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Bio-Lebensmittel

D R . A N D R E A F L E M M E R
Humboldt.Verag.-BioLeb
Bio-Lebensmittel
Warum sie wirklich
gesünder sind
DR. ANDREA FLEMMER
Dr. Andrea Flemmer
Bio-Lebensmittel

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Dr. Andrea Flemmer

Bio-Lebensmittel
Warum sie wirklich gesünder sind

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen
Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über
http://dnb.ddb.de abrufbar.

ISBN 978-3-89994-180-7

Die Autorin: Dr. rer. nat. Andrea Flemmer, Dipl.-Biologin, Fachautorin und -jour-
nalistin für Ernährungs- und Gesundheitsthemen, hat u. a. die Titel „Die Vitamin-
lüge“, „Essen ohne Risiko, Bio – Die Alternative“ und „Schadstofffalle Supermarkt?
– schadstoffarme und -freie Alternativen“ veröffentlicht.

Originalausgabe

© 2008 humboldt
Ein Imprint der Schlüterschen Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG,
Hans-Böckler-Allee 7, 30173 Hannover
www.schluetersche.de
www.humboldt.de

Autor und Verlag haben dieses Buch sorgfältig geprüft. Für eventuelle Fehler
kann dennoch keine Gewähr übernommen werden. Alle Rechte vorbehalten.
Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der gesetz-
lich geregelten Fälle muss vom Verlag schriftlich genehmigt werden.

Lektorat: Bernd Pallaschke, Dümmer


Covergestaltung: DSP Zeitgeist GmbH, Ettlingen
Innengestaltung: akuSatz Andrea Kunkel, Stuttgart
Titelfoto: Panthermedia
Fotos im Innenteil: Dr. Andrea Flemmer.
Verbandssiegel wurden von den jeweiligen Verbänden
bzw. der Bundesregierung zur Verfügung gestellt.
Satz: PER Medien+Marketing GmbH, Braunschweig
Druck: Artpress Druckerei GmbH, A-6600 Höfen

Gedruckt auf Papier aus nachhaltiger Forstwirtschaft.

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Inhalt
Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7

Was sind gesunde Lebensmittel? . . . . . . . . . . . 9

Wie erkenne ich Bio-Lebensmittel


zweifelsfrei? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
Was ist eigentlich „Bio“? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
Was geschieht mit dem „verseuchten“ Boden,
wenn ein Bauer umstellt? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
Gesetzliche Vorschriften rund um Bio- oder
Öko-Lebensmittel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
Der ökologische Landbau und die Kontrolle . . . . . . . . 25
Wie zuverlässig sind ausländische Bio-Produkte? . . . . 28
Bio-Lebensmittel aus dem Supermarkt –
wirklich echt Bio? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
Was ist anders im Naturkostladen? . . . . . . . . . . . . . . . 33
Vorsicht: Nepper, Schlepper, Bauernfänger! . . . . . . . . 35

Was erspare ich mir mit Bio-Lebensmitteln? 37


Schadstoffe aus der Landwirtschaft . . . . . . . . . . . . . . . 37
Man gönnt sich ja sonst nichts:
Fleisch aus Massentierhaltung und die Folgen . . . . . . . 51
Massenproduktion in der Fischzucht
und die entstehende Schadstoffproblematik . . . . . . . . 54
Zusatzstoffe und Co.: Was man so alles mitisst . . . . . . . 56
Bestrahlte Lebensmittel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76
Gentechnik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78
Nie wieder Angst vor BSE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90

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6 Inhalt

Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser:


Die große Untersuchung von Bio-Lebensmitteln
des CVUA Stuttgart . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92

Wie viel mehr dürfen Bio-Lebensmittel


kosten? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100
Warum sind Bio-Lebensmittel teurer
als konventionelle Ware? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100
„Profitin“ oder: Wasser in Lebensmitteln . . . . . . . . . . 104
Sonstige Tricks, um Lebensmittel „billiger“ zu machen
Fazit: Welche Preise sind real – was Wucher? . . . . . . . 108
Welche Produkte darf man auch konventionell kaufen
und bei welchen Lebensmitteln geht man besser keine
Kompromisse ein? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114

Warum Bio gesünder ist . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 145


Gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe
in Bio-Lebensmitteln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 147
Artgerechte Tierhaltung nützt den Tieren –
und wir haben auch etwas davon . . . . . . . . . . . . . . . . 155
Endlich kann man es beweisen: Bio ist gesünder! . . . . 161
Darum ist Bio besser . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 169

Anhang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 176
Hilfreiche Adressen, auch aus dem Internet . . . . . . . . . 176
Lexikon: Fachbegriffe leicht zu verstehen . . . . . . . . . . 180
Quellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 185

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7

Vorwort
Liebe Leserin, lieber Leser,

Bio – lange Zeit war es fast ein Schimpfwort. Und diejenigen,


die die Produkte kauften, galten als Spinner, Ökos, Jutesack-
Träger. Sie gaben viel Geld für etwas aus, was der Rest der
Menschheit viel billiger bekam. Einige kleinere und größere
Skandale, wie das Pestizid Nitrofen in Getreide-Lagerhallen,
bestätigten dies auch noch. „Nein, da lief keiner in Birken-
stocks rum!“ war die Antwort, als ich einen Kollegen fragte,
ob es auf der Messe für Getränketechnologie auch Bio-Säfte
gab. „Die Luft ist doch sowieso verschmutzt. Das ist dann
auch alles auf den Produkten“, lautete die letzte Ausrede, um
sich vor den höheren Kosten zu schützen und bei seinem
Irrglauben zu bleiben.
Schlagartig änderte sich das. Heute gibt es einen Bio-Boom.
Jede und jeder kauft plötzlich Bio. Die Umsätze der Produ-
zenten steigen. Ja, sie nehmen so zu, dass andere Lebens-
mittelbranchen nur davon träumen können: zweistellige
Umsatz- und Absatzmengensteigerungen! Plötzlich wissen
die Verkäufer nicht mehr, wo sie die Produkte zum Verkau-
fen hernehmen sollen. Bio-Notstand im Lande. Auf einmal
bekommt man keine Bio-Eier mehr.
Heute gibt es zu wenig Bio-Bauern, und da gesetzliche Fristen
von zwei bis drei Jahren zur Umstellung vorgegeben sind,
wachsen solche Betriebe nicht wie Pilze aus dem Boden. Dazu
kommt, dass es sich leider mehr rentiert, nachwachsende
Rohstoffe zur Energieerzeugung anzubauen als Lebensmittel.
Bauern sind heutzutage lieber Energiewirte als Produzenten

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8 Vorwort

von Bio-Lebensmitteln. Und im Ausland, wie zum Beispiel in


Polen, wird Öko-Anbau stärker gefördert.
Nicht nur Supermarktketten sind daher gezwungen, die Pro-
dukte aus dem Ausland zu holen, um den Bedarf auch nur
halbwegs abzudecken. Sogar aus China, Ägypten und Indien
holt man Bio-Nahrungsmittel – gar nicht ökologisch, wenn
man die Transportwege bedenkt.
Kurz gesagt: Bio-Lebensmittel sind plötzlich hoffähig. Aber
was ist dran an diesem Boom? Ist Bio wirklich besser? Ist
das Vertrauen gestärkt? Sind diese Lebensmittel tatsächlich
gesünder? Generell? Gehören Bio-Produkte zur Gesundheits-
welle? Ist „Bio“ im Supermarkt wirklich „Bio“ oder nur Ge-
schäftemacherei?
Das sind die Themen dieses Buches. Es zeigt, ob und inwie-
weit Bio-Lebensmittel gesünder sind. Welche Schadstoffe
erspare ich mir, wenn ich zu dieser „Sorte“ Lebensmittel
greife? Welche unerwünschten Technologien umgehe ich,
wenn ich Bio kaufe? Wie schütze ich mich vor Bio-Betrug,
wie trenne ich die Spreu vom Weizen? Warum sind Bio-Pro-
dukte teurer? Ist das berechtigt oder werde ich einfach nur
„abgezockt“?
Viel Spaß mit dieser gesunden und spannenden Lektüre
wünscht Ihnen

Dr. Andrea Flemmer

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9

Was sind gesunde


Lebensmittel?
Wie definiert man Gesundheit? Sicherlich nicht einfach
nur als Abwesenheit von Krankheit. Die WHO (Weltgesund-
heitsorganisation) ist der Ansicht, dass auch das allgemeine
Wohlbefinden dazu gehört: Gesundheit ist ein „Zustand
vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbe-
findens, und nicht nur das Freisein von Erkrankungen und
Gebrechen“.
70 000 bis 100 000 künstliche Stoffe in Lebensmitteln sind
bekannt, die sicherlich nicht alle zu unserem Wohlbefin-
den beitragen. Obendrein kommen jährlich etwa 10 000
Substanzen neu dazu. Bei einer Untersuchung hat die Uni-
versität Leicester in einer einzigen Körperzelle eines 30-jäh-
rigen Menschen 500 künstliche Stoffe gefunden. Da können
Gesundheitsrisiken bestimmt nicht ausgeschlossen werden.
Der Körper ist kein Status quo. Er wird ständig auf- und abge-
baut, denn die Körpergewebe unterliegen einer andauernden
Ausbesserung und Erneuerung. Dazu benötigt er Nahrung.
Die Rate und Geschwindigkeit von Ersetzungs- und Erneu-
erungsprozessen im Körper ist sehr unterschiedlich. Das
Eiweiß des Skelettmuskels erneuert sich zum Beispiel inner-
halb von 50 bis 60 Tagen zur Hälfte, der Herzmuskel bereits
nach elf Tagen, die Darmschleimhaut alle ein bis zwei Tage.
Die Erneuerungsrate für unser Gesamtkörpereiweiß liegt bei
3,5 Prozent täglich. Man kann sich ausrechnen, wann das
gesamte Eiweiß im Körper wieder neu bzw. ausgetauscht ist.
Das, was man isst, findet sich folglich eines Tages in den Kno-

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10 Was sind gesunde Lebensmittel?

chen, im Herzen, ja sogar im Gehirn wieder. Daran sieht man


schon, wie wichtig hochwertige Lebensmittel sind.
Der Gesundheitswert eines Lebensmittels drückt sich auch
im Energie- und Nährstoffgehalt aus. Das heißt: Wie viele
Kalorien enthält es, wie viele Vitamine, Mineralstoffe und Spu-
renelemente, Fett, Eiweiß und Kohlenhydrate? Laut Verbrau-
cherzentrale Bayern sollte man täglich 2 Stück Obst, 1 Portion
Salat, 1 Glas Milch, 1 Portion Gemüse, 3 Scheiben Vollkorn-
brot, 2 Scheiben Käse, 1 Becher Naturjoghurt und 1 Liter Was-
ser zu sich nehmen, um gesund zu bleiben.
Zunehmend rücken bioaktive Wirkstoffe in den Mittelpunkt
des Interesses. Dazu gehören neben Ballaststoffen die soge-
nannten sekundären Pflanzenstoffe (siehe Anhang, Lexikon). Sie
sind krebsvorbeugend, wirken zum Teil gegen Mikroorganis-
men und helfen damit gegen Infektionen. Sie schützen vor
den nachteiligen Wirkungen des Sauerstoffs, wirken gegen
Blutgerinnsel, beeinflussen das Immunsystem, hemmen Ent-
zündungen und regulieren den Blutdruck. Manche senken
den Cholesterinspiegel, regulieren den Blutzuckerspiegel und
wirken verdauungsfördernd. Sie unterstützen unsere Gesund-
heit in einer Welt mit hoher Umweltverschmutzungsrate,
künstlichen Lebensmittel-Inhaltsstoffen, viel Stress und oft
genug einer auch sonst ungesunden Lebensweise.
Nur: es gibt vermutlich 10 000 solcher Verbindungen auf der
Welt. Etwa 250 Wirkstoffe gibt es in europäischen Pflanzen,
davon kennt man etwa 120 in ihrer Funktion. Wie soll man
nun herausbekommen, welche heilsbringenden Substanzen
in welchem Lebensmittel enthalten sind? Jedes Nahrungs-
mittel testen, ob es ein oder vielleicht mehrere hundert sol-
cher bioaktiven Wirkstoffe enthält? Grünkohl und Knoblauch

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Was sind gesunde Lebensmittel? 11

gehören zum Beispiel dazu. Aber die anderen? Sind sie weni-
ger gesund? Muss man tatsächlich Tausende oder vielleicht
sogar Hunderttausende von Untersuchungen durchführen,
um dem gesundheitlichen Wert der jeweiligen Lebensmittel
auf die Spur zu kommen? Wie lange würde das wohl dauern!
Nun gibt es aber neue, modernere Methoden, die das Ver-
fahren enorm abkürzen. Damit kann man Lebensmittel sehr
schnell auf die speziellen gesundheitlichen Wirkungen tes-
ten. Wie das geht, welchen theoretischen Hintergrund das
hat und wie sich dies auf die Aussagen über Bio-Lebensmittel
auswirkt, das erfahren Sie im Rahmen dieses Buches.

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12

Wie erkenne ich Bio-


Lebensmittel zweifelsfrei?
Was genau ist das eigentlich, ein Bio-Lebensmittel? Welche
Voraussetzungen muss ein Bauer mitbringen, um als Öko-
Bauer anerkannt zu werden? Wie definiert man Öko- oder
Bio-Lebensmittel bzw. Produkte aus dem sogenannten ökolo-
gischen Anbau? Wie kann man sicher sein, dass es sich wirk-
lich um ein Bio-Lebensmittel handelt? Wurden beim Anbau
bzw. bei der Herstellung auch alle zugehörigen Vorschriften
eingehalten?

Was ist eigentlich „Bio“?


Bio-Bauern haben zumeist einen Grund für ihren Umstieg
auf den Öko-Landbau: Sie registrieren, dass konventionelle
Landwirte nur dann überleben können, wenn sie mit relativ
massivem Chemieeinsatz in Form von Kunstdünger, Pestizi-
den und Halmverkürzern arbeiten und zu guter Letzt auch
noch mit Gentechnik – und das wollen sie nicht mehr. Sie
möchten einen verantwortungsbewussten Umgang mit der
Natur. Sie können sich nicht vorstellen, dass eine Ernährung
mit chemischen Rückständen für den Menschen auf Dauer
gesund ist.
Auch die Tiere, die sie mästen, großziehen und schließlich
zum Schlachthof bringen, wollen sie nicht quälen, wie das
in der Massentierhaltung oft der Fall ist. Wenn das Tier schon
Milch gibt, Eier legt oder Fleisch liefert, dann kann man es
doch wenigstens zu Lebzeiten gut behandeln, so die Meinung

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Was ist eigentlich „Bio“? 13

verantwortungsbewusster Landwirte (siehe Kapitel „Artgerechte


Tierhaltung nützt den Tieren, und wir haben auch etwas davon!“).
Und diese Grundeinstellung gilt für alle Bio-Bauern, ob sie
nun für den Naturkostladen oder für Supermarkt und Dis-
counter produzieren.

Die wichtigsten Regeln des ökologischen Landbaus


Zum Hauptziel der ökologischen Landwirtschaft gehört die
Gesunderhaltung des Kreislaufs Boden – Pflanze – Tier –
Mensch. Folgende Regeln sind wichtig:
 Artgerechte Tierhaltung: Sie richtet sich nach den Bedürf-
nissen der jeweiligen Tierart. Das bedeutet: Auslauf, Ein-
streu im Stall statt Vollspaltenböden (siehe Anhang, Lexikon),
Bewegungsmöglichkeit, Verbot der Käfighaltung von Hüh-
nern und der Einzelhaltung von Kälbern in Mastboxen.
Die Ställe werden von Tageslicht geflutet, Schweine stehen
auf Stroh und haben genügend Platz. Auch die möglichst
schonende Schlachtung gehört dazu. Die jeweilige Tierart
soll möglichst an die Standortbedingungen angepasst sein,
um eine hohe Widerstandsfähigkeit des jeweiligen Tieres
zu erreichen. „In wissenschaftlichen Versuchen ziehen Tiere
Haltungsformen vor, wie sie auf Biohöfen üblich sind“, so
nachzulesen im Greenpeace-Magazin (siehe Anhang, Quellen).
 Anpassung der Tierhaltung an die Betriebsfläche. Das be-
deutet: nur begrenzte Anzahl von Weidetieren pro Fläche.
Dadurch entstehen keine überschüssige Gülle und Mist,
wie dies in der konventionellen Landwirtschaft vorkommt.
 Förderung bewährter Kultursorten und Zuchtrassen, be-
sonders im Hinblick auf Schädlingsresistenz und Tierge-
sundheit.

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14 Wie erkenne ich Bio-Lebensmittel zweifelsfrei?

 Ausschluss der Gentechnik bei Produktion und Verarbei-


tung.
 Möglichst regionale Vermarktung verbrauchernah erzeug-
ter Lebensmittel.
 Weitgehende Vermeidung von importierten Futtermitteln
aus der Dritten Welt.
 Verbot von Kunstdünger, chemisch-synthetischen Schäd-
lingsbekämpfungsmitteln (in diesem Buch generell als
Pestizide bezeichnet) – dazu gehört auch ein Verzicht auf
das Beizen bzw. die Behandlung von Saatgut zum Schutz
vor Schädlingsbefall-, Lagerschutz- und Nachreifemitteln,
Hormonen sowie Wuchsstoffen, Antibiotika und anderen
leistungsfördernden Medikamenten als Futterzusatz.
 Futter vom eigenen Bio-Hof, bei Zukauf nur von ökolo-
gisch wirtschaftenden Betrieben.
 Kurze Wege für den Transport zum Schlachthof, um die
tierquälerischen Tiertransporte zu vermeiden.
 Verbot der Lebensmittelbestrahlung mit ionisierenden
Strahlen zur Haltbarmachung.
 Förderung der Bodenfruchtbarkeit und der natürlichen
Abwehrkräfte von Pflanzen und Tieren gegen Krankheiten
und Schädlinge.
 Schonung des Grundwassers, insbesondere in Bezug auf
Nitrat und Rückstände von Pestiziden.
 Zusätzlich wird eine abwechslungsreiche, weite Frucht-
folge (Zwei-, Drei- und Vierfelderwirtschaft) angestrebt.
Diese „Mindest“-Richtlinien gelten für alle „Bio-Betriebe“,
die für Naturkostläden und für Biomarken der Super- und
Drogeriemärkte produzieren. Für die Einhaltung der Regeln
sorgen vor allem die jeweiligen Anbauverbände, die mit spe-

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Was geschieht mit dem „verseuchten“ Boden? 15

ziellen Kennzeichen, Siegeln oder Logos auf ihren Produkten


die Einhaltung dieser Regeln demonstrieren. Diese Verbände
heißen Demeter, Bioland, Biokreis, Naturland, Ökosiegel,
Gäa, Biopark oder Ecovin.
Die einzelnen Verbände haben zusätzliche Richtlinien, deren
Einhaltung ebenfalls überprüft wird. So berücksichtigen
zum Beispiel die Demeter-Bauern bei der Aussaat den Stand
der Sterne.

Die Verbandszeichen der ökologisch wirtschaftenden Betriebe

Die speziellen Regeln können Sie bei den jeweiligen Verbän-


den erfragen. Ein Verstoß gegen die jeweiligen Regeln hat
eine Geldstrafe und bei Wiederholung Verbandsausschluss
zur Folge (siehe Kapitel „Der ökologische Landbau und die Kontrolle“).
Wer keinem Verband angehört, aber dennoch Bio produzie-
ren will, muss dann zumindest die Richtlinien der EG-Öko-
Verordnung einhalten.

Was geschieht mit dem „verseuchten“


Boden, wenn ein Bauer umstellt?
Sie werden sich fragen, was mit dem belasteten Boden und
den darauf wachsenden Lebensmitteln passiert, wenn ein
Bauer auf ökologischen Landbau umstellt. Konventionelle

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16 Wie erkenne ich Bio-Lebensmittel zweifelsfrei?

Pestizide sind zum Teil über Jahrzehnte haltbar. Dazu kommt,


dass die Produktionshallen unter Umständen „verseucht“
sind. Daher dauert es auch mindestens zwei Jahre (für ein-
jährige Kulturen) bzw. drei Jahre (bei Dauerkulturen), bis der
umstellungswillige Landwirt seine Ware als „Bio“ kennzeich-
nen darf. Bis diese Zeit abgelaufen ist, muss er seine Ware mit
dem Hinweis kennzeichnen: „aus Umstellungsbetrieb“. Das
ist für den Bauern nicht einfach, denn er hat Ernteverluste in
Höhe von etwa 30 Prozent im Vergleich zur konventionellen
Landwirtschaft. Höhere Preise kann er erst dann rechtferti-
gen, wenn man ihm das Verbandszeichen und/oder das EU-
Siegel zuerkannt hat. Es gibt jedoch auch Anbieter, die dem
Bauern von Anfang an höhere Preise bezahlen – und dies
auch vom Kunden verlangen. Dennoch: die Kennzeichnung
ist Vorschrift.

Gesetzliche Vorschriften rund


um Bio- oder Öko-Lebensmittel
In der Regel waren früher alle Bauern, die ökologisch wirt-
schafteten, einem Verband angeschlossen. Andere wirtschaf-
teten zwar ihrer Meinung nach ökologisch und produzierten
Bio-Lebensmittel, wollten jedoch keiner Organisation ange-
hören und vermarkteten ihre Produkte trotzdem als Bio-
Lebensmittel. Das ist vorbei!

„Bio“ und „Öko“ sind gesetzlich geschützte Begriffe


Bereits 1991 regelten Gesetze der europäischen Union die
Bezeichnung „ökologischer Landbau“. Diese „EG-Öko-Ver-
ordnung“ bezog damals nur den pflanzlichen Bereich EU-

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Gesetzliche Vorschriften 17

weit ein. 1999 kamen tierische Produkte hinzu. Damit gibt


es für die Mitglieder der EU einheitliche Regelungen für die
Erzeugung, Kennzeichnung und Kontrolle von Produkten des
ökologischen Landbaus, inklusive der Verarbeitung der Bio-
Lebensmittel.
Durch Letzteres ist die Liste der Zusatzstoffe, die bei der Be-
arbeitung von Bio-Lebensmitteln verwendet werden dürfen,
auf etwa 52 Stoffe (im Vergleich zu 316 in der Produktion kon-
ventioneller Lebensmittel) beschränkt. Trotz Verarbeitung soll
bei Bio-Produkten die Natürlichkeit der Lebensmittel durch
möglichst wenige Verarbeitungsschritte bewahrt werden.
Die Ziele der EG-Öko-Verordnung sind der Schutz des öko-
logischen Landbaus, die Sicherstellung des lauteren Wett-
bewerbs zwischen den Herstellern derart gekennzeichneter
Erzeugnisse und die Steigerung des Verbrauchervertrauens.
Die Verordnung regelt also nicht nur die ökologische Erzeu-
gung von Lebensmitteln. Man findet dort auch Bestimmun-
gen zur Kennzeichnung, Verarbeitung und Vermarktung von
Öko-Produkten sowie zur Einfuhr von ökologischen Pro-
dukten in die Europäische Union (EU). Diese Verordnung gilt
unmittelbar in jedem Mitgliedsstaat der EU – ob alt oder neu.
Das bedeutet für Sie, dass Sie den Begriffen „Öko“ und „Bio“
auf den Lebensmitteln wirklich vertrauen können – auch in
Super- und Drogeriemärkten und sogar in Billigmärkten!
Verstößt ein Erzeuger gegen die Vorschriften, kann er wegen
Verbrauchertäuschung strafrechtlich belangt werden.
Wenn also ein Unternehmer ein Lebensmittel unter der
Bezeichnung „Öko“ oder „Bio“ vermarkten will, muss er
sich bei der zuständigen Behörde des jeweiligen Mitglied-
staates nach einem festgelegten Muster anmelden. Außerdem

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18 Wie erkenne ich Bio-Lebensmittel zweifelsfrei?

hat er sich dem Kontrollverfahren durch einen Kontrollver-


trag mit einer zugelassenen Kontrollstelle zu unterwerfen.
Wenn Sie Zweifel haben, ob ein von Ihnen gekauftes Bio-Pro-
dukt auch wirklich „Bio“ ist, können Sie sich bei den zustän-
digen Behörden (Landwirtschaftsämter) erkundigen.
Zu der EG-Öko-Verordnung kommen die jeweiligen speziel-
len Richtlinien der Anbauverbände hinzu, die unterschied-
lich strenge Kriterien ansetzen (siehe Seite 25 ff.).
Wenn man ein Produkt als „Bio“ bezeichnen will, ist es nicht
Voraussetzung, Mitglied in einem der ökologischen Anbau-
verbände zu sein.
Für den Verbraucher heißt das: Produkte, die den Hinweis
auf die Öko-Kontrollstelle haben und die Produktbezeich-
nung „Bio“ oder „Öko“ aufweisen, entsprechen mindestens
den gesetzlichen Vorschriften der EU. Findet man einen Hin-
weis auf dem Produkt, dass es sich bei dem Erzeuger um ein
Mitglied eines der Ökoverbände handelt, so wurden diese
Vorschriften zusätzlich bei der Erzeugung des Lebensmit-
tels beachtet. Wer sich mit den Bedingungen der einzelnen
Verbände nicht auseinandersetzen will, hat es seit der Ver-
abschiedung der EG-Öko-Verordnung jedenfalls viel leichter.
Jetzt weiß man, wenn man ein Bio- oder Öko-Lebensmittel
kauft, dass zumindest die gesetzlichen Rahmenbedingungen
dafür eingehalten wurden.
Von den reinen Bio-Lebensmitteln unterscheiden sich die
Bio-Mischprodukte und die Reformwaren. Erstere enthal-
ten einen mehr oder weniger großen Anteil an Zutaten aus
Nicht-Öko-Anbau. Vor allem zu Beginn der Bio-Produktion
waren nicht alle Lebensmittel in Bio-Qualität verfügbar, so
dass gerade im Naturkostwarenbereich Ausnahmen gemacht

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Gesetzliche Vorschriften 19

werden mussten. Diese Einschränkung trifft jedoch immer


weniger zu, so dass diese Sonderfälle reduziert werden konn-
ten. Waren, die nur über Reformhäuser angeboten werden,
sind zum Teil Bio, manche auch nicht. Hier muss man die
Kennzeichnung auf den Lebensmitteln beachten, die für
Reformwaren genauso gelten.
Dennoch, wenn die Menge der konventionellen Zutaten fünf
Prozent nicht überschreitet, darf die Ware ohne Einschrän-
kung als Bio-Ware deklariert werden. Darüber hinaus müssen
Waren mit bis zu 30 Prozent konventioneller Nahrungsmittel
diesen Anteil prozentual ausweisen. Übersteigt der Fremdan-
teil 30 Prozent, dürfen die Waren nicht mehr als Bio-Produkt
deklariert werden.
Der Naturkosthandel bietet ausschließlich Bio-Produkte
an. Die großen Handelsketten wie „Norma“, „REWE“, auch
„ALDI“ oder „LIDL“ haben oft eigene Bio-Produktlinien, die
sie mit einem eigenen Label kennzeichnen. Diese besonderen
Kennzeichen sind keine staatlichen oder EU-Kennzeichen.
Sie sollen in der Regel nur das Auffinden der Bio-Lebens-
mittel erleichtern. Aber auch auf diesen Produkten finden Sie
– vorausgesetzt es handelt sich um echte Bio-Lebensmittel –
die bereits geschilderten Kennzeichen wie Prüfstelle oder das
bundeseigene Bio-Zeichen.

Das bedeutet für Sie:


Den Begriffen „Bio“ und „Öko“ können Sie vertrauen.

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20 Wie erkenne ich Bio-Lebensmittel zweifelsfrei?

Die Qualitätszeichen echter Bio-Lebensmittel


erkennen
Wie Sie gesehen haben, erkennt man Bio-Lebensmittel an der
Bezeichnung „Bio“ oder „Öko“. Aber das ist nicht das einzige
Qualitätsmerkmal: Das Wichtigste ist die Bezeichnung der
Öko-Kontrollstelle. Sie wird von der obersten Kontrollbehörde
des jeweiligen Bundeslandes
zugelassen, die auch deren
Arbeit überwacht. Sie finden
So sieht die Kontrollstellennummer das Erkennungszeichen der
auf der Verpackung eines Bio- Kontrollstelle auf der Ver-
produktes zum Beispiel aus
packung eines Lebensmittels
(siehe Kasten). Hat man Bedenken, ob es sich bei dem Produkt
tatsächlich um Bio-Ware handelt, kann man bei der angege-
benen Kontrollstelle nachfragen, ob alles seine Richtigkeit hat,
denn sie haften für die „Öko“-Qualität der Ware. Das muss auf
der Verpackung eines Bio-Produktes stehen, zum Beispiel:

DE-005-Öko-Kontrollstelle
DE = Länderkürzel, DE für Deutschland, IT für Italien etc.
005-Öko-Kontrollstelle = Nummer der Kontrollstelle, hier
zum Beispiel für IMO = Institut für Marktökologie GmbH,
Konstanz. Deutsche Kontrollstellen verwenden Ziffern, in
anderen EU-Ländern sind auch Buchstaben üblich, zum
Beispiel AIB für eine italienische Kontrollstelle.

Sie können die Kontrollstellen im Internet einsehen, zum


Beispiel unter der Adresse www.prolink.de/~hps/organic/
ListederKontrollstellenc_354200.pdf.

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Gesetzliche Vorschriften 21

Seit Herbst 2001 gibt es au- Kennzeichen der


ßerdem ein bundeseinheit- Bundesregierung
liches Zeichen für Produkte für ökologisch
produzierte
aus dem ökologischen Anbau,
Lebensmittel
die nach den Richtlinien der
genannten EG-Öko-Verordnung produzieren. Es erleichtert
allen Verbrauchern, Bio-Produkte von konventionellen zu
unterscheiden. Das Signet dürfen nur Erzeuger und Hersteller
verwenden, die die Bestimmungen der EG-Öko-Verordnung
einhalten und sich den vorgeschriebenen Kontrollen sowie
Richtlinien unterziehen.
Seitdem es dieses Zeichen gibt, haben über 2 522 Unterneh-
mer die Nutzung dieses Signets für mehr als 42 825 Produkte
bei der Informationsstelle BIO-SIEGEL der Ökoprüfzeichen
GmbH angezeigt (Stand: Ende November 2007). Es ist das im
Fach- und Lebensmitteleinzelhandel am weitesten verbreitete
Zeichen für Bio-Lebensmittel in Deutschland. Man erkennt
daran leicht: „Wo Bio draufsteht, ist auch Bio drin.“ Dafür
wird der jeweilige Artikel von einem Expertenkreis einge-
hend geprüft.
Außer dem deutschen Kennzeichen gibt es ein für die EU-
Mitglieder einheitliches Zeichen. Dieses „EU-Biosiegel“ wird
in allen EU-Amtssprachen und in verschiedenen Versionen
herausgegeben. Da es weit weniger bekannt ist als das deut-
sche Siegel, findet man es kaum auf den Produkten, während
es sich in anderen Mitgliedsstaaten der EU stärker durchge-
setzt hat. Ab 2009 soll allerdings EU-weit ein neues Bio-Siegel
eingeführt werden, dann wird es auch für alle verpflichtend.
Nationale Siegel dürfen zusätzlich verwendet werden.

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22 Wie erkenne ich Bio-Lebensmittel zweifelsfrei?

In der Schweiz gilt für „Bio-Lebensmittel“, die auch so ge-


kennzeichnet sind, die Schweizer Bio-Verordnung, die äqui-
valent ist zur EG-Öko-Verordnung. Die meisten der Schweizer
Bio-Lebensmittel sind nach den Richtlinien von „Bio-Suisse“
(Vereinigung Schweizer Biolandbau-Organisa-
tionen) erzeugt, die die Knospe als Erkennungs-
zeichen aufweisen (siehe Abbildung).
Weitere zuverlässige Schweizer Labels können
Sie unter dem Link www.wwf.ch/de/tun/tipps_
fur_den_alltag/essentrinken/labels/index.cfm
herunterladen.

Der Unterschied zwischen EU-Bio


und Verbands-Bio
„Bio“ gemäß der EU-Richtlinie folgt zwar den grundsätz-
lichen Voraussetzungen für die Öko-Landwirtschaft. Dennoch
sind die Bio-Anbauverbände in mancher Hinsicht strenger.
Der größte Kritikpunkt ist die mögliche Teilumstellung des
Betriebes. Sie ist bei EU-Ware leider immer noch erlaubt. Das
schließen die Verbände – berechtigterweise – aus. Der Voll-
ständigkeit halber muss man jedoch erwähnen, dass Betriebe
mit Teilumstellung bei der EU-Öko-Kontrolle auch die Daten
über den konventionell (nicht ökologisch) bewirtschafteten
Bereich offen legen müssen. Damit wird die Kontrolle wieder
leichter. Die Ökoware muss auch gut von der konventionellen
zu unterscheiden und zu trennen sein. Ein Bio-Weizenfeld
neben einem konventionellen Weizenfeld ist nicht möglich.
Hier muss eine völlig andere Feldfrucht angebaut werden.
Zufüttern darf ein EU-Bio-Bauer – abhängig von der Tierart
– zu fünf bis 15 Prozent konventionell, aber unter definierten

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Gesetzliche Vorschriften 23

Bedingungen. Das Spektrum der erlaubten Futtermittel ist auch


größer. Die Bio-Verbände erlauben die Zufütterung von kon-
ventionellem Futter nur ausnahmsweise. Dann jedoch auch
bis maximal 15 Prozent. Ab 2009 darf es allerdings auch laut
EU-Satzung keine konventionellen Futtermittel für Wieder-
käuer mehr geben, für Schweine und Geflügel will man das
ebenfalls.
Beim ökologischen Anbauverband Bioland muss im Sommer
mehr als 50 Prozent Grünfutter gefüttert werden. Die EG-
Öko-Verordnung schreibt dagegen keinen Mindestanteil vor.
Futter muss bei den Bio-Verbänden mindestens zur Hälfte
vom eigenen Hof stammen. Die EU befürwortet dies zwar
auch, schreibt es jedoch nicht zwingend vor.
Die Anzahl der gehaltenen Tiere ist bei den Bio-Verbän-
den strenger begrenzt. So dürfen nur 140 statt 230 Hennen,
280 Hähnchen anstelle von 580 oder zehn statt 14 Mast-
schweine pro Hektar und Jahr gehalten werden.
Auch die EU will, dass der Stress der Tiere bei Transporten
auf ein Minimum begrenzt wird. Die Tiere dürfen auch nicht
mit Stromstößen angetrieben werden. Der Gebrauch von
Beruhigungsmitteln vor und während der Fahrt ist verboten.
So mancher Bio-Verband wird hier genauer: die maximale
Transportentfernung ist vorgeschrieben.
Die EU erlaubt den Zukauf von organischen Stickstoffdün-
gern bis zu 170 kg/ha und Jahr. Die Bioverbände beschrän-
ken dies auf 40 bis 112 kg, je nach Verband. Leider erlaubt die
EU auch den Zukauf von konventionellem Wirtschaftsdünger
aus Tierhaltung (konventionelle Gülle und Jauche), jedoch
nicht aus Tierhaltung ohne Weidemöglichkeit, sprich nicht
aus Massentierhaltung im Stall. Dies ist für die Bio-Verbände

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24 Wie erkenne ich Bio-Lebensmittel zweifelsfrei?

in dieser Form nicht möglich. Gülle und Geflügelmist sind


dort generell ausgeschlossen.
Rohstoffe müssen auch nach EU-Richtlinien „Bio“ sein. Die
Anbauverbände beschränken sich hier nach Möglichkeit auf
Rohstoffe ihres eigenen Verbandes.
Nitritpökelsalz war auch nach der EU-Richtlinie vorläufig nur
bis 2007 zugelassen. Ob es endgültig verboten wird, entschei-
det die EU bis Ende 2008. Dagegen haben es Bioland, Biokreis,
Demeter und Gäa von vornherein ausgeschlossen.
Enzyme (siehe Anhang, Lexikon) sind von der EU ganz allgemein
zugelassen, bei den Bio-Verbänden nur produktspezifisch.
Für die Verarbeitung der Lebensmittel gibt es von Seiten der
EU keine Einschränkungen. Dagegen schließen einige Ver-
bände umstrittene Verfahren wie die Mikrowelle aus.
Die EG-Öko-Verordnung ist kein Status quo. Stellt man einen
Mangel fest, versucht man ihn zu beheben. Auch gibt es
für manche Bedingungen Übergangsfristen. So darf laut EU-
Richtlinie nur bis 2011 mit konventionellen Futtermitteln zu-
gefüttert werden. Entsprechend wird die Norm im Lichte der
bisher gewonnenen Erkenntnisse und neuer Rechtsnormen
ständig überarbeitet. Die Verantwortlichen treffen sich
immer wieder, um über diverse Richtlinienverbesserungen
zu sprechen. Dafür werden Eingaben von EU-Mitgliedsstaa-
ten und Interessengruppen gesammelt. Wenn Sie mehr dazu
wissen wollen, finden Sie alles unter www.organic-revision.
org. Eine geänderte Version der Verordnung tritt am 1. Januar
2009 in Kraft. Diesbezügliche Neuerungen wurden hier
bereits berücksichtigt.
Auch Skandale, wie zum Beispiel der Nitrofen-Skandal 2002,
führen zu Verbesserungen – oder besser gesagt: Korrekturen.

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Der ökologische Landbau und die Kontrolle 25

So ist seit Juli 2005 ein Gesetz in Kraft, das Lagerhallen und
Ähnliches in die Kontrolle einschließt. Damit soll verhindert
werden, dass noch einmal mit kriminellen Methoden ver-
sucht wird, Bio-Produzenten und -Anbietern etwas anzuhän-
gen, was weder ihren Gesetzen, Satzungen, Verordnungen
noch Einstellungen entspricht.

Der ökologische Landbau


und die Kontrolle
Die Kontrolle im ökologischen Landbau ist sehr streng – und
sie wurde zum Teil sogar noch strenger, als die EG-Öko-Ver-
ordnung hinzukam.

Wer sorgt nun dafür, dass die Verbandsrichtlinien


und die EG-Öko-Verordnung eingehalten werden?
Ein Öko-Bauer, der seine Produkte als Öko- oder Bio-Lebens-
mittel vermarkten will, wird einmal jährlich kontrolliert. Ein
diplomierter Agraringenieur oder
Landwirtschaftsmeister einer zu-
gelassenen Kontrollstelle über-
prüft den Bauern im Hinblick auf
die Einhaltung der EG-Öko-Ver-
ordnung und der jeweiligen Ver-
bandsvorschriften. Er kontrolliert
die Buchhaltung und rechnet ganz
genau nach, ob die Ausgaben und
Einnahmen schlüssig sind. Er Kontrolleur Rasso Völk
überprüft den Einkauf und den kontrolliert die Bücher bei
gesamten Betrieb. Auf den Feldern Bio-Bauer Schlickenrieder

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26 Wie erkenne ich Bio-Lebensmittel zweifelsfrei?

sieht er sofort, ob mit Kunstdün-


ger und chemisch-synthetischen
Pestiziden gearbeitet wurde: we-
nig oder gar kein Beikraut (ande-
rer Ausdruck für „Unkraut“ – da
dies nach Meinung vieler Bio-
Die Kontrolle ist sehr genau Erzeuger eine unpassende Be-
zeichnung ist) ist ein Hinweis auf
Schädlingsbekämpfungsmittel und veranlasst Bodenproben.
Ein Blick in die Ställe zeigt, ob die Tiere artgerecht unterge-
bracht sind oder ob Umbaumaßnahmen erfolgen müssen. In
der Regel ergibt die Kontrolle bei Bio-Bauern, dass alles in
Ordnung ist. Wurde aber doch eine Kleinigkeit entdeckt
(zum Beispiel ein kleiner Rest Mastfutter aus der konventio-
nellen Haltung steht noch herum), wird der Sünder bestraft.
Der Betrieb darf seine Ware nicht mehr als „Bio“ oder „Öko“
vermarkten. Ist der Bauer Verbandsmitglied, darf er das Ver-
bandszeichen nicht mehr nutzen. In krassen Fällen der Richt-
linienübertretung erfolgt der Ausschluss aus dem Verband.
Alle vorangegangenen Investiti-
onen und Ernteausfälle waren ver-
geblich und können den Ruin des
betreffenden Bauern bedeuten.
Die erhaltenen Subventionen oder
Fördermittel müssen ebenso zu-
rückgezahlt werden. Zusätzlich er-
hält der Sünder eine Anzeige
wegen Subventionsbetrug.
Kontrolle der Felder Bei leichten Mängeln bekommt
mit Bio-Bauer Schlickenrieder der Bauer die Möglichkeit, Verbes-

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Der ökologische Landbau und die Kontrolle 27

serungen durchzuführen – und


gegebenenfalls eine Geldstrafe
vom Verband. Dann wird zusätz-
lich eine unangemeldete Kontrolle
vom Verband bzw. der EU-Kon-
trollstelle angeordnet, um sicher-
zustellen, dass die Empfehlung
ernst genommen und im Laufe
des Jahres Maßnahmen zur Verbesserung eingeleitet wurden.
Die Strafen sind durchaus ernst zu nehmen: Im Februar 2003
wurde ein Bio-Bauer aus Thüringen zu sechseinhalb Jahren
Gefängnis verurteilt, weil er 50 000 Tonnen konventionelles
Getreide als Bio-Ware verkauft hatte. Für die Kontrolle muss
der Bauer ca. 250 Euro bezahlen, je nach Betriebsgröße auch
mehr. Mit der Verbandsmitgliedschaft, die mit jährlich etwa
1.000 Euro (ebenfalls gestaffelt nach Betriebsgröße, Umsatz-
möglichkeiten, Art der Produkte etc.) zu Buche schlägt,
bedeutet dies pro Jahr ca. 1.250 Euro an Kosten, die ein kon-
ventioneller Betrieb nicht hat.
Um zu verhindern, dass der Kontrolleur vielleicht sogar ge-
gen Bezahlung großzügig wird, wechselt man regelmäßig
den Prüfer – spätestens nach vier Jahren erfolgt der Aus-
tausch.
Seit der Einführung der EG-Öko-Verordnung für Bio-Pro-
dukte wird in Bayern bei 20 Prozent, in den anderen Bun-
desländern bei zwischen fünf und 20 Prozent der Höfe oder
Betriebe eine zusätzliche unangemeldete Kontrolle pro Jahr
durchgeführt.
Eine Überprüfung der konventionellen Bauern erfolgt dage-
gen selten oder gar nicht. Es gibt Bauern, die während ihres

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28 Wie erkenne ich Bio-Lebensmittel zweifelsfrei?

ganzen Berufslebens niemals einen staatlichen Kontrolleur


gesehen haben. Nur die Einhaltung der Gesetze, wie zum
Beispiel der Düngemittelverordnung, wird stichprobenartig
sowohl bei den konventionellen als auch bei den Bio-Bauern
überprüft.
Übrigens: Die Kontrolle geht weiter. Nicht nur Bio-Bauern
werden überprüft, sondern auch die Lieferanten, Verarbeiter
und schließlich die Anbieter der Bio-Lebensmittel. Sogar die
Kontrollstellen selbst unterliegen einer staatlichen Überprü-
fung.

Nirgendwo ist das Netz an Kontrollen dichter als bei Bio-


Lebensmitteln.

Wie zuverlässig sind ausländische


Bio-Produkte?
Die EG-Öko-Verordnung gilt innerhalb der EU. Bio-Ware von
außerhalb muss von einer – von der EU zugelassenen – Kon-
trollstelle überprüft werden. Die diesbezügliche Kontrollbestä-
tigung muss der Importeur vorlegen können.
Auch für Drittländer, zum Beispiel Argentinien, Australien und
die Schweiz, gelten diese Bestimmungen, wenn sie ihre Lebens-
mittel als „Öko“ oder „Bio“ bezeichnen wollen. Das bedeutet:

„Öko“- und „Bio“-Vorschriften gelten auch für auslän-


dische Produkte.

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Bio-Lebensmittel aus dem Supermarkt 29

Die Datenbank www.oekoregelungen.de informiert über die


gesetzlichen Regelungen und wichtigsten Verbandsricht-
linien für Öko-Produkte in den für Deutschland relevanten
Import- und Exportmärkten. Für jedes Land finden Sie alle
Informationen zum Öko-Anbau, die Sie wünschen.
Eigentlich gibt es für die Bio-Lebensmittel der EU ein ge-
meinsames Zeichen, nur kennt das wie gesagt kaum jemand.
Auch dieses Zeichen garantiert, dass das jeweilige Nahrungs-
mittel nach den Richtlinien der EG-Öko-Verordnung angebaut
wird und es ist in der gesamten EU einheitlich. Ab 1.1.2009
gibt es ein neues Logo der EU. Ab diesem Zeitpunkt müssen
alle Bio-Produkte dieses Label aufweisen. Das Label war zum
Zeitpunkt der Drucklegung noch nicht freigegeben, da eine
Firma ein juristisches Verfahren dagegen angestrengt hatte.
Mehr zu Schadstoffen in ausländischen Produkten siehe Kapitel
„Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“.

Bio-Lebensmittel aus dem Supermarkt –


wirklich echt Bio?
Nie war es so leicht wie heute, sich ökologisch zu ernäh-
ren – fast alle Super- und Drogeriemärkte, Discounter,
Kaufhäuser etc. führen inzwischen Bio-Produkte. Das war
nicht immer so. Ursprünglich gab es Bio-Ware nur im Na-
turkostladen. Zunehmend erkannten Supermärkte den Be-
darf an Bio-Produkten und bieten nun vermehrt Lebensmittel
aus dem ökologischen Anbau an. Dann kamen Kaufhäuser,
Drogeriemärkte und Discounter hinzu. Inzwischen gibt
es kaum mehr Anbieter, die nicht zumindest eine kleine
Bio-Ecke führen. Das geht sogar so weit, dass die konven-

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30 Wie erkenne ich Bio-Lebensmittel zweifelsfrei?

tionellen Supermärkte und Discounter mittlerweile die


Hälfte aller Bio-Waren in Deutschland verkaufen. Rund
24 000 Unternehmen sind in Deutschland bekannt, die bio-
logische Lebensmittel herstellen, verarbeiten oder impor-
tieren. Die meisten davon sind in Bayern und Baden-Würt-
temberg ansässig. Der Anteil der Bio-Fläche an der gesamten
landwirtschaftlichen Nutzfläche beträgt 4,9 Prozent, der An-
teil der Bio-Bauern bei ca. vier Prozent.
Für die Verbraucher hat dies den Vorteil, dass sie heute alles
zusammen – zu verbraucherfreundlichen Öffnungszeiten –
kaufen können und nicht extra in den Naturkostladen laufen
müssen, den es zudem nicht überall gibt. Dennoch bleiben
vielen Verbrauchern Zweifel. Ist Bio-Ware aus dem Super-
markt wirklich Bio?
Die Frage, ob es sich hierbei um echte Bio-Kost handelt, kann
eindeutig mit „Ja“ beantwortet werden. Die gesetzlichen Vor-
aussetzungen dafür haben Sie kennengelernt.
Supermärkte bieten vor allem die sogenannten Basis-Bio-
Produkte wie Trockenwaren, Milchprodukte, Eier, Obst und
Gemüse, Drogeriemärkte zumeist nur Trockenware, Dis-
counter vor allem das, was gerade in großen Mengen zu be-
kommen und schnell zu vermarkten ist.
Supermärkte, Drogeriemärkte etc. versuchen die Bio-Pro-
dukte preiswerter anzubieten. Dies gelingt zum Beispiel auf-
grund der höheren Abnahmemenge, die teure Logistik ein-
spart.
Dabei darf man nicht vergessen, dass Supermärkte große
Mengen benötigen. Es haben nicht genügend deutsche
Betriebe auf ökologischen Anbau umgestellt, und so wird es
auch noch dauern, bis wieder mehr Bio-Ware aus Deutsch-

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Bio-Lebensmittel aus dem Supermarkt 31

land kommt – je nach Unterstützung durch die Politik wird


dieser Zeitraum größer oder kleiner. Die großen Mengen
müssen irgendwoher kommen. Also versucht man es im Aus-
land und wird fündig.
Dazu kommt, dass für manch riesigen, international agie-
renden Lebensmittelkonzern landwirtschaftliche Betriebe
in bäuerlich-handwerklichen, regional verankerten Struktu-
ren hinderlich sind. Sie fahren eben nicht gerne von einem
kleinen Bio-Bauernhof zum nächsten. Die Logistik muss
reibungslos funktionieren. Manch „Großer“ will auch nicht
unbedingt Verbandsware. Der EU-Standard genügt. Da sind
Großbetriebe mit Massenware im Vorteil.
Oft haben die „Großen“ auch nur Interesse an Produkten, die
immer zur Verfügung stehen – lückenlos und saisonunab-
hängig. Das ist bei Bio-Ware nicht in der Form möglich wie
für konventionelle Ware.
Man muss wachsam bleiben. Es wäre schön gewesen, wenn
das deutsche Bio-Siegel in Gold, Silber und Bronze vergeben
würde. Dann hätte man unterscheiden können: Bronze für
EU-Bio-Ware, Silber bei Verbandsware und Gold für die-
jenigen Bauern und Produzenten, die besonders tier- oder
umweltschonend arbeiten. Dann hätte man sich leichter
getan und es hätten nicht noch ein bzw. mehrere weitere
Label entwickelt werden müssen.
So aber sind wir auf gut verfügbare Einkaufsmöglichkeiten
angewiesen und sind wenigstens vor Pestiziden, Kunstdün-
ger und – in der Regel – auch vor Gentechnik sicher. Zudem
essen wir immer noch gesünder, als wenn wir konventionelle
Waren kaufen. Das wichtigste ist und bleibt ein kritisches
Bewusstsein, damit die EG-Öko-Verordnung nicht verwässert

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32 Wie erkenne ich Bio-Lebensmittel zweifelsfrei?

wird. Das heißt: man muss den Politikern klar machen, dass
wir bereit sind, mehr für gesunde Lebensmittel zu bezahlen,
jedoch verwässertes Bio ablehnen. Es muss wirklich Bio drin
sein, wenn es drauf steht.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser


Im Öko-Monitoring von Baden-Württemberg wurden Unter-
schiede zwischen Discounter und Bio-Laden untersucht (siehe
Quellen, CVUA Stuttgart, den Bericht können Sie über Internet
einsehen). Das Ergebnis der Behörden: „Betrachtet man die
Verteilung der beanstandeten Proben landwirtschaftlicher
Urprodukte auf verschiedenartige Vertriebsformen (Erzeu-
ger, Bio-/Hofladen/kleinere Einzelhandelsgeschäfte, Voll-
sortimenter, Bio-Großhandel, Bio-Supermarkt und Discoun-
ter), so schwankt die Beanstandungsquote bezogen auf die
jeweilige Vertriebsform zwischen drei und sieben Prozent.
Tendenziell scheinen diese Quoten bei kleiner strukturierten
Vermarktungsformen (direkte Abgabe durch den Erzeuger,
Bio-Läden, Hofläden, Einzelhandel) niedriger zu sein; eine
eindeutige Aussage lässt sich jedoch aufgrund der insgesamt
geringen Anzahl an Beanstandungen nicht ableiten. Zum Teil
ist dies auch auf das unterschiedliche Warenangebot zurück-
zuführen.“ Das bedeutet alles in allem:

Bio-Produkten aus dem Supermarkt und von anderen


Anbietern können Sie vertrauen.

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Was ist anders im Naturkostladen? 33

Was ist anders im Naturkostladen?


Warum bevorzugen manche Kunden den Naturkostladen?
Gibt es dort etwas Besonderes? Was kann man dort kaufen,
was man im Supermarkt nicht bekommt?
Ganz einfach gesagt bekommen Sie im Naturkost- oder Bio-
Laden ausschließlich Bio-Produkte. Sie brauchen nicht da-
nach zu suchen, das Geschäft ist voll davon. Der Naturkost-
fachhandel, der gleichbedeutend ist mit der Bezeichnung
Naturkostladen, Naturkost-Fachgeschäft oder auch mitunter
Bio-Markt, ist in der Regel im „Bundesverband Naturkost
Naturwaren e. V.“ (BNN) organisiert. Ist am Eingang ein
großes „N“ aufgeklebt, dann gehört der Händler dem BNN
an. Die Mitglieder müssen sich an die Sortiments-Richt-
linien dieses Verbandes halten. Naturkost-Fachgeschäfte
sind anerkannt als Einkaufsstätten für ökologisch hochwer-
tige Produkte. Die Qualität der Waren wird durch die Sor-
timents-Richtlinien und deren Kontrolle gewährleistet. Seit
2001 werden zum Beispiel Orientierungswerte für Pestizide
und chemisch synthetische Vorratsschutzmittel herausgege-
ben. Nur diejenigen Lebensmittel dürfen verkauft werden,
die diese Werte einhalten. Wie schon bei der EU-Öko-Ver-
ordnung, werden neue wissenschaftliche Erkenntnisse in die
Vorgaben aufgenommen, so dass entsprechend der Möglich-
keiten Grenzwerte auch gesenkt werden. Ebenfalls empfiehlt
man – wenn nötig –, nur „naturbelassene“ Aromastoffe ein-
zusetzen und nicht diejenigen, die zum Beispiel aus Pilzen
oder Holzabfällen gewonnen werden.
Nahrungsmittel aus kontrolliert biologischer Agrarwirtschaft
(kbA) – also aus der ökologischen Landwirtschaft – spielen
eine elementare Rolle im Naturkostfachhandel. Bevorzugt

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34 Wie erkenne ich Bio-Lebensmittel zweifelsfrei?

werden Lebensmittel, die zusätzlich zu der EG-Verordnung


nach den Richtlinien eines der ökologischen Anbauverbände
erzeugt werden. Für Produkte aus dem Ausland gilt zum
einen die EG-Öko-Verordnung und zusätzlich die interna-
tionalen Regeln der IFOAM (International Federation of Organic
Agriculture Movements).
Bei der Sortimentsgestaltung liegt der Schwerpunkt auf Le-
bensmitteln, die eine vollwertige Ernährung ermöglichen
und nach den Prinzipien der Vollwerternährung mindestens
als empfehlenswert eingestuft sind.

Was ist eigentlich Naturkost?


Auch für Naturkost gelten die Regeln der Bio-Lebensmittel, wie
sie vorher dargestellt wurden. Das heißt: keine Gentechnik,
keine Bestrahlung, keine synthetischen Pestizide, kein Kunst-
dünger etc. Unter „Naturkost“ werden pflanzliche und tierische
Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft verstanden, die
zudem gering und werterhaltend verarbeitet werden.
Ein großer Vorteil ist die Volldeklaration sämtlicher Lebens-
mittelbestandteile eines Produktes – ohne die oft verun-
sichernden „E“-Angaben. Sie geht über die gesetzlichen An-
forderungen hinaus – ein wichtiger Beitrag, damit Sie wieder
Vertrauen in die Lebensmittel setzen können. Auch Spuren
gentechnisch veränderter Organismen werden entgegen der
aktuellen Gesetzeslage nicht geduldet.
Entsprechend diesen Regeln werden bevorzugt Vollkornpro-
dukte, Obst und Gemüse der Saison angeboten. Bei Marga-
rine handelt es sich zum Beispiel um ungehärtete und nicht
chemisch veränderte Pflanzenmargarine, Honig darf nicht
wärmegeschädigt sein.

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Vorsicht: Nepper, Schlepper, Bauernfänger! 35

Aus der Region für die Region


Naturkostläden dürfen den regionalen Anbau unterstützen.
Das heißt, wenn ihnen Obst oder Gemüse, die aus Überschüs-
sen von Privatgärten stammen und Ähnliches angeboten wird,
dürfen sie dieses verkaufen. In diesem Fall erfolgt der Verkauf
ohne Beteiligung des Großhandels. Auch hier wird genau
deklariert: „Privatanbau“ mit Name und Ort des Erzeugers
muss produktbegleitend zu erkennen sein.

Vorsicht:
Nepper, Schlepper, Bauernfänger!
Begriffe wie „kontrolliert“, „umweltverträglich“ oder Kombi-
nationen wie „kontrolliert ungespritzt“ bedeuten nicht, dass
das jeweilige Produkt „Bio“ ist. Derartige Lebensmittel stam-
men weder von den ökologischen Anbauverbänden noch
sind sie „Bio“ nach der EG-Öko-Verordnung. Es handelt sich
um „Pseudo“-Bio-Produkte, welche nur ein Öko-Image vor-
täuschen wollen. „Kontrolliert“ ist zwar ganz nett. Aber wer
hat da kontrolliert? Die Firma selbst? Auch Bezeichnungen
wie „vom Lande“ bei Billighähnchen (klar, dass sie nicht am
Münchner Marienplatz gezogen wurden) oder „unter stän-
diger tierärztlicher Kontrolle“ (ist das positiv oder negativ?)
sind kein Qualitätsmerkmal. Bezeichnungen wie „Bauern-
glück“ oder „Landliebe“ sind erst recht kein Erkennungs-
zeichen für Bio-Lebensmittel. In der Broschüre der Verbrau-
cherzentrale (siehe Quellen, „Einkaufsfalle Supermarkt“) können
Sie nachlesen, was wirklich dahinter steckt.

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36 Wie erkenne ich Bio-Lebensmittel zweifelsfrei?

Folgende Bezeichnungen garantieren Bio-Lebensmittel:


 Bio  Ökologische Agrar-
 Bio-Anbau wirtschaft
 Biologisch  Ökologischer Landbau
 Biologisch-dynamisch  Ökologischer Landbau
 Kontrolliert biologischer – EG-Kontrollsystem
Anbau (kbA)  Organic
 Kontrolliert ökologischer  Organisch
Anbau  Organisch-biologisch
 Ökologisch

Mit Bio-Lebensmitteln haben folgende Bezeichnungen


nichts zu tun:
 Alternativ  Kontrollierter Anbau
 Auf Gründünger  Naturgedüngt
gewachsen  Naturnah erzeugt
 Aus integrierter  Naturnahe Verfahren
Produktion beim Umweltschutz
 Aus umweltschonendem  Neutral kontrolliert
Anbau  Nicht chemisch behandelt
 Biologische Schädlings-  Nicht gespritzt
bekämpfung  Ohne Kunstdünger
 Extensiv  Rückstandsfrei erzeugt
 Gewachsen ohne Chemie  Umweltfreundlich
 Kontrolliert umwelt-  Umweltgerecht
schonend  Umweltverträglich
 Kontrolliert ungespritzt  Unbehandelt
 Kontrollierte Qualität  Ungespritzt

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37

Was erspare ich mir


mit Bio-Lebensmitteln?
Man hört es immer wieder: Biologisch angebaute Lebens-
mittel haben einen klaren Gesundheitsvorteil: ihr Schadstoff-
gehalt ist wesentlich geringer als der konventioneller Lebens-
mittel. Und die Schadstoffquellen sind zahlreich, sei es nun
aus der Landwirtschaft, aus der Verarbeitung oder den dabei
zugesetzten Zusatzstoffen.

Schadstoffe aus der Landwirtschaft


Früher waren alle Landwirte Bio-Bauern, ausnahmslos. Vor
der sogenannten „Industrialisierung der Landwirtschaft“ gab
es keinen Kunstdünger, keine künstlich hergestellten Pesti-
zide, keine Massentierhaltung und erst recht kannte niemand
Gentechnik. Mit der Industrialisierung fühlten sich die Bau-
ern dann nicht mehr so abhängig von der Natur. Hunger war
plötzlich unbekannt. Ganz im Gegenteil: Mit Massentierhal-
tung und dem Großeinsatz von Kunstdünger und Spritzmit-
teln stiegen die Erträge soweit, dass man Lebensmittel weg-
warf, vergiftete, ins Meer schüttete, um „die Preise stabil zu
halten“. Nahrungsmittel, die Jahrtausende lang knapp waren,
gab es plötzlich im Überfluss und die Verbraucher gewöhn-
ten sich daran, immer weniger Geld dafür auszugeben. Lei-
der sanken nicht nur die Preise für Lebensmittel, auch die
Qualität sank. Eine Fehlernährung mit solcher „Industrie-
nahrung“ führte zu den bekannten Zivilisationskrankheiten.
Bio-Bauer Martin Mayer vom Stumbeck-Hof in Siegertsbrunn

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38 Was erspare ich mir mit Bio-Lebensmitteln?

bei München kommentiert die Entwicklung folgenderma-


ßen: „Wenn man sich ansieht, was heutzutage in der Land-
wirtschaft passiert: Mit chemischem Pflanzenschutz und
Düngemitteln schafft man sich eine Überproduktion. Dann
verfällt der Preis. Dadurch muss der Bauer vom Staat subven-
tioniert werden. Somit hat der Verbraucher unter dem Strich
gesehen doch keine billigeren Lebensmittel, denn er muss
die Subventionen bezahlen. Gewinnen tut nur der, der die
chemischen Mittel verkauft oder herstellt.“
Bei der „konventionellen“ Landwirtschaftsform bzw. der Mas-
sentierhaltung fällt außerdem ein Überschuss an Gülle und
Mist an. Das bedeutet gleichzeitig eine hohe Konzentration
an Ammoniak, der in unmittelbarer Umgebung nicht nur ein
Waldsterben hervorruft, sondern im Verdacht steht, krebs-
auslösend zu sein. Für die Entstehung von Krebs ist zudem
nicht nur Ammoniak von Bedeutung, auch Nitrit, Nitrosa-
mine und Pestizide sind hier zu nennen.
Generell hat man heutzutage in der Regel mindestens 500
Chemikalien im Körper, die es vor 70 Jahren noch nirgends
gab. Es wird gespritzt und gedüngt, entseucht und bekämpft.
Mit Unkrautvernichtungs- und Pilzbekämpfungsmitteln,
mit Halmverkürzern und Wachstumshemmern, mit Insek-
tenvernichtungs- und Bodenentseuchungsmitteln wird der
Ertrag gesteigert. Und weil das giftige Zeug nicht einfach so
gespritzt werden kann, wird es mit Netz- und Heftmitteln,
Antioxidanzien, Entschäumern, Lösungsmitteln und Emulga-
toren, mit Trägerstoffen und Substanzen zur Vermeidung von
Spritzflecken vermischt. Damit alles üppig wächst und billig
herzustellen ist, wird gedüngt mit Kunstdüngern, ungego-
rener Jauche und kaum abgelagertem Mist.

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Schadstoffe aus der Landwirtschaft 39

Das Ziel sind Feldfrüchte und Futtermittel, die höchste Erträge


garantieren, irgendwelchen Güteklassen sowie EG-Qualitäts-
normen (in der Regel nur Aussehen und Größe, nicht aber die
Gesundheit betreffend) entsprechen und die hohen Gewinn
abwerfen. Diese Schadstoffe aus der Landwirtschaft tragen
zur Gesundheitsbelastung bei:

Pestizide – Vorsicht: Krebs


Chemisch-synthetische Pestizide (von griechisch pest = Schäd-
ling und cidere = töten), übersetzt „Schädlingsbekämpfungs-
mittel“, dürfen nach wie vor in der konventionellen Land-
wirtschaft eingesetzt werden. Da die Schädlinge auf Dauer
gegen das jeweilige Gift resistent, also unempfindlich werden,
müssen ständig neue Pestizide entwickelt werden.

Sind Pestizide auch heutzutage noch gefährlich?


In der EU ist die Zulassung eines neuen Wirkstoffes teuer: ca.
250 Millionen Euro sind nötig, bis die Substanz alle Prüfungen
bezüglich ihrer Gefährlichkeit durchlaufen hat.
280 Wirkstoffe in etwa 1 100 Präparaten sind in Deutschland
zugelassen, in der EU ein Mehrfaches davon. Die Substanz darf
nicht giftig oder krebsauslösend sein, sollte nicht im Trinkwas-
ser erscheinen und, und, und. Man ist aus dem Schaden durch
gefährliche Chemikalien klug geworden – und lässt solche
Stoffe wie DDT und Nitrofen nicht mehr zu. Wie lange diese
Gifte haltbar sind, hat man am Lebensmittelskandal im Früh-
jahr 2002 gesehen: auch nach über zehn Jahren Verbot sind sie
noch gefährlich. Solche gesundheitsschädlichen Substanzen
hätten gar nicht eingesetzt werden dürfen. Darum waren sie
im ökologischen Landbau schon immer verboten.

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40 Was erspare ich mir mit Bio-Lebensmitteln?

Leider wird auch heutzutage noch nicht die Wirkung von


Pestiziden auf das hormonelle System untersucht. Dabei zeigt
die Untersuchung von Dr. Alberta Velimirov und Wolfgang
Wagner (siehe Anhang, Quellen), dass auch geringe Mengen an
Pestiziden das Hormonsystem des Menschen schädigen kön-
nen. Vor allem verstärken sie sich gegenseitig in ihrer Wir-
kung. So war der Einfluss von zwei kombinierten Pestiziden
um das 1000-fache höher als die Wirkung jedes der Pestizide
für sich allein genommen.

Gesundheitsprobleme durch Pestizide?


Folgende Krankheitssymptome können als Wirkungen von
Pestiziden auftreten: Übelkeit, Schlafstörungen, krampf-
artige Bauchschmerzen, Kreislaufschwäche, Augenbrennen,
Brust- und Herzstechen, Muskelzuckungen und -krämpfe,
Schwächegefühl, Schweißausbrüche, Haarausfall, Bronchi-
tis, Atemnot, Kollapszustände, Fieberschübe, Herzflattern
etc. Diese Symptome findet man bei Anwendern und auch
bei Personen, die in der Nähe der mit Pestiziden bewirt-
schafteten Flächen wohnen. An Nebeltagen und bei hohen
Temperaturen sind die Symptome stärker. Wissenschaftliche
Untersuchungen, die den Zusammenhang zwischen der
Pestizidanwendung und den Symptomen beweisen, gibt es
bislang nicht. Es gibt jedoch Hinweise, dass die Krankheits-
zeichen genau bei Pestizidanwendung auftreten und bei
Ortswechsel wieder verschwinden.
Vor allem Langzeitfolgen wie Krebs werden den Chemikalien-
gemischen zugeschrieben. Die Krebshäufigkeit ist bei land-
wirtschaftlichen Berufen erhöht – so Prof. Dr. em. Ottmar
Wassermann vom Lehrstuhl für Toxikologie an der Univer-

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Schadstoffe aus der Landwirtschaft 41

sität Kiel, Vorstand des Forschungsinstituts für biologischen


Landbau (FIBL), Berlin. Betroffen sind aber auch Gärtner,
Waldarbeiter und die Mitarbeiter derjenigen Industrie-
betriebe, die die entsprechenden Produkte verarbeiten: Span-
plattenhersteller zum Beispiel. Bei amtlich zugelassenen
Schädlings-Bekämpfern wurde ein erhöhtes Lungenkrebsri-
siko bemerkt. Auch wenn die Eltern vor oder während der
Schwangerschaft mit diesen Substanzen belastet wurden,
steigt die Wahrscheinlichkeit für bestimmte Krebsarten. „34
Pestizidarten stehen in Verdacht, Geburtsfehler bzw. eine
Verschlechterung in der Kindheitsentwicklung auszulösen“,
so Dr. Alberta Velimirov und Wolfgang Müller in ihrer Stu-
die über Bio-Lebensmittel (siehe Anhang, Quellen). Die bei-
den Autoren weisen auf den generellen Anstieg bestimmter
Krebserkrankungen hin und auf einen Zusammenhang mit
der Pestizidanwendung.
Lars Neumeister, Projektleiter des Pestizid-Aktions-Netzwerks
(PAN) Deutschland, hält auch Pestizidspuren für bedenklich:
„Wie sich die häufige Aufnahme geringer Pestizid-Konzent-
rationen auswirkt, ist bisher nicht sehr gut erforscht.“
Greenpeace veröffentlichte Ende 2003 eine Untersuchung di-
verser Lebensmittel auf Pestizide (siehe Anhang, Quellen). Die
gefundenen chemischen Schädlingsbekämpfungsmittel mit
Namen wie Bifenthrin, Buprofezin, Chlorthal-dimethyl sind
für die unterschiedlichsten Gesundheitsschäden bekannt. Oft
findet man den Hinweis „möglicherweise krebserregend“,
aber auch deutlicher: „krebserregend“, „vermutete hormo-
nelle Wirkung“ oder „kann das Kind im Mutterleib schädi-
gen“. Auch die Fortpflanzung und die Entwicklung des
Embryos bzw. des Kindes können manche Wirkstoffe offen-

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42 Was erspare ich mir mit Bio-Lebensmitteln?

sichtlich beeinträchtigen – so nachzulesen in der Green-


peace-Studie.
Im Juni 2005 erschreckte eine weitere Nachricht: Eine neue
Studie der EU zeigte ein deutlich erhöhtes Parkinson-Risiko
als Folge des Einsatzes chemisch-synthetischer Pflanzen-
schutzmittel.
Durch Anwendungsfehler wird zuviel und zu oft gespritzt,
davon berichtete ÖKOTEST schon vor Jahren.

Werden heutzutage Pestizidrückstände


in Lebensmitteln gefunden?
Im April 2002 veröffentlichte ÖKOTEST eine Untersuchung
an Erdbeeren, die Mitte Februar in Supermärkten und an
Marktständen Berlins gekauft wurden. Von den elf Proben
aus Spanien, Marokko und Ägypten enthielten alle, aber
auch alle, Spuren von Pestiziden, die zum Teil krebserre-
gend sind. Fünf Proben überschritten die deutschen Grenz-
werte. ÖKOTEST warnte, dass man insbesondere bei frühen
ausländischen Früchten „besonders damit rechnen“ muss,
„dass sie gespritzt wurden“. Und weiter empfiehlt ÖKOTEST:
„Ganz sicher geht man mit Bio-Qualität.“ Auch die EU fand
2002 Rückstände in 44 Prozent der Lebensmittelproben.
Nun könnte man meinen: Dies war 2002 – heute ist das ganz
anders. Weit gefehlt: „Deutsche Erdbeeren zu 100 Prozent
mit Pestiziden belastet.“ – Mit dieser Meldung schockierte
das Pestizid Aktions-Netzwerk e. V. (PAN) die Verbraucher
am 19. Juli 2005. PAN meint dazu: „Dies ist eine extreme
Situation und mit einem vorsorgenden Verbraucherschutz
völlig unvereinbar“. Und: „Erdbeeren zählen zu den am
höchsten mit Pestiziden belasteten Obstsorten.“ Tatsächlich

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Schadstoffe aus der Landwirtschaft 43

hatte das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stutt-


gart (CVUAS) Erdbeeren besonders gründlich unter die Lupe
genommen und in allen Proben Pestizide nachgewiesen.
Leider sind die Behörden aus Gründen des Datenschutzes
gezwungen, Daten über Untersuchungsergebnisse von Pro-
dukten geheim zu halten, da das Verbraucherinformationsge-
setz im Frühjahr 2002 von der Opposition abgelehnt wurde.
Infolgedessen ist man in der Regel auf Untersuchungen von
Privatunternehmen angewiesen. Sehr hilfreich sind hierbei
die Urteile von ÖKOTEST und Stiftung Warentest.

Wenn es wenigstens nur ein Pestizid wäre


Dass man Pestizide mitisst, ist der Gesundheit sicherlich
nicht zuträglich. Dass es jedoch fast immer gleichzeitig meh-
rere sind, kann man nur noch als skandalös bezeichnen:
Die Untersuchungsbehörde CVUAS fand durchschnittlich 4,4
verschiedene Pestizide in ihren Nahrungsmittelproben, das
Maximum lag bei 12 Substanzen in einer einzelnen Probe.
96 Prozent aller deutschen und 93 Prozent der ausländischen
Proben waren mit mehr als einem Pestizid belastet. „Insge-
samt wurden 55 verschiedene Pestizide gefunden“, so PAN.
Das offensichtliche Motto: „Viel hilft viel“ – zumindest für
die Gesundheit des Geldbeutels.
Die Mehrfachbelastungen sind besonders besorgniserregend.
Wird der Grenzwert für ein Pestizid überschritten, stellt man
bei weiteren Nachforschungen oft fest, dass noch weitere
Schadstoffe enthalten sind, die ebenfalls über den gesetzlich
festgelegten Werten liegen. In 21 Prozent der Proben fand
Greenpeace in ihren Untersuchungen vier und mehr Pesti-
zide. Dabei sind die Kombinationswirkungen weitgehend un-

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44 Was erspare ich mir mit Bio-Lebensmitteln?

erforscht. Besonders belastet sind laut Greenpeace Trau-


ben, Erdbeeren und Paprika. ÖKOTEST mutmaßt: „Je höher
die Anzahl der Wirkstoffe, desto eher liegt die Vermutung
nahe, dass die Erzeuger einen Trick anwenden: Sie setzen
unterschiedliche Pflanzenschutzmittel gegen den gleichen
Schadenserreger ein, um die Überschreitung von gesetzlichen
Höchstmengen zu vermeiden.“ Dazu kommt, dass die Erzeuger
laufend neue Wirkstoffe verwenden. Das macht die Kontrolle
sehr schwierig. Für die neuen Stoffe gibt es auch keinen recht-
lichen Grenzwert. Dadurch gilt der allgemeine Höchstwert
von 0,01 mg/kg. ÖKOTEST bzw. das beauftragte Labor ver-
wendete bei seinen Untersuchungen daher eine spezielle, neu
entwickelte Messanalytik.

Werden die Grenzwerte eingehalten?


Von Paprika liest man immer wieder, dass sie – zumindest
zum Teil – mit hohen Pestizidmengen belastet sind – und zwar
seit Jahren. Laut PAN kamen Grenzwertüberschreitungen bis
zum 50-fachen der erlaubten Höchstmengen vor.
Auch die EU fand bereits 2002 in 5,5 Prozent ihrer Proben
eine Überschreitung der Grenzwerte. Das Bundesamt für Ver-
braucherschutz und Lebensmittelsicherheit stellte fest, dass
zum Beispiel bei mehr als zehn Prozent der untersuchten Pro-
ben von Orangen, Pfirsichen und einigen Küchenkräutern die
Höchstgehalte für Pflanzenschutzrückstände überschritten
wurden. Bei Trauben fand Greenpeace Ende 2005 Giftmen-
gen, die schon bei einmaligem Verzehr Gesundheitsschäden
hervorrufen können. „Besonders Kinder sind gefährdet“, so
die Umweltorganisation. Sie sieht eine massive Pestizidbelas-
tung nicht als Einzel-, sondern als den Normalfall bei konven-

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Schadstoffe aus der Landwirtschaft 45

tionellen Produkten an und hat die Verantwortlichen mehr-


fach aufgefordert, die Missstände abzustellen. Die Hälfte der
konventionell erzeugten Obst- und Gemüseerzeugnisse wie-
sen Pestizidmengen im Grenzwertbereich oder darüber auf.
Noch höher wird die Anzahl der belasteten Proben, wenn
man die gefundenen verschiedenen Pestizidmengen addiert.
Die Überschreitungen sind zahlreich und sie aufzuzählen,
würde dieses Buch sprengen. In konventionellen, vor allem
ausländischen (Nicht-EU-Ware) Gemüse- und Obstsorten wer-
den oft genug in der Hälfte der Proben mehr Pestizide gefun-
den, als der Gesetzgeber für gesund erachtet. Zwar bedeutet
eine Überschreitung der Rückstandshöchstmengen bei Pflan-
zenschutzmitteln nicht unbedingt eine akute Gesundheits-
gefahr. Jedoch sollte völlig klar sein, dass es unserer Gesund-
heit nicht zuträglich ist, ständig Pestizide aufzunehmen.
Was man außerdem nicht vergessen darf ist, dass bei den
Rückstandsproben nur Mischproben untersucht werden (d. h.
viele Früchte oder viel Gemüse kommen zusammen in eine
Probe und der Durchschnittswert wird ermittelt). Dabei
gibt es sehr deutliche Hinweise, dass ein einzelnes Lebens-
mittel mit weit höheren Rückständen belastet sein kann als
das Gesamtkollektiv im Durchschnitt. Sicherlich gibt es dann
ebenso Einzelproben, die gar nicht belastet sind. Aber beim
Einkauf weiß man nicht, welches man nun erwischt hat.

Werden auch verbotene Pestizide eingesetzt?


Auch Wirkstoffe, die bei uns verboten, aber in einem ande-
ren Land der EU zugelassen waren, dürfen bei uns verkauft
werden. Das besagt ein Zusatz im Lebensmittel- und Bedarfs-
gegenständegesetz. Ein Beispiel hierzu: Tomaten aus EU-

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46 Was erspare ich mir mit Bio-Lebensmitteln?

Staaten, die Rückstände des Pilzgiftes Chlorthalonil in Kon-


zentrationen bis ein Milligramm pro Kilogramm enthalten,
sind nach deutschem Lebensmittelrecht nicht verkehrsfähig.
Infolge der EU-Gesetzgebung dürfen sie jedoch bei uns ver-
kauft und entsprechend gegessen werden.
Aber auch generell verbotene Pestizide findet man in unseren
Lebensmitteln. Die Chemischen und Veterinäruntersuchungs-
ämter in Baden-Württemberg meldeten Anfang 2007, dass sie
ein verbotenes Pestizid in Paprika aus Spanien gefunden hat-
ten. Schlimmer war die Meldung von Greenpeace: Im Januar
2007 ließ die Umweltorganisation in Deutschland angebautes
Obst und Gemüse testen. Das Ergebnis: In vielen Proben wur-
den Rückstände von nicht zugelassenen Pflanzenschutzmit-
teln festgestellt.

Nur bei Bio ist man weitgehend vor Pestiziden geschützt


Im Dezember 2007 untersuchte ÖKOTEST Orangen. Wäh-
rend manche konventionelle aufgrund überhöhter Pestizid-
mengen zum Teil nicht einmal mehr verkehrsfähig waren,
schnitten die Bio-Orangen mit „sehr gut“ ab. Dies stellte
der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) auch für
andere Bio-Zitrusfrüchte fest.
Aber nicht nur die Testzeitschriften veröffentlichen Untersu-
chungsberichte und weisen auf die Gefahren durch Pestizide
hin. So war im Juni 2005 im Bericht der „Chemischen und
Veterinäruntersuchungsämter in Baden-Württemberg“ nach-
zulesen, dass die mittlere Pestizidbelastung von Lebensmitteln
in der konventionellen Landwirtschaft wesentlich höher ist als
diejenige in Bio-Lebensmitteln. Der mittlere Pestizidgehalt
aller untersuchten Öko-Obstproben lag bei etwa 0,002 mg/kg,

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Schadstoffe aus der Landwirtschaft 47

derjenige von Öko-Gemüse bei 0,003 mg/kg. Konventionelles


Obst und Gemüse enthielt dagegen etwa 0,4 mg Pestizide pro
Kilogramm – das heißt: mehr als das 100-fache dieser Schad-
stoffe findet man in konventionellem Obst und Gemüse. Fin-
det man Pestizide in Bio-Produkten, so sind dies in der Regel
Verunreinigungsspuren von Pflanzenschutzmitteln, die von
Anwendungen auf konventionellen Nachbarfeldern stammen.
Man versucht dies durch Abstandhalten zu verhindern.

Fazit: Am besten schützen Sie sich durch Kauf von öko-


logisch erzeugtem Gemüse und Obst.

Dort dürfen chemisch-synthetische Pestizide erst gar nicht


verwendet werden. Da das Tierfutter vom eigenen Hof stam-
men soll und importierte Futtermittel vermieden werden,
können auch die entsprechenden Pestizide aus den Ländern
der Dritten Welt (zum Beispiel DDT) nicht vorkommen. Und:
Der deutlich geringere Pestizidgehalt von Bio-Lebensmitteln
ist wissenschaftlich mehrfach belegt.

Nitrat, Nitrit, Nitrosamine –


nicht nur Babys sind gefährdet
Nitrat ist eine Verbindung aus Stickstoff und Sauerstoff, die
natürlicherweise im Boden vorkommt, aber auch zum Dün-
gen verwendet wird. Pflanzen benötigen den Stickstoff u. a.
zum Aufbau von Eiweiß. Bei den Mangelsubstanzen, die das
Pflanzenwachstum beschränken, spielt Nitrat eine heraus-
ragende Rolle. Bekommt die Pflanze nicht genug davon, so
sind Unterversorgung und starke Wachstumshemmung die

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48 Was erspare ich mir mit Bio-Lebensmitteln?

Folgen. Das bedeutet deutliche Ertragseinbußen. Also düngte


man mit Nitrat nach dem Motto: „Viel hilft viel“ – oder mit
den bekannten Folgen wie hohe Nitratkonzentrationen im
Trinkwasser. Zuvor oder gleichzeitig gelangt Nitrat durch den
massiven Einsatz von stickstoffhaltigem Mineral- und Natur-
dünger in die Böden. Je nach Sorte können Pflanzen Nitrat
speichern. Sie nehmen es aus dem Boden auf und reichern es
in den Pflanzenteilen an, die unter Lichteinfluss Nährstoffe
bilden. „Bei Salaten sind das vor allem die äußeren Blätter
und die Blattrippen. Fehlt Licht, wird Nitrat nur unvollstän-
dig abgebaut und die Gehalte steigen. Auch allzu reichliche
Düngergaben können zu erhöhten Nitratwerten führen,
ebenso wie der Treibhausanbau selbst“, so ÖKOTEST. Ist das
Nitratangebot jedoch so hoch, dass die Pflanzen es nicht mehr
speichern können, erfolgt eine mehr oder weniger schnelle
Auswaschung in das Grundwasser.

Ist Nitrat gesundheitsschädlich?


Nitrat an sich ist für Erwachsene relativ harmlos. Es ist nur
in sehr hohen Konzentrationen gesundheitsschädlich. Bis zu
219 mg Nitrat täglich sind für einen 60 kg schweren Erwach-
senen durchaus tolerierbar.
Weitaus gefährlicher als Nitrat ist das daraus entstehende
Nitrit: 0,2 mg Natriumnitrit/kg Körpergewicht täglich werden
von der Welt-Gesundheits-Organisation (WHO) gerade noch
als akzeptabel angesehen, auch deshalb, weil es als krebser-
regend gilt. Nitrit entsteht an vielen Stellen im menschlichen
Organismus durch Bakterien. Sie können im Speichel und
Magen-Darm-Trakt sowie an infizierten Schleimhäuten der
Harnblase und des Rachenraums Nitrat zu Nitrit umwandeln.

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Schadstoffe aus der Landwirtschaft 49

Im sauren Magen können sich diese Bakterien nicht vermeh-


ren und auch kein Nitrit bilden. Deshalb wird Nitrat nur bei
Säuglingen (bis zum vierten Lebensmonat), deren Magen
noch nicht den Säuregrad von Erwachsenen hat, im Magen
zu Nitrit umgebaut. Es stört bei Babys den Sauerstofftransport
des Blutes und kann zur lebensgefährlichen Blausucht füh-
ren. Das bedeutet: Kleinkindern kein nitratreiches Gemüse
oder Wasser geben.

Natürliche Nitratwerte in verschiedenen Gemüsesorten

Nitratarm Mittlerer Nitratwert Hohe Nitrat-


konzentrationen

Brokkoli, Erbsen, Blumenkohl, Endivien-, Feld-


Gurken, grüne Kohlrabi, Möhren, und Kopfsalat,
Bohnen, Kartoffeln, Porree, Sellerie, Grünkohl, Mangold,
Kürbis, Paprika, Zucchini Radieschen, Rettich,
Rosenkohl, Spargel, Rote Bete, Spinat
Topinambur

Auch außerhalb des menschlichen Körpers bauen Bakterien


Nitrat zu Nitrit um – umso mehr, je mehr Nitrat ihnen zur
Verfügung steht. Kühlschranktemperaturen senken ihre
Aktivität, deshalb sollte man diese Temperaturen zur Aufbe-
wahrung vorziehen.
Ebenfalls gefährlicher als Nitrat sind – auch für Erwachsene
– die Nitrosamine. Sie entstehen unter Hitzeeinwirkung
beim Braten und Grillen oder auch im sauren Magen aus dem
mit der Nahrung zugeführten Nitrit und Eiweiß – und zwar
umso mehr, je mehr Nitrit vorhanden ist. Im Pökelsalz von
Fleischwaren und in einigen Käsesorten ist ebenfalls Nitrit

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50 Was erspare ich mir mit Bio-Lebensmitteln?

enthalten. So werden 95 Prozent aller Wurst- und Fleischwa-


ren mit Nitrit-Pökelsalz konserviert. Es soll den Verbraucher
vor Fleischvergiftung bewahren und dem Produkt das beson-
dere Aroma und die appetitlich-rosige Farbe verleihen. Kei-
nesfalls darf derart behandeltes Fleisch gegrillt werden, weil
sich durch die große Hitze verstärkt die krebserregenden
Nitrosamine bilden.
Substanzen, die im Blut von Rauchern und Passivrauchern
vorkommen, wirken verstärkend auf die Nitrosaminbildung.
Vitamin C und Vitamin E hemmen dagegen seine Entstehung.

Nitratgehalt in Bio-Gemüse, Treibhaus-


und konventionellen Produkten
Der Gehalt an Nitrat im Gemüse hängt sehr stark von der
Anbauform ab. Folgende Nitratwerte wurden im konven-
tionellen Landbau zum Beispiel bei
Feldsalat gefunden: 1170 mg/kg, fast
die dreifache Menge im Treibhaus-
salat (3 200 mg/kg) und am wenigs-
ten im Salat aus biologischem An-
bau (710 mg/kg). Bei Petersilie fand
man deutlichere Werte: Konventio-
nell: 840 mg, Treibhaus: 3 400 mg,
Salat besser nur in
ökologischer Anbau: 110 mg. In Bio-
Bio-Qualität kaufen
Möhren fand man einen drei- bis
vierfach niedrigeren Nitratgehalt als in konventionellen.
Um die Nitratzufuhr möglichst gering zu halten, empfiehlt
es sich, Saisongemüse aus Freilandproduktion zu essen.
Abwechslung, auch beim Gemüsekonsum, reduziert die
Gesamtbelastung.

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Man gönnt sich ja sonst nichts 51

Bio-Qualität bedeutet die geringste Nitratzufuhr. Am bes-


ten ist es, Obst und Gemüse entsprechend der Saison zu
essen!

Man gönnt sich ja sonst nichts: Fleisch


aus Massentierhaltung und die Folgen
Bilder von glücklichen Tieren auf der Wiese auf den Ver-
packungen konventioneller Fleischprodukte und Eierschach-
teln täuschen über die Realität hinweg: Eingepferchte Tiere,
zu Bewegungslosigkeit auf strohlosen Betonspaltenböden
verurteilt, auf Medikamente angewiesen, um überhaupt
lange genug zu leben, damit man sie zum Schlachter bringen
kann. Das alles kennen wir aus der Massentierhaltung, aus
der 98 Prozent unseres Fleisches stammen.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat fest-
gestellt, dass in den ostdeutschen Ländern, aber auch in den
Agrarprovinzen Niedersachsens und Schleswig-Holsteins
Tierfabriken geplant werden: Hähnchen und Enten ab 30 000,
Hennen und Puten ab 15 000 Tieren. Jeder zweite neue
Schweinestall soll mehr als 750 Sauen einpferchen. Und das
Ganze wird von der EU subventioniert: „So fließen die Brüs-
seler Subventionen weiterhin zu 70 Prozent an die industriell
geführten Großbetriebe … Und die OECD-Staaten pumpen
jährlich über 3.400 Milliarden Euro in den Agrarsektor, um
dessen Güter billig auf den Weltmarkt zu bringen. Dies aber
geht nur, wenn es sich um Massenware handelt“, liest man
im Greenpeace-Magazin. Zu den Subventionen gehören auch
diejenigen für Schlachttierexporte.

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52 Was erspare ich mir mit Bio-Lebensmitteln?

Bis zu 20 kg Pflanzen (Soja, Getreide etc.) benötigt man nach


diesen Verfahren, um 1 kg Fleisch zu erzeugen. Aber auch
die Belastung durch Gülle ist enorm, sogar so enorm, dass
man in Holland die Kühe am liebsten abschaffen würde, da
das Grundwasser durch sie verseucht wird. Entsprechend
berichtet Petra Thorbrietz im Greenpeace-Magazin, dass der
Fleischfabrikant Boekos in Cuijk nicht nur Fleisch produziert,
sondern auch an fleischlosen Pro-
dukten arbeitet.
Die 40 Millionen Schweine, die
jährlich in Deutschland gemäs-
tet werden, sind fast alle Turbo-
Tiere, die in sechs bis sieben
Monaten ihr Schlachtgewicht
erreichen müssen. Das Ergebnis:
blasses Schweinefleisch, das beim
Braten viel Wasser verliert. Die
Artgerechte Tierhaltung
Ursache: Die konventionell gezo-
genen Tiere werden beim Gang zum Schlachter hypernervös.
Das führt zu Adrenalinstößen. Dadurch tritt Wasser aus den
Zellen aus und läuft ins Gewebe.
Oft genug müssen Arzneien Probleme bekämpfen, die haus-
gemacht sind. Die Fleischberge der Schweine überfordern
deren Knochen und Gelenke. Die folgenden Entzündungen
müssen wieder mit Medikamenten behandelt werden. Dass
zusammengepferchte Tiere, ohne Möglichkeit sich zu bewe-
gen und ihr natürliches Verhalten zu zeigen, leichter krank
werden, dürfte jedem einleuchten.
Die in der EU geltende Rückstandshöchstmengenverordnung
für Tierarzneimittel umfasst etwa 750 Substanzen, die unter

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Man gönnt sich ja sonst nichts 53

Berücksichtigung von Wartezeiten, die nach dem Verabrei-


chen eingehalten werden müssen, in der konventionellen
Tierhaltung erlaubt sind.

Antibiotika
Die große Gefahr bei der Fütterung dieser Chemikalien
ist das Auftreten resistenter Keime auch gegen diejenigen
Antibiotika, die beim Menschen verwendet werden. Und
obwohl Human-Medikamente bei der Tierzucht gar nicht
eingesetzt werden dürfen, tauchten immer wieder Resisten-
zen gegen diese Antibiotika auf. Am 14.12.1998 schließlich
wurde bekannt gegeben, dass die EU zukünftig nur noch die
Anwendung von vier Antibiotika in der Tiermast bis Anfang
2006 erlaubt.
Aber unser Fleisch kommt nicht nur aus der EU. In Geflügel-
fleisch aus Brasilien wurde 2002 das verbotene Antibiotikum
Nitrofuran entdeckt. Die EU erließ deshalb im Oktober dessel-
ben Jahres eine Schutzklausel, nach der das Fleisch grundsätz-
lich bei der Einfuhr auf Rückstände der verbotenen Tierarz-
neimittel untersucht werden muss. Als kaum noch Nitrofuran
gefunden wurde, hob man die Schutzklausel wieder auf. ÖKO-
TEST meinte dazu: „Die Produktionsbedingungen in der Ge-
flügelmast haben sich sicherlich trotzdem nicht grundlegend
geändert. Es gibt genügend erlaubte Antibiotika-Alternativen.
Bleibt abzuwarten, ob Nitrofuran – oder eine ähnliche Pro-
blematik – nach einiger Zeit erneut auftritt.“
Man darf nicht vergessen, dass Antibiotika im Kot und in der
Gülle landen, damit auch in der Umwelt. Welche Bakterien
dadurch resistent werden, wird sich in Zukunft zeigen. Tat-
sache ist, dass inzwischen von Ärzten zum Beispiel bei der

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54 Was erspare ich mir mit Bio-Lebensmitteln?

Bekämpfung von Helicobacter pylori (ein Bakterium, das in


letzter Konsequenz Magenkrebs hervorrufen kann) erst getestet
wird, ob das vorgesehene Antibiotikum überhaupt wirkt. Nach
Auskunft der Ärzte kommen Resistenzen relativ häufig vor.
Neue Untersuchungen von der Universität Paderborn zeigen,
dass Antibiotika aus der Schweinehaltung sogar von Pflanzen
aufgenommen werden. Sie gelangen über die Gülle, die als
Dünger eingesetzt wird, auf die Felder. Die Antibiotika wurden
in Feldsalat und im reifen Korn von Winterweizen entdeckt.

Hormone
Durch Sexualhormone, die bis zu 30 Prozent mehr Fleisch-
ansatz garantieren, kann ein Drittel der Futtermenge ein-
gespart werden und das Tier kann nach kürzerer Mastzeit
geschlachtet werden. Nach entsprechenden Verboten sind die
Rückstände heute jedoch eigentlich kein Problem mehr.
Dagegen gehören in den USA, und oft genug auch in Kanada,
Hormone einfach zur Mast dazu.

Massenproduktion in der Fischzucht


und die entstehende
Schadstoffproblematik
Viele sind infolge der BSE-Krise auf Fisch umgestiegen. Sogar
in vielen Fleischerläden bekommt man ihn inzwischen. Häu-
fig ist dabei nicht bekannt, dass so mancher konventioneller
Zuchtfisch mit Tiermehl gefüttert wird. Aber mit welchen
Schadstoffen kann man sich beim Fischgenuss belasten,
wenn man nicht auf Bio-Qualität achtet?

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Massenproduktion in der Fischzucht 55

Zuchtfisch aus Aquakultur –


wehe, was die Tiere fressen!
Aufgrund skrupelloser Verschmutzung unserer Gewässer
und Überfischung mit der Folge der Ausrottung vieler Fisch-
arten, ist die „Aquakultur“ in den letzten Jahren in der Bun-
desrepublik ein bedeutender Wirtschaftsfaktor geworden.
Darunter versteht man die Intensivfischhaltung in Teichen
mit Frischwasserzufuhr: Forellen, Lachs und Aal, vor allem
aber Karpfen werden beim Verbraucher immer beliebter.
Auch die Süßwasserfische Schleie und Saiblinge kommen
vorwiegend aus der Teichwirtschaft in den Handel.
Fischzüchter ernähren ihre Fische häufig mit Kraftfutter. Es
besteht zum Teil aus Fisch- und Blutmehl, das aus der Dritten
Welt importiert wird. Manche füttern auch mit Schlachtinne-
reien und Abfällen aus der Geflügelfarm in der Nachbarschaft.
Natürlich sind in solchem Futter die gleichen Schadstoffe
enthalten wie im Geflügel, den Schweinen und Rindern aus
konventioneller Massentierhaltung. Oft genug wird Fisch-
mast auch im Rahmen einer biologischen Abwässerklärung
betrieben, indem man den Nährstoffgehalt und die erhöhte
Temperatur des Abwassers nutzt. Selbstverständlich blei-
ben die Fische nicht von den Schadstoffen, die das Wasser
belasten, verschont. Auch die Düngung des Fischteiches mit
Schweinemist kommt vor. Dies führt zu höheren Konzentra-
tionen an Nitraten, als dies natürlicherweise der Fall wäre.
Zuchtlachse haben nicht die natürliche rote Farbe von Wild-
lachs, die entsteht, wenn sie in freier Wildbahn kleine Krebse
fressen. Deshalb hilft man mit Farbe nach. Dabei kann die ge-
wünschte Färbung, die die Käufer am meisten schätzen, durch
exakte Zudosierung des Farbstoffs im Futter erreicht werden.

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56 Was erspare ich mir mit Bio-Lebensmitteln?

Silvester besser ohne Lachs?


Auch bei ausländischen Fischzuchten geht es oft genug nicht
zimperlich zu. Bei Lachs ist es ähnlich wie bei Rindern,
Schweinen, Hühnern oder Puten: er wird in Massentierhaltung
gezüchtet. Bis zu 100 000 Junglachse drängeln sich im Süßwas-
serbecken, dann werden sie im Meer versenkt. Diese Intensiv-
mast bedeutet für die Tiere einen großen Stress, und sie wer-
den – ebenso wie der Mensch in dieser Belastung – anfällig für
Krankheiten. Deshalb wird mit Medikamenten vorgesorgt und
behandelt. Der Lachsverzehr vervielfachte sich, als günstigere
Preise durch die Massentierhaltung möglich wurden.
Auch die Bezeichnung „Wildlachs“ schützt nicht unbedingt
vor Züchtung. Warum sollte man den Lachs nicht so nennen,
wenn man ihn dann teurer verkaufen kann? So sei „was of-
fiziell als Wildlachs verkauft werde … in Wirklichkeit oft
doch nur ein Zuchtfisch“, so Stephan Brandmeier, Spezialist
der Naturkostfirma Isana.
Die Liste der Schadstoffe kann sich sehen lassen: Farbstoffe,
Antibiotika, Pestizide, Polychlorierte Biphenyle (PCB), mal
ganz abgesehen von der Kot- und Parasitenbelastung bei der
engen Haltung (1 kg Fisch auf 10 Liter Wasser, bei Aalen
weniger als 1 Liter pro ausgewachsenem Tier). Dazu kom-
men Schwermetalle wie Blei, Quecksilber und Cadmium aus
der Meeresverschmutzung.

Zusatzstoffe und Co.: Was man so alles


mitisst
Was man so alles in „Lebensmitteln“ findet, das was absicht-
lich hineingegeben wird, ist erstaunlich: Farbstoffe, um

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Zusatzstoffe und Co.: Was man so alles mitisst 57

einen Fruchtanteil vorzutäuschen, sowie künstliche und


angeblich „natürliche“ Aromastoffe. Mehr als 18 Kilogramm
chemischer Zusatzstoffe nimmt jeder Deutsche durchschnitt-
lich im Jahr zu sich. Etwa 7 500 findet man in gängigen Lis-
ten, 316 davon sind mit E-Nummern bezeichnet. 1993 waren
es noch 265, und es werden ständig mehr.

Bedeutung und Wirkung von Zusatzstoffen

Zusatzstoffgruppe Wirkung

Antioxidationsmittel Verlängerung der Haltbarkeit durch


Verhindern der Reaktionen von Sauerstoff
mit Lebensmittelbestandteilen

Emulgatoren Verbinden von eigentlich nicht miteinander


vermischbaren Lebensmittelbestandteilen,
zum Beispiel Öl und Wasser, Eiweiß und
Luft. Unverzichtbar zum Beispiel für
Schokolade. Möglich: Einlagerung von
Wasser statt Muskelfleisch in Wurst

Farbstoffe Färben von Lebensmitteln zur Verbesse-


rung des Aussehens und Verkaufsförde-
rung können zum Beispiel Fruchtanteil oder
Eigehalt vortäuschen

Geliermittel Binden Flüssigkeiten und verdicken


(Feuchthaltemittel, bzw. verfestigen sie. Beeinflussung des
Verdickungsmittel) Schmelzverhaltens (Speiseeis) oder
des Kaugefühls bei Süßwaren. Möglich:
„schnittfest“ machen von Wasser zum
Beispiel in Wurst. Manche davon binden
wichtige Mineralstoffe wie Eisen, Zink
oder Calcium, so dass sie dem Körper
nicht mehr zur Verfügung stehen


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58 Was erspare ich mir mit Bio-Lebensmitteln?

Zusatzstoffgruppe Wirkung

Geschmacks- Verstärken Geschmacksnoten eines


verstärker Lebensmittels, prägen als Grundstoff
standardisierter Würzmischungen den
Normgeschmack von Fertiggerichten,
können zu übermäßigem Verzehr anregen
und dadurch Übergewicht fördern. Durch
die Geschmacksverstärkung können Roh-
stoffe eingespart werden, da sie bereits in
geringerer Menge denselben Geschmack
hervorrufen wie die tatsächlich vermutete
Menge. Gefahr der Abstumpfung von
Geschmacksnerven bei häufigem Konsum,
Beispiel: Glutamat

Pack- und Treibgase Pressen zum Beispiel Lebensmittel aus der


Verpackung wie Sahne aus Sprühdosen,
schützen vor Verderb, hemmen das Wachs-
tum von Bakterien (zum Beispiel bei Hack-
fleisch) und bewahren das Lebensmittel
vor Druckbeschädigung (zum Beispiel bei
vorgeschnittenen Rohkostsalaten)

Konservierungsstoffe Schützen vor Verderb oder Lebensmittel-


vergiftung, indem sie das Wachstum von
Mikroorganismen (zum Beispiel Bakterien
oder Schimmelpilze), die in Lebensmitteln
vorhanden sind oder Zugang zu diesen
bekommen können, begrenzen, verzögern
oder hemmen. Verwendung zum Beispiel
in gebackenen Lebensmitteln, Wein, Käse,
geräuchertem Fleisch, Fruchtsäften, Mar-
garine

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Zusatzstoffe und Co.: Was man so alles mitisst 59

Warum Zusatzstoffe?
Zusatzstoffe haben in der Regel für die Verbraucher keine
Vorteile – diese haben vorwiegend die Hersteller. Es soll ver-
hindert werden, dass Qualitätsmängel auffallen. Indem Kon-
servierungsstoffe hinzugefügt werden, soll die Produktion
verbilligt und Lagerung sowie Transporte vereinfacht wer-
den. Nicht umsonst heißt es im Lebensmittel- und Bedarfs-
gegenständegesetz, dass Zusatzstoffe untergemischt werden,
um technologische Wirkungen wie Konservieren, Färben
oder Dicken zu erzielen. Und dazu zählen nun einmal Süß-
stoffe, Farbstoffe, Antioxidanzien oder Stabilisatoren.

Was sind eigentlich E-Nummern


und was technische Hilfsstoffe?
E-Nummern („E“ steht für Europa) gelten für alle Länder
der Europäischen Union, teilweise sogar weltweit und kenn-
zeichnen erlaubte Zusatzstoffe. Sie sind in der Regel nicht
als Nahrungsmittel frei verfügbar. Neben den vielen E-Num-
mern gibt es zahlreiche andere Substanzen ohne E-Num-
mern, zum Beispiel ca. 2 700 Aromastoffe.
Die sogenannten technischen Hilfsstoffe müssen nicht ange-
geben werden (siehe auch Kapitel „Was ist nicht gekennzeich-
net?“). Man setzt sie bei der Herstellung und Verarbeitung
von Lebensmitteln ein. Dort unterstützen sie technische Pro-
zesse wie Schneiden, Filtrieren oder Stoffumwandlungen.
Der entscheidende Unterschied zu den Zusatzstoffen ist, dass
sie nach Gebrauch wieder entfernt werden. Im Lebensmittel,
das Sie auf dem Tisch vorfinden, sind sie allenfalls in unver-
meidbaren Spuren vorhanden und haben dann auch keine
technologische Wirkung mehr.

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60 Was erspare ich mir mit Bio-Lebensmitteln?

Rechtlich gesehen, gelten technische Hilfsstoffe nicht als


Lebensmittel. Das bedeutet, sie müssen weder zugelassen,
noch auf der Zutatenliste deklariert werden. Hinsichtlich
gesundheitlicher Sicherheit gelten die gleichen Anforde-
rungen wie bei Zusatzstoffen. In der Lebensmittelindustrie
setzt man viele davon ein, zum Beispiel als Klär- und Filtrier-
hilfsmittel, Antiklumpmittel, Formtrennmittel, Schälmittel,
Schaumbremser oder Entfärber.
Auch Enzyme (siehe Anhang, Lexikon), die bei der Verarbeitung
von Lebensmitteln eingesetzt werden, gelten in der Regel als
technische Hilfsstoffe. Gerade Letztere können sich im Pro-
dukt verstecken, ohne dass sie genannt werden müssen. Dazu
gehören auch die gentechnisch erzeugten.
Das bedeutet für Sie: Es ist hilfreich, die Zutatenliste anzu-
sehen. Damit können Sie problematische Zusatzstoffe sofort
erkennen. Aber Sie können nicht sicher sein, dass keine wei-
teren, nicht deklarationspflichtigen Stoffe im Produkt enthal-
ten sind.

Sind Zusatzstoffe gesundheitsschädlich?


Diese Frage muss man wie so viele mit einem deutlichen
„Jein“ beantworten. Eigentlich müssen Zusatzstoffe auf ihre
gesundheitsschädliche Wirkung getestet sein. Für die meis-
ten der Stoffe wird in Tierversuchen festgestellt, welche
Mengen dieser Substanz das jeweilige Tier ohne gesundheit-
lichen Schaden täglich zu sich nehmen kann. Die unschäd-
liche Wirkungsdosis für Tiere wird meist nochmals auf ein
Hundertstel reduziert. Man nennt das dann den ADI-Wert
(siehe Anhang, Lexikon). Relativ sicher meinen Sie? Zum einen
gilt die Unbedenklichkeit nur, wenn die Menge der Zusatz-

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stoffe den zulässigen Bereich nicht überschreitet. Wechsel-


wirkungen mit anderen Stoffen wie Pestiziden oder Arznei-
mitteln kann man jedoch nur begrenzt untersuchen. Kinder
trinken zum Beispiel große Mengen Limonade mit Süßstof-
fen. Neue Forschungen einzelner EU-Länder haben dies-
bezüglich für Furore gesorgt: Es kam heraus, dass vor allem
kleinere Kinder mit der von ihnen bevorzugten Kost offenbar
weit höhere Mengen an Zusatzstoffen schlucken, als es laut
ADI-Wert gesundheitlich unbedenklich wäre.
Dazu kommt, dass bei der Entscheidung, ob ein Zusatzstoff
zugelassen wird und für welche Mengen, es eine Rolle spielt,
wie viel der Durchschnittsmensch davon isst. Sie werden
sicher verstehen, dass ein Konservierungsstoff in echtem
Kaviar anders bewertet wird als ein Süßstoff für Erfrischungs-
getränke. Was ist dann mit Außenseiterdiäten? Mit Leuten,
die sich nicht „durchschnittskonform“ verhalten?
Individuelle Empfindlichkeiten können zu Allergien oder
anderen Krankheiten führen. Außerdem gibt es namhafte
Ärzte, die von einer Belastung des Immunsystems sprechen
bzw. von bestimmten Zusatzstoffen, von denen bekannt ist,
dass sie tatsächlich krank machen. Der Kinderneurologe und
Leiter des Zentrums Kinderschmerztherapie am Hamburger
Klinikum, Raymund Pothmann, stellte fest, dass Zusatzstoffe
in Nahrungsmitteln bei Kindern Schmerzen verschlimmern
können. Er verdächtigt besonders das Verdickungsmittel
E 407 (Carrageen, es ist nach der EG-Öko-Verordnung einge-
schränkt für Bio-Lebensmittel zugelassen, nach den Richt-
linien der ökologischen Anbauverbände jedoch verboten), das
zum Beispiel in Quark- und Sahneprodukten steckt; außerdem
das Vanillearoma, Zuckeraustauschstoffe, Farb- und Konser-

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vierungsstoffe. Diese Erkenntnisse sollen für Erwachsene


genauso gelten.
„Viele Gutachter sind nicht neutral, weil sie von der Indus-
trie bezahlt werden“, so die Verbraucherzentrale. Auch dass
manche Länder der EU bestimmte Stoffe nicht als kritisch
ansehen und sie dadurch zugelassen wurden, erleichtert die
Sachlage nicht unbedingt.
Oftmals werden gesundheitsschädliche Wirkungen erst viele
Jahre nach ihrem ersten Auftreten bekannt, und dann ist es
noch ein langer Weg bis zum Verbot des Schadstoffs. Das
bekannteste Beispiel ist Asbest. Mehr als 60 Jahre, nachdem
ein Arzt öffentlich auf die Gesundheitsgefahren hingewiesen
hat, wurde in Deutschland die Produktion und Verarbeitung
per Gesetz verboten.
Über die Hälfte der zugelassenen Lebensmittelzusatzstoffe
gelten als unbedenklich. Für diese kennt man bislang keine
seriösen wissenschaftlichen Daten über negative Effekte
auf die menschliche Gesundheit. Bei den restlichen ist das
durchaus nicht so. Sie können die Verdauung oder die Nähr-
stoffaufnahme beeinflussen, für Menschen mit bestimmten
Stoffwechselbesonderheiten oder Krankheiten problema-
tisch sein, allergieähnliche Symptome, Allergien, Migräne
oder Asthma hervorrufen. Auch können sie die Entstehung
von Krankheiten begünstigen, bzw. sie stehen im Verdacht,
dies zu tun.
Die englische Universität Southampton hatte als Forschungs-
ergebnis über Zusatzstoffe einen Zusammenhang mit der
Hyperaktivität bei Kindern erkannt. Nach dem Ergebnis
der Studie, die von der britischen Behörde für Lebensmit-
telsicherheit in Auftrag gegeben wurde, verschlimmern die

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Zusatzstoffe E 102, E 104, E 110, E 122, E 124, E 129 und der


Konservierungsstoff Natriumbenzoat E 211 die motorische
Unruhe bei Kindern. Das deutsche Bundesinstitut für Risiko-
forschung (BfR) erkannte zwar einen möglichen Zusammen-
hang zwischen der Aufnahme der untersuchten Zusatzstoffe
und einer negativen Beeinflussung des Verhaltens von Kin-
dern. Allerdings sieht es die beobachteten Auswirkungen als
gering an … Immerhin nimmt das Expertengremium „Euro-
pean Food Safety Authority“ seit 2003 die Zusatzstoffe bei der
Zulassung genau unter die Lupe. Sie untersuchen die neuen
Stoffe biochemisch und in klinischen Studien.

Gibt es harmlose Zusatzstoffe


und wie steht es mit Bio-Lebensmitteln?
Etwa 160 Substanzen mit E-Nummern werden als harmlos
angesehen. Für den Verbraucher ist es allerdings beim Ein-
kauf schwierig, diese sofort zu erkennen. Ein praktischer
Führer von der Verbraucherzentrale kann Ihnen hier wert-
volle Dienst leisten (siehe Anhang, Quellen, „Was bedeuten die
E-Nummern?“, Hrsg. Verbraucherzentrale Hamburg). Auch im
Internet können Sie jeden Zusatzstoff unter www.zusatz-
stoffe-online.de nachsehen. Sie erkennen in beiden Quellen
auch diejenigen, die für Öko-Lebensmittel zugelassen sind.
Denn auch für Bio-Lebensmittel sind Zusatzstoffe erlaubt.
48 Stück lässt die EG-Öko-Verordnung in Europa zu – weni-
ger als ein Sechstel der für konventionelle Lebensmittel zuge-
lassenen E-Nummern. Verboten sind den „Bios“ zum Beispiel
Farbstoffe, Süßstoffe, Stabilisatoren und Geschmacksver-
stärker. Auch künstliche und naturidentische Aromastoffe
sind tabu. Das Gentechnikverbot gilt auch für gentechnisch

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hergestellte Zusatzstoffe, wobei die neue, überarbeitete Bio-


Verordnung Ausnahmen zulässt, wenn der Stoff anderweitig
nicht mehr verfügbar ist.
Außerdem wird der Gebrauch von Zusatzstoffen massiv redu-
ziert. So dürfen sie nur dann für Bio-Lebensmittel verwen-
det werden, wenn die Lebensmittel ohne die betreffenden
Substanzen weder hergestellt noch haltbar gemacht werden
können. Die ökologischen Anbauverbände sind häufig sogar
noch strenger als die EG-Öko-Verordnung.
In der Regel sind Zusatzstoffe, die für Bio-Lebensmittel ver-
wendet werden dürfen, entweder als unbedenklich einge-
stuft oder sie sind natürlichen Ursprungs, d. h. man findet
sie auch in völlig natürlichen Lebensmitteln oder sogar in
unserer Atemluft: Sauerstoff (E 948), Kohlendioxid (E 290)
und Stickstoff (E 941) gelten ebenfalls als Zusatzstoffe mit E-
Nummern!
Außerdem finden Sie in Öko-Lebensmitteln Vitamin E (che-
misch Tocopherol), Lecithin (kommt in jeder lebenden Zelle
vor) und viele ähnliche Zusatzstoffe, die entweder unbedenk-
lich sind oder in der Natur sowieso vorkommen. Selbstver-
ständlich können auch natürliche Substanzen Allergien auslö-
sen. Nur: sie werden bei Produkten aus dem Naturkostladen
und zum Teil bei Bio-Waren im Supermarkt und anderen An-
bietern alle aufgeführt, so dass Sie sich davor schützen können.
Rund die Hälfte der Zusatzstoffe in Lebensmitteln sind unbe-
denklich, aber auch überflüssig. Wer qualitativ hochwertige
Lebensmittel essen will, der verzichtet gerne auf Konfitüren
mit künstlichem Vanillin, Brötchen mit DAWE-Estern oder
Fertiggerichte mit Geschmacksverstärkern. Ohne Frage hat
sich die Deklaration von Zusatzstoffen in den vergangenen

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Jahren durch die Bemühungen der EU verbessert. Dennoch


gibt es immer noch Ausnahmen, Gesetzeslücken oder eine
mangelhafte Umsetzung der Vorschriften. ÖKOTEST berich-
tet zum Beispiel, dass „der Geschmacksverstärker Glutamat,
der bei empfindlichen Menschen das sogenannte China-Res-
taurant-Syndrom auslösen kann, nicht selten hinter Bezeich-
nungen wie ‚Würze‘, ‚Hefeextrakt‘ oder ‚Sojahydrolysat‘ ver-
steckt“ wird.

Davon raten die Verbraucherzentrale,


ÖKOTEST oder die Stiftung Warentest ab
Trotz EU-Zulassung raten Experten wie zum Beispiel die Ver-
braucherzentrale bei folgenden Zusatzstoffen (siehe Tabelle,
S. 66) generell vom Verzehr ab, da sie die Gesundheit beein-
trächtigen können. Für Bio-Lebensmittel sind sie von vorn-
herein gar nicht erst zugelassen.

Kritische Zusatzstoffe
Bei vielen Zusatzstoffen (zum Beispiel Vitamine, Enzyme,
Aromen) ist eine gentechnische Synthese möglich. Hier weiß
man noch nicht, ob dies eine gesundheitsschädliche Wir-
kung haben kann.
Bedenklich sind auch Phosphate, Sulfite und so harmlos klin-
gende Substanzen wie Zitronensäure. Letztere können auf-
grund der Säure bedenklich sein. Sie kann bei Dauergenuss
– wie mit Eistee aus Nuckelflaschen – die Zähne regelrecht
auflösen. Ausnahmsweise finden Sie diese Substanz auch in
Bio-Lebensmitteln. Da sie dort jedoch nicht als E-Nummer,
sondern direkt aufgeführt ist, haben Eltern die Chance, die
Substanz auszuschließen.

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66 Was erspare ich mir mit Bio-Lebensmitteln?

Generell ist zu überlegen, ob man Lebensmittel kauft, die


ihre Zusatzstoffe hinter E-Nummern „verstecken“, wenn es
auch Bio-Produkte gibt (zum Teil auch konventionelle Nah-
rungsmittel), die auf diese Praxis gänzlich verzichten. Es ist
auch dann schwer genug herauszufinden, was sich hinter
dem Namen verbirgt. Wer weiß schon wirklich, was Ascor-
binsäure, Carrageen oder EDTA eigentlich ist?

Von diesen E-Nummern raten Verbraucherzentrale,


ÖKOTEST oder die Stiftung Warentest konkret ab:

Substanz Enthalten bzw. Gesundheitsgefahren


erlaubt

E 102 Farbstoff gelb Allergieauslösend bei Personen,


(Tartrazin), gefärbter Lebens- die auf Aspirin (Acetylsalicyl-
künstlicher mittel mit Angabe säure) allergisch reagieren oder
gelber Azo- E 102 im Zutaten- Asthmatiker sind. Nebenwir-
farbstoff verzeichnis. kungen sind Atemschwierig-
Zugelassen keiten, Hautausschläge und
– aufgrund seiner verschwommenes Sehver-
Stabilität – für mögen. Laut ÖKOTEST löst
zahlreiche Lebens- Tartrazin relativ häufig Allergien
mittel wie Süß- (Nesselsucht) aus. Es schädigt
speisen, Gebäck, in niedriger Dosis das Erbgut
Fischprodukte, und erwies sich in mehreren
Knabberartikel, Testverfahren als immunsup-
Diätprodukte und pressiv (d. h. es unterdrückt
Nahrungsergän- das Immunsystem).
zungsmittel. Auch
erlaubt zur Färbung
von Kosmetika,
Putzmittel und
Textilien.


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Zusatzstoffe und Co.: Was man so alles mitisst 67

Substanz Enthalten bzw. Gesundheitsgefahren


erlaubt

E 104 In gelb gefärbten Unter Krebsverdacht, in den


(Chino- Lebensmitteln mit USA verboten, in Einzelfällen
lingelb), Angabe E 104 im allergieauslösend.
gelber Zutatenverzeichnis.
Farbstoff

E 110 In orange gefärbten Gilt als unbedenklich, obwohl


(Sunset- Lebensmitteln, im Tierversuch bei hohen
gelb FCF, auch zur Färbung Dosen Nierentumore festge-
Gelborange von Arzneimitteln, stellt wurden. In Einzelfällen
S), oranger Kosmetika und allergieauslösend, verursachte
Farbstoff Textilien zugelas- in höherer Dosierung bei heran-
sen. wachsenden Mäusen Probleme
mit den Nerven.

E 122 In rot gefärbten Laut Verbraucherzentrale in


(Azorubin, Lebensmitteln, Einzelfällen allergieauslösend
Carmoisin), Mengenbeschrän- und als unbedenklich geltend.
künstlicher kung auf 50 mg/kg. Im Tierversuch wurden bei
roter Farb- höherer Dosierung verschie-
stoff dene Nebenwirkungen auf
Blutbild, Lunge, Lymphsystem
und Bauchspeicheldrüse fest-
gestellt. Laut ÖKOTEST ist das
Risikopotenzial von Azorubin
bis heute nicht abschließend
geklärt.

E 123 Für Aperitifweine, In den USA verboten, in


(Amaranth), Spirituosen und bestimmten Fällen allergie-
roter Farb- Fischrogen. auslösend, vermutlich bei der
stoff Auslösung von Neurodermitis
oder Asthma beteiligt, schädigt
Erbgut in niedriger Dosis.


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Substanz Enthalten bzw. Gesundheitsgefahren


erlaubt
E 211 Überwiegend Bei empfindlichen Personen mit
(Natrium- in Fisch- und Asthma, Heuschnupfen oder
benzoat), Salatprodukten, Hautallergien möglicherweise
Konservie- geschmackliche allergieauslösend. Die Verbrau-
rungsstoff Beeinträchtigung cherzentrale rät vom häufigen
bei Fertigprodukten Verzehr ab!
möglich. Obwohl die Benzoesäure
in Spuren ein natürlicher
Bestandteil von Lebensmitteln
wie Milchprodukten, Obst
oder Honig ist, wurden bei
konservierenden Dosierungen
Nebenwirkungen festgestellt.
Erstaunlicherweise verbietet der
Gesetzgeber die Benzoesäure
und ihre Salze im Hunde- und
Katzenfutter. Laut ÖKOTEST
können für Katzen bereits fünf
Promille tödlich sein. „Deshalb
sollten Lebensmittel, die mit
Benzoesäure konserviert
wurden, wie zum Beispiel Fisch-
salat, nicht an Haustiere ver-
füttert werden“, so ÖKOTEST.
E 232 Gegen Schimmel- Beim Schälen überträgt man
(Natriumor- und Pilzbefall mit den Fingern einen Teil des
thophenyl- für Schalen von Mittels auf das Fruchtfleisch,
phenol), Zitrusfrüchten oder daher Hände nach dem Schälen
künstlich für deren Einwickel- oder Berühren des Einwickel-
herge- papier. papieres gründlich waschen.
stellter Bei Hautkontakt evtl. allergie-
Konservie- auslösend. Fördert im Tierver-
rungsstoff such Blasenkrebs. 

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Zusatzstoffe und Co.: Was man so alles mitisst 69

Substanz Enthalten bzw. Gesundheitsgefahren


erlaubt

E 310 Künstlich herge- Gilt als unbedenklich und in


Propylgal- stelltes Antioxida- Einzelfällen allergieauslösend.
lat, Gallat tionsmittel. Es besteht der Verdacht, dass
es die Aufnahme von Eisen
behindert. Alle Stoffe mit der
Bezeichnung „Gallat“ stehen
unter Verdacht Allergien auszu-
lösen. Führte bei Säuglingen zu
lebensbedrohlicher Blausucht.

E 999 Nur für aroma- Enthält Blutgifte (Saponine),


(Quillaja- tisierte nicht alko- war daher in Deutschland
extrakt): holische Getränke verboten.
Süßstoff auf Wasserbasis
(zum Beispiel
Ginger Ale) oder
Apfelwein (Cidre).

Welche Lebensmittel enthalten besonders


viele Zusatzstoffe?
Je nachdem, wie und mit welchen Lebensmitteln Sie sich
ernähren, können Sie die Mengen aufgenommener Zusatz-
stoffe zum Teil erheblich beeinflussen. Entsprechend nehmen
Sie einige Milligramm oder mehrere Gramm am Tag auf.
Ganz allgemein kann man sagen: Je weniger verarbeitet ein
Lebensmittel ist, desto weniger Zusatzstoffe finden Sie darin,
denn eine ganze Reihe von Lebensmitteln dürfen nach dem
Willen des Gesetzgebers gar nicht durch Zusatzstoffe verän-
dert werden. Dies gilt zum Beispiel für sogenannte unbehan-
delte Lebensmittel, also Produkte, die nur gereinigt, zerlegt,

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70 Was erspare ich mir mit Bio-Lebensmitteln?

geschält oder auf ähnliche Weise lediglich äußerlich für den


Verbraucher vorbereitet wurden, sonst aber unverändert
sind: Frisches Obst und Gemüse sowie rohes Fleisch. Aber
auch Kaffee, Tee, Mineralwasser, Pflanzenöle, Honig, Milch,
Butter, Buttermilch oder Teigwaren dürfen keine Zusatzstoffe
enthalten.
Wer also nicht vorwiegend von „Fast Food“ lebt und vor
allem zu unverarbeiteten Lebensmitteln greift, das heißt:
lieber selbst frisch mit rohen Zutaten kocht, isst schätzungs-
weise weniger als 5 g Zusatzstoffe am Tag. Sie finden jedoch
schon in konventionellem Brot, dann in Käse, Süßigkeiten
und vor allem in Wurst kennzeichnungspflichtige Zusatz-
stoffe. Man kann sogar auf bis geschätzte 20 g Zusatzstoffe
täglich kommen, wenn man fertige oder schon tellerfertige
Speisen – etwa Backmischungen und Dosensuppen – isst.
Schmelzkäse, Cola, zuckerfreier Kaugummi und viele andere
Lebensmittel können ohne Lebensmittelzusatzstoffe nicht
hergestellt werden.

Manchmal hilft uns die EU auf die Sprünge


Leider ist es nicht so, wie uns einige Politiker glauben machen
wollen: Wir sind nicht das große Vorbild, wenn es um ge-
sunde Lebensmittel geht. Deshalb greift die EU manchmal
ein. So erfahren Verbraucher seit Januar 2003, was tatsäch-
lich in abgepackten Fleisch- und Wurstwaren, Fertiggerich-
ten und Fleischkonserven enthalten ist. Die EU sorgt mit
Hilfe ihrer Etikettierungsvorschriften dafür, dass die Herstel-
ler genau angeben müssen, von welchem Tier das verwen-
dete Fleisch stammt. Auch darf nur noch als Fleisch bezeich-
net werden, was Fleisch ist: nämlich Muskelfleisch. Vorher

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Zusatzstoffe und Co.: Was man so alles mitisst 71

konnte man unter dem Begriff auch Fett, Innereien wie Herz,
Darm oder Leber kaufen. Das muss nun separat angegeben
werden, genauso wie Separatorenfleisch von Schweinen und
Geflügel. Letzteres ist vom Rind wegen des BSE-Risikos nach
wie vor verboten. Sind jedoch Fett und Bindegewebe mit dem
Muskelfleisch verbunden, gelten sie immer noch anteilig als
Fleisch. Allerdings sind die Höchstgehalte beschränkt: auf
30 Prozent bei Schweinefleisch, 25 Prozent bei Rind, 15 Pro-
zent bei Vögeln und zehn Prozent bei Kaninchen.
Leider gilt die Kennzeichnung nicht für lose Ware beim Metz-
ger. Dort müssen nur einige Zusatzstoffe deklariert werden.

… und noch mehr Verbesserungen gibt es –


auch für Allergiker
Bisher musste bei zusammengesetzten Zutaten, wie zum
Beispiel Fruchtjoghurt, die genaue Zusammensetzung der
Zutaten nur aufgeführt werden, wenn der Anteil (in diesem
Fall die Fruchtzubereitung) mehr als 25 Prozent des gesam-
ten Lebensmittels umfasste.
Die ungenaue Kennzeichnung war insbesondere für Allergi-
ker ein Problem. Sie erfuhren nicht, ob sich in dem Gemisch
ein unverträglicher Stoff verbirgt. Das ist seit dem November
2005 vorbei. Europaweit werden nun zwölf Produktgruppen
(siehe Tabelle, S. 72), die als häufigste Auslöser von Lebensmit-
telallergien und -unverträglichkeiten bekannt sind, in der
Zutatenliste ausdrücklich aufgeführt. Jetzt heißt es also nicht
mehr nur „pflanzliches Öl“, sondern „pflanzliches Öl (aus
Soja)“.

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72 Was erspare ich mir mit Bio-Lebensmitteln?

Gesetzlich vorgeschriebene Zutaten, die angegeben werden


müssen

12 Produktgruppen müssen zukünftig immer angegeben werden,


egal wie viel davon im Lebensmittel enthalten ist:

 glutenhaltiges Getreide wie  Sesamsamen


Weizen, Roggen, Gerste,  Krebstiere
Hafer, Dinkel, Grünkern,
 Milch
Kamut
(incl. Laktose/Milchzucker)
 Schwefeldioxid und Sulfite  Senf
bei mehr als 10 mg/kg oder
10 mg/l (dargestellt als SO2)  Eier
 Schalenfrüchte wie Mandel,  Fisch
Pistazie, Hasel-, Wal-,  Erdnüsse
Cashew-, Pecan-, Para- und  Sellerie
Macadamianuss  Soja

Die neue Kennzeichnungspflicht umfasst zum ersten Mal


sozusagen die „Zutaten der Zutaten“. Um ein anderes Beispiel
zu nennen: bei Brotaufstrichen muss die Gemüsemischung
nun detailliert aufgeführt werden. Einige Hersteller (zum
Beispiel in Naturkostläden, Reformhäusern und manche Bio-
Supermarktproduzenten) taten dies bislang schon.
Ausnahmen gibt es, wenn die zugesetzten Zutaten nicht mehr
als zwei Prozent des Lebensmittels ausmachen. Dies betrifft
zum Beispiel Gewürz- und Kräutermischungen aufgrund ihres
geringen Gewichts. Ist jedoch in einer derartigen Mischung
eine der erwähnten zwölf Produktgruppen enthalten, muss sie
angegeben werden. Dann findet man hinter der Bezeichnung
„Gewürze“ zum Beispiel „enthält Sellerie“.

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Zusatzstoffe und Co.: Was man so alles mitisst 73

Was ist nicht gekennzeichnet?


Bei verpackten Lebensmitteln gibt es Lücken in der Kenn-
zeichnung:
Wenn die zugesetzte Substanz keine sogenannte „technolo-
gische“ Wirkung mehr entfaltet, braucht sie im Endprodukt
nicht mehr erwähnt zu werden. Ein Beispiel: Wurden rohe
Kartoffeln nach dem Schälen mit einem Mittel gegen Braun-
werden behandelt, muss das auf der Kartoffelpüreepackung
nicht erscheinen.
Bei folgenden Lebensmitteln braucht man gar keine Zutaten
anzugeben:
 Einzeln verkaufte Zuckerfiguren.
 Lebensmittel in sehr kleinen Verpackungen, deren größte
Einzelfläche weniger als 10 cm2 beträgt.
 Bei lose verkauften Lebensmitteln wie zum Beispiel Bröt-
chen oder Aufschnitt vom Verkaufstresen müssen nur
Gruppenbezeichnungen aufgeführt werden, zum Beispiel
Farb- und Konservierungsstoffe. Ausnahme: Infoblätter
oder Plakate müssen genauere Bezeichnungen aufweisen.

Vorsicht Geschmack!
Erdbeerjoghurts, die fruchtiger schmecken als die Erdbeere
selbst, Gulasch, das würziger ist als das selbst gekochte: Aro-
mastoffe prägen unseren Geschmack und unser Essverhalten.
Dabei unterscheidet man künstliche, naturidentische und
natürliche Aromen. Nur Letztere dürfen in Bio-Lebensmitteln
vorkommen. Sie müssen zwar aus natürlich vorkommenden
Rohstoffen gewonnen werden – aber nicht zwingend aus den
Rohstoffen, nach denen sie schmecken. Erdbeeraroma kann
beispielsweise auch aus Holzfasern hergestellt werden; die

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74 Was erspare ich mir mit Bio-Lebensmitteln?

Basis für Pfirsich-, Kokos- und Apfelaroma können Schim-


melpilzkulturen sein. Nicht nur das: bei der Herstellung der
Aromen (entsprechend zehn bis 20 Prozent der Mischung)
dürfen Lösungsmittel, Füllstoffe, Geschmacksverstärker oder
Konservierungsstoffe und oft auch gentechnisch veränderte
Organismen (GVO) zum Einsatz kommen, die nicht aufge-
führt werden müssen. Sogar Alkohol kann man deshalb in
Lebensmitteln finden, was trockene Alkoholiker vor eine
echte Herausforderung stellt.
Mit einem einzigen Gramm Aroma versetzt man ein Kilo-
gramm Lebensmittel mit künstlichem „Flair“. Ein Aroma
besteht aus ca. 50 bis 150 unterschiedlichen Bestandteilen.
Damit kann fast jede Geschmacksvariante künstlich erzeugt
werden, an die man sich schließlich so gewöhnt, dass man
das künstliche Aroma für natürlich hält. Insbesondere Kin-
der sind hiervon betroffen. Durch den intensiven Geschmack
werden auch Erwachsene dazu verführt, zuviel zu essen.
Damit begünstigt man Übergewicht.
Dass durch manche Aromastoffe, zum Beispiel Zimtalde-
hyd, Allergien ausgelöst werden können, beruhigt auch nicht
unbedingt. „Über mögliche, negative gesundheitliche Aus-
wirkungen ist wenig bekannt, da es kaum neutrale Langzeit-
studien gibt“, so die Verbraucherzentrale.

Wie geht man am besten mit den Zusatzstoffen um?


 So wenig Zusatzstoffe und so harmlose wie möglich sind
die beste Voraussetzung für eine gesunde Ernährung.
 Dies gelingt am leichtesten, wenn man wenig Fertig-
gerichte und wenig verarbeitete Lebensmittel kauft.

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Zusatzstoffe und Co.: Was man so alles mitisst 75

 Zusatzstoffe, die von der Verbraucherzentrale, ÖKOTEST


oder der Stiftung Warentest kritisch bewertet werden,
sollte man meiden. Dies gilt vor allem für Kinder.
 Aromen oder Geschmacksverstärker
beeinflussen unser natürliches Ge-
schmacksempfinden. Am besten so
wenig wie möglich „genießen“.
 Erfreulicherweise gibt es auch eine
Neuregelung, die die Hersteller ver-
pflichtet, die Gewichtsanteile von
Zutaten präzise anzugeben, wenn sie
im Produktnamen oder in Werbe-
aussagen auftauchen. Vor nicht allzu
langer Zeit mussten nur die Zutaten
dem Gewicht nach in abnehmender Beispiel einer hervor-
Reihenfolge aufgeführt werden. Da ragenden Zusatzstoff-
liste bei einem Bio-
konnte man nur raten, wie viel von produkt (Käsekuchen,
den jeweiligen Zutaten drinsteckte. Backmischung)
Jetzt hat man zwar noch nicht ganz
das Rezept. Es lohnt sich jedoch, die Zutatenliste genau
zu studieren. Dann erfährt man auch, dass in der Avoca-
docreme nur fünf Prozent Avocado stecken oder in der
Spargelcremesuppe nur sechs Prozent Spargel.
 Lassen Sie sich nicht täuschen: es süßt nicht nur Zucker,
sondern auch Glukosesirup oder Fruktose. Diese „Süß-
stoffe“ muss man zusammenrechnen, wenn man genau
wissen will, wie viel Zucker man zu sich nimmt.
 Die Kampagne „Foodwatch“ (siehe Anhang, Quellen) inter-
viewte Prof. Dr. Franz Daschner, den Träger diverser Um-
weltpreise und des Bundesverdienstkreuzes am Bande.

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76 Was erspare ich mir mit Bio-Lebensmitteln?

Sein Kommentar zu Zusatzstoffen war folgender: „Wir


müssen endlich weg von diesem Industriefraß, der nur
schmeckt, weil er Farbstoffe, Duftstoffe und Konservie-
rungsmittel enthält. Diese gehören übrigens mittlerweile
zu den häufigsten Allergenen in unserer Bevölkerung.“
Wie Sie gelesen haben, werden für Bio-Lebensmittel nur sehr
wenige Zusatzstoffe verwendet. Sie sind entweder unbedenk-
lich oder nur für Allergiker oder spezielle Bevölkerungsgrup-
pen problematisch. Das bedeutet:

Zusatzstoffe in Bio-Lebensmitteln sind am unbedenklichsten.

Bestrahlte Lebensmittel
Bereits seit dem Dezember 2000 dürfen auch in Deutsch-
land getrocknete aromatische Kräuter und Gewürze bestrahlt
werden. Diese können sich auch in Produkten befinden, die
damit hergestellt werden, wie zum Beispiel ayurvedische
Tees, die als teeähnliche Erzeugnisse auch Gewürze und
Kräuter wie zum Beispiel Pfeffer, Ingwer, Zimt, Kardamom
oder Pfefferminze enthalten. Der Grund für die Bestrahlung
ist, dass die betreffenden Lebensmittel je nach Herkunft stark
keimbelastet – auch mit krankheitserregenden Mikroorga-
nismen – sein können. Diese Erreger, die üblicherweise auch
zum Verderb des Lebensmittels führen würden, will man
verringern. Aber man kann damit auch ein Auskeimen von
zum Beispiel Kartoffeln verhindern oder die Reifung unter-
binden. Die Wirkung besteht darin, dass Veränderungen der
Erbinformationen ausgelöst werden. Die dadurch entstehen-

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Bestrahlte Lebensmittel 77

den Schäden beeinträchtigen zahlreiche Zellfunktionen. Vor


allem können sich die Mikroorganismen nicht mehr vermeh-
ren. Der Vorteil der Bestrahlung liegt darin, dass sie nur mit
einer begrenzten Erwärmung verbunden ist. Auf diese Weise
können sogar gesundheitsgefährdende Mikroorganismen in
gefrorenen Produkten reduziert werden, ohne Gefahr des
Auftauens. Pro Jahr werden weltweit etwa 200 000 Tonnen
Lebensmittel mit Elektronen-, Röntgen- oder Gammastrah-
len behandelt, der Großteil davon sind Gewürze und Kräuter.
Die gängige Meinung ist, dass Bestrahlung von Lebensmitteln
keine Gesundheitsgefahr bedeutete. Dazu gibt es jedoch auch
andere Ansichten. So weisen zum Beispiel Christine Kretsch-
mer und Alexander Herzog in ihrem Buch „Gesunde Ernäh-
rung bei Krebs“ darauf hin, dass beim Bestrahlen nicht alle
krankheitserregenden Mikroorganismen getötet werden, der
Verderb daher nicht sichtbar ist und dennoch voranschrei-
tet. Auch strahlungsresistente Mikroorganismen können sich
vermehren. Ganz abgesehen davon, dass Prione (Auslöser des
Rinderwahnsinns), Botulismuserreger (verursachen schwere
Lebensmittelvergiftungen) und Viren bei der derzeit ange-
wandten Dosis nicht abgetötet werden. Außerdem gehen
beim Bestrahlen Vitamine verloren, zum Beispiel verliert die
Kartoffel 40 Prozent ihres Gehalts an Vitamin C. Auch andere
Untersuchungen berichten von Vitaminverlusten durch
Bestrahlung in Abhängigkeit von Dosis und Zeit. Überdies
ist von Restspuren an Radioaktivität die Rede. Fütterungsver-
suche mit bestrahlten Lebensmitteln zeigten Ergebnisse wie
Krebs, Fruchtbarkeitsstörungen, Schäden an inneren Organen
bis hin zu tödlichen, inneren Blutungen. Man darf auch die
Umweltgefährdung durch Radioaktivität beim Transport und

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78 Was erspare ich mir mit Bio-Lebensmitteln?

Betrieb nicht übersehen. So gelangte in Hawaii radioaktives


Wasser in das öffentliche Abwassersystem.
Sind Kräuter und Gewürze bestrahlt, so muss das in Deutsch-
land entsprechend gekennzeichnet werden. Dies gilt sowohl
für lose als auch verpackte Ware. Sie erkennen dies an der
Angabe „bestrahlt“ beziehungsweise „mit ionisierenden
Strahlen behandelt“.
Bio-Gewürze und Bio-Kräuter sind nicht bestrahlt, da die EG-
Öko-Verordnung dies verbietet.

Gentechnik
Der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen hat sich in
Deutschland zwischen 2006 und 2007 nahezu verdoppelt.
2006 wurden im Standortregister noch 950 Hektar an 106
Standorten registriert, 2007 bereits 2 700 Hektar an 174
Standorten.
Dabei lehnt der überwiegende Anteil der Bevölkerung, näm-
lich 79 Prozent, gentechnisch veränderte Bestandteile in der
Nahrung ab. Nur 17 Prozent ist es gleichgültig, wenn der
Preis stimmt. 94 Prozent der Verbraucher wüschen sich eine
Kennzeichnung von tierischen Produkten, wenn die Tiere
mit Gen-Pflanzen gefüttert wurden.
Aber nicht nur viele Bürger, auch ganze Länder lehnen Gen-
technik ab. Polen, Italien und Ungarn gehören dazu. Auch
Frankreich ist kein begeisterter Anhänger der Gentechnik
und hat Genmais der Monsanto-Maissorte MON810 verbo-
ten; Österreich und Griechenland verhängten dafür einen
Anbau- und Importstopp. Auch in der Slowakei darf MON810
nicht auf den Acker. Möglich ist dies durch eine Schutzklausel

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Gentechnik 79

der Europäischen Union, nach der Mitgliedstaaten ein Verbot


aussprechen können, wenn sie Gesundheits- oder Umwelt-
risiken befürchten. Die deutsche Regierung will dagegen bei
der Technik nicht außen vor bleiben. Der Gen-Mais war die
erste Gentechpflanze, die aus kommerziellen Gründen in
Deutschland großflächig angebaut werden darf.
Nur die USA, Argentinien, Kanada und Brasilien setzen Gen-
technik im großen Stil in der Landwirtschaft ein. Die ersten
drei haben auch die EU über die WTO in die Knie gezwun-
gen: Die europäische Wirtschaftsgemeinschaft darf Gentech-
nik nicht verbieten.
In den USA wurden 2006 auf knapp 90 Prozent der Soja-
sowie 60 Prozent der Maisanbauflächen gentechnisch verän-
derte Produkte geerntet. In Brasilien, dem weltweit wichtigs-
ten Anbauland für konventionelles Soja, hat der Anbau von
gentechnisch verändertem Soja im Süden stark zugenom-
men, im Norden wird vorwiegend gentech-freies Soja ange-
baut wie auch in China.
Über Importe aus Anbauländern oder durch verunreinigtes
Saatgut kann Gentechnik auch in hier vermarktete Lebens-
mittel gelangen. Wenn auch die Gentechnik bei Lebensmit-
teln immer noch einen weiten Bogen um Europa macht, ist
sie doch weltweit weiter auf dem Vormarsch.
Die Rapsfelder des Kanadiers Percy Schmeiser wurden durch
Genpflanzen der Firma Monsanto, deren Blütenstaub von
den Nachbarfeldern herübergeweht wurde, verunreinigt.
Obwohl der mutige Bauer nachweisen konnte, dass er das
lizenzpflichtige Saatgut nicht angebaut hatte und dass seine
Ernte durch Vermischen mit Monsanto-Pflanzen wertlos
geworden war, wurde er wegen Missbrauchs des Patent-

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80 Was erspare ich mir mit Bio-Lebensmitteln?

schutzes verurteilt. Im März 2008 konnte man nun lesen,


dass Monsanto nach über sechs Jahren Rechtsstreit bereit
war, Schadenersatz für die Verunreinigung durch Genraps
zu zahlen – eine Stunde vor dem anhängigen Gerichtsver-
fahren. Percy Schmeiser ist inzwischen Träger des alterna-
tiven Nobelpreises für den Schutz der Bio-Diversität und den
Kampf gegen die Patentierung von Saatgut sowie Träger des
indischen „Mahatma-Ghandi-Preises“.
Seit in Deutschland gentechnisch veränderte Pflanzen ange-
baut werden dürfen, wird der Protest der Bevölkerung immer
lauter. „So etwas wie Koexistenz, also ein Nebeneinander
von Gentechnik und traditioneller Landwirtschaft, gibt es
nicht“, erklärt Schmeiser. Die Erfahrungen in Kanada zeigten
deutlich, dass einige Jahre nach Einführung der Gentechnik
praktisch kein gentechnikfreier Anbau mehr möglich ist.
Man darf eines nicht übersehen: Verbraucher können Gen-
tech-Produkte im Regal der Supermärkte und Discounter
liegen lassen. Mit dem Einkaufskorb kann man abstimmen
und die Industrie ist ängstlich auf das Image ihrer Marken
bedacht. Wir müssen keine Genprodukte essen, wenn wir
das nicht wollen.

Was ist Gentechnologie eigentlich?


Im Fachjargon versteht man unter Gentechnik „die gezielte
Neuprogrammierung von lebenden Zellen zur optimalen
Produktgewinnung“. Das heißt: Hier verändert man gezielt
die Erbsubstanz. Ein spezieller biologischer Prozess wird
dadurch „optimiert“, indem man die erforderliche genetische
Information direkt programmiert. Da alle Organismen nach
demselben genetischen Prinzip gebaut sind, ist auch eine

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Gentechnik 81

Übertragung über Artgrenzen hinweg möglich – ja, fremdes


Erbgut kann mittels Gentechnologie sogar in menschliche
Zellen eingeschleust werden, ohne dass wir es sofort merken.
Gentechnik kann in allen Bereichen der Lebensmittelpro-
duktion verwendet werden: Vitamine, Aromastoffe, Enzyme,
Konservierungsstoffe etc. können mit Hilfe von entsprechend
gentechnisch veränderten Organismen hergestellt werden.
Derart veränderte Kleinlebewesen können aber auch direkt
in den Lebensmitteln eingesetzt werden, zum Beispiel zur
Erzeugung von Joghurt und Käse oder Brot.

Gentechnologie in der Landwirtschaft


Mittels Gentechnik schien nun endlich ein Verfahren gefun-
den, das den Landwirt vor Ernteverlusten schützt, zum Bei-
spiel mit Totalherbiziden. Darunter versteht man ein Her-
bizid, das alle Pflanzen abtötet außer die Nutzpflanzen, die
resistent sind oder gentechnisch resistent gemacht wurden,
zum Beispiel „Basta“ und „Round up“. Somit hat der Bauer
tatsächlich keine Ernteausfälle durch Unkraut. Dabei über-
sieht man jedoch etwas: der Bauer muss auch das Saatgut vom
Herbizidproduzenten erwerben – denn nur dieses hält das
Gift aus. Das bedeutet schlichtweg: der Bauer wird ein abhän-
giger Kunde und muss die geforderten Preise zahlen.
Auch zu den Rückständen der Totalherbizide in den Lebens-
mitteln und im Boden, in dem die Pflanzen wachsen und
wo sie mit dem Gift besprüht werden, hat die Industrie Rat:
„Basta“ und „Round up“ sind schnell abbaubar. Ob daraus
wohl gesundheitsfördernde Substanzen entsehen?

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82 Was erspare ich mir mit Bio-Lebensmitteln?

Einführung von Gentechnik durch die Hintertür


Man darf schließlich auch nicht vergessen, dass die Kuh nicht
nur frisches Gras und Heu, sondern auch Kraftfutter wie Mais-
kleber und Soja erhält. Letzteres wird zu 90 Prozent als Tierfutter
verwendet. „Dabei wird vor allem gentechnisch verändertes Soja
gepflanzt, das unempfindlich gegen das Unkrautvernichtungs-
mittel Round up der GenFirma Monsanto gemacht wurde“, so
kann man im EinkaufsNetz von Greenpeace nachlesen.
„80 Prozent der weltweit produzierten gentechnisch verän-
derten Pflanzen landen im Tierfutter von Kühen, Schweinen
und Hühnern – der Verbraucher erfährt nichts davon. Denn
tierische Produkte müssen nicht gekennzeichnet werden. So
wird über den Einkauf von Milch, Joghurt, Käse, Eiern und
Wurst der Anbau von Gen-Pflanzen gefördert.“
Dies alles gilt nicht für Tiere in einem Bio-Betrieb. Für sie
darf kein gentechnisch verändertes Futter verwendet werden.
„Außerdem lässt sich Sojaschrot durch Rapsschrot ersetzen“,
weiß Greenpeace. Alle Bio-Firmen garantieren den Verbrau-
chern, auf Gen-Futter zu verzichten.

Wozu braucht man eigentlich gentechnisch


veränderte Lebensmittel und wo liegen
die Risiken?
Die Industrie nennt viele Gründe dafür, gentechnisch verän-
derte Lebensmittel auf den Markt zu bringen, zum Beispiel,
spezielle Produkte für Personen mit Ernährungskrankheiten
zu entwickeln oder durch Steigerung des Ertrages den Hun-
gernden in der Welt zu helfen. Auch sollen allergenarme
Nahrungsmittel produziert werden. Dies überrascht, denn
in die Sojabohne wurde das Gen für ein Eiweiß der Paranuss

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Gentechnik 83

eingekreuzt. Dadurch konnten Paranussallergiker plötzlich


auch kein Soja mehr essen, und man war gezwungen, die so
veränderten Bohnen wieder vom Markt zu nehmen. Die Anti-
Matsch-Tomate („Endless-Summer-Tomate“), die verschleiert,
wie alt die schön aussehende Tomate ist, ließ das Vertrauen
in die neue Technik auch nicht gerade steigen. Auch diese
Tomate wurde inzwischen wieder vom Markt genommen,
da sie einfach nicht schmeckt.
Kritiker der Gentechnik, zu denen auch der englische Prinz
Charles gehört, sehen viele Risiken, wie zum Beispiel die
Entstehung neuer Allergien oder – verfahrensbedingt – Anti-
biotikaresistenzen. Prinz Charles warnt außerdem vor Ge-
fahren wie dem unkontrollierten Auskreuzen genmanipu-
lierter Pflanzen auf wilde Verwandte, vor dem Entstehen
kaum beherrschbarer Superunkräuter und der Zerstörung
der Artenvielfalt. Anders als bei der Züchtung werden bei
der Gentechnik Artgrenzen nicht beachtet. Das bedeutet zum
Beispiel, dass Erbsubstanz von Bakterien, Viren oder mikros-
kopisch kleinen Pilzen in Pflanzen und inzwischen auch in
Tiere „eingepflanzt“ werden. Da die Wirkung der einge-
pflanzten Gene aber nicht hundertprozentig vorhergesagt
werden kann bzw. unerwartete Effekte und Nebenwirkungen
nicht ausgeschlossen werden können, befürchten Kritiker
eine Zerstörung des ökologischen Gleichgewichts, wenn die
neuen genveränderten Lebewesen wie eingeschleppte Arten
wirken (wie zum Beispiel der Waschbär und der Riesen-
bärenklau in Deutschland oder die Kaninchen in Australien).
In genmanipulierten Lebensmitteln können neue Giftstoffe
entstehen oder Eiweiße, die Allergien auslösen, statt – wie
eingangs berichtet – sie zu beseitigen.

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84 Was erspare ich mir mit Bio-Lebensmitteln?

Ein weiteres Problem ist, dass gentechnisch veränderte Pflan-


zen, einmal ins Freie ausgebracht, nicht mehr zurückgeholt
werden können. Zum Beispiel durch Pollenflug oder Insek-
ten gelangen sie auch in nicht genmodifizierte Pflanzen. In
Kanada etwa hat sich der Gen-Raps über Pollenflug fast flä-
chendeckend ausgebreitet. Biobauern können dort keinen
Raps mehr anbauen – sie können nicht mehr garantieren,
dass ihr Raps von den Gentech-Sorten unbeeinflusst bleibt.
Auch für uns besteht die Gefahr: Wenn Gentechnik erst ein-
mal Fuß fasst, wird sie sich über alle Äcker ausbreiten.
Generell kann man Folgendes sagen: Die Gentechnik ist zu
jung, um Risiken sicher zu erkennen und Langzeitgefahren
ausschließen zu können. Ob die Gentechnik im Lebensmit-
telbereich ausschließlich zum Wohle des Menschen ent-
wickelt wurde, darf bezweifelt werden. Jürgen Stellpflug,
der Chefredakteur von ÖKOTEST, resümiert hierzu: „für
gesunde Lebensmittel braucht es keine Gentechnik. Den Nut-
zen von Mais beispielsweise, der gegen ein bestimmtes Pesti-
zid unempfindlich gemacht wurde, haben einzig und allein
die Hersteller des veränderten Saatguts und des Spritzmittels.
Den Verbrauchern bleiben – wie so oft – nur die Risiken.“

Gentechnik und die Gesundheit


Bislang gibt es keine Studien über gesundheitliche Risiken
von Gentechnik für den Menschen; man muss auf Tierver-
suche zurückgreifen. Ein Ergebnis: Der Gen-Mais NK603 ist
möglicherweise gesundheitsgefährdend. Greenpeace stellte
hierzu das Ergebnis eines Reports der französischen Exper-
tengruppe CRIIGEN (Committee for Independent Research and
Information on Genetic Engineering) vor. Ähnlich wie schon beim

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Gentechnik 85

Monsanto-Gen-Mais MON863 war es auch hier in Rattenver-


suchen zu Funktionsveränderungen bei Nieren, Gehirn, Herz
und Leber gekommen. Dabei zeigten männliche und weib-
liche Tiere unterschiedliche Reaktionen. Beide Maissorten
sind in Deutschland als Lebens- und Futtermittel zugelassen.
Christoph Then von Greenpeace bemängelt die Sicherheits-
kontrollen insofern, als es keine einheitlichen Kriterien gibt,
nach denen Gentechpflanzen vor ihrer Markteinführung
überprüft werden. Außerdem sind die Zulassungsbehörden
nicht in der Lage, eigene statistische Untersuchungen durch-
zuführen. Sie können lediglich prüfen, was ihnen von den
Unternehmen vorgelegt wird.
Bei den Flavr-Savr-Tomaten zeigte sich, dass junge Ratten
Geschwüre an der Magenwand bekamen. Gentechnisch ver-
änderte Kartoffeln beeinträchtigten das Immunsystem und
das Wachstum von Ratten, auch die Darmwand und -funk-
tion wurde beeinflusst. Dabei war nicht das eingeschleuste
Gen an sich der Auslöser, sondern die veränderte Erbsubstanz
der Kartoffel insgesamt.
In Australien waren die Erfahrungen mit gentechnisch ver-
änderten Erbsen nicht unbedingt positiv. Die Hülsenfrüchte
sind offensichtlich nicht nur für Schädlinge unbekömm-
lich, sie rufen bei Mäusen Lungenentzündung hervor. Da die
australischen Forscher es für möglich halten, dass die mani-
pulierten Erbsen auch Menschen krank machen können, bra-
chen sie ihre seit mehr als sieben Jahren laufenden Arbeiten
mit diesen Pflanzen ab. Zwölf Tonnen Gentech-Erbsen aus
Feldversuchen mussten daher vernichtet werden. Ursprüng-
lich hatte man gehofft, damit einen Schädling loszuwerden.
Die Tierversuche zeigen, dass man im Grunde alle Gentech-

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86 Was erspare ich mir mit Bio-Lebensmitteln?

Produkte einzeln auf Unbedenklichkeit prüfen muss. Chris-


toph Then von Greenpeace Deutschland kommentiert die
Ergebnisse folgendermaßen: „In Europa hätten die Gen-Erb-
sen sogar eine Marktzulassung als Lebensmittel erhalten kön-
nen. Denn Fütterungsversuche mit gentechnisch veränderten
Pflanzen sind in der EU nicht vorgeschrieben.“

Was erlaubt das Gesetz?


Das Gesetz schreibt vor, dass bei Lebensmitteln Zutaten mit
gentechnisch veränderter Erbsubstanz deklariert werden
müssen. Jedoch muss diese Erbsubstanz nachweisbar sein und
nicht „zufällig“ und „unbeabsichtigt“ oder „technisch unver-
meidbar“ in das Produkt gelangt sein. Die EU-Bioverordnung
regelt genauer, was als „zufällig“ gelten kann: Nachweisbare
Anteile bis zu einem Schwellenwert von 0,9 Prozent in einer
Zutat (zum Beispiel Maismehl, Sojaprotein). Bis zu diesem
Grenzwert muss das Vorhandensein von Gentechnik nicht
deklariert werden. 0,3 Prozent wären besser – das erreichen
viele Bioproduzenten durchaus.
Hersteller, die auf ihren Produkten den Hinweis „ohne Gen-
technik“ anbringen, müssen nachweisen, dass auf allen Ebe-
nen der Erzeugung auf Gentechnik verzichtet wurde. Jedoch
erlaubt das Gesetz auch hier „unbeabsichtigte“ und „unver-
meidbare“ Spuren.
Die Verbraucher haben ihre Macht gezeigt: Aufgrund der
großen Ablehnung der Gentechnik findet sich kaum ein
Lebensmittelhersteller, der Produkte mit Zutaten aus gen-
technisch veränderten Pflanzen bei uns anbietet. Theoretisch
könnten 16 000 Artikel genveränderte Zutaten enthalten,
jedoch finden sich kaum Lebensmittel in den Supermark-

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Gentechnik 87

tregalen, die auf der Zutatenliste „genetisch verändert“ auf-


weisen. Die Hersteller und Händler haben sich dem Ver-
braucherwunsch gefügt und bieten diese Produkte nicht an.
Daran können Sie Ihren Einfluss erkennen!

Was ist gentechnikfrei im konventionellen Bereich?


Auch konventionelle Lebensmittel dürfen mit der Kennzeich-
nung „ohne Gentechnik“ beworben werden. Die gesetzlichen
Vorschriften dafür sind sehr weitreichend und bezüglich
Gentechnik mit denen der geltenden EG-Öko-Verordnung
für Erzeugnisse des ökologischen Landbaus vergleichbar. So
dürfen sogar tierische Lebensmittel weder als „Bio“ noch
als „ohne Gentechnik“ bezeichnet werden, wenn die Tiere
mit Futtermitteln aus gentechnisch veränderter Produktion
gefüttert wurden. Dagegen dürfen Zusatzstoffe oder tech-
nische Hilfsstoffe wie Enzyme (siehe Anhang, Lexikon) oder
Vitamine durchaus von gentechnisch veränderten Organis-
men stammen, vorausgesetzt, es gibt keine Alternativen.
Im neuen Gentechnikgesetz, das im Januar 2008 verabschie-
det wurde, gilt beim Anbau künftig ein Abstand von mindes-
tens 150 Metern zu konventionellen Sorten und mindestens
300 Metern zu Ökomais. Benachbarte Bauern können dies
durch Absprachen allerdings aber unterschreiten.

Wie wirkte sich Gentechnik bislang aus?


Trotz aller Versprechen spart Gentechnik offensichtlich keine
Pestizide ein. Eine amerikanische Studie, die auf offiziellen
Daten der US-Regierung basiert, stellte fest, dass schon im
vierten Jahr nach der Einführung von Gen-Soja mehr Gift
gespritzt wurde als vorher. Nun stellt sich die Frage, woran

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das liegt. Greenpeace meint dazu, dass viele Unkräuter


Abwehrkräfte gegen bestimmte Pestizide entwickeln und
man offensichtlich dadurch mehr Gift benötigt. Auch bei
gentechnisch verändertem Mais werden etwa 30 Prozent
mehr Pestizide gebraucht.
Zudem sind die versprochenen höheren Erträge nicht ein-
getroffen. Bei Soja ergab sich zum Teil 20 Prozent weniger
Ernte-Ertrag als bei den nicht gentechnisch veränderten
Pflanzen. Da man von den Bioziden aufgrund des Saatgutes
oft genug abhängig wird, ist die Rückkehr zu nicht verän-
dertem Saatgut verbaut. In den USA verursachte die Gentech-
nik sechs Jahre nach ihrer Einführung 12 Milliarden Dollar
Verluste – seit 1999. Als Ursache wird der Zusammenbruch
des Exports von Mais und Raps nach Europa angesehen. Den
Bauern machen die Abhängigkeit von teurem Gen-Saatgut
und Pestiziden sowie die gefallenen Marktpreise für ihre
Erzeugnisse zu schaffen, so berichten die Autoren der Studie
„Saat des Zweifels“ des Bio-Verbandes „Soil Association“.
Auch sind inzwischen Mehrfachresistenzen (Resistenz bedeu-
tet Unempfindlichkeit) bei Wildpflanzen und unerwünschten
Beikräutern gegen bestimmte Pestizide, die gentechnisch ent-
wickelt wurden, bekannt. Die Herstellerfirmen empfehlen
dann einfach die Anwendung zusätzlicher Pestizide.

Was soll man nun essen?


Auf Länderebene und auch regional gibt es Versuche, sich
gegen gentechnisch veränderte oder beeinflusste Lebensmit-
tel zu wehren. Wir haben über 20 gentechnikfreie Regionen
in Bayern, obwohl in den Jahren 2004 und 2005 großflächi-
ger Erprobungsanbau von Gentechnik-Mais Bt810 in Bayern

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Gentechnik 89

„von oben“ durchgesetzt wurde. Aber auch in Österreich regt


sich der Widerstand.
Um sich vor gentechnischen Produkten zu schützen, bleibt
deshalb nur Folgendes zu raten:
 Einheimische Waren bevorzugen (auch zum Beispiel in
England, den Niederlanden und in Spanien werden gen-
technisch veränderte Waren produziert bzw. Pflanzensor-
ten angebaut).
 Im „Greenpeace EinkaufsNetz“ (siehe Anhang, Quellen, „Essen
ohne Gentechnik“) finden Sie Hersteller, die definitiv keine
gentechnisch veränderten Produkte, Futtermittel etc. ver-
wenden. Die wenigen gekennzeichneten Produkte können
Sie – leider nur für den deutschen Markt – auf der aktuellen
Liste Gen-Alarm von Greenpeace im Internet nachsehen:
www.einkaufsnetz.org.
 Seit April 2004 unterliegen gentechnisch veränderte Pro-
dukte einer besseren Kennzeichnung. Man findet das dann
versteckt in der Zutatenliste – zum Beispiel „aus genetisch
verändertem Soja hergestellt“ oder „enthält genetisch ver-
änderten Mais“. Immerhin muss der Hersteller dies auch
angeben, sobald die Ausgangspflanze gentechnisch verän-
dert wurde.
 In der Ökologischen Landwirtschaft und generell bei Bio-
Produkten und Bio-Futtermitteln ist der Einsatz der Gen-
technik verboten. Bio-Produkte dürfen generell keine gen-
technisch veränderten Bestandteile enthalten. Das heißt:

Mit Bio-Produkten haben Sie die höchste Sicherheit


für einwandfreie, gentechnikfreie Nahrung.

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90 Was erspare ich mir mit Bio-Lebensmitteln?

Nie wieder Angst vor BSE


(Rinderwahnsinn)
BSE (Bovine Spongiforme Enzephalopathie) entstand vermutlich,
weil man Kadaver von Schafen, die an Scrapie (Traberkrankheit)
gestorben waren, in Pulver verwandelte, nur mäßig erhitzte und
an strenge Pflanzenfresser – nämlich Rinder – verfütterte.
Vieles ist bei BSE noch unbekannt oder wird verschleiert.
Sogar bestimmte Pestizide gerieten in Verdacht, die Krank-
heit auszulösen. Ob BSE auf den Menschen übertragbar ist,
wird immer noch von einigen bestritten. Man ist sich jedoch
sicher, dass die neue Form der Creutzfeld-Jakob-Krankheit
(CVJK) die menschliche Variante des Rinderwahnsinns ist.
Hätte man damals, als 1987 die ersten Fälle von „Rinder-
wahnsinn“ in Großbritannien auftraten, sofort gehandelt,
dann hätte sich BSE nicht über ganz Europa und darüber hin-
aus verbreitet.
Ob die Gefahr der Ansteckung groß ist, lässt sich nicht beant-
worten. Betrachtet man die Anzahl der CVJK-Erkrankungen
in England, wo alle BSE-infiziertes Fleisch bzw. tierische
Bestandteile gegessen haben – und wenn nur in Tabletten-
form durch Gelatine – dann muss man realistischerweise
sagen, dass Rauchen und Autofahren weitaus gefährlicher
sind. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob hier nicht noch etwas
„nachkommt“, da die Inkubationszeit (Zeitraum von der
Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit) 12,5 Jahre be-
trägt. Bis zum November 2005 erkrankten in Großbritannien
152 Menschen an CVJK, davon leben noch sechs Patienten.
Angeblich befürchtet man in Großbritannien 200 000 Er-
krankungen. Hoffen wir, dass es nicht dazu kommt.

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Nie wieder Angst vor BSE (Rinderwahnsinn) 91

Auch aus anderen Ländern sind Erkrankungen bekannt, die


nach der Ansicht von Fachleuten fast ausschließlich auf impor-
tiertes britisches Rindfleisch zurückzuführen sind. Als größter
Risikofaktor gilt der Verzehr von Fast Food mit Separatoren-
fleisch-Bestandteilen (Hamburger, Döner). Die am meisten ge-
fährdeten Menschen sind zwischen 1980 und 1990 geboren.
In Europa nahm die Anzahl der BSE-Fälle stetig ab. In
Deutschland stieg die Zahl der bestätigten BSE-Fälle nach offi-
ziellen Angaben im Jahre 2004 bis auf 65 Rinder, 2003 waren
es nur 54. Bis zum 30.6.2007 wurden insgesamt 403 BSE-
Fälle in Deutschland registriert. Dabei wird allerdings von
einer hohen Dunkelziffer ausgegangen, da die meisten Tiere
geschlachtet werden, bevor der Erreger nachweisbar wird.
Erschreckend ist, dass die private Initiative „Foodwatch“
2007 aufdeckte, dass Kadavermehl – sogar mit Wissen der
Behörden – weltweit illegal gehandelt wurde. Dies war
auch gar nicht neu: Allein im Jahr 2005 wurden mehr als
30 000 Tonnen davon von führenden Fleischunternehmen aus
Deutschland in Nicht-EU-Staaten exportiert. Leider war es
der Verdienst der erwähnten privaten Initiative und nicht der
der Behörden, dass nach der Veröffentlichung dieses Abfall-
Skandals der Fleischwirtschaft deutsche Behörden im März
2007 den illegalen Export von Kadavermehl in Nicht-EU-
Länder stoppten. Die Europäische Kommission berief auf-
grund dieses Skandals europäischen Ausmaßes eine Sitzung
zum Thema „Handel mit tierischen Abfällen“ ein.
Die Vorgehensweise der „fleischerzeugenden“ Betriebe: Man
produziere Fleisch (dazu gehörten auch Geflügel wie Pute,
Hühnchen, Schweine und Fisch, die ganz legal mit Tiermehl
gefüttert werden durften) so billig wie möglich, um auf dem

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92 Was erspare ich mir mit Bio-Lebensmitteln?

Weltmarkt konkurrieren zu können. Dabei ist die Gesundheit


des Konsumenten nicht von Bedeutung.
Die Alternative: Man kauft nur Biofleisch. Hier dürfen die
Tiere nicht mit Kadavermehl gefüttert werden. Nur dieses
Ökofleisch bietet die größtmögliche Sicherheit gegenüber
dem BSE-Erreger. Bereits seit 1980 ist die Verfütterung von
Kadavermehl auf Bio-Höfen verboten. Dazu kommt: Falls die
Theorie mit den Pestiziden stimmt, dann haben Sie bei den
Öko-Produkten nochmals Glück: Bio-Bauern dürfen keine
verwenden. Besonders brisant ist der Tipp mit Biofleisch des-
halb, da inzwischen im konventionellen Bereich wieder über
die Verfütterung von Kadavermehl nachgedacht wird. Man
denkt dabei an Kadaverreste inklusive Schlachtabfällen von
Hühnern und Schweinen. Man will diese „Reststoffe“ wie-
der in die Mast einbauen. Zwar sollen das Kadavermehl von
Rindern und die Verfütterung von Mehl an die gleiche Tier-
art auch weiterhin tabu bleiben, aber kann man das wirklich
immer korrekt trennen? Der EU ist es jedenfalls 1,7 Millio-
nen Steuergelder wert, dies zu untersuchen. Aber wer will
eigentlich Fleisch essen, das von Tieren stammt, an die Kada-
ver verfüttert wurden?

Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser:


Die große Untersuchung von
Bio-Lebensmitteln des CVUA Stuttgart
Das Land Baden-Württemberg führte seit dem Jahr 2002 ein
spezielles Überwachungsprogramm im Bereich Bio-Lebens-
mittel durch. Dieses Öko-Monitoring-Programm steht in
Zusammenhang mit der Förderung des ökologischen Land-

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Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser 93

baus des Bundeslandes und erfolgte im Rahmen der amt-


lichen Lebensmittelüberwachung. Mit diesem Programm
untersuchte man Lebensmittel aus ökologischem Anbau sys-
tematisch auf Rückstände und Schadstoffeinträge und eben-
falls auf das Vorhandensein von gentechnisch veränderten
Pflanzen (GVP) sowie auf erfolgte Bestrahlung. Damit wollte
man definitiv wissen, ob und inwiefern ökologisch erzeugte
Lebensmittel mit Rückständen und Verunreinigungen belas-
tet sind und ob und inwiefern in Bio-Lebensmitteln auch
„Bio“ drin ist, wenn es draufsteht. Außerdem wurde ein Ver-
gleich von ökologisch erzeugter mit konventioneller Ware
durchgeführt.
Dabei handelte es sich um ein Gemeinschaftsprojekt der
vier Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter (CVUA)
Freiburg, Karlsruhe, Sigmaringen und Stuttgart unter Feder-
führung des CVUA Stuttgart. Folgendes ergaben die Untersu-
chungen:

Pestizide
Bei den Pestiziden hat sich gezeigt, dass bezüglich der Rück-
stände bei pflanzlichen Lebensmitteln ein deutlich erkenn-
barer Unterschied zwischen konventionell und ökologisch
erzeugter Ware besteht. Tatsächlich fanden die Behörden
im Mittel bei Obst- und Gemüseproben aus ökologischer Er-
zeugung nur 0,01 mg/kg, gegenüber konventioneller Ware
mit 0,4 mg/kg Ware. Die Werte waren im Durchschnitt um
das 40-fache (!) höher in konventioneller Ware. Also nicht
nur doppelt so hoch, nein, fast um das 50-fache höher war
zum Teil der Pestizidgehalt in Obst und Gemüse aus konven-
tioneller Landwirtschaft. Die Behörden schlossen daraus: Die

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94 Was erspare ich mir mit Bio-Lebensmitteln?

pflanzlichen Lebensmittel aus Bio-Anbau „können deshalb


als weitgehend rückstandsfrei bezeichnet werden“. Nur zu
einem sehr geringen Prozentsatz der Öko-Lebensmittel wur-
den Rückstände von Pflanzenschutzmitteln gefunden, die
aufgrund der Art und Menge der Wirkstoffe auf eine unzu-
lässige Behandlung bzw. eine Vermischung mit konventi-
oneller Ware zurückgeführt werden mussten. Sogar unter
Berücksichtigung von Verwehungen aus dem Nachbarfeld
und Umweltverschmutzung konnten keine bestimmbaren
Rückstände über dem von der baden-württembergischen
Lebensmittelüberwachung erarbeiteten analytischen „Warn-
wert“ gefunden werden.
Das bedeutet, dass eine allgemeine Höchstmenge von
0,01 mg/kg für Pestizide in pflanzlichen Lebensmitteln aus
ökologischem Anbau sogar festgeschrieben bzw. zur Voraus-
setzung für die Bezeichnung von „Bio-Ware“ festgelegt wer-
den könnte.

Fazit: Die Behauptung ist widerlegt, dass Bio-Waren durch


Umweltverschmutzung und Luftschadstoffe genauso
belastet sind wie konventionelle Ware. Und das sogar mit
amtlicher Bestätigung.

Im Übrigen legen bereits einige Handelsverbände diesen


Grenzwert von 0,01 mg fest.
Prof. Dr. Hoffmann et al. (siehe Anhang, Quellen) berichtet
sogar, dass 2005 die Öko-Produkte nur ein Zweihunderts-
tel der Rückstände konventioneller Proben hatten. Letztere
waren zu 93 Prozent einfach, vielfach sogar mehrfach belas-

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Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser 95

tet. Die höchsten Rückstände fand man bei Tomaten, Wein-


trauben, Gemüsepaprika und Erdbeeren.
Etwa die Hälfte der Proben enthielt mehr als einen Schadstoff.
Da niemand sagen kann, ob Wechselwirkungen der Substan-
zen untereinander auftreten, wird hier mit der Gesundheit
der Menschen gespielt. Bio-Produzenten tun dies nicht.
Man darf auch nicht vergessen, dass für konventionelle Waren
die Grenzwerte im EU-Konsens länderübergreifend festge-
legt werden. Wir müssen also häufig höhere Grenzwerte
akzeptieren, als bei uns als gesundheitsverträglich angesehen
würden. Dies ist besonders gravierend, da die Mehrfachbe-
lastungen im Organismus des Menschen zunehmen.

Bio-Ware „strahlt“ nicht


und weist keine Medikamente auf
In keiner der untersuchten Proben aus ökologischer Erzeu-
gung wurden sogenannte „pharmakologisch wirksame“
Stoffe (Antibiotika etc.) nachgewiesen. Auch eine unzulässige
Bestrahlung konnte nur in vier von 193 (2 Prozent) der unter-
suchten Öko-Proben aufgezeigt werden (betroffen waren
nur sogenannte Ayurvedische Tees bzw. Gewürztees). Folge-
untersuchungen dieser Erzeugnisse ergaben dann erfreu-
licherweise keine weiteren positiven Befunde mehr.
Im Unterschied zu konventionellen Produkten fand man
keine Strahlenbehandlung in Gewürzsalzen, Suppen und
Instant-Nudelgerichten, die unter Verwendung von Kräu-
tern und Gewürzen hergestellt wurden. Jedoch wurde die
Behörde in einigen konventionellen Nahrungsergänzungs-
mitteln, bei getrockneten Fischen, Schnecken und Frosch-
schenkeln fündig.

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96 Was erspare ich mir mit Bio-Lebensmitteln?

Nitrat – nie eine Höchstmengenüberschreitung


Spinat ist ein sogenannter Nitratsammler. In Bio-Tiefkühl-
spinat wurden keine Höchstmengenüberschreitungen von
Nitrat festgestellt. Derartiges fand man jedoch auch bei kon-
ventioneller Ware in ähnlicher Form.

… und Gentechnik?
Bio-Produkte lagen sogar weit unter dem im Juni 2007 EU-
weit festgelegten Grenzwert von 0,9 Prozent Anteil von gen-
technisch verändertem Mais und Soja. „In keinem Soja- oder
Maisprodukt aus ökologischer Erzeugung waren Anteile an
gentechnischen Veränderungen von mehr als 0,1 Prozent
nachweisbar“, so die Behörden. Anders sah es dagegen bei
konventionellen Sojaprodukten aus. Man beobachtet in den
letzten Jahren größere Unterschiede zwischen den unbeab-
sichtigten Spuren in konventioneller und Bio-Ware: 2006
waren 42 Prozent der konventionellen Sojaprodukte, aber
nur 13 Prozent der Bio-Produkte durch gentechnisch verän-
dertes Soja verunreinigt. Letztere konnten sich diesbezüglich
gemeinsam mit Mais in den letzten Jahren sogar noch verbes-
sern. Diejenigen Bio-Proben, die gentechnisch verändertes
Soja enthielten, waren so weit unter dem Wert von 0,1 Pro-
zent, dass die Behörden nie einschreiten mussten.

Das Fazit lautete zusammengefasst: „In allen Untersu-


chungsbereichen stellen die Untersuchungsergebnisse den
Produkten aus ökologischer Erzeugung gute Noten aus.“

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Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser 97

… und die ausländischen Bio-Produkte?


Auch zu dem Thema „ausländische Bio-Lebensmittel“ liegen
Untersuchungen aus Baden-Württemberg vor. 1 306 soge-
nannte „Landwirtschaftliche Urprodukte“, worunter man
Obst und Gemüse (einschließlich Kartoffeln und Pilze) ver-
steht, wurden in Abhängigkeit von ihrer Herkunft untersucht.
Nur zwei Prozent der deutschen Obst- und Gemüseproben
wiesen Rückstände auf, die auf eine unzulässige Pflanzen-
schutzmittelanwendung hinweisen. Das bedeutet, dass nur
bei ungefähr jeder fünfzigsten Probe festgestellt wurde, dass
die Bezeichnung „Bio“ nicht zutrifft. Bei ausländischen Pro-
dukten waren die Beanstandungsquoten höher. Insbesondere
bei den italienischen Bio-Produkten entsprach ca. jede achte
Probe (13 Prozent) nicht den Bio-Richtlinien und wurde
beanstandet. Die Behörden aus Baden-Württemberg schlos-
sen daraus, dass – trotz des ausgefeilten Öko-Kontrollsystems
– bei längerer Handelskette eine Umetikettierung, Vermi-
schung oder Kontamination von ökologisch erzeugter Ware
häufiger vorkommen kann. Dies gilt jedoch nur für Italien.
Leider fiel das Land immer wieder unangenehm auf: Karot-
ten, Tomaten und Paprika italienischer Herkunft, aber auch
Zuchtpilze aus den Niederlanden wurden häufiger beanstan-
det als der Rest der Bio-Produkte. Im Gegensatz zu Italien
wurden deutsche Karotten so gut wie gar nicht bemängelt.
Die Rückstandssituation bei Paprika und Tomaten aus öko-
logischer Erzeugung hat sich in den letzten Jahren deutlich
verbessert. Generell war die Anzahl der Beanstandungen je
Herkunftsland so gering, dass man hierzu keine allgemeine
Aussage treffen kann. Dazu kommt, dass man z. T. auch ri-
sikoorientiert beprobt hatte. Das heißt, es wurden Lebensmit-

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98 Was erspare ich mir mit Bio-Lebensmitteln?

tel getestet, bei denen schon vorher Beanstandungen erfolgt


waren. Bei den verarbeiteten Produkten waren die Unter-
schiede deutsch/ausländisch so gering, dass man hier nicht
den Ratschlag geben kann, inländische Produkte zu bevorzu-
gen. Am häufigsten wurden Fruchtgemüse und Zitrusfrüchte
beanstandet.
Sicherlich auch infolge der scharfen Kontrollen hat sich die
Rückstandssituation in den letzten Jahren verbessert. So wur-
den vor einigen Jahren noch relativ häufig geringe Rück-
stände an Chlormequat, das als Halmverkürzer im konven-
tionellen Getreideanbau eingesetzt wird, in Bio-Zuchtpilzen
nachgewiesen. Die Behörden vermuteten, dass diese uner-
wünschte Substanz aus dem Boden, der für die Pilzzucht
verwendet wird, stammte. Nach den Vorschriften der Öko-
Verordnung muss jedoch auch das eingesetzte Stroh bei dem
Pilzsubstrat von Bio-Getreide stammen. 2005 lag die Bean-
standungsquote bei Zuchtpilzen noch bei 23 Prozent. Im Jahr
2006 wurde nur noch bei einer von 23 Proben (vier Prozent)
aufgrund eines nachgewiesenen Gehaltes an Chlormequat
von 0,11 mg/kg die Bezeichnung „Bio“ als irreführend bean-
standet. Die Behörden führen dies darauf zurück, dass hier
Maßnahmen ergriffen wurden, die zu dieser wesentlichen
Verbesserung der Situation geführt haben. Daran sieht man,
wie wichtig Kontrollen sind.
Auch Bio-Tafelweintrauben sind besser geworden: Wurden
vor 2006 noch Beanstandungsquoten zwischen vier und
neun Prozent festgestellt, entsprachen 2006 alle Trauben der
Öko-Verordnung. Leider wurden wieder in zwei Proben ita-
lienischer Herkunft unerlaubte Spritzmittel gefunden.

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Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser 99

Oft enthalten Bio-Lebensmittel nur deshalb Rückstände, weil


sie mit der Verpackung und/oder während des Transports
mit konventionellen Lebensmitteln in Berührung kamen. Das
zeigt, dass die konventionelle Ware derart belastet ist, dass sie
sogar nur bei Kontakt so große Mengen an Schadstoffen abgibt,
dass diese bei Bio-Lebensmitteln zu Beanstandungen führen!
Generell wurden bei den Urprodukten große Unterschiede
zwischen konventioneller und Bio-Ware festgestellt. 88 Pro-
zent der Obstproben aus konventionellem Anbau wiesen
Pestizidrückstände auf, in rund 10 Prozent der Proben sogar
Höchstmengenüberschreitungen. Das bedeutet, dass bei 10
von 100 Proben sogar Gesundheitsschäden durch den Genuss
der Produkte nicht ausgeschlossen werden können!
Dagegen waren die Bio-Produkte zum überwiegenden Teil
sogar rückstandsfrei!

Allein schon aus ökologischen Gründen ist es besser, ein-


heimische Ware vorzuziehen. Die Bio-Standards gelten
jedoch auch für ausländische Lebensmittel.

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100

Wie viel mehr dürfen


Bio-Lebensmittel kosten?
Bio-Lebensmittel sind teurer, das ist bekannt. Und nach-
dem wir jetzt die Bestätigung haben, dass sie gesünder
sind, nehmen wir das auch in Kauf. Aber trotzdem: Warum
sind sie teurer? Wie viel mehr dürfen sie denn kosten? Was
ist gerechtfertigt? Was Wucher? Sind Bio-Lebensmittel im
Supermarkt oder Discounter billiger? Diesen und ähnlichen
Fragen widmet sich das folgende Kapitel.

Warum sind Bio-Lebensmittel teurer


als konventionelle Ware?
Dass Bio-Lebensmittel mehr kosten als konventionelle, ist aus
vielerlei Gründen gerechtfertigt:
Ein ökologisch bewirtschafteter Betrieb ist in der Regel
arbeitsintensiver, da die Chemie als Hilfskraft ausfällt. So er-
fordert zum Beispiel der Bio-Apfel dreimal so viel Aufwand
wie der konventionelle. Im Obstbau sammelt man die Käfer
zum Teil noch mit der Hand ab, im Ackerbau wird das Un-
kraut zum Teil mechanisch reduziert. In der Tierhaltung
ersetzt man Spaltenböden durch Einstreu und muss aus-
misten. Auch die Erträge sind geringer. So erwirtschaftet
ein Bio-Bauer etwa 38 Dezitonnen/ha Weizen. Fast dop-
pelt soviel, nämlich 61 Dezitonnen/ha, erntet ein kon-
ventioneller Bauer. Der Grund: Verzicht auf Pestizide und
mineralischen Stickstoffdünger. Eine Kuh aus ökologischer
Tierhaltung gibt pro Jahr durchschnittlich 4 044 l Milch

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Warum sind Bio-Lebensmittel teurer? 101

im Vergleich zu 48 816 l von einer Kuh aus konventio-


neller Tierhaltung. Die Folge der schonenden und aufwän-
digeren Wirtschaftsweise hat zur Folge, dass die Renditen
im ökologischen Anbau rund ein Drittel niedriger sind. Ein
Bio-Bauer ist zur sogenannten „Fruchtfolge“ verpflichtet.
Das heißt: In regelmäßigen Abständen muss er etwa ein
Drittel seiner bewirtschafteten Fläche für den Anbau sol-
cher Pflanzen reservieren, die dem Boden helfen, sich zu
erholen und für künftige Anbauphasen Stickstoff anzu-
sammeln. Viele der dafür eingesetzten Pflanzenarten, soge-
nannte Leguminosen oder Hülsenfrüchte wie Klee, Lupinen
und Ackerbohnen, eignen sich nur als Futterpflanzen oder
zur Gründüngung (Düngen mit Hilfe von Pflanzen, denn
Leguminosen sammeln mit Hilfe ihrer Bakterien den Stick-
stoff der Luft und wandeln ihn in Nahrungsstickstoff um).
Diese Flächen stehen nicht für den Anbau von Marktfrüch-
ten, das heißt Ackerfrüchten, die man verkaufen kann, zur
Verfügung.
Lebensmittel, die umwelt- und tierfreundlich sowie mit
hoher Qualität erzeugt werden, haben einfach ihren Preis.
Artgerechte oder ökologische Tierhaltung konzentriert sich
auf die Erzeugung von Lebensmitteln hoher Qualität und
nicht auf die Maximierung der Leistung der Tiere. Euter, die
bis zum Boden durchhängen, oder entzündete Klauen durch
die Spaltenböden bzw. ein Kuhtrainer (siehe Anhang, Quellen,
„Schadstofffalle Supermarkt?“) kommen dort nicht vor. Was für
Sie besonders wichtig ist: die Tiere bekommen Futter in der
Art und Menge, wie es dem jeweiligen Entwicklungsstadium
entspricht. Der Nachteil für den Bauern: die Mastzeiten ver-
längern sich, und die Bio-Bauern erzeugen – bezogen auf die

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102 Wie viel mehr dürfen Bio-Lebensmittel kosten?

Fläche – weniger Fleisch, Milch oder Eier als ihre konventio-


nell arbeitenden Kollegen.
Die Verarbeitung von Bio-Produkten erfordert besondere
Sorgfalt, nicht nur weil die meisten der üblichen Zusatz-
stoffe verboten sind. Anstelle von Farbstoffen oder künst-
lichen Aromen natürliche Zutaten aus biologischer Erzeu-
gung einzusetzen, kostet mehr. Damit die Produkte aber auch
gut schmecken, müssen besondere Rezepturen entwickelt
und hochwertige Zutaten verwendet werden. Das Ergebnis:
teurere Nahrungsmittel.

Kontrollen bringen nicht nur größere Sicherheit, sie kosten


auch Geld.

Dazu kommt eine aufwändige, kostenintensive Logistik, da


Bio-Bauernhöfe immer noch selten sind und verstreut in
der Landschaft liegen. Dadurch muss ein Lkw oft lange und
kostspielige Wege zurücklegen, bis er die notwendige Menge
an Waren abgeholt hat. Zusätzlich entstehen Kosten bei der
Trennung von konventionellen Produkten im Transport, in
der Verarbeitung oder Lagerung, um eine Vermischung mit
konventioneller Ware auszuschließen.
Selbstverständlich hat der Öko-Bauer geringere Ausgaben für
Düngemittel, Pestizide, Tierhaltung und Futtermittel. Jedoch
sind die dadurch gewonnenen Ersparnisse nicht so hoch, wie
man gemeinhin annimmt.
Würden zum Beispiel die Subventionen für Transporte in der
EU in den ökologischen Anbau bzw. in die Produktion öko-
logischer Produkte wandern, so wären hier weitere merkbare

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Warum sind Bio-Lebensmittel teurer? 103

Preisreduktionen möglich, die nicht nur den Verbrauchern,


sondern auch der Umwelt zu Gute kämen.
Generell wird eine größere Nachfrage nach ökologisch er-
wirtschafteten Lebensmitteln das Preisniveau senken. Den-
noch sollte man sich davor hüten, nur auf den Preis zu ach-
ten. Denn dann sind die Produzenten wieder gezwungen, auf
billigere Ausgangsware auszuweichen, und die Skandalkette
beginnt von neuem – diesmal auf der Bio-Ebene.
Billiglebensmittel, wie man sie aus manchen Billigläden
kennt, sind jedoch nicht erstrebenswert. Gutes Fleisch aus
artgerechter Tierhaltung kann nicht so billig sein wie Ware
aus Massentierhaltung. Bio-Lebensmittel bedeuten höhere
Qualität bei besserer Gesundheit.
Lebensmittel kann man heutzutage so billig kaufen wie noch
nie. Nur noch ca. 14 Prozent des monatlichen Einkommens
werden für die Ernährung ausgegeben, der Rest für Woh-
nung, Auto oder Freizeit. Doch die scheinbar preiswerten
Lebensmittel kosten den Verbraucher zusätzliches Geld, das
an anderer Stelle von ihm verlangt wird: Längere Krank-
heitszeiten und hohe Arzneimittelkosten, weil zum Beispiel
Krankheitskeime aufgrund des Einsatzes von Antibiotika in
der Tierhaltung Resistenzen entwickelt haben, und so die älte-
ren Medikamente durch teure neue ersetzt werden müssen.
Nahrungsmittelallergien nehmen seit Jahren zu. Milliarden-
Kosten entstanden, um die Folgen von Lebensmittelskanda-
len wie BSE auszugleichen. Der jahrzehntelange Preiskampf
im Lebensmittelhandel hat die Lebensmittel zwar billig ge-
macht, jedoch auf Kosten der Umwelt, der Gesundheit und
der Bauern. Werden Lebensmittel nach dem Motto „Klasse
statt Masse“ produziert, muss man dafür zwar mehr Geld

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104 Wie viel mehr dürfen Bio-Lebensmittel kosten?

bezahlen, doch für die Gesellschaft bedeutet das den Gewinn


einer saubereren Umwelt, mehr Lebensmittelqualität, mehr
Arbeitsplätze und Lebensmittel, die ihren Preis wert sind.

„Profitin“ oder:
Wasser in Lebensmitteln
Nichts bringt mehr Rendite, als Wasser als Bestandteil von
Lebensmitteln zu verkaufen. Spöttisch spricht man deshalb
bei Wasser in Nahrungsmitteln von „Profitin“ oder „Profitol“.
Wenn dafür schadstoffarmes Trinkwasser verwendet wurde,
ist das noch nicht mal schlimm – außer für den geplagten
Geldbeutel. Welche Möglichkeiten gibt es nun, Wasser in Le-
bensmittel zu verwandeln?

Zusatzstoffe helfen
Gelier-, Verdickungs- und Feuchthaltemittel werden zum
Binden von Flüssigkeiten in Lebensmitteln verwendet. Sie ver-
dicken bzw. verfestigen diese, halten sie feucht, beeinflus-
sen das Schmelzverhalten (zum Beispiel im Speiseeis) oder
das Kaugefühl (zum Beispiel in Süßigkeiten). Einige Wurst-
sorten, die – ganz legal – mit Hilfe von preisgünstigem Fett
und Schwarten gemäß seit langem üblichen Wurstrezepturen
hergestellt werden, enthalten dadurch „schnittfest“ gemach-
tes Wasser. Auch Emulgatoren, die eigentlich nicht mitein-
ander vermischbare Stoffe wie Fett und Wasser (zum Bei-
spiel für Mayonnaise) verbinden sollen, helfen „Profitin“ ins
Lebensmittel zu bringen. Bekanntes Beispiel: Light-Produkte.
In Light-Margarine wird Fett durch „Profitin“ ersetzt.

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„Profitin“ oder: Wasser in Lebensmitteln 105

Bei der Herstellung von Wurst aus Fleisch wird neben Gewür-
zen und diversen Zusatzstoffen wie Antioxidanzien auch
Phosphat zugesetzt. Auch hier soll Wasser gebunden werden.
„Einem Kochschinken sehen Sie den Betrug nicht an: Da
werden 20 Prozent Fremdwasser zugesetzt“, erklärt der Le-
bensmittelchemiker Armin Valet von der Verbraucherzent-
rale Hamburg. Das billige Wasser wird von skrupellosen
Geschäftemachern gemeinsam mit aufgekochter Gelatine,
die das Wasser bindet, in den Schinken gespritzt. Damit
sich das Ganze gleichmäßig verteilt, wird er in einer Trom-
mel geschleudert. Auch von Hähnchenbrustfilets kennt man
dieses Verfahren.
Wenn Sie in der Zutatenliste eines Magerjoghurts „Wasser“,
„Gelatine“ und „Stärke“ lesen, bedeutet das schlichtweg,
dass der Joghurt zum Teil durch Wasser ersetzt wurde – und
damit das Ganze noch ein bisschen geleeartig ist und nicht
gleich wie Wasser aus dem Becher läuft, hat man die Wasser-
mischung mit Gelatine „stabilisiert“. Sie bezahlen also zum
Teil schlichtweg für Wasser, dem soviel Joghurt beigemischt
wurde, dass er gerade noch nach Joghurt aussieht. Auch die
Stärke sorgt dafür, dass das „Milchprodukt“ nicht „davon-
läuft“.
Gelatine ist sowieso ein wahres „Geldwunderprodukt“: in
Form von Pulver findet sie sich in zahlreichen Produkten
wieder, sie ist unsichtbar und unschmeckbar und doch mit
einzigartigen Eigenschaften ausgestattet, denn sie schmilzt
bei Körpertemperatur und setzt dabei das Aroma der Speisen
frei. Entsprechend findet man den magischen Leim nicht nur
in Gummibärchen, auch bei anderen Süßwaren wie Lakritz,
Marshmallows, Mausespeck, Schokoküssen sorgt Gelatine für

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106 Wie viel mehr dürfen Bio-Lebensmittel kosten?

den entsprechenden Biss. Desserts und Quarkspeisen werden


cremig und der Wackelpudding wackelt erst richtig.
Besonders vorteilhaft für den Geldbeutel des Herstellers wirkt
sich der Wunderleim in „Lightprodukten“ wie Halbfettmar-
garine, Halbfettbutter und fettreduziertem Käse aus. Gelatine
verfügt über ganz besondere Eigenschaften, die es ermög-
lichen, den Zucker- oder Fettanteil in vielen Produkten zu
reduzieren, ohne dass Form, Geschmack und Beschaffenheit
darunter leiden. Auf diese Weise wird ein fettes Salatdressing
schnell zum Schlankmacher: Ein Teil des Fetts wird durch
Wasser ersetzt. Damit sich das Dressing nicht verändert und
ebenso zähflüssig aus der Verpackung fließt, gibt man Gela-
tine hinzu.
Und seit der Verwirklichung des EU-Binnenmarkts darf auch
Butter und Margarine mit „Profitin“ versetzt oder miteinan-
der vermischt werden.

Getränke und Eis


Die Verbraucher stehen verwirrt vor einem Angebot von
„Fruchtnektar“, „Fruchtsaftgetränk“ oder „Orangenlimona-
de“ – lauter mehr oder weniger gepanschte Getränke. Nur
„Fruchtsaft“ darf nicht mit Wasser verdünnt werden. Vorsicht:
„Saft“ in der Werbung bedeutet nicht unbedingt „Fruchtsaft“.
Hinter dem Begriff „Saft“ kann sich auch „Fruchtnektar“ oder
„Fruchtsaftgetränk“ verbergen. „Fruchtnektar“ besteht – je
nach Fruchtart – nur zu 25 bis 50 Prozent aus Fruchtsaft oder
Fruchtmark, Rest: Zuckerwasser! „Fruchtsaftgetränke“ aus
Kernobst- oder Traubensaft enthalten nur noch 30 Prozent, aus
Beeren- und Steinobstsaft sowie Mischungen lediglich zehn
Prozent und aus Zitrusfrüchten nur noch sechs Prozent Saft.

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„Profitin“ oder: Wasser in Lebensmitteln 107

„Limonade“ muss gar keine Frucht aufweisen. Weil das ein


bisschen wenig ist, wird mit künstlichen Aromastoffen,
Säuren und Zucker nachgeholfen. „Brause“ ist ein rein künst-
liches Produkt. Der Obstgeschmack wurde im Chemielabor
komponiert, der Rest ist Zucker und Wasser.
Nicht umsonst gehören – nach dem Gesetz – bereits „Frucht-
saftgetränke“ nicht mehr zu den Fruchtsäften, sondern zu
den Erfrischungsgetränken. Zum „Klären“ kann man dann
noch Gelatine verwenden, die sich sogar in mancher Eis-
creme findet.
Schon mein Vater sprach immer verächtlich von „Wassereis“,
wenn ich als Fünfjährige wieder mal in die nahe gelegene
Eisdiele wollte. Das kann man auch heute noch erleben. So
fand ÖKOTEST, dass einige Eissorten nur aus Wasser, Zucker,
Fett, künstlichen Aromen und Farbstoff bestehen. Das heißt:
wenn Sie Wasser-, statt Fruchteis kaufen, müssen Sie damit
rechnen, dass Sie oder Ihr Nachwuchs nur gefärbtes und ein-
gefrorenes Zuckerwasser schlecken.
Bei Bio-Gemüse und -Obst ist bekannt, dass es die Ten-
denz zu einem wesentlich höheren Trockensubstanzge-
halt aufweist. Das heißt, es ist nicht so wässrig wie konven-
tionelle Ware. Der Unterschied kommt vom Kunstdünger
im konventionellen Anbau. Die Pflanze „schießt ins Kraut“,
das heißt: sie wächst sehr schnell und hat gar nicht die Zeit,
Vitamine, Geschmacksstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe etc.
zu bilden (siehe auch Anhang, Quellen, „Die Vitaminlüge“). Das
bedeutet: Man kauft buchstäblich mehr Bio-Gemüse oder
-Obst als bei den entsprechenden konventionellen Waren,
die in der Regel wesentlich mehr Wasser enthalten.

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108 Wie viel mehr dürfen Bio-Lebensmittel kosten?

Sonstige Tricks, um Lebensmittel


„billiger“ zu machen
Nicht nur mit Wasser kann man tricksen, um das Lebens-
mittel vermeintlich billiger zu machen. Eine gute Möglich-
keit bieten auch Aromastoffe. ÖKOTEST fand zum Beispiel in
sechs Senfsorten natürliche und künstliche Varianten davon.
Da nicht alle Firmen – insbesondere die Bio-Anbieter – diese
Möglichkeit nutzen, mutmaßt der von ÖKOTEST zu Rate
gezogene Aromaexperte Dr. Klaus Haase-Aschoff, dass man-
gelnde Qualität der Rohware durch hinzugefügtes Aroma
ausgeglichen werden soll.

Künstliche Fruchtaromen und


Geschmacksverstärker
Künstliche Fruchtaromen bieten jede Menge Möglich-
keiten, teure Rohware einzusparen. Ein Beispiel aus meinem
Bekanntenkreis: Die Firma Vega-Frost ist ein Groß- und Ver-
sandhandel von tiefgekühlten Produkten für Vegetarier und
Veganer. Dazu gehört auch Eis. Nun hatte ein Hersteller auf
„Bio“ umgestellt und kurzerhand die konventionellen durch
Bio-Zutaten ersetzt. Der Hersteller unterlag einem Irrtum:
Bio-Lebensmittel zu verarbeiten bedeutet nicht einfach,
die bisherigen Zutaten durch Bio-Varianten auszutauschen.
Dadurch, dass für Bio-Lebensmittel viele Zusatzstoffe entfal-
len, die für konventionelle Waren erlaubt sind, muss auch die
Zutatenliste geändert werden. Die Zulieferfirma hatte dies
nicht bedacht. Beim ursprünglich konventionellen Produkt
waren künstliche Aromastoffe enthalten, die nicht – wie
bei Bio-Lebensmitteln üblich – durch Obst ersetzt worden

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Sonstige Tricks, um Lebensmittel „billiger“ zu machen 109

waren. Klar, dass das neue „Bio-Eis“ nach nichts schmeckte.


Mit künstlichen Aromastoffen war vorher erreicht worden,
dass das Eis nach mehr Früchten schmeckte, als eigentlich
vorhanden waren. Das heißt: ein Bio-Produzent ist gezwun-
gen, mehr Früchte zu verwenden, um denselben Geschmack
wie beim konventionellen Produkt zu erreichen.
Generell ist Vorsicht angebracht, wenn „Aromen“ oder
„Aroma“ im Zutatenverzeichnis auftaucht. Zum einen han-
delt es sich um künstliches Aroma, denn natürliche kosten
den zehnfachen Preis – nicht nur deshalb würde der Produ-
zent auf die natürliche Quelle hinweisen. Zum anderen stellt
sich die Frage, ob hier Zutaten vorgetäuscht werden sollen.
Nicht umsonst versucht man, in Bio-Lebensmitteln gänzlich
auf Aromastoffe zu verzichten. Demeter hat sich als erster
Bio-Verband das Ziel gesetzt, sogar natürliche Aromen zu ver-
meiden.
Dasselbe, was bei süßen Produkten mit künstlichen Aroma-
stoffen erreicht wird, kann man mit sogenannten pikanten
– also gewürzten, nicht süßen – Nahrungsmitteln mit Ge-
schmacksverstärkern erreichen. Dann schmeckt es eben nach
mehr Tomaten, als in Wirklichkeit drin sind.

Tarnen und Täuschen


Liest man die Skandale der letzten Zeit oder die Nachrichten
entsprechender Organisationen wie „Foodwatch“ und „Green-
peace“ oder die Broschüren der Verbraucherzentralen, so kann
man wirklich zu der Auffassung kommen, dass dies das Motto
für konventionelle Produkte ist. Die ehrlichen Hersteller leiden
darunter. Oft scheitern sie auch noch daran, dass sie ihre guten
Zusatzstoffe nicht entsprechend deklarieren dürfen.

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110 Wie viel mehr dürfen Bio-Lebensmittel kosten?

Lebensmittel werden nicht nur mit Wasser „aufgefüllt“, son-


dern zum Beispiel auch Butter durch schlichtes pflanzliches
Backfett ausgetauscht, wie die Verbraucherzentrale dies zum
Beispiel für Fertigkuchen/-gebäck beschreibt (siehe Quel-
len, Anhang: „Einkaufsfalle Supermarkt“). Dazu kommt, dass
durch die massive Zugabe an künstlichen Aromen unser
Geschmackssinn derart abstumpft, dass man zum Teil den
Geschmack von selbst gebackenem Kuchen als langweilig
oder fade empfindet.
Dass das Alter von Lebensmitteln oft genug manipuliert wird,
kennt man auch aus den Nachrichten. Man kann zum Beispiel
das Fleisch in Frikadellen durch Stärke ersetzen – zumindest
teilweise. Das Rotlicht mancher Fleischtheken bietet hier
ungeahnte Möglichkeiten …

Was fange ich nun mit diesen Infos an?


Nun, wie Sie sehen, wirken manche Lebensmittel ganz
anders, als sie tatsächlich sind. Bio-Lebensmittel sind oft
genug nur scheinbar teurer. Zusatzstoffe sorgen dafür, dass
man weniger Lebensmittel in das Nahrungsmittel geben
muss. Chemie ist einfacher, hält länger und ist billiger – um
nur einige Vorteile für den Produzenten zu nennen.
Man darf auch nicht vergessen, dass man für die konventio-
nellen Lebensmittel weit mehr Geld ausgibt, als man an der
Kasse bezahlt. Eine vierköpfige Familie gibt etwa 2.100 Euro
im Jahr für Grundnahrungsmittel aus. Derselben Familie
wurden aber zuvor schon 1.700 Euro Steuern aus der Tasche
gezogen, die als Subventionen in die Landwirtschaft gingen,
um das Brachliegen der Felder, Tiertransporte etc. zu unter-
stützen. Die Rinderseuche BSE kostete die EU rund sechs Mil-

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Sonstige Tricks, um Lebensmittel „billiger“ zu machen 111

liarden Euro. Sie „hätte auf Ökohöfen nie ausbrechen können,


da dort grundsätzlich kein Tiermehl an Kühe und andere
Pflanzenfresser verfüttert wird“, so Greenpeace.
Daran sieht man schon, um wie viel Bio-Produkte billi-
ger wären. Auch benötigen Bio-Bauern die entsprechenden
Subventionen zumindest nicht im selben Umfang wie die
konventionellen. Doch „Bio“-Ware wird als besonders teuer
empfunden. Betrachtet man aber einige Fakten, so kauft
man bei konventionellen Produkten nicht nur Wasser teuer
ein, sondern statt Früchten künstliche Aromen etc. Dadurch
ist der Preis der Ware in Wirklichkeit höher, als er eigent-
lich scheint. Man muss also die Qualität eines Lebensmittels
genauer betrachten und nicht nur danach entscheiden, ob
es billig ist – das kann trügerisch sein. Eigentlich sind Bio-
Lebensmittel die billigsten Lebensmittel überhaupt. Warum?
Ganz einfach: Für Bio-Produkte benötigt man keine oder
allenfalls minimale Risikoforschung, da viele gefährliche
Stoffe oder Verfahren gar nicht ver- bzw. angewendet wer-
den dürfen. Die Gesundheitsschäden durch Pestizide etc.
– gar nicht auszudenken, wenn man sich das sparen könnte.
Dann: durch die umweltschonende Vorgehensweise wird
die Natur geschont – Reparaturmaßnahmen werden über-
flüssig. Und fragen Sie mal die Wasserwirtschaftsämter, wie
hoch ihre Kosten sind, um aus nitrat- und pestizidbelastetem
Wasser Trinkwasser herzustellen. Und: würde man die rund
43 Milliarden Euro, die die EU-Agrarsubventionen ausma-
chen, in die ökologische Landwirtschaft investieren, könnte
man damit gleichzeitig die Umwelt schützen und die Pro-
dukte wären preiswerter.

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112 Wie viel mehr dürfen Bio-Lebensmittel kosten?

Fazit: Welche Preise sind real –


was ist Wucher?
Bei aller Liebe für Bio-Lebensmittel, welche Preise muss man
realistisch gesehen in Kauf nehmen?
Im Januar 2007 stellte die Gesellschaft für Konsumforschung
(GfK) eine Studie zu den Preisen vor. Fettarme Bio-Frisch-
milch kostet durchschnittlich 50 Prozent, also rund 30 Cent,
mehr. Bei Fleisch aus konventioneller und ökologischer
Produktion sind die Preisunterschiede größer. Ein Kilo her-
kömmliches Schnitzel kostet sieben Euro – im Vergleich zu
etwa 13 Euro für ein Kilo Öko-Schnitzel. Damit kostet das Bio-
Fleisch fast das Doppelte. Jedoch gelten diese hohen Unter-
schiede nicht für alle Bio-Produkte, denn insgesamt liegen die
Ausgaben laut GfK für Bio-Produkte „nur“ um durchschnitt-
lich 17 Prozent höher als für konventionelle Ware. Diese rela-
tiv geringe Differenz zeigt, dass die Bio-Lebensmittel ein sehr
unterschiedliches Preisniveau aufweisen. Dazu kommt, dass
einzelne Produkte in Discountern und anderen Einkaufsstät-
ten oft wesentlich günstiger sind. Als ein bekannter Brother-
steller in München auf Bio umstellte, ging er ebenfalls von
15 Prozent höheren Preisen aus.
Man muss vorsichtig sein: Kauft man Bio-Ware im Discoun-
ter, so muss man sie auch mit der konventionellen Ware dort
vergleichen. Naturkostläden haben in der Regel ausgebildetes
Personal, das auch mal den einen oder anderen Ernährungs-
tipp geben kann. Diese Geschäfte muss man im Preisniveau
mit Feinkostgeschäften vergleichen. Dann ist die Preisdiffe-
renz gar nicht mehr so groß. Außerdem muss man Gleiches
mit Gleichem vergleichen. So sind die meisten Bio-Obstsäfte

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Fazit: Welche Preise sind real – was ist Wucher? 113

tatsächlich Säfte, das heißt: Obst und nichts als Obst kommt
hinein. Liest man die Zutatenliste konventioneller „Säfte“ bzw.
„Erfrischungsgetränke“, so handelt es sich eher um Frucht-
saftgetränke: Motto „Wasser, marsch!“ Das heißt: es wurde
Zucker und Wasser hinzugegeben.
Bei gleicher Qualität muss man bis zu 50 Prozent Mehrkosten
in Kauf nehmen, alles darüber hinaus ist Wucher. Ein Beispiel:
Bio-Ananas kostet im Einkauf fast ebensoviel wie konven-
tionelle, ca. 50 Cents – zumindest laut Aussage eines Kontrol-
leurs, der sie bereits überwacht hat. Bis zum Zwanzigfachen
(!) muss man im Laden dafür berappen. Konventionelle Ana-
nas wird zum Teil mit Pestiziden behandelt, „die als ‚sehr gif-
tig‘ eingestuft sind und deren Verwendung in Europa längst
verboten ist“, so die Verbraucherzentrale Bayern. Dennoch
stellt sich hier die Frage, ob dies den Preisunterschied zur
konventionellen Ananas, die man zum Teil schon für 2 Euro
bekommt, rechtfertigt – zumal der Erzeugerpreis derselbe ist.
Ähnliches gilt für andere Waren dieser Art. Das Fünffache zu
bezahlen, mit einer Preisspanne, die nach oben offen ist, kann
man kaum mehr vermitteln. Es ist auch nicht so ganz einfach
zu verstehen, dass das Kilogramm Äpfel drei bis fünf Euro
kostet! Dies, obwohl die Paradiesfrüchte maschinell geerntet
werden. Wenn man dann noch feststellt, dass Äpfel aus Neu-
seeland (trotz des weiten Transportweges) billiger sind als die
einheimischen, steht man völlig vor einem Rätsel.
Fazit: Bio-Ware ist teurer und muss es auch sein, denn billiger
als konventionelle Lebensmittel kann man sie nicht produ-
zieren. Dennoch bleibt auch hier nichts anderes übrig, als die
Augen offen zu halten. Offen nicht für Billigangebote, son-
dern offen, um sich vor Wucherpreisen und den bekannten

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114 Wie viel mehr dürfen Bio-Lebensmittel kosten?

Managergehältern zu schützen, die uns in letzter Zeit oft so


sauer aufstießen.
Bio-Ware wird in Zukunft allenfalls kurzfristig teurer wer-
den, denn immer mehr Anbieter entdecken sie für sich. Der
Grund: Die Verdienstspanne ist höher als bei konventioneller
Ware. Auch der Absatz nimmt immer mehr zu. Das wirkt
sich positiv auf die Logistik aus. Würden noch mehr deut-
sche Bauern umstellen, so könnte man dies noch deutlicher
spüren. Je mehr Bio-Ware angeboten wird, umso preisgüns-
tiger kann sie erworben werden. Durch den Verkauf von Bio-
Waren in konventionellen Supermärkten und Discountern
wurde die Ware auch verbilligt: Innerhalb eines Jahres san-
ken die Preise zum Beispiel für Bio-Bananen im Schnitt um
knapp 20 Prozent, für Bio-Hackfleisch um 15 Prozent, für
Bio-Kekse um zehn Prozent. Auf diese Weise ist ein größeres
Angebot von Vorteil. Man muss dann nur noch auf eines ach-
ten: dass die Qualität nicht darunter leidet.

Welche Produkte darf man auch


konventionell kaufen und bei welchen
Lebensmitteln geht man besser keine
Kompromisse ein?
Selbstverständlich ist es gesünder, immer nur zu Bio-Lebens-
mitteln zu greifen. Dennoch: Nicht immer bekommt man
alle Produkte in Bio-Qualität und manche sind auch derart
teuer, dass man geneigt ist, doch mal wieder zu konventio-
neller Ware zu greifen. Aber welche Lebensmittel darf man
zur Not auch ohne „Bio“ kaufen und bei welchen Lebensmit-

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Welche Produkte darf man auch konventionell kaufen? 115

teln geht man besser keine Kompromisse ein? Hier eine


kleine Übersicht.

Keine Kompromisse bei Fleisch


Fleisch – kein Lebensmittel war in letzter Zeit so dauerhaft
im Gespräch: Rinderwahnsinn (BSE), Dioxine, Nitrofen, Anti-
biotika, Hormone, Geflügelpest, die Maul- und Klauenseuche
und schließlich Gammelfleisch sorgten dafür, dass die Thema-
tik ständig aktuell blieb.
Es ist natürlich schön, wenn Sie einen Bauern in der Nähe
haben, der seine Tiere auf der Weide hält, wann immer es das
Wetter erlaubt, und diese Gras oder anderes Futter bekom-
men, das über jeden Zweifel erha-
ben ist. Sollte dieser Bauer auch
noch eine Abscheu vor Kadaver-
mehl haben und es nie verfüttern
– und Sie sind sich diesbezüglich
auch ganz sicher – so kann man
getrost zu diesem Fleisch oder die-
ser Milch etc. greifen. Nur: Wenn
Sie das nicht wissen und im Super-
markt vor dem riesigen Fleischan- Wild aus Freilandhaltung –
ein Genuss und gut für die
gebot stehen, von dem Sie nicht Gesundheit
wissen, woher es kommt und
welches Futter man den Tieren gegeben hat – ja dann, dann
gehen Sie mit Bio-Fleisch auf Nummer sicher. „Bio-Fleisch
ist eine leckere, gesunde und verantwortungsbewusste Alter-
native“, so ÖKOTEST. Die Vorteile: „geringeres Schadstoffri-
siko, artgerechte Tierhaltung, besserer Geschmack“. Bei der
Bio-Fleischerzeugung ist Kadavermehl schon jahrzehntelang

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116 Wie viel mehr dürfen Bio-Lebensmittel kosten?

verboten und das bleibt auch so, während man bei konventi-
onellem Fleisch wieder über seine Nutzung nachdenkt. Hier
ist die Entscheidung ganz klar: lieber weniger (man soll aus
Gesundheitsgründen sowieso nur zwei- bis maximal drei-
mal pro Woche Fleisch essen) und dafür hervorragende Bio-
Qualität.

Bio-Fleisch ist die gesündeste Art, Fleisch zu genießen.

Auch bei Wurst: besser keine Kompromisse


Schon Bismarck sagte, es gäbe zwei Dinge, von denen man bes-
ser nicht erfahren sollte, wie sie gemacht würden: Gesetze und
Würste. Bei der Herstellung werden dem Fleisch neben Gewür-
zen oft noch Antioxidanzien zum Frischbleiben sowie an-
dere Zusatzstoffe wie zum Beispiel Phosphat zugesetzt. Viele
Bestandteile, die eigentlich nicht in die Wurst gehören, fand
man dort. So fand man in Geflügelwurst Schweine- und Rind-
fleisch sowie Innereien vom Rind, Verdickungsmittel, Farb-
stoffe, Stabilisatoren, Milcheiweiß, Konservierungsstoffe,
Geschmacksverstärker, Säuerungsmittel und vieles andere.
Die Industrie offeriert dem Metzger dann noch Mittel zur
Thekenkonservierung, Frischgeschmack- und Farberhaltung
unter Namen wie „Dauer-Fixrot“. Aber es gibt auch Wurst in
hervorragender Qualität:

Am besten, Sie kaufen Bio-Wurst ohne Nitritpökelsalz.

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Welche Produkte darf man auch konventionell kaufen? 117

Manchen Fisch können Sie auch ohne Bio-Siegel


kaufen
Der WWF empfiehlt bei Kauf von wildlebendem Fisch bzw.
Meeresfisch oder -früchten den sogenannten Marine Steward-
ship Council- (MSC-) Fisch. Die Fangmengen der Betriebe,
deren Produkte das MSC-Siegel tragen,
dürfen nur so hoch sein, dass die Fort-
pflanzung der Arten nicht beeinträch-
tigt wird und das Ökosystem erhalten
bleibt. Der MSC-Standard ist interna-
tional anerkannt und fordert für die
Fisch-Ware, die damit ausgezeichnet ist,
die Einhaltung vieler Umweltschutz-
kriterien, die schließlich uns selbst am
So sieht das MSC-Siegel aus
meisten nutzen. Fragen Sie in Ihrem
Supermarkt oder bei Ihrem Fischhändler nach, ob er MSC-
Fisch führt. Mehr über MSC-Fisch – auch wer ihn führt
– können Sie im Internet erfahren unter: http://de.msc.org/
oder unter: www.wwf.de/fisch.
Die EG-Öko-Verordnung, Artikel 10, hat die Bedingungen
für Aquakultur in der neu bearbeiteten Version verbindlich
festgeschrieben. Die Tiere werden soweit irgend möglich art-
gerecht gehalten. Das bedeutet zum Beispiel viel Platz, keine
vorbeugende Medikamentengabe und kein künstlicher Fut-
termittelzusatz. Angeboten werden Lachs aus Irland, Forel-
len aus Italien und Deutschland sowie Karpfen, Grasfische,
Schleien, Hechte und auch Waller. Auch gefrorenen Fisch
gibt es, wenn auch spärlich.
Es gibt im übrigen noch Teichwirte, vor allem kleinere
Betriebe, die ihre Tiere nicht mit Mastfutter großziehen, son-

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118 Wie viel mehr dürfen Bio-Lebensmittel kosten?

dern die Fische können sich von im Wasser enthaltenen


Pflanzen und Tieren (Schnecken, Larven, Plankton) selber
ernähren. Ein Gespräch mit einem vertrauenswürdigen
Fischhändler bringt Klarheit über die Aufzuchtbedingungen.
Sollten Sie keinen Bio-Fisch bekommen, kaufen Sie besser
Hochseefisch. Je weiter draußen der Lieferant im Meer fischt,
desto schadstoffärmer der Fisch. Folgende Arten können Sie
essen: Makrele, Hering, Schellfisch, Seehecht und Blauer See-
hecht.

Manchen Fisch kann man auch ohne Bio-Siegel essen.

Ich wollt’, ich wär’ ein Bio-Huhn!


Um Eier billigst anbieten zu können, werden die Hühner in
Käfigen zusammengepfercht und mit Billigstfutter ernährt.
In dieser „Nahrung“ finden die krankheitsanfälligen Tiere
dann zum Beispiel vermahlene Fischabfälle (das Ei schmeckt
dann mehr oder weniger nach Fisch), Walfleischmehl, Pes-
tizide, Cadmium, Blei und Quecksilber sowie Anti-Parasiten-
mittel, Kadavermehl, leistungsfördernde oder chemische
Zusätze, Farb- und Geschmacksstoffzusätze. Diese Substan-
zen findet man dann auch als Rückstände im Ei. Außerdem
darf dem Futter bis zu einem gewissen Prozentsatz der eigene
Kot der Tiere, getrocknet und zermahlen, wieder zugesetzt
werden. Auf diese Weise zirkulieren die gefütterten Schad-
stoffe mehrfach durchs Huhn und haben reichlich Gelegen-
heit, sich abzulagern. Eier aus Bodenhaltung sind hier keine
Lösung und vor allem bedeutet das nicht „Freilandhaltung“
und auch nicht den Verzicht auf Medikamente, die hier zum

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Welche Produkte darf man auch konventionell kaufen? 119

Die Ziffer 0 im Stempel zeigt: es ist ein Bio-Ei,


und die Nummer der Kontrollstelle beweist es zusätzlich

Teil sogar in höherer Menge und über einen längeren Zeit-


raum verabreicht werden müssen als bei Käfighaltung.
Bio-Hühner erhalten dagegen nur pflanzliches Bio-Futter –
zum Großteil vom Bio-Hof, auf dem sie leben. Benötigt man
zusätzliches Futter, muss es Bio-Futter sein. Futterzusätze wie
Antibiotika oder Anti-Parasitenmittel sind nicht zugelassen.
Aus dem Futter von Bio-Hühnern resultiert ein nachgewie-
sener höherer Lecithin- und Carotinoidgehalt. Man führt die
höheren Mengen der Gesundheitsstoffe darauf zurück, dass
die Hühner bei der Auslaufhaltung Sonne genießen konnten.
Bio-Eier stammen von Hühnern, die artgerecht gehalten wer-
den. Die Tiere haben mehr Platz im Freien als in der konven-
tionellen Freilandhaltung. Dass es sich wirklich um Bio-Eier
handelt, erkennen Sie am Stempel auf jedem Exemplar.

Auch bei Eiern besser keine Kompromisse: Bio-Eier können


Sie genießen, ohne an Schadstoffe denken zu müssen,
und sie enthalten größere Mengen gesundheitsfördernder
Substanzen!

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120 Wie viel mehr dürfen Bio-Lebensmittel kosten?

Milch und ihre Produkte


Schadstoffe in Milch?
Biobauern dürfen – soweit irgend möglich – nur hofeigenes
Futter verwenden. Kraftfutterzusatz ist gar nicht erlaubt. Grün-
zeug, Getreideschrot, Kartoffeln, Möhren und Rote Bete stehen
auf dem Speisezettel der Kühe.
Durch das Pestizid- und Kunstdüngerverbot halten Sie mit
einem Liter Bio-Milch 11 000 l Trinkwasser sauber! Weidehal-
tung erhöht zusätzlich gesundheitsfördernde Substanzen in
der Milch.

Bio-Milch können Sie unbeschwert genießen und damit


Ihre Gesundheit fördern!

Joghurt
Joghurts selbst dürfen zwar keine Konservierungsstoffe ent-
halten, jedoch die zugehörige Frucht- oder erhitzte Nusszu-
bereitung durchaus. In probiotischen Joghurts können Aro-
men einen schlechten Geschmack vertuschen. Süßstoffe sind
zum Teil gesundheitlich bedenklich und dafür bekannt, dass
sie den Appetit sogar anregen können. Sie haben bereits von
den Zusatzstoffen in Joghurt gelesen. Also: die Zutatenliste
studieren. Vielen Milchprodukten wird Milchpulver und
Molke zugesetzt. Dies ist vor allem für diejenigen wichtig, die
Laktose, also den Milchzucker nicht vertragen.
Bio-Joghurt neigt zu mehr Nähr- und weniger Schadstoffen
als konventionell erzeugter und ist von hoher Qualität.

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Welche Produkte darf man auch konventionell kaufen? 121

Am besten essen Sie Bio-Naturjoghurt und fügen selbst


die Früchte hinzu. Wenn sie keine Zeit dafür haben: Bio-
Fruchtjoghurt wählen und auf die Zutatenliste achten.

Alles Käse oder was?


Handelt es sich nicht um Käse, der mittels Milchsäurebakte-
rien hergestellt wird, verwendet man zur Dicklegung der
Milch Lab, ein Enzym aus Kälber- oder Schafsmagen, heutzu-
tage meist gentechnisch hergestellt. Dieses Gerinnungsenzym
heißt Chymosin und seine Verwendung muss nicht gekenn-
zeichnet werden. In Bio-Käse ist es nicht erlaubt.
Die entstehende Käsemasse wird mit Salzen behandelt. Bei
Bio-Käse verwendet man dabei das unbedenkliche Magne-
sium- oder Calciumcarbonat. Im Unterschied zu manchem
konventionellen Käse werden bei Bio-Käse weder Jod noch
Rieselhilfsstoffe untergemischt. Man verwendet sie, um das
Verklumpen des Salzes zu verhindern. Auch Kasein wird nicht
beigemengt. In konventionellem Käse soll es die Trockenmasse
steigern. Dadurch leiden jedoch Geschmack und Qualität.
Schmelzkäse wird aus Schnitt- oder Hartkäse hergestellt, der
unter Zusatz von Schmelzsalzen aufgeschmolzen wird. Dabei
handelt es sich bei konventionellem Käse oft um Polyphos-
phate. Bei Bio-Schmelzkäse wird stattdessen zum Beispiel das
unbedenklichere Natrium-Citrat (E 331) verwendet.
Erlaubt ist bei konventionellen Hart- und (halb-)festen
Schnittkäsen mit geschlossener Rinde oder Haut auch die Ver-
wendung von Natamycin (E 235). Es wird zur Vermeidung
von Schimmel auf die Oberfläche aufgetragen. Es darf jedoch

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122 Wie viel mehr dürfen Bio-Lebensmittel kosten?

nur so aufgebracht werden, dass es nicht tiefer als 5 mm in


das Lebensmittel eindringt. Die Chemikalie wird auch als
Arzneimittel (zum Beispiel gegen Pilzinfektionen der Haut)
eingesetzt. Nimmt man das Mittel zu häufig mit der Nahrung
auf, so könnte die Folge sein, dass es im Krankheitsfall seinen
therapeutischen Wert als Arznei verliert. Sie erkennen die so
behandelten Käse durch die Angabe „mit Konservierungs-
stoff“ oder „konserviert“, auch in der Käsetheke, da die Ver-
wendung dieser Substanz deklarationspflichtig ist.
Auch Nisin (E 234), ein künstlicher Konservierungsstoff mit
antibiotischer Wirkung, darf konventionell gereiftem Käse,
Mascarpone sowie Schmelzkäse zugesetzt werden. Die Ver-
braucherzentrale rät zumindest vom häufigen Genuss ab. Für
Bio-Käse ist die Substanz tabu. In konventionellem Schnitt-
käse (zum Beispiel Gouda, Edamer, Tilsiter) wurde auch noch
Nitrat (E 251 und 252) gefunden.
Für Öko-Käse dürfen Natamycin und andere Chemikalien
nicht verwendet werden, ebenso erlaubt die EG-Öko-Verord-
nung für Käse kein Nitrat.

Bio-Käse können Sie theoretisch sogar mit der Rinde essen!

Fette
Butter
Bei der Herstellung sind die Vorschriften für Bio-Butter stren-
ger. Wird sie gesäuert, dürfen keine industriell gewonnenen
Milchsäurekonzentrate und Aromastoffe nachträglich zuge-
setzt werden. Nur die traditionelle Säuerung mit Bakterien-

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Welche Produkte darf man auch konventionell kaufen? 123

kulturen ist erlaubt – also kann nur Sauerrahmbutter produ-


ziert werden.
Bei einer Untersuchung in ÖKOTEST ergaben sich keine war-
nenden Hinweise für das Fett. In konventioneller Butter kön-
nen jedoch Pestizidrückstände, Schwermetalle und poly-
zyklische aromatische Kohlenwasserstoffe vorkommen. Als
Zusatzstoffe fand ÖKOTEST außer dem Farbstoff Beta-Karotin
(zur Gelbfärbung) noch Salz. Der Erstgenannte gilt zwar als
harmloser Zusatz, nur nötig ist er nicht. Bei Bio-Butter wird
darauf und auf andere Zusatzstoffe verzichtet.

Bio-Butter vermeidet Schadstoffe.

Margarine
Durch das industrielle Verfahren, wodurch die Pflanzenöle
chemisch gehärtet werden, entstehen die sogenannten Trans-
fettsäuren (in Margarine zu 0,3 bis zehn Prozent). Sie sollen
das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen und die
Entstehung von Morbus Crohn (chronische, entzündliche
Darmerkrankung) begünstigen. Ungeborene können durch
diese Fettsäuren geschädigt werden. Die Industrie bemüht
sich jedoch, ihre Konzentration im fertigen Produkt auf ein
Minimum zu begrenzen. Die Angabe „teilweise gehärtete
Fette“ in Zutatenlisten weist indirekt auf das Vorhandensein
der Substanzen hin. Ob man künstliche Vitamine, Emulga-
toren, Farbstoffe und Konservierungsmittel will, kann man
anhand der Zutatenliste entscheiden.
Bio-Margarine wird vorwiegend durch Zugabe von Kokos-
und Palmfett in eine streichfähige Form gebracht. Dann wer-

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124 Wie viel mehr dürfen Bio-Lebensmittel kosten?

den kaltgepresste native Öle zugegeben. Konservierungsstoffe,


künstliche Vitamine oder Farbstoffe kommen nicht hinein.
Das chemische Verfahren der Fetthärtung ist verboten.

Bio-Margarine ist genauso gut wie Bio-Butter.

Allerdings sollten Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen


Margarine und Butter sparsam verwenden.

Speiseöl
Speiseöl kommt immer mal wieder ins Gerede, wenn
Lösungsmittel in spanischen Ölen gefunden werden. In kon-
ventionellen Produkten kann das Öl mit Lösungsmitteln aus
der Frucht gezogen werden. Um das Mittel wieder zu entfer-
nen, wird das Gemisch auf bis zu 140 Grad erhitzt. Nicht nur
weil das Öl dann einen etwas penetranten Geschmack auf-
weist, wird es anschließend in mehreren Raffinationsstufen
chemisch entschleimt, entsäuert, entfärbt und desodoriert.
Gelingt die Entfernung der Lösungsmittel nicht vollständig,
kann das Lebensmittel ungenießbar sein. Wenn man derart
behandeltes Öl nicht will, muss man – auch bei kaltgepress-
ten Ölen – auf die Bezeichnung: „nicht raffiniert“ achten.
Bio-Öl wird nur schonend gepresst oder zentrifugiert.
Auch im Olivenhain wird gespritzt, vor allem gegen die Oli-
venfliege. Bio-Oliven dürfen nicht mit Pestiziden behandelt
werden. Da Pestizide in der Regel fettlöslich sind, sollte man
bei Öl, das für Salate etc. eingesetzt wird, besser keine Kom-
promisse eingehen. Bei akutem Geldmangel eventuell auf die
aktuellen Testergebnisse achten.

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Welche Produkte darf man auch konventionell kaufen? 125

Öl zum Erhitzen
Bei Fett, das erhitzt wird, geht es darum, die Entstehung von
Schadstoffen durch die hohen Temperaturen zu verhindern.
Hier gibt es Bio-Alternativen: Bio-Bratöl enthält das Öl einer
speziell gezüchteten Sonnenblumensorte, die im Unterschied
zur ursprünglichen Pflanze mehr Ölsäure enthält. Diese Säure
gilt als relativ hitzestabil und als gesundheitlich vorteilhaft.
Das bedeutet:

Zum Kochen und Braten am besten Bio-Bratöl verwenden.

Obst und Gemüse – konventionell bedeutet oft:


ein Schadstoff kommt selten allein
Wenn Obst und Gemüse nur dünne Schalen bzw. überhaupt
keine Schalen hat, besteht immer die Unsicherheit: Drangen
die verwendeten Pestizide in die Frucht? In welchem Aus-
maß? Kam noch Kunstdünger hinzu?
Da Schälen oft die wertvollsten Inhaltsstoffe vom Obst ent-
fernt (zum Beispiel Apfelschalen), ist diese Maßnahme nicht
immer sinnvoll. Anders sieht es mit Obst aus, das dicke Scha-
len aufweist. Hier wären Bananen oder Orangen zu nennen.
Es könnte zwar vorkommen, dass so hohe Konzentrationen
an Pestiziden verwendet wurden, dass diese durch die Schale
dringen. Dies ist jedoch eher unwahrscheinlich. Beim Schälen
können die Schadstoffe jedoch auf die Haut gelangen.
Konventionelle Gemüse- und Salatproben wurden und wer-
den von Greenpeace, ÖKOTEST und Stiftung Warentest
immer wieder untersucht – die Ergebnisse: nur selten ohne
Rückstände.

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126 Wie viel mehr dürfen Bio-Lebensmittel kosten?

Um Kosten zu sparen, bietet es sich bei Kartoffeln, Lagerobst


und -gemüse an, entsprechend der Saison zu kaufen und grö-
ßere Mengen im kühlen (!) Keller einzulagern. Vielleicht hat
man einen Bio-Bauern in der Nähe, so dass man einen Zent-
ner Kartoffeln bei ihm günstig erwerben kann.
Und wenn man gerade keine Bio-Ware bekommt: regionale
Sorten während der Saison sind in der Regel weniger belastet.
Das Ganze wird erleichtert durch ein neues Kennzeichnungs-
gesetz, das seit Januar 2008 in Kraft ist. Demnach muss seit-
dem das Ursprungsland bei allen Obst- und Gemüsesorten
angegeben werden – wie, ist leider nicht genauer festgelegt.
Schlupflöcher hat man auch zugelassen: bei Bananen und
Kartoffeln muss das Herkunftsland nicht angegeben werden.
Fazit: Obst und Gemüse mit essbarer Schale (wie Möhren,
Paprika, Äpfel, Aprikosen, Pfirsiche) kompromisslos in Bio-
Qualität – bei Früchten mit dicker Schale, die üblicherweise
entfernt wird (wie Orangen, Bananen), und bei gestresstem
Geldbeutel notfalls in konventioneller Qualität. Zusammen-
fassend kann man für Obst und Gemüse folgendes sagen:

Bio bedeutet fast immer schadstofffrei.

Getreideprodukte
Brot
Seitdem Brot zur Industrieware geworden ist, besteht es nicht
mehr nur aus Mehl, Wasser, Salz und Triebmittel (Backpul-
ver, Hefe, Sauerteig). Man will einen maschinenfreundlichen
Teig. Dazu sind zum Beispiel Emulgatoren und Cystein (ein

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Welche Produkte darf man auch konventionell kaufen? 127

Eiweißbaustein) nötig. Außerdem hilft man sich zum Beispiel


mit künstlichem Vitamin C (fast ausschließlich gentechnisch
hergestellt), Farbstoffen, Enzymen, Aromen, künstlichen
Teigsäuerungsmitteln, Sojamehl und vielem anderen. Über
150 Zusatzstoffe sind erlaubt. Man findet sie zum Beispiel in
den „Backhilfen“, die die konventionellen Bäcker – auch die
kleinen selbstständigen – fertig gemixt von der Industrie
bekommen. Ungefähr 75 Prozent der Bäcker verwenden diese
Hilfsmittel, oft ohne zu wissen, was „drin“ ist. Das erleichtert
die Arbeit, sorgt für gleichbleibende Qualität und reduziert
den Zeitaufwand. Aber diese „Hilfen“ sind nicht unbedingt
gesund. So fanden Ärzte zum Beispiel heraus, dass vor allem
die Backzusätze für das „Bäckerasthma“ verantwortlich sind.
Abgepacktes Brot muss über die Zutatenliste Auskunft über die
Inhaltsstoffe (zumindest teilweise, Enzyme sind zum Beispiel
nicht angabepflichtig) geben. Bei unverpackter Ware ist so
etwas nicht Pflicht. Oft genug weiß das Verkaufspersonal nicht,
was in dem Brot ist – so das Ergebnis einer Untersuchung der
Verbraucherzentrale. Verbraucherfreundliche Bäckereien sind
an deutlichen Hinweisen über die Zusatzstoffe zu erkennen.
Getreideschädlinge, die auch Gesundheitsgefahren bedeuten
können, werden konventionell mit – nicht immer gesund-
heitsfreundlichen – Begasungsmitteln vergiftet. Getreide aus
dem ökologischen Anbau wird statt mit Chemie mit Kohlen-
dioxid und Stickstoff behandelt – also natürlichen Bestand-
teilen der Luft.
Für Bio-Bäcker ist es Ehrensache, auf Fertigmischungen zu
verzichten. Nur wenige Zusatzstoffe sind erlaubt, die dekla-
riert werden. Chemisch-synthetische Pestizide, Kunstdünger
und Gentechnik ist für Bio-Getreide tabu.

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128 Wie viel mehr dürfen Bio-Lebensmittel kosten?

Bio-Brot können Sie sorglos genießen!

Müsli
Konventionell hergestelltes Müsli bedeutet oft: viel Zucker,
hoch verarbeitet und mit wenig der ursprünglichen Ballast-
stoffe. Sie sind dann eher eine Süßigkeit als ein wertvolles
Frühstück. Außerdem finden sich in konventionellen Müsli-
mischungen Getreide aus konventionellem Anbau und eben-
solche Zutaten wie geschwefelte und möglicherweise mit
Methylbromid begaste Früchte. Auch künstliches Vanille-
aroma (Vanillin) findet man oft.
Dabei geht es auch anders: Fast überall bekommen Sie köst-
liche Bio-Müsli-Fertigmischungen oder Basismüsli. Die Zu-
taten stammen aus ökologischem Anbau und die Liste der
Zusatzstoffe ist begrenzt.
Fazit: Bio-Müsli enthält Bio-Zutaten und hat den Anspruch
vollwertig zu sein. Ansonsten gilt:

Am besten stellen Sie Ihr Müsli selbst aus Bio-Zutaten


zusammen.

Reis
Reis ist oft mit Schwermetallen, vor allem Cadmium belastet.
Das gesundheitsschädliche Metall gelangt vermutlich über
belastetes Flusswasser, mit dem viele Reisbauern ihre Felder
fluten, in die Körner. Dagegen können einige Bio-Bauern auf
sauberes Quellwasser zurückgreifen. Schlimmer sind jedoch

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Welche Produkte darf man auch konventionell kaufen? 129

die Pestizide, denn der konventionelle Reisanbau ist pestizidin-


tensiv und es werden viele Wirkstoffe in hohen Dosierungen
eingesetzt, über die in Deutschland kaum Kenntnisse vorliegen.
Naturreis weist wesentlich mehr Mineral- und Ballaststoffe
auf als polierter Reis. Jedoch finden sich gerade in der bal-
laststoffreichen Hülle je nach Anbaugebiet und Wasserqua-
lität auch Pestizide und Schwermetalle. Deshalb sollte man
Naturreis nur in Bio-Qualität genießen.

Bio-Naturreis können Sie ohne Reue genießen.

Nudeln
In den Nudeln selbst sollte es eigentlich keine Schadstoffe
geben, zumindest fand ÖKOTEST in einer Untersuchung von
Spaghetti weder Cadmium noch andere unerwünschte Inhalts-
stoffe. Ausnahmen sind Schimmelpilzgifte, die durch falsche
Lagerung des Getreides in die Nudeln gelangen können.
Wenn statt Frischei Eipulver zur Herstellung der Nudeln ver-
wendet wird, kann Oxycholesterin entstehen, ein Oxida-
tionsprodukt (das heißt: Sauerstoff hat sich angelagert), das
einige Wissenschaftler für die Hauptursache der Arterioskle-
rose halten.
Bei Bio-Nudeln sind auch für die Lagerung keine Pestizide
erlaubt. Eipulver und Eier aus Massentierhaltung finden keine
Verwendung.

Bio-Nudeln sorgen für unbeschwerten Genuss.

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130 Wie viel mehr dürfen Bio-Lebensmittel kosten?

Süßigkeiten
Zucker
Zucker bedeutet nur Energie ohne Wertstoffe. Nur beim
sogenannten Vollrohrzucker, der aus getrocknetem Zucker-
rohrsaft besteht, bei Honig und den verschiedenen Sirupar-
ten bleibt auch etwas „Nährwertiges“ übrig, wenn auch nicht
viel davon – und es gibt sie in Bio-Qualität.
Bio-Gelierzucker gibt es als regionale Variante, die aus deut-
schen Zuckerrüben hergestellt wird (siehe Anhang, Quellen,
„Schadstofffalle Supermarkt?“). Üblicherweise wird Rohrzucker
dafür verwendet, der von weither importiert wird.

Vollkornkekse
Bei den angeblich so gesunden Vollkornkeksen sollte man
zumindest auf die Zutatenliste achten. Emulgatoren und Aro-
mastoffe mag nicht jeder. Bei Bio-Keksen findet man Derar-
tiges nicht und die Zusatzstoffe sind genauestens aufgeführt
– nicht in E-Nummern oder Bezeichnungen, die ein Chemie-
studium erfordern.

Schokolade – ob’s die lila Kuh wohl mag?


Jeder Deutsche isst im Durchschnitt eine halbe Tafel Scho-
kolade pro Tag. ÖKOTEST fand zwar keine Schadstoffe darin,
aber die EU erlaubt so einiges an Zusätzen.
Für Bio-Schokolade werden dagegen nur natürliche Bourbon-
Vanille und – wenn überhaupt – dann Bio-Lecithin als Emul-
gator verwendet. Gentechnisch veränderte Zutaten fehlen
ebenso wie Fremdfette, die neben Kakao zugesetzt werden

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Welche Produkte darf man auch konventionell kaufen? 131

dürfen. Außerdem sind gemäß der deutschen Kakaoverord-


nung bis zu fünf Prozent andere Lebensmittel erlaubt, daher:

In Bio-Schokolade ist das drin, was draufsteht.

Die berühmten Bärchen …


Gummibärchen sind in der Regel mit Gelatine hergestellt.
Seit BSE ist die Diskussion entbrannt, ob auch Gelatine die
menschliche Variante davon überträgt. Mancher Hersteller
garantiert deshalb, nur Schweinegelatine zu verwenden. Da
aber bekannt ist, dass Schweine zwar kein BSE bekommen, es
jedoch übertragen können, ist das ein eher fraglicher Versuch,
der Gefahr auszuweichen. Die größte Chance bietet echte Bio-
Gelatine aus Bestandteilen von Bio-Rindern oder -Schwei-
nen. 2002 tauchte Derartiges zum ersten Mal in Naturkost-
läden auf. Inzwischen führen aber auch manche Super-
märkte, Discounter und Drogeriemärkte Bio-Gummibärchen
mit echter Bio-Gelatine.

Eis
Bei der Herstellung von konventionellem Speiseeis werden
oft preisgünstige Zutaten wie Wasser, Luft und Zucker bei-
gegeben.
Von „Einfacheiscreme“ und „Kunstspeiseeis“ sollte man bes-
ser die Finger lassen, da die gesetzlichen Anforderungen die
Verwendung von künstlichen Aroma- und Farbstoffen zulas-
sen. Eis gibt es hinreichend in Bio-Qualität. Die Sortenvielfalt
reicht von Erdbeere über Schokolade bis hin zu Vanille – die
Auswahl wird immer größer.

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132 Wie viel mehr dürfen Bio-Lebensmittel kosten?

Süßigkeiten in Maßen und möglichst aus Bio-Qualität


ermöglichen unbeschwerten Genuss.

Was sind eigentlich Fruchtaufstriche?


In Naturkostläden, Reformhäusern und Bio-Regalen der
Super- und Drogeriemärkte finden Sie kaum Konfitüren oder
Marmeladen, da für sie ein Mindestgehalt an Frucht- und
Industriezucker von 60 Prozent vorgeschrieben ist. Die Bio-
Anbieter wollen mehr Frucht und weniger Zucker, der zudem
nur in Form von alternativen Süßungsmitteln wie Honig-,
Apfel- oder Birnendicksaft zugegeben wird. Diese Kreationen
dürfen dann nicht als Marmeladen oder Konfitüren bezeich-
net werden. Sie heißen „Fruchtaufstrich“ oder „Fruchtmus“.

Süße Bio-Brotaufstriche schmieren Sie mit mehr Frucht,


weniger Zucker und ohne Chemie aufs Brot.

Nuss-Nougat-Creme des Calciums wegen?


Man glaubt es nicht, aber ca. 30 000 Tonnen der süßen und
fetten Nuss-Nougat-Cremes werden pro Jahr in Deutschland
verspeist. Mindestens zur Hälfte bestehen diese Aufstriche
aus Zucker. Prof. Dr. Edda Müller, Vorstand der Verbraucher-
zentrale, Bundesverband ist der Meinung, dass hierfür der
Slogan „mit der Extraportion Zucker und Fett“ angebracht
wäre. Dem kann man nur zustimmen, da man das bewor-
bene Calcium und andere Gesundheitsförderer nur in gerin-

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Welche Produkte darf man auch konventionell kaufen? 133

gen Mengen darin findet. Auch an den teuren Nüssen wird


gespart – den zehn Prozent gesetzlich vorgeschriebenen Min-
destgehalt überschreiten die wenigsten Nuss-Nougat-Cre-
mes, wenn, dann nur marginal. Dagegen sind die „Bios“ mit
wesentlich mehr Nüssen und dafür weniger Zucker immer-
hin „eingeschränkt empfehlenswert“.

Nuss-Nougat-Cremes sind eine Süßigkeit und sollten auch


so gegessen werden. Wenn überhaupt, dann am besten in
Bio-Qualität.

Backzutaten
Kuchen, Torten und ihre Kunstprodukte
Wer will nicht ab und zu ein Stück Kuchen genießen? Wenn
man sich selber keinen backen will (das wäre – je nach Back-
zutaten das schadstoffärmste), kauft man jedoch oft genug
wahre Kunstprodukte mit Farbstoffen, die mehr Früchte vor-
gaukeln. Vanillin statt echter Bourbon-Vanille, Rum-, Man-
del-, Zitronen- oder andere Kunst-Aromen gewöhnen uns an
einen Geschmack, der alles ist, nur nicht natürlich. Manch-
mal schmeckt man zum Beispiel die Zitrone oder anderes
direkt unangenehm heraus – ein deutlicher Hinweis auf
zugesetztes künstliches Aroma.

Bio-Backzutaten und -Kuchen sind zwar teurer,


aber natürlich.

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134 Wie viel mehr dürfen Bio-Lebensmittel kosten?

Nüsse und Kerne


Nüsse schmecken gut und sind gesund. Die natürlichen
Schimmelpilzgifte werden aber mit Pestiziden bekämpft.
Bei gemahlenen Nüssen, die mehrere Monate haltbar sind, ist
eine chemische Behandlung zu befürchten. Also: besser ganze
Nüsse kaufen und erst vor dem Gebrauch mahlen – oder in
größeren Mengen zerkleinern und in kleinen Portionen ein-
frieren.
Für alle Nüsse gilt: Angegammelte Nüsse immer wegwerfen.
Mandeln, Wal- und Haselnüsse sind durch ihre Schalen vor
Pestiziden relativ geschützt. Hier kann man bei Notwendig-
keit auch mal zu konventioneller Ware greifen. Dies gilt auch
für Erdnüsse.

Gewürze
Verzicht auf Pestizide, Kunstdünger und Bestrahlung sind die
Vorzüge von Bio-Gewürzen. Für die Trocknung wird bei Bio-
Betrieben die schonende Luftentfeuchtung eingesetzt, die nur
Temperaturen von 25 bis 30 Grad zulässt. Durch zuviel Hitze
gehen Aromastoffe verloren, was von konventionellen Fir-
men gern durch Nachbesserung mit Aromaölen ausgeglichen
wird.
Bereits seit Jahrzehnten werden von der Lebensmittelindus-
trie künstlich hergestellte Aromen und Essenzen in großen
Mengen eingesetzt. Vanille stammt zum Beispiel nur zu etwa
fünf Prozent aus der Vanillepflanze. Infolge des Raubbaus an
der Natur müssen die Vanillepflanzen auf vielen Plantagen
künstlich bestäubt werden, da Bienen oder Vögel als natürliche
Überträger fehlen. Dies erklärt auch den hohen Preis natür-
licher Vanille.

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Welche Produkte darf man auch konventionell kaufen? 135

Da man Gewürze nur in kleinen Mengen benötigt, erspart


man sich Bestrahlung und Schadstoffe definitiv mit Bio-
Gewürzen.

Erfrischungsgetränke und Säfte


Eigentlich ist Wasser und Fruchtsaft oder beides gemischt,
das beste Erfrischungsgetränk. Fruchtsaftgetränke, Limo-
naden, Nektare und Colatränke bestehen dagegen vor allem
aus Zucker, Wasser und Zusatzstoffen wie Aromen. Frucht-
säfte enthalten – je nach Sorte – nur wenig Zucker, dafür aber
natürliche Mineralstoffe und Vitamine. Vitaminzusätze zu
Erfrischungsgetränken sind überflüssig.

Multivitaminsäfte
Bei den Multivitaminsäften kommen die Vitamine nicht nur
mit den Früchten in das Getränk. Um die gesetzlichen Vor-
gaben einhalten zu können, müssen zusätzlich künstliche
Vitamine zugeführt werden, zum Teil überdosiert, um Lage-
rungsverluste auszugleichen. Nur Bio-Säfte, die aber nicht als
Multivitaminsäfte bezeichnet werden dürfen, enthalten natür-
liche Vitamine. Daher erreichen sie nicht die gesetzlich vor-
geschriebenen Vitaminkonzentrationen. Und obwohl keine
anderen gesundheitsschädlichen Substanzen – wie zum Bei-
spiel Pestizide – gefunden wurden, kann man trotzdem sagen:

Multivitaminsäfte sind generell für eine gesunde Ernäh-


rung unnötig.

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136 Wie viel mehr dürfen Bio-Lebensmittel kosten?

Gemüsesäfte
Eine Untersuchung der Stiftung Warentest bei Karotten- und
Tomatensäften ergab, dass man weder mit Pestiziden noch
Schwermetallen bei diesen Säften rechnen muss. Auch gen-
technisch veränderte Tomaten wurden bei der Herstellung
nicht verwendet. Alle Karottensäfte – sowohl konventionelle
als auch ökologische – enthielten nur wenig Nitrat.

Kaffee – zur Not auch konventionell


Beim Anbau in Plantagen kommen reichlich Pestizide zum
Einsatz. Diese werden jedoch durch Schälen und Rösten der
Kaffeebohne entfernt. Auch entwässernd wirkt Kaffee entge-
gen früherer Behauptungen nicht. Da er jedoch bei 200 Grad
geröstet wird und dadurch gesundheitsschädliches Acryla-
mid und Furan entstehen, die auch im Getränk landen kön-
nen, kann man nur empfehlen:

Kaffee können Sie genießen – aber besser nicht mehr als


zwei bis drei Tassen am Tag.

Tee
Bei Tee muss man auf den Pestizidgehalt achten. Insbeson-
dere, da es durch eine Initiative der Teehersteller und -im-
porteure gelungen ist, die zulässigen Höchstwerte für sol-
che Schadstoffe durch eine neue Richtlinie der Europäischen
Union (EU) deutlich heraufzusetzen. Sogar DDT taucht immer
mal wieder auf. Nur bei Bio-Tee dürfen keine Pestizide ein-
gesetzt werden. Letztere sind nicht nur schadstoffärmer, son-
dern kräftiger im Aroma.

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Welche Produkte darf man auch konventionell kaufen? 137

Früchtetee kann, muss aber nicht aromatisiert sein. Er enthält


zum Beispiel Hibiskusblüten, Hagebutten- oder Orangen-
schalen, Apfelstücke. In konventionellen Produkten findet
man zum Teil auch „Füllstoffe“ wie Trester, Hagebuttenkerne
oder Apfelschalen. Zur Insektenbekämpfung können konven-
tionelle Tees auch begast werden.

Aromatisierte Tees
Aromatisierte Tees werden insbesondere im Winter gerne
getrunken, zum Beispiel als Weihnachtstee. Neben Aroma-
stoffen findet man darin auch Trockenfrüchte, Fruchtscha-
len, Nelken, Zimt oder Mandelstücke … und Schadstoffe!
Stiftung Warentest fand im Rahmen einer Untersuchung her-
aus, dass mehr als die Hälfte der untersuchten Tees deutlich
bis stark mit Pestiziden belastet war. (Die Tester untersuchten
mehr als 260 Sorten!) Besonders häufig waren die Rück-
stände in den Weihnachts- und Wintertees. Mehr als zwei
Drittel aller Proben waren deutlich bis stark belastet.
Nicht alle konventionellen Tees enthalten Pestizide. Jedoch
für den Anbau von Bio-Tees werden von vornherein keine
chemisch-synthetischen Pestizide und für die Aromatisie-
rung keine künstlichen Aromen verwendet, das heißt:

Bio-Tees können Sie ohne Bedenken genießen!

Nicht nur Wahrheit findet man im Wein


Die Schädlinge des Weins sind zahlreich: Pilzkrankheiten
wie der echte und falsche Mehltau, Graufäule oder Botrytis.

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138 Wie viel mehr dürfen Bio-Lebensmittel kosten?

Bio-Bauern setzen gegen Insekten vielerorts Pheromonfallen


(Fallen mit Sexuallockstoffen) statt Gifte ein. Diese Methode
hat inzwischen auch so mancher konventioneller Weinbauer
übernommen.
Zumeist ist der Schwefel (Schwefeldioxid und Sulfite) ein
Problem. Zuerst hilft er gegen Schimmelpilze und anschlie-
ßend findet man ihn im Wein. Er verursacht u. a. in größeren
Mengen (ab 25 mg/l Wein) die berühmten Kopfschmerzen.
Asthmatiker können sogar das sogenannte „Sulfit-Asthma“
bekommen. Nimmt man zwei Gläser davon zu sich, so wird
meist schon die Konzentration erreicht, die einen Anfall
auslösen kann. Auch in manchen Bio-Weinen wurden die
Schwefelverbindungen gefunden, wenn auch in geringerer
Konzentration. Man arbeitet daran, Schwefel ganz wegzulas-
sen, aber bislang kommt man auch im Öko-Weinbaugebiet
nicht ganz ohne aus.
Es scheint, dass eine geringere Anzahl an Früchten hilft, bes-
sere Qualität zu erzeugen. In Frankreich werden Spitzenweine
in Bio-Qualität erzeugt, obwohl die Weine zum Teil nicht als
Bio-Ware ausgezeichnet werden.
Generell dürfen Bio-Weinbauern keine Herbizide verwenden
und der Boden darf nur mechanisch bearbeitet werden. Hier
begrünt man zwischen den Rebstöcken. Dadurch reguliert
man den Wasserhaushalt und fördert die Humusbildung.
Auch Gelatine, Molke- und Milcheiweiß-Präparate fand man
schon in konventionellem Wein. Durch diese Zusätze kam
der Wein auch in Zusammenhang mit BSE ins Gerede. Gene-
rell sind für die konventionelle Weinherstellung eine Reihe
von Hilfs- und Zusatzstoffen zur Konservierung, Stabilisie-
rung, Klärung, Schönung und Reinigung zugelassen, mal

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Welche Produkte darf man auch konventionell kaufen? 139

abgesehen davon, dass gentechnische Manipulationen nicht


verboten sind.
Bislang war die Weinerzeugung nicht über die EU-Bio-Ver-
ordnung reglementiert. Das ändert sich ab 2009.

Bier – wirklich rein?


Die im konventionellen Hopfenanbau verwendeten Pestizide
werden während des Brauens an Eiweißstoffe gebunden, die
nach der Gärung aus dem Bier herausgefiltert werden.
Der etwas höhere Preis der Bio-Biere liegt nicht zuletzt daran,
dass hier nur kontrolliert ökologisch angebauter Hopfen ver-
wendet wird und beim Produktionsprozess auf chemische
Hilfsstoffe beim Gären und Klären des Hopfensaftes verzich-
tet wird ebenso wie auf Gentechnik. Außerdem stammen alle
Grundstoffe aus der ökologischen Landwirtschaft – jeder Kas-
ten Bier sichert 100 qm geschützte Fläche für ein Jahr. Auch
gute Wasserqualität ist ein Muss und auf Schnellgärmethoden
sowie Klärhilfsmittel wird verzichtet.

Bio-Biere sind „rein“, auch im Hinblick auf Schadstoffe.

Säuglings- und Kleinkindernahrung


Babys und Kleinkinder reagieren besonders empfindlich auf
Schadstoffe, da sie noch nicht die Abwehrmechanismen von
Erwachsenen besitzen. Außerdem essen Kleinkinder im Ver-
gleich zu ihrem Körpergewicht drei- bis viermal soviel wie
Erwachsene.
Chemikalien werden schneller aufgenommen, weniger
schnell ungewandelt und auch langsamer durch die Nieren

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140 Wie viel mehr dürfen Bio-Lebensmittel kosten?

ausgeschieden. Die Rückstände reichern sich im Vergleich


zum Erwachsenen im Organismus schneller an. Fertige
Kleinkindernahrung (zum Beispiel Gläschenkost) darf daher
keinerlei Pestizide aufweisen. Leider gilt das nicht für frisches
Obst und Gemüse, das fürsorgliche Eltern zur Zubereitung der
Baby- und Kleinkindernahrung verwenden. Schadstoffarme,
also Bio-Lebensmittel sind daher für die zukünftige und stil-
lende Mutter sowie Babys und Kleinkinder besonders wichtig.

Gläschenkost
„Gläschenkost ist praktisch, keimfrei und ohne Schadstoffe“,
so Stiftung Warentest. Was in Deutschland ins Babygläschen
darf, regelt die Diätverordnung. Mehr als 250 mg Nitrat/kg
und 0,01 mg Pestizide/kg dürfen nicht enthalten sein, und
die Rückstandskontrollen sind streng. Auch auf Pilzgifte und
Schadstoffe wie zum Beispiel Schwermetalle wird kontrolliert.
Das Obst und Gemüse wird sofort nach der Ernte verarbeitet,
nährstoffschonend zubereitet und konserviert. Die Sterilisa-
tion der Zutaten garantiert Keimfreiheit und die Zerkleine-
rung der Zutaten erhöht die Ausnutzung der Nährstoffe.
Die Schadstoffkontrolle von Babykost ist sehr streng. Im
Grunde muss die Ware schadstofffrei sein, was selbstver-
ständlich bei Bio-Ware anfängt und endet. Allerdings ist auch
nur Babykost vom Gesetzgeber so gut geschützt. Wird die
Ware nicht mehr als Baby- oder Kleinkinderware deklariert,
erhöhen sich die zugelassenen Schadstoffgrenzwerte um das
5 000-fache! Insofern gilt:

Bio-Gläschenkost können Sie füttern!

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Welche Produkte darf man auch konventionell kaufen? 141

Babytees und -säfte


Bei Untersuchungen von Babytees und -säften fanden die Tes-
ter keine Schadstoffe, sondern beanstandeten bei einzelnen
Produkten nur den Zuckergehalt.
Eine EG-Richtlinie fordert für Baby-Gemüse- und Obstsäfte
einen Mindest-Vitamin-C-Gehalt von 25 mg/100 ml. Dies
erfordert den Zusatz von künstlichem Vitamin C zu den Säf-
ten, da der natürliche Gehalt nicht ausreicht.
Babysäfte sind für die Gesundheit des Kindes nicht erforder-
lich. Genauso wenig wie das künstliche Vitamin C, da die
Zufuhr des Vitamins bei Säuglingen sowieso bereits über
den Empfehlungen liegt. Man kann auch die preisgünstige-
ren ungezuckerten Säfte für Erwachsene kaufen – am bes-
ten Bio-Säfte, die es im Supermarkt gibt, um vor Pestiziden
sicher zu sein. Ihnen werden auch keine künstlichen Vita-
mine zugesetzt. Jedoch enthält der Fruchtsaft die natürliche
Süße der Früchte. Kalorienfreie Süßstoffe sind für Kinder
nicht geeignet – sie bringen manches Kind erst auf den süßen
Geschmack. Man sollte daher besser an Folgendes denken:

Gestillte oder mit Muttermilch-Ersatzprodukten ernährte


Babys benötigen keine Babytees oder andere zusätzliche
Getränke, bevor sie Beikost bekommen.

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142 Wie viel mehr dürfen Bio-Lebensmittel kosten?

Fertiggerichte aufgepasst! Convenience-Ware:


Kunstprodukte aus der Hexenküche
der Food-Designer?
Oft haben Fertiggerichte eine Unzahl lebensmitteltechno-
logischer Verfahren hinter sich. Und je schneller die Zube-
reitung sein soll, desto mehr Chemie wird oft benötigt, um
noch geschmacklich einwandfreie Produkte auf den Tisch
bringen zu können – im Laufe der Herstellungsverfahren
gehen eben viele natürliche Geschmacksstoffe verloren.
Stiftung Warentest berichtet von schnellen Fertigsuppen aus
Trockenbestandteilen, wie zum Beispiel einer Gemüsesuppe:
„Die Bestandteile sind zerkleinert, gegart, getrocknet, lange
haltbar gemacht – dem Vitamingehalt insgesamt bekommt
das kaum. Mit dem wird dann aber gelegentlich sogar gewor-
ben. Ein Blick auf die Zutatenliste zeigt: die sechs werbewirk-
samen Vitamine wurden extra zugesetzt – die Trockensuppe
als Multivitaminpräparat?“
Nun, sei es, wie es ist: um die Zeit für einen lange dauernden
Kochprozess in einen kurzen für die Verbraucher zu verwan-
deln, sind eben oft Kunstgriffe erforderlich. Schrot & Korn
spricht deutlich von der „Chemikaliensuppe vom Supermarkt“.

Fazit: So unverarbeitet wie möglich spart jede Menge


Chemie.

Welche sind die gesündesten Fertiggerichte?


Einfrieren ist die schonendste Konservierungsmethode über-
haupt. Ja es ist sogar möglich, dass Erbsen, Karotten und Spi-
nat oder auch Beeren (Erdbeeren, Heidelbeeren etc.), die

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Welche Produkte darf man auch konventionell kaufen? 143

meist erntefrisch vom Feld eingefroren werden, mehr Vita-


mine auf den Tisch bringen, als das Gemüse oder Obst, das
zuerst einige Tage im Laden, dann noch ein paar mehr in der
Küche liegt. Ob dann noch Vitamin C zu finden ist?
Inzwischen gibt es auch Bio-Tiefgefrorenes verschiedenster
Anbieter. Gemüse und Obst in den verschiedensten Varian-
ten über Tiefkühl-Pizzen bis hin zu den unterschiedlichsten
Eissorten. Meist finden Sie von jedem Produkt auch die Bio-
Varianten ohne Geschmacksverstärker, künstliche Aromen,
Farb- und Konservierungsstoffe. Pommes gibt es in Bio-Qua-
lität mit hervorragendem Geschmack.

Gibt es auch andere Bio-Fertiggerichte,


die man unbeschwert genießen kann?
Zwar nicht ganz unbeschwert, wenn man allein an den Ener-
gieaufwand denkt, aber doch ohne gesundheitliches Risiko:
Bio-Hersteller verzichten auf Chemie. Das heißt, diese „Con-
venience“-Fertighersteller müssen sich anstrengen, um Fer-
tiggerichte zu produzieren, die trotz des geringen Zeitauf-
wandes schmecken. Sie müssen aus Bio-Zutaten stammen,
dürfen weder Geschmacksverstärker, künstliche Farb- und
Konservierungsstoffe noch künstliche oder naturidentische
Aromen enthalten. Bei den Trockenprodukten wird auf die
in der konventionellen Herstellung gerne eingesetzten Emul-
gatoren, Konservierungsstoffe und Antioxidationsmittel ver-
zichtet. Die schonende Verarbeitung der Zutaten spielt eine
große Rolle. Und wenn man schon keine Zeit hat:

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144 Wie viel mehr dürfen Bio-Lebensmittel kosten?

Bio-Fertiggerichte sind am ehesten zu empfehlen.

Sie sehen, bei vielen Lebensmittelgruppen ist es einfach


gesünder, auf die Bio-Variante zurückzugreifen, denn damit
erspart man sich Schadstoffe. Um die Kosten zu reduzieren,
empfiehlt es sich, bei dem inzwischen riesigen Angebot der
Supermärkte und Discounter die Augen offen zu halten und
nach preiswerter Ware Ausschau zu halten. Sie lesen richtig:
preiswert. Denn billig sind manche konventionelle Waren
auch – dafür aber nicht so gesund.

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145

Warum Bio gesünder ist

Wenn Umweltschutzgruppen wie Greenpeace oder Food-


watch auf die Rückstandsproblematik von Pestiziden hinwei-
sen, werden Behörden und Industrie nicht müde, die Unbe-
denklichkeit des Verzehrs der schadstoffhaltigen Lebensmittel
zu betonen. „Keine akute Gesundheitsgefahr“, heißt es fast
immer. Keine akute? Dann muss man aber wohl Dauerschä-
den befürchten? So gut wie immer wird darauf hingewiesen,
dass die Proben ja nur selten über den Grenzwerten liegen.
Wer aber legt diese fest? Meist orientiert man sich an Tier-
versuchen. Dass diese oft genug nicht auf den Menschen
übertragbar sind, hat sich immer wieder gezeigt. Außerdem
fehlt ein Summengrenzwert, der alle Schadstoffe umfasst.
„Produkte, wie man sie im Supermarkt, im Gemüsegeschäft
kauft, wurden niemals hinsichtlich gesundheitlicher Risiken
untersucht“, so nachzulesen in der Studie von Dr. Alberta
Velimirov vom Ludwig-Boltzmann-Institut in Österreich und
dem Risikoforscher Werner Müller (siehe Anhang, Quellen). Sie
überprüften 175 Studien, in denen konventionelle und Bio-
Lebensmittel miteinander verglichen wurden. Außerdem hat
das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz
und Veterinärmedizin (BGVV) eine umfangreiche Auswer-
tung von qualitätsvergleichenden Studien von Lebensmitteln
durchgeführt. Auch die Senatsarbeitsgruppe der Bundesfor-
schungsanstalten (siehe Anhang, Quellen) fertigte eine umfang-
reiche Literaturstudie zur Bewertung von Lebensmitteln aus
unterschiedlichen Produktionsverfahren an. Folgendes fand
man heraus:

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146 Warum Bio gesünder ist

 Bereits 1940 gab es eine Untersuchung in Neuseeland


zum Gesundheitszustand von Schülern in einem Schüler-
heim. Durch eine fast ausschließliche Ernährung mit Bio-
Lebensmitteln verbesserte sich ihre Gesundheit: Nach der
dreijährigen Testphase stellte man fest, dass sie weniger
unter Verkühlung und Husten litten, sich schneller von
Krankheiten erholten, weniger Sportverletzungen, Haut-
probleme und gesündere Zähne hatten.
 Eine neuere schwedische Untersuchung an Waldorfschü-
lern zeigte eine geringere Wahrscheinlichkeit, eine Allergie
zu bekommen, was zumindest zum Teil auf eine Ernährung
mit biologisch-dynamisch (entsprechend Demeter-Lebens-
mitteln) erzeugten Nahrungsmitteln zurückgeführt wird.
 Durch den Genuss konventioneller Lebensmittel sinkt
die Spermienqualität. Deren Anzahl war bei biologisch
ernährten Männern etwa doppelt so hoch.
 Im Rahmen einer Klosterstudie des Demeter-Forschungs-
rings wurde eine Gruppe von Menschen untersucht, die
gemeinsam verpflegt wurden und die in einer zeitlich
begrenzten Phase von konventionellen auf biologisch-
dynamische Lebensmittel übergingen. Das Ergebnis war,
dass diese Umstellung beim körperlichen und seelischen
Befinden zu Verbesserungen führen, den Blutdruck ab-
senken und zu einem Immunstatus führen kann, der auf
geringeren Stress hindeutet.
 In der alternativen Krebstherapie verwendet man oft Bio-
Lebensmittel, um Schadstoff-Rückstände zu vermeiden.
 Eine Studie aus den Niederlanden bewies, dass bei Klein-
kindern eine Ernährung mit biologischen Milchprodukten
das Risiko für Ekzeme um 36 Prozent verringerte.

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Gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe 147

 Ein weiterer wissenschaftlicher Nachweis für die gesunde


Wirkung von Bio-Lebensmitteln gelang schwedischen
Forschern: Werden menschlichen Krebszellkulturen bio-
logische Erdbeerextrakte hinzugefügt, so kommt es zu
einer effektiveren Hemmung des Zellwachstums als mit
konventionellen Auszügen. Der Extrakt aus Bio-Erdbeeren
hemmte das Wachstum der Darmkrebszellen um 60 Pro-
zent (konventionell: 49,7 Prozent) und der Brustkrebszel-
len um 53,1 Prozent (konventionell: 37,9 Prozent). Wie
nicht anders zu erwarten, enthielten die biologischen
Extrakte mehr eigene Antioxidanzien und Vitamin C.
Aber warum sind Bio-Lebensmittel nun gesünder? Liegt es
allein daran, dass sie weit weniger Schadstoffe wie Nitrat und
Pestizide enthalten? Dass man weniger Zusatzstoffe für sie
verwendet? Dass Bestrahlung, Gentechnik und Kadavermehl
sowie andere umstrittene „Beigaben“ und Verfahren ausge-
schlossen sind?
Wie steht es um gesundheitsrelevante Inhaltsstoffe? Enthalten
Sie mehr Vitamine, Mineralstoffe oder andere gesundheits-
fördernde Nährstoffe? Folgende Forschungsergebnisse liegen
dazu vor.

Gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe
in Bio-Lebensmitteln
Man isst und genießt im besten Fall, um dem Körper Energie
und die nötigen Nährstoffe zuzuführen. Letztere kennt man
inzwischen hinreichend und man untersucht seit längerer
Zeit, welche Inhaltsstoffe in Lebensmitteln dazu beitragen,
die Gesundheit zu erhalten. Das heißt, man sucht Substan-

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148 Warum Bio gesünder ist

zen, die ernährungsbedingte Krebsformen und andere durch


falsche Ernährung verursachte Gesundheitsschäden verhin-
dern. Zunehmend entdeckt man, dass Bio-Lebensmittel
höhere Konzentrationen der wertvollen Substanzen enthal-
ten. Von folgenden weiß man bereits Genaueres:

Vitamin A, C und E
Immer wieder liest man, dass Bio-Obst und -Gemüse vita-
min- und mineralstoffreicher ist. Die Kritiker von Bio-Kost
versuchen dies dann zu widerlegen. Einfach sind derartige
Untersuchungen nicht durchzuführen, da der Vitamin-, aber
auch der Mineralstoffgehalt von Obst, Gemüse und anderen
Nahrungsmitteln von vielen Faktoren abhängig ist wie zum
Beispiel: Dauer des Transports, Art der Lagerung, Sonnenex-
position, Sorte, Standort, Witterungsverlauf bzw. klimatische
Bedingungen, Erntezeitpunkt, Lagerzeit, Reifegrad. Daher
ist es nicht ganz einfach, wissenschaftlich gesicherte Daten
zum Vitamin- und Mineralstoffgehalt von Lebensmitteln zu
bekommen. Hier gibt es jedoch inzwischen hervorragende
wissenschaftliche Tests, die nachweisen, dass Bio-Obst und
-Gemüse tatsächlich vitamin- und mineralstoffreicher ist.
Davon gibt es natürlich Ausnahmen. Zum Beispiel hat altes
oder gar verschrumpeltes Obst und Gemüse viele Vitamine
verloren und sollte dann auch im Laden liegen bleiben, Bio
hin oder her. In folgenden Lebensmitteln fand man höhere
Vitamin-C-Konzentrationen:
 Bio-Weißkraut enthielt 30 Prozent mehr Vitamin C.
 Bio-Äpfel hatten ganz allgemein höhere Vitamin-C-Gehalte.
 Auch biologisch angebaute Paprikasorten enthielten mehr
Vitamin C.

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Gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe 149

Ganz allgemein fand man in Bio-Lebensmitteln einen erhöh-


ten Gehalt an Vitamin C. Dies bestätigte sogar die britische
Soil Association (Bio-Bauern-Vereinigung Großbritanniens),
die 2005 41 internationale wissenschaftliche Studien ver-
glich. Sie zeigten, dass biologische Lebensmittel mehr Vita-
min C aufweisen. Dies konnte man zum Beispiel anhand von
biologischen Orangen sehen, die um zwölf Prozent mehr
Vitamin C enthielten.
Jedoch genügte bereits eine organische Düngung ohne
Kunstdünger, um diese Ergebnisse zu erzielen. Verwendete
man anstelle von Kunstdünger Mist und andere natürliche
Düngersubstanzen (wie im Bio-Anbau vorgeschrieben), fand
man in Tomaten deutlich mehr Vitamin C. Dasselbe Ergeb-
nis zeigte sich bei Mangold, Kohl und grünen Bohnen. Auch
hier waren die Resultate eindeutig: Organisch gedüngte Pro-
dukte neigen ganz allgemein zu einem höheren Vitamin-
C-Gehalt als konventionelle Lebensmittel. Ein Vergleich der
unterschiedlichsten Qualitätsmerkmale bei Gemüse, das auf
kompost- bzw. stallmistgedüngten Parzellen (wie dies beim
Bio-Anbau geschieht) gewachsen war, ergab im zwölfjäh-
rigen Durchschnitt gegenüber Handelsdüngung (wie kon-
ventionell üblich) um 28 Prozent mehr Vitamin C. Dr. Eva
Kirchhoff (siehe Anhang, Quellen) zeigte, dass eine gestei-
gerte Stickstoffdüngung, wie sie mit Kunstdünger üblich
ist, zu einer deutlich erkennbar verminderten Vitamin-C-
Konzentration in Pflanzen wie zum Beispiel Zitrusfrüchten
wie Orangen, Zitronen, Grapefruit und Mandarinen sowie
Gemüsearten wie Blumen- und Weißkohl, Eissalat und Lauch
führt. Sie befand allerdings auch, dass dies bei Kopfsalat nicht
zutrifft. Als Ursache der verringerten Vitamin-C-Gehalte wird

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150 Warum Bio gesünder ist

ein Verdünnungseffekt durch das gesteigerte Wachstum der


Pflanzen infolge der hohen Stickstoffzufuhr vermutet. Da ein
Stickstoffmangel ebenso unerwünscht ist, heißt die optimale
Lösung organische Düngung. Sie bietet den Pflanzen eine har-
monische Nährstoffzusammensetzung, damit sie reichlich
Vitamine und andere Nährstoffe bilden können. Auch der
Einsatz an Herbiziden im konventionellen Landbau ist der
Vitaminkonzentration der damit behandelten Lebensmittel
oft abträglich.
Bei Bio-Produkten legt man Wert darauf, dass sie entspre-
chend der Saison angeboten werden und aus der Region
stammen, also geringe Transportwege und -zeiten aufweisen.
Der Vorteil: Das, was in der Region wächst, in der es auch
verzehrt wird, kann voll ausreifen und muss nicht unreif
geerntet werden. Obst und Gemüse hat dadurch mehr Zeit,
Vitamine zu bilden.
Über den höheren Vitamin-C-Wert hinaus fanden dänische
Forscher, dass Bio-Milch deutlich mehr Vitamin E enthält. Auch
mehr Beta-Carotin (Vorstufe von Vitamin A) entdeckte man.

Mineralstoffe
An Mineralstoffen fand man in verschiedensten Studien
höhere Konzentrationen in Bio-Lebensmitteln. Folgendes
wurde festgestellt:
 Bio-Zwiebeln enthielten deutlich mehr Kalzium, Magne-
sium, Bor, Wismuth und Selen.
 In Kartoffeln fand man deutlich höhere Mengen an Phos-
phor, Magnesium, Natrium, Mangan, Eisen, Kobalt, Kup-
fer, Zink, Selen und Nickel, dafür weniger gesundheits-
schädliches Cadmium.

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Gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe 151

Ganz allgemein fand die Senatsarbeitsgruppe der Bundesfor-


schungsanstalten geringfügig erhöhte Mineralstoffgehalte, ins-
besondere Eisen, in ökologisch erzeugten Lebensmitteln. Wie-
derum die britische Soil Association bescheinigte bereits 2005
anhand der 41 internationalen wissenschaftlichen Studien,
dass biologische Lebensmittel mehr Magnesium, Eisen und
Phosphor aufweisen. Dafür zeigten zum Beispiel Bio-Orangen
deutlich weniger Nitrat-Rückstände (zwölf bis 30 Prozent).
Zu einem ähnlichen Ergebnis kam die „Quality Low Input Food“-
Studie (QLIF), die höhere Anteile von Mineralstoffen wie
Eisen und Zink in Bio-Lebensmitteln ermittelte. In einem
langjährigen Versuch in der Schweiz konnten ebenfalls weit-
aus mehr Mineralstoffe (Kalium, Kalzium, Magnesium) und
Spurenelemente (Zink und Kupfer) gefunden werden als im
konventionellen Anbau. Man führt das auf die größere Wur-
zelaktivität und den möglicherweise größeren Bodenvorrat
an diesen Stoffen zurück.
Reduziert man Bio wiederum auf organische Düngung,
so ergab sich im zwölfjährigen Durchschnitt um 18 Pro-
zent mehr Kalium, um zehn Prozent mehr Kalzium und um
77 Prozent mehr Eisen und Magnesium. Dagegen war der
Nitratgehalt um fast 100 Prozent niedriger (93 Prozent), und
das weniger erwünschte Natrium war immerhin um zwölf
Prozent verringert.

Sekundäre Pflanzenstoffe
Bei Bio-Gemüse und -obst besteht zusätzlich die Tendenz zu
einem höheren Gehalt (um zehn bis 50 Prozent) an sekun-
dären Pflanzenstoffen (Genaueres siehe Anhang, Lexikon), die
wichtig sind zur Vorbeugung vor Krebs und Herz-Kreislauf-

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152 Warum Bio gesünder ist

Erkrankungen. Die wertvollen Inhaltsstoffe leisten einen


Beitrag zur Krankheitsvorbeugung, indem sie in der Funk-
tion als sogenannte „Antioxidanzien“ reaktionsfreudige,
gefährliche „freie Radikale“ (beide Fachbegriffe siehe Anhang,
Lexikon) abfangen. Carotinoide zum Beispiel binden freie
Radikale und werden deshalb als Radikalfänger bezeichnet.
Auch die Vitamine E und C sowie die sekundären Pflanzen-
stoffe Flavonoide, Phyto-Östrogene, Protease-Inhibitoren
und Sulfide sowie Phenolsäuren (insbesondere die Gerbsäu-
ren) sind Antioxidanzien. Generell wurde beobachtet, dass
es ein hohes Gesundheitsrisiko bedeutet, wenn man nur
geringe Konzentrationen von Antioxidanzien im Körper hat.
Nicht nur die Krebsgefahr ist dadurch höher. Zusätzlich sind
sekundäre Pflanzenstoffe dafür bekannt, dass sie die antio-
xidative Wirkung der Vitamine A, C und E um ein Vielfaches
übertreffen bzw. steigern können. Und diese gesundheitsför-
dernden Pflanzeninhaltsstoffe fand man in höherer Konzent-
ration in Bio-Lebensmitteln. Dies zudem in verschiedenen
Ländern – auch außerhalb Europas! So fand man in biolo-
gisch angebauten Paprikasorten mehr Phenole und Karoti-
noide. Eine Studie des Forschungsinstitutes für Biologischen
Landbau in der Schweiz (FIBL) ergab: Bio-Äpfel enthielten
18 Prozent mehr Phenole und 22 Prozent mehr Flavonoide.
Zwei sekundäre Pflanzenstoffe, die als Radikalfänger bekannt
sind! Auch in den USA fand man in Bio-Lebensmitteln einen
erhöhten Gehalt an phenolischen Verbindungen mit antioxi-
dativer Wirkung. Dies zeigte ein zehnjähriger Anbauversuch
mit Tomaten, der kürzlich ausgerechnet in den USA seinen
Abschluss fand: Bio-Tomaten zeigten demnach eine deutliche
Erhöhung von gesundheitsfördernden Antioxidanzien wie

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Gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe 153

Flavonoiden (um 79 Prozent mehr Quercetin und 97 Pro-


zent mehr Kampferol). Hinzu kam, dass je länger die Toma-
ten biologisch angebaut wurden, umso mehr erhöhte sich
der Abstand zu den konventionellen Vergleichstomaten. Dies
zeigt deutlich, dass Stickstoffüberdüngung und zu rasches
Pflanzenwachstum den gesundheitlichen Wert von Tomaten
reduzieren. Auch hier haben regionales, reif geerntetes Bio-
Obst und -Gemüse Vorteile: Ist das Obst und/oder Gemüse
nicht ausgereift, enthält es nur einen Bruchteil der gesun-
den bioaktiven Inhaltsstoffe, zu denen auch die sekundären
Pflanzenstoffe gehören. Durch Transport und Lagerung
gehen zusätzlich viele dieser heilsamen Stoffe (zum Beispiel
Phenolsäuren) verloren. Dadurch wird die Fähigkeit, freie
Radikale zu neutralisieren, deutlich reduziert.
Da man Bio-Obst und zum Teil auch -Gemüse nicht schä-
len muss (keine Pestizide und Schalenbehandlungsmittel),
erhält man bei Weitem mehr sekundäre Pflanzenstoffe, als
wenn man diese entfernt. In manchen Kochrezepten wird
das Schälen von Tomaten und sogar Paprika empfohlen. Nur
das nicht! Damit nehmen Sie dem Gemüse viele wertvolle
Inhaltsstoffe! Gemüse wie Paprika und Tomaten enthält in
der Schale oder in ihrer unmittelbaren Nähe 50- bis 60-mal
so viele sekundäre Pflanzenstoffe wie im übrigen Gemüse.
Eine Apfelschale enthält zum Beispiel 100-mal so viele Flavo-
noide wie die restliche Frucht.
Der höhere Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen erklärt
auch die immer wieder geschilderten Geschmacksunter-
schiede. Gemüsehändler wissen: schnell hochgewachsene
Küchenkräuter etc. sind flau im Geschmack!

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154 Warum Bio gesünder ist

Weitere gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe


Außer den bereits erwähnten Gesundheitsförderern findet
man noch weitere in Bio-Lebensmitteln, zum Beispiel:
 Im Rahmen einer zwölfjährigen Studie, die die unterschied-
lichsten Qualitätsmerkmale von Gemüse untersuchte, das
organisch gedüngt wurde, fand man 23 Prozent mehr Tro-
ckensubstanz, einen um 18 Prozent höheren Eiweißanteil
und um 23 Prozent mehr Methionin (ein Eiweißbaustein).
Auch in einer anderen Studie wurde bei diversen Gemüse-
sorten (zum Beispiel Hülsenfrüchte und Getreide) ein – im
Vergleich zu konventionellen Produkten – erhöhter Gehalt
an lebensnotwendigen Eiweißbausteinen festgestellt.
 In einem Vergleich von Bio-Suppenmischungen mit kon-
ventionellen wurden in ersteren fünfmal höhere Mengen
an Salicylsäure festgestellt. Die Substanz stärkt das Immun-
system und beugt Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor.
Was heutzutage besonders wichtig ist: Bio hat einen gerin-
geren Kaloriengehalt bei gleicher Mengen an wertgebenden
Nährstoffen. Dass der höhere Gehalt an Vitaminen, sekun-
dären Pflanzenstoffen etc. gleichzeitig eine Kalorienersparnis
bedeutet, ist logisch. Durch die erhöhte Nährstoffdichte (das
heißt: pro Gramm Lebensmittel mehr Vitamine, Mineral-
stoffe etc.) kann man bei einer Kalorienreduktion von zehn
bis 15 Prozent die ernährungsphysiologischen Bedürfnisse
leichter befriedigen. Das ist das Fazit der Studienergebnisse
des amerikanischen Wissenschaftlers Charles Benbrook, die
er anlässlich des „Second International Symposium on the Human
Health Benefits of Fruits and Vegetables“ in Houston/Texas im
Oktober 2007 präsentierte.

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Artgerechte Tierhaltung nützt den Tieren 155

Artgerechte Tierhaltung nützt den Tieren


– und wir haben auch etwas davon!
Artgerechte Tierhaltung ist im ökologischen Anbau Vorschrift
und hat nicht nur Vorteile für die Tiere. Diese Haltungsform
hält die Tiere gesund, sie stärkt ihr Immunsystem, ihre Belast-
barkeit und fördert ihre Fruchtbarkeit.

Gesundheitliche Vorteile von Bio-Fleisch


Artgerecht gehaltene Tiere werden bei guter Fütterung und
ausreichenden Hygienemaßnahmen weniger krank und
benötigen daher weniger Medikamente. Medikamentenrück-
stände im Fleisch sind hier kein Thema. Wenn irgend mög-
lich, werden Naturheilverfahren eingesetzt, um erkrankte
Tiere zu kurieren. Konventionelle Medikamente sind nur in
Ausnahmefällen erlaubt, in der Regel auch nur, um dem Tier
Leid zu ersparen. Antibiotika zur Vorbeugung oder als Mast-
hilfe sind in der Bio-Produktion verboten. 1997 wurden in
ganz Europa etwa soviel Medikamente für die Tierproduk-
tion (5 093 t) verwendet wie im gleichen Zeitraum für die
Behandlung von Menschen (5 400 t)! Bio-Tiere werden nicht
auf Kosten ihrer Gesundheit zur Hochleistung getrimmt. Da
die Richtlinien die Bauern veranlassen, hauptsächlich Fut-
ter von ihrem eigenen Hof zu verwenden, wissen sie auch,
was ihre Tiere fressen. Müssen tatsächlich Medikamente ein-
gesetzt werden, um eine Krankheit zu kurieren, so sind die
Wartezeiten, bis das Tier vermarktet wird, doppelt so lang
wie bei konventionellen Betrieben.
Tiere für Bio-Fleisch werden möglichst regional vermarktet
– man versucht ihnen die quälenden Transporte zu erspa-

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156 Warum Bio gesünder ist

ren und die Transportzeit auf maximal zwei Stunden zu


beschränken. Möglichst nachts oder an heißen Tagen in den
frühen Morgenstunden sind die Tiere unterwegs. Auf Elek-
troschocks kann man verzichten: die Tiere hatten auch vor
dem Transport schon Bewegung und sind nicht bereits durch
den Gang zum Transporter überfordert. Auch beim Schlacht-
hof achtet man darauf, dass die Tiere so schonend wie mög-
lich behandelt werden. Das alles spart Medikamente, die wir
ansonsten oft genug mitessen müssen.
Generell schreibt die EG-Bio-Verordnung vor, dass Stress vor
und während der Schlachtung zu vermeiden ist. Die Folge
ist eine bessere Fleischqualität. Dadurch wird DFD (dark/
dunkel, firm/fest und dry/trocken)- und PSE (pale/blass, soft/
weich, exsudativ/wässrig)-Fleisch vermieden. Die Verbrau-
cherzentrale spricht von „ausreifen“: „Ob in der Intensiv-
haltung Hochleistungsrassen in immer kürzerer Zeit, eng
zusammengepfercht mit zigtausend Artgenossen ihr Schlacht-
gewicht erreichen müssen – diesen Unterschied schmeckt
man! Rückstände von vorbeugend eingesetzten Medikamen-
ten sind hingegen nicht zu schmecken.“
Wohin die Fütterung mit Tiermehl geführt hat, weiß jeder,
der jemals etwas von BSE gehört hat. Und schmeckt Fleisch,
bei dessen Genuss man nicht daran denken muss, dass das
Tier zu Lebzeiten gequält wurde, nicht einfach besser?
Wenn es in Deutschland ausschließlich ökologischen Land-
bau gäbe, müssten wir auf etwa ein Drittel unseres Konsums
an tierischen Kalorien (Fleisch, Milch etc.) verzichten. Das
wäre problemlos möglich, entspricht das doch dem genuss-
orientierten Ernährungsverhalten der Italiener, die deutlich
gesünder leben.

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Artgerechte Tierhaltung nützt den Tieren 157

Dazu kommt, dass durch die artgerechte Tierhaltung end-


lich das Tierschutzgesetz eingehalten wird, ansonsten ist es
nach Aussage von Dr. Brigitte Rusche von der Akademie für
Tierschutz, Neubiberg nicht einmal als grober Anhaltspunkt
anzusehen. Man kann hier eher von „TierNutzgesetz“ spre-
chen. Drei Viertel der Deutschen sind gegen Batteriehaltung
von Hühnern, aber drei Viertel greifen trotzdem zu den bil-
ligsten Eiern, die nun mal nicht anders zu erzeugen sind.

Vermehrter Gehalt gesunder Inhaltsstoffe


im Fleisch durch Weidehaltung
Untersuchungen der Universität Rostock zeigten, dass Rinder,
die auf der Weide stehen und viel Grünfutter fressen, einen
höheren Anteil an Omega-3-Fettsäuren in ihrem Fleisch auf-
weisen als Tiere, die im Stall stehen und mit Kraftfutter (Soja-
schrot und/oder Futtermais) und Getreide gemästet werden.
Grünfutter sowie Weidegang wird von den meisten Ökover-
bänden vorgeschrieben. Die dadurch vermehrt vorgefunde-
nen Fettsäuren wirken blutdruck- und cholesterinsenkend.
Dabei handelt es sich um diejenigen Fettsäuren, die man in
Fischen vorfindet und deren Genuss deshalb empfehlens-
wert ist. Das Forschungsinstitut für die Biologie landwirt-
schaftlicher Nutztiere (FBN, siehe Anhang, Quellen) fand bereits
2004 heraus, dass mit Weidehaltung besonders gesundes und
schmackhaftes Rindfleisch erzeugt wird. „Solches mit n-3-
Fettsäuren angereicherte Rindfleisch stellt ein gesundes Nah-
rungsmittel und einen wichtigen Baustein für die Versorgung
des Menschen mit essentiellen Fettsäuren dar“, so das FBN.
Drei Jahre lang forschte es mit Kooperationspartnern in
Großbritannien, Irland, Frankreich und Belgien im Rahmen

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158 Warum Bio gesünder ist

des EU-finanzierten Forschungsprojekts „Healthy Beef“. Die


Untersuchung umfasste verschiedene Haltungssysteme, zum
Beispiel Stall und Weidehaltung sowie unterschiedliche Ras-
sen von Fleischrindern. „Im Fleisch von Bullen unterschied-
licher Rassen, die während der Sommerperioden auf der
Weide gehalten wurden, konnte eine dreifach höhere Anrei-
cherung von n-3-Fettsäuren gemessen werden.“ Dabei hängt
der ernährungsphysiologische Wert dieser mehrfach unge-
sättigten Fettsäuren nicht nur von ihrer absoluten Menge
im Fleisch ab, sondern auch vom Verhältnis der beiden Fett-
säurefamilien n-6 und n-3 zueinander. Die DGE (Deutsche
Gesellschaft für Ernährung) empfiehlt das n-6/n-3-Verhält-
nis in Nahrungsmitteln von derzeit etwa zehn bis 20 zu eins
auf weniger als fünf zu eins zu senken. Dies wurde mehr als
erfüllt: das n-6-/n-3-Verhältnis im Rindfleisch der Weiderin-
der des EU-Projektes betrug weniger als zwei zu eins. Ja, die
Omega-3-Fettsäuren im Fleisch von Weidevieh aus artge-
rechter, biologischer Tierhaltung sollen sogar in Konzentra-
tionen vorkommen, wie die von den Atlantikfischen Dorsch
oder Kabeljau.
Die Wissenschaftler fanden zusätzlich heraus, dass neben
dem erhöhten Einbau der n-3-Fettsäuren im Rindfleisch
gleichzeitig die Konzentration der Arachidonsäure, einer
n-6-Fettsäure, deutlich messbar verringert ist. Diese Fettsäure
gilt als entzündungsfördernd und ist problematisch für viele
Krankheiten, die das Herz-Kreislauf-System betreffen, aber
auch andere entzündungsrelavante Erkrankungen. Zusätzlich
findet man in den Weidetieren geringere Gehalte an gesät-
tigten Fettsäuren, die ebenfalls problematisch für Herz-Kreis-
lauf-Erkrankungen sind.

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Artgerechte Tierhaltung nützt den Tieren 159

Da Fette und Fettsäuren auch Träger zahlreicher fettlöslicher


Vitamine (Vitamin A, D, E und K) sind, versteht man, warum
im Fleisch von Weidetieren mehr dieser Vitamine gefunden
werden. Erfreulich ist zusätzlich, dass die Forschungsergeb-
nisse des EU-Projektes zeigen, dass Weideperioden zur Ver-
stärkung des Aromas und zur Verbesserung der Lagerfähig-
keit von Rindfleisch beitragen. Man führt dies auf die im
Gras vorhandenen hohen Gehalte an Vitamin E zurück.
Aber nicht nur das Fleisch von Weidetieren ist besser: Aktu-
elle Forschungsergebnisse zu Milch zeigen, dass biologisch
produzierte Milch einen höheren Nährwert hat als konven-
tionell erzeugte. Eine Studie zeigte, dass der Gehalt an – als
gesundheitlich förderlich geltenden Omega-3-Fettsäuren – in
Bio-Milch bis dreimal so hoch sein kann. Zusätzlich enthielt
diese 20 Prozent mehr Antioxidanzien und Vitamine.
Ähnliches gilt für Muttermilch von stillenden Frauen, die
sich hauptsächlich von Bio-Milch- und -Fleischprodukten
ernährten. Sie hat einen um 50 Prozent höheren Gehalt an
mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Wie schon erwähnt, wer-
den diesen Fettsäuren gesundheitsfördernde Wirkungen wie
„krebshemmend“, „cholesterinsenkend“, „entzündungs-
hemmend“, „Reduktion der Blutplättchenverklumpung“ und
„Minderung der Arterienverkalkung“ zugeschrieben.
Der Grund für den hohen Gehalt an den gesunden Fettsäuren
ist, dass der Fettanteil des natürlichen Weidegrases zu zwei
Dritteln aus den langkettigen Omega-3-Fettsäuren besteht,
von denen Futtermais oder Sojamehl deutlich weniger ent-
halten. Auch die Pflanzenvielfalt auf Bio-Wiesen spielt ver-
mutlich eine Rolle. Somit bewirkt artgerechte Tierhaltung
nicht nur bei Rindern, sondern generell bei allen Pflanzen

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160 Warum Bio gesünder ist

fressenden Tierarten gesünderes Fleisch und wertvollere


Milch.

Zusammenfassung:
Viele Vorteile von artgerecht erzeugtem Fleisch
Alles in allem kann man die Vorteile artgerechter Tierhaltung
für den Menschen folgendermaßen zusammenfassen:
 Deutlich höhere Gehalte an Omega-3-Fettsäuren in Fleisch
und Milch
 Optimales Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäu-
ren in tierischen Produkten
 Kein oder kaum Medikamentenbedarf
 Bildung natürlicher Muskelmasse
 Keine Gefahr von Antibiotika, Hormonen und anderen
Chemikalien als Rückstände im Fleisch und neuerdings
auch in Pflanzen
 Kein Fleisch von gestressten Tieren
 Zubereitungsverluste geringer
 Keine Gefahr von Resistenzbildung gegen Antibiotika
 Kein saft- und kraftloses Fleisch, sondern saftige, wohl-
schmeckende Schnitzel und andere Produkte
 Keine zusätzlichen Medikamente gegen Parasitenbefall bei
einer Haltung mit begrenzter Stückzahl
 Kein belastetes Trinkwasser durch Tierhaltung
 Das Fleisch entsteht aus gutem Futter, das kommt uns zu
Gute, denn wir essen dieses Futter mit, das zu Fleisch wurde
 Keine Ansteckungsgefahr mit BSE, da Kadavermehlfütte-
rung hier verboten ist
 Keine Rückstände aus chemisch-synthetischen Futterzu-
sätzen

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Endlich kann man es beweisen: Bio ist gesünder! 161

 Vermeidung von Gentechnik, auch bzgl. des Futters


 Geringere Geruchsbelästigung in der Nähe der Tierhaltung
 Keine Verwendung von Masthilfsmitteln oder Beruhi-
gungsmitteln für die Transporte
 Genuss ohne schlechtes Gewissen.
Es stellt sich generell die Frage, ob Tiere, die nur mit vorbeu-
gender Medikamentengabe und/oder chirurgischen Ein-
griffen (Abbrennen der Schnäbel, Kupieren von Schwänzen)
sowie überhaupt nur kurzzeitig in ausschließlich wirtschaft-
lich orientierten Haltungssystemen leben können, als gesund
zu bezeichnen sind. Bei Zuchtsauen, die keinen Auslauf
haben, liegt die Erkrankungsrate um 100 Prozent gegenüber
denjenigen Tieren, die Auslauf haben. Jedenfalls sind diese
Tiere nach der Definition der WHO, wonach Gesundheit
nicht nur in Abwesenheit von Krankheit, sondern in gene-
rellem Wohlbefinden begründet ist, nicht gesund.

Endlich kann man es beweisen:


Bio ist gesünder!
Sieht man sich die beiden vorhergehenden Kapitel an, so er-
kennt man deutlich, dass Bio-Lebensmittel gesünder sind.
Dies wird jedoch von Kritikern gern bestritten, und so
forschte man nach eindeutigen Beweisen. Bisher durfte kein
Produzent von Bio-Lebensmitteln mit dieser Tatsache wer-
ben. Ende 2007 war es dann soweit:
Am 16.11.2007 konnte man im Newsletter Nr. 159 der Bio-
Fach folgende Überschrift lesen: „Jetzt offiziell: Bio ist wirk-
lich besser“. Was steckt dahinter? Die Times-Online-Ausgabe
berichtete von einer vierjährigen Studie, die zwölf Millionen

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162 Warum Bio gesünder ist

Britische Pfund gekostet hatte und die von der Europäischen


Union unterstützt wurde. Dabei handelte es sich um das bisher
größte Forschungsprojekt zu den Vorteilen von ökologischem
Landbau und Bio-Lebensmitteln. Die Sunday Times war der
Ansicht, dass genau diese Studie die jahrelangen Debatten
beenden und die Ansicht der Regierung ändern könnte, dass
Bio-Lebensmittel nicht nur als Teil eines ganz speziellen
Lebensstiles zu sehen sind, sondern dass diese Lebensmittel
tatsächlich gesünder sind als die konventionell erzeugten.
Tatsächlich zeigte die Studie „Quality Low Input Food“
(QLIF), dass Bio-Obst und -Gemüse über 40 Prozent mehr
Antioxidanzien (siehe Anhang, Lexikon) aufweisen als konven-
tionelles Obst und Gemüse. Der Koordinator der Studie, Pro-
fessor Carlo Leifert von der britischen Universität Newcastle
betonte, dass die Unterschiede so deutlich seien, dass auch
Leute, die nicht die empfohlenen fünf Portionen Obst und
Gemüse täglich essen, bei biologischer Ernährung genügend
wichtige Inhaltsstoffe zu sich nähmen. Noch krasser als in
Obst und Gemüse fanden die Wissenschaftler den Gehalt
von Antioxidanzien in der Milch. Stammte sie von biologisch
gehaltenen Kühen, so enthielt sie 90 Prozent – also fast dop-
pelt so viel – mehr Antioxidanzien und gesunde Fettsäuren.
Damit deuten die Ergebnisse darauf hin, dass der Genuss von
Bio-Lebensmitteln dem Verzehr einer Zusatzportion Obst
und Gemüse pro Tag entspricht – so die Ansicht von Profes-
sor Carlo Leifert. Das heißt: nicht mehr fünf am Tag, sondern
vier Portionen am Tag reichen in diesem Falle aus.
Die Sunday Times spricht außerdem davon, dass nach den
Ergebnissen der Studie der Genuss von Bio-Lebensmittel
sogar das Leben verlängert!

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Endlich kann man es beweisen: Bio ist gesünder! 163

Um es mit den Worten von Prof. Leifert auszudrücken:


“There is enough evidence now that the level of good things
is higher in organics.” Frei übersetzt heißt das, „dass es nun-
mehr offensichtlich ist, dass Bio-Produkte gesündere Lebens-
mittel-Inhaltsstoffe enthalten.“

Was untersuchte die Studie genau?


Für die Studie wurden auf ökologischen und nicht-ökolo-
gischen Anbauflächen, unter anderem auf einer Farm, die
der Newcastle Universität angegliedert ist, und Flächen in
ganz Europa Vieh aufgezogen. Außerdem baute man Obst und
Gemüse wie Kohl, Salat, Karotten, Kartoffeln sowie Weizen
an. Anschließend haben die Forscher Faktoren wie Geschmack
und Nährwert verglichen. In griechischen Bio-Tomaten
fanden sie deutlich höhere Mengen an Antioxidanzien, ein-
schließlich der Flavonoide, von denen man annimmt, dass sie
das Risiko reduzieren, eine Herzkrankheit zu bekommen.
Die Untersuchung begann im März 2004 und wurde mit
18 Millionen Euro innerhalb des Themenbereichs „Lebens-
mittelqualität und -sicherheit“ des Sechsten Rahmenpro-
gramms (RP6) der EU bezuschusst. Das Team bestand unter
anderem aus 31 Forschungszentren, Unternehmen und
Hochschulen in Europa. Sie alle wollten eine Wertsteigerung
für Lebensmittel sowohl für Verbraucher als auch für Erzeu-
ger durch die Verwendung eines verbrauchergesteuerten
Ansatzes „vom Tisch bis zum Bauernhof“.

In Großbritannien darf man sogar mit


„Bio = gesünder“ werben
Die eigentlich gar nicht so erstaunlichen Beweise aus Groß-
britannien stammen aus einem Land, das als einziges in der

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164 Warum Bio gesünder ist

Europäischen Union Bio-Lebensmittel mit ihren gesundheits-


fördernden Vorzügen und Zusatzwerten deklarieren darf.
Dies erlaubten die Politiker auch nicht freiwillig: Vertreter
der Soil Association (Bio-Bauern-Vereinigung Großbritan-
nien) setzte dies gemeinsam mit der ASA (Advertising Stan-
dards Authority) und CPA (Committee on Advertising Practice)
durch. Diese Werbemaßnahmen beziehen sich auf 22 Aus-
sagen. Sie betreffen zum Beispiel den höheren Gehalt an Vita-
minen, essentiellen Aminosäuren (Eiweißbausteine) und
wertvollen Mineralstoffen sowie gesundheitsförderliche As-
pekte in Zusammenhang mit dem konsequenten Verzicht auf
chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel als
auch das Verbot von prophylaktisch eingesetzten Antibiotika.
Die Aussagen müssen genau dem genehmigten Wortlaut ent-
sprechen und dürfen in Werbespots, auf Werbeprospekten
und als Absatzförderung auf Produktbeschriftungen, bei
Preiswettbewerben oder Sonderangeboten verwendet wer-
den. Auch der Hinweis darauf, dass für Bio-Lebensmittel
nur etwa ein Zehntel der innerhalb der Europäischen Union
zugelassenen Zusatzstoffe verwendet werden dürfen, inklu-
sive dem Hinweis, dass mittels biologischer Lebensmittel
mögliche allergene Zusatzstoffe vermieden werden können,
ist bei der Bewerbung in Großbritannien zulässig.

Auch in Deutschland beweisen Forschungen


den höheren gesundheitlichen Wert
von Bio-Lebensmitteln
Prof. Dr. Hoffmann, Günter Wolf und Bernhard Staller kamen
bereits vor einigen Jahren darauf, dass Bio-Lebensmittel
mehr bioaktive Wirkstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe

180-7_0001-0192.indd 164 20.08.2008 14:37:43 Uhr


Endlich kann man es beweisen: Bio ist gesünder! 165

(beides siehe Anhang, Lexikon) enthalten. Und sie können das


auch analytisch beweisen! Die genauen Verfahren beschrei-
ben sie in ihrem Buch „Lebensmittelqualität und Gesund-
heit“ (siehe Anhang, Quellen).
Der menschliche Organismus benötigt viele Elektronen bzw.
er hat ein großes „Reduktionsbedürfnis“. Dies aufgrund der
Tatsache, dass viele „freie Radikale“ (siehe Anhang, Lexikon) im
Körper entstehen. Diesen fehlen ein oder zwei Elektronen, die
sie mit allen Mitteln versuchen wieder an sich zu reißen. Dieses
aggressive „Verhalten“ hat auch seine guten Seiten: es ver-
nichtet Mikroorganismen wie Viren oder Bakterien und baut
Fremdsubstanzen im Körper ab, die dort nicht hingehören.
Hat man jedoch zu viele davon im Organismus, werden
sie gefährlich. Sie „rauben“ anderen Substanzen bzw. Ver-
bindungen die Elektronen, um selbst wieder einen ausgeg-
lichenen Elektronenstatus zu haben. Die „beraubten“ Struk-
turen versuchen ihrerseits wieder Elektronen für sich zu
klauen, und auf diese Weise entsteht ein Domino-Effekt
im Körper. Hat man jedoch reichlich „Radikalfänger“ oder
„Antioxidanzien“ im Körper, so sorgen die für ein Abbrechen
der Kettenreaktion, indem sie selbst Elektronen spenden.
Der Domino-Effekt oder der Elektronenklau wäre nicht
schlimm, wenn damit nicht auch gesundheitlich wichtige
Zellen- und Zellteile geschädigt würden – bis hin zum Ent-
stehen sogenannter „Zivilisationskrankheiten“ wie Krebs,
Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Alzheimer. Letztgenannte
Krankheiten werden mit einem Überschuss an freien Radi-
kalen in Zusammenhang gebracht. Auch der Alterungspro-
zess generell soll zumindest teilweise auf ihnen beruhen.
Entsprechend werden Antioxidanzien-Präparate als „Anti-

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166 Warum Bio gesünder ist

Aging-Pillen“ vermarktet. Zumindest auch Bio-Äpfel beugen


somit vorzeitigem Altern, neben vielen Zivilisationskrank-
heiten, vor, denn:

Bio-Äpfel enthalten eine größere Menge an elektronenspen-


denden sekundären Pflanzenstoffen als konventionelle.

Der größere Gesundheitswert


von Bio-Lebensmitteln ist messbar
Antioxidanzien sind also wertvolle Lebensmittelbestand-
teile, da sie die gesundheitsgefährdenden „freien Radikale“
(siehe Anhang, Lexikon) unschädlich machen. Prof. Dr. Hoff-
mann sieht die Ursache vieler Erkrankungen in der mangeln-
den Neutralisation der sogenannten „freien Radikale“ (siehe
Anhang, Lexikon: Radikale). Und genau das ist die Aufgabe der
meisten „bioaktiven Wirkstoffe“ (siehe Anhang, Lexikon): Sie
neutralisieren freie Radikale und tragen damit dazu bei, das
Krebsrisiko zu minimieren und viele andere Krankheiten
bereits im Keim zu ersticken.
Prof. Dr. Hoffmann geht mit seinen Co-Autoren intensiv dar-
auf ein, dass diese Substanzen durch Lebensmittel mit ent-
sprechendem Elektronenreichtum und der Fähigkeit, die ge-
sundheitsschädlichen Radikale zu entgiften, wesentlich für
unser Wohlbefinden sind. Um diese gefährlichen Substanzen
ausreichend entgiften zu können, benötigen wir qualitativ
hochwertige Lebensmittel, die als „Elektronen-Lieferanten“
eine bedeutende Rolle spielen. Man kann diese nützliche Ei-
genschaft neuerdings messen, über die „Redoxpotenzial-

180-7_0001-0192.indd 166 20.08.2008 14:37:44 Uhr


Endlich kann man es beweisen: Bio ist gesünder! 167

Messung“. Je niedriger dieses Potenzial ist, desto größer ist


die Fähigkeit des Lebensmittels, freie Radikale zu entgiften.
Anders ausgedrückt: je größer die Reduktionskraft eines Nah-
rungsmittels, desto mehr freie Radikale kann es „reduzieren“,
also unschädlich machen.
Sekundäre Pflanzenstoffe (siehe Anhang, Lexikon) sind solch
gute Elektronenspender. Da es jedoch so viele von ihnen
gibt, wäre es ein zu großer Aufwand, sämtliche Lebensmit-
tel auf ihren Gehalt zu testen. Die Höhe ihrer „Spender-
fähigkeit“ kann man jedoch elektrochemisch über das Redox-
potenzial in Millivolt messen. Und dazu liegen mittlerweile
mehrere Tausend Untersuchungen vor. Das Ergebnis dieser
Messungen zeigt: „Je stressärmer, d. h. je artgerechter eine
Pflanze gehalten oder ein Tier erzeugt wurde, je schonender
es für die Ernährung aufbereitet und je naturbelassener es
konsumiert wird, desto größer ist das Elektronenangebot für
den Konsumentenorganismus“, so Prof. Dr. Hofmann. Er ist
der Ansicht, dass die „elektrochemisch messbare“ Lebens-
mittelqualität untrennbar mit der „Lebensgeschichte“ eines
Lebensmittels gekoppelt ist. Demnach spielen auch die Kri-
terien des biologischen Anbaus – Sorte je nach Standortwahl,
niedrigere Anbauintensität, mikrobiologisch aktive Böden
usw. – eine bedeutende Rolle für die Lebensmittelqualität.
Eine falsche Sortenwahl, ein toter Boden mit Ernteverfrü-
hung und eine hochtechnologische Anbauweise können
für die Pflanze „Stress“ bedeuten. Dann wird sie im Ergeb-
nis nur in geringem Umfang als Elektronenspender dienen
können. Bei Fischen sind es Fragen der Haltungsdichte und
des Schlacht- bzw. Tötungsstress’. Nicht umsonst hatten zwi-
schen 85 und 95 Prozent der Bio-Lebensmittel bei einer ent-

180-7_0001-0192.indd 167 20.08.2008 14:37:44 Uhr


168 Warum Bio gesünder ist

sprechenden Messung die elektrochemisch und damit quali-


tativ besseren Werte! Es scheint, als könne diese Anbauform
und Haltungsweise diejenigen Stressoren vermeiden, die zu
einer Verringerung wertgebender Inhaltsstoffe führen.
Auch die Abwehr von Schädlingen mit Hilfe von bioaktiven
Wirkstoffen bzw. sekundären Pflanzenstoffen dient gemäß
Prof. Dr. Hofmann als „Stressvermeidung“. Er ist der Ansicht:
„Wenn wir eine ‚stressarme‘ Umgebung für die Pflanzen
gestalten, müssen diese ihre wertvollen Inhaltsstoffe nicht
selbst zum Schutz aufbrauchen – und es bleiben ausreichend
‚Stressvermeider‘ für uns erhalten!“
Dabei ist der Gehalt an einzelnen sekundären Pflanzenstoffen
und ihren Eigenschaften gar nicht so wichtig: Das Zusam-
menwirken dieser Inhaltsstoffe scheint viel bedeutender.
Betrachtet man zum Beispiel die besondere Heilwirkung von
Sauerkraut, so lässt sich diese auf bislang 47 bekannte Einzel-
stoffe zurückführen. Diese Substanzen wirken zusätzlich syn-
ergistisch, das heißt: sie verstärken sich gegenseitig in ihrer
Wirkung, was zusätzlich zum hohen gesundheitlichen Wert
des Sauerkrauts beiträgt. US-amerikanische Wissenschaftler
schlagen daher vor, keine Einzelwirkungen von Substanzen
zu veröffentlichen aufgrund ihrer mangelnden Aussagekraft,
sondern Indexwerte. Forscher der Universität in Connecticut
(USA) untersuchten zum Beispiel Gemüsearten nach ihrem
Gehalt an Antioxidanzien. Die entsprechende Rangfolge
überrascht nicht: an der Spitze stehen Grünkohl und Knob-
lauch, die auch für ihre starke Anti-Krebs-Wirkung bekannt
sind. Auch Spinat, Rosenkohl, Brokkoli und Rote Bete haben
bezüglich ihres Gesundheitswertes einen hohen Rang. Möh-
ren, die vor allem über ß-Carotinoide verfügen, haben auf-

180-7_0001-0192.indd 168 20.08.2008 14:37:44 Uhr


Darum ist Bio besser! 169

grund des Vorhandenseins nur einer einzigen wertvollen


Stoffgruppe einen niedrigen Indexwert.
Prof. Hoffmann et al. weisen darauf hin, dass die bisherige
gebräuchliche Analyseform, die sogenannte Chemoanalyse,
diese wertvollen Eigenschaften nicht ausreichend analysieren
kann. Sie hat zwar die Möglichkeit, einzelne Substanzen in
Menge und Art herauszufinden, aber einen Gesamtwert ihrer
gesundheitlichen Wirkung kann sie nicht feststellen. Die
Elektrochemie kann das jedoch. Sie kann die Gesamtheit aller
antioxidativ wirkenden Verbindungen erfassen. Dies ist sogar
möglich, wenn man den Stoff oder die Stoffe, die dahinter
stehen, noch gar nicht identifiziert hat. Die Bedeutung dieses
Sachverhalts ist deshalb so groß, da man weltweit über 10 000
verschiedene bioaktive Wirkstoffe vermutet. Jedoch sind
gegenwärtig erst einige Hundert identifiziert. Mit Hilfe elek-
trochemischer Analysen kann man somit den hohen gesund-
heitlichen Wert eines Lebensmittels feststellen, auch wenn
man die Natur der oder des Inhaltsstoffes gar nicht kennt.
Mit dieser Methode konnte daher ganz eindeutig gezeigt
werden:

Bio-Lebensmittel sind gesünder als konventionelle.

Darum ist Bio besser!


Bio-Lebensmittel sind nicht nur gesünder, sie sind in vieler
Hinsicht besser. Fassen wir doch einmal die Vorteile von
„Bio“ zusammen:

180-7_0001-0192.indd 169 20.08.2008 14:37:44 Uhr


170 Warum Bio gesünder ist

Bio-Anbau schützt die Umwelt


Unumstritten ist, dass die Käufer von Bio-Lebensmitteln täg-
lich zur Verringerung der „Chemiefracht“ in Luft und Was-
ser sowie zur Erhaltung der Artenvielfalt auf unserem Pla-
neten beitragen. Hier wird der Begriff „Nachhaltigkeit“ ernst
genommen, ohne ihn von Anfang an auf die Fahnen zu schrei-
ben. Diese Ansicht vertritt auch das Umweltbundesamt, nach
dessen Meinung der ökologische Landbau weitestgehend dem
Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung entspricht. Dabei
versteht man unter „nachhaltig“, die gegenwärtigen Bedürf-
nisse zu befriedigen, ohne Optionen für die Befriedigung der
Bedürfnisse künftiger Generationen zu beeinträchtigen, sprich
die sogenannte „Enkelfreundlichkeit“. Mit dem Kauf von Bio-
Produkten denkt man – bewusst oder unbewusst – auch an
die nächste Generation und schützt nicht nur seine eigene
Gesundheit. Das Prinzip der „Mehrfachnutzung“ wird hier an-
gewandt.
Eine Studie zeigte, dass die ökologische Landwirtschaft
im Vergleich zur konventionellen 32 Prozent mehr Vögel,
35 Prozent mehr Fledermäuse sowie mehr als doppelt so viele
Wildkräuter pro Fläche aufweist. Außerdem gehören folgende
Vorteile dazu:
 Weniger versiegelte Fläche durch geringeren Flächenbe-
darf für Stallungen
 Keine Gülleseen
 Der Ökolandbau verbraucht um 30 Prozent weniger Energie
und deutlich weniger Wasser. Dadurch werden auch weni-
ger klimaschädliche Gase (zum Beispiel 55 Prozent weniger
Kohlendioxid) produziert. Dies wird unter anderem auf den
geringeren Einsatz von Kraftfutter, weniger dichten Viehbe-

180-7_0001-0192.indd 170 20.08.2008 14:37:44 Uhr


Darum ist Bio besser! 171

satz und energiesparende Wirtschaftsweise zurückgeführt.


Auch energieintensive Lüftungs- und Heizanlagen, die bei
der Massentierhaltung erforderlich sind, hat die ökolo-
gische Landwirtschaft nicht nötig. Zusätzlich entfällt der
Energiebedarf für das Herstellen von künstlichen Pestizi-
den und Kunstdünger, deren Produktion viel Energie ver-
schlingt.
 Bio-Betriebe setzen um 44 bis 85 Prozent weniger Ammo-
niak frei als konventionelle Betriebe. Darauf weist die
Enquête-Kommission des Deutschen Bundestages hin.
Damit wird die Schädigung der Wälder durch dieses Gas
erheblich reduziert. Dagegen beobachtete man ein Wald-
sterben in der Umgebung von Massentierhaltung von Hüh-
nern.
 Der Bodenabtrag oder die -erosion beträgt nur ein Sechs-
tel der konventionellen Landwirtschaft. Die Ursache dafür
ist u. a., dass im Winter die Böden nicht leer und kahl sind,
sondern zum Beispiel mit Ackerfutter als Nachfrucht oder
liegengelassenen Erntepflanzen bedeckt sind. Dies verhin-
dert, dass der Boden im Winter weggeweht wird, um nur
eine Folge der kahlen Böden zu erwähnen.
 Schon seit langem weiß man, dass durch ökologische
Landwirtschaft die Bodenorganismen gefördert werden.
Sie verbessern die Luftführung im Boden und machen ihn
fruchtbarer. Gefördert wird das Ganze durch ausgewo-
gene Fruchtfolge und organischen Dünger wie Stallmist,
Ernterückstände oder Kompost. Die Nährstoffe im Boden
werden durch die Tätigkeit der Bakterien, Pilze und ande-
ren Mikroorganismen besser verfügbar, die Bodenfrucht-
barkeit wird erhöht.

180-7_0001-0192.indd 171 20.08.2008 14:37:44 Uhr


172 Warum Bio gesünder ist

 Mit der Bio-Landwirtschaft sind generell auch Aufgaben


im Umwelt- und Naturschutz verbunden. Eine umwelt-
freundlichere Landwirtschaft gibt es nicht.
 Dabei ist die regionale Vermarktung die umweltfreund-
lichste. Sobald die neue Bio-Verordnung Anfang 2009 in
Kraft tritt, müssen Produkte den Vermerk tragen, ob die
Zutaten aus dem EU-Raum stammen oder nicht. Dass dies
nicht immer möglich ist, erkennt man an Ananas, Tee oder
Kaffee. Lebensmittel, die auch bei uns gedeihen, werden
am umweltfreundlichsten regional vermarktet, dies wird
dann leichter erkennbar. Durch den Transport mit dem
Flugzeug aus Südafrika entstehen pro Kilogramm Trau-
ben elf Kiolgramm Kohlendioxid zusätzlich! Regionale
Produkte verhindern, dass unnötigerweise Abgase in die
Umwelt gelangen, und schützen damit Mensch und Tier.

Ökologischer Anbau schützt das Trinkwasser,


das Wasser generell und die Luft
 Der Öko-Landbau führt zu geringeren Pestizid- und Nitrat-
auswaschungen. Das dient der Reinhaltung des Grund- und
Oberflächenwassers. Einige Wasserwerksbetreiber (zum
Beispiel München) unterstützen im Einzugsbereich ihres
Trinkwassers den Umstieg auf ökologische Landwirtschaft
finanziell.
 Auch durch die Verwendung von Naturheilverfahren gelan-
gen weniger Medikamentenrückstände ins Grundwasser
und die Böden.
 Fließgewässer und Seen werden in der Umgebung von
Bio-Landwirtschaft nicht mit Pestiziden und Kunstdünger
belastet.

180-7_0001-0192.indd 172 20.08.2008 14:37:44 Uhr


Darum ist Bio besser! 173

 Bio-Lebensmittel tragen zum Hochwasserschutz bei, weil


Bio-Bauern den Humusgehalt ihres Bodens fördern und
der Einsatz von schweren Maschinen, die den Boden ver-
dichten, begrenzt ist. Damit kann das Regenwasser vom
Boden besser aufgenommen werden.

Bio-Anbau fördert die einheimische Wirtschaft


und schafft interessante Arbeitsplätze
Durch ökologischen Anbau wird der Tendenz zu immer grö-
ßeren Betrieben und dem Sterben der kleinen und mittleren
Betriebe entgegengewirkt, zum Beispiel durch Einsatz hei-
mischer Futtermittel, womit einheimische Wirtschaft und
Arbeitsplätze gefördert werden, und durch artgerecht Tier-
haltung, die mehr Arbeitskraft benötigt.
Bio-Lebensmittel werden arbeitsintensiver produziert – das
erzeugt weitere Arbeitsplätze. Beim Anbauverband Bioland
entstanden durch Umstellung auf ökologische Landwirtschaft
60 Prozent mehr Arbeitsplätze für Familienangehörige, feste
Mitarbeiter und Auszubildende. Auch im nachgelagerten Ge-
werbe (Verarbeitung, Vertrieb etc.) entstanden ebenfalls neue
Jobs: in vier Jahren 30 Prozent und 150 Prozent mehr Aus-
bildungsplätze. Aufgrund der aufwändigen Wirtschaftsweise
werden im Bio-Anbau allein schon Hunderte bis Tausende
qualifizierter Berater benötigt. Dazu kommen Tausende von
Kontrolleuren, die darüber wachen, dass alle Vorschriften des
ökologischen Landbaus eingehalten werden.
Für die Bio-Landwirtschaft werden modernste Erkenntnisse
der Biologie, Forst- und Agrarwirtschaft eingesetzt. Die natür-
lichen Regelungsmechanismen zu verstehen, bedeutet für den
Bio-Bauern einen anspruchsvollen Arbeitsplatz.

180-7_0001-0192.indd 173 20.08.2008 14:37:45 Uhr


174 Warum Bio gesünder ist

Bio-Lebensmittel schmecken besser


In der Regel wird dies von „Bio-Kost-Gegnern“ bestrit-
ten. Jedoch wurde inzwischen gezeigt, dass man anhand
wissenschaftlicher Untersuchungen mittels Gas-Chroma-
tografen (ein Analysegerät für minimale Konzentrationen
zum Beispiel an Aromastoffen) feststellen kann, ob ein und
dieselbe Pflanzenart künstlich oder organisch gedüngt
wurde. So optimiert eine Bohne bei organischer Düngung,
wie es für Bio-Lebensmittel angewendet wird, ihr typisches
Geschmacksmuster. Dagegen neigen Kohlgewächse bei star-
ker mineralischer Stickstoff-Düngung mitunter zum Stinken.
Es scheint also etwas dran zu sein am besseren Geschmack.
In Futterwahlversuchen zeigte sich immer wieder, dass Tiere
zwischen Nahrungsmitteln aus den verschiedenen ökolo-
gischen und den konventionellen Anbausystemen unter-
scheiden und solche aus ökologischem Anbau bevorzugen.
Auch „deutlich höhere Aufzuchterfolge“ wurden bei biolo-
gisch gefütterten Tieren beobachtet. Man führt dies auf Stär-
kung des Immunsystems gegenüber gesundheitsschädlichen
Wirkungen von Pestiziden auf Embryos sowie auf wertvollere
Inhaltsstoffe in Bio-Kost zurück.

Weniger Risiko bei höherer Qualität


Für kein Lebensmittel ist die Kontrolle so streng wie für Bio-
Lebensmittel, und die Herkunft der Produkte ist nachvoll-
ziehbar. Teure Risikoforschung und andere Kostenfaktoren
entfallen. Ein Test auf Qualitätsmerkmale wie Geschmack,
physiologische Wirkung (bedeutet etwa: Wirkung auf den
Körper), Haltbarkeit und Energiestatus ergab bei Bio-Pro-
dukten prinzipiell eine höhere Qualität.

180-7_0001-0192.indd 174 20.08.2008 14:37:45 Uhr


Darum ist Bio besser! 175

Immer wieder hört man, dass „Bio“ nicht alle ernähren könne.
Tatsächlich liefert der ökologische Anbau um bis zu einem
Drittel geringere Erträge als der konventionelle Anbau. Jedoch:
Den unwahrscheinlichen Fall angenommen, dass alle umstel-
len würden, entspräche der Rückgang in etwa der Menge der
Agrarüberschüsse, die in der EU immer noch anfallen und
teuer „unter die Menschheit“ gebracht werden müssen.
Laut Marktforschung ist bekannt, dass europäische Verbrau-
cher schmackhafte, sichere, erschwingliche und nahrhafte
Lebensmittel wollen, die die Umwelt nicht schädigen. Dies
ist am leichtesten mit Bio-Lebensmitteln zu erreichen!
Die biologische Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
schont die Umwelt und das Klima. Sie fördert die Produktivi-
tät der Böden, ermöglicht Nutztieren ein artgerechtes Leben,
steigert die Bio-Diversität des Saatgutes und begünstigt regio-
nale Entwicklungen.
Die EU hat zu Beginn ihrer Aktivitäten erst einmal darauf geach-
tet, dass kein Mensch in den Mitgliedstaaten hungern muss. Das
wollen wir auch gebührend würdigen! Jetzt wäre es aber an
der Zeit, nicht nur wirtschaftliche Interessen zu vertreten, son-
dern darauf zu achten, dass die Menschen alle gesunde Nah-
rungsmittel bekommen von hoher Qualität! Bis das soweit ist,
können Sie Politik mit Ihrem Einkaufszettel machen. Fragen Sie
immer wieder nach, wo denn die gesunden Lebensmittel stehen
und warum Sie nicht erfahren, wie viele Pestizide Sie auf Ihrem
Obst oder Gemüse finden, um nur ein Beispiel zu nennen.
Bio-Lebensmittel sind das Beste, was wir haben! Sie sind
nicht nur das Beste für die Natur und die Tiere sowie für die
nächste Generation, sie sind auch die gesündesten Lebens-
mittel für uns!

180-7_0001-0192.indd 175 20.08.2008 14:37:45 Uhr


176

Anhang
Hilfreiche Adressen,
auch aus dem Internet
Bundesrepublik Hier finden Sie auch unter „Trans-
Deutschland gen“ das Internet-Informationssys-
Verlässliche Informationen tem zur Gentechnik.
über Bio-Produkte und gesunde Stiftung Ökologie & Landbau
Ernährung erhalten Sie bei fol- (SÖL)
genden Adressen: Weinstraße Süd 51
Bundesverband der Verbrau- 67098 Bad Dürkheim
cherzentralen und Verbrau- Telefon: 06322 989700
cherverbände www.soel.de
Markgrafenstraße 66 Sie engagiert sich für die Weiterent-
10969 Berlin wicklung des ökologischen Landbaus.
Telefon: 030 258000 Werkstätten für Behinderte
E-Mail: info@vzbv.de www.gruene-werkstatt.de
www.agv.de Lebensmittel wie Kräuter,
Von da erhalten Sie die Verbraucher- Kartoffeln, Sekt, Tee, Saft etc.
zentralen in den jeweiligen Bundes- in Bioqualität bundesweit.
ländern und in Ihrer Nähe.
www.oekolandbau.de
Die Verbraucher Initiative e. V. Informationen rund um Bio
Büro Berlin für Erwachsene und Kinder.
Elsenstraße 106
12435 Berlin www.bundesprogramm-
Telefon: 030 5360733 oekolandbau.de
E-Mail: mail@verbraucher-ini.de Telefon: 0228 68453280

180-7_0001-0192.indd 176 20.08.2008 14:37:45 Uhr


Hilfreiche Adressen, auch aus dem Internet 177

Informationen über das Bundespro- Einkaufsmöglichkeiten für


gramm Ökologischer Landbau von Bio-Produkte im Internet
der Bundesanstalt für Landwirtschaft www.allesbio.de
und Ernährung (BLE), Bonn. Alles zum Bioeinkauf: Adressen von
Bio-Landwirten, Direktvermarktern,
www.bfr.bund.de Öko-Betrieben, Hofläden, Bio-Gärt-
Bundesinstitut für Risikobewertung nereien, -Metzgereien, -Bäckereien,
(BfR) Großhändler, Wochenmärkte,
www.bzga.de Naturprodukteversand.
Bundeszentrale für gesundheitliche www.naturkost.de
Aufklärung (BzgA) Ausführliche und interessante
Informationen zu Naturkost, auch
www.bio-siegel.de
Warenkunde, Anschriften, Herstel-
Internetseiten des deutschen
ler- und Bezugsadressen für Bio-Pro-
Bio-Siegels.
dukte mit Versandhandel, Biokiste.
Für kritische Verbraucher www.oekotest.de
www.greenpeace.de/ Rund 9500 Anbieter von Bio-Pro-
einkaufsnetz dukten, Party-Services, Versand-
firmen und Supermärkte.
www.foodwatch.de
Telefon: 030 2404760 www.eco-world.de
Foodwatch e. V. Berlin entlarvt nicht Adressen von Naturkosterzeugern
nur Werbelügen und bezieht kritisch – von Bio-Lebensmitteln aller
Stellung zu Bio-Produkten. Vor allem Art, Restaurants, Bio-Adressen
legt sie den Finger in offene Wunden vom Abfallrecycling über Bücher,
und zeigt Skandale in der Ernäh- Catering bis hin zu Zimmereien. In
rungsbranche auf. Print-Form findet man ECO World
als „Das alternative Branchenbuch“
sowohl regional als auch in ganz
Deutschland.

180-7_0001-0192.indd 177 20.08.2008 14:37:45 Uhr


178 Anhang

www.lfl.bayern.de/iem/oeko/ Demeter
Hier können Sie den Inhalt der euro- Brandschneise 1
päischen „Öko“- oder „Bio“-Verord- 64295 Darmstadt
nung einsehen und herunterladen. Telefon: 06155 84123
www.demeter.de
http://demonstrationsbetriebe.
oekolandbau.de ECOVIN Bundesverband
Einblicke in die Arbeit auf einem ökologischer Weinbau (BÖW)
echten Bio-Hof erhalten Sie durch Ecovin Baden
die ausgewählten Demonstrations- Poststraße 17
betriebe. 79384 Heitersheim
Telefon und Fax: 07634 552818
Verbände der Ökologischen
Gäa
Landwirtschaft
Am Beutlerpark 2
in Deutschland
01217 Dresden
Biokreis e.V.
Telefon: 0351 4012389
Stelzlhof 1
www.gaea.de
94034 Passau
Telefon: 0851 756500 Naturland
E-Mail: biokreis@t-online.de Kleinharderner Weg 1
83166 Gräfeling
Bioland-Bundesverband
Telefon: 089 8980820
Kaiserstraße 18
www.naturland.de
55116 Mainz
Telefon: 06131 239790 Ökosiegel
E-Mail: info@bioland.de, Barnserring 1
www.bioland.de 29581 Gerdau
Telefon und Fax: 05808 1834
Biopark
Karl-Liebknecht-Straße 26
19395 Karow
Telefon: 038738 70309
www.biopark.de

180-7_0001-0192.indd 178 20.08.2008 14:37:45 Uhr


Hilfreiche Adressen, auch aus dem Internet 179

Unter der Rubrik Essen & Trinken


EU-Rechte zur
findet man viel über Pestizide und
Landwirtschaft Lebensmitteltests.
http://europa.eu.int/eur-lex/
de/lif/ind/de_analytical_ www.gentechnik.gv.at
index_03.html Informationen rund um die
Gentechnik.
Österreich
www.biolebensmittel.at/ Schweiz
Unabhängige Website für alle an KonsumentInnenforum
biologischer Ernährung interessierten Schweiz
Konsumentinnen und Konsumenten. kf Postfach 294
CH 8037 Zürich
www.bio-austria.at
Telefon: +41 1 344 50 60
Dachverband der Bio-Verbände
www.konsum.ch
Österreichs. Die Eigentümer sind die
Bio-Bauern Österreichs. Dort erfah- Stiftung für Konsumenten-
ren Sie auch von der Gentechnikfrei- schutz (SKS)
heit im österreichischen Bio-Anbau. Monbijoustraße 61
www.bioinfo.at CH 3007 Bern
Alle Infos zu Bio in Österreich Telefon: +41 31 3702424
www.konsument.at/seiten/p258. www.konsumentenschutz.ch
htm Durchführung von Tests,
Ratgeberbroschüren etc.
Verein für Konsumentenin-
formation (VKI) Wien Bio Suisse
Telefon: +43 1 588770 Margarethenstraße 87
CH 4055 Basel
www.akwien.or.at/ Telefon: +41 61 3859611
Lebensmittelsicherheit www.bio-suisse.ch
AK-Arbeiterkammer Wien Dachverband mit über 30 Bio-
Abteilung Konsumentenpolitik landbau-Organisationen und über
A 1041 Wien 5000 biologisch produzierenden
Telefon:+43 1 501652721 Landwirtschaftsbetrieben.

180-7_0001-0192.indd 179 20.08.2008 14:37:46 Uhr


180 Anhang

Lexikon: Fachbegriffe leicht zu verstehen


ADI (acceptable daily intake = akzeptable tägliche Auf-
nahme) oder ATD-Wert (annehmbare Tagesdosis)
Weltweit einheitlich erarbeiteter Wert der WHO (Welt-
Gesundheitsorganisation) und FAO („Food and Agriculture
Organization of the United Nations“ = Ernährungs-Orga-
nisation der Vereinten Nationen) bezüglich der Giftigkeit
eines Stoffes, ausgehend vom sogenannten NOAEL-Wert (no
observed adverse effect level), angegeben in mg/kg Körper-
gewicht, ermittelt im Tierversuch und nochmals durch 100
bzw. 1 000 geteilt. Man geht dabei davon aus, dass es für jede
Substanz eine Schwelle gibt, unter der sie den Körper unbe-
helligt wieder verlässt und keinen Schaden beim Menschen
anrichtet. Summen- und Wechselwirkung zwischen den
erlaubten Restmengen verschiedener gefährlicher Chemika-
lien sowie synergistische (sich gegenseitig verstärkend) Wir-
kungen werden dabei außer Acht gelassen. Diese Risiken sind
derzeit nicht bekannt. Man vermutet jedoch, dass sie an der
Zunahme von Allergien und Krebserkrankungen zumindest
mit schuld sind.

Antioxidans (Mehrzahl: Antioxidanzien)


Schutzstoffe, die schädliche Reaktionen vom umgebenden
Sauerstoff, seinen Verbindungen und die des Stickstoffs mit
Fettbestandteilen (auch Cholesterin) von Lebensmitteln und
Körpersubstanzen behindern. Auch die äußerst reaktions-
freudigen „freien Radikale“ (siehe Radikale, freie) können
sie unschädlich machen. Von Seiten der Wissenschaft wird
angenommen, dass Antioxidanzien die Risiken von Krebs
und Herzerkrankungen herabsetzen, die zum Beispiel in

180-7_0001-0192.indd 180 20.08.2008 14:37:46 Uhr


Lexikon 181

Deutschland und Großbritannien zu den Haupttodesursa-


chen zählen.

Bioaktive Substanzen
Spezielle Nahrungsinhaltsstoffe ohne Nährstoffcharakter
(ohne Fett, Eiweiß, Kohlenhydrate, Vitamine, Mineralstoffe,
Spurenelemente). Im allgemeinen werden darunter Ballast-
stoffe, sekundäre Pflanzenstoffe sowie Substanzen in fer-
mentierten, d. h. milchsauer vergorenen Lebensmitteln (wie
Joghurt, Käse, Sauerkraut), verstanden. Man vermutet, dass
einige ernährungsabhängige Krankheiten teilweise die Folge
einer durch die starke Verarbeitung von Lebensmitteln unzu-
reichenden Versorgung mit bioaktiven Substanzen sind.
Diese bioaktiven Wirkstoffe findet man nur in Pflanzen. Sie
haben eine gesundheitsfördernde Wirkung bzw. senken das
Erkrankungsrisiko für Zivilisationskrankheiten, wie zum
Beispiel Krebs. In der Nahrung wirken sie im Vergleich zu
reinen Arzneimitteln nur schwach, jedoch führt eine kon-
tinuierliche Zufuhr zu einem positiven Einfluss auf die
Gesundheit – ohne unerwünschte Nebenwirkungen.

Enzym
Eiweißkörper, der als Biokatalysator hochspezifisch einen
biochemischen Prozess im Körper beschleunigt und in eine
vorteilhafte Richtung lenkt.

Omega-3-Fettsäuren
Alpha-Linolensäure, Eicosapentaensäure (EPA) und Docosa-
hexaensäure (DHA), gehören zu den essentiellen, das heißt
lebensnotwendigen Fettsäuren. Wir müssen sie über die Nah-

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rung aufnehmen. Sie senken den Blutfettspiegel sowie den


Blutdruck und vermindern dadurch das Risiko der Entste-
hung von Arteriosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Einnahme besser nur nach vorherigem ärztlichen Rat.

Radikale, freie
Sehr reaktionsfreudige, aggressive, instabile Verbindungen,
in der Regel sauerstoffhaltig, die im Körper Zellwand, -be-
standteile und Erbsubstanz schädigen oder sogar zerstören
können. Sie entstehen immer wieder, und obwohl sie sehr
kurzlebig sind (meist weniger als eine Sekunde), wirken sie
in den Zellen äußerst aggressiv. Ihnen fehlt ein sogenanntes
Elektron, das sie versuchen wieder an sich zu reißen – aus
anderen Substanzen und Verbindungen. Treffen sie dabei
auf Erbinformationen, können sie deren Informationsgehalt
ändern. Dadurch kann eine möglicherweise krebsauslösende
Mutation (Erbgutveränderung) entstehen, die auf diejenigen
Zellen, die aus der ursprünglichen hervorgehen, vererbt wer-
den kann. Sie sind u. a. an der Entstehung von Krebs beteiligt
und lassen den Körper altern. Sie werden im Körper selbst
gebildet oder von außen zugeführt, zum Beispiel über die
Nahrung, Tabakrauch, bestimmte Arzneimittel, wie zum
Beispiel dem fiebersenkenden Paracetamol, oder Umwelt-
gifte der Luft bzw. Abgase. Auch durch den Einfluss von UV-
Licht (Sonnenbaden), Stress und radioaktiven Strahlen entste-
hen sie. Nicht nur bei Rauchern, auch bei Vielfliegern lassen
sich größere Mengen freier Radikale feststellen.
Der Mensch hat bestimmte Schutzmechanismen entwi-
ckelt, um diese aggressiven Teilchen zu „entgiften“. Durch
die moderne Lebensweise mit ihren vielen Belastungen, wie

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Lexikon 183

dem Stress oder Umweltschadstoffe, werden freie Radikale


jedoch oftmals in solchen Mengen erzeugt, dass der Körper
ohne Unterstützung nicht mehr damit fertig wird. Einige
Antioxidanzien (siehe oben), wie zum Beispiel Vitamin C
und E, verhindern die Reaktionen der Radikale, indem sie
sie chemisch verändern. Andere Antioxidanzien wie zum
Beispiel zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe, das Spurenele-
ment Selen sowie die Vitamine C und E binden dagegen freie
Radikale und werden deshalb als Radikalfänger bezeichnet.
Da die Radikale meistens Sauerstoff enthalten und eine Reak-
tion mit Sauerstoff chemisch als Oxidation bezeichnet wird,
nennt man die Radikalfänger auch Antioxidanzien.

Sekundäre Pflanzenstoffe
Im Allgemeinen handelt sich um eine Fülle chemisch sehr
unterschiedlicher Verbindungen, die nur in sehr geringen
Konzentrationen (maximal bis zu einigen Gewichtsprozenten
aller Inhaltsstoffe, den Wassergehalt bereits abgezogen) aus-
schließlich in Pflanzen vorkommen und beim Menschen eine
medizinische Wirkung ausüben und Bestandteil zahlreicher
Arzneimittel sind. Die Pflanze benötigt sie nicht unbedingt
zum Überleben, und wenn wir sie nicht zu uns nehmen,
führt dies nicht zu akuten Mangelerscheinungen. Isst man sie
jedoch nicht, erhöht sich nach gängiger wissenschaftlicher
Meinung langfristig das Risiko, bestimmte Krebsformen zu
entwickeln. Personen, die sich vollwertig ernähren, nehmen
automatisch viele dieser gesundheitsfördernden Substanzen
auf. Man geht davon aus, dass man mit einer gemischten
Kost ca. 1,5 g pro Tag davon zu sich nimmt. Es gibt mehr als
30 000 verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe, etwa 40 Pro-

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zent davon sind erst bekannt. Von Weißkohl kennt man zum
Beispiel mindestens 49 verschiedene. Über ihr Zusammen-
spiel weiß man noch fast gar nichts.
Sekundäre Pflanzenstoffe werden von der Pflanze gebildet,
um die unterschiedlichsten für sie nützlichen Funktionen
zu erfüllen, zum Beispiel: Abwehr gegen Schädlinge und
Krankheiten. So schützen etwa Bitterstoffe davor, gefressen
zu werden. Aber auch Wachstumsregulation, Farbgebung,
Anregung, um Tiere (in diesem Falle auch Menschen) dazu zu
bringen, Früchte zu essen und damit die enthaltenen Samen
zu verbreiten, gehören dazu und sie beeinflussen als Duft-
und Geschmacksstoffe die Nahrungsauswahl von Mensch und
Tier.

Vollspaltenböden
Betonbalken mit Lücken im Viehstall, durch die die Ausschei-
dungen der Tiere in einen darunter liegenden Schacht fallen,
so dass man nicht ausmisten muss.

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190 Anhang

Verbraucher-Zentrale Hamburg e. V. (Hrsg.): „Was bedeuten die


E-Nummern? Lebensmittel-Zusatzstoffliste“. 64. Auflage 06
Verbraucherzentrale Hamburg e. V.: „Einkaufsfalle Supermarkt“
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Deutscher Naturschutzring (DNR): „Warum BIO nicht gleich BIO
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Vox Wissenshunger: „Großmarkthalle Hamburg“ mit Küchenkräu-
tern und Obst, 1/08
Vox, Wissenshunger: „Gelatine – Farbloser Wunderleim“, 1/08

180-7_0001-0192.indd 190 20.08.2008 14:37:47 Uhr


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Medizin & Gesundheit D R . A

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Die Autorin: Dr. Andrea Flemmer, Dipl.-Biologin, Fachautorin für
Gesundheitsthemen, hat die Titel „Die Vitaminlüge“, „Essen ohne Risiko,
Bio – Die Alternative“ und „Schadstofffalle Supermarkt“ veröffentlicht.

DR. ANDREA FLEMMER


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