atlas der arteriellen Variationen – Klassi- Normvariante zu identifizieren – wie z.B. die
als Fachbereich zu etablieren.
fikation und Häufigkeit“ nun in Deutsch im persistierende A. saphena, die beim Affen
Thieme Verlag herausgegeben. Selten war ich häufig , beim Menschen aber nur sehr selten
Mit kollegialen Grüßen
gespannter, das Belegexemplar auszupacken zu finden ist.
und das Buch zu begutachten. Es handelt sich Das Buch ist hochwertig verarbeitet und
um 47 Kapitel aus 5 Sektionen auf 216 Sei- kann über einen QR-Code auch elektronisch
ten mit 929 Abbildungen. Die Qualität der geladen werden. Dadurch, dass nur wenige
Abbildungen ist durchgehend hochwertig. Autoren die Kapitel verfasst haben, wirkt
Die 5 Sektionen beziehen sich auf die topo- das Buch wie aus einem Guss – dies ist
PD Dr. med. M.K. Widmer
graphischen Regionen „Herz und Thorax“, heutzutage eine Seltenheit. Ich kann dieses
„Bauch und Becken“, „Untere“ und „Obere schöne Werk uneingeschränkt empfehlen,
Korrespondenzadresse
Extremität“ sowie „Kopf und Rückenmark“. nicht nur Spezialisten, die sich täglich mit
PD Dr.med. et MME Neben gut gezeichneten schematischen der Befund von Röntgenbildern befassen,
M. K. Widmer Darstellungen der Varianten finden sich sondern auch allen Therapeuten, die im
Universitätsklinik für zahlreiche radiologische Beispiele; meist als Alltag offen oder interventionell mit Arterien
Herz- und Gefässchirurgie,
Computertomografie (Körperhöhlen) oder zu tun haben. Vielleicht trifft es auch der Titel
Inselspital, Universität Bern
Freiburgstrasse 10, 3010 Bern, als DSA (Extremitäten, Kopf). der englischen Ausgabe von 2017 besser:
Schweiz Den größeren Arterien ist einleitend jeweils „Arterial Variations in Humans: Key Reference
matthias.widmer@insel.ch ein Abschnitt zur Entwicklungsgeschichte for Radiologists and Surgeons“.
gewidmet. Dies ist wichtig, um einen großen
Interessenkonflikt. M.K. Widmer gibt an, dass kein Teil der Variationen zu verstehen. In den
Interessenkonflikt besteht. einzelnen Kapiteln wird dann zunächst der A. Larena-Avellaneda (Hamburg)
„Normalfall“ dargestellt. Es folgen dann die
Varianten meist nach Häufigkeit geordnet.
Literatur Wer sich schon immer mal gefragt, wie häufig
1. Schmidli J, Widmer MK, Basile C et al (2018) z.B. die A. vertebralis direkt aus dem Aorten-
Vascular access: clinical practical guidelines of the bogen abgeht (4%), oder die Hauptäste des
European Society of Vascular Surgery. Eur J Vasc
Endovasc Surg 55:757–818
Tr. coeliacus einen gemeinsamen Ursprung
2. Willmink T (2018) Editorial zu vascular access: der A. mesenterica superior besitzen (7%),
clinical practice guidelines of the European Society wird hier fündig. Auch die gut sortierten Zita-
for Vascular Surgery. Eur J Vasc Endovasc Surg
55:753–754
tionen helfen dem interessierten Leser weiter
in die Materie einzutauchen. Allerdings ist an-
zumerken, dass eine für uns Gefäßchirurgen
wichtige Arterie keine Erwähnung findet: Ein
Kapitel zum extrakraniellen Teil der A. carotis
interna fehlt leider.
Heutzutage besteht ein Großteil unserer
(gefäßmedizinischen) klinischen Tätigkeit
auch in der Interpretation von Röntgenbil-
dern, insbesondere bei der Planung eines
Eingriffs. Eine exzellente Kenntnis der (arte-
riellen) Anatomie und vor allem auch ihrer
Abweichungen ist eine Grundvoraussetzung
für eine sichere Operation bzw. Intervention
– ich erinnere mich z.B. noch an das Buch
„Anatomisch bedingt Komplikationen in der
Allgemeinchirurgie“. Auch kann das Werk
„Atlas der arteriellen Variationen“ helfen,

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