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Bienengesundheit

Mit Hopfen gegen die Varroa


Teil 1: HopGuard® als Winterbehandlungsmittel erfolgreich getestet
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Schon seit einiger Zeit kursiert in Imkerkreisen, dass das in vielen Bundesstaaten der USA durch Not­
verordnungen gegen die Varroose einsetzbare HopGuard® auch bei uns zugelassen werden soll.
Dr. Eva Rademacher und Diplombiologin Marika Harz berichten über ihre Versuche zur Wirksamkeit
und Bienenverträglichkeit dieses Bekämpfungsmittels, das aus Hopfen-Extrakten besteht.

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rotz der Bandbreite an Behand- 1 Echter Hopfen (Humulus lupulus)
lungsmöglichkeiten und wirksa- 2 wächst wild in Hecken und an
men integrierten Varroa-Bekämp- Waldrändern. Foto: J. Schwenkel
fungskonzepten mit organischen Säuren 2 Packungseinheit von HopGuard®.
ist es von großer Bedeutung, die Suche Es ist in den USA bereits zugelassen.
nach neuen Medikamenten intensiv fort- 3 Einhängen der HopGuard®-
zuführen. Schließlich gibt es resistente Streifen in die Wintertraube.
Milbenstämme gegenüber einigen syn- Werkfoto BetaTec Hop Products.
thetischen Acariziden, und zudem bean-
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sprucht die Entwicklung und Zulassung
meist viele Jahre. So begannen wir be-
reits 2008, die Pflanzeninhaltsstoffe des
Hopfens durch ein Screening genauer
zu untersuchen. Eine Zulassung des zur
Praxisreife entwickelten Medikaments
HopGuard• ist nun im nächsten Jahr zu
erwarten. LIB Hohen Neuendorf in Birkenwerder natürliche Bienen- und Milbentotenfall
und LAVES in Celle) wurde im Novem- überwacht. Der Bienentotenfall konnte
Umfangreiche Labor- und ber/Dezember 2011 durchgeführt. Dabei durch Gary-Fallen an den Fluglöchern
Feldstudien wurden jeweils zwei HopGuard•-Streifen exakt bestimmt werden, der Milbentoten-
pro Zarge für 14 Tage diagonal in die Win- fall wurde mit Bodeneinlagen ermittelt.
Die Laborstudie begann, wie gesagt, mit tertraube gehängt (siehe Fotos). Zu die- Zusätzlich wurde in einem Langzeitver-
einer umfangreichen Untersuchung der sem Zeitpunkt waren alle Völker brutfrei. such die Legeleistung der Königin über
Hopfeninhaltsstoffe, wobei verschiedene Die Kontrollvölker wurden zum gleichen einen Zeitraum von zwei Jahren über-
Substanzen in unterschiedlichen Dosie- Zeitpunkt mit Oxuvar• nach Packungs­ prüft. Dafür wurden fünf Bienenvölker
rungen an Einzelbienen durch Füttern beilage behandelt. Im Anschluss an die in zwei aufeinander folgenden Jahren mit
oder Aufträufeln appliziert wurden. Die Nachbehandlung der Testvölker mit Oxu­ HopGuard• im Herbst/Winter behandelt.
aussichtsreichste Substanzgruppe – Hop- var• wurde der Milbentotenfall für wei-
fenbetasäuren (HBS) als Wirkstoff in Hop- tere drei Wochen bestimmt und so die Verträglich für Bienen
Guard• – wurde dann in ihrer Wirkung Wirksamkeit von HopGuard• berechnet.
auf Bienen und Milben getestet und so Zur Feldstudie gehörte die Schätzung Die Wirkung von HBS auf Milben an der
auch die Toxizität in einer aufsteigenden der Volksstärken nach der Liebefelder Biene wurde durch äußerliches Auftrop-
Dosis­reihe bestimmt. Schätzmethode zu den Zeitpunkten vor fen bis zu einer Dosis von 50 µg geprüft.
Die anschließende Feldstudie mit und nach der Behandlung sowie zur Aus- Bereits bei 25 µg pro Biene wurde ein Mil-
60 Wirtschaftsvölkern (jeweils 30 ein- und winterung im folgenden Frühjahr. Des bentotenfall von 90 % verzeichnet (Abbil-
zweizargige Völker an den Standorten des Weiteren wurde vor der Behandlung der dung 1). Von den Bienen selbst wurde eine

10 11.2015  ADIZ • die biene • Imkerfreund


Bienengesundheit

Abbildung 1: Wirkung von HBS auf die Sterblichkeit Abbildung 2: Aufsummierte Milbensterblichkeit während des
von Milben und Bienen. Signifikante Unterschiede Testzeitraums am Standort Birkenwerder in Bezug zur Nachbehand-
im Vergleich zur Kontrollgruppe (0 µg/Biene) lung mit Oxalsäure. Es wurden keine signifikanten Unterschiede
sind durch „ * “ gekennzeichnet (MWU, P ≤ 0,01); im Gesamtmilbentotenfall zwischen den Test- und Kontrollgruppen
n.s. = nicht signifikant. festgestellt (z-Test, P ≥ 0,05).

Dosis bis zu 150 µg sehr gut toleriert, wenn Gute Überwinterung Monaten auch im Wachs keine Rück-
wir sie in Kleingruppen im Labor hielten. stände von Betasäuren mehr nachweis-
Auch bei ganzen Bienenvölkern war Die Bestimmung der Volksstärken vor der bar waren.
die Verträglichkeit der HopGuard • - Behandlung und im folgenden Frühjahr Die Rückstandsanalyse legt nahe, dass
Behandlung sehr gut. Am Standort Bir- zeigte keine signifikanten Unterschiede die Qualität der getesteten Bienenpro-
kenwerder lag die Bienensterblichkeit hinsichtlich der Anzahl der Bienen in den dukte nicht durch eine HopGuard •-
der Testvölker bei 3,6 % (Ein-Zarger) und einzelnen Gruppen. Die Behandlung wird Behandlung beeinträchtigt wird. Die
3,1 % (Zwei-Zarger). Im Vergleich zu den von den Bienen gut vertragen, eine Mor- Verbrauchersicherheit ist somit gewähr-
Kontrollvölkern ergaben sich keine sig- talitätsrate im Bereich von 5 % ist generell leistet. Auch die notwendigen Zusatz-
nifikanten Unterschiede. Am Standort akzeptabel. Die aufgetretenen Völkerver- stoffe entsprechen Lebensmittelqualität.
Celle konnten ähnlich gute Werte erzielt luste (insgesamt 10 %) lagen im Vergleich
werden. unter dem Bundesdurchschnitt für das Zulassung in Sicht
Jahr 2011/2012 (21,5 %).
Schädlich für Milben Am Standort Birkenwerder konnten In den USA ist das Behandlungsmittel
drei Ein-Zarger der Testgruppe nicht aus- HopGuard• in vielen Bundesstaaten unter
Die 14-tägige Behandlung von Bienenvöl- gewintert werden. Am Standort Celle gin- einer Notverordnung für die ganzjährige
kern mit HopGuard• erreichte eine recht gen ebenfalls drei Völker durch eine No- Behandlung der Varroose zugelassen. Für
gute Wirksamkeit gegen Varroa. Sie lag in sema spp.-Infektion verloren. den europäischen Markt wird derzeit eine
Birkenwerder im Durchschnitt bei ein- Nach der Behandlung von Bienenvöl- EU-weite Zulassung angestrebt, die nach
und zwei-zargigen Testvölkern bei 83 % kern mit HopGuard• in zwei aufeinander neuesten Angaben des Herstellers 2016
(Abbildung 2). Im Vergleich dazu erreichte folgenden Jahren konnten keine negativen zu erwarten ist. Es bleibt abzuwarten, ob
nur die zeitgleich mit Oxalsäure behan- Auswirkungen auf die Überwinterung und die zuständigen Behörden einer Behand-
delte Kontrollgruppe der Ein-Zarger eine die Volksentwicklung im Frühjahr beob- lung auch in der Brutperiode zustimmen.
höhere Wirksamkeit (94,2 %). Auch am achtet werden. Während des Versuchs- Wir haben zusätzlich die Vitalität der Bie-
Standort Celle lag die Milbenmortalität zeitraums traten keine Königinnenver- nen unter HopGuard•-Behandlung ge-
bei deutlich über 80 %. luste auf. prüft. Diese Ergebnisse werden in einer
Der Wirkeintritt kann innerhalb der ers- der nächsten Ausgaben in Teil 2 darge-
ten 24 Stunden beobachtet werden: Hier Keine Rückstandsprobleme stellt.
werden bereits bis zu 65 % der Milben Wir danken den Kollegen/innen des LIB
getötet. Im Vergleich dazu tritt die Wir- An beiden Standorten wurden Bienen, und LAVES für die gute Zusammenarbeit.
kung von Oxalsäure später ein, es dauert Honig und Wachsproben zur Rückstands-
zwischen 5 und 10 Tagen, bis die gleiche analyse entnommen und auf Betasäuren Dr. Eva Rademacher, Marika Harz
Wirksamkeit erreicht ist. In diesem rela- untersucht. Lediglich im Wachs konnten Freie Universität Berlin
tiv schnellen Wirkeintritt liegt der haupt- 14 Tage nach der Behandlung Werte zwi- Institut für Biologie - Neurobiologie -
sächliche Vorteil von HopGuard• in der schen durchschnittlich 4,2 und 21,2 ppm Königin-Luise-Str. 28/30, 14195 Berlin
Herbst-/Winterbehandlung. ermittelt werden, wohingegen nach drei e.rademacher@fu-berlin.de

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