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Landmarken 1

Harris und Kurrle


2 Brandlhuber +
3 Staab Architekten
4 Florian Nagler
5 Hild und K
6 Uwe Schröder
16 Architektur­
büros haben 16
Wanderziele
7 Menges/Knippers
8 Schneider+Schumacher für das schwäbi­
9 Burger Rudacs
10 Schulz und Schulz sche Remstal
1 1 su und z Architekten
12 Studio Rauch entworfen. Eine
13 Kuehn Malvezzi
14 Jürgen Mayer H Sommerparade
15 Barkow Leibinger
16 Christoph Mäckler der Kleinstarchi­
tektur.

16

2
12
14

10 8 7
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5

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15
6
9

1
13

Wander- und Radwege


durch die Remstal Garten-
schau, östlich von Stutt-
gart, mit den 16 Stationen
Bild: Remstal Gartenschau

10
20 THEMA Bauwelt 17.2019 Bauwelt 17.2019 THEMA 21
Station 8 Zwischen Apfelbäumen und
Weinreben: das „Prisma“,
Prisma eine Holzkonstruktion aus
Brettschichtplatten, ober-
Architekten halb der Stadt Schorndorf.
Schneider+Schumacher, Großes Foto: Remstal Gar-
Frankfurt am Main tenschaul/ Potthoff; kleines
Foto: Benedikt Crone;
Tragwerksplanung Zeichnung: Till Schneider
Bollinger+Grohmann Inge-
nieure, Frankfurt am Main

Ort
Schorndorf

Erreichbarkeit
25 Minuten Fußweg vom
Bahnhof Schorndorf

Text Benedikt Crone und Beatrix Flagner

Rast bei Staab, Rauch,


Elektroräder sind unter Süddeutschen nicht diesen Ausflug ist damit gestrichen, bevor er Prisma, ein zum Hügel spitz zulaufendes Aus-
ohne Grund ein beliebtes Freizeitverkehrsmittel. richtig begonnen hat. Was bleibt sind die Füße. sichtsgebäude der Frankfurter Architekten
Zwar klobig im Design, dafür praktisch auf ber- Sowie Bus und Bahn. Diese fahren allerdings im Schneider+Schumacher. Wie ein Keil wirkt es
gigen Strecken, teuer in der Anschaffung, dafür entschleunigten Verkehrstakt des ländlichen in den Hang geschoben. Vor den sattgrünen
nicht allzu anstrengend – und natürlich im Ver- Raums. Sogleich weicht die Entspanntheit einer Weinbergen leuchtet das Innere des tetrae der-
gleich zum Auto umweltfreundlich. Wenn man als
Norddeutscher über die zur Schau gestellte Un-
sportlichkeit einer Pedelec-Gang üblicherweise
die Nase rümpfen würde, ändert sich dieses
Verhalten schlagartig, sobald man selbst 80 Kilo-
inneren Unruhe, nicht den strengen Zeitplänen
des ÖPNV gerecht werden zu können und an Bus-
haltestellen irgendeines Gewerbegebiets stun-
denlang ausharren zu müssen. Schließlich gilt es
möglichst viele der 16 Stationen abzulaufen, die
för migen Holzbaus in einem lockenden Rot.
Im „Prisma“ angekommen, erhält der Besucher
einen weiten Blick über das Remstal und die
Schorndorfer Kirche, ermöglicht durch eine brei-
te, schlitzartige Öffnung.
Mäckler und Co.
meter durch eine hügelige Gegend wie das schö- 16 Architekturbüros anlässlich der Remstal Gar- Es ist wie bei jeder Wanderung: Der Weg ist
ne Remstal kommen möchte. tenschau entworfen haben. Ein Glück, dass die das Ziel. Doch bei dieser Wanderung wird der Ar-
Diese kleine Reise beginnt daher auch an einer Besichtigung dieser Türme, Skulpturen und Pavil- chitekturinteressierte neben Ausblicken durch Aussichtsturm, Kaminhaus, Freiheitsstatue: Anlässlich der Remstal
Leihstation für Elektroräder in der beschaulichen lons unter zwei Redakteuren aufgeteilt wurden. individuell entworfene und handwerklich solide
Stadt Schorndorf, östlich von Stuttgart – und Das vereinfacht die Logistik und gibt Raum für die gebaute Stationen belohnt. Das gilt auch für Gartenschau haben sich 16 Gemeinden kleine, aber die Landschaft
scheitert sogleich an der Technik. Weder lässt
sich die App des Leihrad-Anbieters RegioRad-
Wertschätzung der Objekte.
Vom Bahnhof Schorndorf geht es also zu Fuß
den bereits vom Tal aus sichtbaren Turm an der
Birke, entworfen vom Stuttgarter Architekten
prägende Follies bauen lassen. Zwei Redakteure der Bauwelt sind
Stuttgart reibungslos installieren, noch motivie-
ren ihre vielen negativen Bewertungen zur Nut-
durch schwäbische Kleinstadtarchitektur, vorbei
an Autohändlern und glattrasierten Vorgärten,
Achim Menges und von dem Tragwerksplaner
Jan Knippers. Er steht nebenan, im Nachbarort
die Stationen abgelaufen – mit zuverlässiger Unterstützung des öf-
zung. Das favorisierte Fortbewegungsmittel für steil hinauf in die Weinberge. Dort oben steht das Urbach. Will man ihn vom Bahnhof Urbach errei- fentlichen Nahverkehrs.
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nen, leichten und aufeinander abgestimmten
Überraschenderweise bricht die chen, zeigt sich der 14 Meter hohe Turm aus vor-
gefertigten Sperrholzstreifen hinter einem Mais- Paneele nur noch zusammengesetzt werden. Ein
gedrehte Holzkonstruktion nicht feld schon bald wie ein Streichholz am Horizont. „Selbstformungsverhalten“, so die Planer, das
mit der idyllischen Landschaft, Überraschenderweise bricht der gedrehte, dyna- neue Möglichkeiten für dünne Schalenstrukturen
mische Bau nicht mit der Landschaft aus Hü- ermögliche.
sondern ergänzt die architektoni- geln, Wiesen, Birken und Strommasten. Eher er- Der Hintergrund zur Konstruktion bleibt dem
sche Bandbreite der Gegend gänzt der Turm die architektonische Bandbreite Pärchen, das sich an diesem Nachmittag vor
der Gegend, die sonst vorwiegend mit schlich- dem Turm Arm in Arm fotografiert, weitgehend
ten Einfamilienhäusern übersät ist. vorenthalten – seine Wirkung als Landmark ver-
fehlt der Bau dennoch nicht.
Ein neues Selbstformungsverhalten Der Hochzeitsturm in Plüderhausen, eine
S-Bahnstation weiter, bedarf dagegen vor allem
Die Konstruktion des Turms wurde an zwei Ins- einer historischen Erläuterung. Wer den steilen,
Für den Turm wurden Holz-
elemente verwendet, die tituten der Universität Stuttgart, dem ICD und dafür gut ausgeschilderten Weg auf sich nimmt
sich bei der Trocknung in dem ITKE, entwickelt und anhand eines Prototyps und am Wegesende die buttermilchgelbe Villa
die gewünschte Form krüm-
im kanadischen Vancouver erprobt. Die Neuheit im Toskanastil eines vermutlich neureichen
men. Die Grafiken oben
zeigen den Verformungs- besteht im Herstellungsprozess der langen, fla- Schwaben passiert, findet ein gemauertes Türm-
grad, die Verwendung des chen Fichtenhölzer. Diese biegen sich während chen mit zwei spitzbogenförmigen Öffnungen
Brettsperrholzes und die als Eingänge, entworfen vom Bonner Architekten
der Trocknung in einer Kammer in die für den
Verbindungsstücke.
Bilder: ©ICD/ITKE University Turm gewünschte Form. Vor Ort müssen die dün- Uwe Schröder. Ein alter Brauch der Gemeinde
of Stuttgart

Station 7
Turm an der Birke

Ort
Urbach

Institute
ICD – Institut für Computer-
basiertes Entwerfen und
Baufertigung, ITKE – Institut
für Tragkonstruktionen und
konstruktives Entwerfen,
Universität Stuttgart

Planer
Achim Menges, Dylan Wood
(ICD); Jan Knippers, Lotte
Aldinger, Simon Bechert
(ITKE)

Erreichbarkeit
12 Minuten Fußweg vom
Bahnhof Urbach

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besagt: Wenn sich ein Paar im Plüderhausener
Rathaus das Jawort gibt, hat es anschließend auf
dem Hügel einen Obstbaum zu pflanzen. Ent-
sprechend ist der Weg von Äpfel- und Birnbäu-
men gesäumt. Der Turm ergänzt diese Tradition.
Ihn kann das Brautpaar getrennt betreten, im
Innern zusammenfinden – und über die Weite des
Tals wie in seine gemeinsame Zukunft blicken.

Badehäuser mit Durchblick

Der zweite Reisetag beginnt, entgegen den Spiel-


regeln, an der Endstation der Wanderroute in
Remseck am Neckar, wo die Rems in den Neckar
Hochzeitsturm in Plüder- fließt (der Ursprung der Rems und Start der
Station 6
hausen: Durch zwei Eingän-
Hochzeitsturm Route ist nahe Essingen). Zur Endstation, die von
ge hangaufwärts treten
die Paare getrennt ein, fin- Stuttgart leicht erreichbar ist, locken drei (ge-
Architekt den wieder zusammen und plant waren einst fünf) Badehäuser von Christoph
Uwe Schröder, Bonn erhalten durch eine große
Mäckler Architekten, Frankfurt. Die Ähnlichkeit
Öffnung einen weiten Blick
Ort übers Tal. der spitz zulaufenden Satteldächer zu Projekten
Plüderhausen
Fotos: Stefan Müller; An- des Büros wie der Ausstellungshalle Portikus
sichten im Maßstab 1:150 in Frankfurt sind nicht zu verkennen – und die
Erreichbarkeit Selbstironie verdient Respekt. Auch ziehen die
18 Minuten Fußweg vom Häuser mit ihrer Form und Farbe die Blicke von
Bahnhof Plüderhausen
den umliegenden Brücken schnell auf sich. Lei-
der fehlt ihnen nur ein Vorhang, als dass sie tat-
sächlich als Umkleiden dienen könnten. Vom
Remseck, wo neben der Baustelle eines Rathau-
ses wenig zu besichtigen ist, geht es nach Waib-

Die Stadt Remseck am Ne-


Station 16
ckar erhält derzeit durch
den Bau von Rathaus, Stadt- Badehäuser
halle und Bibliothek an der
Mündung von Rems und Architekten
Neckar ein neues Zentrum Christoph Mäckler Archi-
(siehe Plan). Dort befinden tekten, Frankfurt am Main
sich auch die Badehäuser.
Foto: Benedikt Crone; Lage- Ort
plan im Maßstab 1:3333
Remstal am Neckar

Erreichbarkeit
Von Stuttgart aus mit der
U2 bis Remseck

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Station 14
Weißes Haus

Architekten
Jürgen Mayer H. und Part-
ner, Berlin

Ort
Waiblingen Station 12
Fernsehen in Korb
Erreichbarkeit
Ab Bahnhof Waiblingen mit Architekten
dem Bus 201 bis „Galerie“
Studio Rauch

Ort
Korb
Das „Weiße Haus“, eine
Skulptur auf einer Flussin-
Erreichbarkeit
sel, öffnet den Blick aufs
andere Ufer, auf die Galerie Vom Bahnhof Waiblingen
Stihl und eine Kunstschule mit dem Bus 209 bis zur
von Hartwig Schneider Ar- Haltestelle „Korber Straße“,
chitekten (Bauwelt 34.2008). dann 15 Minuten Fußweg
Foto: Remstal Gartenschau

lingen. Kurze Rast auf einer Skulptur, die Jürgen


Mayer H. auf die Schwaneninsel der Fachwerk-
stadt gesetzt hat. Die ausgeschnittenen Elemen-
te erinnern nicht von ungefähr an Überreste ei-
ner Laubsägearbeit: Gegenüber der Insel befin-
det sich die Galerie Stihl (die Firma mit den Mo-
torsägen). Ist man in Waiblingen, darf ein Abste-
cher nach Korb nicht fehlen, wo ein Aussichts-
turm vom Münchner Studio Rauch über den Wein-
bergen thront. Sicher ein Höhepunkt der Garten-
schau – mit Escher-artigem Treppenhaus und
breiten Panoramafenstern. Der Ausblick verleiht
dem Projekt seinen Namen: Fernsehen in Korb.
BC

Das Holz im Innern des Aussichtsturms hat den


Geruch seiner Umgebung angenommen, es
riecht nach süßen Trauben. Über zwei gegenläu-
fige, Escher-artige Treppen gelangt man nach
oben, während man die an den Setzstufen ange-
brachten schmalen Schilder liest, auf denen die Bereit berankt zu werden:
Namen der örtlichen Unterstützer geschrieben Für den Turm in Korb stülpte
Studio Rauch eine Kons-
stehen. Nach der Serpentine hoch zum Wein- truktion aus Brettsperrholz-
berg „Pfefferle“ ist der Wind, der durch den Pavil- scheiben über einen Trink-
lon zieht, angenehm frisch. Die Öffnungen sind wasserspeicher der 1960er
Jahre.
gezielt gesetzt und rahmen unterschiedliche Fotos: Beatrix Flagner,
Ausblicke: ins Tal, in die Nachbargemeinde und Benedikt Crone; Schnitt im
auf die Weinbergspitze. Je größer die Fenster, Maßstab 1:200; Lageplan
mit Grundriss EG 1:333
desto tiefer sind auch ihre Laibungen. Das Pano-
ramafenster oben im Aussichtsraum nimmt die

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Die 28 Grad warme Abendsonne tut ihr Station 11 gesamte Turmbreite ein. Die Grundfläche des dem Tisch und den Bänken aus Holz ist reizvoll
Turms orientiert sich an den Maßen des kleinen und doch, wenn man alleine und schatten­
Übriges – und so erscheint nach einem Kaminhaus
Zugangsbaus zu einem unterirdischen Trinkwas- suchend auf Wanderung durch das Remstal ist,
straffen Marsch auf den Kappelberg Architekten serhochbehälter, über den er sich passgenau lädt der Pavillon nicht vollends zum längeren Ver-
su und z Architekten,
das flimmernde, weiße Gerüstdach wie München
stülpt.
Der Besuch der Station hat sich zum Glück ge-
weilen ein.

eine Fata Morgana am Horizont Ort lohnt. Ihm war ein ungeplanter Umweg vorange- S-Bahn, Bus und zu Fuß
Weinstadt gangen, denn im Remstal gibt es zwei durchnum-
merierte Rundgänge. Nach der Eingabe „Station Für die letzten beiden Stationen, die für den ers-
Erreichbarkeit
12“ in die Google-Maps-Suchleiste kann man auch ten Tag auf dem Programm stehen, bietet sich
Vom S-Bahnhof Enders-
auf den „Besinnungsweg am Lenbächle“ in Bitter- der Wechsel auf das Zweirad an, sie liegen nur 15
bach 10 Minuten Fußweg
Es bietet zwar keinen Schutz feld bei Waiblingen geschickt werden – eine Fahrminuten auseinander. Die App RegioRad-
vor Sonne oder Regen, da-
Stunde Busfahrt von Korb entfernt. Stuttgart ist zum Glück schon heruntergeladen,
für Platz für Wanderer und
Bootstouristen zum Rasten. Eine stark befahrene Landstraße überquerend, denn der Internetempfang lässt am Bahnhof in
Foto unten: Remstal Garten- diagonal über die Parkplätze von Deichmann Endersbach zu wünschen übrig. Leider bestäti-
schau/Jochen Beglau;
und Edeka, das kleine Gewerbegebiet hinter sich gen sich die schlechten Bewertungen im App
Foto rechts und Lageplan
im Maßstab 1:3333: su und lassend, durch einen kleinen Autobahnbrücken- Store, denn ein Fahrrad lässt sich nicht ausleihen.
z Architekten tunnel – und man steht inmitten eines belebten Die Station 15 Belvedere ist mit den öffentli-
Ortes: Eine Frauengruppe, beinahe alle in pink- chen Verkehrsmitteln von hieraus am besten zu
farbene Shirts und schwarze Leggings gekleidet, erreichen, nur eine 55-minütige S-Bahn- und
macht gerade ihren Abendsport, aus den Musik- Busfahrt und 1,5 Kilometer Fußmarsch – auf zur
boxen der improvisierten Beachbar dröhnt ein schönen Aussicht.
Café-del-Mar-Chillout-Mix, und am Remsufer ste- Den Busfahrplan im Hinterkopf geht es eilig
hen herrenlose Campingstühle, deren Besitzer zum Pavillon, den Barkow Leibinger entworfen
gerade versuchen, sich auf Stand-Up-Paddeling- und bei dem Werner Sobek die Tragwerkspla-
Brettern zu halten. Mittendrin, auf der Halbinsel nung übernommen hat. Google Maps kalkuliert
„Birkelspitze“ zwischen Rems und der Mündung den 1,5 Kilometer langen Weg mit einem 20-minü-
des Haldenbachs, steht das Kaminhaus, Stati- tigen Fußmarsch, was großzügig bemessen
on 11 – verlassen. Einige Fahrräder sind daran an- scheint. Doch sobald man die ersten Einfamilien-
gelehnt, und vom First hängt an einem dünnen häuser am Rand von Fellbach hinter sich gelas-
Draht, wie eine Leuchte, eine zerdrückte Bierdo- sen hat, wenn vor einem der lange, asphaltierte
se tief über dem großen Holztisch, der den Raum Feldweg liegt, der durch eine Schrebergarten-
beinahe komplett einnimmt. Su und z Architek- siedlung bis hinter die Weinberge führt, scheint
ten aus München spielen mit ihrem Entwurf auf die verbleibende Stunde, bis der letzte Bus des
die Tradition der Fachwerkhäuser im Ort an und Tages fährt, erschreckend kurz.
stellen die Urfunktion eines Hauses in den Vor- Die 28 Grad warme Abendsonne tut ihr Übriges
dergrund: das gesellige Zusammenkommen um und so erscheint nach einem straffen Marsch
eine Feuerstelle. Der Kontrast zwischen der Fach- (16 Minuten!) das flimmernde, weiße Gerüstdach
werkhausstruktur, dem Kamin aus Beton sowie wie eine Fata Morgana am Horizont.

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Station 3
Weißes Fenster

Architekten
Staab Architekten, Berlin

Ort
Böbingen (Rems)

Erreichbarkeit
Mit der Remsbahn bis Bö-
bingen Bahnhof, dann 16 Mi-
nuten Fußweg

Station 15 Tragwerksplanung Das Wegdreieck auf dem


Kappelberg wird durch
Belvedere Werner Sobek, Stuttgart den Pavillon auf einmal ein
fast städtischer Raum.
Architekten Ort Fotos: Stefan Müller;
Barkow Leibinger, Berlin Fellbach Detailzeichnung: Barkow
Leibinger
Erreichbarkeit
Vom S-Bahnhof Fellbach
mit dem Bus 215 bis „Alten-
heim“, dann 20 Minuten
Fußweg

Ein Waldstück, dem die


Farbe enzogen wurde: Der
Pavillon wird an Stahlseilen
von Bäumen abgehängt.
Foto: Arno Lederer; Lage-
plan im Maßstab 1:2000

Das Dach verschwimmt beinahe zwischen den Am nächsten Morgen ist die Remsbahn ange-
Weinreben. Aus den Stützen – sechs gebündelte nehm leer. Von Stuttgart ist es fast eine Stunde
Rundstähle – entwickelt sich die Dachstruktur. Zugfahrt bis nach Böbingen an der Rems, wo
Folgt man einem Rohr mit den Augen, biegt und die erste Station für diesen Tag steht: das Weiße
windet es sich, trifft auf andere Rohre, bildet Fenster von Staab Architekten. Vom Bahnhof
gemeinsam mit ihnen einen sternförmigen Hoch- aus markieren bunt angemalte Holzbienen-Schil-
punkt, bis es wieder an einer anderen Stelle auf der von „Remsi“, dem Maskottchen der Remstal
den Boden geführt wird. An jede der sechs Stüt- Gartenschau, den Fußweg bis zur Station 3.
zen ist im Wechsel eine Weinrebe oder ein Ro- Als Teil der Schau wurde in Böbingen ein neuer
senbusch gepflanzt, die in den kommenden Jah- Parkstreifen entlang des alten Bahndamms an-
ren an dem Gerüst hochklettern und sich über gelegt: Wildblumenbete, Abenteuerspielplatz
die Raumfachwerkstruktur ausbreiten sollen. und eine mit Steinen befestigte Badestelle, an
Könnte man sich hier gelassen unter den Pavillon der Zweidutzend Kinder planschen. Eine neue
in das Gras legen, würde man sich in der Struktur Holzbrücke führt über den Klotzbach in ein da-
verlieren. Leider steht er auf einem runden hinterliegendes Waldstück und dort, direkt am
Schotterplatz, mit einer kleinen, drei Schritt lan- Wegesrand, hängt der Pavillon an sieben Baum-
gen Schotterzufahrt vom Feldweg aus, wie eine stämmen. Ein kontemplativer Ort. Man will direkt
verlorene Verkehrsinsel inmitten von Weinber- unter das massiv wirkende, weiß gestrichene
gen. Mit den Bänken und einem Mülleimer neben Holzdach treten und durch die unterschiedlich
dem Pavillon wirkt der Ort unnötig städtisch. großen, runden Öffnungen, in denen die Bäume

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stehen, nach oben in die Baumkronen schauen. Station 5
Keine Wände, keine Stützen, nur ein Dach und Gehäkeltes Haus
die Baumstämme, die den Raum markieren – und
ein Kiesfeld, das ein wenig mit der mystischen Architekten

Atmosphäre bricht. Hild und K Architekten,


München

Steil bergauf Ort


Lorch
Schon geht es Ort für Ort wieder Richtung Stutt-
Erreichbarkeit
gart zurück. Vom Bahnhof in Schwäbisch Gmünd
Vom Bahnhof Lorch 12 Minu-
ist es eine steile Wanderung durch den Wald
ten steiler Fußweg bis zum
bis zum Lindenturm von Florian Nagler Architek- Klostergelände
ten. Er ist einer von vier Pavillons, der nicht weiß
ist. Auf einem bestehenden Mauerring wickelt
sich der Pavillon aus sägerauem Lärchenholz um Oben links: Der Überwurf
macht das „Luginsland“
eine alte Linde und nimmt damit Bezug auf die
im Ensemble des Klosters
Tradition der Tanzlinden. Die erste Ebene ist auf sichtbar.
Höhe des unteren Astkranzes eingezogen. Die Rechts: Für das Vorhaben
weißen Vorhänge sollen die Tänzer und Musiker musste eine spezielle
Häkel- und Strickhilfe ent-
vor dem Wind schützen. Jetzt flattern die Segel- wickelt werden.
tuchvorhänge wild in der Luft. Auf der Rückseite Fotos: Michael Heinrich
des Pavillons bilden die Lärchenholzlatten eine
geschlossene Wand, erst auf der zweiten Ebene
wird die Lattung lockerer und zum Geländer. Im
Schatten der Baumkrone hat man von hier einen
weiten Blick auf die Stadt.
Auch zur Station 5 geht es steil bergauf. Nur
wenige Gehminuten vom Lorcher Bahnhof ent-
fernt thront das Kloster Lorch über das 11.000-
Einwohner-Städtchen. Den schmalen Weg bis
zum Eingang der Anlage hochkraxelnd, sieht
man den „Luginsland“, einen kleinen Bau, der
wohl früher zur Überwachung der Fernstraßen
genutzt wurde, im Augenwinkel. Sonst eher
unscheinbar, hat er nun von Hild und K Architek-
ten ein Häkelkleid übergeworfen bekommen.
Schwer hängt es herunter. 55 ehrenamtliche Hel-
Station 4 Erreichbarkeit Durch die einfache Holz- fer aus der Stadt und aus dem Umland verarbei-
konstruktion wird aus der teten rund 115 Kilometer Nylonschnur in dieses
Lindenturm Vom Bahnhof Schwäbisch alten Linde eine Sitz-,
Gmünd 30 Minuten Wande- Tanz- und Schaulinde. Der
ausgefallene Patchwork-Werk. Jeweils in Form
Architekten rung durch den Wald Pavillon steht auf Schraub­ eines Fachwerkelements entstanden gehäkelte
Florian Nagler Architekten, pfählen, die vorsichtig in oder gestrickte Teilstücke. Die unterschiedlich
München den Boden geführt wurden,
feinen Strukturen erinnern an die filigranen Male-
um die Baumwurzeln nicht
Ort zu schädigen. reien in der benachbarten Klosterkirche. Das
Schwäbisch Gmünd Fotos: Beatrix Flagner Gehäkelte Haus ist wohl das ausgefallenste Pro-
(ganz oben); Remstal Gar-
jekt in der Pavillon-Reihe – und auch das einzige,
tenschau/Mario Klaiber
Schnitt im Maßstab 1:333 das nach 165 Tagen Remstal Gartenschau wieder
abgebaut wird. BF

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