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Kapitel 1

Auf zur Weihnachtswerkstatt

"Oma, du bist die tollste Oma auf der gaaanzen Welt", ruft Tim freudestrahlend von der Rückbank im
Auto.
Oma lächelt ihrem siebenjährigen Enkel mit einem kurzen Blick über den Rückspiegel zu: "Oh danke
mein Timmi, wie komme ich denn zu der Ehre?"
"Na, weil du den tollsten Mann der Welt geheiratet hast, den Weihnachtsmann", erklärt Tims zwei
Jahre ältere Schwester Anna.
"Da habe ich ja wohl was richtig gemacht", schmunzelt Oma und blickt in das dichter werdende
Schneegestöber vor ihr auf der Straße. Ein deutliches Zeichen, dass es nicht mehr weit ist. So schneit
es immer nur in der Weihnachtszeit hier im hohen Norden.
"Und Opa freut sich, dass ihr ihm so kurz vor Weihnachten in seiner Holzwerkstatt helfen kommt", sagt
sie.
Anna und Tim sind furchtbar stolz - Mama und Papa denken, sie fahren kurz vor Weihnachten nur mit
Oma schonmal voraus. In ihrer Bäckerei zu Hause haben sie nun besonders viel zu tun, da wollen sie
an Heiligabend nachkommen. Wenn die wüssten, dass Opa der Weihnachtsmann ist!
"Liest Du uns denn auch wieder aus dem magischen Buch mit den Weihnachtslegenden vor? So wie
letztes Jahr?", fragt Anna.
"Au ja, dann treffen wir auch die anderen Weihnachtsmänner wieder", sagt Tim eifrig, "Joulupukki aus
Finnland und Väterchen Frost aus Russland … und Santa Claus und die Rentiere aus Amerika … und
den australischen Weihnachtsmann mit seinem Känguru-Schlitten …"
"Und Julenisse aus Norwegen, hoffentlich hat er diesmal genug Milchreis gegessen, sonst ist der
wieder so griesgrämig", kichert Anna.
"Vergesst nicht Sinterklaas und den Zwarten Piet aus den Niederlanden. Und die isländischen
Weihnachtsgesellen", sagt Oma, "und schließlich gibt es ja auch noch eine Weihnachtsfrau in Italien -
die Hexe Befana."
So viele liebe Weihnachtsfreunde, die sie bald wiedersehen werden. Anna und Tim halten es vor
Vorfreude kaum noch aus. Zum Glück sind sie gleich da.

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Kapitel 2
Wo ist Opa?

Als Oma endlich den Wagen vor der Holzwerkstatt anhält, schnallt sich Tim sofort ab und rennt
schnurstracks zur Werkstatt.
"Ooopaaa, wir sind daaa!", ruft er, als er die Tür aufreißt. Doch in der Holzwerkstatt ist es stockduster,
kein Opa weit und breit. Wie kann das sein? So kurz vor Weihnachten hat Opa als Weihnachtsmann
beinahe rund um die Uhr zu tun. Schließlich sollen alle Kinder in Deutschland rechtzeitig ihre
Geschenke erhalten.
"Lasst uns erstmal das Gepäck ins Wohnhaus bringen", sagt Oma. "Vermutlich macht sich Opa gerade
nur einen Tee."
Mit Sack und Pack begeben sich die drei ins Haus. Aber auch hier ist alles dunkel.
"Oma, wir können doch im magischen Weihnachtsbuch nachschauen. Vielleicht besucht Opa gerade
nur die anderen Weihnachtsmänner", meint Anna, während sie aus ihren Schuhen steigt.
"Das ist eine gute Idee, Anna, schaut mal drüben im Wohnzimmerregal. Das magische Buch mit den
Weihnachtslegenden steht gleich neben dem Märchenbuch."
Anna und Tim flitzen zum Regal, ziehen das Buch heraus und schlagen es auf. Doch da sind alle
Seiten leer. Keine einzige Weihnachtsgeschichte ist zu sehen, keine Bilder von Santa Claus, von
Rudolph dem Rentier oder ihrem Opa, die ihnen aus dem magischen Buch sonst zuwinken würden.
"Oma, ist das das richtige Buch? Das hier hat nur leere Seiten!", sagt Anna.
Jetzt schaut sich auch Oma das Buch genauer an. Doch, das ist das richtige Buch - sie kennt es ja
genau. Wie merkwürdig!
"Es gibt bestimmt einen vernünftigen Grund für das alles", sagt Oma schließlich. "Es ist schon recht
spät. Lasst uns morgen die Nachbarn mal fragen."
Nur widerwillig machen sich Anna und Tim für die Nacht fertig. Sie wollen ihren Opa wiedersehen! Wo
mag er nur sein?

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Kapitel 3
Das Märchenbuch

Für die Gute-Nacht-Geschichte greift Oma kurzerhand zum alten Märchenbuch. Erst jetzt fällt ihr auf,
wie lange sie darin nicht mehr geblättert hat. Auf dem Weg zu den Kindern pustet sie etwas Staub vom
Umschlag. Anna und Tim haben es sich derweil im großen Gästebett bequem gemacht und kuscheln
sich an Oma, als sie sich zu ihnen setzt.
"Es war einmal ein kleines süßes Mädchen", beginnt Oma zu lesen. "Das hatte jedermann lieb, der sie
nur ansah, am allerliebsten aber ihre Großmutter …"
Im Buch sehen Anna und Tim ein Mädchen mit einem roten Umhang, das Blumen pflückt. Neben ihr
steht ein Korb mit lauter guten Sachen, Kuchen und einer Flasche Wein - das muss Rotkäppchen sein.
Anna und Tim hören ein helles Stimmchen, das ein Lied summt. Das ist aber eindeutig nicht Omas
Stimme.
"Hörst du das auch?", flüstert Anna Tim zu. Das muss aus dem Buch kommen. Hat sich da nicht auch
gerade Rotkäppchens Umhang im Wind bewegt?
Der kecke Tim zögert nicht lange: "Hallo Rotkäppchen, kannst Du uns hören?", fragt er.
Tatsächlich! Rotkäppchen auf dem Bild im Buch dreht sich überrascht um. Doch Anna und Tim bleibt
keine Zeit, sich lange zu wundern. Gerade sitzen sie noch eingekuschelt neben Oma im Bett, da
stehen sie schon mitten auf der Lichtung im Wald. Vor ihnen steht leibhaftig Rotkäppchen, das vor
Schreck beinahe seine Blumen fallen lässt.
"Wer seid ihr denn?", fragt Rotkäppchen verdutzt.
"Ich bin Anna und das ist mein Bruder Tim", stellt Anna vor.
"Solltest du nicht auf dem Weg zu deiner Oma sein?", fragt Tim frech.
"Ich weiß zwar nicht, was euch das angeht", antwortet Rotkäppchen, "aber ja, ich bin gerade auf dem
Weg.
Ich wollte nur kurz ein paar Blumen pflücken, um ihr eine Freude zu machen. Jetzt muss ich aber
wirklich los. Wollt ihr mitkommen? Meine Oma ist wirklich toll und freut sich immer über Besuch!"
"Au ja!", ruft Tim fröhlich. "Mal sehen, ob deine Oma so toll ist wie unsere!"

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Kapitel 4
Rotkäppchen & der dicke Joulupukki

Schon bald erreichen Rotkäppchen, Anna und Tim das Haus der Großmutter. Rotkäppchen klopft an
und tritt ein - doch dann bleibt es so plötzlich stehen, dass Anna und Tim fast in sie hineinlaufen.
"Ei Großmutter, warum hast du denn so einen dicken Bauch?", fragt Rotkäppchen. Mit großen Augen
blickt es zum Bett am anderen Ende des Raums hinüber. Dort türmt sich in einem mächtigen Bogen
ein Federbett. Am Kopfende lugen nur zwei Augen über der Bettdecke hervor, umrahmt von weißen
Löckchen, auf denen eine Schlafhaube thront.
"Das frage ich mich allerdings auch!", wie ein Donnergrollen ertönt eine Stimme, das die Kinder richtig
zusammenzucken lässt. Dem Grollen folgen zwei spitze Ohren und eine Schnauze mit sehr scharfen
Zähnen, die hinter dem Bett der Großmutter auftauchen. Der Wolf, oh weh! Richtig böse sieht er aus …
und hungrig!
"Deine werte Oma hat ziemlich zugelegt", tönt der Wolf. "Deinen Korb mit Essen scheint sie jedenfalls
nicht nötig zu haben! Ich dagegen sterbe fast vor Hunger - jetzt wo mein Mittagessen geplatzt ist!"
"Du wolltest doch wohl nicht meine liebe Oma verspeisen?!", entfährt es dem entsetzten Rotkäppchen.
Anna zupft Rotkäppchen am Umhang - weiß sie denn nicht, dass der Wolf sie gleich auch verspeisen
will? Und womöglich Anna und Tim noch dazu!
"Doch, das war der Plan. Aber deine Oma ist viel zu groß zum Verspeisen! Da bekomme ich ja
Maulsperre. Zeig mal her, was du dabei hast …", gierig greift sich der Wolf Rotkäppchens Korb mit den
Leckereien für die Großmutter.
Rotkäppchen schüttelt den Kopf - so ein unverschämter Kerl. Sie wendet sich ihrer Großmutter zu.
"Ach Großmutter, du bist sicher nur zu dick eingepackt, dir muss ja schrecklich heiß sein", sagt
Rotkäppchen und schlägt das Federbett zurück. Doch was sie nun sieht, erschreckt sie sehr: "Ei
Großmutter, warum hast du so einen langen weißen Bart?!"
"Das ist ja gar nicht die Großmutter!", ruft Tim begeistert. "Das ist Joulupukki, der finnische
Weihnachtsmann!"

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Kapitel 5
Die Märchenbewohner sind eifersüchtig

Jetzt erkennt auch Anna ihren guten alten Freund. Erst letztes Jahr hatten sie ihn kennengelernt, als
Oma ihnen aus dem magischen Buch mit den Weihnachtslegenden vorgelesen hatte. Anna muss ein
bisschen lachen - mit dem Nachthemd und der Schlafhaube der Großmutter sieht er schon sehr
komisch aus.
"Ich wurde einfach aus Finnland geholt! Rotkäppchens Großmutter hat mich angewiesen, hier im Bett
zu warten und so zu tun als sei ich sie", jammert Joulupukki. "Alles ging so schnell … und jetzt vermisst
mich meine Frau bestimmt schon … und ein Wolf will mich verspeisen?!" Bei dem Gedanken schüttelt
es Joulupukki so, dass die Schlafhaube bedenklich zur Seite rutscht.
"Macht euch um mich mal keine Gedanken", sagt der Wolf mit vollem Mund und greift nach dem
nächsten Stück Kuchen aus Rotkäppchens Korb, "ich bin versorgt!"
"Aber wo ist denn jetzt meine Großmutter?", fragt Rotkäppchen besorgt.
"Ich bin hier …", durch die Tür zum Nachbarzimmer kommt langsamen Schrittes eine alte Dame herein.
Rotkäppchen läuft ihr selig in die Arme.
"Aber warum hast du denn Joulupukki extra aus Finnland geholt?", möchte Anna wissen.
"Wisst ihr … ich bin jetzt so lange Teil der Märchenwelt", beginnt die Großmutter zu erzählen, "und über
die Jahre sind wir Märchen mehr und mehr in Vergessenheit geraten. Besonders jetzt zur
Weihnachtszeit spricht alle Welt von Weihnachten und singt Weihnachtslieder. Für uns Märchenfiguren
interessiert sich niemand mehr! Und so haben wir beschlossen, uns die Hilfe der Weihnachtsmänner,
-frauen und -tiere aus der ganzen Welt zu holen."
"Hilfe holen, pah!", schimpft nun Joulupukki. "Einfach entführt habt ihr uns!"
"Nun, wir glauben, wenn so beliebte Weihnachtsmänner wie Joulupukki hier ein paar Märchenrollen
übernehmen - dann werden alle bestimmt wieder gerne Märchen lesen!", sagt die Großmutter.
Nun geht Anna und Tim ein Licht auf …

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Kapitel 6
Zurück nach dem ersten Abenteuer

"Heißt das, Santa Claus aus Amerika, Väterchen Frost aus Russland und all die anderen sind auch
hier im Märchenland?!", fragt Anna aufgeregt.
Die Großmutter nickt. "Richtig, mein Kind, die Weihnachtshelden sollen uns helfen, damit unsere
Märchen beliebter werden", sagt sie und schüttelt gleich darauf den Kopf: "Aber so habe ich mir das
mit Joulupukki natürlich nicht gedacht. Er sollte ganz einfach meine Rolle übernehmen. Dass er damit
das ganze Märchen durcheinander bringt, konnte ich ja nicht wissen!"
"Nun ja", erwidert Joulupukki, "ich bin nun mal auch Weihnachtsmann von Beruf und nicht
Schauspieler …"
"Aber wer bringt denn jetzt den finnischen Kindern die Weihnachtsgeschenke?", will Tim wissen.
Die Großmutter winkt ab: "Die Geschenke werden rechtzeitig ankommen. Schließlich kann ich
Joulupukki hier nicht gebrauchen. Also kann er genauso gut wieder zurück nach Finnland."

"Frühstück ist fertig!", ruft Oma am nächsten Morgen aus der Küche. Anna und Tim sind noch gar nicht
ganz wach. Waren sie nicht eben noch bei Rotkäppchen? Anna reibt sich die Augen - tatsächlich, das
ist das Gästebett in Omas Haus. Und von der Küche zieht ein wunderbarer Duft von frisch gebackenen
Brötchen hoch.
"Komm Tim, wir müssen doch Oma alles erzählen", sagt Anna und springt aus dem Bett. Nun ist auch
Tim hellwach.
Beim Frühstück wollen Anna und Tim Oma am liebsten gleichzeitig berichten, was sie wissen: Die
Märchenbewohner haben Joulupukki entführt, weil sie eifersüchtig sind!
"Aber jetzt ist er wieder in Finnland … und die finnischen Kinder bekommen auch ganz bestimmt ihre
Geschenke", sagt Tim.
"Jetzt weiß ich, wie wir die Weihnachtsfreunde wiederfinden!", Anna schaut verschwörerisch zwischen
Tim und Oma hin und her. "Wir müssen die richtigen Märchen lesen …"
"… und dann finden wir sicher auch Opa!", führt Tim ihren Satz zu Ende.
"Na, dann sollten wir keine Zeit verlieren", sagt Oma, "sonst fällt auf der ganzen Welt noch
Weihnachten aus."

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Kapitel 7
Auf zu den Bremer Stadtmusikanten

"Was meint ihr, in welcher Geschichte sollen wir als nächstes suchen?", fragt Oma, nachdem sie den
Frühstückstisch abgeräumt und es sich auf der Wohnzimmercouch bequem gemacht haben.
"Die Bremer Stadtmusikanten!", wünscht sich Tim. Oma nickt und schlägt das passende Kapitel auf.
"Es war einmal ein Mann, der hatte einen Esel", beginnt Oma zu lesen.
Anna und Tim blicken wie gebannt auf das Bild im Buch. Merkwürdig, einen Esel sehen sie nicht. Dafür
einen Wald. In der Ferne ist ein Haus zu erkennen, die Fenster sind hell erleuchtet. Aber wo sind denn
Esel, Hund, Katze und Hahn? Plötzlich tut sich was im Bild. Eine Gruppe Männer kommt des Weges
marschiert.
"Wohin geht ihr denn?", fragt Tim ganz keck. Kaum hat er das ausgesprochen, stehen Anna und Tim
vor den Männern.
"Hallo Kinder", antwortet einer der Männer recht vergnügt, "habt ihr noch nicht davon gehört? Drüben
im Waldhaus tritt eine neue Musikantentruppe auf. Die wollen wir uns ansehen."
Das können ja nur die Bremer Stadtmusikanten sein, denken Anna und Tim, und schließen sich an.
Schon bald haben Sie ihr Ziel erreicht - deutlich hören sie Gesang lauter werden. Als sie gemeinsam
das Haus betreten, machen sie große Augen. Das Haus ist voll mit Besuchern, die begeistert im Takt
klatschen. Aber es singen nicht Hund, Katze, Hahn und Esel. Die befinden sich in einer Ecke neben
dem Kamin und schauen zu. Wer singt denn nun da? Anna und Tim müssen sich ganz schön recken,
um zwischen den vielen Besuchern einen Blick zu erhaschen.

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Kapitel 8
Von Rentieren & Räubern

Endlich haben sich Anna und Tim einen Weg durch die Menge gebahnt. Nun sehen auch sie die
Musikantentruppe, die alle so toll bei Laune hält.
"Rudolph the Rednose Reindeer", schallt es im Chor, während ein Mann im roten Anzug und
Zipfelmütze dirigiert.
"Anna, das sind ja Santa Claus und seine Rentiere", raunt Tim Anna zu.
"Sein Rentier-Chor meinst du wohl", sagt Anna und kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Rentier
Rudolph tritt ein wenig vor. Er genießt sichtlich, der Star des Abends zu sein. Stolz bewegt er seinen
Kopf hin und her, dass nur ja alle seine rote Nase bewundern können.
Kaum ist das Lied zu Ende gibt es schallenden Applaus. Anna und Tim können sich kaum bemerkbar
machen bei dem Lärm. Schließlich zupfen sie den amerikanischen Weihnachtsmann am Ärmel.
"Hallo Kinder", sagt Santa Claus fröhlich, "das ist ja eine tolle Überraschung, euch hier zu treffen. Hat
euch unser Konzert gefallen?"
"Ja schon", sagt Anna, "aber ihr müsstet doch eigentlich in Amerika sein und Geschenke vorbereiten.
Sonst gehen doch die Kinder alle leer aus!"
Nun schaut Santa Claus gar nicht mehr so fröhlich, eher betroffen. Das Konzert hat ihm so viel Freude
bereitet, dass er im Moment gar nicht mehr an Weihnachten gedacht hat.
"Wer sind überhaupt all die vielen Leute?", fragt Tim.
"Wir? Wir sind Räuber!", sagt einer der Männer, die Anna und Tim zum Haus begleitet haben. "Da
sieht man es: Nicht einmal Kinder erkennen uns mehr, obwohl sie mitten in der Märchenwelt sind", fügt
er hinzu und schüttelt mit dem Kopf.
"Moment mal - ich kenne das Märchen von den Bremer Stadtmusikanten sehr gut", protestiert Anna,
"ihr Räuber hättet doch jetzt alle flüchten müssen! Stattdessen kommen immer mehr dazu."
"Genau", sagt Tim, "ein paar von euch haben gerade sogar noch 'Zugabe' gerufen!"
Da sind die Räuber plötzlich sprachlos.
"Kinder, ihr habt ja so recht", meldet sich nun ein krächzende Stimme aus der Ecke neben dem Kamin.

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Kapitel 9
Auch Krähen will gelernt sein

Hervor tritt der Hahn der Bremer Stadtmusikanten. "Es ist alles ganz anders gekommen, als wir
geplant hatten", sagt er. "Erst hatten wir noch versucht, den Rentieren 'Kikerikiii' beizubringen. Aber
dieser amerikanische Akzent - nein, das geht einfach nicht."
"Rudolph hatte dir ja aber vorgeschlagen, stattdessen 'cock-a-doodle-doo' zu rufen. Das rufen die
Hähne in Amerika und sind damit sehr erfolgreich", wendet Santa Claus etwas beleidigt ein. Ein
Kichern geht durch die Räuberbande.
Der Hahn rollt die Augen: "Jetzt geht das schon wieder los!", krächzt er. "Statt uns und die
Märchenwelt würdig zu vertreten, bringen die Rentiere die Räuber pausenlos zum Lachen."
Santa nickt. "Ja nun, und weil die Stimmung so gut war, haben wir ein paar von unseren
Weihnachtsliedern zum Besten gegeben", sagt er.
"Aber so ist doch niemandem geholfen", sagt Anna. "Euer Märchen geht nicht auf und die Kinder in
Amerika bekommen keine Geschenke."
Der Hahn blickt in die Runde und sagt: "Ich denke ich spreche für alle, dass wir ab hier lieber wieder
selbst übernehmen. Euch, Santa Claus und Rentiere, danken wir für das Konzert. Aber es wird Zeit,
dass ihr nach Hause kommt und euch um die Kinder in Amerika kümmert."

Kaum hat der Hahn Santa Claus und die Rentiere freigesprochen, finden sich Anna und Tim mit einem
Mal neben Oma auf der Couch wieder. Die Kinder überschlagen sich fast, um ihr von ihrem Abenteuer
zu erzählen.
"Cock-a-doodle-doo", lacht nun auch Oma. "Die Rentiere sind aber auch lustige Kerle, kein Wunder,
dass selbst Räuber das Räubern darüber vergessen", sagt sie und ist froh, dass Weihnachten in
Amerika gerade noch rechtzeitig gerettet ist.
Aber schon wird sie wieder ernst. "Wir dürfen nicht vergessen, dass nicht alle Märchenfiguren so viel
Humor haben. Ein böser Wolf könnte da ganz anders reagieren", gibt sie zu bedenken.

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Kapitel 10
Babysitten bei den sieben Geißlein

"Meinst du, ein Wolf könnte die Weihnachtshelden glatt auffressen?", fragt Anna mit großen Augen.
"Nee, das hat doch schon bei Joulupukki nicht geklappt", sagt Tim.
"Ja, aber auch nur, weil Joulupukki ziemlich rundlich ist. Jemand anderes mag da weniger Glück
haben", sagt Oma. Nun ist klar, welche Geschichte sie als nächstes lesen müssen.
Oma schlägt ein weiteres Kapitel im Märchenbuch auf und beginnt zu lesen: "Es war einmal eine alte
Geiß, die hatte sieben junge Geißlein, und hatte sie lieb, wie eine Mutter ihre Kinder lieb hat."
Auf dem Bild im Buch sehen Anna und Tim eine Stube, in der lauter kleine Geißlein hin und her
hüpfen.
"Ui, ihr seid aber niedlich", ruft Anna hingerissen - und prompt finden sich Anna und Tim mitten in der
Stube wieder. Stürmisch und mit fröhlichem Meckern begrüßen die sieben Geißlein sie - endlich neue
Spielgefährten!
"Ja was ist denn hier für ein Radau", tönt eine Stimme. Herein kommt ein Mann mit dunklen Haaren
und ganz bunter Kleidung. Hinter ihm erscheint ein weiterer Mann, er muss sich ducken, damit auch
seine Bischofsmütze durchpasst.
"Sinterklaas, Piet - das ist ja diesmal einfach!", ruft Tim begeistert aus. Gerade angekommen und
schon haben sie den niederländischen Weihnachtsmann und seinen Gehilfen gefunden, den Zwarten
Piet.
"Was macht ihr denn hier?", fragt Anna.
"Die Geißenmutter hat uns als Babysitter engagiert. Jetzt passen wir auf die Geißlein auf, während sie
im Wald Futter holt", antwortet Sinterklaas.
Bevor Anna etwas erwidern kann, klopft es an der Tür.
"Macht auf, ihr lieben Kinder, eure Mutter ist da und hat jedem von euch etwas mitgebracht!", ruft eine
verdächtig tiefe Stimme.
Sofort rufen die Geißlein: "Wir machen nicht auf. Du bist nicht unsere Mutter, die hat eine feine und
liebliche Stimme; aber deine Stimme ist rau, du bist der Wolf!"
"Ach Kinder, seid doch nicht so unhöflich", sagt der Zwarte Piet und macht sich daran, die Tür zu
öffnen. Ja weiß der Zwarte Piet nicht, dass er alle in große Gefahr bringt?

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Kapitel 11
Käse statt Kreide ist die Idee - oder nicht?

Anna und Tim verstecken sich schnell in der großen Standuhr, die an der Wand steht.
"Guten Tag", hören sie den Zwarten Piet sagen, "Sie sind … Herr Wolf?"
Ein Grollen folgt - oh weh …
"Herrjeh, Ihr Magen knurrt aber ganz schön. Sie müssen sehr hungrig sein, kommen Sie doch herein.
Wir finden sicher etwas Essbares für Sie", sagt nun auch Sinterklaas.
Anna und Tim sind fassungslos. Sie können gar nicht mehr hinhören, gleich wird der Wolf alle
auffressen. Beide halten sich lieber die Ohren zu.
"Ich hoffe, Sie mögen Käse?", fragt Sinterklaas, "Wir sind nie ohne unseren Käse auf Reisen, sehr
praktisch als Proviant - probieren Sie doch mal."
Der Wolf langt gierig zu. Der Käse schmeckt ihm vorzüglich. Der volle Bauch macht ihn jedoch bald
sehr müde. Er verabschiedet sich und hält ein Nickerchen unter einem Baum draußen auf der grünen
Wiese.
Dann wird es still im Raum. Als die Geißenmutter nach Hause kommt, ruft sie nach ihren Geißlein. Wo
sind denn alle nur? Auf ihr Rufen klettern Anna und Tim aus der Standuhr.
"Wer seid ihr denn? Und wo sind meine Kinder?", will die Geißenmutter wissen. In dem Moment
kommt der Zwarte Piet wieder herein.
"Keine Sorge, wir sind alle im Garten und ich wollte Anna und Tim gerade zum Spielen nachholen",
sagt er.
"Der Wolf hat euch gar nicht gefressen?", fragt Tim.
"Der Wolf war hier?!", fragt die Geißenmutter entsetzt.
"Ja, und unser Käse hat ihm herrlich geschmeckt", sagt der Zwarte Piet und erzählt, wie alles
gekommen ist. Die Geißenmutter ist begeistert. Die Sache mit dem Käse ist ja eine tolle Idee, findet
sie.
Anna schüttelt energisch den Kopf.
"Das ist keine tolle Idee", sagt sie, "denn in den Niederlanden sind noch viel mehr Kinder, um die sich
Sinterklaas und der Zwarte Piet kümmern müssen!"
Die Geißenmutter horcht auf - dass es ihren Kindern gut geht, die Kinder in den Niederlanden aber
traurig sein müssen, nein, das möchte sie nicht. Sie dankt Sinterklaas und dem Zwarten Piet und
schickt sie schnell nach Hause.

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Kapitel 12
Knusper, knusper Knäuschen

Prompt finden sich Anna und Tim neben Oma auf der Couch wieder.
"Mit Käse haben Sinterklaas und der Zwarte Piet den bösen Wolf besiegt?", fragt sie ungläubig.
"Wohl eher Glück gehabt", meint Anna.
"Mir scheint, ihr seid die wahren Weihnachtshelden", sagt Oma, "aber auch Helden brauchen mal eine
Pause. Was haltet ihr davon, wenn wir jetzt erst einmal Kekse backen?"
Davon halten Anna und Tim sehr viel und gehen mit Oma in die Küche.
Nach einer Weile zieht ein wunderbarer Duft durchs Haus.
"Ich glaube, die Lebkuchen sind schon fertig", sagt Oma und zieht das erste Blech aus dem Ofen.
Mhmmm, Lebkuchen. "Ich könnte den gaaanzen Tag nur Lebkuchen essen", sagt Tim.
"Wenn du könntest, würdest du in einem Lebkuchenhaus wohnen", kichert Anna. Da kommt Tim die
Idee. "Oma, kannst Du uns heute Abend Hänsel und Gretel vorlesen?", fragt Tim.
"Die Gute-Nacht-Geschichte steht damit schonmal fest", schmunzelt Oma.

"Vor einem großen Walde wohnte ein armer Holzhacker mit seiner Frau und seinen zwei Kindern", liest
Oma abends am Bett von Anna und Tim vor. "Das Bübchen hieß Hänsel und das Mädchen Gretel."
Im Märchenbuch entdecken Anna und Tim aber eine bucklige Frau. Ihre roten Haare stehen wild zu
Berge. Aufgebracht schimpft sie vor sich hin und runzelt dabei ständig ihre Nase, auf der eine
hässliche Warze sitzt.
"Ist das die Frau vom Holzhacker?", fragt Tim.
"Nein, Timmi", flüstert Anna. "Das ist die böse Hexe. Das weiß doch jedes Kind!"
"Ach was, böse!", ruft die Hexe und dreht sich um.
Schon stehen Anna und Tim direkt vor ihr - ausgerechnet vor der bösen Hexe! Beim Anblick der Kinder
schimpft sie plötzlich gar nicht mehr. Sie runzelt kurz die Warzennase und verzieht den Mund
tatsächlich zu einem Lächeln.
"Sieh an, sieh an, ihr kommt ja wie gerufen", sagt sie mit einem Mal ganz freundlich. "Hungrig seht ihr
aus. Darf ich euch in mein Knusperhaus gleich hier um die Ecke einladen?"
Das echte Knusperhäuschen - Anna und Tim stimmen begeistert zu. Ob das eine gute Idee ist?

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Kapitel 13
Gute Hexe, böse Hexe

Das echte Knusperhäuschen! Mit einem Dach und einem Schornstein, kleinen Butzen-Fenstern und
einer Tür - aber alles aus riesigen Lebkuchen und schönstem Zuckerguss.
"Greift zu, greift zu, ihr lieben Kinder", ermuntert sie die Hexe. Verstohlen bricht Tim ein Stück von
einem Lebkuchen-Ziegel heraus, während Anna den herrlich süßen Zuckerguss an einem der
Butzen-Fenster probiert.
"So ist's recht, kommt auch gleich mit rein, da habe ich eine heiße Schokolade für euch", sagt die
Hexe, öffnet die Lebkuchen-Tür und geht ins Haus.
Tim und Anna wollen gerade hinterherstürmen, da hören sie eine Stimme.
"Wartet!"
Verdutzt schauen sie sich um. "Anna, da sitzt ein Junge in einem Hühnerstall", flüstert Tim. Das muss
Hänsel sein! Sofort gehen sie zu ihm.
"Die Hexe hat gar keine Schokolade …", flüstert Hänsel ihnen zu. "Seit diese zweite Hexe da ist, gibt es
nur Dinkelkekse und Ingwertee!"
"Zweite Hexe?", fragt Anna verdutzt.
"Ja, Bafe… Befa…"
"Befana!?", unterbricht Anna Hänsel.
"Ja, genau …" erwidert er, aber Anna hört ihm gar nicht mehr richtig zu. Sie ist schon auf dem Weg ins
Haus und zieht Tim hinter sich her.
Im Haus laufen sie beinahe in die böse Hexe. Aufgebracht rauft sie sich die roten Haare. Hinter ihr
entdecken sie ein junges Mädchen. Das muss Gretel sein. Aber Gretel ist gar nicht ängstlich. Vergnügt
schaut sie dabei zu, wie eine andere Frau dampfende Plätzchen aus dem Ofen holt.
"Befana!", rufen Anna und Tim wie aus einem Munde. Aber eigentlich müsste Befana, die liebe
Weihnachtshexe, jetzt in Italien sein und dort die Geschenke für die Kinder vorbereiten.
"Ihr kommt genau richtig", ruft Befana. "Bei dem ganzen Zuckerkram hier habe ich Gretel erst einmal
gezeigt, wie man auch gesund backen kann."
"Gesund! Gesund!", meckert die böse Märchenhexe drauflos. "Ich höre immer nur gesund! Ich habe
dich geholt, damit du mir hilfst, die Kinder dick und rund zu füttern! Unbelehrbar bist du! So kann ich
mit euch allen auch nichts anfangen!"

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Kapitel 14
Schnee & Schnarcher

"Prima!", findet Anna. "Dann kann Befana ja auch wieder nach Italien zurück und sich um die
italienischen Kinder und deren Geschenke kümmern."
"Und was wird aus mir?", fragt die Märchenhexe fast ein bisschen traurig.
"Na, wir erzählen jedem von deinem riesig leckeren Lebkuchenhaus!", erzählt Tim begeistert. Die
Märchenhexe ist sichtlich geschmeichelt. Mit diesem Versprechen entlässt sie die Kinder. Sie winkt
sogar noch, als Befana auf ihrem Besen gen Italien fliegt.

Am nächsten Morgen bauen Anna und Tim mit Oma einen Schneemann. Fertig glitzert er in der
strahlenden Wintersonne. Merkwürdig, denkt Oma, sonst schneit es kurz vor Weihnachten hier oben
im Norden immer. Ob Frau Holle wohl Probleme hat beim Bettenaufschütteln? Gemeinsam
beschließen sie, im Märchenbuch nachzuschauen.

Kurz darauf haben es sich die Drei wieder auf der Wohnzimmercouch gemütlich gemacht. Oma
beginnt zu lesen, doch ihre Stimme wird von einem lauten Schnarchen übertönt. "Anna, du kannst
doch jetzt nicht einfach einschlafen", meint Tim vorwurfsvoll.
"Das bin ich doch gar nicht, das kommt aus dem Buch", sagt Anna. Auf dem Bild im Buch sehen sie
ein Schlafzimmer mit einem großen Bett.
"Da schau, die Federbettdecke bewegt sich auf und ab. Da schläft einer", sagt Anna und tippt mit dem
Finger aufs Bild. Keine Sekunde später befinden sich die beiden mitten im Schlafzimmer. Tim hält sich
die Ohren zu, das Schnarchen ist ja kaum auszuhalten. Er nimmt lieber Abstand und geht zum
Fenster. Anna ist da etwas mutiger und geht näher ans Bett.
"Ich glaube es ja nicht, das ist ja Väterchen Frost, der da so schnarcht", sagt Anna. "Siehst du da
draußen vielleicht Frau Holle?"
Tim wagt einen Blick aus dem Fenster. Frau Holle kann er nicht entdecken, aber dafür ein hübsches
Mädchen. Es schaut sehr unglücklich.
"Schau mal Anna, da steht ein Mädchen ganz traurig vor einem Schneemann", sagt er und zeigt
hinaus.
"Das ist kein Schneemann, das ist eine Schneefrau", sagt Anna. Was mag da passiert sein?

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Kapitel 15
Der Streit um den Schnee

Anna und Tim zögern nicht lange und laufen hinaus zu dem hübschen Mädchen.
"Warum bist Du denn so traurig?", fragt Anna.
"Ach, es hat einen fürchterlichen Streit gegeben", jammert das Mädchen. "Väterchen Frost und Frau
Holle konnten sich einfach nicht einig werden, wie man Schnee herstellt."
"Ich weiß", ruft Tim eifrig, "das macht Väterchen Frost ganz toll mit seinem Zauber-Dings-Stab!"
"Aber Frau Holle glaubt eben nur an ihr Federbett. Und als Väterchen Frost sich geweigert hat, das
Bett aufzuschütteln, da hat sie … da hat sie gedroht, ihn mit einem Kessel voller Pech zu überschütten",
schluchzt das Mädchen.
"Ja aber wo ist denn Frau Holle nun?", fragt Anna.
"Na, ihr steht vor ihr", sagt das Mädchen. Mit zittrigem Finger zeigt sie auf die Schneefrau. "Väterchen
Frost war so erbost, dass er sie mit seinem magischen Wanderstab in eine Schneefrau verwandelt
hat", sagt sie.
So geht das aber nicht, finden Anna und Tim. Gemeinsam gehen sie zurück ins Schlafzimmer und
wecken Väterchen Frost auf. Er staunt nicht schlecht, als er die Kinder sieht.
"Anna, Tim, sagt bloß, diese furchtbare Federfrau hält Euch hier auch gefangen?", sagt er noch etwas
schlaftrunken.
"Das kann sie ja gar nicht, du hast sie ja einfach in eine Schneefrau verwandelt", sagt Anna
vorwurfsvoll.
"Was sollte ich machen, sie wollte schließlich keine Vernunft annehmen", antwortet Väterchen Frost
etwas patzig. Schließlich hat noch nie jemand gewagt, die magischen Kräfte seines Wanderstabes in
Frage zu stellen.
"Aber den Kindern in Russland ist auch nicht geholfen, wenn du hier einfach schläfst und niemand das
Märchen zu Ende bringt", sagt Anna.
Väterchen Frost windet sich ein bisschen, Frau Holle hat ihn schon sehr geärgert.
"Looos, du musst da jetzt raus und Frau Holle mit dem Zauber-Dings-Stab wieder lebendig machen",
sagt Tim und zieht Väterchen Frost energisch am Ärmel.

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Kapitel 16
Oma mag Märchenprinzen

Endlich gibt Väterchen Frost nach und folgt den Kindern hinaus. Würdevoll tippt er die Schneefrau mit
seinem magischen Wanderstab an.
Tatsächlich, im Nu verwandelt sich die Schneefrau zurück. Zornig blitzen ihre Augen, als sie Väterchen
Frost erblickt. Doch sogleich springt ihr das hübsche Mädchen in die Arme: "Frau Holle, bin ich froh,
dass Sie wieder da sind. Zeigen Sie mir doch einfach, wie man die Federbetten aufschüttelt, ja?", sagt
sie fröhlich.
Anna und Tim pflichten ihr bei und erklären sofort, dass in Russland tausenden von Kindern droht,
Weihnachten auszufallen. "Nur, weil Väterchen Frost und Sie so doll gestritten haben", fügt Tim hinzu.
"Das habe ich nicht gewollt, ihr lieben Kinder. Ich denke, jeder von uns sollte nun tun, was er am
besten kann", sagt Frau Holle. "Ich gehe dann jetzt mal Schnee machen", fügt sie nicht ohne ein wenig
zu schmunzeln hinzu und bedeutet Väterchen Frost zu gehen.

Zurück bei Oma trinken sie erst einmal eine heiße Schokolade.
"Die habt ihr euch nun aber auch verdient", sagt Oma.
"Aber Opa haben wir immer noch nicht gefunden", sagt Tim und pustet in seine Tasse.
"Oma, hast du nicht eine Idee, in welchem Märchen Opa sich aufhalten könnte?", fragt Anna.
"Als Kind haben mir die Märchen am besten gefallen, wo ein Prinz mitgespielt hat. Das weiß auch euer
Opa", sagt Oma. Das könnte die richtige Spur sein! Sie beschließen als nächstes Dornröschen zu
lesen.
Oma liest vor: "Es ging die Sage im Land von dem schönen, schlafenden Dornröschen, wie die
Königstochter genannt wurde. Von Zeit zu Zeit kamen Königssöhne und versuchten, durch die Hecke
in das Schloss zu kommen."
Auf dem Bild im Buch sehen sie einen Prinzen. Betrübt sitzt er am Fuße eines Schlosses. Um das
Schloss ist eine dichte Dornenhecke zu erkennen. Die Dornenhecke hat aber an einer Stelle ein Loch.
Mehr noch: eine richtige Schneise. Was mag da wohl passiert sein?
Und warum schmollt der Prinz?

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Kapitel 17
Dornröschen & der australische Weihnachtsmann

"Hallo Du, warum schmollst Du denn?", ruft der kecke Tim.


Schon stehen die Kinder vor dem Prinzen.
"Musst du nicht rauf, das Dornröschen wachküssen?", fragt Anna.
"Iiih", entfährt es Tim, worauf Anna ihn in die Seite knufft.
Der Prinz schaut kurz auf. "Ach, das hat doch gar keinen Zweck mehr!", sagt er und zuckt nur trostlos
mit dem Schultern.
"Was ist denn passiert?", fragt Anna.
Der Prinz erzählt schließlich, dass bereits viele Königssöhne versucht haben, Dornröschen zu küssen.
"Ja und? Davon musst du dich doch nicht unterkriegen lassen", meint Anna.
"Ich bin ja auch noch nicht fertig. Einen der Königssöhne sollte diesmal ein neuer spielen. Einer aus
Australien. Wie die anderen sollte er versuchen, Dornröschen zu retten und dabei scheitern. Denn es
kann ja nur einen geben, der es bis zu Dornröschen schafft. Mich! Aber er hat sich einfach nicht an die
Spielregeln gehalten", erzählt der Prinz nun aufgebracht. "Mit seinem komischen Känguru-Schlitten ist
er durch die Dornenhecke geglitten, als sei sie Butter."
"Känguru-Schlitten?! Mensch Anna, das muss der australische Weihnachtsmann sein", sagt Tim.
"Ja, genau der", sagt der Prinz.
"Das ist ja prima, lass uns schnell hinterhergehen", ruft Anna.
"Das ist gar nicht prima", sagt der Prinz. "Der Tölpel hat sicher schon Dornröschen geküsst und alles
durcheinandergebracht."
Die Kinder überzeugen den Prinzen, nicht voreilige Schlüsse zu ziehen.
Zusammen machen sie sich auf durch die Schneise ins Schloss. Was sie wohl erwarten wird?

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Kapitel 18
Wer küsst Dornröschen?

Im Schloss schlafen noch alle, sowohl die Menschen, als auch die Tiere. Immer höher und höher
steigen sie die Treppen im Schloss empor. Endlich erreichen sie ein großes Zimmer. Auf einer Seite
sehen sie ein Himmelbett, die Vorhänge sind geschlossen. Auf der anderen Seite entdecken sie große
Balkontüren, die weit geöffnet sind. Tim schreitet mutig voran.
"Kommt schnell, ich hab' die Kängurus gefunden", ruft Tim plötzlich. Anna und der Prinz folgen auf
den Balkon. Tatsächlich, die Kängurus stehen in vollem Geschirr auf Dornröschens großem Balkon.
Genüsslich knabbern sie an der Dornenhecke. Und gleich hinter ihnen im Rollschlitten - da sitzt der
australische Weihnachtsmann.
"Was machst du denn hier auf dem Balkon?", fragt Anna.
"Ach Kinder, wie schön euch hier zu sehen", sagt der Weihnachtsmann. "Der Känguru-Schlitten ist
echt phänomenal! Ich bin nur so durch die Dornenhecke geprescht."
" … das war nicht Teil der Abmachung, Herr Weihnachtsmann!", sagt der Prinz gebieterisch. "Nur ich
darf es bis hierhin schaffen und Dornröschen küssen."
Nun blickt der Weihnachtsmann plötzlich recht verlegen.
"Ach, ich habe Ihnen doch nur den Weg frei gemacht", winkt der Weihnachtsmann ab.
"Sie meinen … mein Dornröschen schläft noch? Sie haben sie noch gar nicht geküsst?", fragt der Prinz
hoffnungsvoll.
Der Weihnachtsmann schüttelt heftig den Kopf. Seine Bäckchen färben sich auffallend rot.
Dornröschen küssen - nein, nein, nein, da geniert er sich dann doch.
"Siehst du, jetzt kannst du weiterhin der Märchenheld bleiben", sagt Anna zum Prinzen, "aber unser
Weihnachtsmann muss ganz schnell nach Australien.
Die Kinder dort warten auf ihre Geschenke."
"Kinder, wie recht ihr doch habt. Herr Weihnachtsmann, ganz hervorragende Arbeit, einen
vorzüglichen Schlitten haben Sie da. Dann nichts für ungut …", sagt der Prinz und wendet sich mit
hocherhobenem Haupt dem Himmelbett zu.
"Pass auf Timmi, jetzt geht er sie küssen …", sagt Anna noch, doch das hört der Prinz schon nicht
mehr.

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Kapitel 19
Schneewittchen & die faulen Zwerge

"Wie bitte, Opa will wen küssen?", fragt Oma mit hochgezogenen Augenbrauen. Anna und Tim blicken
sich um. Sie sind ja gar nicht mehr im Schloss, sondern wieder bei Oma.
"Bei Dornröschen haben wir zwar einen Prinzen gefunden und sogar den australischen
Weihnachtsmann", berichtet Anna, "der ist jetzt wieder in Australien. Aber von Opa war da keine Spur
…"
"Naja", antwortet Oma, "Dornröschen ist ja auch nicht das einzige Märchen, in dem ein Prinz
vorkommt. Lasst mich mal überlegen, welche Märchen mit Prinzen es noch so gibt …"
"Ich weiß!", ruft Anna gleich. "Schneewittchen wird doch auch von einem Prinzen geküsst!"
"Iiih!", kommt es wieder von Tim. "Warum müssen die denn immer knutschen?!"
"Ganz einfach", schmunzelt Oma, "ein Kuss besiegelt das gute Ende eines Märchens. Ich lese euch
mal vor, wie das bei Schneewittchen war …"
Sie blättert im Märchenbuch und beginnt die Geschichte. Schon sehen Anna und Tim ein kleines,
hübsches Haus hinter schneebedeckten Bergen auftauchen.
"Wir müssen näher ran, ich erkenne ja gar nichts!", ruft Tim. Als hätte das Buch es gehört, stehen die
beiden - schwups! - vor dem Haus im Schnee.
"Ein Haus mit so einer kleinen Tür und so niedrigen Fenstern … das muss das Haus der sieben Zwerge
sein!", sagt Anna. Sie wirft einen Blick durchs Fenster - tatsächlich, da sind auch die Zwerge.
Merkwürdig, am helllichten Tag lümmeln sie sich vor dem Kamin. Um sie herum wirbelt ein hübsches
Mädchen mit schwarzem Haar und räumt auf. Das muss Schneewittchen sein. Bis draußen hört man
sie schimpfen: "Von wegen fleißige Zwerge! Faul seid ihr! Wenn ihr schon zu Hause seid, dann könnt
ihr mir wenigstens helfen, anstatt alles nur unordentlich zu machen …"
Und die Zwerge? Die einen halten sich nur die Ohren zu, während sich die anderen einfach weiter
unterhalten. Dem müssen Anna und Tim auf den Grund gehen und klopfen an.
"Herein, wenn's nicht noch ein Zwerg ist!", schallt Schneewittchen Stimme aus dem Zwergenhaus.

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Kapitel 20
Weihnachtsgesellen im Bergwerk

"Nein, Zwerge sind wir nicht - auch wenn wir klein sind", erwidert Tim verdutzt. "Meine Schwester Anna
und ich sind auf der Suche nach unserem Opa, dem Weihnachtsmann."
"Ich hab' hier keinen Opa gesehen und auch keinen Weihnachtsmann!", schimpft Schneewittchen
weiter. "Ich komme ja noch nicht mal dazu, aus dem Fenster zu schauen. Seit die Zwerge nicht mehr
arbeiten gehen, lümmeln sie nur zu Hause rum und bringen mir meinen Haushalt durcheinander!"
"Aber dann bleibt ja die Arbeit im Bergwerk liegen." Anna ist erstaunt. Sie dachte immer, die Zwerge
machen gerne ihre Arbeit im Stollen …
"Gar nichts bleibt liegen!", meldet sich der älteste Zwerg vom Kamin. "Schließlich sind jetzt 13
Gesellen aus Island an der Arbeit. Das sind fast doppelt so viele!"
"Und die schaffen dann also auch die doppelte Arbeit", sagt noch ein Zwerg.
"Dann haben wir wenigstens mal frei an Weihnachten!", fügt ein dritter Zwerg hinzu.
Tim geht ein Licht auf: "Moment! Meint ihr die 13 Weihnachtsgesellen aus Island, die dort die
Geschenke verteilen?"
"Genau die!", unterbricht Schneewittchen sie. "Und jetzt raus mit euch allen! Ich muss jetzt endlich mal
durchfegen - ohne dass mir jemand im Weg steht!"
Murrend erhebt sich ein Zwerg nach dem anderen.
"Könnt ihr uns zum Bergwerk bringen?", fragt Anna.
"Au ja", ruft Tim. Ein Bergwerk wollte er immer schonmal sehen.
Bei so viel Interesse werden auch die Zwerge wieder munter. Stolz führen sie die Kinder zum
nahegelegenen Berg in einen unterirdischen Gang.
"Das ist ein Stollen", sagt einer der Zwerge.
"Den haben wir selbst gegraben", sagt ein weiterer. Doch bevor ein dritter Zwerg was sagen kann,
ertönt ein lautes Rumpeln. Der Boden vibriert sogar.
Am Ende des Stollens entdecken sie die Ursache … und die isländischen Weihnachtsgesellen. "Was ist
denn hier passiert!?", entfährt es den Zwergen wie aus einem Mund. Alle Blicke richten sich auf zwei
der 13 Gesellen. Ein großer starker und ein sehr kleiner versuchen, mit bloßen Händen einen großen
Felsbrocken zu stützen.

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Kapitel 21
Milchreis für die Abenteurer

Der kleine Geselle, Stúfur, findet als erster die Sprache wieder: "Giljagaur der Möchtegern-Starke
wollte uns zeigen, dass er viel mehr Steine schafft als wir anderen."
"Jaja, ist ja schon gut", grummelt Giljagaur, "helft uns lieber. Dieser Brocken hier hat sich gelöst."
Mit Hilfe der Zwerge bringen die Gesellen den Brocken sicher zu Boden.
"Unser Stollen hätte einstürzen können", entfährt es dem ersten Zwerg.
"Alle Arbeit wäre umsonst gewesen", sagt ein weiterer Zwerg.
"Und ihr hättet euch böse verletzen können", fügt diesmal Anna hinzu. "Seht ihr Zwerge, keiner kann
eure Arbeit so gut machen wie ihr. Und schließlich seid ihr eure eigenen Chefs. Nehmt euch doch
einfach an Weihnachten frei. Die Weihnachtsgesellen jedenfalls werden in Island gebraucht - sonst
bleiben alle Kinder dort ohne Geschenke! Das könnt ihr doch nicht wollen, oder?"
Nein, das sehen die Zwerge ein. So schütteln sie sich schließlich die Hände und lassen alle wieder
ihrer Wege gehen.

"War das dein Magen, der da so laut geknurrt hat, Anna?", Omas Stimme holt Anna und Tim zurück
ins Wohnzimmer.
"Ja, weißt du Oma …", antwortet Anna, "Streitschlichten macht richtig hungrig!"
Oma lächelt. "Was haltet ihr von einer köstlichen Portion Milchreis?"
"Au ja!", kommt die Antwort prompt von beiden. Gemeinsam gehen sie in die Küche und kochen
Milchreis. Als Tim der Duft in die Nase steigt, fällt ihm ein alter Bekannter aus Norwegen ein:
Der Julenisse verteilt dort die Geschenke schließlich nur, wenn die norwegischen Familien auch ein
wenig Milchreis auf dem Dachboden stellen. Und jetzt wundern sich die Familien bestimmt, weil der
gute Milchreis unangetastet bleibt. Anna und Tim dagegen langen tüchtig zu. Nach dem Essen schlägt
Oma gleich wieder das Märchenbuch auf. Die Kinder machen große Augen beim Anblick des Bildes im
Buch. Was macht denn der Julenisse beim tapferen Schneiderlein? Das kann doch kein Zufall sein!

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Kapitel 22
Julenisse, das tapfere Schneiderlein & die Fliegen

Oma beginnt zu lesen: "An einem Sommermorgen saß ein Schneiderlein auf seinem Tisch am
Fenster, war guter Dinge und nähte aus Leibeskräften …"
Anna und Tim hören gar nicht richtig zu. Gebannt starren sie auf das Bild im Märchenbuch. Dort sehen
sie das tapfere Schneiderlein - allerdings nicht beim Nähen, sondern beim Essen. Neben ihm sitzt der
Julenisse. Beide löffeln höchst zufrieden aus ihren Schälchen.
"Hallo Julenisse!", ruft Tim fröhlich. "Was esst ihr denn da leckeres?"
"Tim! Anna! Was für eine Überraschung …", hören die beiden den Julenisse antworten. Schon sitzen
sie zu viert am Tisch.
"Das Schneiderlein hier hat mich eingeladen auf ein Pflaumenmus - köstlich, sage ich euch! Viel
besser als Milchreis …", schwärmt Julenisse vor sich hin.
Anna und Tim staunen, so friedlich kennen sie den temperamentvollen Julenisse sonst nicht. Mit einer
Hand fegt er eine kleine schwarze Fliege von seinem Mus, um sich gleich den nächsten Löffel in den
Mund zu schieben.
"Wollt ihr vielleicht auch eine Schale …", das Schneiderlein kann sein Angebot nicht zu Ende sprechen.
Von der Seite trifft ihn die Hand von Julenisse. "Aua!"
"'tschuldigung", nuschelt Julenisse etwas gereizt, während er mit der Hand weiter herumfuchtelt. "Also,
diese Fliegen sind ja schon arg lästig. Das werden ja immer mehr!"
"Ich kann dir zeigen, wie man sieben auf einen Streich erledigen kann!", versucht ihn das
Schneiderlein zu besänftigen. Aber Julenisse wird nun immer energischer. Wild schlägt er mit den
Armen ums sich. "Igitt! Weg, weg mit euch ihr dummen Fliegen", schimpft er nun lautstark.
Mehr und mehr Fliegen zieht der Duft des Pflaumenmus' an. Und mit jeder Fliege sinkt Julenisses
Laune ein Stück mehr.
Schließlich flucht und schimpft er nur noch: "Das kann doch nicht wahr sein! Da ist man einmal
glücklich und zufrieden und schon wird einem das wieder vermiest! Blöde Fliegen! Zu Hause muss ich
mich nie mit sowas rumärgern. Da kann ich in Ruhe alleine meinen Milchreis auf dem Dachboden
essen und gut ist's!"

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Kapitel 23
Aber wo ist Opa?

Jetzt wird es auch dem tapferen Schneiderlein zu bunt mit dem wilden Julenisse. "Mit so einem
tollwütigen Kerl kann ich nicht arbeiten. Um sieben Fliegen auf einen Streich zu fangen, da braucht es
eine ruhige Hand", sagt er.
"Pah, da ess' ich lieber sieben Pflaumenmus auf einen Streich", funkelt der Julenisse das
Schneiderlein an.
"Ich glaube, das hat keinen Sinn. Könnt ihr den Julenisse nicht einfach mitnehmen?", fragt das
Schneiderlein die Kinder.
"Nach Hause nicht. Er gehört ja nach Norwegen, da wird er jetzt dringend gebraucht", sagt Anna.
"So sei es", sagt das tapfere Schneiderlein.

Prompt sitzen Anna und Tim wieder bei Oma auf der Couch. Draußen wird es schon langsam dunkel.
"Kinder, ihr könnt mir beim Abendessen von eurem Abenteuer berichten", sagt Oma. Anna und Tim
folgen Oma in die Küche und erzählen vom Julenisse.
"Doch Opa war nicht dort", endet Anna die Geschichte. Wo mag Opa nur stecken? Oma Blick
verdüstert sich mit einem Mal. "Ich kenne euren Opa nur zu gut. Bestimmt will er in einem Märchen
den ganz großen Helden spielen", sagt sie nun aufgebracht. "Er ist doch immer so hilfsbereit, da
übernimmt er sich auch mal. Manchmal könnte ich ihn wirklich an die Wand klatschen!"
"Oma! Sowas kannst du doch nicht sagen", sagt Tim erschrocken.
"Ach Tim, das sagt Oma doch immer, wenn Opa sie geärgert hat", beschwichtigt Anna. Stimmt, jetzt
erinnert sich auch Tim. Opa lacht dann immer nur und sagt 'Mach's doch! Dann zeigt es sich ja, dass
ich dein Traumprinz bin!'
Tims Miene hellt sich auf: "Oma, jetzt weiß ich wo wir Opa finden. Du musst uns 'Der Froschkönig'
vorlesen."

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Kapitel 24
Der Krötenkönig

Später im Bett kuscheln Anna und Tim sich an Oma. Sie schlägt das Märchenbuch auf und beginnt zu
lesen: "In den alten Zeiten lebte ein König, dessen Töchter waren alle schön; aber die jüngste war so
schön, dass sich die Sonne selber, die doch schon so vieles gesehen hat, verwunderte …"
Und tatsächlich: Anna und Tim sehen im Buch eine wunderschöne Königstochter. In der Hand hält sie
eine goldene Kugel. Vor ihr ist ein Brunnen zu sehen, auf dessen Rand ein dicker, fetter Frosch sitzt.
"Ist das der Froschkönig?", raunt Tim Anna ungläubig zu. Der ist aber viel dicker und viel größer, als
er ihn von anderen Bilderbüchern her kennt. "Das ist ja fast schon ein Krötenkönig!", entfährt es Tim.
Die hübsche Königstochter verzieht das Gesicht. "Iiih, eine Kröte …!", ruft sie aus. Und schon stehen
Anna und Tim mit ihr am Brunnen.
"Frösche sind ja schon arg garstig, aber ein Kröte? Nein, Kinder, es hat alles seine Grenzen!", sagt die
Königstochter und schüttelt sich.
"Aber du hast es doch versprochen …", mischt sich Anna ein. "Wenn du deine Kugel wiederbekommst,
nimmst du ihn mit zu dir ins Schloss. Und was man verspricht, muss man auch halten!"
"Nein, nein!", antwortet die Königstochter trotzig. "Die Kröte nehme ich nicht mit … niemals! Lieber gehe
ich fort …" Sie greift die goldene Kugel und rennt mit wehenden Röcken davon.
"Was machen wir denn jetzt?", fragt Anna ratlos. "Im Märchen treffen sich doch alle im Schloss wieder.
Aber die Königstochter ist schon über alle Berge …"
Tim greift sich kurzerhand den Kröterich. "Komm mit! Wir haben bisher jedes Märchen wieder
hingekriegt, das schaffen wir jetzt auch …", sagt er entschlossen.
So schnell sie können laufen Anna und Tim zum Schloss nicht weit vom Brunnen.
Als sie eintreten, ist es recht düster. Nur aus einer riesigen Tür scheint ein Lichtstrahl in den
Eingangsbereich. Anna und Tim blicken vorsichtig durch den Spalt.

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Kapitel 25
Der Märchenkönig entschuldigt sich

"Tim, drängel' doch nicht so", flüstert Anna und versucht, durch den Spalt etwas zu erkennen. Zu spät -
mit einem lauten Knarzen öffnet sich die Tür.
"Na das wurde aber auch Zeit, mein Fräulein!", sagt ein Mann am Ende einer langen Tafel, auf der das
Essen dampft. Er sieht sehr würdevoll aus, auf dem Kopf trägt er eine prunkvolle Krone. Das muss der
König sein. Erstaunt blickt er auf Anna, Tim und die Kröte. "Nanu, ich dachte, meine Tochter sei
hereingekommen …"
"Nein, wir sind Anna und Tim. Ihre Tochter haben wir eben am Brunnen getroffen", sprudelt es aus Tim
heraus. "Diese Kröte … äh … dieser Frosch hier hat die goldene Kugel Ihrer Tochter gerettet. Und die
hat versprochen, ihn dafür mit nach Hause zu nehmen."
"Ja", ergänzt Anna, "dann ist sie aber einfach weggelaufen, weil sie den Frosch zu garstig fand."
"Oh je", seufzt der König, "immer macht sie so ein Theater … und dann haben wir auch noch diesen
neuen Frosch engagiert. Da war ja klar, dass es wieder Probleme gibt …"
"Neuer Frosch?", fragt Tim und blickt erstaunt auf die Kröte in seinen Händen. Ist da gerade ein
Lächeln über das Krötenmaul gehuscht? Anna bemerkt das gar nicht, sie ist viel zu aufgebracht.
"Aber jetzt geht das Märchen ja nicht auf. Und uns läuft die Zeit davon. Morgen ist doch schon
Weihnachten und unser Opa, ich meine der Weihnachtsmann, der ist weg. Und ohne Weihnachtsmann
gibt es keine Geschenke für die Kinder …", Annas Stimme überschlägt sich fast.
Aber der König fährt unbeirrt fort: "Es tut mir wirklich leid … Unser aller Plan ist aus dem Ruder
gelaufen, ich hörte schon vermehrt davon. Ich habe da wohl was gut zu machen …
Wegen meiner Tochter und den anderen Bewohnern in meinem Märchenland soll kein Menschenkind
auf seine Geschenke warten müssen!"
Schneller als Anna und Tim gucken können rauscht der König mit wehendem Mantel von dannen.
Was meint er denn damit? Anna und Tim schauen sich erst gegenseitig an und blicken ratlos auf die
Kröte. Hat sie etwa gerade gezwinkert?

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Kapitel 26
Opa ist wieder da!

"Na, wen habt ihr denn da mitgebracht?", hören sie Oma plötzlich sagen. Tatsächlich, sie sind wieder
in ihrem Bett. Und mit ihnen der Kröterich aus dem Märchen.
"Oh nein!", ruft Anna. "Wir dürfen doch noch gar nicht zurück sein. Wir haben Opa noch nicht
gefunden. Und das Märchen funktioniert doch gar nicht ohne Frosch."
"Das ist aber ein prächtiger Frosch", meint Oma, sie lächelt sogar.
"Das fand die Königstochter aber gar nicht. Weil er aussieht wie eine Kröte, ist sie einfach
davongelaufen", erzählt Tim. Oma schaut kein bisschen bestürzt.
"Kinder, überlegt doch mal. Ihr seid nur darum wieder hier, weil ihr Opa gefunden habt", sagt sie. Anna
und Tim schauen verblüfft auf den Kröterich. Ist das am Ende … Opa?
"Jetzt hilft nur eins …", murmelt Oma und hebt den Kröterich hoch. Anna und Tim schauen entsetzt - sie
wird doch nicht … sie kann doch nicht ernsthaft Opa, also den Kröterich, einfach an die Wand
klatschen?
Oma betrachtet den Kröterich auf ihrer Hand und gibt ihm dann einen beherzten Schmatzer auf das
Krötenmäulchen. Auf ein "Iiih" der Kinder folgt ein "Plopp" - und auf einmal steht tatsächlich Opa vor
ihnen!
Opa lacht schelmisch: "Na, meine Lieben, das ist ja wohl der Beweis. Oma würde mich nie an die
Wand klatschen! Bin ich nicht ein toller Traumprinz?"
Anna und Tim schauen ihren Opa mit offenem Mund an. Aber als Oma beginnt, lauthals zu lachen,
können sie sich auch nicht mehr halten. So viele Abenteuer mit so vielen Märchenfiguren und
Weihnachtshelden - und Opa war die ganze Zeit ein Frosch!
"Du glaubst nicht, was wir alles erlebt haben auf der Suche nach dir!", Tim will am liebsten gleich alles
nochmal erzählen, aber Opa unterbricht ihn.
Morgen ist schon Heiligabend und es nichts vorbereitet, nicht ein einziges Geschenk.
"Kinder, ich muss die ganze Nacht durcharbeiten. Helft ihr mir?", fragt Opa. Natürlich wollen Anna und
Tim helfen. Oma ist selbstverständlich mit von der Partie. Ob die Zeit noch reichen wird?

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Kapitel 27
Der Brief des Märchenkönigs

"Glaubst du, wir schaffen es, in einer Nacht alle Geschenke vorzubereiten? Für alle Kinder?", fragt
Anna auf dem Weg in die Holzwerkstatt.
"Ganz ehrlich, ich weiß es nicht", sagt Opa. "Wir können nur versuchen, unser Möglichstes zu tun."
An der Werkstatt angekommen öffnet Opa die Tür, knipst das Licht an und … die Vier trauen ihren
Augen nicht.
Vor den Augen von Oma, Opa, Anna und Tim erstrahlt die Holzwerkstatt in buntem Weihnachtsglanz:
Wo sie auch hinschauen, überall stapeln sich Geschenke über Geschenke!
"Donnerwetter!", entfährt es Opa. "Es ist ja alles eingepackt …"
Anna und Tim laufen los und schauen sich die Geschenke von Nahem an. Tatsächlich - an allen
Geschenken hängen kleine Schilder mit Namen von Kindern aus ganz Deutschland. Oma muss sich
auf die Überraschung erst einmal setzen und geht rüber zu Opas Schreibtisch. Als sie sich auf Opas
Stuhl fallen lässt, bemerkt sie einen altertümlichen Umschlag. "Schaut mal, was ich gefunden habe!",
ruft sie und winkt Opa und die Kinder an den Tisch. Opa nimmt den Brief. Er löst das rote
Wachssiegel, öffnet den Brief vorsichtig und beginnt laut zu lesen:
"Verehrter Weihnachtsmann,
in meiner Funktion als amtierender König des Märchenlandes entschuldige ich mich zutiefst für das
ungebührliche Verhalten meiner werten Untertanen, der Märchenbewohner. Als Wiedergutmachung
habe ich verfügt, dass sich alle zusammentun und auf der ganzen Welt beim Geschenke-Einpacken
helfen. Ich hoffe, das haben sie zu Ihrer Zufriedenheit getan.
Es wäre uns eine Ehre, wenn Ihre entzückenden Enkelkinder überall verbreiten würden, wie spannend
doch unsere guten alten Märchen sind.
Auf dass wir nicht weiter in Vergessenheit geraten mögen.
Hochachtungsvoll und mit den besten Wünschen für ein fröhliches Weihnachtsfest
Ihr Märchenkönig"
Die Vier schauen sich staunend um - tatsächlich, überall finden sich Spuren der Märchenfiguren …

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Kapitel 28
Eine märchenhafte Bescherung

Am nächsten Tag ist es endlich soweit - Heiligabend, endlich Bescherung. Nachdem Opa wahrhaftig
noch rechtzeitig alle Geschenke verteilen konnte, sind nun auch Mama und Papa eingetroffen. Anna
und Tim sind ganz kribbelig, ob die Märchenfiguren auch an sie gedacht haben? Oma öffnet feierlich
die Tür zum Wohnzimmer. Der Weihnachtsbaum erstrahlt in festlichem Glanz, darunter stapeln
zahlreiche Geschenke. Mama reicht Tim als erstes ein Geschenk. "Na Timmi, magst du dein
Geschenk gar nicht öffnen?", fragt Mama. Tim muss grinsen, auf dem Geschenkpapier sind ganz viele
kleine Knusperhäuschen zu sehen - das kann ja nur die Märchenhexe von Hänsel und Gretel gewesen
sein!
Anna ist bei ihrem Geschenk schon schneller - eine Dornröschen-DVD. Anna lacht glücklich. So eine
schöne Erinnerung an das Märchen mit dem Prinzen. Ein Geschenk nach dem anderen wird
ausgepackt. Und überall findet sich die Handschrift der Märchenbewohner. Aber am meisten staunen
Mama und Papa: Für sie liegt ein ganz besonders schöner Band der gesammelten Märchen unterm
Weihnachtsbaum.
"Das gibt's ja nicht. Wie lange ich schon kein Märchen mehr gelesen habe …", sagt Mama.
"Dann wird's aber höchste Zeit!", ermahnt Anna.
Und Tim pflichtet ihr bei: "Das sind die spannendsten Geschichten überhaupt! Rotkäppchen, Hänsel
und Gretel … und der Froschkönig erst!"
"Dann lasst uns doch mal sehen, was Mama und ich noch so von den guten, alten Märchen wissen",
schlägt Papa vor und blättert im Buch. Oma, Opa, Anna und Tim rücken gleich näher und lauschen
Papa, der nun vorliest. Nur Anna und Tim schauen gespannt auf die Bilder im Buch: Ob die
Märchenfiguren sich jetzt auch zu benehmen wissen?
Aber ja, ob die sieben Zwerge oder Frau Holle - alle erscheinen sie in vorbildlichen Posen. Nur einmal
kurz meint Anna noch, ein Zwinkern gesehen zu haben. Mama und Papa merken davon nichts. Sie
sind ganz vertieft an diesem Heiligabend - was für ein märchenhafter Abschluss mit der ganzen
Familie!

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