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MINI LIEBT QUE(E)RDENKER.

Vor 60 Jahren haben wir unseren ersten Motor quer eingebaut und es zu unserer Philosophie
gemacht, den Status quo herauszufordern. Weil Ihr mutig das Gleiche tut, um unsere Gesellschaft
offener und toleranter zu gestalten, fühlen wir uns mit der LGBT+ Community verbunden.

CHARGED WITH PASSION.


FÜR VIELFALT. GEGEN HASS.
SERVUS ↓ CSD MÜNCHEN 2020

Liebe Leser*innen,
wir freuen uns ungemein, euch heute den PrideGuide zum Münchner Christopher Street Day
2020 in die Hände legen zu können. Wie so viele Menschen weltweit stellt uns das Jahr 2020 vor
große Herausforderungen. Voller Vorfreude und motiviert durch das Motto „Gegen Hass. Bunt,
gemeinsam, stark!“ waren wir ins Jahr gestartet. Doch plötzlich steht die Welt Kopf, eine globale
Pandemie greift um sich, schlagartig ist alles anders. Die Auswirkungen spürt jede*r bis jetzt.
Dass keine Großveranstaltungen möglich sind, trifft uns besonders hart, auch finanziell.
Doch ein Jahr ohne CSD wollen und können wir nicht zulassen. Der Kampf für gleiche Rechte und
Akzeptanz ist wichtiger denn je. In Deutschland, auch in unserer Stadt, nehmen Angriffe gegen
LGBTI*-Personen zu, Polen führt so genannte LGBTI*-freie Zonen ein. In den USA zeigen erschre-
ckende Beispiele, wie Polizeigewalt Leben nimmt. Systematische Unterdrückung und Gewalt
gegen Minderheiten sind schmerzhaftes, allgegenwärtiges Problem. Solidarität und Aktivismus
sind deswegen wichtiger denn je, lokal und international, innerhalb der Community und darüber
hinaus, eine Forderung von 14, die wir neben vielen anderen offen an Politik und Gesellschaft
Cover 2020 stellen. Es wäre leicht, in dieser Zeit die Kraft zu verlieren, aber gemeinsam haben wir uns wieder
Drag Queen Deluxe auf die Beine gekämpft: Wir haben Alternativen gefunden und freuen uns, Euch dieses Jahr einen
Pinay Colada neuen, alternativen CSD zu präsentieren, der im Kern jedoch der Alte ist. Sichtbarkeit online
Instagram: @misspinay_colada
– durch Beiträge der Community wird ein wichtiger Bestandteil sein in der PrideWeek, aber auch
fotografie in der Stadt setzen wir Signale: Neben Lichtinstallationen auf Gebäuden wie dem Olympiaturm
Alexander Deeg
Instagram: @alexander_deeg fahren Busse und Trambahnen mit Regenbogenfähnchen. Auch das Rathaus und die Fußgänger-
– zone werden beflaggt und an einer alternativen Demonstrationsform, den dezentralen CSD-De-
PRODUKTION
Manuel Dünfründt mo-Spots, arbeiten wir. Die PolitParade und das geliebte Straßenfest werden in digitaler Form
Frank Zuber stattfinden: Am Samstag, 11. Juli, senden wir in einem Live-Stream aus dem neuen lesbisch-quee-
Instagram: @zubercomputer
– ren Zentrum LeZ einen Tag lang Musik, Kunst, Diskussionen, Kurzfilme, Performances und mehr.
RIESENDANK Bleibt noch die schwierige finanzielle Situation aufgrund der fehlenden Einnahmen von Rathaus-
An Adam Tolnay-Knefely
und das Team des Tagungs- Clubbing und Straßenfest. Auch das bekommen wir mit eurer Hilfe in den Griff: Macht mit bei
zentrums der MüAH für unseren Fundraising-Aktionen, kauft unsere Shirts und Hoodies im CSD-Support-Shop bei
den großartigen Support
– www.spreadshirt.de. Und dank unserer treuen Sponsor*innen sowie des Kulturreferats München
besteht eine reelle Chance, dass wir mit Euch allen gut durchs Jahr kommen. Happy Pride!

Dear readers,
we are very happy to present you the PrideGuide of Munich’s Christopher Street Day 2020. Just
as for so many people worldwide, 2020 has presented us with major challenges. We started the
year full of excitement, motivated by our motto “Strong, divers and united against hate!” But
suddenly everything changed. The global pandemic started to spread and everything we knew
was turned on its head. Everyone has felt its impact, but the restrictions on major public events in
01 → S.10 Germany hit us particularly hard. After a brief shock, there was clarity: We would not and could
Gleiches Recht für alle!
not allow a year without Munich Pride. The fight for equal rights is more important than ever.
02 → S.12 Attacks against LGBTI* individuals are on the rise. Poland is introducing so-called “LGBTI*-free”
Artikel 3 +! zones. In the United States, cases of lethal police brutality are frighteningly common. Systematic
03 → S.14 oppression and violence against minorities is a painful, omnipresent issue. Solidarity is thus more
Stoppt den Hass! important than ever—locally, and internationally, within our community and beyond, a demand of
04 → S.16 14, which we, among many other demands, make to politics and society. It would have been easy
Trans*-Rechte jetzt! to lose strength during this time, but together, we have fought our way back onto our feet. We are
05 → S.18 happy to present you with a new Pride concept this year. Though it will be different, the essence
Inter* entscheiden selbst! is the same. In addition to showcasing community contributions online we will continue to post
06 → S.22 signs for LGBTI* visibility throughout the city, displaying rainbow light installations on major
Schule machen! buildings like the Olympic Tower and City Hall, and raising rainbow flags on city buses, trams, and
more. In addition, work on an alternative form of protest is underway through decentralised CSD
07 → S.24
Gleiche Rechte für demonstration locations. Finally, our beloved street festival will take place in a different form: on
Regenbogenfamilien! Saturday, July 11th, the new lesbian-queer center, LeZ, will live stream music, art, discussions,
08 → S.28 short films, and performances throughout the whole day. What remains is the difficult financial
Alter ist bunt! situation. Without income from our annual street festival and town hall clubbing events, we have
09 → S.30 found ourselves in a difficult situation. But with your help, we can tackle this challenge as well. You
Erinnert Euch! can contribute to our fundraising campaigns to make this year’s CSD possible. With your help, and
10 → S.32 with that from our loyal sponsors and the Munich Department of Culture, we will be able to contin-
Solidarität! ue our legacy of fighting for LGBTI* rights and representation this year and in years to come.
11 → S.34 —
Liebt grenzenlos! Julia Bomsdorf
Pressesprecher*in des CSD Münchens und Fachperson für Öffentlich-
12 → S.36
Bleiberecht für Geflüchtete! keitsarbeit bei der Beratungsstelle LeTRa
Press spokesperson for Munich Pride and responsible for public relations
13 → S.38
Ankerzentren dicht machen! at LeTRa counselling center
Foto Julia: Michael Trammer
14 → S.40
Schließt euch an!

www.csdmuenchen.de
Munich Pride 2020 and forever!

03
"Der Erfolg unserer
demokra tischen
Gesellschaft basiert auf
Vielfalt – und dazu gehört
M einungsvielfalt ebenso
wie die Toleranz, das
friedliche Miteinander
verschiedener Kulturen,
sowie die Möglichkeit
der freien Entfaltung
des Individuums”

-Sabine Bendiek

aka.ms/Pride2020DE
GRUSSWORTE ↓ THOMAS UND DIETER

Thomas Niederbühl Dieter Reiter

Liebe Freund*innen, seit 40 Jahren gehen wir als LGBTI*- Vor 40 Jahren hat in München der erste CSD stattge-
— —
Community beim CSD in München auf die Straße, um funden. Vieles hat die Community seither erreicht in
gleiche Rechte und gesellschaftliche Akzeptanz zu fordern. Deutschland. Angefangen mit der Abschaffung des unse-
Mit dem diesjährigen Motto „Gegen Hass. Bunt, gemein- ligen Paragraphen 175 und der Entkriminalisierung von
sam, stark!“ setzen wir uns solidarisch gegen Ausgren- Homosexualität über die Entschädigung der Opfer und die
zung, Diskriminierung und Gewalt ein. Wir wollen Respekt Einführung des Antidiskriminierungsgesetzes bis hin zur
und Anerkennung – nicht nur für uns und untereinander, Besserstellung von Trans*Personen, zur Gleichstellung
sondern für alle, gleich welcher Religion, Herkunft, sexuel- in der Ehe und zur Einführung eines dritten Geschlechts.
ler Orientierung oder Gender-Identität sie sind. Seit Jahrzehnten werden seitens der Landeshauptstadt
Doch ausgerechnet zum Jubiläum muss unser CSD im München große Anstrengungen unternommen, um die
Corona-Jahr anders stattfinden: mit einer PrideWeek von LGBTI*-Gemeinde zu stärken und ihre Anliegen in vielen
Off- und Online-Veranstaltungen, einer virtuellen Politpa- Bereichen der Stadtverwaltung gezielt aufzugreifen. Das
rade, einem Live-Stream-Bühnenprogramm und voraus- gilt für Bildung, Gesundheit und Kultur ebenso wie für die
sichtlich dezentralen Demo-Spots in der Stadt. Beteiligen Alten- und Jugendhilfe und die Felder Wohnen, Migrati-
PRIDE ↑ 2020

wir uns an den vielen kreativen Alternativen. Denn mit on und Stadtplanung. Mit dem neuen lesbisch-queeren
dem CSD wollen wir so viel queere Sichtbarkeit wie mög- Zentrum im Glockenbachviertel wurde jüngst ein weiterer
lich. Neben der Regenbogenbeflaggung am Rathaus, an öf- Meilenstein gesetzt.
fentlichen Plätzen, an Bussen und Tram-Bahnen könnten Leider stoßen Homo-, Bi- und Transsexualität immer
auch viele Regenbogenfahnen aus unseren Fenstern oder noch auf Vorbehalte und Ablehnung. Und noch immer gibt
von unseren Balkonen wehen. es hassmotivierte Taten gegen LGBTI*-Menschen. Deshalb
Handeln wir solidarisch und helfen dem CSD München gilt es weiterhin, für die gesellschaftliche Akzeptanz der
durch Unterstützung und Spenden, jede*r wie er*sie kann, vielfältigen sexuellen Orientierungen und Gender-Identitä-
das Krisenjahr zu überstehen. Das Supporter*in-Bändchen ten zu kämpfen und sich klar und deutlich gegen jede Form
ist ein schönes Zeichen dafür. von Homo- und Transphobie zu stellen. Dabei leistet der
Kämpfen wir dafür, dass wir in diesen schwierigen Münchner CSD als treibende Kraft seit Jahrzehnten nicht
Zeiten sichtbar bleiben und unsere LGBTI*-Anliegen nicht nur ganz hervorragende Arbeit, sondern glänzt zusammen
unter den Tisch fallen. Damit wir in Zukunft wieder auf mit den Veranstaltungen der PrideWeek seit jeher auch als
die Straße gehen, demonstrieren und feiern können: bunt, buntes Aushängeschild für ein tolerantes und weltoffenes
gemeinsam, stark – gegen Hass! München. Worauf wir selbst in Zeiten von Corona nicht
Habt trotz allem einen kämpferischen Christopher verzichten müssen – der virtuelle CSD 2020 macht‘s mög-
Street Day 2020 und bleibt gesund! lich. Auch dafür meinen ganz herzlichen Dank!
— —
Thomas Niederbühl ist Dieter Reiter ist
politischer CSD-Sprecher und Stadtrat Schirmherr des CSDs und Oberbürgermeister
der Rosa Liste im Münchner Rathaus. der Landeshauptstadt München.
Foto Thomas: Tibor Bozi Foto Dieter: Münchner Rathaus

FOLLOW munich pride ON

06
di.to. – das queere Netzwerk
der REWE Group – unterstützt
den Chistopher Street Day
München 2020

#REWEDEINMARKT
#REWEDEINCSD

rewe-group.com/de/unternehmen/dito
facebook.com: rewe group – di.to.
CSD MÜNCHEN ↓ PRIDEWEEK 4. BIS 12. JULI 2020

SO WIRD DER
CSD 2020 LAUFEN!
1980, 2020 UND FOREVER!
Im Sommer 1980 zog der erste
CSD durch Münchens Straßen. PRIDEWEEK MÜNCHEN
Doch seit März wissen wir: Die Fei-
er zum 40. Jubiläum wird am 11. Juli vom 4. BIS 12. JULI
nicht so rauschend ausfallen wie
ursprünglich geplant. Unter dem ALLE EVENTS AUF: WWW.CSDMUENCHEN.DE
Eindruck der Corona-Pandemie
Vom 4. bis 12. Juli wird es eine PrideWeek geben. Auch wenn die Möglichkeiten,
muss das Hochsommer-Highlight
heuer unter ungewöhnlichen Be- Events durchzuführen, heuer eingeschränkt sind: Vorfreude ist maßlos! Sorgt
dingungen und größtenteils online dafür in eurer Community und meldet eine Veranstaltung an. Auch kleine Events
stattfinden. Dennoch wird vom haben eine große Wirkung! Wir freuen uns über euer Engagement und eine Woche
4. bis 12. Juli die LGBTI*-Commu- voller bunter Highlights, die den Weg zum Höhepunkt, dem CSD-Samstag ebnen.
nity sichtbar und Pride-Spirit in
München spürbar!

TROTZDEM SICHTBAR
Bereits Ende 2019 hatte sich DEZENTRALE DEMO-SPOTS
der Szenestammtisch, der Zu-
sammenschluss aller Münchner
am 11. JULI IN DER MÜNCHNER CITY
LGBTI*-Vereine, auf das Motto für
2020 geeinigt. „Gegen Hass. Bunt, WICHTIG! ALLE UPDATES: WWW.CSDMUENCHEN.DE
gemeinsam, stark!“ zeigt klare
politische Kante gegen Rechts, Zu viele Demonstrationen sind in der letzten Zeit aus dem Ruder gelaufen. Lasst
spiegelt aber auch die Vielfalt und uns als Münchner LGBTI*-Community zusammen ein positives Beispiel geben,
die Lebensfreude der Community wie wir auch unter Einhaltung der Corona-Regeln kreativ und mit Engagement für
wider. Und obwohl dies in diesem unsere Rechte eintreten und sichtbar sein können. Unser Plan:
Jahr coronabedingt weniger öf-
1 — Angemeldete LGBTI*-Gruppen oder Vereine etc. verteilen sich dezentral
fentlich sichtbar ist, werden ihre an vielen fixen Positionen (Demo-Spots) in der ganzen Innenstadt – nicht wie
Themen präsent sein. Im Mittel- bei einer normalen CSD-PolitParade, wie ihr sie kennt, bei der sich alle Men-
punkt stehen 14 politische For- schen an einem Ort sammeln.
derungen, für die sich die Szene
stark macht. Darunter: Solidarität 2 — CSD heißt normalerweise feiern und fordern. In diesem Jahr konzentrie-
für Geflüchtete und verfolgte ren wir uns auf das Fordern. Wir demonstrieren mit Bannern und Schildern,
machen uns und unsere Anliegen sichtbar. Aber wir verzichten auf Musik,
LGBTI* weltweit, die Forderung
Ansprachen und jede Art von Inszenierung, die Passant*innen zum längeren
nach Diskriminierungsschutz, Verweilen und damit gefährlicher Gruppenbildung verleiten könnten.
mehr Rechte für trans* und inter*
Menschen, Akzeptanz in Bildung, 3 — Wir begrenzen die Teilnehmer*innenzahl. Nur wer sich vorab anmeldet,
der Kampf gegen Hassverbrechen kann dabei sein. Abstandsregeln werden eingehalten. So können wir als Ver-
und nicht zuletzt ein solidarisches anstalter*in die Aktion trotz ihrer Größe verlässlich planen und sicher für alle
durchführen.
Miteinander innerhalb der eige-
nen Community. Auch wenn heuer Zum Redaktionsschluss gab es noch offene Punkte mit
ein alternativer Pride gefeiert Behörden und Polizei. Aktuellste Infos und FAQs zur Akti-
wird, möchten wir euch das, was on CSD-Demo-Spots findet ihr auf www.csdmuenchen.de.
die Teams des CSD München auf
die Beine gestellt haben, unbe-
dingt ans Herz legen, denn es
lohnt sich. Seid dabei, seid online!

prideweek und stream SHIRTS und mehr: shop.spreadshirt.de/csdmuenchensupportshop
www.csdmuenchen.de

08
Live-STreAm
Am 11. JuLi AB 12 uhr im neTZ

E W A H L .
E I N
STREAM: WWW.CSDMUENCHEN.DE

M RESPEKT.
DEIN
12:00 bis 19:30 Uhr
Der CSD-Livestream ist das Herzstück der diesjährigen
Feierlichkeiten – wahrhaft ein vielseitiges Online-Pro-
gramm mit hohem Anspruch und aufwändiger Technik!
Rund 16 Stunden sind für den Stream eingeplant, bei dem
das lesbisch-queere Zentrum „LeZ“ in der Müllerstra-
ße seinen ersten großen Auftritt hat. Noch vor dessen
offizieller Eröffnung im Herbst wird es am Samstag, den
11. Juli zum zentralen Sendestudio. Im Stream planen
wir von 12 bis 19:30 Uhr alles, was die Szene bewegt: Wir
sprechen mit Regenbogenfamilien und stellen euch eure
neuen queeren Stadträt*innen vor, diskutieren über
jüdisches Leben in der Community, über Hassverbrechen
gegen LGBTI*, benennen die Probleme von trans* und in- INFORMIER DICH,
ter* Menschen, ebenso wie die der PoC (People of Colour),
wir stellen euch die Lebenswelten queerer Senior*innen,
über den Schutz vor HIV: Egal ob Kondom, PrEP oder Schutz durch

Jugendlicher, Bisexueller sowie das aufregende Leben


Therapie. Ob du eine oder mehrere Methoden nutzt, entscheidest du.

der Drag Queens vor. Und es gibt Sounds satt: Ob junge,


unverbrauchte Münchner Bands oder Performer*innen Verschiedene Menschen – verschiedene Methoden.
der ESC-Szene wie der litauischen Band „The Roop“, deren Schutz verdient Respekt! Erfahre mehr auf:
Song „On Fire“ (wer erinnert sich nicht an die ausdrucks-
starke Hand-Choreo!) in Deutschland zum Sieger der
Herzen gekürt wurde: Lasst euch überraschen, lasst euch www.iwwit.de
mitreißen von Künstler*innen mit queerer Handschrift.

PRIDE ↑ 2020
Außerdem senden wir Einspieler mit kurzen Beiträgen
von Stimmen aus der Community – politisch, originell,
informativ oder einfach mal crazy.
190517_Meine_Wahl_Dein_Respekt_Duisburg.indd 1 17.05.19 10:56

19:30 – 04:00 Uhr
Ab 19:30 Uhr geht´s dann ab in die Clubs: Queere DJs und
DJanes vom Harry Klein, NY.Club, Playground und Folks
an den Turntables und begleiten euch in die Nacht. Der
CSD-Livestream ist so bunt und queer wie die Communi-
ty selbst und wir sind sicher: Ihr bleibt dran!

Social-Media-Madness: bringt euch ein!
Während des Streams könnt ihr, sollt ihr, wollen wir,
dass ihr euch beteiligt: stellt Fragen, schickt uns Bilder,
zeigt uns euren Pride und wir lassen alles in den Stream
einfließen – ihr seid der CSD!

Gibt’s was zu gewinnen? Hell yeah!
Verfolgt den Stream aufmerksam und verpasst keine
Chance, einen von vielen Preisen zu ergattern!

FEATURING

HOL SIE DIR!


Die erste deutsch-
sprachige
Broschüre mit allen
wichtigen Infos.

Vielfältige Menschen,
vielfältige Körper.
Wir alle sind
Teil der Szene!
Foto: Paulius Zaborskis

Erfahre mehr auf:


www.iwwit.de/trans

What the Roop?

200605_AZ_Trans_Broschuere_105x148.indd 1 09
05.06.20 15:26
POLITISCHE FORDERUNGEN ↓ CSD MÜNCHEN

"Be outraged, offended,


angry and intolerant of
any discussion or any
one who describes you as
unequal, undeserving or
unnatural for being just
PRIDE ↑ 2020

as you are."
Gleiches Recht für alle!
Equal rights for all!
Forderung DEMAND ↓ 01
Gleiches Recht für alle! Wir wollen keine Sonderbehandlung, wir fordern
gleiche Rechte und Akzeptanz. Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans* und inter*
Menschen sind in ihrer Vielfalt eine Bereicherung für die Gesellschaft. Wir
tragen als Community und Individuen unseren Teil zum Leben der anderen bei
wie alle anderen auch.

STORY ↓
Larry Kramer war zuerst da, ein Vorkämpfer in Zeiten der Aids-Pandemie, dem
es früh darum ging, die Gesellschaft wachzurütteln und anzuklagen für das
Unrecht, das ihnen allen und uns angetan wurde. Der Mitbegründer von ACT
UP sorgte, als die Reagan-Regierung gleichgültig blieb, mit krassen Aktionen
für Schlagzeilen und wurde zum Vorbild für die Community, auch außerhalb
der USA. Jede*r kennt den Spruch „Silence = Death“, den ACT UP prägte und der
mit dazu führte, dass die Welt HIV und Aids als Problem begriff, das alle anging.
Bis vor wenigen Wochen noch hat er sich als Autor, Dramatiker und Aktivist für
LGBTI*-Belange eingesetzt. Am 27. Mai 2020 verstarb Larry Kramer überraschend;
er wurde 84 Jahre alt. Das Gedenken an ihn und seine Taten machen ihn für uns
unsterblich. ● CONRAD BREYER

10
POLITISCHE FORDERUNGEN ↓ CSD MÜNCHEN

munich pride

Artikel 3+!
Article 3+!

Forderung DEMAND ↓ 02
Artikel 3 +! Wir fordern einen umfassen-
den Diskriminierungsschutz. Es gibt zwar
das Allgemeine Gleichbehandlungsge-
setz, aber der Schutz vor Diskriminierung
aufgrund von sexueller Orientierung und
so sang er. Die Freiheit, Mensch selbst zu angeschoben. Heute sehen wir, dass die
PRIDE ↑ 2020

Geschlechtsidentität genießt keinen


Verfassungsrang. Im Katalog der Diskri- sein, in aller Einzigartigkeit, darauf kommt Gesetzgebung von damals nicht ausreicht,
minierungsverbote in Artikel 3, Absatz 3 es an, das macht uns alle reich. Es ist die dass dringend nachgebessert werden
des Grundgesetzes finden beide Charak- Aufgabe des Staates, diesen Anspruch in muss. Beispielsweise muss der Diskrimi-
teristika keine Erwähnung. Das muss sich die Wirklichkeit umzusetzen. nierungsgrund des Geschlechtes europa-
ändern. rechtskonform auch Diskriminierungen
Von einer gleichberechtigten, pluralen und auf Grund der Geschlechtsidentität und

STORY ↓ regenbogenbunten Gesellschaft sind wir demnach trans- und intergeschlechtliche
leider noch immer weit entfernt, wenn- Menschen umfassen und es braucht um-
gleich große Meilensteine auf dem Weg fassendes Klagerecht für Antidiskriminie-
14 Jahre AGG: Zeit errungen wurden. Dazu gehört auch das rungsverbände. Es ist zudem ein Skandal,
Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) dass die Leitung der Antidiskriminierungs-
für umfassenderen von 2006, welches anstrebt, Benachteili- stelle des Bundes, die maßgeblich mit der
Diskriminierungs- gungen auf Grund rassistischer Diskri- Umsetzung des AGG betraut ist, seit nun
minierung (der im Wortlaut des Gesetzes mehr über zwei Jahren unbesetzt ist. Auch
schutz und volle noch verwendete Begriff der „Rasse“ gehört ist das AGG längst nicht genug, da es den
Anerkennung! gestrichen), ethnischer Herkunft, des privaten Sektor betrifft und wir außerdem
Geschlechtes, der Religion oder Weltan- auch Rahmen für alle Bereiche staatlichen
schauung, einer Behinderung, des Alters Handelns brauchen. Berlin geht mit seinem
oder der sexuellen Identität zu verhindern Landesantidiskriminierungsgesetz hier vo-
oder zu beseitigen. Es gilt für Personen ge- raus. Es gibt demnach noch viel zu tun und
genüber ihrer Arbeitgeber*in oder anderen zu erstreiten, um das AGG zu verbessern
Story: Sandra Henoch

privaten Dritten und hat die Rechte von und weitere gesetzliche Rahmenbedingun-
Foto: Rasmus Tank

Ein Text von Claudia Roth, MdB von Bünd- Betroffenen deutlich gestärkt. Durch das gen zu schaffen, die LGBTIQ wirkungsvoll
nis 90/Die Grünen und Vize-Präsidentin AGG konnte Antidiskriminierungskultur in vor Gewalt und Diskriminierung schützen
des Deutschen Bundestags. vielen Unternehmen etabliert werden. Viele und ihnen tatsächlich gleiche Rechte und
Arbeitgeber*innen haben verstanden, dass volle Anerkennung verschaffen. Nicht
Der Einsatz für die Rechte von marginali- es beim Antidiskriminierungsschutz um zuletzt gehört unser im Grundgesetz ver-

sierten Gruppen war und ist auch ein steter Grundrechte geht und die Anerkennung ankertes Diskriminierungsverbot endlich
Kampf für die universellen Menschenrech- und Wertschätzung von „Diversity“ sich auch durch das Merkmal der sexuellen
te: Werden Menschen nicht gleichwertig eben auch auszahlen kann. Identität erweitert.
behandelt, dann ist das kein Nischenthe- Denn: Die Würde eines Menschen ist
ma, sondern wir sind alle betroffen, es ist Dennoch: Das AGG kam nur schwer in unantastbar, eines jeden Menschen, ob in

im Kern ein Angriff auf unser aller Würde. Gang, nicht zuletzt von Seiten der Wirt- Deutschland oder weltweit. Um nichts we-
Hier prägte mich mein lieber Freund und schaft und der Kirche gab es starke Wider- niger geht es, für nichts weniger kämpfen
Weggefährte Rio Reiser besonders: „Ich stände. Erst durch Mahnungen der Euro- wir. ● CLAUDIA ROTH, REDAKTIONELLE MITARBEIT AN DIESER
will ich sein, anders kann ich nicht sein“, päischen Kommission wurde der Prozess STORY: SANDRA HENOCH

12
Wir lieben
bunte Vielfalt.

Stadtsparkasse München –
die Bank für alle.
Offen, individuell und modern.

sskm.de
POLITISCHE FORDERUNGEN ↓ CSD MÜNCHEN

munich pride

Stoppt den Hass!


Stop the hate!

Forderung DEMAND ↓ 03
Stoppt den Hass! Der Staat muss Hass-
verbrechen konsequent verfolgen. In
den Ausführungen zur Hasskriminalität,
Hamburger Polizei, zunächst noch im Ne- LSBTI-Kolleg*innen an uns wenden, wir
die seit 2015 im Strafgesetzbuch stehen,
benamt. Das Thema Hasskriminalität wur- kümmern uns um Nachwuchsgewinnung
sollten ausdrücklich auch LGBTI*-feindli-
de aber immer wichtiger und Politik sowie und zeigen, dass man sich auch als queere
che Motive benannt werden. Außer in den
Verbände sahen einen erhöhten Hand- Person bei der Polizei gut bewerben kann.
Stadtstaaten Berlin und Hamburg ignoriert
lungsbedarf. 2016 richtete das Polizeipräsi-
die Polizei bundesweit bislang dezidiert
dium zwei hauptamtliche Stellen ein, was PG: Was versteht ihr unter Hasskrimi-

PRIDE ↑ 2020

homo-, bi-, trans*- und inter*-phobe Be-


ganz im Sinne des ein Jahr später verab- nalität? Zunächst einmal richten wir uns
weggründe. Hassverbrechen müssen als
schiedeten „Aktionsplans für Akzeptanz nach der so genannten Legaldefinition des
solche erfasst werden und in den Statisti-
sexuelle und geschlechtliche Vielfalt“ war. Bundeskriminalamts und verstehen dar-
ken der Behörden aller Länder auftauchen.
Marco kam 2018 dazu und Petra macht das unter jede Art politisch motivierter Krimi-
aktuelle Duo seit September 2019 komplett. nalität. Wir nennen es gerade in unserem
STORY ↓
Bereich aber lieber „gruppenbezogene Men-
PG: Warum habt ihr euch für diese schenfeindlichkeit“, denn das trifft den

Zeigt Hass- Stelle beworben? Wir sind selbst Teil der Kern besser. LSBTI und ihre Abweichung
kriminalität an! LSBTI-Community und haben das sozu- zur heterosexuellen Norm werden nun mal
sagen aus persönlichem Interesse getan. von manchen Menschen nicht akzeptiert.
Außerdem kannten wir beide uns von der Daraus entsteht eine Abneigung, die in
Polizeischule und sind auch von daher ein Gewalt münden kann.
gutes Team.
PG: Wie sieht diese Gewalt konkret aus?

PG: Wie sieht euer Arbeitsalltag aus? Sie stellt sich sehr unterschiedlich dar:

Neben der Arbeit mit Gewaltopfern schulen Das geht von Beleidigungen aller Art über
wir Kolleg*innen, unterrichten an der Nachbarschaftsstreitereien, deren eigent-
Akademie der Polizei und klären in an- licher Kern in einer Homo- bzw. Trans*-
deren Kommissariaten und Dienststellen Phobie liegt, bis hin zu gezielten Straftaten
Story: Bernd Müller
Foto: Polizei Hamburg

über LSBTI auf. Nicht zuletzt können sich wie Raub und Körperverletzung. Gerade bei
Das Bundesland Hamburg hat etwas
geschaffen, was von queeren Institu-
tionen in Bayern schon lange gefordert
wird: Mit Petra Marzian und Marco
Burmester-Krüger gibt es seit September
2019 im Dezernat „Prävention und Opfer-
schutz“ zwei hauptamtliche Mitarbeit-
er*innen, die sich um das Thema Gewalt
gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle,
Transgender und Intersexuelle (LSBTI)
kümmern. Wir haben mit den beiden über
ihre Arbeit gesprochen.

PG: Wie kam es zur Einrichtung eurer



beiden Stellen? Schon 1996 gab es An-
sprechpartner*innen für LSBTI bei der

14
Raubdelikten verlassen sich Täter*innen ist. Denn zum einen trauen sich Menschen
oft darauf, dass Opfer keine Anzeige erstat- häufig nicht, eine Tat anzuzeigen, weil sie
ten, weil sie sich immer noch schämen und kein Vertrauen in die Polizei haben. Zum Unterstützung,
vor der Polizei nicht outen wollen. anderen werden viele Fälle von der Polizei Beratung, Hilfe
aus nicht als LSBTI-relevant erkannt und
PG: Wie könnt gerade ihr als queere Po-

diesem Spektrum nicht zugeordnet. Diese und Information
lizist*innen helfen? Natürlich kann man Dunkelziffer zu senken ist eines unserer
seine Anzeige online oder auch bei jeder obersten Ziele.
Polizeidienststelle aufgeben. Wir finden es Für lesbische,
aber besser, wenn queere Menschen direkt PG: Wie reagiert die queere Szene auf

zu uns kommen, denn wir können mehr euch? Die reagiert positiv. Die Zusammen-
schwule, bisexuelle,
leisten als die reine Anzeigenaufnahme. arbeit mit den entsprechenden Insti- trans* und inter*-
Uns muss man Umstände zum eigenen tutionen ist gut, wir sind in ständigem
Lebensstil nicht mehr erklären. Wir wissen Austausch und vermitteln Betroffene an
Personen, die Gewalt
beispielsweise, welche Probleme Men- queere Vereine, Beratungsstellen und Orga- erlebt haben.
schen in der Transition haben und können nisationen. Außerdem zeigen wir uns zum
detaillierter fragen und den Menschen mit CSD oder sind bei anderen öffentlichen
mehr Verständnis begegnen. Wir setzen Veranstaltungen präsent.
uns mit Betroffenen auch mal in ein Café
oder hören uns ihre Geschichte auf einer PG: Was ist eure wichtigste Botschaft

Parkbank an, denn niemand soll sich allein in Richtung queere Community? Zeigt
gelassen fühlen. alle Formen von Hasskriminalität an. Habt
keine Scheu, homo- oder trans*feindli-
PG: Wie viele Betroffene kommen auf che Taten bei der Polizei zu melden, im

euch zu, gibt es Zahlen oder Statistiken? schlimmsten Fall auch über den Notruf.
Das ist ein schwieriger Punkt. Zwar gibt das Zumindest sollte jede Tat online gemeldet
Bundeskriminalamt jährlich Statistiken werden, damit wir realistische Zahlen ha-
auch zur Hasskriminalität gegen LSBTI ben, aus der Dunkelziffer rauskommen und 089 856346427
heraus, aber wir sind sicher, dass gerade gezielte Maßnahmen ergreifen können. strong@subonline.org
in diesem Bereich die Dunkelziffer hoch ● DAS INTERVIEW FÜHRTE BERND MÜLLER

„Das geht von Beleidigungen aller Art über Nachbarschaftsstreitereien, deren eigentlicher Kern
in einer Homo- bzw. Trans*-Phobie liegt, bis hin zu gezielten Straftaten wie Raub und Körperverletzung.“
POLITISCHE FORDERUNGEN ↓ CSD MÜNCHEN

Eltern, Geschwistern, Partner*innen und gehen? Was ist die angebrachte Reaktion?
Freund*innen nicht einfach zugestehen, Welche Fragen soll oder darf ich stellen?
wie sie sich fühlen, ohne dies in Frage zu Viele Angehörige sind erst einmal wie vor
stellen? Insbesondere, wenn sie endlich den den Kopf gestoßen. Einige fangen an, über
Mut gefasst haben und uns anvertrauen, Transidentität im Internet zu recherchie-
dass sie trans* sind? ren, andere versuchen, es zu ignorieren und
Forderung DEMAND ↓ 04 Bevor meine Frau mir nach 20 Jahren hoffen, dass es nur eine Phase ist und wie-
Trans*-Rechte jetzt! Wir brauchen keine Beziehung von ihrer Transidentität be- der vergeht, und wieder andere reagieren
Reform des Transsexuellengesetzes, richtete, dachte ich, wir wären ein „Main- mit absoluter Ablehnung ihren betroffenen
es gehört abgeschafft und durch ein stream“-Heteropärchen und würden uns Angehörigen gegenüber.
neues Gesetz zur geschlechtlichen von der Mehrheit der Gesellschaft nicht Ich hatte die glückliche Situation, dass
Selbstbestimmung ersetzt. Wer trans* unterscheiden. Dann platzte diese Nach- zwischen dem Coming-Out meiner Frau
ist, muss Namen und Personenstand richt plötzlich in mein Leben und zog mir und dem Beginn ihrer Transition mit dem
selbstbestimmt ändern dürfen, wie das den Boden unter den Füßen weg. Alles, was Start der medizinischen Behandlung mehr
in vielen Ländern der Welt möglich ist. ich bis dahin für in Stein gemeißelt gehal- als drei Jahre vergingen, in denen ich Zeit
Selbstbestimmung muss allen Menschen ten hatte, wurde plötzlich in Frage gestellt. hatte, mich mit dem Thema anzufreun-
zugestanden werden. Unsere Vorstellung Was ist ein Mann? Was ist eine Frau? Fühlt den und vor allem, und das war und ist für
ist: Mensch stellt einen Antrag, geht zum sich der Mann, den ich so viele Jahre schon mich der Schlüssel zu unserem weiteren
Standesamt und trägt sein Geschlecht kenne und liebe, tatsächlich als Frau und gemeinsamen Weg, zu sehen, zu erleben
ein, das ist alles. Wir wollen dafür eine warum habe ich davon nie etwas bemerkt? und zu fühlen, wie sehr sie unter der
Regelung, die die Betroffenen unterstützt Habe ich etwas falsch gemacht? Hätte ich Situation gelitten hat. Nur dadurch, dass
und schützt, eine Personenstandsände- das verhindern können? sie mich an ihrem Leiden hat teilhaben
rung ohne Gutachten, ärztliche Atteste lassen, habe ich verstehen können, dass sie
nicht mehr länger als Mann leben kann,

oder gar Gerichtsverfahren. Auch die me- Plötzlich schlägt das Thema
dizinischen, geschlechtsangleichenden Trans* in dein Leben ein dass es keinen anderen Ausweg gibt, als die
Leistungen müssen verbessert werden. Als Angehörige*r, und da geht es Part- Transition zu starten und vor Allem: dass
Bei der Ausbildung des Fachpersonals ner*innen von trans* Menschen ebenso ihr Leben davon abhängt! Nur dadurch,
sollte dazu mehr vermittelt werden. Der wie Eltern, Geschwistern oder anderen dass ich dies verstehen konnte, habe ich die
Medizinische Dienst der Krankenkassen Familienmitgliedern, findet man sich Kraft gefunden, mit meiner Frau gemein-
und die Krankenkassen selbst müssen völlig unerwartet in der Situation wieder, sam die Transition durchzustehen, mit
darüber hinaus endlich die neuen S3-Be- dass das Thema Trans*, das man bisher
handlungs-Leitlinien akzeptieren und vielleicht nur aus den Medien kannte, ohne
Vorwarnung Teil des eigenen Lebens wird.
Evelyn und Anja ↓ ein starkes
umsetzen. Sie erleichtern trans* Men-
Wie soll man nun mit dieser Situation um-
Mutter-Tochter-Team, foto-
schen vieles. grafiert in München im Mai
PRIDE ↑ 2020

2020. Unsere Autorin Sandra


und Evelyn sind gemeinsam in
STORY ↓
der Angehörigengruppe.

Reden ist Silber,


Schweigen aber
nicht immer Gold.

Story: Sandra Höstermann-Schüttler


Foto: Frank Zuber

Sandra Höstermann-Schüttler, selbst mit


einer trans* Frau verheiratet, leitet seit
fast vier Jahren eine Selbsthilfegruppe
für Angehörige von trans* Menschen.
Sie schreibt hier über die Schwierigkeit-
en von Angehörigen und Betroffenen,
miteinander ins Gespräch zu kommen.

Warum fällt es uns manchmal so schwer,



über unsere Gefühle zu reden? In meiner
Arbeit mit Angehörigen von trans* Men-
schen höre ich immer wieder von Situatio-
nen, wo Betroffene und ihre Familien nicht
die Kraft finden, miteinander zu reden und
gegenseitiges Verständnis aufzubringen.
Aber warum fällt es uns manchmal so
schwer, anderen Menschen unsere Gefühle
nahe zu bringen und ihnen zu erklären,
Trans*-Rechte jetzt!
wie es in uns aussieht? Und umgekehrt:
warum können wir unseren Kindern,
Trans* rights now!
munich pride

16
allen Höhen und Tiefen - und davon hatten kann, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als steckt habt. Lasst eure Angehörigen nach
wir wahrlich mehr als genug. ihrem Kind zu glauben, wenn es ihnen von eurem Coming-Out nicht einfach allein
seiner Transidentität berichtet. Aber für mit der Tatsache, dass ihr trans* seid und
Eltern, die ihre ureigenste Aufgabe darin es jetzt schnellstmöglich mit der medi-

Ihr habt einen Gefühlsvorsprung –
ein Appell an Betroffene sehen, ihr Kind zu beschützen, bringt eine zinischen Behandlung losgehen soll. Das
Liebe trans*Menschen, bitte zeigt eurer beginnende Transition viele Unsicherhei- überfordert viele Angehörige einfach.
Familie, euren Partner*innen und euren ten und Situationen mit sich, die sie nicht
Freund*innen, wie ihr euch fühlt. Versucht beeinflussen können. Ihr Kind wird sich

Macht eure Angehörigen
ihnen zu erklären, wie sehr ihr leidet und auf einen Weg begeben, wo es nicht nur zu euren Verbündeten
dass ihr euch nicht nur in einer Phase be- psychologische Betreuung bekommen Schämt euch bitte auch nicht, ihnen zu
findet, die wieder vorbeigehen wird, weil es wird, sondern auch mit Hormonen oder erklären und zu zeigen, wie sehr ihr leidet.
Teil eurer Pubertät ist oder ihr euch gerade sogar operativen Eingriffen seinen Körper Wenn eure Angehörigen verstehen, dass
in der Midlife-Crisis befindet. verändern wird - und dies unter Inkauf- ihr ohne die Transition nicht mehr leben
Vergesst nicht, dass ihr euch schon nahme von allen möglichen Komplikati- könnt, dass ihr euch diesen Schritt lange
seit einiger Zeit mit dem Thema Trans* onen. Natürlich bekommen Eltern Angst und gut überlegt habt und nicht aus einer
beschäftigt habt und nicht nur einen davor. Dies ist keine Situation, die Eltern Laune heraus plötzlich „entschieden habt“,
Wissens-, sondern auch einen Gefühlsvor- sich für ihr Kind wünschen und viele trans* zu sein (und was für ein Quatsch ist
sprung habt. Eure Angehörigen hingegen Eltern hoffen, dass es niemals zu diesen das? Niemand entscheidet sich, trans* zu
wissen vielleicht noch überhaupt nichts zu drastischen körperlichen Eingriffen kom- sein…), dann könnt ihr es schaffen, eure
diesem Thema und kennen mitunter noch men wird. Angehörigen zu euren Verbündeten zu ma-
nicht mal den Unterschied zwischen Tran- Liebe trans* Menschen, eure Ange- chen. Ihr könnt euch gemeinsam auf den
sidentität und Travestie. Vielleicht denken hörigen und Freund*innen haben nach Weg der Transition machen, gemeinsam
sie, ihr werdet die nächste Conchita Wurst eurem Coming-Out vielfach Angst vor dem gegen die Widrigkeiten kämpfen, denen
oder Olivia Jones. Nur ihr könnt ihnen da- Weg, der vor euch liegt. Und auch wenn ihr ihr begegnen werdet und ihr könnt durch
bei helfen, die Fakten richtig zu ordnen! es einfach leid seid, eure Situation, eure eure Angehörigen den Rückhalt finden, den
Gefühle und eure Wünsche immer und ihr auf dem Weg, der vor euch liegt, so gut
immer wieder erklären zu müssen: helft gebrauchen könnt. Das kostet Kraft, das

Eltern haben einfach
nur Angst um ihre Kinder ihnen, eure Situation zu verstehen! Sprecht kostet Zeit und das kostet jede Menge Mut.
Insbesondere Eltern fällt es oft schwer, die darüber, wie lange es euch schon so geht Aber ich bin zutiefst davon überzeugt, dass
Transidentität ihres Kindes zu akzeptieren. und dass ihr vielleicht sogar mit eurem es sich lohnt. ● Sandra Höstermann-Schüttler
Ich glaube, dass viele Eltern, insbesonde- Coming-Out und der Transition gewartet
re Eltern von jüngeren und jugendlichen habt, weil Ihr Angst hattet, eure Familie
trans* Kindern, einfach nur Angst haben, und Partner*innen zu verlieren. Erklärt
Selbsthilfegruppe für Angehörige von

dass ihr Kind einen Fehler begeht. Dadurch, ihnen, dass ihr in der Vergangenheit nicht
trans* Menschen jeweils am 2. Mittwoch
eines Monats um 18 Uhr im SHZ, Westendstr.

dass natürlich niemand Transidentität sie belogen habt, sondern vielmehr euch

Kontakt: Trans-Angehoerige@gmx.de
objektiv oder gar medizinisch „beweisen“ selbst, indem ihre eure wahre Identität ver-

H e r ze n s ind
Im
wir live dabei!
POLITISCHE FORDERUNGEN ↓ CSD MÜNCHEN

munich pride

Inter* entscheiden selbst!


Inter* decide for themselves!
PRIDE ↑ 2020

Forderung demand ↓ 05 STORY ↓


Inter* entscheiden selbst! Wir kämpfen
für Selbstbestimmung. Die Einführung
des dritten Geschlechts war ein großer Wir kämpfen für
Erfolg. Auch hier aber sollten die Betroffe-
nen selber entscheiden: Wir fordern die
Selbstbestimmung.
Anerkennung einer Inter*-Definition, die in
Zusammenarbeit mit Selbstorganisatio-
nen entsteht und nicht von oben verordnet
wird durch vermeintlich medizinische Nor-
men. Die Pflicht, ein Gutachten einzuholen,
bevor eine Änderung des Personenstands
("Divers") möglich ist, lehnen wir ab. Und
wir setzen uns dafür ein, dass Operationen
verboten werden, die ohne Zustimmung Story: Sandra Höstermann-Schüttler
der Betroffenen durchgeführt werden.

18
Inter* - was ist das überhaupt? durchgesetzt, nicht mehr den Begriff Welche Definition von Inter*
In einer Stellungnahme aus dem Jahr „Störungen der Geschlechtsentwicklung“ fordern Selbsthilfeorganisationen?
2012 definiert der Deutsche Ethikrat zu verwenden, sondern „Varianten der Grundsätzlich beschreiben auch Selbsthil-
Intersexualität als eine Bezeichnung für Geschlechtsentwicklung“. feorganisationen für inter*Menschen die
„Menschen, die sich aufgrund von körper- Einfach ausgedrückt bezeichnet Interse- medizinisch-biologischen Grundlagen von
lichen Besonderheiten nicht eindeutig als xualität oder „Variante der Geschlechts- Intersexualität, kämpfen allerdings dafür,
männlich oder weiblich einordnen lassen.“ entwicklung“ also einen biologisch-medi- dass inter* nicht mehr als behandlungs-
Laut Wikipedia bezeichnet Intersexualität zinischen Zustand, der irgendwo zwischen würdiger oder gar krankhafter Zustand
oder Intergeschlechtlichkeit „zusammen- genetisch/medizinisch eindeutig männlich angesehen wird. Der Verein „Intersexuelle
fassend sehr unterschiedliche klini- und genetisch/medizinisch eindeutig weib- Menschen e.V.“ schreibt beispielsweise auf
sche Phänomene mit unterschiedlichen lich angesiedelt ist. seiner Homepage: „Der Begriff Intersexua-
biologischen Ursachen, so beispielsweise lität bezeichnet biologische Besonderheiten
Abweichungen der Geschlechtschromoso- bei der Geschlechtsdifferenzierung. In-
men oder genetisch bedingte hormonelle
Entwicklungsstörungen.“
"Wir FOrdern die tersexuelle Körper weisen deshalb Merk-
male vom weiblichen und vom männlichen
So finden sich im aktuell noch gülti- Geschlecht auf.
gen ICD-10 (International Classification of
Diseases), der von der Weltgesundheits-
AnerKennung einer Es handelt sich also um Menschen, de-
ren geschlechtliches Erscheinungsbild von
organisation herausgegebenen „Interna-
tionalen statistischen Klassifikation von
inTer*- deFiniTiOn, die Geburt an, hinsichtlich der Chromosomen,
der Keimdrüsen, der Hormonproduktion
Krankheiten und verwandter Gesundheits-
probleme“ vielfältige Krankheitsbilder, die
in ZuSAmmenArBeiT und der Körperform nicht nur männlich
oder nur weiblich ausgeprägt ist, sondern
aus medizinischer Sicht den Zustand von
Intersexualität beschreiben.
miT SeLBSTOrgAniSA- scheinbar eine Mischung darstellt.
Intersexuelle Menschen sind in erster Linie
Seit dem Jahr 2005 wird anstelle des Be-
griffes „Intersexualität“ in medizinischen
TiOnen enTSTehT und Menschen. Sie werden von der Medizin
jedoch zu "Syndromen" erklärt. Wir sehen
Kreisen von „Disorders of Sex Delevopment
(DSD)“/“Störungen der Geschlechtsent-
nichT vOn OBen ver- intergeschlechtliche Manschen in erster
Linie als natürliche Varianten menschli-
wicklung“ gesprochen, basierend auf einer
Entscheidung der Konsensuskonferenz in
OrdneT Wird durch chen Lebens an.“
In medizinischen Kreisen wird mitt-
Chicago, wobei hier der Begriff „sex“ als
Beschreibung des körperlichen Geschlechts
vermeinTLich mediZi- lerweile auch vermehrt von „Varianten der
Geschlechtsentwicklung“ gesprochen mit
zu verstehen ist und nicht des sozialen
Geschlechts, wofür üblicherweise „gender“
niSche nOrmen." der Zielsetzung, die Begrifflichkeit zu ent-
pathologisieren. Zeigt sich dadurch, dass
verwendet wird. Im deutschsprachigen die Aktivitäten der Selbsthilfeorganisatio-
Raum hat es sich in den letzten Jahren nen Gehör finden?

Wir machen uns stark!


Für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans* und Inter*

Als Koordinierungsstelle zur Gleichstellung von LGBTI* ist es unser Ziel, die LGBTI*-Community in München
zu stärken und Benachteiligungen abzubauen. Wir machen uns stark. Für LGBTI*.

Mehr Informationen unter:


muenchen.de/lgbti
Was hat Inter* denn nun mit der soge- vielmehr reichen auch Bescheinigungen dem männlichen oder dem weiblichen
nannten „dritten Option“ zu tun? vom Zeitpunkt der Geburt oder aus späte- Geschlecht angeglichen wurden, ohne
In Folge einer Klage einer inter*Person gibt ren Untersuchungen aus. Ein psychologi- abzuwarten, wie sich dieser junge Mensch
es seit Dezember 2018 die Möglichkeit in der sches Gutachten ist nicht erforderlich.“ entwickeln wird und welchem Geschlecht
BRD, dass Personen mit einer vorliegenden sich das Kind zugehörig fühlen wird. Wenn
„Variante der Geschlechtsentwicklung“ ih- das „herbeioperierte“ Geschlecht nicht
ren Personenstand nicht nur als „weiblich“
oder „männlich“ eintragen lassen oder den
"Und wir setzen uns identisch ist mit dem Geschlechtsemp-
finden des Kindes, dann schließen sich
Eintrag gänzlich offen lassen, sondern sie mitunter im Jugend- und Erwachsenen-
haben auch die Option, „divers“ einzutra-
gen. Damit gibt es also im Grunde genom-
dafür ein, dass Ope- alter weitere chirurgische Eingriffe und/
oder hormonelle Behandlungen an. Und
men vier Optionen, wobei üblicherweise der
Eintrag „divers“ gemeint ist, wenn von der
rationen verboten das alles nur, weil Eltern, Ärzt*innen oder
unsere Gesellschaft nicht mit einer unein-
„dritten Option“ gesprochen wird. Gemäß
Wikipedia wurde vom Eintrag divers „laut
werden, die ohne deutigen Geschlechtlichkeit leben können
oder wollen.
hochgerechneten Eintragungen von Stan-
desämtern in Deutschland bis Mai 2019 in
Zustimmung der Be- Wenn sich also die Anzahl der Operatio-
nen an inter*Kindern in den letzten Jahren
etwa 150 Fällen Gebrauch gemacht“. troffenen durchge- nicht nachweislich verringert hat, dann ist
das ein Zeichen dafür, dass der Kampf für

"Die Pflicht, ein Gut- führt werden." das „I“ in LGBTI*, die gestiegene öffentliche
Aufmerksamkeit für geschlechtliche Viel-
falt, sowie die Aufklärungsarbeit der Selbst-
Dadurch, dass sich in auch in medizini- hilfe- und Interessensgruppen noch nicht
achten einzuholen, schen Kreisen die Bezeichnung „Variante
der Geschlechtsentwicklung“ durchgesetzt
erfolgreich waren. Und auch die vermeint-
liche Entpathologisierung von Inter* durch
bevor eine Änderung hat und nicht mehr von einer „Störung“
gesprochen wird, wird Inter* zumindest
die Bezeichnung „Variante der Geschlechts-
entwicklung“ scheint wenig zu helfen.
des Personenstands sprachlich nicht mehr pathologisiert und
es wird impliziert, dass Inter* kein Zustand
Im Januar 2020 wurde nun der Refe-
rentenentwurf eines Gesetzes zum Schutz
("Divers") möglich ist, ist, der einer medizinischen Behandlung
bedarf. Sind wir damit nun auf einem
von Kindern vor geschlechtsverändern-
den operativen Eingriffen zur Kommen-
lehnen wir ab." guten Weg, um insbesondere Kinder vor
operativen Eingriffen zu schützen, die
tierung durch die Länder und Verbände
veröffentlicht. Ziel des Gesetzentwurfs ist
ihre Körper einer vermeintlichen medi- die Klarstellung, „dass geschlechtsanglei-
Das geänderte Personenstandsgesetz sieht zinischen (oder gesellschaftlichen) Norm chende medizinische Eingriffe an Kindern
PRIDE ↑ 2020

vor, dass das Vorliegen einer „Variante der angleichen sollen? nur in unaufschiebbaren Fällen und zur
Geschlechtsentwicklung“ dem Standesamt Eine Follow-Up-Studie der Ruhr Univer- Abwendung von Lebensgefahr zulässig
gegenüber nachzuweisen ist, entweder sität Bochum zur „Häufigkeit normanglei- sind“. Veröffentlichte Stellungnahmen be-
durch Vorlage einer ärztlichen Bescheini- chender Operationen „uneindeutiger“ grüßen zwar die positive Intention dieses
gung oder lediglich durch eine Versiche- Genitalien im Kindesalter“ aus dem Jahr Gesetzentwurfs, sehen allerdings vielfäl-
rung an Eides statt der betroffenen Person, 2019 hat gezeigt, dass im Zeitraum von 2005 tige Kritikpunkte bei der Umsetzung, bzw.
wenn keine ärztliche Bescheinigung über bis 2016 in Deutschland jährlich knapp konkreten Ausgestaltung. Ein Anfang ist
eine erfolgte medizinische Behandlung 2.000 Operationen an Kindern unter 10 Jah- damit sicher gemacht, aber es scheint noch
vorliegt und das Vorliegen der „Variante der ren durchgeführt wurden, bei denen eine ein weiter Weg vor uns zu liegen, bis die
Geschlechtsentwicklung“ wegen der Be- „Variante der Geschlechtsentwicklung“ Forderungen von inter*Menschen wirklich
handlung nicht mehr oder nur durch eine diagnostiziert wurde. Die Zahl von knapp Gehör finden und umgesetzt werden.
unzumutbare Untersuchung nachgewie- 2.000 Operationen ist über den kompletten Und beim Kampf, Operationen an inter*-
sen werden kann. In einer Stellungnahme Zeitraum relativ konstant geblieben und Menschen ohne deren Einwilligung gesetz-
aus dem Dezember 2018 erläutert das BMI zeigte den Höchstwert von 2.079 Operatio- lich zu verbieten, ist die gesamte LGBTI*-
(Bundesministerium des Innern, für Bau nen sogar erst im Jahr 2016. Community gefragt. Es ist Zeit, dass wir
und Heimat) dies mit der Annahme, dass Hinter jeder einzelnen dieser Opera- uns in der Community auf die wirklich
betroffene inter*Menschen nur durch eine tionen verbirgt sich jedoch mitunter das wichtigen Dinge fokussieren, dass wir end-
bereits erfolgte ärztliche Diagnose Kennt- tragische Einzelschicksal eines Menschen, lich die Diskussion um Begriffe hinter uns
nis über diesen Zustand erlangt haben kön- dessen Genitalien als Kind aufgrund der lassen und stattdessen vereint kämpfen für
nen und daher über eine solche Bescheini- Entscheidung von Ärzt*innen, Eltern oder inter*Menschen und gegen Zwangsopera-
gung „regelmäßig bereits verfügen werden. anderen entscheidungsbefugten Perso- tionen. Dann sind wir bunt, gemeinsam,
Die Bescheinigung muss nicht aktuell sein, nen anhand einer Operation entweder stark! ● Sandra Höstermann-Schüttler

Infos, Hilfe und Support in München


bietet die Trans*Inter*Beratungsstelle
der Münchner Aids-Hilfe

www.trans-inter-beratungsstelle.de

Der Deutsche Ethikrat definiert 2012 Intersexualität als eine Bezeichnung für „Menschen, die sich aufgrund
von körperlichen Besonderheiten nicht eindeutig als männlich oder weiblich einordnen lassen.“

20
POLITISCHE FORDERUNGEN ↓ CSD MÜNCHEN

sie erzählen einfach ihre Geschichte, aber Teil 1 des Spiels


verwenden auch bestimmte interaktive Alles passiert im Stillen und ge-
Methoden wie Rollenspiele, von denen wir heim, niemand offenbart seine
euch hier eines präsentieren. Denn, wie gezogene Identität. Die Spielen-
sich die Betroffenen fühlen, lässt sich mit den stellen sich auf ihre Rolle
solchen Aktionen noch viel besser nach- ein. Stehen alle in einer Reihe,
vollziehen. Das Aufklärungsprojekt räumt stellt die*der Moderator*in eine
somit mit Klischees und Vorurteilen auf, Reihe von Ja-Nein-Fragen (siehe
hinterfragt Geschlechternormen und sen- Fragenkatalog rechte Seite). Je-
Forderung DEMAND ↓ 06 sibilisiert für ein diskriminierungs- und desmal überlegen alle für sich,
Schule machen! Akzeptanz und Res- gewaltfreies Miteinander. Einfach auspro- ob sie die Frage in ihrer Rolle
pekt in der Bildung. Aufklärung über die bieren, es bringt viel Spaß! ● CONRAD BREYER mit Ja oder Nein beantworten
Vielfalt an Orientierungen, Identitäten und können. Es geht nicht darum,
Lebensweisen, die Geschichte von LGBTI*, Spielregeln ob die Antwort stimmt, also
ihr Beitrag zu unserer Gesellschaft müs- Wir wollen herausfinden, wie sich sachlich nachprüfbar richtig
sen Bestandteil eines jeden Lehrauftrags Menschen fühlen, die anders sind ist, sondern um eine subjektive
sein. Wir wünschen uns, dass entspre- als die meisten der Leute um sie Einschätzung. Nur wer mit Ja
chende Aktionspläne im Bildungswesen herum. Dafür versetzen wir uns in antworten kann, tritt einen
der Länder eine wichtige Rolle spielen. ihre Gefühlswelt. Für die Methode, deutlichen Schritt aus der Reihe
die wir hier beschreiben, braucht nach vorne.
STORY ↓ ihr mindestens fünf Leute, die
mitspielen. Genügend Platz sollte Teil 2 des Spiels
sein, denn ihr müsst Euch im Nach der Fragerunde bleiben
Aufklärungsarbeit Raum gut verteilen können. Und alle auf ihrer Position stehen
die Person, die moderiert, darf und die*der Moderator*in fragt
und Rollenspiele selbst mitmachen. ab, wer eine Rollenkarte zum
Beispiel mit dem Namen Tugba
Anleitung hatte. Die Betroffenen melden
Es gibt in diesem Spiel fünf sich. Alle Spielenden, deren Rol-
verschiedene Rollenkarten mit le einen anderen Vornamen ha-
eigenen Identitäten, die ihr hier als ben, versuchen nun anhand der
Schnittbogen vorfindet. Ihr könnt Position von Tugba herauszu-
sie ausschneiden. Jede Person hat finden, welche geschlechtliche
einen Vornamen, zum Beispiel Identität und sexuelle Orientie-
Tugba. Zu Beginn zieht jede*r rung Tubga wohl hat. Anschlie-
PRIDE ↑ 2020

Story: Conrad Breyer

Mitspieler*in eine Rollenkarte. ßend liest die*der Spieler*in


Illustrationen: Frank Zuber

In München setzen sich einige Initiativen Seid ihr mehr als fünf, sollten alle mit der Karte Tugba vor, was
für die Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Identitäten möglichst gleich oft tatsächlich in seiner Rollenbe-
trans*, inter*, bi- und pansexuellen, queer- vergeben werden. schreibung steht. Die Auflösung
en und asexuellen Menschen an Schulen für die anderen Rollen findet
ein. So diversity, Münchens Dachverband analog statt und birgt so manch
für die LGBTI*-Jugend, aber auch das Now let’s play! überraschenden Moment.
Aufklärungsprojekt München, das wir
hier vorstellen.

Denn gerade in den Schulen leiden viele von



ihnen unter Ausgrenzung, Diskriminie-
rung und Mobbing, auch Gewalt. „Schwule
Sau“ gehört bis heute zu den beliebtesten
Schimpfwörtern auf Schulhöfen und die
munich pride
Suizidrate unter den Jugendlichen ist
Studien zufolge viermal so hoch wie unter
gleichaltrigen Heterosexuellen. Schule machen!
Das Aufklärungsprojekt München
engagiert sich schon seit 1992 für eine
diversitätsbewusste Bildung in Schule und
Schools set a precedent!
Jugendarbeit. Ein altersgemischtes Team
von – fast ausschließlich – Ehrenamtlichen
mit unterschiedlichen sexuellen Orientie-
rungen und geschlechtlichen Identitäten,
die sich in der Bildungs-, Antidiskriminie-
rungs- und Menschenrechtsarbeit verorten,
nimmt die Herausforderung an und geht, so
oft wie möglich, in die Schulen der Stadt.
Der Verein mit seinen Bildungsveran-
staltungen für Schüler*innen und pädago-
gische Fachkräfte will Berührungsängste
gegenüber sexuellen Minderheiten abbauen
und zu respektvollem Nachfragen anregen.
Dafür nutzen die ehrenamtlichen Aufklä-
rer*innen autobiographische Erzählungen,

22
Reflexion Fragenkatalog 05 → Du hast kein Problem damit,
Im Anschluss könnt Ihr über das 01 → Kannst du erwarten, beim dass in der Schule die Menschen
Ergebnis diskutieren. Wir schlagen Schulimbiss freundlich bedient zu nach Geschlechtern getrennt wer-
folgende Leitfragen vor: Wie gut werden? den – auf den Toiletten oder in den
konntet ihr einschätzen, um wel- 02 → Kannst du auf die Unterstüt- Sportumkleiden?
che geschlechtliche Identität und zung deiner Familie setzen? 06 → Du kannst in deiner Schule
sexuelle Orientierung es sich han- 03 → Haben sie an der Schule über den anderen ohne Angst erzählen
delt? Habt ihr das Ergebnis erwar- die Art deiner sexuellen Orientie- und zeigen, mit wem du zusam-
tet? Konntet ihr bei der Auflösung rung gesprochen? men bist?
mit den Begriffen etwas anfangen 04 → Haben deine Lehrer*- und 07 → In der Schule wirst du bei
oder wurden sie euch erst durch Mitschüler*innen über deine Art Gesprächen, auf Arbeitsblättern,
die Rollenbeschreibung klar? Falls der Identität geredet, darüber, wie Zeugnissen oder Schülerlisten
ihr schlecht geraten habt, kein du dich selbst empfindest?  ganz selbstverständlich mit dei-
Problem, vielleicht kommt mit nem richtigen Namen genannt?
einer anderen Spielgruppe ein 08 → In der Schulbibliothek
ganz anderes Ergebnis raus?! Wer findest du viele Bücher und
weiß das schon? Die Spieler*innen Filme, in denen Menschen wie
Rollenkarte 3

werden hier in jedem Fall ganz du vorkommen?


neue Erkenntnisse machen. Caro, 15 09 → Die anderen stellen dir keine
komischen Fragen über deinen
Körper oder wie du Sex hast?
10 → Du glaubst nicht, dass die an-
Rollenkarte 1

deren sich groß Gedanken machen


Tugba, 18 oder darüber reden, was du bist?
11 → In deiner Schule gibt es eine
Reihe von Menschen, die genauso
sind wie du?
12 → Kannst du dich nachts auf der
Straße sicher fühlen? 
Mein Name ist Caro. Die ganzen Diskussionen
um Geschlechter verstehe ich nicht. Ich bin
als Mädchen geboren und fühle mich auch so. 13 → Kannst du in jedem Land der
Welt Urlaub machen?
Ich bin 15 Jahre alt und seit ein paar Wochen

14 → Bist du glücklich in deiner


bin ich mit Timo zusammen, was sich echt gut
anfühlt. Meine Eltern freuen sich, dass ich ei-
Ich heiße Tugba, meine Eltern kommen aus
nen Partner habe. Sie mögen Timo auch total Situation?
und er darf sogar bei mir übernachten.
der Türkei und ich bin 18 Jahre alt. In meinem

PRIDE ↑ 2020
Ausweis steht, dass ich ein Mädchen bin.
Manchmal wäre ich aber gerne ein Junge.
Mein Geschlecht würde ich mir gerne jeden Rollen
Tag neu aussuchen. So richtig fühle ich mich karte 5

Marco
nirgends dazugehörend. Seit zwei Wochen

, 13
habe ich einen Freund. Meine Freundinnen CiS, Hetero
fragen dauernd, ob wir schon Sex hatten.
Dabei habe ich einfach keine Lust dazu. Nie.
Sex ist mir egal.
Rollenkarte 4

genDerfluiD, aSexuell
Julian, 16
Rollenkarte 2

Alex, 14
Ich hei
ß
Mitsch e Marco und
ü b
wie ei ler behaupt in 13 Jahre
n Mä d c en oft, alt. Me
Junge h d i
gebore en, dabei wu ass ich auss ne
besten n u nd f rde ich e he
Freund ühle m d
Freund e h a be ich au och als
i n ch
de ich n. Mädchen s seit kurzem so. Meine
sie nic ind ne alle ei
in den ht inte t t, a be ne
Darf ich vorstellen: Julian. Ich bin 16 Jahre n re r
mir ec euen Mitsch ssant. Ich b sexuell fin-
alt und eigentlich würde ich viel lieber Lisa ht gut üler ve in heim
rknallt l
heißen, nur leider ist das nicht offiziell so. . Er gef ich
ällt
Schon als kleines Kind habe ich heimlich die
Kleider meiner Mama getragen. Auch Puppen
fand ich viel interessanter als Autos. Jetzt
darf ich endlich ein Mädchen werden und CiS, S
Ich heiße Alex und bin 14 Jahre alt. Meine bekomme in zwei Monaten zum ersten Mal CHWu
Eltern haben mich bewusst so genannt, weil l
die richtigen Hormone. Auf dem Sportplatz
ich körperlich weder Mädchen noch Junge schaue ich jeden Tag einem Mädchen beim
bin. Das hat man schon bei meiner Geburt Fußballspielen zu. Sie hatte schon mal eine
gemerkt und ich finde es gut, dass ich Freundin. Wenn ich Glück habe, sind wir auch
beides sein darf. Mir ist es egal, ob ich eine bald ein Paar. „Lisa und Marie 4ever“.
Beziehung mit einem Jungen oder einem
Mädchen haben werde. Um eine andere Person tranSiDent, leSBiSCH
zu lieben, kommt es für mich nicht auf das
Geschlecht, sondern den Menschen an.

Willst du beim Aufklärungsprojekt


mitmachen oder hast Fragen? Wir suchen
immer Verstärkung
interSexuell, Pan/BiSexuell –
www.aufklaerungsprojekt-muenchen.de

23
POLITISCHE FORDERUNGEN ↓ CSD MÜNCHEN

munich pride

Gleiche Rechte für Regenbogenfamilien!


Equal rights for rainbow families!

Forderung DEMAND ↓ 07
Gleiche Rechte für Regenbogenfamilien!
Wir fordern ein modernes Abstammungs-
recht. Unsere Kinder brauchen die
automatische, gemeinsame, rechtliche
PRIDE ↑ 2020

Elternschaft ab Geburt für verheiratete


Mütter, außerdem die bereits vor Geburt
mögliche Mutterschaftsanerkennung
für unverheiratete Paare. Denn Regenbo-
genfamilien sind Ursprungsfamilien! Die
Stiefkindadoption darf nicht länger der
Weg zur Elternanerkennung für lesbische
Paare sein. Trans* Eltern darf die Erzie-
hungsfähigkeit nicht mehr aberkannt
werden. Bei Geburt eines Kindes muss der
Personenstand und Name des Elternteils
– nicht der des abgelegten Namens – in die
Geburtsurkunde des Kindes eingetragen
werden. Auch Familien mit mehr als zwei
Elternteilen müssen rechtlich abgesichert
werden.

STORY ↓

Neun wahre
Begebenheiten

Story: Stephanie Gerlach


Foto: Alexander Deeg, Illustration: Frank Zuber

Wir fordern: Automatisch zwei rechtliche


Eltern ab Geburt für Kinder, die in eine
Mütterfamilie geboren werden, statt
langwierige Stiefkindadoption!

24
Mit eigenen Ideen
ECHT WAS ERREICHEN
Für unsere REWE Markt Neueröffnung für den Großraum
München suchen wir ab August (Einzelhandels-) Kauf-
leute, Fachverkäufer oder Quereinsteiger als

Verkäufer (m/w/d)
• mit Kassiertätigkeit in Teilzeit – ID 128026
• für Obst & Gemüse in Teilzeit oder Vollzeit – ID 128025
• für Molkereiprodukte in Teilzeit – ID 128032
• für den Backshop in Teilzeit – ID 128031

Verkaufshilfen (m/w/d)
in Teilzeit – ID 128029

Verkaufshilfe (m/w/d)
Conveniencer in Teilzeit – ID 128033

Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung! Bitte geben

*Weitere Infos unter REWE.DE/karriere


Sie die Ausschreibungs-ID bei ihrer Bewerbung an!
Ansprechpartner: Anna-Sophie Schmitz
Online unter: www.rewe.de/karriere
Per Mail an: bewerbung@rewe-group.com
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Recruiting Center *
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rewe.de/karriere

Fatma A.,
REWE Marktmanagerin
POLITISCHE FORDERUNGEN ↓ CSD MÜNCHEN

Mutterschaftsanerkennung für lesbische Einkommen, Leumund, Gesundheit und Jahre vorzuweisen. Könnte also schwierig
(soziale) Mütter, analog zur Vaterschafts- Beziehungszustand durchleuchtet. Dieses werden. In diesem Zusammenhang ist die
anerkennung! Rechtlicher Rahmen für Verfahren, sinnvoll für die eigentliche Ziel- neue Regelung, die ja für die eigentliche
die Absicherung von Mehrelternfamilien! gruppe, nämlich Patchworkfamilien mit Zielgruppe eine Verbesserung darstellt,
Klare präkonzeptionelle Regelungen für neu hinzugekommenem Elternteil, dauert eine massive Verschlechterung für Regen-
Familien, die mit einer privaten Samen- in der Regel neun bis 15 Monate. Pina und bogenfamilien.
spende gegründet wurden! Feli fühlen sich nicht nur diskriminiert,
sie erleben diese rechtlich unsichere Zeit Beispiel
Wer kennt sie nicht, die Frage aus dem ge- als sehr belastend für ihre Familie. Aber

nervten Umfeld: „Was wollt ihr denn noch?
Die Ehe ist geöffnet, der Weg ist frei für
warum muss Feli dieses Kind überhaupt als
ihr Stiefkind adoptieren? Hieße Feli nicht
4
Kind und Kegel!“ Von wegen – alles nicht Feli, sondern Felix, wäre er automatisch der Pina und Feli, verheiratet, seit drei Jahren
so einfach! Wovon unsere Hauptfiguren rechtliche Vater des Kindes, wenn er zum ein Paar, wurden mittels einer privaten
träumen? Na, von einer Familie – einfach Zeitpunkt der Geburt mit Pina verheiratet Samenspende schwanger. Der Spender
davon, miteinander ein, zwei oder auch drei ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob er auch will keine Elternrolle einnehmen, aber ab
Kinder großzuziehen. Heterokleinfamili- der biologische Vater ist. Felis und Pinas und zu die Familie treffen. Er plant, in die
enabklatsch? Ach, Unsinn! Wer als Lesbe, Wunschkind, gemeinsam geplant und in Stiefkindadoption durch Feli einzuwilli-
Schwuler, trans* Mensch oder einfach als eine Beziehung hineingeboren, ist kein gen, denn als bekannter Spender muss er
queerer Mensch Kinder großziehen will, Stiefkind! Wir brauchen eine automatische am Adoptionsverfahren beteiligt werden.
kann sich auf ein Dauer-Coming-Out ge- gemeinsame rechtliche Mutterschaft ab Nachdem die Frauen verheiratet sind, kann
fasst machen – also nix mit „zurück in den Geburt bei verheirateten Mütterpaaren! das Paar acht Wochen nach der Geburt den
Schrank“ – niemand muss sich so oft erklä- Antrag auf Stiefkindadoption stellen. Der
ren wie eine Regenbogenfamilie! Nicht nur, Ein Hinweis zur Story Spender willigt ein und Pina und Feli fällt
wie es denn zu dieser „reizenden Familie“ ein Stein vom Herzen – der nette Mann,
gekommen sei, sondern auch, wie sich denn der ihnen ihren großen Wunsch erfüllt
eigentlich die rechtliche Situation darstelle. hat, hätte es sich auch anders überlegen
Sämtliche hier genannten Perso-
Da hätten wir die folgenden Absurditäten können. Auch hier wird die Familie mona-
nen und Namen sind frei erfunden.
im Angebot, die alle auf wahren Begeben- Ihre beschriebenen Erfahrungen telang geprüft und zu Einkommen, Leu-
heiten basieren: beruhen allerdings auf wahren mund, Gesundheit und Beziehungszustand
Begebenheiten. durchleuchtet. Mit Babys ersten Schritten
Beispiel kommt endlich der Adoptionsbescheid und
Pina und Feli sind nun nicht nur gemein-
1 sam Eltern, sie sind auch gleichberechtigte
Eltern. Die automatische Elternschaft ab
Pina und Feli, seit drei Jahren ein Paar, Geburt eines Kindes für alle Ehepaare!
PRIDE ↑ 2020

unverheiratet, wurden mittels einer


Behandlung im Kinderwunschzentrum Beispiel
schwanger. Neun Monate gemeinsamer
Vorfreude später bringt Pina das Kind zur
Welt und während sie wieder zu Kräften
5
kommt, bekommt Feli das Baby gleich auf Pina und Feli, verheiratet, seit drei Jahren
die Brust gelegt. Nachdem die beiden nicht ein Paar, wurden mittels einer privaten
verheiratet sind, ist Pina eine alleinerzie- Samenspende von einem gemeinsamen
hende Mutter mit alleinigem Sorgerecht. engen Freund schwanger. Der Spender
Feli ist eine fremde Person und hat keiner- will keine Elternrolle einnehmen, aber ab
lei Möglichkeiten, zweite rechtliche Mutter und zu die Familie treffen. Er plant, in die
dieses Kindes zu werden. Hieße Feli nicht Stiefkindadoption durch Feli einzuwilligen.
Feli, sondern Felix, wäre die Sache ganz Nachdem die Frauen verheiratet sind, kann
einfach: Felix, ob er nun biologischer Vater das Paar acht Wochen nach der Geburt den
ist oder nicht, erkennt beim Jugendamt die Beispiel berührt Beispiel 1 Antrag auf Stiefkindadoption stellen. Der
Vaterschaft an, ist rechtlicher Vater und Spender überlegt es sich allerdings anders,
hat fortan mit Pina das gemeinsame Sor-
gerecht. Für Feli brauchen wir also analog
3 nachdem er das Kind das erste Mal gesehen
hat. Die Tochter sieht ihm sehr ähnlich.
zur Vaterschaftsanerkennung unbedingt Im Sommer 2020 wird ein Gesetz in Kraft Nun pocht er als Vater auf gemeinsames
die Möglichkeit einer Mutterschaftsan- treten, dass es auch unverheirateten Sorgerecht. Pina und Feli können nicht
erkennung! Es kann nicht angehen, dass Paaren ermöglichen soll, eine Stiefkindad- glauben, dass ihr langjähriger Freund auf
Menschen zur Heirat gezwungen werden, option durchzuführen. Klingt nach einem regelmäßigen Umgang und gemeinsames
um ein Kind rechtlich abzusichern. guten Plan. Aber in welcher Form betrifft Sorgerecht klagt. Feli wird auf keinen Fall
dieses Gesetz Pina und Feli? Ganz einfach: rechtlicher Elternteil, der Freund bekommt
Beispiel Die seit 2005 auch bei gleichgeschlechtli- das Sorgerecht. Die präkonzeptionelle
chen Paaren angewandte Stiefkindadopti- Elternschaftsvereinbarung hätte diesen
2 on ist für Mütterpaare die einzige Möglich-
keit, dass ein Kind von zwei Müttern auch
juristischen Konflikt verhindert.

Pina und Feli, seit drei Jahren ein Paar, ver- zwei rechtliche Elternteile bekommt. Die Beispiel
heiratet, wurden mittels einer Behandlung neue Regelung für unverheiratete Paare
im Kinderwunschzentrum schwanger.
Nachdem die beiden verheiratet sind, kann
besagt, dass sie für eine Stiefkindadoption
eine vierjährige, verfestigte Partnerschaft
6
das Paar acht Wochen nach der Geburt nachweisen müssen – für Patchworkfa- Pina, Feli, Dennis und Alex wollen eine
einen Antrag stellen, dass Feli das Kind als milienmodelle möglicherweise sinnvoll. Mehrelternfamilie gründen. Alle vier möch-
ihr Stiefkind adoptiert. Dazu werden Feli In unserem Fall 1, in dem Pina und Feli ten eine Elternrolle einnehmen. Aber es gibt
und die Familie umfassend geprüft und zu nicht verheiratet sind, haben sie nur drei rechtlich nur zwei Elternstellen. Die beiden

26
leiblichen Eltern Pina und Dennis teilen großen Kinderwunsch. Für seine Perso- seit zwei Jahren auf ein Pflegekind warten,
sich das Sorgerecht, Feli und Alex haben nenstandsänderung ist eine Gebärmutter- obwohl in den Ämtern ein großer Bedarf
rechtlich das Nachsehen, obwohl sie sich entfernung zum Glück nicht mehr notwen- an Pflegeeltern vorliegt. Um die Wahr-
genauso viel um das Kind kümmern. Eine dig. Mit Hilfe einer Samenspende wird er scheinlichkeit der Vermittlung zu erhöhen,
Elternschaftsvereinbarung für mehr als schwanger. Größte Absurdität: Luis wird müssen gleichgeschlechtliche Paare in
zwei Eltern sichert diese Familie besser ab. als Mutter mit seinem abgelegten Namen jeder Vermittlungsrunde dabei sein!
in die Geburtsurkunde eingetragen – der Soweit einige Absurditäten aus dem Regen-
Beispiel biologistische und binäre Zwang („gebä- bogenfamilienalltag. Mit der Eheöffnung
ren kann doch nur eine Frau“) kann hier ist noch lange nicht alles in trockenen
7 nur als grobe Menschenrechtsverletzung
betitelt werden. Luis hätte hier als Vater
Tüchern! Klar ist: Wir brauchen dringend
eine umfassende Reform des Abstam-
Pina und Feli, verheiratet, seit drei Jahren eingetragen werden sollen. Ein Elternteil mungsrechts – in Zukunft „rechtliche
ein Paar, wurden mittels einer privaten muss dem eigenen Personenstand entspre- Eltern-Kind-Zuordnung“ genannt. Seit Jah-
Samenspende schwanger. Das Frauenpaar chend in die Geburtsurkunde des Kindes ren steht diese Reform an, die 91 Empfeh-
sichert dem Spender einen regelmäßigen eingetragen werden! lungen einer Expert*innenkommission des
Kontakt zum Kind zu, und acht Wochen Justizministeriums liegen seit 2017 in einer
nach der Geburt willigt der Spender in die Beispiel Schublade. ● Stephanie Gerlach
Stiefkindadoption durch Feli ein. Nach
einiger Zeit kommt es zu einem großen
Konflikt. In der Folge zieht das Mütterpaar
9 Stephanie Gerlach ist Diplom-Sozialpäda-

gogin (FH), Autorin und beim Treffpunkt,
mit Kind unabgesprochen in eine andere Das schwule Paar Carlos und Christian hat Fach- und Beratungsstelle Regenbogenfa-
Stadt. Hier hätte eine präkonzeptionelle sich beim Jugendamt für ein Adoptivkind milien tätig.
Elternschaftsvereinbarung geholfen. beworben. Sie warten bereits drei Jahre,
und obwohl sie schon mehrmals in einer
Beispiel Vermittlungsrunde fast als Eltern für ein
Kind ausgewählt wurden, schlummert
8 in ihnen der Verdacht, dass das mit der
Gleichbehandlung womöglich nur ein Lip-
Treffpunkt, Fach- und Beratungsstelle
Regenbogenfamilien

Und wie geht es eigentlich trans* Eltern? penbekenntnis sein könnte. Ähnlich geht
www.regenbogenfamilien-muenchen.de

Luis, schwuler trans* Mann, hat einen es Adil und Jan, die als geprüfte Bewerber

Wer als LGBTI*-Mensch Kinder großziehen will, kann sich auf ein Dauer-Coming-Out gefasst machen –
also nix mit „zurück in den Schrank“ – niemand muss sich so oft erklären wie eine Regenbogenfamilie!

SICHER FEIERN
Somit ist der CSD auch sicher
unter Dach Fach!

Holzstrasse 20 | 80469 München | Telefon +49-(0)89-26 02 26 20

27
POLITISCHE FORDERUNGEN ↓ CSD MÜNCHEN

Forderung DEMAND ↓ 08
Alter ist bunt! Alte LGBTI*-Menschen
haben andere Bedürfnisse und Lust aufs
Leben. Wir fordern erstens: Die Beson-
derheit ihrer Biografie muss Berück-
sichtigung finden. So sind zum Beispiel
konkrete Begegnungsmöglichkeiten,
adäquate Wohnformen, vom Staat finan-
zierte Wohnmöglichkeiten umzusetzen.
Zweitens: Achtungsvolle Begleitung, Be-
treuung und Pflege in diskriminierungs-
freier Umgebung. Und drittens: Aktives
Einbinden inklusive Stimmbeteiligung in
politischen Interessensvertretungen von
älteren LGBTI* sind zu gewährleisten

STORY 1 ↓

Stell dir vor, es ist


CSD und du kannst
nicht hin.

Story: Felicitas Drubba

Schon länger gab es beim CSD München


Überlegungen, wie der CSD altersgerech-
PRIDE ↑ 2020

ter gestaltet und wie mehr Sichtbarkeit


für das Thema Alter geschaffen werden
kann. Sind es doch gerade die älteren
LGBTI*, die auch als Vorkämpfer*innen
unsere Anerkennung und Wertschätzung
verdienen.

Jetzt hat sich in diesem Frühjahr ein Team



beim CSD München gegründet, dass genau
dies angehen möchte. Eigentlich sogar ein
bisschen mehr, nämlich den CSD für alle
Menschen mit Einschränkungen zugäng-
lich zu machen: das Team Barrierefreiheit.

CSD ist für Alte da
Derzeit besteht es aus sechs Aktiven, die
sowohl aus der LGBTI*-Community, zum
Liebe kennt keine Grenzen – Szenen einer

Beispiel vom CSD selbst und dem LesbenSa-


Städtepartnerschaft Ausstellung zur

lon, als auch aus der professionellen Alten-


Geschichte der Szene- und Pride-Kooperation
zwischen München und Kyjiw

Alter ist bunt!


Age is colourful!
munich pride

28
arbeit wie etwa dem Projekt rosaAlter und Barriere im Kopf der vielen, die beim sehr STORY 2 ↓
Münchenstift kommen. Bereits nach dem jugendgeprägten CSD nur an die „Schönen“
dritten Treffen konnten konkrete Ideen zu „Bunten“ oder „Agilen“ denken, zu knacken
Ziel, Maßnahmen und deren Umsetzung ist. So haben wir im Kleinen angefangen Liebe kennt keine
für künftige CSDs formuliert werden. und uns überlegt, dass eine Sitzmöglichkeit
Es geht vor allem erst einmal um Grund- an jedem Infostand mit einem extra dafür
Grenzen – Szenen
sätzliches, das alle Bereiche und Veranstal- hergestellten Aufkleber versehen ein erster einer Städte-
tungen des CSDs betrifft. Schritt sein kann.
Wünschenswert wäre auch eine höhere
partnerschaft
Sitztribüne am Wegesrand der Politparade
für Menschen im Rollstuhl und auch für
Menschen, die nicht lange stehen können.
Hier könnte der städtische Inklusionsfonds
helfen und möglicherweise die Veranstal-
tungstechnik der Stadt München konkret
unterstützen. Nicht zu vergessen sind
Story: Conrad Breyer

außerdem ausreichend leicht erreichbare Ausstellungseröffnung: 9. Juli, 17 Uhr,


Toiletten für die Menschen, die nicht so fit in der Münchner Hauptverwaltung (für
Eine prima Grundlage bot hier der Pra- oder nur eingeschränkt mobil sind. geladene Gäste), Kirchseeoner Straße 3,
xis-Leitfaden der Aktion „CSD ist für Alte und online unter www.muenchenstift.de
da“ www.csd-ist-fuer-alte-da.de, die 2019

barrierefreiheit@csdmuenchen.de
als gemeinsame Initiative des Dachver- Toll wären Regenbogenbänke, die z.B. auf Angefangen hat alles im Sommer 2012.

bands Lesben und Alter und der Bundes- dem Marienplatz stehen könnten, vor Damals waren aus Münchens Partnerstadt
interessensvertretung schwuler Senioren den Bühnen und dann zum Ende des CSD Kyjiw drei Aktivist*innen nach München
(BISS) startete. für einen guten Zweck versteigert wür- gereist, um als Ehrengäste am CSD teil-
den. Die Gruppe erarbeitet aktuell einen zunehmen. Ihre Schicksale berührten die
„Handzettel“, der konkrete Maßnahmen Münchner*innen so sehr, dass sie be-
"Wir sind vorbereitet beinhaltet für diejenigen, die sich an der
Politparade beteiligen, und Unterstützung
schlossen, zu handeln. Lesben, Schwule, Bi,
Trans* und Inter* leiden an vielen Orten
zum „Wie und Was“ bieten soll. Cool wären der Welt unter Entrechtung, Verfolgung
und wollen in den auch Rikschas, die neben dem Ermögli-
chen der Teilnahme auch einen Beitrag zu
und Übergriffen, in der Ukraine ganz
besonders. So entstand die Kontaktgrup-
kommenden Jahren mehr Sichtbarkeit leisten können. All das
sind Ideen, die es umzusetzen gilt. Offen
pe Munich Kyiv Queer, die sich bis heute
mit politischen Aktionen, viel Kultur und
ein wichtiges Zei- ist noch die Frage, wie die Infos hierüber Workshops für die Community in der

PRIDE ↑ 2020
an diejenigen kommen, die wir beim CSD Ukraine einsetzt. Die Städtepartnerschaft
chen für alle aus der unbedingt dabeihaben möchten. Eine Idee
ist bereits umgesetzt. Es wurde eine Email-
zwischen Kyjiw und München ist die Basis
dafür. Die Ausstellung „Liebe kennt keine
Community setzen! " adresse „barrierefreiheit@csdmuenchen.de“
eingerichtet für alle, die Kontakt zum Team
Grenzen“, die ab dem 9. Juli in den Häusern
des Pflegeheims Münchenstift zu sehen ist,
aufnehmen möchten oder Fragen und Anre- zeigt besondere Momente im Miteinander
Aber die Gruppe will mehr… ein „Mehr gungen zum Thema haben. der Lesben-, Schwulen-, Bi-, Trans*- und
Daran- und Mitdenken“ an diejenigen, die Inter*-Gruppen beider Städte. Das Desig-
nicht einfach so losmarschieren können, nerduo Braty aus Kyjiw hat die Geschichten

Eine Aktion für 2021
um am CSD teilzunehmen. An diejenigen, Auch wenn in diesem Jahr der CSD auf- ihrer Protagonist*innen in bewegende
die es aus verschiedenen Gründen nicht grund von Corona anders stattfindet und Collagen verwandelt. ● CONRAD BREYER
schaffen, von Stand zu Stand zu schlen- wir unsere Ideen erst einmal nur ganz
dern, um sich zu informieren oder auch um eingeschränkt umsetzen können, das
gute Gespräche zu haben. An diejenigen, Thema „Barrierefreiheit“ war, ist und bleibt
die gerne an einem CSD-Event teilnehmen aktuell! Wir sind vorbereitet und wollen in
möchten, doch nicht allein oder ohne kon- den kommenden Jahren mit dieser Aktion
krete Unterstützung teilnehmen können. ein wichtiges Zeichen für alle aus der Com-
Der Gruppe war klar, dass als erstes die munity setzen! ● Felicitas Drubba

Dein Arbeitgeber
in der Altenpflege
www.muenchenstift.de/arbeit
Info-Telefon: 089 62020-337

29
POLITISCHE FORDERUNGEN ↓ CSD MÜNCHEN

munich pride

Erinnert Euch!
Always Remember!
PRIDE ↑ 2020

STORY ↓ Manchmal fokussiert die ganze Welt plötz-


lich auf ein bestimmtes Ereignis und uns
wird bewusst: jetzt gerade ist ein histo-
Warum unsere rischer Moment. Die Mondlandung 1969,
der Fall der Berliner Mauer 1989, oder die
Geschichten so Corona-Pandemie 2020. Geschehnisse, die
wichtig sind. sich in unser kollektives Gedächtnis ein-
prägten. Mein erster, bewusst miterlebter
Moment dieser Art war der 11. September
2001. Ich war 16 Jahre alt und stand kurz
vor meinem Coming-Out. Ich war der erste
Schwule, den ich kannte und außer dieser
Tatsache wusste ich nur, dass schwul sein
auf keinen Fall okay war. Positive Vorbilder,
Rollenmodelle kannte ich keine. Klar, die
üblichen Klischees und ein paar Bilder aus
Story: Muriel Aichberger

dem Fernsehen: Menschen mit Aids, Drag


Forderung DEMAND ↓ 09
Erinnert Euch! Die Geschichte ist die
"Nur wer die Queens oder Elton John. Für das, „was mit
mir nicht stimmte“, meine Gefühle, half
mir das alles aber gar nichts. Mir war klar,
Basis für das Heute und deshalb be-
deutsam. Wir fordern Unterstützung für Vergangenheit so hatte ich hier keine Zukunft. The only
gay in the village.
konkrete Maßnahmen, die den Dialog zwi-
schen den Generationen, die Begegnung kennt, versteht Geschichte, Traditionen und Vorbilder
sind für uns Menschen wichtige Orientie-
ermöglichen. Dazu gehört eine lebendige
Erinnerungskultur mit Erinnerungsorten, die Gegenwart und rungshilfen. Wie geht Sex… und Liebe? Wie
geht man mit Verlust oder mit Trauer um?
Wegmarken und Denkmälern für die
queere Community sowie LGBTI*-Archive nur wer die Gegen- Üblicherweise bekommen wir die Antwor-
ten auf solche Fragen von unseren Famili-
inklusive Finanzierung. Hier in der Stadt:
Wir wollen zum Beispiel ein Zeitzeug*in- wart versteht, en, unserem Umfeld, oder in der Schule. Für
queere Kids passen diese Antworten aber
nenprojekt angehen und die geplante
Ausstellung zur Geschichte von LGBTI* kann die Zukunft oft nicht zu ihren Fragen... „Wann ist man
eigentlich richtig schwul?“ ... Meine Jugend
umsetzen. Aber auch darüber hinaus: Wir
wünschen uns, dass der Staat Gender-
Studien und Forschung zu LGBTI* mitträgt –
gestalten." war geprägt vom Gefühl, anders zu sein.
Ich hatte ständig Angst davor, zu schwul
und sich traditionelle Museen für Queering Hans-Friedrich Bergmann, zu gehen, oder zu viel zu gestikulieren. Ich
Memory öffnen Autor habe sogar versucht, mir meine „schwule

30
Stimme“ abzutrainieren, aus Angst vor dürfen. Wir sind das Mensch gewordene Herrschaft zu sichern. Historische Wahr-
den Konsequenzen. Problemen dieser Art „Fuck you!“ für alle, die an einem starren heit besteht aber aus der Gesamtheit aller
stehen Menschen aus dem LGBTI*-Spekt- Weltbild festhalten wollen. Eindrücke. Unsere Vorstellung von histori-
rum meist vollkommen allein gegenüber, Seit 150 Jahren sind sexuelle und ge- schen Ereignissen und den Veränderungen
obwohl Generationen zuvor sich schon die- schlechtliche Minderheiten und ihr Kampf im Laufe der Zeit wird umso akkurater, je
selben Fragen gestellt haben. Es ist wichtig, um Menschenrechte immer sichtbarer ge- mehr Perspektiven sie beinhaltet.
dieses gesammelte Wissen an nachfolgen- worden. Geschichts- und Sozialforschung,
de Generationen weiterzugeben. zivilgesellschaftliches Engagement und
politischer Kampf haben schrittweise zu
mehr Sichtbarkeit und Anerkennung ge-
"Nur wer
"Wer die führt. Dadurch haben sich die Erfahrungen
jüngerer Generationen verändert. Men- die Vergangenheit
schen stellten fest, dass ihre Erfahrungen
Vergangenheit sich deutlich von denen anderer unter-
schieden, fanden dafür neue Namen und so
kennt, hat
nicht kennt, vermehrten sich die Flaggen auf CSDs und
die Buchstaben von LGBTTIAQPoCRfgDAW.
eine Zukunft."
ist gezwungen, Nicht, weil wir es übertreiben wollen, son-
dern weil manche Freiheiten erst möglich

Wilhelm v. Humboldt

sie zu wieder- werden, wenn gedankliche Mauern uns


nicht mehr die Sicht darauf verstellen.
Schriftsteller

Es ist darum wichtig, alle Gruppen von


holen." LGBTI* mit angemessenen Ressourcen
auszustatten, um ihre Geschichten doku-
"Solange der

George Santayana, mentieren, aufarbeiten und in die bisherige
Philosoph Geschichtsschreibung einfließen lassen
zu können. Ja, gerade auch die innerhalb
Die Geschichte von LGBTI* ist eine Ge-
schichte über alternative Wege. Diese Wege
Löwe nicht der Community marginalisierten Gruppen
brauchen unser Gehör und unser Interesse.
sind wir meist nicht freiwillig und noch
dazu unter erschwerten Bedingungen
schreiben kann, Nur so erlangen wir ein Verständnis für
unsere Gemeinsamkeiten und Unterschie-
gegangen, oder besser: haben sie uns su-
chen müssen. Viele von uns sind dabei auf
glorifiziert jede de. Nur so lernen wir, unsere Konflikte zu
verstehen und nur so können wir unsere
der Strecke geblieben. Depression, Suizid,
Gewalt und Verfolgung haben unzähligen
Geschichte den Lehren für die Zukunft ziehen, um diese
gemeinsam zu gestalten. Erinnerungskul-
LGBTI*-Menschen im Lauf der Geschichte Jäger." tur und Geschichte sind keine Folklore.

PRIDE ↑ 2020
ihr Leben gekostet. Weil unsere „Natur“ – Wir brauchen sie, um Wissen zu tradieren,
nicht in die kleinen Karos passt, in denen Sprichwort einander zu verstehen und eine bessere
manche denken; weil die schlichte Tatsa- Welt zu bauen. ● MURIEL AICHBERGER
che, dass es uns gibt, der Beweis ist, dass Geschichtsschreibung ist keine exakte
Menschen mehr als zwei Geschlechter ha- Wissenschaft. Lange Zeit war sie sogar eher Muriel Aichberger ist Coach, Autor und

ben und nicht nur heterosexuell begehren ein Propagandawerkzeug, um Macht und Experte für Gender- und Diversity-Fragen.

Es ist wichtig, alle Gruppen von LGBTI* mit angemessenen Ressourcen auszustatten, um ihre Geschichten
dokumentieren, aufarbeiten und in die bisherige Geschichtsschreibung einfließen lassen zu können.

31
POLITISCHE FORDERUNGEN ↓ CSD MÜNCHEN

Forderung DEMAND ↓ 10 man als Schwuler – zumindest in München kennenzulernen, natürlich seinen Fetisch
Solidarität! Wir unterstützen uns gegen- – recht gut klar. Gummi und Leder passen zu zeigen und nebenbei helfen wir ein biss-
seitig, stehen füreinander ein. In Zeiten aber nicht zu diesem „Gay Chic“. Unsere chen dabei, Vorurteile abzubauen.
wachsender Anfeindungen von Rechts, Gesellschaft ist vermeintlich offen und
frei, aber einen Fetisch auszuleben finden
von ultra-konservativen und religiös-mo-
tivierten Gruppen, ja aus der Mitte der viele Menschen immer noch anrüchig und
Das Munich Fetish Weekend
Gesellschaft, muss die LGBTI*-Communi- schmutzig. Wer als Fetischkerl seine Sexu- wird es Pfingsten 2021
ty zusammenhalten. Wir feiern die Vielfalt alität frei lebt, wird schnell in die Schmud-
unserer Gemeinschaft in all ihren Ausprä- delecke gedrängt und dadurch ausgegrenzt. wieder geben
gungen. Es geht um Lust am Anderssein Eine lebendige schwule Fetisch-Commu-
und Ausdruck, ohne Stigma, ohne Scham! nity ist deshalb besonders wichtig. In der PG: Welchen Platz siehst du für die
Gemeinsam können wir mehr bewegen. Gemeinschaft erlebt man, dass ein Fetisch Darstellung und den Ausdruck von
Teil unserer Identität ist und es keinen Fetisch beim CSD? Fetisch gehört auf den
STORY 1 ↓ Grund gibt, sich zu verstecken. CSD, schließlich veranstalten wir keinen
schwulen Faschingsumzug zur allgemei-
PG: Viele Schwule betrauern das Ver- nen Erheiterung. 1969 standen Lederkerle

Fetisch und schwinden der schwulen Szene und auch neben den Drags vor dem Stonewall Inn
Community der Fetisch-Szene in München. Beschrei- und haben die moderne LGBTI*-Bewegung
be uns diese Szene, die doch noch zu begründet. Wenn wir heute demonstrieren,
finden ist. Und wie wollt ihr diese hier fordern wir noch immer Freiheit und Ak-
mitgestalten oder aufleben lassen? Der zeptanz für queere Lebensweisen. Deshalb
wichtigste Treffpunkt für die Fetischszene ist es wichtig, unsere Sexualität auf dem
ist das MLC Underground. So großartig der CSD zu feiern. Unsere Fetische und Vorlie-
Laden auch ist - er kann leider nicht darü- ben sind Teil unserer Identität. Es muss
ber hinwegtäuschen, dass es in München ein Ziel unserer Bewegung sein, sexuelle
ansonsten keinen festen Treffpunkt für Fe- Freiheit zur Normalität zu machen.
tischkerle mehr gibt. Es ist schon verrückt:
Es leben so viele Schwule wie noch nie PG: Welche Signale in Bezug auf Solidari-
Story: Frank Zuber —
zuvor in der Stadt, aber das Angebot wird tät und Akzeptanz untereinander kann
Foto: Alexander Deeg

Andreas Binner von den Munich Fetish immer kleiner und die Szene verschwindet die Fetisch-Szene und deren Mitglieder
Men über die Fetisch-Community in immer weiter. Um die Fetisch-Community an die LGBTI*-Community senden?
München, ihre Identität und den Aspekt sichtbar zu machen, organisieren wir zum Als Munich Fetish Men erfahren wir viel
Solidarität in Bezug auf LGBTI*. Beispiel alle sechs Wochen einen Pub Crawl Unterstützung aus der Community, ganz
für Fetisch-Männer. Das Konzept ist recht besonders vom MLC und der Deutschen
PG: Welche Bedeutung hat das Lebens- einfach: Wir ziehen mit etwa 40 bis 50 Eiche. Bei anderen Community-Einrich-

PRIDE ↑ 2020

gefühl Fetisch und die Gemeinschaft der Männern in Leder, Gummi, Sportswear, etc. tungen hapert es da leider manchmal noch
Fetisch-Männer für euch? So lange man durch die Szene-Läden im Glockenbach- und wir kämpfen gegen Vorurteile und
brav die Rolle erfüllt, die einem vom He- viertel. Dabei geht es nicht um Sex, sondern Klischees. Die Fetisch-Community ist gera-
tero-Mainstream zugedacht wird, kommt darum, Freunde zu treffen, neue Leute de dabei, sich aus der Schmuddelecke raus
zu bewegen und selbstbewusst zu einem
Lifestyle zu werden. Fetisch-Männer haben
keine Lust mehr, sich zu verstecken und
wollen mit allen Aspekten ihrer Identität
akzeptiert werden. Damit das gelingen
kann, braucht es Akzeptanz und Solidari-
tät, für die wir uns innerhalb der Commu-
nity einsetzen müssen.

PG: Die aktuelle Corona-Krise hat auch



euch gezwungen, eure Veranstaltung
„Munich Fetish Weekend“, die für
Ende Mai/Anfang Juni organisiert war,
abzusagen. Was war mit dem Weekend
geplant und wie geht es euch mit dieser
Erfahrung? Wir hatten für das Pfingstwo-
chenende vier Tage volles Programm im
ganzen Viertel geplant: „Tom of Finland“
im Arena Kino, eine schwule Stadtfüh-
rung, Bootblack- und Bondage-Workshops,
ein Fetish Dinner in der Deutschen Eiche,
Partys im Underground, usw. Es ist sehr
schade, dass die viele Arbeit nun erstmal
umsonst war. Wirkliche Sorgen machen
wir uns aber um die Szene-Einrichtungen,
die unter der Krise leiden. Das Munich
munich pride

Fetish Weekend wird es Pfingsten 2021


Solidarität! wieder geben und bis dahin planen wir im
Rahmen der Möglichkeiten kleinere Veran-

Solidarity! staltungen. ● DAS INTERVIEW FÜHRTE FRANK ZUBER



Facebook: Munich Fetish Men

32
STORY 2 ↓

Solidarität im neuen
lesbisch-queeren
Zentrum LeZ

Story: Sandra Henoch


Fotos: Frank Zuber

Solidarität bedeutet Zusammenhalten, auch und gerade, wenn


es ungemütlich wird. Besonders in der Community haben viele
Menschen bereits selbst erfahren, dass gemeinsam vieles
leichter ist. Um sich kennenzulernen, zu organisieren und mitein-
ander in Kontakt zu kommen, entsteht gerade mit dem LeZ ein
neues lesbisch-queeres Zentrum in München.

Endlich, werden viele Frauen* sagen, denn seit den 90er Jahren

fehlt, bis auf einige Partys und natürlich die Barabende im LeTRa,
ein Anlaufpunkt für Lesben in München. Dass Solidarität gelebt
werden muss, zeigt sich bei den Planungen schnell. Der komplette
Name des Zentrums lautet „LeZ lesbisch-queeres Zentrum“ und es
soll eben diesen Zusammenhalt innerhalb der Community fördern,
der vielen so dringend fehlt.
Zwei hauptamtliche Mitarbeiterinnen (Sabina Lorenz und Katja
Förderer) koordinieren gemeinsam mit einer Arbeitsgruppe den
Aufbauprozess des lesbisch-queeren Zentrums. Antirassistisch,
diskriminierungssensibel und offen soll das neue Zentrum sein.
Wie genau Kooperationen und Beteiligung im neuen LeZ aussehen
können, dazu laufen schon jetzt Gespräche mit verschiedenen
Gruppen, Angeboten, Einrichtungen und Projekten im Spekt-
rum LGBTI* in München. Ein ausschließlich festes, vorgesetztes
Programm wird es nicht geben und das Zentrum wird nach dem
Motto „LeZ ist das, was du draus machst“ funktionieren. Das heißt
auch, dass sich Menschen aus der Community engagieren müssen,
damit das Zentrum funktioniert. Um Konflikten innerhalb der
Community und von außen zu begegnen, wird ein Sicherheitskon-
zept erarbeitet. So werden Menschen, die sich ehrenamtlich für die
Community engagieren, auf Konflikte möglichst gut vorbereitet.
Das Ziel ist es, dass sich ein möglichst buntes und vielfältiges Publi-
kum in den Räumen wohlfühlt. Ein solidarisches und respektvolles
Miteinander und die bewusste Inklusion von Menschen, die von
struktureller Diskriminierung betroffen sind, stehen im LeZ ganz
oben. Los gehen wird es hoffentlich im Herbst 2020. ● SANDRA HENOCH

Sabina Lorenz und Katja Förderer ↑ vom LeZ

LeZ ist das, was


du draus machst!
POLITISCHE FORDERUNGEN ↓ CSD MÜNCHEN

munich pride

Liebt grenzenlos!
Love without limits!

Forderung DEMAND ↓ 11
PRIDE ↑ 2020

Liebt grenzenlos! Wir plädieren für inter-


nationale Solidarität mit LGBTI* weltweit,
denen Gefahr für Freiheit, Leib und Leben
droht. München engagiert sich seit vielen
Jahren für Menschen mit Migrationshinter-
grund und Geflüchtete, die sich der LGBTI*-
Community angehörig fühlen. Auch pfle-
gen wir freundschaftliche Beziehungen
mit unserer Partnerstadt Kyjiw. Das Meiste
geschieht ehrenamtlich in den hiesigen
LGBTI*-Organisationen, -Vereinen und
-Gruppen. Helft mit, Menschenrechte für
LGBTI* in aller Welt zu verbessern.

STORY ↓

Ein zärtlicher
Kontakt

Story: Frank Zuber


Foto Mural: Frank Zuber, Fotos Prozess: Kamill

Seit Februar 2020 befindet sich an einer


der Caféwände des schwulen Zentrums
Sub ein besonderes Mural, gestaltet von
einem außergewöhnlichen Artist. Es heisst
„A Tender Contact“ und zeigt einen Mo-
ment zwischen zwei Menschen, dessen
Wirkung man sich nicht entziehen kann.

34
In eigenen Worten Mein Name ist Kamill,
ich bin 24 Jahre alt, arbeite an meiner
Zukunft als Künstler*in, denke extrem viel
nach, bin eine sensible Person und befinde
mich gerne unter Menschen.

Über die Message Wenn wir diskriminiert



werden, und darauf mit Anpassung reagie-
ren, stellen wir uns auf eine Seite mit der
Ausgrenzung. Wir müssen „ownen“ was wir
haben, nur dann können wir sexistische als
auch rassistische Strukturen und Ressen-
timents erfolgreich bekämpfen, in der Welt
wie auch in unserer queeren Kultur.

Über den CSD München Dadurch, dass


Kamill Der Prozess

die meisten Diskriminierungserfahrungen
in meinem Leben auf anti-queerer Gewalt
beruhen, ist der CSD in München für mich
natürlich ein Symbol des Freiheitskampfs,
meiner Rechte und der Solidarisierung mit
anderen marginalisierten Gruppen.

Das Mural Kamills Werk ist im Café des



Sub e.V. zu sehen. Zum Zeitpunkt des
Drucks des PrideGuides 2020 ist das Café
leider noch geschlossen. Allerdings ist ein
Blick auf das Mural beim Vorbeigehen an
der Fensterfront in der Müllerstraße 14 in
80469 München möglich. ● reDaKtionielle
MitarBeit an DieSer StorY: franK ZuBer

Instagram+Booking: kamill_lippa
Der Prozess Der Prozess —

PRIDE ↑ 2020

35
POLITISCHE FORDERUNGEN ↓ CSD MÜNCHEN
PRIDE ↑ 2020

munich pride

Bleiberecht für Geflüchtete!


The Right to stay for refugees!

YOU’RE ILLEGAL HERE ↓


Afghanistan + Algeria + Antigua and Barbu-
da + Bangladesh + Barbados + Brunei + Bu-
rundi + Cameroon + Comoros + Dominica +
Egypt + Eritrea + Ethiopia + Gambia + Ghana
+ Grenada + Guinea + Guyana + Indonesia +
Forderung DEMAND ↓ 12 Orientierung und/oder Geschlechtsiden-
Iran + Jamaica + Malaysia + Maldives + My-
Bleiberecht für Geflüchtete! Verfolgte tität bedroht sind, in der Praxis wird den anmar + Kenya + Kiribati + Kuwait + Liberia
LGBTI* haben ein Recht auf Asyl. In 70 Betroffenen dieses Recht mit faden- + Libya + Lebanon + Malawi + Mauritania +
Ländern der Welt ist Homosexualität illegal scheinigen Argumenten aber nur allzu Mauritius + Morocco + Namibia + Nigeria +
Oman + Pakistan + Palestine + Papua New
und steht unter Strafe, in zwölf Ländern oft verwehrt. Damit muss Schluss sein!
Guinea + Qatar + Samoa + Saudi Arabia +
droht die Todesstrafe. Deutschland Darüber hinaus plädieren wir für einen Senegal + Sierra Leone + Singapore + Sol-
gewährt Asyl für Menschen, die in ihren sofortigen Stopp von Abschiebungen aller omon Islands + Somalia + South Sudan +
Herkunftsländern aufgrund ihrer sexuellen Geflüchteter. Sudan + Sri Lanka + St Kitts and Nevis + St
Lucia + St Vincent and the Grenadines + Syr-
ia + Swaziland + Tanzania + Togo + Tonga +
Tunisia + Turkmenistan + Tuvalu + Uganda +
United Arab Emirates + Uzbekistan + Yemen
+ Zambia + Zimbabwe
36
STORY ↓

Ausharren
im Paradies

JEDEN MITTWOCH
*AUF GRUND DER PANDEMIE KOMMT ES ZU ÄNDERUNGEN

Story: Conrad Breyer


Foto: Stas Mishchenko

Wie ein junger Afrikaner das Kirchenasyl in München erlebt.

Auch Kelly hätte abgeschoben werden sollen, wie so viele, zurück



nach Italien, wo er vor wenigen Monaten gestrandet war. Er, ein
schwuler Mann aus Sierra Leone, verfolgt von seiner Familie und
der Polizei, weil er einen anderen Mann liebte.
Wochenlang war Kelly quer durch Westafrika geflohen, Tau-
sende von Kilometer. An der Grenze zu Libyen haben sie ihn ge-
schnappt und ins Gefängnis gesteckt, er konnte fliehen, sie fanden
ihn, sperrten ihn wieder ein, er entwischte abermals, fand einen
Schlepper, der ihn in eines dieser Schlauchboote setzte, die wir aus
dem Fernsehen kennen. Dann die Fahrt übers Mittelmeer bis nach
Sizilien: Zehn Stunden Todesangst auf einem schwankenden Boot,
um ihn herum Schreie und nichts als kaltes Schwarz.
Aber auch in Italien konnte Kelly nicht bleiben. Männer wie er
landen dort irgendwann auf dem Strich, das geht den meisten so.
Also stieg Kelly in einen Zug nach München, fand Hilfe im schwulen
Kommunikationszentrum Sub und kam bald ins Kirchenasyl. Dort
lebt er jetzt seit einem halben Jahr und ist dankbar für die Hilfe, die
er bekommt. „Deutschland gibt mir so viel“, sagt er auf Englisch.

Ein christlicher Auftrag
Die Sendlinger Himmelfahrtskirche ist die einzige Kirchengemein-
de in München, die Geflüchtete aufnimmt, um sie vor Abschie-
bungen im Rahmen des Dublin-Verfahrens zu schützen. Um die 20
Leute haben in der Kidlerstraße 15 schon gelebt, Familien, Allein-
stehende, darunter immer wieder auch Lesben und Schwule als
besonders verfolgte Gruppe.
„Wir folgen damit unserem christlichen Auftrag“, sagt Uwe
Hagenberg, Vertrauensmann im Kirchenvorstand. „Ich war fremd
und Ihr habt mich aufgenommen“, heiße es doch im Matthäus-
evangelium. Die Schützlinge, um die sich zehn Leute der evange-
lisch-lutherischen Gemeinde kümmern, bleiben bis zu 18 Monate,
bevor sie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in ihr re-
guläres Asylverfahren aufnehmen muss. Eine lange Zeit, in der die
Geflüchteten das Kirchengelände nicht verlassen dürfen.
Kellys Zimmer ist klein, immerhin gibt es einen Garten. Wenn
die Sonne scheint, sitzt er draußen unter den Kastanien und stöp-
selt sich Musik ins Ohr. Sport treibt er allerdings lieber drinnen.
Auch Freunde dürfen ihn besuchen – wenn sie Abstand halten.
Meist sind es die Jungs aus dem Sub, alle selbst aus Afrika abgehau-
en. Nicht immer hat das Verfahren Aussicht auf Erfolg. Denn auch
wenn in Deutschland Menschen Schutz zusteht, die aufgrund ihrer
sexuellen Orientierung und Gender-Identität verfolgt werden, ent-
scheiden die Behörden oft willkürlich.
Kelly hofft, dass er in Deutschland bleiben kann. Er spricht
nicht gerne darüber, was ihm in Sierra Leone widerfahren ist. „It
hurts“, sagt er. Zurück will er jedenfalls nicht. Er hat in München
einen Freund gefunden, er lernt Deutsch, viermal pro Woche, hilft
in Himmelfahrt aus, wo er gebraucht wird. Das gibt ihm Struktur.
Wie er seine Zukunft sieht? Am liebsten würde er wie in der alten
Heimat wieder als Fahrer arbeiten. Solche Leute würden doch
gebraucht, sagt er und lächelt zum ersten Mal. Doch bis dahin ist es
noch ein langer Weg. Kelly weiß, dass er jetzt hier erstmal aushar-
ren muss. ● CONRAD BREYER
POLITISCHE FORDERUNGEN ↓ CSD MÜNCHEN

Forderung DEMAND ↓ 13 lesbische Frau dort nicht nur diskriminiert Das ist meine Krankheit“. Ihre Krankheit,
Ankerzentren dicht machen! Wir fordern wird, sondern Angst um Leib und Leben damit meint sie, dass sie nicht rausgehen
ein gerechtes und individuelles Asylver- haben muss. kann. Geoutet hat sie sich in der Zeit bei
fahren. Denn Ankerzentren verhindern in Fünf Stationen hatte Rachael in niemandem, auch nicht bei ihren Zimmer-
ihrer Struktur genau das. Die Bedingungen Deutschland bereits hinter sich, bis sie genossinnen. Rachael floh aus einem Land,
zur Unterbringung von Geflüchteten sind im Ankerzentrum am Frankfurter Ring das homosexuelle Menschen verfolgt, und
menschenunwürdig. Ehrenamtlichen wird landete. Dort sagte man ihr, sie müsse laut landete in Unterkünften, in denen sie sich
der Zugang verwehrt und es gibt so kaum geltendem Dublin-Recht das Asylverfahren wieder verstecken muss.
Möglichkeiten, Betroffenen beizustehen. in dem Land durchlaufen, in dem sie in der „Es waren viele unterschiedliche Men-
Diese Zustände schädigen alle Menschen EU zum ersten Mal registriert wurde. In schen in dem Ankerzentrum. In unserem
dort, LGBTI*-Geflüchtete werden durch ihrem Fall ist das Tschechien. Rachael floh Zimmer waren wir vier Frauen aus unter-
die Isolation und fehlende Unterstützung ins Kirchenasyl, in dem sie acht Monate schiedlichen Ländern, eine hatte ein Baby.
jedoch besonders getroffen. Wir fordern lang lebte. LeTRa unterstützte sie dabei, in In anderen Zimmern waren es noch mehr
als ersten Schritt, alle ehrenamtlichen eine Frauenunterkunft umzuziehen, in der Menschen“. Dass das zu Konflikten führt,
Helfer*innen in die Zentren zu lassen und sie bleiben kann; zumindest, bis über ihren ist verständlich. Monatelang, mit mehreren
den Geflüchteten die Hilfe zukommen zu Asylantrag entschieden wird. Personen aus unterschiedlichen Kultur-
lassen, die sie brauchen und verdienen. „Die neue Unterkunft ist viel besser. Ich kreisen auf engstem Raum, das ist für alle
habe hier ein Einzelzimmer und die Anbin- Menschen eine Ausnahmesituation. Zum
STORY ↓ dung an die Community“, erklärt Rachael. Glück konnte LeTRa helfen, Rachael aus
Im Ankerzentrum und in einer Unterkunft der Unterkunft zu holen. Doch wie geht es
in Garmisch-Partenkirchen, in der sie nun weiter? „Ich muss warten, und ich weiß
Kein sicherer Hafen zwischenzeitlich untergebracht war, war sie nicht, wie lange. Ich bin in Uganda nicht
sozial isoliert. „Ich habe niemandem gesagt,
für hilfsbedürftige wer ich bin. Ich habe immer nur gesagt:
Menschen
Julia und Rachael ↓ fotografiert im Februar 2020

Story: Sandra Henoch


Foto: Frank Zuber
PRIDE ↑ 2020

Anker, das klingt nach ankommen, einen


sicheren Hafen finden. Anker bedeutet
aber auch „Zentrum für Ankunft, Ent-
scheidung, Rückführung“. Rückführung
scheint dabei eigentlich den wichtigsten
Teil einzunehmen, denn schon seit der
Einführung der Zentren im August 2018
beklagen Helfer, dass den Menschen,
die geflüchtet sind und in den Zentren
untergebracht werden, die Integration
in Deutschland so schwer wie möglich
gemacht werden soll.

Rachael ist eine Frau aus Uganda, die in



einem der Ankerzentren leben musste. Sie
ist aus ihrer Heimat geflohen, weil sie als

Ankerzentren dicht machen!


Close Anchor Centres!
munich pride

38
sicher“. Immerhin hat es vor kurzem eine in München waren und dann zum Beispiel Einführung der Ankerzentren wurden
Einigung in einem anderen Fall gegeben, nach Bamberg verlegt werden, häufig nie auch die Asylverfahren beschleunigt.
der hoffen lässt. Eine andere lesbische Frau wieder sehen. Häufig müssen die Menschen schnell und
aus Uganda darf nach langen Verhandlun- uninformiert in die Anhörungen und ken-
gen und einer Einigung mit dem Bundes- Allerdings haben viele nen ihre Rechte nicht. Inzwischen haben
amt für Migration und Flüchtlinge nun wir, anders als in der Vergangenheit, nach
doch in Deutschland bleiben, obwohl ihr ihr wenigen Monaten bereits die Ablehnung
Menschen nun Probleme, zu
Fluchtgrund zunächst nicht geglaubt wur- beweisen, dass sie tatsächlich und die Frauen hatten kaum Zeit, anzu-
de. Hoffentlich hat diese Entscheidung auch aufgrund ihrer Sexualität kommen. Bei Menschen, die die Sprache
auf andere Fälle positive Auswirkungen. sprechen und Arbeiten gehen, gibt es trotz
verfolgt werden. eines negativen Asylbescheids andere Mög-
Fragen an Julia von LeTRa: lichkeiten, ein Bleiberecht zu bekommen.
PG: Was sind die Unterschiede zwischen Dies ist inzwischen aber sehr schwierig,

PG: Kannst du die Zustände in den An- Ankerzentren und anderen Unterkünf- weil die Menschen in den Ankerzentren so

kerzentren beschreiben? Es werden uns ten? Die Menschen, die in Ankerzentren isoliert leben müssen. Außerdem können
aus vielen Zentren katastrophale Zustän- leben, werden im Gegensatz zu Menschen die Frauen nicht mehr so gut beweisen, dass
de beschrieben, vor allem aus Manching, in anderen Unterkünften von der zentralen sie auch hier ein lesbisches Leben führen.
aber auch zum Beispiel aus dem Zentrum Ausländerstelle verwaltet, die häufig gegen
in Bamberg. Es ist für uns und für andere die Interessen der Menschen entscheidet. PG: Wird Homosexualität als Flucht-

Organisationen, die helfen wollen, extrem Viele Menschen in den Zentren dürfen grund denn nicht anerkannt? Früher
schwierig, hineinzukommen. Insgesamt weder arbeiten noch einen Deutschkurs wurde den Menschen oft nicht geglaubt,
ist es zwar so, dass es riesige Unterschiede besuchen. Hinter den Bezeichnungen dass sie homosexuell sind. Durch politi-
zwischen den Zentren gibt. Doch meist „Sammelunterkunft“ oder „Ankerzent- schen Druck hat sich das zum Glück geän-
werden vor allem die hygienischen Zustän- rum“ verstecken sich viele unterschied- dert. Allerdings haben viele Menschen nun
de angekreidet und die fehlenden Möglich- liche Dinge, doch oft stehen sie einfach Probleme, zu beweisen, dass sie tatsächlich
keiten, sich zu integrieren. beschönigend für ein Lager, in denen die aufgrund ihrer Sexualität verfolgt werden.
Menschen monatelang leben müssen. Das Das ist natürlich unglaublich, denn wer
Aus welchem Zentrum kommen die ist absolut untragbar. Deshalb versuchen die Nachrichten aus Uganda verfolgt, weiß,

Frauen, die ihr betreut? Viele Frauen sind wir, zu erreichen, dass unsere Klientinnen dass dort hohe Gefängnisstrafen für Ho-
in Fürstenfeldbruck oder in den Einrich- anders untergebracht werden. mosexualität verhängt werden und immer
tungen Am Moosfeld oder Frankfurter wieder die Einführung der Todesstrafe
Ring in München untergebracht. Es ist PG: Welchen Einfluss haben die Anker- gefordert wird. ● STORY ÜBER RACHAEL UND INTERVIEW

leider so, dass wir die Frauen, die zunächst zentren auf die Asylverfahren? Mit der MIT JULIA GEFÜHRT VON: SANDRA HENOCH

PRIDE ↑ 2020

39
POLITISCHE FORDERUNGEN ↓ CSD MÜNCHEN

munich pride

Schließt euch an!


Join us!

Forderung DEMAND ↓ 14 zum CSD gekommen und hat dort schnell wir den CSD nicht machen!“, weiß Susanne.
Schließt euch an! LGBTI* müssen sicht- Freunde gefunden. Engagiert war sie schon „Und wenn ich am Ende des CSDs nach 24
barer werden. Der CSD versteht sich immer, zum Beispiel bei der Freiwilligen Stunden hundemüde ins Bett falle, dann
als Plattform für die Münchner und die Feuerwehr oder in der Flüchtlingsarbeit. erfüllt mich das mit so viel Stolz, dass ich
Szene aus ganz Bayern, nicht nur während „Dann hab ich eine Anzeige gelesen, dass schon an das nächste Jahr denke.“
der Events im Juli. Wir bieten übers Jahr der CSD Ehrenamtliche sucht – und zu die-
sem großen, bunten Fest wollte ich schon

hinweg vielfältige Möglichkeiten, sich zu Karina Glowacka:
engagieren und zu zeigen. Macht mit! Denn immer!“ Ihre Motivation ist der Spaß an der „Da braucht´s echt kein Geld“
Aktivismus schafft Sichtbarkeit und Sicht- gemeinsamen Sache, die Freude ihrer Mit-
arbeiter*innen sowie die Wertschätzung

Foto: Stefanie Kresse


barkeit von LGBTI* verändert die Haltung
der Menschen: Sie akzeptieren, wie bunt und Dankbarkeit des CSD-Orgateams.
die Gesellschaft um sie herum ist. —
Susanne Madee:
STORY ↓ „Es erfüllt mich mit viel Stolz!“
PRIDE ↑ 2020

Foto: CSD München

Ohne Freiwillige
geht es nicht!
Als Projektleiterin einer Kommunikati-
onsagentur und ehemalige Leiterin der
Oly-Disco ist sie für Events wie geschaffen.
Glück für den CSD, dass sich Karina Glo-
wacka auch gern ehrenamtlich engagiert.
2013 stieg die 36-Jährige in die Szene ein,
Ehrenamtliche werden bei diesem Event arbeitete als freiwillige Helferin im Café
an allen Ecken und Enden gebraucht, dem- Regenbogen der Münchner Aids-Hilfe, war
entsprechend viele Jobs hat sie zu vergeben. 2020 Stadtratskandidatin der Rosa Liste –
Besonders beliebt sind Posten beim Stage und ist seit sieben Jahren auch im CSD-
Story: Bernd Müller

Seit 17 Jahren hat Susanne Madee (51) Management oder im Umgang mit den Team. Als Springerin hatte sie angefangen
einen der wichtigsten Jobs beim CSD: Als Künstler*innen. Weniger beliebt sind die und sich im Lauf der Zeit zur rechten Hand
Ehrenamts-Koordinatorin jongliert sie an der Garderobe, im Bereich Security oder von Orga-Chefin Susi Hilleprandt „hochge-
mit rund 60 Freiwilligen, ohne die bei der das Hochhalten des berühmten „Musik arbeitet“. „Ich möchte damit die Commu-
queeren Sommerparty nichts ginge. aus!“-Schildes am Ende der Parade. Doch nity unterstützen und vor allem etwas für
auch diese Positionen sind Jahr für Jahr mehr lesbische Sichtbarkeit tun“, so Karin.
Als freiberufliche Eventmanagerin hat zuverlässig besetzt: „Ich habe noch jeden „Es macht mir viel Spaß hier, denn die Leu-

sie zwar reichlich Erfahrung beim Or- Job vermittelt bekommen“, so Susanne, te sind super und die Atmosphäre ist cool.
ganisieren, dennoch ist der CSD für sie „denn die Leute wollen wirklich etwas tun Man bekommt beim CSD so viel, das reicht
alles andere als „business as usual“. Vier für die Community und das ist großar- völlig – da braucht´s echt kein Geld!“
Wochen intensive Arbeit stecken jedes tig!“ Ihre Freiwilligen erhalten für ihre
Jahr im reibungslosen Ablauf, für den sie Schicht von maximal vier Stunden neben

Christoph Gerbig:
mit ihrem Team sorgt. 2003 ist Susanne Verpflegung eines der begehrten Tickets „Die Szene muss sichtbar bleiben!“
für das RathausClubbing. „Aber das ist das
Zugpferd, dafür machen die Leute alles!“,
Foto: von privat

lacht Susanne. Natürlich nimmt sie zudem


Rücksicht auf individuelle Wünsche oder
Eigenheiten ihrer Mitarbeiter*innen, die
aus allen Altersgruppen, sozialen Schichten
und geschlechtlichen Identitäten kom-
men – denn wenn die ehrenamtlichen
Helfer*innen glücklich sind, dann ist sie es
auch. „Ohne unsere Freiwilligen könnten

40
Christoph Gerbig ist 56 und seit elf Jahren Anja Merkel: 46-jährige Mediatorin. Anja organisiert
Gast beim Münchner CSD. Davor war er „Beim CSD geht ein Ruck durch die Stadt“ gern und so kam sie von der Party zum
dem Event keineswegs abgeneigt, doch als Engagement. Als Ehrenamtliche hat sie
heterosexueller Ehemann und Vater fehlte von der VIP-Betreuung bis zur Einweisung

Foto: von privat


ihm schlicht die Verbindung zur queeren der Paradewagen schon vieles gemacht. Sie
Szene. „Mein Coming-out hatte ich erst schätzt die herzliche Atmosphäre im Team,
mit 38“, erzählt der Bauingenieur, der drei in der bei aller Lockerheit aber doch viel ge-
Töchter zwischen 26 und 30 Jahren hat. meinsam gestemmt wird. „Beim CSD geht
„Der CSD taugt mir“, so Christoph. „Ich immer ein Ruck durch die Stadt“, schwärmt
mag die Stimmung, die flippigen, skur- Anja. „Es liegt dann eine besondere Atmo
rilen Leute – und zu sehen, wie politisch über der Innenstadt – davon möchte ich ein
akzeptiert das alles ist in dieser Stadt.“ Am Teil sein!“ ● BernD MÜller
Ehrenamt findet er zum einen spannend,
einen Großevent von der organisatori- „Hier sind alle ein bisschen verrückt und
schen Seite zu beobachten. Vor allem aber sowas mag ich gern!“ Das meint Anja
Besucht unsere Homepage oder

fürchtet er einen rechten Rollback. „Als Merkel, die sich als heterosexuelle Frau mit
Social-Media-Kanäle und schreibt uns!

Spätzünder profitiere ich von dem, was zwei Kindern seit etwa sechs Jahren beim
Kontakt: www.csdmuenchen.de

andere erreicht haben“, meint er. „Jetzt CSD engagiert. Den CSD und das Feiern in
kann ich etwas zurückgeben und mit mei- der Community war für sie immer lustig
ner Unterstützung dafür sorgen, dass die und entspannt. „Gerade für mich als Frau
Szene sichtbar bleibt!“ fühlt es sich wie eine Auszeit an“, so die

41
CSD MÜNCHEN 2020 ↓ DANKE FÜR DEN SUPPORT!
Sponsor*innen CSD München 2020

Kulturprogramm mit freundlicher Unterstützung von

Medien-, Community- und Kooperationspartner*innen


PRIDE ↑ 2020

Verwaltet durch die

SP(I)ECIAL SHOUT-OUT WITH LOVE! always!

Impressum prideGuide 2020


CSD München GmbH ba, Stephanie Gerlach, Sandra Henoch, Fotografien: Alexander Deeg, Erwin Hinweis: Für unverlangt eingesandtes
Lindwurmstraße 71 Sandra Höstermann-Schüttler, Kamill, Harbeck, Kornelija Rade und Frank Zuber Bild- und Textmaterial wird keine Haftung
80337 München Bernd Müller, Claudia Roth / Lektorat: (wenn nicht anders angegeben) übernommen. Vervielfältigung, Speiche-
Telefon (089) 54333-211 Sandra Höstermann-Schüttler � rung und Nachdruck nur mit Genehmigung
Telefax (089) 54333-212 � Anzeigenleitung und Medienberatung: des Verlages. Gerichtsstand ist München.
info@csdmuenchen.de PrideGuide Grafik/Layout: Frank Zuber Alexander Kluge Telefon (089) 54333-211 Namentlich gekennzeichnete Artikel sowie
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� � Druck: ADV – Augsburger Druck- und schriftlicher Genehmigung weiterverwendet
PrideGuide-Redaktion: Alexander PrideGuide-Titel: Fotografie: Alexander Verlagshaus GmbH werden! Die Abbildung oder Erwähnung einer
Kluge (v.i.S.d.P.), Frank Zuber / Redaktio- Deeg, Produktion: Manuel Dünfründt und � Person ist keinerlei Hinweis auf deren sexuelle
nelle Beiträge: Muriel Aichberger, Julia Frank Zuber, Drag Queen Deluxe: Pinay PrideGuide Vertrieb: Eigenvertrieb der Orientierung oder Geschlechtsidentität.
Bomsdorf, Conrad Breyer, Felicitas Drub- Colada – we love you! CSD München GmbH Gerichtsstand ist München.

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Das Einzige,
das ansteckend
sein sollte:
Lebensfreude.
Als eines der führenden Gesundheitsunternehmen entwickeln wir
innovative Therapien wie Medikamente, Impfstoffe und Biologika.
Mit unseren weltweiten Programmen engagieren wir uns für die
Verbesserung der Gesundheitsversorgung. MSD ist ein
internationales Unternehmen mit zwei Namen: In den USA und
DE-NON-00111 05/19

Kanada sind wir Merck & Co., Inc., mit Sitz in Kenilworth, NJ, USA.

Erfahren Sie mehr über uns auf: www.msd.de

MSD SHARP & DOHME GMBH, Lindenplatz 1, 85540 Haar. www.msd.de


Liebe
braucht
keine Filter.
Für mehr O in deinem Leben.

O2 wünscht viel
Spaß beim digitalen
CSD 2020