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Anleitung für den van Dyke Druck

Der van Dyke Druck gehört zu den einfachen Silbersalz Anwendungen, bei denen Silbernitrat unter
Einfluss von UV – Licht von Ammoniumeisencitrat zu metallischem Silber umgewandelt wird. Das
Verfahren wurde in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts von Sir John Herschel entwickelt.
Aufgrund der chemischen Gemeinsamkeiten wird der van Dyke Prozess dem der Kallitypie
zugeordnet. Dennoch gibt es einen Unterschied, der den einzigartigen Charakter des van Dyke
Druckes ausmacht, nämlich die Zusammensetzung der Emulsion. Das in der Emulsion einer Kallitypie
vorhandene Eisen (III) Oxalat wird gegen Ammoniumeisencitrat ausgetauscht. Eine weitere für van
Dyke typische Eigenart wird später behandelt. Wie für nahezu alle traditionellen Edeldrucke üblich,
wird die Belichtung auch beim van Dyke Druck im sogenannten Kontaktverfahren vollzogen; d.h. der
fertige Druck hat die gleichen Maße wie das verwendete Negativ. Eine brauchbare Negativgröße
beginnt daher in aller Regel bei 4x5“ und endet mit dem Negativ der größten verfügbaren
Plattenkamera. Sehr geeignete Negative lassen sich selbstverständlich auch digital herstellen. Die
Auswahl der optimalen Druckgröße unterliegt wie immer ästhetischen Regeln und ist in besonderem
Maße vom jeweiligen Bildmotiv abhängig. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass den im traditionellen
Verfahren hergestellten Bildern eine eher bescheidene Formatgröße besonders gut steht.
Zur Herstellung eines Druckes wird die fertig gemischte Emulsionslösung auf Papier, Keramik, Holz
o.ä. aufgetragen, belichtet, mit destilliertem Wasser entwickelt und danach fixiert. Der fertige Druck
fällt durch seine besonders ansprechenden und stabilen Brauntönungen auf.

Im Einzelnen:

Für die Herstellung der Emulsionslösung werden drei Chemikalien benötigt:

Teil A: Ammoniumeisencitrat grün (rotbraun enthält zu viel Eisen)


Teil B: Weinsäure
Teil C: Silbernitrat

Fertig angerichtete Emulsionslösung einschließlich des Fixers ist, wie bekannt, im Shop unter der
Rubrik Edeldruck erhältlich.
Die gebrauchsfertige Lösung ist bei Aufbewahrung in einem Kühlschrank für ca.1 Jahr haltbar.

Vorsicht!
Silbernitrat kann bei Augenkontakt zur Erblindung führen. Daher die Augen währen der Arbeit
nicht mit den Fingern berühren und eine geeignete Schutzbrille tragen.

Das Auftragen der Emulsion

geschieht bei gelber Dunkelkammerbeleuchtung. Die Emulsionslösung wird am zweckmäßigsten mit


einer Pipette abgemessen (für eine 8x10“ Fläche genügen 2,5 bis maximal 3,0 ml) und mit einem
guten Hake-Pinsel in gleichmäßigen Pinselstrichen aufgetragen. Die Lösung muss sowohl horizontal
als auch vertikal verteilt werden. Bei diesem Arbeitsgang ist insbesondere darauf zu achten, dass sich
keine „Pfützen“ bilden; dies geschieht häufig, wenn zu viel Flüssigkeit aufgetragen wurde. In jedem
Fall sollte die Emulsion „in Raten“ aufgetragen und zwischendurch verteilt werden. Der Prozess ist
auf diese Weise besser kontrollierbar. Die meisten Edeldruck – Fans tragen die Emulsion mit dem
sogenannten „puddle pusher“ auf (bei Monochrom im Angebot). Dieses Gerät besteht aus einem
langen Glasröhrchen mit Handgriff und ist an Sparsamkeit beim Auftragen der Emulsion unschlagbar.
Der Puddle Pusher wird quer zur schmalen Seite des Papiers gelegt, die Emulsion per Pipette
entlang des Röhrchens aufgebracht und dann wird gepusht und zurückgezogen. Diese Methode
funktioniert aber nur auf einer völlig glatten Papierfläche. Für die Beschichtung kann praktisch jedes
gute und nicht zu dünne Aquarellpapier verwendet werden. Dünnes Papier neigt bei Durchnässung
zur Wellenbildung; 250 Gramm/m2 sollten es schon sein. Bei Herstellernamen wie Fabriano, Cranes
oder Arches (bei Monochrom im Angebot) liegt man auf der richtigen Seite.

Das Negativ

spielt, wie bei nahezu allen Edeldruckverfahren, die alles entscheidende Rolle. Für das Gelingen des
van Dyke Druckes ist ein wesentlich kontrastreicheres Negativ als bei der konventionellen Fotografie
erforderlich. Grundsätzlich sollten solche Negative verwendet werden, die bei herkömmlichem
Verfahren für Fotopapiere mit den Härtegraden 1 bis 2 verwendet würden. Dies entspricht in etwa
einer Negativdichte von 1.4 bis 1.7. Das Thema Negativ darf aber nicht ohne die Erwähnung der
guten alten „FRANALOG“ Pyrogallol- (ABC) oder Brenzkatechinentwickler „FRANALOG“ (STAINOL)
behandelt werden, da beide Entwickler zwar nicht gleiche, aber doch sehr ähnliche Negative
produzieren, die für den Einsatz in den Bereichen Kallitypie, (hierzu zählt auch van Dyke) Platin- und
Palladiumdrucke in einem ganz besonderem Maße geeignet sind.

Die Belichtung
der Emulsionsschicht, also die Herstellung des latenten Bildes, geschieht mit Hilfe ultravioletten Lichts,
welches die Sonne in Form von UV – Strahlen bereit stellt. Die Belichtung kann also rein theoretisch
durch Sonnenlicht erfolgen; es steht kostenlos zur Verfügung. Praktisch ist die Inanspruchnahme der
Sonne aber wenig ratsam, denn sie ändert ständig die Intensität ihrer Strahlung und macht damit eine
zuverlässige und wiederverwendbare Belichtungszeit zur Illusion.

Für den Anfänger reicht sie jedoch allemal, der Fortgeschrittene wird sich aber eine verlässliche
Kunstlichtquelle aus speziellen UV-Röhren basteln oder für viel Geld kaufen.

Für den Belichtungsablauf mit Kunstlicht wird das Negativ auf die beschichtete Seite des Papiers
gelegt und dann beides mit dem Negativ nach unten zeigend auf einer sauberen Glasplatte deponiert,
unter der sich die Lichtquelle befindet. Nun wird eine zweite Glasplatte auf das Papier gelegt, damit
Papier und Negativ einen guten physischen Kontakt zueinander haben; dies garantiert eine scharfe
Abbildung. Die Belichtungszeit ist von der Stärke der Lichtquelle, seiner Entfernung zum Papier und
natürlich der Dichte des Negativs abhängig. Im günstigsten Fall beträgt sie 1,5 bis 4 Minuten, der
Durchschnitt liegt bei 2 Minuten.

Soll die Belichtung durch Sonnenlicht erfolgen, ist wieder auf den festen Kontakt des Negativs mit dem
Papier zu achten. Dies geschieht in der Form, dass beide, wie vorab beschrieben, zusammengefügt
und dann zwischen zwei Glasscheiben befestigt werden. Danach sollten die Glasscheiben mit
Klebefilm an den 4 Seiten verbunden werden. Auf dem Markt werden spezielle Kontaktrahmen für
diese Zwecke angeboten; sie sind gut und praktisch, aber wiederum sehr teuer. Die Glasscheiben mit
Inhalt werden nun möglichst in einem 90° Winkel (Negativ vorn) zur Sonne gestellt. Eine Belichtung
bei bewölktem Himmel kann Stunden dauern, und erscheint mit daher wenig praktisch. Die Belichtung
ist abgeschlossen, wenn die belichtete Fläche des Papiers die spätere Abbildung ganz leicht
erkennen lässt. An einem wolkenlosen Sommertag sollte das nach 2 bis 6 Minuten der Fall sein. Hier
gilt es einfach auszuprobieren (Teststreifen); schon nach wenigen Drucken ist die Belichtung kein
Thema mehr. Dies gilt gleichermaßen für die Verwendung von Kunstlicht.

Die Entwicklung

gibt es so gut wie kostenlos, denn sie wird unter fließendem Wasser vorgenommen. Dabei wird das
überschüssige Silbernitrat in Form einer milchigen Wasserfärbung ausgespült. Gleichzeitig formiert
sich ein sepia-gelbes Bild. Sollte das Ergebnis zu flach sein, kann das Papier nach Beendigung der
Entwicklung und einer 1 bis 2 minütigen Spülung in ein 10 %iges Kaliumdichromat - Bad überführt und
dort eine Minute belassen werden (10 Tropfen auf 500 ml Wasser). Anschließend wird noch einmal
gut gespült. Vorsicht ist geboten: Kaliumdichromat ist sehr giftig.

Das Fixierbad

wird mit dem beigefügten FRANALOG Fixierkonzentrat hergestellt. Der Druck wird darin bei leichter
Bewegung für maximal 1 Minute belassen. Während der Fixierung wird sich die warme sepiabraune
Farbe des Bildes in einen dunkleren und kühleren Ton verändern; falls der ursprüngliche Farbton
besser gefiel, kann er später durch Tonung oder Tee- und Kaffebäder wieder hergestellt werden.

Vor der Endspülung

kann das Bild für 1 Minute in eine 2%ige Natriumsulfit Lösung gegeben werden. Hierdurch verkürzt
sich die Endspülung von 40 auf 10 Minuten. FRANALOG hat ein Konzentrat für 20 Liter Arbeitslösung
im Programm.
Zum Abschluss

Wird für nach Berücksichtigung des Vorgesagten für 10 bis 15 Minuten, ohne „Hypo-Clearing“ für 45
Minuten unter fließendem Wasser gespült. Ich habe gute Erfahrungen gemacht, wenn das Bild zum
Trocknen in je 2 Lagen (unten und oben) Haushaltsrolle gelegt und gepresst wird. Nach jeweils
einigen Stunden muss das Papier ausgetauscht werden. 24 Stunden sollten dafür veranschlagt
werden. Aber bitte, es gibt bestimmt einfachere Methoden.

Viel Spaß