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Wissen Thieme

Überleben bei ALS?


Kiefersanierung und Ausleitung mit Chelatbildnern können die Lebensqualität verbessern
und das Überleben verlängern

Autor
Joachim Mutter ZU SAM M E N FA S S U N G
Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten belegen einen Zusammenhang
Schlüsselwörter zwischen Schwermetallbelastungen und neurodegenerativen Erkran-
Amyotrophe Lateralsklerose, ALS, Ausleitungstherapie, Amalgam, kungen wie ALS. Immer wieder in der Diskussion sind Zahnfüllungen
Quecksilber, Chelattherapie, Kiefersanierung aus Amalgam, die in Deutschland trotz vielzähliger gegenteiliger Belege
noch immer als unschädlich eingestuft werden. Die WHO hat diese
Bibliografie bereits 1991 als Hauptquelle für Quecksilberbelastungen eingestuft.
DOI https://doi.org/10.1055/a-0920-7970
OM – Zs. f. Orthomol. Med. 2019; 17: 28–38 Für ALS gibt es bislang keine kurative Therapie, die Prognose ist in
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York den meisten Fällen sehr ungünstig. Eine Ausleitungstherapie mit
ISSN 1611-5562 Chelatbildnern hat sich als nicht schädlich, sondern vielmehr lebens-
rettend und ursächlich gezeigt, was internationale wissenschaftliche
Arbeiten bestätigen.

▶Abb. 1 Amalgamzahnfüllungen sind trotz ihres Schadenspotenzials in Deutschland immer noch weit verbreitet. Foto: pictoores/Adobe Stock

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Die amyotrophe Lateralsklerose (ALS) hat eine ausgespro-
chen ungünstige Prognose. Kurative Therapieoptionen auf. Fünf Amalgamfüllungen wurden über die Jahre
existieren bislang nicht. In der internationalen wissen- bis 2017 ohne Schutz entfernt. Erst im Dezember
schaftlichen Literatur finden sich zahlreiche Belege, dass 2018 erfolgte die Entfernung der Restplomben bei
Schwermetall- und insbesondere Quecksilberbelastungen einer Zahnärztin. Danach ging es dem Patienten
eine Rolle für das Auftreten der Erkrankung spielen kön- neurologisch deutlich schlechter. Zudem hatte er
nen. Trotz zahlreicher wissenschaftlicher Belege für deren zwei Wochen lang Panikattacken sowie Zuckungen
Schadenspotenzial sind Amalgamzahnfüllungen in in Hals und Mund. Im April 2017 befand sich der
Deutschland noch immer verbreitet und werden in der aktive Triathlet in einem Trainingslager im Ausland.
konventionellen Zahnmedizin als unbedenklich eingestuft. Eine familiäre ALS wurde ausgeschlossen.
Mechanische Manipulationen wie das Aufbohren und Ent- Der Patient wohnt in einer Mehrfamilienwohnung
fernen können zu gefährlichen Quecksilberexpositionen und hat neben der eigenen Nutzung von WLAN,
führen. Zusammenhänge mit dem Auftreten neurodege- Handy und DECT auch eine Belastung durch hochfre-
nerativer Erkrankungen sind in der Literatur hinreichend quente elektromagnetische Felder durch die Hand-
beschrieben. Ausleitungstherapien mit Chelatbildnern ynutzung seiner Familie und die DECT, WLAN und
werden sowohl in der Literatur als auch aus der langjähri- Handynutzung seiner Nachbarn. Zudem befindet
gen Erfahrung des Autors als ursächliche und nicht sich in 500 m Entfernung von seiner Wohnung ein
lediglich symptomatische oder palliative Therapieoption Mobilfunkturm.
angewendet, auch wenn diese in der konventionellen Im Oktober 2018 erfolgte eine Influenza-Impfung.
Medizin nicht etabliert ist. Bis 2017 ergänzte der Patient seine Ernährung auch
mit Sportlernahrung, die häufig Aspartam als Süß-
Der vorliegende Artikel basiert auf Gutachten des stoff enthalten. Im Jahr 2015 erfolgte wegen eines
Autors, um die Kostenübernahme einer ursächlichen entzündete Zeckenstichs eine Antibiotikagabe.
Therapie bei ALS ambulant in der Praxis und in einer Spe- Fall 2
zialklinik durch die Krankenkassen für die Fälle der Die 1958 geborene Patientin kam erstmals im
geschilderten Patienten zu erreichen. Diese Publikation November 2016 in Behandlung. Es besteht seit eini-
soll auf unbekannte, aber häufige Ursachen von ALS, gen Jahren eine peripher betonte Motoneuronener-
aber auch Therapiemöglichkeiten aufmerksam machen, krankung (MND). Dabei bestehen nur
um einerseits präventiv und therapeutisch für Patienten Kraftminderungen in der rechen Hand, dem linken
und Ärzte eine Hilfestellung und andererseits gegenüber Fuß, der linken Hand, des rechten Beins. Weiterhin
Behörden eine Argumentationsgrundlage zu geben. treten Krämpfe der Beine und Hände auf. Nebenbe-
fundlich besteht ein langjähriger Bluthochdruck,
Es werden exemplarisch drei von mehreren hundert Fäl- eine Kniearthrose, Erhöhung von Lp(a) und kalte Ext-
len von ALS-Patienten beschrieben, deren wahrscheinli- remitäten. Eine familiäre MND wurde
che Ursache für die ALS-Erkrankung eine vermehrte ausgeschlossen.
Quecksilberexposition bildet. Kurz bevor die ersten Symptome der ALS begannen,
hatte die Patientin während eines Urlaubs vermehrt
Kaugummi gekaut bei seit der Kindheit bestehenden
DREI E X EMPL ARISCHE FÄLLE Amalgamfüllungen.
Fall 1 Einen Monat vor dem Ersttermin stellte sie ihre
Bei dem 1966 geborenen Patienten traten erstmals Ernährung selbstständig nach dem Buch „Grün
4/2017Muskelzuckungen an der linken Köperseite essen“ um. Innerhalb von 2 Wochen normalisierte
auf. Diese gingen ab 2/2018 in eine Kraftminderung sich ihr Bluthochdruck, den Blutdrucksenker (AT1-
der linken Hand über. Ab 5/2018 wurde auch das Antagonist) setzte sie daraufhin ab. Zudem hatte sie
linke Bein schwächer, sodass ein Neurologe aufge- wieder mehr Kraft in der rechten Hand. Im Mund
sucht wurde. Bei weiterer Progredienz und beginn- befanden sich neben zahlreichen Amalgamfüllungen
ender Schwäche des rechten Arms und Beins wurde ein wurzeltoter Zahn und eine Palladiumkrone.
im November 2018 die gesicherte Diagnose einer Fall 3
ALS gestellt. Bis Januar 2019 kamen zusätzlich deut- Bei der 1948 geborenen Patientin bestand eine spo-
liche Probleme beim Sprechen, leichte Ein- radische Motoneuronerkrankung. Eine familiäre
schränkungen der Atmung und Ödeme der linken Genese wurde verneint. Die ersten Symptome wur-
Hand hinzu. den nach Angaben der Patientin im Juli 2013
Der Patient trägt 10 Amalgamfüllungen seit seiner bemerkt, zuerst mit Schwäche des rechten Arms,
Kindheit, die mehrmals gewechselt worden waren. später wurde auch der linke Arm paretisch. Ab 6/
Zusätzlich wurde eine Goldkrone eingesetzt. Bis 12/ 2014 kamen bulbäre Symptome (Atmung, Spre-
2018 bestanden zwei wurzelbehandelte Zähne. Bei chen) hinzu. Wegen zusätzlichen Problemen beim
deren Entfernung trat der Geruch nach faulen Eiern Treppensteigen und weiterer Progredienz wurde

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schädliche Funkstrahlung um das mehrhundertfache


nach mehreren Arztbesuchen in einer Universitäts- durch Antennenfunktion [5–15].
klinik im August 2015 die Diagnose der ALS gestellt.
Der Symptombeginn (7/2013) trat interessanter- Das im Blut vorhandene monoatomare Quecksilber
weise anamnestisch überlappend mit zwei Impfun- gelangt in alle Organe, insbesondere in die Hauptzielor-
gen (Tollwut, Typhus) wegen eines gane Zentralnervensystem und Niere. Dort gelangt es
Asienaufenthaltes auf. mühelos durch die Lipiddoppelmembran in die Neuronen
Ebenfalls kurz vor Symptombeginn unterzog sie sich und Zellorganellen (z. B. Peroxisomen, Mitochondrien) und
einer Zahnbehandlung. Es wurden bei seit 1979 be- wird durch intrazelluläre Enzyme (Katalase) zum hochgifti-
stehenden Amalgamfüllungen drei Titanimplantate gen Quecksilberion (Hg2+) oxidiert. Hg2+ bindet mit
gesetzt und mit Goldkeramikkronen versorgt. höchster Affinität sofort an Strukturen in den Nervenzel-
Zudem erfolgte eine Wurzelkanalbehandlung. Wie len, insbesondere Enzyme, Tubulin, DNA, Membrankanäle
oft die seit über 30 Jahren vorhandenen Amalgam- und Ionenpumpen. Diese Moleküle werden dabei irreversi-
füllungen gewechselt oder poliert wurden, konnte bel denaturiert und zerstört. Das Quecksilber bleibt darin
nicht eruiert werden. gebunden und wird nicht mehr freigesetzt, weswegen es
sich über die Zeit der Exposition (z. B. dem jahrzehntelan-
gen Tragen von Amalgamfüllungen) immer mehr anrei-
chert (Kumulationsgift = Speichergift). Die Halbwertszeit
Rolle von Quecksilber aus Amalgam im Gehirn beträgt deswegen mehrere Jahrzehnte.
Amalgam besteht zu über 50 % aus metallischem Queck-
silber.Aus der wissenschaftlichen Literatur ist bekannt, Messbarkeit der Quecksilberbelastung im Körper
dass nach Manipulationen an Zähnen und Kiefer kurzzei- Die Quecksilberwerte im Urin oder Blut korrelieren daher
tig mehrfache bzw. mehrhundertfache Mengen an auch nicht mit der Quecksilberbelastung der Körperor-
Quecksilberdampf und zudem feine Amalgampartikel gane oder noch weniger mit der des Gehirns [2][16][17].
freigesetzt werden. Quecksilberdampf wird in der Lunge
zu 100 % in das Blut resorbiert (wegen des Totraums wer- Deshalb sind Studien, die Quecksilber in Körperflüssigkei-
den 20 % wieder exhaliert). ten messen, nicht geeignet zur Abschätzung des tat-
sächlichen Quecksilbergehalts in den Körperorganen und
Die freigesetzten und inhalierten tausenden Amalgam- den schädlichen Effekten. Es ist sogar so, dass Personen,
partikel gelangen in den Bronchial- und teilweise bis in die genetisch bedingt schlechter entgiften können (z. B.
den Alveolarraum, verbleiben dort und geben ständig Deletion der GST-M1, GST-P1, GST-T1, NAT2, SOD1,
Quecksilberdampf ins Blut ab [1]. SOD2, ApoE4-Genotyp) bei gleicher Quecksilberauf-
nahme eher krank werden und niedrigere Quecksilber-
Auf diese Weisen gelangt das elementare Quecksilber in werte in Blut und Urin oder Haar zeigen können,
alle Körperorgane, inklusive Gehirngewebe, lagert sich dort während in Gehirn oder Niere höhere Werte messbar
ab und reichert sich an. Quecksilberdampf wird sehr leicht sind, im Vergleich zu guten „Entgiftern“.
in die Nervenzellen und Motoneurone aufgenommen.
Dies erklärt auch die individuell unterschiedliche Emp-
Die Quecksilberdampfmengen nach Amalgammanipula- findlichkeit gegenüber Schadfaktoren wie Zigaretten-
tionen liegen laut [2] bei Spitzenwerten um 3 mg/m³. rauch, Dioxin, Medikamente, Asbest, Lösemittel usw.
Diese Werte liegen sogar über den alten, von der WHO
(1980) festgelegten Grenzwerten für die kurzfristige Vermehrte Quecksilberaufnahme durch mechanische
Exposition von quecksilberexponierten Arbeitern (0,5 mg/ Manipulationen an Amalgamzahnfüllungen und
m³) [3] und auch über dem in der TGRS900 festgelegten verstärkte Giftigkeit durch potenziell giftige
Wert für kurzzeitig zulässige Überschreitungen von Impfbegleitstoffe?
0,8 mg/m³ und bei weitem über den aktuellen Werten Nach über 20 Jahren Erfahrung mit Patienten, die an neu-
von 0,0001 mg/m³ bei denen noch eine schädigende Wir- rologischen und neurodegenerativen Erkrankungen leiden,
kung beobachtet werden kann [4]. stehen vor dem ersten Auftreten der Krankheitssymptome
häufig Situationen, die zu einer vermehrten Quecksilber-
Aus Amalgam wird allerdings auch ständig verstärkt aufnahme führen. Meist sind es mechanische Manipulatio-
Quecksilberdampf freigesetzt durch Kauen, Knirschen, nen an Amalgamfüllungen oder interessanterweise auch
physische Traumen, heiße und saure Speisen oder dem manche eigentlich sinnvollen Impfungen (besonders
gleichzeitigen Vorhandensein von anderen Metallen (z. B. gegen japanische Encephalitis, Tollwut, mehrfache FSME
Gold, Titan), wie auch bei der Patientin, oder durch elekt- oder Hepatitis-B-Impfungen). Diese Impfstoffe enthielten
romagnetische Felder (z. B. Funkstrahlung) oder Magnet- in Deutschland früher, in vielen anderen Ländern bis
felder. Ebenso erhöhen Metallimplantate die potenziell heute, die nicht sinnvolle hochgiftige organische

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Quecksilberverbindung „Thiomersal“ als Konservierungs- Aufgrund der im Internet verfügbaren zusätzlichen Infor-
mittel. Aktuell enthalten zahlreiche Impfstoffe u. a. noch mationen und Therapieempfehlungen gibt es seit einiger
Aluminiumhydroxid oder Aluminiumphosphat in Nanopar- Zeit (schätzungsweise seit ca. 10–15 Jahren) immer
tikelform [19]. mehr „mildere Formen der ALS“, obwohl die ALS-Häufig-
keit offensichtlich zunimmt parallel zur seit Jahrzehnten
Laut einer aktuellen Studie zur Qualitätssicherung bei steigenden globalen Quecksilber- und Funkbelastung
Impfstoffen finden sich pro Impfdosis tausende Nanopar- [21][22].
tikel, die sich als Aluminium, Blei, Wolfram, Silber, Gold,
Titan, Brom, Nickel, Eisen, Silizium, Kupfer, Chrom, Bis- Schulmedizinische Therapieoptionen
mut, Zinn, Zink, Cer etc. erwiesen. Auch fanden sich rote Auch die neue schulmedizinisch empfohlene Therapie in
Blutkörperchen tierischen oder menschlichen Ursprungs. Anfangsstadien der ALS, Infusionen mit dem hochpreisi-
Diese Inhaltsstoffe wurden, außer Aluminium, nicht in gen Enderavone, wirken als Radikalfänger. Dieses Medi-
den Beipackzetteln der Hersteller deklariert. Möglicher- kament hat nur in einer von vier Studien, allerdings bei
weise kamen sie im Herstellungsprozess unbeabsichtigt Therapiebeginn im ALS-Anfangsstadium, eine etwa 30 %
in die Impfstoffe [18]. längere Lebensdauer ergeben. Wegen dieser Daten
wurde es zuerst in Japan, dann auch in den USA und
Aluminium potenziert Giftigkeit von Quecksilber mittlerweile auf Antrag auch bei uns zugelassen. Es ist
Auch wenn Aluminium in Zellversuchen auf Nervenzellen aber noch nicht lange genug auf dem Markt, um die seit
relativ ungiftig wirkt, potenziert es die Giftigkeit von Jahren allgemein längere Lebensdauer von ALS-Patienten
Quecksilber um ein Vielfaches, wenn es gleichzeitig in im Vergleich zu früher zu erklären.
der Zelle vorhanden ist. Auch Testosteron erhöht die
Quecksilbergiftigkeit [19]. Dies könnte die höhere ALS- 1996 wurde das Medikament Riluzol zur Behandlung der
Häufigkeit von Männern erklären. ALS zugelassen und breit angewendet. Es handelt sich
um einen Glutamat-Hemmstoff. Glutamat ist ein aktivi-
erender Neurotransmitter, der im Falle der ALS zu einer
Therapieoptionen bei ALS Übererregung schon geschädigter Motoneuronen führt
Ist bei ALS der bulbäre Bereich betroffen, ist die Lebens- und zu deren früherem Absterben (siehe Glutamaterhö-
dauer deutlich verkürzt im Vergleich zur reinen periphe- hung durch Quecksilber weiter unten). Die Zulassung
ren ALS.Sie beträgt aktuell ca. 2–2,5 Jahre [20]. Vor etwa erfolgte auf der Basis von Daten, die zu einer geringen
20–30 Jahren wurden in den Lehrbüchern der Neurologie Lebensverlängerung führte. Es traten signifikante Neben-
noch kürzere durchschnittliche Überlebensdauern wirkungen auf, wie Übelkeit, Erbrechen und Schwäche.
angegeben. In den Studien brachen 3–6 % der Patienten die Ein-
nahme wegen Leberschädigungen ab [23].
Komplementärmedizinische Therapieoptionen
Durch die Möglichkeiten des Internets, das es früher Riluzol wird daher nicht „gut vertragen“, wie es viele
nicht gab, können sich heute neudiagnostizierte ALS- MDK-Gutachten beschreiben. Und es kann allenfalls, im
Patienten über ihre Krankheit besser informieren und fin- Gegensatz zu vielen anderslautenden MDK-Meinungen,
den unzählige Tipps von Langzeitüberlebenden, z. B. Kie- nur als „palliative“ Therapie gelten und nicht als eine
fersanierung, Ernährungsumstellung, Gabe von Mikro- „wirksame Therapie“ im Sinne einer kurativen Behand-
und Makronährstoffen, Schwermetallentgiftung, Kräu- lung. Denn die behandelten ALS-Patienten sterben in der
terpräparate mit Polyphenolen, Glutathion, Melatonin Regel trotz Therapie.
und allgemein eine gesunde Lebensführung.
Auch in der Onkologie werden bei aussichtlosen Fällen
Diese Therapien werden meist bei Heilpraktikern oder als „palliative“ Therapie z. B. Chemotherapeutika einge-
„Alternativmedizinern“ durchgeführt, meist ohne dass setzt, um die Lebensqualität zu verbessern oder eine
die Patienten ihre behandelnden Neurologen informie- Verlängerung der Lebensdauer zu erreichen. Eine kura-
ren, aus Sorge, dass es zu energieraubenden Diskussio- tive Therapie hat dagegen das Ziel der Krebsheilung und
nen oder gar Ablehnung kommt. Das kann und will sich damit Langzeitüberleben.
der Todkranke nicht leisten. Denn die „Schulmedizin“
steht diesen Maßnahmen eher ablehnend gegenüber, Daher ist es unverständlich, warum Riluzol als „wirksame
zudem besteht keine Expertise in diesen Fachgebieten. Therapie“ bezeichnet wird und dem Medikament der nur
palliative Charakter abgesprochen wird. Vor diesem Hin-
Diesen „alternativmedizinischen“ Maßnahmen ist aller- tergrund existiert derzeit keine wirksame Therapie bei
dings gemeinsam, dass sie oft zu einer markanten ALS, die den Tod verhindert. Allenfalls sind Riluzol und
Reduktion freier Radikale (Sauerstoff- und Nitroradikal- Enderavone palliative Therapieoptionen. Auch ein Sozial-
verbindungen) führen, die als schädliche „Endstrecke“ gericht hat in seinem Urteil begründet, dass eine wirk-
bei ALS als etabliert gelten kann. same schulmedizinische Therapie bei ALS nicht zur

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Verfügung steht (Az: S3 KR72/11). Laut einem Bundever-


fassungsgerichturteil vom 6.12.2005 (Az: 1 BVR 347/98) in das ZNS gelangen kann. Erfahrungsgemäß folgen
müssen alternativmedizinische Therapien bei tödlich darauf meist Verschlechterungen bei neurodegene-
Erkrankten von den Krankenkassen bezahlt werden, rativen Erkrankungen oder diese entstehen erst.
wenn drei Bedingungen erfüllt sind: Funkquellen des Patienten wurden beseitigt (WLAN,
1. Die Erkrankung muss lebensbedrohend regelmäßig DECT, Handy) und durch kabelgebundene Lösungen
zum Tod führen. ersetzt. Der Schlafplatz wurde abgeschirmt.
2. Es besteht keine allgemein anerkannte, nach den Nach zwei Monaten wurde die Entgiftung nur noch
Regeln des medizinischen Standards entsprechende einmal pro Woche durchgeführt. Insgesamt kam es
Therapie zur Verfügung. dabei kontinuierlich zu einer Kraftzunahme des lin-
3. Es gibt Indizien, dass eine nicht ganz fern liegende ken Arms, der linken Hand, der rechten Hand, des
Wahrscheinlichkeit auf Heilung oder eine spürbar linken Beins (ca. 60 % mehr Kraft), einem verbesser-
positive Einwirkung [durch die alternativmedizinische ten Gangbild und verbesserter Sprechfähigkeit
Behandlung] auf den Krankheitsverlauf besteht. sowie einer über 90 %igen Verringerung des Hand-
ödems. Die Therapie ist noch nicht abgeschlossen,
in der Regel werden etwa 50 bis über 100 Entgif-
D I E FÄ L L E tungstage benötigt, um eine ALS zu stabilisieren.
Fall 1 Die meisten Entgiftungen können dabei per os, also
Dem Patienten wurde bei der Erstdiagnose (11/2018) zuhause vom Patienten selbst, durchgeführt wer-
Riluzol empfohlen, das er aber wegen negativer den. Zur Feinausleitung sind dann in späteren Pha-
Berichte im Internet nicht einnahm. Die Erstvorstel- sen die gehirngängigen Ausleitungsmittel Irminix
lung erfolgte im Februar 2019. In den mitgebrachen und Penicillamin sinnvoll. Bei vermuteter Borreliose
Vorbefunden fand sich eine leichtgradige GFR-Minde- werden zuerst Kiefersanierung, Ernährungsumstel-
rung (78ml/min) (wie oft bei Quecksilberbelastung), lung, orthomolekulare Therapie und Ausleitungen
Ferritin war erhöht bei 375 mg/l, CK erhöht, und durchgeführt. Manchmal ergeben sich schon allein
Coproporphyrin relativ erhöht (mögliche Quecksil- dadurch Verbesserungen, sodass eine antibiotische
ber-/Bleibelastung der Niere) sowie serologisch posi- Therapie überflüssig wird. Umgekehrt sind zu früh
tive Reaktion auf Borrelien. eingesetzte antibiotische Therapiemaßnahmen bei
Da der Kiefer ausreichend saniert war und der Pati- nicht „vortherapierten“ Patienten nicht nachhaltig.
ent bereits einen Monat vor Ersttermin von einer Fall 2
anderen Ursachentherapeutin mit untoxischen Im Januar 2017 wurden Amalgamfüllungen und Pal-
Vitalstoffkombinationen substituiert worden war, ladiumkronen sowie eine Brücke entfernt. Es befan-
erfolgte gleich beim Ersttermin die intravenöse den sich noch Amalgamreste unter der Brücke und
Gabe von 4 Amp. DMPS und 4 Amp. DMSA in einer der Krone. Laborchemisch fanden sich relativ erhöhe
Infusion, sowie abschließend die Gabe von Ca-Na- Werte für Coproporphyrin und Uroporphyrin im
EDTA. Zusätzlich wurden separat Liponsäure, Gluta- Urin. Nach DMPS-Gabe waren Kupfer, Nickel, Anti-
thion, Taurin, Carnitin, Magnesium und Procain mon und auch Quecksilber mit 24,2 μg/g Kreatinin
gegeben. erhöht. Die intravenöse Entgiftung wurde zweimal
Direkt nach der Infusion war das Handödem ver- pro Woche hauptsächlich am Wohnort der Patientin
schwunden, die Faszikulationen waren deutlich ver- durch ihre Hausärztin durchgeführt. Schon nach der
mindert. Eine Woche nach der ersten Infusion stellte zweiten Infusion konnte sie die Hände besser bewe-
sich der Patient wieder vor. Er berichtete, dass sich gen und seit Jahren zum ersten Mal wieder joggen.
seine Kraft etwa 2 Tage nach der ersten Ausleitung Bei einem hochauflösenden Spezial-CT des Kiefers
um ca. 10 % gebessert hatte. Die weitere Entgiftung (768 Matrix) fanden sich noch NICO-Areale, die ent-
wurde nun zweimal pro Woche durchgeführt, fernt wurden, mit einer prompten Besserung des
zudem wurden Desferral zur Eisen- und Aluminiu- zuvor jahrelang breiigen Stuhlgangs und einem wei-
mausleitung sowie Lithium, Aderlass, Q10, Taurin, teren Rückgang des schon zuvor gebesserten Blut-
Acetyl-Carnitin, Magnesium, Liponsäure, 5-HTP, hochdrucks. Trotz einem positiven Lymphozyten-
Benfothiamin, Zink, Selen, Indoor-Chlorella, Curcu- Transformationstest auf Borrelien wurden zunächst
min, MSM, Palmiotylethanolamin (PEA) sowie Niacin bei stetiger Besserung durch die Schwermetallent-
oral verordnet. Außerdem wurde die Ernährung giftung keine Antibiotika eingesetzt. Nach etwa 40
nach dem Buch „Grün essen“ [150] umgestellt, mit DMPS-Ausleitungen konnte das Vibrationstraining
der Maßgabe nicht viel Gewicht zu verlieren, da begonnen werden (vorher nicht, da es sonst zur
durch noch vorhandene Quecksilberbelastungen in Quecksilberfreisetzung aus Körperdepots kommen
Körperfettdepots bei Gewichtsabnahme, wie vor kann). Die Patientin war schon 12/2017 in der Lage,
und während der ersten Phase der Entgiftungsthera- 10 km zu joggen, 100 km Rad zu fahren, einbeinige
pie der Fall, vermehrt Quecksilber frei wird und auch Kniebeugen zu machen und ca. 70 Liegestütze. Nun

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wurden Irminix und Penicillamin eingesetzt zur bes- erhöht). Es zeigte sich zudem im LTT eine aktive
seren Entgiftung des ZNS. Insgesamt kam es nach Borrelieninfektion. In der Haarmineralanalyse
54 Desferral-Gaben, 72 intravenösen DMPS-Gaben zeigten sich Kupfer stark und Blei leicht erhöht
und 54 oralen Gaben von Penicillamin sowie 65 g (spiegelt die Belastung in den letzten 3 Monaten
Irminix zu einer weiteren Verbesserung: die Kraft der wieder). Die SOD2 war genetisch homozygot
rechten Hand und des linken Fußes verbesserte sich deletiert (keine SOD2-Aktivität, welche Wasser-
um 50 %, des rechtes Beins um 100 %, Muskel- stoffsuperoxid in den Mitochondrien abbauen
krämpfe waren praktisch verschwunden, der Blut- soll). Der Genotyp von SOD1 war nicht
druck hatte sich normalisiert. Auch die eingeschränkt.
Knieschschmerzen sowie die Durchblutungsstörun- Sechs vor dem Klinikaufenthalt durchgeführte
gen hatten sich um etwa 50 % gebessert (1/2019). DMPS-Ausleitungen erbrachten zunächst eine
Zudem war der Lp(a)-Wert von 105 auf 34 gesun- leichte Besserung. Bei dem zweiwöchigen Klinikauf-
ken. Die eingesetzten Nahrungsergänzungen sind enthalt wurden zweimal pro Woche Ausleitungen
ähnlich wie im Fall 1, also u. a. Lithium anstatt Rilu- intravenös verabreicht, mittels DMPS und DMSA,
tek (nie beides kombinieren!). Zudem wurden Funk- sowie ergänzend reduzierte α-Liponsäure, Carnitin,
quellen reduziert (WLAN, Handy, DECT) und der Taurin, Magnesium, Cholin. Sie bekam die Empfeh-
Schlafplatz wegen eines in 100 m von Haus gelege- lung, nach dem stationären Aufenthalt zinkhaltige
nen Mobilfunksenders abgeschirmt. Die Therapie ist Vitalstoffe, Vitamin-D/K2-Kombinationen, EPA und
noch nicht abgeschlossen. DHA, anorganisches Selen, Q10, Astaxanthin, Lipon-
Fall 3 säure, Curcumin, Acetyl-Glutathion, Palmiotyletha-
Auch dieser Patientin wurden vor dem Ersttermin nolamin, Benfothiamin, B-Komplex, Tocotrienole,
Immunglobuline und Riluzol bei Erstdiagnose Magnesiumglycinat, NAC, SOD einzunehmen.
(8/2015) verbreicht, die Einnahme jedoch aufgrund Ebenso wurde empfohlen, Desferral alle 3 Tage zu
der Nebenwirkungen abgebrochen. Seit Beginn der geben (zur Ausleitung von hohem Körpereisen und
Symptome (7/2013) verlor sie 9 kg Körpergewicht Aluminium) sowie niedrig dosiertes Lithium. Beides
(Freisetzung von Giftstoffen aus Fettdepots?). Es wurde aber erst ambulant am Wohnort der Patientin
bestanden zudem Bluthochdruck und Heuschnup- ab Herbst 2016 begonnen. Nach der ersten DMPS-
fen. Weil die ALS-Erkrankung weiter progredient Gabe in der Klinik im Mai 2016 war Quecksilber mit
war und auch alternative Behandlungsansätze (z. B. 142 μg/g Kreatinin deutlich erhöht (< 50). Auch Kup-
Therapie mit einem Vitamin-D-Rezeptor-Agonisten) fer war erhöht (2180 g/g Kreatinin), was regelhaft
keinen Erfolg erbrachten, hat sich die in Deutsch- bei Amalgam- oder Quecksilberbelastung vor-
land lebende Patientin im Mai 2016 für eine kommt. Wegen erschwerter Nahrungsaufnahme
Behandlung in einer Schweizer Klinik entschieden, wurde eine PEG-Sonde empfohlen, da die Kalorien-
die u. a. auf die Ausleitung von Schwermetallen spe- aufnahme nicht mehr gesichert war. In der Hausarzt-
zialisiert ist. Zuvor wurden zahnärztlicherseits die praxis wurden noch etwa 30 Ausleitungen mit DMPS
Amalgamfüllungen, ein wurzelbehandelter und ent- durchgeführt. Leider wurde die PEG-Sonde nicht
zündeter Zahn, die Titanimplantate sowie zwei angelegt und wegen der erschwerten Nahrungsauf-
NICO/CIBD-Areale (Gebiete mit Knochennekrosen, nahme verlor die Patientin weiter an Gewicht.
die u. a. das Cytokin RANTES bilden) unter Schutz- Infolge einer Aspiration erkrankte sie an einer Lun-
maßnahmen entfernt. Laut Angaben des Zahnarztes genentzündung und verstarb im März 2017 an
waren die Kieferareale, in denen die Titanimplantate Ateminsuffizienz.
gelegen waren, sowie das Gebiet des wurzeltoten
Zahnes schwarz verfärbt und erschienen makrosko-
pisch „zerfressen“. Die mitgebrachten Laborwerte Rolle von Schwermetallen bei ALS
vom Februar 2016 zeigten ein erhöhtes Ferritin
Die Ursachen für sporadisch auftretende Motoneuroner-
(erhöht die Quecksilbergiftigkeit), ADMA, 8-OH-
krankungen sind unbekannt. 1877 wurde ALS zum ersten
Desoxyguanosin (als Marker für DNA-Schäden). Ein
Mal von Charcot beschrieben. 1833 wurde Amalgam ein-
Mangel bestand bei Serotonin, Calcidiol (bei norma-
geführt, das ab ca. 1860 epidemische Verbreitung fand.
len Calcitriol) und Gesamt-SOD. Die in der Klinik
Eine pathogenetische Bedeutung wird einer vermehrten
bestimmten Laborwerte ergaben: erhöhtes Nitroty-
oxidativen oder nitrosativen Belastung, der erhöhten Glu-
rosin, erniedrigte GSH/GSSG-Ratio (GSH = reduzier-
tamattoxizität, Schwermetallen (insbesondere Hg und
tes Glutathion, GSSG = oxidiertes Glutathion),
Blei, aber auch Cu, Cd), Infektionen, Traumata oder auch
erhöhtes Laktat, erniedrigtes Pyruvat sowie eine
autoimmunen Faktoren zugeschrieben [24]. Eine aktuelle
erhöhte Coproporphyrin-Ausscheidung im Urin (bei
Übersicht zu umweltmedizinischen Ursachen der ALS, die
Quecksilber und/oder Bleivergiftungen der Niere
auch Schwermetalle beinhaltet, gibt [25].

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Als Ursache wird auch ein toxisches Peptid (BMAA) In Zell- und Tierversuchen konnte gezeigt werden, dass
angenommen, das u. a. in manchen einzelligen Algen, sich Hg in Motoneuronen anreichert und dort zu vermehr-
daher in manchen Fischen (z. B. Haifisch) und beson- ter oxidativer Belastung sowie Nervenzellschädigung führt
ders in bestimmten Beerenfrüchten auf der Insel Guam [45–48].
vorkommt. Auf Guam kam es nach dem Zweiten Welt-
krieg zu einer stark erhöhten Inzidenz an ALS und ande- In Mäusen konnte der selektive Untergang von Motoneu-
ren neurodegenerativen Erkrankungen („Parkinson- ronen durch Hg-Dampf nachgewiesen werden [49].
Demenz-ALS-Komplex“). Die Ureinwohner hatten von
den US-Militärs Schusswaffen erhalten, mit denen sie Einige Forschergruppen fanden darüber hinaus erhöhte
nun vermehrt Affen jagten und verzehrten. Die Affen Hg-Konzentrationen in Nervengewebe [50][26] sowie im
hatten aber diese BMAA-haltige Beere verzehrt, ihre Urin [44] von ALS- Patienten, während andere keine Hg-
Organe enthielten das Toxin. Nachdem die Affen nicht Erhöhung fanden. Laut Prof. Pamphlett, Sydney, sind im
mehr gejagt wurden, nahm die ALS-Inzidenz in neuerer Endstadium der ALS die meisten Motoneurone abgestor-
Zeit wieder ab. Dieser Zusammenhang ist bisher wenig ben. Hg ist flüchtig, was ein Grund dafür sein kann, dass
bekannt. es in Autopsiestudien bei fortgeschrittenen Fällen nicht
in den Konzentrationen wie zu Erkrankungsbeginn mess-
Im Internet wird zur Behandlung der ALS auch das Präpa- bar ist [63].
rat „Laminine“ empfohlen. Es soll Stammzellen anregen.
Es enthält befruchtete Eigelbe sowie Haifischbestand- Quecksilber erhöht experimentell u.a. die Glutamattoxi-
teile. Befruchtete rohe Eigelbe mögen aufgrund der zität, wie bei ALS mehrfach beschrieben. Es hemmt den
Vitalstoffe und Stammzellen interessant sein. Doch die zytoplasmatischen Transport von Glutamat, sodass es
Eigelbe müssen mindestens ökologischem oder besser sich im synaptischen Spalt anreichert und zu einer Über-
„Demeter“-Standard genügen. Damit sind höhere Vitals- erregung und Schädigung der Neuronen führt [51].
toffmengen (z. B. DHA und EPA, Lutein, Q10, Q1, SOD,
NADH, Cardiolipin, Aminosäuren) gewährleistet und Ver- Die schädlichen Wirkungen selbst geringer Quecksilber-
giftungen mit Pestizidanreicherungen/Antibiotika durch mengen auf Nervenzellen wird über eine toxische Erhö-
das konventionell erzeugte Futter oder Infektionsübert- hung des intrazellulären Kalziumspiegels bewirkt, der
ragungen (z. B. durch Salmonellen) durch Massentierhal- durch Überstimulation des NMDA-Rezeptors moduliert
tungen ausgeschlossen. wird [54]. Hg blockiert durch Beeinträchtigung von SH-
Gruppen eine Vielzahl von Enzymsystemen und behin-
In eigenen Untersuchungen fanden wir hohe Alumi- dert dadurch sowie durch eine Verdrängung und Ver-
niumkonzentrationen (sechsstellige Zahl in μg/kg) brauch von Selen oder Zink auch zinkabhängige Enzyme
sowie hohe Mengen an Schwermetallen. Vermutlich ist wie Superoxiddismutase (SOD1) und Selenoproteine. In
auch BMAA enthalten, da Haifischbestandteile einge- ca. 5 % der ALS- Fälle gibt es eine familiäre Genese,
setzt wurden. Zudem sind Haifische hoch mit Schads- wobei eine genetisch bedingte Funktionsminderung der
toffen inklusive Hg belastet, da sie am Ende der SOD1 zum Tragen kommt.
aquatischen Nahrungskette stehen und die Meere seit
Jahrzehnten immer mehr Gifte menschlichen Ursprungs Bei Quecksilberbelastungen ist zudem die ausreichende
enthalten. Synthese von nervenzellschützendem Glutathion, dem
stärksten körpereigenen Antioxidans und natürlichen
In der medizinischen Literatur werden neben der Expo- Chelatbildner, eingeschränkt [56][57]. Ein Mangel an
sition durch Mangan und Aluminium [26] auch elektro- Glutathion, das nicht von den Neuronen selbst (dafür
magnetische Felder [27], magnetische Wechselfelder von den Gliazellen) gebildet werden kann [58], wird
[28], chemische Lösemittel [29], Pestizide, Verzehr von durch verstärkten oxidativen Stress durch Quecksilberbe-
quecksilberbelastetem Süßwasserfisch [30] sowie anor- lastung verursacht [59][60]. Melatonin kann dabei die
ganisches Quecksilber (Zusammenfassung bei [31][32]) Regeneration von durch Quecksilber verbrauchten Gluta-
und Blei [33][34] als mögliche Ursachen der ALS disku- thion bewirken. Daher erscheint eine hochdosierte Mela-
tiert. Diese Schwermetalle, insbesondere Hg, wirken toningabe (200–50000 mg rektal) sinnvoll.
ausgesprochen neurotoxisch und können sich in ZNS
und den Motoneuronen als Kumulationsgifte anrei- Eine Quecksilberbelastung [61] hemmt das Enzym
chern. Hg gilt als giftigstes nichtradioaktives Element. Methionin-Synthase und behindert so die Methylierung
Auf Nervenzellen wirkt es z. B. 10-fach giftiger als Blei von Hydroxy- bzw. Cyano-B12 [56]. Eine Substitution mit
[35–37]. der aktiven Form von Vitamin B12 (Methylcobalamin) ist
daher sinnvoll, ansonsten resultiert ein B12-Mangel mit
In verschiedenen Studien wird ein Zusammenhang zwi- seinen schädlichen Folgen für Gehirn und Nervensystem.
schen beruflicher oder akzidenteller Quecksilberexposi- B12 muss, wegen möglicher Radikalbildung, separat von
tion und dem Auftreten der ALS beschrieben [42][43]. Acetylcystein oder Glutathion gegeben werden [62].

34 Mutter J. Überleben bei ALS? … OM – Zs. f. Orthomol. Med. 2019; 17: 28–38
Wie stark Motoneurone und auch Interneurone, die bei unter Schutzmaßnahmen gehören nicht zum schulzahn-
ALS eine wichtige Rolle spielen, mit Hg angereichert medizinischen Standard. Vor diesem Hintergrund kann
sind, zeigt eine aktuelle Autopsiestudie mit Personen, die Amalgamentfernung durch ausschließlich schulmedi-
die an verschiedenen, meist neurologischen Erkrankun- zinisch arbeitende Zahnärzte nicht empfohlen werden.
gen und allenfalls im (undiagnostizierten) Anfangssta-
dium einer Motoneuronen-Erkrankung litten. Im Diese zusätzliche Hg-Exposition wäre bei bereits geschä-
Endstadium der ALS wären die Motoneuronen unterge- digtem Gehirn und Rückenmark, wie bei ALS, und bei ca.
gangen, das enthaltene Hg in andere Körperareale ver- 2- bis 12-mal höheren Quecksilberkonzentrationen im
schoben oder ausgeschieden, sodass nur noch wenig Hg Vergleich zu amalgamfreien Personen in Körper und
nachweisbar wäre – hier als grauschwarze Ablagerungen Gehirn (s. u. Autopsiestudien), unbedingt zu vermeiden.
in den Nervenzellen und deren Mitochondrien (siehe
Abbildungen in [63]). Um einen Behandlungserfolg zu erreichen, ist auch eine
Kieferherdsanierung mit fachgerechter Entfernung sog.
Die gleichen Autoren schlussfolgern in einer weiteren CBID (Chronic Ischaemic Bone Disease) notwendig.
Autopsiestudie, dass Quecksilberablagerungen in verschie- Durch CBID, die chronisch osteolytische Veränderungen
denen Gehirnzellen ein ernstzunehmender Faktor bei der im Kieferknochen mit fettiger Umwandlung des Mark-
Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen wie ALS raums verursacht, kommt es zu erhöhten Zytokinspie-
sind [64]. geln mit proinflammatorischer Wirkung [65]. Bei ALS-
Kranken wurden tatsächlich hohe Spiegel von RANTES
und FGF-2 in den Fettgewebsnekrosen des Kiefers gefun-
Amalgam als Quecksilberquelle? den. RANTES erwies sich im Zell- und Tierversuch u. a.
Wie anfangs erwähnt, geben Amalgamfüllungen ständig als nerventoxisch, bei ALS-Patienten fanden sich im Ver-
Quecksilberdampf ab, der zu mind. 80 % von der Lunge gleich zu Gesunden höhere Werte in Serum und Liquor.
in den Körper resorbiert wird und sich auch in Gehirn
und Rückenmark ablagert. Bei physikalischen Manipula- Autopsiestudien
tionen (auch Bohren, Polieren, Vibration) wird sofort ein Autopsiestudien der letzten Jahrzehnte zeigen eine 2- bis
Vielfaches an Quecksilberdampf freigesetzt. Amalgam 12-fach erhöhte Quecksilberanreicherung in den Organen
gilt, trotz gegenteiliger Behauptungen, in der ernstzu- inklusive des Gehirns bei Amalgamträgern gegenüber
nehmenden wissenschaftlichen Literatur als die Haupt- Nichtamalgamträgern. Eine italienische Studie fand z. B.
quecksilberquelle des Menschen (z. B. WHO [66]. bei verstorbenen Amalgamträgern mit über 12 Füllungen
einen >10-fach erhöhten Quecksilbergehalt in verschiede-
nen Gehirnarealen inklusive Hypophyse, verglichen mit
D I E FÄ L L E
Personen mit weniger als drei Amalgamfüllungen [67].
Die Krankenkasse der Patientin im Fall 3 hat die Über-
nahme der Behandlungskosten in der Klinik abge-
Da Autopsiestudien der Goldstandard zur Ermittlung
lehnt. Der beauftragte Gutachter ist zu dem Schluss
der Körperbelastung von Quecksilber sind und nicht die
gekommen, dass die Amalgamentfernung von jedem
Blut- oder Urinwerte, wird Amalgam als Hauptquelle für
beliebigen Zahnarzt hätte durchgeführt werden kön-
die Quecksilberbelastung bei Amalgamträgern angesehen
nen. In allen drei Fällen argumentierte der Gutachter,
(u. a. [66][68][100][102][104][106–110]; Übersicht bei
dass die Therapie nicht wissenschaftlich basiert und
[69–71].
daher bei ALS medizinisch nicht indiziert sei.
Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist davon
auszugehen, dass ALS-Patienten, die Amalgamfüllungen
Die Behauptung des Gutachters, die Amalgamentfer- hatten oder haben, mehrfach höhere Quecksilberkon-
nung hätte von jedem beliebigen Zahnarzt durchgeführt zentrationen in Körperorganen, Gehirn und Motoneuro-
werden können, ist leider falsch und für den Patienten nen aufweisen, gegenüber dem hypothetischen Fall, dass
schädlich, wie oft erlebt. Viele Zahnärzte wissen oft es nie Kontakt zu Amalgamfüllungen gab.
nichts über die schädlichen Wirkungen von Amalgam
und bohren Amalgamfüllungen ohne erweiterte Schutz- Aus Tierstudien ist zudem mehrfach bekannt, dass der
maßnahmen heraus (vgl. dazu [148][149]). Diese Maß- Kieferknochen innerhalb von 28 Tagen nach Einsetzten
nahmen sind technisch und zeitlich aufwändiger, von Amalgam hohe Mengen an Quecksilberablagerun-
umfangreicher und nicht über die GKV abrechenbar. gen enthält (Übersicht in [69][70]). Auch bei Menschen
Beim konventionellen Ausbohren kommt es unweigerlich konnte die schnelle Quecksilberkontamination der
zu einer massiv erhöhten Quecksilberdampfexposition Zahnwurzel und des Kiefers durch Amalgamfüllungen
der Patienten und deswegen oft auch zur Verschlechte- nachgewiesen werden [72]. Mit gleichzeitig dort vor-
rung oder erst dem Beginn von Krankheitssymptomen. handenen Infektionen (apikale Ostitis, Paradontitis) ist
Die Sanierung von CBID und die Amalgamentfernung es möglich, dass dort vorhandene anorganische

Mutter J. Überleben bei ALS? … OM – Zs. f. Orthomol. Med. 2019; 17: 28–38 35
Wissen Thieme

zu hochgiftigen organischen Quecksilberverbindungen Zugabe von nur 36 ng Hg/g Schäden bei menschlichen
methyliert werden, unter Umständen auch zu Dime- Nervenzellen [96][97].
thyl-Quecksilberverbindungen.
Im German Amalgam Trial (GAT) konnte im Projekt I (In-
Speichelproben von Amalgamträgern ergeben daher vitro-Versuch) gezeigt werden, dass Quecksilberkonzent-
auch regelmäßig höhere Methylquecksilberkonzentratio- rationen ab 54 ng/g zu Beeinträchtigungen an menschli-
nen [73]. Denn Milliarden von Mikroorganismen in Mund chen Immun-, Nieren- und Gehirnzellen führen.
und Darm (Mikrobiom) können das von Amalgam stän- Weiterhin wurde eine verminderte Resistenz zu anderen
dig freigesetzte Hg methylieren [74][75]. Umweltgiften beobachtet [98].

Es ist belegt, dass die Halbwertszeit von Hg in Gehirn Diese toxischen Quecksilberkonzentrationen in vitro
und Nervensystem Jahre bis Jahrzehnte beträgt. Queck- waren im Mittel mehrfach niedriger als die Werte, die
silber reichert sich in den Organgeweben über die Zeit in Autopsieproben von amalgamtragenden Schafen,
der Amalgamexposition an und ist daher, wie Blei, als Affen und Menschen oder amalgamverarbeitendem
Kumulationsgift anzusehen [76–81]. Zahnarztpersonal gefunden wurden (z. B. > 300 ng Hg/g
im Gehirngewebe von Personen mit mehr als 12 Amal-
Quecksilberdampf aus Amalgamfüllungen kann auch gamfüllungen) [99–110].
unter Umgehung des Blutkreislaufs direkt in das Nerven-
system gelangen. Er gelangt durch die Mund- und Riech- Daher ist sehr wahrscheinlich, dass die zusätzliche
schleimhaut in die dort vorhandenen zahlreichen Quecksilberbelastung durch Amalgamfüllungen, beson-
Nervenendigungen retrograd axonal in die Hirnnerven- ders bei genetischen Empfindlichkeiten (z. B. Enzyme der
kerne [83–90]. Dies kann im Falle einer ALS mit bulbärer Phase-II-Entgiftung), zu subtilen bis größeren Schäden
Beteiligung eine Rolle spielen. an Nervenzellen führt.

Die Exposition zu elektromagnetischen Strahlungen (NF Eine ganz aktuelle Übersichtsarbeit weist erneut auf die
und HF), die in den letzten 20 Jahren massiv zugenom- giftige Wirkung von Amalgam hin [114].
men haben und mit Einführung von 5 G noch exponen-
ziell steigen wird, führt zu einer noch höheren Trotz der beinahe erdrückenden Studienlage zu den
Freisetzung von Quecksilberdampf aus Amalgamfüllun- schädlichen Wirkungen wird die iatrogene Quecksilber-
gen sowie zu einer bis zu 700-fachen Verstärkung der belastung durch Amalgam aus verschiedensten Gründen
potenziell schädlichen, hochfrequenten elektromagneti- (vermutlich Interessenkonflikte, juristische Gründe) aus-
schen Felder [91]. Dies gilt auch für Kernspinnaufnah- geblendet. Bisher wurde sie auch nicht als mögliche
men oder Röntgenuntersuchungen. Ursache von Motoneuronerkrankungen in Leitlinien auf-
genommen [111–113].
Laut WHO [66] kann für toxische Wirkungen von Quecksil-
berdampf zudem kein sicherer Grenzwert angegeben wer- Auch andere Quecksilberquellen, z. B. Fisch, zerbrochene
den. Es sei nochmals erwähnt, dass Quecksilberwerte in Energiesparlampen, Leuchtstoffröhren, Quecksilberther-
Biomarkern niedrig sein können, obwohl in den betroffe- mometer, manche Tätowierungen, wohnliche Nähe zu
nen Organen hohe Werte zu messen sind. Daher sind Stu- Krematorien, Kohlekraftwerken, manche Augentropfen
dien, die Quecksilber in Blut oder Urin messen, nicht etc., sind zu beachten. Oftmals finden sich Amalgamreste
aussagekräftig im Hinblick auf die wirkliche Quecksilberbe- im Kieferknochen, die in Röntgenaufnahmen oder bei der
lastung des Körpers [92]. In Studien werden weitaus nied- Inspektion nicht sichtbar sind. Auch können Amalgamtä-
rigere Grenzwerte gefordert. Sie werden aber von einigen towierungen in der Mundschleimhaut vorhanden sein.
Amalgamträgern deutlich überschritten [93–95].
Fazit: Schwermetalle können durchaus eine Rolle bei der
Entstehung der ALS spielen. Möglicherweise bestimmen
Schäden durch Amalgam? Vergleich manche genetischen Marker, welche Organe besonders
mit Experimenten betroffen sind. Amalgamfüllungen führen mit an Sicher-
heit grenzender Wahrscheinlichkeit zu einer mehrfach
Sehr aufschlussreich sind der Vergleich von Zell- und höheren Körperbelastung an Quecksilber. Diese Mengen
Tierexperimenten mit Autopsiedaten von Amalgamträ- reichen aus, um in Tier- und Zellversuchen nervenschädi-
gern. Leong et al. [38] fanden heraus, dass niedrigste gende Wirkungen zu erzielen. Amalgamfüllungen sind
Quecksilberkonzentrationen (0,02 ng/g Endkonzentra- daher potenziell gesundheitsschädlich. Grenzwerte für
tion) zu gravierenden Schäden an Neuronen führen. Quecksilber können aufgrund von Messungen an leben-
Dabei waren gleiche Mengen an Blei, Kadmium, Mangan, den Personen nicht angegeben werden. Dazu benötigt
Aluminium ungiftig. In anderen Versuchen bewirkte die es Autopsiestudien.

36 Mutter J. Überleben bei ALS? … OM – Zs. f. Orthomol. Med. 2019; 17: 28–38
Schwermetallausleitung als mit Chelatbildner (DMPS), insgesamt 86-mal über einen
Therapieoption? Zeitraum von 3 Jahren. Unterstützt wurde die Behandlung
durch eine vegetarische Ernährung und Nahrungsergän-
„Ausleitende“ Therapieversuche, z. B. mit DMSA und zungsmittel (Vitamine, Spurenelemente usw.). Offensicht-
DMPS, werden gelegentlich von unkundigen Gutachtern lich gesundete der Patient im Verlauf von 3 Jahren.
und Laien als potenziell gefährlich und „krankheitsverstär-
kend“ angesehen. Die Aussagen werden nicht belegt und Es existieren ausreichend Studien, die eine Ausleitung
ohne Erfahrungen bzw. Fachkunde mit (quecksilber-) mit Chelatbildnern als effektiv bei verschiedenen Krank-
ausleitenden Verfahren vorgetragen. Eine Zahnsanierung heitsbildern beschreiben. Zudem werden dadurch
mit Entfernung von Amalgamfüllungen wird folglich als erstaunliche Verbesserungen neurologischer und ande-
nicht indiziert angesehen und die Kosten werden von den rer Symptome (z. B. einer IgA-Nephritis) erzielt oder das
Krankenkassen dann auch nicht getragen. Überleben bei akuter Intoxikation deutlich verlängert
[117–130].
Eine kurative Therapie der ALS existiert, wie zuvor darge-
stellt, nicht. Die vorhandenen Therapieoptionen sind Eine Chelattherapie mit einem anderen Chelatbildner
allenfalls als palliative oder symptomatische Behandlung (EDTA) erbrachte signifikante klinische Erfolge bei Herz-
anzusehen. Da Schwermetalle, gerade bei Amalgamträ- infarkt- und Diabetespatienten in der TACT-Studie
gern, zu einer massiven Quecksilberbelastung des Nerven- [131][132].
gewebes führen, liegt es nahe, eine ursächliche Therapie
in einer sicheren Zahnmetallentfernung und einer Queck- Eine Ausleitung mit einem neuen, in der Zelle und im
silberausleitung zu sehen. Gehirn wirksamen Chelatbildner für Quecksilber, ist
sicher und wirksam [133].
Ein ideales Ausleitungsmittel für Quecksilber existiert
nicht. Die gängigen Mittel bilden lediglich lockere Kom- Sogar die als unheilbar angesehene Krankheit Autismus
plexe mit Quecksilber. Das bedeutet, sie können das ein- kann durch Ausleitungstherapie mit DMSA verbessert
mal gebundene Quecksilber während des Transports werden [134–139].
durch den Körper auch wieder loslassen. Manche Mole-
küle, die zuweilen von Therapeuten als „Ausleitungsmit-
tel“ genutzt werden (z. B. Liponsäure, Glutathion, Vitamin
C) haben sich im Tierversuch als nicht geeignet erwiesen,
den durch Quecksilberdampf verursachten Quecksilber-
gehalt in den Körperorganen zu senken, nicht einmal in
den relativ einfach erreichbaren Nieren [115].

Quecksilberdepots in Gehirn und Nervensystem sind


zudem schwer erreichbar, da die meisten Ausleitungsmittel
nicht in das Gehirn gelangen und man vor einer Gehirnaus-
leitung erst einmal die anderen Körperorgane entgiften
müsste. Ansonsten könnten manche Ausleitungsmittel, die
gehirngängig sind (z. B. Penicillamin), Quecksilber aus
Leber, Drüsen oder Nieren in das Gehirngewebe transpor-
tieren und dort zu einer höheren Quecksilberansammlung
führen. Trotzdem gibt es teilweise positive Berichte.

In Schweden wurde über eine an ALS erkrankte Frau be-


richtet, die 34 Amalgamfüllungen trug. Nach deren Ent-
fernung und Behandlung mit Selen und Vitamin E wurde
sie geheilt [116].

In einer weiteren Kasuistik [117] wird der Behandlungsver-


lauf eines Patienten, der sich nach Diagnosestellung (ALS)
in einer neurologischen Klinik mit schwerer reaktiver
Depression bereits in der Schweiz für einen Suizid ange-
meldet hatte, mit einer Motoneuronerkrankung beschrie-
ben, bei der zunächst wegen einer vermuteten
Amalgambelastung eine Zahn- und Kiefersanierung durch-
geführt wurde. Anschließend erfolgte eine Behandlung
Wissen Thieme

Im Gegensatz zur Meinung von Gutachtern oder MDK ist wissenschaftlichen Publikationen als krankheitsverursa-
daher eine Ausleitung von Quecksilber und anderen chend eingestuft [140][141]. Von einigen Wissenschaft-
Schwermetallen in der internationalen wissenschaftli- lern wird sie inzwischen sogar als Klasse-I-Karzinogen
chen Literatur nicht schädlich, sondern im Gegenteil in angesehen, also „gesichert krebserregend“. Die WHO
vielen Fällen lebensrettend und ursächlich. (IARC) hat Funkstrahlung bereits 2011 zumindest schon
als „möglicherweise krebserregend“ eingestuft [142].
Randomisierte kontrollierte Studien zur Effektivität einer
Ausleitungstherapie bei ALS existieren ebenso wenig wie In der Schweizer Klinik sind Netzfreischalter installiert,
Metaanalysen. Allerdings können heute erkrankte ALS- die nachts das NF-Feld ausschalten. Zudem gilt ein strik-
Patienten nicht die nächsten Jahrzehnte abwarten, bis tes Verbot der Handynutzung und viele Zimmer sind
die Ergebnisse solcher Untersuchungen vielleicht vorlie- abgeschirmt, um weitere Schäden an den Patienten fern-
gen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Finanzierung zuhalten. Zudem werden keine elektronischen Geräte in
derartiger wissenschaftlicher Untersuchungen für die der Klinik verwendet, die Funkstrahlung abgeben, das
Industrie nicht interessant ist, da der Patentschutz für gilt auch für Drucker und Computer. Diese Schutzmaß-
Chelatbildner abgelaufen ist, im Gegensatz zu Riluzol in nahmen gibt es in deutschen Kliniken derzeit nicht.
der Anfangsphase oder aktuell Endevarone.
Hinzu kommt, dass das Essen aus ökologischer Erzeu-
Fazit: Eine Ausleitungstherapie ist bei vielen Krankheiten gung stammt. Es ist somit vitalstoff- und polyphenolrei-
wirksam, sicher und sinnvoll. Aufgrund ernstzunehmender cher sowie ohne Pestizidbelastung.
wissenschaftlicher und zahlreicher Hinweise, dass Schwer-
metalle und besonders Quecksilber eine pathogenetische
Rolle bei vielen Krankheiten und auch ALS zukommt, ist FA L L B E I S P I E L
eine Ausleitungstherapie als ursächlich anzusehen. Zu Fazit für Fall 3
beachten ist dabei, dass diese nur bei einer mit hohen Für den Fall der Patientin ist vor diesem Hintergrund
Schutzmaßnahmen durchgeführten Kiefersanierung die Schlussfolgerung zu ziehen, dass die ursächliche
(metallfrei, entzündungsfrei) stattfinden kann, da sonst gif- Therapie nicht in lokalen Kliniken oder ambulant vor
tige Schwermetalle aus Kieferknochen und Zähnen mobili- Ort hätte durchgeführt werden können. Zudem ist
siert und möglicherweise in andere Körperorgane die Ursachentherapie wissenschaftsbasiert und
verschoben werden könnte (vgl. [151] und [149]). medizinisch indiziert bei ALS. Die Krankenkassen
müssten daher die Kosten der Therapie tragen.

Warum eine spezielle Behandlung


bei ALS? Autor

Der Gutachter behauptet, die vor Ort oder in einer Fach-


klinik durchgeführte Therapie hätte auch ambulant oder Dr. med. Joachim Mutter ist Facharzt für Hygi-
ene- und Umweltmedizin mit den Zusatzbe-
in einer neurologischen Fachklinik am Wohnort des
zeichnungen Naturheilverfahren und
Patienten durchgeführt werden können. Das stimmt oft Akupunktur. Seit 2009 in eigener Praxis für
leider nicht. Zunächst existiert keine Klinik in Deutsch- Integrative und Umweltmedizin niedergelas-
land, welche auch nur rudimentäre Erfahrungen mit der sen; seit 2016 zusätzlich in der Paracelsus Cli-
fachgerechten Ausleitungstherapie von Schwermetallen nica Alronc (Schweiz). Vortrags- und
Seminartätigkeit im In- und Ausland, u.a.
aufweist. Zudem ist die Ernährung in den meisten Klini-
Dozent für Mitochondrien- und Umweltmedizin
ken nachweislich geeignet, krank zu machen. Bei einer (Europa-Universität Viadrina); Leitung der The-
unheilbaren, meist tödlichen Erkrankung wie der ALS rapeutenseminare „Ursachentherapie“.
muss aber eine hundertprozentig vitalstoffreiche und
ökologisch, giftfrei erzeugte spezielle Ernährung durchge-
Korrespondenzadresse
führt werden. Es ist nicht hilfreich, einem Schwerkranken
konventionell erzeugte, mit vielfachen Pestizidmengen
belastete Ernährung, wie es in den meisten Kliniken Stan- Dr. med. Joachim Mutter
Konstanz
dard ist, zu verabreichen. Auch existiert in konventionel-
E-Mail: jo.mutter@web.de
len Kliniken eine deutlich erhöhte Belastung mit www.detoxklinik.de
elektromagnetischen Feldern (hochfrequent und nieder-
frequent) durch fehlendes Mobilfunkverbot in den Klini-
ken, durch ubiquitär vorhandene WLAN- und DECT- Literatur
Sender, durch moderne elektronische Patientenakten und
unzählige Smartphones/Tablett-PCs der Patienten und Die Literaturliste finden Sie online unter: https: / /www.thieme-
des Personals. Funkstrahlung wird mittlerweile in vielen connect.de/products/ejournals/journal/10.1055/s-00000144

38 Mutter J. Überleben bei ALS? … OM – Zs. f. Orthomol. Med. 2019; 17: 28–38