Sie sind auf Seite 1von 1

Textinterpretation „Morgensonnet“

Das Gedicht „Morgensonnet“, 1650 im Barock von Andreas Gryphius geschrieben, handelt von der
aufgehenden Sonne und der Bitte Gryphius‘, dass sie ihm seine Lebensfreude wieder geben solle, die
durch den 30-jährigen Krieg in ihm verloren ging.

Andreas Gryphius beschreibt in seinem Gedicht das Aufgehen der Sonne, das zwar bedeutet, dass ein
neuer Tag anbricht, ihn aber trotzdem nicht glücklich stimmen kann. Er bittet die Sonne, die
symbolisch für Gott steht, ihm Stärke, Halt und Freude zu geben, angesichts des ganzen Leids und der
Trauer, die der 30-jährige Krieg hervorgerufen hat. Er beschreibt sehr detailgenau den
Sonnenaufgang und lobt die Sonne. Außerdem lässt er immer wieder Bitten einfließen, seinen
Gemütszustand zu erheitern.

Das Gedicht setzt sich aus 14 Versen zusammen, welche jeweils aus einem sechshebigen Jambus mit
Mittelzäsur bestehen. Dieses Reimschema nennt man Sonnet und spezielle jene Art, die Andreas
Gryphius in diesem Gedicht angewendet hat, ist als Alexandriner Sonnet bekannt. Ein Alexandriner
Sonnet setzt sich aus zwei umarmenden Reimen und einem Schweifenden Reim zusammen und ist
eine Sonderform des Sonnets.

Im „Morgensonnet“ verwendete Andreas Gryphius viele Metaphern und Personifikationen, wie man
ganz am Anfang gleich erkennt, da Gryphius „Diana steht erblasst“ schreibt. Diana steht als
Mondgöttin in diesem Fall für den Mond und soll das Weichen der Nacht gegenüber dem Tag
darstellen. Auch „Der sanfte Wind erwacht“ und „Das Leben dieser Welt eilt schon die Welt zu
küssen“ sind sowohl Metaphern als auch Personifikationen. Auch „O dreimal höchste Macht“ ist eine
Metapher und soll Gott ansprechen. Vermutlich spielt „dreimal“ auf die Dreifaltigkeit Gottes, also
Vater, Sohn und Heiliger Geist an. Danach ist noch eine Anapher zu finden, nämlich im neunten und
zehnten Vers, da die jeweiligen Nebensätze immer „die“ eingeleitet werden. Dies könnte auch als
Asyndeton angesehen werden, da die jeweiligen Sätze mit Beistrichen verbunden sind.

Es wird zuerst der Beginn eines neuen Tages beschrieben und dann ergänzt Andreas Gryphius diesen
Tagesbeginn bzw. Sonnenaufgang mit seinen Bitten an Gott, ihm zu helfen. Bis zur ersten Hälfte des
siebten Verses geht es allein um den Sonnenaufgang, den er klar als Gott darstellt und danach bringt
er mit einer Reihe von Imperativen sein Leid und sein Vertrauen in Gott zum Ausdruck. In eben jener
zweiten Hälfte des Gedichts wird ganz klar die „Memento Mori“-Motivik erwähnt, vor allem im
vorletzten Vers, wo es heißt: „Und wenn mein End und jener Tag bricht ein“. Es könnte sich genauso
um ein „Vanitas“-Motiv handeln, da jene zwei Motiviken eng beisammen liegen. Er bitte in dieser
Hälfte um seelischen Frieden, auch wenn er jenen erst durch seinen Tod erlangt, wie er in den letzten
zwei Versen schreibt.

Diese Motive, sowie das letztendliche Vertrauen auf die Erlösung durch Gott, sind in der heutigen
Zeit wohl eher selten zu finden. Das muss aber nicht heißen, das die Welt der heutigen Zeit weniger
fromm ist als die vor ca. 300 Jahren, denn das „Memento Mori“- und das „Vanitas“-Motiv sind ja vor
allem durch die Schrecken und Grausamkeiten und das Leiden im 30-jährigen Krieg entstanden und
daher in der heutzutage definitiv nicht mehr aktuell.