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Johann Christoph Adelungs

Deutsche *

Sprachlehre.

Zu«

Gebrauche der Schulen


in den Königs. Preuß. landen.
— ———^ , ' ,„,
Mit allcrgnSdigsten Privilegien.

Berlin, t?8k.
Wey Christian Friedrich Woß und Sohn/? ^.
^1 1 V
Sr. Excellenz

dem

Königlich-Preussischen

^ wirklichen

Staats -Minister

Frcyherren von Zedlitz

Chrfurche

gewidmet.

dem Vtrfasset'
>
gegenwärtige neue Deulfthe Sprach,

:Mre hat ihr Daftyn Min dem

gnädigen Befehle. Ew. EMKM Sudan«

n.q *Z kes,
ken , und bloß Ihren so viel umfassenden

Entwürfen ist es zuzuschreiben, wenn sie

einigen Nutzen gewahren kann.

Die Deutsche Sprache aufDeutschen

Schulen grammatisch zu lehren und zu

lernen, dieser eines großen Königes und

seines großen Ministers so würdige Ge-

danke, verdienet nicht bloß von den Zeiti

Nachwelt, welche erst den ööWn Nutzen

davon einärnten wird, mit der lebhaM

>:'^ . 5 * sten
sien Empfindung des Dankes vereyror zu

werden.

Aber wie demüthigend würde es für

mich seyn, wenn Ew. Excellenz sich in

der Wahl des Mannes, dem Sie die

Ausführung eines Theiles Ihres fs preis,

würdigen Entwurfes auftrugen , geirret

haben sollten? In diefem allerdings trau«

rigcn Falle würde mir nur das zu eini

ger Entschuldigung gereichen können, daß

der Gegenstand selbst mit so vielen Schwie-

* 4 rig-
xigkeiten umgehen ist, daß auch der best«

gute Wille nur ein sehr schwaches Hülfs,

Wittel ist, die vielen Hindernisse zu übers

winden, welche sich hier bey jedem Schrit«

te darstellen. , - /. ^. - . . ' .z

Wird indessen gegenwartiger Vep,

such nur dazu dienen, den jungen Lieh

haber der Sprache auf ihre bisher so sehr

verkannten Gründe aufmerksam zu ma

chen , ihch ein wohlthätiges Licht über

Gegenstande, welche bisher mit einer

' un«
undurchdringlichen Finsterniß umgevon

warm, wo nicht anzuzünden, doch

wenigstens vorzubereiten, «nd ihm de»

Pfad auch nur von weitem zu zeigen,

welcher ihn mit gewissen und sicher»

Schritten durch das so sehr verwilderte

Sprachgebieth leiten kann: so wird dieß

allein so wohl dem Zeitgenossen, als der

Nachwelt Bewegungsgrund genug seyn,

Nahmen desjenigen großen Ministers

ju segnen, welcher Hey so vielen andern


erhabenen Vtrdiensten auch der Sprach,

kenntniß neue und fruchtbare Aussichten

zu verschaffen wußte.

<' ' Ich ersterbe mit der tiefsten Ehr

furcht,

Ew. Excellenz

unterthZnigst< gehorsamster,
Johann Christoph Adelung.

Vorre-
Vorrede.

gibt vornehmlich eine» gebop«


pelken Weg, die Regeln ei«
ner Sprache vorzukragen und
zu lehren: entweder, daß man dasjenige,
was man in der Sprache bemerkt oder bemer
ket gefunden, unter gewisse allgemeine, groß,
tentheils von altern Sprachlehren entlehnte
Rubriken neben einander stelle, ohne weiter
zu untersuchen, was es ist, wie es ist, oder
warum es ist; ober daß man das Wesen der
Sprache in ihr selbst aufsuche , von allem wag
tn derselben vorkommt , deutliche Begriffe zu
bekom?
^. , Vorrede.

bekommen und zu geben suche, und den Urs«?


chen nachförsche, warum das Veränderliche
in der Sprache gerade so und nicht anders ein
gerichtet ist.
Der erste Weg ist der leichteste, ukid da
her auch der gewöhnlichste, ja wirklich der allge
meine, weil ich, die erst vor kurzem herausgekom
mene philosophische und allgemeine Sprach
lehre des verdienten Hrn. Rectors Meiner aus
genommen, in den altern Sprachen sehr wenige,
in den neuern aber feinen einigen Sprachlehrer
kenne, der ihn mit vorzüglichem Glücke betre
ten, oder nur zu betreten versucht hätte...
Wie nachtheilig aber diese Art des Verfah
rens der gesammten SprachKnntniß geworden
«nd werden müssen, darf wohl nicht erst gezei-
get werden. Die Erlernung der Sprache ist
dadurch ein bloßes Werk des Gedächtnisses ge?
worden, bey welchem der Verstand auch nicht
die mindeste Beschäftigung sinket, und zwar
das langweiligste und abschreckendste Gedächt-
nißwerk, welches man sich nur vorstellen kann,
weil man fth überall ganz mit dunkeln und M
worre>
Vorrede.

womnen Begriffen behelfen mußte, und m


keinem Falle nach Grund und Ursache fragen
konnte oder durfte. Die Sprachlehre blieb da
durch immer auf der verächtlichen Stufe einer
lttyen Kunst stehen, welche selbst fo, fchr
^tty war, daß auch ein jeder, lder über sein.e
Sprache nachzudenken anfing, sich berechtigt
halten konnte, ihr seine, Einfalle als Regeln
und Gesetze aufzudringen. ^ ^ , ^. .
Ohne Zweiffel sähe derjenige erhabene
Mister, auf welchen die Preussischen Staa
ten aus mehr als einer Ursache stolz zu seyn Ux«
fache haben, und dessen scharfen Blicke,) auch
die kleinsten Mängel in dem Portrage der Wis
senschaften nicht-Mgehett, die vielen Nachtheile,
welche diese verkehrte Art des Vortrages not
wendig haben muß, ihrem ganzen Umfange nach
??' „Äch wüßte seines Vertrauens auch nicht
in dem geringsten Grade würdig gewesen seyn,
wenn ich es mir nicht zur ersten und wichtigsten
Wicht gemacht hätte, diesen nur zu lange betre
tenen Weg ganz zu verlassen, und dafür den zwey-
ten zu wählen, der aber desto beschwerlicher und
- müh
Vorrede.

wühsamer war, weil er nicht allein durch <t»


unabsehbar weites Gebieth gehet, sondern auch
im Ganzen so wenig Spuren eines glückliche«
Vorgängers aufzuweisen hat.

Ich habe mich bemühet, das Wesen der


Deutschen Sprache in ihr selbst aufzusuchen, und
daraus ist denn auch die Einrichtung der gegen»
ivartigen Sprachlehre entstanden, dagegen an«
der« immer noch Copien der lateinischen sind.
Man wird daher hier sehr viele lehren und ganze
Abschnitte sinden , welche man in andern Deut
schen Sprachlehren vergebens sucht, so wesentlich
und nothwe.idig sie aussind, z. B. die von der
Deklination der eigenen Nahmen und fremden
Wörter, von den zusammen gesetzten Wörtern,
von der Participial- Construction u. s. f. Ich
habe von den Redetheilen deutliche Begriffe zu
geben, und daraus ihren ganzen Gebrauch ltt
der Deutschen Sprache zu entwickeln, und die
Gründe herzuleiten gesucht, warum die vor»,
nehmsien Erscheinungen in derselben so und nicht
«mders sind und seyn können.

^ . - Der
Vorrede.

Der letzte Punct war einer der schwersten


mb mühsamsten. Jede Sprache, folglich auch
die Deutsche, ist von einem ganz rohen und
sinnlichen Volke nach dunkel empfundenen Aehn»
lichkeiten erfunden und ausgebildet, und selbst
im Fortgange der Cultur nach eben so dunkel em
pfundenen Aehfllichkeiten erweitert/ und verfei
nert worden. Alles dieses auf deutliche Begriffe
zurückzuführen, ist nicht leicht, ist wenigstens
tben so schwer / als eine alte in ihrem Ursprün
ge sehr einfache, aber durch Millionen dunkele
dfahrungen fast bis ins Unendliche vervielfal->
ligte, erweiterte und ausgebildete mechanische
Kunst nach Jahrtausenden ihrer mechanischen
Ausübung auf deutliche und bestimmte Regel«
Duck zu führen. In der Sprache ist solches
schlechterdings unmöglich, wenn man nicht bis
Ks ihren ersten Ursprung zurück gehet, weil die
Ähren Gründe und Ursachen aller oder doch
d» vornehmsten Erscheinungen in der Sprache
nur hier geschöpft, und nur aus ihm allein be-
Nifflich gemacht werden k„nnen.

Ich
Vorrede '

^ Ich habe Mich daher genöthiget gesehen, ttt


<ineM eigenen Kapitel von , dem Ursprünge dev
Sprache überhaupt und der Deutschen insbtsons.
dere zu handeln/ ob ich gleich sehr gerne gestehe^
daß solches bei) der Wichtigkeit Und dem über-i
aus großen Reichthume des Gegenstandes und:
bey dem engen-Raume, welchen ich dazu widmet
konnte, nur sehr mangelhaft und unvollständig!
geschehen kön.nen< ^ Indessen wird es hoffentlich:
hinlänglich seyn> Von dem wahrscheinlichsten
sprunge der Sprach^überhäüpt > und von dem,
Baue der Deutschen ins besondere , so viel <ttl^
Hemelns Begriffe zu bekommen,- als zur gründe,
kichen Einsicht des folgenden nöthwendig ist. teh^.
rer werden nn bens'ausführlichen Lehrgebä'U^
de der Deutschön Sprache / welches gegen
Wcha'elis diesis Jahres in VW Breitkopfischew
Berlage hier m Leipzig ftrtig werden wird, eitti»>
ge mehrere Aufklärung über diesen Gegenstand
finden, und die Fähigkeit und das Bedürfnis)
ihrer Untergebenen muß 'ihnen sagen, wie tief
sie selbige in diese so wichtige, aber bisher ss
sehr verkannte lehre führen können oder dürfen.
Wer
Vorrede.

Wer die weitere Ausführung dieses Gegenstan-


standes noch vor Vollendung des eben gedachten
iehrgebäudes zu haben wünschet, kann sie in der
hiesigen Breitkopfischen Buchhandlung unter der
Aufschrift: über den Ursprung der Sprache
und de,, Bau der Wörter, 5 Bog. ingr. 8.
auch einzeln erhalten, wo auch die weitere Aus
führung der Einleitung unter dem Titel : über
die Geschichte der Deutschen Sprache
u. s. f. 8 Bog. in gr. 8. gleichfalls einzeln zu
Haben ist.
Da ich in dieser neuen Sprachlehre jeden
Begriff von einiger Wichtigkeit zur Deutlichkeit
zu bringen bemühet gewesen, so erfordert die
Erlernung der Sprache freylich einige Anstren
gung mehr, als Key der bisher üblichen Art
des Vortrages nothwendig war; allein doch ge
wiß nicht mehr , als auch den schwächsten und
gemeinsten Fähigkeiten möglich ist, wenn nur
die Geschicklichkeit des !ehrers ihnen in den nö^
thigen Fällen gehörig zu Hülfe kommt.
Die Begriffe einer Substanz oder eines
selbständigen Dinges, einer Eigenschaft,
Vorrede.

«iner Beschaffenheit, eines Umstandes u. s. f.


lassen sich auch einem Kinde deutlich machen,
und werden ohnehin auf den meisten Schulen in
andern Wissenschaften gelehret. In manchen
Fallen ist es nicht einmahl nothwendig, einen
Begriff bis zur möglichsten Deutlichkeit zu ver,
folgen, sondern es ist oft genug, wenn nur der
Anfanger von den vornehmsten Erscheinungen
in der Sprache allgemeine richtige Begriffe er
halt, an den Gang des Geistes in Cntwickclung
seiner Begriffe und deren Ausdruck im Ganzen
gewöhnt wird, und kurz, in den Sprachen rich
tig denken , und sie als ein Werk des Verstand
des, nicht aber des bloßen Gedächtnisses betrach
ten lernet. Wird hierzu bey dem Vortrage
der Sprache nur der erste Grund geleget, so
wird es ihm nachmahls leicht werden, bey meh
rerer Entwickelung seiner Fähigkeiten auf dem
selben weiter fort zu bauen, und immer mehr
ticht und Deutlichkeit in feine Begriffe zu bringen.
Hingegen hat diefe Art des Vortrages aller
ihrer scheinbaren Schwierigkeit ungeachtet /sehr
mannigfaltige und wichtige Vortheile. Ich will
ihrer
Vorrede.

ihrer nur ein Paar gedenken, r . Die Erler«


nung der Sprache wird dadurch angenehmer.
Nichts ist dem menschlichen Geiste unangenehmer
und ekelhafter, als sich Jahre lang mit Wörtern
zu plagen, von welchen man keinen Begriffhak,
und mit Regeln, von welchen man keine Ursache
weiß. Und was ist unser bisheriges ganzes
Sprach -Studium anders, als ein solches elen-
deSund langweiliges Gedächrnißwerk, welches
auch als solches nicht einmahl seine Absicht erfüllet,
weil es unmöglich ist, alle in einer lebendigen al«
ten und weitläufigen Sprache vorkommende ein-
zele Fälle historisch Neben einander zu stellen, und
zu behalten , daher eine langwierige mechanisch«
Uebung in allen Sprachen wo nicht alles , doch
das meiste thun muß. 2. Man bahnet dadurch
der Sprachlehre den Weg, sich zu einer Wissen«
schüft zu erheben , da sie bisher mit dem niedris
gen Range einer freyen Kunst zufrieden seyn mußs
te, und eine der verächtlichsten unter denselben war,
je weniger sie auf Verstand, Ordnung, und
deutliche Begriffe gegründet war. Man schs
z. B. nur die Verwirrungen und Widersprüche,
" s welche
Vorrede.

welche in allen Deutschen Grammatiken in der leh


re von dem Adjective und Adverbio herrschen,
und welche so gleich wegfallen, so bald man von
Heyden nur deutliche Begriffe voraus setzt, Be
griffe, welche noch dazu keine der schwersten sind,
z. Die in allen lebendigen Sprachen so häufige«
Neuerungen einzeler Glieder der Gesellschaft wer
den, wo nicht ganz, doch größtentheils wegfallen.
Nichts ist häufiger, als daß man, wenn man
über seine' Sprache ein wenig mehr nachdenkt,
als gewöhnlich ist, und von einigen Theilen der-
ftlven deutliche Begriffe zu haben glaubt , tau«
send Mangel und Fehler in dem Ganzen gewahr
wird, und sich sogleich zum Sprachverbesserer auf
wirft. Allein der stolze Gedanke verlieret sich und
muß sich verlieren, so bald man das Ganze mit
eben der Deutlichkeit zu übersehen im Standeist.
Wie viele vorgeschlagene Verbesserungen fallen
nicht von selbst dahin, so bald man aus dem gan
zen Baue undcher Einrichtung einer Sprache, und
aus ihrer Geschichte in allen Jahrhundertenden
Satz lernet, daß die höchste mögliche Ver
ständlichkeit das erste Grundgesetz so Wohldes
Spre
Vorrede.

Sprechens als des Schreibens ist. 4. Gewöhnt


man sich, nur eine Sprache mit deutlichem Be
wußtsein ihrer Gründe zu erlernen, so wirdsol-
ches von einem überaus großen Nutzen in ei«
ner jeden andern seyn. Alle Sprachen ha
ben einerley Ursprung, einerley wesentliche
Theile, emerley Absicht und einerley Grundge
setze. Der Gang des menschlichen Geistes ist
im Ganzen in der einen wie in der andern ; nur
in der Anwendung weichen sie von einander ab.
Es wird daher leicht seyn, die in einer Sprache
erworbenen deutlichen Begriffe in eine jede an
dere überzutragen , , und ein wenig Beobach
tung und Aufmerksamkeit wird die vorkommen
den Abweichungen und ihre Gründe sehr bald
entdecken.
Sehr gerne hatte ich mich in der ganzen
Sprachlehre Deutscher Kunstwörter bedienet,
wenn es mir möglich gewesen wäre. Die vie
len so- wohl in den altern als neuern Zeiten ge-,
machten Versuche, die lateinischen Kunstwörter
in der Grammatik durch Deutsche zu ersetzen,
haben kaum ein halbes Dutzend hervorgebracht,
** z welche
Vorrede.

welche alle Eigenschaften eines guten neuen


Kunstwortes in einem erträglichen Grade an
sich haben , und diese habe ich neben den latei
nischen gebraucht. Alle übrige sind entwe,
der buchstäbliche Uebersetzungen der lateinischen,
oder sind Beweise des irrigen oder doch dunkeln.
Begriffes ihres Erfinders, oder beleidigen den
Geschmack, oder haben auch andere Mängel.
Ich habe in solchen Fällen lieber die lateinischen-
behalten, .weil' man an ihre eigentliche buch
stäbliche Bedeutung nicht mehr denkt, und da»
Her leicht einen jeden Begriff mit ihnen verbin
den kann. In einem für Schulen bestimmten
Buche ist diese Beybehaltung desto nothwendi-
ger, da diese Kunstwörter bereits in allen Spra
chen angenommen und jedem lehrlinge bereits
hinlänglich bekannt sind, daher der in einer
Sprache mit denselben verbundene richtige
Begriff sich leicht in eine jede andere überkra
gen läßt.
Ueber die Weitläufigkeit dieses Buches
wird man sich wohl nicht leicht beschweren kön
nen, wenn man nur erwäget, thetls daß die
Auf
I

Vorrede.

Aufsuchung und Anführung der Gründe Raum


erfordert, theils aber auch, daß hier mehrere
wichtige, von andern gänzlich übergangene leh
ren vorkommen. Eher wird man in manchen
Stücken eine mehrere Vollständigkeit wünschen,
besonders in dem Syntaxe und in der Orthogra
phie. Mein alle Eigenheiten einer so alten und
weit ausgebreiteten lebendigen Sprache in einen
so engen Raum zusammen zu fassen , ist nicht
nur unmöglich, sondern, wenn es auch mög
lich wäre , unnöthig , so bald man sich deutli
cher und allgemeiner Begriffe befleiffigt, aus
welchen sich die meisten einzelen Falle, wenn
sie nicht bloß und allein von dem Gebrauche
abhängen, entscheiden lassen. Am kürzesten
wußte ich mich in dem Theile von der Orthogra
phie fassen, welcher in andern , Sprachlehren
immer am weitläufigsten abgehandelt wird;
allein man kann hier am ersten mit allgemeinen
Grundsätzen auskommen, denn diejenigen Fälle,
welche wieder bloß auf dem Gebrauch beruhen,
lassen sich ohnehin nicht in Regeln bringen.

"4 ^
Vorrede.

Ich gestehe indessen gern, daß diese Sprach


lehre eigentlich nur für Gymnasien und höhere
Schulen, und auch hier vielleicht oft nur für,
die hvhern Classen brauchbar seyn wird. Zum
Gebrauche der Niedern Schulen wird in eben
diefem Verlage nächstens ein kurzer Auszug
von etwa zehen bis zwölf Bogen erscheinen, so
wie das schon gedachte größere Lehrgebäude
die Beweise und weiten, Ausführungen solcher
Gegenstande enthalten wird, welche in dieser
Sprachlehre nur kurz und ohne allen Beweis
angeführet werden konnkrn.
Einen Umstand kann man iehrern auf hö
hern und Niedern Schulen nie genug empfehlen,
nähmlich die frühe Bildung des Geschma
ckes der ihr anvertraueten Jugend ; ein Hülfs-
w.ittel, welches in dem ganzen gesellschaftlichen
5eben, in allen Künsten und Wissenschaften,
und vornehmlich in den Sprachen von der größ
ten Wichtigkeit und Nothwendigkeit ist. Die
meisten Mißgeburten in der gelehrten , sittlichen
und gesellschaftlichen Welt rühren aus dem Man
gel d^s wahren Gefühles des Wohlanständigen
' und
Vorrede.

und Schönen her; er ist der Vater aller Pedan


ten und selbst der meisten Genies, in der heutigen
verächtlichen Bedeutung dieses Wortes. In eb
ner ausgebildeten und verfeinerten Schriftspra
che kommt überaus vieles auf dieses feine und
richtige Gefühl an. Ist der 'Grund dazu i»
dm frühern Jahren geleget worden , welches
ron lehrern und Vorgesetzten , (die aber frey
lich selbst Geschmack besitzen müssen) in allen
FÄen nebenher und beyläufig geschehen kann,
so hat solches den wichtigsten Einfluß auf das
ganze künftige leben. Um hier nur bcy den
Sprachen stehen zu bleiben, so wird ein feiner
und richtiger Geschmack einen großen Theil der
Sprachfehler, alle Harten , niedrige und unedle
Ausdrücke, harte, dunkele und verworrene
Verbindungsarten u. f. f. auch ohne tiefe Sprach-
kenntniß als solche empfinden und vermeiden,
dagegen auch der gründlichste Sprachkenner,
wenn dieses Gefühl in ihm verwahrloset ist, allen
falls ,wohl vor dm erstem, nie aber vor den
letztem gesichert seyn, sondern sich ihrer oft desto
mehr schuldig machen wird, je größerer Sprach
, Vorrede.

kenner er zu seyn glaubt. Alle elaffsche Schrift«


sieller aller Sprachen haben ihre Reinigkeit
und ihr ganzes elastisches Ansehen mehr ihrem
feinen und richtigen Gefthmacke, als ihrer tie«
fen Sprachkenntniß zu danken, von 'welcher
viele unter ihnen nicht einmahl einen Begriff
hatten.
Da diese Sprachlehre, im Ganzen genom
men, der erste Versuch in dieser Art ist, so
kann es ihm an Mängeln und Unvollkommen?
Heiken nicht fehlen. Ich werde sie zu verbes
sern suchen, wo ich sie nur entdecke, ersuche
aber auch einen jeden, der über seine Sprache
nachzudenken fähig und geneigt ist, mir seine
Bemerkungen oder Einwürfe auf jede beliebige
Art bekannt zu machen. Dieß ist nicht nur
Pflicht, sondern auch das wirksamste Mittel,
der wohlthätigen Absicht eines großen Königes
und seines würdigen Ministers so nahe zu kom
men, als es eingeschränktem Kräften erlaubt ist.
Noch bitte ich>, vor dem Gebrauche, die am
Ende bemerkten Schreib - und Druckfehler zu
verbessern, ieipzig den i ten May. 178 1.
«5 5
Inhalt.
Inhalt.

Einleitung.

Ueber Sprache, Deutsche Sprache und


Sprachlehre.
Von der Sprache überhaupt, H. z
Geschichte der Deutschen Sprache, 6
Deutsche Mundarten, 17
Deutsche Sprachlehre, - 19

' 'Erster Theil.


Won der Fertigkeit richtig zu reden.
?. Abschn. Bildung der Wörter, oder die
Lrymologie.
1. Rap. Von den Buchstaben und ihrem Laute.
1. Ihre Bestimmung und Cintheilung 57
Nähere ErwSgung derselben und ihres Lautes.
Der Hülfs 5 und Doppcllaute, zs
Der Hauptlaute, ?5
s. Rap. Ursprung der Sprache und Bildung
der Worter, . ' 5Z '
z. Z^ap. Von dem Ton?, der einfachen Wörter,
7l

2. Abschn.
Inhalt. .

!. Abschn. Vsn den Wörtern slsRedethei-


len und ihrer Siegung. , ,
1. Rap. Von den Arten der Wörter, oder den
Redetheilen überhaupt. ^ S. 8Z
2. Rap. Von dem Substantive oder dem
Hauptworte.
i. Dessen Arten 92
s. Dessen Bildung i«s
Z. Geschlecht . - 115
4. Plural 127
5. Deklination iZ5
s. Der eigentlich Deutschen Wörter 135
b. Der fremden allgemeinen Nahmen 164
«. Der eigenen Nahmen 177
z. Aap. Von dem Artikel l88
4. Rap. Von den Zahlwörtern 193
1. Bestimmte ^ - ^ 194
2. Allgemeine > 20z
5. Rsp. Von dem Adjectiv.
1 . Allgemeine Betrachtung desselben, 21s
2. Deklination 214
z. Steigerung 224
4. Adjcctive Zahlwörter . 227
5. Adjektive als Hauptwörter 2zi
6. Rap. Von dem Pronomine 254
1. Persönliche Pronomina 239
2. Possessive " 244
z. Demonstrative 248
4. Determinative - - > 250
5. Relative 25z
6. Fragende 256
7- R ap.
Inhalt.

7. Rap. Von dem Verbo. >


1. Dessen Bildung S. «57
2. Arten der Verborum ,. «65
5. Von der Conjugation überhaupt ::68
4. Von den HAfswörtern «75
5. Reguläre Conjugation «8«
6. Irreguläre . »82
7. Von den Verbis Neutris - , »97
8. Von den zusammen gesetzte» VerbiS z 05
?. Von den Verbis reciprocis z«9
10. Von dem Verbo impersonali z11
8. Rap. Von dem Participio Z14
«. Rap. Von dem Adverbio.
i. Dessen Arten Z22
^. Bildung Z24
z. Concretion ZZ5
4. Steigerung zzz
10. Rap. Von den Präpositionen Z44,
5/. Rsp. Von den Conjunctionen Z7«
i z. Rap. Von den Interjektionen oder Empfm«
dungswörtern, ^ . ., 374
z. Abschn. Von der Csmposition oder Zu,
sammenseyung der lvörcer.
1 . Rap. Erklärung derselben ^ Z76
2. Rap. Arten der zusammen gesetzten Wörter
z«c>
z.Rsp. Regeln für die zusammen gefttzten Wör
ter ZZ!9
4. Rap. Ton derselben z?6
' , ' Inhalt.

4. Abschn. Von dem Gymsxe oder dent


Redesaye.
1. Aap. Verbindung einzeler Wörter mit ein«
ander ' : S. 46k
1. Bestimmung des Substantives durch den Ar
tikel 4«2
2. Verbindung deS Substantives Mit andern
, Substantiven 41«
z. Verbindung deS Abjectives mit dem Sub»
stantive , ^ '^418
4. Gebrauch der Zahlwörter 42,
5 Gebrauch der PronominuM > . 425
s. Der persönlichen - 426
b. Der psssestlven 4^«
c. , Der demonstrativen, 4ZZ
ä. Der determinative« / 4Z4
e. Der relativen , 4Z7
5 Der fragenden 4z?
6. Gebrauch des Verbl.
». Der Personen 4??
Der Zahle» . ^ 44k
e. Der Zeiten 44»
6. Der Modorum ' ^ 446
e. Der Hülfswörtee ' 45«
7. Verbindung eines Verbi Mit dem andern.
452
8. Verbindung des Verbi Mit dem Substantive
458
s. Von dem Verbo Mit dem Nominative
- 459
b. Mit dem Genitive 462
c. Mit
Inhalt.

o. Mit dem Dative 466


ä. Mit'dem Accusative 47l
9. Gebrauch der Adverbien 475
10. Gebrauch der Präpositionen 4LZ
11. Gebrauch der Conjunctionen 487
12. Gebrauch der Interjektionen 507
s. Rap. Von der Wortfolge , ober der Orb«
»ung , wie die Wörter in der Rede auf einaiu
der folgern
1. Von derselben Überhaupt S. 5«9>
s. Veränderung der natürlichen Wortfolge usich
der Beschaffenheit der Rede 522
s. Stellung des Subjektes hinter daS Ber
dum , ^- 526
K. Stellung des Verbi an daS Ende der
Rede 529
z. Von der Inversion oder Versetzung 5z,
z. Rap. Von den Sätzen.
1. Verschiedene Arten derselben, 5Z?
2. Zusammenziehung derselben durch die Abs
verbia und Participia , oder von der Partie«
pial-Consiruction 55 r
«. Zusammenziehung der SStze durch die Ad,
verbia 55»
d. Durch das Participium Prsteriti 556
c. Durch das Participium PrSsentis 56«
6- Fehlerhafter Gebrauch dieser Construction
5<5l

!
Zwey-
Inhalt.
, - , , , . ^
Zweyter Theil.
«
Won der Fertigkeit richtig zu schreiben oder
^ , von der Orthographie.
1. Rapicel. Allgemeine Grundsätze derselben
- . '' ' 574
2. Rapirel. Orthographie einzeler Buchstaben
. z , 584
z. Raffirel. Von der Theilung der Sylben.
617
4. Rapirel. Von zusammen gesetzten Wo«
tern. . 620
5. Hspitel.., Bonden im Schreiben üblichen
^ Zeichen, , . ' 622

Einlei-
Einleitung

über

Sprache,

Deutsche Sprache

und

Sprachlehre. .
i. Sprache überhaupt.

prechen heißt im engern und gewöhnlich,


sten Verstände, die Reihe seiner Borstel,
lungen durch vernehmliche Laute ausdrü,
cken; ein Vermögen, welches nur allein dem
Menschen eigen ist. Sprache ist ia^diesem Ver
stände sowohl dieses Vermögen, als auch der gan,
ze Inbegriff vernehmlicher Laute, vermittelst wel,
cher die Menschen die Reihe ihrer Vorstellungm
ausdrücken.
§. 2. Die Erfahrung lehret uns, daß eS
mehrere Arten gibt, seine Vorstellungen und Be»
griffe durch vernehmliche Laute auszudrücken, und
daß es folglich auch mehrere Sprachen gibt. Die,
jenige Menge Menschen, welche bey einer gemein,
schaftlichen Abstammung einttley Vorstellungen
durch einerley Laute und auf einerley Art aus,
drückt, heißt ein Volk oder eine Nation, und
in so fern ist Sprache derjenige Inbegriff
vernehmlicher Zauke, durch welche «in Volk sich
A s seine
4 Einleitung.

seine Vorstellungen mitzutheilen pflegt. Eine sol-


che Sprache heißt die Murrersprache dessen,
der von diesem Volke ist.
§. z. Völker entstehen, werden verändert,
und gehen unter ; so auch die Sprachen. Spra
chen, welche noch jetzt von ganzen Volkern gespro
chen werden, beissen lebendige , ihre Gegensätze
aber codre Sprachen. Diejenigen unter den
letztern , durch welche uns der Weg zur Gelehr
samkeit gebahnet wird, werden im Vorzüglichsien
Verstände gelehrre Sprachen genannt.
§. 4. Jede Sprache stehet mit der Erkennt-
niß eines Volkes und dessen Art zu denken, in dem
genauesten Verhaltnisse. Bey einem armen , ro
hen und ungesitteten Volke ist sie arm, rauh und
ganz auf sinnliche Gegenstände eingeschränkt ; bey
einem gesitteten, blühenden und ausgebildeten
Volke wortreich, biegsam, aller Begriffe und ihrer
Schattirungen fähig ; bey einem durch den Luxus
entnervten Volke aber, so weich, üppig und kraft
los, als das Volk selbst. ^. ,
5. 5. Außer dieser nothwendigen Verschie
denheit der Sprache eines Volkes zu verschiedenen
Zeiten, gibt es auch Gründe, warum sie unter
den verschiedenen Theilen eines und eben desselben
Volkes zu einerley Zeit verschieden seyn kann unp
muß. Diese Verschiedenheiten machen das aus,
was man Dialecce oder Mundarren einer
Sprache nennt. Elim«, Feit, Entfernung, Cul-
tur und hundert andere Umstände können das,
was anfänglich nur eine Mundart war, zu eittelc
eigenen
i. Sprache überhaupt. H

eigenen Sprache machen, und auf diese Act sind


die meisten Sprachen in der Welt entstanden.
L. S. Es ist eine sehr undankbare Unterst«
chung, welches die erste und älteste Sprache in der
Welt gewesen. Gesetzt, es habe einmal nur eine
einige Sprache gegeben, so mußte sie doch, nach
der Natur aller Sprache», sich mit der Zeit verärv
dem, und sich bey der Verbreitung der Menschen
und ihrer zunehmenden Crkenntniß in unzählige
Mundarten verwandeln, welche sich mit Hülfe der
Zeit, des Elim«, der Lebensart und der verändere
te» Begriffe nach und, nach zu eigenen Sprachen
umbildeten/ Die Hebräische Sprache ist frey,
Ich die älteste, von welcher wir beträchtliche Übe«
dleibsel haben ; allein sie ist um deßwillen nicht
die ursprüngliche. Der Abstand von ihr bis zum
Ursprünge des menschlichen Geschlechts ist zu weit
und mit zu großen Veränderungen durchwebt.
§. 7. Europa ist größten Theils von dem
nordöstlichen Asien aus bevölkert worden; oort stanu
wen also auch die Anfangsgrunde seiner Sprachen
her. Man fasset die alten Sprachen des nördli
chen und westlichen Europa gemeiniglich unter die
allgemeinen Namen der Scyrhischeii und Celci-
schm Sprache zusammen, und gibt dadurch
ju dem Jrrthume Anlaß, daß es daselbst ehedem
höchstens nur zwey Hauptsprachen gegeben. In
manche südliche Theile Curopens haben die Phö>^/
nijische und andere West ü asiatische Sprachen, und
in die Griechische vielleicht auch in die Ägyptische
große Einflüsse gehabt.
A z §.8>
6 Einleitung.

§. 8. Die heutige Deutsche, Isländi^


sche, Schwedische und Dänische Sprache,
welche unter sich verwandte Sprachen sind, sind
die vornehmsten und ältesten Überbleibsel der alte»
Europäischen Sprachen, wohin man noch die
Schottische, Irländische und dieVolksspra-
chen mancher einzelen Provinzen in England,
Spanien, Frankreich u. s. s. rechnen kann, die
aber von den erster» in ihrem Bau und wesentw
chen Unterscheidungssiücken mehr oder weniger ab,
weichen. i

2. Deutsche Sprache.

§. 9. Die Geschichte der Deutschen Sprache


cheilet sich in sechs Hauptabschnitte, welche , mit
der Geschichte der Cultur und der Sitten in de?
genauesten Verbindung stehen, i. Von dem U«
sprunge der deutschen Völkerschaften an, bis zur
großen Völkerwanderung. 2. Von da bis auf
Carln den Großen, z. Von dessen Regierung au
bis zu den Schwäbischen Kaisern. 4. Von diu
seil bis Um die Mitte des vierzehenten Jahrhuw
derts. 5. Von da bis zur Reformation ; undenk
lich 6. von der Reformation bis zur gegenwärtige«
Zeit. In allen diesen Abschnitten hat die Nation
in den Sitten, in der Cultur und folglich auch in
der Sprache, im Ganzen genommen, sehr mächtige
Fortschritte gemacht, bis sie endlich auf diejenige
Stufe der Festigkeit, Macht, Einsicht, Gelehrsam,
keit und Verfeinerung gelanget ist, auf welcher
wir sie gegenwärtig erblicken.
§. is.
2. Deutsche Sprache. , 7

! §. is. Dle Deutsche Sprache ist die


Muttersprache eines sehr alten und zahlreichen
Volkes, welches sich wieder in mehrere kleinere Völ
ker oder Stämme theitte, die ihre Wohnsitze ur-
striinglich in der Gegend des schwarzen und Caspi-
schen Meeres hatten , und auf verschiedenen We?
gen und zu verschiedenen Zeiten , aber doch sichr
frühe, nach dem heutigen Deutschlande gewandert
sind. Ihre Sprache mußte sich also der Natur
der Sache nach schon in den ältesten Zeiten in meh
rere Mundarten theilen, und aus den wenigen noch
übrigen eigenthümlichen Nsmen erhellet, daß sie
ihrem Baue und ihren wesentlichen Eigenschaften
nach, schon damals die heutige war.
K. i l. Mein diese Sprache war in dem ersten
Zeiträume noch so arm, rauh und wild, als die
Veele und Sutten des Volks selbst war. Im
Mittelstände zwischen der völligen Wildheit und
der Cultur lebten die alten Germanen , so wie die
heutigen Wilden in Nord-Amerika, ein sinnliches
unsiates Leben, ohne viele Bedürfnisse, folglich
auch ohne Künste und Wissenschaften. Ohne Cud
tur und Sitten verriech alles, folglich auch die
Sprache, den armen und bloß sinnlichen Zustand
des Volkes, welches sich kaum noch an der Schwelle
der bürgerlichen Gesellschaft befand.
§. 12. Die vielen Kriege, welche die Deut
schen mit den Römern mehrere Jahrhunderte hin
durch führten , machten sie zwar mit dem Luxus,
und mit den Sitten fremder Völker bekannt, aber
ohne sie darnach lüstern zu machen. S 'e verachte«
ttn fie eben so sehr, als der wilde Canadier die
A 4 Sitten
8r> .)) 7Einleituns. «

Sitten undBeqpemlichkeitendes Europäers verach


tet, unter welchem er lebt, und sahen sie so, «vir
dieser, als das Grab der Freyheit und als daS
Angeld der Knechtschaft an. ,) .
K. iz. Vermuthlich würden sie noch sehr
lange in diesem Zustande der Wildheit geblieben
seyn, wenn sich nicht in den ersten Jahrhunderten
nach Christi Geburt eine Begebenheit eräugnet hätte,
welche ihre Ausbildung gewaltig beschleunigte, und
gewisser Maßen nothwendig machte. Es war
solches die große Gährung unter den nördlichen
Wölkerhaufen in Asien und Europa im zten und den
folgenden Jahrhunderten, wo ein Schwärm de»
andern nach Westen und Süden drängte, und nicht
nur Deutschland, sondern auch das ganze westliche
und südliche Europa mit neuenMlkern und Volks-
siämmen anfüllet?. Deutschlands Einwohner änder
ten ihre Wohnsitze von neuem, daher auch die
Mundarten verpflanzt, und vermuthlich auch hin
und wieder vermischt wurden. Es kamen neue,
zum Theil verwandte, zum Theil auch ganz fremde
Wolkssiamme nach Deutschland und brachten neue
Mundarten und neue Sprachen mit. Unkerden
letztern verdienen vorzüglich die Elaven bemerkt
zu werden, welche, wo nicht eher, doch wenigstens!
jetzt in den östlichen und nördlichen Gegenden,
Deutschlands festen Fuß faßten , und in den L«n,
dern, deren sie sich bemächtigten, ihre Sprache
einführten. ,
§. 14. Unter den mit den Deutschen ver,
wandten Völkern, welche sich um diese Zeit west-
wärts bewegten, sind in Ansehung der Sprache
? /, besou,
s. Deutsche Sprache. 9

besonders die Gothen merkwürdig; ein zahb


reiches und mächtiges Volk, welches ehedem am
schwarzen Meere wohnte , sich aber jetzt , von den
Hunnen gedrängt, nach Westen wandte, und sich
zu Heyden Seiten der untern Donau sehr weit aus-
breitete. Ein Theil derselben, welcher in dem alten
Wösten oder der heutigen Wallachey wohnte, hatte
esbey der Nachbarschaft des Griechischen Reichs
schon zu einem beträchtlichen Grade in der Cultur
gebracht, und bereits die christliche Religion ang«
«mmen; und diesen Mösischen Gothen haben
m zugleich daS älteste Denkmal einer Deutschen
Mundart, ich meine des Ulphilas Übersetzung des
neuen Testaments , zu danken.
§. 15. Noch während der Völkerwanderung
mußten die wandernden Völker schon sehr starke
Schritte zur Verfeinerung und Cultur machen,
und kaum hatten sich die brausenden Wogen gelegt,
so zeigte sich diese schon in einem sehr merklichen
Lichte. Es entstehen ordentliche Staaten; der
bisher wilde Deutsche muß seinen Lieblingshang
j»r unumschränkten Gleichheit ablegen, und sich
zur Unterordnung bequemen. Die christliche Reli,
M faßt an der Donau und dem Rheine festen
Fuß, hilft das rohe Volk stät und gesittet machen,
und bereichert die Nationen mit neuen Begriffen
und die bisher noch rohe Sprache, mit neuen
Wörtern und Biegungen. Der rohe unges
schlachte Deutsche Boden wird von seinen ewigen
Wäldern und Morästen befreyet, die bürgerliche
Gesellschaft fängt an , sich zu verfeinern , die M?
tivn fängt an zu schreiben, und entlehnt dazu daS
A 5 . Latei,
L<z> Einleitung.

Lateinische Alphabet. Die! Franken waren das


erste Deutsche Volk, wWhes sich zu bilde» anfing,
wozu sie nach ihrer Niederlassung in dem schon gei
sittetern Gallien die nächste und beste Veranlassung
hatten, und dieser ihrer frühen Cultur hatten sie
zugleich die Mittel zu danken , durch welche fiesich
sehr bald einen großen Theil von Europa unterwer
fen , und die Fränkische Monarchie stiften konnten^
§. l6. Daß diese Veränderung einen sehr
großen Einfluß auf die Sprache haben mußte,
wird fehr bald deutlich , wenn man nur erwagt,
daß diefe Ausdruck der Begriffe und Vorstellungen
ist, welche sich in dem gesitteten Zustande unglaub,
lich vermehren. Indessen war doch die Verände«
rung nicht so groß, als bey andern angrSnzenden
Volkern. Die Sprache blieb im Ganzen was sie
war, und da das Feld der Stammwörter schon lange
vorher erschöpft war, so benutzte man zum Ausdrucke
der neuen , so wohl sinnlichen als unsinnlichen Bei
griffe, den innern Reichchum so gut man konnte.
<5. 17. Der Fortschritt war freylich nur lang,
<äm und unmerklich , theils wegen der Natur der
Sache selbst, theils aber auch wegen der Dazwü
schenkunft mancher innern und äussern Umstände,
durch welche die Cultur der Nation und der Sprache
aufgehalten ward. Einer der vornehmsten war
die Monarchie des Lateins. Der Adel, ganz dem
Kriege und den ritterlichen Übungen ergeben,
verachtete die Künste des Friedens. Die Geistlichen,
welche allein die Vertrauten derselben waren,
schätzten nichts als das verderbte Latein ihrer Zei
ten, und da sie zugleich die einigen waren, welche
schrei
2. Deutsche Sprache. ir

Amben konnten, so wurden alle öffentliche Veri


Handlungen in Lateinischer Sprache ausgefertigt.
Das gemeine Volk war Sclave und ward von Hey
den eben so verachtet, als dessen Sprache, von
welcher man glaubte, daß sie sich nur sehr schwer schrei
ben lasse. Es sind daher nur sehr wenig Denk/
Möhler dieser Sprache aus dem ersten Zeitpunkte
der Cultur vor Carln dem Großen übrig.
18. Mit diesem Kaiser brach die Dcimme«
Mg der Deutschen Litteratur an, obgleich , mehrere
Umstünde zusammen kamen , warum es jetzt noch
ie? der bloßen Dämmerung blieb. Carl war
»W nur der größte Held> sondern auch der größte
Redner, Sprachgelehrte und Philosoph seinerzeit;
«suchte sein Volk so gelehrt und weise zumachen,
als er selbst war ; unter seinen Händen entstanden
Ordnung und Wohlstand ; er stiftete Schulen und
besetzte sie mit den berühmtesten Männern seiner
Zeit; er ehrte die Künste, suchte Künstler und> fand
keine. Er führte die Predigten in Deutscher Sprache
ein, ließ die alten Gefetze und nur mündlich vor<
handenen Heldenlieder feiner Zeit sammeln, und
aufschreiben, und die letztern in die damahlige
Mundart feiner Nation übertragen ; er verfertigte
selbst Gedichte, und legte fo gar Hand an eine Deut,
sche Sprachlehre. Nur Schade, daß uns von allen
seinen großen Bemühungen um feine Muttersprache
nichts als der bloße Nähme übrig ist !
K. 19. Sein Sohn und Nachfolger, Lud
wig der Fromme, (814 — 84«) eiferte ihm
wenigstens in der Liebe für feine Sprache nach.
Er veranstaltete zum Besten der neu bekehrten
Sachsen
l.2 Einleitung." «

Sachsen eine gereimte Übersetzung der Bibel i»


ihre Mundart. Er fuhr fort. Schulen anzulegen,
und ob man gleich in denselben nichts weniger als
Deutsch lehrete , so dienten sie doch bey allen ihren
Mängeln zur Bildung des noch äusserst rohen Gei
schmackes. Aus Schwachheit theilte er seine Staa,
ten unter seine drey Söhne, Lothar, Ludwigs
und Carl; ein Schritt, bey welchem wenigstens
die Sprache gewann. Deutschland bekam in öud«
wig dem Deutschen, ( 841—876) seinem
eigenen König, der die Sprache seines Volkes
liebte, und dadurch die wenigen guten Köpfe seiner
Zeit aufmnnterte, die bisher so sehr vernachlässigte
Sprache zu studiren und zu schreiben, wovon sich
doch der Nutzen erst unter den folgenden Regierung
gen zeigte. , „
§. 20. Die übrigen Deutschen Könige auS
Fränkischem Stamme (877 — 9") thaten, soviel
man weiß, nichts für die Sprache. Nach Con->
raH i.«/am die Deutsche Krone auf das Sächsische
Haus, (919 — 1024.) Deutschland ward unter
demselben immer mehr gebildet, obgleich die unauf«
hörlichen Unruhen von innen und Krieg« von aussen
den Fortschritt der Cultur verzögerten^ Es ent<
standen Städte, und in ihnen Zünfte, Hand«
werke und Manufakturen; die Handluvg fing an
aufzublühen, und mit ihr keimten Wohlstand und
Luxus. Allein die übermächtigen Vasallen, eine
Folge der Lehnsverfassung, hinderten durch ihre
ewigen Befehdungen, durch das traurige Faustrecht,
und durch ihre Raubereyen die Cultur , besonders
unter dem Adel. Die Klöster und Stifter mehrten
, und
2. Deutsche Sprache.. iz

und bereicherten sich in dieser allgemeinen Verwl'tt


rung und wurden nachmahls das mächtigste Hin/
derniß der Aufklärung des Verstandes.
S. 21. Nach Heinrichs 2 Tode bekam daS
Deutsche Reich wieder Beherrscher aus dem Frön,
tischen Hause, (1024 — 112?) unter welchen es
einen sehr hohen Grad der Macht, des Ansehens
und des Wohlstandes erreichte. Zugleich that es
mächtige Fortschritte in der Cnltur, und obgleich
die innern Unruhen und die Zwistigkeiten mit dem
Römischen Hofe, welche unter Heinrich 4ten und
ztm Deutschland verwirreten , den schönen Mor
gen, welchen diese Morgenröthe verkündigte/ noch
eine Zeitlang zurück hielten, so konnten sie ihn
doch nicht ganz unterdrücken.
5. 22. Cr brach für die Sprache und schonen
Kiinste unter den Schwäbischen Raisern
gegen das Ende des l2ten Jahrhunderts, an.
Jetzt keimte der in den vorigen Jahrhunderten aus
gestreute wohlthätige Same, und trug Früchte,
»eiche der Deutsche Boden bisher noch nicht gesehen
hatte. Der Uberfluß zeugte Künste, welche zu
allen Zeiten Töchter desselben sind ; der Geschmack
ward verfeinert, und unter dem Glänze der Lehns-
Verfassung bildeten sich die Schwäbischen
Dichter, weiche in ganz Deutschland Bewunde,
rung und Nachahmung fanden. Zugleich ward
die durch Geschmack und Dichtkunst ausgebildete
Alemannische oder Schwäbische Mundart die Hofs
spräche des ganzen gesitteten Deutschlandes.
§. 2z. Allein' es vereinigten sich mehrere 1W
fachen, warum die Dichtkunst dieser Zeit noch
nicht
. ' Einleitung.

nicht die hohe Staffel einer wirklich schöne»


Kunst erreichen konnte. Der Geschmack hatte
Noch nicht die gehörige Richtung bekommen, umd
die Sitten waren noch nicht genug verfeinert, das
wirklich Schöne in der Natur aufzusuchen, und
es immer auf eine schöne Art > vorzutragen. Die
Dichter dieser Zeit dichteten entweder, weil es
Mode war, oder ums Brot; blühende EinbiK
dungskraft und wahre Pegcisterung sind von ihnen
eben so fern , als ihnen die schönen Kunstwerke der
Alten unbekannt sind. In den ernsthaftem Wissens
schaften herrscht überall noch Nacht und tiefe Bars
varey. Die Dichtkunst dieser Zeit ist da , wo sie
noch am stärksten glänzt, nichts als rohe Nachah?
mung der rohen ungebildeten Natur ; verlieren sich
die Dichter aus diesem Felde, welches der Fall
nur gar zu oft ist, so werden sie matte und kalte
Reimer. Eben das gilt auch von der Sprache,
welche unter diesen Umständen noch nicht den
höchsten möglichen Grad der Ausbildung erhalten
konnte.
§. 24. Es war daher diese ganze Erschei
nung auch nur von einer kurzen Dauer. Die
Lehnsverfassung und das Ritterwescn hatten ihren
höchsten Gipfel erreicht, und dicser war auch der
Anfang ihres Falles. Der Adel , der sich durch
seine Verschwendungen arm gemacht hatte, ergab
sich den Befehdungen und der Raubsuckt, seine Seele
fing an zu verwildern und verschloß sich den sanftem
Künsten des Friedens. Ihm zur Seite hatten
sich die Städte gebildet, (jetzt das Ziel seines
Raubes,) waren ZufluchtSöcter der Freoheit, u»d
2. Deutsche Sprache. 15

Wohnsitze des Fleisses und des Wohlstandes gewo«


den. Stolze und üppige Ritter retteten nicht stk
km die Trümmer ihres Glanzes in die Städte, und
die Dichter gingen nach Brot und sanken zu Mei«
stnsangern hinab.
§. 25. Doch dieser Verfall der Schwäbischen
Dichtkunst ward in der Folge der Sprache Vorth«!,
Haft, deren Cultur sich im vierzehnten und dem
folgenden Jahrhunderte über die ganze Nation ve«
breitete, ohne an eine ^Provinz, oder an eine»
Stand allein gebunden zu seyn. Diese Verendet
mg riihrete ohne Zweifel von dem blühenden
WoWmde der Städte her, welche durch Erfind,
stM und Handlung reich , aufgeklärt und mäch,
tig Morden waren. Deutschland bestand nicht
mhr bloß aus zwey Hauptclassen, aus Herren und
Eclaven; es hatte jetzt zwischen beyden auch frcye
i»o mächtige Bürger, welchen Künste, Sitten und
Wissenschaften allemahl das Meiste zu danken haben.
DieCcfinimng des Papiers vermehrte zum Besten der
Eprachedie bisher so kostbaren Schreibematerialien ;
»ach der Eroberung Consiantinopels verbreiteten die
verscheuchten Musen Wissenschaften und Geschmack
über das abendländische Europa, und die bald darauf
erfundene Buchdruckcrkunst machte die Hülfsmittel
beyder allgemein Alle Begriffe erweiterten und ver,
feinerten sich, und die Deutsche Sprache konnte dabep
»Möglich leer ausgehen, sie Müßte denn nicht
Ausdruck der Begriffe und Vorstellungen seyn.
4S. Die zu Ende des l5ten Jahrhunderts
Machten Entdeckungen zur See erhöheten und
bereicherten die menschlichen Kenntnisse noch mehr,
/ Un5
l6 Einleitung. ?

und die Reformation war die erste und vornehmste


Frucht dieser stufenweise erweiterten Begriffe. Sie
ward zugleich Reformation aller Wissenschaften, ünv
die Aufklärung des Verstandes verbreitete ein biS-
her ungewohntes Licht über alles was nur ein Ge-
genstand desselben war. Mit der Sprache ging zu
gleich eine sehr wichtige Veränderung vor, und
die in den Obersächsischen Provinzen durch Wissens
schasten, Künste, Geschmack und Wohlstand ver
feinerte und bereicherte Oberdeutsche Mundart trat
5n die Stelle der vernachlässigten ältern und ward
unter dem Nahmen der Hochdeutschen , nach
und nach die Hofsprache des ganzen gelehrten und
gesitteten Deutschlandes.
§. 27. Von dieser Feit an ward sie immer
mehr erweitert und ausgebildet, so wie sich Ge
schmack, Sitten, Künste und Wissenschaften immer
wehr der Vollkommenheit näherten. Nach ö.u»
rhers Tode geschähe solches nicht so schnell, alsbey
seinem Leben, woran verschiedene innere und äussere
Ursachen Schuld waren , obgleich von Zeit zu Zeit
Sprachlehrer aufstanden, und die schönen Künste
hier und da vorzublicken versuchten. Der wahre
schone Zeitpunct in der Deutschen Sprache fängt sich
erst in der ersten Hälfte des gegenwärtigen Jahr
hunderts an , da Vernunft und Geschmack völlig
in die ihnen so lange vorenthaltenen Rechte traten,
und sich nicht allein die Philosophie sondern auch
die schönen Künste eigen machten.
§. 28. Ob die Deutsche Sprach« an Voll,
kommcnheit noch beträchtlich zunehmen kann, oder
ob sie den Mittag ihres Glanzes bereits überlebt
hat.
z. Deutsche Mundarten. 17

hat, «uß aus dem Grade beS Geschmacks und der


Kenntnisse unserer Zeiten entschieden werden;
allein diese Entscheidung gehöret mehr vor den Rich,
tersiuhl der Nachwelt als der Zeitgenossen.

5. Deutsche Mundarten.

§. 29. Die Deutsche Sprache theiletsich vo»


Alters her in zwey Hauptmundarten, die sudliche
oder Oberdeutsche/ und die nordliche oder
Niederdeutsche. Jede derselbe» zerfallt wie,
der m eine Menge kleinerer, jenen untergeordneter
Mundarten.

§. zo. Die erste oder die Oberdeutsche


unterscheidet sich durch ihre hohe Sprache, durch
ihren vollen Mund, durch ihren Hang zu hauchen,
den blasenden und zischenden Mitlauten, zu dm
breiten und tiefen Selbstlauten und zu rauhen
Doppellauten, durch ihre Härten , durch ein weit
läufiges Wort? und Sylbengepränge, durch weit,
schweifftge Ausbrücke, Ubersüllungen und hohe
Figuren. Sie ist dabey reich an Wörtern und
Ausdrücken, fast alle Begriffe mit allen ihren
Schattirungen oder Graden der Stärke auszuü
drucken , und verrath dadurch ihre frühe und lange
Cultur, aber einer Cultur ohne Geschmack und
feines Gefühl.

§. z r. Die Niederdeutsche oder Nieder-


sächsische Mundart ist von ihr gerade das Gegen-
B theil;
i8 . Einleitung.

theil; eine Feindinn aller vollen Hauch< Zisch, und


Blaselaute, aller harten Doppellaute, des volle»
Oberdeutschen Mundes und des leeren Wortg«
pränges, und dagegen eine erklärte Freundin»
aller sanften und leicht fließenden Töne, der höhern
Vocale und einer viel sagenden, aber auch oft
unperiodischen Kürze. Sie ist reich an Kunstwör
tern für das Seewesen, hingegen arm an Aus
drücken für unsinnliche Gegenstände, weil sie weit
weniger ausgebildet worden , daher sie in sollen
Fällen immer genöchigt ist, von ihrer reichern und
Üppigem Schwester zu borgen.

§. zz. Die unter dem Nahmen des Hoch


deutschen bekannte jüngere Schriftsprache ist eine
Tochter des Oberdeutschen, doch mehr der nördlis
chen als der südlichen Provinzen. Es ist die durch den
Obersächsischen Dialect gemilderte und durch Ge,
schmack, Künste und Wissenschaften ausgebildete und
verfeinerte Oberdeutsche Mundart. Sie hat nebst
ihren altern Schwestern, den Fränkischen, Thüringi
schen und Obersächsischen Dialecten von der weichen,
schlüpfrigen und kurzen Sprache des Niederdeut
schen nur gerade so viel angenommen, als zur
Milderung der rauhen und schwülstigen Ober
deutschen nöthig war, und ist seit der Reformation
nicht allein die Büchersprache aller Schriftsteller
von Geschmack, fondern auch die Hofsprache des
gesitterern und verfeinerten Umganges geworden.

§. ?z, Sie wird daher auch gemeiniglich vor


zugsweise gemeiner, wenn man von der Deut
schen
4. Deutsche Sprachlehre. 19

schen Sprache überhaupt, von dem was rein


Deursch, guc Deursch, schön Deutsch
u. s. f. ist, spricht, in welchem Falle sie als die
herrschende allgemeine Sprache den Mundarte»
der Provinzen entgegen gesetzt wird. Da ihr
Äusseres ganz von dem Zustande der Cultur unddes
Geschmackes abhängt, und dieser in den obern
Clossen der Nation bestandig entweder steigend oder
fallend ist, so ist sie, wie aus dem vorigen erhellet,
auch gar sehr der Veränderung unterworfen. Sie
wird steigen, so lange noch die Nation in gründi
lichen Kenntnissen und im guten Geschmacks wüch
set, und wird fallen, so bald sie darin abnimmt.

4. Deutsche Sprachlehre.

§. 34. Diese Mundart verdienet daher vor,


jüglich, grammatisch, d. i. Mit Bewußtseyn
und Beobachtung der Sprachregeln, erlernet zu
werden. Sprachrcgeln sind allgemeine Vor,
schriften, nach welchen die Wörter einer Sprache ge<
bildet, gesprochen, verändert, verbunden und geschrie
ben werden, und sie zusammen genommen, machen
die Grammarik oder Sprachlehre aus,
welche es demnach bloß mit der Richtigkeit der
Ausdrücke zu thun hat, so wie sich die Logik mit
ihrer Wahrheit, und die Redekunst mit ihrem
Schmucke beschäftigt.

§> 35. Jede Sprache entstehet bey einem Volke


indessen noch rohen und ungebildeten Zustande,
B 2 d«

^ ' ' '


.
2S Einleitung.

daher es dabey nicht anders als nach dunkeln Vott


siellungen ähiilicher Fälle verfahren kann. Dai
durch entstehet eine übereinsiimmige Art des Vett
fahrens in ähnlichen Fällen, welche die Analogie
oder Sprachahnlichkeir genannt wirb.

K. z6. Aber da die Spracherfinber dabey nur


nach dunkeln Vorstellungen verfuhren, so geschähe
es, daß sied« Ähnlichkeit zusehen glaubten, wo
wir bey mehrerer Deutlichkeit oder einer andern
Worstellungsart keine mehr gewahr werden. Oft
ist man auch bey mehrerer Cultur durch tausend
zufällige Umstände nach und nach von der anfänglich
empfundenen Ähnlichkeit abgewichen. Sehr oft ,
treffen in einer Sprache, besonders bey ihrer Aus?
bildung in einem Falle mehrere einander Wide«
sprechende Arten der Ähnlichkeit zusammen, von
welchen doch nur eine befolgt werden kann. Alle
diese Umstände veranlassen in allen Sprachen so
viele Abweichungen von der Ähnlichkeit, oder
Ausnahmen von den Regeln.

§. Z7. Aber es findet sich noch ein Umstand,


welcher macht, daß die Sprachregeln nicht alle
einzele Falle gleich bestimmt entscheiden können.
Die Natur thut nie einen Sprung, folglich auch
nicht in den Sprachen. Der Menfch schreitet in
allen seinen Handlungen nur sehr unvermerkt von
einer Analogie zur andern , und in den Sprachen
ist der Ubergang von einer Art der Ähnlichkeit zu
der andern allemahl so unmerklich, daß man die
zwischen Heyden in der Mitte gelegenen Fälle mit
4. Deutsche Sprachlehre. 2,

rinerley Recht so wohl zur einen als zur andern


rechnen kannn. Die Sprachregeln aber können
sich nur auf die am meisten hervor stechenden Fälle
erstrecken, und müssen die Mittlern Glieder der Kette
oft wo nicht unberührt, doch wenigstens unentschie
den lassen.

L. Z8. Was wahre Ausnahmen von de»


Regeln sind, kann, wenn anders die Sprache eine
Absicht haben soll, nur allein der herrschende und
jiberein stimmige Gebrauch entscheiden , welcher
zugleich der höchste Gesetzgeber in allen Sprachen
iß, nicht aber ein Tyrann, wofür er von so vielen
ausgearteten Söhnen der Nation ausgegeben
worden.

§. zy. Die Herrschaft deS Sprachge«


brauchs erstrecket sich über alle Theile dex
Sprache, über die Bildung dex Wörter und
ihre Bedeutung, über ihre Veränderung am Ende
und über ihre Verbindung, über die Art sieauszu-
sprechen und zu schreiben. Was demselben entge
gen ist, wird ein Sprachfehler, und wen»
eS auch die beste Analogie vor sich hätte.

§. 40. In einer durch Schrift und Ge


schmack ausgebildeten Sprache, dergleichen die
Hochdeutsche ist, bestehet dieser Gebrauch in
der herrschenden und Kbereinstimmigen Gewohn
heit deS besten und weisesten Theiles der Na
tion , besonders der besteu und weisesten Schrift-
sieller.
B ? §. 41.
»2 ' Einleitung.

- §. 41. Die gesetzgebenden Theile ein«


Sprache stehen demnach in folgender Ordnung
Unter einander: 1. der Sprachgebrauch,
als die höchste und unumschränkteste Macht.
Was diese nicht bestimmt, entscheidet 2. die
Sprachähnlichkeic oder Analogie. Wen»
auch diese schweigt, so nimmt z. die Abstam«
mung oder ZLcymologie das Wort, und
wenn in einem Falle alle diese nichts entschei
den, so gebühret 4. dem Wohlklange eine
Stimme. Zum B. ob man maureN , maueren?
oder mauern, eurem, euerem oder euerm,
ries'len, rieselen oder rieseln schreiben und
sprechen müsse. .
>. - -
§. 42. Es folget hieraus, zugleich: 1.
daß die Sprachregeln, als bloße ErfahrungsZ
säße durch Bemerkung der übereinstimmigen Art
des Verfahrens in jeder Sprache selbst aufges
sucht, und nicht willkuhrlich gemacht werden
müssen. 2. Das sie bloß wahrscheinlich sind,
und als Erfahrungssätze durch Veyspiele erwie
sen werden müssen; und z. daß sie in einer
lebendigen Sprache nicht unveränderlich sind,
sondern ihr in allen ihren Veränderungen folgen
müssen.

§. 4z. Hieraus fließen zugleich die Pflichten


und Befugnisse des Sprachlehrers. Er ist nicht
der Gesetzgeber der Nation, sondern nur ihr
Sprecher und Dolmetscher. Er dringet ihr
keine Vorschriften auf, sondern sammelt nur
die
. Deutsche Sprachlehre. sz

Ae von ihr von Feit zu Zeit gemachten und


in dem Herkommen aufbehaltenen Gesetze, spü
ret ihren Gründen und Gränzen nach, bemerkt
die Fälle, wo sie sich widersprechen oder zu
widersprechen scheinen, zeigt der Nation, wo
sie aus Übereilung, aus Mangel der Aufmerk
samkeit oder aus Unkunde wider Willen ihre
eigenen Gesetze übertreten, und überläßt end
lich alles der Entscheidung der meisten und weis
fesien Stimmen.

§. 44. Daß die Sprachkunst von At


ters her zu den freyen Künsten gezählet Mor
ien, ist ihr sehr nachtheilig gewesen. Sie ist
des wissenschaftlichen Vortrag«! eben so sehr
fähig, als jede andere Wissenschaft, welche sich
mit einem hohen Grade der Wahrscheinlichkeit
begnügen muß, und sie und die Sprache wer
den bey einem solchen Vortrage allemahl ge
winnen.

§. 45. Die Sprache ist vernehmlicher Aus


druck der Reihe unserer Vorstellungen durch
Worte. Diese werden entweder gesprochen,
oder geschrieben; und daraus ergeben sich zwey
Haupttheile der Sprachlehre, wovon der eine,
die Fertigkeit richtig zu reden, und der andere,
die Fertigkeit richtig zu schreiben, (die Ortho«
grsphie) betrifft.

§. 46. Der erste Theil, als der wichtigste


und weitläufigste beschäftigt sich wiederum: 1.
. ,, ) B 4 mir
24 Einkit. 4. Deutsche Sprachlehre.

mit dem Ursprünge und der Bildung der Wör«


ter überhaupt, oder der Etymologie; 2. mit
den Arten der Wörter, und ihrer Biegung, der
Flexion; z. mit der Zusammensetzung einzeler
Wörtex oder der Composikion; und endlich
4. mit ihrer Verbindung zu ganzen Sätzen und
Reihen von Vorstellungen, dem Redesaye oder
dem Syncax.

Erster
Erster Theil.

Von

der Fertigkeit

richtig zu reden.

B 5 Erster
Erster Abschnitt.

Bildung der Wörter oder die


Etymologie.

Lehre von der Bildung der Wörter haiu


delt, i. vorläufig von ihren einfachen B«
/?siibtheilen oder den Buchstaben und deren Laut;
2. von dem Ursprünge und der Bildung der Wör,
ter selbst; und z. von dem darin gegründete«
Tone.

Erstes Kapitel.
Von den Buchstaben und ihrem Laute.
i. Ihre Bestimmung und Eintheilung.

^ ' §. 2.
Alle Wörter lassen sich in gewisse einfache B«
standtheile auflösen, welche Buchstaben
genannt werden ; ein Nähme, welcher so wohl den
einfachen Laut, als auch den Lamer, oder
dessen sichtbares Zeichen , bedeutet.
5. ?. Diese einfachen Laute sind in der Deutt
sihen Sprache der gewöhnlichen Ordnung nach fol,
gende:
28 l.TH. i.Abschn.BildungderWörter.

gende : a, a, b, ch, d, e, f, y, h, i, j, k, s, m,
n, o, ö, p, r, s, ß, sch, c, u, ü, w,^. Welche
aber durch folgende Zeichen ausgedruckt werden :
a, a, b, c, ch, d, e, f, g, h, i, j, k, l,m, n, o,
o, p, q, r, s, (s,) ß, sch, r, u, Q, v, w, y, z,
§. 4. Unter diesen Lauten findet ein sehr w«
senchcher Unterschied statt. Einige werden durch
die bloße Öffnung des Mundes oder sanfte Nieder-
lassung der Lunge, die meisten aber durch den
Druck irgend eines Theiles des Mundes gebildet.
Die ersten werden gemeiniglich Vocale oder
Gelbstlaute, die letztern aber Consonanten
«der Mitlaute genannt. Da diese Benennungen
unschicklich find, so wollen wir die erstem lieber
-Hulfs, und die letztern Hauptlaute nennen.
§. 5. Die -Hülfslauce oder Vocale wer,
den durch die bloße Öffnung des Mundes oder
sanfte Niederlassung der Lunge gebildet , und sind
von der größten Öffnung des Mundes an biß zur
kleinsten folgende acht: a, ä, e, i, 0, ö, u, ü,
Hie bilden eine Art natürlicher Tonleiter, und
bezeichnen ursprünglich die verschiedene Höhe und
Tiefe des Tones. Als Tonleiter' müßten sie von
dem tiefsten Tone an so auf einander folgen : u,
.0, a, ö, ä, e, ü, i,
§. 6. Werden zwey Hülfslaute mit einer und
eben derselben Öffnung des Mundes ausgesprochen,
oder vielmehr, gehet der Mund von einer Öffnung
unvermerkt und ohne Absatz zu der andern Uber,
so entsteht ein Diphthonge oder Doppellaut.
Solcher Doppellaute find im Hochdeutschen : äi,
(ay,) au, im, ei, (ey,) oi, (oy,) und, obgleich
^ . selten,
i. Kapitel. Von den Buchstaben. 29

selten, ui. Dreilaute oder Triphchongen


kennt die Hochdeutsche Mundart nicht.

K. 7. Die Hauptlauce sind d,e ausdrückend-


sten und wesentlichsten Besiandtheile der Wörter
und lassen sich auf mehrere Art in gewisse Classen
theilen. Entweder, nach den Theilen des Mun
des, durch deren Druck sie vornehmlich hervor
gebracht werden; und da giebt es : i. einen Lull«
genlauc, der mit einem bloßen gelinden Stoße
von der Lunge gebildet wird, h; 2. drey Gur-
rMauce, wenn der Stoß durch die verengerte
Gurgel verstärkt wird: ch/ F, k, (q;) z. einen
Osumenlauc, wenn die Luft durch den vereng-
ten Gaumen gedruckt wird : j ; 4. Fünf Lippen
laute, welche durch den stärkern oder fchwcichern
Druck der Lippen entstehen : w, b, f, (v,) p, M,
5. fünf Zungenlattre, an deren Hervorbringung
die Zunge den meisten Antheil hat : d, r, (rh,) l,
N, r; und endlich, 6. vier Zahnlaure, wobey
die Zähne am geschäftigsten sind, ohne doch die
Zunge davon auszuschließen : s, ß, z, (c,) sch.

§. z. Oder nach der jedem Buchstaben eigen,


chumlicken Art des Lautes, hoch zugleich mit Rück
sicht auf die verfchiedne Öffnung des Mundes,
mit welcher jeder hervor gebracht wird. D«
giebt es.
1. Halb-Vocale, oder halbe Hülfs<
laure, welche ohne merkliche Öffnung des
Mundes hervor gebracht werden können. Diese
find wieder: , .
FlWge,
IO i ^ Th. i . Abschn. Bildung derWörter.

, s. Flüsstge, wegen ihrer leichten Aus


sprache : der Lalllaur, 1 ; der N?ampf?
lauc , in : und der Nennlaut/ n.
l> Ein Zitterlauc, das r, der schwerste
unter allen Hauptlauten, daher er auch bey
ganzen Völkerschaften fehlet.
c. Der Gausclaut oder Sauseler,
nach den Graden der Stärke, s, ss,) ß, Z,
6. Der Fischlaur oder Zischer, sch.
s. Smmine, welche schon eine merklichere
Öffnung des Mundes erfordern, und daher
nicht ohne Dazwischenkunft eines Hülfslautes
oder Voeales ausgesprochen werden können.
Sie sind wiederum :
». Bcbelaure: b und p.
b. Vlaselauce: w, f, (v.)
c. -Hauchlaute: h, ch.
6. Gacklaure: j, g, k, (q )
e. Tödrende oder GcorrerlaUte : d,
r,(rh.)
§. 9. Von diesen sind 5 b, w, h, j und d>
die gelinden, ß und g, die geschärften, und
z, p, f, ch, k und r, (ch,) die harren Laute
ihrer Classe, je nachdem sie jede Art des Lautes
mit verschiedener Stärke ausdrucken.
§. lo. Wenn zwey dieser Hauptlaute durch
einen und eben denselben Druck ohne merkliche
Öffnung des Mundes dazwischen hervor gebracht
werden, so entstehet ein doppelter oder zusammen
gesetzter Hauptlaut: ss, ll,ks, (x;) ps; rz, u.s.f.
L. 11. Billig sollte jeder einfache Laut seineiges
ncs einfaches Zeichen, und auch sticht mehr als eines
habcg.
? .'Kapitel. Von den Buchstaben, z,

haben. Mein, weil die Deutschen ihre Buchst«


ben von den Römern entlehnten: so haben sichda-
bey allerley Unbequemlichkeiten eingeschlichen, r.
Es werden einfache Laute mit zusammen gesetzten
Zeichen ausgedruckt : cK, sch/ th, das ß in der
größern Schrift durch SS, ä, ö, ü, durch Ae,
Ve, und lle. 2. Dagegen hat ein zusammen ge
setzter Laut ein einfaches Zeichen : x für ks. z. Oft
hat man für einen und eben denselben Laut zwey
und mehr Zeichen : k, q und c vor «/ 0, U ; z und
c vor e, i; j> v und pH; r und rh; s und s; -
chs, ks und x. 4. Eben so oft muß ein Zeichen
verschiedene Laute vertreten. So lautet e bald tief,
ivieä, bald höher wie das Lateinische e; i ist, be
sonders in der größern Schrift, bald ein Hülfs-
laut, bald der Hauptlaut Jod; das c lautet
bald wie k, bald wie z ; das s lautet bald gelinde
bald scharf, das ß bald scharf, bald gedoppelt,
das flautet in manchen Fällen wie ein sch; das
y druckt bald ein langes i bald das Griechische u
aus. 5. Oft unterscheidet man einerley Hülfslaut,
wenn er gedehnt gesprochen wird , durch mehrere
verschiedene Zeichen, bald aber auch nicht: -aa,
ah ; ah ; ee, eh ;ih, ie, y ; 00, oh ; öh ; uh und v
üh, bezeichnen weiter nichts als ein gedehntes a,
ä, e, i, 0, ö, U und ü. 6. Auch in der Art die ge
doppelten Hauptlaute zu bezeichnen , ist die Deut
sche Sprache sich nicht gleich. , Bald schreibt man
sie neben eiuander, bb, l!, mm, rr, rr; bald
ziehet man sie zusammen, ff, ss; bald hat man aye
dere Zeichen, ck für kk, y für rs. Doch das sind
Mängel, von welchen keine Sprache frey ist, und
die
Z2 i.Th.r.Abschn. Bildung der Wörter,

die man dulden muß, fi> lange der Sprachgebrauch


sie duldet.
2. Nähere Erwägung der einzelen Buchst««
, den und ihres Lautes.
HülfS - und Doppellaute.
K. i2. Im ganzen behält im DeutstW j«
der Buchstab in allen Fällen seinen eigenthümlichen
Laut; das ist, man schreibt so, wie man spricht,
und man spricht so, wie man schreibt. Allein in
einzelen Fällen finden manche Abweichungen statt,
welche, was die Aussprache betrifft, hier bemerket
werden müssen. Das übrige gehöret in die Ott
thographie.
§. iz. Die Hülfslaute a, i, d und U wer,
den im Hochdeutschen mit der jedem eigenen Öffnung
des Mundes ausgesprochen, und lauten daher eben
so rein und unvermischt, als in dem Lateinischen.
, F. 14. Ä, ö und ü sind lange Zeil von allen
Sprachlehrern für Doppellaute gehalten worden,
ungeachtet sie nur mit einer einigen einfachen
Öffnung des Mundes ausgesprochen werden. Eben
so wenig verdienen sie den Nahmen der unreinen
Vocale, indem ihr Laut in ihrer Art völlig
rein ist.
§. 15. Das e hat einen gedoppelten Laut:
1. einen riefen oder Niedern, (offenen oder
dunkeln,) genau wie ä, in Schwerr, Herd,
Rrebs , N?eg, predigt, fliehen, stöhnen;
und 2. einen höhern, (scharfen, hellen,) wie
das Lateinische e in Ksri, mei,i8, meriw. Dahin
die erste Sylbe in stehen, fthen, gehen, Ge.
wühl,
1. Capitel. Von den Buchstaben, zz

wühl, Gesicht, die letzte in Freude, Gabe,


tüebe, und die beyden ersten in geschehen, ge«
stehen u. s. f. Eben dieses gilt auch von dem ee;
es lautet tiefer in Meer, Heer, scheel, (schel;)
höher in See, Seele, Beer, Rlee. Die
Fülle, wo jedes statt findet, lassen sich mchtunter
Regeln fassen, sondern müssen aus dem Gebrauche
«lernet werden. Doch S. §. 92.
§. 16. As, ee, und 00 sind in eigentlichen
Deutschen Wörtern bloße Zeichen gedehnter Hülfs«
Kute, und daher so wenig Doppellaute als die
ähnlichen Zeichen ah, eh, und oh. Nur ee wird
Meilen zweysylbig gesprochen: l. wenn es zu
M verschiedenen Sylben gehöret, be-ehren,
be endigen; und 2. wenn es , um t>as Gesicht
Sicht zu beleidigen, die Stelle eines dreyfachen e
vertritt: die Ge-en, des Rle-es, die Ar
meen, für See cn, Rlee-es , Armee-en.
K. 17. Auch ie ist kein Doppellaut, sondern
seinem heutigen Gebrauche nach ein bloßes Zeichen
eines gedehnten i. Ausgenommen sind dies oder
dieß, vierre, Viertel, vicrzehen, vierzig
»»» Dienstag; ingleichen gieng, fieng, hieng
und Schmied , wenn es daselbst noch geschrie«
im wird, wo es überall geschärft lautet. Auch
»gieb, du giebst, er giebr, und lies lautet
es Key vielen geschärft. Getheilt hingegen wird
«s ausgesprochen, Wenn es aus ice zusammen
»Wen ist: kni-en, die Rni e, sieschri-en, für
knie-en, Rnie-e, schrie-en.
§. iz. In den fremden Wörtern lautet eS
getheilt, wo die Natur dieser Wörter es erfor.
, C > dert:
Z4 ! . Th. I .Abschn. Bildung der Wörter.

dert: Hi-eroglyph. So auch in der Endsylbe,


wenn sie den Ton nicht hat: -Histöri-e, Rs-
mödi-e, Äli-e, Schlesi°en, ein Spani-ev,
Äri e, Ryri-e. Hat sie aber den Ton, so ist eS
wieder bloß ein gedehntes i: Geographie,
Poes«, Melodie, Philosophie, Cere»
mome, Barbier,, Officier, Courier/
p'je. Ausgenommen ist auch hier der Plural eben
dieser Wörter, wenn ie für ie-e stehet: Cere«
mom-en, poesi-en, Geograph! -en.
§. 19. Das y hat im Deutschen ein doppelt
tes Amt. 1. In Wörtern, welche aus dem Griechin
schen und Lateinischen herkommen, vertritt es die,
Stelle des Griechischen v und Lateinischen und
ist alsdann ein einfacher Hülfslaut: Sylbe, Sy-
stein. In ursprünglich Deutschen Wörtern ist eS
ein Überbleibsel einer altern rauhen Aussprache,
welche dem i am Ende einer Sylbe noch ein j nach
schleichen ließ : allerley, wie aUerle-ij, (ehedem
allerleige.) Die Hochdeutsche Aussprache hat die-
ses j in der Aussprache nach dem a und e verwor
fen, und da lauten av und ey wie ai und ei:
Day, i^7ay, RindereyZ. nach 0 und U aber
behalten, daher lauten Hoya, -Hoyers-werda,
ZKsy, hup, pfuy, wie Hoja, Hojers-wer^
da, Boj oder ZZoje, huj, pfuj, und werde«
auch am besten so geschrieben.
§. 2« Die DoppcllaW ai, ei, SU, eu und>
oi unterscheiden sich durch die Öffnung des Mun
des, vermittelst welcher sie entstehen, sehr merk
lich, und müssen daher in der Aussprache nicht
mit einander verwechselt werden. Der unange
nehme
Cspitel. Von den Buchstaben. 35

nehme Oberdeutsche Doppellaut ai findet im Hoch,


deutschen nur noch in einigen wenigen Wörtern
statt: XVaise, «rpK»nus, Raiser, Saire/
cKol-6s, Laie, Main, Hain. Oi ist nur noch
tn einigen eigenthümlichen Nahmen gangbar t
Groitzsch, Boitzenburg:

H ü u p t l ü U t e.
§. 21. Die gelinden Hauptlaute Müsse» in
der Aussprache von den scharfen , und diese von
den harten ihrer Classe gehörig unterschieden wett
den. Die gelinden und geschärften können ihren
eigenthümlichen Laut eigentlich nur zu Anfange
einer Sylbe oder am Ende nach gedehnten HülfÄ
lauten haben ; aber auch hier gehe» sie oft in den
verwandten harten Laut, über, .

ss. B lautet eigentlich schärftr äls w


Und gelinder als p. Diesen seinen eigenthümlichen
Laut hat es vorzüglich : zu Anfange eines Wo«
res oder einer Sylbe: ZZanm, bleiben, Zahl«
bar , Schabracke. 2^ Vor den Flerions^ und
Slbleitungssylben , wenn sie sich Mit einem Hülfs,
laute anfangen : die Rorbc, dem Änabcn,
lieben, glaubig. z. Vor einem ausgeworfenen
oder verbissenen eV Diebsgejliidel, Schreib,
«rc, Hebamme, Hebspftr, RnsbläuchZ
wohin auch die Ableituttgsfylbe» ler, lein, ling,
nen und ner gehören? Hübler, Rnäbtem,
Rorhiein, Srcrblinge, Herbling, An>
B « schie«
g6 l . Th. i . Abschn. Bildung der Wörter.

stHiebling, ^>übner, besiebnen. Nur vot


einem r kann es nicht andersals hart tauten, wenn
gleich ein e ausgestoßen ist : er liebte, Gelieb
ter, die Verlobre, du bebtest. 4. Wenn
es in einem und eben demselben einfachen Worte
verdoppelt wird: Abb«, Ebbe, Rrabbe.
Zwischen zwey Hülfslauten und nach dem e und r
wird es oft so gelinde als ein n> ausgesprochen:
Bibel, Liebe, sieben, Pöbel, Schwalbe,
Wbe, Erbe, herbe.

§. 2Z. In andern Mllen lautet es hart wie


p. Folglich: 1. Am Ende eines Wortes: Lob,
Raub, Rorb, gelb, lieb, ab, ob, grob,
Ralb, derb. 2. In den damit zusammen ge<
sttzten: grobahrig, Lobopfer, liebäugeln,
Liebhaber, z. Am Ende einer Sölde vor einem
Hauptlaute, wenn kein e verschlungen ist: Erbse,
Liebling, löblich, leblos, trübselig, Grob
heit, Segrabniß, Labsal, Überbleibsel,
Erbschaft. 4. Vor einem andern Hauptlaute
in einer und eben derselben Sylbe: Abt, Herbst,
Rrebs, Obst, Rürbs, hübsch. '

§. 24. DaS c, ein Deutscher Buchstab, ft>


gut als irgend ein anderer, hat seinem jetzigen G«
brauche nach ein dreyfachcs Amt. 1. Hilft es mit
dem h den einfachen starken Hauptlaut ch bezeich>
nen. 2. Lautet es wie k, so wohl vor einem Haupt
laute : Clausur, Credit, Crailsheim, Sclave ;
als auch am Ende einer Solde, Specrackel,
wo
i. ssqpitel. Von den Buchstaben 57

Mo es besbnders in dem ck die Stelle eines k vett


^ritt,- wacker; als endlich auch vor a, o, u,ai,
und au; Carl, Conrad, Colberg, Cum-
yunde, Cur. Endlich z. lautet es wie ein z vor
ü/ e, i, ö, Ü, is>, und den daraus entstehenden
Doppellauten äu, eu,eiundey: Casar, Cicero,
Ceilon, Cider, Cypresse. Ausgenommm
sind die Nahmen Cöln, Cüstrin und Cöthen,
mo es wie ein k lautet, und nach der ehemahlige«
Schreibart auch Cärnchen, Corper u. s. f.
ivelche doch jetzt lieber mit einem k geschrieben
»uden.

§. ,5. Das ch ist das zusammen gesetzte


Zeichen eines einfachen lautes, welcher stärker
haucht, als h. Dieser sein eigenthümlicher Laut ist
entweder gelinde und einfach, zu Anfang einer
Eylbe, ZArerchcn, Bißchen, Bildchen,
iiigleichen nach einem gedehnten HMfslaute, Ge
such, suchen, brach, Sprache, Bücher,
räuchern; oder stark und gedoppelt nach einem
geschärften Hülfslaute, sicher, Löcher, la
chen, lächerlich, verpichen, Sriche.
Ausgenommen sind die Beywortcr suf lich, wo
das ch am häufigsten einfach lautet, wen» der
Ton auf der nächsten Sylve vorher liegt ^ obgleich
das i ungedehnt ist, freundliche, liebliche;
gedoppelt aber, wenn die zweyte vorher gehende
Svlbeben Ton hat, die veränderlichen, jVrch«
terliche Vorstellungen.

E z §. «6.
Z8 I.TH. I. Abschn. Bildung der Wörter.

§. 26. In einigen Fällen lautet ch wie k,


und zwar: 1. Zu Anfange eines ursprünglich Deut
schen Wortes, wovon aber nur noch Chur und
Char mit ihren Zusammensetzungen üblich sind.
2. Zu, Anfange einiger fremden Wörter, Charte,
Characrer, Chor; besonders vor einem r,
Christ,, Christus, christlich, Christian,
Christoph, Chronick, Chronologie, Chri-
fam. In andern aber behält es feinen eigen-
thümlkchen Hauchlaut, China, Chaos, Chy»
mie. z. Vor einem s in einer und eben derselben
Sylbe, dadennchs Wieks oder r lautet: Dachs,
wachs , Lachs, Fuchs, Flachs, Büchse,
Achsel. In Zusammensetzungen und Zusammen,
Ziehungen behält, es seinen eigenthümlichen Laut :
nachsehen, wachsam, Dachspäne, des
ZZuchs, des Dachs, er sprachs.

§. 27. D lautet weicher als r und th und


kann daher nur nach einem gedehnten Hülfslaute
stehen. Diesen seinen gelinden Laut Hai es: l. Zu
Anfange eines Wortes und einer Sylbe: da, du,
das, Dach, Bruder. Vor den Flerions- und
Ableitungs- Sylben, wenn sie mit einem Hnlfs«
laute anfangen : Blöde, Rede , die Rader,
freudig, stündig, ständig, das weidichr.
z. Vor einem ausgeworfenen oder verschwiegenen e:
demwürdgen, du fandst, Tadler, Adler,
Schuldner, Nadler, widmen, Ordnung,
-Handlung, redlich, Weidmann, Bödme?
rey, Mündlein, Rindlein. Wohin auch die
auf
i. Cüpitel. Von den Buchstaben. 39

«uf ling gehören: Blendling, Fremdling,


Gründling, Findling, blindlings. 4. Wen»
es in einem und ebendemselben einfachen Worte
verdoppelt wird: Widder, ZLdds, Nidda.

§. 28. Hart und wie ein t hingegen lautet


es : l. Am En de eines Wortes .Tod, blind, Bad,
Bild, Gegend, Jugend, liebend. 2. In den
damit gemachten Zusammensetzungen, wenn gleich
ein Hülfslaut folgt: Abendopfer, Schuld,
opfer, Handarbeit, Mundart, z. Am
Ende einer Sylbe vor einem Hauptlaute, wenn
kein e ausgestoßen ist : Bildlich, niedlich,
schädlich, Mädchen, Bändchen, Hand
langer, Bündniß.

5- 29, Das dt findet eigentlich nur statt,


wenn es aus der zusammen gezogen ist, und dann
lautet es wie r ; gewandt, verwandt, ge
sandt, beredt, rodr, tödten. Außer diesem
Falle der Zusammenziehung ist Stadt noch das
einige Wort, in welchem es üblich ist.

§. zo. Das f blaset stärker als das w, und


weicht von diesem seinem eigenthümlichen Lauten«
selten ab: Farbe, Faden, fliegen, der Hof,
die Hülfe« Nach einem Hauptlaute und ge
dehnten Hülfslaute lautet es einfach : strafen,
rufen, die Schafe, scharf, bedürfen^
Töpfer, Sumpf; nach einem geschärften
aber doppelt: Asse, treffen, fchass.
C4 Nach
40 i:TH. i. Abschn, Bildung derWörter.

Mach denjeniM Doppellaute», welche mehr ge,


schärft als gedehnt ausgesprochen werden, lautet
das f doppelt, wenn es gleich nur einfach
geschrieben wird: laufen, pfeifen, saufen,
ZlVeife, Seife. In einigen wenigen Fällen
lautet es im gemeinen Leben so gelinde als b oder
w: Briefe, Schwefel, Hafen, Hafer,
prüfen, zwolfe, N?ölfe, ,, ^
§. z Das g muß in der Aussprache so
wohl von dem weichern j, als hauchendern ch, und
härtern k, gehörig unterschieden werden, Im Hoch,
deutschen behält es seinen eigenchümlichen Mittel-
laut zwischen j und ? in allen Fällen, wo man
es geschrieben findet, es sey am Anfange einer
Sylbe, Gqbe, gehen, Glaube, Glocke;
pder am Ende, Tag, Rrieg, Sieg, arg,
ZSerg, Sarg, Zwerg, Talg, möglich,
laugnen, klug, frug, Essig, Ficrig, ewig,
jagre, fagre, Zögling; oder in der Witte,
Angst, fags, verbirg?; oder in her Ver«
Koppelung, Slagge. Folgende wenige Fälle aus
genommen , wo es wie k lautet : i. Nach einem
geschärften Hülfslaute, wo doch der Beyspiele nur
wenig sind ) weg, ftugs. Und 2. am Ende ei?
ner Sylbe nach einen n, davon so gleich. Munda«
ten, die sich zum Niederdeutschen neigen, sprechen
Rlocke, Rlaube, Tak, möMch, ark,
Sark, Berk, u. s. f.
§^ Z2. In ng schmelzen n und g in der
Nase unvermerkt zusammen, und bilde» einen Lank,
x «elcher
i. Capitel. Von den Buchstaben. 41

»elcher dein Französischen «nach einem HüliMute,


sen, on, un,) nahe kommt; nur mit dem Unter
schiede, daß das g in manchen Fällen seinen eigen-
thömlichen Laut behält, in andern aber wie ei»
gelindes k lautet, i. Gelinde lautet es, theils
»ennein Hülfslaut folget, enge, bange, ge
ringe, lange, singen, bringen, und ihren
Ableitungen und Zusammensetzungen, bänglich,
mingfügig, engbrüstig, Singarc, du
singst, deu engste; theils vor einem Haupt,
laute, oft auch wegen eines ausgestoßenen Hülfsi
lautes, angst, -Hengst, jüngst, längst,
pßngften. In empfänglich, vergänglich,
verfänglich, unbezwinglich , langsam,
langwierig, langweilig, lautet es wie ein k.
2. Diesen Laut hat es vornehmlich am Ende eines
Mttes,Ring,Gesang, Ding, Rlsng, Gang,
ZW, fing, jung, lang, Häufung^ und
ihren Ableitungen und Zusammensetzungen, ^sung.
frau, Iunggesell. Ausgenommen sind Jüng
ling, dinglich, und länglich, wo es gelinde
lautet. Wenn n und g durch die Zusammen
setzung zusammen kommen, so behält jedes seinen
ngenchümlichen Laut: un »gern, Un- glaube,
abgewöhnen, Ofen-gabel.

§. ?z. DaS h hat im Deutschen ein drey-


iaches Amt. i. Ist es ein vernehmlicher Laut, wel
cher in einem gelinden Hauche bestehet. Er stehet
so wohl am Anfange eines Wortes, wo er am
sihäMn lautet: Haar, haben, hsch, er.
C 5 haben,
42 !.TH. i.Abschtt. Bildung der Wörter.

haben, be-haupren; als auch in der Mitte;


zwischen zwey Hülfslauten, wo eö gelinder istt
Oheim, Uhu, frühe, blühen, die Schuhe,
strohern. Am Ende eines Wortes kann es gar
nicht ausgesprochen werden , Stroh, Schuh/
rauh. So auch in den Zusammensetzungen, wenn
gleich ein Hiilfslaut folget, Srroharbeic,
Frühobst, Srühkirche, Schlehdorn^
Ost ist es ein Zeichen eines gedehnten HülfslauteS
besonders vor dem l, in, n, und r, wo es wie
derum stumm ist : Mahl, zahl, zahm, nehmen,
Fahne, mehr, Jahr. Und endlich z. dienet
es, den harten Laut des c, p und r zu mildern, oder ^
vielmehr mit denselben gewisse einfache Laute zu ?
bezeichnen , für welche wir keine eigene Zeichen ha
be?,. Siehe ch, pH, rh.

K. ^4. Das j, der Haupttauk, (Jod/) der


weichste Buchstab seiner Classe stehet selten am Ende
einer Sylbe, Doj, huj^ häufiger aber am Aw
fange , wo es allemahl einen Hülfslaut nach sich
hat, und weder Mit dem g verwechselt werden
muß, ja, Jahr, jagen, jähe, jung; noch
mit dem e wie ein langes i lauten darf, je, jex
mand, jerzt, jeder, jemshls u. s. f. nicht wie
je, imand , irzr, imahls.

§. zz. A, der härteste Gaumenlaut, tautet


am stärksten am Anfange eines Wortes vor einem
Hülfslaute, und am Ende einer geschärften Sylbe,
kommen, kaum, stark, Sank, Sack; ei»
. ' > wenig
i.Capitel. Von den Buchstaben. 4z

wenig gelinder vor den flüssigen Buchstaben und


dem r, und nach einem gedehnten Hülfslaute,
klein, kraus , Haken. Sollte es nach einem
geschärften HMfslaute doppelt stehen, so wird d«
für ck gebraucht? iLcke, Hacke.

L. ZS. Die drey flüssigen Buchstaben, l, M,


N, weichen von ihrem eigenthümlichen Laute nie
Sb. Nur das N schmilzt mit den Gaumenlauten
F nnd k, in einer und eben derselben Sylbe,isanft
in der Nase zusammen; krank, denken, din
gen. S. auch §. 32. Eben dieses thut es, doch
v«r im gemeinen Leben, vor einem ie, da denn iin
m sanftes j, übergehet, Linie, Pinie, wie
Änje, pinje.

§. Z7. Das p Muß Mit seMeM weichern Gtt


»On, dem b, nicht verwechselt Wethen, wie im
Oberdeutschen gewöhnlich ist. Pf ist ein verstärktet
Achlaur, der daher nicht wie das einfache fgtt
sprechen werden darf: Pferd, Pfand, pftmd,
Hopfen, pfropfen. PH kommt nur in frems
dm Wörtern vor, und lautet alsdann wie f: philo«
sophie, Phantasie, Adolph, Zürphen,
Vestphalen , wohin auch das aus ^xium g«
bildete i^pheu gehöret.

§. zF. Das q vertritt die Stelle eines k,


Kenn dieses ein w nach sich haben sollte, bekommt
«der stau dessen ein n zu seiner Begleitung, quer-
fchen,
44 i.'TH. r.Abschn. Bildung der Wörter.

schen, «Quelle^, (Qualm / wie kwerschen^


Rwelle, Rwalm. >

§. zy. Das r ist für die Aussprache der


schwerste Buchstabe weil er mit einer zitternden
Bewegung der Zungenspitze an dem Gaumen he«
vor gebracht werden muß , daher dessen Laut bey
manchen gern in ein fehlerhaftes Lallen oder
Schnarren übergehe/. Es noch durch einen
nachfchleichenden Hauch zu verstärken, ist im Hoch,
deutfchen ungewöhnlich, ob man gleich noch nach
dem Muster der Griechen und Lateiner Rhein,
von KKenus, und Rhede für Rehde, schreibt

§. 40. Der Sauselaut, der Lieblingslaut


der Hoch - und Oberdeutschen , theilet sich in vier
verschiedene Arten, je nachdem, er mit einem schwa
chen oder starken Druck des Mundes hervor ge
bracht wird; den gelindesten s) den einfachen schar
fen ß, den verdoppelten scharfen st) und den har
ten z. Die beyden ersten können nur nach ges
dehnte», und der verdoppelte nur nach geschärften
Hülfslauten gefetzt werden; das z vertrügt beyde,
ob es gleich im Hochdeutschen nur felten nach einem
gedehnten Hiilfslaute zu stehen kommt. Zur Be
zeichnung diefer verschiedenen Stufen hat man die
Schriftzeichen s, s, ß ss, und z, wovon s den ge
linden, s und Aden einfachen scharfen, ß und ss den
verdoppelten scharfen, und) den hatten ausdrücken.

Gelinde,
45

Hart.
Nach gedehnten ober
geschärften.
Rözan, tn Pohlen.
Der R<5xz.

Reigen.

MSzyr, in Pohlen.
DieMüye.
Büzo, ein alter
Nähme,
plasz, ein Nähme.
Plänen.
Glaz. DieGläye.

Mzo, ein Nähme.


Der Weitzen.
Miez.

Schlözer.

Mein
i.' Kapitel. Von den Buchstaben. 49

Allein in der Anwendung finden hier noch manche


Ausnahmen statt. -
K. 41. Das s, das Zeichen des gelindesten
Eauselautes, behält 1. diesen seinen eigenthümlichea
Laut, wenn ein HAfslautiu einem und eben dem,
ftlben Wortt darauf folgt, oder folgen sollte: se«
hen, Seele, böse, Person, sieben, rasen,
blasen, Verse, empfindsam, wirksam,
Amsel, Pfirsich, er bläst, sie ras ten,
s. Scharf aber lautet es in der Mitte einer Svlbe,
st wohl wenn rund p darauf folgen : derN?eft,
die Weste, die Rast, gestern, tVespe,
lispeln, Vesper; als auch »ach b, ch, g, k,
mo p, wenn ein Hülfslaut darauf folget, besonders
wenn es aus dem scharfen s entstanden ist : Rrebse,
Rebse, wachsen, die Gewächse, drech,
seln, drucksen, wicksen, Mengset , des
Gypses , klappsen. Nur die Endung sim, be,
hält ihren gelinden Laut, was auch für Hauptlast«
vorher gehen mögen: wachsam, langsam.
Z. In den Zischlaut sch gehet es über, vor denk
tund p zu Anfange ebies Wortes und in den d«
mitzusammen gesetzten Wörtern : Stand, stehen,
Stein, Srern, Spaß, Sprache,^ spei,
sen, erstehen, Edelstein, 2tbendstertt, vev«
sprechen; wohin auch die fremden Wörter geho,
rm, welche sich'j mit sc, ( vvr a, 0, tt und einem
Hauptkaute, denn vor ä, e und i, lautet es wiesz,
Gcüvsla, Scepter, Scipis) sl, sk und sm
anfangen : Sclsve, Skcler, Skalde, Glave,
Slavonien, Smaragd. Eben diesen Laut
hat eS gemeiniglich auch in dem st in der Mitte
5. . D und
5d i.TH. i.A5schn. Bildung der Wörter.

und am Ende einer Sylbe, wenn ein r vorlM


gchet: der Durst, die Bürste, Gerste, der
erste, bersten ^ garstig. Ausgenommen ist i)
die zweyte Person der Zeitwörter: du wirst, be»
gehrst, lehrst, hörst, warst; und s) die super,
lative Endung ste, wo es scharf kautet: der
sicherste, schwerste. In den übrigen Fälle»
lautet sin st scharf, er ist, du bist, besonders
wenn es in einem und eben demselben Worte zwb
schen zwey Hülfslauten stehet, da es denn in de«
Aussprache getheilet wird: Christen, gestern,
fliscern.
§. 42. Das s wird nie anders als am Ende
einer Sylbe gesetzt, und kann daher nie anders
als scharf ausgesprochen werden : es, was, das,
des Daches, böslich, die Bosheit, iLis,
Maus, Dachs. Es stehet': 1. am Ende sok
cher Sylben, welche nicht weiter verlängert
«erden, es, des Daches. Ausgenommen
sind das und was, obgleich dessen und wessen
davon gemacht werden. 2. Wenn es aus dem
gelinden s entstanden ist, oder doch in der Flexion
wieder in dasselbe übergehet: böslich, boshafp,
Bosheit, von böse, Beweis, Maus, Aas,
weil man sagt, beweisen, die Mäuse, die
Äftr. Nach dem r sprechen niedrige Mundarte»
es gerne wie ein sch aus, Vers, Mars, wie
Versch, Marsch. Erfordert die sanfte Hoch«
deutsche Aussprache am Ende mancher Wörter ein
gelindes s, so wird demselben noch eine angehängt,
böse, Franzose, leise, für die härter« bös,
Franzss, leis. ^ , ^ , : 1
§ 4Z-
Kapitel. Von den Buchstaben 51
r
§. 4z. Das ß, (im gemeinen Leben eszct,)
welches aus dem 5s der Lateiner entstanden ist,
ist allemahl ein Zeichen eines scharfen Sauselautes,
der, das ss ausgenommen, im Hochdeutschen nur
M Ende und in der Mitte einer Sylbe stehen kann.
Es ist, i. einfach geschärft, nach einem gedehnten
Hülfs- und Doppellaute, wenn der Sauselaut in
der Biegung und Ableitung einfach geschärft bleibt:
groß, den Größen, die Große, vergrößern,
bloß, entblößen, der Grüß, grüßen, süß.
Versüßen, die Süßigkeit, derSpäß, spa
ßen, spaßhaft, sie saßen, sie äßen, fließen,
gießen , stößen. 2. Gedoppelt geschärft, nach
einem geschärften Hülfslaute, wenn der Saus«
laut in der Verlängerung in ein ss übergehet, oder
daraus entstanden ist: -Haß, häßlich, hassen;
Schloß, die Schlösser, sie schlössen; ich
wußte, von wissen; er ißt, frißt, mißt,
von essen, fressen, messen; Sprößling,
von sprössen; Schößling, von schössen.
§. 44. Das ss oder der verdoppelte scharfe
Eauselcmt, wird nur nach geschärften Hülfs- und
Doppellauten gesetzt , wenn ein anderer Hülfslaut
darauf folget: Wasser, wissen? beflissen,
beissen, weissen, heissen, der Bissen, lassen.
K. 45. Der Zischlaut, welchen wir durch
das Zeichen sch ausdrucken, ist in manchen Fällen
«in einfacher, in manchen aber auch ein aus dem
sund dem Gaumenlaute zufammen gesetzter Laut:
schaden, schreiben, schieben, rauschen,
sie wuschen, sie draschen. In einer ge
schärfte» Sylbe, und wenn noch ein Hülfslaut
D s darauf
52 1. Tb. x. Abschn. Bildung der Wörter.

darauf folget, wird es doppelt ausgesprochen : was


schen, Häschen, Müschcl, desTtsches.'^
§. 46. Das r, der harte Buchstab seiner Classe,
muß mit seinem weichern Verwandten d nicht ve«
wechselt werden. In den aus dem Lateinischen
entlehnten Wörtern wird N, wenn noch ein Hülfs,
laut darauf folget, wie zi ausgesprochen, N?o-
non, Portion. Der eigenthümliche Laut deS
rh ist jetzt im Deutschen ausgestorben, daher es da,
wo es noch geschrieben wird , nicht anders als t
lautet.
K. 47. Das v ist in der Ausforsche von dem
f nicht unterschieden , es stehe nun zu Anfange ei,
ner Sylbe, oder am Ende: Varer, Vetter,
von, viel, Vogel, brav, massiv, Nerve.
Zwischen zwey Hülfslauten wird es daher, gleich
demf, oft so gelinde ausgesprochen, wie ein w :
Frevel, Srüver, Sclave.
§. 48. N), der sanfteste Blafelaut, kam,
wegen feiner gelinden Aussprache nur vor einem
HMfslaute stehen? wehen, N>ittv, ewig,
Löwe. Das x ist das Zeichen eines gedoppelte»
Lautes, welches da, wo es eingeführet ist, wie
ks lautet : Hexe, Arr, Rur, widere.
§. 49. Das z ist der härteste Sauselaut>
(Siehe §. 40.) aber um deßwillen so wenig ein
doppelter Hauptlaut, alsk, p und rund das gleich«
lautende Lateinische c vor »s, e, i und «e. Es
stehet so wohl zu Anfange einer Sylbe, zahl, zie»
hen, Ranzel, Unze, zwey, serzen, blirzen,
da denn die Ableitungssilben s, sen, seln u. s. f.
nach einem r allemahl in zen, zeln übergehen,
' Schay,
, h Kapitel. Ursprung der Sprache. 5 z

Schay, Hitze, hiyen, playen, für Schars,


Hirse, Hirsen, placsen. Nach einem gedehn
ten Hülfslaute kommt das z im Hochdeutschen nicht
leicht vor, außer in Nahmen, Provinziaiwörtern
und fremden Ausdrücken: Miez, Rieze, plasz,
Schlözer, Buzo, Cuzilo für Conrad.

..Zweytes 'Kapitel. , l

Ursprung der Sprache und Bildung


der Wörter.

Aus diesen einzelen Buchstaben nun entstehen


^ Sylben und N?örcer. Eine Sylbe ist
ein vernehmlicher Laut, welcher mit einer einigen
öffnung des Mundes ausgesprochen wird, daher
sie auch nicht mehr als einen einigen HUlfs, oder
Doppellaut haben kann. Ein XVorr aber ist ein
vernehmlicher Ausdruck einer Vorstellung, welcher
ohne Absatz und auf einmahl ausgesprochen wird.
Es enthält so viele Sylben, als Hiilfs- oder Doppel,
laute darin vorkommen.
K. 51. Wie aus einzelen Buchstaben Sylben
und Wörter entstehen, lehret die Etymologie
oder Wissenschaft des Ursprungs und der Bildung
der Wörter, welche zugleich die Wissenschaft des
Denkens und des Stufenganges der menschlichen
Erkenntniß ist , aber keinen gewissen Schritt thut,
wenn sie nicht biß auf den Ursprung der Sprache
selbst zurück gehet.
? §. 52.
54 i.Th.i.Abschn. Bildung der Wörter.

' §. 52. ' Die Sprache ist von Menschen, aber


von rohen, noch ganz ungebildeten und sinnliche»
Mensthen erfunden worden, nicht zur Lust
»der bloß zur Bequemlichkeit, sondern aus einem
in seinen Fähigkeiten und in seinen Umständen gu
gründeten Bedürfnisse, ohne welches er nicht Mensch
gewesen seyn würde, so wie er ohne eine erfundene
und zum Theil ausgebildete Sprache nicht ein veri
«künftiger Mensch seyn kann.
§. 5z. Alle Wörter sind entweder ein - oder
mehrfylbig. Die ,einsilbigen bestehen entweder
aus einem einigen Hauptlaute Und einem Hülfs/ oder
Doppellaute, ob, ab, ein, an, lau, du,
ha, zu welchem sich entweder vorn oder hinten
«och ein anderer gesellet, blau, ftey, eins, alr,
ZLrz; oder auch aus zwey Hauptlauten mit einem
Hülfslaute in der Mitte, Bär, bar, -Haus,
Pach, biß, und diese nehmen oft, entweder
Dorn, oder hinten, oder an beyden Orten zugleich
noch einen Hauptlaut an , und sind alsdann, bei
sonders im letzten Falle, ihrer Bedeutung nach auf
das genaueste bestimmt: blaß, blöd, Blur,
Rrieg; Balg, bald, Berg, fest, ganz;
Bliy, Play, Glanz, glatt, Gruft. Die
znehrjylbigen sind entweder offenbar aus mehrern
Wörtern zusammen gesetzt, Goldstaub,Spracht
lehre, aufstehen; oder sie sind vermittelst ge
wisser Sylben von einem einsylbigen Worte gemacht,
welches mit andern Sylben und in einerley oder
doch ähnlicher Bedeutung mehrmahls vorkommt,
des Bild es, dem Bild e, die Bild. er,
bild-lich, bild en, Bild-ner, ge-bild-cc;
2. Kapitel. Ursprung der Sprache. 55

sowie sich eben diese Sylben wieder zu einer Menge


anderer Wörter gesellen , und ihre Bedeutung auf
ähnliche Art bestimmen: des Dach -es, des
Stuhl -es, desTsg-es, dem Hause dem
Mann-e, die Mann -er, die Haus- er,
glück lich, gelb lich, geh-en, trag en,
ge-farb-et u. s. f. Wir" schließen daraus,
theils, daß die mehrsylbigen Wörter nicht ursprüng
lich mehrsylbig sind, sondern von einem einsylbigen
herkommen ; theils aber auch, daß die ihnen ange
hängten Sylben keine leeren Schälle find, sonder»
ihre gewisse Bedeutung haben. ' - ,-'
K. 54. Die Sprache bestehet aus Wörter»
und diese sind Ausdrücke, d. i. hörbare Merkzeichen,
unserer Vorstellungen, welche wenigstens klar
sevn müssen, wenn ihre Ausdrücke zum Merkmahle
dienen sollen. Eine klare Vorstellung entstehet
aus einer dunkeln, wenn die Seele bey dem
dunkel empfundenen Gegenstande verweilet, und
sich ein Merkmahl von demselben absondert, um
ihn wieder zu erkennen. — Eben so entstehen die
Ausdrücke klarer Vorstellungen , d. i. die Wör
ter, aus den Ausdrücken der dunkeln, oder aus
einzelen Lauten.
^ §- 55. Diese Laute können ursprünglich nichts
anders seyn, als Nachahmungen des empfundenen
Naturlautes , weil die Sprache eigentlich nichts
hörbar bezeichnen oder ausdrucken kann, was nicht
vorher hörbar empfunden worden.
§. 56. Der erste hörbare Ausdruck der Em-
pfindung durch daß Gehör ist ein ungeschlachter
Hauptlaut mit seinem HMfslaute, wovon der erste
D 4 das
Z6.1.TH. ^ AWn. Bödyng per Wörter,

das Eigenchümliche des Lautes , der letztere «be,


die Höhe oder Tiefe des ToneS bezeichnet: wa,
p?e, wi, wo, wu, ra, xe, ab, eb, as, es, is
«. s. f. Em solcher Laut, welcher nur noch eine
dunkele Empfindung, aber doch den Grund des
Ausdrucks der klaren Vorstellung enthält, heißt ein
ZlVurzellauc. Wird durch fortgesetzte Aufmerk
sainkeit noch ein Merkmahl entdeckt, folglich der
Begriff klarer, und dieses Merkmahl Hinte» mit
dem gehörigen Hauptlaute ausgedruckt, wag,
weg, wig u. s. f. wach, wech, wich;
wad, wed, wid, «. s. f. so entstehet ein Nack-
res N>urzelwoxz. .
§57 Oft ließen sich an dem gehörten Gtt
gengande neue Merkmahle entdecken, und durch
Vorn oder hinten , oder auch an Heyden Orten zu,
gleich angehängte Hauptlaute ausdrucken: trab,
grab, crief, schreib, crel, krach; xaps,
xiy, rutsch, bams, sums; play, bliy,
Kray, spriy. Ein solches genau bestimmtes
Wort heißt ein ausgebildetes ZVurzelworr.
Die Wurzellaute und Wurzelwörter werden mit
einem allgemeinen Ausdrucke auch wurzeln ge?
nannt. Allem nicht alle Wörter find so genau b«
stimmt, entweder weil sich in den Naturlsuten
keine neue Merkmahle entdecken ließen, oder auch/
weil man es versäumte, den Ausdruck bestimmter
zu machen, so wie die Vorstellung klarer ward.
Oft bildete man dafür den bloßen Wurzellaut auö:
«lr, arg, blau, früh.
58- Ist gleich der erste Versuch zur Sprache
Nachahmung der tönenden Natur, so folgt daraus
nicht,

^ , ,' , , ,
«. KapM Ursprung der Sprache. 5?

M, b«ß alle Wuqelwörtex/ welche einerley


Esche bezeichnen, auch völlig gleichlautend seyn
Bßten. Der Naturlaut ist sich nicht in allen em,
zelen Fällen vollkommen gleich, und da ein G«
schlecht diesen, ein anderes jenen Fall zur Nachah-
mung wöhlete , so liegt schon darin eine der ersten
Ursachen der so großen Verschiedenheit der Spra,
chen. Daher heißt der Donner bey dem Hebräer
n»m, bey dem tzlaven Hromb und Grsmb,
de? demNiebersachsen (örommel, bey dem Scan,
lmavenl'Kor, bey dem Schwaben Thorn, Hey
dem Hochdeutschen Donner, bey dem Lateiner
lonitru, bey dem Griechen /Z^>s^ u. s. f. Be?
aller ihrer Verschiedenheit doch lauter getreue
Nachahmungen der Natur.

K. 59. Hieraus folget nun: ?. Daß Sprache


und Vorstellungskraft sich gegenseitig entwickelt
und ausgebildet haben, daher wir jetzt nicht an
ders als in Worten denken können. 2. Daß die
Csnsonanten oder Hauptlaute die wesentlichsten
Heile jedes Wortes sind, die Vocale oder HülfS,
laute aber nur die Höhe und Tiefe des Tones aus,
drucken, z. Daß der erste Versuch der Sprache
aus lauter einsylbigen Schällen bestand, aus wah
ren Interjektionen , welche daher nicht allein der
älteste Redetheil, sondern auch der Grund bergan,
zcn Sprache sind. 4. Daß der wahren Wurzel,
Wörter in jeder Sprache nur wenige sind, im Deut
schen höchstens 6<?o, weil die merklich unterschiede
nen Naturlaute von bestimmter und eingeschränkter
Anzahl sind. / . . . ...
58 i .TH. i. Abschn. Bildung der Wörter.

§. 6s. Da die Sprache eine Absicht hatte,


so bezeichnete dieser nachgeahmte Naturlaut fthr
bald so wohl die Bewegung und Handlung, welche
den Laut hervor brachte, als auch das Ding, wo
ran man ihn bemerkt hatte, als auch die Eigen
schaft, diesen Laut hervor zu bringen, u. s f. Und
sv entstand die erste Sprachfigur oder übergetra
gene Bedeutung^ '
§. 6r. Eigentlich bezeichnete jedes ersieWun
zelwort nur gerade das Ding oder die Veränderung,
welche dasselbe zuerst veranlaßt hatte. Allein, da
der Naturlaut unter einerley Umständen mehrmahls
Wieder kam , so ward sein Ausdruck ganz natürlich
der Nähme aller ihm gleich tönenden Dinge oder
Veränderungen. Der erste Löwe, dessen Leuen
«der Brüllen sein Nähme geworden war, hieß nicht
allein Löwe , sondern zugleich alle ähnliche Thiers
seiner Art, wenn man sie gleich nicht brüllen hörte.
Das war die zweyte Sprachfigur, und zugleich
der erste Schritt zu allgemeinen Nahmen und Be-
griffen. Von den Artender Dinge lernte man
nach und nach auch die Geschlechter und Classen
bezeichnen, je nachdem sie in einem allgemeinen
tönenden Merkmahle übereig kamen. Fisch, von
der schnellen gleichsam zischenden Bewegung im
Wasser, Vogel, von der schnellen Bewegung in
der Luft, Thier, unbestimmte Nachahmung der
tönenden Bewegung überhaupt.
§. 62. Durch die Übertragung des ersten
Wurzelwortes auf den Gegenstand, auf die Hand-
lung u. s. f durch den Gebrauch desselben von Ar
ten, Gattungen und Classen hatte sich die Seele
^ c schon
». Kapitel. Ursprung der Sprache. 59

schon an die Abstraktion und Association gewöhnt,


und sie konnte nunmehr nach und nach weiter gehen,
und auch Dinge mit tönenden Nahmen belegen,
die sie nicht allemahl/ und oft gar nicht töneirhörte.
Das Licht verröth sich sehr bald durch seine uiu
glaublich leichte Geschwindigkeit, daher ward der
kaut der leichten Bewegung zugleich der Rahme
des Lichtes. Die rorhe Farbe greift unge
wohnte Augen mächtig an, daher ward ihr Rahme
von dem eigenthümlichen Laute einer heftigen er,
schütternden Bewegung entlehnet. Eben so ver
hält es sich mit den übrigen Sinnen , indem die
dadurch erweckte Empfindung immer eine Ähnlich
keit mit einer bloß durch das Gehör empfundenen
hat. , . -'
F. 6z. Noch waren die Begriffe nur einzele Vor
stellungen, und die Sprache eine Sammlung einsyl-
biger unbiegfamer Wurzelwörter. Allein die erster»
reiheten sich bald an einander, so wohl die Arten
der Vorstellungen , als auch die Verhältnisse der
Gegenstände zu empfinden, und die Sprache folgte
langsam nach. Man gebrauchte dazu die unbe
stimmt tönenden Wurzellaute, weil man von der
^ache selbst nur sehr dunkele Vorstellungen haben
Münte, und knüpfte sie mit der Zeit an das Wurzel-
Hort an, welches dadurch geschickt ward, nicht
allein die Art der Vorstellung , fondern auch die
Verhältnisse der Dinge zu bezeichnen.
§. 64. Diejenigen Sylben , welche Verhält
nisse der Dinge bezeichnen, heissen Flexions-oder
BiegunIssylben, und wenden im Deutschen
insge-
6o r.TH. i.Abschn. Bildung der Wörter.

insgesammt hinten an das Wurzelwort angehängt.


Es sind folgendes »,
e. Die erste einfache Person der Zeitwort«,
ich lieb-e, liebc-e. 2. Die dritte einfache
Person der vergangenen Feit, er liebc-e;
z. Ein bestimmtes einzeles Ding in den Bey^
Wörtern, der gur- e Mann. 4 Der
Dativ, dem Mann e. 5. Die Mehrheit,
die Händ-e, Geserz-e.
M, em, zur Bezeichnung des Dativs, dem,
manch em, ihm.
n, en. I. Den einfachen Genitiv und Dativ
in manchen Nennwörtern, des, dem
ZZub-en, des/ dem guc.en, des
Mensch-en, dem Gerz en. 2. Eine
Mehrheit, so wohl in Nennwörtern, die
Glocken, dieFlieg-en, die Ader-n;
besonders im Dativ, den Mütter»!!; alS
auch in Zeitwörtern, Mr liefen, sie
liebr-en. ' <.
r, er. 1. Ein männliches Ding in den Bey-
Wörtern, ein gur ° er Mann, gur- er
Zreund. 2. Die Mehrheit in manche«
Nennwörtern, Männ er, Häuser,
S, es; 1. Der Genitiv, des Mann
des Herzens, Häuschen-s. 2. D«?
unbestimmte Neutrum in den Adjectiven, ein
slr-es -Haus.
st, est, die zweyte einfache Person der Zeit
wörter, du lieb-est, liebl est, han-
del-st. , ^, , ....
- i, tt.
2. Kapitel. Ursprung der Sprache. 6/

t, et. i. Die dritte einfache Person desPrSfens,


er lobet oder lobr, er ha-r. 2. Die
zweyte mehrfache Perfon, ihr lieber,
lieb-r, ihr liebtet, z. Die vergangene
Feit, ich lieb-c-e, du lieb-r-est, sie
lieb-t^en, gelieb?r.
K. 65. Die Ableitung, wo vermittelst et-
«es Nebenbegriffes und dessen Bezeichnung ein Wort
aus dem andern gebildet wird, geschiehet oft durch
die bloße Änderung des Hülfslautes. Vogels
Vögel, Varer, Varer, Mutter, Müc^
ter. So auch bey manchen Zeitwörtern, und
ihren Nennwörtern, bind, ich bind.e, Jmperf.
ich band, der Bund, und das Vund;
fließ, Jmperf. floß/ der Fluß; grab, Jmperf.'
ich grub; bieg, ich bog, der Bug. In-
gleichen zum Unterschiede mancher neutren Zeit?
Wörter vom ihren Factitivis: trinken, tränken,
sinken, senken, seyen, siyen^ wanken,
winken, drangen, dringen..
§. 66. Noch häufiger geschiehst die Ablei-
tung durch Ableitungssilben , b. i. VNrch An,
höngung gewisser Laute und Sölden an das Wur
zelwort, einen Nebenbegriff an demselben zu be
zeichnen. Diese Ableitungsfylben und Laute sind
von gedoppelter Art; einige werden dem Worte
vorgefetzet, und heissen Vorsylben, andere an
dasselbe angehängt, und heissen Nachsilben.
Beyde sind wiederum entweder unbestimmte Wur-
zellaute, oder nackte Wurzelwörter, von welchen
die letzter« näher und genauer bestimmen als die
erster». " - - ' ' ^ ""
§. 67.
62 i. Th.i.Abschn. Bildung der Wörter^

§. H7. Diejenigen Vorjylben , welche aus


unbestimmten Wurzellauten bestehen, sind b oder
de, und g oder ge: be-gleicen, be-rühren,
be stehen, b leiben; ge-winnen, ge stehen,
ge-braust, ge-rvonnen, ge standen, Ge«nick,
Ge-biß, Ge-rreide, Ge sinde, Ge-mur.
mel, Geheul, ge birgig, ge-rrost, ge«
HWg; g-lauben, Gnade. Nackte Wurzel
wörter hingegen sind folgende vier, welche insge-
sammt nur vor Verbis gebraucht werden : er, ent
oder emp, ver und zer: erfahren, ersteigen,
enc-stchen, endsagen, emp-fehlen, ver»
bergen, ver mehren, zertreten, zer-stören.
§. 67. Zahlreicher sind die Nachsylbcn,
welche den Nebenbegriff hinten an das WurzeK
wort anknüpfen. Es sind 1. N)urzellauce, deren
Bedeutung daher fehr unbestimmt ist.
ch, ich. r. Eine Verstärkung, Ler ch, hör«
ch-en, schnar-ch-cn. z. Ein Ding
Subject, Arr-ich, Sowich, Gän
serich, N?ücher-ich, Firr-ich, U?e-

d, de«' I. Ein Ding oder Subject, und


hernach Abstracta, Iag-d, Gelüb-d,
Schuld, Freu-de, Gna,de, Sün-de,
das Gemähl-de. Wirklich thuend oder
Kidend, wagen d, lieben-d, leben-d,
Win d. .
ein D>ng Subject, und hernach Abstracta,
Flach- e, Flies-e, plarc-e, Blas-e,
2lchs-e; besonders weibliche Dinge dieser
Art, eiwe, gur-e.. ^ . .. .
f, eine
2. Kapitel. Ursprung der Sprache. 6z

f, eine Verstärkung, hüp-f-en, Hop-f-en,


pfropf, stop f-en.
ft, das Ding und hernach Abstracta, Ver-
nun-fc, Ankun ft, Brun-fc.
g, jg. i. Eine Verstärkung , besonders in Zelts
Wörtern, besichc-ig-en, pein.ig en, noch'
igen. 2. Ein Ding, Subject, Rön-ig,
-Hon-ig, pfenn-ig, Rafig. z. Den
Besitz, dasDaseyn, gut i^adel-ig, selig.
icht. i. Ein Collectivum, Rchr-ichr, Feil
icht, Eich-icht. 2. Eine Ähnlichkeit,
holz icht, gras.ichr, fleisch-ichc.
ing, ung. 1. Ein Ding, Subject, Har ing,
ZZück-ing, Messing, Horn ung. 2.
Abstracta, Theur-ung, Lrzieh-ung,
Prüfung. ?. Collectiva, Holz-ung,
wald-ung, Stall ung, Feld-ung.
MN, ein weibliches Ding, Bäcker-inn,
Mahler ^ inn , Esel inn , Hünd - inn,
Schweiyer-inn , Garr inn, z
k, einen hohen Grad der Verstärkung, blan-k,
kran-k, rvin-k en, sin-k-en.
l, ei. 1. Ein wirkendes Ding und Werkzeug,
Zlüg-el, Schlüssel, Z7lad,el, Ang el,
2- Eine Beschaffenheit, ed-el, eit-el, dunk
el, ek-el. z. Eine Verkleinerung, Mäd»
el, Münd°el, kränk-e^n, fröst el n,
spörcel-n, fchniy-el-n. 4-EineI^ch.
ahmung, klüg-el-N, wiy-el°n. 5. Eine
Wiederhohlung, streich-el-n, rütteln,

n, en, cm.
! . Th. l . Abfthn. Bildung derWörter.

N, en, SM. l. Den Zustand des Wirkens «der


Seyns, lieb-en, krach -en, gch-en.
. ^^Das handelnde Ding selbst, Schlitten,
Lad-en, Beck en, Äöden. z. Eine
Beschaffenheit, einen Umstand, eb-ett, selr>
cn, ob en, geg°en, gebor-en, tze-
bunv-en, gefunden. .4. Eine Materie,
gsld-en, birken, kiefer-n, silber-n.
5.Factitiva, sj^-en-en, fest-n-en, lehnten,
zeich.tt-en. 6. Eine Verstärkung, mah-
n-en, läug-n-en, schn-en, mal-m-en.
r, er. l- Ein Zittern, und hernach eine Witt
berhohlung , zirr - er - n , flarc . er . n,
pslr-er-n. 2. Einen höhern Grad, großer,
süß-er, besser. Z. Fattitlva, fas-er-n,
stänk-er-n, folg-er-n. 4. Eine Ähnlich,
keit, kinder n, Mb-er-n, lach er-lich.
5. Eine Materie , hölz-er-N, bleuer- n,
zinN-er-n. 6. Eine Beschaffenheit, btcc-er,
sau-er, lsut-er, heir-er. 7. Eine Be,
gierve, schlüfter-n, huny-er-n, lächeren.
8. Ein Subjekt und Werkzeug, Ad- er,
-Ack-er, Ächc-er, Sechster, Polster,
pfeil-er. Besonders 9. mannliches Ge,
schlecht^ Täub-er, Ganser-ich , ein
gur«er, ein»er, N?ahl-er, Bürg er,
Römer. , ^, ... . . - .. ^n-ik! . j
s, es, is und das verstärkte z. 1. Ein Ding,
Rleck-s, Bar-s, Hül-s-e. 2. Einum,
stand, sbsnd.s, ander-s, mrgend-s,
«ilend'S. , z. Eine Verstärkung/ Scher-z,
i Göc-z,
. 2. Kapitel. Ursprung der Sprache. 6z

Götz, Rlsr-z, Lef.z-e, gedungen,


sum-s-en, blin-z-en, äch-z-en.
sch,isch. i. Ein Subject, Ding, Men-sch,
Deuc-sch. 2. Eine Ähnlichkeit, Sichre-
r.isch, himml-isch, engl-isch. z. Einen
Besitz, eine Anwesenheit, mißrrcm-isch,
argwöhn -isch, rück -isch, hüb-sch.
4. Eine Verstärkung, knir-sch-en, klar,
sch-en, for-sch-en.
st. i. Das Subject, und hernach Abflracta,
Diewft, Brun st, Runst, Gespin-st,
Gewinn -st, Äng-st. 2. Der höchste
Grad seiner Art, lieb - st. e, süße - st- e,
z. Eine Ordnung, vierzig-st-e.
t, te, rh, äth, Uth , verwandt mit d und de,
nur verstärkt, r. Ein Ding, und hernach
Abstracta, Lur-r, Blü-ch-e, Fahr-r,
Bar-c, Na-ch, Drah-c, Pflich-r,
Mach-r, Mon-ach, Heim -ach,
Arm-Uch. 2. Eine Ordnung, zwey-ce,
vier?re , se')en,re. z. Eine Beschaffen»
heit, geehr-er, nack er, nack-r.
,§> 69. Aus diesen einzclen unbestimmte»
Wurzellauten entstehen denn verschiedene zusammen
gesetzte Ableilungssylben : end , für die Participia,
lieb-end ; erich, oder rich, Änr-erich, N?ürb»
erich; ern , hölz.ern, eis-ern; erk,
Blaff- err, u. s. f. Besonders für die Verb«,
deren Grundbedeutung dadurch auf mmmig«
faltige Art abgeändert werden kann. Die von
nehmsten sind : .^ .
E che«,
64 i.TH. i.Abschn. Bildung der Wörter.

chen, schnar-chen, hor-chen.


ken, bliwken, winden/ hin-ken.
ein, sainm-eln, bröck-eln, wackelnd
ern, steig ern, blink-ern, erfchün-ern,
läch-ern.
enzen, faul-enzen, bock-enzen.
fen, stoppen, pfrop-fen, hüp-fen.
igen, befleissigen, ängst-igen, züchc-igen,
nörh.igen.
men, nial-men, schal-men. -
nen, deh nen, seh-nen, stöh-nen.
seln, drech-seln, drieseln, rief-eln.
sen und zen, schluckftn, rapp-sen, Gn>sen,
lechzen, äch.zen, grun-zen.
schen, klar-fchen, herr-schen, forschen.
§. 70. Bestimmter, der Bedeutung nach,
sind 2. diejenigen Nachsylben, welche aus wahren
ZlVurzelwörrern bestehen, die aber für sich allein
veraltet sind , daher sie jetzt nur noch als Ableü
tungssylben betrachtet werden. Es sind folgende :
bar. i. Ein Mangel, für los und leer;
eine jetzt veraltete Bedeutung. 2. Einen
Besitz, eiu Gewähren, Bringen, frucht
bar, nuy-bar. ?. Eine Ähnlichkeit, Mög
lichkeit, crag-bar, wunderbar, sichr-
bar, jagd-bar. ,
chen, eine Verkleinerung, Mann »chen,
Herz- chen.
ep, ein Concretum und Abstractum, Schlä
ger, ey, Vettel >ey, Tandel-ey, Ty-
rann-ex. <
Ä Haft.
2. Kapitel. Ursprung der Sprache:

Haft. i. Eine Anwesenheit, nahr-haft, vsr<


cheil-hafr. 2. Eine Ähnlichkeit, erd-haft,
sieber-hafc.
heil. 1. Ein Ding, Subject, Thor-Heit,
Gocc heic. 2. Collectiva, Christen-Heir.
z. Ein Zustand, eine Eigenschaft, Schwach
heit/ Rlugcheic.
keit, einen Zustand, eine Beschaffenheit, Vit?
cer-keic, Göcclich-keit , Selig keit,
lein, eine Verkleinerung, Mägd-tein,
RnäbMn, Söhivlein. '
!ey, Art, Gattung, Geschlecht, aller-ley,
einer ley, vieler-ley.
lich, eine Ähnlichkeit, Möglichkeit, Anwesens
heit, göttlich, fürsi-lich, brüder-lich/
glück-lich. '
ling, ein Ding, Subject, Flucht- ling,
Gonder-ling, Iüng-Img, Lieb-ling.
Mß, eine Handlung, einen Zustand, ein wir«
kendes oder gewirktes Ding, iLrlaub-niß,
Fahrmiß, Geheimmiß, Vermacht,
niß. ^'^^
sal, stl, ein Subject, Ding, ein Zustand,
Drang- fal, Lab -sal, Scheu -sal.
Schleifst!, Räch-sel.
sam, eine Ähnlichkeit, einen Besitz, fried
sam, gleich.fam, müh sam, sorg- sam.
schaft. 1. Eine Beschaffenheit, einen Instand,
Feind- schafc, Gefangen- schaft. s.
' ' Collectiva , Bürger - schaft , Juden.
^ schaft. ?. Ein einzeles Ding, Vuhl-schaft,
Grafschaft. .. ^ -
,m-,^ Es tl)U>N-
§6 i.TH. i.Abschn. Bildung der Wörter.

, thum. i. Ein Ding, Subject, Heilig-thum,


, Herzog-chum. 2. Zustand, Eigenschaft,
Würde, Priester rhum, Alter-chum.
' 1 z. Collectiva, ^>eiden-chnm. , ^
Zlg/ ßig, an Zahlwörtern, zrvamzig, drey-
' ßig, vier-zig.
§.71. Ein vermittelst dieser Biegungss und
Ableitungssylben seinen Verhältnissen und Nebenbei
griffen nach genau bestimmtes Wurzelwort, heißt
ein angekleidetes wurzelworc, in Rücksicht
auf dasjenige aber, von welchem es gebildet wo»
den, ein abgeleitetes oder abstammendes
Ä?ort, so wie jenes in Rücksicht desselben
d.as Stammwort genanntwird. Verbergen ist
für sich allein betrachtet, ein angekleidetes
ZVurzelworr, in Ansehung seiner Entstehungsart
aber ein abgeleitetes lVorr von dem Stamm«
worre bergen, dessen Wurzel berg lautet.
Nicht alle N?urzelwörter sind zugleich Stamm,
Wörter; aber auch nicht jedes Stammwort ist
deswegen ein Wurzelwort, weil auch von einem
abgeleiteten Worte, neue Ableitungen gemacht
werden können. , ,
, K. 72. So wie die Bemerkung und Bezeichnung
der Nebenbegriffe und Verhältnisse dasAssociations,
und s AbstractionAVermögen «höhere, und den Um
fang derBegriffevermehrete, so häuften sich nunmehr
quch die übergetragenen Bedeutungen von hörbaten
Dingen auf nicht hörbare , und endlich auf ganz
unsinnliche. Giß und gisch , eine Nachahmung
eines fehr kenntlichen Naturlautes, ward in Geist
und geisten der Nähme des Windes und Blasens,
i. «. dann
2. Kapitel. Ursprung der Sprache. 67

dann des Athems, ferner des Lebens, der Leb


haftigkeit, dann des denkenden Wesens in uns,
und endlich eines jeden unkörperlichen vernünftig
denkenden Wesens. Die Sprache verlohr immer
mehr das Tönende, und mit demselben ging auch
die Eigenthümlichkeit des Hülfslautes verlohren,
daher die Öffnung des Mundes in manchen Wör
tern jetzt wirklich durch alle Vocale durch gehet?
brechen, brach, bräche, brich, gebro,
chen, Bruch, Brüche; sprechen, sprach,
spräche, sprich, gesprochen, Spruch,
Sprüche; binden, band, bände, Bund,
Bvnde.
K. 7z. Der Hauptlaut oder Consonant ward
zwar dabey auchnichtganz verschont, indem erseine
Stütze, worauf er sich steifte, den Naturlaut,
verlohren hatte ; allein die Willkühr hatte hier ihre
Granzer, , indem sie sich nicht zu viel Gewalt über
ihn anmaßen durfte, ohne das Wesen des Wortes
zu zerstören. Sie erstreckt sich daher selten weiter,
als auf die Verwechselung der verwandten oder
doch ähnlichenHauptlaute: Geld und gelten ; hin»
dern und hinten; fliehen, Flucht; sehen,
Gesicht, sichtbar; hoch, höher, Hügel,
Höcker; schneiden, Schnitt; geben, Gift;
mögen, mochte, Macht; kommen, Runfc
u. s. f. Von geringerer Bedeutung sind die Vers
setzung des Hülfslautes vor dem r, bernen und
brennen, Born und Brunn, dauern und
dauren; die Anhängung des mildernden e, blöde,
böse, Bube, Franzose, Schwabe, Auge,
für die härtern blöd, bös, Bub, Franzoo,
E z Schwab;
68 l . Th. i . Abschn. Bildung der Wörter.

Schwab ; die Einschiebung des n vor den Gau


menlauten, Gang, gegangen, von gehen.
Fang, fangen, von sahen, und andere Ver
änderungen mehr, welche an ihrem Orte vor-
kommen werden. « , .
>!-. §» 74- Indessen lassen sich die Ableitungslaute
und Sylben jetzt nicht ohne alle Einschränkung ge-
brauchen, neue Wörter vermittelst derselben abzu-
leiten. Bey denjenigen, welche aus einzelen Buch?
siaben und Wurzellauten bestehen, findet diese
Freyheit am seltensten statt, weil ihre schon anfäng
lich dunkle Bedeutung durch die Länge der Zeit
noch unbestimmter geworden ist. Ein wenig
wehr Freyheit hat man in Ansehung derjenigen
Ableitungssylben , welche aus ganzen Wurzelwör-
tern bestehen^, deren Bedeutung daher auch bei
siimmter ist, wie Haft, heic, keic u. s f. Allein
auch hier stehet diese Freyheit mit der Bestimmtheit
der Bedeutung in genauem Verhältnisse, daher
man mit der Ableitungssylbe rhum am seltensten
neue Wörter bilden darf, weil ihre Bedeutung
unbestimmt und nicht mehr fo kenntlich ist.
S. 75. Dessen ungeachtet wurden doch die
Biegungs-und Ableitungssylben eine sehr frucht
bare Qnelle für die Erweiterung der Sprache, weil
die wenigen hundert Wurzelwörter dadurch auf
viele tausend vermehret wurden. Hier ist ein eini
ges zur Probe. N?eh, weg, wech, weck
ist ein Wurzelwort mit verwandten Dienstlauten,
wovon der folgende immer einen stärkern Grad
des Lautes folglich auch der Bewegung bezeichnet,
als der vorher gehende. Durch Hülfe der Bie,
... gungöi
2. Kapitel. Ursprung der Sprache. 69

gungs-und Ableitungssolben erhält man davon


folgende neue Wörter,
weh: weh-en, ich weh-e, u. s f. weh.end,
die weh ung, ge weh-ec, die Wind«
weh-e, ver weh en, Wind.
Weg : die Jnterjection weg ! der Weg, des
Weges, u. s. f. weg-sam, weg-sam«
keic, Wegerich, weg en, be-weg.en,
ich be-weg-e, u. s. f. be>weg-end, be
weg- c, ZKe.weg.ung, be»weg°lich,
Be-weg-Iichkeir, Se-weg-niß, Be«
weg.er, Be°wegerinn, ge-wogen,
Ge-wog.enheir, er>wegen, Erwe-
gung, ver weg en, Ver-weg-enheic,
ver°weg,ener, weg -ern, weig>crn,
weig-erlich, Weigerung, verweig»
ern, Verweig-erung , wag-e,
wag en, wäglein, Wagner, wag>en,
wagniß, wäg.en, wäg er, Wieg-e,
wieg»en , wieg -er, Wieg- erinn,
wieg eln, Aufwieg ler, auf-wieg-le»
risch, die woge,
wech, wach, wich: Ge-wich-c, wich,
e-ig, wich-rigkeic, Wuch-c, wuch>
ern , Wuch er , wuch erlich, Wuch
erer; wach, wach-en, be-wsch-en,
Be»wsch-ung, er-wach-en, ver«
wach-en , die Mach e , wach sam,
wach<amkeir, wach-c, Wäch.rer,
wäch,cerinn; weich, weich.en, ge«
wich en, er,weich-en, ^Lr weich ung,
: ° weich-lich, weich-lichkeic, weich,
E4 ling,
7O l.TH. i.Abschn. Bildung der Wörter.

lingzwach'sen, gewachsen, be,wach-


sen, er-wachsen, ver-wach<en, Miß-
wachs, N?ach-s-chum , Ge-wäch-s,
N?uch-s; N?ech-sel,, wech-seln, ver-
wech-seln, Ver-wech<elung, N?ech,
seler.
weck, wak: weck-en, N)eck-er, er-
weck-en, er-weck-lich , ^weck-lich,
keir, Er-weck-ung z wack-er; wack-eln,
wack-elig; wick-eln, N?ick-el; mit ein,
geschaltetem Nasenlaut, wank en, ZlVank-
elmurh, wankelmitchig, sch-wank-en,
N?ink, wink-en, enc-wink-en.
§. 76. Als endlich auch das Hülfsmittel der
Ableitung erschöpft zu seyn schien , die neuen Be
griffe , welche sich bey dem Fortschritte in der Cul,
tur darbothen, auszudrucken, so setzte matt jwey
klare Vorstellungen zu einem einigen Begriffe zu,
sammen, und druckte sie auf ähnliche Art durch
ein zusammen gesetztes lVorr aus. Doch
von diefer Quelle der Sprachbereicherung handeln
wir im Folgenden in einem eigenen Abschnitte.
§. 77. Was bisher von dem Bau der Deut
schen Wörter gesagt worden, gilt unter den nöthi,
Len Veränderungen zugleich von allen Sprachen.
Es erhellet daraus zugleich, daß die Sprachen
weder so göttlich oder metaphysisch sind, als einige
glauben, noch so willtuhrlich, als andere vorgeben.
Sie beruhen ganz auf dunkel empfundenen Ähnlich
keiten, und ob man gleich nachmahls in der Vor,
siellung vieles davon zur Klahcheit und Deutlich
keit brachte, so konnte doch der Ausdruck nicht
überall
2. Kapitel. Ursprung der Sprache. 7 t

überall nachfolgen , weil er eigentlich nur da?


Hörbare ausdrucken konnte.
§. 78. Aus der Lehre von dem Baue der
Wörter läßt sich nunmehr auch die Verwandtschaft
der Sprachen bestimmen. Wenn zwey Sprache»
in ihren Wurzelwörtern , Biegungs 5 und Ablei,
tungssylben im Ganzen, d. i. biß auf einzele
Ausnahmen, mit einander übereinstimmen, und der
Unterschied bloß in den Hülfslauten und perwand?
ten Hauptlauten bestehet, so sind sie bloße Mund,
arten von einander. Erstreckt sich die Abweichung
auch auf andere als verwandte Hauptlaute, und
finden sich in den Ableitungen und Biegungen
merkliche Unterschiede, so sind es verwandte
Sprachen, welche Verwandtschaft denn wieder
ihre mannigfaltigen Stufen hat. Ganz verschiedene
Arten der Ableitung und Biegung , und größerer
«der geringerer Unterschied in den Wurzeln und
ihrer Bedeutung geben mehr oder weniger ver»
schieden? Sprachen.

, Drittes Kapitel.

Von dem Tone der einfachen Wörter.

^er Tsn, welcher mit der Länge und Kürze


^ der Sylben nicht verwechselt werden muß,
ist die vorzügliche Erhebung der Stimme, mit
welcher i«ine Sylbe vor der andern ausgesprochen
wird. Eine Sylbe , welche auf solche Art vor de«
E 5 an?
72 I.TH. i.Abschn. Bildung der Wörter.

andern heraus gehoben wird , heißt eine betonte


Sylbe.
> K< 8«. Diese Erhebung der Stimme hat einen
gewissen Nachdruck zum Grunde, welcher entweder
in der Willkühr des Sprechenden liegt, oder nicht
von derselben abhängt, sondern in dem Worte selbst
gegründet ist. Die erste Art des Tones heißt der
Rederon, und die zweyte der ZVorcron. Der
Redeton ist veränderlich ; z. B. in dem Satze, ich
habe es ihm schon gesagt, kann der Ton auf
sechsfache Art verändert werden, nachdem ma«
jedes Wort und dessen Begriff vor den andern
herausheben will. Er kann auch auf Sylben zu
stehen kommen, welche den Wortton niemahls h«
ben können : er hat ihn nicht mir geschlagen,
sondern auch erschlagen. Doch von diesem
Tone reden wie hier jetzt nicht.

8i. Der wortton oder Ton schlecht,


hin , ist so wohl in Ansehung seiner Stärke als
auch der Dauer von verschiedener Art. i. In
Ansehung der Stärke, wenn in einem mehrsylbii
gen Worte zwey Sylben betont sind , in welchem
Falle die eine mit mehr Erhebung der Stimme
ausgesprochen wird, als die andere, wie die
zweyte Sylbe in Gesellschaft. Ein solcher Ton
heißt der Hauptton oder volle Ton, der
schwächere aber der Nebenron oder halbe Ton.
s. In Ansehung der Dauer, ist der Ton entweder
gedehnt, wenn er länger auf dem Hülfslaute
verweilet, wie in Schaf, schief; oder ge
schärft, wie in blitz, urplötzlich.
§. 82.
Z. Kapitel. Von dem Tone. 7z

L. 82. Der Ton hängt im Deutschen üben


Haupt von der größern oder geringern Bestimmt
heit der Sylben ab. Je mehr sie ihrer Bedeu,
tung nach bestimmt sind, oder je mehr sie zur
Bestimmung der ganzen Vorstellung und ihres Aus,
druckes beitragen, desto merklicher ist auch ihr
Ton. Daher haben die größern und genau be«
stimmten Redetheile allemahl den vollständigsten
und merklichsten Ton, die Artikel, persönliche«
Fürwörter und Partikeln aber, wenn sie bloß zur
nähern Bestimmung eines andern Wortes dienen,
haben für sich allein keinen merklichen Ton, son
dern überlassen denselben dem Worte, welches sie
bestimmen: er sagr , der Mann, ein Hauv,
sehr schon. Doch davon an einem andern Orte.
§. 8Z. In einem mehrfylbigen nicht zusam
men gesetzten Worte wird die Stamm / oder Wur-
jelsylbe allemahl mit der stärksten Erhebung der
Stimme ausgesprochen , weil sie den Grund des
ganzen Wortes enthält: verehren, Gebierer,
enrerbecer, Beschaffenheit. Ausnahmen
sind nur : r. Das Wort lebendig für lebendig.
2. Die abgeleiteten Wörter auf e^, Raserey,
Tändeley, Spielerey, Rinderey. Und z.
die Zeitwörter mit der ausländischen Endung iren,
hanrhiren, hascl'iren. Alle Wörter, welche
den Ton nicht auf der vermuthlichen Stamm -oder
Wurzelsylbe haben, sind daher fremden Ursprungs:
Äiöoven, Barön, Rapaun, Soldac, Al
lan, Ames, Elcphant.
§. 84. Diejenigen Ableitungssylben, welche
aus Wurzelwörtern bestehen, bar, chen, Haft,
heir,
74 i.'TH. l.Abschn. Bildung det Wörter.

heit, keir, lein, ley, niß, sal, sam, schafr,


und chum haben einen halben Ton, welcher doch
nur alsdann vorzüglich merklich ist, wenn sie am
Ende wachsen: offenbar, offenbaren, ran-
delhafc, Bedrängnisse, Älcerchümer,
Trübsale. Die Wylben lich , sel und zig'oder
ßig sind tonlos, außer daß lich, in solchen Fallen,
wenn der Hauptton auf der vierten Sylbe vom Ende
liegt, einen halben Ton bekommt, weil drey tor»
lose Sylben hinter einander wider die Natur der
Deutschen Sprache seyn würden: veränderliche,
väterliche, lacherlicher.

§. 85. Alle übrigen sind nebst den Borsylven


und Biegungssylben tonlos. Ausnahmen machen
hier: 1. der eigenthümliche Nähme Gebauer.
Entschluß und Entwurf, doch nur nachher
unrichtigenÄussprache einiger, vermuthltch, weil
sie selbige als Zusammensetzungen von iLnde an»
sehen, z. Diejenigen Ableitungssylben, welche
am Ende wachsen, wenn der Hauptton auf der
vierten Sylbe vom Ende fällt, da sie denn einen
halben Ton bekommen:, dichterische, vterGan,
striche, ZZegünstigüngen, Meisterinnen.
4. Die zusammen gesetzte aber im Hochdeutschen
seltene Ableitungssylbe enzen, faulenzen, bös
ckenzen. 5. Einige alte zum Theil verunstaltete
Ableitungssylben: Heiland, Mnd, Arbeit,
Leumund, Heimart), Armüth, ZZrösame,
Ahorn, Herold, Bastard, cöhe'im, und
andere dergleichen mehr, die man vermuthlich für
zusammen gesetzte Wörter gehalten.
. z. Kapitel. Von dem Tone. ^ 75

f. 86. Beyde Arten des Tones, so wohl


der volle, als der halbe, sind entweder gedehnr
oder geschärft. Der erste verweilet länger auf
dem Hülfslaute, und der folgende Hauptlaut
kann alsdann eigentlich nur einfach ausgesprochen
und geschrieben werden. Ausnahmen machen
hier nur diejenigen Fälle, wo durch die Biegung
und Ableitung zwey Hauptlaute hinter einem ge
dehnten Vocal zu stehen kommen : du liebst , er
Ahlr, der schönste, begegnen, weiyen,
jpreiyen, Begierde, Behörde, Beschwer
de, Geberde, Gemahlde, Labsal, die
Jagd, regnen, segnen, Rübsen (fürRüb«
famen,) Rärhsel, larschen, quirschen,
Wierde; besonders wenn ein e ausgeworfen ist,
des Gehörs, er sprachs , du redst, er
fluchr, der spa'reste.
§. 87. Wenn durch die Ausbildung eines
nackten Wurzelwortes, ingleichen durch dieAblev
tung vermittelst einzeler Hauptlaute zwey Consonan-
ten hinter einem gedehnten Hülfslaute zu stehen kom«
wen, so gehet derfelbe gemeiniglich in einen ge,
schärften über : sehen, s lcht, stehen, Sränd,
hören, ZSurde, fliehen, Flüchc, wehen,
W>md. Allem es sind doch auch hier viele aus
genommen, welche ihre ursprüngliche Dehnung
lzeybehalten. Die vornehmsten davon sind;
Agcstein. Arsch. Arr. Arzr, aber Ärz«.
Ney ist geschärft. Barr. Bord, Borce.
Börse. Sars. Dienst. Düster. Erde.
Urst. Das iLrz, aber erz- die Vorsylbe ist
geschärft. Zahrr. Sahrce. Zeind. Freund.
Gebutt.
78 i.TH. i.Abschn. Bildung der Wörter.

Weburc. Gefährte. Der und das Harz.


-Herd. -Herde. Husten. Jagd. Rebsehc,
Rebsweib. Rrebs. Magd. Mstw.
Nest. Z7!cbst. Obst. Osten. Ostern.
Pferd. Quarz. Rösten. Schuster.
Schmuy, »1. Schmüxz. Schwarte.
Schwert. Stätte, besser Stäce. Stets.
Todc, für todec. Trost. Vogr. wer«
den. Werth, wuchs, «I. wuchs. Zart.
Wust, Wüste.
. Jngleichen folgende fremden Ursprunges :Vrat^
sche, Brcxzel, Rlostex, Papst, Propst.-
Hingegen werden Dorsch, Vers, Gelübd,
Hirse, im Hochdeutschen geschärft.
§. 88. Der gedehnte Ton einer Sylbe
wird erkannt:
1. An dem Hülfs- oder Doppellaute am Ende,
bey, blau, grau, nie, da, die, so, ja,
ha! je; wo doch die tonlosen Biegungs^ und Ablei^
tungssylben eine Ausnahme machen. Die ein-!
sylbigen Partikeln haben in diesem Falle nur eine«
halben gedehnten Ton.
2. An den gewöhnlichen Dehnungszeichen,
«a, ee, os und ie, wohin auch das h gehöret,
wenn es auch ein Theil der Wurzel ist, oder in
dem rh das t begleitet: Aar, See, Seele,
hier, nie, Liebe, Priester, froh, nahe,
sah, Räch, Thar, rhun, Vlüche, Thor.
Nur wahrlich wird gemeiniglich geschärft gespro,
chen. Daß auch das ie in einige» Fällen geschärft
laute, ist schon L. i^. bemerket worden. ^
z. A»
z. Kapitel. Von dem Tone. 77

z. An dem^ einfachen Hauptlaute am 'Ende .


der Sylbe, wohin auch das ß gehöret, so fern
es bloß das Zeichen des geschärften Sciuselers ist:
spür, rrar, wer, Spur, mir, hören,
schön, kam, Pfad, Tag, Gras, rveg,
Nase, groß, Größe, süß, Fuß, (S.§. 4?-)
Ausgenommen sind: .1) einige einsylbige kleine
Redetheile, welche geschärft lauten: ab, ob,
das, des, was, es, bis, hin, in, weg,
an, er, man, um, von, un. Jngleichen,
er bar, gib, grob, -Herzog, genüg, Vor?
lheil, der Schmid, und bey vielen auch das.
Lob. 2) Das ch, welches nie verdoppelt wird,
und daher kein Merkmahl der Art des Tones ab-,
geben kann. Es schließt eine gedehnte Sylbe itt
Buch, fluchen, suchen, hoch, Schmach,.
Rüchen, Sprache; aber eine geschärfte m
sprechen, Rache, Sache,Roch,Rüche, bre
chen, z) Eben das gilt auch von dem sch, wel
ches gleichfalls nicht verdoppelt wird , aber auch
nur felten nach einem gedehnten Hülfslaure stehet,'
sie wüschen, es drüuschc, die Masche,
besser Masche. Daß die tonlosen Biegungs- und
Ableitungssylben nicht hierher gehören, verstehet
sich schon von selbst.
§. 89- Der Doppellaut ist kein allgemeines
Zeichen der Dehnung, indem er vor dem f und f
oft sehr merklich geschärft lautet , daher diese alSs
dann billig doppelt geschrieben werden: reisten,
weissen, äealKsrs, schmeissen, du weißt,
er weiß, beissen, Meissen, preussen, das
Äussere, greissen, pfeissen, lauffen ,Hanffen.
Der '
78 l.TH. l.Abschn.BildungHer Wörter.

Der Übergang von dem gedehnten Tone zu dem


geschärften gesthiehet, wie alles in der Sprache,
nur seh« unmerklich, daher es auch Fälle giebt,
wo es zweifelhaft ist, ob der Ton mehr gedehnt,
als geschärft ist, laufen, Zweifel, raufen,
befleißigen, wo doch die Dehnung vorzustechen
scheinet.
K. 90. Noch weniger sind die weichen Haupt«
laute b, d, w, g u. s. f sichere Zeichen der Deh
nung und die harten p, k und c der Schärfe. Be?
sonders stehen r und k im Hochdeutschen sehr häufig,
und im Niederdeutschen das knoch öfter nach einem
gedehnten Hülfslaute: spar, guc, Bluc, Ekel,
Haken, Laken, Lake, Wieke, Wake,
er buk, spuken, Luke, Schnake, takeln,
erschrak, pauke, Mauke, Rauke, gau
keln, schaukeln, u. s. f.
§. 91. Den geschärften Ton einer beton,
ten Sylbe erkennet man vornehmlich an den ge<
doppelten Hauptlauten am Ende, sie seyn nun von
einer oder von verschiedener Art, all, Fall,
Lamm, H6rr, soll, oft, gern, Sradc,
ömslg. Die Ausnahmen sind bereits F. 87. ang«
führet worden.
§. 92. In dem zwiefachen gedehnten e web
chen die Deutschen Provinzen sehr von einander
'ob. Im Hochdeutschen findet das riefe gedehnte
e, welches wie ä lautet, vorzüglich in folgenden
Wörtern und ihren abgeleiteten statt: Beben,
Beere , begegnen, Befehl, begehren,
bchen, (besser bähen,) bequem, bescheren,
..'^ ^ Besen,
/ ' ?. Kapitel. Von dem Tone. 8t

bethen, Gebeth, bewegen, Breme, Bret,


Vrerzel, Degen, dehnen, der, dem, den,
denen, derer, drehen, eben, Eber, edel,
Mel, Elend, Erde, entbehren, erst, das
ZLrz, Esel, Feder, fegen, Fehde, fehlen,
Fleder, Flegel, Frefel, geben, gegen,
Gegend, genesen, der Geren, Hebel, he
ben, Hederich, Hedwig, Hefen, Heer,
hegen, hehlen, her, Herd, Herde, Her
linge, Hering, (Höring,) her, R,ebs,
Refig, Regel, Rchle, kleben, Rnebel,
kimen, Rrebs, leben, Leber, Leder, le«
dig, legen, Legel, lehnen, lesen, Meer,
Nehl, Meth, neben, nebst, Nebel,
nehmen, Nest, Pferd, pflegen, predi
gen, Auehlc, quer, Rebe, Rede, regen,
regnen, Rekel, Schede!, (Schädel,) schel,
Schemen, Schemel, (Schämel,) Schere,
scheren, Schlegel, (Schlägel,) Schmer,
schweben , Schwefel, schwer, Schwert,
Segel, Segen, segnen, Sehne, sehnen,
verfthren, selig, Speer, Greg, stehlen,
steh, stetig, (M,) stets, streben, Theer,
Tveber, (Traber,) Tresrer, treten, Ver«
weser, N?eser, Feldwebel, weben, N)e-
del, weder, N?eg, bewegen, verwegen,
wegern, (weigern,) N>egerich, wehen,
wehren, wem, wen, wer, werden,
Werth, N)esen, zehen, äecem, zehren.
Das höhere, Wiedas Lateinische e in meus,
merito, lautet gedehnt in, Beet, »res, Heeke,
eine Art Kohles, Ceder, Cleve, Demuch,
F Eden,
82 I.TH. i. Abfchn. Bildung der Wörter.

Eden, Ege, ehe, eher, die Ehe, ehern,


ZLHleMhre, Epheu,ewig, See,flehen,gehen,
geschehen, Gerold, je, jeder, jener, je-
Mühls, jemand, kehren, (bey vielen aber
auch tief, wiekähren,) Rlee, Lamprete,
leer, das Lehen, Darlehn, lehnen, leh
ren, Magncr, mehr, ÜNeve, Muskete,
Peter, Pastete, poec, Regel, regiren,
Rhede, Reh, Scene, Schlehe, Schlesien,
Schnee, Schweden, See, Seele, sehen,
sehr , Spree , Sprehe , stehen, Tapete,
Thee, Trompete, wehe, wenig, die Zehe,
Zeter, zween.
Das geschärft betonte e ist allemahl tief,
Becher, Recken, besser,, und so viele hundert
andere. Das unbetonte e in denAbleitungssund
Biegungssylben ist hoch, wenn es für sich allein,
oder auch am Ende der Sylbe stehet, Lieb-e,
Beschwer-de, ge-liebt, bc-fehlen; aber tief,
wenn noch ein Hauptlaut darauf folgt, Gorr-es,
ver-geb-en, er-zähl-en, ent-steh-en,
Räch-sel.
§. <>z. Was einen vollen Ton hat, ist in der
Profodie allemahl lang, der Ton fey gedehnt oder
geschärft ; was nur einen halben Ton hat,
kann lang oder kurz gebraucht werden ; was aber
tonlos ist, ist allemahl kurz. Von dem Tone der
zusammen gesetzten Wörter wird- an feinem Orte
gehandelt werden. .

Zweyter
LS

Zweyter Abschnitt.

Von den Mörtcrn als Redetheilei

Erstes Kapitel.

Von den Arten der Wörter oder den


Redetheilen überhaupt. *

§- 94. ' , , ,
^z^ie Wörter find ihrer Materie nach entwtt
der Wurzelwörter , oder abgeleitete , oder
zusammen gesetzte. Von den beyden ersten haben
Vir im vorigen geredet, die zusammengesetzten kom
men im folgenden vor. Hier haben wir es nur
mit ihrer Form, oder der Art des Begriffes zu>
thun, welche sie bezeichnen.
§. 95« In dieser Betrachtung haben wir zwey,
Hauptarten von Wörtern , wovon die eine unsere
Empfindungen als' bloße Empfindungen, die an
dere aber unsere klare Vorstellungen von den Din>
gen und ihren Bestimmungen bezeichnet. Die er,
sie« heissen Incerjecrionen oder Empfin
dungswörter, und enthalt«, wie wir ohe»
gesehen haben, die Anfangsgründe aller ührigen,
find aber, weil sie die Empfindungen als bloße
Empfindungen bezeichnen, der kleinste und unb«
denkendste Theil der Rede.
L «, §. 96.
84 i. Theil. s. Abschnitt Redechekle.

§. 96. Alle Dinge in der Welt sind entweder


für sich selbst bestehend oder nicht; das erstere find
alle Substanzen, das letztere aber alles, waS von
ihnen gedacht und gesagt werden kann. Unsere
Gedanken bestehen daher darin, daß wir einem
selbständigen, oder doch als selbständig gedachten
Äinge etwas unselbständiges einverleiben; das
heißt, jeder Gedanke ist ein Sarz, Her aus einem
Subjecte, einem Prädikate und einem Worte be<
stehet/ vermittelst dessen wir dieses jenem zu -oder
absprechen. .', , '. ^
§.97. Jeder dieser drey Theile kann wieder auf
mannigfaltige Art bestimmt seyn, und da wir ein
Ding nicht mit allen leinen nöthigen Bestimmun,
gen. auf einmahl denken, noch weniger aber mit
Binem Worte ausdrucken können, so haben wir
dazu mehrere Wörter nöthtg. So fern nun die
Wörter die verschiedenen Arten unserer Vorstellun
gen in der Reihe der Begriffe oder in einem Satze
ausdrucken, werden sie Redecheike genannt. 1

^ , §. 98. , Die Zahl der Redetheile ist sich nicht


m allen Sprachen gleich, weil manche Arten von
Bestimmungen in manchen Sprachen nicht ausge
drückt, andere aber mit andern Redetheilen ver
bunden werden. Wir bezeichne« im Deutschen :

^4. Das SelbflBndige, ober die Substanz,


^'"WÜ> alles, wa's^vir uns als selbständig oder für
Hch bestehend, vorstellen, dessen Nähme das
Substannvum oder Hauprivorr gibt.
i. Kapitel. Ueöerhaupt. 85

s. Das Unselbständige, oder alles, was sich a»


dem selbständigen Dinge unterscheiden lasset.
1) An und für sich , ohne als an dem selbst««
digen Dinge gedacht. Dieses ist :
A. eine Beschaffenheit, dessen Ausdruck gibt
. die Adverbia oder Beschaffenheics,
nörrer; oder
!,. ein Umstand, daS Umstandsworr:
«. an und fLr sich, Umstandswort
im engsten Verstände ;
/Z. als dasVerhältniß zweyer selbstöndigen
Dinge, die Präposition.
7. als das Verhältniß der Sätze oder ihrer
Glieder, die Conjunccion.
1) In der Beylegung begriffen , oder dem selb
ständigen Dinge wirklich besiegend, das
Verbum.
z) Als schon beygelegt, dahin alle concrescirte
Redetheile.
». Eine beygelegte Beschaffenheit, das Ad<
jectiv oder lLigenschafrsworr.
b. Ein Umstand.
1. Der Selbständigkeit, der Artikel.
2. Des zufälligen Verhältnisses der Per,
son, das Pronomen.
z. Des Umfanges. das Zahlwort.
Wir haben demnach folgende Redetheile:
§. 99. 1. Das Gubstanrivum oder
Hauptwort, der erste und wichtigste Redetheil,
auf welchen sich alle übrige beziehen, und um dessen
willen sie insgesammt vorhanden sind. Es ist der
Nähme nicht nur aller '»or sich bestehenden, som
F z dem
86 i. Thcil. 2. Abschnitt. Redetheile.

dern auch aller als selbständig gedachten Dinges


Es bezeichnet entweder ein einzeles Ding mit AuÄ
schluß aller übrigen , und heißt alsdann ein eigtt
ner ^Tlahme, (i>!omc:ri proprium,) oder ganze
Arten, Gattungen und Classen von Dingen,
(dornen npri«IIätiuum,)ein (öacmngsnahme.
^.Nach der ersten Absicht der Spracherfinder sollte
jeder Nähme ein eigener Nähme seyn; da aber
derselbe nur ein einziges und noch dazu sehr allgtt
meines Merkmahl, nlihmlich das Hörbare an einem
Dinge ausdrucken konnte , so ward er unvermerkt
und zum großen Glücke ein Garcungs nähme,
und verlohr dadurch zugleich die Selbständigkeit,
die er ursprünglich haben sollte.
K. 100. Um ihm nun diese Selbständigkeit da,
wo sie nothwendig ist, wieder zu geben, führten
die Deutschen nebst manchen andern Völkern 2. den
Artikel ein, welcher aus der ganzen Menge aller
einerley Nahmen führenden Dinge dasjenige heraus
hebt, auf welches sich das Pradicat beziehen soll.
Ihn für ein bloßes Zeichen des Geschlechts zu Hab
ren, und daher das Geschlechtswort zu nen
nen, heißt seine Natur und Bestimmung ganz
«erkennen.
§. loi. Außer der Selbständigkeit mußte sehr
oft auch noch der Umfang der bezeichneten selbstäw
digen Dinge angegeben werden, und dieses ge
schiehst z. durch Numeralia oder Zahlwörter
mancherley Art, nachdem der Umfang allgemein,
bestimmt, oder unbestimmt angegeben werden soll.
§. 102. Außer der Selbständigkeit und dem
Umfange 'bleibt aber oft noch ein Vechältniß zu
bezeuch,
i.Kapitel. Ueberhaupt. 87

bezeichnen übrig, welches dem selbständigen Dinge


in dem Augenblicke, da man von ihm spricht, nur
allem zukommt; nähmlich das VerlMniß der
Person, und dieses wird 4. durch die Pronomina
oder personwörrer ausgedruckt, welche auch, ob
gleich sehr unbequem, Fürwörter genannt wev-
den, indem ihre Vertretung der Hauptwörter
nur etwas zufalliges ist.
§. isz. Wenn das selbständige Ding auf
solche Art nach seiner Selbständigkeit , seinem Um«
fange und seiner jedesmahligen Stellung in dem
Satze auf das genaueste bezeichnet worden, so ist
noch die Bezeichnung seiner Merkmahle oder Eigens
schaften oder desjenigen Unselbständigen übrig, wel
ches man als ihm beygelegt vorstellig macht. Die
ses geschiehst 5. durch die Adjecriva, Eigen«
schafrswörter oder Beiwörter, welche zum
Merkmahle, daß sie dem Hauptworte als schon
zugeeignet gedacht werden , «Uemahl ihr concretes
Fiegungszeichen haben müssen, groß-er Mann,
der groß-e Mann, ein schön-es Haus.
K. 104. Das Präoicat in jedem Satze ist
allemahl etwas unselbständiges , oder doch
als unselbständig gedachtes , daher auch Haupt
wörter mit allen ihren Bestimmungen in demselben
Platz nehmen können. Oft ist es eine bloße Be.
schaffenheit, welche zwar dem selbständigen Dinge
zugeeignet, aber doch nicht als schon zugeeignet
gedacht wird, der Mann ist groß, das
Haus ist schön. Die Wörter, wodurch dieses ge
schiehst, heissen 6. Adverbia, wohin man aber
auch alle diejenigen Wörter rechnet, welche einen
F 4 bloßen
88 i. Theil. 2. Abschnitt. Redetheile.

bloßen Umstand bezeichnen, und zugleich zu näherer


Bestimmung alles Unselbständigen in der Rede
dienen. ,'
§. 105. 7. Dasjenige Wort, welches das
unselbständige Prädicat mit dem selbständigen Dinge
verbindet, ist allemahl ein Verbuin oder Zeit
wort , welches sich in zwey sehr ungleiche Classen
theilet. Es druckt entweder die bloße Einverlei
bung und weiter nichts aus, oder es schließt nebst
derselben auch das Unselbständige oder die Be
schaffenheit mit in sich. Das erste geschiehst durch
das so merkwürdige Wort seyn, der Mann ist
groß, das Haus war schön; das letztere
aber durch alle übrigen Zeitwörter, welche daher
eigentlich aus einem Adverbio und dem Verbo
seyn zusammen gezogen sind, oder sich doch in
dieselben auflösen lassen, er schläft oder er ist
schlafend, starren oder starr seyn. „ .
§. 106. Außer diesen Redetheilen sind oft
noch Wörter nothwendig, gewisse Verhältnisse
zu bezeichnen, welche durch die vorigen nicht deut
lich ausgedruckt werden konnten. Dahin gehören
8 die Präpositionen, welche das Verhältniß
zweyer selbständigen Dinge bezeichnen , in welches
sie durch das Prädicat gesetzet werden, und welche
das Mangelhafte und Unbestimmte in den Declina-
tionen ersetzen.
K. 1O7. 9. Die Conjunctionen bezeichnen
das Verhältniß so wohl zwischen den Gliedern eines
Satzes, als auch zwischen ganzen Sätzen, und
sind nebst den vorigen einer der wichtigsten Theile
einer vollkommen ausgebildeten Sprache.

/
i . Kapitel. Überhaupt, . . ^9

i o8> Den Beschluß machen endlich ro. die


Inrerjeccionen oder ^Lmpfindungswörrer,
welche die Empfindungen als bloße Empfindungen
bezeichnen. , ', . - - !-
§. i Oy. Gemeiniglich führet man auch noch
die parricipia oder Mittelwörter als einen
eigenen Redetheil auf; allein es sind bloße Ad-
verbia und Zldjecciva mit dem Nebenbegriffe
der Zeit, und bezeichnen enlweder Beschaffenheiten
ober Eigenschaften, je nachdem sie dem Haupt
worte als schon zugeeignet gedacht werde» oder
nicht. Dagegen verdienen die Zahlwörter als ,
ein eigener Redetheil aufgenommen zu werden,
weil sie sich so wohl in ihrer Bestimmung,
als auch in dem Gebrauche von dm übrigen un
terscheiden.
§. iio. Da das Prädicat auf sehr mannig»
faltige Art von dem Subjecte gesagt werden kann,
so entstehen daraus allerley zufällige Verhältnisse,
in welche fo wohl das Hauptwort als auch das
Berdum gefetzt werden können. Da man in der
Kindheit der Sprache von denselben nur sehr dun
kele Begriffe haben konnte, so konnte man sie auch
nicht anders als durch einzele Wurzellaute aus
drucken, welche mit der Zeit an das Wurzelwort
angehcinget wurden. Einen Redetheil nach allen
seinen zufälligen Verhältnissen mit den einmahl an
genommenen Wurzellsuten verfehen, heißt denselben
flectiren oder biegen, die Wurzellaute aber,
wodurch dieses geschiehet, die Zle^ions - oder
Biegungssylben. , ^ . ^ ,.
F 5 §. "r>
90 i. Theil. 2. Abschnitt. Redttheile.

S. irr. Diese Verhältnisse sind aber wieder


von verschiedener Art. r. Das VerhSltniß des
im Prädicate befindlichen selbständigen Dinges g»
gen das Subject. Die Reihe dieser Verhältnisse
an einem Hauptworte ausdrucken , heißt dasselbe
decliniren. Decliniret aber werden nicht allein
die Hauptwörter, sondern auch alles was unmittel?
bar zu ihrer Bestimmung dienet , folglich der Arti
kel, das Pronomen, viele Zahlwörter , und das
Adj«tiv, weil sie insgesammt Theil au den Ver*
Hältnissen ihres Hauptwortes nehmen.
§. 112. 2. I» allen bekannten Sprachen
sind die Nahmen selbständiger Dinge in verschiedene
Geschlechter vertheilet, daher ihre Bestimmungs,
Wörter ihnen auch darin ähnlich werden müssen.
Dieses Verhältniß des Geschlechts an den Bestim
mungswörtern des Hauptwortes ausdrucken, heißt
sie moviren. Ein Hauptwort durch die Ablei-
tungssylbe aus einem Geschlechte in das andere
Versetzen, -Held, Heldinn, gehöret nicht hier,
her , indem es Ableitung und nicht Biegung ist.
§. irz. z. Wenn ein aus einem einigen Be
griffe bestehendes Präbicat vor sich allein gedacht
wird, so heißt es eine Beschaffenheit, und die
Wörter, welche dieselben bezeichnen, heissen, Ad-
verbia , z. B. groß. Soll aber diese Beschaffen
heit als einem Dmge wirklich^einverleibt vorges
stellet, folglich zu einer Eigenschaft erhöhet
werden, ein großer Mann, so wird sie con-
crcsciret, und die Sylben, wodurch selbiges
geschieh«, die aber mit den Motions-und Declina«
tionö, Sylben einerlc? sind, heissen die Concre
rions-
Kapitel. Ueberhaupt >' 9«

tions ü Selben. Concresciret können nur werden


die Adverb!« und alles was zu ihnen gehöret.
ss. r 14. 4. An denjenigen Redetheilen, welche
Beschaffenheiten und Eigenschaften bezeichnen, läßt
sich gar oft noch das Verhältnis) eines höher« und
höchsten Grades ausdrucken. Dieses Verhältnis
Mit seinen gehörigen Biegungssylben bezeichnen,
Heist solche Wörter steigern , oder, obgleich nicht
so richtig , compariren.
§. 115. 5. An dem Verbo, dem wichtigsten
Theile des Prädikates, lassen sich verschiedene Ver»
Hältnisse bezeichnen, welche insgesammt in den zu,
fälligen Bestimmungen desselben in Ansehung deS
Subjektes gegründet sind ; z. B. die Art , wie das
Prädikat von dem Subjecte gesagt wird,(Modus,)
die Zeit, Mennes von ihm gesagt wird, (Tem.
pus,) und endlich die Person, welche das Sub,
ject des Satzes ist, und zwar so wohl nach ihrer
einfachen als vielfachen Zahl, (persona und
Numerus.) Ein Wort nach Maßgebung aller
dieser Verhältnisse durch die gehörigen Biegungs,
sylben führen, heißt dasselbe conjugiren.
§. 1 16. Die übrigen Redetheile beziehen sich
entweder nicht lmmtttelbar auf ein selbständiges
Ding, oder doch nicht auf eines allein, und kön<
nen daher keines Livree tragen , folglich auch nicht
gebogen werden. Sie werden Partikeln ge,
nannt, weil die meisten und ältesten von ihnen
theils aus Wurzellauten, theilsaus nackten Wur-
zelwSrtern bestehen; fo wie man das Hauptwort
mit allen feinen unmittelbaren Bestimmungswör
tern, dem Artikel, Pronomen, Zahlworte und
Adjcctiv,
92 ;.TH.2.Absch. 2. Kapitel. Von dem

Adjectiv , Nomina oder Nennwörter nennet,


weil sie zu Bezeichnung des Nahmens der Dinge
gehören.

Zweytes Kapitel.
Von dem Substantiv oder Hauptworts

i. Dessen Arten.

<^>as Substsmivum oder Hauptwort ist


— der Nähme eines als selbständig gedachten
Dinges. Da alle unsere Vorstellungen und Ge
danken durch selbständige Dinge veranlasset werden>
und sich wieder auf sie beziehen, so sind auch die
Hauptworter der erste und wichtigste Redetheil,
um dessen willen alle übrige da sind.
S. 118. Die Dinge, welchen der Mensch
Nahmen gegeben hat, sind entweder wirklich für
sich bestehende Dinge, oder sie sind es nicht, son?
dern werden nur von uns als selbständig gedacht.
Die Hauptwörter theilen sich daher in zwey Haupt-
classen, in solche, welche wirklich selbständige Dinge
bezeichnen, concrets, und solche, welche unselb,
ständige Dinge als selbständig ausdrucken, ab,
stracra. . - , , ,
§. 119. Die concreten Hauptwörter sind nach
der verschiedenen Art, nach welcher wir die Dinge
betrachten und benennen, wieder von verschiedener
Art. Entweder, wir betrachten die Dinge so
selb,
Substantiv, i. Dessen Arten. , ßz

selbständig als sie wirklich siud, als Jndividua,


in welcher Betrachtung jedes einzele Ding nur ei»
einiges Mahl vorhanden ist, oder nach gewisse»
Merkmahlen , welche sie mit andern gemein haben»
oder nach einer gewissen Menge einzeler Dinge,
in welcher wir nichts einzeles zu unterscheiden pfle
gen. Im ersten Falle erhalreWwir eigene Nah,
mm , Nomina proprio , im zweyten allge
meine oder Gacrungsnahmen, appellarwa,
im dritten aber Sammelnahmen oder collccri»
va, wozu man noch die Marerialia rechnen
kann, welche bloß die Materie an den Dingen
benennen: Wsen, Holz, von Stein, Bein.
§. i2o. Jedes einzele für sich bestehende
Ding ist schon durch sich selbst vollkommen bestimmt
und von allen übrigen Dingen unterschieden. Da
aber dessen Nähme nicht alle die Merkmahle b«
zeichnen kann , die es zu einem Jndividuo mache»,
indem die Sprache eigentlich nur ein allgemeines
hörbares Merkmahl ausdrucken kann : so sind alle
eigene Nahmen eigentlich gemeine Nahmen, welche
nur auf ein einzeles Ding angewandt werden.
Carl, ein tapferer Mann, Christian/ ein
Christ, Mbe, ein Fluß, Leipzig, iindenstadt,
wie allgemein sind sie nicht.
§. i2i. Die eigenen Nahmen sind fo vielfach,
als es selbständige Dinge gibt, welche als einzeln
in ihrer Art zu bezeichnen nöthig sind., Landes-
nahmen, Orcsnahmen, personennahmen
u. f. f. Wenn mehrere einzele Dinge einerley
eigene Nahmen führen, so legt man einem Dinge
oft mehr als einen bey, alle Verwirrung zu ver
meiden,
94 i.TH. 2.Absch. 2. Kapitel. Von dem

meiden, und so entstanden bey Menschen die Vor«


«der Taufnahmen, und die Geschlechts«
nahmen, welche alsdann Arten von Gattungs,
nahmen werden, wozu oft noch Zu- oder Zöe?-
nahmen kommen.
§. i22. Ein eigener Nähme ist seiner Selb,
siändigkeit nach sch»n vollkommen bestimmt, daher
bedarf er, als ein solcher, keines Artikels, außer
in dem Falle, wenn ein Personennahme im Deuts
schen keine Casuszeichen annehmen kann, und die«
sec Mangel durch den Artikel ersetzt werden muß,
der Tempel des Salomo, die Lustspiele
desAristophanes, die Schriften des plsro.
Davon im folgenden. Da sie auch nur einem
einzelen Dinge allein zukommen , so leiden sie auch
keinen Plural.
K. isz. Indessen können die eigenen Nah,
wen oft auch als Gattungsnahmen gebraucht wer,
den, so wohl, wenn mehrere einzele Dinge einer,
ley eigenen Nahmen führen, als auch, wenn ei»
eigener Rahme zu Bezeichnung einer Eigenschaft
gebraucht wird, als endlich auch, wenn der eigene
Nähme ein Eigenschaftswort vor sich bekommt, in
welchem Falle er als ein Gattungsnahme angesehen
wird. In allen diesen Fällen sind sie so wohl des
Artikels als des Plurals fähig: Frankreichs
Ludwige, der Alexander Nordens, der
Salomo der Deutschen, der 14« Ludwig,
der große Newton.
§. 124. Der ersten dunkeln Absicht der
Spracherfinder nach, war jedes Hauptwort ein
eigener Nähme, weil es gerade nur das Ding be,
zeichnete.
Substantiv, i. Dessen Arten. 95

zeichnete, welches ihn veranlagte. Allein da


das tönende Merkmahl, welches den Nahmen
herliche, allgemein war, so wurden alle diese Nah
men Gartungsnahmen , und zwar zum großen
Glücke, so wohl für die Sprache, als für die Er-
kenntniß; für die Sprache, weil das Gedächtniß
unter der ungeheuren Menge eigener Nahmen hätte
erliege» müssen, für die Erkenntniß aber, weil
der Mensch dadurch genöthigt wurde, sich allgemei
ner Begriffe zu beftetstigen, welche der Grund
unserer ganzen vernünftigen Erkenntniß find.
§. 125. Die Gartungsnahmen, (Ap
pellativs,) bezeichnen die selbständigen Dinge
nach einem gemeinschaftlichen Merkmahle, welches
mehreren derselben zukommt. So nennen wir ge
wisse hochstämmige Gewächse Aäume, gewisse
Raubfische Hechte, alle mit Flößen versehene und
im Wasser lebende Thiers Zische, gewisse Raub
vögel mit krummen Schnabel Falken, alle sich
in der Luft vermittelst der Federn bewegende Thiers
Vögel. Diejenigen einzelen Dinge , welche in
einem allgemeinen Merkmahle mit einander überein
kommen, heissen eine Arc oder Gattung. Da
sich aber mehrere Merkmahle an den Dingen be-
zeichnen lassen, wovon eines immer mehrern einze
len Dingen zukommt, als das andere, so finden
auch mehrere solcher Arten oder Gattungen statt,
wovon immer eine Hie andere in sich schließt, und
folglich höher ist, da man sie denn durch die Nah?
men Arc, Geschlecht, Gattung, Ord
nung, Classe u. s. f. zu unterscheiden pflegt.
Hecht ist der Nähme einer Art, worunter alle
einzele
961.TH. 2-Absch. 2. Kapitel. Von dem

^einzele Fische gehören, welche sich durch ihre schar«


fen Zähne und spitzigen Kopf vor andern auszeichi
nen; der Nähme Raubfisch begreifft mehrere
Arten in sich, so wie die Nahmen Seefisch, Fisch,
N?ajsei.Icschöpf, Thier, Rörper, Sub
stanz, immer höhere Classen bezeichnen, wovon
die höhere immer alle untern in sich schließt. Alle
diese Nahmen zusammen nennen wir Garmngs»
nahmen oder Appellativ«.
H> 126. Ein jedes Wort verlieret, wider seine
erste Bestimmung, den Begriff der Selbständigkeit, so
bald es als ein Gattungswort gebraucht wird,
und verliert ihn immer mehr, je höher die Elaste ist,
welche es bezeichnet. Man würde es daher nicht
ohne Dunkelheit von ,einem einzelen Dinge gebrcnu
chen können, wenn man nicht ein Mittel gefunden
hätte, ihm die Selbständigkeit, so oft es nöthig
ist, wiederzugeben; und dieses geschiehst in den
abendlandischen Sprachen durch den Artikel, web
cher daher bloß um der Selbständigkeit der Gat-
tungswörter da ist, keinesweges aber das Ge
schlecht der Hauptwörter zu bezeichnen. S. das
folgende Kapitel von dem Artikel.
§.127. Weil die Gattungswörter allgemeine
Nahmen mehrerer einzeler Dinge von einem ges
meinschaftlichen Merkmahle sind, fo miissen sie
auch geschickt fehn, mehrere Dinge ihrer Art zu
bezeichnen, welches durch Anhängung gewisser
Biegungesylben geschiehet. S. im folgenden von
der Declination. >
§. 12«. Die Sammelrvörcer oder Col?
lecriva bezeichnen eine unbestimmte Menge solcher
einzes
Substantiv, i. Dessen Arten. 97

einzelen Dinge, welche wir entweder nicht von


einander unterscheiden können, oder nicht zu unten
scheiden pflegen; ZVasser, N?ein, Rorn,
Weisen, Obst, Sand, Volk, Mehl,
u.s.f. Als Sammelwörter leiden sie keinen Plural,
wohl aber, wenn sie Gattungswörter werden, und
Mehrere Arten oder auch wohl Quantitäten bezeich,
nm, gebrannte Wasser, süße Weine. Manche
werden nur allein im Plural gebraucht, Leute
Lrbsen , Linsen. Von manchen lassen sich ve«
mittelst der Sylbe ge neue Collectiva bilden, so
wohl eine Menge, als auch die samuttliche
Mengej zu bezeichnen, das Gewässer, die ganze
Menge Wasser, das Geblür, Gebüsch, Ge
treide. Dahin gehören auch dieFrequencariva,
welche eine öftere Wiederhohlung bezeichnen, Ge-
belle, Gebelfer, Gemurmel, Gefrage.
K. 129. Ihnen gleichen die Hlaterialis, nur daß
sie denBegriff derSelbständigkeit noch mehr verlieren,
und bloß die Materie ausdrucken, ZLisen, Gold,
Gilber, Speck, Vurrer, Milch, Holz,
Stein, Bein. Da sie von dem Begriffe der
Selbständigkeit am wenigsten haben, und sich den
bloßen Adverbiis nähern, so leiden sie auch keinen
Artikel, außer wenn sie wieder Gattungswörter wer,
den, der schwarze Stein, ein Holz, ein
Brot.
§. tzo. Die zweyte Hauptclasse der Haupt,
tvoxtet, die Abstracra, stellen etwas Unselbstän,
diges als selbständig dar. So sehr sie auch von
der metaphysischen Wahrheit abweichen^ so nothwen,
Ag sind sie doch für die gelehrte Erkenntniß, welche
5 G ohne
98 l. Th. 2. Aöschn. 2. Kap. Von dem

ohne Wörter dieser Art nicht statt sinket, bah«


sie sich auch bey einem Volke häufen, je mehr eS
in der Cultnr wachset. Sie theilen sich wieder in
verschiedene Arten, nachdem daß Unselbständige an
den Dingen beschaffen ist , welches als selbständig
betrachtet wird. Die vornehmsten sind folgende.
1. Das wirkende an einem Dinge, die wirkende
Ursache: Schicksal, Glück, Unglück,
Ursache, Grund. "
2. Die Wirkung und eine jede Veränderung:
^ Zusage, Bitte, Ruf, Lauf, An
fang, Borhschafr, Hinderniß, Nach«
richr, Schlag, Tod.
Z. Der Übergang des Unselbständigen in das
Selbständige, das Concresciren einer Btt
schaffenheit. Von dieser Art sind alle In«
finitive, ft bald sie als Hauptwörter g«
braucht werden, das Begegnen, das
Betrachren, das wirken.
4. Die Handlung als etwas Selbständiges, so
' wohl indem sie noch vollbracht wird , der«
gleichen die Verbalia auf ung sind, Ve-
- ' gegnung, Betrachtung, Wirkung;
als auch als schon vollbracht, dergleichen die
sind, die mit dem JnOerfect der irregulären
Zeitwörter oder der Wurzel ihres Supini,
oder auch mit der Wurzel des Infinitivs
der regulären gleichlautend sind, der B>e>
rrachc, Betrug, Sprung, Stich,

5. Eine Beschaffenheit, wozu besonders die


Neutra der Adjektiven gebraucht werden :
SubftMiv. 2. Bildung. 99

4>as Große, das Edle, das Saure,


das Süße.
6. Eine Eigenschaft an einem selbständige«
Dinge, die Größe, die Saure, die
Schärfe, die Süßigkeit, die Schow
heir, ehedem Schöne, das Alter.
Diese Bedeutung unterscheidet sich von
der vorigen dadurch, daß die Eigene
schüft allcmähl einem selbständigen Dinge
schon als emverleibt,dieÄeschasseicheit abee
allein und für sich selbst bettachtet wird.
7. Ein Zustand, die Armuth, der Adel,
die TheuruNg, die Jugend, der
.ReichrhuiN, die Seligkeit, das
Verderben.
§^ IM Bey manchen dieser Arten äbstracteö
Hauptwörter durchkreutzen sich die Bedeutnngen ;
»Hein man muß sich doch hüten ? daß man sie nicht
für gleich bedeutend halte. Da? Große ist etwas
anders als die Größe, das Einschränken
etwas anders als die Einschränkung Und
Lingefchränkcheic, das Vollziehen ^ekwas
anders als Vollziehung und Vollzug, An
sprache, etwas anders als das Ansprechen,
die Ansprechuug und der Anspruch: Diejeni
gen / welche Handlungen bedeuten, leiden Mch
len auch Collectiva, das Gemurmel, Geheul,
Geschre? , - Geplauder. Viele derselben kön
nen auch wirklich selbständige Dinge bezeichnen,,
die Säure, ein saurer flüssiger Körper, eine
Schönheit, eine schöne Person. . , .
los i.TH. i. Absch. i. Kap. Von dem

§. izs. Was den Plural betrifft, so sind


sie von verschiedener Art, nachdem ihre Bedeutung
verschieden ist. Ursachen, Handlungen, Wirkungen,
Eigenschaften, können mehrfach seyn, oder doch an
mehrern selbständigen Dingen gedacht werden, und
sind also auch eines Plurals fähig. Glück und
Unglück leiden ihn nicht, weil sie als die einige
höchste Ursache des zufalligen Guten und Bosen
betrachtet werden. Wenn die Adjectiva Neutra
Beschaffenheiten als selbständig bezeichnen, so des
zeichnen sie selbige entweder überhaupt, oder im
Ganzen an einem gewissen Dinge, und leiden also
keinen Plural, das Ssure, alles was sauer ist,
das Böse in der ZVelr. Eine Eigenschaft an
einem selbständigen Dinge, kann, so fern sie an
einem Dinge nur einzeln ist, nur in der Bedeu
tung mehrerer Arten, oder von diesem PrLoicate
in mehrern Subjecten vielfach gebraucht werben,
die Größen , die Säuren , die Alrer. Ab-
flracta, welche einen Zustand als selbständig b«
zeichnen, leiden ihn am wenigsten, weil der Zustand
an jedem Dinge nur einfach ist. Manche Abstracra
könnten einen Plural haben ; allein er ist nicht
gewöhnlich, z.B. Anfang, Räch, iLnde. : - >

2. Bildung der Hauptwörter.


§. r?Z. In Ansehung der Bildung sind die
Hauptwörter entweder N?urzelrvörcer oder ab«
Feleirere. Die erstem bestehen aus Wurzeln
aller Arten , und sind gemeiniglich Gattungswö«
ter: Ball, Balg, Bank, Bär, Sach,
Bahn, Beer, Bauch, Saum, Asch, Aas,
Substantiv. 2. Bildung, ioi

Ast, Sein, Sett, Bild, Vier, Aal,


Ahm, Aar, Ms, Sy, Bock, Dach,
Damm, Daum, Dieb, Deich, Schlaf,
Fall, -Halt. Aber auch nicht selten Abstracta:
Bad, Bau, Bann, Laus, Aid, die
Acht, Arc. Dahin gehören auch diejenigen,
»eiche mit dex Wurzel der vergangenen Zeit eines
Verbi gleich lautend sind, und eine Handlung als
ein ßHon vollbrachtes selbständiges Ding bezeich,
ven! der Be dachr, Be-rrachc, Andachr,
Spruch, Sprung, Gang, Band, Bund,
Srand, Gang, Stoß, Srich, Biß,
Bug, Trieb, Hieb, Schnitt, Griff.
Angleichen diejenigen concreten Gattungswöri
ter, welche bloß das mildernde e am Ende an
nehmen: Bube, Auge, Rnsbe, preusse,
Schivabe. , >: i , - .
, j!. iz4. Die abgeleiteten könne« auf ver
schiedene Art betrachtet werden, entweder nach
dm Redetheilen, von welchen sie abgeleitet wox«
den, oder nach den Ableitungssylben vermittelst
«elcher es geschtehet, oder nach der Bedeutung
dex Hauptwörter. I« Ansehung der erstem Axt
ist die Ableitung oft ungewiß, weil die Wurzel sich
zu gleicher Zeit in mehr als einen Redetheil hat
ankleiden können, ohne daß eben einer von dem
andern abstamme? Liebe, lieben, lieblich,
könne« insgesammt unabhängig von einander von
dex Wurzel lieb gebildet seyn. Wir wollen die
bevden letzten Betxachtungsarten zusammen neh<
wen, und die vornehmsten Ableitungssylben, welche
jeder Form der Hauptwörter M am häufigsten
G z zukommt
fS2 I. Th. I. Msch, 2. Kap^ Von dem

zukommt, anführen, denn im Ganzen dUrchkreutze«


sich die Bedeutungen hier desto Mehr, je schwerer
hie Unterschiede in der Kindheit der Sprache zu,
Hemerken wattft.
§, iZ5. i In die Bildung der Gattungs-
wörrer oder eigentlichen Appellativen habe«
die Vorsylben be und ge keinen bestimmten und
deutlichen Einfluß. Be ist eigentlich eine. AbKö
tungssylbe für Zeitwörter, und von diesen stamme«
Hie damit versehenen Hauptwörter ab: Belege,
Kesteck. Die Vorsylbe ge scheint, wo sie nichk
Collectiva bildet, etwas Gewirkres zu bezeichnen^
Gebiß, Geäß, Geschenk, Gestell, 'Ge,
schöpf, Gesichc , Gewölbe. - i. ^
§, iz6. Bestimmter und zahlreicher sind für
dje Gattungswörter die Endsylben. . ^u','^
chcn,(nicht gen)verkleinerndeWörter aus ander«
Hauptwörtern zu bilden, Becher-chen,
Bild-chen, Göhn-chen; oft mit dem
Nebenbegriffe der Zärtlichkeit, Herzchen,
Hündchen. Gemeiniglich werden alsdann
in dem Stammworte die Hülfslaute a,' o, ll
in ä, ö und ü verwandelt, Hauschon,
Böckchen, Mütterchen. Allemahl
aber werden die Ableitungssylben e und ott
an dem Stammworte weggeworfen, Äff-
chen, Bübchen, Bällchen, Rüßchen,
von Auß. Einige wenige leiden noch am
dere Veränderungen, N7«dchen. Diese
Werkleinerungssylbe ist den Hochdeutsche», btt
sonders in der vertraulichen Sprecharß vov
zUglich eigen, yg sie denn, wenn sich das
tztamiw
Substantiv. 2. Bildung. ,«z

Stammwort schon auf einen Hauchlaut en,


djgt, wohl noch die verkleinernde Sylbe el
einschieben , Gächelchen , Buchelchen,
Gprüchelchen, Grängclchen. Oft
nehmen ihn auch die Plurgle auf er an,
Bücherchen, Dingerchen, Hsnser-
chen, Lämmerchen. Wo Verstand und
Wohlklang es erlquben, da lassen sich mit
diefer Sylbe noch immer neue Verkleinerungsi
wyrter bilden. , , ^, -
P, de, ist vorzüglich den AbfirqetiS eigen, hilft
aber auch Conereta bilden, H^rde, Be
hörde, der gehörige Ort^ <VemWde,
Gebrände, Zierde, Hemd.
e, ein Ding weibliches Geschlechtes, Leuchte,
Schere, Ähre, An«, Bahre, Beere,
Base, Asche, Asche, Biene, plärre,
Liche, Lu!e.
tl> 1. Ein Ding, welches etwas thut, Büttel,
Weisel, Igel, Hebel, Sauerteig, Stö
psel, Wachtel, Friesel. s. Was ge,
than wird, Speichel, Findelkind, z.
Ein Werkzeug , Schlägel, Stachel,
Flügel, Hebel, Schlüssel, Deckel.
4. DaS von welchem etwas gesagt wird,
Frevel, Tadel, Riyel, Wechsel,
Giebel, Esel, Rngcl, Regel. 5 Eine
Verkleinerung, doch nur in oberdeutsche«
Wörtern, als eine Verkürzung von lein,
Mädel, Mündel, Fässel, Bündel.
em, en, em Ding, von dem etwas gesagt wird,
Schlitten, Laden, Becken, Balken,
,e>4 i. Th. i. Absch/i. Kap.Vsn dem

Ballen, Vagen / Besen, Brassen,


Brodem, Achem, Fehm, von sahen,
Blume von blühen, Eisen. >
tt'. i. Ein Mann, ein Ding männliches Ge«
schlechts, verwandt' mit dem Pronomen er,
der Anrer, Ganser, Rarer, Täuber,
^«ü Besonders eine Person männliches Geschlechts,
^ " welche etwas thut, welche Wörter häufig
P»tt Verdis, oft auch von andern Redetheis
, len gebildet werden, Bäcker, ZZader,
^ ZSecrler, Bauer, Mahler, Jäger,
^" Läufer, Varer, Einsiedler, Gärr?
> ner , Ziemer, Seiler, Schäfer,
Schuldner. 2. Gentili« männliches G«
^ Mechts zu bilden, Römer, Frankft,r,
^ ' '^er, Berliner, Leipziger, Märker.
Engländer, z. Ein Werckzeug, Äohter,
Kammer, Schnirzex , Alammer,
^ ).Solrer, Keyer. 4, Was gethan wird^ Has
hon dem etwas gesagt wird, Donner,
Fehler, Seufzer, Absenker, Eirer,
Acker, Anger, Achter, der geächtet
>^ wird, Tagelöhner, der Tsgelohn empfängt,
Märtyrer, der gemartert wird, Sech-
' ser, Münze von sechs Pfennigen^ ein
Sunfziger, ein Mann von 50 Jahren.
>y, einen Ort, Aufenthalt, Meiere?, Scha-
- ferey, Vrauexey, Gießexey, Särbe-
xey, G. das Collectivum. ey, yon welchem
diese Bedeutung abstammt,
ich, ein Dmg, besonders männliches Geschlechts,
Appich, Arxich, Ästrich, Änrerich
SubstWiv. s. Bildung. IO5

Gänserich, Täuberich, N>egerich,


ZVürherich , wo es eigentlich die zusam
men gesetzte männliche Endung erich ist.
ig, ein Ding, SubM , Röntg, Pfennig,
Borrig, Honig, Fimg, Rasig.
ing, ein einzeles Ding, von welchem etwas
gesagt wird, Höring, Bücking, Mes.
sing, die Halsing, ein Halsband, Rim.
wing.
lim, eine Person weiblichen Geschlechts,, Chri,
stinn, poerinn, Fürstinn, Röniginn,
Herzoginn, Dicbinn, iLnkelinn,
FxenndiNn, Feindinn, Nachbarinn.
Besonders an den Hauptwörtern auf er,
wenn sie eine männliche Person bezeichnen,
Bürgerinn, Mahlerinn, Raiserinn,
ZZaderinn, Rünstlerinn, Sünderinn.
Römerinn, Berlinerinn. Einige ver-
andern dabey a, o und u in ä, ö und ü,
Räuerinn, Schrvägerinn, Schwärze-
rinn, Männinn, Gräfinn, När.
xinn, Röchinn. Die männliche» Nah-
wen Mf erer,; werfen des WohUanges
wegen das eine, er weg, Gorreslästerinn,
Plauderinn, Zauberinn, Munde-
rinn, N^ucherinn. Auch Thiere weib
liches Geschlechts, Gseljnn, N?ölsinn,
Hündinn, Löwinn, Tiegerinn, Bä-
Pinn. Bey den Zögern sind noch viele an
dere dieser Art Wich, welche sonst nicht
vorkommen, Häsinn, Dächsinn, Füch-
G 5 sinn,
I. Th. 2. Vbschn. z. Kap. Von dem

sinn, Störchinn« Nicht alle männliche


Nahmen leiden diese Ableitung, besonders
die nicht, welche ein eigenes Fämininum
haben, z. B Varer, Murrer; Sohn,
Tochccr ; Herr , Srau , obgleich Her
rinn in einer andern Bedeutung gebraucht
wird; Rnechr, Magd; Böck, Ziege;
ZlVirtwer, N?ittwe. Von Adjectiven
lassen sich dergleichen weibliche Wörter nicht
bilden, weil diese ihre eigene weibliche Em
dung haben ; daher Verwandte, Anver
wandte, nicht Verwandrinn, Be«
kannre nicht Bekannrinn, Geliebte
nicht Geliebrinn, Heilige nicht Heili«
ginn , Gelehrce nicht Gelehrrinn.
Doch nennet man die Gemahlinn eines Ge«
simdren eine Gessndcinn, um sie von
einer Gesandte, d. i. einer abgesandten
weiblichen Person zu unterscheiden. ÄbkMnn
nach ^bbärillä, ist die Vorgesetzte eines
Nonnenklosters, Äbrinn, aber die Gattinn
eines Lutherischen Abtes. Es den eigenen
Geschlechtsnahmen zur Bezeichnung der Gat»
tinn oder Tochter eines Mannes anzuhängen,
ist unnöthig, wmn das Geschlecht schon
durch die! übrigen Beysatze bestimmt genug
ist, Frau Wolf, Jungfer Schwarz ;
aber nöthig, wenn sich keine andere Bestim
mung dabey befindet, die Schryarzinn,
die Rüstnerinn. Wenn es geschiehst,
so verandern solche Nahmen, welche sonst
auch als Appellativ« üblich sind, ilzre». Vocal
nicht.
Substantiv. 2. Bildung. - ,07

nicht, die ZVslfinn, die Grafinn,


die Hasinn , nicht die N?ölfinn, Gra
finn, Häsinn. : ^ - -
lein, ein kleines Ding seiner Art, welche Sylbe
besonders im Oberdeutschen und Her höhern
Schreibart der Hochdeutschen für chen üblich
ist, Rindlein, IVeiblejn, Mannlein,
Büchlein.
ling, ein Ding, Subject, von welchem das
Wurzelwort etwas saget, Ästljng, Gründ«
ling, Jährlina, Hänfling, Mm-
mexling, Flüchtling, SilberlinH
Findling, AnköknmttnF, Bückling,
Lehrling, Erstling, Jüngling, Fremde
ling. Zuweilen mit einem verächtlichen
Nebenbegriffe,. Dichterling, AMgling,
Frömmling, N?Mng. „ .
Mß , ein Ding, Subject, nur keine Person,
Gefängniß, Qegräbniß, beyde von
dem Orte, Fahrniß, Behälrniß, Bild->
niß. Häufiger wird diese Sylbe jetzt von
Abstrakten gebraucht, S. im folgenden.
sal, stl, ein Ding, Subject, Labsal,Scheu-
sal, Überbleibsel, Abschabsel, Stöpsel,
Einschiebsel.
t, ch, vexmuthlich ein Hing, Subject, Furt,
von fahren, Faust, von fassen, Naht,
von nähen, Draht, Last, Slüths
und Blut von blühen.
thum, ein Ding, Subject, Heiligchum,
Reichthum, «ber auch einen, Bezirk,
IO8 l.TH. l.Mschtt. 2. Kap. Von dem ^

Fürstenrhum> Herzogchum, Biß,


^ rhum. S. auch die Collectiva und Abstracta.
UNS, in einigen wenigen, wo es mit ing
. , - verwandt ist , einging, Subjeetzu bezeich,
ney., Körnung', Mündung, NZa-
stnng Am häufigsten, bildet es Abstracta.
Wohin endlich noch einige alte und seltene,
Heimsch, Monach, Heiland, Island
«. s. f. und eine Menge fremder auf al', ftnc,
«st , ar, enc, er u. s. f. gehören, CarMal,
Adyöcac, Testament, Prophet.
'§.^ iz/. 2. Csllecciva werden gebildet,
Heils vermittelst der Vorfylbe
ge, Geflügel, Gebein, Getreide> Ge,
schmeide, Gerüst, Geschirr, Gesin
de, Gestein, Gestirn. Die Hülfslaute
o und U, werden dabey in ä, ö und ü,
e aber zuweilen in ie verwandelt, Gehölz,
Gewürm, Gewölk, Geblüt, Gn
Wässer, Gesame, Gebirge, von Berg,
Wesilde von Feld, Gefieder von Feder,
Geschwister von Schwester. Wenn
em weicher Hauptlaut am Ende seinen ge
linden Laut behalten soll, so bekommt exidas
mildernde e, Gesinde, Gehäuse, Ge,
birge. Außerdem ist es fehlerhaft; alsy
' nicht Gehölze, Geblüce, Gewölke,
Gerippe, sondern Gehölz, Geblüt,
. Gewölk, Geripp. , , . .
Theils «ber auch vermittelst der Nachsylben.
ky, Reirerey, Ländern, die>'alte» ^ibe-
xey für Bibliothek, Bürgere? , süx Bürs
Substantiv. 2.Bildnug. 109

gerschdft. Dahin scheinen auch diejenigen


Wörter zu gehören, wo diese Sylbe einen
Aufenthalt, eigentlich den Inbegriff mehrerer
Geschäfte und Dinge einer Art bezeichnet,
die Meiere? , Schaferey, Jägerey,
Scucerey, Backexe?, Brauerey.
jchk, das Rehrichr, Feilicht, Spühlicht,
Dickicht, N?eidichc, Gerreidichr für
Getreide.
schaft, Barschaft, Bürgerschaft, Bauer,
schaft, Iudenschaft, Brüderschaft,
Bekanntschaft, Dorfschaft, Land
schaft, Mannschaft, Gerärhfchsft.
Briefschaften ist davon allein nur im Plural
gebräuchlich , -
thum, öoch nur in einigen, dasHeidenthum,
Alcerrhum.
ung, Waldung, Holzung, Hutung,
Feldung, Stallung, Markung.
' ^. iz8. z. Zu de» Irerativis oder Wie.
dnhohlungswörtern dienen vornehmlich, . >
die Vorfylbe ge, welche Wörter von Infinit^
vis mit Weglassung der Sylbe en bildet,
das Gebrüll, Geheul, Gemurmel,
Gepolter. Im gemeine» Leben bildet
Man noch täglich häufige Wörter dieser Art,
da man denn nur das n des Infinitivs wegzu.
lassen pflegt, das Gebelle, Geweine,
Gebettete, Gebrumme, Gedehne,
Gefrage, Gefluche, welchen Wörtern
denn insgesammt ein verächtlicher Nebenbei
griff «nkkbt. ...... ',. ,>, n .?
5is TM. Mschn, 2. Kap. Von dem

die Endsylbe et), gleichfalls von Verdis, Bette-


ley, Grübeley, prügele^, NAtzeley,
plauverey; oft noch mit vorgesetzter Sylbe
er, Valgerey, Äffere^ , Büberey,
Sresserey, prahlerev. Die Wörter
dieser Art gehet, unvermerkt in die GattungS,
Wörter über, können daher auch von einzelen
Handlungen ihrer Art im Plural gebraucht
werden.
Die Materialia haben keine eigene vestimihte
Ableitungssylbe.
§. i?9. Reicher sind 4. die Abstrscrs , bei
sonders an NachsyIben, obgleich selbige ursprünglich
lauter Cvncreta bezeichneten, und erst in der Folge
auf jene übertragen wurden , daher sie in vielen
Fällen auch noch jetzt wieder Gattungswö«
ter werden können. Ihnen dienen vornehmlich
die Laute und Sylben :
d, de, von Zeitwörtern Mit Wegwerfung der
Sylbe en, eine Handlung und zuweilen auch
eine« Zustand zu bezeichnen, Jagd, Freu«
de, Klerde, Sknde, Gnade, Bürde,
N?ürde, Ärnde, Begierde, Tugend,
Schuld. Auch Armuch scheint ^fü«
Ärmde zu stehen.
e, Men Zustand, eine Beschaffenheit, von
Adjectivis, Güre, Liebe, SrÜrke/
Größe, Harre, Flache, Beirze, ZLHe,
Nässe, Schwere. Die Hülfslaute a, <?
und tt werden dabey in ä, ö und ü verwand
delt. Das Neutrum eines Adjectivs muß,
Wenn eS als ein Concretnm gebraucht wird,
Nicht
:. Substantiv. 2. Bildung, l,,

nicht damit verwechselt werden, daS Gure,


das Große, das Harre,
en, das Eoncresciren, oder den Übergang eineS
unselbständigen DingeS in ein selbständiges
zu bezeichnen. Von dieser Art sind alle In,
finitive, wenn sie als Hauptwörter gebraucht
werden.
kl, doch nur zuweilen, eine Beschaffenheit, eine«
Zustand auszudrucken, der Adel, Ekel,
Mangel, Schwindel, Tadel, Rirzel,
Wandel, Wechsel.
er, eigentlich auch eine Gattungssylbe, bezeich,
net doch auch zuweilen eine Beschaffenheit
oder einen Zustand , das Alter, der Ei,
fer, die Zeier, die Dauer, die Heuer,
d. i. Miethe.
ey, eine Beschaffenheit, T^rsnneV, Jäge
rs?, die Kunst eines Jägers, Büberep,
Heuchele?, Tändele?. Doch alle damit
abgeleiteten Wörter gehen unmerklich i»
Gattungswörter, Collectiva und Iterativ«
über.
ft, eine Beschaffenheit, einen Zustand, Haft,
von haben, Runft von kommen/ Ver
nunft von vernehmen.
heit, welches ehedem ein eigenes Wort war, und
eine Person bedeutete, ist jetzt eine fruchtbare
Ableitungssylbe , eine Beschaffenheit und
einen Zustand zu bezeichnen; so wohl von
Hauptwörtern, Gottheit, Menschheir,
Mannheir, Rindheir, Schalrheir,
Narrheit, Thorheir; als auch uns
,l, i. Th. l. Abschn. 2. Kap> Von dem

, LM häusigstett von Adjektiven, die sich aber


nicht auf bar, ig/ lich, sam und er,
(Sicherheit und einige wenige ausgenom-
wen,) endigen dürfen, Blindheit, Bos
heit, Dunkelheit, Ergebenheit, Frec
hen, Einheit, Nlahrheic, wildheir,
Zagheic. .
keit, welches mit dem vorigen nahe verwandt
ist, aber nur den Adjectiven angehängt wer
den kann , welche sich auf die Albeitungsfyb
ben, bar, er, ig, lich und sarn
endigen, Dankbarkeit, Brauch
barkeit, Gcrafbarkeic , Bitterkeit,
" Heiterkeit, Billigkeit, Ewigkeit,
Ehrlichkeit, Friedlichkeit, Grau"
samkeit, Einsamkeit. Solche Adjective,
welche keine eigentliche Ableitungssylbe haben,
nehmen erst ig an , ehe Absiracta auf keic
daraus gebildet werden können, Frömmig
keit, Rleinigkeir, SüßigkeirFeuchtig-
Zeit, Mattigkeir, daher denn solche
Wörter mit denen auf heit ödere andern M,
leitungsfylben nicht völlig gleich bedeutend
sind, Rlemheit ist etwas anders als
Rleinigkeic.

Nlß, eine Handlung, einen Zustand, FiWlniß,


Ärgerniß, Hinderniß, Erlaubniß,
Bekenntniß, Berrübniß, Begann
ttiß, Bündniß, Geständttiß, Ge.
dachrniß, Befngniß.
- >>^ , ? .. »« »
sal.
Substantiv. 2. Bildung. ,zz

sal, eine Veränderung, elnen Zustand, doch


nur in einigen wenigen, Trübsal, Dran«,
sal.
sam, same, einen Zustand, wovon nur noch
einige wenige üblich find, Gehorsam,
Gerechtsame, Gewahrsam.
schaft, einen Zustand, eine Beschaffenheit,
Bereitschaft, Feindschaft, Freund
schaft, Lndschafc, Bekanntschaft,
Knechtschaft, Gefangenschaft, Re«
chenschaft, Wissenschaft.
ft, einen Zustand, Angst, Runft, Brunst,
Gunst, Gewinnst, Dienst.
t, einen Zustand, von Zeitwörtern, wobey
diejenigen , deren Dienstlaut ein g oder h
ist, denselben gemeiniglich in ch verwandeln,
vlZacht, von mögen, Pracht von
brechen, glänzen, oder auch von pran
gen, Zucht, von zeugen und ziehen,
Gewicht, von wiegen, Gerücht von
dem alten ruchen, Schlacht von schla
gen, Tracht von tragen, Flucht von
fliegen, Gesicht von sehen, Verzicht
von verzeihen. Nur von jagen kommt
im Hochdeutschen Jagd, (Nieders. Jacht.)
thUM, eine! Beschaffenheit, besonders Würde,
priesterthum. Noch häufiger einen Zu
stand, Wgenrhum, Alterrhum, Reich
thum, wacherhum, Christenrhum,
Irrrhum.
H ung,
1 14 !. Th. 2. Abschtt. 2. Kap. Von dem

' ung, eine ergiebige Ableitungssylbe , Hand,


lungen und den darin gegründeten Zustand
selbständig auszudrucken. Man bildet die
Wörter dieser Art von den Infinitiven thäti-
ger Zeitwörter durch Wegwerfung ihrer En«
dung en, Änderung, Bändigung,
...... Befestigung, Erziehung, Warnung,
Salbung, Handlung. Von NeutriS
lassen sich dergleichen Wörter nicht ableiten,
wohl aber von Reciprocis. Ja man kann
vermittelst dieser Sylbe ganze Redensarten
in ein Hauptwort verwandeln, die Schad-
loshslcung, Auseinandersetzung; wo-
bey man doch den Wohlklang nicht aus de»
' Augen setzen muß.
Wohin auch die fremden Ableitungssylben,
«nz, el, ie, on oder ion, ur u. s. f. gehören,
Observanz, Poesie, Chyinie, Pardon,
Religion, Figur.
§. 140. Die Freyheit in Ansehung der Bil
dung neuer Hauptwörter vermittelst dieser Ablei
tungssylben hängt ganz von ihrer Bestimmtheit:
und noch bekannten Bedeutung ab. Daher kann
man jetzt keine neue Hauptwörter auf d, de, e>
<l, en, sc, ich, ichr, ig, ing, sal, sam,
schaft, r, th, und chum, bilden. Auch lasse»
sich keine neue Concreta auf ung, keine Abstracto
auf el und er, und keine Collectiva mit der Aor?
, Isolde ge mehr bilden. Ein wenig mehr Freyheit:
hat man in Ansehung der Sylben, ling, wen«
sie im verächtlichen Verstände gebraucht wird,
niß, heir und keir; weit mehrere aber in Be?
trachtunK
Substantiv. 2. Bildung^" 515

Kachtung der iterativen Vorsylbe ge, und der


Endsvlben chcn, lein< er, so fern diese gebraucht
wird , männliche Hauptwörter von Verdis zu bil
den, inn, ey, und UNI, Verbalia zu bilden, weil
ihre Bedeutung, wenigstens in Manchen Fallen
bestimmter und deutlicher ist. Doch müssen dabey
Analogie, Bedeutung und Wohlklang auf daS
strengste beobachtet werden. " . ' >!
^. 141. Außer diesen Ableitungssylben hat
die Deutsche Sprache auch noch den Vorcheil, daß
fi« fast einen jeden andern Begriff uls ein selbstä«
dtgcs Ding betrachten, folglich fast jeden andern
Redetheil als ein Hauptwort gebrauchen kann.
Mein Ich, Screic über das Mein und
Dein , sein W ist bester als sein N?ar, es
ist ein Aber dabey, dein Ach, in welche»
Falle aber dergleichen Wörter keiner Declinatio»
fähig find. Besonders gehören dahin die Adjective,
welche sowohl als ApPellativa, der ZVeise,
die Schone, ein Gelehrrer, als auch
Absiracta gebraucht werden können, das Schöne,
das Grsße , davon bey den Adjectiven. IT
es lassen sich nach Är1i der Griechen ganze Redens,
«ten als HauxtwÄrter behandeln; das hin un^
hergehen, Ms durch die Finger sehen,
davon bey den Zusammensetzungen.

^.z. Geschlecht der Hauptwörter.


§. 142. Alle bekannte Sprachen theilen ihr»
Hauptwörter nach den Geschlechtern in ver^
schieden« Classen; ein Umstand, welchen ohne
Zweifel der an M Spieren bemerkte Unterschied
,., " ^ 2 deS
i i6 i.TM Abschn. 2. Kap. Von dem

des Geschlechts veranlaßte, welche» man nachmahlS


auf alle selbständige und als selbständig gedachte
Dinge anwandte. ,
§. 14z. Die Deutschen Hauptwörter theilm
flch inzwey Hauptgeschlechter, das personliche
«nd das sächliche, (Neucrum,) von welche»
ber>den das erste wiederum entweder männlich,
(Maskulinum,) oder weiblich ist, (Famini»
Mim.) Alles , was man als Person sähe oder
dachte, ward zu einem der persönlichen Geschlecht
ter gerechnet, was man aber nicht als Person j«
denken für gut befand, blieb für das sächliche.

§. 144. Daß dabey in Ansehung solcher


Dinge, welche nicht wirk/ich nach Geschlechtern
verschieden sind , vieles , wo nicht alles nach sehr
dunkeln Ähnlichkeiten bestimmt werden müssen, läßt
sich leicht begreiffen. Indessen scheinet es, daß
man alles, was den Begriff der Stärke , der Lel»
haftigkeit, der Wirkung, der Thätigkeit hatte.
Männlich , was man sanft, angenehm, leidend
u. s. f. dachte, weiblich gebrauchte, woran man
aber dergleichen nicht gewahr MirK. oder es wenig,
siens nicht ausdrucken wollte, dem -sächlichen
Geschlechte überließ. ^ ....^1
§. 145. Weil dabey das meiste auf dunkele
Vorstellungen ankam , so scheint uns jetzt das G«
schlecht der Wörter in allen Sprachen sehr willkühr-
äich zu seyn , und muß daher mehr aus der Übung,
als nach Regeln erlernet werden. Indessen haben
wir doch im Deutschen einige allgemeine Regel»,
welche«
^ - Substantib. z. Geschlecht. 5 57

welchen wenigstens eine beträchtliche Menge unserer


Hauptwörter folgen. Diese sind folgende.
S. 146. Männlich sind: « . .
1. Alle männliche eigene Nahmen, alle Gatt
tungsnahmen, welche eine männliche Ver<
.richtung, männlichen Stand , ein männli,
ches Verhältniß bezeichnen? Mann, Va
ter, Sohn, Bruder, Freund, Feind,
Raiser, Rönig, Fürst, Börger,
Bauer, Mahlcr, Bäcker. Äusgenom,
men sind nur die Verkleinerungsworter, und
einige zusammen gesetzte mit übergetragener
Bedeutung, die Mannsperson, .das
Mannsbild.
s. Der Nähme Gottes und aller Geister, Gott,
Robold, Teufel, Alp, Geist, «ngel.
'z. Die Nahmen der Winde, Jahreszeiten,
Monathe, und Tage. Der Ost, Nord,
Süd, N>est, Sommer, Herbst,
Frühling, ^Vinter, Jenner, Hör.
nung, Sonntag, Sonnabend. Aus
genommen das )ahr und die Mirr«
n?oche. >
4. Die meisten abgeleiteten auf er, wenn sie
ein Werkzeug bedeuten; diejenigen welche
ein männliches Verhältniß ausdrucken, sind
schon mit unter der ersten Regel begriffen.
Der Trichter, Bohrer, Fächer, Ham
mer, Keuchter. Ausgenommen sind,
das Messer, das Ruder, die Rlam»
mer, die R lapper, die Halfter, die
Leiter, die Leyer.
Hz 5- Alle
51 8 !. A. 2. Abschn. 2. Kap. Von dem

' ^ ^'M '^bgelMte aus ett, der Laden,


Schlitten , Haken , Boden , "Gra
ben. Ausgenommen, das Almosen, das
Becken , das Fullen , das Rüssen,
das Lehen, das N?apen, das Zei-
* - chcn , das Eisen, die Fasten, und alle
'5 ^Infinitive, folglich auch das Erdbeben,
Vas Gewissen, das Gebrechen, das
Vermögen, das Vergnügen, das
beiden, das Essen, das Trinken, das
Leben, das N?eftn, u. a. «. welche
v ursprünglich Infinitive sind.
6. Alle abgeleitete auf ing und ling , der
^ Schilling, Zwilling, Höring, Jüng
ling, Frischling, Silberling, Häcker
ling, Zwilling. Ausgenommen sind das
Messing , die Hülsing , der Jäger,
und die Rimming der Böttcher, in wel-
chen bevden letztern dych ing für ung stehet.
147. weiblich sind: «
1. Alle eigene Nahmen «eiblicher Person«,
und alle Gattungsnabmen weiblicher Bett
Haltnisse, Verrichtungen und Stände, folg,
llich auch alle abgeleitete auf inn: die
Frau, Braut, Mutter, Tochter,
Base, Schwester, Muhme, Magd,
Fürstin«, Gräfin«, Dichterinn. Aus,
genommen sind, dasZVeib, dasN?ensch,
>. im verächtlichen Verstände, das Frauen«
zimmer, das N?eibesbild, Weibes«
stück.
s. Alle
, Substantiv, z. Geschlecht. ,19

s. Alle abgeleitete auf ey, heit, keit und


schaft: die Tändeley, Bäckerey,
. ' Sicherheit, Freyheir, Seligkeit,
ZLrbschaft,Freundschaft. Der Schaft,
,, der Brey, das i^y, das Geschrey,
und andere, worinn diese Sylben nicht Ablei«
, . . , tungssylben sind, gehören nicht hierher.
z. Alle abgeleitete auf ung: die N?aldung,
l Feldung, Befriedigung, Begünsti
gung. Ausgenommen ist der Körnung für
Corning. >
4. Die Absiracta von Adjectivis, wenn sie eine
Eigenschaft selbständig darstellen, die Große,
Güre, Liebe, Höhe. >
§. 148. Sächlichen Geschlechts oder
Neurra sind:
i. Die Nahmen der Metalle, Buchstaben, Län
der und Örter: das Gold, Silber, das
tTisen, das große A, das s, das
große Deutschland, das reiche Eng
land , das Heisse Afrika , das volk»
reiche Berlin, das wollüstige pqris,
das berühmte Lützen. Ausgenommen
sind, der Stahl, der sink, der Tom»
back, die Pfalz, Eifel, dieSchweitz,die
Mark, die Lausitz, die Ländernahmen
auf ey, die wallachey, Türkcy, Lom<
bardey, und einige zusammengesetzte Lcini
der- und Ortsnahmen, welche dem G«
schlechte der letzten Hälfte der Zusammen,
setzung folgen , die N?ecrerau , der
H.4 - Hunds,
,s<? !. Th. 2. Absicht,. 2. Kap. Von dem

-Hundsrück, der Rheingau, der


nigstein , die Sachsenburg.
». Alles was subsiantive gebraucht wird, ohne
ein Hauptwort zu seyn, das Aber, das
leyre Lebe wohl, das liebe Ich, folg
lich auch alle Infinitive, wenn ße als Haupt
wörter stehe», dasiLssen, das Gehen,
Reiten, Trinken, Daseyn, Wesen,
Leben, Gewissen, Verbrechen, Ver«
gnügen, Vermögen.
z. Alle Verkleinerungen auf chen und lein:
das Söhnchen, Töchcerchen, Büb
chen, Mädchen, Söhnlein, Büchlein,
folglich auch das Fräulein.
4. Alle abgeleitete auf chum, das Fürsten-
rhum, priesterchum, Bisrhum,
jLigenrhum, Alcerchum. Ausgenom«
wen, der ReichchUm, Irrrhum, Be»
weischum und wachsrhum, welches
letztere doch von vielen auch sächlich ge<
braucht wird.
5. Alle Collectiva und Iterativs mit der Vor,
sylbe ge, Gebalk, Gewühl, Gemur
mel, Gespräch, Gesuch, Gezänk,
Geblüt; welchen auch Gemüth, Ge-
mählde, Gedichr, Gebet, Gebier,
Geschoß, Geborh, Gefäß, Geheiß,
Gemach, Gelübde, Gebiß u. a.m. fol,
gen. Die übrigen, bey welchen diefe «b
lecttve und iterative Bedeutung nicht statt
findet, sind bald männlich, bald weiblich.
Männlich:
Substantiv, z. WsHleHt. . ,2,

^ Männlich: der Gedanke, Geführte,


Gehülfe, Gebrauch, Gehalr, Gehör»
sam, Gelaß, Genoß, Genuß, Ge,
ruch , Geschmack, Gestank, Ge»
schmuck, Gesell, Gespan, Gespiele,
Gewinn? Gewinnst, Gebrauch, Ge
sang, Gevatter^ . -
Weiblich: die Gebühr, Geburt, Ge
duld, Gefahr, Gefährde, Gemeinde,
Genüge, Gerade, Geschichte, Ge
schwulst, Gestalt, Gewalt, Ge-
,- wahr. Die auf heic, keic, schaft u.s. f.
mit der Borsylbe ge folgen dm vorigen
Regeln.
§. 149. In die abgeleiteten auf niß theile«
sich das weibliche und sächliche Geschlecht, doch
fo, daß in einer Provinz dieses, in einer andern
lenes am üblichsten ist. Im Hochdeutschen sind
amgewöhulichsten:
Weiblich: Bedrangniß, Begegniß,
kümmerniß, Besorgniß, Berrübniß,
Dewandrniß, Empfangniß, Eräug-
niß, Lrkenncniß, Erlaubniß, Er.
sparniß, Fahrniß, Fäulniß, Finster-
niß, Rennrniß, Rümmerniß, Ver-
damniß, Wildniß.,
Höchlich: Ärgerniß ohne Unterschied der B«
deutung, Bedürfniß ohne Unterschied,
Vefugniß, Segräbniß, Behälrniß,
Bekennrniß, Bildniß, Bündniß,
Einverständniß, ^rforderniß, Ge,
Heinlniß/Gedächrniß, Gefängniß, ohne
H 5 Unter
52» I.TH. 2. Wschn. 2. Kap. Von dem

^1. 'Underschied , Gelöbniß, Gestandniß,


Gleichniß, Hinderniß, Mißverstand«
«ci niß, Verhälrniß, Verhäugniß, Ver«
> löbniß , Vermüchcniß, : Versäumniß,
Vcrzeichniß, Verftändniß, Zeugniß.
§. 15O. Die zusammen, gesetzten Wörter b«
halten das Geschlecht des bestimmten, folglich deS
letzten Wortes, der Rirchenrarh, das Rath-
Haus, der Maßstab. Ausgenommen sind
die Neunauge, die Nachricht, (der ZAe«
richc, der Unterricht,) die Antwort,
das Tagelohn, Macherlohn, der Abscheu,
der Verhafr, eigene Nahmen, das Hanau,
das Torgau, das Hamburg, das Scraß-
burg , u. s. f. welche der vorigen Regel folgen,
und einige mit Murh zusammen gesetzte > welche
weiblich sind, die Anmmh, Demurh, Groß.
' .Much, Rlcinmurh, Sanftmuch, Schwer«
murh, N)ehmuch.
151. Wörter aus fremden Sprachen be
halten ihr ursprüngliches Geschlecht : der Canal,
das Sacramenr, die Periode, die Synode,
wofür zuweilen auch der period, der Synod,
vorkommen. Ausgenommen sind, der Part,
der Gegenparr, das Labyrinth, der
puncc, der Rarheder, das Echo, der,
Altar, das Almosen, der Sphinx, der^
Tempel, die Ranzel, das Fieber, das
Pulver, der Rörper, das Fenster, der
Makel, der Pacr, das Chor, u. a. m.
§. 152. Manche Wörter werden mit Beybtt
Haltung ihres eigenthümlichen Geschlechtes von
^ .. > ^ Per,I
Substantiv, z. Geschlecht. ' 525

ftnen beyderley Geschlechts gebraucht, der<Vatte,


von Heyden Theilen, der Liebling , -deu Fwib'
lmg, der Findling, der Sonderling, von
Personen beyderley Geschlechts, wohin auch der
Gevatter und der parhe, nach dem Gebrauche
mancher Gegenben gehören. Andere verändern
ihr Geschlecht ohne Ableitungssylbe, der oder die
parhe, der oder die Gevatter, in einigen
Gegenden. Andere bezeichnen zugleich das weib
liche Geschlecht durch die weibliche Ableitungssylbe,
der Erbe, die Arbinn, der Gsrre, die
Gattinn, der Gevatter, die Gevatterinn,
der Gemahl, die Gemahlinn. .,
§. !5Z« Andere Wörter werden nach ihrer
verschiedenenBedeutung in verschiedenemGeschlechte
gebraucht: die und das Arm uch, derund das
Band, der und die Buckel, der und das
Bund, die Ucke und das Vieleck, der und
das Urbe, der und das Gemahl, die Gifc
in Mitgift, und das Gift, der und die Haft,
das und die Lehen, die und der Leiter, die
und das Mandel, der und das Mensch,
der und das pack, der und das Schild,
die und der Schwulst, der und die See,
der und die Sprosse, der und das Theil,
der und das Verdienst, der und das Zeug.
Wohin doch diejenigen nicht gehören, welche
wirklich verschiedenen Ursprunges sind , ob sie sich
gleich in der Aussprache und Schreibart gleich sind :
der und das Bauer, die und der Geisse!,
der und das Harz, das und der Haft, der
tznd die Heide, der und die Hur, der und
5?4 i.TH. s. Stbschn.H« Kap. Von dem

.die Riefer, der und das Roch, das und


die Auppel, das und der Leich, das Laub
vud der Urlaub , die und das Mandel, die
und das Mark., die und der Marsch, der
und die Mast, der und die Mangel, der
und das Messer, der und das Mohr, der
«ud das Much, (moäiv8,) der Reiß und
das Reis, der und das Ohm, der und das
Reirer, der und das Stifr, der und das
Thor.
L 154. Viele Wörter find in mehr als einem
Geschlechte üblich, und zwar nicht allein in weh-
rem, sondern oft in einer und eben derselben Pro«
vinj. Außer den schon angeführten auf niß, sind
noch zu merken: der Lohn: daher der Arbeits
lohn, Gnadenlohn, Dienstlohn, «Herdas
Bochenlohn, Gesindelohn, Fuhrlohn,
ZVochenlohn, Macherlohn, Druckerlohn
i!> s. f. die Haft, aber der Verhafc; der
Besuch, der Versuch, aber das Gesuch; die
Scheu, aber der Abscheu; der Much, da
her der Adelmuch, Gleichmuch, Hoch
much, rvankelmuch, Fweifelmuch, Un-
much, Helvenmuch, llbermuth, Löwen»
much, aber die Großmuch, Rleinmurh,
Demueh , Langmuch , Sanfcmuch,
Schwermuch, Wehmurh, Anmurh.
§. 155. Von solchen Wörtern, welche i«
verschiedenen Provinzen verschiedenen Geschlechtes
sind, merke man vornehmlich folgende mit ihrem
üblichsten Geschlechte im Hochdeutschen: Her Ab-
scheu,
> .
Substantiv, z. Geschlecht. ,25

ftheu, die Aderlaß, die Ahle, die Ahme


ober Ohme, der Alaun, der Alrar, die
Ammer, die Angel, die Armbrust, die
Asche, der Aufruhr, der Bach, die Backe,
der Balg, die Bank, der Bast, der Block,
die Boy oder Boj, die Brosame, derBnch-
stab, die Butter, das Chor, der Dachr,
das Dochc, der Damm, das Daus , die
Deichsel, die Distel, der Dorrer, das
Drangssl, der Ducacen, der Duft, der
Dunst, die iLcke, der Wrer, die Fahne,
der Falz, die Falze, die Feifel, die Fessel,
der Flachs, der Fladen, das Floß, die
Flur, das Fräulein, der Fries, das Gar»
reroder Gicrer, das Gebrechen, der Ge*
danke, der Gehalc, das Geheiß, der
Geißel, «bs««, dasGelübd, der Gesang,
der Gestank, die Gewalt, die Grütze,
der Gurr, der Gyps, der Hag, die Half,
rerund Hslfrer, der Halm, der Haspel,
das Hefr, die Heuschrecke, die Hirse, der
Hobel, der Honig, die Horst, der Huf,
die Hummel, der Husten, der Jlriß, der
Irrrhum, das Juchsrc, die Juwele,
der Räsich, der Rarheder, die Rerbe,
der Riefer, (Kinnbacken,) der Riel, der
Rien, die Rlafter, der Rlsß, der Rlorz,
das Rnie, das Rnäuel, der Roben, der
Röder, die Rolbe /nd der Rolben, der
Rürbiß, die Lache, der Larm, die Leiste,
ein langer schmahler Körper, der Leisten deS
Schusters, die Lerche, der Lohn, S. oben.
,26 I. Th. 2. Absch. 2. Kap. Von dem

die Lüfc, die Lunte, der Makel, das Mal


ter , der Marder , der Marke, das Maß,
die Maße in einigen andern Bedeutungen, der
Meiste! , der Mennig, das MelIng, der
Mech, die Milz, die Mißgunst, die
Mittwoche, das Model, der Monach,
das Mos oder Moos ,, das Münster, dcv
Nerve, die Nestel, die Niere, die Ohme
«der Ahm, der Orr in allen Bedeutungen,
die Otter, der Pacht, der pack, ein Packet,
das Pack, liederliches Gesindel, das, Pech,
der Pfirsich aber die pfirsche, die Pflug
schar, der Pfühl, der Pfuhl, die Pistole,
das Pult, der puncr, der Ousst, die
OueUe, seltener der OneU, der Rahm,
Mtlchrahm und Ruß, der Rahmen, eine Ein
fassung, der Ray, die Haselmaus, dieRaye,
große Art Mäuse, das Revier, der Rirz und
die Rirze, der Rückgrarh, der Schaft,
das Scharmützel, die Schaukel, die
Scheitel, die schlacke, der Schlitz, das
Schmer, der Schmelz, die Schmiere, so
auch die Wagenschmiere, der Gchmuy,
die Schnecke, die Schnepfe, der Schoß
oder Gchooß, lmus, der Schrecken, der
Schurr, die Schwalbe, die Socke, der
Spargel, der Sparren, der Speck, der
Speer, der Sprenkel, der Strauch, der
Streit, die Striegel, die Stülpe, der
Talg, die Taufe, der Teller, die Tenne,
das Thal, der Thau, der Thron , der
Troß, die Trübsal, die Trüffel, dasTuch,
^ das
Substantiv. 4. Von dem Plural, t s?

das Ufer, der Ungestüm, der Unrach/


der Unrerrichr, der Urlaub, der Verhsft,
das Verhör, der wachschum, diewade,
das wamms , die weihe , ein Raubvogel,
das Werft, die willtuhr, der Wimpel,
die Windel, diewifel, das wifpel, die
Zehe, der Zeisig, das Zepter, der Zierach,
der Zink, der Zoll, das Zngehör, die
Zwiebel. ^ ' " ^

4. Von dem Plural der Hauptwörter. .


§. 156. Da die Gattungswörter entweder
einem einzelen Dinge ihrer Gattung allein,
oder mehrem derselben zukommen können,
fo ist es nothwendig, diesen gedoppelten Unter,
schied an ihnen zu bezeichnen. Es geschieher
solches durch die Numeros oder Zahlen, deren
man im Deutschen zwey hat, den Singular
oder die Einheit, welcher von einem , und den ^
Plural oder die Mehrheit, welcher von mehr
«ls einem gebraucht wird. - , >
§. 157. Der Plural wird auf verschiedene Art
aus dem Singular gebildet; entweder allein durch
den Umlaut, d. i. durch die Verwandelung der
tiefern Hülfslaute a, o und U, in die nächste»
höhern ä,ö und ü, der Vater, die Vater, die
kNuccer, die Mütter; oder durch Anhangung
gewlsser einfachen Wurzellaute, das Brot, die
Brote, der Geist, die Geister, der Äsrhc,die
Bochen, die Achsel, die Achseln; oder
durch beyde Mittel zugleich, die Gruft/ die
Grüfte, der Gott, die Götter. Oft wird
die
,28 k. Tl). 2. Absch. 2. Kap. Vsn dem

die Mehrheit durch nichts von der Einheit unter,


schieden, und alsdann lauten der Singular und
her Plural einander gleich, der Raiser, die
Raiser, derVayen, die Bayen, das
Geleise, die Geleise.
K. 158. Die einfachen Wurzellaute, vermit,
^elst deren die Mehrheit im zweyten und dritten
Falle ausgedruckt werden kann, sind folgende
vier, e, er, en und n. Die Niedersachsen haben
für solche Plurale , welche im Hochdeutschen dem
Singular gleich sind, noch den fünften, ein s,
die Iungens, die tNädchens , deraberde»
Hochdeutschen fremd ist.
., 4. 159. Die ersten Spracherfinder hatte»
allerdings ihxe Ursachen, warum sie in Bildung
des Plurals in jedem Falle gerade diesen und keinen
andern Weg gingen. Allein da diese ganz auf die
dunkele Empfindung des Hörbaren in der Mehrheit
beruheten, wir aber statt dessen den klaren Begriff
der Mehrheit haben : so können wir jetzt von der
Bildung des Plurals nicht in allen Fällen bestimmte
Regeln geben , sondern müssen denselben größten
Theils aus dem Gebrauche erlernen. Was sich
davon bestimmen laßt, wird bey den Deklinationen
vorkommen.
. . §. 160. Da nur das eigentlich einen Plural
haben kann, was in seiner Art mehrfach vorhan
den ist, so folget daraus, daß der Plural eigentlich
nur um der Garcungsrvorcer willen da
ist, und daß kein Wort eines Plurals fähig
ist, welches nicht ein xGattungswort ist, oder
als ein solches gebraucht wird. Daß auch
SuMnM 4. Von denk Plural.

auch die eigene» Nahmen als solche vorkommet


kömen, und alsdann auch eines Plurals fähig
sind, ist bereits oben §. 12z. bemerket wordch. - ^
' 161. GgeMich folltsn also alle Galtttngs,
mötter eines Plurals fShtg seyn , und die allermeK
fien sind es Such wirklich. Allein es gibt dereä
dsch einige, in welchen er jetzt üngewöhulich odet
doch selten ist; entweder weil sie ursprünglich Mb
stracta waren und einen Zustand öder eine Be
schaffenheit bezeichneten, oder aus bloßer Unter,
lassung des Gebrauchs aus Mangel der Veran5
lassung. Ganz ungewöhnlich ist er von Rath?
(coiMium,) Dank, N?iUe, Bund, u. 5 m.
ftlten, wenigstens im Hochdeutschen, von Bann)
Bau, Rnai!, ZArauciIüm, VorwaNdi^
Lohn, Tausch, Rauf, List, Taufe, BurgD
Mund ^ Nachdruck , Aufruhr, Strand,
Schsy , (Abgabe,) n. s. f. '
162. Dagegen sind andere Appellativ«'
im Hochdeutschen nur im Plural allein üblich :
die Gefalle, Einkünfte, Rosten, Unkosten>
Äcern, Ahnen, Alpen, Röcheln, Beim
kleider, Hosen, wassm, Schranken,
Gebrüder, Rrieczesläufte, Zeitläufte,
Nisse, Gerechtsame, Gttedinaßen, Rai-
dsunen, u. s. f. und die fremden, Spesen,
Sporteln, Annaren / Repressalien, In«
stInien u.s. f. Von andern wird der Singular nur
seltener gebraucht, ob er gleich wirklich vorhanden ist,
d« Austrage, Sußstapfen, Lumpen, Ränke,
Schwanke, Dünen, SandhLgel, Pocken/
Blättern, Masern, Ahehairen, Scklo-
I ^ ße,z,
AZo i. TH: ?.Msch.' 2. KM Von Zbem

Ksn, Schläfe , Trümmer > Vorfahren,


Nachkommen , Schlacken ,, ^raxzen ,
Rapern>- , , ..v ä ! ,
, 5 §. 16z. Da die ^ollecciva oder Gam<
melworrer bereits eine gewige, obgleich unbe«
stimmte Menge bedeutest, so bedürfen sie auch als
solche eigentlich keines Plurals. Indessen sind sie
Kon verschiedener Art. Einige sind als Collectiva
«M allein im Singular üblich: Troß, Geblür,
Wgehör, Wäsche, Vieh, Volk, Geld,
Gesinde. Andere werden so wohl im Singular
als Plural collectjve gebraucht : das Haar und
die Haare, das Geräch und die Geräche,
die Gerätschaft, und die Gerärhschafren,
Pas Geschirr und die Geschirre, das Ge-
Wchwister und die Geschwister , das <Se>
darm und die Gedärme, die Mannschaft,
und die Mannschaften, die Fleischbank
und die Fleischbänke, die Rleye und die
Rleyen, das Gewürm und die Gewürme.
Noch andere werden nur im Plural allein collecttve
gebraucht, und sind alsdann gemeiniglich ihrem
Ursprünge nach wahre Gattungswörter, Ltttte,
Treber, Molken, Truppen, Agen, Worte
für Rede, Flaumen, rohes Fett von den Gedär
men, Briefschaften, Franzosen, von der
Krankheit, Weihnachren, C>stern, Pfing
sten, Ferien u. s. f. Hierher gehören auch die
Iceraciva, besonders die mit ge, welche als
solche auch nur den Singular leiden, das Ge
wühl, Gewimmer, Gebrüll. > .
. .'i/7, . ' ' ' .,
§. 164.
Substantiv. 4. Von dem Plural, iz i

§. 164. Die Materialis, oder diejenigenWör,


Kr, welche bloß die physischeMaterie, oder moralische
Beschaffenheit als selbständig darstellen, ohne Rück
ficht auf die dazu gehörigen einzelen Dinge, sind
gleichfalls keines Plurals fähig: Vcure, Raub,
Rnß, Schlamm, Unflach, Unrarh, Spei
chel, Arhem, Dung, Schimmel, Most,
Rost, Talg, Thon, Speck, Honig,
Rien, Schmalz, Fett, Holz, Sraub,
Fleisch, Dlur, Gift, Gold, Silber,
Llfenbein, Mark, Mehl, Burrer, Scroh,
Pöbel, wachs, Milch, Asche, Erde,
öufc, Schnee, Tand, puy, und tausend
andere mehr. Einige schmelzen mit den CollectiviS
zusammen, und werden alsdann materialiter nur
allein im Plural gebraucht, Erbsen, Linsen,
Wicken, Rorallen, -Hefen, Molken.
§. 165. Von ähnlicher Art sind die Nahmen
<ö vieler Gewächse, welche vermuthlich als Matenas
Ka oder eigenthümlicheClassen? Nahmen angesehen
worden, und daher wohl von mehrern Arten, aber
«icht von einzelen Jndividuis im Plural gebraucht
»erden können.- Alse, Rresse, Hanf, Flachs,
Gerste, Hafer, Fenchel, Spargel, Küm
mel, Hopfen, Rnoblauch , Röhl. Selbst
nicht wenn sie aus Gattungswörtern zusammen ge
setzt sind, Bingelkraut, Geißbarc, Bocks,
barch, Dreyblakc, Fiebcrwnrz.
§. 1 66. Zu den Materialibus gehören auch
alle Nahmen/ welche eine Zahl, ein Maß, und
ein Gewicht bezeichnen , und so oft sie ein be<
stimmendes Zahlwort vor sich haben, keinen Plu,
. . ^ ' I 2 ra'.
,Z2 l. Th. 2.Mschn. 2. Kap. Von dem

ral leiden; vermuthlich, weil man hier Zahl, Maß


und Gewicht bloß als selbständige Material« b«
trachtet: zehn Acker Feld, sechs Rheinische
AhmN?ein, drey Faß Bier, stchsSrück
Vieh, fünf paar Tauben, sieben Grab
Taffenr, hundert geometrische Luß lang,
zehn Pfund schwer. So auch, Mahl, (ein
Mahl, auf vier Mahl,) Loch, Gran,
Rlafrer, Schock, Schritt, Zoll, Rieß,
-Haupt, als ein Zahlwort des Viehes, N?o-
nath, Alphaber, Bund, Buch, als ein
Maß des Papieres, Schuh, Last, Orhofc,
Ropf, als ein Oberdeutsches Maß, Groß,
zwölf Dutzend, Stein, Mann, als ei« Zahl,
wort für Personen u. s. f. Ausgenommen sind
«ur, i. die weiblichen auf e, ^le, Meile,
Woche, Stunde, Tonne, Ruthe, Unze,
Merze, -Hufe u. s. f. 2. Die Wörter Tag,
Jahrhundert, Glas, Sack und Ropf,
als ein Zahlwort für Mann : hundert Röpse
stark, acht Tage, fechs Säcke Weirzen,
zwey Gläfer Mein. Jahr Slscc, Und
einige andere vertragen auch den Plural, sechs
Jahr, und fechs Jahre, zwey Nlonarh,
und zwey Monathe, drey Blarc und drey
Blätter. Von Münzen gilt diese Regel nicht,
außer etwa von dem Worte Ort.
§. 167. Wenn eine Präposition vorher gehet,
die den Dativ erfordert, so stehen die Zeitmaße im
Plural: vor zwey Jahren, Monarhen.
Die übrigen vertragen beyde Zahlen, eine Lange
von zehn Schritt oder Schritten, ««
Gewicht,
Substantiv. 4^ Von dem Plural, izz

Gewicht von fünf Pfund oder Pfunden,


in drey Mahlen. Nur bleiben die, welche als
Gattungswörter den Umlaut haben, hier ohne Um
laut: ein Feld von hundert Fuß oder Fußen,
nicht Füßen; ein Garten von drey Ackern.
Nur Mann allein leidet auch mit Präpositionen kei
ne» Plural, ein Regiment pon kausend
Mann.
K. 168. Die Abstracca herrschte» etwas
Unselbständiges als selbständig, hoch ohne alle«
Begriff des einzelen, und leiden alsdann keinen
Plural. Dahin gehören besonders i Diejenigen,
welche eine Eigenschaft oder «ine Beschaffenheit
entweder überhaupt oder an einem gewissen Dinge
als ein selbständiges Ganzes darstellen , Starke,
ZVärme, Hiye, Aalte, Gehorsam, G«
walc, Mühe, Trost, Vernunft, Hang.
2. Diejenigen, welche bloß die abgezogene Arr ode?
Beschaffenheit als eigenthümliche ClassennqhmeK
bezeichnen , und auch zu den Matexialibus gerech
net werben können, Mord, Lob, Tadel,
Zwang. Z. Die welche einen Zustand ausdrucken,
Armuch, Rcichrhum, Ehre, Schande,
Trunkenheit, Abnahme, Zunahme, Elend,
Hunger, Durst, Glück, Heil, Tod, Le,
den, Schlaf, Trauer. Besonders eine»
Gemüthszustand : Furcht, Liebe, Verdruß,
Zorn, Huld, Argwohn, Neid, Gcirz.
4. Diejenigen, welche eine Veränderung als ei«
selbständiges aber untheilbares Ganzes benennen,
Zank, Streit, Unterricht, Empfang,
Ankunft, Aufkunfc, Flucht, Anfang,
A Z Ende,
,Z4 Th. 2. Abschn. 2. Kap. Von dem

Ende. Dahin besonders die Infinitive und ^


Hie Verbalia auf uug , so fern die letztern nicht
als Gattungswörter von einzelen Veränderungen
üblich sind, das Essen, Trinken, Schlafen,
N)achen, Gehen; die Besserung, Be
nachrichtigung, Anbechung.
° , S. 169. Viele dieser Wörter, sie seyen nun
Collectiva, Material!« oder Abstracta bleiben ihrer
ersten Bestimmung so getreu, daß sie dieselbe auch
in keinem Falle verlAugnen, folglich nie eines Pl«
rals fähig sind : Olm, Glanz, Zorn, Hun
ger, Durst, Flucht, Schande, 'Tost,
Gehorsam, Lob, Raub, Dauer, Rum
mer, Eil, Urlaub, Haß, Stolz; und erfordern
daher eigene Ableitungen oder Umschreibungen,
wenn sie als Gattungswörter gebraucht werden
sollen, Arcen des Blutes, Zänkereien,
Streitigkeiten, Raubereyen, Todesarten,
Todesfälle, Lobeserhebungen, Lob
sprüche, Erlaubnisse.
§. 170. Andere können zu Gattungswörtern
werden, und entweder einzele Eigenschaften und
Veränderungen bezeichnen, Andachten, Bewe
gungen, Räufe, Täusche, Händel, Zreu-
den; oder mehrere Arten, Alter, Gerüche,
mineralische Erden, reiche Erze, weine,
ZZiere ; oder mehrere Quantitäten oder Ganze,
Völker/Gelder, Erze; oder concrete Dinge,
welche die Beschaffenheit an sich haben,
Schönheiten, schöne Personen, Eitelkeiten,
Stähle, stählerne Werkzeuge, Dreheisen. Da
her denn so viele Wörter i» manchen Bedeutungen
^ ^ eines
Substantiv. 5. Von der Deklination. 1 35

eines Plurals fähig find, in andern aber nicht;


ja manche haben in verschiedenen Bedeutungen
einen verschiedenett Plural, davon im folgende»
Abschnitte. , , , - ... .
5. Von der Declinatlon.
«. Der eigentlich Deutschen Wörter. !
§. 171. Außer dem Umstände der Zahl
können sich die iu einem Satze befindlichen Houptt
Wörter noch in verschiedenen Verhältnissen befinden,
welche um der Deutlichkeit willen ausgedruckt wer,
den müssen. Diese sind, das Verhältniß, worin
das Subject des Satzes gegen das Präoi-
cat stehet, das Verhältniß des persönliche»
Gegenstandes, um dessen Willen das Prädicat von
dem Subjekte gesagt wird, das Verhältniß deS
leidenden Gegenstandes, das Verhältniß -M?
Mittels oder Werkzeuges, die Erklärung eines
jeden im Satze befindlichen Verhältnißbegriffes/
u. s. f. In dem Satze .- das Rind des Todes
hsr dem Urheber seines Lebens die Freude
seines Alters zerstöret, ist das Rind des
Todes das Subject, und das Berdum hat zers
störer mit seinem Zubehör das Prädicat; dem
Urheber seines Lebens ist der persönliche, und
die Freude seines Alters der leidende Gegen-
stand. Die selbständigen Dinge aber Rind, Ur
heber und Freude bezeichnen Verhältnißbegriffe,
welche ohne einen andern Begriff nicht völlig ven
standen werden können.
§. 172. So fern nun diese und andereShnliche
Verhältnisse, in welche ein selbständiges oder als
...... J4 selbstän,
zg6.r.TH. 2. Abschm 2. Kap. Von dem

selbständig gedachtes Ding gesetzt werden kann, an


dem: Worte selbst ausgedruckt werden, nennt man
sie Casus oder Falle. Der Deutsche druckt an seinen
Nennwörtern gemeiniglich nur vier, selten fünf sol
cher Falle aus, und diese sind: 1. der Fall des
Subjektes in Ansehung des Prädikates, und zwar
wenn es in der ersten, oder dritten Person stehet, durch
den Nominativ, und wenn es das Subject der
zweyten Person ist, durch den Vocariv/ der aber
im Deutschen nur in einer Art von Hauptwörter»
von dem Nominativ unterschieden ist. 2. Der Fall
des personlichen Gegenstandes, durch den Da UV.
5. Der Fall des leidenden Gegenstandes, durch den
Accusariv. Und 4. der Fall, welcher zur ErklÄ
rung aller in einem Satze vorkommenden V«<
haltmßbegrtffe dienet, durch den Genitiv;! der
schwerste und weitläufigste Fall, weil er unter alle»
nur am dunkelsten empfunden werden konnte, und
daher auch in alle» Sprachen der verwickeltste isü
' §. 17z. Weil in dem Nominativ und Vor«
tiv das Prädikat unmittelbar von dem Subjekte
gesagt wird, so heissen sie Casus recti; die
Übrigen aber obliqui. Da alle jetzt gedachten
Verhältnisse an dem selbständigen Dinge statt fin,
den, es mag einzeln oder mehrfach seyn, so müsse»
sie auch sowohl im Singular als im Plural an de»
Nennwörtern bezeichnet werden können. , '
- S. 174. Die Deutschen bezeichnen diese Veu
hältnisse durch gewisse Wuyellaute, welche dem
Nennworte angehänget werden; allein sie find
damit sehr sparsam umgegangen, ohne Zweifel, weil
sie von diesen Verhältnissen nur sehr dunkele Em,
- pfinduw
Substantiv. 5. Von der DAinatiolk 1 Z?

psindungen haben konnten. Für denNommativ haben


sie bey de» Hauptwörtern im Singular keine eigene
Negungssylde. Den Genitiv der Einheit bezeich,
nen sie durch es oder s, durch en oder n , oder
durch das zusammen gesetzte ens, oft aber auch
gar nicht. Für den Dativ haben sie e oder, en>
lessen ihn aber noch öfter völlig un bezeichnet. Der
Accusativ bekommt zuweilen e» öder n, wird aber
noch öfter gar nicht ausgedruckt. Der Vocativ
isi selten von dem Nominativ unterschieden; nur
in den Adjectwen , wenn sie als Hauptwörter g«
braucht werden, wird er so wohl im Singular
«ls im Plural angedeutet, davon im folgenden.
Der Nominativ des Plurals wird durch die fthon
«gezeigten Biegungssylhen der Mehrheit zugleich
ausgedruckt. Von den übrigen Fällen des Plurals
wird nur zuweilen der Dativ durch en oder n auH
Michnet. Das Mangelhafte wird durch den Arti
kel ersetzt; die übrigen Verhältnisse aber, welche
der Deutsche an seinen Nennwörtern nicht zu b«
zeichnen pflegt, werden durch Präpositionen aus«
gedruckt. , , , . ' .- - .:
§. 175. Ein Wort in diese gewöhnlichsten
möglichen Fälle setzen, und jedes Verhältniß
mit semem gehörigen Wurzellaute andeuten, heißt
esdecliniren oder abändern. Wenn mehrere
Wörter diese Verhältnisse so wohl im Singular als
im Plural auf einerley Art andeuten, so entstehet
daraus eine Dcclinarion. Jede Sprache hat
«Iso so viele verschiedene Deklinationen, als es in
»«selben Arten gibt, diese Verhältnisse an den
Hauptwörtern zu bezeichnen^ . - >^ : «5>
I 5 §- 176.
IZ8 r.TH. s.Abschn. 2. Kap. Vott deÄ

§.176. Datnest Verhältnissevo» den Sprach-


ersindem nur dunkel empfunden werden konnten,
und diese Empfindung in einem Falle so und in
einem andern anders war, so lassen sich von de«
Deklinationen nur wenig allgemeine Regeln gebe»/
sondern sie müssen größtentheils aus der Übung ge
lernet werden. Alles was sich allgemein an ihnen
bestimmen lasset, ist etwa folgendes: i. Alle Neutra
machen den Accufativ dem Nominativ gleich. 2.
Alle Fäminina bleiben im Singular unverändert;
die wenigen Ausnahmen kommen im folgenden vor.
z. Alle Wörter, welche im Genitiv es haben,
müssen im Dativ e bekommen ; welche aber nur s
allein haben, lassen den Dativ unbezeichnet. 4. Die
jenigen Hauptwörter, welche sich im Nominativ
des Plurals auf n endigen, bleiben im ganzen
Plural unverändert; welche aber auf e, l und r
ausgehen, nehmen im Dativ ein n an. ,7. z
. §. 177. Wir haben gegenwärtig im Hoch
deutschen acht Deklinationen, von welchen die sechs
ersten größten Theils männliche und sächliche Wött
ter, die beyden letzten aber allein weibliche in sich
fassen. , , .^ ' . >
Erste Declination.
. , Singular. Plural. . ..,
z Nomin. , Romin. e.
, zi Genit. es oder 0 Genit. e.
v . Dat. e. ', ., . Dat. en. , / «
i,. ., Accus. ... '-.-',! Accus, e. 1 - s>
^...^ 178- Das e ist in dieser Declination ein.
charakteristischer Biegungslaut, daher es auch in.
- -.' < . eigent-
Substantiv. 5. Von der DeclinatZon. 539

eigentlich Deutschen Wörter» im Genitiv und Dativ


»ie verbissen werden sollte, ob es gleich im gesell,
schaftlichen Umgange häufig geschiehst, Saums>
Arms, Oheims, Wohls, Aufschubs,
Abends, für die richtige?« Aaumes, Armes,
Oheimes, Wohles, Aufschubes, Abcndes.
Einige wenige auf m , welche im Plural nicht ge
bräuchlich sind , erfordern zwar diese Verbeissung
um des Wohllautes willen, Bräutigams, Ge
horsams, Achems, Brodems; allein es
ist, wenigstens von den drey letzten noch ungewiß,
ob sie nicht vielmehr zur folgenden dritten
Declination zu rechnen sind. Aber nicht fo Lcich-
names, Lidames, pilgrimes, Oheimes,
Grames u. f. f. zumahl da sie dieses eim Plural
ohne Übellaut annehmen. Da das e hier ein
eigentlich Deutscher Biegungslaut ist, so verlra
gen die eigenen Nahmen , und viele aus fremdeu
Sprachen entlehnte Worte denselben nicht allemahl ;
davon im folgenden. .
§. 179. Wo das e im Genitiv' nicht verbissen
werden darf, da darf es im Dativ noch weniger
wegfallen, Baume, Arme, zu seinem Wohle,
sn diesem Abende. Die es aber im Genitiv
nicht leiden , dulden es auch im Dativ nicht, dein
Gehorsam, Achem, Brodem, Dräurigam.
, f. 18«. Die vielen Wörter, welche nach die
ser Declination gehen, sind ohne Unterschied,
Wurzelwörter, und abgeleitete. Besonders ge
hören dahln, 1. alle abgeleitete auf ling; 2. Alle
Neutra auf niß, S. oben §. 149. z.Die Collectiva
und Iterativ« mit der Vorsylbe ge, wenn sie kein
« mil
?4« !. Th. 2. Abfch. 2.Kap.Von dem

milderndes e annehmen und sich nicht aufel und er


endige», Gexücht, Gehirn, Geschenk,
Gebüsch, Geläur, Geräusch, Gebrüll;
denen daher auch kein solches e angehängt werde»
darf. Die es erfordern, gehen nach der dritten.
§. !8i. In Ansehung des Geschlechtes sind
hie Wörter dieser Declmation theils j Maskulina,
theils Neutra. Von den erstem haben einige de«
Umlaut, andere nicht, welche aber bloß aus der
Übung erlernet werden müssen.

Von denen, welche den Umlaut haben, merke


man besonders folgende: Abr, Aufruhr, Asch,
ein Gefäß, Band, der Einband und ein TheÜ
eines Buches Bischoff, Block, Brand,
Bug, Dacht, (besser Docht und ohne Um,
laut,) Darm, Diebstahl, Drahr, Duft,
Sang, Flor, ein Zeug, Fund, Gaul, Ge«
rUch, Gesang, Hahn, Rahn, Rauf,
Raurz, Rlorz, Rlumpf, Lay, Lauf,
Markt, Morast, Muff, Mund, Pachr,
pallast, Rausch, Rost, darauf zu braten
und im Bergbaue, Sarg, Schacht, Schaft?,
Schmaus, Schlauch, Schooß, Schopf,
Schwan, Schwung, Spaß, Spund)
Stahl, Strauß, von Blumen, Trumpf,
Wanst, Wulst, Zoll, Abgabe von Waaren.
Angleichen die fremden : Alrsn, Altar, Canah
Capellan, Cardinal, Castellan, Choral,
Fiscal > Magistrat, Marschall, Pocsl,
Propst, Tribunal. - ^

Vo«
Substantiv. 5. Vonder'Declinatlon. ,41

Von denen aber, welche ihn nicht haben:


Aal, Aar , Ahorn, Amboß, Anwalr,
Arm, BaUast, Bastard, Bau, Bord,
Dachs, Dolch, Dorsch, iLidam> Falz.
Flachs, Fraß, Gemahl, Gurr, Halm,
wenn es collecrive gebraucht wird, Harnisch,
Hauch, Herold, Herzog, (nicht die Her
zöge,) Huf, Irrsal, Aal?, ^Robold,
Rumpf) Äüraß, Rur, Lachs, Leichnam,
Luchs, der Mast, Mastbaum, Mittag.
Mslch, Orr, coUective, pack, Pfad,
Pfau, Schror, Spalc, Traar , Scoff,
Strauß, em Vogel, Tag, Trunkenbold,
Uhu, Vielfraß, Mdehopf, Zoll^, ei«
Längenmaß, -Zahnstocher. Jngleichen «e frem«
den: AdMiral, Balsam, Bisam, General,
Grad, Gran, Journal, parr m Gegen,
parc und Mderparc, Plan, Pol, porr,
Psalm, puls, puncx, Salac, Scorpion,
Tacr. ..-^ ^w«, .-.
Einige werden, selbst im Hochdeutschen, so
wohl mit als ohne Umlaut gebraucht: Dachr,
Dolch, Drahc, Druck, ausgenommen die
zusammen gesetzten, Abdruck, Lindruck,
Ausdruck, u. s. f. welche ihn jederzeit haben,
Forst, Huf, Rnall, Lachs, Tausch.
K. 182. Die Neutra dieser Declination haben
den Umlaut nie, die Garne, Brore, Bothe,
( ein Fahrzeug, ) Dochre, Gestade, Haare,
Harze, RIeinode, (nicht Rleinodien,)
Maße, Meralle, paare, Pfunde, pulre,
Rohre, von das Rohr, Rosse, Salze,
Schick,
,42 Th. 2. Abschn. 2. Kap. Von dem

Schicksale , Schocke , Taue, N?orre, cob


leckwe. Ausgenommen sind die Arsenale, Chöre
und Zloße , welche beyden letztern aber von dem
männlichen Singular, der Che« , und der
Floß, für das Chor und das Floß, seyn können.

Zweyte Declination.
Singular. ^' Plural.
Nomin. Nömin. er.
. Gen. es »der s Genit. er.
> ^ DaK e. ' Dat. er».
Accus. Accus, er.
^ §. I8Z. Diese Declination ist aus der ersten
entstanden , nur daß sie im Plural, zum stärkern
Ausdruck der Mehrheit, statt des e das bestimm»
tere er angenommen hat. Das e ist daher im
Genitiv und Dativ hiev eben so nothwendig, als
in der ersten, und fallt nur dann weg, wenn sich
der Nominativ schon auf ein e endigt , wovon
dochZGeroölbe fast das einige ist, welches seinen
Plural aber auch nach der dritten macht. Den
übrigen, welche sich auf keinen weichen Hauptlaut
endigen, Gcmüch, Geschlecht., Gespenst,
Geficht, oder wo der weiche Hauptlaut im Nomina
tiv ausdrücklich hart lautet, Gewand, noch ein
e anhängen zu wollen, würbe fehlerhaft feyn.
§. 184. Alle Wörter dieser Declination ha
ben den Umlaut. Die allermeisten , welche nach
derselben gehen, sind Neutra, wohin auch alle
abgeleitete auf chmn gehören : das Aas, die
Äser, Amt, Bad, Band, Bild, Blacr,
Brer,
Substayw. 5MSN dtt Declinatiott. 1 4z

Vrer, Buch, Dach, Daus/ Ding, Dorf,


iLy, Fach, Faß, (wenn es, fein bestimmtes Maß
bezeichnet, S. §. 166.) Feld, Geld, Gemach,
Gemüth, Gesicht, Gespenst, Gewand,
GewöW, Glas, Glied , 'Mab,, GWA
Cur, Haupt, Haus, Holz, Horn, HuhlV
Mb, Rind, Rleid, Rorn, Rrauc,
Lamm, Land, Lichc,, Lied, Loch, Mahl,
Maul, Nest, Pfand, Rad, Reis, Rind,
Schloß, Schwert, Grift, eine gestiftete
Ansialt,, hie. aber auch Stifte leidet,, Thal,
Trumm/ (^>I. die Trimmer, nicht Trüm
mern,) Tuch, Volk, vvamms, Meid,
Wort. Und von fremden : Ramisol, Hospi
tal, oder Spital, Parlament, Regiment

Und folgende wenige männliche, Bösewicht,


welches auch nach der ersten gehen kann, Geist,
Gott, )rrchum, Leib, Orr, Mann, (wenn
es kein Zahlwort ist S. §. 166.) Rand, Reich-
rhum , Vormund, Wald, Wurm.
§. 185. Im gemeinen Leben und in manchen
Provinzen rechnet man noch dahin: Beet, im
Garten, Beil, Block, Brand, Darm,
Fleck, Floß, Geber, Gemüse, Ge,
mählde, Gesang, Gcschlcchr, Ge
schwätz, Gewichc, Grind, Halm, Hag,
Hemd, Joch, Ramchl, Rloß, Rlsy,
Rlump, Rreun, Rummer, Muß, pflock,
packce> Roß , Schcic, Gell, Sieb,
Strauch, Strauß, Vieh, Zelt, siel;
:, welche
,44 Th. 2. ASM. 2. Mp. Von dem

welche aber im Hochdeutschen lieber nach andern

' 186^ Da die Wörter dieser Deklination vo»,


nehmlich solche sind, an welchen man das individuelle
und distributive iu der Mehrheit durch den sehr
stark bestimmenden Biegungslaut er vorzüglich
auszeichnen wollen , so werden manche Wörter im
distributiven Verstände nach dieser Deklination gv
beuget, welche im kollektiven nach einer andern,
besonders nach der ersten gehen. Im Hochbend
sehen W man öon diesen Wörtern^' ^' '

Collect. ; -Distribut.
Band, Bande, Bänder. ....
Ding, , Dinge, Dinger.
Dsrn, Dorlttn, Dörner.
Horn, Hörne, Arten Hörner.
Horns,
Land, Lande, Länder.
Mahl, Mahle, viceg, Möhler.
Ort, Orte, . Hrcer.
Unding, Undinge. Undinger.
Testament, Testamente, Testamenrer,
. Exemplare.
N?orc, N?orce. N)örrer.
, . .
Wohin noch einige andere gehören, welche
in einer Bedeutung nach dieser, in einer andern
aber nach einer andern Deklination gehen : (ött
sichc, Gesichre, Erscheinungen, Gesichrer,
in
Substantiv. 5.V0N der Deklination. 145

m allen übrigen Bedeutungen; der Mensch,


die Menschen, das Mensch, ein verächtü
liches Weibesbild, die Menscher, der Schild,
die Schilde, zur Beschirmung, die Schilder,
zum Aushängen.
In manchen Gegenden unterscheidet man auf
ähnliche Art, Beine und Beiner, Bleche und
Llecher, blecherne Gefäße, Gemahlde und
Gemahlder, Gewichte und Gewichter,
Gesänge und Gesanger , Stücke nnd Stü
ck«, N?erke und XVerker u. s. f. wovon man
ober im Hochdeutschen nichts weiß, sondern dafür
ohne Unterschied Seine, Bleche, Gewichte,
Gesänge , Stücken und Stücke , Werke,
us. f. gebraucht; außer daß man in Obersachsen
einen unnöthigen Unterschied unter Lichte und
sichrer macht, der doch für die Schriftsprache
keiner Verbindlichkeit ist.

Dritte Declination.
Singular. Plural.
Nomin. ' Nomin.
Genit. s. Genit.
Dat. Dat. N.
Accus. Accus.

§. 187. Diese kommt völlig mit der erste»


verein, nur daß sie in der Biegungssylbe kein
e »erstattet, daher sie auch keine Biegungssylbe
für den Nominativ der Mehrheit hat, und zveitec
nichts, als den Genitiv in der Einheit und de»
Dativ in der Mehrheit bezeichnen kann. Die sich
K im
,46 i.TH.2. Absch. 2. Kap. Von dem

im Singular bereits auf n endigen, dürfen dasselbe


im Plural nicht erst annehmen. Denen auf er
im Plural noch ein e anzuhängen, Bürgermei
sters, Befehlshabere, gehöret zu den Übers
bleibseln einer alten Oberdeutschen Mundart.
§. 188. Die Wörter, welche, nach dieser
Declination gehen, sind so wohl Maskulina alS
Neutra; von den ersten haben viele, von den letzte«
aber nur einige wenige den Umlaut Es sind : i. lauter
abgeleitete auf el, er und en; 2. alle Verkleine
rungswörter auf lein und chen; z Neutra mit
den Vorsylben be und Je, und dem mildernden e
am Ende; und 4. die meisten fremden Wörter und
viele eigene Nahmen auf el, cn und er.
§. 189. 1. Abgeleitete auf el, und zwar so
Wohl Mafculina als Neutra.
Masculina. ») Mit dem Umlaute: Apfel,
-Hammel, Mangel, Mantel, Nabel, Na,
gel, Sacrel, Schnabel, Vogel.
2) Ohne Umlaut: Adel, Bakel, Buckel,
Hagel, Haspel, Hobel, Rnorpel, Rnsuel,
Marmel, Pudel, Gräpel, Strudel, T«.
del, Zobel., z
z) Des Umlautes an sich unfähige; z. B.
Ärmel, Artikel, Bengel, Beurel, Bussel,
Bügel, Bichel, Büttel, Deckel, Wel,
Engel, Lnkel, «sel, Gürtel, Gräuel,
Hebel, Henkel, Himmel, Regel, Ressel,
Rnebel, Pöbel, Scheffel, Schlüssel u. s. f.
Hierher gehöret auch das Wort Rerl, deS
Rerls, Plur. die Rerl, (nicht Rerle oder
Rcrls,) wo das bloße l so viel als el ist.
Neutra,
Substantiv. 5. Von der Deklination. 147

Neutra, alle ohne Umlaut: Achtel, Drit


tel, u. s. f. Ferkel, Geflügel, Geklingel,
Gemurmel, Geprassel, Getümmel, Ge
winsel, Legel, Mittel, Model, Schar«
müyel, Segel, Siegel, übel, Rachsel,
«nd alle übrige auf sel.
K. 190. 2. Abgeleitete auf er, und zwar st
wohl:
Maskulina. 1) Mit dem Umlaute: Acker,
Bruder, Hammer, Schwager, Vacer.
z) Ohne Umlaut, deren die meisten sind: Ach«
ter, After, Alabaster, Adler, Anger,
Anker, Bohrer, Brander, Donner,
Dorcer, Dragoner, Ganser, Hafer, Ham
ster, Hader, Junker, (im Plural nicht Jun
kern,) Rober, Marder, Raiser,. Pfarrer,
Pranger, Schober, Sommer, Tauber,
Thaler, Zuber, Zucker u s. f. Wohin auch
alle männliche von Verdis abgeleitete auf er geh«
ren, welche den Umlaut im Plural nie annehmen ?
Mahler, Schafner, Gporer u. s. f.
z) Des Umlauts unfähige: . Barbierer,
Backer, Becher, Biber, Hber, Fehler,
Finger, Splitter, im Plural nicht Splittern,
Gegner, u. s. f. Als auch.
Neutra, gleichfalls ohne Umlaut: Aben
teuer, Alter, Eurer, Fenster, Feuer,
Fieber, Fuder, Futter, Gefieder, Ge
lächter, Gepolter, Geschwader, Ge
schwister, (Gewitter, Gatter, Gitter,
Laster, Luder, Malter, Opfer, Polster
,K s. f. Den Umlaut haben nur Aioster »nd
K » Lager
6-
,48 i. Th. 2. Abschn. 2. Kap. Von dem

Lager, bey welchem letztern er doch nicht einmal)!


allgemein ist.
§.191. z. Abgeleitete auf en.
Maskulina. 1) Mit dem Umlaute: Boden,
Vogen, (beyde auch ohne Umlaut, und letzteres
allemahl, wenn es von Bogen Papiers gebraucht
wird,) Faden, Garren, Graben, Hafen,
Laden, (wenn es einen Handelsladen bedeutet,
aber Fensterladen hat keinen Umlaut,) Ofen,
Schaden. Noch mehr aber,
s) Ohne Umlaut: Alkoven, Balken,
Ballen, Sarzen, Bolzen, Bracen, Busen,
Ducacen, Fladen, Funken, Flecken,
Galgen, Gefallen, Groschen, Gulden,
-Haken, Hahmen, Hausen, Hopfen, Hu«
sten, gasten, Rarpfen, RIoben, Rno»
chen, Rnorren, Rnollen, Rüchen,
Rragen, (auch mit dem Umlaute,) Lappen,
Letten, Lumpen, Morgen, VZacken,
Murzen, Orden, Possen, Rasen, Regen,
Rogen, Scharren, Scherben, Schlittens
Schnuppen, Segen, Sparren, Scollen,
N?agen, (auch mit dem Umlaute,) Zapfen.
z) Oes Umlauts ohne hin unfähige: Degen,
Besen, Bissen, Felsen, (welches, wenn es
Fels, lautet, auch nach der vierten gehet,)
Schmerzen, (welches auch nach der fünften ge«
het,) Leisten, Lärmen, Schrecken, Rie
men, weihen, u. s. f. '
Neutra , alle ohne Umlaut : Almosen,
Becken, Wsen, ZüUen, Rüssen, Lehen,
Tressen, rvapen, Zeichen, Gebrechen,
Substantiv. 5.V0N der Declination. 149

Verbrechen, und alle Infinitive, wenn sie als


Hauptwörter gebraucht werden.
K. 192. Im Oberdeutschen bricht man fast alle«
Männlichen Wörtern auf en die Ablejtungssylbe
ab, und bieget sie alsdann nach der folgenden
Vierten Declination: Garr, Brar, Ducar,
u. ^. f. Diese Form ist auch im Hochdeutschen
so ganz ungewöhnlich nicht , wo man noch verfchi«
dene zuweilen so gebraucht findet; Brunn,
Daum, Fels, Gaum, Rlump, Lärm,
Nurz, Rahm, Reiff, Riem, Seriem,
Gcreiss, für Brunnen , Daumen u. s. K
welche aber alsdann gleichfalls der folgenden die«
ten Declination folgen müssen.
Noch lieber pflegt man einigen solcher Wörter
im Hochdeutschen das mildernde e anzuhängen, und
sie alsdann nach der fünften Declination zu biegen,
welche eigentlich aus solchen Wörtern entstanden
ist. S. diese Declination.
§. 19z. 4. Alle Verkleinerungswörter aufchen
und lein, welche im Plural keines Umlautes fähig
find , auch da nicht , wo er Hey der Ableitung un»
terblieben ist: Rnäbchen, Mädchen/ Göhn-
chen, Mäulchen, Rindlein, Söhnlein.
Den Plural der Wörter diefer Art auf cher nach
der zweyten Declination zu machen, Mädcher,
ist nur einigen gemeinen Mundarten eigen.
§. 194. 5. Alle Neutra mit den Vorshlben be
und ge, welche um des gelinden Hauprlqutes am
Ende willen, das Hochdeutsche mildernde e erfor,
dern: Beschläge, Eingeweide, Ge
binde, Gebirge, Gemählde, Gebäude,
K z , Gefälle,
55« I. Th. 2. Absch. 2. Kap. Von dem

Gefälle, Gelübde, Gedinge, Gefolge,


Gebläse, Gemüse, Gestade, Gewinde,
Geschineide , Gedränge, Gepränge,
Gesinde, Geröfe, Gekröse, Geleise>
Geschiebe, Gerreide, Gefilde, Ge
webe, Gewerbe, Gewölbe, (auch nach der
sten,) Gehäge, Gehäuse, u. s. f.
Hierher gehören noch das Erbe, ein erbli?
ches Grundstück, ein Erbtheii, das Ende, wenn
«ö allenfalls von Arten des Beschlusses gebraucht
wird, denn von dem Letzren eines körperliche»
Dinges gehet es nach der sechsten, und das männ
liche der Rask
§. 195. 6. Viele fremde Wörter und eigne
Nahmen aufein unbetontes el, en und er: Apo«
fiel, Engel, Discipel, Rapicel, Mirakch
preussen, Schweden, Baiern, Spaniens
Asien, Persien, Schweitzer, -Holländer,
Charakter, Magister, Minister, Diam»
ter u. s. f.

Vierte Declination.
Singular. Plural.
Romin. Nomin. en oder«.
Genir. en oder N Genit. en — N. '
Dat. en — n Dat. en — n.
.Accuf. en — n Accusi en — N. ^

§. 196. Diese Declination bestehet aus lauter


männlichen Wörtern ohne Umlaut, ingleichen auS
lauter Wurzelwörtern, welchen zum Theil nur das
Mildernde e im Nominativ angehänget worden, d«
Substantiv. 5. Von der Deklination, izi

her sie statt des en nur eines bloßen n bedürfen. Den ,


Accufativ dieser Deklination dem Nominativ gleich
zu machen, den Held, den Fels, den Fürst,
kann nur zuweilen den Dichtern übersehen werden.

§. 197. Nach dieser Form gehen: r. Mann«


llche Wörter mit dem Hochdeutschen mildernden e
am Ende, welche daher in der ganzen Declination
mir ein n annehmen dürfen: Asse, Barde,
Loche, Bube, Buhle, Bulle, Bürge,
Drache, «rbe, Falke, Farre , Finke,
Gatte, Gefährte, Gehülfc, Genosse, (auch
nur Genoß,) Gespiele, Görze, Hase, -Heu
de, Hirre, (oder nur Hirt,) Junge, (S. auch
diente,) Rnabe, Rnappe, Runde, Lasse,
Laie, Löwe, Nachkomme, Neffe, Ochse,
parhe, Pfaffe, Rabe, Rappe, Riese,
Schenke, Scherge, Schulze, Schurke,
Gchüize, Sclave, Trappe, Waise, Zeuge.
Ausgenommen ist hier nur Bursche, welches i«
Plural gemeiniglich Bursche für Burschen hat.

Dahin auch viele Volkesnahmen, welche sich


nicht anf er endigen, und im Hochdeutschen vas^
mildernde e erfordern : Böhme, Britte, Dane,
Finne, Franke, Franzose, Grieche, Hesse,
Jude, Irre, Lette, Pohle, Portugiese,
preusse, Russe, Sachse, Schotte, Schroa,
be, Schwede, Slave, Türke, Wende.

§. 198. 2. Mannliche Wörter ohnediefes e:


Bär, Brunn, (besser Brunnennach derzten,)
K 4 Zels,
«5? i. Th. 2. Abschm 2. Kap. Von dem

Sels, (besser Selsen, z.) Fürst, Geck, Ge.


sell, Graf, Hagestolz, Geld, Herr, (im
Dativ der Einheit gemeiniglich nur Herrn für
Herren, aber ohne hinlänglichen Grund,.)
Mensch, Mohr, Narr, Nord, Ost,
Pfriem, ftuch Pfriemen z ) Prinz, Psalm,
(auch nach der iten,) Süd, Schuldheiß,
Schulz, Greinmerz, der Thor, Vorfahr,
West, Zehenr.

Jngleichen die meisten fremde auf ant, sr,


«st, ar, enr, er, ist, ir, oß, ot u. f. f.
welche den Ton auf der letzte Sylbe haben : Ada-
mic, Advocsc, Atheist, Basilisk, Bassist,
Darbar, Candidac, Carholik, Chiliast,
Client, Deist, Dissident, Elephant, Husar,
Hujslt, Jesuit, (nicht Iesuicer.) Lackey,
N?onarch, Patriarch, Prälat, profoß,
Poet, Soldat, Starost, Gcudenc, Ty.
rann. Denen daher auch kein e anzuhängen ist.

Wie auch viele Volkesnahmen, deren letzte


Sylbe betont ist, und welche das mildernde e noch
nicht angenommen haben, Sosniak, Heida,
mak, polak, (besser Pohle,) Raimuck,
Israelit, Rroar, Rosak, Malabar, Raixz,
Ulan.

§. 199. Wer an den Wörtern auf en der


Vorigen Declinatio», nach dem Muster der Ober,
deutschen die Ableitungsfylbe, verbeißt, Daum,
Gaum, Valk, Ducar u. f. f. der muß solche
Wörter nach dieser Form abändern.
Fünfte
Substantiv. 5. Von der Declination. 15z

Fünfte Declination.
Singular. Plural.
Nomi». Nomin. en.
Genit. ens. Gcnit. en. .
Dat. en. Dat. en.
Accus, en. Accus, en.
§. 260. Diese ist aus den beyden vUigen
Leclinationen entstanden, und der Hochdeutschen
Mundart vorzüglich eigen. Sie begreifst eigentlich
solche männliche Wörter auf en, denen man im
Oberdeutschen im Nominativ die Ableitungssylbe
genommen, wofür man ihnen nachmahls im Hoch
deutschen zur Vermeidung der Härte das mildernde
e gegeben hat.
S. 20 1^ Sie ist daher auch nur schwach, und
die vornehmsten hierher gehörigen Wörter sind:
Sriede, Funke, (auch nach der 4ten,) Fuß,
stapfe, Gedanke, Glaube, Hirre, (auch
nach der 4ten,) Hausse, der Junge, Rnabe,
(auch nach der 4ten,) Nähme, (Plur. Nah,
men, nicht Nähmen,) Same, Schade,
(im Plural die Schäden , das einige mit dem
Umlaute,) und Wille. Alle diese lassen sich mit an
gehängtem n auch nach der dritten Declination
biegen, ob sie gleich in jener Gestalt am üblichsten
find.
H. 202. Von andern Wörtern ohne End e
sind -Herz und Schmerz, die. einigen, welche
mit GewißhMt nach dieser Declination gehen, nur
daß Herz a^ ein Neutrum im Accusativ der Ein.
heit nicht das Herzen, sondern das Herz,
K 5 lautet
154 r. Th. 2. Abschn. 2. Kap. Von dem

lautet , und Schmerz auch nach der erste«, mit


angehängtem en aber auch nach der dritten gehe«
kann. Suchstab, welches gemeiniglich auch
hierher gezogen wird, läßt sich auch nach der ztey
«banöern.

Sechste Deklination.
! 5 Singular. ' ' Plural.
Nomin. Nomin. en, n.'
Genit. es, s. Genit. en, N-
Dat. e. Dat. en, n.
Accus. Accus, en, N.
§. 2oz. Diese entlehnt den Singular vo»
der ersten oder dritten und den Plural von der vier
ten Deklination. Der Genitiv hat daher es, und
der Dativ e, in solchen Wörtern, welche imSingu,
lar nach der ersten, und der Genitiv s und der
Dativ nichts, in solchen, welche nach der dritten
gehen sollten. Die sich schon auf ein e endigen,
haben im Genitiv ohnehin nur s. In See wird
in der Abänderung ei« e weggelassen, und das
Wort doch zweysylbig gesprochen, des Se-es,
dem Se-e, die Se-en.
§. 204. Im Genitiv es und im Dativ e,
und im Plural en haben, das Verc, der Daum,
(auch nach der 4ten oder der Daumen, nach
der zten,) der Dorn, collective, (distributive
nach der sten,) das Gliedmaß, (auch nach der
iten.) Hagedorn, der Halm, coHective, (distrü
butive nach der lten) das Hemd, (in manche«
Gegende» nach der Uen oder 2ten,) das Vhr,
der
SltWtltiv. 5. Von der Declinatiott. 1 55

der(Kuast, (auch nach der tten,) der See, ^


der Sporn, der Staat, bürgerliche Verfaft
s«»g, der Strahl, das Srück, wenn eS
ein Geschütz bedeutet, sonst nach der ersten, der
Zierach.
Und von fremden: Astert, Bataillons
ilsdecc, (besser nach der 4ten,) das Concor-
dac, der Carolin, X auch «ach der iten,) der
Diamant, das Apigramm, (auch nach der
ien,j der Impost, das Insecc, das Juwel,
der Rapaun, (auch nach der iten und 4ten,)
Patron, (auch nach der iten,) Psalm, (auch
»och der iten und 4ten,) Rubin, das nur im
Plural gebräuchliche Ruinen, Thron, Unrer-
chan. '
K. 205. Im Genitiv hingegen s , im Dativ
nichts und im Plural n haben: der Bauer, das
Auge, das iLnde, das Letzte an einem körperli
chen Dinge, Zlitter, (auch nach der zten,) der
Gevatter, (auch nach der 4ten,) der Hum-
ber, (auch nach der zten,) der Hader, ein
kappen, der Nachbar, der Pantoffel, der
Stachel, der Stiefel, (auch nach der zten,)
der Vetter.
Und von fremden der Ramerad, welches
doch im Plural Rameraden hat, der Lorber,
der Muskel, der Satyr; ingleichen alle Lai
Kintsche auf ein unbetontes or, wenn das o im
Plural lang wird , die aber nochwendig en haben
müssen, der Döcror, des Doccors, die
dvctoren. So auch,. Autor, Pastor, Can-
> ror.
,56 1. Th. 2. Abschn. 2. Kap, Von dem

tor. Hat aber or den Ton, Castör, so gehen sie


nach der ersten. : , ,
Jngleichen einige Volksnahmen, der ZZaier,
des-s, plur. diem; der Bärbar , ein Pferd,
aus der Barbarev, des-s, plur. die-N; der
, «Tarrar, des-s, plur. die-n, selten die T^ar«
raren; der Ungar, des-s, die n, aber auch
des-n, diem, nach der vierten; der Raffer,
aber auch nach der vierten ; der Bulgar.
§. 206. Irrig werden zu dieser Declination
gerechnet, Docrer, Schlüssel, Splicrer,
Reim, Sinn, Scaar, Ziegel, Mast,
Trupp, Scorpion, Mond, Junker,
Schwan, Grern, Fasan, Fels, u. s. f.
welche richtiger nach andern gehen. Wenn viele
auch d«6 Wort Zins nach dieser Deklination dies
gen, so rühret solches daher, weil sie der Zins,
des-es, pl. die-e, mit die Zinse, xl. die-n,
verwechseln.

Siebente Declination. ., ,
Singular. PkurcE
Nomin. Nomin. en, N. . '
Genit. Genit. en, N.
Dat. Dat. en, n.
Accus. Accus, en, n.

K. 207. Diese und die folgende Deklination


enthalten lauter weibliche Wörter; beyde bleiben
im Singular unverändert, und unterscheiden sich
nur im Plural, wo die Wörter dieser Declination
die Mehrheit durch en oder n ausdrucken, und
keines
Substantiv. 5. Von derDecllnatkon.?57

keines Umlautes fähig sind, dagegen die in Kerfol«


geoden nur den Laut e annehmen, aber das Man«
«elhafte desselben durch den Umlaut ersetzen.
§. 208. Ehedem nahmen die Wörter dieser
Deklination im Genitiv und Dativ gleichfalls en
oder n an, welche alte Form sich an manche«
Wörtern noch im Hochdeutschen erhalten hat : der
Schlangen den Ropfzercreren, unserer lie
ben Frauen, von der wiegen an, der
Seelen Seligkeit, der Röntg der Ehren,
z»r Hollen fahren. Besonders in solchen Fäb
len, wo der Artikel fehlt, die Endung desto bestimm
ter zu bezeichnen : auf Erden, mir Freuden,
zu Schanden werden, von Seiren des
Feindes, in Gnaden. Wo diese veraltete
Form noch allgemein ist, da muß man sie freylich
behalten, nur muß man sie nicht nachahmen.
S. 209. Die Wörter, welche sich auf e, el
und er endigen , nehmen im Plural nur ein n,
alle übrige aber en a». Die auf ec und ie b«
kommen gleichfalls nur N/ sprechen aber dafür
den vorher gehenden gedoppelten Hülfslaut zwey«
sylbig aus, die See, dieSe-en; die Poesie,
die Poesien.
S. 2:0. Ein bloßes n haben also :
1. Dle auf ein weibliches e : Accise, Achse,
Ähre, Amarelle, Ameise, Amme, Anke,
Änre, Arche, Aue, Bahre, Base, Be
gierde, Behörde, Beschwerde, Brosame,
Bestie, Sacke, Bande, Beere, Baule,
Biene, Binse, Birke, Blume, Blürhe,
Bohne, Buhne, Bürde, Dicke, Docke,
Dose,
558.5. Th. s. Abschn. 2. Kap. Von dem

Dose,^bbe/Lidechse,Fuhre,Furche,Gemse,
-Herberge, Pfarre, Sache/ Schule,
Niere, Historie, Mittwoche, Welle, Zehe,
und andere mehr. ,
,. Einheimische und fremde weibliche auf ee,
fremde auf ie: die See, Armee, Allee,
Akademie, Phantasie, Harmonie.
z. Weibliche aufel: Achsel, Annel, Am
sel, Bibel, Deichsel, Distel, Eichel, Fa
bel, Fackel, Fidel, Gabel, Gurgel, Hechel,
Insel, Ranzel, Rugel, Muschel, Na
del, Schachrel, Semmel, Spindel,
Zwiebel, u. s. f.
4.Weibliche auf er : Ader, Ammer, Au
ster , Blatter, Dauer, Feder, Folrer,
Jungfer, Rammer, Riefer, pinus, Rlaf-
ter, Rlammer, Leber, Leiter, Leiter,
Lorber, (aber der Lorber geht nach der «r.
sie«,) Marter, Maser, Mauer, Nacrex,
Scheuer, Schulter, Schwester, Ziffer,
Zeder., ,,- ^ ,^ , ,
K. sii. Hingegen haben en: :..
i. Einfache und zusammen gesetzte weibliche
Wurzelwörter, abgeleitete mirVorsylben: Absicht,
Andacht, Anstalt, Antwort, Arbeit, Arr,
Bahn, Birn, Beicht, Brut, Cur, Dirn,
Fabrc, Flur, Frau, Jungfrau, Geburr,
Gefahr, Gestair, Heurarh, Jagd, Last,
List, Nachtigall, Pflicht, Predigt,
Qual, Ssar, Schicht, Schlachc,
Schnur, n.urü,s, . Schgifr , Schulv,
Spur,
Substantiv. 5. Von der Declinatlon. «59

Spur, Stirn, ThcU, Thür, Trift, Welt,


Zahl, Zeit, u. s. f.
2. Abgeleitete mit Endsylben ? a) aufend, Ge,
gmd, Tugend, b) Auf ey, Fischerey, Die,
berev/ Gasterey, Licane^. Auf heic,
Begebenheit, Bosheit, d) Auf inn, Bar
nim, Röniginn, Hündinn. e) Auf keic,
Billigkeit, Seligkeit, Herrlichkeit, f) Auf
sal, doch nur Drangsal und Trübsal. Die
im Hochdeutschen üblicher« Plurals Drangsale
und Trübsale, scheinen von das Drangsal,
das Trübsal zu feyn. g) Auf schaft, Be
kanntschaft, Gesellschaft, h) Verbalia auf
ung, Achtung, Begegnung, Beleidi,
gung, Belagerung.
z. Viele fremde weibliche, besonders solche,
welche den Ton auf der letzten Sylbe haben : Na,
cur, Figur, Majestät, Manier, Ooser,
vanz, Provinz, (nicht provinziell,) Con,
cordanz, Musik, Person, u. s. f.
§. 212. Ausnahmen machen: l. Mutter
»nd Tochter, welche statt des Oberdeutschen
Plurals Murrern und Töchtern im Hochdeut,
scheu Mütter und Töchter haben. 2. Die
Fasten, welche im Singular und Plural unvercin,
dert bleibt; im Oberdeutschen lautet der Singular
richtiger die Faste, z. Von Geschichte sollte
der Plural Geschichten lauten ; allein im Hoch,
deutschen ist Geschichte gewöhnlicher, ohne Zwei
fel, weil man die Geschicht, plur. die-e, nach
der folgenden achten Form gebildet.
Achte
1 6o i. Th. 2. Abschn. 2. Kap. Von dm

Achte Deklination.
Singular. ' Plural.
Nomin. Nomin. e.
Genit. Genit. e.
Dat.' Daten.,
Accus. Accus, e.

§. uz. Hierher gehören alle übrige weibliche,


welche im Plural nur e annehmen, aber dafür
den Umlaut bekommen. Leinwand ist das einige,
welches denselben nicht verstattet. Der Dativ in
der Mehrheit hat en, und im Oberdeutschen
nimmt auch der Genitiv im Plural diese Endung
an. , ^ »
§. 214. Die Worter, welche nach dieser
Declination gehen, sind.
r. Wurzelwörter : Axt, Armbrust, Aderlaß,
Bank, Braur, Burg, Brust, Zaust,
Fluchr, (Ausflüchte,) Frucht, Ge
schwulst, Gans, Gruft, Hand, Haut,
Rluft, Rraft, Runst, Laus, Luft,
Leinwand (ohne Umlaut,) Lust, Magd,
Maus, Nachr, Nähr, Noch, Nuß,
Sau, Schnur, 6lum, Schoß, Sradr,
Srarr, wand, Wurst, Zunft.
2. Abgeleitete: a) Auf' st, t, ft: Angst,
Brunst, Mache, (Vollmacht, Ohn,
macht gehen nach der siebenten, ) Runft in
Einkünfte, Runst. b) Die weiblichen auf
ß, Siehe K. 149.

§. 215.
Substantiv. 5. Von ber Declination. 161

o ^ 4>
§. K5. Daß nicht alle Wötter d?r Deut^
schen Sprache in Heyden Zahlen zugleich gebraucht
«erden können, erhellet schon aus dem, was bey
der Lehre von dem Plural davon gesagt worden.
Mein es gibt auch Wörter, welche nicht in allen
Verhältnissen üblich sind , folglich nicht alle Casus
haben, ob sie gleich selbige haben könnten; z.B.
Fug, mir Fug und Recht; im Schwange
seyn, in den Schwang kommen; ohne
meinen Bewußt, mir meinem Vorbewußt;
sich in Achc nehmen, erwas aus der Acht
lasten ; der Plural Ängste, in Ängsten seyn ;
in Rindesnörhen ; den Bedacht wohin
nehmen; bey seinen Lebzeiten; nn Saust
und Brause leben; ohne Enrgcld; ohne
Falsch; in die Harre; in allem Betracht;
Herz, wenn es Much bedeutet, wird nur im
Nominativ und Accusativ gebraucht; und viele
andere mehr , welche nur in einer oder der andern
Redensart üblich sind, übrigens aber nicht weiter
gebraucht werden können.
§. 216. Wenn Wörter substantive gebraucht
werden, welche sonst nicht als Substantiv« üblich
sind, so sind sie auch keiner Declination fähig,
sondern sie bleiben durch alle Casus unverändert.
Die Wichtigkeit des Mein und Dein;
au>diese Ia und Nein; ein Lr und eine
Sie; alle diese Nichts; sein theures Ich.
Dahin gehören auch diejenige« Zusammensetzungen,
deren letzte Hälfte eine Partikel ist, ein Tauge-
t nichts,
l62 l.TH. 2. Abfchn. 2. Kap. Von dem

Nichts, (Gernegroß, NunmerAr, das


oder der Garaus, der RehraM, das
Schabab u. s, f. ^
§. 217. Manche Wörter werden in verschied«
nen Bedeutungen auf verschiedene Art declinirt.
Außer denenjenigen, welche schon bey dem Plural
und bey den Deklinationen vorgekommen, merke
man noch folgende: der Band, die Bande,
das Band , die Bande und die Sander ;
die Bank, die Bänke, Kamna, und die
Zöanken, von Geldbanken ; der Bär, des-en,
die-en, oder des-es, die-e, und der Bär, pl. die
Bäre,Dämme, ingleichenWerkzeuge zum Schlagen'^
der Bärbar, des-s, z>I. diem, ein Pferd anS
der Barbarey, und der Barbär, dessen?
die-en; der Bauer, des-s oder -n, und die
Bauern, rutticus, der Arbauer, die Ar
bauer, das Bauer, die Bauer; das Berc,
die-e, und die Betten, von cinzelen Stücken ;
der Bogen, die Bögen, arcu«, aber die
Bogen, von dem Papiere; das Ande, die
Ande, aber die Anden, am Ende abgeschnw
tene Stücke; die Acke, die-n, das Sechseck,
Vieleck u. s.f.di.e-e; der Druck, die Drucke,
aber die Eindrücke, Abdrucke «. s. f. der
Rrystsll, die-e, Arten des Krystalles, aber
die Rrystalle, die-n, eckig angeschossene Kör«
per; der Laden, die Fensterladen, aber
die Rramläden; die Macht, die Machte,
aber die Vollmachren, Ohnmächten; die
Nacht, dieNächre, aber die N?eihnachcen;
die Sau, die Säue, aber die Sauen, von
wilde»
Substantiv. 5. Von der Deklination. 16z

wilden Schweinen; der Stab, die Stöbe,


ober die Buchstaben; der Strahl, diesen,
aber der Dreystrahl, die-e; der Stahl, die
Stahle, Arten Stahls, aber Stahle, stäh
lerne Werkzeuge; das Stück, die-e, aber Vis
Stücken, Kanonen.
§. 218. Von «hnlicherArt sind die mittNätttt
zusammen gesetzten Wörter, von welchen einigt
im Plural— manner, andere — leme, andeM
beydes zugleich habe«. Man Merke davon: ^r«
öeüte ist ein CollettivllM , welches Mehrere Pett
sdnen von unbestimmter Anzahl, ohne Unterschied
des Geschlechts, und von niedrigem Stande bezeich,
»et, daher man eS nie braucht, wenn «SN bott
Personen mit Achtung spricht. Arbcltoleure,
Verrelleure, Fuhrleute, Miethleuce,
Amrleure u. s. 5 2. Wenn man also mit AchttmK
spricht und ausdrücklich Personen Mcinnlichen Ge^
schlechts verstehet, so macht man den Plural mit
—Männer, Amtmänner, Hauptmänner,
Raufmänncr, Schiedsmanner, Hofmäw
ner. Nur für Edelmänner ist iLvclleuce
üblicher, z. Wenn zugleich der Begriff Mnulicher'
Vorzüge und Eigenschaften mit eintrit, muß die5
ser Pkural gleichfalls gebraucht werde«, Stttar^
Männer, Rriegesmanner, B«Vermä!mcr,
Ehemänner, Tochrermänner. Jngieichenl
4. wenn ausdrücklich Personen Männlichen Ge
schlechts bezeichnet werden sollen, Berrel'mam'
ner, zum Unterschiede von BettelweiberN. 5.'
Da Leute als ein CoUeetivum keine bestimmte'
Zahl vor sich leidet, so kann man auch nicht sage»,
« « Vre?
164 i. Th. 2. Abschn. 2. Kap. Von dem

drey Fuhrleute, zwey Beccelleuce, sechs


Zimmerleure — u. s. f. sondern männer.

b. Declination der fremden allgemeinen


Nahmen. ,
§.219. Fremde Worter müssen nie ohne die
höchste Noch mit in die Deutsche Sprache gemischet
Werden ; da man sie aber, besonders in den Kün»
Ken und Wissenschaften nicht ganz entrathen kann,
soHn',,ß man sie, wo es möglich ist, nach Deutscher
Art zu decliniren suchen. Wenn aber dieses g«
Gehen soll, so müssen, besonders die Lateinischen und
durch das Latein zu uns gekommenen Griechische»
Wörter erst tüchtig gemacht werden, deutscheBiu
gungssylben anzunehmen.
. §. 22o. Die Griechischen und Lateinischen
Wörter haben außer ihrer Ableitungssylbe oft noch
eine eigene Biegungssylbe für den Nominativ;, z.B-.

capell ätt vis , nor-arius, wo die letzten Sylben


Biegungs « die vorletzten aber Ableitungssolben find.
Die Ableitungssylben gehören wesentlich zu dem
Worte, dürfen also nicht weggeworfen werden;
allein die fremden bloßen Biegungsfylben müssen
nothwendig erst weggenommen werden, wenn ei«
Wort nach der Art einer andern Sprache gebogen
werden soll. Oft ist die Biegungssylbe zugleich
Ableitungssylbe, ^IsFisr er, minilr-er, eism-e»,
nnm en, iisc.n?, Fen-us, e»re er, fur-um,und dann
kann sie gleichfalls nicht weggeworfen werden.
Wenn man diefen Unterschied nicht beobachtet, so
wird
Substantiv. 5. VonderDeclination. 165

wird man nie vor Barbarismen in einer oder der


andern Sprache sicher seyn.
§. 221. Zwar läßt sich in manchen Fallen
die fremde Ableitungssylbe durch eine Deutsche er/
setzen. So hat man aus kebri« und pulvis,
Fieber und Pulver gemacht; so sagt man Idee/
prose, Kime, Materie, Msryone, für
iäes, Prosa, linea, msrerjä, rnsrronä, ob/
gleich diese zunächst aus dem Französischen zu uns
gekommen zu seyn scheinen. Am üblichsten ist die/
ses in den Volks -und Sectennahmen , Apicu,
r«er, Sadducäer, Galiläer, Achenienser,
für Tvicuräen», ^säclucaeus, Lulilseus,
^rkeniegil«; ingleichen in den Endungen ulus,
uls, ulum, wo sich die Lateinische Ableitungs
sylbe ul mit der nahe verwandten deutschen el
vertauschen läßt, Label, Matrikel, Mira/
kel, Artikel. Allein wo der Gebrauch, der
hier freylich nicht allemahl mit der gehörigen
Einsicht zu Werke gegangen ist, dergleichen nicht
eingeführet haj, da muß man dergleichen nicht
von Neuem versuchen , weil ein fremdes
Wort mit einer Deutschen Ableitungssylbe eben
ein solcher Zwitter ist , als ein Deutsches mit einer
Lateinischen oder Griechischen. Daher beleidigen das
Physiker, Historiker, Chemiker, Pracriker
K. s f. einiger Neuern so wohl die Reinigkeit beyder
Sprachen , als den Geschmack und dasDehSr.
H. 222. Wohl aber läßt sich/Wach dem Mu
ster der Franzosen, bey manchen Wörtern ein
Hauptlaut aus den Biegungssylben in den Casibus
obliquis herauf nehmen, um den Nominativ da-
L z durch
l66 i. Th. 2. Absch. 2. Kap. Von dem

durch vollständig zu machen, da denn zugleich der


Ton auf die Endsylbe gelegt wird. Dieß findet be
sonders mit dem n und t in den Lateinischen Wör«
kern auf o, io, ens und sns Statt? Sermon,
Proportion, Client, Csnsonanr, von Isr.
«no, onis, ^r«r>ortio, oni«, cUens, ti8. .

§. »?z. Wenn sich nun die Biegungssvlbe


im Nominativ von einem Worte wegwerfen , oder
die Ableitungssylbe durch eine gleichbedeutende
Deutsche ersitzen läßt, so kann das Wort alsdann
nach einer der acht Deutschen Deklinationen gebo,
gen werden/ wobey doch hin und wieder einige
Abweichungen vorkommen. Hier ist ein Verzeich,
fitß der vornehmsten Lateinischen Cndsylben, sowie
der Gebrauch sie zur Deutschen Biegung geschickt
gemacht hat, mit beygesetztev Deklination, nach
welcher sie im Deutschen gebogen werden.
a, i) Weibliche BiegungssWe an Wurzelwöp,
tern, weggeworfen (pl.. en, VII.) Form,
Norm, s) Ableitung«- und Btegungsfvlbe zu,
gleich, in e verwandelt, vermuthlich nach dem
Französischen, (?1 n, VII ) Summe, prose,
Gecunde, Minute, Gatyre, Pr«?
bende, Glosse, Secte, Linie, Liste,
Masse, Materie, Makrone, Columne,
Clause, Collecte. ,
>«, weibHhe Biegungsjhlbe in Wörtern, die
nur im Plural üblich sind, in en, (VII) Ex«
Pensen, Impensen, Bxequien, Reliquien,
ViZilien, pqnvecren.
«ou»,
Substantiv. 5.V0N derDccllnatlon.167

seus. m Volks - und Sectennahmen, in äer,


(Iii.) Epicuräer, Hebräer, Manichäer,
Gadducaer.
»!s, zuweilen ils, Neutra, in äl, aber nach
verschiedenen Deklinationen, r) Nach der ersten :
Cordial, Choral, (Choräle,) Gracial,
Ideal, Arsenal, (pl. ale,) Manual, Pedal,
Memorial, Original, (Quartal, Signal,
pönal. 2) Nach der zweyten, -Hospital, z)
?Kr. im: Capital, Capiralien, und die nur
i» Plural allein üblichen Copialien , Curia>
Ken, Formalien , Repressalien, persona,
lien, Regalien, Mobilien, Bachanalicn.
«Iis, in Hl, (es, e, I.) Cardinal, Canal,
Ziscal, alle drey mit dem Umlaute, Ofsicial,
Principal, Sensal, Filial, General,
Plural.
ans und ens, in cuit und ent. 1) Diemei,
ffen(en, en, IV.) Adjutant, Arrestanr, Cas
lumnianr, Communicanr, Rsmödianc,
Conssnanc, Duellant, Expeccanr, Oua,
dranr, Exulant ; Client, parienr,prüsidenc,
Agent, Student, Regent, u. s. f. 2) Einige
wenige es, e, I. Orient, Occidenr.
sntis, eutis, incis, in anz, enz. 1) Mcinns
«che, (es, e, I.) der Reverenz. 2) Roch mehr
weibliche, (en, nicht ien, VII.) Csncsrdanz,
Distanz, Audienz, Conferenz, Excellenz,
Eminenz, Essenz, Residenz, Scienz,
Provinz, Instanz, von welchem doch der
Plural Instanzien für Instanzen sehr gemein ist.
L 4 , »uus.
, 68 i. Th. 2. Mschn. 2. Kap. Von dem

SNUL, inus, NNU8. l) Jnän, m, ön,


(es, c, I.) CasteUan, Capellan, beyde mit
dem Umlaut, Sacellan, Sacristan, Suf-
fragan, Decan, Vcean, Ramin, Aurin,
Termin, Delphin, Rubin, Patron. 2. Volks«
Secten - und Classennahmen, inaner, iner (III.)
Italiäner, von Irslisnug, oder Italiener,
unmittelbar von Italien, Republikaner, So»
cinianer, Arianer, Lutheraner, Wolsia«
ner, Primaner, Secundaner, Vetera,
ner, besser Veteran; Florentiner, Oene«
dicriner, Capuciner, Liberriner. z) Der
Rsbbine, des-n pl. dien, geht nach der drit.
ten, und ist besser als Rabbiner.
»r, sre, ar, (es, e, 1) Exemplar, Low
mular, Altar, welches allein den Umlaut hat.
»rcKa, inarch, (en, en, IV.) Monarch,
Patriarch, Scholarch, Häresiarch.
sris, mär, (en, en, IV.) Scholar, Ca«
pirular, Domicellar. 2) es, e, Singular.
srium, erium, irium, in ar, er, ier,
1) es, e, I.) Salar, Inventar, Rlystier
von cl> lienum, Elixier, von slexirium, ZZre»
vier. 2) III. Aalender.
srms. i)Jn ar, (es,e, I ) Emissar, Ar«
chivar, Missionar, Notar, Januar,
Februar, Vicar, Secrecär, Dromedar.
2) Volks, und Sectennahmen in arier, (III.)
Ancirrinicarier. z) In ier, (III.) vielleicht
nur Almosenier.
«ttes, stt«, Ma, Amts -Secten- und Classen-
nahmen, in ast. ist, (en^ en, IV.) Chiliast,
, Lnrhu,
Substantiv. 5. Von der Declmation.169

Lnchufiast, Phantast, piast, Colonisc,


Vchst, Atheist, Evangelist, Jansenisr,
Pietist, Faculnst.
«tum, «tum , uwm, in äc, er, ür, (es,
e, I.) Legat, pradicat/ Deputat, O,ua-
dmr, Resultat, Reservat, Allegar, Man-
dar, placac, Postulat; Decrec, Alpha,
bet, Amulec; Convolur, Statut, Tribut.
«tu8, der sten Lqt. Declin. männliche Verhält-
Oahmen, in ät, (en, en, IV.) Advocat,
Agnat, Collegiac, Castrar, pocenrar,
Zmpecrar, Renegar, Stipendiat, Li-
ttnciar.
stus , der 4ten Lat. Declin. welche im Deut,
schm bald männlichen, bald sächlichen Geschlechts
D, (es, e, I.) der Magistrat, äce, Comi.
m, Cölibar, Oruar, Senat; das Docco-
rar, Majorat, Seniorar, Reccorar, Pa
storat, pacriciar.
Kr», bris, in ber, (III.) Caliber, Sep-
lember, Ocrober, November, De-
cember.
örus, ära, ärum, in der. i) Männliche
M.) Cylinder, der Rarheder, Coriander,
Salamander. 2) Weibliche (VII.) die Le
der, dieRarheder.
«es, ic«, in ek, ik, (en, VII.) Biblio
thek, Fabrik, Rubrik, Duplik, !Lrhit>
Logik, Optik, Mechanik, Republik,
Rolik. Apotheke nimmt noch eine an.
ei», in el, (en, VII.) Curare!, Tau.
tel, Tutel. . , ^
>7« i. Tl). 2. Absch. 2. Kap. Von dem

ems , om», in em, Sm, (es, e, I.) Apo


steln, Diadem, Emblem, Problem, Sy
stem, Axiom, Diplom, Idiom, Symptom.
So auch andere Griechische Neutra auf s, welche
es, so fern es bloß Biegung ist, wegwerfm können,
Anagramm, Epigramm. ^
enlls, Volks,Orts5 und Ordensnahmen, in
enser, (III.) Achenienser, Carchaginensex,
prämonstrarenser , Cistercienser. Von
neuern Orten braucht man diese Ableitungssylben
nur, wenn keine andern Statt finden, Hallen
ser; aber für Jenenser könnte man sagen Je
naer.
enwm, in enc. i) Nach der l Argument,
Documenr, Ligmenr, Experin,enr , Ex,
cremenc, Instrument, Pergament, Aver«
rissemenc , Experiment , Medicamenr,
Sacrsmenc, Testament, Element, Fir«
mamenc. 2) Pl. er, II. nur einige, Regiment,
Parlament.
et», irs, ors, st«, eres, itus. !) In at,
ec, ir, sc, (en, en IV.) 'Magnat; Anacho«
rec, poer, planet, Romer, Carechec,
Magnet, (bey einigen I. ) Prophet, Den,
drir, Selenic, Malachit, Eremit, ö.e-
vir, Minoric, Adamic, proselyc; Idiot,
Patriot, Pilot. 2) Einige Volksmnd Ordens
nahmen nehmen noch ein überflußiges er, an so wie
die Lateiner in 8ämsr.it.an.us, OonltanUri«.
xol.it'sn.us, u. s. f. gleichfalls zwey Ableitungs
sylben lusammen setzen, Ssmaxirer, Epbrae»
mirer, Johanniter, i. Cgrmelirex. Allem
Substantiv. 5. Von der Declinatlon. 171

«0 dergleichen nicht schon hergebracht ist, muß


man es nicht versuche»; also nicht Jesuit« son
dern Jesuit.
is, «eibliche der Einheit/ r) Ehedenrln
ey,(Vll.) Abrey, Liraney, Melsdey, Sa,
cristey, polizey, Tyranney, Sactorey,
Galbey, Sacurey. 2) Ißt in ie, (VII.) bald
jweysylbig, bald einsylbig., wovon die letztem
zmiijchst aus dem Französischen sind : Historie,
Injurie, Familie, Bestie, Arie. Einsylbig
lind betont: Acadenuc, Colonie, Chirur,
tzie, Poesie, ZlfirWomie, Philosophie,
Kopie, Elegie.
is, weiblich, in e, (VII.) vermuchlich zw>
nächst nach dem Franzosischen: Ciasse, These,
Dose, Are, Paraphrase,
icus, 1) In !k, (en, en,IV.) zunächst nach
dem Französischen, Racholik, Domestik,
s) In iker, (III ) aber freylich nicht auf die
beste Art, daher man für Historiker, Fanacü
ker, Theoretiker, Saryriker, Physiker,
Stoiker u. s. f. lieber die Lateinischen Endungen
behält, die man in Medicus, Clericus, Sym
dicus, Cholericus n. s. f. ohnehin schon b«
halten muß.
Mus, ellum, in ill, ell i.) (es, e, I )
Pasquill, Codicill, Sigill, RrokodiU,
llastell, Duell. 2) en, en, IV.) pupill.
in,, on«. in in, ön, (en, Vli. Docrrin,
Medicin, Disciplin, Person, Makrone
nimmt noch eine an.
172 I. Tl). 2. Abschn. 2. Kap. Von dem

io, iSn, weibliche, (en, VII.) Acnon,


Abstraccion, Accisn, Kommission, Com-
munion, Condirion, Division ^ Legion,
Religion, Lecrion, Nation, Rebellion.
ieis, iz, (en/vil ) Miliz, Justiz,
primiz.
ium, läßt sich nur selten verkürzen. Ben«
fiy, Malefiz, Commerz, plur. ien, scheinen
aus dem Französischen zu seyn. Mein wo auch der
Singular unveränderlich ist, da läßt sich doch der
Plural auf ien machen : die Amphibien,
Privilegien, .CollegieH, Concilien, Com-
pendien, Diarien, tHonopolien, Nego
tien, Spolien, Stipendien, Studien,
Subsidien, iLxercicien. /
ius. i) In Volksnahmen, ier, (III.) Ägyp«
tier, Aechiopier, ^ecruricr, Ubier u. s. f.
2) In andern wird die Endung weggeworfen,
Merkur, März, Topas, ÜNaj. In an
dern als Volksnahmen die Endung ier zu gebrau
chen, ist fehlerhaft ; daher Chalcedon, Sardo-
nyx, und nicht Chalcedonier , Sardonier.
parricier von kstricius , läßt sich ehervercheü
digen.
ivum , Zvus, iv, (es, e, I.) so wohlMascm
lina als Neutra: der Nominativ, Genitiv^
komparativ, u. s. f. das Laxativ, präser«
vaciv, Crediriv, Adjecriv, Archiv, Vo
miciv.
o, bald in Sn , (l.) Scorpion, Pardon,
Sermon, bald in one, weiblich, (VII) N?e
lone; bald weggeworfen Salm, von Laim».
«r
Substantiv. 5. VonderDeclination.,??

or, lassen sich, wegen der Ähnlichkeit mit der


Ableitungssylbe er, im Singular nach der zten
machen, der Professor, des-s. Im Plural
können sie inszesammtoren bekommen : Anreces?
sor, Assessor, Csczdjuror, Crediror, Debi-
wr, CUratör, Dlrecror/Execuror, In-
specror, Reccor, Reformator, Senior,
Senator, Docror, prior.
xlurn, in pel, (M.) E,xempel, Tempel.
tas, in rät, (cn, VU.) Accivicäc, Ancü
quiräc>. Curiosicac, Difficulcät, Universv
rät, Majestät, Socierär, Fatalität.
trä, rrum, in cer, (III.) Theater, Geod
merer, Register, Alabaster, Salpeter,
Gcepter oder Zepter, Barometer, Ther
mometer. 1 k-^, . ....
uls, weiblich, in ein unbetontes el, (n, VIl.)
Zsbel, Formel, Matrikel, Partikel, Cap.
sel, Clause!, Fistel. So auch Parabel.
r>?um, ulus, el, (ill) Discipel, Rapi-
rel, Titel, Fascikel, Mirakel, Orakel,
Perpendikel, Artikel, Scrupel, Karfun
kel, Triangel, Zirkel, Engel. Aber nicht
Talcül, für^lculus; warum nicht lieber Rech
nung, Berechnung?
um, als bloße Biegungssylbe kann oft auch
unmittelbar nach der Wurzelsylbe wegfallen, (es,
e, I.) An st, das Concept, der Decocr,
das lLdicc, der puncr, das Infecr, das
Fest, der Anieß, das Gran, prorocoll,
Metall. Hingegen muß sie bleiben, mVerbum,
Len
,74 r.TH. 2. Abschn. 2. Kap. Vön dem

Cencrum, Asylum, Säculmn, CsnclU«


sum, u. s. f.
ur», in ür, (en VII.) Abbreviatur,
Archicectur, Creamr, Figur, Narur,
Mixrur, Professur, Censur, Tlausur,
Tincrur.
US. weiblich in e, vermuthlich nachdem Fraw
zöstschen, (en, VII.) Periode, Synode,
Methode, Narde, Cypresse, Myrrhe,
Fasele,. Vlarcisse, Nerve, Dithyrambe,
von den männlichen m/rrus, fsseolus u. s. f.
us, Männlich , als bloße Biegungssylbe Mt
sie weg, l) es, e, I. Acceß, Congreß, Con,
curs, Consens, Contexc, Conrracr, De.
fecc, Districc, Dialecc, Osseck, (aberdie
ZLffecren , im plur. find bewegliche Güter,)
Labyrinth, Exceß, törrracc, Grad, Chor,
(pl. öre,) Ton, (öne,) Vers , Triumph,
Accent, Balsam, Chrysolith, Paradies,
Pol, Opal, Smaragd, Convenr,
rurn, Psalm, puls. 2) en, eniv. Archi«
recr, Astronom, Geograph, padagog,
Wephant. Da denn einige, welche sich aus
einen gelinden Hauptlaut end«en, der in der Aus
spräche gelinde bleiben soll , das mildernde e aw
nehmen: Theologe, Astrologe, Religiöse,
Vagabunde. z) es, en, (VI.) Aspect,
Affecc.
Andere leiden diese Verkürzung nicht ,V «eil
die Sndsdlbe hier nicht bloß Biegung ist : Casus,
Splxirus, Caraiogus, Cacechismus.
K. «4.
Substantiv. I.VonberDeelt'nation. 175

L. 224. Viele dieser Wörter haben ihr Ori»


ginal, nicht in dem guten, sondem in dem schlecht
kern Latein der mittler« Zeiten aufzusuchen. An.
dere haben durch den langen Gebranch allerley um
regelmäßige Veränderungen erlitten, wie AlaUn,
Almosen, Bibel, Bischof, Darrel, De-
manc, Fenchel, Fenster, Lai, Lacrpergc,
Marrer, Mecre, Mönch, Osterluzc^
pallast, pfass, Pfingsten, Pfarre, Pö
bel, Pflaster, Priester, Propst, Pilger,
Papst, Vogr, u.s.f. Doch die bekümmern uns
hier nicht.
§. 225. Manche Lateinische und Griechische
Wörter, welche Deutschen Nominativen ähnlich
sehen, können, sowie sie find, nach Deutschen
Declinationen gebeuget werden: Vn^r, Iss-
piß (I.) Möge, Ode, (VlI.) Characrer,
Marmor, Ärchiarer, Sequester, pano
cher , (III) Andere ähnliche verstärken es im ge
meinen Leben, verbitten es aber für die ediexe
Schreibart, die parer, oder Paters, edler
Porres.
S. 226. Alle übrigen Wörter, welche sich
durch die Verkürzung nicht zur Deutschen Deklina
tion geschickt machen lassen, müssen nach ihrer eigen
nen Art decliniret werden. Sie nach Art dcr
eigenen Nahmen unverändert zu lassen, und nur
den Artikel zu biegen, kann man allenfalls Unge-
lehrten nachsehen; Ses Avverbinni, dem Con-
cilimn, für die anständiger« des Adverbik,
dein Concilio. Aber der fremden Biegungs-
sylbe des Nominativs »och eine Deutsche eines
andern
176 ?. Th. 2. Abschn. 2. Kap. Von dem

andern Casus anhängen zu wollen, des Adver«


biums, desAlumnusses, ist barbarisch; und
ggr den Plural mit Beybehaltung der fremden
Biegungssylbe des Singulars, durch Beyfugung
<ines fremden Biegungslautes, der nicht einmahl
Hochdeutsch ist, zu machen, die Nomens, Pro
nomens, Adverbiums, Verbums, ist
mehr als barbarisch. Wer mit solchen Wörtern
Nicht umzugehen weiß, muß sich ihrer enthalten.

§. 227. Noch verdienen die Französischen


Wörter auf ier und eur eine Anmerkung. Man
bieget, sie, zumahl wenn man sie nach Deutscher
UrH, ausspricht, am richtigsten nach der dritten
Deklination : der Officier, des Ofsiciers, 9I . die
Ossicier, aber im Dat. den Officieren ;also nicht
im Nomin. Plur.die Gfficiere, noch weniger die
'Ofsiciers, welcher Französische Plural zkm Deut
schen Genitiv nicht passet. So auch Courier
Grenadier, Fourier, Füselier, Briga
dier, Ambassadeur, Armareur, !Nars
deur, Auditeur, Ingenieur, Acceur
Mediateur, Friseur. In andern, welche sicl
nicht nach Deutscher Art biegen lassen, muß mai
den einheimischen Plural freylich behalten; > Hj
Cancons. Allein außer diesem Falle muß ma,
sich des Plurals auf s in allen Hochdeutfchen Decli
Nationen enthalten, weil eF entweder Nieder
deutsch, oder Französisch, nie aber Hoch
deutsch ist. , . '

e. Deel,
Substantiv. 5.VonderDeclination. 577

c. Deklination der 'eigenen Nahmen.


K. 228. Eigene Nahmen sind entweder Nah-
Milder Flüsse, oder derLänder> ober der Örterober
der Personen. Sie können auf dreyfache Art
decliniret werden: i. Vermittelst des Deutsche»
Artikels: der Salömo, des Salomo, dem
Saloms, den Galoms. s. Nach ihrer eige«
nen Declination > welches doch nur t von den L«
teinischen und Griechischen gilt : Crösus, Crösi,
Cröso ü. s. f. Und z. auf Deutsche Art, folg,
lich mit Deutschen BiegUNgssylben

§. 229. Eigene Nähme» sind als solche


Kittes Artikels fähig, doch kann derselbe bey ihnen
die Stelle der Biegungssylben Vertreter,/ und als,
dsmi ist er ein bloßes Zeichen^ der Declination. Alle
eigene Personennahmen, sie seyen einheimische oder
fremde , lasse» sich vermittelst des Artikels declini-
ten; allein alsdann Müssen sie selbst keine Biegungs,
Wen annehmen/ wenn sie dergleichen auch fähig
»iireri, weit sonst eine doppelte Declinatiott statt
finden würde > wovon die eine überflüssig ist : die
Weisheit des Salomo, die Logik des
Wölf, gieb es dem Friedrich ; nicht des
SaloMös> des Wolfs > dem Friedriche,
s« gemein es auch ist. Ein anderes ist, wen»
sie appellative stehen: Die Regierung des
oder desjenigen Ludwigs, welcher u. s. f.
Da der Nominativ an sich selbst bestimmt genug
ist, so bedarf er keines Artikels zu seiner Bestim,
mung: Saul sprach zu dem David, nicht
der Saul.
M §. 2ZS.
578 i. Th. 2. Abschn. 2. Kap. Von dem

§. 2z«. - Äa der Artikel vor den eigenen Nah


men oft de« Nebenbegriff der Vertraulichkeit oder
Geringschätzung bey sich führet, so enthält man
sich desselben, wenn man mit Ehrerbiethung zu
sprechen Ursache hat. Die GenuIthuung des
Christus, die Empfängnis) der Maria,
der Tod der Maria Theresia; besser, vis
Genugrhuung Christi, die iLmpfängniß
Maria oder der Jungfrau Maria, der
Tod der Raiserinn Maria Theresia.
§. 2Z1. Die eigenen Rahmender Flüsse we«
den jederzeit als Appellativ« behandelt, folglich
mit dem Artikel declinirt: die Elbe, die Do
nau, der Rhein, der Main, der Jordan.
Städte- und Lcindernahmen lassen sich nicht gern
mit dem Artikel decliniren, wenn sie nicht ein Bey«
wort vor sich haben: das volkreiche Deutsch
land , das blühende Berlin. Ausgenommen
sind diejenigen Landernahmen, welche eigentlich
Appellativ« sind, die Mark, die Lausitz, die
Wfel,der Brisgsu; aber nicht die Gchleste,
sondern Schlesien. Den eigenen Nahmen der
Städte und Dörfer setzt man, wenn sie vermittelt!
des Artikels decliniret werden sollen, gerne die
Wörter Sradr, Dorf u. s. f. vor.
§. 2Z2. Nach Lateinischer Art, folglich auch
ohne Artikel, können alle Griechische und Lateinische
Personennahmen gebeuget werden, welche man
nicht aufandere Art decliniren will, oder kann Der
Reichrhum Crösi, Christi GenugchuunH,
die Geburt Maria, Ciceronis Briefe, Pauli
Schriften. Den Fall der Ehrerbiethung ausge
nommen.
Sttbstantiv. 5. Von der Declination. 179

nommen, ziehet man Deutsche Declinationen, oder


wenn diese nicht statt sinden, die Declination mit
dm Artikel mitBeyfügung eines Ehrenwortes vor :
dielVahldes Raisers Franciscus, besser
«!s die Wahl Francisci, und edler als, die
Wahl des Raisero Franz, oder gar die
Wahl Franzens.
K. 2zz. Nach Deutscher Art lassen sich beclini^
m : 1. alle eigentlich Deutsche Nahmen. 2. Griechi
sche und Lateinische Nahmen, wenn man ihnen
die fremde Biegungssylbe nehmen, und sie dadurch
zur Deutschen Declination geschickt machen kannv
z. Alle übrige fremde Nahmen, wenn sie sich auf
keinen Sauses oder Zischlaut endigen, besonders
wenn ihre Endsylben Deutschen Endsylben ähnlich
sind.- Daniel, Isel, Sylvester, Adam,
und alle weibliche auf a und e.
. L. sz4. Von den Griechischen und Lateini
schen Nahmen gilt auch das, was im vorigen von den
f«mdenWörterngesagtworden;wasbloßBiegungs^
sylbe ist, kann weggeworfen werden, was aber
Ableitungssylbe ist, muß bleiben. Bey denjenigen
Nahmen, welche sich auf kein s endigen, braucht
man sich um die Bicgungssylbe nicht sehr szn be
kümmern, weil sie wenigMis in einigen Endungen
Deutsche Biegungssylben annehmen, ' Ciceros,
Solons- Nur die auf ein s vertragen die Deuts
sche Declination nicht, daher man sehen muß, ob
man ihre Endsylbe wegwerfen kann, welches doch
nicht allemahl möglich ist.
us, Kriech. «5, wenn es bloß Biegung ist,
kann wegfallen :AuIust!N, pindar,Donttrian,
M 2 Lycurg,
igo I. Th. 2. Abschn. 2. Kap. Von dem

Lycurg, Cwintilian, Tibull, CacuU,


Aristarch, Benedict, Anconin, Lpicur.
Aber nicht in Dominicus, Erasmus, Ire>
näus, Lazarus, Nicolaus, Matthäus,
Marcus, Apulejus, Hieronymus.
ius, scheint nicht bloß Biegung zu seyn, daher
sie sich nur selten wegwerfen läßt : Vvid , -Ho-
raz, prsperz, Tiber, Virgil, Vincenz,
sind einmahl gangbat. Aber nicht so Basilius,
Blasius, Claudius, Cornelius, Eusebius,
Livius, Demetrius. Theodos und Dionys
sind zu hart, wegen des weichen s am Ende, wel
ches das mildernde e erfordern würde; polyb
aber ist eine wahre Verstümmelung, weil hier ein
wesentlicher Theil der Zusammensetzung weggewor
fen wird.
Doch können die auf us und ius , in den Casi-
bns obliquis Deutsche Biegungssylben annehmen :
Arompejens, Appiens, Apulejens, poly-
biens/ LyaeNs; so auch im Dativ und Accus«'
tiv, pompejen, Appien u. s. 5
es, an den Griechischen Wörtern sollte nie
weggeworfen werden , weil es eine wahre Ablev
tungssylbe ist, welche <W Deutschen er gleich be.
deutend ist. Sscrar, Diogen, Hippocrar,
und einige andere find zwar versucht worden; allein
Alcibiades, Aristoteles, Hercules, So»
phocles/ Anchyses, Aristsphanes, Ori-
genes und hundert andere sperren sich dawider,
ob sich gleich einige im Plural nach Deutscher Art
biegen lassen, , die Aristsphane, Aristorele«,
K. «Z5
Substantiv 5. Von derDeclination. 181

K. 2Z5. Alle übrige fremde Personennah«


me», welche sich aufs endigen, leiden weder die Ver
kürzung noch die Deutsche Declinatiou, sonder»
müssen entweder mit dem Artikel, oder nach La
teinischen Deklinationen gebeuget werden : Ana-
nias, Andreas, Barnabas, Vearrix,
Dorcas, Äneas, Elias, Lsaias, Postas,
Jonas, Doris, phyllis, Msrhildis, Mo
ses, Jesus, Christus, Xerxes, Thomas,
Gerapis, Tanralus u. s. f. und die Städte-
»ahmen, Paris, Drleans, Neapolis u. s. f.
Mit Beybehaltung ihrer Biegungs - und Ableitung^
jylbe für den Nominativ, ihnen Deutsche Biegungs-
si'lben anderer Casuum anzuhängen, ist nicht zu ent,
schuldigen: Curciusiens Geschichte, ^>omer
har seine Zoylusse und Kaller seine My-
liusse gehabt. Wie bqrbarisch j
§. sz6. Die einheimischen so wohl als frenp
den Nahmen, welche Deutsche Biegungssylben
annehmen, werden ohne Artikel vornehmlich auf
eine vierfache Art decliniret, wovon die drey
letzten Arten nur Ausnahmen der ersten sind.

Erste Art.
Singular, Plural,
Nomin. Nomin. e.
Genit. s, Genit, e.
Dat. en. Dat. en.
Accus, en. Accus, e,
§. 2Z7. Diese ist für die eigenen Nahmen,
wenn sie im Singular ohne Artikel gebeuget wer,
M z den,
,82 I. Th. 2. Abschtt. 2. Kap. Von dem

den, die eigentliche und allgemeine, nach «elcher


»alle diejenigen gehen, welche nicht nach dm drcy
folgenden dcclinirt werden müssen, sie seye»
männlich oder weiblich, einheimisch oder fremd,
besonders alle, welche sich auf einen Hauptlaut
außer einem s , z, und den tonlosen Sylben el,
al, en, er, ar und or endigen. So wohl ein
heimische: männliche, Friedrich, Adolph,
Arnold, Bernhard, Adrian, Gottfried,
Ulrich, Hagedorn, N?olf, Bach, Schmidt,
Carpzov, Brand, Sturm, Bock,
Böhm, u. f. f. einheimische weibliche: Ger-
traut, -Hedwig, Adelheid; als endlich
auch fremde: iöpicur, Ovid, Gocrat, Sciopp,
Hippocrac, Saul, Albin, Balduin,
Dudley, Demscrit, Anronin, Sylvan,
Tibull, Cacull u. s. f. Besonders die Deutschen
mit mann zusammen gesetzten: Beckmann,
xl die Beckmanne, nicht Beckmänner,
Graumann, Volkmann, Hermann,
Hartman«, Holmann, Geligmann u. s. f.
Zweyte AN.
Singular. Plural.
Nomin. Nomin.
Genit s. Genit. ' ,
Dat. n. Dat. N.
Accus, n. Accus.
§. 2zz. Diese ist bloß eine Verkürzung der
vorigen und begreifst alle eigene Personennahmen,
welche sich auf ein tonloses el, al , il, er, ar und
or endigen; folglich sowohl einheimische und fremde
mann
Substantiv. 5. Von der DecK'nation. igz

männliche: Müller, Förster, Maier, Lu,


ther, Alexander, Cassander, pecer,
Balthasar, Caspar, Melchior, Amchor,
Bcngel, ZZarrhel, Beucel, Abel, Daniel,
Israel, Hannibal; als auch weibliche: Rahel,
Abigsil, Micha! , Icsabel, Esther u. s.f.
Hiernach gehet auch Carl, Carls, Carln.
Wer Paul, alle übrige einsylbigeund welche sich
auf ein betontes el, il, er,,°u. s. f. endigen gehe«
»ch der ersten , Virgil , Valer. , . ,

. - Dritte Art. . ^ ,
Singular. .. ,. Plural- .
Masc. FSmin.
Nomin. Nomin. e. en, n.
Gevit. ens. Genit. e. en, n.
Dat. en. Dat. en. en,'n.
Accus, en. Accus e. en, n.
§. 2Z9. Diese unterscheidet sich von der ers
<!en bloß darin, daß der Genitiv statt des s um
des Wohlklanges willen ein ens annimmt, die weib
lichen aber den Plural auf en machen. Nach dl«
ser Form gehen: . - ,
i. Alle einheimische' und verkürzte fremde,
Kelche sich auf ein s, sch und z endigen : Franz,
Hans, Lorenz, Dan;, Rranz, Cwanz,
Canirz, Morirz, Vincenz, Fuchs, Voß,
Mrz, Huß, Frirz, Leibnitz, Opitz,
Gchaxz, Hirsch, Grat, Max, Pops»
witsch, Fricsch, Horaz, properz, Ulyß.
Die auf st, August, O.uast, Nast können
M 4 so
584 Th. 2. Abschn. 2. Kap. Von den?

so wohl nach dieser als nach der ersten gehen ; am


liebsten beugt man sie nach der ersten.
2. Einige Lateinische auf ius wenn sie gleich
im Nominativ keine Verkürzung leiden: Appius,
Appiens, Appien, die Appie, S. S,
z. Alle einheimische männliche auf ein e: (Ve-?
orge, (mit dem mildernden e, aber Georg, ohne
dasselbe, Nach der ersten,) Menke, Hasse,
Wille, wilke, Balde, Stoppe. Da diese
schon ein e hqben, so dürfen sie es im Singular
und Plural nicht erst annehmen: die Stoppe,
Hiernach gehet auch Otto, Ottens, Ocren,
die Otte; eigentlich von dem Deutschen Nomina^
tiv Otte> ,
, 4. Älle weibliche auf ein, unbetontes s und e,
wovon die erstem im Plural en, die letztern aber
im Singular und Plural nur st bekommen : Flora,
Florens, Floren, die Floren; Chloe,
Chloens, Chloen, die Chloen, So auch:
Amalie, Anna, Arabella, Brigitta,
Sacharin«, Carolina, (der weibliche Nähme,
aber als Landesnahme geht es nach der vierten,)
Christian« , Dorothea , Helena , Eva,
Julians, Mari«, Martha, Aurora, An
tonia, Sophia, Diana, Louise / pene-
lope, Agnese, Ohilippine, Elisabeth«,
Elisaberhens, u. s. f, aber Elisabeth, Elisa
beths, nach der ersten.
5. Der Nähme, Jehovah, Schorens,
Jehoven; ingleichen die Länher- pnd Stadt«
nahmen Europa, Sparta, und Samaria,
»elche eigentlich nach der vierten gehe« müßten.
Pierte
Wstanliy. 5. Von der Declination. z 85

Vierte Art,
Singular, Plural.
Nomin. Nomin, zuweilen e,
Senit. s. Genit,
Dat. Dat.
Accus. Accus, , .
§, 240. Diese Form bezeichnet bloß den Geich
ti» durch ein s, und bey einigen Personennahmen
den Plural durch ein e. Alle übrige Endungen
Kleiben unverändert, Hiernach gehen ?
1. Alle Länder, und Städtenahmen, welche
dieses s im Genitiv annehmen können, folglich sich
nicht schon auf ein s, sch oder z endigen : Böh«
mm, Schweden, Sachsen, Arabien,
Wen, Indien, Rußland, Holland, Bra?
banr, Berlin, Stockholm, Rom, Cracau,
Marschau, Dresden, Babel, Achen.
Die sich auf einen Iisch< oder Sauselaut endigen,
Paris, Neapolis, Zeitz, Gray, znüssen
durch das Wort Spadt umschrieben werden. Die
sich auf ein tonloses« und o endigen, bekommen die?
ftss auch; allein es wäre schicklicher, es nach Engl!,
scher Art durch einen Apostroph zu trennen, um da
durch die Abwesenheit des Tones zu bezeichnen:
Judaa's, Aleppo's/Carchago's, Guinea'?,
Malra's, Mancua's,Carolina's, Jerichos.
s. Personennahmen, welche sich nicht ohne
Übellaut nach einer der vorigen Formen würden
biegen lassen, i) Alle die quf en, welche um
dieser Endung willen nur allein des s fähig sind z
M 5 Rar,
>86 i.TH. s.Abschn. 2. Aap. Von dem

Rarsten , Bugenhagen , Baumgarren,


Camden, ^>amden; dahin auch die Ver
kleinerungen auf chen, Röschen, Ließchen.
2) Die meisten, welche sich auf ein tonloses on
endigen: Xenophon, Melanchrhon, Solon,
Dam^n, Aaron, Gimson; wovon Xeno«
phonen u. f. f. übel lautet. Doch können sie im
Plural e bekommen, Solone, palämone.
Simonen, Anconen, sind im Dat. und Accus,
im gemeinen Leben gangbar, z) Die Hebräischen
auf m, Abraham, Methusaleni, Adam.
4) Männliche auf a, wenn sich dieses« nicht in
e verwandeln läßt, am besten mit dem Apostroph:
Josua's, Noah's, Beda s. 5) Mannliche
auf i, im Plural unverändert, Leonhards,
» Iacsbi,IMonsky. 6) Die auf 0 mit dem Apo,
flroph: Cicero's, Caco's, Galomo's, Dar,
ro's, Cuno's, Brunos, Scipis's, Sap.
pho's. Cicerons, Carons u. s. f. sind
öbellautende Zwitter; doch läßt sich der Plural der
Lateinischen auf ne machen: Cicerone, Cacom,
Varrone.
§. 241. Manche Nahmen lassen sich so wohl
nach der ersten, als nach der dritten Form biegen :
Wolf, Wolfs, und wolfmo,so auch Achill,
August, pfass, Frey, Apoll, ^rnst,
Sciopp u. s. f.
H O Ä>
§. 242. Wenn ein Casus keine Biegungssylbe
anmmmt, so muß, derselbe durch den Artikel b«
zeichnet werden, welches doch bey dem Nominativ
uun«
Substantiv. 5.VonderDecllnation. i87

unnöchig ist, dem Cicero, den Abraham. Da


eigene Personennahmen im Plural nicht anders als
axpellative stehen können, so ist auch hier der Arti
kel unentbehrlich , wenn sie gleich Biegungssylben
«»nehmen : die Cicerone unsrer Zelt.
iL, 24z. Wenn gleich der Deutsche Genitiv
der eigenen Nahmen nichts Unedles oeo sich füh
ret, so haben es doch sehr oft der Dativ und Accus
sotw, daher man sie entweder mit dem Artikel
oder durch eine Umschreibung geben muß : Loui«
sei?,! edler der Louis«, Josephen, mit mehr
Würde dem Raiscr Joseph. Weil der Dativ
und der Accu/ativ der Einheit hier gleich sind , so
erfordert oft die Deutlichkeit die Declination durch
den Artikel: ich habe Gottfrieden Schwar-
ZM empfohlen ; l deutlicher den Gottfried
dem Schwarz, oder den Gottfried Schwar
zen. Die sehr verkürzten eigenen Nahmen, Franz,
Nsx, Hans u. s. f. sind niedrig und lassen sich
nicht mit Würde und Wohlstand gebrauchen.
§. 244. In den Casibus obliquis muß der
Casus nothwendig auf eine oder die andere Art
bezeichnet werden. Also nicht, wer Christus
Geist nicht hat, der ist nicht fein, sondern
Christi.
§. 245. Deutsche eigene Nahmen, welche
ursprünglich AppeUativa sind, haben den Umlaut
nie:ldie Luchse, die ZVolfc, die Bache,
die Sturme, die Vogre, die Volkmanne;
nicht die Füchse u. s. f.
§. 246. Wenn ein Gattungsnahme vor dem
eigenen hergehet, so wird jener gebeuget, und
nicht
,83 i.Theil. 2. Abschnitt.

dieser : des Arztes Büchner, des N?eltrveü


sen VOolf, des Röniges Friedrich, der
Scadt Berlin, Wenn aber der Artikel vor
dem Gattungsnamen fehlt, so bekommt der eigene
Nähme die Biegung: Raisex Carls Schwere,
von Rönig Friedrichen ; es müßte sich denn
der Casus an dem Gattungsworte bezeichnen lasten,
von Herrn Felbiger. Hat der eigene Nähme
ein Zahlwort hinter sich, so kann er das Biegungs,
zeichen nicht entbehren: der Gesandte Rönig
Heinrichs des vierten,
§. 247. Kommen zwey oder mehr zu einer
Person gehörige Nahmen ohne Artikal zusammen,
so empfängt pur der letzte die Biegung: Johann
Christoph Gottscheds Sprachkunst. Bey
adeligen Geschlechtsnahmen mit von bekommt sie
der letzte Taufnahme : Friedrich Daniel C<u
spars von Vitzthum Gut, Carl Anrsn?
pon Ubigau Schriften,
"
,

Drittes Kapitel,

Von dem Artikel.

S. 248,
Auf das Hauptwort folgen diejenigen Rebetheile,
^ welche zunächst zu dessen Bestimmung dienen.
Das erste was sich an einem Substantive
bestimmen läßt, ist die Selbständigkeit,? welche
Hey dm Hauptwörtern, so bald sie ganze
Gattungen und Classen bezeichnen, wieder verloren
gehet.
Von dem Artikel. ,89

gehet. Diese zu bestimmen haben die abendländi»


schen Sprachen den Artikel eingeführct , der da
her eigentlich um der Gattungswörter willen daist.
K 249. DiMlSelbstcindigkeit der Gattungs
wörter kann nun ciuf verschiedene Art bestimmt wer
den. Es kann r. die ganze Classe oder Gattung
als selbständig bezeichnet werden ; oder es kann 2.
ein schon bekanntes Individuum aus derselben als
selbständig dargestellet werden; oder es kann z.ein
Ding aus der Classe, es/ey welches es wolle, als
selbständig angedeutet werden; oder es kan«4. die
ses eine Ding zum Repräsentanten der ganzen Classe
gemacht werden; öder es kann 5. die Classe oder
Gattung/ zu welcher das Subject gehöret, angedeu
tet werden; oder es kann 6. eine unbestimmte
Anzahl einzeler Dinge aus der ganzen Classe bezeich
net werden; oder es kann endlich 7. ein ungenann
ter und unbestimmter Tyeil des Ganzen ausgezeich
net odeL vielmehr nur die' Materie angedeutet
werden.
H. 250. Die Deutschen bezeichnen nur die
fünf ersten Fälle durch Artikel, und drucken die
beyden letzten ohne alle nähere Bezeichnung des
Artikels aus. Sie vertheilen diese fünf Fälle unter
die beyden Artikel der und ein, so daß die, welche
die schärfste Bestimmung erfordern, dem ersten,
die aber , welche nicht so genau bestimmt sind, dem
letztern zu Theile werden; daher der erstere auch
der bestimmte und der letztere der unbtt
stimmte Artikel genannt wird.
§. 251. Beyde Artikel sind Wurzelwörter,
allein sie sind uisvrünglich nicht zu Artikeln be,
stimmt,
!9O i. Theil. 2. Abschnitt.

stimmt, ohne Zweifel, weil der Kegriff der Selb


ständigkeit für die ersten Spracherfinder zu fein
war, als daß sie ihn hätten bemerken und bezeich?
nen können, daher auch foWM Sprachen gar
keinen Artikel haben. Beyde sind erst in den spätern
Zeiten, aber doch allem Anscheine nach noch vor dem
Anfange der Cultur eingefiihret worden , da man
denn den bestimmten Artikel von dem Pronomen '
der und den unbestimmten von dem Zahlworte
ein entlehnte. . /
§. 252. Es wäre eben nicht nothwendig ge-
wefen, die Artllel nach der Zahl, dem Geschlechte,
und den Endungen des Hauptwortes zu biegen,
welches sie bestimmen sollen. Allein, da sie in
ihrem ersten Zustande als Pronomen und Zahlwort
schon diese Biegung hatten, fo behielt man fie bey,
und erreichte dadurch den Vortheil, daß wenig
stens einer der Artikel auch außer seiner eigentli
chen Bestimmung zum Declinations s Zeichen ge-
braucht werden konnte, die fehlenden Casus, Zei
chen an den Deutschen Hauptwörtern zu ersetzen.
^. 25z. Der bestimmte Artikel der kann
im Singular nach allen drey Geschlechtern der
Hauptwörter 'gebogen werden, allein im Plural
bleibt er in Ansehung des Geschlechts unverän
dert. Er wird folgender Gestalt abgeändert. ?
Singular. Plural.
Masc. Fcim. Neut.
Nomin. der, , die, das. die.
Genit. des, der, des. der.
Dat. dem, der, dem. den.'
Accus. den, die, das. die.
Cr
z. Kapitel. Von dem Artikel. 191

Erist eigentlich das verkürzte Pronomen der, wel


ches in manchen Endungen zweysylbig gehet, und im
Oberdeutschen heisscn der Genitiv und Dativ im PKu
ral noch jeyt derer und denen, statt derund den,
welches aber im Hochdeutschen einFehler seyn würde.
S. 254. Dieser bestimmte Artikel hat ein zwie-
faches Amt.
1. Er bestimmet die Selbständigkeit derDeut-
schen Hauptwörter, welches wiederum auf drey-
fache Art geschiehet. i) Bezeichnet er die ganze
Gattung oder Classe mit allen darunter gehörigen
einzelen Divgen als selbständig: der Mensch ist
wie eine Blume, oder die Menschen sind
wie Blumen, für alle Menschen. 2) Be
zeichnet er aus der ganzen Classe ein Ding, wel
ches schon als bekannt angenommen werden kann,
als selbständig : Gib mir das/Buch, d.i.
welches vor dir lieget; die Gäste sind nun
da, d. i. auf welche wir warteteu.
2. Dienet er wegen feiner vollständigen Bie
gung mich zur Declination der Hauptwörter, wenn
sie die Casus nur mangelhaft anzeigen, besonders
bey den eigenen Nahmen , wenn sie keine Casus-
Zeichen annehmen. S. im vorigen die Declina
tion der eigenen Nahmen.
§. 255. Der unbestimmte Artikel, welcher
,mr im Singular allem üblich ist, gehet so.-
Masc. Mm. Neutr.
Nomin. ein, eiue, ein.
Genit. eines, einer, eines.
Dat. einem, einer, einem.
Accus. einen, eine, eines.
§. 25 s.
i9ö t. Shell. S.

.§. 256. Dieser Artikel bezeichnet: 1) Eiri


unbestimmtes selbständiges Ding aus der ganzen
Classe, es sey welches es wolle: gib mir ein
Buch; es war ein Mahl ein Mann; ein
Haus von Sceim 2) Ein unbestimmtes ein,
zeles Ding als den Repräsentanten der ganzen
Gattung oder Classe i ein Mensch istwie eine
Blume ; eine Zunge ist ein kleines Glied,
für alle Menschen/ alle Zungen, oder ein
jeder Mensch, eine jede Zungk z) Die
Art oder Classe/ zu welcher ein Ding gehöret/ als
ein unbestimmtes selbständiges Dittg : das ist ein
schönes Haus; er har einen bösen Varer^
Ein mehreres von de« Gebrauche beydör Artikel
gehört in den. Syntax.
§. 257. Der unbesMnttt Artikel kann auch
ohne Hauptwort stehe«/ in welchem Falle er völlig
wie das Zahlwort ein ohne Hauptwort declinirt
wird : Ich habe ein Haus gekauft; — was
für einest — Ist kein Freund da> der
mir hülfe, — Hier ist einer. Nehmen
sie Meine Schwachheit nichc übel/ wenn
es eine ist/ Gell.
K. 258. Wir haben im DeUtscheU «och beut,
liche Spuren eines Arriculi postposlcivi, wel
cher hinten an das Nennwort attgehänget wird,
und in den mit der Deutschen verwandten Dcinti
schen und Schwedischen Sprache noch merklich«
ist. Er lautet für die Hauptwörter im Genirit
der Einheit ohne Unterschied des Geschlechtes theil,
ens, theils e, im Dativ en oder n, und im Accus«,
tiv gleichfalls en oder n. Dahin gehören allen
Ansehe
z. Kapitel. Von dem Artikel. 19z

Ansehen nach: die Biegungssylben der eigenen


Nahmen, Schwarzens, Schwarzen. 2.
Das s in der Zusammensetzung, selbst an weibli
chen Wörtern, hoffnungsvoll, Vorbauungs-
tnittel, S. den Abschnitt von der Zusammen«
seßung. ?. Die noch hin und wieder in den Kan,
Meyen üblichen Formen: -Herrn N. Sradc-
richrern zu Leipzig, für dem ^radcrich-
M. So auch: Herren N. der Gottes^
gelahrheit Lehrern ; es ist Aäufern gege,
den worden; von Gorccs Gnaden. 4.
Manche noch im gemeinen Leben «bliche Arten des
Ausdruckes: ich habe es Vätern gesagt;
ich habe Niemanden gesehen/ man sähe je<
wanden; die Rinder erwähnten Herrens,
für des Herren. 5. Noch mehr adverbialische
Ausdrücke: anforden, nach Sonnen Unter
gang/ zu Sracren kommen, von Statten
gehen/ von Händen kommen, zu jeman,
des Gunsten, u. s.. f. für «lif der Erde,
nach dem Untergange der Sonne, u. s. f.
An den allgemeinen Zahlwörtern, und an de«
Adjektiven, wenn sie ohne Artikel gebraucht wett
den, ist es bloß der Biegungslsut, davon im
folgende«.

Viertes Kapitel. .
Von den Zahlwörtern.
i - §. S59.
Uußer der Selbständigkeit muß oft noch der Um-
^ sang eines GüttungswortsS angejeiget, oder
,94 i. Thett. 2. Abschnltk.

bestimmt werden, wie viel von den zu einer Gattung


gehörigen einzelen Dingen gemeinet sind Dieses
geschiehet durch die Zahlwörter, welche daher
gleichfalls vornehmlich um der Gattungswörtex
willen da sind.
§.260. Dieser Umfang kann nun auf eine gel
doppelte Art bezeichnet werden; entweder auf eins
bestimmte Art, mit ausdrücklicher Bemerkung der
Zahl der einzelen Dinge, ober auf eine allge
meine Art, ohne Bezeichnung der Zahl. Das
erste geschiehet durch die Haupt- oder Grund
zahlen , Numeros cardinales , und das letz,
tere durch gewisse allgemeine Wörter der Mengs
oder Vielheit.

1. Bestimmte Zahlwörter.
§. s6r. Die Grund - oder- Hauptzahlen
find theils Wurzelwörter, theils abgeleitete,
theils zusammen gesetzte. Wurzelwörter finds
vins, zwey, drey, vier, fünf, sechs,
acht, neun; abgeleitete sieben, Zehen,
zusammengezogen zehn, die Zahlwörter für die
Zehner, zwanzig, dreyßig, (nicht dreyzig,)
Vierzig, fünfzig, (für fünfzig,) sechzig,
(für ftchszig,) siebzig, (für siebenzig,)
achtzig, neunzig, ingleichen Hundcrc und
tausend; zusammen gesetzte aber, eilf, Zwölf,
dreizehn, vierzehn, fünfzehn, (für fünf
zehn,) sechzehn, siebzehn, achtzehn, und
Neunzehn. Mit diesen werden alle übrige Zah<
!en ausgedruckt. -Fünf, eilf und zwölf bekon»?
men um des geHydexn Lautes des f Alle», in,
Hoch
. 4. Kapitel. Zahlwörter. 195

Hochdeutschen gerne das mildernde e, fünft, eilfe,


zwölfe..
§. 262. In Zusammensetzung der einsacke»
Zahlwörter wird biS auf hundert die Zahl der Ein
heit voran gesetzt, und zwar so, daß von drey-
zehn bis auf neunzehn sie mit dem Zehner zu
einem Worte zusammen gezogen, nach zwanzig
aber nur vermittelst des WSrtchens und mit dem
Zehner verbunden wird: ein und zwanzig,
Zwey und dreißig u. s. f. Da der Einer hier
den unselbständigen Zehner bestimmt, so kann er
nichts anders als ein Adverbium seyn, und bleibt
folglich unabgeändert: ein und zwanzig Män
ner, Frauen, Hänser, nicht einer und
zwanzig Männer, eine und zwanzig
Frauen ; aber auch nicht eins und zwanzig,
wie in einigen Provinzen üblich -ist. Über hundert
wird die kleinere Zahl, welche das Hundert über
steigt, dahinter gesetzt: hundert und eins, (wenn
man absolute ohne Beziehung auf ein Hauptwort
zählet, ) hundert und Zwey, u. s. f. die Zahl
der Hunderte und Tausende aber vorangesetzt, ein
hundert, (im gemeinen Leben nur hunQerc
schlechthin,) zwcy hunderc, ein tausend,
(im gemeinen Leben nur tausend,) vier tam
send ; wo diese Wörter auch wohl zusammen ge
zogen werden, einhundert, zweytansend.
§. ?6z. Da vermittelst der Zahl schon die
Selbständigkeit mit bezeichnet wird, so bedürfe»
die Zahlwörter eigentlich keines Artikels. Mein
da in manchen Fällen die Selbständigkeit einer
gezahlten Sache vor einer ander» Von gleiche»
196 i. Theil. 2. Abschnitt

Fahl vorzüglich heraus gehoben werben muß,


so können sie alsdann auch den bestimmte»
Artikel bekommen: gib mir die zehn Tha,
ler, der eine ist wieder da, die zwey
smd auch verloren. Allein ihnen den unbei
stimmten Artikel vorzusetzen/ ich will noch eine
acht Tage warten, für ungefähr acht Tage,
gehöret in die Sprache des gemeinen Lehens.
§. 264. Alle Grundzahlen stehen entweder
unmittelbar vor ihrem Hauptworte , sieben
ter, oder sie beziehen sich doch auf dasselbe, es
waren ihrer acht, oder sie zählen absolute,
und ohne Beziehung auf ein Hauptwort, in wek
chem Falle sie als wahre Adverbia zu betrachten
sind, zwey, drey, zehn, hundert. Inden
beyden ersten Fällen richtet sich im Hochdeutsche»
nur das einige Zahlwort ein nicht nur nach dem
Geschlechte, sondern auch nach allen Verhältnissen
seines Hauptwortes, wobey es doch nach den ver
schiedenen dabey möglichen Fällen nach Art der W
jectiven auf verschiedene Art decliniret wird:
i. Mit dem Haupkworte und ohne Artikel
und Fürwort.
Äoni. ein Mann, eine Frau, ein Haus,
Genit. eines Mannes, einer Frau, eims
Hauses.
Dat. einem Manne, einer Frau, einen!
Hause.
Acc. ein Mann, eine Frau, ein Haus.
So auch, wenn noch ein Adjectiv darauffM
ein gurer Mann u. s. f. ingleichen, «um «
«Ii
4. Kapitel. Zahlwörter. 597

als die kleinere Zahl hinter der größern stehet,


und unmittelbar vor dem Hauptworte hergehet,
da denn dieses gemeiniglich im Singular stehet,
hundert, und eine Person , welcher elliptische.
Ausdruck so viel bedeutet, als hunderr Perso
nen und eine. Wenn aber ein anderes 'Zahl,
Mrt darauf folget, so bestimmet es dieses, und
nicht das Hauptwort, und bleibt also unverändert,
hundert und ein und zwanzig Personen.

Mit dem bestimmten Artikel, es mag das


Hauptwort nach sich Habs« oder sticht,
Rom. dererue, die eine>> das eine. ^
Kenit. des einen, der einen , des einem., ^5
Bat. dem einen, der einen, des einem
Vttus. den emm/ die eine, das eine,
, Wo es mehr die Gestalt eines Adjectivs , als.
eines Zahlwortes bat. Und daher auch lvWgH-
wie die Adjective,mit dem Artttel decligiret^«..^
Eben so Lehe,t,«s auch, wenn, es, statt des ArMs:
ein Pronomen vor sich hat: dieser eine Mann^
Rur die PosMvq machen eine Msnahme, weil
der mgnnliche Mminativ qWqnn emer, dep?
sachliche Nominativ und Accu^tw^bereines^aM
te.» , so daß das Zahlwort die . an dem Proyome«)
fehlende Biegungssylbe ersetzt: mein eimr,
Acker, imin eines ^>aus, welche ganzeForm-
doch nur im gemeinen Lebe» für die edlern, einer,
meiner Äcker ,, ! eines meiner Häuser,^
«blich ist. ',>.,, ,
596 i.Theil^Äbichnttt^ - ^

A. Ohne Artikel und Hauptwort /doch


" ' in Beziehung auf ein bekanntes
Substantiv.
Momin. einer, eine, , eines oder ein«
Genit. eines, ^iver, eines.'.. ...
Dat. einem,, eine^r, eineni.
Accus, einen, eine, eines «der eins.
" Da ist keiner, deö <Vmes chue, such
nichr einer; zwey jagen einen ; eines oder
eins bitte ich von dein Herren. '
S65. Wenn man ohne Hauptwort und
»hne Beziehung auf dMlbe zählet, so lautet ditt
ses Zahlwort e.ins, .(nicht eines:) hunderrZnd-,
«ins; einmahl ems ist eins.,'^ Mu.rqenn es
Hie größere Zahl bestimmt, 4autA,es unverändech
ein: ein und zwanzig, emhunderc, ein-
Miisend. Da eine Einheit nicht 'vielftchseynkänn,
so'ist diefts ZalMo« auch keines Plurals ^ fähig,
denn ^Ze einen, für einige, nach dem Fraw
zvstschen les uns, ist im Hochdeutschen ungtt'
«öhnlich/ : >i " ' ' !
^ 266. Mn hat als ein Zahlwort besiöw
bigseinen bestimmten Ton > dagegen der Artikel
«n seinen Ton auf d«s folgende Hauptwort wirft.
ES wird zum UnkKschiede von dem Artikel auch
«on vielen mit einem großen Buchstaben geschri«
ben, esistnuriLin Gocr. Noch sicherer bezeicht
net man diesen Unterschied, wenn eine bloße Zahl
««gedeutet werden soll, durch die abgeleiteten Beos
Wörter einig oder einzig, ein einiger /nicht
ein einziger; oder wenn zugleich die Identität
bezeich»
^. Kapitel. Zahlwörter. 199

Kjeichnet werden soll, durch den Beysatz des Pro«


«sminis derselbe, in einem und eben denn
ftlbm >oause wohnen. . . . . ' . , '
§. 267. Die übrigen Zahlwörter bleiben im
Hochdeutschen durch alle Geschlechter unverändert ;
beim zween. Zwo, zwey ist ein? bloße Eigen
heit einiger Oberdeutschen Mundarten, deren
Nachahmung kemen beträchtlichen Vortheil gewähr
«5 kann. Für alles dreyes sagt man richtiger,
alle Vre? G rücke. Nur die Casus müssen die
übrigen Zahlwörter in manchen Fällen bezeichne«
können, und da zeigt sich wieder eine Verschieden«
heit, indem zwey und drep den Genitiv unl5
Dativ andeuten, die übrige» Zahlwörter aber nur
allein den Dativ bezeichnen können. ,
K. 268. Wenn zwey und drey ohne Arth,
kel stehen, sie mögen ihr Hguptwort^bey sich ha^
ben, oder so heissm sie im Genitiv Z,wez?ep,'
dreier ^»nd im Dativ» zweien und dreien ^
auf zweier?, oder dreier Zeugen ^Nuvdz
ich habe es nur dre^M Personen anve«
trauer, wähle dir aM d,pe>?en eins. Wen«
das Hauptwort gegenwärtig ist>: und dasselbe seine
bestimmten Casus- Zeichest h«, so kynnen sie auch
snverändert gebrauchtwerdm-s ict> habe es nur
drey Personen, anvercrauet; allein, wenn def.
Casus an -demselben unk.ennt.ltch ist, oder wenn.,
das Hauptwort nicht ausdrücklich da stehet, dM
Zahlwort mag den Artcfelz.^absg, oder nicht
ist die Biegung nythwendig; zweier Wsnev
^err^ ^age<es dreyen Zrauen; wählest?
«us dm dreyen ?ins. Andere ZahWrferyUisse«
N 4 in
in diesem Falle im Genitiv umschrieben werden : ein
-Herr von vier Dienern, für vierer Diener
-^err; obgleich ihr im Hochdeutschen veralteter
Genitiv vierer, fünfer, u. s.f.^ioch in viere«
ley, fünferlei, fechferley u- s. f. lebt.
K. 269. Alle übrigen Grundzahlen bezeichnen
nur den Dativ, und auch diesen nur, wenn sie
ohne Hauptwort stehen? ich höre es von vie
ren; mir fechsen fahren; auf allen vieren
kriechen; es mit Hunderten aufnehmen;
sie kamen zu zwanzigen, funfzigen, rau
senden ; einer von den ein und zwanzigen-
Nur sieben und zehen nehmen wegen ihrer
AbleitUngssylbe diese Biegungssylbe nicht an: ich
komme vor sieben; sage es allen zehen.
Doch biegt man, aber nur im gemeinen Leben,
das zusammengezogene zehn: sage es allen zeh
nen. Wenn manche den Zahlwörtern in diesem
Falle auch einen Nominativ auf e geben, alle
viere von sich strecken, besser alle vier:
Sermengen sie das nnldernde e, welches fünfe,
eilfe, und zwölfe gemeiniglich im Hochdeutsche«
bekommen, mit -de^ PieguflgssiMe> welche hie?
eigentlich nicht statt findet.
- §. 270, Die Grundzahlen können auch als
Hauptwörter gebraucht werden , und zwar auf
gedoppelte Art. ?. Im weiblichen Geschlechte,
(pl. en, VII> eine Zahlfigur, ingleichen ein Kar,
ttnbiatt mit eMr gewissen Anzahl Auge« zu bezeich-
ften : eine Wns, zwey Wnfen, drey Ach
ten, die Neun, die Sehen; wo doch sieben
«Nb zchen im Plural wieder unverändert bleiben,
zwey
4. Kapitel. ZahlchÄter. scrx

Zwey Sieben, s. Im sächlichen Geschlechts


ein Ganzes von so viel Einheiten zu bezeichnen,
aufweiche Art doch nur einige üblich sind .- das
Zehend, (für Zehen, welches mit der Zehente:
nicht zu verwechseln ist,) das Hundert, das
Tausend, ein großes Hundert, eine Zahl
ven i2O, ein großes Tausend, 1200. I«
der dichterischen Schreibart sagt man auch wohl,
das schwesterliche Drey, die drev Schwestern,
drev Grazien. < ' > :!

§. 271. Von größerm Umfange find die von/


den Zahlwörtern abgeleiteten Hauptwörter: i.Auf
el, von den Ordnungszahlen das Verhättniß eines
Theiles zum Ganzen zu bezeichnen: das sweytel,
»der die Hälfte/ das Drittel, . Viertel?
Fünftel, Zwanzigstel, u. s. f. «5 die Able«
tungssylbe aus Theil verkürzt zu.ßyn.scheinet.
Auf er, von den Grundzahlen, sowohl ein Ding
von so viel Einheiten, ein^Achter, Zweyer/
Sechser, Neuner, Münzen von so viel PfenK
«igen ; als auch ei» Mitglied eines Collegii von sy
viel Personen, ein Achter, ein Zehner; als
auch Zeitzahlen, ein Fünfziger, ein Mankf
von fünfzig Jahren , eine Dreyßigerinn , eine
weibliche Person von dreyßig Jahren, ein Ach«
undvierziger, ein Wein von 1748.! als endlich,
auch in der Rechenkunst, Zahlen, welche in der
Stelle der Einheiten, der zehen, der hundext u.s. f.
stehen, ein iLiner, Zehner, Hunderter,
Tausender, z. Auf ling, doch nur einige
wenige, Dinge vyn st> viel Einheiten, ein Zwil-
N 5 ling
«SN ^Theil. 2. AöschM.

iing , Dreylinrz , Vierling , Münze von vi«


Pfennigen, Sechsling, für Sechser.
^ Z. 272. Zu den Grundzahlen gehören auch
die lMbirenden Grundzahlen , welche mit
der Ordnungszahl und dem Worte halb zusammen
geftHt werdm, in allen Fällen unveränderlich sind,
und da sie mehr als ein Ganzes bezeichnen, ei«'
Hauptwort der Mehrheit nach sich erfordern?
«nderrhalb, (für zweyrhaib,) ein und ein hak
bcs, drinhalb, zwey und ein halbes, fo auch,
vierrhalb, fünfthalb, scchsthaib, zehnc>
halb / zwanzrgsthalb , hunderchalb , u. s. f.
Vor anderrhalb Iahren, in dricchalb
GruNdett, zehnrhalb Thaler. Diese Zahl?
Wörter zu decliniren , in dricchalben. Iahren,
«der sie «ls .Ordnungszahlen zu gebrauchen, es
gehet in das Sri rchslbe Jahr, sind Miß?,
brauche gemM<Sr Mundarten. ' ^ - ^-.^..v-'
?>. 4 27?:. ..Die abgeleiteten Qrdnungsjshkeu/
Gattungs^ahlen, Verhältnißzahlen s. f. gehören;
«icht hiechör,^ wdem sie nicht den Umfang deS
Hauptwortes, sondern eine zufällig" Eigenschaft
ter Ordnung u. s. f. bezeichne«, und daher wahre
Adjective sind, wo wir ihrer gedenken wollen.
Eher lasset sich bevde hierher rechnen, welches
so viel wie alle zwey bedeutet, und diese zwey
Dinge so wohl distributive bezeichnet , da es den»
«ur im Plural gebraucht wird, Meyde<^>«nve
gebrauchen, «uf beiden Augen blind sey»/
meine beydsn Brüder , einer von beiden;
als auch collttkive als ein Gknzes, da denn yur
das Neutrum beydes ohne Hauptwort üblich ist :
4. Kapitel. Zahlwörter 20z

ich will dir bcydes 'Feben, ich will zn


bexden behülflich seyn.

U^/ s. Allgemeine Zahlwörter. -


Diele, Zahlwörter, welche sich auf
ist einen Veite in'das Pronomen und ans der artt'
kern in dM AdMv verlieren, bezeichnen die Z<ch^
»uc allgemein^ ohne die Einheiten ausdrücklich zu'
Dk^ und sind Wieder von verfchiedencr Art.^
«ie bieflimmen entweder alle mttcr einem GsäimgÄ'
««^begriffene Ewhelte», wie all, ,jeyer,.jegli-,
cher,' und keiner; oder nur einen betrachtlichen"
M derselben, viel, mancher; oder auch eiZ-
Hattingen Theil, wie wenig, einig, ecllch.^

§. - 275. All bestimmt die sämmtlichen unteK'


einem Gattuttgswvtte begriffenen Einbetten so allgeF!
««in, -daß kein AtMel, wohl aber das Prönomcn!
DeMnfivativu« <Vel? vor Keckftlben statt findet. »
Es wird daher, da es die Geschlechts- und Bin
Msszeichen- selbst «M«hme»NttlA>iM«. das Zahl-
dort sin, und ein jedes Adjectiv, wenn es ohne'
Artikel und Hauptwort stehet, declinitt, nur daß!
der Genitiv im Singular alles, hier noch nicht?
Mn lautet, wie bev den Adjektiven. Es gehet;
schlich p>; ' i - .
^' . , ' > < .-> » ,>ß
... /Singular. . Plural«, z
Nomtn. aller, alle, alle^u^. ,:alle..'sa
EM. ' «lles, aller , slles^ aller.
Dat. allein, aller, ^.Uem. allein .>
Anus. allen, alle, allevv alle.' ^
Nur wenn ei», Prouomen vorher gehet, Iß
hat der Dativ der Einheit allen für allem 5
bey dem allen. Eben so werden auch
alle übrige« »nl>estimmt<n Zahlworter deelinirt,
welche dey bestimmten Artikel eigentlich, nscht vor
sich leiden^ und daher für dett.Nom^nach? ihr eig«
nes Geschlechtszeichen haben, wie jeder, maw
cher,eiii!ge, etliche. ' ^
^ Dieses Zahlwort bezeichnet die sämtlichen Jw
dividua eines Gattungswortes, theils distributive,
da es denn mit demselben im Plural stehet:., der
rpechscl aller Sachen, vor allen Din
gen; theils collective, als ein Ganzes, im
gular: alle meine Freude hap nun ein Ende,
alle N?elr spricht davon; zu allem Gliicke;
in allem Ernste; ohne allett Zweifel. I«
beyden Mösn, auch ohne HaupMvrt: allex Au^
gen warten auf dich ; ,M sagen es ; um
alles in der Melx nicht s ßnd w «Kem
Scho Thaler. i^' ,^' .1: ^ « ^?
Oft kann eSauch hwtersei«mHaupMorke stchmt
Wie hat der Frevler die Blumen aÄ zev«
streut j erst-werden die ZVelren alle 'Ver
geh«. Aber-> ! aller zwey ^Meilen, für alle
zwey Meilen > alle sein Vermögen,. für sei»,
ganzes Vermögen, alle das seinige, ßi^ alleS
das seinige, und das Nebenwort all, sein Ver«
mögen ist schon all, sind Blumen der gemeb
nen .Sprecharten, aber nicht der edlern. .» ,
§. 276. Jeder, und die minder edlen jeglk
cher und jedweder, dehnen einen Satz auf alle
einzele aber unbestimmte Individua eines Gattu^s»
' - worteS
4. Kapitel. Zahlwörter. 205

tvortes aus, und leiden daher keinen bestimmte»,


«ohl aber den unbestimmten Artikel vor sich. Ohne
denselben werden sie wie aller deUinirt: jeder
Tag hat seine Plage; jedes Land har seine
Girren ; jedem ein iLy. Mit dem unbestimmt
ten Artikel gehen sie wie ein jedes Beywort, wenn
ts diesen Artikel vor sich hat: Nomin. ein jeder,
eine jede, ein jedes; Genit. eines jeden,
einer jeden, einem jeden; Dat. einem je
den, einer jeden, einem jeden; Accus, ei
nen jeden, eine jede, ein jedes. Der Plu
ralist nur in Verbindung mit alle üblich, alle
und jede; außer dem umschreibt man ihn durch
denGenitiv oder mit von, eriebrin jedem mei
ner Gedanken, jeder von meinen Freun
den. , - , > > ?
§. 277. Rem flehet für nicht ein, und
spricht ein Prcidicat allen Jndividuis eines Gat-
tungswvrtes so bestimmt ab , baß vor demselben
auch kein Artikel Statt finden kann. E6 stehet so
Wohl vor seinem Hauptworts, als ohne dasselbe;
N ersten Falle hat es fiir den männlichen und
Wichen Nominativ der Einheit kein eigenes Ge<
schlechtszeichen, kein Mensch, kein Thier,
gehet aber in den übrigen Endungen wie aller :
keines Menschen Freund, keinem Herren
ergeben. Wenn es sich aber auf das Hauptwort
bloß beziehet, so nimmt es diese Zeichen wieder
an, eben so wie ein, von welchem es abgeleitet ist.
es ist keiner geblieben, keines von beyden.
Wenn es dem Fahlworte ein Entgegen gesetzt ist,
s« leidet es so wenig einen Plural als dieses, wohl
2O6 t.Theil. 2. Abschnitt.

«der, wenn e6 dem unbestimmten Artikel eine«?


> gegen stehet : es sind keine Marter mehr
«n den Baumen; wir sind ja auch keine
Thoren. ?- , , :
§. 278. Die beiden einander entgegen gp
setzten viel und wenig, wovon jenes eine große
unbestimmte , dieses aber eine kleine unbestimmte
Mehrheit bedeutet, werden so wohl distributive , als
«olZcctive gebraucht. Im ersten Falle können sie
mit ihren Hauptwörtern »ur allein im Plural ste
hen, und leiden wegen ihrer unbestimmten Bede«
<tung nur zuweilen den bestimmten Artikel vor sich:
viele Rinder haben, seiner wenigen Ver>
dienste wegen, du sollst ein Vnccr vieler
Völker werden. Im collectiven Verstände
können sie nur allein im, Singular gebraucht wev
den: vieles Geld ausgeben, vielen Fleiß
aufwenden. Die alte Gewohnheit, die Concre,
tionse und folglich auch die Biegungs,und Gei
schlechtssylben an den Adjektiven und alles was
ihnen ähnlich ist, zu verbeissen, hat sich an diesen
Heyden Wörtern noch am längsten erhalten. A»
dem viel pflegt man diese Sylbe im gemeinen Les
ben noch häufig im Nominativ und Accusativ so
wohl des Singulars , als Plurals zu verbeissen:
viel Geld ausgeben, so viel .Muße habe
ich inchr, es waren viel Gäste da ; da man
es denn, wie die Zahlwörter zwey und drey,
nur im Genitiv und Dativ, doch in beyden Numv
xiö zu decliniren pflegt. , . ,»
§. 279. An wenig ist diese Verbeissuug
noch stärker, iudem man eS völlig indeklinabel, so
^ Kapitel. Zahlwörter. 207

wie die übrigen bestimmte» Zahlwörter gebrauchen


wenig Verdienste haben, vor wenig Tx»
gen, an wenig Orten, wenig Fle ß an,
wenden, das hat mir wenig Nmhe ge-
macht. Nur wenn ein Pronomen vorher gehet,
«der wenn es ohne Hauptwort stehet, wird es
ordentlich declinirt : seine wenigen Verdienste,
dieser ryenigen Ursachen wegen, die weni
gen Leure, der wenige Vorrat!?, das we
nige Geld, mir wenigem zufrieden. Wohl
über kaan es in der dritten Deklination der Ad
jektiven gebraucht werden? weniges Geld ist
dazu hinlänglich, nur weniger Menschen
Wohl befördern.
K. 280. Da der Grad der Mehrheit bey bey,
de« Wörtern sehr unbestimmt ist, so leiden fle auch
»ach Art der Adjectiven den Comparativ und Su
perlativ, nur daß beyde von viel, mehr und meist
lauten, wenig aber ordentlich gesteigert wird,
weniger, wenigste. Wenn mehr einen höhern
aber gleichfalls unbestimmten Grad der Menge be«
zeichnet, ss leidet es keinen Artikel, nimmt auch iiy
Nominativ und Accusativ beyder Zahlen gemeini
glich keine Geschlechtssylben an: mehr (Feld,
mehr Freunde. Wenn es aber eine absolute
Mehrheit bezeichnet, und dem eins entgegen ge
setzt wird, so wird es declinirt, zu mehrern
NZcchlen. Für der mehrere Theil, sagt
man lieber größere. Weniger ist in den
meisten Fällen eben so indeclinabel als wenig;
die Superlative aber meist und wenigste folgen
den Keswxrkery, Die vollständigen Neutrn
al«
'SvS i,z Theil. 2. Abschnitt.

>als Hauptwörter mit de« 'unbestimmten Artikel


gebrauchen, ist zwar von wenig -und
mehr gewöhnlich, es ist nur ein Weni
ges, einMehreres, aber nicht von viel und
weniger, i
K. 28 r. Mancher bezeichnet mehrere aber
^j,er Zahl nach unbestimmte Dinge einer Art, mit
Line« schwachen Nebenbegriffe der Vielheit. DM
buuve leidet es nur allein den Plural: manche
Menschen sind glücklich/ manche ttichr;
Mein wenn es collective gebraucht Wird , so kann
es auch im Singular stehen t das liebe Unge
fähr tst manches Menschen Glücksstern.
In beyden Fällen kann es mit oder ohne Haupt
wort gebraucht werden : manchem ist dieses
unangenehm; mancher will das Nicht
glauben.
5 §.282. !Lmig, als ein llnbestimmtes Zahl
wort, und etliche kommen mit dem vorigen überein/
nur daß sie einen schwachen Nebenbegriff der We
nigkeit haben / und darin dem mancher entgegen
gesetzt sind. Distributive können sie gleichfalls nur
im Plural gebraucht werden: ich habe ihn eini
ge oder etliche Mahl gesehen; es sind noch
einige oder etliche da; einiger oder etlicher
wenigen N?orce wegen. Collective aber stehet
einiger auch im Singular: es ist noch eini
ger Vorrach vorhanden; einigermaßen;
auf einige Art; nur etlich, welches ^ohnehin
wehr im gemeinen Leben als in der edlem
Schreibart gebraucht wird, ist im collectiven Ver«
stände veraltet,
§. 28Z.
4> Kapitel. Zahlwörter. 209

§. 28z. Da die unbesiimten Zahlwörter eben


wegen ihrer Unbestimmtheit den bestimmten Artikel
eigentlich nicht vor sich leiden , folglich auch dessen
Geschlechts- und Biegungszeichen entbehren müssen,
so nehmen sie dieselben , nach Art der Adjectivei!
wenn sie ohne Artikel stehen, selbst an, und wer
den daher auch so wie diese, nach dem Muster
von üller decliniret, nur^ mit dem Unterschiede,
daß die Vertauschung des es mit en im männli
chen und sächlichen Genitiv des Singulars hier
noch nicht so üblich ist, als bey den Adjectiven.:
alles Fleisches Vergänglichkeit, jedes
Hauses XVerch, manches Freundes Unbe-
stand.- Rein, viel und wenig haben diese
charakteristischen Geschlechts, und Biegungszeichen
nicht durchgängig angenommen, vielleicht aus
einer bloßen Unterlassungssünde; dafür aber leiben
die beyden letztern den bestimmten Artikel häufiger
als die übrigen.

§. 284. Noch kann hierher etwas (im


Nieders. was,) gerechnet werden, so fern es auch
zur Bestimmung des Umfang«s eines Gattungs-
wortes gebraucht wird, von welchem es aber doch
s° wie einig den Begriff der Wenigkeit anzeiget.
Es wird indessen nie anders als im Singular und
völlig indeclinabel gebraucht, und nähert sich da
durch den Adverbiis. Am Häufigsien braucht man
es hier vor Collectivis : ich habe noch etwas
<Aeld/ etwas N)ein, etwas Ohl, 'für eini
ges. Vor den von Adjectiven gemachten Absiractis
sachlichen Geschlechts, das ist etwas Schönes,
O ' etwas
219 i. Theil. 2. Abschnitt. 5. Kapitel.

etwas Gutes, etwas Neues, bezeichnetes


bloß, daß die Sache, existiret, »nd so eristirtt,
als man sagt.
§. 285. Nichts ist ein wahres Abverbium
und gehöret also nicht hierher. Aoch weniger
können man, und die damit zusammen gesetzten
jedermann, jemand und niemand, hierher
gerechnet werden, welche ihren Platz unter den
Pronominibus finden. Gesammc und sämtlich
zeigen zwar auch den Unfang, gleichen aber übrigens
mehr den Adjectiven, zu welchen auch ganz, halb
und andere ähnliche gerechnet werden müssen, wel«
che nicht den Umfang, sondern wahre Eigenschaft
ten bezeichnen.

Das fünfte Kapitel.

Von dem Adjettive oder Beyworte.

1. Allgemeine Betrachtung desselben.

§. 286.
/Kine der Wichtigsien und fruchtbarsten Bestimm»«
^ gen deS Subsiantives gewähren dessen Ev
genfchafren,und diese werden durch dieAdjecrive
ober Seywörter, besser Eigenschaftswort
ter, angedeutet. Eine Eigenschaft ist hier
olles, was an einem selbständigen Dinge befindlich
ist, so fern es an demselben befindlich, oder dem«
selben einverleibe gedacht wird; wird dieses für
Von dem Adjectiv. 21 1
sich allem ibetrachtet, so ist es eine Bcschassen-
heic und wird als solche durch das Adverbium
lezeichnet.
F. 287. Durch diesen Begriff unterscheiden
sich die Adjective von den übrigen Rebecheilen, be,
sonders aber von den Adverbien, Verdis und ab,
ikactm Substantiven. Die Adverdia betrach,
!en das, was an einem selbständigen Dinge befind-
lich seyn^kann, für sich allein, die Verba legen
es dem selbständigen Dinge in einem und eben dem-
selben Worte bey, die Adjecrive betrachten es
als an demselben befindlich , oder als demselben
schon beygelegt, und die abstracten Substantive
Den es als etwas Selbständiges dar: grün,
Pim seyn, der Wald ist grün, das Adve«
wm; grünen, das Berdum; der grüne
Wald, das Adjectiv; , das Grüne, das
Wractum.
§. 28L. Da das, was einem Dinge beyge
legt wird, auch als nicht beygelegt, und vor der
Veylegung eristirend, folglich jede Eigenschaft
vorher als Beschasfenheir gedacht werden kann?
so entstehen im Deutschen alle Adjective aus Adver,
biis, und zwar vermittelst der Concrerionssylbe
e, wodurch die Beschaffenheit de« selbständigen
Dingen als einverleibet gedacht, und dadurch zur
Eigenschaft erhöhet wird : gut, der gute Mann,
die gme Zrail, das guteÄmd. Das Ad
verbium ist allemahl - das Stammwort und das
Adjectiv das abstammende. Diejenigen Adverbia,
welche um der gelinden Aussprache ihre " Endlautes
Willen, bereits das mildernde e haben, blöde,
O Z müde,
»i2 l. Theil. 2. Abschnitt. 5. Kapitel.

müde, lose, leise, weise, herbe, enge, dür,


fen das Concretions e nicht erst annehmen.
§. 289. Indessen gibt es einige, obgleich
Vergleichungsweise nur wenige Adjective, mlche
gleich von ihrem ersten Ursprünge an bloß zu W
jectiven bestimmt sind , folglich nicht als Adverbia
gebraucht werden. Dergleichen sind besonders die
von Adverbiis der Feit und des Ortes abgeleiteten
Adjective bisherig, gestrig, heurig, heu
rig, jeyig, nunmehrig, baldig, vorig,
dasig, dorrig, hiesig, jenseicig, vorig,
«big, allerseicig, alle Ordnungszahlen, und
die mit mahlig zusammen gesetzten Zeitzahlen,
dsmahlig, abermahlig, nach'inahlig, oft»
mahlig, dreymahlig, viermahlig, wofür
die einfacher« Adverbia bisher, gestern, Heuer
u. s. f. üblich sind. Ferner die voll Präpositionen
abgeleitete Adjective des Ortes, äußere, innere,
hinrcre,' vordere, obere, nncere; einige
wo bloß eine Unterlassung des Gebrauchs die Uu
fache zu seyn scheinet-, abschlägig, geraum,
besonder, und die meisten Superlative. Hinge,
gen gibt es auch Adverbia , von welchen keine Ad
jektive üblich sind, davon an seinem Orte.
§. 290. Da der Unterschied zwischen einer
Beschaffenheit und einer Eigenschaft ein wenig fem
ist, so konnten die ersten Sprächerfinder ihn nicht
allemahl bemerken , und manche Völker übersahen
ihn auch bey der Ausbildung der Sprache. Da
her gebrauchen die Lateiner da, wo die Beschaffen
heit dem selbständigen Dinge durch das Verbum sevll
. beygelegtwird, das Adjectio, Kvmo eli bcmu^
W
Von dem Adjectiv. 21 z

w« die Deutschen nur das Adverbium nöthig ha«


im, und in manchen Sprachen ist das Adjectiv
von dem Adverbio gar nicht unterschieden. Auch
im Deutschen setzte man anfänglich das Adverbium
ohne alleS Concretions- Zeichen dem Hauptworte
vor, und im Oberdeutschen ist solches noch nicht
ganz ungewöhnlich: ein gm brav ehrlich
Mann. Als sich die Oberdeutsche Mundart in
Lbersachsen zur heutigen Hochdeutschen ausbildete,
suchte man unter andern auch das Adjectiv, und
M was dem ähnlich war, die Zahlwörter und
viele Fürwörter auf eine beständige Art von dem
Adverbio zu unterschziden. Indessen blieben doch
noch manche übrig, welche der Aufmerksamkeit
entgingen, dergleichen ein, kein, viel, wenig,
mein, dein, sein und noch verschiedene andere
sind, welche im folgenden vorkommen werden.
K> 291. Die Adjectiva bezeichnen Wgen»
schsfrm, nicht allein wesentliche und nothwendi-
ge, welche schon in dem Begriffe des selbständigen
Dinges enthalten sind, der ewige Gott, der
sterbliche Mensch; sondern auch zufällige, das
röche Haus, der angenehme Scharren,
und selbst Umstände der Feit, 'des Ortes, der Ord
nung, kurz alles was sich als an dem Dinge bei
sindlich gedenken läßt, der heurige Tag, das
entfernte Thal, der hiesige Orr. Folglich
gehören dahin nicht nur alle Ordnungszahlen
und übrigen abgeleiteten Zahlwörter, fo fern ihr
Begriff als an dem Substantiv befindlich gedacht
wird, sondern auch alle Participia, so fernste ver
mittelst der Concretions, Sylbe aus ihrem Ursprung-
O z liehen
2141. Theil. 2. Abschnitt. 5. Kapitel.

liche» adverbialifchen Zustande zu Adjectiven e«


höhet werden.
§. 292. Da die Adjective zur Bestimmung
des durch das Substantiv ausgedruckten selbständig
gen Dinges t>a sind, und in einem Satze mehrere
Substantive zusammen kommen können, so ist es der
Deutlichkeit gemäß, daß jedes Adjectiv die Tracht
seines' Substantivs trage , und sich in dem G«
schlechte, noch mehr aber in der Zahl, und den
Verhältnissen nach demselben bequeme. Hierzu
kommt noch, daß so wohl das Geschlecht als die
Casus an dem Substantive im Deutschen nur sehr
unvollkommen bezeichnet sind , daher die Deut)
schen diesen Mangel an dessen Bestimmungswör
tern ersetzet haben , 'welche daher in gewisser ?e>
trachtung die vollständigsten Declinations-Sylbe»
haben. Indessen ist die Bezeichnung des ,Gei
schlechtes an den Adjectiven am unvollkommensten,
indem sie nttr in einem Falle , und auch in diesem
nur im Singular statt findet.
§. 29z. Da sich an den Eigenschaften ebe«
so wohl als an den Beschaffenheiten sehr oft Grade
unterscheiden lassen, so können auch die Adjektive
eben so wohl gesteigert werden, als die Adverbien,
oder vielmehr, die schon gesteigertenAdverbien könne»
vermittelst der Concrelions- Sylbe e gleichfalls zu
.Adjectiven werden: Adverb, größer, größl/
Adject. der rzrößer-e, der größte,

2. Declinalion der Adjective..


K. 294. Die Declination der Adjective ist
«icht schwer, wenn man nur folgendes bemerkt,
IM
Von dem Adjectiv. 215

Im Deutschen werden die Casus, welche an den


Substantiven gemeiniglich nur sehr mangelhaft
ausgedruckt werden können, durch ihre Befiitw
mungswörter ersetzt, daher diese mit den vollständig«
sie» Biegungslaute» versehen sind, welche cm dem be
stimmten Artikel 'der am merklichsten sind. Diese
Piegungslaute sind, so wohl für sich allein, alö
in Verbindung mit dem concrescirenden e, an web
thes sie angehönget werden, folgende:

Singular. Plural.
Mast. Mm. Neut.
Nonn», r, (er,) , , x (e,) », (es,) (e.)
Genir. s, n, (es, en,) r, (er,) s, N/ (es, en,) r, (er.)-
Vitt. m, (em,) r, (2r,) m, (em,) n, (en.)
«ecus. n, (en,) - < < (e,) s, (es,) (e,)
Voc. r, (er,) , , , (e,) s, (es,) (e vder en )
Wo die eingeschlossenen Sylben den Declin«
tions - Laut in Verbindung mit dem Concretions«
Laute darstellen. Da im Nominativ und Accusativ
des weiblichen Singulars und im Nominativ und
Accusativ des Plurals, der eigentlich gar kein G«
schlecht anzeiget, die Declinativns - Sylbe mit der
Conccetions- Sylbe einerley ist, so wird jene von
dieser zugleich mit vertreten.
§. 295. Man hat im Deutschen femer an«
genommen, daß diese vollständige Declination
dey einem Substantiv, wenn es Bestimmungswort
ter vor sich hat, nochwendig einmahl, aber auch
nicht mehr als einmahl angezeiget werden soll.
Befindet sich also bey einem Hauptworts nur ei»
O 4 einiges
216 Theil. 2. Abschnitt. 5. Kapitel.

einiges Bestimmungswort, so muß dieses die


Declinations-Laute an sich nehmen können ; sind aber
mehrere vorhanden, so bekommt nur eines dieselbe»,
und die übrigen werden nach der vierten Declina-
tion der Substantiven gebeuget. Nach dieser
allgemeinen Regel, welche doch auch einige Ausnahm
Mein leidet, müssen, nicht nur das Adjectiv, so«
Kern auch alle übrige Bestimmungswörter des Sub-
siantives in allen nur möglichen Fällen decliniret
werden. Diese Fälle find nun folgende.

Erster Fall.
. K. 296. Wenn vor dem Adjective ein ande
res Bestimmungswort des Hauptwortes vorher
gehet, welches schon diese vollständigen Geschlechts-
und Biegungszeichen an sich hat, so wird dieses
auf obige Art vollständig dcclinirt, und das Ad
jectiv gehet ohne Unterschied des Geschlechts nach
der 4ten Deel, der Hauptwörter; nur daß das
Neutrum im Accusativ des Singulars dem Nomi
nativ gleich lautet, folglich e und nicht en hat.
Zu diesen Bestimmungswörtern gehören nicht allein
der bestimmte Artikel der, sondern eigentlich auch
alle Zahlwörter und Pronomina, welche sich im
Singular der Einheit auf -er,-e, -es endigen : der,
aller, mancher, jeder, dieser, jener, de»
selbe, derjenige, selbiger, solcher, wel
cher, und beyde. Hier sind nur unser, euer,
und ihr ausgenommen, welche nach dem Zwes
ten Falle gehen. Der gure Mann , dieguce
Frau , das gute Rind; des guccn Man
nes, der guren Frau, des guren Rindes,
Von dem Adjcctiv. 217

dieser fromme Vater, mancher kluge


Mann, um manches guren Vorsarzes
willen, manchem bösen Menschen. Sy
auch, wenn mehrere Adjective auf einander folgen :
dieser alre brave Mann, jene schönen ro,
rhen Zlumen.

§. 297 Da das Beywort in diesem Falle


ohne Unterschied des Geschlechtes völlig nach der
4ten Declm. der Substantiven gehet , (den Accus,
des Neutrius im Singular ausgenommen,) diese
aber im Nominativ und Accusativ des Plurals je
derzeit en oder n hat: so sollte dasselbe auch hier
nicht verbissen werden. Folglich: die grünen
Wälder, alle guten Rinder, diese ehrli
chen Keure, manche frommen Mütter,
jene großen Hauser; nicht die grüne Wäl
der, manche fromme Mütter. Allein die
Oberdeutsche Gewohnheit, den Nominativ des
Plurals in diesem und dem folgenden Falle allemahl
auf e zu machen, hat auch im Hochdeutschen, be
sonders nach manchen unbestimmten Zahlwörtern,
Ungleichheiten eingefiihret. So lautet der Nomina
tiv des Plurals nach einige und etliche, allemahl,
nach viel, mehr und alle gemeiniglich, und*nach
manche nicht selten, nur e: einige Griechi
sche Schriftsteller, manche lose Vögel,
alle übrige fremde Gäste, In den übrigen
Endungen gehet alles wieder ordentlich : aller übrr-
gen'fremden Gaste, um einiger Griechi
schen Schriftsteller willen.

O 5 Zweytcr
»i8 l. Theil. 2. Abschnitt. 5. Kapitel. .

Zweyter Fall. ^
§. 298. Gehet vor dem Ndjective ein Besiim,
niungswort vorher, welches diese vollständige»
Geschlechts- oder Biegungszetchcn entweder gar
nicht, oder nur im Nominativ der Einheit nicht
hat, so nimmt das Adjectiv sie im Nominativ der
Einheit an , gehet aber in den übrigen Endungen
wieder völlig nach der vorigen Art, d. i. ohne
Unterschied des Geschlechts durch alle Endungen
aussen; nur daß der Accusativ des Neutrius im
Singular auch hier wie der Nominativ lautet,
folglich es hat. Diese Bestimmungswörter sind:
ein, so wohl der Artikel als das Zahlwort, kein,
viel, wenig, mehr, die Possessiv« mein,
dein, sein, dero, und die persönlichen Pronox
min« ich, du, er u. s. f. Ich armer Mann^
mir armen Manne, (nicht armem,) du guce
Seele, ihr ehrlichen Leute, ein schönes
Rind, ein frommer Vater, kein ehrlicher
Mann, viel guter N?ein, wenig gutes
Brot, mein eigenes Haus, meinem eige.
neu Hause, mir dero gütigen Erlaubniß,
keine grünen Wälder.
»§. 299. Dieß findet auch statt, wenn meh,
rere Adjective auf einander folgen, welche alsdann
alle die Biegungssylbe im Nominativ bekommen
müssen: dein guter slrer ehrlicher Varer,
ein einiger lieber Sohn. Nach den Possessi
ven, unser, euer «nd ihr werden die Adjective
im Nominativ auf eben diefelbe Art declinir't,
jene gleich schon selbst mit der characteristischen C5e
schlechts, und Biegungssylbe versehen sind , ver
MUth
Von dem Adjectiv. 219

Niuthlich nur, um 'sie' nicht im Gebrauche den übri


gen Possessiven unähnlich zu machen : unser alres
Haus, 'euer schöner Garren, ihr liebes
Rind.
§. zso. Da, den Nominativ und bey den
skutris auch den Accusativ in der Einheit ausge
nommen, alle übrigen Endungen, wie im vorigen
Falle tt haben , so muß auch der Nominativ im
Plural so lauten : deine schönen Bücher,
keine bunten Blumen,, viele ehrliche»
Leute. Und da der Vocativ im Deutschen dem
Nominativ gleich ist, so kann derselbe, wenn ein
Pronomen vorher gehet, im Plural auch dieses n
nicht entbehren : meine lieben Freunde, ihr
guten Leute. Gehet aber nichts vorher, so
lautet er in der Einheit wie der Nominativ dieses
Falles, als wenn ein persönliches Vorwort vorher
gierige: großer Gscr! wie du großer Gott!
Gerechter Himmel! Nur im Plural ist man
streitig , «eil man diese Endung zu dem folgenden
dritten Falle rechnet, und daher auch in der Mehr
heit große Gatter! geliebte Freunde! sagt.
Allein da der folgende Fallabstract und unbestimmt
ist , der Vocativ aber das bestimmteste Verhaltniß
ausdruckt, so sollte man ihn nicht um das bestimmte
n bringen. Daher sagt man richtiger, lieben Frcun«
de! Theuersten Rinder! .

' Dritter Fall.


§. ?«r. Gehet aber entweder gar kein ande«
res Bestimmungswort, oder ein bestimmtes Zahl«
Wort (ein ausgenommen,) vor dem Adjective vor
her,
22O I. Theil. 2. Abschnitt. 5. Kapitel.

. her, so muß dieses die vollständigen Biegungss


und Geschlechtszeichen an sich nehmen, die es denn
hinten an die Concretions - Sylbe e anhängt. DaS
Adjektiv wird alsdann folgender Gestalt deelinirt:

Singular. . ^ Plural,
Masc. FSmin. Neutr. ^ /
«. großer, große, großes, große.
G> großen, (großes,) großer, großen, (großes,) groß«.
D. großem, großer, zroßein, großen.
V. großen, große, großes, große.
5. z«2. Der Genitiv der Einheit lautet im
Ma'culino und Neutro der Regel nach es: sep
gutes Muthes. Mein im Hochdeutschen enk
lehnt man dafür lieber und häufiger den Genitiv
der vorigen Fälle, ohne Zweifel, die vielen s zu
vermeiden, zumahl da der Genitiv an dem Mas>
culino und Neutro ohnehin schon bestimmt genug v.«
zeichnet ist: guten ^heils, seligen Andenkens,
die H.Schrifc alten und neuen Testaments,
widrigen Salles, andern Theiles. Zw
dessen hat sich doch der erste Genitiv noch in man
chen Wörtern selbst im Hochdeutschen erhalte»:
gerades Weges, hiesiges Ortes. Nur die
Pronomina nehmen dieses en gar nicht, und die unbes
stimmten Zahlwörter nur selten an : ? manchen
Mannes i^hre, besser manches.
§. zoz. Diejenigen Adjective,> welche sich
auf ein m endigen, wie arm, angenehm, vor
nehm, bequem, lahm, nehmen im Dativ zur
Vermeidung des Ubellautes statt em nur en an.
Von dcmAdjectlv. 22 t

Ist ein Mißverstand zu besorgen, so setzt man ihnen


lieber den unbestimmten Artikel vor. Der Nomv
nakiv im Plural hat hier allemal e: gelehrte
Manner behaupten es, das rhun nur uner,
fchme Leute.
§. ZO4. Kommen zwey Bestimmungswörter
d« einem Adjectiv zu stehen , so behalt jedes seine
eigene Declination: viele solche neuen N?ör,
rer, um vieler solcher neuen Mörder wil
len, alle diese bösen Menschen , um web
cher vielen Vergebungen willen. Steht
ein Bestimmungswort zwischen zwey Adjektiven, so
wird nur jenes charakteristisch gebeuget: besag
ten unsers unumschränkten Herren : außer
im Nominativ, besagter unser unumschränkt
ter Herr.
K. 305. Wenn zwey oder mehr Adjective ohne
vorher gehendes Bestimmungswort vor einem
Substantive stehen , so erhält nur das erste die
vollständige Declination, die übrigen aber gehen
nach der zweyten Art: guter weisser Hafer, gu-,
ken weissen Hafers , gutem weissen Hafer,
guten weissen Hafer; reiffe süße Zruchc,reift
fer süßen Frucht, Plur.reiffe süßen Früchte.
So auch schöne grünen Gräser, schöne
großen Häuser. Allein in manchen Fällen rich-
km sich, besonders im Nominativ des Plurals, auch
die folgenden nach dem ersten: ganze lange
Tage, lange ganze Tage, lange halbe
Nächte, schwere volle Becher, leichte
leere Garben, eine Reihe wshlkingendcr
Deutscher Verse, u. s. f. welche Fälle, bieder
222 i. Theil. 2. Abschnitt. 5. Kapitel.

Sprachgebrauch verwirret hat, sich nicht nach Re<


geln bestimmen lassen.
'§. zo6. Gchet ein bestimmtes Zahlwort
(ein ausgenommen,) vor dem Adjektive vorher,
so wird dieses, wenigstens mit Gewißheit im Nomu
nativ, gleichfalls nach dieser Art gebeuget, vw
muthlich , weil ?nan diese Zahlwörter als unabs«
derlich betrachtete.- zwey lange Tage, zweier
langer, (auch wohl langen,) Tage; dres
bare Thaler, dreyer barer, (baren,) Tha>
ler. Wenn aber das Zahlwort im Genitiv uiid
Dativ unabänderlich ist , dann ist diese Declinatio«
unentbehrlich : vier ganzer Nächte Schmerz,
fünf langer Jahre Gram, der Gram füns
langer Jahre, nach fünf langen Jahren.

5 O
§. 807. Die characteristischen Geschlecht
und Biegungslaute außer den angezeigten Fälle«
auch in andern zu verbetssen, ist ein Fehler: üll
mein vermögen, für aÜes, manch ehrli-
cher Mann, für mancher ehrliche, ein
guc Rind, für ein gutes, heiter Wetter,
für heiteres; welche Verkürzung des Neutrius
man allenfalls den Dichtern um anderer Sch«v
Helten willen übersehen, kann : fein allmächtig
Haupt.
§. Z«8. Adjective, welche sich auf ein tonK«
ses el oder er endigen, können in der Declinatio»
Has e vor dem n wegwerfen, eiteln, faucrn;
wenn sie aber auf e und er wachsen , so könne»
sie, so wie die auf ein tonloses en, ihr eigenes t
ent»
Von dem Adiectiv. 22z

entbehren: eitle, eitler, eigne, begangne,


zerrißne, wenn anders der Wohllaut esverstättet,
daher nicht erschicnne, für erschienene, nicht
gewönne für gewonnene. In den Participien
auf er würde die Bsybehaltunq ihres e in der
Declination den Wohllaut beleidigen, geliebtes
Aind , nicht gelieberes ; es müßte denn vor
der Endfylbe noch ein r vorher gehen, verrich,
tere Arbeit, nicht verrichte.
§. ZO9. Wenn zwey Abjective mit und ver>
bunden werden, fo pflegt man in der vertraulichen
Schreibart die Endung des erstem gern zu verbeift
fen : ein roch und weisses Gesicht. DiesZ
weiter als auf den Nominativ und Accusativ des
Neutrius auszudehnen, würde Härten verursachen.
§. zio. Einige Adjective werden im Deut
schen nie declimrt; dahin gehören vornehmlich
allerhand, und alle mit halb und lcy zusammen
gesetzte, anderthalb, allerley, msncherlcy,
zweyerley, u. f. f. welche wegen ihrer Zusammen,
setzung keiner Abänderung fiihig siud. Daß
viel, mehr und wenig oft auf ähnliche Art
gebraucht werden , ist schon da gewesen. Ganz
und halb werden im dritten Falle, wenn sie ohne Be
stimmungswörter stehen, gleichfalls nicht gebeuget :
ganz Deutschland, halb Sranöreich, für gam ,
zes, halbes. Aber in ganz Deutschland, besser
im ganzen Deutschlands. Andere, welche
sonst hierher gerechnet werden, z.B. voll, geling,
übrig u, s. f. sind , wenn sie ungebeuget bleiben,
wahre Adverbia: er ist voll List, oder mit der
Oberdeutschen adverbialischen Endung, Voller
224 i. Theil. 2. Abschnitt. 5. Kapitel.

List, wir haben Geld übrig, weil sie nichts


dem Substantiv einverleibtes darstellen. Geschiehst
solches , so müssen sie auch gebeuget werden, wenn
sie dessen fähig sind: ein volles Glas, aller
übrige N?ein. Genug Mahl, für mehr-
Niahls oder oft gehöret in die niedrige Sprache.

z. Steigerung der Adjectiven. >. .


§. zu. Da sich in den Eigenschaften eben so
oft mehrere Grade denken lassen , als in den B«
schaffenheiten , so können auch die Adjektive da,
wo der Verstand es erlaubt, gesteigert werden;
oder vielmehr, es können die gesteigerten Adverbien
Dernnttelst des Concretions< Lautes e dem Haupt-
Worte als einverleibet bezeichnet, folglich zu Adjec
tiven erhöhet werden. ' Adv. schön, schöner,
schönst ; Adj. die schöne Blume, eine schö,
nere Blume, die schönste Blume. Wie
diese Steigerung geschiehet, wird bey den Adver,
bien gezelget werden , daher wir hier desto kürzer
seyn können.
§. zi2. Wird eine Beschaffenheit einem
Dinge nur Uberhaupt, ohne alle Bestimmung des
Grades beygelegt, so stehet es im positiven SU<
stände, oder ist ein positives Beyworr.
Wird ein Ding mit einem oder mehrern verglichen,
und ihm eine Eigenschaft im höhKn Grade beyge
legt, so befindet es sich im comparaciven Zw
stände, oder ist ein csmpararives Beyworr:
die Rose ist eine schönere Blume als die
ZTtarcisse. Wird aber die Eigenschaft eines Din»
ges über alle übrigen seiner Art erhaben, so stehet
- . ., , es
Von dem Adjectiv. 225

eiimsuperlativen Stande, oder ist ein super-


lanves Be^worc , welches denn oft noch oaS
aller zu sich nimmt: der allergchorsamste
Sohn, oder der gehorsamste Sohn unrev
allen.
ziz. Was als ein Adverbium gesteigert
werden kann,kann es auch alsAdjectiv, oder vielmehr,
jedes gesteigerte Adverbium kann auf die gewöhn?
liche Art als Adjcctiv gebraucht werden. Allein,
nicht alles, was gesteigert ist, läßt sich als Adver,
biunz gebrauchen ; besonders ist der Superlativ für
sich allein nur selten als ein Adverbium üblich, ver-
luüthlich, weil sich der höchste mögliche Grad zwar
sehr leicht an- einem Dinge , aber nicht so leicht
außer demselben und für sich allein gedenken lasset.
Höchst, gehorsamst, unterchänigst, jüngst,
langst, meist, sind einige von den wenigen,
Kelche als Adverbia üblich sind; iibrigen Müs»
sei, entweder durch Umschreibung, aufs beste, am
besten, oder durch eine neue Ableitung, bestens,
dazu geschickt gemacht werden. Zu den Abweichung
gen gehören besonders oft und die Nebenwörter
des Ortes, außen,. mnen, hinten, vornen,
oben, unten, mitten, welche zur Bildung deS
Üldjntivs im positiven Stande noch das er an sich
nehmen : der öftere Gebrauch , der äußere,
innere, Hintere, vordere, obere, untere,
mittlere; welche wie Comparative aussehen, ohne
es zu seyn. Um des Übellautes so vieler zusam
men kommenden r willen leiden sie keinen Compar«
tiv, wohl aber den Superlativ: am Öftersten,
der äußerste^ innerste u. s. f.
P §. Zl4.
»26 I. Theil. 2. Abschnitt. 5. Kapitel.

§. Z14. Wenn ein aus zweyen Adjectiven zu


sammen gesetztes Adjectiv gesteigert werden soll, so
geschiehst solches gemeiniglich nur an dem letzten:
vollkommen, vollkommner, der vollkom
menste; vollständig, vollständiger, der
vollständigste. So auch wohlverdient,
hochgeehrt, gurmüthig, vielgülcig, wohk
klingend, stadtkündig u. s. f. Dahin gehören
doch die nicht, wo die erste Hälfte schon vor der
Steigerung ein Superlativ war , bestverdienr,
höchstgeehrt, hSchstbeglückr, welche in die
ser Gestalt nicht weiter gesteigert werden können,
sondern in diesem Falle die erste Hälfte der Zusam
mensetzung verlieren müssen , geehrter, der ge-
ehrreste. Höchstgeehrrester gehöret zu den
Blumen des Curial^Styls. Manche Zusammen«
setzungen, welche schon so bestimmt sind, daß sie
dem Scheine nach keiner Steigerung fähig find,
leiden zwar keinen Comparativ, aber um des Nach«
druckes willen doch den Superlativ: die zenrner-
schwersten Sorgen, der blucfremdeste
Mensch.
§. Z15. Die gesteigerten Adjective können auf
alle drey Arten der positiven decliniret werden:
der jüngere Bruder; ein jüngerer Bru
der, alle jüngern Brüder; das sind grö
ßere Männer als ^ihr ; der jüngste Brw
der; mein jüngster Bruder, größter -Hel
den Rühm. Da der Comparativ den hohem
Grad nur ganz unbestimmt ausdruckt, so wird
er häufiger mit dem unbestimmten Artikel als mit
dem bestimmten, und am häufigsten als Adverbium
Von dem Adjektiv. 227

gebraucht, dagegen der Superlativ wegen seiner


genauen Bestimmung nicht leicht den unbestimmte»
Artikel verträgt. . ,
§. zi6. Die Zusammenkunft mehrerer kur«
zen Sylben in der Declination der gesteigerten Ad«
jective, besonders des Comparativs zu vermeiden,
können die, welche sich im Positiv aufel, enunder
endigen , ihr e vor der Endung des ComparativK
ausstoßen: der edlere, eilt sichrerer, voll-
kommnere, verdorbnerer Wein. Andere
können, wenn sie am Ende wachsen, das Concre»
tions e entbehren : die schönern, klügern,
bessern, größern, für schöneren, u. s. f. Wo doch
in allen Fällen der Wohllaut befraget werden muß.

4. Von den adjectiven Zahlwörtern. '


§. Z17. Unter den Adjectiven gibt eS per,
Wedene Arten, welche eine besondere Erwähnung;
verdienen, wohin besonders die Participien und-
die adjectiven Zahlwörter gehören. Von den er«
stern reden wir in einem eigenen Kapitel, daher
wir es hier nur mit den letztern zu thu« habey. :
K. ziz. Die von den Grundzahlen abgelettg,
ten oder mit ihnen zusammen gesetzten Zahlwörter
sind wahre Adjective, weil sie den Umstand der Zahl
als den Substantiven einverleibt darstellen, dage«
gen die Grundzahlen den Umfang der Individuen
eines Gattungswortes bezeichnen, und daher auch
kein Concretions -Zeichen haben. Die vornehmsten
hierher gehörigen Zahlwörter sind :
§. 319. 1. Die zahlordnenden Beywörter, oder
die Ordnungszahlen, welche vermittelst der
P 2 Evlbs
22Z i. Theil. 2. Abschnitt. 5. Kapitel.

Sylbe te, und von zwanzig an vermittelst der


Sylbe ste von den Grundzahlen abgeleitet werden :
, der zweyre, dritte, (nicht drcyre,) vierte,
> achte (Mt achrre,) neunte, zehenre, oder
zehnte, dreyzehnre, vierzehnte, zwanzigste,
dre-yßigste, hundertste, tausendste. Der
erste lst>abweichend.'- In zusammen gesetzten Zah
len bekommt mir die letzte das Ordnungszeichen :
der ein und zwanzigste, der tausend ein
hundert und vierzigste. Nach der Ordnung
zu fragen , nimmt auch viel dieses Ordnungsze«
chen an, der wie vielste ? Will man anzeigen,
daß jemand selbst der so vielste der Zahl nach sey,
so setzt mcm im gemeinen Leben das Pronomen
selb oder selbst vor. selb anders oder selbst
ander, selb drittes selbst vierte kommen,
d. i. mit noch einem, mit noch zweyen, mit noch
dreycn, so daß man selbst der' andere, dritte oder
vierte ist. Mit eigenen Nahmen verbunden stehen
die Ordnungszahlen hinten, Friedrich der
dritte , ' August der zweyre. Abgeleitet wer-
den Hon den Ordnungszahlen: 1. Adverbia auf
ens, erstens, zweitens, drittens u. s. f.
2. Hauptwörter auf el, einen Theil und dessen
Verhältniß zum Ganzen zu bezeichnen, ein Zwec
kel, Drittel, Viertel u. s. f.
Z §. z2o. 'Ander wird als Ordnungszahl ohne
Unterschied für zweyte gebraucht, es mag von
zweyen oder mehrern die Rede seyn. Nur wenn
eine Verwechselung mit dem bloßen Beyworte an«
der zu besorgen ist, braucht man lieber zweyte.
Alle Ordnungszahlen können aufdiedrevfache Weise
, . der
Von dem Adjttti'v. ' ? - 229

der Adjektiven derlkniret werden ; am häufigsten


geschiehet solches mit dem bestimmten Artikel, Her
erste Theil, ftltener mit dem unbestimmte«, das
Recht eines Dritten, noch einen vierten
Theil hinzu thun, am seltensten und nur in
Überschriften ohne Artikel, erster Theil, zwei
tes Buch, sechstes Jahr. Als Adverbia
werdet die Ordnlmgszahlen nie gebraucht.
§. Z21. 2. Garcende Zahlwörter, eine
Nntheilung in Arten und Gattungen zu bezeichnen.
Sie werden ans dem Genitiv der Grundzahlen mit
dem veralteten Hauptworte ley, Art, Geschlecht,
zusammen gesetzt, sind völlig unabänderlich, wen
den am häufigsten ohne Artikel, und am seltenste»
mit dem unbestimmten Artikel gebraucht , und sind
such als Adverbia üblich. Sie sind so wohl be
nimmt, oder wirklich zählend, einerlei, zweier-
ley, beyderley, dreyerley, zehnerlei zwaN-
zigerley, hundertcrlcy, tausenderlei; «ls auch
unbestimmt, allerley, mancherley, vielerlei,
keinerlei In zusammen gesetzten Fahlen be
kommt nurdie letzte das Gattungszeichen, ein und
zwanzigerley. Won den gleichbedeutenden gleich
falls unabänderlichen Gattungszahlen mit Hand,
ist im Hochdeutschen nur noch allerhand üblich. >
Z22. z. VervielfalriFUNIs? und Mies
derhohlungszQhlen, mit mahl, welche eigent
lich Adverbia sind, einmahl, zrveymahl, dreys
mahl, zwsnzigmahl, aber auch oft abgeleitete
Adjectwe leiden, zweymahn'g, fünftnahliF,
zehenmahlig, welche doch nicht als Adverbia
gebraucht werden. Die bestimmten bekommen als
- P Z Adver
2ZO i. Theil. 2. Abschnitt. 5. Kapitel.

Adverbia nie ein s am Ende, achtmahl, abe»


mahl, allemahl, dießmahl, keinmahl, viel,
mahl, manchmahl; wohl aber einige andere,
jemahls, vormahls, Nachmühls, noch«
mahls, ofrmahls, mehrmahls. Wenn
eine Präposition dazukommt, so hört die Zusammen?
setzung auf, zu vier Mahlen, auf fünf
Mahl. Es ist wohl sehr gleichgültig, 06 man
sagt, dreymahl so lang, oder dreymahl
länger.
§. Z2z. 4. Verdoppelungszahlen, anzw
zeigen , wie oft ein Ding genommen werden soll,
mit -fach , einfach., zweifach , noch häufiger
zwiefach, wofür aber auch doppelt üblich ist,
dreifach, vierfach, zehnfach, fünf und
zrvanzigfach, hundertfach, tausendfach.
Sie werden am häufigsten in den beyden ersten
Deklinationen der Adjective , selten in der dritten
gebraucht, können aber auch als Adverbia stehem
Dreydoppelc, vierdoppelc u. s. f. furdre?>
fach, vierfach, gibt einen irrigen Verstand,
«eil doppelt schon zweifach ist.
Z24. 5. Verhälrnißzahlen, ein geo,
metrisches Verhältniß zu bezeichnen, mit faltig,
welche in der Bedeutung mit den vorigen nicht
verwechselt werden müssen, ob sie ihnen gleich in
dem Gebrauche ähnlich sind : einfältig, welches
doch nur figürlich gebraucht wird, zweyfälcig,
häufiger zwiefältig, dreifältig, (in einer
Nebenbedeutung dreyfaltig,) zehenfälcig, hun,
dertfälrig, tausendfältig. 1S0 auch die unbe-
siimmtern vielfältig, mehrfältig.
5 Z25-
Von dem Adiectlv. 2z i

§. Z25. Die Vertheilungszahlen, je


Zwey, je dxey, je vier, u. s. f. wofür man auch
sagt, zwey und zwey, drey und drey, ge,
hören zu den Grundzahlen, so wie andere zusam,
mengesetzte adjective Zahlwörter, dreypfündig,
vierjährig, fünftägig, zweyschneidig,
zehnblärcerig, dreyeckig, vierfarbig, sechs,
seicig, u. s. f. sich durch nichtö von andern Adjekti
ven unterscheiden.

5. Adjective als Hauptwörter,


f. Z26. Die Adjective können auch als Haupt«
Wörter gebraucht werden, aber auf verschiedene
Art. Es kann die bloße Beschaffenheit, ohne ei«
nein Dinge einverleibet zu seyn, als selbständig
betrachtet, oder das Adverbium als ein Haupt,
Wort gebraucht werden. Dergleichen Substantive,
welche doch nicht von allen Adverbien üblich sind,
sind jederzeit sächlichen Geschlechtes, bezeichnen
Körper, welche die genannte Beschaffenheit gleich,
sam ganz sind, ingleichen die Beschaffenheit als
selbständig , und gehen nach der ersten Deklination
der Hauptwörter, folglich Genit. es, Dat. e, Rom.
Pl. e: das Schwarz, des-es, wenn der,
selbe von mehrern Arten üblich ist, die e, so wohl
ein Farbenkörper als auch die schwarze Farbe, ein
schönes Schwarz. So auch das Bein,
schwarz, Berlinerblau, Bergblau, Rup,
ferblau, das Blau des Himmels, das
Rupfergrün, Berggrün, Immergrün,
Sinngrün, zwey Pflanzennahmen, Blasen
grün, Grobgrün, das Braunroch, Berg-
P 4 roch,
2Z2 i. Theil. 2: Abschnitt. 5. Kapitel.

roth, däs Eiweiß, Federweiß, Blc^


weiß , Schieferweiß. Ferner das Tausend;
schön, Bittersüß, Z^ngelsuß, Ayerklar,
Allgur, Vielguc, die poetischen das V7aß,
das Rund der Arde, das Dun kel ; ferner das
Latein, Das Deutsch, das Griechisch, das
Sranzösisch, von den Sprachen, und andere mehr,
welche doch zum Theils nur im gemeinen Leben
Lbiich sind.
§. Z27. In einem andern Verstände lassen
sich dieAdjective in allen dreyGeschlechtern alsHauvb
Wörter gebrauchen, welche denn die drey Declinatio,
nen der Adjective nachahmen. Im männlichen und
weiblichm Geschlechte bezeichnen sie alsdann Per
sonen , welche die genannte Eigenschaft an sich h«
den.: dev N?eise, desm, dem-n, den-n;
Die Weisen ; die Schöne, derm (nicht Schöne)
Pl. die Schönen. So auch der Oberste,
der Bediente, der Gelehrte, der Liebste,
die Liebste , (welches gemeiniglich nach der 7ten
Deel im Singular unverändert gebraucht wird,)
die N?elrweise, Gelehrte, Verwandte,
(nicht Verwandrinn S. §. r?6, S. 105.) Ig,
gleichen mit dem unbestimmten Artikel, mit Pronox
minibus und Zahlwörtern :i ein Oberster, einGci
lehrcer, eine Schönes alle Großen, unsere
Gelehrten, eure Schönen, ihre-Z5ediencen.
§. ?28. Der dritte Fall der Adjective findet
im Singular der Natur der Sache' nach nicht statt,
Wohl aber wird der Vocativ, der wegen seiner eigenen
genauenBestimmung nur alleinPronomina Possessiv«
»der Adjective vor sich leidet, aus dieser dritte«
. .' Form.
Von dem Adjectlv. - szz

Form gemacht , welches denn der einige .Fall ist,


da ter Deutsche Vocativ anders lautet, als der
Nominativ: Weiser! großer Gelehrcer!
Oberster! Teurscher! mein Tcurscher!
Nach dieser dritten Form werden sie auch im Plu
ral gebeugt, sowohl wenn eine unbestimmte Anzahl
ohne alles Zahlwort, als auch eine bestimmte An
zahl mit einem bestimmten 'Zahlworte bezeichnet
werden soll: große Gelehrte, berübmre NX-lr-
weise sagen > gepriesene Große, drey Be
diente, vier N)ilde. Nur die weiblichen neh
men ein en an, vermuthlich um sie von dem Singu
lar zu unterscheiden, gepriesene Schönen,
drey Liebsten. >'
§. Z29. Das Neutrum des Adjectives wird
sowohl mit dem bestimmten Artikel, als mit dem
unbestimmten und einigen Zahlwörtern gebraucht,
die an einem Dinge befindliche Eigenschaft als selb
ständig darzustellen: das Große, das Erha.»
bene, das Adele , das .Verwesliche an
uns , wie habc ihr das Wrele so lieb! ein
Unförmliches Ganzes, das ist erwas Vor«
treffliches , etwas Großes, ecwas Schö
nes, alles Gure an dir, manches Verächv
Ilche. Der Gebrauch mit dem unbestimmten Arti
kel ist der seltenste, besonders an statt des bloße»
Adejrtives; man sagt zwar, ein Übriges rhun,
das ist mir ein Geringes, ein N?cniges,
ober nicht ein Vieles, ein Großes, und auch'
Aleines ist schon veraltet.
§. ?z«. Man muß diese Substantive nicht
nnt den AbstVactis verwechseln , welche theils de«
P5 Zustand,
«54 i. Theil. 2. Abschnitt. 6. Kapitel.

Zustand, theils auch die Eigenschaft als selbständig


darstellen. Das Schön, in Tausendschön,
ein Ding welches gleichsam ganz schön ist, die
Schöne, eine schöne Person, das Schöne,
dasjenige, was an einem Dinge schön ist, das
alte Abstractum die Schöne, und das neuere
die Schönheit, so wohl der Zustand, da- etwas
schön ist, als auch eine einzele schöne Eigenschaft.

Das sechste Kapitel.

Von den Pronominibus.

f. ZZI.
«rlleS übrige, was die vorigen Redetheile an dem
^ selbständigen Dinge noch unbestimmt gelassen,
, das bestimmen endlich die Pronomina , welche
daher bloß diejenigen zufälligen und veränderlichen
Verhältnisse bezeichnen , welche einem Dinge in
dem Augenblicke der Rede zukommen, worunter
denn das Verhältniß der Person das vornehmste
ist, daher man sie um deswillen auch persönliche
Bestimmungsrvörcer nennt.
K. ZZ2. Die Verhältnisse, welche sie bezeich
nen, sind veränderlich und gelten nur für die gegen,
wärtige Rebe. Derjenige, welcher jetzt spricht,
und folglich ich ist, kann in dem nächsten Augen,
blicke der Angeredete, folglich du, und gleich dar,
auf der seyn, von welchem man spricht. Jedes
Ding kann in diesem Augenblicke dieses, und im
folgenden jenes heissen.
L. 3ZZ.
Pronomina. 235

f. zzz. Dieses zufällige Verhältnis ist vo»


vttschiedenerArt, daher sind es auch die Prono
mina. Wir haben: i. Personal!«, perstZn-
liche im engsten Verstände, welche das Verhält,
niß der Person und sonst nichts bezeichnen. 2.
Possesilva, zueignende, welche den Besitz oder
das Eigenthum nach dem Verhältnisse der verschie
denen Personen andeuten, z. Demonstrativ«,
anzeigende, welche das Verhältniß des Ortes
«Ansehung des Sprechenden bestimmen. 4. De
terminativ«, welche dasjenige Ding vorläufig
bestimmen, auf welches ein PrSdicat zurück gefüh
ret werden soll. 5. Relativ«, beziehende,
welche dieses PrSdicat auf das vorhergehende Ding
Muck führen. Und endlich, 6. Interrogativ«,
tragende, den Gegenstand einer Frage zu b«
zeichnen. >
§' ZZ4. In einer andern Bettachtung sind
die Pronomina entweder Substantivs , oder
Adjectivs. Jene können für sich allein stehen,
und sind Nahmen der Dinge in Anfehung ihres
persönlichen Verhältnisses, ich, du, er, die
Neinigen. Diese erfordern ein Hauptwort,
und gleichen alsdann den Adjectiven. Viele kön
ne» auf beyderley Art gebraucht werden, und
heissen alsdann, wenn sie ohne Hauptwort stehen,
absoluta , und wenn sie dasselbe bey sich haben,
conjuncriva.
§. ZZ5- Da die Pronomina in mancherley
Verhältnissen in einem Satze können zu stehen kom,
men, so müssen sie auch fähig feyn, diefe Verhält,
msse zu bezeichnen , folglich decliniret zu werden,
s"
2?9 i.Theil. Abschnitt. 6. Kapitel.

so wie sich auch die meisten nach dem' Geschlechte


derjenigen Person bequcmen, welche sie bezeichnen,
oder desjenigen Hauptwortes, mit welchem sie veu
bunden werden. , . m. .

r. Persönliche Pronomina. .. , .
§. z;6. Alle selbständige Dinge sind entwv
der lebendig oder lebloöz allein der rohe Natu»
mensch siehe! sie alle als lebendige wirkende Wese»
an, der ZVincer kommt, das Feuer brennt;
daher können in der Sprache auch leblose Dinge
eines persönlichen Verhältnisses fähig seyn. Dieses
WerhSltniß ist eigentlich dreyfach, dessen der da
spricht, die erste Person, der zu welchem ge,
sprechen wird, die zweyte Person, und der
oder das Ding, von welchem gesprochen wird, die
dritte Person. In allen drey Fallen ist die
Person entweder einfach , oder mehrfach , daher
auch Pronomina für beyde Zahlen statt finden.
K. ZZ7. Die dritte Person, welche alle Pen
sonen und Sachen begreifst, von welchen geredet
wird , ist der Natur der Sache nach einer vlelf«
chen Bestimmung fähig. Sie wird entweder be,
stimmt bezeichnet, nach den drey Geschlechtern er,
sie, es, und im Plural durch sie, oder unb»
stimmt, durch jemand, niemand, man, ei
ner und es.
§. ZZ8. Die Pronomina der ersten und zwei
ten Person, ich und du, werden im Deutsche»
von allen dreyen Geschlechtern gebraucht; allem
die dritte, die unbestimmteste unter allen, bezeichnet
im Singular alle drey Geschlechter, ist aber i»
Plural
.,1 Pronomina.,. 237

Plural wieder nur einfach. Alle drey werde.» fol>


Mder Gestalt deelinirt.

.. Erste Person- Zweyte.


Komm, ich.- ' du.'?
Semtt meiner, (mein) deiner, (dein)
LA .„mir, , r . dir.
Accus. Mich. dich.

g,.....,, , Plural.
N,min. ' wir. ihr.
Genit. ' unser. euer.
Dat. untz. . euch.
Sl«us. uns. euch.

iz-tt.-. Dritte Person., . .


Männl. ' Weibl. Sächl.
Nonn», er. sie. , es.
Gmit. seiner,(sein ) ihrer,(ihr.) seiner,(sein.)
SG..chw. > ihr. . ihin>
!l««s. ihn. , sie. es.

' Plural.
: -. . : ' Nomin. sie.
Genit. ihrer., ,. , ,
^ Dat. ihnen.
Arcus. sie.
§. ZZ9- Die persönlichen Pronomina sind
:ubstankiva, wovor, die Heyden ersten die Persott
thig ist, der doch als Apposition zur Erklär«»;
statt finden kann : ich, Sohn eines frommen
Varers, du, Rönig in Israel, ich ar
mer Mann, mir verlassenen Rinde, wir
Einwohner dieser Scadr. Ich kann im
Singular auch als ein eigentliches Hauptwort ge>
braucht werden, in welchem Falle es aberindecliv«
bei ist, mein anderes Ich ist codr, der
Werth seines lieben Ich.
§. Z4<?. Die Oberdeutschen zusammen gezo
genen Genitive mein, dein, sein, ihr, komme»
im Hochdeutschen nur noch bey den Dichter« v«r:
ach, sprach er, ach! erbarmt euch mein!
Gell. Man spottet sein. Die Genitive des
Plurals unser und euer müsse» nicht mit de»
possessiven Genitiven unsrer und eurer verwechs
seltwerden; gedenke unser im besten, nichtmu
serer oder unsrer.
§. z4 r. Mit du sollte eigentlich eine jede
einfache Person außer uns angeredet werden, allein
die gesellschaftliche Höflichkeit hat hier ein anderes
eingefuhret, fb daß du nur noch gegen Gott, w!
der Dichtkunst, in der Sprache der Vertraulich,
keit, und in dem Tone der Herrschaft und Verachs
tung üblich ist. Außer diesen Fällen redet man
sehr geringe Personen mit ihr, dem Plural der
zweyten Persott, ein wenig bessere mit er und sie/
noch höhere mit dem Plural der dritten Person, sie,
und noch vornehmere wohl gar mit dem Plural
des Demonstrativ!, dieselben an. Das «uer
ydex verkürjt iLw. in abstrakten Anreden hoher
Perso,
Pronomina. > 239

Personen, ist noch ein Überbleibsel der alten Gu


»ohnheit, einzele oder mehrfache Personen außer
uns mit ihr anzureden.
K. Z42. Die beyden ersten Personen sind
durch ihr Verhältnis! schon sehr genau bestimmt,
Äem die dritte ist es nicht, daher ihr Nähme oder
Hauptwort wenigstens das erste Mahl angegeben
«erben muß. Um deßwillen wird auch das Prono«
»>en der dritten Person im Singular nach allen
drey Geschlechtern der Hauptwörter gebeuget, auf
«eiche es sich beziehet, er, sie, es. Im Plural
leidet es diese Beugung nicht , sondern lautet für
«lle drey Geschlechter sie. Wenn das Substantiv
der dritten Person genannt wird, so bleibt das
Pronomen weg, weil jedes Ding ohne personliche
Bestimmung für die dritte Person gehalten wird:
der Dichter spricht, die Sonne scheint.
§. Z4Z. Das bestimmte Pronomen des ungu
Wn Geschlechtes, es, kann bey ftinem Haupt-
«orte stehen, muß sich aber auf eines beziehen:
limm hin das Buch, ich schenke es dir;
Zas ist nicht Freundschaft, es ist Ralc«
mn; das arme Rind! nimm dich seiner
m; das Pferd entlief aber ich eilte ihm
lach. Oft beziehet sich dieses Pronomen anstatt
es Hauptwortes auf einen andern Redetheil oder
anzen Satz, kurz auf alles, was als die dritte
'erson ohne bestimmtes Geschlecht angesehen wer.
m kann: ich will es dir Dank wissen; be-
enk es nur, mir so mitzuspielen; mein
zerz sagt es mir, du bist mein Erretter,
staun zugleich, besonders in der vertraulichen
Sprech,
I
SM i. Theil. 2.' Abschnitt. 6. Kapitel.

Sprechckrr, mit lallen vorher gehende» Wörtern ziu


sammen! gezogen werden , wo der Wohlklang , es
erlaubet: gibmirs, er nahms, Hai) ichs
schon? Stver nicht, hörst dns? damirs die
Jugend lernen
' §. Z44. Die persönlichen Pronomina könne»
Noch auf eine doppelte Art naher bestimmet wc«
den: i. durch die Ausschließung der Gegenwart
einer jeden andern Person/ vermittelst des Wortes
allein: ich allein habe es gsthan, du allem
bist unschuldig, mir allein zu Gure, ih
nen allein zum Nurzen. 2. Durch die Aus,
Schließung der Tßeilnehmurig, und Mitwirkung
einer andern Person, vermittelst des WörrchenS
ftibst/ (nichts selber oder seibsten:) er selvst
har es gerhan, oder hat es selbst Jecha,?;
ich bin es selbst; sich selbst verleugnen;
die Liebe seiner selbst. Ws es oft auch eine
tloße Gradation bezeichnet: ich komme fast
ftlbst auf die Gedanken, so gar auch ich;
ünd alsdann auch ohne Pronomen stehet : selbst
der Fluch einer Murrer würde hier kraft
los seyn. Hinter einem Substantiv bezeichnetes
einen hohen Grad: er ist die Freundlichkeit
ftlbst. Beyde sind wahre Adverbia, weil sie etwas
Unselbständiges bestimmen. ->. ^ > .-^
§. Z45. Oft leidet das persönliche Pronomen
noch eine andere Bestimmung, nähmlich, daß sich
ein Prädieat anf.das dadurch bezeichnete Subject
zurück beziehen soll. Im Deutschen hat man dafür
ein eigenes Pronomen reciprocum, welches in
den bevdon erste» Personen aus dem vorigen env
.Pronomina. ' 7 . 24z
Khntt wird, im Dativ und Accusativ dtt dritten
aber, ohne Unterschied des Geschlechts und der
Zahl sich lautet. -Da es sich nur auf das Sub-
jett beziehen ftll, folglich nicht das Subject selbst
seyn kann, so leidet es auch keine» Nominativ.
Es gehet folgender Gestalt.

Erste Person. Zweyte Person. , ' ?


!, , , . , Singular. . ... ,0
Nomin. ^ ^ s! ^ < ^
Vmit. meiner/ (mein.) deiner, (dein.)
Dat. mir. ' dir.
Accus, mich. dich.

Mural. '
Nomm. > . !.^, ?
Genit. unser. euer.
Dat. uns. euch.
Accus. Uns. euch.

Dritte Person.
Männl. Weibl. Sächl.
Nomitt. -ü^ > -1 L
Eenit. seiner, (sein.) ihrer, (ihr.) seiner, (sein.)
Dat. sich. sich. sich.
Accus, sich. sich. sich.
,,. ,,, . « Plural.
.-k,' v »
> . - Nomin. , > ' >
Genit. ihrer.
Dat. sich.
. .. ^ Accus, sich. . ^ ^.
Q . Ich
«4- i. Theil. ^ Abschnitt. 6. Kapitel.

wn Ich schreibe es mir zu; schämest du


dich niche?. er war seiner nicht mchr
mächrig; er Mec sich noch darin; sii
?frMeren sich sehr. In der. dritten Person hin
Hie persönlichen:,, ihm, ihn, ihr, sie, ihnen,
sie, zu gebrauchen, ist im Hochdeutschen fremd:
keiner leber ihm selber, besser sich selbst.
Was oben voii de« verkürzten Genitiven mein,
dein, sein, ihr, gesagt worden, gilt auch hier.
§. Z46. ,Das Berhältniß der Persou u»b«
stimmt zu bezeichnen, dienen, obgleich in verschi«
depen Rücksichte«, jemand/niemand, einer,
man und es. Jemand und niemand siehe«
einander entgegen, und sind mit Mann zusammen
gesetzt ; ersteres bezeichnet eine unbestimmte Person
ohne Unterschied des Geschlechts, xin Individuum,
von welchem man weiter nichts'weiß, als daß eS
ein Mensch ist: es ist jemand da, stin Freund
Oder sonst jemand. Niemand schließet eine
jede Person aus :, es kam niemand , nun will

nur im Singular gebraucht weddött. , -^M


§- 347. Im Genitiv bekommen beydö et» S:
niemands Freund. Im Dativ und Accusakiv
werden, sie am häufigsten ungecindett gebraucht:
er hat es jemand gegeben, ich sähe mtd
wand. Doch kann man auch , Mißverstand zu
vermeiden, den Casum durch den'angchSNgten nachi
stehenden Artikel en bezeichnen: es ist jemalN
den gegeben worden; wo jemand auch «ls
der Nominativ verstanden werden könnte. Z5?ic<
mand Vornehmes , jemand Fremdes,
Pronomina. 24z

für kein Vornehmer, ein Fremder, gehören


in hie Sprache des gemeinen Lebens.

^ §. 348. Der unbestimmte Artikel ein wird


ohne Hauptwort nur im gemeinen Leben an statt
des jemand gebraucht: es möchte einer sagen,
wenn sich eins im Hause klagt, unter ev
nes Bochmäßigkeir stehen, für jemand,
jemandes; wie viel Sorgen macht einem
mchr die Nlelt, für uns, oder einem Men
schen. Unser einer, d. i. jemand von meinem
oder von unserm Stande, ist gleichfalls nur in
der vertraulichen Sprachart einheimisch.

§. Z49. Man kommt mit jemand «verein,


nur baß es «och unbestimmter ist , und auch die
Zahl unbezeichnet läßt. Es wird nur im Nomina^
tiv und auch hier nnr mit der dritten Person de?
Zeitwörter gebraucht: man hat es mir gesagt,
kann so wohl bedeuten, es hat es mir jemand,
nur eine Person gesagt, als auch, es haben es
wir mehrere gesagt. Der Thiere Rrieg höre
auf, man ist der Zwietracht müde, Haged.

§. Z5<z. Es gleicht dem vorigen, nur daß


es noch unbestimmter ist, und Unentschieden läßt,
ob das Subject eine Person oder ein Ding ist :
es wird geschossen; wer ist das? — es
ist ein ManN; ich bin es; es regnet; es
donnert; es heißt, er sey gekommen ; es
klopfet jemand. Es wird gleichfalls nur im
Nominativ gebraucht; in andern Endungen ist es
tos vorige bestimmtere Pronomen.
y » S. PöP
244 i'Theil. 2. Abschnitt 6. Kapitel.

2. Possessive Pronomina.
§. ?5i. Die Possessiv« bestimmen das Ve«
hältniß des Besitzes in Ansehung der Person , und
bezeichnen daher etwas, was der genannten Person
, gehöret, in ihr gegründet, mit ihr verbunden,
oder ihr widerfahren ist. Sie sind von den von«
gen abgeleitet, und von zwiefacher Art : i. Cow
crera: mein, dein, sein, ihr, unser und euer;
und 2. die von diesenwieder abgeleitetenAbstracca,
der, die, das meinige, veinige, seinige
u. s. f.
§. Z52. Die Possessiv« bezeichnen nur in b»
ersten und zweytenPerson das Geschlecht ihres Haupv
Wortes nicht aber der Person; in der dritten Person
hingegen bezeichnet sein das männliche und sächliche,
ihr aber das weibliche Geschlecht der Person und
Sache, worauf sie sich beziehen, wobev sich denn
jedes auch nach dem Geschlechts deS folgenden
Hauptwortes richtet: die Schönheit dieser
Blume, wie groß ist ihr Reiy, aber «sie
kurz ihre Dauer! Ihr vertritt so wohl die
dritte Person weiblichen Geschlechts, als auch die
dritte mehrfache Person ohne Unterschied des G«
schlechts.

§. Z5?. Die concreten Possessiv«, welche


keinen Artikel vor sich leiden , sind entweder csn-
juncriv , da sie denn ihr Hauptwort unmittelbar
nach sich haben, oder absolut, wenn sie ohne Haupv
wsrt stehen. Die conjunctiven werden wie der
bestimmte Artikel declinirt, nur daß im Singular
das
Pronomina. 245

das Maskulinum im^Nominativ, und das Neutrum


im Nominativ und Accusatip keine Geschlechtsjei,
chen bekommen; folglich so:

' Singular. Plural.


Nomin. mein, meine, mein. meine.
Genlt. meines, meiner, meines, meiner.
Dat. ^meinem, meiner, meinem, meinen.
Accus, meinen, meine, mein. meine.

Mein Vacer, meine Ehrfurcht, mein


Glück, meines Fleisses, meiner Zewer,
meines Hauses u. s. f. Der Genitiv kann hier
so wie bey den unbestimmten Zahlwörtern im
männlichen und sächlichen Geschlechte sein es nicht
mit dem en vertauschen , wie bey den Adjectiven,;
der Lohn Heines Fleisses, nicht deinen;
kben so gehen auch dein, sein, ihr, unser und
euer. Von den beyden letztem pflegt man, um
des Wohlklanges willen , in den Casibus obliquis
des mannlichen und sächlichen Singulars, und
im Dativ des Plurals gern das letzte, in den ijbrv
gen Fällen aber das erste e zu verbeissen : euers,
unserm, euern, unfern ; unsrer, eurer,
unsre. Die feyerliche Aussprache aber vermeidet
diese Abkürzung.
§. Z54. Die Conjunctiva der dritten Person
mit dem Genitiv der Person zu verbinden , mei«
ner Mutter ihr Bruder, meines Freuw
des sein Garren, ich meine nicht Homers
Gedichte , sondern des Horaz seine,
ist eine sehr widerwärtige Eigenheit gemeiner Mund,
Qz arten.
246 i. Theil. 2. Abschnitt. 6. Kapitel.

arten. Man lasse entweder das Pronomen gar


weg, oder lasse sich die Wiederhohlung des Haupt«
Wortes oder auch eine kleine Umschreibung nicht
dauern, .
§. 555. Wenn die Possessiv« mit den Subi
siantiven Halbe, N?eg, und MUe, eine»
Bewegungszjrund andeuten sollen, so werden sie
mit ihnen zu Adverbien zusammen gezogen, bu
kommen aber alsdann statt ihres Endlautes das c
euphonicum: meinetwegen, deinechalben,
um euretwillen, ihretwegen. Die edlere
Schreibart sagt dafür lieber um deiner selbst
^Villen, oder wählet andere Ausdrücke. .
§. Z56. Das Possessiv«« ihr wird in stiner
alten Form ihro noch in dem Hof - und Curia!?
Styl vor sbstracten weiblichen Titeln gebraucht,
so wohl, wenn man in der dritten Person von
Höhern redet, als auch wohl in unmittelbaren Anre
den für Auer, in Heyden Fällen indeklinabel und
ohne Unterschied des Geschlechts : Ihro Rniser-
liche Majestät, es sey ein Kaiser oder eine Ksise«
rinn, im ersten Falle für Seine. So auch Ihro
Churfürstl. Durchlaucht, IhroExcellenz
Herr Bruder, für ihrer oder seiner. «
§. Z57- Absolut und ohne Hauptryort
können die concreten Possessiv« «uf gedoppelte Art
gebraucht werden : i. als Adverbia ohne Concrtt
tions- Zeichen, folglich unverändert: die Lrb«
schaft ist nun mein ; ist doch das Rirrer.
gur sein; behaltet was euer ist; und mtt
der Inversion der höhern Schreibart: dein ist
das Ebenbild des ersten Sohnes, Raml.
Od«
Skr als wahre Adjective mW den bollflä««
gen Concretions- Geschlechts - und Bi^gungszeiche»
des bestimm,«» Artikels und i« Beziehung auf ein
vorher gegangenes Substantiv v meiner, deü
mr, sei«e«> ihrer, unserer:, euerer, ihrev
«. f. f. Das ist nicht dein Lsosij es ist mei
nes ; man gab es nichr meinem Sreunde
sondern deinem; nichr um eures VeV«
dienstes willen, sondern ^M«nstres. '
, «^GM.^.öau
, 5. .Z58«, .-VS§ Cigenchum »o.ch genauer zu
beßinmen, füget man den concrcten Possessivs oft
noch das Adjectiv eigen benz. sM eigenes
(Sur, unser eigenes Verd^^es is^MW
eigen. ^ ^ '.ij'Z
§. Z59. Dieabstracten Pessesflva werdeH
vermittelst der Sylbe ig und dem ConcretrönA
Zeichen von den concreten abgeleittt, eKordern
den bestimmte« Artikel, und leiden kein Haupts
wort neben sich, indem sie gewisser Maßen ftlbft
Hauptwörter sind, daher man sie auch mit großen
Buchstaben schreibt« kann. Sie werden wie die
Adjective mit dem bestimmten Artikel declinktt)
können aber nie als Adverb!« gebraucht werden.
Ich habe das meinige gechau, rhuc das
curige auch, d. i. meine Wicht; sie haben
alles das ihrige dabey zugesetzt ; nimm es
von dem deinigen. Die Meinigen, die
Deinigen u. s. f. meine, deine Angehörigen.
Die Oberdeutsche Mundart ziehst sie gern in der,
die , das meine , deine , seine, ihre,
unsere, euere zusammen, in welcher Form sie
. _ . Q 4 den
»48 l. Theil. ^ Abschnittes. Kapitel,

de» Dichtem an, liebste« sind, die Meinen,

? .z> Demonsirative Pronomina.


; §. , ZchZö^u D^ese bezeichnen dqs Verhältnis
des Ortes in Ansehung des Sprechenden, und find
dieser., ,djek / diej'e? ; jener ,. jene, jenes ;
und daS verkürzte der, die/ das. Sie werden
wie der- bestimmte Attikel und die vollständigen
unbestimmten Zahlwörtern decliniret, und können
so wohl conjunerive als absolute gebraucht werden,
^ H. ?6i. Dieser bezeichnet ein nahes' Lnb
figurlich auch', ein gegenwärtiges Subject, 4md
wird im Neutrv des Singulars oft in dieß oder
dies zusammen gezogen. Es stehet so wohl con-
MNttive : ich nieine diesesHsus, dieser Mann
ist es, von welchem ich rede, zu dieser Zeit;
«ls auch absolute, dieser ist es, von welchem
ich rede , Vorzeiger dieses; obgleich solches
W den Genitiven oft Härten verursacht. Am lieb,
sien beziehet es sich in der absoluten Gestalt auf
ein kurz vorher gegangenes Substantiv : befleiM
ge dich der Tugend, denn diese verläßt
dich nie.
§, Z62. Jener zeiget auf eine entfernte
Sache, so wohl dem Orte, als der Zeit nach,
und kommt im Gebrauche mit dem vorigen völlig
Lberein, nur daß es keine Zusammenziehung leidet:
auf jener Seite des Berge? ; in jenem Le
ben; du mußt dieses rhun, aber jenes
nicht lassen; befleissige dich der Geduld
und eines guten Gewissens, denn jene
Pronomina. ..> »49

lehret dich die Widerwärtigkeiten ertra


gen, diese« ihnen Troy bieten. . - -
§. z6z. Wenn dieser oder der und jener
vor einem Substantiv zusammen kommen, so be
kommt in den Casibus pbliquis nur das erste die,
choracteristische Decltnation, das letzte aber wird wie
ein Adjectiv declinirt : Man trägt sich mit die?
ser und jenen Sage, mit der «nd jenen
Sache. , , ^ . ...
K. Z64. Der, die, das wird in der ver,
traulichen Sprechart sehr häufig für dieser, diese,
dieses gebraucht, und stehet so wohl conjunctive
mit seinem Hauptworte, als absolute- Im er
ster» Falle gehet es völlig wie der Artikel, folglich
im Genitiv und Dativ des Plurals der und den.
Acht derer und denen: er ist den Augenblick
gestorben, für diesen; der Mannchax es.
Den Ort noch genauer zu bestimmen , gesellet man
ihm und dem folgenden absolute oft noch die Parti
keln, da, hier, dort zu: der ManN da
lhsx es, es geHörer den Leuten dorr.
f. Z65. Absolut Wirdes folgender Gestalt ^
declinirt.' , , - ^ ,
Singular. Plural. '
Masc. FSmin. Neut.
N. der, die, das, die.
G. dessen,(deß,) deren,(der,) dessen,(deß,) perer, (der.)
D. dem, der, dem, denen,(den.)
A- den, die, das, die.
Die zusammen gezognen Formen sind in der
vertraulichen Sprachart sehr gangbar Daswift
Q 5 sm
»5S i.Theil. 2. Abschnitt. 6. Kapittl.

sen nur Dichter/ und was wissen die


nicht; dem ft^ wie ihm wolle; wessen iß
VtlvHaus?,Antw. deß da / oder dessen da.
Das Neutrum das wird auch absolute gebraucht,
alle Geschlechter und Zahlen zu vertreten : das ist
die Frau, welche u. f. f. sind das die Man
ner, welche uns Weisheit lehren wollen?
§. z66. Dieses Pronomen nach einem Genli
tiv zu setzen, macht einen noch härtern Mißklavg
als der ähnliche Gebmuch des Possessivs: die
Größe der Sonne übertrifft die desMoiv
des; besser übertrifft die Größe des Mon
des) oder umschrieben, die Sonne ist größer
als der Mond. V
' §. Z67. DaS Demonstrativ«« der wird
gerne mit manchen Präpositionen und Adverbien
zusammen gezogen, demonstrative Nebenwörter zu
bilden, welche sich zugleich auf ein vorher gehew
des oder nachfolgendes Subject beziehen: daran,
darin, darauf, daraus, darein, dar.
nach, darüber, darum, darunter, da.
von, dabey, dadurch, dafür, dagegen,
daher, dahinter, deswegen, deshalben
u. s. f. f8r an dem oder diesem^ in dem oder
diesem, u. s. f. Ein gleiches geschiehst mit dem
folgenden wer.
, 4. Determinative Pronomina.
§. z68. Diese und die folgenden relativen
Pronomina machen ein Subject zweyen Sätzen ge<
mein , nur mit dem Unterschiede , daß die Detern
minativa dieses Subject bestimmen, die Relativ«
' aber
Pronomina. 25,

ober den zweyteu Satz auf dasselbe zurück führen,


daher man <die erstem auch Demonstrativs,
relativ«, oder Pronomina idencicacis nennt.
Eie heissen der, derjenige, derselbe, selbi,
ger und solcher: Sie werden insgesammt, so
«ohl conjunckiv als absolut gebraucht, und erfon
dem eines der folgenden Relativen nach sich.
K. Z69. Der, bedeutet, wenn es determina«
tiv ist, so siel als derjenige, und wird wie das
vorige Demonstrativum declinirt. Es stehet so
»ohl conjunckiv : es ist der Mann, welchen
wir gestern sahen ; demAriege, welcher
so lange gewütet har , ein Ende machen.
Als auch absolute mit der vollständigen Declination
des vorigen Demonstrativi : sollte der nicht
mein Freund sevn, welcher mir meine
Fehler aufdeckt? das ist der Wille dessen
oder deß, welcher mich gesandt hat ; derer
die vor thm gewesen sind, ist keine Zahl,
Hivh zi. N?arum sollte ich den Verlust
derer beweinen, welche nicht gestorben
jMd?'Jnglelchen mit der Inversion, so daß der
Wordersatz in die Stelle des Nachsatzes tritt, und^
der sich auf ein vorher gegangenes Subject bezie
het, in welchem Falle es aber im Genitiv dcS
Plural deren und nicht derer hat: wer sein
Leben erhalten will, der wird es verlie
ren ; wer sich mein schämet, dessen wird
sich des Menschen Sohn auch schämen H
ich habe dessen genug; zu dessen Urkund;
du bist auch deren eiller z wie viel sind
deren noch da?
«5? ?. Theil. 2. Abschnitt. 6. Kapitel.

K. Z70. Derjenige bestimmt das Subject


vollständiger als das vorige der, und wird so
decliniret, als wenn es getheilt der jenige ges
schrieben wäre, so daß der die Deklination deS
Artikels behält, jenige aber wie ein Adjectiv nach
derben Decl. der Hauptworter gehet; Nomin.
derjenige, diejenige, dasjenige, Gm. des-
zenigen, derjenigen, desjenigen; O«t.
demjenigen, derjenigen, demjenigen; Acc.
denjenigen , diejenige , dasjenige. Plur.
Nomip. diejenigen; Gen. derjenigen; Dat.
denjenigen; Acc. diejenigen. Es stehet
so wohl conjunctive: diejenige Tugend ist
groß, welche auch in N?iderwärriykeiren
die Probe halt ; als auch absolute : ich ven
zeihe es denjenigen, welche Schuld daran
sind.
K. z/r. Derselbe bestimmt die Identität
noch genauer, und hat daher gern das Adverbinm
eben vor sich. Es wird genau wie das vorige
beclinirt und gebraucht: es ist eben derselbe
Mann, welchen wir gestern sahen; es
gibr jexzc noch eben dieselben Fehler, als
ehedem; er ist noch eben derselbe, derer
sonst war. Das ohne Noch verlängerte den
selbige, kann, so wie das verkürzte selbiger, web
ches doch nur in Beziehung, auf ein vorher gegan»
genes Subject stehen kann, zur selbigen Zeit,
^m Hochdeutschen entbehret werden.
§. 772. Solcher, solche, solches, wel
ches eine Vergleichung bey sich führet, und wie
aller decliniret wird, kann so wohl im Vordersatze,
als
» ProttoMiM , :

als auch im Nachsatze, u«d in beyden Fällen , siS


mvhl conjunctivc als absolute stehen :. gib es sol
chen Personen , welche es verdienen ; ich
kann es solcher Gestalt nicht chun; wen >
harre solches vermurhen sollen ? Um seiner vere
gleichenden Bedeutung willen, durch welche eS
sich an die Adjettive anschließt, leidet es auch ein
und kein vor sich: eine solche Tugend, kein
solcher Mann, er ist auch ein solcher;
und gehet alsdann wie ein jedes Adjectiv mit ein.
§- Z7Z. Die drey ersten Determinativ« neh<
men zu desto genauerer Bestimmung der Identität
oft noch das Adverbium eben vor sich, eben der, -
eben derselbe. Andere Pronomina dieser Art
sind theils veraltet, wie sothaner, theils Ober,
deutsch, wie der gleiche, declinabel für derselbe,
theils niedrig, wie der nähmliche, welches in der
anständigen Schreib- und Sprechart nie gebraucht
werden sollte, so häufig solches auch von Schriftß
siellern aller Art geschiehst. > .

5. Relative Pronomina.
§. Z74. Diese führen einen Satz auf das
vorher genannte, und von den DeterminativiS
angekündigte Subject zurück, und heissen : welcher,
der, wer, was und so.
§. 375. N)elcher, das vollständigste Relati-
vum , welches daher der feyerlichen Rede am aw
gemessensten ist, wird wie aller decliniret, und
führet einen Satz auf ein vorher genanntes Subject
Zurück, sowohl wenn es eines der vorigen Determin«
tiven vor sich hat, als auch ohne dieselben: du
?54 i. Theil. Abschnitt. 6. Kapitel.

bist nichr der erste, welcher mir das sagt;


derjenige, welchen ich nie beleidiget ha.
be. Weil es ei« Prädicat auf ein Subject zurück
führet, so bedarf es, nebst den folgenden Relati,
den keines Hauptwortes, ob dasselbe gleich,
wenn es zu weit entfernet ist, zuweilen wiederhol),
Kt wird: welcher Mann tugendhaft war.
Für den Genitiv in beyden Zahlen, welches und
welcher, sagt man lieber dessen und deren:
der Freund, dessen du erwähntest, für
welches.
5 : K. Z76. Der, welches auch hier wie daS
Demonstrandum declinirt wird, nur daß es im
Genitiv des Plurals hier gleichfalls nicht derer
sondern deren lautet, und in keiner Endung eine
Zusammenziehung leidet, wird in der vertraulichen
Eprechart häufig für das vorige 5 welcher ge,
braucht: mit der Freymürhigkeir eines
NIannes, der nichts mehr zu fürchten
hat; ein Greis, dessen Seele schon alle
Starke verloren hat. Im Nominativ kann
es auch zierlich bey Pronominibus der ersten und
zweyten Person stehen: der ich mich deiner
so getreulich angenommen habe; der du
von Ewigkeit bist; wir, die wir uns selbst
nicht kennen.
§. Z77. Wer ist nur im Singular üblich,
bedeutet eine Person ohne Unterschied des G«
schlechts, und gehet wie das Pronomen der : Nom.
wer, Genit. wessen, (weß,) Dat. wem,
Acc. wen. Es wird als ein Relativum nur als,
dann für welcher gebraucht, wenn die, Sätze
UMgtt
'Pronomina. .- A55

mgekhret werden, und der Nachsatz voran


sicher wer mir meine Fehler aufdeckt, der
ist mein. Freund, für : derjenige ist mein
Freund, welcher u. s. f. wem es glückt,
der hat es. ' .
§. ZT«. N)as ist das Neutrum des vor!»
gm, und wird nur von Sachen im Nominativ
und Accusativ des Singulars, und auch hier nur
»och Reuttis und zwar unbestimmt, gesetzt: das,
was du mir sagtest ; alles, was ich weiß ;
das schönste, was ich nur gesehen habe;
das Gute, was du mir erwiesen hast.
Wenn das Subiect bestimmt ist, so wird welches
erfordert: das Haus, welches wir sahen.
§> 37?. Das relative so, welches in allen
Zahlen und Geschlechtern unverändert bleibt, aber
»ur den Nominativ und Accusatiy>öertreten kann :
der NZann, so uns begegnete, die Blux
wen, so wir sähen; wird nur noch alsdann
gebraucht, wenn Mehrere auf einander folgende
Relative einen Misklang verursachen würden. In
andern Fällen gebraucht .man lieber welcher oder
der,"
K. zßc^ Wenn sich ein Relativum auf de«
Nominativ und Acrufativ eines Ortes beziehet^ sy
wird dafAr wo gefetzt: das ist der Orr, wo
ich zu bleiben wünschte. Wenn sich die New
tiva auf Sachen beziehen, und eine Präposition
vor ihnen hergehet, so wird diese gern mit wo
zusammen gezogen, welches in Ansehung des wa?
allemahl geschehen muß : womit, wofür, wo,
durch, woraus, wcirqn, worin », s. f.
für
szß l. Theil. 2^ Abschnitts. Kapitel.

für mir welchem, für welches, durch


was oder welches u. s. f. So auch mit mos
chen Nebenwörtern/ woher, wohin.

6. Fragende Pronomina. > "


§. zsr. Die Interrogaciva ober frage«
den Pronomina sind wer, welcher und was,
wovon die Heyden ersten nach Personen, das letzte
aber ganz unbestimmt nach Sachen fragt. Beyde
fragen so wohl unmittelbar als mittelbar.
§. Z82. wer, welches in der Declinatio«
von dem vorigen nicht verschieden ist , fragt unb«
stimmt nach Personen, ohne Unterschied des Gv
schlechts oder der Zahl : wer hac das yerhanZ
Anw. dein Freund, oder deine Schwester,
oder unsere Freunde, wessen -Haus ist
das? Wem gehöret dös? Von wem Haft
du das geHörer?
Z8Z. welcher, welche, swelches
fragt bestimmter mit Bezeichnung ,des Geschlechtes
und der Zahl: wer har das gerhaN? Anw.
dein Freund; Fr. welcher? — welchem
von beyden gäbest du es? Wen» die Ve»
«underung in eine Frage ausbricht, und ein vor
dem Hauptwort stehet, so verlieret welch seine
Biegungssylbe: welch ein Mann! Aber nicht,
wenn es unmittelbar vor seinem Hauptworte stehet:
welche Größe! welche Männer sind das!
Z84. Mit dem unabänderlichen, was fragt
wannach Sachen, deren Zahl und Geschlecht noch
unbekannt ist; sind beyde bekannt, so setzt das be
Pronomina.

du? Vntw. mein Buch; Fr. welches? Doch


kann dieses was auch mit dem unbestimmte» Arrb
Kl ein verbunden werden, auf eine bestimmte Art
nach der Beschaffenheit eines DingeS zu fragen:
was für ein Buch? was für einer? Da
denn der Artikel im Plural wegfallt: was für
Männer? was für Leute?

Siebentes Kapitel.

Von dem V e r b o.

i. Dessen Bildung.

K. Z85.
^^as Verbumist ein Redetheil, vermittelst best
sen einem selbständigen Dinge etwas Unselb
ständiges in einem und eben demselben Worte bey,
gelegt , oder vermittelst dessen demselben in einem
und eben demselben Worte ein Prädicat einverlei?
her wird: die Sonne fcheinr, wir schliefen,
Cajus sirzc. Ein jedes Verbum, feyn etwa
ausgenommen, läßt sich daher in zwey Wörter
auflösen , wovon eines die Beschaffenheit bezeich,
net, und das andere das Einverleibungsworc
se>jin ist. Hieraus erhellet zugleich, daß das Vers
dum nächst dem Substantiv der wichtigste Rebe«
theil ist, weil es oft das Prädicat allein ausmacht,
allemahl aber der wesentlichste Theil desselben ist.
§. Z86. Alle Deutsche Zeitwörter sind entwe
der angekleidete Wurzelwörter, oder von andern
R Redy
258 i. Theil. 2. Abschnitt. 7. Kapitel.

Redetheilen abgeleitet oder zusammen gesetzt. D«


unbekleidete Wurzel kommt als Berdum im Dküt>
schen nicht vor, außer im Imperativ , und
im Jmperfect einiger Verborum. (An jedes Wort,
welches ein Werdum werden soll, wird es durch
Hinzufügung gewisser Biegungssylben am Ende.-
lieb-en, ich lieb e, du lieb-est, er lieber
wir lieb-cen; doch davon hernach.
§. ^87. Die von andern Redetheilen abge
leiteten Verba kommen her, von Substantiven,
ädern / bechern, fingern, meistern, rhro
nen, oder von andern Verdis , deren Anzahlsehc
groß ist, am häufigsten aber von Adverbiis, welche
das eigentlichste Stammwort für die Verba sind.
Von Adjectiven sind keine Verba möglich, «eil
etwas, das dem Dinge schon als einverleibet ge
dacht werden muß , von demselben nicht erst iM
diciret werden kann.
§. z88> Die Ableitung, besonders eines M
Wortes von dem andern, geschiehet entweder durch
bloße Veränderung eines Wurzellautes oder durch
gewisse Vor - und Nachsylben. Die Veränderung
des Wurzellautes betrifft: i. den Vocal allein, a»S
Neutris Aktiva zu machen: dampfen und däm
pfen, dorren und dörren, dringen und
drängen, fallen und fällen, fließen und
flößen , fahren und führen , gewöhnen «d
gewöhnen, liegen und legen, lauren und
läuren, prallen und prellen, schwenden und
schwinden , sinken und senken , schwim
men und schwemmen , ersaufen und eriM
fen, fangen und säugen, springen und sprew
Verbum. i. Bildung. 259

gen, sitzen und setzen, trinken und tränken,


«. s. f.
§. Z89. Oder '2. an dem Consonanten und
oft auch an dem Vocal zugleich, theils gleichfalls aus
Neutris Aktiva oder Factitiva' zu machen: heiss
sen und beirzen, fressen und freyen, han,
gen und henken, genießen und nützen, ste
hen und stellen , wachen und wecken ; theils
aber, und zwar am häufigsten , durch Verstärkung
oder Verdoppelung des Consonanten, die Bedeu
tung zu steigern, und Intensiv« zu »den : reisen,
(in seiner ersten Bedeutung,) reijM, reitzen,
ritzen; bähen und backen, tauchen und
ducken, das alte asen und essen, ziehen und
Zucken, biegen und bücken, zwsgen, zwa
cken und zwicken, schnauben und sschnau,
fen, brechen und brocken, dachen und de
cken, fehlen und fallen u. f. f.
§. z9«. Die Vsrsylben, vermittelst deren
Verb« gebildet werden, sind:
be, der .Wurzellaut von bey, eine Beglei,
tung , Erstreckung der Handlung über den ganzen
Gegenstand, oft auch eine bloße Verstärkung , st
wohl von Zeitwöttern : begleiten, beschließen,
begraben, bedecken, bebauen, beschüt
ten, befeuchten, bestehen, beharren: als
«mch von andern Redetheilen , eine Mittheilung zu
bezeichnen: bebändern, belauben, beamren,
beflügeln. Oft gehet sie in das bloße b über:
bleiben, beichten von begichten u. s. f.
ge, einen Nachdruck, oft auch eine bloß müßt,
ge Verlängerung, gebaren, gebrauchen,
R 2 g«
26yi.'Theil.s. Abschnitt. 7. Kapitel.

gedenken, gefrieren, gedulden, gereuen,


gelangen, gerinnen.
,< ent, eine Bewegung von einem Orte : ent
fliegen, entfallen, entfernen, eftrlassen;
eine Beraubung: entbinden, entehren, env
, fesseln, enthaupten, enthüllen; einen Ur«
sprung, den Anfang einer Handlung oder eines
Zustandes: entbrennen, entschlafen, ent
springen, entstehen, entzünden ; eine Be<
gegnung, einbrechen, antworten; oft auch
eine bloße Attstiirkung, entsinnen, entwerfen,
entscheid!«.
emp, welches das vorige ist, welches um des
Wohllautes willen nur in einigen Wörtern vor f
stattfindet, empfahen, empfehlen, empfan
gen und empfinden.
er, eine Bewegung in die Höhe, erheben,
erstehen, errichten; eine Öffnung, erbre
chen; eine Verbreitung der Handlung, ergie?
ßen, erfüllen; eine Annäherung, erreichen,
erlangen, erbetteln, erbitten; eine Hervw
bringung, erdenken, ersinnen; ein Gerathen
oder Versetzen in einen Zustand, ermunrern, er>
wärmen, erleuchten, erzürnen, erfchlsf<
fen, u. s. f. , '
ver, eine Entfernung, verjagen, verkam
fen, verrücken, verschenken; einen Ver
brauch, verarbeiten, vertrinken, verspie
len; eine Erschöpfung, verblühen, verbrau«
sen, verrauchen ; einen Verlust, versäumen,
Verscherzen , vergessen ; einen Jrrthum,
verschreiben, verleiten, verlegen; eii?Wer<
setzen
, ' Verbum. Bildung. 261

setzen oder Gerathen in einen Zustand, veralten,


verloschen, verkürzen, verlängern, ver-
binden; eine Verschließung, verdecken, ver
dammen, vermachen, und andere Bedeu
tungen mehr.
zer, eine Trennung der Theile, zerfließen,
zerbrechen, zerrinnen, zerschneiden.
In denjenigen Fällen, wo die Bedeutung die
ser Partikeln sehr bestimmt ist, lassen sich mit den
selben oft noch neue Zeitwörter bilden.
§. Z91. Die Nachsilben bestehen vornehm
lich in solchen, durch welche die Grundbedeutung,
eines Verbi nur in einem Nebenumsiande anders
bestimmt wird, Intensiv«, Iterativs oder
Frequenriva, Diminutiv«, Desiderariva,
Inchoativs , und Jinicarivs zu bilden. Von
einigen sind die Stammwörter veraltet, von an
dern sind sie noch üblich. Die vornehmsten Ablei-
timgssylben dieser Art sind, mit der Biegungs-
sylbe des Infinitivs en, welche doch nach den
Ableitungssylben cl und er in ein bloßes n überge
het, folgende:
chen, Intensiv« zu bilden, nur in einigen
wenigen, horchen von hören, schnarchen.
ein, sehr häufig, theils zu Verkleinerungs
wörtern, kränkeln, rändeln, krümeln,
kräuseln, frösteln, lächeln, spötteln, zu,
weilen mit einem verächtlichen Nebenbegriffe, an-
dächrein, buchstäbeln, künsteln; theils
eine Ähnlichkeit, Hockeln, nach dem Bocke rie
chen, fischeln, nach Fischen schmecken; noch mehr
eine Nachahmung, klüneln, klug thun, witzeln',
Rz Witz
262 i. Theil. 2. Abschnitt. 7. Kapitel.

Witz zeigen wollen, vernünfteln; theils eine


Wiederhohlung, wie ern, betteln, wackeln,
rürceln, streicheln. Wohin doch die Verb«
nicht gehören, wo das cl ein Theil des Stammes
ist, wie in kegeln, hageln, nebeln, von Re
gel, Hagel, Nebel.
enzen, eine Ähnlichkeit, im Hochdeutschen
doch nur selten, bockenzen, nach dem Bock«
riechen , judenzen , nach dem Judenthume
schmecken, kupferenzen, kupferig schmecken.
ern, sehr häufig!, theils Factitiva zu bilden,
fasern, stänkern, einschläfern , räuchern,
folgern, steigern; theils Imitativ«, kalbern,
findern; theils Frequentativa, flackern, klm
lern, polrern, schmettern, stolpern ; theils
ein Versetzen und Gerathen in einen gewissen Zus
stand, einäschern, in Asche verwandeln, alrern,
alt werden, dämmern, geliefern; theils Desd
derativa, schläfern, hungern , lächern, die
meisten übrigen find niedrig,! wie essern, lw
stern. Wohin doch die wiederum nicht gehören,
welche theils von Substantiven auf er abstammen,
wie burrern, eitern, fingern, hadern,
kerkern, pulvern, blättern, bildern, theils
von Adverbiis, ändern, läutern, erobern,
äußern, und ihren Comparativen, vergrößern,
verkleinern, bessern, bereichern.
den, vielleicht eine schwache Jntension , wie
t eine stärkexe: dulden, ehedem dolen, ärw
den, ahnden, senden.
fen, eine Jntension, dürfen, ehedem nur
daren, belfen, oft bellen; besonders mit dem
Verbum. i. Bildung. 26z

pH, hüpfen von heben, stopfen, tropfen,


dämpfen vsn dämmen, ä«m?re, rupfen vou
raufen, schlüpfen vsn schliefen, schnupfen,
vonfchnieben, fchupfen, von schieben.
ken, gleichfalls eine Jntension, stärker wie
chen, blinken, henken^ von hängen, fuw
ken, sinken, fenken, denken, von einem alte«
dachen daher gedacht, lenken.
igen, sehr h«ufig, vermuthlich ursprünglich
eine Jntension oder Wiederhohlung, aber sehr
häufig auch eine bloß müßige Verlängerung, äng
stigen, bekräftigen, besichtigen, beherzi
gen, peinigen, reinigen, nörhigen u. s. f.
wovon die Stammwörter ängsten, bekräften,
besichten, heherzen, u. s. f. hin und wieder
noch üblich sind, oder es doch waren. Die von
Adverbien auf ig abgeleitet sind, wie bändigen,
beruhigen, demüchigen , entledigen u.s.f.
Schöten nicht hierher.
^wen, und nen, eine Verstärkung der Be
deutung? malmen, fchalmen, stürmen,
dehnen, sehnen, stöhnen, gähnen. Zuwei
len auch eine Versetzung in einen Zustand : be
waffnen, eignen, öffnen, das alte befestnen.
ren, vielleicht wie ern, Iterativ« oder In
tensiv« zu bilden: gähren, von gehen / wäh
ren, fahren, führen/
schen, Intensiv« zu bilden: forschen / feil
schen, herrschen, raufchen, klatschen; be,
sonders für die niedrige Sprechart: glitschen,
larfchen, grätschen, fletschen.
R 4 Istln,
264 l. Theil. 2. Abschnitt. 7« Kapitel.

sein, aus dem folgenden sen und ein zusams


wen gesetzt, Wiederhohlungen mit dem Begriffe der
Kleinigkeit zu bezeichnen: blindseln, drechseln.
In einigen Gegenden auch Jmitativa : füchseln,
bockseln, nach dem Fuchse, nach dem Bocke
riechen.
sen, eine Verstärkung, Wiederhohlung : gack
ftn, aufgedunsen, glucksen, schlucksen,
blasen, von blähen, belugsen, ablugsen,
bamsen.
ten, gleichfalls eine Verstärkung, stärker als
den: schlachten von schlagen, das alte be«
sichren, furchten, von befahren, flüchten,
von fliehen, fechten, dichten, arten,
pflügen, von ären, warten, von dem alten
Ovaren, fehen, bluten, von blühen.
zeln, wie feln, nur mit verstärktem Laute:
runzeln, schmunzeln, blinzeln. Jngleichen
eine Nachahmung, brennzeln, nach dem Brande
riechen oder schmecken.
zen, wie sen, nur stärker: schluchzen,
blitzen, glänzen, ächzen, seufzen, rirzen,
reirzen, lechzen, ergerzen. Auch Factitiva
zu bilden : beirzen, ärzen. Jngleichen eineNahah-
mung, durzen, erzen, ihrzen, du, er, ihr
nennen.
§. Z92. Durch Hülfe diefer Wleitungsfylben
kann die Grundbedeutung mancher Zeitwörter auf
sehr verfchiedene Art abgeändert werden : schnev
den, schneirein, schnirzen, schnitzeln,
schnixzern; ziehen, ehedem zauen, zögern,
zaudern, zackern. Besonders, wenn jugleich
Verbmn. i. Bildung. 265

ein Vocal oder Consonans des Stammwortes mit


verändert wird, eine Verstärkung, einen höhern
rder tiefern Ton u. s. f. zu bezeichnen: beben,
bebern, bobern, puppern; schnauben,
schnieben, schnaufen, schnäufeln, schnüft
fein, beschnoppern, beschnuppern; cries
fen, tropfen, cröpfen, rräuftln, rröpfeln;
drehen, drehten oder drillen /, drieseln,
drechseln; sähen, fegen, fachen, fächeln,
fächern, fackeln, fechten; wehen, wegen,
wecheln, wachsen, wuchern, wecken,
wackeln. Indessen läßt sich im Deutschen nicht
jedes Zeitwort durch alle diefe Formen durchführen,
und manche sind nur in den niedrigen Sprecharte»
üblich.
§» ?9Z- Hierher gehöret auch die ausländ!«
sche Endung iren, fremden Zeitwörtern für das
gemeine Leben ein Deutfches Ansehen zu geben:
studiren, formiren, rebelliren, marschi-
ren. Welche denn auch wohl ursprünglich Deutt
schen Wörtern angehänget wird: Halbiren, gasti«
ren, stolziren , hausircn, schacriren,
buchstabiren. Von den zufammen gefetzt
ten Verbis reden wir hernach in einem eigenen
Abschnitte.

2. Arten der Verborum.


§. Z94. Da die Zeitwörter alles das aus-,
drucken, was sich von einem Dinge sagen läßt,
so ist es kein Wunder , daß sie von so verschiedener
Art sind. Diefe Verschiedenheit hat ihren Grund
theils in ihrer Bedeutung theils in dem Gebrauche.
R 5 §. Z95.
266 i. Theil. 2. Abschnitt. 7. Kapltel.

> Z95. Der Bedeutung nach enthalten


sie entweder ein vollständiges Prädicat, welches
keiner weitern Erklärung bedarf: dle Sonne
scheint, der Arsnke schläft, Carl lernt;
oder ein unvollständiges, welches noch einer Erklä
rung bedarf, Zu den letztern gehören vornehm
lich diejenigen, welche einen allgemeinen Nebenum-
stand bezeichnen, welcher sich bey allen Prädikaten
befinden kann, als: seyn, haben, werden,
können, dürfen, wollen, sollen, müssen,
lassen, mögen u. s. f.
§. Z96. Beyde legen einem Dinge etwas
bey, welches entweder an demselben allein gedacht
> werden kann, oder etwas, Pas außer demselben
vorgehet, wozu denn zwey selbständige Dinge erfor-
dert werden, wovon sich das eine thätig, das
andere leidend verhält, Die ersten^ heiFen In-
transitiv« oder Neutra, und bezeichnen enrwe-
der eine Beschaffenheit, glühen, glänzen, blü
hen', Mr auch einen Zustand, siyen, stehen,
schlafen, träumen, liegen,
js. Z?7. Die Transitivs legen einem Dinge
etwas bey, welches außer demfelben vorgehet,
und erfordern daher zu ihrer Verständlichkeit zwey
selbständige Dinge, wovon sich das eine thätig,
das andere aber leidend verhält. Sie haben da
her in manchen Sprachen auch zwey Formen,
die eine thätige oder acrivam , in Absicht des
jenigen Dinges, welches sich dabey thätig verhält,
und eine leidende, passwam, für dasjenige Ding,
welches dabey das leidende ist, dagegen die In?
kranstkiva, weil sie keinen leidenden. . Gegenstand
. ^. außer
Verhun! 2. Dessen Arten. 267

«Gr sich haben, auch nicht mehr als einer bedün


fe». Die Deutschen haben keine eigene Form für
das pastwum, sondern müssen dasselbe um,
schreiben.
§. 398. Wenn das Prädicat eines Activi
auf das Subject zurück geführt wird, so
daß das thätige Ding zugleich das leidende ist, so
entstehen Verb« reciproca, welche der Form
noch Activa, der Bedeutung aber nach wahre
Neutra oder Intransitiv« sind Sie sind es ent,
weder von Natur, sich gramen, oder nur dem
Eebrauche nach, sich ändern.
§. 399. Manche Verba, sie seyen nun tronsi,
tiv oder intransitiv, bekommen durch die Ableitung
zu ihrer Grundbedeutung noch einen Nebenbegriff.
Dahingehören besonders die Jacrittva, die Be
wirtung eines Zustandes oder einer Handlung an
dem leidenden Gegenstande zu bezeichnen, der da
durch zugleich als thätig vorgestellet wird: beirzen,
beissen machen, schwemmen, schwimmen ma«
che«, flößen,, fließen machen, tränken/ ttin,
Kn machen ; die Iterativ« oder Freqnenrati-
va, eine Wiederhohlung, die Intensiv«, eine
Verstärkung des Grundbegriffes, die Deminu-
rjva, eine Verkleinerung, die Desiderstiv«,
ein Verlangen, und die Imitativ«, eine Nach
ahmung, eine Ähnlichkeit zu bezeichnen, deren Bil,
dung bereits im verigen Abschnitte bemerket worden»
S. 400. In Ansehung des Gebrauches
ist das Subject, welchem ein Prädicat beygelegt
wird, entweder bestimmt, oder nicht; im erstem
Falle heißt das Berdum ein personliches, weil
s6Z i. Theil. 2. Abschnitt. 7. Kapitel.

die Person, von welcher etwaS gesagt wird, be


stimmt ist, im letztern aber ein unpersönliches,
wenn das Subject nicht bestimmt werden kann
oder soll: es regnet, es schneyer.
§. 401. Ist ein Zeitwort in allen den Vers
Hältnissen üblich, in welche das Prädicat gegen
das Subject in einer Sprache gesetzt werden kann,
so heißt es ein vollständiges Zeitwort, wenn es
aber nur in einigen Verhältnissen gebraucht wen
den kann, ein mangelhaftes, Defecrivum.
So sind von manchen Verbis im Hochdeutschen
nur der Infinitiv, oder das Participium, oder
einige Zeiten üblich : abfolgen lassen , behän
gen bleiben, das Ableben, abwesend, an«
wescnd, in meinem Beyseyn, anerschaffen,
angebohren, abliegen, abgelegen, sbrei-
chen, verwichen für vergangen, vieren,
gevierc, die Vierung, wohin auch die mit
aufer und auser zusammen'gesetzten gehören.
§. 402. Auch die Conjugacisn macht einen
Unterschied unter den Zeitwörtern, und da sind
einige regulär, welche alle Verhältnisse nach ei,
ner übereinstimmigen Regel ausdrucken, andere
irregulär, welche von dieser Regel abweichen.

z. Von der Conjugarion überhaupt.


§. 40z. Das Verbum ist ein Redetheil,
welcher einem Subjecte ein gewisses Prädicat in
einem und eben demselben Worte beyleget. Da
das Prädicat aber sehr mannigfaltiger Bestimmun»
gen und zufälliger Verhältnisse fähig ist, sg hat
man zu Abkürzung der Rede Mittel gesucht und
gefmu
Verbum z. Conjugation überh. 269

gesunden, einen großen Theil dieser Bestimmun


gen und Verhältnisse an dem Verbo selbst zu be
zeichnen , daher dasselbe in den meisten Sprachen
der künstlichste Redetheil ist, obgleich nicht alle
Sprachen dabey einerley Weg gegangen sind.
Die vornehmsten Verhältnisse, welche man an dem
Verbo selbst auszudrucken gesucht, sind indessen
folgende.
K. 404. 1. Die Fsrm des Zeitwortes, ob
das Prcidicat an dem Subjekte allein gedacht wird,
oder ob es noch einen leidenden Gegenstand außer
demselben erfordert, folglich ob es ein Itttrcmsl-
tivum oder TranslNvum ist, und im letztern
Falle, ob das Pradicat von dem thcitigen, oder von
dem leidenden Gegenstände gesagt wird, das
heißt, ob das Verbumacriv, oder passiv ist. Die
Deutschen haben diese Form, welchem Lateinischen
auch Vor oder Genus genannt wird, nicht, in,
dem das Jntcansitivum von dem Activo in der
Form nicht unterschieden ist, das Passivum aber
im Deutschen völlig fehlet, und nicht anders alS
durch Umschreibung ausgedruckt werden kann.
§. 405. 2. Die Arc , wie das Pradicat von
dem Subjccte gesagt wird, oder der Modus,
«elcher im Deutschen fünffach ist :
1. Man kann das Pradicat auf eine bestimmte
Art dem Subjecte beylegen , so daß mau es als
wahr und gewiß angiebt; der Indicariv.
2. Oder man legt demselben das Pradicat auf
eine noch ungewisse und zweifelhaste Art bey; der
Conjnncrw.
z. Man
S7S i. Heil. s. Abschnitt. 7. Kapitel.

' ' z. Man kann es befehlsweise von dein


Subjekte sägen ; der Imperativ. Er bestehet
im Deutschen im Singular aus dem bloßen Wur
zelworte , ohne alle Bieg'ungssylbe t mach,
schlag, Ich ; oft noch Mit einem e, gehe.
4^ Man kann es ohne alle Bestimmung
der Person prädiciren; derInsinitiv, der alles
mahl vermittelst der Biegungssilbe en von dem
Winzelworte abgeleitet wird, lieb-en, gehlen,
schlag-en, und das Berdum unmittelbar mit
dem Substantiv verbindet^
5. Oder man kann endlich dasPrädicät etttwe-
der als eine Beschaffenheit oder auch schon einver-
leibt als eine Eigenschaft mit dem Unterschiede der
Zeit von dem Subjecte sagen; das Parti«-
pium ober Mittelwort, durch welches, das
Berdum zu dem Adverbio und Adjectiv übergehet.
Gerundia und Supina haben die Deutschen
nicht.
4«6. Das nächste, wss sich an dem Verbo
bestimmen läßt, ist z. die Zeit, in welcher das
' PrLdicat dem Stibjecte zukommt; Tempus.
Diese Zeit kann nicht . mehr als dreyfach seyn, ge
genwärtig, Tempus pvasens, vergangen, Tem
pus präcerimm, und zukünftig, Tempus
fitrurum , >on welchen die beyden letzten wie^
^der verschiedener Grade fähig sind. .Allein, die
Deutschen sind in Bestimmung der Verhältnisse ar,
dem Verbo sehr sparsam gewesen, daher Fe eigent
lich nur zwey Zeiten haben, die gegenwärtig«
nähmlich und die jüngst vergangene, die übriger
Vttbum. z. Conjugation überh. 271

§. 4«7- Endlich 4. läßt sich das Prädikat


auch nach den drey Personen des Subjectes des
stimmen, und zwar sowohl in der einfachen, al<
mehrfachen Zahl, persona und Numerus,
und diese sind an dem Deutschen Verbo am ge,
nauesten bestimmt, nicht allein hinten am Ende,
sondern zum Überflusse auch noch durch vorgesetzte
Pronomina. ...
§. 408. Alle diese Verhältnisse an einem
Verbo «Hf die gehörige Art bezeichnen, heißt das)
selbe conjttgiren, und die Art wie solches an
einer beträchtlichen Anzahl von Verbis auf eine
übereinstimmig!: Weise geschiehst , eine Conjuga,
cion. Diese ist im Deutschen eigentlich gedoppelt,
die reguläre, welche dem Wurzelworte in der
ersten Person des Jmverfecti ein re, und dem
Patticipio der vergangAiien Zeit ein er anhänget,
und die irreguläre, welche ein einsylbiges Im-
verfect hat, und dem Participio gemeiniglich en
anhänget,
§. 409. Wenn man nur das zur Conjuga«
tion rechnet, was unmittelbar an dem Verbo selbst
bezeichnet wird , so ist die Deutsche sehr einfach
und leicht ; sie hat nur eine Form oder ein Genus,
das Activum , nach welchem auch die Neutra ge
macht werden, fünf Modos, die schon oben ans
gezeigt worden, in einigen Modis zwey Zeiten,
die gegenwärtige und eine Art der vergangenen,
>n jeder Zeit zwey Zahlen, und in jeder Zahl drey
Personen. Die übrigen Verhältnisse muß der
Deutsche umschreiben, und er bedienet sich dazu
dreyer von denjenigen Zeitwortern, welche einen
«72 Theil. 2. Abschnitt. 7. Kapitel.

allgemeinen Nebenumstand bezeichnen, welche ha


ben, seyn und werden sind > und -Hülfswör-
rer genannt werden, weil sie die im Deutsche»
fehlende Form und Zeiten bilden helfen.
§. 410. Durch Hülfe dieser Wörter können
wir nicht allein die fehlenden Zeiten in dem Activo
nachahmen, sondern auch ein Passivum bilden.
Was jenebettift, so bezeichnen wir:
I. Im Indicaciv und Conjunccivdes A«
<ivi und Neutrius :
1. Die gegenwärtige Zeit, oder das Prä
sens, an dem Verbo selbst, durch die Biegungslaute
im Singular, e, est, er, und im Plural en, er,
en, welche an die Wurzel angchänget werden; nur
mit dem Unterschiede, daß der Conjunctiv keine
Zusammenziehung leidet, Welche in einigen Perso»
uen des Jndicativs statt findet.
2. Die vergangene Zeil oder das präreriMM
nach zwey Stufen :
/ s) Ohne Beziehung auf eine andere Hand«
lung, das perfeccum, welches mit dem Partie»
pio der vergangenen Zeit und dem PrSsenti der
Hülfswörter haben und seyn gebildet wird: ich
habe gelobr, ich bin gereisec.
b) In Beziehung auf eine andere Handlung
wo wieder zwey Fälle statt finden:
«. Wenn die eine Handlung noch nicht völi
lig vorüber ist, wenn die andere anfängt, als ich
ihnlobce, lachelce er ; das Imperfeccum, wel-
cheö aus dem Verbo selbst gebildet wird, und zwar
m der regulären Conjugation durch Einschiebe
des
Verbum. z. Conjugation überh. 27z

des Lautes t zwischen 'der Wurzel und den obige»


Endungen: ich lob-r-e, du lob-r-estu. s. f.
/Z. Wenn die eine Handlung schon völlig
vorüber ist, wenn sich die andere anfangt, das
plusquamperfecmm, gleichfalls mit dem obi<
gen Participio und dem Jmperfect der Hülfswörter
haben und seyn: als ich ihn gelobc harre,
da lächelte er. .
z. Die zukünftige Zeit oder das Fucurum,
und zwar auf eine gedoppelte Art :
a) Ohne Rücksicht auf eine andere Handlung,
das Fucurum absolurum, mit dem Infini
tiv und dem PrSsenti des Hülfswortes werden :
ich werde loben.
b) In Rücksicht auf eine andere Handlung,
in deren Betrachtung sie als vergangen angesehen
wird , das Fucurum eracttun, mit dem Parti,
cipio der vergangenen Zeit und den Futuris von
haben und seyn .- wenn ich ihn werde gelo«
der haben, so wird er lächeln.
ll« Im Impeuariv, welcher keine Zeiten hat,
und nur die zweyte und dritte Person so Wohl in
der Einheit, als der Mehrheit ausdruckt, lobe, lobe
er oder sie, lober, loben sie. Er kommt un Sin
gular der Wurzel am nächsten, und ist in viele»
Fällen die Wurzel selbst, die Jnterjection , welche
das ganze Wort veranlaßre, ruf, schall; nur
daß er in manchen irregulären den Vocal ändert,
sprich, brich, in andern aber das mildernde e
annimmt, lobe, liebe, gehe.
Hl. Im Infiniriv, welcher der Wurzel ei»
m, wenn sie sich aber auf el und er endigt, cin n
S ««
274 Theil. 2. Abschnitt. 7. Kapitel.

anhänget, nnd eigentlich nur die gegenwärtige Zeit


hat, loben, aber durch Umschreibung auch die
vergangene mit haben und seyn, gelobet Hai
den, gegangen se^n, und die zukünftige mit wen
den bilden kann, loben werden, gehen werden.
IV. Im participio, welches ein wahres
Adverbium mit dem Nebenbegriffe der Zeit ist, aber
im Deutschen nur zwey Zeiten bezeichnet:
1. Die gegenwärtige, welche dem Infinitiv
ein d anhänget, liebend, schreibend, gehend.
s. Die vergangene, welche in den regulären
der Wurzel ein er oder t, in den irregulären aber
gemeiniglich ein en anhängt, in beyden Fällen
«ber vorn das Augmentum ge bekommt : geliebc,
geschlachtet, geschrieben, gegangen. Nur
die Verb« mit der Endung iren nehmen dieses ge
nicht an: er hat regieret, ich habe studirr.
Beyde Participia können vermittelst der ConcretionÄ
Sylben zu Adjectiven werden: ein lobender,
ein gelobter.
K. 4i r. Das passlvum, welches nichts
aus sich selbst machen kann, wird ganz mit dem
Participio der vergangenen Zeit des Activi und
dem Hülfsworte werden gebildet. Es hat keine»
Imperativ und auch kein Participiam, sondern ent<
lehnt dafür das Participium der vergangenen Zeit
des .Activi, welches so wohl thätig als leidend ge,
braucht werden kann , nachdem das HulfSwort ist,
welches man ihm vorsetzt, ich habe geliebt,
ich werde geliebc. Das vorgegebene Partici»
pium Passivum zu lobend, ist, einige Titel ausg«
nvmmen, im Hochdeutschen ftemd.
4. Von
VerVum. 4. Hülföwörter. 275

4. Von den Hülfswörtern.


§. 412. Hülfsworrer können nur diejenb
gen Verb« genannt werden, welche die Mangel-
hafte Deutsche Conjugation in Vergleichung mit
den vollständiger« anderer Sprachen ergänzen hek
fen. In dieser Rücksicht haben wir deren nur
trey, welche zwar auch an sich em vollständiges
Pradicat enthalten, aber so fern sie Hülfswort«
find, nur einen allgemeinen Nebenumstand bezeich,
nen, und ihre völlige Bestimmung erst durch das
Porlicipium oder den Infinitiv desjenigen Verbi
erhalten, zu dessen Ergänzung sie dienen. Sie
heissen haben, seyn und werden, find In«
transitiv« und werden insgesammt irregulär com
jugiret.

S. 4N' Haben, welches die mangelhaftem


Zeiten des Activi und vieler Neutrorum bildet!
hilft, seine eigenen mangelhaften Zeiten aber rheils
mit sich selbst theils mit werden bildet, wird so
conjugiret.

i. Jndicak. 2. Conjuntt.
Präsens. Sing. Ich habe. Ich habe.
Du hast. Du habest.
Er, sie, es hat. Er — habe.
Plur. N?ir haben. NAr haben.
Ihr habet, Ihr Haber,
(habt,) .
i Sie haben. Sie haben.
S A l.,Jndi
. 276 1. Theil. 2. Abschnitt. 7. Kapitel.

l. Jndicat. 2. Conjunct.
Jmp. Sing. Ich hacce. Ich hatte.
/ . Du harrest. Du harrest.
Erharre. Erharre.
Plur. 5Vir harren, wir harren.
Ihr haccec. Ihr bärcer.
Sie harren. Sie harren.
Perf. Ich habe ge, Ich habe gehabr, wie
Hahr u. s. f. wie das Präs. Conj.
Präs. Ind.
Plusq. Ich hatte ge^. Ich hätte gehabt,
habc, wie das wie das Jmperf. Conj.
Jmperf. Ind.
Futur, absol. Ich wer- Ich werde haben,
de haben, wie wiedasPrös.Conjvon
das Präs. von werden,
werden.
Futur. exatt-Ichwen Ich werde gehabt
de gehabr ha, haben, eben so.
ben, eben so.
z. Jmperat. 4. Infinit.
Ving. Habe. Präs. Haben.
Habe er oder sie. Perf. Gehabr haben.
Plur. Haber. Für. Haben werden.
^, Haben sie.
5. Participium.
Präs. Habend.
Prät. Gehabr.'

§. 4^4. Seyn , dieses t« allen Sprachen


so irreguläre Verbum, welches manche Neutra
bil,
Verbum 4. Hülfswörter, 277

bilden hilft, seine eigenen mangelhaften Zeiten


aber theils durch sich selbst, theils durch werden
ersetzet, gehet so:

i.Jndicat. 2. Conjunct.
PrSs. Sing. Ich bi>^ IchstV-
Du bist. Du seyest,

Er ist. Er — sey.
Plux. Mix M. wir seyen,

Ihrseyd. Ihrseyer. ,,,


. , Sie sind. Sie seyen,
seyn.
Jmp. Sing. Ich war. Ich wä«.
Du wärest, Du wärest,
warst. wärst.
Er ^— war. Er wäre. '
Plur. ZlVir waren. wir wären.
. Ihr warec. Ihr wärer.
wärr.
Sie waren. Sie wären.
Perfectum. Ich bin gewe« Ich ftv ge-
sen, u. s. f. wesen, u. s. f.
PluSquamp. Ich war gewe- Ich wäre g«
sen, u. s. f. wesen. u. s. f.
Futur, absol. Ich werde seyn, Ich werde
u.s. f. se^n,u. s.f.
^ «xact. Ich werde ge- Ich werde
wesen seyn. gewesen
u.s. f. seyn,u. s.f.
S z z.Jmperat.
»78 i. Theil. 2. Abschnitt. 7. Kapitel.

- - - Z. Jmperat. > 4. Infinitiv.


Sing. Sey. Prös. Seyn.
Gey er oder sie. Perf. Gewesen seyn.
Plux. Seyd. . Fut.' Seyn werden.
Seyn sie.
5. Participium. '
' ' . Präs. (Seyend, wesend.)
Prät. Gewesen.
Das Participium wfsend ist nur noch in eind
gen Zusammensetzungen äls AdverbiuM und Nenw
wort üblich abwesend, anwesend; seyend
«her ist im Hochdeutschen völlig veraltet.
§,'415. Das Hülfswort werden , welches
unser Passwum bilden hilft, seine mangelhaften
Zeiten aber mit seM ergänzet, hat. folgende Co«
jugation:
l^Jndicat. 2. Conjunct.
PxSs. Sing. Ich werde. Ich werde.
Du wirst. Pu werdest.
Er — wird. Ex —^ werde.
Plur. N>ir werden. N?ir werden.
Ihr werdet, "khr werdet.
Sie werden. Sie werden.
Ampers. Sing. Ich ward, Ich würde,
(wurde.)
(Du wardst,) Du würdest,
wurdest.
^ Er — ward, Er — würde
(wurde.) >
Plur. Wir wurden. N?ir würde«
Ihr wurdet, ^lhr würder.
Sie wurden. Sie würden.
Veröum 4. Hülfswörter. 579

pttfectum. Ich bin ge. Ich sey ge.


worden, oder worden, od«
worden, worden.
Plusquamp. Ich war ge, Ich wäre ge,
worden, oder worden, od»
worden. worden.
Futur, absvl. Ich werde Ich werde
werden. werden-
exact. Ich werde ge, Ich werde ge
worden, oder worden, oder
word en, seyn. worden,seyn.

z. Jmperat. 4. Infinit.
^Sing. werde. Präs. werden.
werde er, sie. Perf. Geworden seyn.
Plur. Werder. Fut. Werdenwerden.
werden sie.
5. Particiv.
Präs. werdend.
Prät. Geworden.

§. 416. Im Jmperfect des Indikativs ist


in der ersten und dritten Person wurde im gemei,
nen Leben, ward aber in der edlern Schreibart
üblicher ; die zweyte Person wardst aber kommt,
vermuthlich wegen ihrer Härte, auch in der letztern
selten vor. Das Participivm Perfecti lautet alle«
mahl geworden, so oft das Verbum ein völliges
Prädicat ausdruckt, ich bin krank geworden;
verlieret aber sein Augment , wenn es ein HülfSi
wort wird, ich bin geschlagen worden.
S 4 5.Regu
28« I. Theil. 12. Abschnitt. 7. Kapitel.

5. Reguläre Conjugation.
§. 417. Die reguläre Conjugation / welche
die meisten Verba unter sich begreifft, lcißt den
Wurzellaut durch die ganze Conjugation unveröw
dert, und bildet alle einfache Zeiten mit den oben
schon angezeigten Piegungssylben. Der Jmper«
tiv bekommt in dem Singular, um des Wohllaw
tes willen, em e, lobe.

I. Das Activum.
1. Judikativ. 2. Conjunct.
PrSs. Sing. Ich lobe. Ich lobe.
Du lobest, lobst.Du lobest.
Er—Iober,lobr. Er— lobe.
Plur. wir loben. Wir loben.
Ibr lober, lobr. Ihr lobec.
Sie loben. Sie loben.
Jmp. Sing. Ich lobce. Ich lobere.
Dulobrch. Dulobcrest.
Er — lobre. Er — lobere.
Plur. wir lobcen. wir loberen.
Ibr lobccr. Ihu loberer.
Sie lobren. Sic loberen.
Perfect. Ich habe gelobr. Ich habe ge>
lober.
Plusq. Ichh^rregelobr. Ich harre gc^
. lober.
Fut. absol. Ichwerdeloben. Ich werde lo>
ben.
eract. Ich werde gelo, Ich werde ge<
ber haben. lober habe».
Z. Im-
Verbum. 5. Regnl. Conjugation. 231

z. Jmper. ' 4. Infinit.


Ving. Lobe. Präs. Loben. ^
Lobe er, sie. Perf. Gelobt haben.
Mr. Lobet. Fut. Loben werden.
Loben sie.
5. Particip.
Präs. Lobend.
Prör. Gelobet, gelobt.

II. Das Passivum.


1. Jndicat. 2. Co^junet.
Präs. Ich werde gelobet. Ich werde ge
lobet.
Ampers. Ich ward, (wurde) Ich würde g«
x gelobet. lober.
P<rf. Ich hin gelobet Ich sey gel«
worden. chec worden.
Plusq. Ich war gelobet Ich wäre ge.
worden. lobet worden»
8ur.absol.Ich werde gelobet Ich werde ge.
werden. lober werden,
exac. Ich werde gelobet Ich werde ge,
worden seyn. lobet worden
seyn
z. Infinitiv.
Präs. Gelober werden.
Perf. Gelobet worden seyn.
Fut. werden gelobet werden.
§. 418. Der Wohlklang muß entscheiden, wo
die Zusammenziehung in den ^ndsylben statt findet
S 5 »>er
282 i. Theil. 2. Abschnitt. 7. Kapitel.

«der nicht; die Sprache deS gesellschaftlichen Um,


gangesHiehet gern zusammen, wenn es ohne Harte
geschehen kann, die feyerliche Sprache nicht so gern.
Im Conjunktiv vermeidet man um der Deutlichkeit
willen lieber die Zusammenziehung. Die Verb«
suf eln und ern, werfen, wenn es seyn kann,
lieber daS^ letzte e weg als das erste : ich sain-
mele, du sammelst, nicht sammlest, er
sammelt, ich sammelte, gesammelt; daui
ern, dauere, du dauerst, er dauert, dauw
te , gedauert. ^

6. Cottzugation der irregulären Verborum.


§. 419. Irreguläre Verbs sind diejenigen,
welche entweder das Wurzelwort in den vornehm«
sien Theilen der Conjugation ändern , oder auch in
den Biegungssolben von der vorigen Art abweichen.
Ursprünglich waren wohl alle Verba irregulär;
allein bey dem Forschritte der Cultur suchte man die
Werba nach und nach nach allgemeinen übereinsti«w
«igen Regeln zu beugen , und noch jetzt neiget sich
die Hochdeutsche Mundart mehr als eine andere
zu den regulären , so daß die Zahl der irregulären
in derselben immer kleiner wird.
§. 420. Daher rühret es denn , daß in de«
selben viele Verba regulär gebeuget werden, welche
in den Provinzen noch ihre irreguläre Gestalt h«
ben: bekleiden, falten, fragen, (nicht frögst,
fragt, frug,) sikrchcen, gleissen, greinen,
Hinren, jagen, ( nicht jagst, jagt, iug,)
klagen, kreischen, lauten, schaben, schen
ken, scheuen, seihen, spalten, speisen,
stecken,
' Verbum. 6. Jrreg. Colljug. 28z

stecken/ umringe«/ weben, winken, wün<


schen, zünden, werden jetzt im Hochdeutschen
durchgängig regulär gebeuget. In Ansehung einiger
anderen ist der Gebrauch noch nicht völlig entschied
den, und sie werden so wohl regulär, als irregu«
lär, obgleich mit einem merklichen Übergewichts
du erstem Form, gebraucht, z> B. bellen, bra,
ren, backen, wägen, erwägen, dingen,
glimmen, klimmen, kreissen, schneyen,
verhehlen. Won andern ist nur noch ihr irre,
guliires Participium perfecti übrig, wie verhehlen,
verhohlen, schroren, geschrocen, mahlen,
moleie, gemahlen, salzen, schmalzen, ge
salzen und geschmalzen, verwirren, ver,
worren, fairen, gefalken, spalren, g«
spalrcn, rächen, gerochen.
L. 421, Manche Verba sind in einer Bedeu?
Ang regulär , und in andern nicht. Dahin geh«
ren besonders die irregulären Neutra erschrecken,
löschen, erlöschen, verderben, schmelzen,
schwellen u. s. f. deren gleich lautende Activa
regulär gehen. Bewegen und pflegen sind
gleichfalls nur noch in einer Bedeutung irregulär,
i» den übrigen aber regulär.
§. 422. Andere sind als Stammwörter irre
gulär, dagegen die von ihnen abgeleiteten und mit
ihnen zusammen gesetzten regulär gebeuget werden.
Dahin gehören alle , die vermittelst der Endsylben
von irregulären Verbis herstammen, wie streu
cheln, empfinde!«, brennzcln, befleijsigen,
schneireln u. s. f. von den irregulären streu
chen, empfinden , brennen, befleissen,
schnei«
284 l. Theil. 2. Abschnitt. 7. Kapitel.

schneiden. ' Ferner die regulären zusammen ge«


setzte«: abgleichen, berarhschlagen, des
scheren, bewillkommen, handhaben, rarh,
schlagen, radebrechen, veranlassen, vw
hangen, 'verleiden, verspeyen, willfah
ren. Dagegen aber auch wohl Ableitungen von regw
lLren Verbiß irregulär gebeuget werden, z. P,
erschallen von dem regulären schallen.
- K., 42z. Der Imperativ ist bald einsylbiz,
bald zweysylbig, und bey vielen kann er auf beyde«
ley Art gebraucht werden; flieh und fliehe,
schweig und schweige. Manche haben i»
Präsenti den Umlaut, gräbst, gräbt, von gra
ben, fällst, fällr, von fallen; manche nur
im gemeinen Leben, kömmst, kömmr von komi
mm; manche gar nicht, schassest, schafft,
rufest, ruft. Diejenigen, welche in dem Wurs
zelworte ein ie haben, verwandeln dasselbe in elni,
gen doch nur wenigen Oberdeutschen Provinzen im
Präsenti und Imperativ in ett; riechen, ich
reuche, du reuchst,.er reuchr, reuch; flie
ßen, ich fleujfi, du fleussest, er fleußt,
fleuß; welche Form, doch nur in der zweyteu
und dritten einfachen Person des PräsenS undallew
falls in der einfachen Person des Imperativs, noch
zuweilen bey den Dichtern vorkommt. Die mit
Vorsylben abgeleiteten und zusammen gesetzten fol
gen der Conjugation der einfachen; die wenigen
Ausnahmen kommen an ihrem Orte hör.
§.«424. Die irregulären Verb« find von ven
schiedener Art ; einige weichen nur wenig ab, in»
dem sie im Jmperfect und Parttcipiy die gewöynlu
^ chen
Verbum. 6. Jrreg. Conjug. 285

che« Biegungssylben te und t annehmen und nur


an der Wurzel selbst etwas ändern ; andere mache«
das Jmperfect elnsylbig ohne alle Biegungsfylbe
für die erste einfache Person, die aber in allen folgen
den statt hat, und enden das Participium Perfecti ans
statt er oder t auf en, und diese lassen sich nach
dm Vocal ihres Jmperfectes wieder in fünf Clast
sen theilen. Wir haben also eigentlich sechs Claft
se» irregulärer Zeitwörter.

I. Im Jmperfect et, im Participio t mit «in


nigen Änderungen an dem Wurzelworte :
Brennen: ich brenne u. s. f. ich brannte; Lsnj. bren
net?; gebrannt; brenne. Das Activum gehet bey
einigen regulär.
Vrnigen: ich bringe/ du bringst, er bringt; ich brachte;
Conj. brächte ; gebracht ; bringe. '
DSuchren: mich däucht; mich dSuchtete oder dZuchte;
gedZucht. Jmperat. rar.
Denken: ich denke u> s. f. ich dachte, csnj. dächte; ge
dacht; denke.
dürfen: ich darf, darfst, darf, Csnj. dürfe: Imp.
durfte, Csnj. dürfte ; gedurft. So auch Bedürfen.
Gönnen: .so wohl regulär, als auch Imp. gönnte'
Csnj. gönnte, gegönnt.
Haben, S. oben, §. 41?- Handhaben gehet regulär.
Rennen: ich kenne, kennest, (kennst,) kennet, (kennt;)
kannte, Conj. kennete; gekannt.
Rönnen: ich kann, kannst, kann, Lonj. könne; konnte,
Csnj. könnte; gekonnt.
Mögen: ich mag, magst, mag, Conj. möge; mochje,
Conj. möchte; gemocht.
2Z6 i. Thell. 2. Abschnitt. 7. Kapitel.
Müssen: ich muß, mußt, muß, Csnj. müsse, müssest!
mußte, conj. müßte; gemußt, ,
Nennen: ich nenne u. s. f. nannte, conj- mnnete ; gv
nannt; nenne.
Renne : wie das vorige. , .
Senden: ich sende, sendest, sendet?*sandte, csnj.
sendete ; gesandt; sende. Auch häufig schon regulär:
ich sendete, gesendet.
Sollen: ich soll, sollst, (nicht sollt,) soll, Conj. solle;
sollte, Conj. sollte; gesollt.
Wenden, wie sende«; auch schon häufig regulär,
wissen: ich weiß, du weißt, er weiß, wir wißen, Csnj,
wisse; wußte, Csnj. wüßte; gewüßt; wisse,
wollen: ich will, willst, will, wir wollen, Lsnj. wolle;
wollte, Conj, eben so; gewollt- ^ , -
§. 425. Weit zahlreicher ist die II. Haupt
klasse, welche die erste Person des Jmperfects ohne
Biegungssylbe, durch bloße Veränderung des Wur
zelwortes selbst macht. Sie theilen sich nach dem
Vocal des Jmperfectes wiederum in fünfArten.
1. Im Jmperfect ein a. Die meisten hatten
ehedem 0 oder u und machen daher noch den Com
junctiv in ö oder ü. Wenn c>, U und a im Im
perfect, zugleich vorkommen, so ist das letzte in d«
edlern Schreibart allemshl vorzuziehen: stsflö
nicht stund.
Befehlen: ich befehle, befiehlst, befiehlt; befahl, Loni
beföhle; befohlen ;, befiehl. So auch empfehlen.
ZSeginnen: ich beginne, beginnest, (beginnst,) beginnt
begann, Conj. begönne; begonnen; beginne ,dc
beginn. ' ' '
ZSerge»
Verbum 6. Irreg. Conjug. 287
Sergen: ich berge, du birgst, er birgt; barg, conj.
bärge, oder bürge; geborgen: birge oder birg. He«
bergen gehet regulär,
»erste,,: ich berste, du birsteft, er birget; barst, conj.
börste, aber auch schon bärste; geborsten; berste oder
birst.
Lesinnen: wie beginnen.
Linden: ich binde, bindest, bindet: band, conj.
bände; gebunden; binde oder bind.
Virren: ich bitte, bittest, bittet: both, Cnj. bäthez
gebethen; bitte,
lvnchm: ich breche, ibrichst. bricht; brach, Conj.
bräche ; gebrochen ; brich. Radebrechen geht regulär,
dringen : ich dringe , u. s. f. wie gelingen.
Smpfinden : wie binden.
«erschrecken, das Neutrum; ich «schrecke, erschrickst,
erschrickt, erschrak, (gedehnt,) conj. erschräke; er,
schrocken ; erschrick. Das Aetivum gehet regulär.
«ssenz ich esse, issest, isset oder ißt; aß, (gedehnt,)
c«nj. Zße; gegessen; iß, (geschärft.)
Finden , wie binden.
Fressen , wie essen.
Gebären: ich gebäre, gebärest, (gebierst,) gebärt,
(gebiert!) gebar, conj. geböre , aber auch schon
gebäre; geboren; gebäre; oder gebier.
Geben: ich gebe, gibst, gibt, (geschärft;) gab, Conj.
gäbe, gegeben; gib, (geschärft.)
Gelingen; ich gelinge, gelingst, gelingt; gelang, csnj.
gelänge; gelungen; gelinge. So auch mißlingen-
GeKen: ich gelte, giltst, gilt; galt, Csnj- gölte; gv
gölten; gilt.
Genesen: ich genese, genesest/ geneset: genaß, conj.
genäßez genesen. ^
288 !. Tbeil. 2. Abschnitt. 7. Kapitel.
Geschehen: ich geschehe, geschieheff, geschiehst odtt g«
schieht; geschah, Conj. geschähe; geschehen.
Gewinnen, wie beginnen; nur im Com. Jmp. auch
schon gewänne.
Helfen: ich helfe, hilfst, hilft; half, Conj. hülfe;
hoffen; hilf.
Clingen ^ wie dringen.
Rommen: ich komme, kommst, kommt, vulg. könmj>,
kömmt; kam, conj. käme; gekommen; komm.
»illkommen geht regulär.
Lesen: ich lese, liesest , liefet oder liest; las, Lsnj,
läse, gelesen; lies.
Liegen: ich liege, liegest, (liegst,) liegt; lag, Lsm>
läge ; gelegen ; liege oder lieg.
Messen , wie essen. »,
Nehmen: ich nehme, nimmst, nimmt; nahm, Lsnj.
nähme; genommen; nimm.
Pflegen, nur in einer Bedeutung: ich pflege, pflegt
pflegt; pflag, Conj. pflöge; gepflogen; pflege, "i,
Ringen , wie binden.
Rinnen , wie beginnen.
Schelte», wie gelren.
Schlingen , wie gelinge».
Schwimmen, wie beginnen, nur im Conj.
wohl schwämme, als schwömme.
Schwinden, wie binde».
Schwinge», wie gelinge».
Sehen, wie geschehen; Jmper. flehe ,
Singen, wie gelinge».
Sinken , eben so. . «- !
Sinnen , wie beginnen. . ^.z
Siyen: ich sitze, sitzest, sitzet oder sitzt! saß , Lo»,
säße; gesessen; sitze oder sitz.
Sx«'
, Verbum. 6. Jrreg. Conjug. 289
Spinnen, wie beginnen. '
Sprechen, wie brechen.
Springen, wie gelingen.
Stechen, wie breche».
Sechen: ich stehe, stehest, (stehst,) stehet, (stehtz)
stand, Conj. stände, (stünde;) gestanden; stehe vder
sich.
Stehlen , wie befehlen. .. '
Srerben: ich sterbe, stirbst, stirbt; starb, Conj. stürbe;
gestorben; stirb.
Stinken, wie gelinge». V '
Thun: ich thue, thust, thut; that, Coni. thäte; ge-
Mn; thue.
rreffen: ich treffe, triffst, trifft; traf, Conj. träfe;
getroffen; triff. . -
Trum , wie das vorige , nur im Partie, getreten,
trinken, wie gelingen.
verderben, das Neutrum, wie sterben; das Actio»«
geht regulär.
Vergesse» , wie essen. ' - . . . .
Verschwinden, wie schwinde».
Werben , wie sterben. , ?,
Werden, Siehe oben die Hülfswötter.
Werfen, wie fterd«. ^ ,
Winde», wiedinden
Zwingen, wie gelingen.
2. Im Jmversect ein ie; im Imperativ bleibt
«r Vocal des Präsentis. Dieses hat in vielen
>°ch den Umlaut in der zweyten und dritten etiv
che« Person. Andere fangen an , denselben zu
erlassen, und sich immer mehr her regulären Form

^ K Vlase«:
«9« i. Theil. 2. Abschnitt. 7. Kapitel.
ZSlafen: ich blase, blZsefi, bläset oder bläst; blies, Csnj.
bliese; geblasen; blase.
Bleibe«: ich bleibe, bleibst, bleibt: blieb, Conj. bliebe;
geblieben; bleibe oder bleib,
»raren: ich brate, brZtcst, (bratest,) brät, (bratet!)
briet, Conj. briete; gebraten: brate «der brat.
Fallen: ich falle, fällst, fällt; fiel; gefallen; fall. S,
auch gefalle».
Gedeihen: ich gedeihe, gedeihst, gedeiht: gedieh; g«
diehm; gedeih.
Halten: ich halte, hältst, hält; hielt; gehalten; halte
oder halt.
Hauen: ich haue, hauest, haust, er hauet, haut?
<nicht häuest, hauet;) hieb, Conj. hiebe; gehauen!
haue, hau.
Geissen: ich heisse, heissefi, Heisset oder heißt; hieß; ,«
heissen ; heisse.
bleiben, das Neutrum, in bekleiden, wie bleiben!
geht aber jetzt im Hochdeutschen regulär.
Lassen: ich lasse, lässeft, läßt; ließ; gelassen; laß, lasse.
Veranlasse» gehet regulär,
«laufen: ich laufe, läufst, läuft, oder laufst, lauft!
lief; gelaufen, (nicht geloffe»:) laufe, lauf,
«leihen , wie gedeihen.
Meiden: ich meide, meidest, meidet: mied; semiedeul
meide.
preisen: ich preise, preisest, preiset, oderxreiK; pri«!
gepriesen; preise.
Rathen , wie braren.
Reiben, wie bleibe».
Rufen: ich rufe, rufst, ruft; rief, auch schon ruft«
«der rufte; geruftn: «fe. . ,
Sch»
Verbum. 6. Jrreg. Conjug. 291
Scheiden , wie meiden.
Scheinen: ich scheine, scheinest, scheinst, scheint ; schien;
geschienen, scheine. ZSescheincn, von Schein, schxiftx
licheS Jeugniß, gehet regulär.
Schlafen, wie blasen.
Schneen: ich schneye, schneyest, schneyet, schneyt;
schnie; geschnien; schneye. Im Hochdeutschen aber
am häufigsten regulär.
Schreiben, wie bleiben.
Schreien: ich schreye, schreycst, schreyet, (schreyt;)
schrie, Conj. schrie, zwcysylbig; geschrieen oder ge,
schrien, dreysylbig; schreye, schrey.
Schweigen, das Neutrum, wie bleiben. Das in man,
che» Gegenden übliche Aetivum, zum Schweigen brin,
gen, gehet regulär.
Spesen, wie schreien- Verspeisen gehet regulär.
Steigen, wie bleiben.
Srsßen: ich stoße, ftößest, stößet, (stößt;) stieß; gestg,
Hen; stoße, stoß,
treiben, wie bleiben,
weisen, wie preisen.
Zeih«, und Verzeihen, wie gedeihe».

z. Im Jmperfect ein geschärftes i und vett


doppelten Hauptlaut.
ZSefleisse«: ich befleisse, befleissest, befleisset, befleißt;)
befliß; beflissen, befleisse. Defleisflge» aber gehet
regulär.
Veissen , wie das vorige.
«rbleichen: ich erbleiche, erbleichst, «bleicht; erblich:
erblichen; erbleiche, erbleich. Bleiche» das Aetivum
Gehet regulär.
292 i. Theil. 2. Abschnitt. 7. Kapitel.
Fangen: ich fange, fängst, fäi«t; fing, (nicht sieng;)
gefangen; fange. -
Gehen: ich gehe, gehest, (gehst,) gehet, (geht;) gmg<
(nicht gieng;) gegangen; gehe, geh.
Gleichen, wie erbleichen. Abgleichen gehet regulär.
Gleissen, ging fonK wie befterssen, ist aber jetzt i«
Hochdeutschen regulär., ,
Gleiten: ich gleite, gleitest, gleitet; glitt; geglitten;
gleite, gleit. Begleiten gehet regulär.
Greiffen: ich greiffe, greiffest, greiffst, gr«fft; griff;
gegriffen; greiffe, greiff.
Hangen: ich hange, hängst, hangt; hing, (nichthieng;)
gehangen; hange, Hängen, welches mit dieseiN'Oft
«ermischet wird , gehet regulär.
Reiften, wie greiffen; gehet aber im Hochdeutschen
gern regulär. . , ' , .' . .
Rneiffen, wre greiffen, aber nicht selten auch schon
regulär- - ,, i
Rneipen: ich kneipe, kneipst, (kneipest,) kneipet, (kneipt;)
knipp; gehnixpen; kneipe, kneip. Im Hochdeutschen
am liebsten regulär.
Leiden: ich leide, leidest, leidet; litt; gelitten; leide.
Verleiden gehet regulär,
pfeiffe», wie greiffe».
Reissen , wie bcfleissen.
Reiren, wie gleiten. > .
ScKeissen , wie befleisscn.
Schleichen, wie erbleichen.
Schleiften, scharf und glänzend machen, wie greiffen
Aber schleiften, Schleiften machen, auf der Schleift
Ziehen, eine Stadt schleiften , gehet regulär.
Schleiften, wie besteigen.
Echme»'
Verbum. 6. Irreg. Conjug. 29Z

Schmeissen , eben so.


Schneiden: ich schneid?, schneidest, schneidet; schnitt;
geschnitten; schneide.
Schreiken, wie gleiten.
Spleissen , wie bcflcissen.
Streichen , wie erbleichen.
Streiten , wie gleiten.
Verbleichen, wie erbleichen.
Vergleichen , eben so.
weichen , eben so.
,4. Im Jmperfect s. Diejenigen, welche i»
der ersten Person des Präsens ie haben, haben
in der höhern Schreibart, da wo es der Wohlklang
erlaubet, in der zweyten und dritten , doch nur im
Singular , oft ein eu.
Vellen: ich belle, billst, billt; voll; gebollen; belle.
Gehet im Hochdeutschen schon ganz regulär.
Beugen, gehet regulär , entlehnt aber oft das Jmper
fect und Particixium von biegen-
Betriegen: betriege, bctriegst, betriegt; betrog, Csnj.
betröge; betrogen; betricge. '
Bewegen, den Bewegungsgrund an die Hand geben?
ich bewege, bewegst, bewegt; bcwvg, Conj. bewöge:
bewogen ; bewege. In andern Bedeutungen gehet es
regulär.
Biegen: ich biege, biegest, (biegst,) biegt, (beugst,
beugt:) bog, böge; gebogen; biege, (beuge-)
Bierhen : ich biethe, biethest, (biethst,) biethet, (beutst,
beut;) bvth, böthe; gebothen; biethe, bieth, (beut.)
Dreschen: ich dresche, drischest, Krischet; drosch, drösche;
gedroschen , drisch. Aber «uch schon häufig regulär.-
T z «r
294 i. Theil. 2. Abschnitt. 7« Kapitel
erschallen: Imp. «Icholl, erschölle : erschölle». Schab
len aber gehet regulär,
«nvägen: Im?, erwog, erwöge z erwogen; erwöge.
Zechren: ich fechte, sich«, ficht; focht, föchte; gefochi
ten; ficht.
Sleckren, wie das vorige.
Stiegen, wie biegen.
Slieben: ich fliehe, fliehest, (fliehst,) fliehet, flieht,
(fleuchst, fleucht;) floh, flöhe; geflohen; fliehe,
(fleuch.)
Stießen: ich fließe, fließest, fließt, (fleußeft, fleußt;)
floß, flösse; geflossen; fließ, (fleuß.)
Srieren: ich stiere, frierst, friert; fror, fröre; gefro«
ren; friere.
Göhren: ich gähre, gährst, gZhrt, (gierst, giert;)
gvhr, göhre; gegohren; gähre.
Gebietben, wie bleche».
Genießen, wie fließe».
Gießen , eben so.
Glimmen; ich glimme, glimmest, (glimmst,) glimmt;
glomm, glimme; geglommen: glimme, glimm. Ah«
auch schon häufig regulär-
Heben: ich hebe, hebst, hebt; hob, höbe; gehoben;
hebe, «rhaben ist nur noch als ein Adjeetiv üblich.
Hehlennnd verhehlen gehen regulär, nur daß man
im Participio sowohl gehshleu und verhohlen, als
gehehlet und VerHehler sagt,
blieben, svalten: kliebe, kliebest, kliebt; klob, klöiez
gegeben; kliebe.
Aimmen, wie glimmen; aber auch häufig regulär,
krieche»: ich krieche, kriechst, kriecht, (kreuchst, kreucht^
Koch, Köche, gekrochen; krieche, kriech, (kreuch.)
Kühr«,
Verbum 6. Jrreg. Conjug. 295
Rühre», wnonabe, uur daö zusammen gesetzte Im»,
und Partie, erkohr, exköhre, erkohren üblich ist.
«rlösche», und Verlöschen, als Neutra: ich erlösche,
erlöschest, erlöscht, (erlischest, erlischt:) erlosch,
«lösche; erloschen: erlösche, erlisch. Das Aetivum
lösche» gehet mit auelöschm regulär, auch wen»
das letztere das Neutrum ist.
Lügen, wie biegen.
Melken: ich melke, melkst, welkt , (milkst, milkt;)
molk, mölke; gemolken; melke , milk.
Quellen, das Neutrum: ich quelle, quillst, quillt:
quoll, quölle ; gequollen.; quill. Das Aetivum gehet
regulär. '
Rächen, gehet regulär, ob man gleich noch häufig ge
rochen für gerächer findet.
Vieche«, «ie kriechen.
Sausen: ich saufe, simfst,. sauft, (säufst, säuft;) soff,
söffe; gesoffen: saufe, sauf.
Saugen: ich sauge, saugst, saugt; sog, söge; gesogen:
sauge- Das Aetivum säuge» gehet regulär.
Scheren: ich schere, scherest, scherst, schert, (schierst,
schiert;) schor, schöre; geschoren;, schere, (schier.)
Beschere», zutheilen, gehet regulär.
Schiebe», ich schiebe, schiebst, schiebt; schob, schöbet
geschoben: schiebe, schieb.
Schießen: wie fließe«.
Schliefen: ich schliefe, schliefst, schlieft; schKS> lWffe)
geschloffen; Miefe, schlief.
Schließen, wie! fließe».
Schmelzen, das Neutrum: ich 'schwelte, schmilzest,
schmilzt; fthmolz, schmölze; geschmolzen; schmilz. Das
«ctivum gehet regulär.
-- - Schweb
S96 i. Theil. 2. Mschnitt. 7. Kapitel.
Schwellen, wie bellen, nur daß es uicht regulär
üblich ifi.
' Schnieben , wie schieben-
Schwären, Eiter ziehen: ich schwöre, schwärst, schwärt;
" ' schwor,, schwöre; geschworen; schwäre.
Schwören, Zur««: ich schwöre, schwörst, schwört;
V schwor , schwöre^ geschworen; schwöre.
Sieden: ich siede, siedest, siedet; sott, sötte; gesotten,
siede.
Sprießen, wie fließend
Srieben, wie schieben.
Triefen, wie schliefen, mir daß man auch dn.treufft,
er treust, Jmxerat. rreuf findet.
Kriegen, wie bekriege».
Verdrießen , wie fließen. ' >'
Verlieren, wie frieren.
Verlösche», wie erlöschen.
Verwirren: ich verwirre, «erwirkest, verwirret; «er-
worr, verwörre; verworren; »erwirre. Aber auch
schon häufig regulär-
Wögen und wiegen, haben gemeiniglich im Jmxerf,
wog , und im Partie, gewogen; werden aber auch
schon häufig regulär gebraucht.
Ziehen, wie fliehen.

5. Im Jmperfect ein U. Viele, welche sonst


in diese Nssss gehörten, bekommen fttzd DDD
anMndizern Sprechart ein a. Wenn dahMH
c.:nm Worte beyde Formen üblich sind/ ft ist «lw
chs.«>° die leßke vorzuziehen. - >H:>

Sah
Verbum. 7. Neutrum. 297
Fahren ? ich fahre, fährst, fährt; fuhr, führe; gefah?
ren : fahre, fahr, willfahren gehet 'regulär.
Graben: ich grabe, grZbst, gräbt; grub, Couj. grübe;
gegraben, grabe.
Laden: ich lade, ladest, ladet, (lüdest, lädet z) lud,
lüde; geladen; lade.
Mahlen, auf der Mühle, gehet regulär, n« daß es
im Partie, gemahlen hat- Mahlen pingere istvillig
regulär.
Schaffen, cresre. ich fchaffe, fchaffcst, (schaffst,) fchafft;
schuf, schüfe; geschaffen; schaffe, schaff. Inländern
Bedeutungen gehet es regusär.
Schinden: ich schinde, schindest, schindet; schund,
schünde; geschunden; schinde.
Schlagen: ich schlage, schlägst, schlägt; schlug, schlü«
ge; geschlagen; schlage. Rachschlagen und berarh-
schlagen gehen regulär.
Tragen, wie das vorige. - "
Wachsen: ich wachse, wächsest, wächset, wächst; wuchs,
wüchse; gewachsen; wachse,
waschen: ich wasche, wäschest, wäscht; wusch, wüsche;
gewaschen; wasche-

7. Von den Verbis Neutris.


§. 426. Das Verbum neucrum druckt
ein Prädicat aus, welches an dem Subjecte allein
gedacht werden kann und wozu kein leidender Gtt
genstand erfordert wird; es leidet daher als «n
Neutrum weder ein Passivum / noch einen Accus«
tiv des leidenden Gegenstandes, wohl aber der
Zeit, des Raumes, des Werthes und einer Art
und Weise: ach c Tage bleiben, eine Meile
T 5 gehen.
»98 !- Thcil. 2. Abschnitt. 7. Kapitel.

gehen, es kostet einen Thaler, den Trab


, reiten. Wohl aber kann das Subject selbst alö
der leidende Gegenstand betrachtet werden, da
denn doS Neutrum tn ein Reciprocum Ubergehet,
sich müde sirzen.
§. 427. Es bedeutet entweder eine Eigen
schaft, glänzen, erblassen, oder einen Zustand,
sirzen, stehen, liegen, oder eine Handlunz,
welche an dem Subjecte allein gedacht werden kann,
deren die meisten sind , gehen, reisen, niefei?,
bellen, oder endlich eine Handlung, deren leidem
der Gegenstand schon in dem Verbo selbst liegt,
malzen, Malj machen, mausen, Mäuse faw
gen , mauern, eine Mauer ausfuhren.
§ 428. CS ist entweder zu einem bloßen
Neutro bestimmt, und kann alsdann nie als ein
Activum gebraucht werden, bersten, siyen,
blühen; «der es kann mit Bezeichnung des leu
denden Gegenstandes zugleich als ein Activum und
Pastlvum gebraucht werden, die Uhr schlägt,
der Gärtner säet. Im letztern Falle ist es z»
weilen in der Conjugation von dem Activo unter,
schieden, da denn dieses regulär, das Neutrum
aber irregulär conjugiret wird, brennen, schmeb
zen, erschrecken, verderben. Noch öfter
hat es sein eigenes Activum, welches sich durch
einige Veränderungen in dem Wurzellaute von den»
selben unterscheidet: schwanken und schrväw
ken, schwimmen und schwemmen, siuv
gen und säugen, nurzen und nützen. Siehe
auch F. Z88.
K- 429.
Verbum. 7. Neutrum. 299

5» 429. In der Conjugatio« ist das Deutsche


Neutrum von dem Activo weiter nicht unterschi«
den, als daß in den zusammen gesetzten Zeiten einis
ge das Hülfswort seyn, andere, und zwar die
meisten, aber haben zu sich nehmen. Der Grund
dieses Unterschiedes lieget überhaupt in dem mehr
thätigen oder mehr leidenden Verhältnisse, welches
durch das Berdum ausgedruckt wird. Ist es mehr
thätig, wie in donnern, tönen, drohen,
blühen, bluten, so bekommt es haben; wenn
das Subject aber dabey mehr leidend gedacht wird,
bersten, fallen, sterben/ aufleben, so vu
kommt es seyn.
§. 4zo. Haben bekommen demnach alle
Neutra, wobey das Subject mehr thätig als lei
dend vorgesiellet wird: beben, zittern, blicken',
sehen, schauen, bluren, arbeiten, brew
nen, fehlen, flehen, forschen, geirzen,
gelten, zürnen. Ausgenommen find vornehm«
lich diejenigen , welche ei»e Veränderung deS Ott
tes bezeichnen, davon hernach. Folglich gehöre»
unter diese Regel: i. Alle Neutra, welche die Hers
vorbringu.ig eines Tones bezeichnen: bellen,
blöken, brüllen, brausen, brunfren, brum
men, donnern, drohen, dücen, gaksen,
gallen, girren, grunzen, schallen, tönen
u. s. f. Nur erschallen bekommt seyn. s. Web
che die Vollendung einer Handlung oder eines Zw
standes bezeichnen , besonders die in dieser Bedeus
tung mit aus zusammen gesetzt sind: der Baum
hat ausgeblühet, das Feuer hsc ausg«
brannr, ich habe ausgestanden, sie haben
' nun
ZOO ?. Thell. 2. Abschnitt. 7- Kapitel.

nun ausgereiset, ausgesprungen, ausge-


laufen , u. s. f. z. Diejenigen welche zwar ei«
Participium Präsentis, aber nicht Perfecti leiden -
man sagt nicht ein gealteter oder geälterM
Mann, ein geblirzcer Dolch, ein gedampft
rer Geruch, ein gedursterer Mensch u.s f.
4. Me diejenigen, welche als Neciproca mitz einem
Casu gebraucht werden: ich habe mich
müde gegangen, geritten, gelaufen, sie
haben sich farr spayiret. 5- 'Alle diejenigen,
welche eine Veränderung des Ortes bezeichnen und
also eigentlich seyn erfordern , wenn sie ohne alle
Beziehung des Ortes gebraucht werden: das
-Huhn hat lange geflattert, wir haben den
ganzen Tag gesprungen, geritten , gcgan-
gen, gereisec. Auch wenn ein solches Wort
figürlich von dem Behältnisse gebraucht wird : die
Röhre hat geflossen, das Laß hat gelau
fen, geronnen, die Augen haben geron
nen , die Fontäne hat den ganzen Tag ge
sprungen. 6, Alle eigentliche Activa , wenn sie
als Neutra gebraucht werden : die Nhr hat ge
schlagen , sie hüben geschrieben. 7. Diejeni
gen Neutra, welche unpersönlich gebraucht werden:
es hat gefroren, es hat mich gefroren, es
hat gereift, geschneyet, es ahndet nnr;
so auch ekeln, grauen, dursten, hungern,
jucken, gereuen, schwindeln.
§, 4zr. . Seyn hingegen nehmen zu sich,
alle diejenigen , bey welchen das Subjekt mehr
leidend als thätig gedacht wird : begegnen, blei
ben, kleben, bekleben, erschallen, abstam
men,
VerblM 7. Neutrum. Zoi

MM, herstammen. Folglich: i. alle diejenigen,


welche ein Gerachen in einen gewissen Zustand be
zeichnen: abarcen, ausarten, nacharten,
verarmen, begegnen, bersten, erblassen,"
erbleichen, ab - an . auf - niederbrennen,
gedeihen/ aus - ein » verdorren, an, ent
glimmen, ergrimmen, aufgrünen, erhar
ren, er -verhungern, erkalten, aufkei
men, erkranken, aufleben, Senefern, ge
rinnen, aus - erlöschen, genesen, gerachen,
reissen mit seinen Compositis, erröchen, ersau«
fen, ertrinken, geschehen, scheitern, erz
scheinen, ein -entschlafen, ein-entschlum«
mern, auf- erwachen, schmelzen, erschrej
ckm, ab,aus ° zuschwären, an°aus'vcr-
zuschwellen, schwinden, sinken, stürzen,
stranden, u. s. f. 2. Diejenigen, welche ein«
Veränderung des Ortes bezeichnen , so oft der OrZ
ausdrücklich gemeldet, oder doch darunter verstän
de!! wird; dringen, fahren, fallen, fliegen,
fliehen, folgen, gehen, gleiten, klecrern,
klimmen, kriechen, kommen, an, ein- g«
langen, laufen, marschiren, reisen, ren^
nen, rucken oder rücken, scheiden, schien
ßen von einer schnellen Bewegung, schiffen,
schleichen, schliefen, schlüpfen, schrei
ten, schwimmen, u. s. f. mit ihre» Composi
tis. z. Diejenigen, welche ein Participium Per?
fecti leiden und in der Bedeutung , in welcher sie
ts leiden : ein ausgearrerer Mensch , die
angekommenen Sachen, die eingeschlagen
NM Blattern. Womit man doch das mtt seyn.
ZO2I. Thell. 2. Abschnitt. 7. Kapitel.

gebrauchte Participium eines Actkvi oder Reciproci


nicht vermttlgen muß? ich bin geborgen, beZ
müher, gesinner, beflissen, gelagerr.
„ §. 4Z2. Viele, welche dem ersten Anblick«
«ach einen Zustand bedeuten, bekommen im Hoch?
deutschen dennoch haben, vermuthlich, weil das
Verbum ursprünglich mehr Thätigkeit bezeichnete.
Die vornehmsten sind: alren, älteln, Kausen
oder bauschen, beben, blühen, bocken
nach dem Bocke verlangen oder riechen, so auch
alle ähnliche; dampfen, darben, danern,
duften, dürfen und bedürfen, eirern, feh-
len, gleichen, gleissen, glänzen, glühen,
gränzen, grünen, haben, haften, haw
gen, harren, heissen, kleben, knospen,
können, kränkeln, kranken, lassen, leben,
leiden, mangeln, modern, mögen, raw
chen, müssen, nuyen, rasten, ruhen,
schimmeln, schimmern, schlafen, schla«
fern, schlaudern, schlorrern, schlummern,
schmachren, schmauchen, schmecken,
schmuyen , schwanken, schweben, schrveü
gen, siechen, sieden, sollen, ragen, rsm
gen , träumen, wachen. Besonders liegen,
sitzen und stehen , welche im Hochdeutschen mit
haben am üblichsten sind, im Oberdeutschen aber
seyn bekommen , daher auch ihre Particivia Pen
fecti noch gangbar sind: ein ausgelegener
wein.
§. 4zz. Dagegen werden viele Neutra bald
mit haben, bald mit seyn gebraucht, je «<A
dem die Bedeutung mehr thötig oder mehr leidend
: ^ ifi:
Verbum. 7. Neutrum. z6§

ist: die ganze Scadr ist susgebrannr, und das


Feuer har ausgebrannt; die Feuchrigkeic
ist ausgedampft, und die Kohlen haben
ausgedampft, und so mehrere mit aus zu<
sammen gesetzte, der Feind ist in die Sradc
gedrungen, und er hat in mich gedrun
gen; wir sind in die Sradc geeiler; und
wir haben mir der Sache geeiler; ich
bin mitgefahren, und er har ihm übel
mirgefahren; wir sind fortgefahren, und
wir haben fortgefahren zu arbeiten; er
ist in das Feld geflattert, und der Vogel
har lange geflarcerr; das Blur ist geflöß
sen, und die Röhre har geflossen; er ist ihm
gesolger, und er hat gefolger, gehorchet;
die Erde ist gefroren, und wi? haben> ge>>
froren, es hat gefroren,^ ich bin vor ihnt
geknier, und er har den ganzen Tag ge^
knier ; ich habe es bekommen, und es ist mir
Klommen; es hat geplayc, das Holz har
Aplarzr, er har geplarzr, geprahket, und
das Glas ist geplatzt, er ist hingeplaizrz
es hat geprallt, der Ball ist zurück ge
prallt; wir sind nach Leipzig gerirren,
wir haben den ganzen Tag geritten, ich
habe einen Hengst geritten; er ist mir dem
Ropfe an die wand geschlagen, dieFlam,
me ist in die Höhe geschlagen, dieBlarrern
sind zurück geschlagen, aber, der Donner
har in den Baum geschlagen, die Vögel
haben geschlagen; die Bäume sind ausge»
schlagen, die Sache ist gut ausgeschla,
zo4 ,.THeil. s. AbjHnitt. 7. Kapitel.

gen, das Pferd hat ausgeschlagen; das


Schiff ist vsrbey, ist auf den Grund gv
segele, har schnell gesegelt; ich habe die
«anze Nacht aufgesessen , die Reiter sind
jchon aufgesessen; das Glas, das Blut
ist gesprungen, die Fontäne bar gefpruw
gen; das Schiff ist in die See gestochen,
die Nadel hat gestochen; das Schiff har
auf den Grund gestoßen , ich habe ange
stoßen, der Tompeter hat in die Trsm.
pete gestoßen, wir sind zu ihnen gestoßen ;
der N?agen ist umgeworfen, der Fuhr
mann hat umgeworfen. Von welchem Unter«
phiede die Gründe im vorigen enthalten sind.

, Bey einigen ig in einer und eben derselben


Bedeutung der Gebrauch schwankend. Am besten
nehmen feyn zu sich: abschlagen und aufjchltv
nett, für abnehmen und zunehmen, begegnen,
beharren, einkehren, gelingen, herum
ren, landen, quellen, rosten, stolperq,
straucheln, mir jemanden verfahren,
weichen, ceäers. '<

^ -Haben aber: anhangen, anschlagen


für helfen, beistehen, glücken, herrührest,
kleben, nachhängen, nachjagen, reifes
reif werden, stecken, befindlich seyn, verhari
ren, verzagen, willfahren. Auch liegen,
siyen und stehen, obgleich manche Compositg
>vn ihnen das seyn unjireing bekommen. ,
.', ! Verbum 8. Compositum. zvS

« Von den zusammen gesetzten Verbis.


§. 4Z4. Diese unterscheiden sich in der Conju,
Kation bloß darin, daß einige in allen Fällen zusan«
men gesetzt bleiben, und also ächte Zusammen,
setzüngen sind, andere aber oft getrennet werden,
uiid alsdann unächte Zusammensetzungen machen.
Partikeln, welche ächte Zusammensetzungen machen,
«erden untrennbare, die übrigen aber trenn
bare genannt.
§> «5. i. In den achten Zusammen
setzungen hat entweder das Verbum oder die erste
Hälfte der Zusammensetzung den Hauptton. Hat
ihn das Verbum, so bekommt das Participium
Perfecti das gewöhnliche Augment ge nie: wider-
stehen, widerstanden, zu widerstehen.
§i 4Z6. Den Ton werfen auf das Verbum :
Die Verb« mit den Vorsylben be, ent oder
emp, er, rze, verundzer: ich beschreibe,
habe beschrieben, zu beschreiben, be,
schreibe; ich erstehe, erstanden, zu er
stehen, erstehe. Auch wenn noch eine Partikel
darauf folgt, welche alsdann den Ton auf sich zie,
htt: beünruhigen, verabscheuen, verün<
treuen, beürrheilen, verursachen, hevöll,
wächrigen, berarhschlagen. 2. Die mit
hmrer, voll und wider, contra, zusammen
gesetzten: hinterbleiben, hinterbringen,
hinrergchen, hinterlassen, hintertreiben;
vollbringen, vollenden, vollftihren, voll»
strecken, vollziehen; widerfähren, wider,
legen, widerrarhen, widerserzen, wider,
sprachen, widerstehen, widerstreiten, wi,
U de«
Zv6 i.Theil. 2. Abschnitt. 7. Kapitel.

' verstreben. Die Fälle, wo voll außer der Zu«


sammensetzung vor einem Verbo stehet, und alÄ
dann wie ein jedes anderes Adverbium den To«
hat, gehören hierher nicht: voll gießen, ma«
chen, schürten, werden, füllen, z. Die
beyden lobpreisen und lobsingen, welche doch
nur selten vorkommen. Alle diese leiden im ParticK
pio das Augment ge nie.
§. 4Z7^ In den übrigen achten Zusammen«
setzungen ruhet der Ton auf der ersten Hälfte des
Wortes , es mag nun solche ein Hauptwort oder
ein Adverbium seyn , und alsdann tritt das Aug,
ment vor die ganze Zusammensetzung: snrwo»
ten, geantwortet; so auch, afrerreven,
argwöhnen, frohlocken, frühstücken, fuchs-
schwänze!,, handhaben, hohnlachen, kiel»
hohlen, liebäugeln, liebkosen, muchms»
ßen, panzerfegen, quacksalbern, radebre
chen, rarhfchlagen, rechtfertigen, rage-
werken, urtheilen, Urkunden, wallfahr,
ten, weissagen, wetteifern, wetterleuch
ten, willfahren. Danksagen und Haus
halten werden richtiger getheilt geschrieben , weil
sie keine ächten Zusammensetzungen sind : ich halte
-Haus, habe Haus gehalten. Dank gesa^
get, sage Dank, halte Haus. Wahrst
gen hingegen wird so wohl trennbar als untrenn
bar gebraucht : ich wahr/age oder sage wahr,
gewahrsagec, und wahr gesaget.
§. 4Z8. Die mit miß zusammen gesetzter
sind von gedoppelter Art. l. In den meisten ru,
her der Ton auf der Partikel, und dies«' nehmen,
wenr
Verbum 8- Compositum. 3^7

Venn sie Activs sind , das Augmentan, ge, unk


im Infinitiv das Wörtchen ZU vor sich: miß-
billigen) mißbrauchen, mißdeucen, miß?
gönnen, mißkennen, mißleiccn, mißrech,
nen , gemißbilligec u. s f. wenn sie aber
Neutra sind, so treten beyde in die Mitte:
mißarcen, mißgeartcc, mißzuarten, miß^
bierhen, mißgeborhen, niißgehen, miß,
glücken, mißgreiffen, Mißtönen, mißrre,
rm. Daher hat mißhandeln im Neutro ich
habe mißgehandelc , d. i. mich vergangen, und
im Activo man hat ihn gemißhandelk.'^
Einige wenige werfen den Ton auf. das Verbum,
und diese bekommen kein Augment : es hat mie
mißfallen, es ist mißlüngen, es ist mißrÄ
rhen, ich habe es mißrächen. ' 5
S. 4M » Unächre susammensetzungeit
find diejenigen, welche mit trennbaren partim
keln gemacht werden, d. i. mit solchen Adverbieu
und PräpKfilionen, (die doch hier nur als Zibbe«
bia stehen ,) welchd in manchen, Mllen wieder vorr
dem Verbo getrienuet werden > mid hinter dasselbe
z« stehen kommen. Sie ziehen^, wie ein jedes
«nderesÄdverbium, den,Hauptton, auf sich ^ sind
auch in der Stellung von demselben nicht verschie«
den , nur ... töem Unterschiede, baß. sie da , w»
sZe vor dem Verbo zu stehe» kommen, mit dem,
selben als ein Wdrt geschrieben werden, da denn
das Augment zwischen ihnen und dem Verbo in die
Mitte kommt. Diejenigen, welche dieses Recht
einmahl hergebracht haben, sind: ab^ an, sui^
«US, Hey, Hgx> '.durch <!.em, fort, her,
U 2 HW,
ZO8 1. Theil. 2. Abschnitt. 7. Kapitel.

hin, lss, mir, nach, nieder, ob, vor>


weg, wieder, rurlus, und zu; wovon die
meisten zwar auch Präpositionen sind , ab«
hier nicht anders als Adverbia gelten : Aüsgie,
ßen, ich gieße aus, goßaüs, habeaüsgv
gössen, auszugießen; welche Stellung d«
Partikel von der Stellung anderer Adverbien in
nichts verschieden ist: ich werde heüce kom.
wen, ich komme heüce, kam heute, ich
bin heüce gekommen, heüce zu kommen.
Andere Adverbien als die oben gedachten, z. T.
gleich, heim, herab, heraus, vorbey,
yabey, davon, wohl, fehl, hoch u. s. s.
mit dem Werbo als ein Wort zusammen zu schrei,
ben, macht Verwirrung und ist wider den Sprach,
gebrauch. Wer nicht schreiben will, es ist ge,
sterngeschehen, etwas gelassenansehen, es
bösemeinen, übelwollen, muß auch nicht schreit
be«: gucmachen, sich Wohlbefinden, d«
vonlsufen. i: u i . . .
§. 440. z. Ächte und unachte Zusaiw
menftyungen zugleich find diejenige», welche
mit den vier Partikeln durch , über, um uch
UNker gemacht werden, welche in einem und
eben demselben Worte , obgleich gemeiniglich i»
verschiedener Bedeutung, so wohl trennbar als
untrennbar sind. Sind sie trennbar, so ziehe» sie
den Hauptton aufsich, und gleichen in allen SB
cken den vorigen; wenn sie aber untrennbajWW
so hat das Verbum den Ton , und das Augm«
ge fällt völlig weg: durchbrechen, ich brect«
hier durch, durchgebrochen, brich dürchz
Verbllm. 8. Compositum. z«9

«ier durchbrachen, ich durchbreche, durch«


Kröchen, durchbrach. So such überfah
ren und überfahren, übergehen und Über,
gehen, Umfahren und umfähren, Umge
hen und umgehen, Unterstehen und unter,
stehen, ünrerhalten und uncerhalren. Wenn
die drey ersten trennbar sind, so stehen sie allemahl
»ls Adverbia und haben keinen Casum, und müssen,
wenn sie einen haben sollen, wiederhohlet, oder
völlig von dem Verbo abgerissen werden ; als un
trennbar sind sie wahre Präpositionen , und haben
ihren Casum: er har den Wald durchbrö-
chen, er ist durch den Wald durchge
brochen, oder er ist durch den Wald ge
brochen.

9. Von den Verbis reciprocis.


§. 44 1 » Wenn ein Verbum das Prädicat auf
das Subject zurück führet und dieses dadurch zu dem
leidenden Gegenstande macht, so heißt es ein
Reciprocum. Das Subject wird alsdann zwey-
>»«hl genannt, einmahl als das Subject oder der
chcitige Gegenstand und das zweyte Mahl als der
leidende Gegenstand. Das letztere geschiehst ver
mittelst der Pronominum reciprocorum.

§. 442. Die Reciproca sind der Form nach


ilctiva, daher sie auch in allen Fällen das Hülfs-
Kort haben annehmen, wenn gleich das Ber
dum Neutrum als ein absvlutum seyn erfordern
bllte: ich bin nach Berlin geritten, und
ich habe mich müde geritten. Der Bedeu,
'>',., Uz tung
FIO I. Theil. 2. Mschnitt. 7. Kapitel.

kung nach sind sie wahre Neutra , daher sie auch


kein Passivum leiden.
§. 44z. Fast ein jedes Prädicar kann auf
das Subject zurück geführet werden, daher lassen
sich auch die meisten Verb« reciprok gebrauchen:
sie schlagen sich, wir vereinigen uns, ihr
tadelt euch. Oft aber, bekommt das Verbm
durch den reciproken Gebrauch noch eine figürliche
Nebenbedeutung : ich vergesse mich , sich bc-
finden. Im engsten Verstände nennet man nur
diejenigen Verb« recipvoca, welche nie absolut g«
braucht werden können: sich abmüßigen, sich
anmaßen, sich anschicken, sich aufschwin
gen, sich balgen, das gemeine sich beden
ken, sich begeben, sich behelfen, sich be<
mächtigen, sich berühmen, sich freuen,
sich grämen, sich sehnen u. s. f.
§. 444. In der Conjugation haben sie nichts
besonders , indem das Pronomen reciprocum.alle»
«lahl da stehet, wo ein jedes anderes Pronom«,
wenn es den leidenden Gegenstand bezeichnet, ste
hen würbe, davon im Syntax: ich kränke mich,
wir haben uns gekränkt, weil sie sich
kränkten; eben so sagt man, ich kränke dich,
wir haben euch gekränkt, weil sie uns
kränkten.
§. 445. Die meisten Reciproca nehmen das
Pronomen im Accusativ zu sich: sich äußern,
erbarmen, bescheiden, besinnen, bewen
ben, enthalten, entschließen, entschlagen,
erhohlen, schämen, unterstehen, wiver-
ftym,
Verbum 9. Reclprocum. zri

seyen. Nicht so viele im Dativ: ich bilde


mir ein, getraue mir, maße mir an.
Einige^ wenige werden mit beyden Endungen
gefunden, mir däuchc und mich däuchr,
wovon doch die letzte am gewöhnlichsten ist.
K. 446. Wenn das Pronomen reciprocum .
derAccusativ des Plurals ist, und das Prädicat
nicht auf jedes Individuum unter den mehrern als
ein Individuum zurück geführet, sondern von allen
gesagt wird, so kann dafür auch einander stehen?
sie lieben sich wie , Rinder, oder einander;
sie sind sich alle gleich; wir sehen alle ein
ander gleich , für uns. Aber nicht sie schcu
men einander, weil das Prädicat auf jedes
Individuum besonders zurück kehren muß; auch
nicht, sie bilden einander ein, weil hier der
Dativ stehen muß.
K. 447. Einige Werba werden in einerley
Bedeutung so wohl absolut als reciprok gebraucht:
sich irren und irren, sich mir einem zan
ken und mir einem zanken , sich anfangen
und, obgleich seltener, anfangen, als ein Neutrum,
sich vor^twas 'scheuen und ttwas scheuen.
Daß die Reciproca auch unpersönlich gebraucht we«
den können, werden wir sogleich sehen.

1 «. Von dem Verbo impersonali.


§. 448. Wenn das Subject, welchem ein «
Prädicat einverleibst werden soll, so unbestimmt
ausgedruckt wird, daß such unentschieden bleibt, -
ob es eine Person oder Sache ist, so entstehet ein
unpersönliches Zeirworc oder Verbum im»
U 4 per.
Zi2 1. Theil. 2. Abschnitt. 7. Kapitel.

personale. Man druckt es durch die dritte


Person des Singulars aller Zeiten mit dem unbe,
stimmten Pronomine es aus: es donnert, es
regnete, ^es hat geschneyer, es harieg«
knallet; wo man unentschieden läßt, wer es ist,
der diese Wirkung hervor bringt, ob es eine Pe«
son oder Sache ist. Wkhin also die Art des Aus,
druckes nicht gehören kann, wenn die Person durch
man unbestimmt ausgedruckt wird, man sagt,
weil die Person hier wirklich bestimmt wird, vi»
gleich ihr Geschlecht und ihre Anzahl unentschieden
bleibt; noch weniger aber die, welche nur in der
dritten Person gesagt werden können; es gezitt
mer sich und das geziemet sich.
§. 449. Sehr viele Aktiva und Neutra low
tten unpersönlich gebraucht werden, so bald sie ein
Prädicat bezeichnen , dessen Subjekt entweder von
Natur unbestimmt ist, oder doch als völlig unbe,
stimmt vorgesiellet wird: es heißt, es gehet
um, was gibt es ? Im engsten Verstände nen
net man nur die unpersönlich , welche von keinem
bestimmten Subjekte üblich sind: es chattet, es
reifer, es frierer, es hagelt, es schneyer.
Besonders wenn sie zugleich recipxok sind: es
schwindelt mir, es schläfert mich; wo das
es auch weggelassen werden kann, mir schwin
delt, mich schläfert, mich hnngerr, dur
stet. Diese haben weder ein Passivum noch den
Imperativ und nur selten ein Participium.
§. 450. Da auch der leidende Gegenstand als
unbestimmt vorgesiellet werden kann, so läßt sich
auch das Passivum in der dritten Person unpersöm
lich
Verbum. io. Impersonale, ziz

lich gebrauchen : es wird gesagt , gelaurer,


geschossen, vorgegeben. Ha denn auch wohl
Neutra ein Pasflvum bekommen , welche eH. sonst
nicht leiden: es wird gegangen, geritten,
gereiset, gedonnert.
§. 451. In viele« Fällen ist nur die Form
unpersönlich, daö Subject aber in der That be-
stimmt genug , indem es im Deutschen sehr ge«
wohnlich ist, einen Satz unbestimmt anzufangen
und bestimmt zu endigen : es sagt es ein jeder,
d. i. ein jeder sagt es; es sind kaum drey N)o»
chen; es kennet ihn niemand; es war
einmahl ein Mann.
§. 45s. Manche unpersönlichen Reciproca sind
nur für uneigentliche Reciproca zu halten, weil das
Subject, welchem die Wirkung zugeschrieben wird,
zwar unbestimmt und unpersönlich, aber doch
von dem leidenden Gegenstand noch unterschieden
ist: es hungert mich, d.i. ein unbekanntes
etwas erreget mir Hunger: so auch es ekelt,
grauer mir, es däuchr oder dünkt mich,
es verdrießt mich. In der vertraulichen Sprech«
ort werden die unpersönlichen Reciproca häufig
anstatt der Passivorum gebraucht: es sagt sich
Kicht, hier wohnt es sich gut, hier geht
sichs schlecht, es hac sich ausgeritten.

U 5 Achtes
zi4'i. Theil.2. Abschnitt. 8. Kapitel.

' V Achtes Kapitel. .

' Von dem Participio.

§. 45Z.
^>as Deutsche patticipium ist ein von dem
'—-^ Verbo abgeleitetes Adverbium, welches den
Begriff des Verbt als eine Beschaffenheit, doch
unselbständig, und mit dem Nebenbegriffe der
Zeit darstellet. Es heißt parriclpium od«
Mirrelrvorc, weil es zwischen dem Verbo und
dem Adverbio in der Mitte stehet, und von bep
den etwas in sich hat; von dem Adverbio ? wel
chem es ganz gleichet, und von dem Verbo, von
welchem es außer der Abstammung auch den Nes
benbegriff der Zeit hat.
§. 45 <. Da das Deutsche Verbum nur zwey
Zeiten aus sich selber bilden kann, so sind auch
nur zwey Participia möglich; eines der gegenwärti
gen Zeit, parricipittm präsenris, welches
«us dem Infinitiv mit angehängten Ableitung^
laute, d gebildetwird, lieben-d,gehen-d, sehend,
fliehewd, schlagen d, und eines der vergangenen
Zeit, parricipium praceriri, welches aus dem
Wurzelworte des Verbi mit vorgesetzten Augments
ge und angehängten Ableitungssylben er, r und
engebildet wird, doch mit dem Unterschiede, daß die
regulären Verba et oder t, die irregulären der ersten
Classe ein bloßes r, die folgenden aber en anneh,
wen. Bey den irregulären leidet auch die Wup
zelsolbe manche irreguläre Veränderungen, welche
Von demPartickpio. Z15

IN dem Abschnitte von den irregulären Verbis zm


gleich mit angezeiget worden.
K. 455. Da die Deutsche Conjugation kein
Passivum kennet, sondern dasselbe umschreiben muß,
ss kann sie auch keine parcicipja Passiva ha
ben. Ordentlich leidet ein jedes vollständiges Vers
dum,es sey ein Activum, Neutrum, Reciprocum
oder Impersonale, beyde active Participia, obgleich
das Participium Präsentis nicht von allen üblich ,
ist, z. B. nicht von seyn, sollen, wollen.
Mögen / können, u. s. f. Hingegen kann kein
vollständiges Zeitwort das Participium Persecti ent
behren, weil es zur Bildung der fehlenden Zeiten
des Activi und zur Umschreibung des ganzen Passiv!
unentbehrlich ist.
§. 456. Daß das Deutsche Participium ein
wahres Adverbium ist, erhellet nicht nur aus dem
Begriffe , indem es eine Beschaffenheit sür sich alö
unselbständig und ohne Einverleibung bezeichnet,
sondern auch aus seiner Stelle in dem Zusammen
hange der Rede, weil es allemahl da stehet, w»
ein jedes anderes Adverbium stehen würde : ich
fand ihn schlafend, er verhält sich leidend,
weinend kam er und lachend ging er wie-
der weg, er stand erschrocken da, ver«
zvundet war er nichc.
§. 457. Als Adverbia können die Participia
auch durch den gewöhnlichen Concretionslaut zu
Adjectiven erhöhet werden: eine ausstehende
Schuld, herrschende Laster, ein segnen
der Varer, der verachrere Mensch, ge,
gossene
z l 6 1, Theil. 2. Abschnitt. 8. Kapitel.

gossene Lichte. Da sie denn nach allen dre?


Deklinationen der Adjectiven gebeuget , und auch
als Hauptwörter gebraucht werden können, ein
Gelehrter, eine Geliebte, ein Sterbender.
Als Adverbia leiden sie, wenn die Bedeutung es
verstaktet, auch die Comparation, reirzend,
reirzcnder, reiyendst, verhaßt, verhaßter,
verhaßrest, und können alsdann auch als Ad»
jectiva gehraucht werden, ein reirzenderes Ge»
sichr, der verhaßteste Mensch ; obgleich bev>
des seine Einschänkangen leidet.
§. 458. Das parricipium prasencis ist
von den meisten Activis und Reuttis üblich, nur als
Adjectiv kann es. nicht ohne Unterschied gebraucht
, werden. Seine Bedeutung ist allemahl rhätig,
ein verderbender N?ind, eine einnehmende
Gestalt, ein reiyendes Gedicht. Aber nie
leidend; daher sagt man nicht richtig, es ist mir
> wissend fijx bewußt; ein stillendes Rind
für ein saugendes; kraft meines tragen
den Amts, für kraft des Amtes welches
ich trage oder bekleide; das ZVasser nahm
sehend zu, für sichtlich; alle besorgende
Gefahr, für besötgliche; ein durchsehet»
nendes Glas, für durchsichtiges. Wn
weit aussehender Handel, eine anhaltende
Beobachtung, lassen sich vertheidigen. Die
. Neutra, welche seyn zu sich nehmen, leiden zw«
daS Participium Prösentis als Abverbium, aber
nicht allemahl als Adjectiv, besonders wo sie sehr
merklich eine chatige Bedeutung bekommen würde«.
Daher sagt man unrichtig, die fahrende Habe,
die
Von dem Participio. 317

die fallende Sucht, die reitende Post,


reissend abgehen ; aber ganz richtig , ein blei?
bendes Vergnügen, ein eindringender
Verweis, ein fliegender Fisch, der fliehen
de Feind. wohlhabender Mann
wird durch den) Gebrauch gerechtfertigt. Dtz
Porttcipia vvn Reciprocis beleidigen als Adjectiv?
den Wohllaut, aber nicht als Aoverbia: die sich
meldenden Gläubiger.
§. 459. Wenn das Berdum einen Casum de,
kommt, so leidet ihn das Participium gleichfalls:
die alles belebende Sonne, dieuns trösten«
den Freunde, die dir drohende Gefahr;
da es denn , wenn das Nomen ein Substantiv ist,
und keinen Artikel vor sich hat, zuweilen auch mij
demselben zusammen gezogen wird, ein ehrlie,
bendes Gemüch, ein gocrvergessende?
Mensch, der wachhabende Officier, Vi«
gesetzgebende Gewalt , kriegführende
Mächte , welches doch ausser de» einmahl ein«
geführten Fällen nachzuahmen unnöthig ist, die
Sturm drohende IVolke, Zeit Verschweig
dende Spiele. < >
460. Wo Bedeutung und Sprachgebrauch
es erlauben, da lassen sich die Participi« Prüfen,
tis auch steigern ; doch laßt sich der Comvarativ
nur selten , der Superlativ aber häufiger zu einem
Adjectiv concresciren: das ist noch einnehmen«
der, er ist noch wohlhabender, der wohllM
bendsteMann, die einnehmendste Gestalt,
aber um des Wohllautes willen nicht gern ein
wohlhabenderer, eine einnehmendere Ge, ,
> z,Z i. Theil. 2. Abschnitt. 8. 'Kapitel. '

ftalc. So auch das bleibendste Vergnü


gen, die reixzendfte Musik, das fließendste
Gedichc,die dringendste Noch,der schwan
kendste Avisdruck, die drückendsten Sor
gen. Wenn der Sprachgebrauch die Steigerung
derbiethet, wenn gleich die Bedeutung selbige zu
^ Verstatten scheinet , so muß man umschreiben : die
Nüyendsten Sachen , besser nützlichsten.
§. 461. Das parricipium präcerici,
Welches oft irrig das Supinum genannt wird,
ist von allen Verbis üblich , weil es zur Bildung
der fehlenden Form und der mangelhaften Zeiten
der Deutschen Conjugation unentbehrlich ist. Es
hat daher in der Conjugation eine mittlere Bede«
jung, und wird so wohl tlMig als leidend ge-
braucht, nachdem das HUlfsworr ist, welches es
vor sich hat: ich habe gelobr, werde gelobt,
bin gelobr worden. In der thatigen Form
hat es «Uemahl den Nebenbegriff des Vergangene»,
. «nd bezeichnet etwas bereits vollbrachtes; , > '
^' §. 462. Da es ein wahres Adverbium ist,
so kann es wie ein jedes anderes Adverbium zu
einem Adjectiv concresciret werden, nur daß eS
alsdann keine thcttige, sondern entweder eine lei
dende oder doch neutrale Bedeutung hat : Her
gehärrere Srahl, das vergossene Blur,
der verbrannte Boden, ein bestürzresGe-
mürh, verdorbene N?aaren. Es ist daher
ein Fehler, sie thcitig zu gebrauchen : der seinen
Varer berrübre Sohn > der sich ersäufte
wahnsinnige. Eben so fehlerhaft ist, wem
man diesen Mißklang durch daS hmjugesetzte Par»
Ucipium
Von dem Particl'plo. zig

tlcipium PrSsentiS zu heben sucht: der seinen


Vscer benübr habende Sohn.
§. 46z. Um eben deswillen lcißt sich auch
das Patticipium Prcitcriti von den Jmpersonalibus,
Reciprocis, und Neutris, welche das haben
erfordern, nicht concresciren, weil die Bedeutung'
hier allemahl thötig ist, welche Bedeutung in dem
Adjectiv nicht statt finden kann. Daher sagt man
irrig, das gehabte Vergnügen, die gesollre.
pftichr, das gewollre'Getd, die gekonnte
Leccion, der sich gekränkte Vater. Kom,
men dergleichen Parricipia vor, so sind sie nicht
von dem Neutro , sondern von dem gleich lauten
den Activo, der gebogene Ast, das gegliwere.
Wsen, von den Activis biegen und glühend Di«
jenigen Neutra, welche seyn erfordern, leiden
ein solches concrescirtes Patticipium, ob es gleich
nicht>ön allen üblich ist:ein abgesrandenerFisch,
ein wohlgcarreter Sohn, verarmte UUiv
wohner, verblichene Lcichliame.
^ ^. 464. Indessen gibt es doch viele, welche
ier Gebrauch in einem tlMgen Verstände einmahl
eingeführet hat. Dergleichen sind .- cm verdien
ter NZann, ein verliebter Mensch, ei«
eingebildeter Thor, ein abgeschmacktes
Ding, ein versuchter Soldat, ausgediente
Soldaren, eine betrübte Nachricht: wo,
hin auch das als Substantiv übliche ein Bedien
ter gehöret. Andere Participia werden in äbni
lichem thötigen Verstände mit dem Verbo seyn
olS.Adverbia gebraucht: in etwas begriffe«
seyn, einem bedient ftyn, beflissen, be,
mühet,
J2O I. Theil. 2. Abschnitt. 8. Kapitel.

mühet, belesen, bedacht, besorgt, ange


sessen seyn.
j , §. 465. Da das Participium Pröteriti außer
der Conjugätion nicht thätig gebraucht werden kann,
si> kann eS auch keinen Accusativ vor sich haben.
Ihm ein Hauptwort, welches eine Präposition vor
sich hat, mit Verschweigung der letztern vorzw
fttzen, und es mit dem erster» zusammen zu ziehen,
die schiffbesace Albe, die waldbekranzre
Stur, ist wider die Analogie der Deutschen Spr<v
che und verursacht eine Härte, welche sich die Dich
ter nur^elte» erlauben sollten.
/ §. 466. Fast alle Participia Präteriti lasse»
flch mit un zusammen setzen, und können alsdm»
Befolgung des vorigen auch als Adjectiva ges
braucht werden: unverdienter N>eise', un-
verdaurte Speisen, unbegrabene Leich
name, ungegessen zu Berce geheit.
§. 467. In Ansehung der Comparation kommt
es auch hier auf Bedeutung , Sprachgebrauch und
Wohllack an. Die Comparative sind da, woH
gebildet werden können, als Adjectiva gemeiniglich
zu hart: ein verhaßterer, berühmterer,
verachcererer Mensch, beleidigt auchdashsu
teste Ohr. Die Superlative haben weniger Härte:
die gegründetste Hoffnung, der verach<
tecste, nicht verachreste Murin, der verlsji
senste Arme, die ausgelassenste Freude.
§. 468. Viele Participia Präteriti haben
durch den Gebrauch den Nebenbegriffder Zeit vylliz
derloren, und werden ganz wie Adjettive gebraucht:
Von dem Patticipio. z2r

berühmt, gelehrt, geehrt, vergnügt, ver«


wünscht, verliebt, verdammt, vollkom
men, bewandt. Von vielen ist das Berdum
veraltet, oder auch nie vorhanden gewesen, und
diese sind denn bloß nach dem Muster der Partie«
pien von andern Wurzelwörtern gebildet, oder
auch mit einfachen Participien zusammen gesetzt:
behaftet, beherzt, bejahrt, bemittelt,
bemost, benarbt, beredt, beschassen, be
scheiden, beschilft, verteufelt, verhen-
kerr, betagt, bewandert, erlogen, ge
sittet, gewogen.
§. 469. In den Mittlern Feiten versuchte
man im Oberdeutschen auch ein participium
Fmuri zu bilden, welches aus dem Infinitiv mit
ZU, (dem irrig so genannten Gerundiv,) mit ange
hängtem d gebildet wurde, und daher dem Pattici
pio Präsentis sehr ähnlich flehet: die ZU ent«
richtenden Abgaben, die zu besorgende
Gefahr. Allein, weil sie in der Deutschen Spra-
che nicht hergebracht, sondern bloße Nachahmun
gen der Lateinischen sind, so hat die edlere Schreib,
art sie wieder veralten lassen. Doch lebt es noch
in ^ochzuehrend , wofür aber doch Hoch
geehrt schicklicher ist.

« '^ Achtes
Z22 I. Theil. 2. Abschnitt. 9. Kapitel.

. Neuntes Kapitel.
Von den Adverbiis.

1. Arten derselben.

F. 47«.
<^>as Adverbium ist ein Redetheil, welcher
eine Beschaffenheit als unselbständig und an
und für sich selbst betrachtet darstellet. Da es ein
Hederheil ist, folglich nur aus einem Worte be
stehen kann, so werden alle Redensarten, wenn
sie gleich Beschaffenheiten bezeichnen, von der Zahl
der Adverbien ausgeschlossen.
§. 4/r. Die Beschaffenheiten, im wei
testen Umfange der Bedeutung , lassen sich in zwey
Haupt - Classen theilen. Sie sind entweder außer
dem Dinge, oder an dem Dinge selbst befindlich;
im erster« Falle heissen sie Umstände, im letzter»
Beschaffenheiten im enger» Verstände. Eben
so vielfach sind auch die Adverbia, welche sich da
her in Umstandswörter, ^äuerbia circum-
ttantlae, undBeschaffenheitswörcer, ^äuer-
Kis, (zualiraris theilen.
§. 472. 1. Die Umstandswörter bezeich
nen eine jede Bestimmung, welche außer dem Dinge
befindlich ist, und an und für sich und als unselb
ständig gedacht wird. Sie sind wieder von viel,
facher Art, und bezeichnen entweder die Vestini!
mung der Zeit und des Ortes , oder die Art wie
etwas Unselbständiges von einem Dinge gesagt wird,
oder die Umstände des Redenden, seinen Ge-
, ' müths
Adverblum. i. Arten. 32z

inüthsstand u. s. f. Sie bestimmen zugleich alles


dasjenige, was die Verb« und Nennwörter durch
ihre Biegung nicht ausdrücken können. Die vor,
nehmften sind :
1. Der Zeit, und zwar wiederum auf ver
schiedene Art. Mit genauer Bestimmung dersel-
den, Heuer, heute, gestern, chegestern,
morgen, übermorgen, früh, spar, abends,
morgens. Oder auf eine unbestimmtere Art,
doch nach den drey Haupteintheilungen der Zeit,
der gegenwärtigen, vergangenen und künftigen:
jeizr, nun; vormahls, ehedem, vorher,
sonst, längst, eben; hinsüro, dereinst,
bald, gleich, schon.
2. Der Dauer: stecs, immerforr, alle«
zeit, noch, immer, seit, nachdem, biß.
z. Des Vrres , so wohl der Ruhe als der
Bewegung, so wohl den nahen, als, entferntern :
hier, allhicr, Hierselbst, dorr, weir, fern,
überall, irgcnds, nirgends, drinnen,
bisher , (nicht bishero,) da, allda, da
selbst, droben, drüben, drinnen, drsus.
sen, weg, forr, u. s. f.
4. Des Umfangs : j einzeln, besonders,
zugleich, allein, cheils , sammrlich,
allerseits.
5. Der Art, wie etwas von einem Dinge ge
sagt wird, wo wieder verschiedene Eintheilungcn statt
finden: sofern, lieber, gleichsam, gleich
falls, desto, als, eben, gleich, uu'e.
6. Der Gemürhsstellung des Redendcn,bc,
sonders den Umstand der Bejahung und Vers
X 2 nei
Z24 z. Thell. 2. Abschnitt. 9. Kapitel.

neinung, der Frage und des Zweifels: ja, nein,


nicht, freylich, wahrlich, allerdings,
schlechterdings, vielleicht, ob, etwa,
irgend , wo, wenn, warum, wie, woher.
7. Der Zahl: einmahl, zweymahlu.s.s.
oft.
8. Des Grades der Stärke, nach welchem
das Prädicat dem Subjekte zukommt: sehr, gar,
gänzlich, fast, kaum. Und andere Arten mehr.
§. 47z. Noch zahlreicher sind 2. die eige«tli>
chen Beschaffenheirswörrer, welche etwt
an dem Dinge selbst befindliches, doch ganz für
sich allein und als unselbständig dargellen. Sie
sind außer dem Substantiv der zahlreichste Red«
theil, der zunächst aus der Interjektion entstanden,
und der Grund aller übrigen Bestimmungswörter
des Unselbständigen ist, die Berba selbst nicht aus«
geschlossen , als welche ursprünglich von Adverbiis
herstammen: groß, lieb, schwarz, roch,
gut, böse u. s f. Manche Umstandswörter find
zugleich Beschaffenheitswörter, je nachdem man
sich einen Umstand an oder außer dem Dinge vor,
stellet, neulich, selten, fern, einzeln, kSnf<
NA, frühe, spar. Andere sind beydes aber
in verschiedenen Bedeutungen, eben, weit.

2. Bildung der Adverbien.


§. 474. Der Form nach sind die Ädverbii
entweder Wurzelwörter, oder abgeleitet, oder zu
sammen gesetzt. Zu den Wurzelwörtern gehören
auch diejenigen, welche um der gelinden Ausspr«
che des Cndlautes willen im Hochdeutschen dos
r»l!>
Adverbium «. Bildung. 325

mildernde e bekommen, trübe, müde, behen,


de, blöde, gerade, geschwinde, gelinde,
lange, (von der Zeit,) bange, feige, schräge,
geringe, böse, leise, lose, für schalkhaft,
weise. Welches auch die auf ein hannehmen, ehe,
frühe, nahe. Gerne und heute folgen diesem,
Beyfpiele gemeiniglich auch, aber nicht fremd,
wild u. f. f. weil der Endlaut hier hart lautet.
Im Oberdeutschen hatte man dafür ehedem in
manchen Fällen ein 0, bishero , dahero, hin-
furo; welches aber im Hochdeutschen veral,
tet ist. '
§. 475. Die Umstandswörter sind am
häufigsten Wurzellaute oder Wurzelwörter, ab,
da, hin, her, bald, jetzt; oder zusammen
gesetzt: allezeit, indessen, nachdem, alle«
mahl, hierher, daselbst. Nicht so hä.'fig
abgeleitet, daher auch ihre Ableitungssilben nicht
johlreich sind. Die vornehmsten sind :
en, oft nur n: außen, innen, unten,
sben, hinten, vornen, zuweilen, bisweü
len, morgen, mir Nichten, süden, westen,
ssten, norden, allenthalben, mitten, sek
cen, gegen, von hinnen, wannen, dan
kten; gestern, fern, einzeln. Im Oberdeut,
chen hängt man diese Ableitungssylbe häufig den
chon abgeleiteten Beschaffenheitswörtern auf lich
m, Umstandswörter daraus zu bilden: bittlichen,
schriftlichen, gänzlichen, in welcher Gtt
Üalt sie aber im Hochdeutschen veraltet sind. Aber
mahlen, jedesmshlen, sinremahlen, die-
weilen und glcichwohlen, für abermahls,
X z jedes,
Z26 I. Theil. 2. Abschnitt. 9. Kapitel.

jedesmshl u. s. f. sind im Hochdeutschen gleich«


falls fremd.
er, Heuer, ferner, immer. Fruchtbarer
ist sie für die Beschaffenheitswörter. Jngleichen
für die Präposition: hinter, über, unter,
außer.
s, Umstandswörter ans Nennwörtern zu bib
den: anders, rechts, links, rhcils, flugs,
stets, erstens, zweyreNs, abends, mit
tags, montags, dienstags, nächstens,
allerdings, schlechterdings, gleichfalls,
unversehens, vormahls, niemahls, nir
gends, herwärts u. f. f.
st, welches aus dem vorigen entstanden ist, und
nur in einigen angetroffen wird: einst^ (nicht
einsten oder einstens,) dereinst, Vermähl-
einst, längst, wo es auch der Superlativ sev»
kann, vsrlangst, mittelst, vermittelst,
seihst, nächst, sonst.
§. 476. Die Beschassenheitsworter find
eben fo oft Wurzelwörter, als abgeleitet, und
zusammen gesetzt. Wurzelwörter, und zwar voir
allen Arten: lau, alt, arg, arm, blau,
böse, dicht, dick, dünn, dürr, eng-e,
fahl, faul, seigre, feil, fein, gä'h-e, gar,
bann-e, bunt, derb, falsch, feist, fest,
feucht, ganz, gelb, halb, harr,
herb-e, heiß, groß, gut, blaß, bloß,
bleich, blöd-e, braun, flach, frttl>e,
frech u. s. f. wo das bey einigen am Ende befind
liche e nur das mildernde e ist.
§. 477-
Adverbium. 2. Bildung. Z27

^ 477> Ihre Ableitung geschiehst so wohl


durch Vorsylben als auch durch Nachsilben.
Vorsylben sind hier be und ge; doch erstere nur
selten, 'behende, bequem. Die meisten B«
schaffenheitswörter, welche diese Vorsylbe haben,
stammen wieder von Ähnlichen Zeitwörtern her,
beträchtlich von betrachten. Häufiger ist
ge, welche doch oft auch nur eine müßige Ver,
löngerung ist gerecht, gering-e, geschwinde,
genau, gemach, gelind-e, geheim,
gesund, getrost, gewiß, gemein, gerad.e,
gerreu. Bestimmter ist diese Vorsylbe , wenn s«
Participia Prciteriti gus dem Wurzellaute der Ver--
bvrum bilden hilft, wo sie nebst den Nachsylbe»
en und et den Begriff der vollbrachten HZirkung
hat : geschlagen , geblutet. '

§. 478. Fruchtbarer sind für die Beschaffen-


heitSwörter die Nachsilben , Adverbia von an»
dem Redetheilen und nicht selten von andern Ad
verbien zu bilden. Die vornehmsten sind folgende:
bar: 1. Von bar, bloß, einen Mangel,
eine Abwesenheit zu bezeichnen; eine veral,
tele Ableitungssylbe. 2. Von dem alten baren,
tragen, eine Anwesenheit oder Möglichkeit: fruchts
bar, tragbar, sichtbar, zahlbar, zähl
bar, strafbar; eine Verursachung, kostbar,
fruchtbar, nuybar; eine Ähnlichkeit, Gleichheit,
ehrbar, scheinbar, sonderbar, wunder
bar. In allen Bedeutungen sehr häufig, Adverbia
aus Verdis zu bilden, tragbar, haltbar,
fchlbar, brennbar, streitbar, zerstörbar.
X 4 el.
Z28 i. Theil. 2. Abschnitt. 9. Kapitel.

el, einen Besitz des Wurzelbegriffes, nur


in einigen: dunkel, eitel, edel, ekel, übel.
en, N: 1. Eine Materie, häufig mit dm
Umlaute, oft aber auch nicht, wie ern- Hären,
messingen, leinen, flächsen, hänfen, gol>
i>en, sichren, buchen, irden, kupfern,
silbern, ledern, von Rupfer, Silber,
Leder. 2. Eine Beschaffenheit, wie ?r: eben,
eigen, trocken, offen, z. Eine vollbrachte
Wirkung, an den Parricipiis Prciteriti der'irreg«
lären Zeitwörter, gefunden, gebrochen, ge
gangen. 4. Als eine eigene Ableitung, Umstandst
Wörter zu bilden , lebt sie noch in vornen , hin
ten u. s. f. Siehe oben. Aber in Deschaffenheitss
Wörtern wie in den Oberdeutschen birtlichen,
schriftlichen, gänzlichen, wirklichen, ftr
die Adverbia bittlich, schriftlich, gänzlich,
wirklich, ist sie im Hochdeutschen veraltet.
end,' aus der vorigen und dem d, Partichia
Präsentis zu bilde«, liebend, suchend, gehend.
er, eine Beschaffenheit, wie el, nur häufiger!
bitter, sinster, sauber, sauer, mager,
heiser, tapfer, heiter, lauter, munm,
sicher, wacker.
ern, aus er und en oder n zusammen gesetzt,
1. eine Materie, wie en, gemeiniglich mit de»
Umlaute, 1. hölzern, eisern, gläsern, dr«
rhern, steinern, zinnern, bleyern, alabas
stern. 2 . Eine bloße Beschaffenheit, nur in ew
gen wenigen, nüchtern, albern, schüchtern,
lüstern.
cht,
Adverbium. 2. Bildung, z 29

tt, t, eine vollbrachte Wirkung, fürdiePar-


kieipia Präteriti der regulären Verborum, ge
lieber, gelobt, gebrannt, gebrenner, ge-
fruchrer.
Haft, von habm, sehr fruchtbar, Beschaf
fenheitswörter aus Haupt ? und Zeitwörtern zu
bilden, die Anwesenheit des Wurzelbegriffes zu
bezeichnen: gewissenhaft, mangelhaft, feh
lerhaft, herzhaft, nahrhaft, dauerhaft;
eine Neigung, sündhaft, lasterhaft, bo5°
Haft, flatterhaft, Plauderhaft; eine Ähw
Weit, fieberhaft, bettelhafc, schalkhaft,
mannhaft, stamm Hüft; eine Verursachung,
schreckhaft, schmerzhaft, glaubhaft. Jl>
nen noch ein müßiges ig anzuhängen, wie im
Oberdeutschen, glaubhafrig, schreckhaftig, ist
im Hochdeutschen unnöthig und veraltet.
, icht, (niemahls igc,) eine Ähnlichkeit, Be-
schaffenheitswörter aus Substantiven zu bilden,
dinrichr, erdichr, buckelichr gehen, ber-
gichr, holzichr, grasicbc, chörichr, öhs
licht. Da nicht alle Hauptwörter diese Ablei
tung ertragen, sie in manchen auch niedrig ist,
so muß diese Svlbe oft durch isch , lich, Haft
und artig ersetzt werden, thierisch, hüw
disch, menschlich, bercelhaft, glasartig,
weinarrig.
ig, welche mit der vorigen und mit lich nicht
verwechselt werden muß, eine sehr fruchtbare Ab,
leitungssylbe , einen Besitz, die Anwesenheit des
ersten Theiles der Zusammensetzung, von allen
X5 Red«
zzO r. Theil. 2. Abschnitt. 9. Kapitel.

Redetheilen : gütig, muchig, schmuxzig,


bergig, buckelig, dornig, haarig, saftig,
steinig, grärhig, völlig, einig niedrig,
meinig, deinig, gehörig, willfährig, ge
lehrig, zweideutig. Viele nehmen dabe?
den Umlaut an, andächtig, aussätzig, gnö»
dig, mächtig, mUßlg. Viele Hauptwörter,
die diese Ableitungssilbe allein nicht vertragen,
leiden sie in der Zusammensetzung, wie Ropf,
Hand, Fuß, Stiel, Seite, Spalre,
Lorin, -Herz, Mahl, Tag, Auge, Zunge
u. s. f. großköpsig, dreyfüßig, vierstielig,
einseitig u. s. f. Von den meisten Adverbien
dieser Art werden vermittelst der abstracten Ablev
tungssylbe keit wieder Hauptwörter gebildet , die
Beschaffenheit als etwas selbständiges zu bezeichnen,
Gütigkeit, Einigkeit, Zweideutigkeit;
ja viele Adverbien, welche diese Sylbe an und für
ßch nicht haben, müssen sie erst annehmen, wenn
Absiracta auf keit aus ihnen gebildet werden soöen,
Blödigkeit, Süßigkeit, Härcigkeir, Ges
rechtigkeit; besonders die auf los, Gedan,
kenlosigkeit. In vielen Fällen werden vermit»
telst dieser Sylbe Umstandswörter bloß darum zu
Beschaffenheitswörtern erhöhet , um sie vermittelst
der Concretion Substantiven einverleiben zu köw
nen, und diese sind alsdann als bloße Adverbia^nicht
«blich: baldig, bisherig, dasig, dorcig,
vorig, jerzig, gestrig, obig, hiesig, Heu,
tig, alle Zahlwörter auf mahlig u. s. f. Son
stig und morgig für morgend sind im Hoch
deutschen ungewöhnlich. Man hüte sich, diese
Ablei,
Addcrbium.' 2. Bildung. ?z ,

AbleitungSsylbe zu keinen neuen Beschaffenheits


wörtern wider den Sprachgebrauch zu mißbrau-
che», z. B. abfällig werden, für abfallen,
die abgängige Post, für abgehende.
isch, eine sehr alse Ableitungssylbe, welche
vermuthlich durch die zischende Aussprache aus ig
und ichc entstanden, wenigstens ihre Bedeutun
gen in sich verewigt, i. Ein Besitz , eine Anwe
senheit, wie ig: neidisch, argwöhnisch,
abergläubisch, mißtrauisch. 2. Zu einer
Person oder Sache gehörig, von ihr herkommend,
in ihr gegründet : stiftifche Lande, städtische
Einwohner, gebirgische Leute, die wai«
senhausische Buchhandlung. Besonders von
fremden Wörtern für das Lat. icus: philoso
phisch, biblisch, katholisch, polirisch,
grammatisch ; und von eigenen Nahmen aller
Art: Französisch, preussisch. Sächsisch,
Dänisch, Berlinisch, Leipzigisch , -Ham-
burgisch. Lutherisch, Homerisch , wöl
fisch, z. Eine Fertigkeit, Neigung zu einer
Sache: aufrührifch, zänkisch, stürmisch,
verführisch oder verführerisch. 4. Eine Ähn
lichkeit, wieichc undlich: mahlerisch, redne
risch, buhlerisch, heuchlerisch, ketzerisch,
poetisch, sclavisch, englisch; oft im verächt
lichen Verstände , weibisch, kindisch, rhie-
risch, viehisch, hündisch. Um des unange
nehmen Zischlautes willen , vertauschet man diese
Sylbe, wenn der Sprachgebrauch es verstärket,
gern mit ig: abergläubig, argwöhnig,
haushälrig, anhängig.
ZZ2 I. Thell. 2. Abschnitt. 9. Kapitel.

lich, der Wurzellaut von gleich/ überaus


fruchtbar , Beschaffenheitswörter von Verdis und
Nennwörtern zu bilden. 1. Eine Ähnlichkeit, fürst»
lich, männlich, kindlich, jugendlich,
göttlich, menschlich, bräunlich, bläu-
lich, rörhlich, süßlich, säuerlich. 2. Eine
Art und Weise, bildlich, käuflich, eidlich,
nahmenrlich, augenblicklich, mündlich,
jährlich, täglich, wöchentlich, klärlich,
gütlich, mißlich, kühnlich, worunter man
che nur als Adverbia allein gebraucht werden, folg«
lich die Concretion nicht annehmen. Viele solche
Adverbia, denen das lich ohne Noch angehänget
worden, sind im Hochdeutschen veraltet, dank»
barlich, gnädiglich, gehorsamlich, IM
glich; besser dankbar, gnädig, gehorsam,
listig, z. Eine Möglichkeit, sterblich, was
sterben kann, einer Sache empfänglich seyn,
dienlich. 4. Eine Anwesenheit, einen Besitz,
tauglich, schicklich, ersprießlich, schmerz
lich, hinlänglich, einträglich, Unglück
lich , füglich , schädlich , schimpflich.
Von Verbis, daher auch den Begriff des Vubi
wirklich enthaltend, sowohl thcitig: erbaulich,
lächerlich, beförderlich, beweglich, schreck
lich, erfreulich; als auch leidend: üblich,
erforderlich, erweislich, unaussprech
lich. 4- Ein Eigenthum, bischöfliche Gü
ter, die fürstliche würde, die königliche
Rrone, die göttlichen Eigenschaften, m
die Ableitungssylbe durch den Genitiv erkläret wer
den muß. Wenn sich das Stammwort bereits
«f
AdverSium. 2. Bildung zzz

«ufein el endigt, so ist die Mleitungssylbe nicht lich,


stndern ig, damit el durch den doppelten Conso,
nsnten nicht eine ihm nicht gebührende Schärfe
«halte; also adelich, unradelig, kitzelig,
hügelig, bügelig, gipfelig, nebelig, knor
pelig, schwefeli'g, schwindelig', stachelig,
schimmelig, winkelig, und nicht adellich,
unradellich, und noch weniger adelich, kixze-
lich u. s. f. weil wirkeine Mleitungssylbe ich für
tie Adverbia haben.
licht, welches nur im Oberdeutschen üblich
ist, eine geringe Ähnlichkeit von andern Beschaf»
fenheiten zu bezeichnen, schwärzliche, röch
licht, weißliche, laulichr. Im Hochdeutschem
gebraucht man dafür lich.
sam, eine alte Nachsvlbe, welche als eine
eigene Partikel noch vor wenig Jahrhunderten vor
handen war, eine Ähnlichkeit, Art und Weise, vor
züglich aber eine Fähigkeit und Fertigkeit zu bezeich
nen: arbeitsam, bedachtsam, genügsam,
ersindsam, biegsam; oft auch eine Anwesen
heit: mühsam, bedachtsam, sorgsam. Ehe
dem bildete man davon Hauptwörter auf e, wo
von »och Gerechtsame und Gewahrsame übrig
sind, jetzt auf keit: Arbeitsamkeit, Acht
samkeit, Folgsamkeit. ^
selig, vermuthlich von selig, so fern es ehe
dem Menge, Reichthum, Überfluß bedeutete, da
her die damit gebildeten Wörter auch als zusam
mengesetzt betrachtet werden können: glückselig,
leutselig, saumselig, armselig, feindselig,
hold,
zz4 i. Theil. 2. Abschnitt. 9. Kapitel.

holdselig/ muhselig. Vielleicht auch eine Ähn-


lichkeit, gottselig. Alle leiden Substantiv« aufkeir.
§. 479. Vermittelst dieser Ableitungssylben
kann ein Wurzelbegriff als eine unselbständige B«
schaffenheit auf verschiedene Art bestimmt werden:
thonichc, dem Thons ahnlich, rhonig, Tho»
enthaltend, thönern, aus Thon bereitet, thow
. ^rtig, wie Thon geartet. So auch kupferichc,
kupfcrig, küpfern, kupferarrig; furchr-
bar, fürchterlich , furchtsam; schreck,
bar, schreckhaft, schrecklich. Manche die-
ser Nachsylben, z. B. ig, lich und sam, sind
zwar überhaupt gleich bedeutend , allein der Ge-
brauch hat doch die damit gebildeten Wörter genau
eingeschränkt.
^ §.48«. Eben so «viele Adverbia sind zusaw
wen gesetzt und zwar so wohl mit Substantiven,
baumstark, grundfalsch, gesetzmäßig,
grasgrün, blutdürstig, sinnreich, welc-
knndig; als auch mit andern Ädverbiis, frei
willig, wohlgebohren, halbjährig, selbst
mit Umstandswörtern, hinfällig, abgünstig,
Voreilig; tyohin auch die für sich selbst veralteten
Partikeln erz und UN gehören, wovon besonders
die letzte eine Menge Adverbien als Vorsylbe
bilden hilft. Die Adverbien artig, frey, hal-
ngl, leer, los, reich, voll, werrh,.wür
dig, u. s. f. lassen sich einer Menge Substantiven
anhängen, neue Beschaffenheitswörter zu bilden:
slaunarrig, sorgenfrey , erzhaltig, ge
dankenleer, hülfslos, sischrcich, an-
muthsvoll , . lichenswexrh , ehrwürdig?
, ' wohin
Adderblum. z. Cottcretion. 535

wohin für die Zahlwörter auch ley, fach und


faltig gehören.
§. 481. Oft werden Wörter erst durch die
Zusammensetzung zu Adverbien, anstatt, alle
zeit, allerwegen, da sie denn oft zum Merk
mahl ihrer Bestimmung das adverbialische s am
Ende bekommen, diesseits, seitwärts, aller
seits , allerdings. Oft werden ganze Redens
arten adverbialisch gebraucht, ohne daß es um
deßwillen nöthig wäre, sie als ein Wort ju schrei
ben, zu Folge, zu Liebe.

z. Concretion der Adverbien.


§. 482. Da die Adverb,« alles Unselbständige
für sich allein betrachtet darstellen, so sind sie auch
der weitläufigste und fruchtbarste Redetheil, aus
weichem alle übrige, die das Unselbständige bezeich,
neu, das Verbum selbst nicht ausgenommen, ent
standen sind. Besonders und unmittelbar stammen
von ihnen alle Bestimmungswörter des Substantiv
des her, welche die Beschaffenheit als eine
Eigenschaft ausdrucken, das ist, welche, den
Begriff, welchen das Adverbium für sich allein be«
trachtet, dem Dinge als beygelegt und <m dem
selben befindlich darstellen.
§. 48 z. Diejenige Biegung, wodurch eine
Beschaffenheit zur Eigenschaft erhöhet, oder ein
Adverbium in ein Nennwort und besonders in eist
Adjectiv verwandelt wird, heißt die Concre
tion, weil dadurch das absiract gedachte Prädicat
einem Dinge einverleibet und folglich concrefci-
M wird. Die Concretion geschieh?! allemahl
durch
z;6 i. Theil. 2. Abschnitt. 9. Kapitel.

durch die Sylbe e, welche denn nach Befinden de«


Umstände noch die Geschlechts l und Declinations»
Laute an sich nimmt. , Von dem Adverbig gm
kommt das Adjectiv der gur-e, die gur-e, das
guoe, und mit den Declinations s und Geschlechts«
lauten, des guc-e-n, die guc-e-n, ein
guc-e-r, ein guc-e-S.
§. 484. Indessen lassen sich nicht alle Adder-
bia concresciren oder als Nennwörter gebrauchen,
Dahin gehören:^ i. die Umstandswörter, welche
eigentlich keine Concretion leiden, weil das was
außer dem Dinge befindlich ist, demselben nicht
als beygelegt gedacht werden kann: hier, da,
hm/ her, forr, jerzc, wohl, gern, wie,
wahrlich , vielleicht. Soll ihr Begriff als
eine Eigenschaft ausgedruckt werden, so müssen sie
erst durch die Ableitungssylbe ig dazu geschickt ge<
macht werden: dasig, hiesig, dorcig, bab
dig, bisherig, damahlig, zweymshlig,
heurig, gestrig, alleinig, u. f. f. in welcher
Gestalt sie aber nicht wieder als Adverbia gebraucht
werden können. Einige Umstandswörter lassen sich
concresciren, !selten, frühe, spar, weit,
lerzt, vermuthlich weil man sie zugleich als B«
schaffenheitswörter betrachtet. 2. Was durch die
Laute en und s auf unveränderliche Art zu einem
Adverbio und besonders zu einem Umstattdsworte
gepräget worden: bisweilen, allenthalben,
oben, droben, unren, neben, darneben,
außen, innen, abends, bestens, uneins,
falls, jenseits, anders, besonders, inglei
chen alle mit wärrs zusammen gesetzte, z. Viele
Advcrbium. 5. Concretion. ZZ7

von andern Nebenwörtern abgeleitete auf lich/


welche bloß eine Art und Weise bezeichnen, klar»
lich> höchlich, bitterlich, kühnlich,
leichrlich, mißlich, schwerlich u. s f. wek
che vorzüglich im Oberdeutschen häusig sind , wo
man sie auch wohl zu concresciren pflegt. 4. Fol,
gende : abwendig, allein, allgemach, angst,
anHeim, anheischig, ansichrig, aufrechr,
ausfindig, bündig, eingedenk, eirel, m
einer Bedeutung , enrzwey, feind, gemach,
gram , gnc, in der Bedeutung einem gur
se^n, habhaft, heil, in der Niederdeutsche«
Bedeutung, heim, kund, laurer, leid, nsch,
nüye, quin, unpaß, wund, und andere
mehr ; vermuthlich weil man sie als Umstanoswör,
ter betrachtet<welches viele unter ihnen wirklich sind.
§. 485. Manche werden wirklich concret ge
braucht, ohne das Concretions- Zeichen, wie die
Hauptzahlen in den meisten Fällen, zwey Jahre,
nenn Pfund , die mit halb zusammen gesetzten
Zahlwörter, drirchalb Monarh, ferner aller«
Hand und die Zusammensetzungen mit ley, vie«^
lerlcy, dreyerley. Auch viel, mehr und
wenig in manchen Fällen; alles, weil sie eigent,
lich Umstandswörter sind, daher man nicht wußte,
?b man sie concresciren sollte oder nicht.
§. 486. Hingegen gibt «s auch Abverbia,
velche als solche nicht mehr üblich sind, theils weil
>as unconcrescirte Umsiands - oder Beschaffenheits,
oort völlig veraltet ist, theils nur, weil es nicht
Aßer der Concretion üblich ist. Veraltet ist eS
on dem Artikel der, und von den Pronominibus
V die,
l. Theil. 2. Mschnitt.9. Kapitel.

dieser, jener, selber, wovon doch die Wurzel


seil? noch in selbdrirce lebt, u. s. f. Ungewöhnlich :
?.von den Ordnungszahlen zweyre, drirreu.s. f.
ob man gleich neue Adverbia von ihnen bilden kann,
zweitens, drittens. 2. Von den Wiederhol^
lungs;ah!en mit mahlig. z. Von den abstrakte»
Possessivis der meimge, deinige u s. f. 4. Von
den meisten Superlativen, davon hernach. 5. Von
den aus Umstandswörtern vermittelst der Nachsolbe
ig gebildeten Adjektiven, der dasige, hiesige,
heurige, gestrige u. s. f. wohin auch allerlei»
rig, jenseitig, dießscirig, beiderseitig u.s.f.
gehören. 6. Viele nur in der Zusammensetzung
besonders mit Zahlwörtern übliche Adjective, zrvey-
fuderig, dreycägig, achtstündig u. s. f.
7. Folgende: abendlich, abschlägig, bau
lich, besonder, welches sein eigenes Adverbium
besonders hat, morgend, nächtlich, miv
rernächtlich, mittägig und vielleicht noch
andere mehr.
4, Steigerung der Adverbien.
§. 487. Wenn der Begriff eines Adverbi!
absolut , ohne Vergleichung und ohne Bestimmung
des Grades, von einem Subjekte gesagt wird, s«
stehet es im positiven Stande oder ist ein po<
sicives Adverbium: die Sonne schein!
warm, der Daum ist hoch. Mein, zuwei
len lassen sich an einem Umstandsworte, und noc?
häufiger und eigentlicher an einem Beschaffenheit
Worte mehrere Grade ausdrucken, und so fen
dieses «« dem Worte selbst geschiehst, heißt solche,
>- 6 dii
. ^, Adverbium. 4. Steigerung/ ZZ9

die Steigerung, ober, obgleich nicht so richtig,


die Komparation.
§. 488. Durch die Steigerung kamt der Be
griff eines Adverbii auf gedoppelte Art erhöhet
werden; entweder so, daß man ein Ding mit an,
dem vergleicht, und ihm eine Beschaffenheit i»
einem höhern Grade beylegt, der Baum ist
höher als das Haus; oder sd, daß man die Be,
schaffenheit eines Dinges Uber alle einer gewissen
Art erhebt, der Baum ist der höchste auf
dem Seide, in demlValde, oder unter al
lem* Im erstem Fälle stehet das Advevbium im
comparariven Stande/ welcher auch der
Gradus csmpararivus heißt, im letzter»
aber im superlativen Stande oder im GradU
superlarivo. Der positivus kann zwar eitt
Grand oder Zustand, aber kein Grad genannk
werden. ^
§. 489. Gesteigert können werden alle Äd-
verbia, deren Bedeutung es erlaubet. Folglich
nicht: 1. die. Meisten Umstandswörter, alst auch
nicht wohl, gern; süßer oft, nahe, frühe,
spät, ehe. 2. Die Zahlwörter, einige be
stimmte ausgenommen. Z. Beschassenheitswörter,
welche eine Materie Meuten, außer zuweilen im
figürlichen Verstände, das ehernste Herz, diö
eisernste Brust. Kurz 4. alles, was schon durch
sich selbst so bestimmt ist, daß es einen hohem Grad
ausschließt: baumstark, adelig, blutfremd,
steinhart, allmählig, akfürsttich, tsdt,
schriftlich, wahr, ziemlich. Doch verstatt
ten öiele um des Nachdruckes Witten den SuperlÄ
Z4« l. Theil. 2.,Abschttitt. 9. Kapitel.

tiv: derblurfremdeste NIensch, das vieldeu


tigste Wort, Her vielgillrigite Vorspruch.
Manche, deren Bedeutung die Steigerung litte,
haben sie nicht hergebracht: ablang, angst,
bloß, gar, los, feind, gram, recht, un»
recht, rheilhafr.
§. 490. Die Steigerung geschiehst im Deut-
schen so, daß dem Positiv im Comparativo er,
und im Superlativ» st oder est angehcinget wird.
Die mit Nachsylben abgeleiteten 'Adverbia haben
so wie die Participia dabey den Umlaut nie^ la
sterhaft, lasterhafter, lasterhafteste. Wohl
aber die meisten Wurzelwörter, wenn ihr Hülfss
laut kein Doppellaut ist : arm, armer, ärmste.
Won denen, welche ihn nicht haben, merke man:
abgeschmackt, blaß, bunt, fahl, falsch,
flach, froh, gemach, gerade, geschlank,
glarc, hohl, hold, kahl, karg, knapp,
lahm, los, matt, morsch, nackt, plarr,
plump, roh, rund, sacht, sanft, sarr,
schlaff, schlank, starr, stolz, straff, stumm,
stumpf, roll, voll, zahm. Die deren Hulfslaut
ein Diphthonge ist, haben ihn nicht, folglich nicht
rauher, rauhest, sondern rauher, rauhest,
K. 491. Der Comparativ wird durch die Anhang
gung der Biegungssylbe er an den Positiv ausgel
druckt,wenn sich derselbe aber aufein milderndes e ew
digt, durch ein bloßes r: frohe, froher; blöde ,
blöder; bange, banger, lose, lsscr. En
digt sich der Positiv auf el und er, so kann di!
Ableitungsfylbe ihr e verlieren, welches in el bev
, . nah,!
Adverbium. 4. Steigerung. 341

nahe nochwendig wird: sicher, sichrer; dic


ker/ bittrer; edel, edler; eicel, eirler.
§. 492. Der Superlativ hängt dem Posd
tiv ein st oder est an: cheuerst, oberst, von
cheuer, ober, also nicht cheurest, obrist.
Ein bloßes st bekommen: l. Alle mit Nachsylbe»
abgeleitete Adverbia, die auf er, r, Haft und icht
ausgenommen: dankbarst, anmuchigst, vä,
rerlichst, verbundenst, furchtsamst.
Alle Wurzelworter, welche sich auf ein b, ch und
g, ingleichen auf ein einfaches f, l, m, n und r
endigen: gröbst, derbst, ärgst, schmähist,
schönst, leerst, feinst, gelbst, bleichst,
schärfst, grünst, jüngst. Welche im Positiv
schon das mildernde e haben , behalten es
nach dem d und h bey, blodest, müdest, ge-
schwindest, frohest, frühest; in den übrige»
werfen sie es weg, herbst, längst, bängst,
engste
K. 49z. Hingegen bekommen um des Wohl
lautes willen est: i. Die abgeleiteten auf Haft
undicht: schmeichelhaftest, lebhaftest, Vor-
nichtest. s. Die Wurzelworter auf d, h, k, ff,
pf, und auf ein verdoppeltes ll, rr, mm, nn,
pp: rvildest, gesundest, holdest, rundest,
rohest, rauhest, fchlankest, krankest,
schlassest, stumpfest, dürrest, rollest, stam
mest. Ausgenommen sind die Participia aufend,
reitzendst. Die auf ein ck, rr, nn, und mm
können es wenn der Wohllaut es leidet, auch
wohl entbehren, dickst, dünnst, dürrst,
stummst, z. Die Wurzelwörter aufs, ß, st,
V z und
Z42 I. Theil. 2. Abschnitt. 9. Kapitel.

Und z.- gewissest, süßest, festest, kürzest.


Auch die einsylbigen auf sch, fälschest. Sind
sie aber abgeleitet, und man kann sie nicht entbch
ren, so bekommen sie an statt des est ein bloßes c:
der bübischre, bäuerisches, viehisch«, weis
bischte; welchem Beyspiele auch grsß folget,
welches lieber größt als grössest hat. Auch
«ndere auf ß lassen sich, wenn sie verkürzet werden
müssen, auf ähnliche Art bilden, jUßt, blaßt.
4. Wurzelwörter, welche sich auf ein t, endigen,
vor welchem noch ein Hauptlaut her gehet, här
test, schlechcest, älcest, geliebrejt, betrüb
test. Die Participia Prä'teriti auf et nehmen es
nicht an: gesircest, gegründerft, versch«
tetst. Auch das t wegzuwerfen ist fehlerhaft;
also nicht verachtest, gegrimdest. ' Wenn ei»
anderer Hülfslaut vorhergehet, ist beydes üblich:
breiteste, breitste, lauteste, lautste. 5 Die
sich auf einen Hülfs- oder Doppellaut endigen:
schlauest , blauest , grauest, freyest. Loch
können es auch 'einige entbehren, neuest und
neust, creuest und treust.
§. 494, Alle gesteigerten Adverbia können
concrekiret, und folglich zu Adjektiven erhöhet
werden, S. §. ziz. S. 225. Ja der Superla
tiv ist nur selten außer der Conxretion üblich : höchst,
jüngst, längst, meist, allerliebst, und die
in der gefellfchaftlichen Höflichkeit und den Tituw
turen üblichen gehorsamst, unrerchänigst,
freundlichst, gnädigst, allergnädigst, vw
bundenst, verbindlichst , kqnnen für sich als
Advexbia stehen; die meisten übrigen müssen cnriw
Adverbiunt. 4. Stelgörung. 34z

der durch eine neue Ableitung dazu geschickt ge


macht werden, bestens, wenigstens, höch
stens, schönstens, zweyrens, drittens,
u. s. f. oder mit an, auf und zu umschrieben wer,
de», am besten, am schönsten, auf das
beste, auf das schönste, zum besten, zum
schönsten ; welche doch von verschiedener Bedeu
tung sind, und worunter die Form mit ZU in die
Sprache des gemeinen Lebens gehöret.
K. 495. Einige Adverbien weichen in der
Comparation von der gewöhnlichen Form ab.
Hoch, nimmt im Positiv, wenn es concrescirt
wird, ein h an, der hohe; Compar. höher,
Euperl. höchst, der höchste; nahe, näher,
der nächste. Andere entlehnen den Compara-
tiv und Superlativ von andern Wörtern : bald,
eher, ehest; gm, besser, best; viel, mehr,
meist. - . .
§. 496. Andere sind defektiv, d. i. es ist
nur einer oder der andere Grad von ihnen üblich.
Diejenigen , welche sich nicht steigern lassen , folg<
lich nur im Positiv gebraucht werden, sind schon
angezeigt. Minder und mindest haben ihre«
Positiv min oder minv tierlohren. Von andern!
ist nur der Superlativ gangbar, z. B. von dem
ungewöhnlichen baldig, auf das baldigste,
doch nur im gemeinen Leben. Von dem für sich
allein veralteten Adverbio mittel, welches con
crescirt der mittlere lautet, hat man den Su,
perlativ mittelst. Der äußerste, innerste,
hinterste, oberste, vorderste, unterste u.s. f.
sind Superlative von den Positivis der äußere,,
S 4 inne-
Z44 i.Tbeil. 2. Abschnitt, i«, Kapitel.

innere, u. s. f. welche irrig für Comparative ge


halten werden. Es sind nur ungewöhnlich com
crescirte Positive von den Umstandswörtern außen,
innen, unten, oben, u. s. f. deren adverbi-
sche Ableitungssylbe en keine andere Concretion
leidet.
§. 498. Die Deutsche Steigerung ist ein«
wahre Steigerung, weil sie de» Grad erhöhet.
Ihn zu vermindern kann man sich statt des Com»
parativs oft des weniger, und in der edlern
Schreibart des minder bedienen, welche Form
keine bloße Nachahmung des Französischen rnoms
ist, sondern schon bey dem Ottfried vorkommt:
die minder mächtigen Stande; minder
schön, minder gelehrt. Auf eben dieselbe
Art lassen sich der Comvarativ und Superlativ
durch mehr und am meisten umschreiben: sey
meiner mehr eingedenk; mehr traurig als
lustig.-

Das zehnte Kapitel.

Von den Präpositionen.

K. 499.
F>ie Präpositionen sind Umstandswörter, web
che das Verhaltniß zwischen zwey Dingen,
worin sie durch das Prädicat gesetzt werden, bezeuch,
nen. Cajus kommt von N?ien, er rbsr
es aus Liebe. Sie ersetzen das, waS durch
die Casus der Deklination nicht ausgebruckt wer,
Von den Präpositionen. 345

den kann , und werden daher in einer Sprache,


deren Deklination mangelhaft »nd unvollkommen
ist, wie z B. die Deutsche, häufiger gebraucht,
als in einer andern, welche vollständigere Deklina
tionen hat, wie z B. die Lateinische. Sie Heisse»
Präpositionen, weil sie dem Dinge, mit web
chem ein anderes in VellMniß stehet, gemeinig
lich vorgesetzet werden.
S. 500. Die Präpositionen sind ihrem Urs
sprunge nach Umstandswörter, d. i. Adverdia, und
heissen nur in so fern Präpositionen, als sie das
jetzt gedachte Verhältnis bezeichnen. Außer dem
find und bleiben sie, was sie vorher waren, wahre
Adverbien : die predigt ist aus, derRnopf
ist ab, ich halrees mir; wohin vornehmlich
such der Fall gehöret, wenn sie mit andern Wör
tern zusammen gefetzet werden, Abgang, N?ic-
glied, Beyläufer, Ankunft, Gegenstand,
abwesend, beiher u. s. f5 Besonders mit Ver
dis, wo sie in den meisten Fällen Adverbia sind,
und nur dann als Präpositionen angesehen werden
können, wenn sie das oben gedachte Verhältniß
wirklich bezeichnen , uid der Casus des Verbi von
ihnen , nicht aber von dem Verbo herkommt ei
nem beistehen, den Wald durchlaufen.
Die Vorsylben be, ge, enr, er, ver, und zer
und die außer der Zusammensetzung veralteten
Wörter miß, un, ur u. s. f. können am wenig
sten Präpositionen genannt werden.
§ 501. Indessen rühret der Casus des mit
einem andern im Verhältnisse stehenden DingeS
nicht von der Präposition, sondern von dem Ver-
S 5 hält.
Z46 i.Theil. 2. Abschnitt. io. Kapitel.

Hältnisse selbst her, indem Sprachen, welche boll<


ständige Deelinations- Zeichen haben, dieses Ver,
hältniß in vielen Fällen durch den bloßen Casum
ausdrucken, wo die Deutsche und andere Spra
chen Präpositionen nöthig haben; daher man nur
uneizentlich sagen kann , daß sie einen Casum res
gieren oder zu sich nehmen.

§. 5O2. Die Präpositionen sind entweder


Wurzelwörter , oder vielmehr Wurzcllaute, und
gleich anfänglich zu Umstandswörtern bestimmt, wie
ab, an, auf, aus, mir, durch, von,
nach u. s. f. oder sie sind von andern Redetheilen
entlehnet und zuweilen abgerissen, wie laut,
kraft, besage, 'wahrend, halben, oder
sie sind abgeleitet, wie zwischen, UNM,
Himer, gegen, außer, nächst, nebst, ne>
ben, u. s. f. deren Stammwörter zum Theil mit
andern Ableitungssylben noch in deK bloßen Um-
siandswörtern unten, hinten, süßen leben;
oder endlich zusammen gesetzt, wie anstatt,
zuwider, außerhalb, innerhalb, diesseits,
jenseits, unweit, u. s. f. Die letztern M-
den oft uneigenrlichepräposirisnen genannt,
allein da sie wahre Umstandswörter sind , sie auch
mit den Wurzelwörtern einerley Verhältniß bezeich
nen , so sind sie eben so wohl eigentliche Präposi
tionen, als Durchgang, Widerstand, hoff
nungslos u. s. f. eigentliche Substantive und
Adjective sind.
§. 5«Z. Die Deutschen Präpositionen
werde» entweder mit dem Genitiv allein verbun,
den,
Von den Präpositionen. 347

den, oder mit dem Dario allein , oder mit dein


Accusariv allein, oder mit dem Geniriv und
Dativ zugleich , oder endlich , obgleich in verschie,
denen Verhältnissen, so wohl mit dem Dario als
mit dem Accusariv.
§. 504. i,Mit dem Genitiv werben verbuns
dnn, anstarr öder nur starr, halb oder hak
bey, und dessen Zusammensetzungen außerhalb,
innerhalb, oberhalb, unrerhalb, krafc,
lauc, mittelst oder vermittelst, ungeach^
M, unweic, vermöge, während, wegen.
Manche andere angesehen, unangesehcn, um
gehinderr, unerwogcn u. s. f. gehören zu
den Blumen des Curial - Styles.
K. 505. Anstarc, oder im gemeinen Leben,/
kürzer starr, bezeichnet das Verhältnis), da etwas,
an der Gcatt oder Grelle eines andern geschieh
hetz anstarc oder starr des Fürsten war ein
Mnistex da. Dqs ersiere kann in manchenFäls,
len auch wieder getrennet werhen, an des Für
sten starr, an meiner starr; welches zuweilen
nothwendig isi, sn Rindes starr annehmen.
Grarc als ein eigenes Hauptwort mit demPossest
sivo zu verbinden, an meine Grarr, für an
lneiner starr, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich.
§. 506. Halb, halben und halber, von
demalten Hauptworte die Halbe, die Seite.
Halb bezeichnet das Verhältnis) des Ortes, die
Gegend, Richtung oder Seite, lebt aber nur noch in
außerhalb, innerhalb, oberhalb und un
terhalb, welche alle den Genitiv erfordern; also
, , 1 NW
348 i. Theil. 2. Abschnitt, i«. Kapitel.

nicht innerhalb drey Tagen, sondern dreier


Tage, halben und halber bezeichnen einen
Bewegungsgrund; beyde werden dem Substantiv
nachgesetzt, halber aber stehet am liebsten, wenn
dasselbe keinen Artikel hat: ich' rhue es der
Freundschaft halben, deiner Laster hak
ben, Alrers halber, Scheins halber; wel
che ohne Noth und Grund zusammen gezogen wer-
den , Icheinshalber. -Halben wird in der ver
traulichen Sprechart gerne mit den Posseffwis zu-
sammen gesetzt, da denn jene noch das t euphoni-
cum bekommen, meinethalben, deinerhalben,
eu^ echall'en.
§. 507. Rrafr und laut sind eigentlich
Hauptwörter, wovon das erste als Präposition
das Verhältniß der wirkenden Ursache , und letzte-
res des Inhaltes bezeichnet: kraft der Gcseye,
kraft des mir aufgetragenen Amts ; laut
des königlichen Vefehls, wofür im Curial-
style auch besage und inhalts gebraucht werde».
Mittelst, edler vermittelst, von Mittel, kundi,
get das Verhältniß eines Mittels, einer Beyhülfe
an: mittelst göttlicher Hülfe, vermittelst
deines Beystandes.
§. 508- Ungeachtet, nicht so richtig uw
erachtet, und noch weniger ohnerachcet,
druckt das Verhältniß der unterlassenen Rücksicht
auS: Ungeachtet seiner Geschicklichkeit
überging man ihn doch; am liebsten aber
hinter dem Substantiv, seiner Geschicklich-
keir ungeachtet; alles dessen ungeachtet.
Der Dativ, dem ungeachtet, oder wohl gar
dem
Von den Präpositionen. 349

dem ohnerachter, läßt sich mit nichts entschuk


digen. Unweit und das großen Theils veraltete
unfern bezeichnen das Verhältnis; der Nähe: uns
weit der Stadt, des -Hauses. Nicht so rich
tig ist hier der Dativ, unweic dem Hause,
welche Form durch von ergänzet werden muß,
unweit von dem Hause, in welchem Falle
unweic als ein bloßes Adverbium stehet. Ver
möge ersetzt das Verhältnis) der wirkenden Ur
sache, des Mittels, deS Grundes: das kann
ich vermöge meines Recbres nicht zuge
ben; vermöge des Testamentes ist Casus
Lrbe.
§. 509. Während/ eigentlich das Partici,
pium des Verbi währen, ist für das Verhältnis)
der Dauer einer andern Handlung: während
der Zeit, da dieses geschähe, nicht wahrem
der Zeit; während unsers Gespräches ge
schähe es; während des Rricges; wah
rend dessen. N?egen von lern Wurzellaute
weg mit der adverbialischen Ableitungssylbe en,
bezeichnet daS Verhältnis) der bewegenden Ursache,
und stehet sowohl vor als nach dem Hauptworte :
wegen seines Fleisses, seines Fleisscs we
gen. Es mit dem Dativ zu verbinden , wegen
seinem Fleisse, ist im Hochdeutschen fehlerhaft.
Mit den Pronominibus mein, dein, sein u.s.f.
gehet es, so wie halben, vermittelst des t euphonict
in der vertraulichen Sprechart gern in ein Wort
zusammen, meinetwegen > deinetwegen, sei
netwegen, euretwegen, denen das um sehr
«nnöthig vorgcsetzet wird, um meinetwegen.
Wenn
Z5O I,. Theil. 2. Abschnitt. IS. Kapitel.

Wenn es im gemeinen Leben das Verhältniß des


Ursprunges bedeutet, so bekommt es noch von,
, grüße ihn von meinetwegen, von mir, in
meinem Nahmen, welches auch in der Redensart
von Rechts wegen geschieher.
§. 5 iO. s. Den Dativ allein erfordern!
aus, außer, bey, entgegen, mit/ nach,
nächst, nebst, sammr, seit, von, zu, ;»>
wider, und die veralteten ab, binnen, und
ob; wovon die vornehmsten in folgenden Versen
enthalten sind : , ,

. Daphnis an die Quelle.


Nach dir schwächt ich, zu dir eil ich, du getickt
..' Quelle du!
Aus dir schöpf ich/ be, dir ruh ich, seh dem Sxiel dek
^ Wellen zu;
Mit dir scherz ich, von dir lern ich heitet durch d,tt
Leben wallen,
Angelacht von Frühlingsblumen, und begrüßt M
Nachtigallen, >
Ziamlee.

§. 5». Aus bezeichnet das Berhättniß des


Ortes, in dessen Innern eine Bewegung oder Hanl»
lung ihren Anfang nimmt: aus dem Sac
ke! heben, aus dem Becre kommen, aus
Berlin ftyn; der Materie, aus Masser
N?ein machen, es wird nichts aus der
Sache; des Erkenn tnißgrun des, ich weißes
aus Erfahrung; des BewegnngsgrundeckD
rhuc es aus Geixz. Das davon abgelelte«
Von den Präpositionen. 55 l

außer schließet Ort, Person und Zustand aus, im


ersten Falle wie außerhalb : außer der Stade ' '
wohnen , außer sich seyn, außer Stande,
außer Gefahr seyn. Fehlerhaft sind, sich
außer Arhem laufen, außer Acht lassen,
für aus dem, aus der. Wenn es ohne den
Dativ ausschließt, ich sähe niemand außer
dich, außer diese zrvey, so ist es ein bloßes
Adverbium und der Accusativ hängt von dem Ven
bo ab.
§. 512. Bey, sehr fruchtbar, eigentlich
das Verhältnis) der Nahe an der Seitenfläche ei.
nes andern Dinges, doch nur im Stande der
Ruhe.- bey jemanden sirzen, liegen, stehen,
die Spree bey Berlin ; den persönlichen Ge
genstand, das^ilr nichts bey mir; den G« '
genscand der Sache, der Beschäftigung, bey
Wasser und ZZror, bey der Arbeit; das
Mittel, Werkzeug, bey der Hand nehmen,
bey Lichte lesen; eine Coerisienz, bey großem '
Gute arm seyn; einen Besitz, bey gucerGtt
sundheir, bey Ginnen seyn ; eine Ordnung,
Mann bey N^sann; einen Bewegungsgrund,
bey Gott schwören; eine Anwesenheit untce
mehrern, bey uns ist der N?cin rheuer; eine
üngesihre Zeit, bey Tage, bey der Nacht,
bey Gelegenheit, bey Zeiten.
§. 51z. Entgegen, welches seinem Sub
stantiv allemahl nachgesetzet wird, druckt die Nichs
tung gegen ein anderes Ding aus, dem Winde
entgegen reiten, einem Freunde entgegen ge,
hm, sich dem Feinde enrgHen seyen. Mir ist,
für
35» l. Theil. 2. Abschnitt. i o. Kapitel.

für dasVerhältniß der Gesellschaft, Verbindung, Ges


wetnschaft, gehe mir uns, wein mir Was
ser vermischen; der Theilnehmung, welche
mir uns leiden; des Werkzeuges, mir dem
Degen in der -Hand , mir den Augen win>
ken; des Mittels, mir Gucem richrer man
viel aus ; der Materie , mir Gold belegen;
des Gegenstandes so wohl der Person als der Sache,
ich halre es mir ihm, verschone mich da-
mir, es ist aus mir ihm ; der Art und Weise,
mir Geduld crrragen, mir Lust arbeiren;
der Zeit, mir Tages Anbruch. In der ersten
Bedeutung noch ein sammr anzuhängen, die
Akren mir sammr den Jungen , gehöret in
. die Sprache des gemeinen Lebens.
' ' §. 514. Nach bezeichnet 1. die Richtung
einer Bewegung zu einem Orte hin, besonders vor
eigenen Nahmen, nach Warschau, nach
Frankreich , reisen, und vor den Wörtern Hof,
und Haus, nach Hofe, nach Hause gehen;
eine Richtung in Ansehung der Gegend, den
Manrel nach dem winde hängen; in
Ansehung der Person und Sache, nach jeman«
den schlagen; auch die Richtung des Gemüthes,
nach ecwas fragen, begierig seyn, stre
ben. 2. Eine Bewegung und einen Zustand hinter
einer andern Person oder Sache, so wohl in Ab?
ficht des Raumes> nach einander, nach sich
ziehen ; der Würde und des Werthes, der nach<
ste nach ihm ; der Regel und Richtschnur, nach
der Vorschrift, ^ch nach ecwas richren;
. der Gemäßheit, nUh Beliebenj des Besttw

1
Von den Präpositionen. 35z

Rüngsgrundes, wo es auch hinten stehen kann,


meiner Meinung nach, seiner Narur nach ;
als auch der Zeit, nach meinem Tode, nach
dreyen Tagen , nach vieler Mühe.
§. 515. Nächst, der Superlativ von nahe,
bestimmt eine große Nahe des Ortes und des Vors
Ms, er saß nächst mir, nächst dir ist er
mir der liebste, liebst, von neben, mit dem
adverbischen Ableitungslaute st, bezeichnet eine
Coeristenz und Mitwirkung, meine Freunde
empfehlen sich nebst mir. Sammr ist für
das Verhältniß der Gesellschaft, und stehet für
mir und oft für und, ihr sammr /euren
freunden. Noch ein mir vorzusetzen ist unnö«
chig. Seic bezeichnet eine Zeitfolge von einem bei
stimmten Zeitpuncke an, seic der Zeir, seir. eü
nem Jahre, seir dem ich ihn kenne; da
denn auch das den; zierlich verschwiegen wird,
seit ich dieß Feuer angefachr. In seir meines
Hierseins, wird seir irrig mit Zeir verwech,
selt, Zeir meines Hierseins, Zeir meines
Gebens.
§. 516. Von, sehr fruchtbar, dentermi»
wm s quo einer Bewegung und eines Ausspru«
ches s» wohl dem Orte als der Zeit nach mit einer
Meuge von Nebenbegriffen zu bezeichnen; von
dem Berge kommen, von Paris kommen,
Zehn Meilen von Berlin, von der Zeir
an, von dem Morgen bis zum Abend;
den Gegenstand einer moralischen Trennung, frc?
von Sorgen; einen Ursprung, von gurer
Hand, besonders im passiven Verstände, von jc-
. ,> Z man'
Z54 i.Theil. 2. Abschnitt, i O.Kapitel.

wanden gesehen werden; die Theile eines


Ganzen, eine Schnur von zehn Wen, eine
Beschaffenheit, ein Mann von Ehre, ein
Wunder von einem Menschen, klein von
Person; den Inhalt einer Rede, von etwas
spreche»?. Man hüte sich, dieses von ohne
Noth anstatt des Genitivs zu gebrauchen, das
Haus von meinem Nachbar, den Schein
von der Tugend haben, besser meines Nach«
bars, der Tugend; welches nur statt findet,
wenn sich der Genitiv sonst nicht bestimmen W,
oder eine Härte verursachen würde, eineSamnu
lung Dünste, eine Menge Briefe, wo zur
genauer« Bestimmung des Genitivs von oft noch
wendig ist. Von Alters her, ist der eiche
Fall, da von mit dem Genitiv gebraucht wird.

§. 517. Zu , eine dem Gebrauche nach sehr


fruchtbare. Partikel, bezeichnet als Präposition den
rerminum sä czusm, komm ZU mir, ZU
ZAette gehen ; den Stand der Ruhe an einem
Orte, zuDanzig feyn, besser in, ein Trcf»
fen zur See; eine Zeit, zu Abends, besser
abends, zu rechter Zeit; eine Art und Weise,
zu Pferde, zu Fuße; das Ziel einer Handlung
oder Veränderung, zu Stande kommen, es
gehet zum Ende, zu Frieden stellen, mir
zum Schaden, GoccZzur Ähre, Lust zu
etwas haben; ein Verhaltniß, den Duralen
zu vier Gulden gerechnet- Zuwider be
zeichnet eine Abneigung, die Übertretung einei
Richtschnur, und stehet allemahl hinter dem Nenn
«orte/
Von den Präpositionen. 555

«orte, er ist mir zuwider, den Gesetzen zu


wider handeln.
K. 518. Die veralteten ab, binnen, inner
Mb ob kommen im Hochdeutschen theils nur noch
in Zusammensetzungen vor. Ab bedeutete alS
Präposition so viel als von, und wird nur noch in
Zusammensetzungen, besonders mit Verbis an statt
des von gebraucht- Für binnen gebraucht man
lieber innerhalb. Vb bedeutete über, und ist
außer der Zusammensetzung, obsiegen, oblie-
gen, noch im Oberdeutschen üblich, Österreich ob
der Ens. Für inner ist im Hochdeutschen im
nechalb gangbar.
§. 5:9. z. Den Accusativ allein erfordern
durch, für, gegen, (gen,) ohne, das zum
Theil veraltetete sonder, um und wider. Sie
sind in folgenden Versen enthalten :
Philemon an den Philarist. .
Durch dich ist die Welt mir schön, ohne dich würd ich
sie hassen,
Für dich leb ich ganz allein, um dich ivillj ich gern er,
blassen;
Gegen dich soll kein Verlöumder ungestraft sich je »er/
gehn,
Wider dich kein Feind sich waffnen: ich will dir zur
Seite stehn,
, ' Ramler.

§. 520. Durch bezeichnet die Richtung


längs der inner« Theile eines Körpers, durch
das Papier stechen, durch den Sinn sah-
Z , ren,
zz6 i. Theil. 2. Abschnitt, lo. Kapitel.

ren, durch die Thür gehen, durch VasFew


ster sehen; eine Zeitdauer, wo es auch Hinte»
stehen kann, durch alle Jahrhunderte, die
ganze Nacht, das ganze Jahr durch; ei»
Mittel, durch den Gebrauch abgenuyr
. werden; eine wirkende Ursache, durch, ihn
bin ich glücklich geworden.
L. 521. Für, welches mit vor nicht zu vw
wechselnd, bedeutet: 1. das VerlMniß, da ein
Ding anstatt des andern ist, so wohl der Art nach,
für jemanden predigen, so wachsen mir
Disteln für Weirzen, ein für «Uemahl;
als dem Werthe nach , für Geld schreiben,
etwas für hundert Thaler kaufen ; als dem
Gegenstande nach, Geld für die N?aare,
Lohn für die Arbeit bezahlen , der Dank
für meine Mühe; als der Beschaffenheit nach,
Schmeicheley für Wahrheit halten, ich
will es für empfangen annehmen; beson
ders in Fragen mit was, was für ein Mann
ist das? und mit der Trennung, was ist das
für ein Mann? Was hast du für Grün»
de? 2. Den Gegenstand einer Handlung oder Wiu
kung; der Richtung, Sorgen für die Zu
kunft, aus Liebe für dich , der Bestimmung,
bin ich nur für diese Welt geschaffen?
das behalte ich jür mich, das ist eine
Lehre für dich; des Nutzens, des Vergnügens,
des Vortheils, des Dienstes, für das Vaterland
streiten, für erwas sorgen, für ihn spricht
jeder Tropfen Vlilts in mir; des Widerstan
des, eine Arzeney für alle Rrankheiren,
Von den Präpositionen. Z57

siir die lange N?eile, d. i. zur Vertreibung


derselben, aber in einem andern Verstände, vor
langer Meile, d. i aus. ?. Eine nähere B«
ßimmung des Subjects, er, für seine Person,
für jeyc, für heute bin ich gesatttgc. 4.
Eine Ordnung, jBr das erste, Mann für
Mann, Fuß für Fuß. In Zusammensetzun,
zen kommt, ohne Unterschied der Bedeutung, vor
häufiger, für nur selten vor, außer etwa in
Fürbitte, Fürsprache, fürwahr, und dem
unschicklichen Fürwort für Pronomen.
K, 512. Gegen, welches, gegen über
ausgenommen, im Hochdeutschen nie mit dem
Dativ gebrauchs wird, bezeichnet die Richtung eü
nes Zustandes oder einer Bewegung nach einem
Dinge zu, gegen Morgen liegen, die an
ziehende Ärafc des Magnets gegen das
Eisen, Liebe, Achtung gegen jemand ha
ben, die Pflichten gegen uns selbst; auch
Mit dem Nebenbegriffe des Widerstandes wie wü
der, gegen den Wind segeln, gegen ei
nen Befehl handeln, alles streitet gegen
dich ; dex Vertauschung, ich wette hundert!
gegen eins; der Vergleichung, eines gegen
das andere halten, Reichchum ist nichts
gegen die Tugend; der Nähe, gegen Abend,
gegen das jLnde des Blattes. Im Ober«
deutschen wird es häufig mit dem Dativ verdünn
den, welches auch im Hochdeutschen geschieh«,
wenn es über bey sich hat, gegen mir über,
oder mir gegen über. Das veraltete gen
wird nur noch vor dem Worte Himmel ohne.
Z Z Arti«
Z58l.Theil. 2. Abschnitt. io. Kapitel.

Artikel gebraucht, die Augen gen Himmel


. richten, und in der Schiffahrt, der? Wind
ist Nord gen Ost.
K. 52z. Ohne, welches nie mit dem Dativ
verbunden werden kann, bedeutet einen Mangel,
eine Abwesenheit, ohne Sorge seyn, ohne
mich könnet ihr nichts, ohne einigen Ver
zug, ohne alles Recht, ohne allen Zweif«
fel, wofür man auch wohl mit dem Genitiv sagt,
Zweiffels ohne ; eine Ausschließung, zehn per«
sonen ohne mich, er rhuc nichts ohne ihn,
es verstehet sich ohnedieß, nicht ohnedem,
so häufig es auch ist. Sonder lebt für ohne
nur noch bey den Dichtern.
§. 524. Um bezeichnet die Richtung einer
Bewegung so wohl als eines Fustandes längs der
äußern Fläche eines Dinges, um die Stadt ge
hen, mir Strahlen um sein Haupt; eine
ungefähre Nähe des Ortes und der Zeit, er muff
um diese Gegend wohnen, es ist um sechs
Uhr; eine Abwechselung, allemahl um den
andern Tag, für nach, einer um den am
dern; einen Gegenstand, es ist eine edle Sache
«m den lieben Haustrieden, es stehet
schlecht «in ihn; besonders des Verlustes, UM
etwas kommen; des Wissens, er weiß um
«lle meine Geheimnisse; einer Gemüthsbewes
S»ng, sich um etwas bekümmern, kran
ken; der Bemühung, des Bestrebens, jeman
den um etwas bitten, sich um etwas be<
mühen, es ist ihm nur um die ZLHre zu
thun, um Lohn arbeiten; einen Unterschied
Von den Präpositionen. 359 .

btt Zeit, Zahl, Größe und Jntenfion, umzwe^


Luß höher, um zwey Tage zu früh. Wen«
in Verbindung mit willen der Genitiv stehet, um
des Himmels willen, um Lebens und
Sterbens willen, um unsrer willen, und
mit den Pronominibus zusammen gezogen, um
meinetwillen, um deinetwillen, so rühret
Herselbe nicht von um sondern von willen her.
lVegen und halben werden im ähnlichen Ver,
stände nicht mit um verbunden ; eben so unnöthig
ist es vor desto, um desto lieber, besser desto
lieber.
§. 525. ZVider druckt die Richtung eines
Zustandes oder Bewegung in gerader Linie gegen
etwas aus, wider den Strom schwimmen,
wider die wand laufen ; inglejchen den G«
gensiand des Widerstandes, der Beleidigung, Übe«
tretung, Abneigung, wider (Korr sündigen,
es ist wider die Geseye , wider Nullen,
wider Vermurhen, gut wider das Fiebers
was hast du wider mich ? Es ist einmahl
eingeführet, die Präposition wider und ohne e,
das bloße Umstandswort wieder, rmlus, mit
einem e zu schreiben.
F. 526. 4. Einen Genitiv und Dativ zu,
gleich nehmen zu sich, zu Folge oder zufolge und
längs. Das erste erfordert den Genitiv , wenn
es vor dem Hauptworte stehet, zu Folge deines
Befehls , dm Dativ aber , wenn es hinter dem
selben stehet, deinemBefehle zu Folge. Längst,
oder besser längs, theils auch zum Unterschiede
von dem bloßen Umstandsworte längst, bezeich-
Z 4 net
ZOO l. Theil. 2. Abschnitt. IO. Kflpitel.

net die Richtung in die Länge an etwas hin, und


wird im Hochdeutschen am häufigsten mit dem D«
tiv oft aber auch mit dem Genitiv verbunden,
längs demlvege, oder längs des N?eges,
längs dem Ufer hinschiffen.
- §. 527. 5. Den Dativ endlich und Accusa-
tiv erfordern, obgleich in verschiedenen Bedeu
tungen, an, auf, hinter, in, neben, über,
unrer , vor und zwischen. Der Dativ ste
het bey ihnen, wenn ein Stand der Ruhe angedeutet
werden soll., oder vielmehr, wenn das Berdum
zwar eine Bewegung bezeichnet , das Subjut
aber dabey im Stande der Ruhe gedacht wird;
der Accusativ aber wenn es im Stande der Be-
wegung gedacht wird; oder mit andern Worten,
der Dativ gehet, wenn ich fragen kann wo?
der Accusativ aber, wenn ich fragen muß wohin?
S. 528. An, wird 1. mit dem Dativ ver
bunden, wenn es den Ort, den Gegenstand, das
Mittel, und eine Zeit, so wohl im Stande der
Ruhe, als einer Bewegung, welche im Stande
der Ruhe gedacht wird , bezeichnet; den Ort, M
einem Orre wohnen, stehen, bleiben, an
meiner Statt, an der Drücke gehen, an
dem Berge herum gehen; den Gegenstand,
an einer Sache arbeiten , Theil an etwas
haben, es ist an mir, arm an Freuden;
das Mittel, man kennt das Silber an dem
Rlange;. eine Zeit, am Anfange, es ist an
dem.
2. Mit dem Accusativ, das Ziel einer Hand
lung^ der Richtung des Gemüthes und der Zeit
Von den Präpositionen. z6i

zu bezeichnen ; einer Handlung , an den Pfahl


binden, sich an etwas halten, an den Hof
gehen, Berg an; einer Gemüthsrichtung, an
envas denken, an jemanden glauben, sich
an etwas gewöhnen; einer Zeit, mit dem
Umstandswörtchen bis, bis an den Abend.
§. 529. Auf, bedeutet 1. mit dem Dativ
ein Seyn oder Handeln an und über der Oberfläche
deö Körpers, als im Stande der Ruhe, auf
den. Berge stehen , Lehrer auf Schulen,
auf der Flöte blasen, auf der Gasse herum
gehen, auf der Grube gehen, auf den
Händen tragen, auf der Jagd feyn, auf
der Reise sterben.
s. Mit dem Accufativ, eine Richtung 4»
die Höhe, auf den Berg steigen; nach der
Oberfläche eines Körpers, auf den Ropf fal«
len, auf den Fuß treten, ein Pflaster auf
die ZlVunde; oft nach einem jeden Gegenstände,
auf die Post gehen , auf die Messe reisen,
das Haus gehet auf die Gasse , aufetwas
zielen, Geld auf Bücher wenden; zugleich
mit dem Nebengriffe der Bewegungsursache > auf
sein Herz stolz seyn, auf seinen Reichrhum
kroyen; ingleichen des Endzweckes, auf Be
trug ausgehen, Geld auf Zinsen geben;
der Gränze, bis auf tausend zählen, bis auf
weirern Befehl, er weiß es auf ein Haar ;
be6 Verhältnisses nach Zahlen, ein Schmaus
auf zehn Personen , ein Thaler auf die
Person; einer Zeit, auf den Sonntag ver-
reifen, sich auf die bestimmte Zeit einsteb
3 5 len;
Z62 I. Theil. 2. Abschnitt. !O.Aapltel.

lenz der Dauer, Vorrarh auf viele Jahre;


der Folge und Ordnung, auf das Assen spsyi>
ren gehen, die Srrafe folget ihm aufdem
Fuße nach; der Veranlassung, auf feinBw
ren; und endlich der Art und Weise, auf diese
ZlVeife, auf jene Arc, aufs neue, aufAiu
schlag bezahlen, auf das beste.
§. 5Z0. Himer, der Gegensatz von vor,
bezeichnet das Verhältniß des Ortes im Rücke«
eines Dinges, i. mit dem Dativ, im Stande
der Ruhe, hinter dem Vorhange stehen,
Hinter dem Berge halten, der Schalk
«steckt hinter ihm, hinter einander, hinm
jemanden her feyn. 2. Mit dem Accusakiv,
im Stande der Bewegung, sich hinter die
^hür stellen, Himer die Wahrheit kom
men.
§. 5Zi. ?n, von sehr weitläufigen Gebraus
che, sowohl einen Zustand um den Mittelpunct eines
Dinges, als auch ein Bestreben nach diesem Innern
zu bezeichnen. 1. Mit dem Dativ, einenZustandim
Innern eines Dinges, im Bette liegen, alle
Thiers im Walde, in der Nähe feyn; w
gleichen eine Handlung , welche in dem Innern ei>
nesj Dinges selbst vorgehet, in einem Buche
blättern, im Trüben fischen, im Felde
umher irren; einen Zustand, in, Begriffe
seyn, in Ruhe leben, in der Noch bei
stehen, in Sorgen stehen; einen Gegenstand/
sich in etwas vertiefen, in der Rarrefpw
len, schnell im Laufen feyn, in diesem
Falle; ei» Hülfsmittel, doch nur selten, in
Gleich
Von den Präpositionen. z6z

Gleichnissen reden, sich im N)eine betrin


ken, ein Pferd im Zügel halten; eine Bew«
guvgsursache, in Geschäften reisen, etwas
in guter Absicht rhun; eine Art und Weise,
etwas in jemandes Nahmen rhun, inEil ge«
macht, im Überflusse leben, in einem
Achem, tausend Thaler in Gold, in der
That; eine Zeit, im vorigen Jahre, in
dieser N>sche, macht Tagen; einen Zeit
raum, ich habe ihn in drey Tagen nicht,
gesehen.
2. Den Accusativ, eine Bewegung nach
dem Innern eines Dinges, sich in das Fenster
stellen, ZlVasser in den Vrunnen tragen,
in Gesellschaft gehen, sich in etwas mew
gen; ein Gerathen in einen Zustand, in Noch,
in Armurh gerarhen, in Vergessenheiv
ksmmen, in'iLrftlllung gehen; die Rich
tung/mit dem Nebenbegriffe der Materie, in
Gold arbeiten, in N>achs poussiren; detz
Gestalt, in ein Bündel binden; der Ausdeh,
nung, zehn Ehlen in die Lange, in die
Ebnere; und endlich der Zeit mit dem Worte bis,
bis in die Nacht spielen.
, §. 5Z2. Neben, bestimmt das Verhält,
niß der Nähe, und zwar i. mit dem Dativ tm
Stande der Ruhe, er saß neben nur, neben
der Wahrheit vorbey spayiren. 2. Mit
dem Accusativ, im Stande der Bewegung, sich
neben die N?and legen / er serzre sich ne-
den mich.
z64 Theil. 2. Abschnitt. lo. Kapitel.

5zz. Über, bezeichnet das Verhältnis


der Hohe in Beziehung auf ein darunter befind!!,
ches Ding, und zwar i. mit dem Dativ, M
Stande der Ruhe, es liegt Uber der Thür,
schwebt über mir, das tVasser schlägt
ihm aber dem Ropfe zusammen, wen» die
Bewegung die Kränzen des darunter befindliche»
Dinges nicht überschreitet; den Gegenstand der
Beschäftigung als im Stande der Ruhe gedacht,
über einer Arbeit seyn, über den Büchern
liegen, über dem Lesen einschlafen; mit dem
Nebenbegriffe der Veranlassung, über demöür,
men erwachen, über dem Lesen das Lsscn
vergessen; einen Zustand oder eine Handlung,
welche auf der andern Seite geschiehst, die
Stadt liegt über dem Flusse, jenfeit, b«
sonders mit gegen , gegen dem Berge über.
2. Mit dem Accusariy , eine Bewegung zur
Erhöhung, im Gegensatz des unter, über die
Ahür legen, das untere über sich kehren,
über Hals und Ropf, sich über andere
Wegseyen; die Richtung der Bewegung in die
Höhe,inBeziehung auf das darunter befindlicheDmg,
die Hand über jemanden ausstrecken, der
wind blaset über das Meer, über die
Achseln ansehen, er ist über alle Berge,
Uber die Gasse laufen, Uber den Fluß gv
hen, einen Manrel über sich werfen; mit
dem Nebenbegriffe des Vorzuges, iLhre gehet
über den Reichthum; der Gewalt, der Auf,
ficht, Aufmerksamkeit, ein Herr über alles,
über andere herrschen, ein Aufseher über
SN'
!
Von den Präpositionen. 965

andere; der Gemüthsbewegung, und deren Ve«


«nlassung, sich über etwas ärgern, freuen,
betrüben ; ferner den Segenstand der Beschäft»
Mg des Geistes, über einen Spruch predi
gen, sich über etwas besinnen, über den
Vorzug streiken; eine Überschreitung, über
sein Vermögen, über die Gebühr, über
die Zeit ausbleiben, über sechs Ahlen
lang, ein Mahl über das andere, über
dieß, nicht über dem, heuc über drey
Wochen.
K. 5Z4. Unter, der Gegensatz des vorigen,
den Umstand der Tiefe in Beziehung auf ein dar«
ber befindliches Ding zu bezeichnen : i. Mit dem
Dariv, im Stande der Ruhe, unter einem
Baume sitzen, unter ZlVasser stehen, unter
der Hand , heimlich , unter dem Arme tra
gen, unrer der Bank hervor ziehen; eine
Uuterwerfung , er stehet unter mir, unter
dem Joche leben; den geringem Vorzug, du
bist weit unrer ihm ; eine geringere Zahl, um
ter zehn Tagen werde ich nicht ferrig;
die Art und Weife, unter der Larve der Freund,
schafr, unrer der Bedingung, unrer dem
vorwande; ein Mitbefinden, einer unrer
hnen, unrer andern auch dieß ; eine Coexi,
!enz der Zeit nach, unter dem Lesen einschlc»
m, unter der seit, ehedem in dieser Bede«
»ng häufig mit dem Genitiv, daher man noch
»gt, unrer Weges, unterdessen, vberun-
erdeß.

s. Vit
z66 1. Theil. 2. Mschttitt. ,6. Kapitel.

2. Mit dem Accusativ, eine Bewegung io


die Tiefe, oder in Beziehung auf ein darüber befindlv
ches Ding, sich unter das N?asser rauchen,
uucer das Joch bringen, ein Land um«
Wasser serzen, unter Segel gehen; eine
Bewegung oder Handlung , nach der Mitte mch
rerer Dinge, sich unter die Zuschauer mew
gen, jemanden unter seine Freunde rech«
nen, alles unter einander werfen, etwas
unter sich rheilen.
§. 5Z5. Vor, im Gebrauche von für sehr
merklich verschieden: 1. mit dem Dativ, ein eher
ftyn, als ein anderes Ding, so wohl der Zeit
nach< vor der Zeit kommen, vor einigen
Jahren, vor diesem, als dem Orte nach, vor
dem Thore spaziren gehen, d. i. vor dm
Thore seyn und fpatziren gehen, vor einem st>
hm, vor dem Tische sitzen, vor der Hand:
eine Gegenwart, vor meinen Augen, vor
jemanden aufstehen; ein Bestreben, die Ec
genwart eines andern Dinges zu meiden, vor
dem Feinde fliehen, Geheimnisse vor je>
manden haben, vor der N?clr verborgen,
Schurz vor der Rälre; eine Empfindung,
welche diefes Bestreben veranlaßt, vor etwas
erschrecken, sich fürchten, zittern, erstsw
nen; eine wirkende Ursache, vor Hunger stcr>
ben, vor Forn außer sich; einen Vorzug
Gnade vor Recht ergehen lassen, vor aUc,.
Dingen.
2. Mit dem Accusativ, eine Richtung n«y
dem vordem Theile eines Dinges zu, etwas vor
Von den Präpositionen. Z67

die Thür werfen, vor denSpiegel treten,


die Pferde vor den XVagen spannen , vor
Gericht fordern, etwas vor sich bringen,
damit es nicht vor ihn komme, damit er
«nicht erfahre.
§. 5Z6. Zwischen bezeichnet den Umstand
des Ortes tn der Mitte zweyec Dinge , r. mit dem
Dario, im Stande der Ruhe, er faß zwischen
mir und ihm, zwischen den Heyden -Höui
sern liegen; auch von der Zeit, zwischen"
Bstern und Pfingsten ; ingleichen einer Hand,
lung, welche in der Mitte zweyer Dinge vorgehet.
Zwischen den parcheyen Schiedsrichter
ftyn.
2. Mit dem Accusativ, eine Richtung nach
der Mitte zweyer Dinge hin, etwas zwischen
die Vetren legen, es zwischen die zwey
Häuser werfen.
§. 5Z7. Alle Präpositionen können auch alS
hloße Umstandswörter gebraucht, (Berg auf,
Himmel an, den Berg hinunter,) und als
Präpositionen an statt d.es Nennwortes mit an,
dem Umstandswörtern verbunden werden: von
hier, von oben, feit gestern, auf heut, Hey
nahe. Ihre Bestimmung geschiehst gleichfalls
durch sich oder durch andere Umstandswörter, von
dem Tage an, von hier an, von oben
herab, nach dem Berge hin, gegen uns
Uber.
§. 5Z8. Einige Präpositionen lassen sich mit
dem Dativ und Slecusativ des Artikels der , und
- ' ' ^ zuwei
z6Z r. Theil. 2. Abschnitt, i o. Kapitel.

zuweilen auch des unbestimmten Artikels ein zu«


sammen ziehen. Dieses thun, i. mit dem Dativ
dem und einem, die Präpositionen an, in, von
und zu, im gemeinen Leben aber auch unter:
sm Fenster sirzen, im Haufe seyn, vom
-Himmel kommen, zum Richter gehen?
zum Priester weihen, für zu einem. Mit
dem weiblichen Dativ der, allein zu, zur Hoch,
zeic gehen, z. Mit dem sachlichen Accusativdas:
an, auf, durch, für, in, und in der ve«
traulichen Sprechart auch wohl vor und über:
änsLenster rrecen/ aufs Wo gehen, durchs
rvasser fahren, ins Feuer werfen. Noch
wendig ist diese Zusammenziehung, theils vor de»
Superlativen mit an, am besten; theils vor
Hauptwortern, welche den Artikel eigentlich nicht w
kommen sollten, wohin auch adverbische Redensart«
gehören , wo aber doch ein Casusjeichen nothwe«
dig ist, am t^nde, ün Anfange, zum w
sten, noch am Leben feyn.
,§. 5Z9- Noch fruchtbarer ist die Zusammen-
Ziehung der Präpositionen mit Pronominibus und
Umstandswörtern, neue demonstrative und relative
Partikeln daraus zu bilden, wovon schon etwas
K. Z67 und Z8« gesagt worden. Man merke 0«
von noch folgendes: 1. Für der, dieser und der,
selbe stehet in dieser Zusammensetzung in allen Gv
schlechtem und Zahlen da, wenn sich die PrSpofl-
tion mit einem Hauptlaute, und dar, wenn sie
sich mit einem Hülfslaute anfängt: daran, dar
aus, daraus, darein, (wenn in den Accus«
kiv haben sollte,) darin, (wenn es den Dativ
Von den Präpositionen. 369

erfordert,) darum, darüber, darunter; aber,


dagegen, damit, daneben, davon, da,
vor, dazu und dazwischen. Darnach ist
daö einige, welches vor einem Consonanten d«s
dar annimmt. 2. Für die relativen welcher
und was, stehen auf eben dieselbe Art, wo und
wor, nur daß sie nicht mit allen Präpositionen
«blich sind.- woran, worauf, woraus, wo»
rin, warum für worum , worunrer, wo,
rüber; aber wodurch, wofür, wogegen,
wovor, womic, wozu. z. Diesem Beyspiele
folgen auch hier, her und hin, wovon sich hier
auf eine nächst vorher gemeldete Sache beziehet,
für das demonstrative dieser, hieran, hierauf,
hieraus, hierin, hierbey, hiermit 'u. s. f.
^>er bezeichnet die Richtung der Bewegung nach
der redenden Person zu, und hin diese Richtung
von ihr weg, daher beyde nicht zu verwechseln sind:
herab, heran, herauf, heraus, herbey,
herüber, herum, herunter, hervor, her
zu , stehet aber in hernach auch für nach die,
fem; hinab, hinan, hinauf, hinaus, hin,
durch, hinein, hinüber, hinunter, hin.
weg, hinzu.
§. 540. Eigentlich können diefe Zusammen,
Ziehungen nur gebraucht werden, wenn sich die
Pronomina auf Sachen beziehen, nicht aber auf
Personen , ich habe dafür gut gesagt, für
die Schuld, nicht für die Person, wir wollen
ihn dabe? lassen, bey seiner Meynnng, nicht
bey seinen Freunden. Darunter, dazwischen,
und noch ßmige andere werden aber auch von Per-
Aa <. sonen
570 i.Theil. 2. Abschnitt, n. Kapitel.

fönen gebraucht, er war mit darunter, u«


ter den Gästen, der Freund, worauf ich
wein Vertrauen serze, besser auf welchen.
Die feyerliche Schreibart löset diese Zusammenzis
Hungen oft wieder auf, die Lorbern mit wel
chen du prangest, für womit. Nur wen»
wo für was stehet, findet keine Auflösung statt,
womit, wovon, worin u, s. f. nie mir was,
von was, in was. Die demonstrativen Parti,
kein dieser Art müssen mit den relativen nie »w
wechselt werden; nicht der Tag daran ich
dich fthe, die Hand damit du segnest,
sondern woran, womit. Diese Zusomme«
setzusgen dürfen auch nicht getrennet werden; nicht,
da gebe Gorr Glück zu, sondern dazu; s«
wie das da auch nickt wiederhoblet werden darf,
da sorge nicht dafür, für dafür jorgenichr.

^ Das eilfte Hzpitel.

Von den Conjunctionen.

§. 541.
i^ie Conjunctionen sind Umstandswörter,
«-^ welche das Verhältniß zwischen ganzen SM",
oft auch zwischen den Gliedern eines und eben dessek
ben Satzes bezeichnen. So fern sie dieses Vett
hältniß angeben, sind sie Conjunctionen, außtt
dem aber bloße Umstandswörter.
§. 542. In der Form sind sie von den letz-
' tern nicht unterschieden, daher sie entweder BZ«"
zeiwöo
Von den Conjunctionen. 37,

zelwörter, oder, obgleich seltener, abgeleitet, ober,


önd zwar am häufigsten zusammen gesetztsind. Oft
«erden zwev Wörter, welche nicht zusammen g«
setzet find, zu Bezeichnung dieses Verhältnisses ge,
braucht; welche denn wenigstens mit angeführet
werden müssen, weil der Bau der Perioden davon
abhängt.
§. 54z. Je mehr eine Sprache ausgebildet
und verfeinert wird, desto sorgfältig« pflegt sie
auch die möglichen VerhLltnissezwischen den Sätze«
der Rede aufzusuchen , und mit allen nur mögli
chen Schattirungen zu bezeichnen; desto mehrhäu,
fen sich aber alsdann auch ihre Coojunctionen, univ
desto schwerer lassen sich ihre Bedeutungen mit alle»
kleinen Nebenbegriffen bestimmen. '
§. 544. Sie sind daher auch im Deutschen
sehr zahlreich , indem fast jedes Umstandswort, so
Wohl für sich allein , als in Verbindung mit an
dern als Conjunction gebraucht werden ksnn^
und manches mehr als eine Art des Verhältnisses
vertritt. Wir wollen die vornehmsten davon hier
nur nennen und zwar nach den Perioden, welche
sie bilden helfen; ein mehreres wird in dem Eon,
kaxe vorkommen. Sie sind?
1. Copularivä, verbindende, ein glet>
ches VerlMniß zwischen den Gliedern eines Satzes,
und mehrere Sätzen zu bezeichnen : und; auch;,
so wohl — als auch; nichr allein/ nicht?,
nur, — sondern auch; nicht weniger;
wie auch ; wie — so ; cheils — theils. ,
2. Conrinuariva, fortsetzende, eine Fort
setzung sowohl mehrerer Glieder eikzes Satzes, als
Ag 5 auch
Z72 i.Thell. 2. Abschnitt. Ii. Kapitel.

suchmehrerer Sätze anzudeuten : erstlich, erstens,


zum ersten, zweitens u. s. f. ferner, ick
gleichen, dann, über dieß, übrigens, end<
lich, leycens, zulerzr, schließlich.
, ' z. ^ircumscripcivä, umschreibende,
wenn der eine Satz das Subjekt 9der dm leide«
den Gegenstand von dem Prcidicate des anderii
vorstellet, z.B. daß du dich wohl befindest
^st mir angenehm ; das einige daß.
4. Condirionales , bedingende, einen
möglichen Erfolg unter einer Bedingung zu bezeich»
«en: wenn oder wo, — so; wofern; wenn
anders; wo nicht; sonst; falls oder im
Falle.
5. Disjunctiva, wenn mögliche Bedingm»
gen einander ausschließen : entweder, — oder.
6. Adversativ« , unter mehrern Möglich«
keiten eine der andern entgegen zu setzen; son
dern, aber, allein, dSch, jedoch, dennoch/
hingegen, vielmehr.
7. Concesstva, die scheinbare Aufhebung
zweyer Satze zu verneinen: obgleich, obschsn,
wenn gleich, zwar, wohl, ungeachtet,
wie wohl. ' ^-
8. Causales, das Verhältnis der Ursache
gegen die Wirkung zu bezeichnen, und zwar auf
verschiedene Art: denn, weil, dieweil, das
veraltete sincemahl, weil, da, — so, d«
rum, daher, mithin, folglich, nun, den«
nach, also, so; daß, xmf daß, damir, daß
nicht, damit nicht, um.
Von den Conjunctionen. zyz

9. ZLxplanscivä, erläuternde, wenn«»


Satz die Erläuterung des andern ist: als, nehm-
lich, wie denn, zumahl Ys.
1«. Comparariva, vergleichende, «on»
diese Erläuterung ein sinnliches Bild enthalt: wie,
gleichwie — so, als, gleich als.
ir. proportionales, wenn zwey SStze i«
gleichem Verhältnisse steigen und fallen: je je;
je — desto.
12. Consecutivä, eine Zeitfolge zu bezetch,
»en, und zwar auf verschiedene Art: indem,
während daß, indem daß; ehe, ehe noch:
als, nachdem; kaum; so bald als; seit.
iZ- ^llsxivq, eine Folge auS dem vorige»
anzudeuten: daher, weßwegen, demnach,
deßhalb, folglich.
14. Arcepriva, eine Ausnahme eiyes ober
mehrerer von dem Ganzen zu begleiten: außer,
süßer daß, sonst.
15. Restricxivä, einen Satz auf einen Th«l
des Ganzen oder auf ein besonders Verhältnis; desi
selben einzuschränken: als.
16. lLxclusivL, eines oder mehrere Dinge
von dem Umfange eines Prädikates auszuschließen:
weder — noch.

Aaz Zwöftes
574 i.Theil. 2. Abschnitt. 12. Kapitel.

Zwölftes Kapitel.

Von den Jnterjectionen oder Empsitt'


dungswörtern.

§. 545.
<?^ie Empfindungswörter drucken dlejedest
mahlige Empfindung als bloße Empfindung
aus. Sie sind, doch nur die der zweyren Classe
Wie in dem zweyten Kapitel gezeiget worden, die
Anfangsgründe der ganzen Sprache, «eil alle
Wörter, d. i. Ausdrücke klarer Begriffe, aus den
Ausdrücken bloßer Empfindungen entstanden sind.
Der Zeit und dem Ursprünge nach find fie der erste
Redetheil, ob sie gleich jetzt der Würde und dem
Gebrauche nach der letzte sind.
§. 546. Si« sind daher dem allergrößte»
Theile nach einfache Wurzellaute und Wurzelwörtn.
Wörter, d. i. Ausdrücke klarer Begriffe, und ganze
oft elliptische Redensarten können zwar auch zu«
Ausdrucke der Empfindungen gebraucht zverden,
allein alsdann drucken sie einen klaren Begriff als
Empfindung, nicht aber diese als bloße Empfw
dung aus, und gehören also auch nicht hierher.
§. 547. Die Empfindungswörter sind
sovielfach, als es die Empfindungen selbst sind.
Diese theilen sich in zwey Classen, in die innern
und äußern Empfindungen; eben so auch ihre
Ausdrücke.
§. 548. Die Ausdrücke der innern Ewvsw
düngen sind thiexische Schälle, womit der Mensch
> - ftine
Von den Interjektionen. Z75

seine inner« Empfindungen als bloße Empfindung


gen merklich zu machen pflegt. Die Freude, ah!
h«! lärmende Freude, sä! Hey! ungesittete
Freude, jucl)! juchhey! Verwunderung, o!
ah! Klage, Kummer und Schmerz, ach! ah!
oh! weh! auweh! Ekel und Abscheu, pfuj!
fi! einen Zuruf, he! holla! Verwunderung, ho!
hllM ! einen Aufschluß , ha ha !
§. 549. Die Ausdrücke der äußern Empfiw
düngen bezeichnen einen von außen empfundenen
hörbaren Ausdruck durch die Nachahmung: plarz,
da lag er! husch, war er weg! wisch,
war er va ! knacks , da brach es ! er siel
ins Wasser, daß es sagre plump! Sie
sind eigentlich der Grund unserer ganzen Rede, und
find so vielfach, als es verschiedene Schälle gibt,
welche nachgeahmet werden können und sollen ; allein
die anständige Sprechart hat sie insgcsammt wie
der veralten lassen, indem sie sich lieber »ach kla
ren Begriffen, als nach bloßen Empfindungen auss
druckt, dagegen sie in den gemeinen Mundarte«
desto häufiger sind.

A 4 Dritter
Z?6 I.TH. z. Absch. Zusammensetzung.

Dritter Abschnitt.
Von der Composition oder Zusam
mensetzung der Wörter.

Erstes Kapitel.
Erklärung derselben.

§. 55«.
^X^enn zwey Wörter als Ausdrücke klarer Sv
griffe in eines vereiniget werden, so end
stehet ein Compositum oder zusammen ge»
serzres N?orc. Die Zusammensetzung od«
Composmon unterscheidet sich von der Vitt
gung und Ableitung auch dadurch, daß hin
der hinzu kommende Theil seinen Ton immer mehr
verlieret, je dunkler der Begriff ist, welchen er
bezeichnet, dagegen in der Zusammensetzung jeder
Theil als der Ausdruck eines klaren Begriffes, sei««
eigenthümlichen Ton behält: Aeb-e, Cannes,
gli'ick-lich; aberAüfgang, röchgelb.
5. 55r. Zu denjenigen Wörtern, welcheelne
Zusammensetzung ausmachen können, gehören auch
erz, miß, un und ur, welche vielen Wörtern
«ls Vorsylben vorgesetzet werden, und zwar für
sich allein veraltet sind, aber doch die Bedeutunk
des Grundwortes sehr genau bestimmen, daher sie
auch ihre« völlige» Ton haben.

§- 552.
i. Kapitel. Erklärung derselben. 377

§, 552. Die Zusammenjetzung geschiehst


zunächst in der Absicht, ein Wort und dessen Be
griff durch ein anderes näher zu bestimmen; l.icht
selten aber auch, vermittelst derselben einen dritte«
figürlichen Begriff auszudrucken. Dasjenige, wel
ches durch ein anderes bestimmt wird , und wel
ches wir das Grundwort nennen wollen, stehet
allemahl am Ende, und das bestimmende oder
Bestimmungswort voran : Abendstern, der
Stern welcher des Abends gesehen wird, Arbeits,
Haus, ein Haus worin gearbeitet wird, ankom
men, an oder in einen Ort kommen, oder d«
selbst 'gegenwärtig werden, rothgelb, ein Gelb
welches in das Nothe fällt, grüngelb, welches
in das Grüne fällt.

§. 55z. Es erhellet hieraus, daß es nicht


gleichgültig ist, welche Stelle ein Wort in der Zu
sammensetzung erhält, indem ein anderer Begriff
entstehet, wenn es das Grundwort, und ein an
derer, wenn es das Bestimmungswort ist. Bey-
hiele find Arbeitshaus und Hausarbeit,
Apfelbaum und Baumapfel zum Unterschiede
von dem Erdapfel, Bauholz und Holzbau,
Bruchstein und Steinbruch, Fensterglas
und<Vlasfenster,Bier-BoureilleundBouceil-
len- Bier, ein ZVeinfaß und Faßwein, Haus-
mrh und Rathhaus, rochgelb und gelbrorh,
schwarzbraun und braunschwarz, gelb,
zrlin und grüngelb u. s. f. Einige wenige mer
zen doch ohne merklichen Unterschied der Bedeu
tung auf einerley Ssrr gebraucht, Sturmwind,
Aa 5 i»
tz78 Th. 2. Absch. Zusammensetzung.

in manchen Gegenden LVindsturm, N>iM


wirbel und Wirbelwind.
§. 554. Da in der Zusammensetzung ei»
Wort das andere bestimmen soll, so muffen nicht
Wörter zusammen gesetzt werden, welche einander
nicht wirklich, oder nur sehr undeutlich und schwaw
tend bestimmen. Fehlerhafte Wörter dieser Art
sind beydlebig, nach dem Griechischen und w
teinischen ampKibiurn, wo die Bestimmung viel
zu undeutlich, und die Zusammensetzung zugleich
wider die Analogie ist, -Haderlumpen, «0 ck
nes so viel sagt, als das andere, AchselrmJer,
der auf Heyden Achseln trägt, viel zu dunkel und
elliptisch , so auch Augendiener und Zungen«
drescher, Thachandlung , für factum, «eil
eines, wenigstens in gewissem Verstände so viel
sagt, als das andere, dagegen Tharsache er«
träglicher ist.
§. 555. Das bestimmte, oder Grundwort
leidet in der Zusammensetzung eigentlich keine Bus
Lnderung, sondern behält sein Geschlecht und seine
völlige Biegung. Von dem Ge.'chlechte der zw
sammen gesetzten Hauptwörter S.§. 150. Allein
das bestimmende leidet, wenn es dessen fähig
ist, oft mancherley Veränderungen, davon im
folgenden.
§. 556. Manche werden in der Zusammen/
setzung zugleich zusammen gezogen, und sthen alD
dann als Wurzelwörter oder abgeleitete aus, ohne
es zu feyn: Amr, aus Ambachr, Jungfer
aus Jungfrau, Beichr aus Segichr, Rüb
sen
i. Kapitel. Erklärung derselben. 379

sen aus Rübsamen, Junker aus Jungherr.


In dicseiu Falle verlieret auch der verkürzte Thetl
seinen Ton, draus, für daraus, Drittel,
Kmfcel u. s. f. für Drirchcil, Fünfcheil,
wenn diese nicht vermittelst der Ableitungssylbe el
unmittelbar aus dritte und fünfte gebildet sind.
Andere scheinen hingegen zusammen gesetzt zu seyn,
und sind doch vermuthlich nur abgeleitet, wohin
Armurh füs Ärmde, Zierach für Zierde,
weiland für weilend, uud andere mehr gchören.
" §. 557» In manchen Fällen können und müst
sen auch die zusammen gesetzten Wörter wieder
getrenvet werden , welches besonders von dm mit
Partikeln zusammen gesetzten Vcrbis, fortgehen,
ich gehe sorr, <S. die zusammen gesetzten Ve«
da,) und einigen Partikeln gilt : er ging vorher,
und er ging vor mir her ; um deinetwillen,
und, um dein selbst willen; obschon, ob«
gleich, ob ich gleich weiß, u. s. f.
§Z 558. Am gewöhnlichsten sind die aus zwey
Theilen besiehenden Zusammensetzungen ; doch sind
auch Ke aus drey Theilen häusig genug, besonders
unter den Substantiven und Adjectiven: Fast«
nachrspiel, Goldbergwerk, Fcldpostmei«
ster, LrzbSsewichc/erzmurhwiUig, un»
anssprechlich, und von Partikeln Vermähl,
einst. Weiter gehet man in der Zusammensetzung
nicht gern, weil die gehäuften Bestimmungen Dun«
kelheir verursachen würden, wenn sie in einem Be,
griffe gedacht werden sollten. Der Curial- Styl
gehet freylich oft weiter, und ziehet vier und mehr
Werter und besonders Genitive in eines zusammen,
die
Z8O I. Th. z. Absch. Zusammensetzung.

die man aber alsdann lieber vermittelst einesQuerstri-


cheS verbindet : General-Feld - Zeugmeister,
Reichs - General , Feldmarschall, Ober-
Land < Jägermeister , Berg - Ober < <öe-
schworner.
§. 559. Oft gehet die Zusammensetzung um
permerkt in die Apposition über , wo zweo oder
Mehrere Nahmen mit einander verbunden werden,
in welchem Falle man die ans solche Art vereinig-
ten Wörter gleichfalls vermittelst eines Striches
an einander zu hängen pflegt: der Fitrst, Bi
schof von Bamberg, der Fürst und Bi,
schof, die Raiserinn - Röniginn , kaiser
lich-königlich , da denn nur das letzte Wort
gebogen werden darf, des Fürst- Bischofes,
die kaiserlich-königlichen Gerechtsamen.
Zuweilen verlieret auch wohl das erste Avjectiv seu«
MleitungSsylbe , fürst , bischöflich.

Zweytes Kapitel.

Arten der zusammen gesetzten Wörter.

K. 560.
t^ie zusammen gesetzten Wörter find von soviel-
 facher Art, als es Redetheile gibt, welche
auf solche Art mit einander verbunden werden köw
nen. Das Substantiv kann in der Zusammen,
setzung durch ein anderes Substantiv, durch em
Aojectiv, durch ei» Pronomen, obgleich nur selten,
durch ein Berdum, und durch ein Partikel bestimmt
2. Kapitel. Arten derselben. H8t

werden; das Adverbium und Participlum, durch


ein Substantiv, durch ein Berdum, und durch
ein anderes Adverbium, und kann alsdann wie
ein jedes anderes zu einem Adjectiv concresciret
werden; das Berdum, so wohl durch ein Sub
stantiv, als auch durch ein Adverbium ; das Umt
standSwort, so wohl durch sich selbst, als auch
durch ander« Adverbia, durch Pronomina u. s. f.
S. 561. Wenn zwey Substantiv« zusamt
men gesetzt werden, so bezeichnet das erste den Ge
genstand, Zeirverrreib, Varermord, Gottcs-
furchr, Schuhmacher; die Bestimmung,
Halstuch, Hopfengarten, Weinglas;
das Ganze des Theiles, Hausthur, Messer
spitze, Pferdehuf, Tifchblatt; den Besitzer,
Rarhsgürer, Richceramc; eine Ähnlichkeit,
Habichtsnase, Meisterstrcich, Buben
stück, H>ornwerö, Rrelirzweg ; die Materie,
Marmorwand, Steinplatte, Goldmün
ze; den Ort, Zahnschmerz, Hofprediger,
Wassergervachs, Waldbaum, Sumpfvo
gel; die Zeit, Tagearbeit, Nachtwächter,
Abendstern, !1Arragsglocke, Frühlings.
Cur; das Werkzeug, 'Schwertstreich, Le
derstrich , Handarbeit; die Art und Weise,
Tagelohn, nach Tagen, Lsbgedichr, Geld
strafe, Wettlauf; den Grad, HauptstUck,
Hauprstreich ; und andere Umstände mehr.
§. 562. .Das bestimmende Wort kann dabey
ln den meisten Fällen durch den Genitiv erkläret
werden, Varerherz, das Herz eines Vaters,
Richceramc, das Amt eines Richters, Zahm
schmerz,
Z82 i/TH. 2. Absch. Zusammensetzung.

fthmerz, Schmerz des Zahnes; oft aber muß


dessen Begriffdurch eine Präposition aufgelösetwe«
den, Sammrkleid, ein 5Aeid von Sammt,
Straßenraub, Raub auf der Straße, Gns-
denrvahl, Wahl aus Gnade, Rirchgang,
Gang zur Kirche; oft auch durch ein Berdum,
Apfelbaum, der Äpfel trägt, Hülfsmittel,
Mittel zu helfen, womit man sich hilft; undwchl
gar durch dessen Passtvum, obgleich die Zufanunem
setzungen dieser Art eben nicht die besten find,
Druckorc, wo ein Buch gedruckt worden.
, . §. 56z. Das bestimmte oder Grundwort
bleibt in allen Fällen unverändert; das bestimmen«
de oft auch, ö)bstkammer> A>nrmann,Thurnu
spirze, zuweilen verliert es das welbliche e am
Ende, Kirchgang, Rirchwcihe, N)ett<
lauf, Ssnncag, rpundwafstr; aber nicht
«Uemahl das mildernde e, TaIererst, Hage
dorn, außer wenn ein Vocal folgt, Tagarbeir,
-Hagapfel. Oft stehet es im Genitiv , Rönigsi
mord, Gorcesfurchr, Hungersnoch,Buw
deslade, Hirrenstab, Bubenstück; da denn
die weiblichen Wörter gemeiniglich noch den alten
Plural auf en haben, lLhrenschänder, Son
nenstaub, Freudenfest, Höllenstrafe. Oft
auch im Genitiv des Plurals, Rälberbraren,
, Heldenmurh , Eyerdorcer, Büchsenschäf»
rer, Gänstfuß; zuweilen, wenn gleich der Be<
deutung nach der Singular stehen follte, Dmderi
mord, Rindermörderin, Nlännermord,
> wenn gleich nur ein Kind, oder ein Mann ermov
det worden^ dagegen oft nur der Singular stehet,
wen»
2. Kapitel. Arten derselben. ?8Z

Wenn gleich berVerstand denPlural erfordert,Buch/


Handel, Buchbinder, Vogelfänger. Zuwei
len folgt das bestimmende dem Plural des bestimm
ten, die Apfelschale, Plur. die Äpfelschalen.
§» .564. Sehr oft nehmen bestimmende Wo«
ter weiblichen Geschlechts das s an, ohne Zweifel zu
desto deutlicher Bezeichnung des Genitivs: Lie
besdienst, Geburrsrag, Andachrseifer,
Hülfsmittel, besonders die Verbalia auf ling,
öereinigungsmicrel , Verhalcungsbefehl,
Reinigungs- Cur. Manche alte Zusammen/
'etzungen haben allerley irreguläre Veränderungen
«litten: Brautigamm, Nächcigal, Mijs«
char, Herzeleid, wo i und e eingeschaltet wor-
>en, nach deren Muster man aber doch nicht NAtttt
Poche für Mittwoche sagen darf.
§. 565. Oft kommt ein und eben dasselbe
Lesiimmungswort in mehr als einer der vorigen
Zorwen vor, Bauergur, Vauernfenf, eine
pflanze, Bauernkrieg, Sauersmann; Erd-
trr, Erdbeben, Erdbeere, Lrdcngeld,
Srundzins; Feuerherd, Feuermauer, Leu-
tsgcfahr; Herzblatt, Herzeleid, Herzens
angst, Herzmzähmerinn; Hundegeld,
JUndefchlag, Hundssiiege, Hundshum
zer, Hlindsrag; Rindbecr, Rindraufe,
^inderblarcern , Rinderlehre, Rindes,
heil; Landadel, Landgut, Landmann,
landesarc, Landesher'-, Landsmann,
Landsknecht, wo Landmann und Lands
mann, das alte Landherr, em Dynast, und
Landesherr, Landknechc und Landsknech c
Z84 1. Th. 2. Absch. Zusammensttzung.

u. s. f. nicht gleich bedeutend sind. Oft aber auch


m einer und eben derselben Bedeutung, Schweiw
stall, Schweinsstall und Schweinestall,
wo die letzte Form dem gemeinen Leben eigen ist,
Bauermann, und Bauersmann, Dauw
Hof und Bauernhof, iLrdkloß und iLrdem
kloß u.s.f.
§. 566. Ist der bestimmende Theil ein Adt
l'ecciv, so wird die Eigenschaft, welche es bezeich-
net , mit dem Substantiv zu einem Begriffe vereini-
gel, daher ersiereS auch die Concretions^und Decli-
nations^Zeichen verlieret, dem Äußern nach zu einem
Adverbio wird, und in allen Geschlechtern, Endun-
gen und Zahle« unverändert bleibt : Schwer«
much, Großmuch/ Eigenliebe, Grün
specht, Rochbarr, Freygur, Alrgesell,
Oberhaupt, Süßklee, Rleinmurh, Müßig
gang, Bicrerwaster, Neujahr, -Halbfisch,
Trunkenbold, auch mit Zahlwörtern, Drei
fuß, Sechseck, Fllnfshr, Siebenschläfer.
So gar das mildernde e gehet hier verloren/ Früh
stunde, Blödsinn, Trübsinn. Ausgenom
men ist hier Bösewicht.
§. 567. Wenn daher das bestimmende Adjek
tiv seine Concretions und Declinations - Zeichen be
hält, so kann es nicht als ein Theil der Zusammen?
setzung angesehen werden ; folglich lange ZlVeile,
vor langer weile/ junge Magd, die zun»
gen Mägde/ geheimer Rath, die geheimen
Räche/ die krause Münze/ der krausen
Münze, und nicht Langeweile, Jungemagd
u. f. f. weil sie alsdann heissen müßten Lang-
^ weile,
«.. Kapitel. Arten derselben. Z8z

ivie man ganz richtig sagt, langweilig; Jung,


msgd, wie man sagt Jungfrau, ^ungge-
sell; Geheilnrsrh, wie man sagt Geheim?
schreiber ; Rrausmünze, wie man sagtRraus-
kopsi Rrsufemünze könnte wie Bösewicht
allenfalls ausgenommen werden, allein alsdany
müßte man wenigstens im Genitiv und Dativ un
verändert sagen der NraUstmunze. Dag
Gommerhalbejahr und N?ittrerhalbejahr
sind völlig verwerflich, weit der Mittlere Theit decli"
nirt werden muß, des GoMMerhalbenjahreSt
Allerheiligen und Allerseelen, besonders wenn
sie absolute und ohne das Wort Fest stehen, hat
der Kirchen, Styl einMahl hergebracht, sowie de?
Hohepriester, des Hohenpriesters.

S. 568. In einige« aktenZusamMensetzUngen


hat das Adjectiv allerley zufällige Veränderungen
erlitten, Hoffahrt für Hochfahrt, I«ch4
jorn für das bessere Gähzörn., Nachbar,
Mitternacht. So wie auch manche alte eigene
Nahmen sich an die vorige Regel nicht binden,
Reichenau, Reichenhall, Langendors)
Langenau, Nauendorf, Neuendorf, ÄK
renburg, Größen-Hennersdorf, Schwör,
zenberg, Weißenfels, Rothenburg, Lie-
bettrvalve. Von pronotninibus wird nur
allein selbst in der Zusammensetzung gebraucht,
Selbstliebe, die Liebe seiner selbst, so auch
Selbstzufriedenheit, Selbstgefühl u. s. s.
Gelbsthalrer, - Selbstherrscher, Selbst,
schuß/ SelbstschutdNer.
Bb H. 569.
z86 i. Th. z. Absch. Zusammensetzung.

§. 569. Auch das Verbum kann zum H«


stimmungsworte in der Zusammensetzung gebraucht
werden, in welchem Falle aber nur die Wurzeldes
Infinitivs dazu schicklich ist , so wohl in thStigein
Verstände, Spieluhr/ welche spielt, pfleg«
murrer, welche pflegt, Brechstange, zum
Brechen, Grabstichel, zum Graben, als auch
im neutralen, Fechrboden, wo man ficht,
Reicbahn, zum Reiten, Brennglas, zum
Brennen, und passiven, Trinkgeld, welches
vertrunken werden soll, Gchnürkleid, welches
zugeschnüret wird, Oracharing, welcher ge
braten wird , Brennholz , zum Verbrennen bv
Himmt. Da denn das Bestimmungswort oft auch
die Ursache, Absicht u. s. f.bezeichyet, N?att-
geld, für das Warten, Waschbecken, zum
Waschen, Schlafmütze, darin zu schlafen. Un«
schicklich und wider die Analogie sind die, wo der
Imperativ zum Bestimmungsworts gebraucht
wird, Zwingeland, Grürzebecher.
§. 570. Wenn der Eonsonans des Wurzeb
Wortes weich ist, und in der Aussprache weich blei
ben soll, so wird ihm das mildernde e angehängt,
Schreibemeister, Schreibegebnhr, Schie
befenster, pflegevacer, Fangecag, Singe-
lust, Vorhängeschloß. Aber nicht Scecke,
nadel. In Rechenkunst, Rechenbrer, u. s f.
ist die Wurzel von rechnen, gleichem rechenen,
aufgelöset.
§. 571. Sehr häufig dieneu auch Umstand^
Wörter zur Bestimmung des Substantivs, dergleichen
besonders ab, an, ans, aus, außen, bey, dar,
ein,
. - 2. Kapitel. Arten derselbett. z8?

ei«/ fort, gegen, heim, her, hin, hinter,


mir, nach, neben, ob/ ober, über, um, vor,
wider, wohl, zu, Zwischen, und die außer der
Zusammensetzung veralteten aber, afrer, erz,
miß, un und ur gehören: Abgang, Außen
land, Beystand, Darlehen, Linkauf,
Fortgang, Gegenstand, Heimkunft, Ne<
benstunde, Hinterlist, Wohlstand, Aber
glaube, Afterrede, Erzherzog, Mißgeburt,
Unart, Urkunde. Nicht, wird anstatt des un
zuweilen mit den Infinitiven zusammen gesetzt, die
Unterlassung der in dem Zeitworte liegenden Hand?
lung zu bezeichnen, das wollen und Nicht-
wollen, das Nichtwissen, das Nicht«
seyn, im Falle der Nichtzahlung. -
§. 572. Auch können durch die Zusammen?
setzung Redetheile zu Substantiven werden, welche
es für sich allein nicht sind, welche Wörter doch
selten in der edlen Schreibart tauglich find, ein
Taugenichts, Gernegroß, Geradezu, das
Garaus^ der willkommen, ein Nim«
mersarr. Schadenfroh, willnichc u. s f.
§- 57Z. Zusammengesetzte Pronomina
sind nur derselbe oder derselbige, derjenige,
niemand und jemand. In den besden ersten
ist das Bestimmungswort gleichfalls ein Prono«
wen, und dieses wird alsdann ordentlich declinirt,
derselben, diejenigen. Die beyden letzten sind
aus man und den veralteten Partikeln nie und
je zusammen gesetzt.
§. 574. Ein Beschassenheicsworr kann
m der Ausammensetzung durch ein Substantiv, durch
Bb s ei«
z88 i. Th. z. Absch. Zusammensetzung.

ein änderes Beschaffenheitswort, durch ein VerbuH


und durch ein Umstandswort bestimmt werden. G«
schiehet es durch ein Substantiv, so wird dieses
demselben entweder unverändert vorgesetzt, traf»
voll, welrkundig, mgendreich, wunder
voll, pechschwarz, eiskalt, steinharr,
blutwenig, goldgelb/ grasgrün, (nicht
grasegrün ;) oder es tritt in den Genitiv, arms
dick, standesmäßig, da denn auch ein FSmini,
num das s annimmt, hulfs bedürftig, hoff
nungslos, andachtsvoll, verehrungs-
werrl). Besonders lassen sich die Adverbia leer,
los, reich, voll, werrh und würdig, mit
vielen Substantiven zusammen setzen.

57§. Geschiehet es durch ein anderes B«


schaffenheitswort, so wird dieses demselben gleich-
falls ohne Conctetion vorgesetzt, großgünstiI,
freiwillig, vielfältig, leichtfertig, halb,
jährig, höchstbeglückc, hochgelehrt, (nicht
hochgelahrt,) weitläufrig. Da denn die,
welche sich auf eitt Milderndes e endigen, dasselbe
Wieder verlieren, blödsinnig, geradlinig, feig
herzig, geringfügig..
§. 576. Geschiehet es durch ein Verbum,
so dienet dazu entweder die bloße Wurzel des I«
finitives, denkwürdig, brennheiß ; oder auch der
Infinitiv selbst, liebenswerrh, anbechenswür-
Vig. Noch öfter geschiehet die Bestimmung durch
ein Zahl, oder Umstandswort, zweitägig, drei
jährig, fechsmahlig, gegenwärtig, über,
klug, hinfällig, erzböse, vornehmlich,
2. Kapitel. Arten derselben. z89

zukünftig, abhängig, besonders sehr häufig


mit un, unweise, unerfahren.
§. 577. Von den zusammen gesetzten Ver
dis ist schon bey der Conjugation , S. 4Z4. f. ge-
Handel: worden, Umstandswörter werden ent
weder mit sich selbst zusammen gesetzt, bisher,
hinwärts, abwärts, fernerweir, gleich
wohl, anHeim, anbey, dsbey, anjerzr,
beinahe, durchaus, nimmermehr, nun
mehr, fstthin, oder mit andern Redetheilen,
anderwärts, nochmahls, rückwärts, ehe
dem, nachdem, demnach; oberes werden
auch andere Medetheile zusammen gesetzt, d« denn
das Ganze ein Umstandswort wird , und zu dessen
Merkmahl oft ein s am Ende- bekommt/ desfalls,
deshalb, ebenfalls, . dermaßen, desglei
chen, einander, fürwahr. Da denn
auch der erste Theil der Zusammensetzung oft' seine
Biegungszeichen behält, allezeit, allemahl,
allerdings, allenthalben, dergestalt

Drittes Kapitel.

Regeln für die zusammen gesetzten


Wörter.

§. 578. .
ist nicht gleichgültig, ob ein Wort als zusam-
^ men gesetzt betrachtet wird, oder nicht, ob
sich gleich die Grönzen beyder Arten nicht allemahl
genau bestimmen lassen. Aus dem Begriffe selbst
Bb z ' läßt
M i. Tl). z.Absch. Zusammensetzung.

läßt sich solches nicht in allen Fällen entscheiden,


weil eben dieselbe Bestimmung auch außer der Zm
sammensetzung statt findet: ausgehen, aber her
aus gehen, jederzeit aber zu dieser Zeit,
allezeit aber lange Zeit, brandscharzen,
rathtchlagen, aber Ssurm laufen, Höcht
zeit machen, Grunde halten. Man merk
indessen folgende Regeln.
§. 579. Wahre Zusammensetzungen find z
1. Wenn her bestimmende Therl die sonst ge,
wohnlichen Biegungszeichen verlieret, Faulrhier
für faules i^hier, gesetzgebend, für Geseye
gebend/ Äurzweil, Schwarzdorn fm
schwarzer Dorn« Hschmesse für hohe
Messe, Langohr, ein Geschöpf mit lang»
Ohren, die Meistbiethenden, welche das meiste
Siethen, zweymahl, dreymshl, u. s. f. für
Zwey N^ahle, Denkmahl, zum Andenken.
Also nicht Langeweile, Jungemagd und die
übrigen schon §. 567. angeführten. Ausgenommen
sind nur : 1. die eben daselbst schon gedachten Sub<
siantiven Hohepriester, Allerheiligen, Allen
seelen. 2. Die Pronomina derselbe, derselbe
ge und derjenige, wo der erste Theil ordentlich
mit declinirt wird. Z. Viele aus Nennwörtern zw
sammen gesetzte Umstandswörter, allezeit für
allzeit, sllemahl, alleweile, jederzeit, aller
hand, allerley, allesammr, deshalb, des-
falls.
2. Wenn sich an dem bestimmenden Wor»
ein Zeichen der Composttion befindet, dergleich«
das x euphpyim« ist, meinetwegM, deü
z. Kapitel/ Regeln für,hieselbe. Z91

nethslben, um ihretwillen, allenthalben,


enrzwey für inzwey; ingleichen das s an den
Infinitiven, liebenswürdig, küjsenswerrh,
und an den weiblichen Hauptwörtern, andachcs-
eifer, sehnsuchcsvKll, hülfsbedürftig, an«
bethnngswerth ; das r an dem da und wo,
darbringen, worein; die weggelassene Bie-
gungssylbe, insgeheim, insgemein, bey,
seit, u. s. f.
z. Wenn das bestimmte Wort eine Endung
bekommt, welche auf daS Ganze gehet. Derglev
che» find : 1. das adverbische s, Umstandswörter
zu bilden , schlechterdings , allerdings,
ikorensrreichs, beyderseics, vielmahls,
beyseits. 2. Die Endung en , so fern sie gleich,
falls Umstandswörter bildet, bisweilen, zuwei
len, allermaßen, beysammen, beizeiten,
dermaßen, derhalben, allerwegen, zufrie
den, z. Die Endung er an den von Zahlwörtern ab<
geleiteten Substantiven, ein Achrundvierziger,
ein Vierundzwanzigpfünder. 4. Die Ablet,
tungssylben an solchen Beschaffenhettswörtern, web
che für sich allein nicht üblich sind, dreitägig,
sechsjährig, großblätterig, vierbeinig,
dickköpfig, dreymonachlich, übereinstimi
mig, wo die Ablettungssylbe gleichfalls auf daS
Ganze gehet. Ausgenommen siud die mit und
verbundene« abgeleiteten Zahlwörter, der ein
und zwanzigste, zwey und dreyßigerley,
hundert und zehnfach.
4. Besonders wenn zugleich der vorstehende
Artikel das Ganze als selbständig bezeichnet, wohin
Bb 4 beso«
Z92 '. Th. z.Wfch.. Zusammensetzung.
besonders die Verbalia auf ung mit ihren Bestim
mungswöxtern gehören, schadlos halten, aber
die Schadloshaltung, ans einander sexzen,
aber die Auseinandersetzung , genehm hak
ten, aber die GenehmHaltung; wo doch
allzulange Substantive zu vermeide», und lieb«
zu umschreiben. Oft auch der Infinitiv mit seinem
Bestimmungsworts, wenn ex als ein Hauptwort
stehet, das Bewußtsein, das Daseyn,
das N?ohlergchen. Wenn indessen der G«
brauch die Zusammensetzung nicht bereits eingefW
xet hat, so schreibt man beyde lieber getheilt, web
ches nothwendig ist, wenn der Bestimmungswö«
ter mehr sind, das hinweg gehen, das aus
einander fahren, das auf und abgehen,
das zu Hause gehen.
5. Wenn ein Theil der Zusammensetzung vm
qltet ist/ wohin besonders die Bestimmungsworter
ab, afcer, erz, miß, un und ur gehören.
6. Wenn eine Ellipsis statt findet , d. i. wem
poch ein anderes Bestimmungs -oder Verbindungs«
wort ausgelassen ist; welches nebst dem folgenden
her sicherste Erkenntmßgrund eines zusammen S«
setzten Wortes ist, Dahin gehören aller vor den
Superlativen, wo es für unter allen stehet, ans
startfur an der Statt, einander, d. i. einer
den andern , Überall, h« Zusammensetzungen
mit selbst, Gelbstliebe, seiner selbst, indessen,
unterdessen, indem, ehedem, vordem,
selbander u. s. f. Scheiterhaufen, ein Hau,
ftn von Scheiten, Brennglas zum Brennen,
per Garaus, Rehraus, ein Vierteljahr,
, . . ^ yrey
Z.Kapitel. Regeln für dieselbe' 395

drey Viertelehle, zwep Dritrelpfund, ein


Achtellorh, wo das bestimmte Wort statt des
Genitivs stehet, gottlob! die Zahlwörter drey-
zehen, vierzehen u. s. f. wo und ausgelassen
ist, aber ein und zwanzig, hundert und
eins u. s. f. weil zwey mit und verbundene WSr,
ter nie zusammen gezogen werden können.
7. Wenn die Bedeutung des Ganzen figürlich
ist, oder von der gewöhnlichen Bedeutung eines
pder beyder Theile abweicht, welches in den mei
sten Fällen statt finden wird. Dahin gehören vors
nehmlich, die meisten §. 434. schon angezeigten
zusammen gesetzten Verb«, so wohl mit Partikeln
als auch mit Substantiven, hrandfcharzcn, räch-
schlagen, willfahren, abdanken, aus-
kommen u. s. f. und die meisten zusammen ge
setzten Partikeln , allda, allhier, gleichwohl,
ehedem, vielmehr, wenn es die Conjunction
ist, aber es ist viel mehr, zuwege, über
haupt, wofern, damic, ohnehin.
§. 5 8«. Folglich können nicht als Zusammen,
setzungen angesehen werden,
1. Das Substantiv mit seinem Bestimmungs
worte , wenn dieses die gewöhnlichen Biegungszei-
chen hat; folglich secheilt, widrigen Falls,
folgender Gestalt, zwey Drittel, drey
Viertel, einiger Maßen, gewisser Maßen,
andern Theils, größten Theils, das erste
Mahl u. s. f. Man schreibt ohne hin, ich mei
nes Theils, meines Wissens, hiesigen
Orres. Aeinesweges „nd unterwegs«
Bb 5 lassen
Z94'i. Th> z- AM Zusammensetzung.

lassen sich wegen der figürlichen Bedeutung ve«


«heidigen.
s. Das Nennwort mit seinem Bestimmung^
Worte; folglich getheilt eben derselbe, ein j«
der, ein mehreres.
z. Das Adverbium, Adjectiv oder Partieipiu»
mit seinem Bestimmungsworte, wenn keine Ellipse
oder Figur statt findet, gleich bedeutend,
reich beladene Schiffe, zusammen gesey«
ZVöxter, bevorstehend, neugeboren, hiiu
zu kommend, gegen über, wie viel ? (aber
der wievielste? weil hier eine gemeinschaftliche
Endsylbe ist,) so gleich, so bald, gleich weit,
gleichgroß, so gar, so wohl, als auch.
Won der erlaubten Zusammenziehun^des Partichii
mit einem Substantiv S. §. 459.
4. Die Präposition mit ihrem Casu, wen» je,
des seine gewöhnliche Bedeutung hat; folglich g«
theilt, bey Seite, (aber beyseic und beyseito,)
in kurzem, mir einander, von einander
u. s. f. ihm zu Liebe, zu Gute, dir zu
Folge, ,bey nahe, Scheins halber, Alters
halber, von Rechtswegen.
5. Das Substantiv mit seinem Adveriio, folg,
lich getheilt, zwey Daumen breit, wie man
sagt drey Ä^hlen lang; Berg auf, Berg
ab, Gimmel an, wie man sagt Straße auf
und ab gehen; eine Seit lang, drey Jahre
lang, ein Arm voll, eine Hand voll, sechs
Hände voll.
6. Das Verbum mit seinem Adverbto, diejevtt
gen ausgenommen, welche bereits §. 454. ange,
7 Z i«get
A. Kapitel. Regeln für dieselbe. 595

zeiget morden , folglich getheitt, bevor stehen,


enrzwey gehen, fehl schlagen, Ubercin
stimmen, genehm halcen, empor steigen,
hoch fliegen, herein kommen, voll gießen,
viel gelten, gut heissen, nahe liegen, zu
sammen laufen. Sonst müßten alle Adverbia
mit ihren Berbis zusammen gezogen werden.
Heimgehen, heimkehren u. f. f. können sich
damit rechtfertigen , daß heim im Hochdeutschen
bey nahe veraltet ist; in heimsuchen ist die Be
deutung ohne dieß figürlich.
7. Das Verbum mit seinem Casu , die theilS
figürlichen , theils elliptischen fuchsschwanzen,
handhaben, brandschaxzen u. s. f. ausge
nommen, S. §. 4Z7> Folglich getheilt Sturm
laufen, zur Ader lassen, (das gemeine Ader
lässen etwa ausgenommen,) Haus halten,
Dank sagen, Rrieg fuhren,
§« 5»i- In zweifelhaften Fällen schreibt
man jwey Wörter lieber getheilt als zusammen ges
setzt, weil die Zusammenziehung keinen Nutzen ge-
Währet, wohl aber in vielen Fällen der Deutlich
keit schadet, und die Menge der Wörter für Wör
terbücher und Register ohne Noch vermehret.
K. 58«. Es lassen sich noch täglich neue Zu
sammensetzungen machen, doch müssen dabey Ana«
logie, Deutlichkeit und Wohlklang auf das genaue
ste beobachtet werden. Befonders vermeide man,
die allzulange« und dunkeln Zusammensetzungen;
zu jenen gehören die meisten dreymahl zusammen
gesetzte«/ j« den letztem aber die elliptische«, «0
eine
W6 i. Th. z.Absch. ZusammensetzunZ.

Präposition zum Nachtheil der Deutlichkeit ven


schwiegen ist, die donnecschwanglrn N)ob
ken, die blumenbekranzre Flur, der gold<
heseyte Hut, kunsterfahreiu

Viertes Kapitel.
Von dem Tone der zusammen gesetzten

' Wörter.
, ., .
58Z. ^ , '
s^ie Zusammensetzung ändert eigentlich an dm
^-»^ Tone nichts/ sondern läßt jedem Theile dn
Zusammensetzung seinen eigenthümlichen Ton. AK
kein, da in einem jeden Worte nur eine Sylbe
den Hauptton haben kann, so hat diesen, in der
Zusammensetzung, so wie außer derselben, ordentli
cher Weise das bestimmende Wort: Aüsbund,
fortfahren, Straßenraub, Größmuch,
goldgelb, so wie man ohne Zusammensetzung sägt,
xr ist aus V?ien , bey der Sache güt fah
ren, ein großes Haus, Gottes Allmacht,
so gelb wie Gold.
584» Indessen gibt es doch einige, welche
den Ton nicht auf dem bestimmenden, sondern auf
dem bestimmten Worte haben. Dergleichen find
von Substantiven, einige vielsylbige Zusammen,
setzungen mit all, Allwissenheit) AUrvÄsheit,
Barmherzigkeit, Feldweges, Hähnbütte,
Hohlünder, so fern man es als zusammen s>
.. sc§t
4. Kapitel. Ton der Compositorum. 39?

fttzt betrachtet, Ralma'nser, Raldäünen,


einige vielsylbige Zusammensetzungen mit Zahlwör
tern, Dreyemigkeir, Dreifaltigkeit, Drey<
Heller, und vielleicht noch andere mehr.
Äou Beschaffenheitswörtern ! einige Zusamntent
setzungen mit ab, abhttflich, abspenstig, ab,
wendig, absonderlich, abwegsam, ablos,
lich; die mit all, allmächtig, ob man gleich
sagt Allmacht, allmählich, sllwei'se,
allwissend, aUtagig; ingleichen die Super,
lative Mit aller, allerbest, allerNebst;
viele mit aus, uusbündig, ausdrücklich,
ausführlich, ausnehmend, aussprechlich,
und die davon abgeleiteten , Ausführlichkeit,
unaussprechlich; die meisten mit groß und
hoch zusammen gesetzten Titul^ Wörter , groß«
machtig, großgünstig, großachrbar,
hschädelig, hochedel, hochgeboren, hoch«
fürstlich, hochgeehrt, hochgelehrt, hoch-
würdig, hochnothig, aber höchbecagt,
höchbecraur. hochmüchig, hochtrabend;
viele mit Zahlwörtern zusammen gesetzte?, acht,
jährig, dreitägig, zweiseitig, sechseckig/
Anfpfündig, siebenmahlig; und etwa noch
folgende, außerordentlich, balsämisch, barm«
herzig, bestmöglichst, dienstfreündlich,
fteyeigen, freywtUig, hattvgreifflich,hauptt
sachlich, herzinnig, holdselig, inständig,
norhwendig, vornchmlich, u. s. f.
Von Verdis, außer den mit hinter, voll
und wider, (S. §. 4Z6.) einigen mit miß,
(S. §. 4Z8.) und den mit durch, über, um
398 l. TH.'Z- Absch. Zusammensetzung.

unter zusammen gesetzten, <S. §. 44s.) nsH


kalmausern und die mit außer und aufer zw
sammen gesetzten, mit ihren Ableitungen, «ufttt
stöhen, auserlesen , auserkören.
§. 585. Die Umstandswörter, welche außer t«
Zusammensetzung selten einen gewissen bestimmte»
Ton haben, haben denselben in der Zusammensetzung
bald auf der ersten und bald auf der letzten Hälfte,
und zwar auf einer von Heyden entweder beständig,
«der nach dem Unterschiede der Bedeutung, oder
auch wtllruyrlich.
1. Beständig haben den Ton) 1) auf der erste«
Sylbe, abwärts, suftvärrs, anderwärts,
anderweit, auswärts, damahls, dazu
mal)!, dennoch, dergestalt, vermählen,
diesfalls, desfalls, desto, diesmal?!, ebew
falls, ehemahls, ehegestern, einwärts,
etwa, etwas, fernerweir, gleichsam, gleich'
wohl, herwärrs, hinwärts, hinterwärts,
jemahls, jenseir, niemahls, Nachmühls,
nachgehends, nochmahls, rückwärts, stiv
wärrs,' übergroß u. f. f. vormahls, vor
wärts, wiederum, und andere mehr. 2) Auf
der letzten Hälfte: die mit all, allen, aller,
allzu und als anfangenden, allhier,, allge
mein, allezeit, allerdings, allenfalls, als
bald , allzuviel ü. s. f. die mit an , bey und
bis anfangenden, anjerzc, snnoch, anbey,
beyan, beysammen, bisher; die mit du, so
fern sie nicht im folgenden vorkommen, dafern,
daheim, dahinten, danieder; viele mit der,
dereinst, dermahleinst, derhalben, des-
gleichest,
4. Kapitel. Ton der Compositorum. Z99

gleichen, dieweil, und die Pronomina der^


ftlbe und derjenige ;'die mit enc, entgegen,
entweder, enrzwey; die mit hin, hindurch,
hinsb , hinweg u. f. f. die mit in, über, um,
vor und zu, indem indessen, immircelst,
Uberaus, überhaupt, vorbey, umher, zu
vor, zugegen; und folgende etnzele, fortan,
forthin, ehedem, ehevessen, einander,
einher, empor, fürwahr, gleichwie, je«
doch, jedennoch, mithin, nachdem, nach,
her, nunmehr, obwohl, obgleich«, f. f. '

s. Nach dem Unkerfchiebe der Bedeutung, wot


hin befonders die mit da , her und hier , zufanu
men gefetzten Partikeln gehören, welche den Ton
auf der ersten Hälfte haben, wenn sie demonstrativ,
und auf. der letzten, wenn sie relativ sind, ober
als Conjunttionen stehen: davon ivollen wir
schweigen, ich schweige davön, damic
ist es nicht ausgerichtet, er ging damit
davon, und als Conjunction, damit es nicht
geschehe, tritt hierher , er kam hierher.
Die mit wo zusammen gefetzten haben den Ton
auf der letzter« Hälfte , wenn sie relativ sind , und
auf der ersten, wenn sie fragen, woraüs er,
Heller, woraus ist. das genommen?

z. Oder endlich willkUhrlich , wobey es auf


de» Sprechenden ankommt, welchen Begriff er
durch den Hauptton vorzüglich heraus heben will ;
nwhiil befonders dorther, dorthin, ein
mal?!, nunmehr, also, voraus, durch?
ans,
4OO l. Th. z. Absch. Zusammensetzung.

aus , warum die mit immer und nimmet


zusammen gesetzten > und andere mehr gehören.
§.586 Die dreyfach zusammen gesetzt,« Wörter
haben den HaUpttott gemeiniglich auf dem mittler»
Worte; Feldbüükunst , Frshnlei'chnam,
Großhöfmeister, Hauptbösewicht, Feld,
Marschall , Hsfpoftmeister/ Rreishaüpv
mantt, Rriegsscbatlplakz, Arbjagermw
ster, BrjschätzMeister, Allgögenwarc, Berg-
nächfahrer > ÄrbzmsgUt , Rreisabschie!>.
Ab« auch oft auf dem erstens Sastnachv
spiel>Hlmmelfahrcsftst,Rramerhandwerk,
RaüfmannsbUrsch, Rräybeerstaude, Rw
pferbergwerk, chrdbeerbaum. Die Nahmen
hex Würden > welche ein zwey und Mehr Bestiuv
Mungswortet vot sich haben > legen den Hauptton
gemeiniglich auf das Grundwort der ganzen Würde:
Groß - Rron - L^ldherr, Reichs , Generab
Leidmarschall.

Vierter
4OI

^'V Vierter Abschnitt.

^ Bon dem Syntaxe oder dem


^ , Redesatze.

<5 zie bisher betrachteten einzelen und zusammen,


gesetzten Wörter sind um deswillen da, d«
mit sie zu einer zusammen Hangenden Rebeverbun,
den werden können. Wie solches geschehen muß,
lehret der Synrax oder der Redejay.
§. 588. Dieser bändelt in drey Kapiteln, r.
von der Verbindung einzeler Wörter mit einander ;
2. von der Verbindung mehrerer Wörter zu einem
Satze, oder von der Ordnung, in welcher die
Wörter in dem Satze auf einander folgen ; und
z. von der Verbinbung^mehrerer Sätze zu einer
Periode.'

Erstes Kapitel.

Von der Verbindung einzeler Wörter


miteinander.

5- 589-
eil manche Wörter in der Verbindung mit
andern mehrere mögliche Verhältnisse zu be?
zeichnen haben, so hat man, diese Verhältnisse an
ihnen kenntlich zu machen, sie mit eigenen Beu«
Cr gungs.
4O? i.Theil. 4. Abschnitt. Syntax.

gungssylben versehen. Wenn nun ein Wortvtt«


wöge dieses Verhältnisses auf eine gewisse Art ge«
beuget wird , so sagt man , daß es von dem a«
dem Worte regieret werde, obgleich diese Be«
gung nicht so wohl von dem Worte selbst, als vieb
mehr von dem Verhältnisse herrühret.

I. Bestimmung des Substantives durch


den Artikel.
K. 59«. Der Artikel ist zunächst um der Sab
tuttgswörter willen da, ihre Selbständigkeit zu be>
stimmen, welche sie als Gattungswörter verlor«
hatten. Er ist im Deutschen gedoppelt , der ie-
stimmte Artikel der, die, das, und der unw
stimmte ein; von welchen der erste am genauesten,
der letztere aber nicht so genau bestimmet. Nebe«
bey dienet der erste auch, die mangelhafte Deuv
fthe Deklination besonders der eigenen Nahmen zu
ersetzen.'
§. 59t. Da die eigenen Kähmen, wohin auch
die Nahmen der Weltgegenden gehören, ihrer
Selbständigkeit nach schon hinlänglichbestimmt sind,
so bedürfen sie als solche eigentlich keines bestimme
ren Artikels, (S. §. 122.) Ausgenommen sind
die eigenen Nahmen der Völker, Berge, WäK
der, Meere, und Flüsse, welche den Artikel nicht
entbehren können, ohne Zweifel, weil die appella«
tive Beschaffenheit ihrer Nahmen noch zu neu und
in einem zu frischen Andenken ist , (S. §. 2Z1.)
§.592. Zu den eigenenNahmen gehöret auch der
Rahme Gott, wenn er als ein eigener Nähme
des höchstens Wesens gebraucht wird , in welchem
. . Falle
, .^l.^ Kapitel. i. Artikel. 40Z

We ei/ÄWMch der 4ten Deckination der eigene»


Nahmen, (S. §. 240.) folglich im Genitiv Got
tes," im Aativ nut Gott, ' abgeändert wird:
gib Gott was Gottes ist^ Stehet er appella-
tiv, det gütige Gört, der Gott der Liebe,
so erfordert er nicht nur den Artikel , fondern auch
im Dativ e, obgleich letzteres auch häufig wegge-

''^ §. ' 5?Z> Bey den übrigen eigenen Kahme» ,


findet der bestimmte Artikel nur statt , i. wbtm
Man Personen < Nahmen mit Geringschätzung und
Verachtung nennet, §. szo.) 2. wenn sie ver
mittelst desselben decliniret werden Müssen , in weK
chem Falle er doch im Nominativ unnöthig ist, weil
dieser als der Nähme des Subjectes hinlänglich
genug bestimmt ist, (S. K. 229.) und z. wen»
sie wieder als Eattungswörter gebraucht werben,
(S> §. I2Z.)
594. Hingegen bezeichnet der Artikel deö
bcy Gattüngswdrtern und allen übrigen Wörtern/
welche als Gattungswörtet gebraucht werben:
die ganze Gattung als ein selbständiges Ding, dev
Mensch ist nun eimnahl sterblich, d. i. alle
Menschen; die Musik ist etwas angeneh
mes, eine jede Musik; der Geich ist doch eilt
häßliches Laster. 2. Ein schon bekanntes oder
doch leicht zu crrathendes emjeles Ding aus der.
ganzen Gattung : der Ntettsch ist wieder Va,
der bewußte Mensch; ich höre die Musik, wel,
che wir bestellet hatte«. >^ / .
- 595. Er ist solgttS Unnöthig und fehler-
Mso ^op, ffegn tM^ftlbMchige Ding-schv«
'^e:.k tzc s genauer
4<?4 Theil. 4. Abschnitt. Syntax.

genauer bestimmt ist, als durch den Artikel gft


schehen kann, als auch, wenn nichts als selbständig
bestimmt «erden soll. Zu dem ersten Falle geh«
reu: 1. Wenn das Substantiv bestimmte Zahlwött
ter vor sich hat, doch nur in manchen Fällen, (S.
§. 26z.) 2. Vor den allgemeinen Zahlwörtern all,
(S. §. 275.) jeder, (§. 276.) mancher, einü
ge, etliche, kein, (§. 277.) und zuweilen auch
vor viel und wenig, (§. 27«. 280.) z. Vo»
allen Pronominibus , die abstrakten Possesfiva nur
ausgenommen, (S. §. Z59 ) 4- In Anreden,
wo doch die aus Zahlwörtern bestehenden BeysStze
ausgenommen sind, d Ludwig der, sechzehnte!
außer wenn sie voran stehen, 0 sechzehnter Lud.
wig! 5. Vor den Titeln allgemein bekannter Pe«
sonen, doch nur in det vertraulichen Sprechart,
Aaiser Joseph, Doctor Luther, wohin um
der Kürze willen auch im Curial^Styl Rlager,
Inhaber, Advocar, iLndesbenannrer,
u. a. m. und in allen Sprecharten auch das Wort
-Herr gehören, Herr Müller, 6. Wenn ein«
Apposition vorhanden ist, d. t. wenn vött einem
Dinge mehrere Nahmen oder Titel auf einander
folgen, Friedrich/ Röniginpreussen; Gott
Varer. Ist aber das folgende Substantiv «ine
Erklärung, so ist der Artikel nothwendig, Antonm
der ZVelcweise, um ihn von andern Antonine«
zu unterscheiden, Gott der Vater, zum Unter'
schiede von andern Personett des göttlichen Wesens,
Carl der fünfte. 7- In manchen Aufschriften
und Püchertiteln, Voxrede, Gnde, erster
Theil, Deutsch Sprachlehre; «0 doch
' K «nd«e
^>w5>Rapitel. i. Artikel. 405

ändere de» Artikel nicht nur erttagen, sondem


such erfordern, der erste Theil, daszweyre
Buch, das verZohrne Paradis. Wenn
niehrere Substantive unmittelbar auf einander fob
gen, besonders i» der affextvollen Rede, Sur,
Ehre, Leben, kurz alles ist verloren. 9.
Wen« ein Genitiv vorher gehet, wodurch die Selb
ständigkeit bereits hinlänglich bezeichnet wird, der
Tugend Lohn, Gorres Huld, des Mw
leids Stimme 7 -.
5^ Eben so wenig findet der Artikel
statt, wenn weder die Gattung als ein Indio«
duum, noch Hies «der das andere bereits bekannte
einzele Ding aus derselben, sondern die Gattung,
Art und Materie überhaupt angedeutet werden soll :
nennest du das Glück? auf Saud ausge,
hen, envas aus Gewohnheir rhun, nimm
Melisse, habe Geduld, Beure machen,
es ist von Sley, von Eisen, von Holz,
auf Rechnung ausnehmen, ohne Zweifel,
ich habe es in Händen, ich sehe es vor
Augen, über Seid gehen, eine sonderbare
Arc Menschen , wo nichts als ein Individuum
bezeichnet werden soll; wohin auch eine Menge
figürlicher und -sprichwörtlicher Ausdrücke gehöret.
Noch bricht Eisen, Alter hilft sür Thor,
heir nicht, u. s. f. wo der Artikel pst nur um
der kernvollen Mrze willen verbissen wird. Dahin
gehör« auch diejenigen Wörter, welche eine Mate
rie, ein Maß, eine Zahl > «in Gewicht U. s. f.
bezeichnen, wenn sie als bloße Gattungswörter
«nd Material«,
. 5 ohne alleEcSelbständigkeit
z stehen
drey
4o6i r. TSeil. 4. Abschnktt^Syntax.

prey Ahlen Tuch, Mn GkssN>ein, vier


Alafter Holz, ein Scheffel Erbsen , vi«
Pfund Eisen , ein paar neue Schuhe.
K. 597. Manche Gattungswörter werden lw
Hey so unbestimmt/, daß sie mit dem Artikel auch
die Biegungszeichen wegwerfen , wenn gleich d«
dabey befindliche" Präposition dleftkben irforbem
Mke: e5 gehe^Mch Wunsch, MÄMß<
mir Blur bespruzr> »ie Fleisch bekleide
es ist von Blev, von Jahr ZU Isshr , vo»
Haus zu Ha«S,M''Mantt Ä>n Verdi
mir Weib und Mnd. zw «nz«
Dagegen in andern .Sällen die A
öhne Härte nicht' wegvle^n darf/M
hen, zu HUlfe kommet?, mir W'Kiehe)iHt.
zu Leide, außer Scande ' ftM, M ^
bleiben, zu Fuße nach HauA gehen
Hof. ' '

nach
Ja iu andexn'MllM wird sogar^dez? MM
tzion das Casus s Z«che« des Artikels aggkhäch
ohne daß sich solches .MemM durch Ye». Ari
auflösen ließe: iwMtMde seyn, M Uchw«
ge gehen, im Sciche lassen^ ay^tLnd,
ü,i Anfangs , zun,, tzbsxflM im ^Lrnst,
Won welchem UnbMnde..sich kein Grund «ngebe»
lasset, daher die einje/e?,Fälle bloß auS,,pem Sv
Krauch« erlernet w^rdey müssen. , . '
^ S< 598. Außer bey obigen FöM ben^besii«^
Peq Artikel MA«laffM^.,«egy, e'chaf, Ätz
i.Kapitel. i. Mikel^ 407

bestimmt wsttie«M> würde bey eigentlichen Gatt


tungswöttern.sin. Fehler seyn: die Wahrheit:
heiliger Schrift, besser der heiligen Schrift/
öuß hsr Haupc hinweg gerragen, Loga».
Abftract« können ihn eher entbehren, weil sie keine
«gmtlichen Gattungswörter stich, und eS daher
oft gleichgültig ist, wie sie gebraucht werden : ich
liebe Niahrheic oder ich liebe dis Wahr?
heir; so auch, in beßrer Ordnung, vsr^rü
dignng yxs.Vrieges.^, , .> >
599. Der unbesttlnmte^tikel ein bezeichs
net : 1. ein KhigauS der ganzes Gattung, doch so uns
WmMt^ baß es gleich viel.ist, welches man b<v
runter Verstehet: es beczcgne^e mir ein frem
der, 6s tMejn Vogel, hier ist ein Z^^u-
2. Macht er dieses unbestimmte Ding zum ZKprä^
sentanten^de,x Lanzen Gattung, wie der bestiylintö
Artikel, ein Mensch ist doch ein schwacheq
Geschöpf, besonders im Äachsatze, NM^Ksi
ein" schzwächcs Geschöpf ist nicht), M
NZensch! ünd z. bezeichnet «KloF d^.G^Wpiq^
zu welcher ein Ding gehöret , doch nur vey solche»
EubstaMeK',? 'welche als Oattungswötter ge
braucht werben können: welch ein Mensch Z
was ist das Mr ein MaM? es ist ein
SchwÄMt^ein Fremder / ein RuMer,
er Harro einen bösen Vurev. BesoMrs Hoö
solch, ein^-ft^chmS^^tvSnschtii ich
niip; nicht solch xinM, und noch weflig^ so
einert. ' >^ '.'^
§. 600. D«t auch eigene Rahmen M Gat^
tUflgSwörtex stehen können, so leiden sie als ftlche
7 Cc 4 auch
4«A i. Theil. 4. Abschnitt. Syntax

auch den unbestimmten Artikel: ein plars unse


rer Zeit, ein so weiser Mann als Plato war,
selbst ein Alexander. Wenn er hie Gattung
bezeichnet, so ist es oft gleichgültig, ob man ihn scht
oder nicht - als er noch Rönig war, in Ge
danken ist sie schon gnädige Frau, wir
warcecen lange Seit, das ist gurer alrer
5Vein; aber nicht das war harrer N?inker, <
ßir ein harrer NZinttr. . : <. >I
§. 601. Fehlerhaste Arten des Gebrauches
dieses Artikels fiqd: l. Vor eigenen Nahmen/
wenn sie nicht apvellative stehen, so sprichc ein
heiliger Paulus. 2. Der Gebrauch des Curia!
Etyles, eine hohe Obrigkeir, ein hochwev
sex Rüth , eine löbliche Universitär, z, Vor
den Zahlwörtern, eine achc Tage , eine zwe?
Gründen eher , (S. S. 26z.) 4. Vor den New
tris der meisten Adjectiven, ein Vieles, ein
Großes, (S. §. 329.) 5. Der Niederdeutsche
Gebrauch an statt des Pronominis jemand , c
möchre einer sagen, (S. §. 348-)
§. 602. Wohl aber läßt er sich im Dativ häu
fig an die Präposition hängen .- das dienec zun:
Veweise, die Noch zur Tugend machen
Womit doch das r des Genitivs und Dativs der
weiblichen Wörter nicht zu verwechseln ist, welches
ein bloßes Casus, Zeichen ist: das Nordlichc
koinmc zu gewisser Acic, hat keinen Artikel,
daher ist auch der Ausdruck nicht so bestimme
als wenn man sagt, es kommt zur gewissen
i. Kapitel, i. Artikel. 409

S. 6sz. Wie durch die beyden Artikel die


Begriffe zweyer Wörter bestimmt und zum Theil
perändert werden tonnen , erhellet aus folgendem
Beyspiele: er ist ein Rönigssshn, eines
Rönigs Sohn, ein Sohn eines Röniges>
ein Sohn des Röniges, der Rönigssohn,
der Sohn eines Röniges, der Sohn des
Röniges. -
§. 604. Außer demjenigen, was beyde Arch
fel. an dem Substantiv in Ansehung der Selbsiän«
digkeit bestimmen, sind noch zwey Fälle möglich.
Es kann eine mehrfache aber unbestimmte Anzahl
Von den Jndividpts, welche ein GattungSwort b«
zeichnet, ausgedrucket werden, oder es kann ein
ungenannter und zugleich unbestimmter Theil des
Ganzen gemeinet feyn. Bevde Zölle drüben die
Deutschen ohne allen Artikel aus, und zwar den
ersten durch den Plural des Gattungswortes, weil
her unbestimmte Artikel, der hier eigentlich stehen
müßte, keines Plurals fähig ist, ich sehe Men
schen, Vögel fangen, es kommen Pferde.
Der letzte Fall findet besonders bey Collectivis untz
Wterialibus statt, so lange sie als solche gebraucht
werden, sechs ^Hhlen Tuch, es ist noch
Gewürz da, gib mir Vroc, wir rrinkexz
Nöein, es ist iLisen. Wen« sie aber wieder^
Gattungswörter werden/ und entweder Arten/
oder auch bestimmte Ganze bezeichnen, so sind sie?
Wieder bevder Artikel fähig; der U?ein ist ge,
rächen , ein gurer N?ein; gib mir Bror,
gib mir das Bror, das ist ein schönes
Vror, ein großes Vror, >
Ce 5 §- 605.
4io i. Weit. 4. Abschnitt. Syntax

^ §. 605. Der Artikel wirdöe« Substantive


welches er bestimmet, allemahl vorgesetzet, N»>
folget demselben mallen Endungen, Zahlen uudGv
schlechtem, welches auch der unbestimmte Artikel
thut, wenn er ohne Hauptwort stehet, wer gibt
mir ein Buch? — hier ist eines; in «eb
chem Falle er doch in dem Casu vvn seinem Verto
abhänget, yer bestimmte Artikel kann oft mehr
«uf einander, folgende Substantivs eines Geschlecht
tes und einer Zahl zugleich bestimmen, der<öeiH
-Hschmuch und Argwohn dieses Mannes z
allein der unbestimmte muß jedesmal)! wiederhohlet
werden. Folgen mehrere Substantive verschiedene»
Geschlechts und verschiedener Zahl auf einander,
fo ist die WiMxhyhluna auch des heßimmtm ÄB
kels nothwendM , .n< . .:t-.^> n^' ^'

2. Verbindung des Substantives mit«n-


«x..» kiZknsz-,dern Substantiven. - . Zm' »<
' §. 8s« Wenn zwey' oder mehrere Su'bstM
ttve mit einander' Verbunden werden, fo stehÄ 'H
Entweder in einem gleichen oder in einem unglei
chen Verhältnisse. W eiste>rFaUe sind sie entw«
tet bloß mehrere Nähmen neben einander aufgv
Mlter DinLe> oder mehrere Nahmen eines unlj
Mn desselben Dinges, oder das Hintere ist eine
Erklärung , ober endlich auch eine Einschränkung
>es vordem. In allen diesen Fällen werben H
vrdentlich in einerley Easu gesetzt, weil sie in gleö
chem Verhäkinssse entweder gegen das Subject od«
gegen das Prädicat stehen^ ^ - - '^ ^ ,

^ . §. 6<?7'
§. 607. Werden bloß mehrere Dinge aufg«
Mh und ihrer sind nur zwey,kso, werden sie vers
«ittelst ejner Partikel gesetzet oder ausgeschlossen
Ruhm und Unsterblichkeit erwaxreil dich,
so wohl Ruhm als Unsterblichkeit errva«
ce» Hich , weder pflanzeU noch Bäum^
When. Da man denn, wenn sie einexley Efld,
Mn haben, fiq WMrtraulichen Schreibart auch
wyhl vie eOe zu verbeiße« pflegt, in'Sreuiw unZz
lindes tzand > durch Donr und -Hecken«
Sind ihrer mehrere) si> werden nur dieHeyden lM
tw Mt und verbunden, wo Rerksr, Gifc
«nd Dolch uns,^ suFenblscklich. drohem
Geschiehet die Ausschließung mit Mödex noch«
so bekommt bas eM! .n>edep und age folgend^
lwch^ ivedev,Eotiy noch. Menschen, noch
Oeserze fürchten.: -^Der. Affett IM in einesM
bejqhenden Satze auch wohlialle Verbindung weg^
Stolz, Untreu, Üppigkeit hauchen uns
Myifrtge MnA entgegen, „/ '

6oF« Wenn einem Dinge mehrere Rah/;


oder Titßl beygeleget werden, so siehen^W
Substantive in der Apposition Sind sie alle
Eat/unBwörter, so stehen sie insgeiammt in eine»
ley Cqsu und Zahl, sags den Prinzen, mei<
Yen Hrüdern. Ist der zweyte Nähme ein eige-
sp stehet ev im Deutschen hinten, die Stadt:
Berlin, der Aaissr Joseph. Von de«,
Declination solcher Nahmen S. §. 246. 247. unh
von de«. Zusammenzichung zweyev in Sppositio«
stehenden Hauptwörter §. 559. . ,. >
4ls TYeil.'4. Wschnttt. Syntkir.

§. 609. Ist das Hintere die Erklärung d


vordem / so stehen sie gleichfalls in einerley Coj
aber nicht nothwendig in einerley Zahl, heil d<
pem würdigen Sohne, jerzr meinem^
nige; der Schlaf, der Müden Freund,
der Unglücklichen Trost; deine Thorhei,
ren, diese (Quelle deines Unglückes. Doch
pflegt man , wenn es ungezwungen geschehen kam,
ein Wort gern durch ein anderes gleichen Geschlch
tes zu erklären , das Urrheil der Vernunft,
der stets bestochenen Rarhgeberinn.
' §. 610. Schränkt das Hintere den Begriff,
des PrSdicates auf ein besonderes Verhaltniß Ks
erstem ein, so bekommt es die einschränkende Partikel
als, mit Beybehsltung-des Casus des erstem, ich
betrachte den Menschen, als Menschc,,,
nicht als Christen; wie durch Christum,
als den Sohn Gorres alles erschaffen is^
nicht als dem Sohne.
§. 6 ii. Stehen sie in einem ungleich"
Verhältnisse, so finden hier so viele Fälle siai
als es Arten des Verhältnisses gibt. Sehr oft
wird solches durch eine Präposition ausgedm
Reiye zur UnmWgkeic, Leute aus d
Stadt, Segen von oben, Erziehung«
dem Lande. Zuweilen bleibt das Hintere un^.
ändert, oft aber wird es auch durch den Genitiv,
und eben so oft auch durch die Präposition von
ausgedruckt. Wir bleiben hier nur bey den dre?
letzten Fällen stehen.
§. 6 12. Diejenigen Verhältnisse, welche auf
eine dieser drey Arten oder auf mehrere derselben
5 . Kap/tel. 2. Substantiv. 41 z

zugleich ausgedruckt werden , find vornehmlich : r.


daS Verhältniß der wirkenden Ursache, so wohl
mit dem Genitiv, der Sohn Gottes, ein
Befehl des Röniges, die Nachkommen
Ädsms, Sohne eines Vaters; als auch
mit von> besonders wenn der Genitiv Mißveu,
tung verursachen, und den bloßen Besitz bezeichnen
könnte, ein Gemählde von Titian, ein Ge
dicht von Gellerr, wo von die wirkende Ur
sache genauer bezeichnet; außer welchem Falle man
lieber den Genitiv gebraucht, der Verfasser
»sn diesem Buche, besser dieses Buches.
.-, 6iz< 2. Das Verhältniß des Besitzes, der
Herrschaft, i) Mit dem Genitiv, die Länder
des Fürsten, die Güter des Freyherrn,
das Haus meines Nachbars, dieGsttinn
des Glückes> ein Herr vieler Güter. 2)
Mit von vor den eigenen Nahmen der Länder,
Bezirke, Güter und örter, die Raiserinn von
Rußland, der Rönig von Pohlen, dev
Churfürst von Sachsen, Bischof von Bam,
berg, Herr von Schlesien; wo der Genitiv,
der alsdann voran stehet, nur in der hoher«
Schreibart vorkommt, Preußens Rönig, Ruß-,
lands Raiserinn. In andern Fällen würde
von fehlerhaft seyn, das Haus von meinem
Nachbar, besser meines Nachbars. Doch
sagt man der Herr, die Frau vom Hause,
der Sohn vom Hause. >
§. 614. z. Das Verhältniß des Daseyns in
Ansehung der Zeit und des Ortes, durch den Gent»
ch> .besonders in der edlern Schreibart, eiNj
Lehrer
'^t 4 1. Theil.'4.ÄbsSnlM Syntax.

ein Lehrer dieses Schule, die Belchtten


unsers Jahrhunderts, die Einwohner der
Stadt, die Jugend der Dörfer, die Gtlin>
de der Mitternacht. Oft auch durch diePrib
Positionen in, an u. s. f. '-'-'>-'.'< '
§. 615. 4. Das VerhLltniß des UnselbD-
dtgen, in Ansehung des selbständigem, woran ej
sich befindet, besonders bey Abstractis, welche
durch ihre Concreta erkläret werden müssen^ a«
Häufigsien un^ besten ^urch den Genitiv) die
Schönheit dieser Person, die 'Reitze des
Frühllnges, Entwicklung uttselZer Rräf«,
die Bewegung des-Rörpers, jenseir der
Scharren des Grsbeö, die Feit des L,e°
Kens. Oft auch durch eine Präposition, die
blühende Röche auf den N?angen, SM«
in den Miedern. Aber nicht durch von, wen»
der Genitiv stehen sollte > den Schein von der
Tugend haben, das Ende vom Lüde, das
Schwarze von der Dinre.
616. 5. Das Verhältm'ß der Shells gegen
das Göttze', oder die Bezeichnung des Ganze»,
woraus etwas bestehet. Mit dem ^Genitiv,
ein Theil der Soldaten, die Versamm
lung der Fröhlichen, die Gemeine der
-Heiligen , eine Ehle des besten Sannntts.
Oft aber auch mit von, eine Ehle von dem
besten Sammce; besonders wenn sich der
Genitiv nicht deutlich bezeichnen löstet, oder einen
Mißklang verursachen wiirde> eine Reihe von
Rirschbüumen, aber, eine Reihe der be
sten Rirschh«uine> Heil Hier der Genitiv merk.
«ZI. Kapitel. 2. SuWntlv. 415

licherist. 2) Schr häufig wird derNahme des Ganzen)


woraus ein Theil bestehet, ohne Artikel in den
Nominativ gesetzt, in welchem et unverändert
bleibt, eine Mühlzeit tLssen, ein Gerich?
Fische, eine Menge Vögel, Menschen,
eine Summe Geld, ein Srück Bror, von
einem Glase wein, von zrvey Maliern
Rörn, mir drey Ehlen Tuch, drey Rlsf-
ker Holz, vier pfmck Gold/ mir drey
Ludern Sreine. Im Oberdeutschen gebraucht
man'hier häufig den Genitiv, welchen auch wohl die
edlere Schreibart nachahmet, eine Summe Gel
des, mir einem Stücke Brores; besonders
wenn das Ganze noch ein Bestimmungswort vor
sich hat, eine Menge schöner Vögel, ein
Gerichr der selrensten Fische, ein Glas
süßen Weines, ein Maß frischer Milch,
eine Reihe gehauener Sreine. Wohin auch
die im gemeinen Leben üblichen eine Meile N?«
ges, und mit versetzten Genitiven Volks dis
Menge, Geldes die Hülle und Fülle gehö
ren. Das Wott paar bleibt mit seinem Bestinu
mungsworre unverändert, dagegen der Nähme
des Ganzen die Casuszeichen annimmt, ein
Paar Schuhe, vor ein paar Tagen, mik
ein paar Zeilen, z) Ist der Theil, wovon
das Ganze angegeben wird, noch an demselben bes
kindlich , so setzt man daS letztere am besten in den
Genitiv , die ZVand des Hauses , ein Dritt
tel derScadr, die Gränzen Sachsens, die
Provinzen Deurschlandes, die obern Theile
Iralieno. Ist es aber nicht mehr an demselben,
befinde
4,6 i. Geil. 4. Abschnitt. Syntax.

befindlich, so stehet um der DeutlichKit'Mui,


von, ein Finger von dem heil. Burchsrd,
slS Reliquie, die wolle von einem Schafe,
die Brust von einem Widder. Welches«!«
auch oft im ersten Falle stehet , wenn der Heil
von dem Ganzen getrennet werden soll> nimm
dir etwas davon, ein Stück Von dem
Braten; oder sich der Genitiv Nicht ohne W
klang bezeichnen läßt , die Theile von Aftich
die Provinzen von America.
§. 6l?i , 6. Das Verhältnis der Materie,
woraus etwas verfertiget ist oder bestehet, mt
von, ein Ring von Gold, ein Rranz von
Blumen. ^ Das VerhSltniß der Herkunft, mit
von, von hohem Adel> von gutem Ge
schlechts, von niederm Range, von vsr<
Nehmer Geburt, ein Deutscher von Ge
burt. Zuweilen auch mit dem Genitiv, ein
Deutscher seiner Geburt, oder seiner Ge
burt ein Deutscher. . ^ 7
§. 618. 8. Das VerhSltniß des Gegenstaii-
des, durch welches das vordere Substantiv bestimmt
wird> Mit dem Genitiv, ein Muster der MaW
keir, einVerrerdes Ministers, die Bei«
gerung der Scadc, ein Freund unjers
Dauses , ein Feind aller Laster, der vw
kauf des -Hauses, die Ermordung eines
Unschuldigen, die Welt ist eine Schule
des Bösen, das Geftihl unsers Glückes,
der Genuß des Lebens. Wo nur dahin 1»
sehen ist, daß bey Substantiven, welche fo «B
rhätig als leidend gebraucht werden , keine ?«M
i. Kapitel. 2. Substantiv. 417

deutigkeit und Verwechselung der vorigen Verhalt


msse entstehe, der Verlust unsere Freundes,
kann heißen, der Verlust, welchen unser Freund
erlitten, nach §.612. und der, welchen wir in ihm
erlitten, die Liebe Gottes, welche wir gegen
ihn haben, und welche er gegen uns trögt. So
auch die Furcht des Todes , der Genuß
eines Freundes, die Hülfe der Gradr, die
lLinsegnung des Priesters , in welchem Falle
man den Gegenstand lieber durch eine Präposition
oder auf andere Art umschreibt, die Lurchr
vor dem Tode, die Liebe gegen (Rott,
der in dem Freunde erlittene Verlust;
außer wo der Gebrauch die Bedeutung schon hi«
länglich bestimmt hat, der Dienst des RSnü
Fes, der Dienst Gottes , die Furcht Gor«
res, des Todes. Von ist fehlerhaft, wenn
der bloße Genitiv deutlich genug ist, ein Freund
von unserm Hause, der Beweis von meu
ner TreUe.
§. 619. 9. Das Verhältnis einer bestimmte»
Größe, eines Maßes, Gewichtes, Werthes oder
Alters, mit von, eine Sache von großer
N)ichrigkeic, ein Mann von vieler Ge«
lchrsamkeir, von Verdiensten, von Iah,
ren, eine Reise von zeheN Meilen, ein Faß
von sechs iLimern, ein Stein von vier
Pfttnden, ein Jüngling von zwanzig Jah
ren. In einigen wenigen Fällen auch mit dem
Genitiv, ein Rind guter Art. Zu dem Gu
brauche mit von gehöret auch folgende Beschreit
bung der Beschaffenheit, ein Abscheu von ei-
Dd nem
4, 8 l. Theil. 4. Abschnitt. Syntax.

ncm Menschen, das ist nur ein Traum


von Glück, ein Ausbund von einem eh«
lichen ZHanne. 10. Jngleichen des Inhaltes,
auch mit von, ein Gedicht von dem Tode.
§. 620 Wenn der Genitiv stehen sollte, und
sich derselbe an dem Werte nicht ausdrücken läßt,
auch der Artikel nicht statt findet, so ist von i»
allen Fallen unentbehrlich, Srröme von Be
geisterung, ein unermeßliches Feld von
Gegenständen; aber Srröme sanfter Be»
geisterung.
§. 621. Der Genitiv tritt, besonders in der
edlern Schreibart, gern voran, der Sitten
Weichlichkeit, des Lebens Freude, wir
sind des Todes tägliche Bcncc. Nur muß
keinAdjectiv oder Pronomen vorher gehen, welches
sich auf das folgende Substantiv beziehet, dieser
des Todes Gedanke, bey solcher der Sache
Beschaffenheit, nach reifer der. Sachen
Überlegung. Ein Substantiv kann mehrere
Genitive bey sich haben , wovon entweder einer
den andern regieret, die Verbindlichkeit des
Gesetzes der Natur; oder wovon beyde jn
dem in der Mitte stehenden Substantiv gehören,
des Himmels höchstes Gesey der Ord
nung; in welchen Fällen doch Wohlklang und
Deutlichkeit mit in Betrachtung kommen müssen.

z. Von dem Adjettiv und dessen Verbin- ^


dung mit dem Substantive.
§. 622. Das Adjectiv und concrescirte Pa«
ticipinm stellen eine -Beschaffenheit als an dem
Dinge
^ ''l. Kapitel, z. Adjectiv. 41^

dinge befindlich, oder als Eigenschaft bar; sie


>aben daher, ( die unveränderlichen Zahlwörter
,nd Adjective ausgenommen, S. §.264. f. zis.>
«s Concretionszeichen, und stehen allemahl vor
em Substantiv , dem sie zugleich in dem Casu, in
em Geschlechte und in der Zahl folgen, diester-
>ende Unschuld, das holde Lächeln des
Mhlinges. Nur wenn sie eigenen Nahmen
eygefüget werden , stehen sie nebst den Zshlwör,'
?rn unmittelbar hinter denselben, Carl der.
wölfte, Alexander der große, wo die höhere
Schreibart sie auch wohl voran setzet, der zwölfte
arl, der große Alexander. Die im gemeis
m Leben üblichen mein Vacer seliger, vier.
I7ark Lubisch, Dänisch, dreyFusz Z^hein-
üwisch, sind Überbleibsel der veraltete« Gewohn-
tt^^'dle Adjectivs ohne Concretion hinter das
mbfiantiv zu setzen. . " ^h s?'^'^ 'i^
^ 62z. Wohl aber kann es sich auf ein vor.
>r gegangenes Substantiv beziehen, Französu
he Waaren und nichr Deutsche, die
lnftige seit so' wohl als die vergangenem
lcrlcy Personen, vornehme und geringe,
c Rose, die schönste unter den Blumen,
n Singular lassen sich zwey verschiedene Dinge,
ch wenn sie einerley Geschlechtes sind, nicht füg«
h durch ein Adjectiv bestimmen, der rügend-
tfre Bürger und Äsuer; wohl aber
Plural, wohlriechende pflanzen und
räurer.
§. 624. Vor zusammengesetzten Substantiven
m sich, so wie der Artikel, nur auf das bes
Dds stimmte
420 I. Theil. 4. Abschnitt. Syntax.

stimmte oder Grundwort beziehen, daher eS fehler


haft ist, wenn es sich auf das bestimmende beziehe«
ftll, ein seidener StrumpfiFabricsnr, ein
französischer Zeirungslefer.
' .., §. 625. Wenn ein Substantiv durch ein Satt
tungswort höherer Art erklaret wird, so folgt
das zu dem erstem gehörige und demselben nachg«
setzte Adjectiv dem Geschlechte des höhern Gattungs«
Wortes : der Mensch , das edelste unter sb
len Geschöpfen; die Vernunft, das kost'
barste Geschenk der Narur; die Dsnau
Arider erste unter den Strömen Deutsch«
landes. Nur nach Personen, Nahmen stehet es
in dem natnrlichenGeschlechte der Person : Dsphne
war die gelehrteste unter allen Frauenzi»«
mern; Ravaillac^ der verworfenste aller
Ungeheuer. Aber nicht, wenn der Personell'
Nähme appellarive stehet, Minna von Vsrn-
helm, das beste unter Leffmgs Schw
stuelett.
^.626. Da Adjective Eigenschafte« bezech
«en, so können ihrer so viele seyn, als verschiedene
« Eigenschaften von einem und eben demselben Dinge
angegeben werden müssen, da man denn zM,
und von mehrem die beyden letzten durch und
verbinden kann, ober auch nicht: der Tod, die«
ser stets drohende und nie entfernte Gast:
die finstern, stillen Scharren des Todes;
die ganze, lange, traurige Nacht. We>»>
aber das Substantiv mehrere Arten oder mehre«
Verhältnisse an einem Dinge bezeichnet, so ist l»c
Verbindung nothwendig, die irrvifche und
, ^ himmli.
, . Kapitel, z. Adjectiv. 42 l

himmlische Weisheit, die Hintere, vor


dere und obere Seite. Sie können auch durch
einen Zwischensatz getrennet werden, der aber nicht
zu lang seyn darf/ die ganze mit uns erwa,
chende Gegend.
§. 627. Participia und Adverbia, welche
relativ sind, und daher eine» Casum erfordern,
behalten denselben bey, wenn sie concresciret wer
den , da sie denn denselben vor sich nehmen , ein
der Ewigkeit würdiges ZlVerk, dein des
Lebens müder Geist. Kommt noch eine Prä'
Position oder ein anöer Wortes dazu, so wird diese
Art des Ausdruckes oft zu hart, ein vor Sehn
sucht krankes Gemüth, dieser gegen alle
Menschen höfliche Jüngling, ein zroey
Ählen langes Schwert; daher man in sol,
che« Fällen das Adjectiv lieber in das Adverbium
auflöset, obgleich die höhere Schreibart die ge,
drungene Kürze gern vorziehet, die durch den
frühen Tod erpreßten Thranen. Eben die,
ses gilt von andern Bestimmungswörtern des Ad,
jenives, ein eben so großes als schönes
Haus. Aber den Genitiv deS folgenden Sub
stantive« dem Adjective vorzusetzen , ist «„verzeih,
lich, mir der des jugendlichen Alters brau,
senden Hirze.
§. 628. Der Eomparativ behält auch nach
der Concretion sein als, wenn das 'verglichene
ding auf ihn folgt, der Vach fließt hier mir
einem cmgenehniern Geräusche als dorr,
der Superlativ hat in diesem Falle eine Präpofitio»
"ach sich, in dex edlern Schreibart aber oft de«
Dd z Genis
422 i. Thcil. 4. Abschnitt. Syntax.

Genitiv, welcher in der höhern aüch vortreten kann,


der reichste Einwohner in der Stadt, «der
der Stadt, er ist der größte von oder unter
beyden, der mächtigste Monarch in Eu
ropa, oder Europens, oder Europens
mächtigster Monarch , der Stürme wü-
thendster. ,
§. 629. Das Adjectiv wird durch ein Adveri
bium bestimmt, eine sanft rauschende (Quelle,
welches mit einem Adjectiv nicht verwechselt «w
den muß. Ein unbekannt reisender Prinz,
ist etwas anders als ein unbekannter reisen
der Prinz. Auch die Adverbia , wenn sie als
Umstandswörter das Substantiv bestimmen, dergle«
. chenganz, halb, genug, allein, voll, lau«
ter, eitel, nichts,:«, s. f. sind, müssen nicht für
Sldjectiva gehalten werden. Ein Schäfer aus
Her göldnen Feit, ganz Ruhe, ganzZw
friedenheic, Gell., wo es das Umstandswort ist.
Zweyde'utig ist es in ganz Pohlen, in ganz
Deutschland, und vor andern Orts -und
Nndernahmen ohne Artikel, wofür man in den
Hasibus obliquis doch lieber mit dem Concres
tions, Zeichen in dem ganzen Pohlen sagt. Ei»
gleiches gilt von kein, viel und wenig, S.
5. 277. f. ,
^. 4« Gebrauch der Zahlwörter,
: §. 6zo. Von dem Gebrauche der Zahlwörter
ist bereits §. 259. f. verschiedenes gesagt worden/
welches hier nachgesehen werden kann. D« Iah"
zahlen und.hie Stunden des Tages werden anstatt
^ : ^ . 'der
i. Kapitel. 4. Zahlwörter. 42z

der Ordnungszahl mit der Hauptzahl verbunden,


so daß bey der letztern das Wort Uhr gesetzt oder
verstanden wird in: Jahr ein tausend sieben
hundert und achtzig; imIahr derN?elc vier
tausend ; es istdrey Uhr, es ist um drey, es
schlagt vier, ich komme halb sieben. Von dem
Singular der Substantiven, welche eine Zahl, ein
Maß, Gewicht u. s. f. bedeuten, S. §.,166.
§. 6z 1. Nach den bestimmten Zahlwörtern,
sie seyn nun Hauptzahlen oder Ordnungszahlen, kann
das Hauptwort, wenn es die ganze Classe bedeu
tet, woraus die Zahl genommen worden, und die
Präpositionen von , aus oder unter bekomme»
sollte, auch in den Genitiv gesetzt werden, vier
der hiesigen Einwohner, für vier hiesige
Einwohner, oder vier von den hiesigen
Einwohnern; eines deiner Glieder. Da
denn die persönlichen Pronomina voran stehen, es
kamen unser sechs , es wareil ihrer sieben.
Den Genitiv des Substantivs voran zu setzen, der
traurigen Jahre zehen , ist im Hochdeutschen
veraltet. Den Genitiv leiden auch die Ordnungs
zahlen , wenn ein Substantiv mit noch einem Be
stimmungsworts folgt, die leyce deiner Freuden,
der erste meiner Brüder. . ,
§. 632. All leidet wegen feiner genaue»
Bestimmung keinen Artikel vor sich, (S. §. 275.)
wenn es aber die gefammten Jndividua einer ge
wissen Art bedeutet, und das Nennwort im Plu
ral einen Artikel hat, fo tritt er als ein Adverbium
dahinter, die übrigen alle, oder alle übri
gen; die Thranen alle fließen umsonst;
, Dd 4 «°
424 Theil. 4. Abschnitt. Syntax.

wo es ^uch hinter dem Verbo stehen kann,


die Thränen fließen alle umsonst. So auch
mit persönlichen Pronominibus, wir alle, ihr
alle, wir alle haben unsere Fehler, wir
haben alle unsere Zehler. Doch findet diese
Versetzung Hey persönlichen Pronominibus nur A
Nominativ und Accusativ, bey Hauptwörtern aber
in allen Casibus, nur im Genitiv nicht, statt/ In
den übrigen Bedeutungen wird es wie ein anderes
Adjectiv gebraucht, nur daß es, wenn estm Neutr?
eine Allgemeinheit im Singular bezeichnet, auch
hier die Versetzung leihet, dieses alles, und alles
dieses, das ist noch alles nichts, besser
das alles ist noch nichts, alles das sind
Thorheicen, oder das alles.
K, 6zz, Wenn jeder (S.§. 276.) imPlural
stehen sollte, so wird es in der edlern Schreibart
gern in dem Singular mit dem Genitiv verbunden,
er lebt in jedem meiner Gedankew M
auch kein, (S. §. 277.) viel, wenig, (§.278.)
mancher, (§.28r.) einige und etliche, (5» 282)
wenn das Nennwort das Geschlecht oder die Art
ausdruckt, keiner der unsrigen, für keiner
von uns , keines deiner Rinder, viele Per
unsrigen, manche lmsrer Bekannren, einü
ge deiner Freunde; ingleichen mit voran ge
setztem Genitiv in der höhern Schreibaxt, unser
keiner, so werde mir meiner Sunden kev
ne vergeben, kess. welche Form doch mit «w
dem Allgemeinen Zahlwörtern selten mehr gebraucht
wird, außer mit persönlichen Pronominibus, ih<
xer etliche, es waren unser wenige. Anw,
jedes,

'1 ,' ^
- l.Kapitel. 4. Zahlwörter. 425

jedes, keines, manches, für jemand, jv


dermann, oder jede Person, niemand,
mancher, gehören in die Sprache des gemeinen
Lehens.
§. 6Z4. Ein« bestimmte Zahl ungefähr zu be
zeichnen, braucht man ungefähr, etwa, einige
oder etliche, bey nahe, und im gemeinen Leben
bey, gegen, an die, beyläusig, wohin auch
die Form, ein Stück oder zehn, ein Jahr
oder vier, zusammen gezogen, ein S rücker
zehn, ein Jahrcr vier, d. i. ungefähr zehn
Stück, vier Johr, gehöret. Etliche und einige
werden gleichfalls nur im gemeinen Leben von zwan
zig an bis hundert gebraucht, etliche und zwan
zig, einige und dreißig, d. i. zwanzig, drev-
ßig und einige darüber. Etliche zwanzig,
einige dreyßig, mit Weglassung des und gibt
freylich einen falschen Sinn, ist aber dennoch sehr
gangbar. Eine ungefähre Zahl zwischen zwey b«
kannten Grönzen auszudrucken, gebraucht man
bis: drey bis vier, zehn bis zwanzig. .

5. Gebrauch der Pronominum.


§. 6z 5. Alle Pronomina aojectiva folgen so
Wie die eigentlichen Adjectiva und Ordnungszahlen,
wenn sie sich auf ein Substantiv beziehen, in An
sehung des Geschlechts und der Zahl dem letztern,
in Ansehung des Casus aber dem Verbo, mit w«l<
chem sie verbunden werden : die Tugend und
das Laster, jener befleißige dich, dieses
fliehe ; die Vlume, deren Reiye der Srurm
zerstör«. - . '. ^ /
Od x «. Ge
4»6 l. Theil. 4. Abschnitt. Syntax.

a. Gebrauch der persönlichen Pronomina


§. 6z6. Von diesen ist bereits §. zz6, man-
ches gesagt worden; ihr Gebrauch mit dem Verbo
wird im folgenden vorkommen. Man merke noch.
Die persönlichen Pronomina können auch ihr Haupt-
wort so wohl in Apposition^, als zur ^Erklärung
neben sich haben: ich, der Herr; du Thor;
M, -Rläger; sie, die edelste ihres Ge
schlechts; ihr frommen Leure; dir, Edu
ard, nur dir, gab sie der Rache Schwert.
Hat dasselbe ein Adjectiv ohne Artikel bey sich, st
wird dieses nach der zwevten Declination der Adjw
tive declinirt: ich armer Mann, mir verlasse-
NM Rinde, S. §. 298.

§. 6z/. Die persönlichen Pronomina nehmen


oft den Nominativ des Relativi der in ihre Ge
sellschaft: der du von Ewigkeit bist, oder
du, der du von Ewigkeit bist, oder du,
der von Ewigkeit! ist ; von dem , der ich
war, ist kaum ein Scharren mehr übrig;
wir, die wir uns selbst nichr kennen;
er, der sich meiner so treulich angenom
men hat.
§. 6z8. Die vertrauliche Sprechart gebraucht
oft den Dativ mir, wo nur eine sehr entfernte
Beziehung statt findet : ich lobe mir das Leben
dige ; du wirst mir einmahl ein feiner Gast
werden; das ist mir eine Freude, das mag
mir. eil« Freude heissen. Der ähnliche Gv
brauch des dir gehöret in die Sprache, der nledri
i. Kapitel. 5. Pronomina. 427

gen Vertraulichkeit, das war dir eine Lust,


d. i. das war eine Lust , ich versichere es dir.
§. 6zy. Eigentlich wird ein jedes Ding, wel
ches nicht als die erste und zweyte Person angege<
den ist, für die dritte Person gehalten, daher diese
den Substantiven nicht erst beygefüget werden darf.
Rur ein besonderer Nachdruck erfordert dasselbe,
in welchem Falle das Substantiv mit dem Prons-
mine in Apposition stehet: der balsamische
Schlaf, er fliehec die Elenden, oder er,
der balsamische Schlaf, fliehet die iLlcn,
den, oder mit der Inversion, die Menden
fliehet er, der balsamische Schlaf, alles
für das mattere, der balsamische Schlaf flie
het die blenden. So auch, dieses Leben,
wie kurz ist es ; er kann ihn nicht fassen,
den Schmerz ; Anrsnin, er, der nicht die.
Pracht, nur die Einfalt der Natur liebre.
Eeschiehet solches im gemeinen Leben ohne Absicht
eines Nachdruckes, so ist es allerviiltzs ein Fehler,
sie sind noch nicht reif, die Äpfel. ^
§. 640. Mit den bestimmten Zahlwörter«
werden die persönlichen Pronomina gern im Geni
tiv verbunden, es sind unser zehn, wir sind
an der Zahl zehen , es kamen ihrer vier. So
auch mit einigen unbestimmten. N?ie viel sind
euer? Unser sind viel, wenig, Mehr; un
ser aller Murrer. Unser einer, d. i. eine
Person unsers oder meines gleichen, gehöret in das
gemeine Leben. Mit kein ist der Genitiv im Hoch
deutschen nicht fo üblich, unser keiner, keiner
pon uns« > . ; z..'. , >, m-?'«:.l. ... . - .'
42Z i . Theil. 4. Abschnitt. Syntax.

§. 641. Das Reciprocum sich wird niemand


leicht mit dem persönlichen Pxonomine der dritte«
Person verwechseln, wenn man nur bedenkt, daß
jenes gebraucht wird , so oft daS Subject und der
Gegenstand des Verdi eine und eben dieselbe Person
sind: er bildet sich ein, nicht ihm, sie nah«
wen es sich, nicht ihnen. So bald aber beyde
verschieden sind, stehet das persönliche: er nahm
sich nichts, sondern dach, daß man es
ihm geben sollte, wo im letztern Falle beyde
verschieden sind. So auch, er rhat es, mir
der ihm eigenen Herablassung, eigentlich,
Mit der Herablassung, welche ihm eigen ist, «0
beyde wieder zwey Dinge sind. Wenn einander
Oir sich gesetzt werden kann, ist bereits §. 446.
bemerket worden.
§. 642. Da die persönlichen Pronomina in
den Casibus obliquis zugleich relativ sind, und
einen Ausspruch auf die vorhex genannte Perft»
zurück führen, so ist man oft ungewiß, ob man ei«
persönliches Pronomen der dritten Person oder He
Hetexminativen derselbe, selbiger und solcher
gebrauchen soll. Doch trifft dieftr Zweifel nicht
so wohl das Subject der Rede, als welches all«
mahl durch ein persönliches Pronomen angedeutet
wird, es sey nun eine Person, oder eine Sache,
obgleich im letztern Falle auch oft ein Determinat«
vum statt finden kann , als vielmehr , wenn noch
ein Substantiv vorhanden ist, auf welches das
Pronomen gleichfalls gezogen werden kann , «0
man, wenn Mißdeutung zu besorgen ist, lieber
ein Determinativ«« gebraucht: z. B. nun ««iß
i. Kapitel. 5. Pronomina. 429

ich, warum sie sie so sehr lieben', wo das


«sie sie auf das Subject des Satzes gehet, das
zwevte aber auf ein anderes Substantiv / daher
man hier, sowohl«« der Deutlichkeit, als um
des Wohlklanges willen, lieber selbige oder die
selben setzet. In andern Fallen hebet man die
Zwevdeutigkeit durch dieser, jener , oder durch
der ersrere , der letztere. 1
!. H 64z. Da es der neuem Höflichkeit noch
Nicht genug ist, eine andere Person im Plural mit,
sie anzureden , so wählet sie gegen Vornehme oft
das determinative dieselben , hochdieselbön,
höchstdieselben , u. s. f. da es denn im Dativ,
noch denenselben für denselben lautet, dieses
Ken haben mir befohlen. Dürften dergleichen.
Arten des Ausdruckes nach den Regeln der Gramf-
ttatik beurtheilet werden, fo wären sie freylich zu
verwerfen ; allein da der Curia! - Styl sich daran
nicht bindet, fo dürfen wir uns auch nicht weiter
dabey aufhalten.
§. 644. Das unbestimmte es wird im Dent«
schen fehr häufig gebraucht, i. einen Ausspruch
auf ein Substantiv sachlichen Geschlechts zurück zu
führen, in welchem Falle es im Genitiv seiner,
im Dativ ihm und im Accufativ wieder es hat,
(S. §. Z4Z.) das Gewitter ist vorbey, ich'
sehe es nicht Mehr; 2. Ein unbestimmtes und
unbekanntes Subject zu bezeichnen, es blitzt, (S.
die unpersönlichen Zeitwörter, §. 448. f.) z. Ein
bestimmtes Subject unbestimmt anzukündigen, es
ist noch nichc Liebe, wenn man andern
Gutes wünscht, er ist es, den ich suche;
4zo i.Tßeil. 4. Abschnitt. Syntax.

ja einen jeden Satz unbestimmt anzufangen, um


ihn desto bestimmter zu endigen, da denn dasSul»
ject hinter das Berdum tritt, <s sind nurRiw
der, es lebe der Äaiser! es tanze, wer
da will. In den beyden letzten Fällen wird eS
nur allein im Nominativ gebraucht. Man vm
meide die unnöthige und den Wohlklang beleidi
gende Widerhohlung dieses es : sie müssen mir
es erlauben, es ihnen zn sagen, daß ich
«s nicht glauben kann. > ^ '''

Von den poMivenPronominibus.


§.645. Die concreten Possessiv« stehen, wenn
sie ein Substantiv bcy sich haben, vor demselben
und folgen demselben in dem Geschlechts und der
Sahl, es .hac seine Richtigkeit, die Sache
Mc ihre Richtigkeit. Vater unser füruns'
ser Vater ist eine buchstäbliche Übersetzung des
?arer notter. Oft folgen sie , so wie die persöm
lichen, bey Personen.Nahmen sSchlichen GeschlechtS
dem natürlichen Geschlechte der Persoven, das
arme Mädchen, trockne ihr ihre Thr«-
ab, für ihm seine.
§. 646. Mehrere mit und verbundene Subt
fiantive eines Geschlechtes, allenfalls auch wen«
eines ein Maskulinum und das andere ein Neu
trum ist, können mit einem Possessivs zufrieden
seyn, mein Leben und Vermögen, mein
-Haus und -Hof; in andern Fällen muß das
Possessiv«« wiederhoblet werden, euer Lebe«/
und eure Ehre.

, §. 647.
' i. Kapitel. 5. Pronomina. 4z i

ß. 647. Da der Genitiv des Hauptwortes!


bereits den Besitz andeutet, so darf demselben nicht
erst ein Possessivum folgen, unsere Vaters
Freude, nicht seine Freude. Auch nicht, wenn,
der Genitiv unkentlich ist, Frau ZlVolf ihre
Töchter, besser die Töchter der Frau N?olf.
Auch nicht gern , wenn sich das Pronomen «Uf ein
vorher gehendes Substantiv beziehen soll, dicß
Äeyworr ist noch wählerischer als Ho
mers seines, Gell, besser als das des Ho,
mer, oder noch Kesser, als Homers ZZeyworr.
§. 648. Eben so antwortet man auf die,,
obgleich im Hochdeutschen seltene Frage, mit dem
Genitiv, wessen ist der Hut? nur schlechthin/
mit dem Genitiv meines Druders. Muß mit
einem Pronomine geantwortet werden, so heißt
es vollständig, es ist mein Hur, oder im ge
meinen Leben auch verkürzt, es ist meiner, oder
noch kürzer meiner. Aber auf die Frage wem
gehöret der Hur? kann nicht anders als im
Dativ geantwortet werden, mir, ihm, u. s. f.
K. 649. Vor den abstrakten Titel, Wörtern
Majestät, Hoheit, Gnaden, iLrcellenz
u. s. f. sollte billig Euer oder iLw. in unmittel
baren Aureden stehen , Seine oder Se. wenn
man in der dritten Person von männlichen Personen
spricht, Ihro oder Ihre, in der dritten Person
von weiblichen Personen, und Ihre im Plural
von mehrern Personen. Lw. Majestät geru
hen; Se. Majestät (der König ) haben be
fohlen; Ihre Majestät (die Königinn,) sind
zusgefichren; Ihre Majestäten (der König
i.Theil. 4. Abschnitt. Syntax.

«nd seine Gemahlinn,) werden kommen. Alleiit


fast jeder Hof hat hier seine eigene Grammatik,
«elcher ma» folgen muß. Von dem Ihrö S.
auch §. Z56.
S. 650. Da mehrere Substantive eines 6«
schlechtes in einem Satze vorkommen können, s»
wird es osk«ugewiß, auf welches das Posseffivm
der dritte« Person gezögen werden soll, daher man
zu Vermeidung der Mißdeutung statt desselben de«
Genitiv- «s Determinativ! dessen oder Vereng«
braucht. Man merke davon, l. Das Subject
der Rede bekommt allemahl das Possesfivu«! er
büße sein Verbrechen, hier ist man sein eig«
Ner ^>err. Auch ein anderes Substantiv, «ex«
keine Verwechselung Mit dem Subjecte zu bessrs
gen ist: noch sah ich Edmunds Geist auf
seinen Lippen schweben ; alles was seiner
Glückseligkeit! in ihrem Laufe entgegen
stehet. Z. Ist Mißdeutung zu besorgen/ ssb»
kommt das nächst vorher gehende Substantiv des«
sen oder deren t wer Gsrr liebt hält dessen
Gebsrhe, wo seine auf das Subjeet wer gezo<
gen werden könnte; Cajus vertrauet demSv
len alles an , weil er von dessen Redlich
keit überzeugt ist; Tirius meldet seinem
Freunde, er habe seinett Garren verkauft,
wenn es Titit* Garten ist, aber Vessett, wen« es
das Freundes Garten ist; es kam ein Schill
und man schickte einencOfficier an dessen
Bord ; der Hochbochsmann ist dem Schis'
fer untergeordnet, und vertritt dessen
Grelle in dessen Abwesenheit, wo sein auf
^ de»
i. Kapitel. 4. Pronomina. 45z

den Hochbotsmann gezogen werden könnte. Aber,


er verlor den Freund, der ihn mir seinem
Rache unterstützte, wo der Mißdeutung schon
durch das ihn vorgebeuget ist. 4. Leblose Dinge,
besonders sächlichen Geschlechts, bekommen anch
außer diesem Falle in der edlern Schreibart oft
dessen oder dasselbe: das ist ein schönes
Haus, wer ist dessen Besitzer? oder der
Besitzer desselben ? man harre das Schloß
geplündert und dessen Thore abgebrannt;
die Außenlinien des Rörpers stellen unfern
Augen dessen Gestalt vor.

c. Demonstrative Pronomina.
§. 651. Dieser, der und jener zeigen
gleichsam mit Fingern aus einen Gegenstand , wo-
bey dieser den nahern, jener aber den entfern
tem Gegenstand bezeichnet, Beyde können so wohl
vor ihrem Substantive stehen , als auch in Bezi«
hung auf ein vorher gegangenes: wie angenehm
düster diese schöne Blume! meide das La«
ster, denn nur dieses kann dich unglück
lich machen. S. §. z6l. Jener stehet auch
häufig für das determinative derjenige: ich nei»
Fe mich mir Ehrfurcht gegen jenes N?e,
sm, dessen Güte unendlich ist.
K. 652. Alle drey können auch durch einen
kurzen Satz von ihrem Substantive getrennet wer«
den, diese einer andern Belohnung würdi«
Fe Tugend; nur durch keinen Genitiv, jene
der Sachen Beschasfenheic. Der Genitiv
dieser Pronominum mit Verschmelzung ihres Sub-
Ee sian,
4Z4 1. Theil. 4. Mschttltt. Syntax.

fiantivs klingt in den meisten Fällen zu hart, die


ser Thorheit ist erträglicher als jcner lVeis«
heir. Vorzeiger dieses, den vierten dieses
sind im gemeinen Leben gangbar.
§. 65z. Die Neutra von dieser und der
stehen oft absolute für alle Geschlechter und Zahlen:
sind dieß oder das die Männer, die uns
Weisheit lehren sollen? alles das sind
Thorhejten. Sie hinter dem Substantive ?!s
Adverbia zu setzen, macht Mißklang t die Sache
ist die, die Geschichte ist diese. Verste
het am häusigsten für dieser, nicht selten aber
auch für jener: man trägt sich mit der und
jenen Sage; wenn ,man allein ist, sodenkc
man an dieß und das ; 0 wie flarrerc er
umher, bald zu dieser bald zu der ! Weiße.
,S- auch 5. Z64, f. Um eines besondern Nachdruckes
«Villen kann ein Demonstrativ«« auch gleich hinttt
seinem Substantiv stehen: Orbil! der soll«
hierseyn? aber nicht, die erste ZVelt, die
hat das Feld nicht können bauen.
§. 654. Wenn drey Substantive durch D«
monstrative zurück gerufen werden sollen, so be
zeichnet dieser das nächste, der das mittlere, und
jener das entferntere. Sind ihrer mehr als zwev,
so müssen sie durch die Ordnungszahlen der erste
u. s, f. bezeichnet werdm.

ä. Determinative Pronomina.
§. 655. Diese werden auf gedoppelte Art ge«
braucht: r, bestimmen sie das Subject, auf «eb
ches der folgende Satz gezogen werden soll, der
M
i. Kapitel. 4. Pronominä. 435

alsdann durch eines der folgenden Relativen «uf


das Subject zurück geführet wird ; welches vor,
nehmlich derjenige, derselbe,^das verkürzte der,
und solcher thun wie glücklich sind döch
die, welche nichr mehr erwachen; ver,
zeihe es denenjenigen, welche Schuld da,
ran sind : oder 2. sie führen den Satz selbst auf
das Subject zurück, doch mit mehrerer Beftim,
mung, als die folgenden Relativ«, fast wie öie De
monstrativ« ; welches derselbe, der und selbiger
thun. S- auch §. z68. f. -
§. 656. Wenn das zu derjenige und der
gehörige Substantiv noch ein Possesstvum vor sich
hat, so bekommt es entweder eine Präposition,
oder es stehet im Genitiv: die, oder diejenige«
meiner ehemahligen Freunde, oder unrer,
von meinen ehemahligen Freunden, wel
che u. s f. Derjenige stehet allemahl im Vorder,
satze, und erfordert ein Relativum nach sich, alleitt
derselbe kann auch im Nachsatze stehen , und sich
auf ein vorher gehendes Substantiv beziehen: das
Unglück ist groß, wer hac Much dasselbe
zu ertragen? Wo es denn so wie der oft für
die Possessiv«» der dritten Person gebraucht wird,
S. dieselben!
657. Das determinative der, welches mit
dem vorigen Demonstrativo und dem folgenden
Relativo nicht verwechfelt werden muß, (S.§.z6S.)
wird auf beyderley Art gebraucht, und zwar so
wohl conjunctive als absolute, aufweiche letztere
Art doch der weibliche Genitiv der Einheit deren
oder verkürzt, der, vermuthlich um der Iwevdeu,
Ee 2 tigs
4z6 i. Theil. 4. Abschnitt. Syntax.

tigkeit willen, nicht gebraucht werden kann; nicht,


sie ist die Tochter der oder deren , welche
wir gestern sahen, sondern der Frau, ob
man gleich ganz richtig dessen für des Nlannes
sagt. Im Nachsatze nach wer kann eSauchoftweK
gelassen werden : wer reich werden will, fallr
in Versuchung.
§. 658. Selbiger, bestimmt um des D
lenden Artikels willen , nicht so genau, als dw
selbe, und kann daher nur im Nachsatze in Bes
ziehung auf ein vorher, gegangenes Substantiv zv
braucht werden, zur selbigen Zeit; da es venu
auch oft für das persönliche Pronomen stehet, js
wie die Vögel ankamen, fing man selbige
weg , befonders wenn zwey auf einander folgende
sie einen Mißklang machen würden, so singen
sie selbige weg.
§. 659. Solch wird M4 zweyerley Art ge
braucht: r. im Vordersahe, so wohl mit dem stäu
kern als schwächern Nebenbegriffe der Vergleichung,
da es denn als nach sich hat: solche ZlVerke,.
als diese sind; er ist kein solcher N?ann,
als du glaubst. 2. Im Nachsatze, in Bezie?
hung auf ein vorher gegangenes Substantiv , vm ,
welchem es zugleich die Art und Weife bezeichnet.'
von solchem Rampfe ward mein Herz gt- ,
foltert, er ist auch ein solcher. Der unbestimmte
Artikel kann auch hinter demselben stehen, in welchem
Falle es aber die Concretions-und Biegungsfylbe vm
lieret, solch ein Mann, solch eine Helden-
rhar. Aber solch schönes U?etter, solch
gutes Deutsch , für solches oder das bloße so
i. Kapitel. 4 Pronomina. 437

ret in die Sprache des gemeinen Lebens. Ein Feh


ler ist es, wenn es ohne alle Bezeichnung der Art
und Weise für selbiger oder gar für ein persönliches
Pronomen gesetzt wird : man bestraft die Fehs
Kran de» Rindern, damir sie solche (sel
bige) nicht wieder begehen; Cajus ist zwar
angekommen^ aber es will solcher (er will)
weiter reisen. S.auch §. 372.

e. Pronomina Relativ«.
§. 660. Wenn ein Relativum ein PrZdicat
auf zwey oder mehr Substantive zurück führet, so
siehct es allemahl im Plural, Weisheit und
Tilgend sind es, welche uns glücklich ma
chen. Es, wenn die Substantive Sachen bedeu-
tm, nur auf das letzte zurück zu führen, ist zwar
ungemeinen Leben gewöhnlich, aber nicht nachzu
ahmen, die Sradc und das Land, welches
du verwüstetest. Wenn ein Prädicat auf eine«
ganzen Satz zurück gcführet werden soll, so stehet
das Relativum tm Neutro, welches zu erwei
sen war.
§. 661. Welcher ist der feverlichen Rede
m angemessensten, der der kürzern vertraulichen ;
«ur statt des Genitivs in beyden Zahlen wird der voll-
Endige Genitiv von der gebraucht, der Vor
zug, dessen er so würdig ist, die perso-
len, deren w!r erwähnten. Auch, wenn
in persönliches Pronomen zurück gerufen werden
oll, kann nur der gebraucht werden, der du
nie Allmacht dieses Clement beherrschest,
«aml. ihr die ihr im Überflusse lebt. S. auch
Es, Z §. z/5- f
4?8 i . Theil. 4. Abschnitt. Syntax. >

H, z/5- f. Wenn hingegen auf das Pronomen uns


Mittelbar der gleichlautende Artikel folgt, so wird
«m des Wohlklanges willen auch in der verrraulis
chen Sprechart lieber welcher gebraucht, die
Sradr, welcher der Rönig diese. Freiheit
verlieh/ für der der Röntg.
S. 66s. Da der gleichlautende Nominal
und Accufativ von welcher und der oft ZweO
deutigkeiten verurfachen können, fy müssen selbige
vermieden werden: die Truppen, welche die
Seindeverfolgcenz dieFremde,die dieNach-
barinn sähe, oder welche die Nachbarinn
sähe; wo ungewiß bleibt, welches der thcttigeund
welches der leidende Gegenstand ist, welche Unbe
quemlichkeit leicht durch das Passiv«« gehoben
werden kann. , .
§. 66z. Den Relativen, besonders de«
welcher zu desto genauerer Bestimmung noch ein
als vorzusetzen, ist in den meisteri Fällen unnöthiz,
und macht die Rede nur schleppend, die vier er
sten Gedichte, als welche anfänglich zu
erst heraus kamen. Ein Relativum vor Zw
pergtiven zu setzen , ist wider die Natur der De»"
scheu Sprache, welches siehe.
§. 664. Wenn sich daS Relativum der, (S.
§. z/6.) auf wer beziehet, so kann es, wenn es
das Prcldicat anfangen sollte, auch oft verschrw
gen werden, wer reich werden will, M
in Versuchung. Wenn es aber zugleich mehr
demonstrativ ist, so kann es nicht wegbleiben, N'tt
da will selig werden, der «. f. f. Von
«std so S. §. Z78, Z79.
i. Kapitel. 5. Verbum. 439

f. Fragende Pronomina.
§. 665. Von diesen ist das nöthigsie bereits
§. z8r. f. gesagt worden. Man merke nur noch,
daß in dem Casu, in welchem gefragt wird, auch
geantwortet werden müsse: wein gehöret die
ses Haus ? Antw. mir oder unserm Freunde.
Nur wenn mit dem Verbo seyn und dem Dativ
oder Genitiv gefragt wird, wovon doch der erste
Hall nur im gemeinen Leben , und der letzte im
Hochdeutschen nur selten vorkommt , kann > wenn
die Antwort «in Pronomen angibt , nur das Ad-
derbium eines Possessivi stehen : wem oder wes
sen ist die Uhr? Antw. sie ist mein.

5. Gebrauch des Verbi.


». Gebrauch der Personen.
§. 666. Die Deutsche Conjugkition bezeichnet
die drey Personen des Subjektes nicht allem Hins
ten am Ende des Verbi, sondern auch vorn durch
die Pronomina, welche daher in der ersten und
zweyten Person nicht weggelassen werden können,
wohl aber in der dritten, so bald das Subject dies
ser Person genannt ist: ich fliehe, du rasest;
aber Arist dichter, der Wind brauset. Es
in der ersten und zweyten Person wegzulassen, auch
Wenn das Subject durch ein Suhstantiv genannt
wird> ist wider die Natur der Deutschen Sprache :
armer Sperling, hast gemacht, daß mir
die Augen roch geweinet habe. Außer allen
falls, wenn das Pronomen durch eine Apposition
von dem Verbo getrennet wird: ich, armer
Ee 4 Mann,
44o i. Theil. 4. Abschnitt. Sytttax.

Mann, habe ihn so lange vergebens gv


suchr; du, himmlische ZVeisheir, hast
mich bisher geflohen. Stehet aber das von
her gehende Pronomen in einem andern Casu, so,
ist die Wtederhohlung nothwendig :' für mich,
der ich dieses Anblickes gewohnt war.
§. 667. Es gehöret mit zu den Blumen der
Mode, Höflichkeit, wenn man in Briefen a«Hö>
here das Pronomen der ersten Person , wenn es
hinter dem Verbo stehen sollte/ aus Bescheidenheit
Verschweiget: Denenftlben habe hiermit Niel,
den wollen; Ew. Exccllenz kann hiermit
versichern. Welches man ohnehin wohl nicht
leicht wagt, wenn es vor dem Verbo stehet. Nur wenn
zwey und mehr Verbs in einem und eben demseb
ben Satze zu einer Person gehören , da kann das
Pronomen , wenn es cinmahl gesetzt worden, die
folgenden Mahle verschwiegen werden : weil du
nichts rhust, beständig müßig gehest, im
mer rändelst, und stets außer dir bist, so
kannst du auch nichts vor dich bringen;
wo es in dem Nachsatze wieder nothwendig wird.
Auch wenn zwey Sätze durch und und oder vc«
Kunden werden, und das Verbum unmittelbar
darauf folgt: wagst du es, und willst, daß
ich es chun soll, wo es aber auch stehen kam,
und willst du u. s. f. und stehen muß, wen» es
von der Partikel getrennet ist, er wagt es, und
vermurhlich wird er glücklich seyn.
5- 66z. Das unbestimmte es kann, wen»
daS Subject bestimmt ist, oft verschwiegen wer
den, in welchem Falle aber das letztere vor das
Zeit,
5. Kapitel. 5. Verbum. 44»

Zeitwort tritt: es lebe der Rönig, oder der


Rönig lebe; es spricht derUnweisenMund,
oder der Unweisen Mund spricht. Besonders
bey solchen unpersönlichen Zeitwörtern , welche alö
Rniproca gebraucht werden : mich frieret, uns
gelüstet, davor grauet ihm; für es frierer
mich, es gelüstet uns, es grauer ihm da
vor. Jngleichen in Fragen, gelüstet dich?
vder gelüstet es dich ?
§. 669. Der Imperativ läßt in der zweyten
Person, weil sie ohnehin schon bestimmt genug
ist, das Pronomen weg : gehe hin und chue
desgleichen ; suchet so werdet ihr finden.
Welches doch um des Nachdruckes willen, und wenn
mehrere Personen zu unterscheiden sind , stehen
muß: wenn er es nicht haben will, so
nimm du es. Die dritte Person hingegen kann
das Pronomen nicht entbehren : guter Freund,
komme er her ; meine Herren, lassen sie es
sich gefallen.
b. Gebrauch der Zahlen.
§. 67«. Ein Verbum, welches sich nur auf
«in einzeles Subject beziehet, kann nie im Plural
stehen. Eine Ausnahme macht auch hier die mo<
dische Höflichkeit, welche alle Personen von glei,
chem und höherm Stande nicht nur im Plural anre«
det, wehrter Freund, besuchen sie uns;
sondern auch von Höhern in der dritten Person
im Plural spricht, der Herr Graf haben be<
fohlen.

Ee5 §' 671.


442 i, Theil. 4. Abschnitt. Syntax.

§. 67!. Wen» sich ein Verbum auf zwey


oder mehrere Subjecte der dritten Person beziehet,
so stehet es im Plural: die Rose, die Nelke
Und die Hyacinche sind doch die schönsten
Blumen. Eine Ausnahme macht nur die R«
chenkunst, welche hier oft den Singular braucht:
eins und zrvey ist drey, dreymahl vier ist
zwölfe.
§. 672. Wenn die mehrfachen Subjecte zu,
gleich verschiedene Personen find, so ziehet man die
erste Person per zweyten , und die zweyte der drits
ten vor: du und ich wissen das nichc, ich
und er werden das nichc einsehen lernen,
du und er werdet das nichr erfahren. Jus
weilen laßet sich das Pronomen der Mehrheit
schicklicher voran setzen: wir, ich und Arist,
haben dich lange gesucht; ihr beyde, du
und Arist, werdet das uichc erfahren.
Wenn das Verbum voran stehet , so pflegt man
es im gemeinen Leben auch wohl nach dem nach-
sten Pronomine zu beugen: das muß er und
sein Bruder wissen, besser das müssen sie/
er und fein Vvuder wissen; wenn wirst
_du und Sophrsnius kommen? besser, wenn
werdet ihr, du und Sophrsnius, kom,
men ? oder wenn wirst du mir dem Sophrw
nius kommen? -
c. Gebrauch der Zeiten.
§. 67z. Das Präsens druckt eigentlich die
gegenwärtige Zeit, das Präteritum die vergangene,
und das Futurum die künftige aus, allein nicht so
genau,
i. Kapitel. 5. Verbum. 44z

genau, daß nicht oft eines für das andere gesetzt


werden könnte. So stehet das Präsens oft anstatt
des PrSteriti : ihr Hörer es ja, daß ich mich!
nicht dazu zwingen lasse, für ihr habt es
ja gehöret; ingleichen an statt deS Futuxi, ich
reise morgen nach Verlin, ich bin bald
wieder hier, wenn du wieder zurück
kommst. Zuweilen wird auch das Futurum an
statt des PrSsentis gebraucht, ich hoffe, er wird
schon da seyn.
§. 674. Besonders' pflegt man in lebhafte«
Erzählungen , um den Vorgang dem Zuhörer alS
gegenwärtig darzustellen, gern das Präsens a«
statt des Jmperfecti zu gebrauchen :
Bedenk es nur einmahl, ich schenk ihm
jüngst ein Band
Und knüpf es ihm dazu noch selber um
die Hand,
Und gestern seh ich gar, u. s. f. Gell.
Welche Form doch theils der vertraulichen,
theils der mcihlerischen und dichterischen Erzäh-
lungsart angemessener ist, als der ernsthaften histo,
rischen , welche auf keine Weise täuschen muß.
675. Wenn eine Frage schlechthin b«
jäher oder verneinet wird, so muß in der Ant-
wort das Tempus der Frage beybehalten werden :
sind sie schon in Berlin gewesen? Antw.
ja, sie sind schon da gewesen; nicht, sie wa,
reu schon da. In andern Fällen finden frey
lich andere Zeilen statt: ist er schon wegge
gangen? Antw. ex ging eben jeyr weg; wo
444 i.Theil. 4. Abschnitt. Syntax.

die Antwort vollständiger lauten müßte, Nein,


aber er ging eben jetzt weg.
§. 676. Der Unterschied der drey verschiede,
nen Stufen der vergangenen Zeit, folglich des
Imperfecta, perfecti und plusquampers
fecti ist bereits §. 410. angegeben worden. Das
perfccrum wird von einer jeden vergangenen
Veränderung gebraucht, wenn sie für sich allein,
und ohne Beziehung auf eine andere Veränderung
als vergangen vorgestellet wird, jetzt hac die
Luft ihre balsamischen Gerüche verloren,
ihre Heiterkeit ist in Nebel und feuchte
Wolken entwichen, die Schwalbe ist vw
schwunden und die Melodie der Vogel
verstummt.
§, 677. Das Imperfect wird gebraucht,
eine Handlung zu bezeichnen , welche erst als kurz
vergangen bezeichnet werden soll, oder auch noch
nicht völlig vorüber ist, wenn die andere anfangt;
daher wird es in Erzählungen am häufigsten ,'ge>
braucht, und ist das wahre Tempus Historie
_ cum der Deutschen : die Sonne fing an, die
letzten Stunden des Tages zu beschließen,
als mich ein Freund in seine stille Laube
einlud, wo frische Rühlung aus demGe,
wölbe der Blätter siel. Die ganze N«
rur lächelte in dem Wicderscheine des
Purpurs umher, der von dein westlichen
. Himmel glänzte, u. s. f.
§. 678. Das plusquamperfect stehet,
wenn eine Veränderung als völlig vergangen gv
dach!
i. Kapitel. 5. Berkum. 445

dacht wird , wenn sich die andere anfangt.- votl


dm Sommerblumen, in deren Schoß
der müde Schmetterling schon einge«
schlummert war, hauchte uns ein kühler
N?ind angenehme Düfre entgegen; immer
tiefer ward die Stille, alle Sänger wa-'
ren verstummt, die mir ihrer Musik die
Anmurh des Landes vermehrten. — Herr
zweyerÄwigkeicen,wovon die eine vergan
gen war, ehe sich des Engels Ewigkeit
angefangen hatte. So auch im Conjunctiv:
wenn der Friede diese Fluren verlassen
harre, wie einsam würden nicht unsere
Sommerhäuser stehen.
§. 679. Da es dabey oft bloß auf die Vor-
siellungsart ankommt , in was für einem Verhält
nisse man eine Veränderung gedacht wissen will,
so kann in einem Falle oft mehr als eines der ver
gangenen Zeiten statt finden : dein -Herz ward
bloß darum so rief gebe ugec, damit es seine
wahre Stürze sollte kennen lernen; wo auch
das Perfectum stehen kann.
§. 6zo. Überhaupt pflegen die edlere und hö
here Schreibart, wenn die obigen Verhältnisse nicht
zu merklich hervor stechen , das kürzere Jmperfect
zern den zusammen gesetzten Zeiten des Perfecti
lind Plusquamverfecti vorzuziehen: fühle die
roße N?ahrheir, welche die Nacht des
cidnischen Irrrhumes zerriß, für zerrissen
M; vielleicht, ach! raubte man mir mit
Äewalt sie nie/ für das Plusquamperfekt.
§. 68r.
446 i. Theil. 4. Abschnitt. Syntax.

§. 68r. Das Futurum sbsolutttm wird


gebraucht, wenn eine Veränderung überhaupt und
ohne alle Beziehung als künftig bezeichnet «erden
soll: bald wird der Frühling kommen;
wenn werde ich ihn wiedersehen? wenn
Felsen zerschmelzen, und Gebirge ver<
schwinden werden , dann werden diese ih<
ren Gchay kennen lernen. Das Futurum
eractUM aber, wenn die eine Veränderung be?
dem Anfange der folgenden als völlig vergangen
vorgestellet werden soll: wenn mein Gebein
langst wird verweset seyn, dann werden
die ZVelren alle vergehen.
ö. Gebrauch der Modörum.
§. 682. Die Modi bezeichnen die Art, «it
das Prädicat von dem Subjekte gesagt wird. Wird
es als wahr oder gewiß von demselben gesagt, so
stehet der Indicativ, wenn es aber nicht
Mit völliger Gewißheit gesagt werden kann oder sell,
der Conjunctiv , welcher daher nach allen Ven
bis und Partikeln gesetzt werden muß, welche einen
noch ungewissen oder zweifelhaften Erfolg bedeuten,
Dahin gehören die Verba, welche ein Bitten,
Rathen, Ermahnen, Wünschen, Scheinen, B«
fehlen, Wollen, Bedingen, u. s. f. bezeichnen,
weil der Erfolg derselben immer noch' zweifelhast
und ungewiß ist: es wäre zu wünschen/ daß
wir mehr mir den Sitten als mit der
Macht Frankreichs Äricg führen moch<
ten , wo, wenn der Vordersatz mit mehr GewA
heit gesaget werden soll , eS auch heißen, kann , es
i . Kapitel. 5. Verbum. 447

ist zu wünschen ; ach , er liebe mich nur


wie vorher! es schien, als wenn alle um
sere Rrafte waren verjünget worden; eine
ganze Schaar Vögel fing an ztt schlagen,
als wenn sie sich vereinigt harre,, uns zu
begrüßen ; ich befehle dir, daß du kommest.
§. 68z. Wenn daher der Conjunctiv Mit
gewissen Conjunctionen verbunden wird, so rüh
ret derselbe nicht so wohl von der Conjunction, als
dielmehr von dem noch zweifelhaften Erfolge des
ganzen Ausspruches her. Dergleichen Conjunction
nen sind daß, »damit, wenn, als wenn,
U. s. f. doch nur in den schon gedachten Fällen
des ungewissen Erfolges: ich melde dir sob
ches, damit du dich darnach zu richten
wissest; ichbesorge, daß er stolz werden
möchte; wenn er kommen sollte; ich bin
nicht würdig, daß du unter mein Dach
eingehest. So bald aber das Prcidicar als ge
wiß dargesiellet wird, erfordern sie auch den Indien
tiv: ichsthe, daß crkommt; daß er g«
lehrtest, habe ich lange gewußt; sie b«
rhec bloß darum so fleißig, damit der
Himmel wieder erkenntlich seyn soll; wo,
her weißt du, daß er rodr ist?
§. 684. Dahin gehöret auch der Fall, wenn
man den Inhalt seiner Rede, oder der Rede eineS
andern anführet, so fern man dabey gleichfalls
die Wahrheit unentschieden lasset, die Anführung
mag übrigens mit daß oder ohne dasselbe gefche?
hen .- ihr habt ja immer gesagt, daß er ein
vernünftiger Mann sey; ich bewies ihm,
448 i. Theil. 4. Abschnitt. Syntax.

daß er verbunden sey, zu gehorchen; wir


antworteten, daß dieses statt haben könne.
Indessen kann auch hier der Jndicativ stehen, wenn
der angeführte Satz als ausgemacht prädicirt wird:
sage ihm, daß er ein Thor ist.
§. 685. Da das Berdum wissen allen Zwei
fel ausschließt, so wird nach demselben der Conjunu
tiv oft unrichtig an statt des Jndicotivs gesetzt:
ich dachte ihr Vormund sollte am besten
wissen, wie hoch sich ihr Vermögen be,
liefe, Gell, besser beläuft; nun, man soll«
denken, ein fünfzigjähriger Mann sollte
wohl wissen, was ein Glück wäre, eben
ders. besser ist; er geht, ich weiß fürwahr
nicht, was die Ursach sey, eben ders. besser
ist. Hingegen sagt man ganz richtig, ich wußre
es lange, daß er kommen würde; ich
möchte doch wissen, was er mir zu sa
gen hätte.
§. 686. Eben so fehlerhaft ist. es, wenn
man um mehrerer in einer Periode vorkommender
Conjunctiven willen, auch den Satz, welcher mit
Gewißheit prädiciret werden soll, in den Conjunc/
tiv setzt: es würde sehr gemein lassen, wenn
man nichts anders sehen wollte, als was
durch eine natürliche Folge aus einander
flösse, besser fließt; sprich, warum käm,
(kommt) er nicht, wenn er beständig
war? Gell, er hat mich versichert, daß er
ein scharfsinniger Mensch wäre, und
mehr Bücher gelesen hätte, als Gründen
im Jahre wären, (sind,) eben ders. wo zu
gleich,
i. Kapitel. 6. Verbum. 449

gleich, so wie in den meisten der vorigen Bey«


ß,tele, das Imperfektum irrig an statt deS Pra-
fentis stehet.
§. 687. Hingegen ist es oft gleichgültig, wel
cher Modus gefetzt, oder wie das Prädikat von
dem Subjekte gefügt wird: freue dich/, als ei,
ner, der da weiß, daß die Berrübniß sich
zur Freude erheben könne, oder kann;
sollte m«n es ihm wohl ansehen, daß er
zornig seyn kann, oder könnte? der Spie
gel erinnert mich, daß es Feit sey (oder ist,)
ernsthaft zu werden.
S. 688. Das Imperfekt des Conjunctivsbe,
deutet nichts vergangenes, fondern etwas ungtt
Misses theils gegenwärtiges theils zukünftiges, da,
her es in dem erster« Falle oft für daS Präsens des
Conjunctivs stehet: er behauptete er wäre es
Nicht; ich bach, daß er kommen möchte;
wenn er es doch chare ; und scheute sie
uns nicht, sie gab ihm selbst den Thron,
Weiße. Nur vermeide man den in Oberfachsem
so gewöhnlichen Fehler, den Conjunttiv des Im-
perfecti an statt des Präfentis des Indikativs zu
fegen : wenn sie wüßte, daß wir von ihrer
Andacht sprächen, Gell.
§. 689. Das Perfertum des Conjunctives
bezeichnet eine geschehene iSache als ungewiß :
man beschuldigt ihn, daß er sich nicht
die gehörige Zeit genommen habe. Das
Plusquamperfekt dieses Modi hingegen deutet an,
d«ß etwas gefchehen wäre, wenn eine andere mög-
Ff liche
450 z.Theil. 4. Abschnitt. Syntax.

ltche Bedingung wäre erfüllet worden : er wäre


ein berühmter Mann geworden/ wenn
er länger gelebr harre ; wir harren unsere
Absichr errelchr, wenn ihr nur gewollt
' hacrer.
§. 6yc>. Der Imperativ wird nicht allein
zum Befehlen und Verbiethen , sondern auch z»r
Aufmunterung , zur Ermahnung, zur Anrede und
selbst zum Bitten gebraucht. Die höhere Schreib
art bedient sich seiner mehrmahls, einen mögliche»
Fall verkürzt auszudrucken; sey ohne Freund,
wie viel verlierr dein Leben, d. i. wenn
du ohne Freund bist.
§. 691. Der Infinitiv prädiciret das PrSdi-
tat ^hne Bestimmung einer Person, und griinzt
unmittelbar an das Substantidum. Man ge-
braucht ihn , so wohl zur Ergänzung des unselb
ständigen Prädicates solcher Verborum, welche
nur einen allgemeinen Umstand bedeuten, ich
will gehen, ich soll reisen, davon im folgen
den Abschnitte, als auch als ein Substantiv««,
so wohl mit als ohne Artikel, im letztem Falle doch
nur im Nominativ und an statt des Snbjectes:
eine Gottheit glauben ist der Freude An,
fang, eine Gottheit lieben, ist der Freu
de völlige Reife. Wenn er im .Accusativ zu
stehen scheinet, das nenne ich schlafen, so ge
höret er zu dem erstem Falle, davon im folgende»,

e. Gebrauch der Hülfswörter. '


§. 69s. Die Hüllwörter sind in den zusam
men gesetzten Zeiten das wahre undeigyitlicheBer-
.', . dum,
i. Kapitel. 6. Verbum. 451

dum, daher man sie nicht verschweigen sollte, süßer,


wenn mehrere mit einander verbundene Verba ei,
ner Zeit, Person und Rection einerley Hülfs«
wort haben sollten : Dinge, welche ich weder
gesehen, noch gelesen, noch gehöret habe;
Schönheiten, deren Reiye das Alter nicht
Vermindern, sondern vielmehr vermehren
wird; ich habe gesehen, daß einige da
durch sind gßrührec, andere belehret wo«
den. Die Fälle, wo die Zusammenkunft mehrerer
Hülfswörter Mißklang und schleppende Dehnung
verursacht, lassen sich bey ein wenig Geschmack
und ilbung leicht vermeiden.
§. 69z. Außer diesem Falle können die HülfS,
Wörter haben und seM, wenn sie hinten stehen
sollten, und die Deutlichkeit nicht zu sehr leidet,
nur in der höhern und dichterischen Schreibart, um
der kernvollen Kürze weggelassen werben ihr alle,
die ihr die Unbequemlichkeiten des Win«
ters getragen, und euch in eure Woh
nungen verschlossen gesehen, vergeßc nun
die Unlust der rauhen Monache.
Der Zwtertachcegeist der Britten,
Der noch den Schimpf empfand, daß Schottland
ihn bestritten, Weiße.
Die seine» Lebens Gift, ihm stets ei» Fluch gewe,
sen, eben Vers.
Doch »a« geschehn, erseyt jeyt keine Reue «jeder,
ebenders.
Das Hulfswort werden kann »iemahlS ver,
schwiegen werden. >.-.
452 i. Theil. 4. Abschnitt. Syntax.

§. 694. Man vermeide den in manchen Pro-


vinzen so häusigen irrigen Gebrauch der HAfswött
ter, z. B. ich habe es ihn, gesagt gehabt,
für, ich harre es ihm gesagr; ich hätte es
ihm geben wurden, für ich würde es ihm
gegeben haben; ich habe zu vernehmen
gehabt, für ich habe vernommen.

^'H. Verbindung eines Verhi Mit dem


.- andern.
§. 695. Wir reden hier nur von derjenige»
Verbindung eines Theiles eines Verbi mit einem
andern Verbo, welche in der Absicht geschiehet,
entweder das unvollständige Prädikat des letztern
zu ergänzen , oder zmey Sätze in einander zu zt«
hen, oder einen Gegenstand , eine Art und Weise,
eine Absicht u. s. f. zu bezeichnen. Dazu bedienet
man sich im Deutschen theils des participii, be«
sonders der vergangenen Zeit, theils des bloße»
Inftnitives, theils aber auch deS Infinitive«
mit dem Wörtchen zu.
696., l. Die Z)arcicipza können wie ein
jedes anderes Adverbium mit dem Verbo verbun
den werden, ich fand ihn schlafend, die
Freuden des Lebens sind sparsam gestreuet ;
allein wir bemerken hier nur diejenigen Fälle, w«
rin das Participium Präteriti sich noch von einem
bloßen Adverbio unterscheidet. Es wird gebraucht :
1) Mit den Hülfswörrern haben, seyn und
werden, die fehlenden Zeiten und das fehlendePasib
dum der Deutschen Conjugation zu ersetzen, S.
K. 409. 410. . . . >
" ' > , 2) Mit
i. Kapitel. y.Verbum'und Verb. 45z

2) Mit den Verbis haben wollen und wissen:


ich wollte sie gefragt, geberhen, ersucht ha
ben, ich will ihn nicht geschimpft haben,
welche Form doch nur im gemeinen Leben üblich ist;
das will ich dir gesagt, befohleNDhaben,
er will es bezahlt haben; das wollte er be-
straft wissen, davon wM ich nichts ge-
sagt wissen, u. s. s. Welche Forn, in den mev
sien Fällen eine Zusammenjiehung zweyer Sätze mit
Auslassung des daß ist. ^ r ..
z) Nach dem Perbo kommen, die Axt und
Weise der Bewegung zu/ bezeichnen, «o es in den
meisten Fällen an statt des Particivii Präsentis ste
het : er kommt gegangen, geritten, ge
fahren, gelaufen, gekrochen, da kon«
mm sie angestiegen, da kommt er Herges
schössen, es kam geschwommen. Am häu
figsten in der vertraulichen Sprechart, selten ilt
der edlem, auf zerstückren Bretern kom,
men Rriegesheere angeflogen, Kleist. Die
Abficht warum Man kommt, stehet in dem Infinitiv
Mit dem Wörtchen zu, ich komme ihnen et-
was ZU sagen.
§. 697. 2. Mit dem bloßen Insinitiv werben
verbunden :
1) Diejenigen Verba, welche einen bloß allgqt
meinen Nebenumsiand jeder Handlung bezeichnen,
denen daher die Handlung selbst im Infinitiv bey,
gefüget wird. Diese find: dürsten, können,
lassen, mögen, müssen, sollen, werden
und wollen: er soll gehen, etwas rhun
Ff z dürf,
454 1. Theil. 4. Abschnitt. Syntax.

dürfen, laß ihn machen, ich muß schrei,


den, ich werde kommen.
s) Einige wenige, wo theils der folgende I«
flnitiv die Stelle eines Substantives vertritt, theils
die ganDü. A. verKrzt ist, so daßzwey Sätze in eines
gezogensmd. Diese sind : heissen, helfen, hören,
lehren, lernen, sehen, und in einigen Fällen
auch fühlen. Das Heisse ich schlafen, noch
mehr aber, wenn es für befehlen stehet, er hieß
mich ruhig feyn ; du hießest uns zu dev
nem Lager kommen; wir halfen ihm ar>
beiren; schon höre ich ihn kommen; der
meine Brust zuerst von dem himmlischen
Leuer der Sreundschaft glühen lehrce;
lerne ihn erst kennen; ich sähe ihn konv
men ; mir wiederhohlren Schlagen fühl ich
mein Herz sich bewegen, obgleich fühlen
am seltensten auf diefe Art gebraucht wird.
Anm. 1. Diejenigen von diesen Verbis, wel>
che Activa sind und,' den Accusativ ihres leidenden
Gegenstandes bey sich haben, machen in dieser
Form oft Zweydeutigkeiten : laß ihn rufen/ laß
ihn tragen , der Röiug hieß ihn binden,
ich höre ihn rufen, ich sähe ihn schlagen,
können active und passive verstanden werden , da,
her, wenn Mißdeutung zu besorgen ist , die Sache
umschrieben werden muß. !^r hört sich gerne
loben, hat jederzeit eine passive Bedeutung.
Anm. 2. In den zusammen gesetzten Zeiten
stehen diese und die Verba der vorigen Num. aiu
i. Kapitels. Verbum und Verb. 455

finitiv: er hätte nicht auf Beyfall rechnen


dürfen, wer hat dich kommen heissen, ich
habe ihm arbeiten helfen, ich habe mir
sagen lassen, hast du mich reden hören,
du hättest doch schreiben können. Nur
lehren und lernen werden eben so oft mit dem
Participio, als mit dem Infinitiv gebraucht:
alles hat mich sein Herz kennen gelehrt)
seit dem ich ihn habe kennen gelerner; bey
wem haben sie ranzen gelerner?.so wie leh,
ren, wenn es voran stehet, auch den Infinitiv mit
zu erfordert: ein Roß, das noch kein Ge,
biß des Reiters gelehrec hat, feine Schritte
mir Vorsicht abzumessen, Dusch.
z) Folgen diesem Bevspiele auch jum Theile
einige andere Verb«, aber auch nur in einigen B«
deutungen. Dieses find:
Bleiben, mit den Infinitiven hangen, kle<
ben, knien, leben, liegen, siyen,
stecken, stehen.
Finden, die Art und Weise zu bezeichnen,
wie man etwas gefunden, nur mit einige»
Infinitiven , ich fand ihn schlafen, ich
fand es auf dem Tische liegen; wo«
für auch das ParticipiumPräsentis gebraucht
wird.
Sahren , nur mit dem Infinitiv fpayiren.
Gehen, mit den Infinitiven betteln, schla«
fen, fparziren, wallfahrten. Andere
gehören in die Sprache des gemeinen Lebens.
Haben, in den R. A. er hactzur machen,
Geld auf Zinsen stehen haben.
Ff 4 Le,
456 i. Theil. 4. Abschnitt. Syntax.

Legen, mit dem Infinitiv schlafen, sich


schlafen legen.
Machen, mit den Infinitiven lachen, we«
nen, oft auch mitgehen, laufen.
Nennen? das nenne ich schlafen, go
hen, trinken, ranzen u. s. f.
Reiten, nur mit spayiren.
Thun, nur mit nichts als, er chuc
nichts als schlafen, spielen, müßig
gehen u. s. f.
Alle diese Verb« folgen in den zusammen ge
setzten Zeiten der gewöhnlichen Form , nicht ob«
den vorigen: ich habe ihn schlafen gefunden,
wir sind spayiren gegangen.
§. 698. z. Der Infinitiv mit zu diene!
nach vielen Verdis, mit Auslassung des daßjM
Sätze in einen zusammen zu ziehen. Er bezeichne!
alsdann so wohl einen Gegenstand der HandluG
es fängt an zu regnen , er Hörer auf zu
spielen, ich befehle dir zu kommen, erbe-
mühec sich aufzustehen, er bestrebte sick
reich zu werden, du dachest mich es dir
zu geben, wir denken noch heute sbzuw
sen, sie drohen sich zu röchen, ermahne
ihn zu folgen, sie hoffen noch glücklich Z»
werden , er pflegt stark zu spielen u. s, s
Wozu sich oft noch ein Participium Prateriti gc>
seilet, so wohl im vafsiven Verstände, die
pfung schien einem ewigen Tode überge
ben zu seyn, es kränkte ihn, sich von andm
übercrosfen 'zu sehen; als auch im accivm,
er behauptet, es gesehen zu haben, er be
kam«
i. Kapitel. 7. Verbum und Verb. 457

kannrees gerhan zuhaben, ich wünschte,


es nie gegiaubr zu haben.
Als auch eine Absicht; ich kam nur her,
mir ihnen zu sprechen; wo es auch oft die
Conjunction um zu sich nimmt, diese Absicht noch
merklicher zu machen, wir leben nichr um zu
essen, ich breche hier ab, um nichr zu
weiclaufig zu werden. Besonders wenir die
Absicht die Rede anfängt, um diese Srärkc zu
zeigen, muß unsere Geduld durch manche
Salle geübr seyn. Aber in der vorigen Bedeu
tung des Gegenstandes noch ein um hinzu zusetzen,
ist ei» Fehler t große Herzen sind bestimmr,
um hier zu leiden; wenn ich innere Ruhe
genug harre, um mein Herz den VergnUi
gungen zu öffnen.
§. 699. Außerdem stehet der Infinitiv mit
dem Wörtchen zu noch , theils nach den relative»
Adverbiis, theils aber auch nach dem Umsiandsi
Worte ohne; davon im Folgenden. Hingegen
wird er unrichtig gebraucht: i. Wenn der Infinitiv
das Subj«t der Rede ist, berühmr werden ist
keine Runst, außer wenn die Rede umgekehret
wird , es ist keine Runst becühmr zu wer
den. 2. Nach den vorigen Verdis, welche eine«
bloßen Infinitiv erfordern , jemanden lachen
machen, er rhuc njchrs als spielen, nicht
zu. z. Nach manchen Adverbiis und Partikipiis,
wo er entweder Lberflüßig ist, oder doch der Ver>
stand keine Zusammenziehung leidet: man hätte
sie kürzer zu seyn gewünschr, für man häcre
sie kurzer gewunschc; er glaubre es enr,
458 i.Theil. 4. Abschnitt. Syntax. '

schieden zu sevn, für er glaubte, daß es


entschieden sev; der Scaac scheint sich ei>
nen allgemeine,: Nurzen davon verspr«
chenzu können, für es scheint, daß sich der
Gcaac einen allgemeinen Nnyen davon
' Versprechen könne.

8- Verbindung des Verbi mit dem Sub


stantiv.
§. 70s. Wenn ein Substantiv mit einem
Werbo verbunden wird , ist entweder das erste
oder das letzte der regierende Thell. Im erste«
Falle wird das Substantiv entweder mit dem Jnsi<
nitiv oder mit den bestimmtem Modis beö Verii
verbunden.
§. 701. Geschiehst solches mit dem Jnfiai,
jiv, so nimmt derselbe das Wörtchen zu vor sich,
den Gegenstand des Begriffes des Subsiantives
zu bezeichnen: der Befehl etwas zu rhun,
die Begierde empor zu kommen, dasVen
langen nüylich zusevn, die iLhre vorge->
zogen zu werden, der Wfer Gucey z«
thun, die Erlaubniß wegzugehen, die
Frevheic zu verkaufen, die Furcht gefan
gen zu werden , die Gefahr zu sterben, die
Macht Schaden zu rhun u. s. f.
§. 702. Wenn ein Verbum finitumvon einem
Substantive regieret wich, so ist dieses allemahl
das Subject, daher das Verbum, als. dasPrib
dicat, sich nach dessen Zahl und Person bequemen
muß, S. im vorigen.
i. Kapitel. F.VeröumundSubstant. 459

§. 70z. Bo» mehrerm Umfange ist der Fall,


da das Substantiv von dem Verbo regieret, und
durch dasselbe in sehr mannigfaltige Verhältnisse
gegen das Prädicat versetzet wird, welche Verhalts
uisse durch die Casus an dem Substantive, und
wo diese nicht zureichen, durch Präpositionen auÄ
gedruckt werden.

». Von dem Verbo mit dem Nominativ.


§. 704. Der Nominativ ist nebst dem
Vscativ der eigentliche Casus des Subjectes, in,
dem jener das Subject der ersten und dritten , die,
ser aber der zweyten Person ausdruckt, (S. §.
172.) obgleich der Vocativ im Deutschen nur ^ in ei,
nem einigen Falle von dem Nominativ »nterschie,
dm ist, (S. S. z?8.) außer daß er wegen seiner
genauen eigenen Bestimmung keines bestimmten
Artikels bedarf, des unbestimmten aber ohnehin
nicht fähig ist.
§. 705. Bey den unpersönlichen Zeitwörtern,
scheinet jwar das Subject im Accusativ oder Dativ
zu stehen , allein diese sind alsdann wirklich der lei,
dende Gegenstand, und das Subject wird durch
das unbestimmte es vertreten, welches oft auch
ausdrücklich da stehet, es frierer mich , mir
grauer, es grauet mir. Welches es oft auch
gebraucht wird , wenn das Subject die Stelle des
Prädikates einnehmen soll, es lebe der Rönig!
es sind viele Menschen gestorben.
S. 706. Wenn das Werdum ein Passivum, '
und folglich das Subject der leidende Gegenstand ist,
so kann dieses als bestimmte Perfon, nur alsdann
im
4<5o i. Theil. 4. Abschnitt. Sy^ax.

im Nominativ stehen,wenn dasActivum dm AccuW


erfordert. Man sagt also ganz richtig , ich wer«
de gesucht, ich werde gerufen, ick werde
genannt, «eil man sagt, man sucht mich,
rufet mich , nennet mich. Aber unrichtig,
ich werde berichtet, er ist übel begegnet
worden, ich bin versichert worden, wir
sind geholfen worden, weil man sagt, ei>
nem etwas berichten, einem begegnen, ei,
nem helfen, einem versichern; bey welche«
VerbiS es, es stehe nun ausdrücklich oder nicht,
wiederum die Stelle des Subjektes verKitt, und
der Casus des leidenden Gegenstandes bleibt! es
ist mir berichtet worden, mir ist übel bv
gegnet worden, uns ist geholfen worden,
mir ist versichert worden. Lehren wird
zwar mit zweyen Aceusativen gebraucht, allein nm
sagt dessen ungeachtet nicht ohne Hörte, ich bin
die Musik gelehrec worden, sondern sie ist
mir gelehrec worden, zum deutlichen Beweise,
daß die beyden Arcusative im, Activo diesem Werbt!
nicht ursprünglich eigen sind,
§. 707, Einige Verba mit unvollständige»
Prädikaten erfordern einen doppelten Nominativ,
einen des SubjecteS, und einen des vollständigem
Prädicates. Diese Verb« sind vornehmlich feyn,ww
den, bleiben, heissen und scheinen. Saloms
war ein Rönig,Cajus ist ein Raufmann ge
worden, er bleibt immer ein Rind, Alexan-
' dre hieß der Große, ev fcheinr ein ehrlicher
Plann, wo doch der Nominativ von dem ausg«
lassenen Verbo seyn herrühret, er scheint ein
i.Kapitel. 8.Verbum undSubstant. 46,

ehrlicher Mann zu seyn. Wenn seyn ein


vollständiges Prödicat bezeichnet, es ist ein Gott,
so ist der Nominativ hier das wahre Subject. Auch
die Passiva von Geissen, dem Activo, wenn es
für nennen stehet, Nennen, schelten, schim-
pfen, taufen für in der Taufe benennen, erfor
dern einen doppelten Nominativ: er ist ein Be
krieget geheissen, genannt, geschimpft, ge
scholten worden, das Rind wird Sriev,
rich gecaufer werden.
S. 708. Wenn ein Nominativ mit einem an
dern Substantive vermittelst des Wortes als ver
glichen, oder durch dasselbe erkläret, erläutert
oder eingeschränket wird, so stehet dieses gleichfalls
im Nominativ : er blüher als eine Rose, wir
schreiben uns als Freunde, ich als ein al,
rer Mann sollte wohl wissen was ein
Glück wäre, er siel als ein Held. Wo die
ses als aber nicht weggelassen werden darf: Gott
sirzr Rönig immerdar, Opitz; ein kleiner
Mars stand er, Gleim; ein Held fall ich,
eben ders.
§. 709. Bey den Reciprocis wird es in die
sem Falle zweifelhaft , ob der Nominativ oder der
Accusativ stehen müsse; jenen scheinet das perfön,
liche Pronomen, diesen das Reciprocum zu for
dern. Doch sagt man am häufigsten im Nominativ,
er hält sich, beträgt sich, verhält sich,
fuhrt sich auf als ein rechtschaffener
Mann; und mit dem Accusativ, er hat sich
als finen großen Mann gezeigt.
b. Von
462 i.Theil. 4. Abschnitt. SynW. '

b. Von dem Verbo mit dem Genitive.


§. 71«. Der Genitiv wird gebraucht, theils
die so wohl in dem Subjekte als Prädicate vo«
kommenden Substantive mit beziehenden Begriffe»
zu erklären, in welchem Falle er von diesen regieret
wird, S. §.611. f. theils mit manchen Pravvsitio»
nen, gewisse Verhältnisse auszudrucken, S. §. 5°4>
f. theils verschiedene relative Adverbia zu erklären,
davon im folgenden bey den Adverbiis, theils aber
auch gewisse Verhältnisse zu bezeichnen, in welche
ein selbständiges Ding durch das Berdum versetzet
wird, mit welcher Verrichtung wir es hier eigenk
llch zu thun haben.

§. 711. In dieser RUksicht war sein Se,


brauch ehedem im Deutschen von einem überaus
weitem Umfange, und eS scheinet, daß er alle
Verhältnisse ausdrucken müssen, von welchen man
keine andere als dunkele Begriffe hatte, und sie da
her auf keine bestimmtere Art ausdrucken konnte,
«der von welchen man das Muster in der Lateini
schen Sprache fand, welche einen eben fo weitläufig
gen und oft unbestimmten Gebrauch von diesem
Cssu macht. Bey mehr Cultur suchte die Hoch,
deutsche Mundart viele dieser Verhältnisse auf eine
bestimmtere Art durch die Präpositionen auszu
drucken , welche die Oberdeutsche noch jetzt durch
Genitive bezeichnet, welche denn die höhere Schreib,
art der Hochdeutschen nicht selten wieder von ihr
entlehnet, und sich dadurch das Ansehen der Neu,
heit und Kürze gibt.
i. Kapitel. F. Veröum und Substant. 46z

§. 71s. Diejenigen Fälle also, wo die Hoch,


deutschen noch jetzt das Berdum mit einem Geni,
tive verbinden , sind bloße Überbleibsel des Litern
sehr weit sich erstreckenden Gebrauches , daher sich
auch keine bestimmte Regeln davon geben lassen,
sondern es müssen die meisten der zu jedem Verhält,
Nisse gehörigen einjelen Falle aus dem Gebrauche
erlernet werden. Die vornehmsten dieser Verhält«
nisse sind folgende.

§. 71 z> r. Das WerhMniß derZelr, sowohl


auf die Fr^ge wenn? am häufigsten nur mit den
Substantiven Abend, Morgen, Mittag,
Nachr, Tag, und die Nahmen der Wochen
tage: Aoc.lds kommen, wenn esdesMor,
Jens regner, des Machcs reisen, des Ts,
ges schlafen, besser am Tage, die postge,
her Sonnrags ab, wir kämen Monrags
an, eines Tages, für das unbestimmte ein
mal)!, nächster Tage, besser nächstens,
heuriges Tages , aber nicht morgendes Ta«
ges, auch nicht morgen des Tages, sondern
schlechthin morgen; gestern Morgens,
Abends, besser mit dem Accusativ gestern Mor,
gen, Abend, Mittag; ingleichen mit den
Wiederhohlungszahlen, einmahl, zweymcchl,
und den ^rigen Substantiven und den Wörtern
Jahr und Monarch, des Tages, Jahres,
Monarhes, einmahl, zweymahl, für an
dem Tage, im Jahre. Mit andern Substan,
tiven stehet der Accusativ, die Woche zwey»
mahl. Als «uch auf die Trage wie lange ? ich
warrere
4Z4 l.TM 4. Abschnitt. Syntax.

warcetezwey ganzer Scunden,Iahre, Tage


». s. f. wofhr doch der Acmsativ üblicher und besser ist.
§. 714. 2. Das Verhältniß des Vrees, such
nur noch in einigen Fällen t aller Orken, hiesi<
gen Orces, etwas gehörigen Orces meb
den; wofür man doch lieber und besser mik PrS<
Positionen sagt, an allen Orte«, an hiesigem
Orte, an dem gehörigen Orte anbringen.
§. 715. z. Das Verhältniß der Art und
weise, gleichfalls nur in einigen, wo verGenK
tiv oft statt eines Umstandswortes stehet: ein«
ger Maßen, gewisser Maßen, folgender
Gestalt, dieser Gestalt, geraden Weges,
stehenden Fußes, guren Theils, ich mev
nesTheils, sich einer Sache alles Arn-
stw annehmen, mit allemCrnste, ich meines
TheiKs, meines Wissens, Bedüi^
kens, unverrichrerer Sache u. s. f. Hun-
gers sterben, vor Hunger, eines schmähli-
gen Todes sterben, der Hoffnung, des Zu
trauens, jemandes Gnade leben. Beson
ders in manchen Fällen mit dem Verbo seyn;
Willens seyn, (nicht in Willens seyn, oder
in Willens haben,) er ist meiner Meinung,
das ist deines Amtes nicht, guten Mu-
thes seyn, des Todes seyn, es ist so Her
kommens, eines Geschlechtes, eines Sin,
nesseyn.
§. ?r6. 4. Den Gegenstand der Sache
nach vielen Verdis, welche außer dem Nominativ
des thLtige» und dem Accusativ des leidenden
i. Kapitel. 8. Verb, und Substant. 465

Gegenstandes noch die Sache erwähnt wissen wollen.


Die vornehmsten Verb« dieser Art find : anklagen,
doch nur itt einem Verstände, berauben, be
schuldigen, entlassen, entledigen, enc-
seyen, gewähren, überführen, überheben,
überzeugen, versichern, aber wenn es dm
Dativ der Person bekommt, so stehet die Sache im
Accusativ, ich versichere es dir, ich ven
sichere dich dessen, des Landes verweisen,
würdigen, u. a m. Andere erfordern statt des
Genitiv? eine Präposition vor der Sache, j. B.je-
wanden von etwas befreien.
§. .7^7. Dahin gehören auch sehr viele Reck
proca-, bev welchen der Gegenstand der Sache im
Genitiv stehet, und wo das Recixrorum sich
die Stelle des Accusativs vertritt : sich einer
Sache annehmen, anmaßen, äußern, be
dienen, begeben, befahren, befleissigen,
bemächtigen, bemeistern, bescheiden, ent
äußern, encbrechen, enthalten, entladen,
einschlagen, entsinnen, entziehen, erbar,
mm, erinnern, erwehren, gerrösten, rüh«
mm, schämen, überheben, unrerfangen,
unterstehen, unrerwinden, vermuehen,
versehen, versichern, weigern. Für, es ver.
lohnt sich nicht der Mühe , sagt ma« richti
ger, es. lohnt oder belohnt die Mühe nicht.
Einige andere werden nur in einem oder dem andern
Falle mit dem Genitiv gebraucht: sich eines bes
sern bedenken oder besinnen , jemanden ei
nes bessern belehren, sich der Sünde fürch,
ten. Dagegen andere im Hochdeutschen lieber
Gg «ine
466 i. Theil. 4> Abschnitt. SyNtG? >. I

eine Präposition bekommen, obgleich die höhe«


Schreibart manche derselben noch jetzt mit bemE«
nitive verbindet: sich bedanken, (für,) bekla
gen, (.über,) besinnen, (auf,) bitten,
wundern. Verwundern, (über,) nähren,
(von,) freuen, (über.) Wohin auch die
sönlichen mich gelüstet, verlanget, (nach)
und er jammert mich, für es jammert mich
feiner gehören.
S. 718. 5.' Den leidenden Gegenstand,
welcher noch jetzt im Oberdeutschen Key sehr viel»
Verdis in den Genitiv gesetzt wird. Diejenigen,
welche ihn auch im Hochdeutschen bekommen, D,'
bedürfen, enrübrigen, entbehren, ^ruch
nen, alle drey auch mit dem Accusativ, gedciK
ken, Erwähnung thun, eines Sohnes gen«
seN, auch von, ich geschweige seiner Fehl«,
gewöhnen, das Neutrum, jemandes pßy
gen, schonen, alle drey auch mit dem Aach
^iv. Hingegen werden, die höhere Schreibst etm
ausgenommen, achten, begehren, HM
genießen, kennen, mißbrauchen, vsrfb
len, vergessen, warten, für pflegen,, lick
mit dem Accusativ, und harren, hoffen, lschc"
schweigen, spotten, warten, für erw«
ten, ». a. m. lieber mit Präpositionen verbniM

«. Verbindung des Verbi mit dem Dam


K. 719. Der Dativ bezeichnet für sich MI
1. das Ganze , an welchem der Begriff des Veril
vorgehet, besonders so fern es eine Person Gottt
als Person betrachtet wird, denn wen» es ei«
i. Kapitel. 8. Verb, und SübstaM 46?

leblose Sache ist, so wird sie am häufigsten mit einer


Präposition ausgedruckt. wohl mit Transiti-
vis , in welchem Falle der leibende Gegenstand im
Äccusativ stehet: einem dSs Srot aus dein
MUnde nehmen, sich in dle Singer stechen,
einem auf die Achsel k^Spfstt, jemandes?
Narren einen falschen Ginn andichten,
ihm pocht, ihm schlagt das Herz,, das
Gewissen schlägt >mir> einem Vogel die
Zunge losem Als auch mit Jntransitiuis: öss
ist mir ans den Gedanken gekommen, die
Haare gehen ihm aus) "wir frieret das
Gesicht, der Ropf rhm mir weh, schmers
zer mir, ihm blutete Äss Herz. ^ !. - -z
§> 720.! 2. Das VerWltniß der Person oder
Sache, um deren willen das Prädicgt dem Sub?
jette zukommt, der persönliche- Gegenstand) auch,
wenn es keine eigentliche Person ist, aber öoch alS
solche betrachte! wird , das Ding ^, auf welches der
Begriff des Derbi durch einen Umschweif, vermit«
telst des leidenden Gegenstandes gerichtet O. Der,
Dativ stehet daher vornehmlich bey transiriven Vers
bis, wenn ihr Activum den leidenden Gegenstand
Kn Äccusativ , das PasflVum aber denselben,, int
Nominativ bey sich hat, diejeniKen ausgenommen,
welche bey dem Äccusativ vorkommen werden : Li^
lem etwas abbitten, mbfordern, ichzwin?
Zen, abstöeicen, anhaben, anpreise,» , ai7«
arhcn, aufkündigen) ich bedingen« mir,
befehle es dir, bringe es mir> das beniwinr
nir den N7urh, man berichrcze es mir,
inem ^Nvas bezahlen. . So auch bierhen^
' l ^ . . Gg s ^'sr> -
468 5 4 Abschnitt. Syntax ^

borgen, erlasten, erwiedern, erzWen> ge»


den, gebiechen, geloben, gestatten, einem
ftin wsrr halten, glauben, gönnen, kla
gen, leihen, liefern/ leisten, nieidm, ma>
chkn, nehmen, Nennen, rauben, ossenba«
ren, opfern, rächen, reichen, ßtgen,
schaffen, fchenken, schicken, senden, schrei-
Ken, stehlen, rhun, suchen^ verweigern,
verursachen, verbinden, verpflichten, wüw
schen, zeigm, zurechnen, u. s f<

^ 3iDen Vegensiand der Person, auf


welchen der Begriff des , Verbi gerichtet ist , beo
den meisten Neutris, M mögen nun mit haben
oder seM verbundeu werden : einem anliegen,
angehören, ausweichen, begegnen, das
bekommt mir, stehet mir bevor, bleibet
Mir, einem beyfallen, danken, dienen,
drohen, fluchen, folgen, fxöhnen, an
die Hand gehen, das gedeihet ihm, einem
gefallen, gehören, gehorchen , gelingen,
gerachen, geschehen, geziemen, glauben,
gleichen, leuchten, lohnen, nüyen, einer
Sache obliegen, einem rächen, schaden,
schmeicheln, das ftheinec mir, ihm ist
ein Rind gestorben , sich einer Sache un»
terziehen, das ist mir zu hoch, er ist mir
getreu, einem Dinge steuern, widerstehen,
einem rroyen, wehren, weichen, winken,
wohl wollen, das wird mir zur Last, wic
wird mir u. s.f. Wohin auch die unpersönliche»
gehören: es ahndet, ekelt, 'beliebet, ge-
, bn'cyr,
l. Kapitel. 8. Verb, und Substant. 469

bricht, geziemet, grauer, rrüumec, fchwin«


delc mir.
§. 722. Ankommen wird sehr Häufig mit
dem Accusativ gebraucht, der Schlaf kam ihn
an, es kommt mich eine Furcht an. Zit
tern und Tncfeyen möchte einen chrlichen
Mann ankommen; indessen ist der Dativ an«
logischer, weil die Präposition in zusammen ge
setzten Verdis ein bloßes Ädverbium ist, und kei,
ne« Casum regieret. Da däuchten ehedem schek
nen bedeutete, so ist mir dauchr besser als mich
däuchc, hingegen sagt man lieber mich dünkt,
Helfen hat am richtigsten den Gegenstand der Per,
so» jederzeit im Dativ, einem helfen/ weil man
nicht im Passivo sagt, ich werde geholfen,
sondern mir wird geholfen, damit ist mir
nicht geholfen. Auch kosten erfordert den Ge,
genstand der Person jederzeit im Dativ, es kostet
Mir zehn Thaler. ,

§. 7s z. Manche Verba können so wohl mit


dem Dativ als auch mit dem Accusativ verbunden
werden, nachdem ein Ding als der persönliche oder
leidende Gegenstand dargestellet wird, wo sich doch
die Bedeutung oft merklich ändert : es hat mir
nicht wollen angehen, d.i. gelingen, und es
gehet mich an, es betrifft mich; einem
seine Schuld bezahlen, und einen bezahlen;
einem feine ,ti?ühe belohnen, und einen be«
lohnen; mir s^chmerzr der Ropf, nnd das
schmerze mich; laß mir die Sache, und
laß mich gehen, laß ihn machen; einem
Gg 3 . ru,
470 i. Theil. 4. Abschnitt. SytM.

xufen, als ein Neutrum, und einen rufeiv


als ein Activum.
§^ 724. Wenn man bey transitiven Verbis
zweifelhaft ist, ob ein Substantiv der leidende oder
persönliche Gegenstand ist, folglich ob es im Accus«
ttv oder Dativ stehen MM, fo fetze man die ganze
R. A. in das Passtvum. Findet alsdann der No<
Minativ statt, so gehet derselbe im Active in den Acclv
sativ über; muß aber der Dativ bleiben, so stehet
derselbe auch im Acrivo. Man sagt, das Rind
wird von seiner Mmrer geliebLoser, folglich
einen liebkosen; °fch werde von vielen Lew
ren angegangen, folglich einett angehen.
Hingegen mir wird geholfen , folglich einem
helfen ; mir ist berichtet , versichere
worden, folglich einem etwas berichten,
versichern. - - ^ . '
" §. 725! Daß der Dativ des persönlichen
Pronominis'mir in der vertraulichen Sprech«!
oft fo viel bedeutet, als nach meinem Urtheile,
du wirst mir ein femer Mann werden,
ist bereits §. 6z8. bemerket worden. Die höhere
Schreibart macht von diesem Casu noch einen <nv
dem Gebrauch, so wohl den Gegenstand des Nm
tzens, der bewegenden Ursache, als auch der Ge
genwart u. s f. mit Auslassung einer Präposition,
zu bezeichnen." dir grüner Berg und Tbsl,
dir läucerr sich die Luft, für dich/ Opitz.
Dir schmücke das fromme Mädchen sich,
bey seinem Morgenliede, für M, um bei,
netwiltzn, Raml. Dir fleht der H?rZenvolIe
Greis, z« dir^ eben ders. Laß «b., laß ab,
. ' ^ schon
i. Kapitel. 8. Verö. 'und Substant. 471

schon blucer dir das Opfer, vor dir, Zach.


N?ie an der Brust ein früh unglücklich
Mädchen dem blanken Stahl des wilden
Mörders lächelt, eben ders. Du schreystmic
Lust, und fchreyst dir gut, nach deinem
Urtheile, Haged. von dem Kuckuck.
§, 726. Andere Verhältnisse , z. B. des Mit,
tels und des Werkzeuges, der Gesellschaft, Ver
bindung, der Zeit, des Ortes der Ruhe, des
Ortes, wo eine Bewegung anfängt, u. s. f. wer«
den durch Präpositionen ausgedruckt, S. S. 51«.
526. 527.
ä. Verbindung des Verbi mit dem Accu-
sativ.
§. 727. Diejenigen Verhältnisse, welche der
Accusativ in Verbindung mit dem Verbo für sich
allein und ohne Präposition ausdruckt, sind: 1.
das Verhältniß des leidenden Gegenstandes, oder
desjenigen Dinges, es sey Person oder Sache, auf
welches der Begriff des Verbi unmittelbar wirkt,
daher eigentlich ein jedes Activum einen Accus
sativ erfordert, der in dem Passivo allemahl in den
Nominativ übergehet: ich suchte dich, ich
sähe ihn, sie fanden einen Schatz, der
Grurm entblätterte die Rofe. Dahin gehöi
ret auch das Berdum lassen, wenn dessen mangel
haftes Prädicat durch einen Infinitiv crgänzetwird,
welcher gleichfalls den Accusativ der Person erfor
dert: laß mich diesen Tag vollenden, sie
ließen ihn gehen, laß dich nichts merken;
da es denn auch wohl den Accusativ der Sache de,
Gg 4 kommt:
472 r . Theil. 4. Abschnitt.-Syntax.

kommt: ich ließ es ihn merken, laß ihn


deinen Reichrhum nicht merken, wo ab«
der zweyte Accusativ von dem Infinitiv abhängt.
§. 728. Ferner gilt dieses von den Meisten
Reciprocis, welche wahre Aktiva sind , deren Wiu
kung nur auf das Subject zurück geführet wird:
ich erinnere mich, unterstehe mich, be
sinne mich, schäme mich. Aber ich ge?
traue mir, weil es für trauen oder zutrauen
stehet. Jngleichen von fehr vielen unpersönliche»
Zeitwörtern, so fern ihre Bedeutung gleichfalls
actis ist.- es befiel ihn ein Schwindel, es
befremdet mich, es berrifc dich, er dauert
mich, es durster, hungert, frierer, freuer,
mich, es gereuet, verdrießt, wundert mich.
5. 729. Jngleichen manche Neutra, wenn sie
eine thätige Bedeutung bekommen, welche unmitteb
bar in einen andern Gegenstand wirket: sich einen
Buckel lachen, etwas nicht gewohnen kom
nen , ein Amt abdanken. Besonders wen»
eine Präposition ausgelassen ist: ich gehe diesen
weg, die Treppe auf und ab gehen, dm
Berg hinauf steigen. Nur vermeide man bey
Reuttis sowohl als Activis solche Accusative, «tb
che den Grundbegriff des Verbl wiederhohlen, med
ches wider die Natur der Deutfchen Sprache ist:
ein herrliches Leben leben, herrlich leben,
so auch, einen ewigen Schlaf schlafen, ev
nen guten Rampf kämpfen, einen Streit
streiten. Zu den Reuttis, welche mit einem
Accusativ verbunden werden können, gehören auch
manche unpersönliche Zeitwörter, es regnee
Blut,
t. Kapitel. Z. Verö. und SubstcMt. 47 z

Bluc, ich möchte Blut weinen, es schneyece


Flscken einer walschen Nuß groß, es ha,
gelr Greine. '
7zo. Wenn außer dem Gegenstände, i»
welchen das Berdum unmittelbar wirkt, noch ei»
anderer vorhanden ist, auf welchen die Wirkung
nur mittelbar ist, so stehet entweder dieser in dem
Accusativ, und jener in dem Geuitiv, (S. de»
Genitiv,) oder dieser in dem Dativ und jener i»
dem Accusativ,' (S. de« Dativ.) Allein es gibtauch
noch einen dritten Fall, da beyde im Accusativ st«
hen. Dieses geschiehst: i. bey solchen Activis,
welche eine Apposition , oder zwey Nahmen von
einem und eben demselben Dinge erfordern, de«
gleichen nennen, heissen , wenn es für nenne»
stehet , schelten und schimpfen sind: ich nen
ne, Heisse, ihn meinen Varer, man schalt,
schimpfte ihn einenBerrieger; welche Verb«
denn im Passivo zwey Nominative erfordern.
s. Einige wenige andere : einen etwas fra,
gen, eines bitte ich dich, besser ich bitte dich
darum , und besonders lehren nach dem her«
schenden Gebrauche, er lehret mich die Ms,
themathik, wo doch der Dativ der Person analo,
gischer ist, weil man im Passivo nicht sagt, ich
werde die Mathematik gelehrec, sonder»
mir wird u. s. f. Ein anders ist, wenn letzreu
nur einen Casum nach sich hat, er lehret die
Mathematik, oder erNehrer, d. i. unterrichtet,
mich. Wenn heisstn befehlen bedeutet, so er
fordert es so wie koste« , richtiger den Dativ der
Person^ wenn der Accusativ der Sache dabey st«
het:
474 r. Theil. 4. Abschnitt. Syntax." .!

het: wer hat dir das geheisseN? es kostet


mir zehn Thaler. Hingegen sagt man mit ei
nem Casu und dem Infinitiv ganz richtig: man
hieß ihn gehen, man hieß ihn kommen,
so wie man sagt, laß ihn gehen, und laß mir
diese Freude.
§. 7Z I. 2. Das zwevte Verhältnis, welches
durch den bloßen Accusativ ausgedruckt wird, ist
das Verhaltniß der Zeit, r) Der Zeit, worin
etwas geschiehst, auf die Frage wenn? Es tw
schaheden dritten Tag nach unserer Äw
kunftz künftige Ostern hoffe ich sie zu se
hen; vorigenSonnabend; denerstenMsy;
die N?oche dreyniahl. In andern Fällen tlM
mit dem Genitiv, theils auch mit Präpositionen,
s) Der Zeitdauer, auf die Frage wie lange?
U?arcen sie noch ein paar Tage; noch ev
nen Augenblick, so sind wir verloren; wir
sind bereits einen Monarh hier; die ganze
Rede über stehen, z) Der Wiederhohlung, auf
die Frage wie oft? Die Feinde sind drey,
mahl geschlagen worden, ich sehe ihn, alle
Tage.. - -
§. 7zs. z. Das Verhaltniß der Größe, oder
Ausdehnung, des Gewichtes, Alters, WertheS
und Preises: es kostet einen Thaler; es wiegt
einen Zentner. Besonders mjt näherer Bestim
mung der Ausdehnung, des Atters u. s. f. durch
Adverbm, welche, alsdann hintetrstehen : eine iLhle
lang , 5wey Fuß breit, sechs Zoll dick, ei«
nen Schuh hoch, eine Ruche rief, zehen
Tage lsng, acht pftmd schwer, zwsn-
..v. Zig
^. . , . , ,
i. Kapitel. 8. Verö. und Substant. 475

ZiF Iahre alt, tausend Thaler schuldig


seyn, er ist eine Million reich, eine wab
sche Nuß groß. In manchen Fallen auch noch
mit dem Genitiv, S. diesen Casum, und in ans>
der« mit Präpositionen : ich habe es für zehn
Thaler gekauft, verkauft.
§. 7ZZ. 4-DasVerh«ltnißbesRaumes,inwel,
chem eine Bewegung vor sich gehet, nur in einv
gen Men: wir reisen, gehen, fahren, die
sen N?eg; den Berg hinauf steigen; die
Treppe auf und ab gehen ; eile den Verg
hinan. Wo der Accusativ nicht von den Parti,
Kln herrUhret, welche hier bloße Adverbia sind.
Andere Verhältnisse des Aceusatives werden mit
Zuziehung gewisser Präpositionen ausgedruckt, S.
§. 51S und 527. f. I

z>. Von dem Gebrauche der Adverbien.


§« 7Z4. Die Adverbia, (§. 47«. f.) sie styn
NU» Beschaffenheits-l oder Umstandswörter, bedeu»
ken etwas Unselbständiges an und für sich, und
werden daher zur Bestimmung alles übrigen in der
Rebe gebraucht ; so wohl des Selbständigen, odev
der Substantiven , wohin besonders die Umstandst
Wörter ganz, halb, viel, wenig, mehr,
genug, lauter und eicel für nichts als,
allein, weiland, voll, etwas', nichts ge,
hören : ganz Deutschland, er ist ganz Zärr<
lichkeir, Gort allein oder allein Gocc, ein
Mas voll N?ein, lauter geringe Personen,
nichts Gmes , crwas N?ein , Verg an.
Anstatt der Beschaffeyheitswörter werden zu Be-
stim.
476 i. Theil. 4. Abschnitt. Syntax. ' i

immung des Subsiantives Adjectlve gebraucht.


Sils auch, und zwar vornehmlich, des Unselbständigen,
tvelches durch nichts als durch ein Adverbium bu
lstimmt werden kann, es sey nun ein Adjectiv, ein
außerordentlich großes Haus, ein sehr
schöner Vogel; oder ein Pronomen, H
selbst, dieser allein; oder ein anderes Advw
bium, überaus sehr, halb codr, schön ge,
schmückt; daher den» mehrere solcher Adverbien,
besonders Umstandswörter, hinter einander stehen
können, wovon immer eines das andere bestimmt,
von nun xm bis auf immer und ewig.
§. 735. Am häufigsten wird das Verbum
durch Adverbia bestimmt, theils den Begriff der
Zeitwörter mit unvollständigen Präbicaten zu ergä«
ze», Cajus ist krank, Crösus war reich,
die Blume wird welk , der N?ein macht
uns beredt; als auch die Art und Weise näher
zu bestimmen, wie der Begriff bes Verbi dem Subs
jeete zukommt, die ZlVunde schmerzet sehr/
unser Freund starb plörzlich , er liegt ge
fangen. Wo doch theils Mißdeutung zu ven
meiden ist, wenn das Adverbium so wohl auf de«
leidenden Gegenstand, als auf den Begriff des
Verbi gezogen werde« kann, er beschreibt ihn
sehr einfältig; theils der Gebrauch eines Adver,
bii, wo ei« Adjectiv stehen sollte, d. i. wo nicht
das Verbum bestimmt, sondern die Beschaffenheit
dem Substantiv als einverleibt gedacht werden soll,
sie hat die Backen roch, für rothe Backen,
ob man gleich sagt, er hat den Ropf verbnn,
den; theils der Gebrauch eines bloße» Adverb«,
. i. Kapitel. 9. Ahverbimn., 477

«0 hex Verstand mehrere Bestimmung fordert,


man glaubt ihn treulos, besser man hält
ihn für treulos, oder glaubt, daß er treu?
los ist, weil treulos in dem ersten Falle nur
den Begriff des Verbt oder die Art und Weise de<
Glaubens bestimmt. , 5: » , >

: " S.« ?z6. Die Adverbia stehen daher im Satz«!


«illemahl da, wo sie etwas zu bestimmen finden?
«nd zwar gemeiniglich vor dem bestimmten, es ist
ein gar gurer Mann, nicht gar ein guter.
Es ist uns nicht erlaubt dieses zu rhun, ich
habe es oft nicht gehöret, geben einen andern
Sinn als, es ist uns erlaubt, dieses nichv
zu rhun, ich habe es nicht oft geHörer.
Einige Bestimmungswörter der Substantive und
Pronominum, allein, selbst, voll, genug,
viel, wenig u s. f. können so wohl vorn als hin,
ten stehen. Solch und so für solch stehen vor
dem unbestimmten Artikel, solch ein Mensch,
so ein Mann. . , >

§. 7Z7. Der Begriff eines Adverb« wird


entweder an einem Dinge allein gedacht, di<^
Blume ist schön, er kommt oft, oder zwi
schen zweyen Dingen, in welchem Falle ihnen der
Begriff des Adverbii entweder in gleichem, oder
in ungleichem Grade zu? oder abgesprochen wird.
Das erstere geschiehet vermittelst der Wörtchen,
so und als , (besser als wie, und als wie,) so
schön als eine Rose, er ist nicht so groß
als
478 i. Theil. 4. Abschnitt. Syntax.

als du; da denn das ersiere zu deutlicherer I«


pimmung der Ähnlichkeit oft noch das Wort eben
bekommt, sie sind eben so gm als ihr. Im
Grade der Ungleichheit wird dem einen Dinge entt
weder eine Beschaffenheit iiy höhern oder geringem
Grade zugeschrieben, als dem andern, »etches
«Heils durch die Umschreibung mit weniger, miw
dÄ und Mehr geschieh« , (S. §.498.) oder im
Falle des hohem Grades durch den Compsrati»,
(S. §. 487. f-) welcher denn gleichfalls als, (seb
len mehr denn, und gar nicht wie und weder,)
nach sich bekommt, es ist sAßer als Honig, er
ist gelehrter als sie alle, aber kein verneinendes
Wort nach sich bedarf, größer als kein zwec>
schneidig Schwert. Oder es wird das eive
King in Ansehung dieser Beschaffenheit über alle
«brigen seiner Art erhoben, welches vermittelst des
Superlatives mit am und auf das geschieh«, da
denn derselbe im ersten Falle oft die Präposition
unter nach sich hat: er lief am geschwinde»
sten unter allen, sie sang auf das beste.

§. 7z8> Wenn der Besitz öder Mangel durch


ein Beschaffenheitsworr ausgedruckt wird, so b«
kömmt der Gegenstand desselben an: reich SN
Tugend, an liegenden Gründen, arm cm
Lreuden; der Sitz der Beschaffenheit «M,
krank am Leibc, arm am Geiste; der Theil
des Ganzen aber, von welchem die Beschaffenheit
eigentlich gesagt werden soll, von: klein von
Person, der Persvn «ach, ein Vogel schön
_ . VON
. '"». Kapittl. 9. AbverVium. 479

von Federn, von Schenkeln leicht, schön


vonGestslr, Gell, schwarz von Haaren,
blau von Augen, Hageb.

- §. 7Z9- Diejenigen Abverbia, welche de«


Gegenstand der Beschaffenheit, oder die Art unk
Weift derselben durch ein Berdum erkläret wissen
wollen, dergleichen diejenigen sind , welche eine
Möglichkeit, Leichtigkeit, Schwierigkeit,! Noch,
«endigkeit, Wicht, Verlangen u. s. f. bedeuten,
erfordern den Infinitiv mit zu: leiche zu be.
werkstelligen, schwer zu sagen, möglich
zu glauben, begierig zu sehen, harr zu
beissen, bereir zu folgen. Gut, und zu,
weilen auch übel, böse, schlecht u. f. f. sind
mit dem bloßen Infinitiv zufrieden : hier ist gut
wohnen, du hast gut sagen, hier istschlechc
gehen , übel wohnen. ... .
'« >' ' , ' . '." ... ' ' > ' . . . >
^' .
§. '740. Das Umstandswort ohne nimmt
um der Kürze willen oft gleichfalls den Infinitiv
mit zu nach sich: kannst du dich einen W,„
gel nennen hören, ohne zu erröthen? d. i.
und nicht erröthen; o kann ich daran den
ken, ohne zu zittern? ich sprach mit ihm,
ohne zu wissen, wer er war, ohne ldaß ich
gewußt hätte. Welche Art des Ausdruckes oft eine
Bedingung enthält: der Freund kann nicht.
Freund seM, ohne sich mir mir zur Tu
gend zu vereinigen, wenn er sich nicht mit zur
Lugend vereinigt. .
, , ^. §- 74l.
48o l..Kheil. 4.MschM. Syntax. .

§. 74t. Die Adverbia find ihrer BedeutM


nach entweder absolut, welche nur an einem Diw
ge gedacht werden dürfen, der Bergist groß,
er kommt oft; oder relativ^ wenn ihr Tu
griff zwischen zwev Dingen gedacht, werden muß.
In dem letztern Falle wird das zweyte Ding, «eb
ches zur Erklärung des relativen Begriffes erfor
dert wird , auf verschiedene Art ausgedruckt/ env
weder durch den Infinitiv müde länger zu lc<
den, mattvonvielem Gehen ; odexdsrch eine
Partikel, gegen alle Menschen höflich, hc»
her als ein Haus, am.meiften unter allen;
«der endLch «durch den bloßen Casum des Haupt'
Wortes , und alsdann könnemguch Adverhia eiM
E»Amrtzg»tea.! x^"-^ ,K<.5 '-

7 §. Tsls. Mit dem Genitiv werden verbm-


den, 1. Umstandswörter , wohin nicht allein t«
schon §. 504- f> bemerkten Präpositionen, sondm
auch Me Zahlwörter gehören/ wenn sie «nconcrescitt
«nd als bloße Umstandswörter gebraucht werden,
es waren ihrer sieben, so viel ihrer sind,
Geldes genug. 2. Verschiedene relative Bv
schaffenheitswörter, welche entweder beständig,
odek nur in der höhern Schreibart, oder auch nur
in einzelen Fällen mit demGenitiv verbunden werben
Die vornehmsten davon sind : bedürftig, befugc,
benöchigr, bewußt, eingedenk, fähig,
froh, nur in einigen Fällen, gewahr, gewiß,
gewohnt, kundig, los/ mächtig, mM,
quitt, satt, schuldig, cheilhafr, öbw
driissig,
. 5. Kapitel. 9. Ädverbium. 48 k .

drüssig, verdächtig, verblichen und ver


fahren nur Mit dem Genitiv Todes, verlustig,
voll, werrh, würdig, und ihre Gegensätze mit
ttn z welche ihren Casum auch nach der Concretio«
behalte«, wenn sie der letztern fähig sind, ein des
Diebstahls verdächtiger Mensch.
' ^ ?4Z. Den Dativ erfordern, außer den schon -
key denPräpositionen angeftihrtenUmstandSwörtern,
diejenigen Beschaffenheitsworter, welche sich durch
einen Umweg auf ein anderes Ding beziehen , be«
sonders wen» sie den persönlichen Gegenstand be^
«annt wisse« wollen, wohin z. B. ähnlich,
angenehm, bekannt, bequem, bange,
beschwerlich, deutlich, dunkel, dienlich,
dienstbar, ersprießlich, erwünscht, ge«
fichrtich, gehorsam, g^maß, geneigt, ge
treu, gewogen, gleiche gur, heilsam,
leicht , lieb, nachcheiltg, nahe, nöchig,
nützlich, schädlich, schuldig, schwer,
verwandt, werrh, (wenn der Werth nicht mit
einem Zählwerke bestimmt wltzd,) u. s. f. nebst
ihren Gegensätzen Mit UN und ven Participien sol«
che« Verbsrum, welche den Dativ regiere«, ge«
hören, obgleich bey vielen «ich der persönliche
Gegenftattd durch eine Präposition, besonders durch
für 'und gegen ausgedruckt werden kann.
§. 744. Von Adverbien, welche mit dem
Accusariv verbunden werben, kommen außer
den schon bemerkten PrSpositionen , nur diejeiit.
gen vor, welche ein Maß , Gewicht, Alter, und
einen Werth , wenn Verselbe mit einem Zahlworte
bestimmt wird, bezeichnen, zehn Ahlen lang,
Hh fünf
48» i.Theil. 4. Abschnitt. Syntax

fünf Pfund schwer, fünfzig I<chr glt,


zehn Thaler Werth, S. das Verb, mit dem Accus.
§. 745. I» Ansehung der Umstandswörter
bemerken wir nur noch, daß eine doppelt« Ww
neinung in eiyem Satze wider die Natur der DM
schen Sprache ist, sie haben kein Glück nicht
.Wehr, besser kein Glück mehr; wenn der
nichts nichr fühlt; Logau, für nichts fühlr;
das hat nie kein Mensch gesehen, für nie
ein Mensch oder kein Mensch; wer nim
mer nichts versucht der weiß nicht was
er kann, Logau, für nimmer etwas. Auch
wenn ein Berdum bereits! eine Verneinung in sich
schließt, darf solche nicht wiederhyhlet werben,
er läugnere, daß er es gerhan habe. Da
bey hindern und sich hüten, die Vern