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de D6940E

PSYCHOLOGIE
PSYCHOLOGIE
HEUTE

HEUTE
Die Sprache
April 2014

Ihres Körpers
Wie Sie garantiert
einen guten
Eindruck machen
Feedback
Die schwierige
Kunst des
SFR 10,–

Kritisierens
€ 6,50

Bildung
HEFT 4

Schafft Inklusion
gleiche Chancen
41. JAHRGANG

für alle?
4FJUFO LBSUtû %
 t*4#/

4 LBSUtû %
 t*4#/

Sabine Mühlisch Jenison Thomkins


Das Prinzip KörperSprache im Unternehmen Mauerblümchen oder Rampensau?

Das Buch bietet Führungspersonen und Mitarbeitern Jeder Mensch betrachtet die Welt durch seine kulturellen,
Anregungen für ganzheitliches Arbeiten, angefangen familiären und persönlichen Filter. Dieses Buch hilft uns,
von der energetischen Gestaltung der Büroräume unsere inneren Landkarten, die der anderen Menschen
bis hin zur Gesamtorganisation nach natürlichen und das Beziehungsgeflecht zwischen uns zu identifizieren,
Aspekten. besser zu kommunizieren, sich zu „ent-ärgern“ und
zufriedener zu leben.

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Junfermann
Editorial 3

Unser täglicher
Ausdruckstanz

„Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Wer sonst nichts ßeren Kontext gesehen werden, beschreibt unsere Titelge-
über ihn weiß, kennt zumindest diesen einen Satz des gro- schichte (Seite 20). Vor allem aber zeigt sie: Wir wollen zwar
ßen Kommunikationsforschers Paul Watzlawick. Die Kom- die Körpersprache bei anderen richtig verstehen, aber unser
munikationsregel Nr. 1 besagt: Ob wir wollen oder nicht, eigenes Darstellungsvermögen ist uns nur selten bewusst.
wir teilen anderen immer etwas über uns mit. Auch wer Im alltäglichen Theater, das wir spielen, vergessen wir re-
etwa den großen Schweiger mimt, will damit etwas sagen. gelmäßig, dass wir nicht nur unseren Text sprechen müssen,
Sein Schweigen ist beredt, sagt die Redensart treffend: homo sondern dass wir auch einen mehr oder weniger gelungenen
homini Quasselstrippe. Denn Gesten, Mimik, Haltung, Mus- Ausdruckstanz aufführen. Das erklärt, warum viele regel-
keltonus enthalten sogar verlässlichere Botschaften als die recht geschockt sind, wenn sie sich, etwa in einer Videoauf-
Worte, die jemand spricht (oder eben nicht). zeichnung, selbst sehen: Dieser Typ mit den hochgezogenen
Schultern, nervösen Händen und dem schiefen Lächeln – das
Die einfachsten körperlichen Manifestationen erzählen fast soll ich sein?
schon alles: Wie jemand geht, steht oder sitzt, das ist immer
auch ein Communiqué seiner inneren Befindlichkeit. Die Die Körpersprache ist jedoch nicht nur Teil der Selbstdar-
meisten dieser Signale verstehen wir intuitiv richtig. Das stellung, die wir auch durch die Wahl der Kleidung oder
gelingt selbst Sportreportern, wenn sie uns das Offen- durch eine bestimmte Sprechweise betreiben. Wir spielen
sichtliche kennerisch erklären: In der Körperspra- eben nicht nur Theater für andere, wir können uns
che von Fußballern etwa lesen sie, ob nun ein buchstäblich selbst eine Rolle auf den Leib schrei-
Aufbäumen gegen eine drohende Niederlage ben. Die neuere Forschung zeigt nämlich: Emo-
oder resigniertes Hinnehmen der Schlappe tionale Selbstbeeinflussung durch bewusste
zu erwarten ist. Vieles ist tatsächlich sehr Körperhaltungen ist möglich. Nicht nur unse-
einfach zu deuten, aber manchmal tappen re inneren Zustände drücken sich in der Kör-
auch geübte Körpersprache-Semantiker im persprache aus. Wir können den Prozess um-
Dunkeln. So wurde die berühmte Merkel- kehren und dem Gehirn durch bewusste Gesten
Raute schon auf sehr unterschiedliche Weise vorgeben, wie es sich zu befinden hat, zum Beispiel
interpretiert: als Verlegenheitsgeste, als Ausdruck in Prüfungs- oder Bewertungssituationen. Oscarreife
von innerer Ruhe oder Konzentration, als self-branding, Leistungen sind dazu nicht nötig. Es genügt, einige Basiser-
aber auch als Versuch der Selbstkontrolle. Ob die Raute nur kenntnisse der Kommunikationswissenschaft zu beherzigen
das Herumfuchteln mit den Händen verhindern oder ob sie und negative Körpereinflüsse auf das Denken und Fühlen
quasibuddhistische Gelassenheit signalisieren soll, ob sie ei- zu vermeiden. Gerade wer nicht zu selbstbewusstem, selbst-
ne gewollte oder eine unbewusste Geste ist – so genau weiß sicherem Auftritt neigt – also all die Schüchternen, Intro-
es vermutlich nicht einmal die Kanzlerin selbst. vertierten, Selbstkritischen, die sich oft klein machen –, kann
seine Körpersprache in Richtung auf selbstbewusste Präsenz
Das Geschäft mit dem weitverbreiteten Wunsch, die Kör- verbessern. Präsenz ist das körperliche Äquivalent zur Geis-
persprache der Mitmenschen immer genauer entziffern zu tesgegenwart: Hier bin ich, so bin ich! Die Wirkung wird
können, blüht. Seit Jahrzehnten verkaufen sich die Ratgeber verblüffend sein.
von Charisma-Coaches, Verkaufs- und Verhandlungstrai-
nern und Mimik-Decodierern erfolgreich. Dass die Ent-
schlüsselung der Körpersprache nicht ganz so einfach ist,
wie oft suggeriert wird, und dass viele Körpersignale ihre
Mehrdeutigkeit nur dann verlieren, wenn sie in einem grö-
(E-Mail: h.ernst@beltz.de)

P S YC H O L O G I E H E U T E Ap r il 2 0 1 4
4 In diesem Heft

Titelt hema

Zeigen Sie Haltung!


Hängende Schultern, gesenkter Blick,
schlaffer Händedruck: Unsere Körper-
sprache ist oft verräterisch. Sie enthüllt
mehr von uns als alles, was wir sagen.
Sie ist unsere persönliche Visitenkarte.
Wollen wir einen guten Eindruck hinter-
lassen, sollten wir an ihr arbeiten.
Denn mit der Haltung verändert sich
auch unser Fühlen und Denken.

20

■ Birgit Schönberger ■ Ute Frevert im Gespräch


Körpersprache: Vertrauen ins Shampoo
Wie Sie Ihre Wirkung auf andere und die Geschichte der Gefühle 60
verbessern können 20 ■ Sylvia Meise
■ Klaus Wilhelm Führung: Mehr Respekt, bitte! 66
Mächtiger wirken?
■ Eva Tenzer
Mächtiger werden! 26
Rechtsprechung: Im Gehirn der Täter 70
■ Karen Wright
■ Joachim Meyerhoff im Gespräch
Die schwierige Kunst des Kritisierens 32
„Ich habe richtige Sehnsuchtsgefühle
■ Ilka Quindeau im Gespräch nach der Psychiatrie“ 76
„Männer sind beim Sex
zu penisfixiert“ 38
■ Anne-Ev Ustorf
Schule: Herausforderung „Inklusion“ 44

PSYC H O LO G I E H EUTE A pri l 2014


In diesem Heft 5

Die Kunst des Kritisierens Mehr Respekt, bitte!


Ohne Kritik gibt es kein Vorankommen. Dennoch: „Respektiert werden“ steht ganz oben auf der Liste
Kritisiert werden will keiner, auch wenn er das der Dinge, die sich Beschäftigte in ihrem Beruf
Gegenteil behauptet. Im günstigsten Fall ist die wünschen. Und kaum etwas vermissen sie dort so
Kritik lästig, im schlimmsten tief verletzend. Da hilft sehr! Viele Vorgesetzte verstehen sich nicht darauf,
es auch nicht, sie samten zu verkleiden. Die Kunst respektvoll zu führen. „Werteschulungen“ nutzen
ist, ehrlich zu sein, ohne den Kritisierten auszu- da wenig – auf die Persönlichkeitsbildung kommt
grenzen. es an.

32 66

8 52
Themen & Trends Gesundheit & Psyche
■ Beruf: Schmeicheln zähmt den Chef ■ Alkohol: Die Angst hinter der Sucht
■ Erziehung: Engagierte Eltern sind glücklich ■ Alter: Demenzrisiko Depression
■ Intelligenz: Macht Musizieren doch schlau? ■ Kinderernährung: Fett macht wütend
■ Der psychologische Begriff: Extraversion ■ Emotion: Eine Körperkarte der Gefühle
Und weitere Themen Und weitere Themen

82
Rubriken
6 Briefe
Buch & Kritik
8 Themen & Trends ■ Esoterik: Was ist so faszinierend an Engeln & Co?
17 Impressum ■ Lustlosigkeit: Lässt sich das Verlangen neu entfachen?
52 Gesundheit & Psyche
■ Klarträume: Wie man das nächtliche Kopfkino steuern kann
82 Buch & Kritik
93 Cartoon ■ Agnostizismus: Christentum ade!
94 Im nächsten Heft Und weitere Bücher
95 Markt
6 Briefe

Leserbriefe
E-Mail ✍ k.brenner@ beltz.de

halb hervorhebenswert, da ich bisher Leider nutzen die mir bekannten An-
Psychotherapie 2.0
den Eindruck gewonnen habe, dass die sätze von „e-mental health“ oder „e-
(Margit Schlesinger-Stoll: Psychotherapie am
Monitor. Heft 1/2014) meisten der psychotherapeutisch tätigen coaching“, obwohl sie technische Hilfs-
Kollegen dem Einsatz von technischen mittel wie PC, Tablet oder Smartphone
Das Wichtigste ist, dass Hilfsangebote Hilfsmitteln eine äußerst skeptische verwenden, bisher deren audiovisuelle
existieren. Introvertierte Menschen nut- Haltung entgegenbringen. Dies ist sehr und interaktive Möglichkeiten nicht
zen lieber Onlineplattformen, Ratgeber- schade, da ich fest davon überzeugt bin, wirklich aus. Stattdessen werden in der
bücher etc. Extravertierte Menschen dass sich mithilfe solcher „Werkzeuge“ Regel althergebrachte „kopf lastige“
„wagen“ eher den Schritt zum Thera- die Effektivität von Psychotherapie Konzepte und Methoden der kognitiven
peuten. Wären Introvertierte durch das enorm steigern lässt. Der Einsatz von Verhaltenstherapie, wie sie bereits in un-
Die Redaktion behält es sich vor, Leserbriefe zu kürzen.

Fehlen solcher Onlineangebote dazu selbstentwickelten sprachinteraktiven zähligen Selbsthilfebüchern Anwen-


gezwungen, eine psychotherapeutische PC-Programmen im Rahmen meiner dung finden, als „alter Wein in neuen
Praxis aufzusuchen, würden sie schon verhaltenstherapeutischen Arbeit zeigt Schläuchen“ serviert. Es wäre schade,
viel wertvolle Energie allein bei dem Ge- mit großer Zuverlässigkeit, dass die In- wenn auf diese Weise ein potenziell viel-
danken daran verlieren. teraktion mit psychotherapeutisch aus- versprechender Ansatz, zeitgemäße For-
Dr. Norbert Preetz, Kommentar auf der gerichteten PC-Programmen bei den men von Psychotherapie zu entwickeln,
Psychologie Heute-Facebook-Seite Patienten eine erhöhte innere Aktivie- ins Leere läuft. Interessierte sind dazu
rung hervorruft. Diese führt zu einem eingeladen, den Blog auf der Internet-
Mit großem Interesse habe ich den Ar- tiefgreifenden psychischen Verände- seite www.psychotherapie-2-0.de zu
tikel gelesen. Besonders erfreulich fand rungsprozess, ein Prinzip, das bereits verfolgen und eigene Ideen und Gedan-
ich, dass Margit Schlesinger-Stoll der die Begründer der erlebnisorientierten ken zum Thema dort einzubringen.
Internettherapie sehr aufgeschlossen ge- Therapien auf intensive Weise genutzt Dr. rer. nat. Christoph Wölk, Psychologischer
genüberzustehen scheint. Dies ist des- haben. Psychotherapeut, Lohne (Oldenburg)

PSYC H O LO G I E H EUTE A pri l 2014


Briefe 7

„Computerprogramme können vielleicht Symptome lindern, aber ‚Heilung‘ kann


nur in der menschlichen Beziehung stattfinden“
Sandra Knümann, Praxis für Achtsamkeit und Naturerleben, Kommentar auf der Psychologie Heute-Facebook-Seite

Onlinetherapie halte ich für einen Sprache beeinflusst darüber berichten, dass man Frauen in
Schritt in die falsche Richtung. Die Men- Führungsebenen weniger häufig findet
Denken
schen werden heutzutage immer einsa- als Männer. Als Grund wird angegeben,
(Eva Tenzer: Frauen: Kein Verhältnis
mer, soziale Bindungen gibt es nicht zur Macht? Heft 1/2014) dass etwa Bilder von Frauen fehlen
mehr so viele, jeder will „individuell“ („Vorbilder“) – wenn diese Frauen in
und „unabhängig“ sein. Wenn man Ich habe Ihre Zeitschrift seit etlichen Führungspositionen dann aber bewusst
nicht mal mehr zum Therapeuten eine Jahren abonniert und lese die Hefte mit gezeigt werden, dann werden die Ste-
direkte persönliche Beziehung aufbaut, großem Interesse. Seit einiger Zeit emp- reotype aufgebrochen.
verstärkt sich diese Tendenz noch. Mei- finde ich es allerdings als sehr störend, Ich finde, dass auch die Sprache ein
ne Überzeugung: Computerprogramme dass in all Ihren Artikeln nur die männ- wesentliches Mittel ist, um Frauen sicht-
können vielleicht Symptome lindern, liche Form der Personen und Berufs- barer zu machen. In Österreich ist es in
aber „Heilung“ kann nur in der mensch- gruppen angegeben wird. Es gibt Ärzte, Schulen und Universitäten zum Beispiel
lichen Beziehung stattfinden. Wie sag- Psychologen, Forscher, Therapeuten … mittlerweile Vorschrift, sowohl die
te Martin Buber so schön: „Der Mensch Die Ärztinnen, Psychologinnen, For- weibliche als auch die männliche Form
wird erst am Du zum Ich.“ scherinnen, Therapeutinnen gibt es nur anzugeben. Jede wissenschaftliche Ver-
Sandra Knümann, Praxis für Achtsamkeit und dann, wenn es wirklich ausschließlich öffentlichung muss „gegendert“ sein. Ich
Naturerleben, Kommentar auf der Psychologie Frauen sind. Das finde ich sehr schade, weiß zwar nicht, wie dies in Deutschland
Heute-Facebook-Seite
wo doch in einigen dieser Berufsgrup- ist, aber die Idee finde ich großartig. Au-
Ich denke, es kommt immer auf den Ein- pen deutlich mehr Frauen beschäftigt ßerdem leidet die Lesbarkeit nur mar-
zelnen an. Ich stelle in meiner Online- sind als Männer. Gerade als Herausge- ginal, wenn man sich auch um neutra-
beratung häufig fest, dass sich Men- ber/innen einer Zeitschrift mit psycho- le Begriffe bemüht (Personen, Men-
schen, wenn sie nicht direkt mit einer logischem Inhalt sollte Ihnen bewusst schen, Leute …).
anderen Person konfrontiert sind, die sein, dass die Unsichtbarkeit in der Spra- Ich würde mir gerade in einer Zeit-
ihnen gegenübersitzt, viel mehr öffnen che das Denken dahingehend beein- schrift wie der Ihren wünschen, dass Sie
und sich eine gute Beziehung herstellen flusst. Wofür es kein Wort gibt, gibt es auch diesem Aspekt Ihre Aufmerksam-
lässt, auch wenn man sich nicht sieht. oft auch kein Bild … Warum ich das keit schenken. Martina Goldenits, Wien
Annette Leven, Diplompsychologin, gerade jetzt schreibe, hat den Grund,
www.borderline-rat.de, Kommentar auf der dass Sie in dem wirklich guten Artikel
Psychologie Heute-Facebook-Seite
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Wir trauern um unseren Autor

Herrn Jürgen Koeslin


Mit Herrn Jürgen Koeslin verlieren wir einen Autor, der mit seinem Fachwissen, seiner Gewissenhaftigkeit und Zuverlässigkeit den
Programmbereich Komplementärmedizin in den letzten Jahren wesentlich bereicherte. Mit seinen erfolgreichen Ausbildungs- und Prüfungs-
werken für den Heilpraktiker für Psychotherapie hat er sich überregional einen Namen gemacht und gilt als Synonym für Qualität
in der Heilpraktiker-Ausbildung. Wir danken ihm für sein Engagement und seine langjährige Treue.

Er wird allen, die mit ihm zusammengearbeitet haben, in ehrenvoller Erinnerung bleiben. Unsere herzliche Anteilnahme gilt seiner Familie.

Die Geschäftsleitung und die Kollegen des


Elsevier Urban & Fischer Verlags
Hackerbrücke 6, 80335 München
8

Themen & Trends


R E DA K T I O N : J O H A N N E S K Ü N Z E L

Es gibt für Untergebene


einfachere Möglichkeiten,
den Chef zu zähmen:
Einfach mal danke sagen

Der gezähmte Chef


Wenn Vorgesetzte selbst unsicher sind, verhalten sie sich häufig aggressiv. Untergebene
können kurzfristig für Entspannung sorgen, wenn sie dem Selbstbewusstsein des Chefs
schmeicheln

„Ich wünsche Ihnen einen wunderschö- lichkeit sieht natürlich anders aus. Fast Fast von der University of Southern Ca-
nen guten Morgen, Herr Müller. Kein jeder von uns hat wohl schon einmal lifornia in Los Angeles treibt die Frage
Problem, die zwanzig Minuten Verspä- den Unmut und Zorn seines Vorgesetz- um, warum sich Menschen in einer
tung. Auf einen derart geschätzten Mit- ten auf sich gezogen. Machtposition aggressiv gegenüber ih-
arbeiter wie Sie warte ich doch gerne. In den USA ist jeder dritte Arbeit- ren Mitarbeitern verhalten. Fast glaubt,
Übrigens steht schon in Ihrem Büro ei- nehmer bereits mindestens einmal an dass die Antwort viel damit zu tun hat,
ne heiße Tasse Kaffee für Sie bereit.“ Von seinem Arbeitsplatz schikaniert worden. wie es um das Selbstbewusstsein des
einer solchen Begrüßung durch einen Dabei war es meist der Chef, der den Vorgesetzten selbst bestellt ist.
Vorgesetzten träumt wahrscheinlich so Betroffenen angeschrien oder kleinge- Seiner These ging der Wissenschaft-
mancher Arbeitnehmer. Doch die Wirk- macht hat. Den Psychologen Nathanael ler nach, indem er Angestellte befragte.
Themen & Trends 9

Gemeinsam mit der Psychologin Serena knackstes Ego durch aggressives Verhal- Rückmeldung zu dessen erstem Entwurf
Chen von der University of California in ten zu verteidigen. „Inkompetenz allein geben. Später erhielt ein Teil der „Vor-
Berkeley bat er 90 Freiwillige, auf einer führt nicht zu Aggression“, meint Chen. gesetzten“ eine Notiz, in der sich der
Skala anzugeben, wie stark sie sich vor „Die Kombination aus einer mächtigen vermeintliche Partner bei ihnen be-
dem Urteil anderer fürchteten. Die Pro- Position und der Befürchtung, der Auf- dankte. Anschließend bewerteten die
banden nahmen sehr unterschiedlich gabe nicht gewachsen zu sein, bringt Probanden Fähigkeiten und Charakter
hohe Positionen in ihrem jeweiligen Un- Menschen dazu, um sich zu schlagen.“ ihres „Mitarbeiters“.
ternehmen ein. Aus ihren Angaben lei- In eine ähnliche Richtung weisen die Einmal mehr offenbarte das Experi-
teten Fast und Chen ab, wie kompetent Ergebnisse von Forschern um den Psy- ment: Wer sich selbst für einen inkom-
sich die Probanden in ih- petenten Vorgesetzten
rem Beruf fühlten. Zudem
erhoben die Wissenschaft-
Serena Chen: „Inkompetenz allein führt nicht hielt, würdigte seinen Un-
tergegebenen häufiger he-
ler, ob die Versuchsperso- zu Aggression. Die Kombination aus einer rab. Allerdings zeigte sich
nen grundsätzlich eher diese Tendenz nicht bei
streitlustig oder harmonie-
mächtigen Position und der Befürchtung, „Vorgesetzten“, die ein
bedürftig waren. der Aufgabe nicht gewachsen zu sein, bringt Dankeschön erhalten hat-
Das Ergebnis fiel ein- ten. Tatsächlich fühlten
deutig aus. Menschen, die
Menschen dazu, um sich zu schlagen“ sich diese „Führungskräf-
in ihrem Beruf über eine te“ durch die kleine Geste
gewisse Macht verfügten und sich zu- chologen Mario Weick von der briti- sozial wertvoller. Für unsichere Vorge-
gleich selbst als eher inkompetent wahr- schen University of Kent. In ihren Expe- setzte könne Dankbarkeit eine Bestäti-
nahmen, verhielten sich im Schnitt an- rimenten verhielten sich Menschen in gung darstellen, folgern Fast und Cho.
griffslustiger als solche, die Einfluss be- einer Führungsrolle deutlich rachsüch- Sollten also Untergebene ihrem Chef
saßen und selbstbewusst waren. tiger und aggressiver, wenn sie nicht ge- Anerkennung und Dankbarkeit entge-
Ein ähnliches Ergebnis erhielten Fast wohnt waren, Autorität auszuüben, und genbringen, wenn sie eine bessere Be-
und Chen, als sie das Gefühl der eigenen sich unsicher fühlten. „Macht ist nicht ziehung zu ihm möchten? „Wir glauben,
Kompetenz bei Probanden direkt ma- einfach nur gut oder schlecht“, so Mario dass dies eine wirksame Kurzzeitstrate-
nipulierten. Zu diesem Zweck ließen sie Weick. „Sie beeinflusst unterschiedliche gie sein kann, um das Verhältnis zwi-
eine Gruppe von Freiwilligen über eine Menschen in unterschiedlicher Weise. schen Untergebenem und Vorgesetztem
Zeit schreiben, in der sie ihren berufli- Unsere Studie hebt einige der negativen zu verbessern“, sagt Yeri Cho. „Wir sind
chen Herausforderungen nicht gewach- Wirkungen hervor, die Macht auf Men- allerdings nicht sicher, ob es als eine
sen gewesen waren. Das sollte für den schen haben kann, die es weniger ge- wirksame langfristige Strategie taugt.
nötigen Knacks im Selbstbewusstsein wohnt sind, Verantwortung zu überneh- Eine dauerhafte Lösung sollte von den
sorgen. Auch in diesem Fall erwies sich men.“ Vorgesetzten selbst kommen, denn die-
der Mix aus Macht und gefühlter In- Doch wie können Arbeitnehmer ver- se verfügen über die Macht, die Situa-
kompetenz als eine aggressive Mi- hindern, Opfer der Attacken von Vor- tion zu steuern.“ ■ Christian Wolf

schung. gesetzten zu werden? Nathanael Fast Yeri Cho, Nathanael Fast: Power, defensive denigration,
Fast und Chen glauben, den Grund und seine Kollegin Yeri Cho vermuten, and the assuaging effect of gratitude expression. Jour-
dafür zu kennen. Wenn Menschen dass Dankbarkeit ein probates Mittel ist. nal of Experimental Social Psychology, 48/3, 2012,
778–782. DOI: 10.1016/j.jesp.2011.12.016
Macht haben, verspüren sie den Drang, Sie wiesen daher Probanden die Rolle
Nathanael Fast, Serena Chen: When the boss feels in-
als besonders kompetent zu erscheinen. eines Vorgesetzten zu – und ließen sie adequate: Power, incompetence, and aggression. Psy-
Führungspersonen, die ihre Fähigkeiten gemeinsam mit einem anonymen Mit- chological Science, 20/11, 2009, 1406–1413. DOI:
10.1111/j.1467–9280.2009.02452.x
für gering halten, fühlen sich daher in arbeiter die Beschreibung eines Bildes
Peter Strelan, Mario Weick, Milica Vasiljevic: Power and
ihrem Selbstwert bedroht. Das wieder- anfertigen. Die Freiwilligen sollten da- revenge. British Journal of Social Psychology, 2013,
um kann sie dazu treiben, ihr ange- bei dem fiktiven Untergebenen eine online vor Print. DOI: 10.1111/bjso.12044

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10 Themen & Trends

Lügner ganz nebenbei


enttarnen
Wer sich angestrengt bemüht, Schwindler
zu erkennen, liegt oft falsch. Über-
raschenderweise lässt sich nebenbei
besser erfassen, ob jemand flunkert

Schwindelt die Freundin oder der Chef


gerade? Es hat keinen Sinn, über diese
Frage nachzudenken und dabei nach
verräterischen Anzeichen zu suchen.
Selbst Polizisten landen selten mehr als
Zufallstreffer, wenn sie Lügen erkennen
sollen. Das haben frühere Experimente
gezeigt.
Doch offenbar gehen wir dieses Pro-
blem nur falsch an. Wenn wir nicht Diese Trefferquote reicht zwar nicht, Doch warum lassen sich Lügner bes-
nachdenken, sondern unserem Unbe- um falsche Freunde und verlogene Ver- ser nebenbei erkennen? Die Psychologen
wussten ein paar Minuten Zeit geben, sicherungsvertreter sicher zu erkennen. verweisen auf die begrenzte Verarbei-
kann es Schwindler einigermaßen treff- Doch das unbewusst weiterarbeitende tungskapazität des bewussten Denkens.
sicher identifizieren. Das haben jetzt Hirn schafft damit zumindest eine Ver- Alle Hinweise auf Wahrheit oder
Psychologen um Marc-André Reinhard lässlichkeit, die sonst nur mit einer Schu- Schwindel korrekt zu bewerten sei auf
von der Universität Kassel gezeigt. An lung in einer ausgeklügelten Verhörtech- diese Weise schlicht unmöglich. Unbe-
ihren Versuchen beteiligten sich meh- nik erreichbar ist. wusst funktioniert dergleichen besser.
rere Hundert Probanden. Weitere Versuche bestätigen, dass un- Indizien wie die angespannte Stimme
In einem Experiment galt es etwa zu bewusstes Denken dem bewussten bei oder Sprechpausen von Lügnern lassen
erkennen, welche Studenten tatsächlich der Wahrheitsfindung weit überlegen sich so offenbar besser verarbeiten. Wer
das Praktikum absolviert hatten, von ist. Bei einem Test schwärmten die im dagegen vorsätzlich nachdenkt, vertraut
dem sie in Videointerviews berichteten. Video zu Sehenden entweder aufrichtig eher auf offensichtliche Merkmale – da-
Denn die Hälfte der Studenten erzählte von einem Film – oder sie priesen einen rauf, dass gutaussehende, widerspruchs-
von einem erfundenen Praktikum. Streifen, den sie in Wirklichkeit schreck- frei erzählende Menschen die Wahrheit
Mussten die Versuchspersonen ihren lich fanden. sagen. Damit liegt man jedoch oft falsch.
Tipp unmittelbar nach jedem der vier- Bei einem anderen Experiment soll- „Die Evolution hat es doch geschafft,
minütigen Videos abgeben, bewegte sich ten die Versuchspersonen einen Dieb den Menschen so auszustatten, dass er
die Trefferquote auf Zufallsniveau. Da- erkennen. Die Ausgangssituation war: zwischen Wahrheit und Täuschung un-
ran änderte sich auch nichts, wenn sie In einem Raum wird ein Geldbeutel ge- terscheiden kann“, folgern die Autoren.
erst alle Filme sahen und dann drei Mi- funden, in dem 20 Euro fehlen. Einige ■ Jochen Paulus
nuten nachdenken sollten. Doch para- Studenten waren nur zufällig vor Ort,
doxerweise wurden sie besser, wenn sie andere hatten tatsächlich das Geld ge-
in dieser Zeit nicht grübeln durften – stohlen. Doch bei der per Film vorge-
sondern mit einer anderen Aufgabe ab- führten Befragung leugneten selbstre-
gelenkt wurden. Nun ordneten sie im- dend alle. Auch hier verhalf unbewuss- Marc-André Reinhard, Rainer Greifeneder, Martin
Scharmach: Unconscious processes improve lie detec-
merhin zwei Drittel der echten und fal- tes Denken zu Antworten, die in zwei tion. Journal of Personality and Social Psychology,
schen Praktikanten korrekt zu. von drei Fällen stimmten. 105/5, 2013, 721–739. DOI: 10.1037/a0034352
Themen & Trends 11

Kind im Zentrum, Eltern im Glück


Überfürsorgliche Eltern stehen in der Kritik. Doch, großes Engagement in der Erziehung
kann durchaus mit Zufriedenheit verbunden sein

Welche Folgen hat es, wenn Eltern ihre Kinder zu sehr ver- jektives Wohlbefinden zu Protokoll. Zudem waren sie der
wöhnen und sie überbehüten? Kritiker meinen: Darunter Ansicht, dieser Einsatz gebe ihrem Leben einen Sinn.
leiden beide Seiten. Der Nachwuchs verhält sich bequem, Bei einer zweiten Untersuchung sollten die Erwachsenen
anspruchsvoll und passiv, ist aber zugleich einem hohen Er- festhalten, wie sie sich fühlten, während sie etwas für ihre
wartungsdruck ausgesetzt. Zudem verzichten Mütter und Kinder oder mit ihnen taten. Auffällig war auch hier, dass
Väter auf eigenes Glück, indem sie sich zum scheinbaren die kindzentrierten Eltern besonders stark davon profitier-
Wohle der Kinder aufopfern. In der öffentlichen Debatte ten, ihre Töchter oder Söhne zu versorgen und zu pflegen.
sind für diese Elterntypen verschiedene Bezeichnungen be- „Etwas für seine Kinder zu tun macht glücklich!“, schließen
kannt. Es gibt zum Beispiel die um den Nachwuchs kreisen- die Autoren aus ihren Ergebnissen.
den „Helikoptereltern“ oder Erwachsene, die „kleine Kaiser“ Allerdings räumen sie selbst ein, dass ihre Studie Schwä-
heranziehen, denen jeder materielle Wunsch erfüllt wird. chen hat. So beruhen die Ergebnisse der ersten Studie auf
Diese Ausprägungen elterlichen Einsatzes würden zu Recht Selbstaussagen. Diese sind immer subjektiv und können da-
beanstandet, meinen niederländische und kanadische Psy- her selektiv oder verzerrt sein. Hinzu kommt, dass die ge-
chologen um Claire Ashton-James von der Freien Universi- fundenen Zusammenhänge nicht ursächlich sein müssen.
tät Amsterdam. Sie wehren sich jedoch dagegen, gleich alle Ob also glückliche Menschen eher zu einem engagierten
Erwachsenen, die ein hohes Engagement in der Erziehung Umgang mit ihrem Nachwuchs neigen oder ob tatsächlich
aufbringen, an den Pranger zu stellen. Als Beispiel nennen die Beschäftigung mit Kindern glücklich macht, bleibt noch
die Forscher kindzentrierte Eltern. Zwar verzichten auch die- unklar. ■ Marion Sonnenmoser

se zum Wohle des Nachwuchses auf eigene Interessen. Doch


Claire Ashton-James, Kostadin Kushlev, Elizabeth Dunn: Parents reap what they
sie fühlen sich deshalb nicht schlecht, sondern profitieren sow: Child-centrism and parental well-being. Social Psychological and Personality
von ihrem selbstlosen Verhalten. Science, 4/6, 2013, 635–642. DOI: 10.1177/ 1948550613479804
Die Psychologen um Ashton-James betonen, dass Kind-
zentrierung ein eigenständiges Konstrukt sei, sich also von
anderen Typologien klar abgrenzen lasse. Hier stehe die
Orientierung der Erwachsenen am Wohlergehen der
Kinder im Vordergrund. Und dafür ist es eben nicht Ein glückliches Leben und
großes Engagement in
nötig, sich wie Helikoptereltern beständig in die der Kindererziehung:
Angelegenheiten des Nachwuchses einzumischen. Für viele Eltern ist das kein
Um herauszufinden, wie sich die Kindzentrierung Widerspruch
auf das Wohlbefinden auswirkt, untersuchten die
Wissenschaftler insgesamt 322 Mütter und
Väter aus Kanada. Alle Probanden hatten
mindestens ein minderjähriges Kind.
Zuerst sollten die Erwachsenen eini-
ge Fragen beantworten. Die Forscher
interessierte, wie viel Zeit die Eltern
mit ihren Kindern verbrachten, wie oft
sie an ihre Söhne und Töchter dachten oder über
sie sprachen. Zudem gaben die Versuchsperso-
nen an, was sie für ihre Kinder taten, worauf
sie verzichteten und wie sie sich dabei fühl-
ten. Die Auswertung zeigte: Eltern, die sich
besonders stark für ihren Nachwuchs en-
gagierten, gaben auch ein höheres sub-

P S YC H O L O G I E H E U T E Ap r il 2 0 1 4
12 Themen & Trends

Klug durch Klavierunterricht?


Macht Musizieren nun schlau oder nicht? Zumindest schneiden jugendliche Virtuosen in
Sprachtests besser ab als ihre Altersgenossen und bringen bessere Schulnoten nach Hause

Wer lernt, ein Musikinstrument zu spielen, wird dadurch der Universität Oldenburg hat in einer Langzeitstudie Grund-
klüger. Diese Behauptung ist oft zu hören. Tatsächlich ist schüler untersucht, die neben dem regulären Musikunterricht
bislang unklar, ob sich etwa Klavierunterricht positiv auf die in Kleingruppen ein Instrument erlernten. Sein Fazit: Die
Intelligenz auswirkt. Nun zeigt eine aktuelle Studie: Jugend- musizierenden Grundschüler konnten Wörter besser erin-
liche, die seit ihrer Kindheit musizieren, schneiden in Sprach- nern als Kinder, die kein Instrument erlernten oder in Na-
tests besser ab als ihre Altersgenossen – und zwar unabhän- turwissenschaften gefördert wurden.
gig von ihrer sozialen Herkunft. Zudem scheinen Teenager Laut DIW-Studie ist das regelmäßige musikalische Trai-
mit Sinn für Wohlklang offener und ehrgeiziger als andere ning auch mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen ver-
zu sein und bessere Schulnoten zu haben. bunden. Die musizierenden 17-Jährigen waren nicht nur of-
Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen fener und gewissenhafter, sie strebten auch eher einen hö-
Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Adrian Hille und heren Bildungsabschluss und den Besuch einer Universität
an. Am Elternhaus lag das nicht, stellten
die Forscher fest. Warum sie ihren Alters-
genossen auf einigen Gebieten überlegen
waren, kann die Studie jedoch nicht erklä-
ren. Möglich ist, dass sie bereits mit acht
Jahren gewissenhafter, ehrgeiziger und bes-
ser in der Schule waren und ihre Eltern auch
deshalb das Erlernen eines Instruments ge-
fördert haben.
Das bedeutet natürlich nicht, dass Mu-
sikunterricht keinen Nutzen hat. Sicher ist,
dass Kinder dabei bestimmte Fähigkeiten
trainieren, die für das Musizieren notwen-
dig sind. Sie lernen etwa, Tonhöhen zu un-
terscheiden. Eckart Altenmüller, Leiter des
Instituts für Musikphysiologie und Musi-
kermedizin in Hannover, weist zudem da-
Hau in die Tasten, damit du besser in der Schule wirst! rauf hin, dass das Musizieren für das Gehirn
eine große Herausforderung darstellt. Vie-
Jürgen Schupp untersuchten repräsentative Daten des Sozio- les werde gleichzeitig beansprucht: Gehör, Gedächtnis, Mo-
oekonomischen Panels (SOEP) der Jahre 2001 bis 2012. Sie torik, Körperwahrnehmung und Hirnzentren, die Emotio-
konzentrierten sich auf 17-Jährige, die mindestens seit ihrem nen verarbeiten. Beim gemeinsamen Musizieren kommt
achten Lebensjahr ein Instrument spielten. Zum Vergleich hinzu: Damit ein Stück schön klingt, müssen alle aufeinan-
zogen die Forscher Jugendliche heran, die Sport trieben, The- der hören und sich abstimmen. Das macht vielleicht nicht
ater spielten oder tanzten. intelligenter – aber meist viel Spaß. ■ Gabriele Kunz

Doch worin bestehen die Vorteile der musizierenden


17-Jährigen konkret? Alle Befragten absolvierten drei Tests, Adrian Hille, Jürgen Schupp: How learning a musical instrument affects the deve-
lopment of skills. SOEPpapers 591, 2013, 1–33, www.diw.de/soeppapers
bei denen sie passende Wörter, Rechenzeichen und Figuren
Ingo Roden, Gunter Kreutz, Stephan Bongard: Effects of a school-based instrumen-
auswählen mussten. Das Ergebnis: Wer ein Instrument spiel- tal music program on verbal and visual memory in primary school children: a lon-
te, schnitt beim sprachlichen Test – weniger beim mathema- gitudinal study. Frontiers in Psychology, 3/572, 2012, 1–9. DOI: 10.3389/
fpsyg.2012.00572
tischen – besser ab als seine Altersgenossen.
Eckart Altenmüller: Macht Musik schlau? Zu den neuronalen Auswirkungen musi-
In eine ähnliche Richtung weist das Ergebnis einer ande- kalischen Lernens im Kindes- und Jugendalter. Musikphysiologie und Musikerme-
ren Studie. Der Musikwissenschaftler Gunter Kreutz von dizin 14/2–3, 2007, 40–50

PSYC H O LO G I E H EUTE A pri l 2014


Themen & Trends 13

Probleme
anders
lösen

Psychologie & Modernes Leben


Am Tablet-PC im
Onlineshop über einen
Pullover zu wischen
wertet ihn auf

Klick, tipp, meins


Was Menschen berühren, schätzen sie. Das funktioniert
auch, wenn sie nur auf ihrem Tablet-PC über ein
Bild streichen
Die bloße Berührung eines Objektes löst bereits ein Besitzgefühl aus. Geschick- € 12,99 [D]
te Verkäufer nutzen diesen Effekt und geben ihr Produkt dem Kunden daher ISBN 978-3-466-31007-4
in die Hand. Sorgen und Stress müssen nicht mehr an-
Der Effekt entsteht auch beim Onlineshopping, wenn die Käufer auf einem gestrengt bekämpft werden. Selbst wenn wir
Touchscreen stöbern. Das erlebten die Versuchsteilnehmer in den Experimen- in Schwierigkeiten stecken, können wir ein
ten der Marketingforscher Adam Brasel und James Gips vom Boston College. leichtes, erfülltes Leben führen. Dieser Ta-
Die Probanden suchten in einem fiktiven Onlineshop aus verschiedenen Gra- schentherapeut in Form eines Cartoons ist
leichte, unterhaltsame Lektüre, die fundierte
tispullovern einen für sich aus. Dazu wählten sie das Kleidungsstück entweder
Psychologie zeitgemäß präsentiert.
mit dem Mauszeiger oder mit dem Finger auf einem Touchscreen aus. Anschlie-
ßend fragten die Forscher, für wie viel Geld die Probanden ihren Pullover wei-
terverkaufen würden. Hatten sie das Objekt auf dem Bildschirm berührt, ver-
langten sie durchschnittlich knapp 73 Dollar. Die Auswahl per Mauszeiger
drückte den Preis hingegen um 46 Prozent auf etwa 47 Dollar. Dafür sorgte der
Endowment-Effekt: Was wir besitzen, werten wir auf. Berühren wir ein Objekt,
weckt das ein Gefühl der Kontrolle, was wiederum zu einer psychologischen
Inbesitznahme führt – und die „Touchprobanden“ berichteten von einem stär-
keren Besitzgefühl als die der „Mausgruppe“.
Im zweiten Versuch brachten die Versuchspersonen ihren persönlichen Ta-
blet-PC mit. Bekannt ist, dass das eigene Gerät gewissermaßen unser Selbst
erweitert. Der private Touchscreen müsste folglich ein größeres Besitzgefühl
wecken als ein fremder Bildschirm. So war es auch: Die Probanden verlangten
noch einmal 20 Dollar mehr für „ihren“ Pullover, wenn sie diesen auf dem ei-
genen Touchscreen ausgesucht hatten.
Die Forscher fragten jeweils auch die Zahlungsbereitschaft ab; hier fanden € 16,99 [D]
ISBN 978-3-466-30950-4
sich jedoch keine Unterschiede. Ob eigenes oder fremdes Tablet, ob Maus oder
Finger – der Preis, den Nutzer für ein Produkt zahlen würden, blieb gleich. Jonathan Briefs provokative Zuspitzungen re-
Onlinehändler freuen sich dennoch über den Tabletboom: Berühren wir ein gen zum Widerspruch an und motivieren zum
Handeln. Humor und das Lachen über eigene
Produktbild, wertschätzen wir die ware mehr – da ist der digitale Einkaufskorb
Schwächen und Blockaden schaffen Abstand,
nur noch einen Fingertipp weit entfernt. ■ Sebastian Haupt
wirken befreiend und helfen, bestehende Pro-
Adam Brasel, James Gips: Tablets, touchscreens, and touchpads: How varying touch interfaces trigger psy-
bleme selbstverantwortlich zu lösen.
chological ownership and endowment. Journal of Consumer Psychology, im Druck. DOI: 10.1016/j.
jcps.2013.10.003

www.koesel.de
14 Themen & Trends

Notizen

Warum Biokaffee besser schmeckt


Viele Menschen bestreiten es, jetzt aber haben Forscher es bewiesen: Das gleiche Nahrungsmittel – in
diesem Falle Kaffee – schmeckt besser, wenn es mit einem Ökolabel ausgezeichnet ist. Das gilt allerdings
nur für Menschen, die auf Umweltschutz großen Wert legen. Es komme eben auf die Überzeugung an,
erklären schwedische Forscher der Universität von Gävle – gepaart mit einer gehörigen Portion Selbsttäu-
schung.
Für ihre Studie baten Patrik Sörqvist und seine Kollegen 171 Probanden ins Labor und ermittelten zunächst, wie wichtig ihnen Umwelt-
bewusstsein und Nachhaltigkeit waren. Entsprechend wurden die Teilnehmer in zwei Gruppen eingeteilt: die Ökofreundlichen und die
Ökoskeptiker. In einem ersten Experiment sollten die Versuchspersonen zwei Tassen Kaffee verkosten. Die eine Probe wurde als Biolebens-
mittel mit Bohnen aus umweltfreundlichem Anbau gepriesen; die andere firmierte unter dem Etikett „konventionell“. Tatsächlich war es
jedes Mal der gleiche Kaffee. Etwa drei Viertel der Ökofreundlichen schmeckte das vermeintliche Bioprodukt deutlich besser. Sie waren auch
bereit, mehr dafür zu bezahlen als für herkömmlichen Kaffee. Dagegen sagte nur der Hälfte der Ökoskeptiker der „Biokaffee“ stärker zu.
Und selbst die wollten dafür nicht mehr Geld hinlegen.
In einem Kontrollexperiment verrieten die Forscher den Probanden erst im Nachhinein, welchen Kaffee sie angeblich gerade gekostet
hatten. In diesem Fall fiel die geschmackliche Bewertung zwar beliebig aus. Doch noch immer wollten die Ökofreundlichen mehr für das
Bioprodukt bezahlen. Das belegt nach Ansicht der Forscher, dass sie zumindest teilweise aus altruistischen Gründen – aufgrund ihres Um-
weltbewusstseins – gewillt waren, einen höheren Preis zu bezahlen. Sie gaben also nicht nur deshalb mehr Geld aus, weil sie glaubten, der
Kaffee schmecke ihnen besser. ■ KL AUS WILHELM

Patrik Sörqvist u. a.: Who needs cream and sugar when there is eco-labeling? Taste and willingness to pay for “eco-friendly” coffee. PLOS ONE, 8/12, 2013, e80719
DOI: 10.1371/journal.pone.0080719

Immerhin in einer Sache sind notorische Lügner ehrlich: Sie kön-


nen ihren Hang zum Flunkern realistisch einschätzen. Das hat ein
niederländisch-israelisches Team gezeigt, indem es 527 Probanden erst
nach ihrer Betrugsneigung fragte – und dann im Experiment ihre Ehr-
lichkeit auf die Probe stellte.

RONY HALEV Y U. A.: BEING HONEST ABOUT DISHONEST Y: CORREL ATING SELF-REPORTS AND ACTUAL LYING.
HUMAN COMMUNICATION RESEARCH, 40 /1, 2014, 54 –72. DOI : 10.1111/ HCRE.12019

Frauen e-mailen anders als Männer


Selbstverständlich bringen wir in E-Mails auch unsere Gefühle zum Ausdruck. Gibt es dabei Unterschiede zwischen den Ge-
schlechtern – welche Emotionen teilen Frauen eher, wenn sie einander elektronische Nachrichten zusenden, was ist bei Männern
üblicher? Und was passiert in der Internetkorrespondenz zwischen Frauen und Männern?
Diese Fragen wollten Forscher um Saif Mohammad beantworten. Die Wissenschaftler des kanadischen Institute for
Information Technology in Ottawa erstellten ein umfangreiches Wort-Emotion-Lexikon. Dafür bedienten sie sich einer
Sammlung von mehr als 200 000 frei zugänglichen E-Mails. In diesen Nachrichten hatten Mitarbeiter eines mittler-
weile bankrotten Unternehmens Berufliches und Privates ausgetauscht.
Das Forscherteam um Mohammad wertete gut 32 000 Botschaften aus. Es stellte fest: In E-Mails unter Männern
tauchten deutlich mehr Wörter auf, die mit Vertrauen zu tun haben. Dagegen erwähnten Frauen am häufigsten mit
Freude verwandte Begriffe. Schrieben Männer an Frauen und umgekehrt, stachen vor allem Ausdrücke der Erwartung
und (Vor-)Freude heraus. Unterschiede zwischen den Geschlechtern fanden sich auch bei negativen Emotionen.
Traurigkeit und Enttäuschung überwogen in der Korrespondenz von Frauen. Männer bekundeten zwar weni-
ger betrübliche Stimmung. Dafür verwendeten sie in ihrer elektronischen Post häufiger Stichwörter der Angst.
Allerdings umfasst die Studie nur Mitarbeiter eines Unternehmens und ist daher möglicherweise nicht
repräsentativ. Um diese Schwäche zu beheben, arbeiten die Forscher nun mit Freiwilligen, die ihre E-Mails
in anonymisierter Form zur Analyse freigeben. ■ ANNA GIEL AS

Saif Mohammad, Tony (Wenda) Yang: Tracking sentiment in mail: How genders differ on emotional axes. Proceedings of
the ACL 2011 Workshop on Computational Approaches to Subjectivity and Sentiment Analysis (WASSA), 2013.
http://arxiv.org/abs/1309.6347

PSYCH O LO G I E H EUTE A pri l 2014


Themen & Trends 15

Lust auf Psychologie?

Ballerorgie im Kinderzimmer
Zwei Drittel der 14-jährigen Jungen vergnügen sich mit der Balleror-
gie Call of Duty: Black Ops 2, obwohl dieses Computerspiel erst ab
18 Jahren freigegeben ist. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter
195 Schülern, die der Verein „Mediengewalt“ veröffentlicht hat. In
dem Verkaufshit kämpft sich der Spieler durch futuristische und his- € 12,95 D
torische Kriege. Abonnenten von
Die Umfrage ist zwar nicht repräsentativ, doch andere Erhebungen
des Vereins kommen zu ähnlichen Ergebnissen. So gaben Ende ver- zahlen € 10,– D
gangenen Jahres 62 Prozent der Jungen unter 316 befragten Acht-
klässlern zu, Grand Theft Auto V zu spielen (Mädchen: 32 Prozent).
Dabei war das elektronische Gewaltspektakel gerade erst erschienen
und noch gar nicht für alle Computer und Konsolen verfügbar.
Wie sich beim Vergleich der Umfragen der letzten fünf Jahre zeigt,
stieg die Zahl der Jungen drastisch, die das jeweils populärste Schieß-
spiel bis zum Ende durchzocken. Diese Form des Zeitvertreibs hielten
dagegen nur wenige Mädchen für eine gute Idee. 220 Seiten, broschiert. ISBN 978-3-407-47209-0
Die Ballerorgien in deutschen Kinderzimmern belegen für den Auch als erhältlich
Psychologen Rudolf Weiß „die Wirkungslosigkeit des Jugendmedien-
schutzes bei elektronischen Gewaltmedien“. Seiner Ansicht nach sind
die Spiele so brutal, dass sie indiziert werden müssten. Dann dürften
sie nicht mehr beworben werden. Psychologie studieren? Und dann?
Offenbar stört es das Gros der Eltern nicht, was der Nachwuchs Was kann man mit dem Abschluss
spielt. 56 Prozent der Jungen gaben an, dass sie Grand Theft Auto V
mit Erlaubnis ihrer Eltern spielten. Bei Call of Duty waren es sogar 70 anfangen? Eine Menge!
Prozent. Jeder vierte Spieler hatte das Spiel, das nicht an Minderjäh- Dieses Buch präsentiert Psychologinnen
rige verkauft werden darf, von Eltern, Großeltern, Geschwistern oder
anderen nahen Verwandten bekommen. ■ JOCHEN PAULUS und Psychologen, deren Wissen in den
Rudolf Weiß: Call of Duty Black Ops 2 und seine Nutzung durch Schüler des unterschiedlichsten Berufsfeldern
8. Schuljahres, www.mediengewalt.eu, 2013.
gefragt ist.
Informationen rund ums Studium

Der moderne Feinschmecker zeigt, was er und Berichte aus der Praxis machen
hat: Fotos seines Essens lädt er bei Facebook, das Buch zum wertvollen Begleiter für
Instagram oder Pinterest hoch. Leider könnte er alle, die Lust auf eine psychologische
seine Onlinefreunde damit um ihren Appetit brin- Karriere haben.
gen. Wer viele solcher Bilder betrachtet, der hat an
der nächsten Mahlzeit nämlich wenig Genuss. Leseprobe auf
www.psychologie-heute.kohlibri.de
JEFFREY L ARSON U. A.: SATIATION FROM SENSORY SIMUL ATION : EVALUATING
FOODS DECREASES ENJOYMENT OF SIMIL AR FOODS. JOURNAL OF CONSUMER PSY-
CHOLOGY, 2013, ONLINE VOR PRINT. DOI : 10.1016 /J.JCPS.2013.09.001
16 Themen & Trends

Notizen

Eheglück in weiblicher Hand


Die Ehe ist meist die intensivste Beziehung unter Erwachsenen. Missstimmun-
gen, Auseinandersetzungen und Streit kommen zwischen zwei Menschen
immer vor, gleichgültig wie innig die Beziehung ist. Ob eine langfristige Part-
nerschaft trotz dieser Unstimmigkeiten glücklich ist, hängt vielfach von der
Fähigkeit ab, die negativen Gefühle schnell und effizient kontrollieren zu kön-
nen. Und hier übernimmt die Ehefrau die entscheidende Rolle, so die Ergeb-
nisse einer Forschergruppe aus Berkeley. Wenn es dazu kommt, negative Ge-
fühle während Konflikten zu managen, sind es die Frauen, die zählen, sagt die
amerikanische Psychologin Lian Bloch.
In einer über 13 Jahre laufenden Studie hatten sie und ihre Kollegen mehr als 80 heterosexuelle Paare zur Zufriedenheit
mit ihrer Ehe und zu ihren Kommunikationsfähigkeiten in Streitsituationen befragt. Zusätzlich werteten die Forscher das Ver-
halten der Partner anhand von Videomaterial aus. Das Ergebnis: Wenn Frauen Probleme diskutieren und Lösungen vorschlagen,
hilft dies dem Paar, mit Konflikten zurechtzukommen. Umgekehrt funktioniert dies nicht so gut. Schlagen Ehemänner Lösun-
gen vor, werden sie von ihren Partnerinnen häufig dafür kritisiert, zu schnell vom Problem zur Problemlösung zu wechseln.
Bringt jedoch die Frau Ruhe in den Ehestreit, wirkt sich dies sowohl kurz- als auch langfristig positiv auf die Beziehung aus.
Allerdings untersuchten die Autoren nur Ehepartner, die zwischen 40 und 70 Jahre alt waren. In der Kindheit und Jugend
dieser Versuchspersonen wurde Frauen meist die Rolle der Friedensstifterin zugeschrieben. Ob jüngere Menschen, die anders
erzogen wurden, bei ehelichem Zwist vergleichbar reagieren, bleibt herauszufinden. ■ DAGMAR KNOPF

Lian Bloch u. a.: Emotion regulation predicts marital satisfaction: more than a wives’ tale. Emotion, online vor Print, 2013. DOI: 10.1037/a0034272

Streit mit Kollegen ist unangenehm. Sofern es bei den Konflikten aber
auch um die Arbeit geht, verklingt die Wut schnell. Anders sieht es aus, wenn
man nur aus persönlicher Feindschaft aneinanderrasselt. In einer Schweizer
Studie blieb den Probanden nach solchen Vorfällen die schlechte Laune noch
bis zum Einschlafen erhalten.

L AURENZ MEIER: REL ATIONSHIP AND TASK CONFLICT AT WORK: INTER ACTIVE SHORT-TERM EFFECTS ON ANGRY MOOD AND
SOMATIC COMPL AINTS. JOURNAL OF OCCUPATIONAL HEALTH PSYCHOLOGY, 18 /2, 2013, 14 4 –156. DOI : 10.1037/A0032090

Kleine Jungs: Erst Puppen, dann Autos


Selbst pädagogisch fortschrittliche Eltern gehen oft auf Nummer sicher und schenken ihrem männlichen Nachwuchs lieber
Spielzeugautos als Puppen. Und das bereits im Säuglingsalter, weil Jungs angeblich schon technikaffin zur Welt kommen. Doch
das ist wohl, wie jetzt eine australische Studie ergab, ein Irrtum.
Das Forscherteam der University of Sydney zeigte jeweils 24 männlichen und weiblichen Babys eine Reihe von Fotos, auf
denen Menschen und Puppen sowie Backöfen und Autos abgebildet waren. Per Eyetracking-Technologie wurde dann untersucht,
wie lange der Blick der vier und fünf Monate alten Säuglinge auf den Bildern verweilte. „Unsere Prämisse war, dass sich ein Kind
umso stärker von einem Gegenstand angezogen fühlt, je länger es ihn betrachtet“, berichtet Studienleiterin Paola Escudero.
Das Ergebnis: Die kleinen Jungs und Mädchen bevorzugten alle in gleichem Maße jene Bilder, auf denen sie Gesichter sehen
konnten. Ob diese zu einer Puppe oder einem Menschen gehörten, war ihnen egal. Aber die Öfen und Autos kamen weder bei
männlichen noch bei weiblichen Babys sonderlich gut an.
Die männliche Vorliebe für Autos ist also nicht angeboren, sie entwickelt sich erst spä-
ter. „Im Alter von drei Jahren ist sie dann in der Regel schon recht deutlich ausgeprägt“,
erklärt Escudero. Ob dies allerdings mehr an den hormonellen Veränderungen, der kogni-
tiven Entwicklung oder dem sozialen Druck liegt, kann sie nicht sagen: „Wir müssen noch
erforschen, was einen Jungen zwischen dem ersten halben Jahr und dem Ende seines
dritten Lebensjahres zunehmend mit Autos spielen lässt.“ Doch unabhängig davon spricht
nichts dagegen, dass Eltern ergebnisoffen agieren – und Jungen im Säuglingsalter beides
zum Spielen geben: also Autos und Puppen. ■ JÖRG ZIT TL AU

Paola Escudero u. a.: Sex-related preferences for real and doll faces versus real and toy objects in young infants
and adults. Journal of Experimental Child Psychology, 116/2, 2013, 367–379. DOI:10.1016/j.jecp.2013.07.001
Themen & Trends 17 Impressum / Service

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oder dem endlosen Fall in die
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Tiefe: Wohl jeder hat schon Postfach 10 0154, 69441 Weinheim
schlecht geträumt. Einige Telefon 0 62 01/60 07-386, Fax 0 62 01/60 07-93 86
Anzeigenschluss: 7 Wochen vor Erscheinungstermin
Menschen werden sogar re- GESAMTHERSTELLUNG Druckhaus Kaufmann, 77933 Lahr
gelmäßig von zermürbenden VERTRIEB ZEITSCHRIFTENHANDEL ASV Vertriebs GmbH, Süderstraße 77
Albträumen heimgesucht. 20097 Hamburg, Telefon 0 40/3472 92 87

Das hat eine aktuelle Online- Copyright: Alle Rechte vorbehalten, Copyright © Beltz Verlag, Weinheim. Alle
studie gezeigt. Die Psycholo- Rechte für den deutschsprachigen Raum bei Psychologie Heute. Nachdruck, auch
auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der Redaktion. Nachdruck, Auf-
gen Michael Schredl und An- nahme in Onlinedienste und Internet sowie Vervielfältigung auf Datenträger wie
ja Göritz befragten 2800 Menschen aus Deutschland. CD-ROM, DVD-ROM etc. nur nach vorheriger schriftlicher Genehmigung der Re-
daktion. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht in jedem Fall die Mei-
Die Teilnehmer waren zwischen 13 und 89 Jahre alt. Mehr als jeder nung der Redaktion wieder. Für unverlangt eingesandtes Material übernimmt die
Redaktion keine Gewähr.
Zehnte klagte über mindestens einmal pro Woche auftretende Albträu-
Die in dieser Zeitschrift veröffentlichten Beiträge sind urheberrechtlich geschützt.
me. Vor allem die jüngeren Probanden berichteten über unruhige Näch- Übersetzung, Nachdruck – auch von Abbildungen –, Vervielfältigungen auf
fotomechanischem oder ähnlichem Wege oder im Magnettonverfahren, Vortrag,
te, während mit zunehmendem Alter die Häufigkeit der Angstträume Funk- und Fernsehsendung sowie Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen –
zurückging. Zudem traf es mehr Frauen als Männer. auch auszugsweise – bleiben vorbehalten.
Etwa die Hälfte aller Befragten versuchte, ihren Traum am nächsten FRAGEN ZUM ABONNEMENT
Tag zu verarbeiten. Weit verbreitet war dabei ein altes Hausmittel: Jeder Deutschland: Beltz Medien-Service
Postfach 10 05 65, 69445 Weinheim
Vierte sprach mit anderen Menschen über seine nächtlichen Hirngespins- Telefon: 0 62 01/60 07-330 / Fax: 0 62 01/60 07-9331
te. Diese Unterredung wurde überwiegend als entlastend und hilfreich E-Mail: medienservice@beltz.de
www.psychologie-heute.de
empfunden. Ebenso schätzten diejenigen, die ein Traumtagebuch führ-
Studentenabos (Vollzeitstudium) gegen Vorlage der Studienbescheinigung (per
ten, ihr Vorgehen ein. Diese Gruppe war allerdings eher klein. Fax, E-Mail-Anhang oder Zusenden einer Kopie)
Besonders unzufrieden mit allen Hilfsmaßnahmen waren jene Men- EINZELHEFTBESTELLUNGEN
Deutschland: Beltz Medien-Service bei Rhenus
schen, die sehr häufig schlecht träumten. So gab jeder Fünfte der Pro- 86895 Landsberg, Telefon: 0 81 91/9 70 00-622
banden, die ein- oder mehrmals pro Woche Albträume hatten, an, ihm Fax: 0 81 91/9 70 00-405, E-Mail: bestellung@beltz.de.,
www.shop-psychologie-heute.de
habe nichts geholfen. Selbst diejenigen, die schon einmal professionel-
Schweiz, Österreich, Rest der Welt: Adressen wie unter „Abonnement“
le Hilfe in Anspruch genommen hatten, waren damit meist unzufrieden.
Einzelheftpreis: € 6,50 (Schweiz 10,– sFr.); bei Zu sendung zzgl Versandkosten.
Dabei gibt es den Studienautoren zufolge „sehr effektive kognitive Abonnementpreise: Jahres-/Geschenkabo: Deutschland € 69,90, Österreich,
Interventionstechniken zur Behandlung von Albträumen“. Dazu zählt Schweiz € 71,90 (jeweils inkl. Versand); alle anderen Länder € 63,90 zzgl. Porto
(auf Anfrage). Jahres-/Geschenkabo plus: Deutschland € 83,90, Österreich,
etwa das gedankliche Umgestalten der Träume. Doch das sei sowohl bei Schweiz € 85,90 (jeweils inkl. Versand); alle anderen Länder: € 77,90 zzgl. Porto
Ärzten als auch bei Psychotherapeuten kaum oder gar nicht Bestandteil (auf Anfrage). Studentenjahresabo: Deutschland € 62,90, Österreich, Schweiz
€ 64,90 (jeweils inkl. Versand); alle anderen Länder € 56,90 zzgl. Porto (auf An-
in der Ausbildung. Es fehle also an Know-how. ■ JANA HAUSCHILD frage). Studentenabo plus: Deutschland € 76,90, Österreich, Schweiz € 78,90
(jeweils inkl. Versand); alle anderen Länder: € 70,90 zzgl. Porto (auf Anfrage).
Michael Schredl, Anja Göritz: Umgang mit Alpträumen in der Allgemeinbevölkerung: Kennenlernabo: EU-Länder, Schweiz € 13,–, andere Länder auf An frage.
Eine Online-Studie. Psychotherapie, Psychosomatik, Medizinische Psychologie, online Kennenlernabo plus: EU-Länder, Schweiz € 17,–, andere Länder auf Anfrage.
vor Print, 2013. DOI: 10.1055/s-0033-1357131 Die Berechnung in die Schweiz erfolgt in sFr. zum tagesaktuellen Umrechnungs-
kurs. Nähere Infos unter http://psychologie-heute-abo.kohlibri.de
Psychologie Heute kann im Abonnement oder als Einzelheft beim Buchhandel
oder direkt beim Verlag bestellt werden. Zahlungen bitte erst nach Erhalt der
Rechnung. Das Abonnement ist nach der Laufzeit von 6 Monaten jederzeit
kündbar. Zu viel bezahlte Beträge erhalten Sie zurück. Erfolgt keine Abbestel-
lung, verlängert sich das Abonnement automatisch um ein weiteres Jahr. Psy-
chologie Heute kann aus technischen Gründen nicht in den Urlaub nachge-
Ein weiter Weg zur Schule hat einen schlechten Ein- schickt werden.

fluss auf die Noten. Wie Wissenschaftler aus Erfurt BEILAGENHINWEIS Einem Teil der Aboauflage Inland liegt eine Beilage für die
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14 unten, 16, 17, 94: Getty Images. S. 10, 14 oben: Ullstein Bild. S. 15, 44, 45, 47, 48:
ger hatten dagegen keine Nachteile. dpa Picture-Alliance. S. 18: Sabine Kranz. S. 38, 41: Gaby Gerster. S. 54 oben, 55,
56, 57, 58 oben, 59 Mauritius Images. S. 58: Aalto University. S. 60, 61, 63, 64: Stefan
Blume. S. 70, 73, 74: Stefan Pfürtner. S. 76, 80: © Reinhard Werner, Burgtheater
R ALF RUMMER, PETR A HER ZMANN : BEEINFLUSST DIE DAUER DES SCHULWEGS DIE Wien. S. 79: © www.brandigg.de. S. 93: Peter Thulke
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ISSN 0340-1677

P S YC H O L O G I E H E U T E Ap r il 2 0 1 4
18 Themen & Trends Serie: Der psychologische Begriff

E
xtravertiert“ und „introver-
ntrover- Gerade
Gerad der letzte Punkt hat vie-
tiert“ sind psychologische
ogische le Forsch
Forscher fasziniert. In einer ak-
Fachbegriffe, die in der All- tuellen Studie
S mit gut 4500 Briten
tagssprache nicht nur besonderssonders sagte die Extraversion in jungen
häufig verwendet werden, sondern Jahren
Ja ein Stück weit vor-
sogar einigermaßen korrekt. ekt. her, wie glücklich sie vier
Ja, Extravertierte sind geselli-
elli- Jahrzehnte später sein
ge Menschen, während Intro-
vertierte eher zurückgezogen
leben. Doch diese soziale
Extraversion würden. Auch mit ihren Be-
ziehungen sind Extravertierte
zufriedener, wie etliche Studi-
„Die hat mit Smalltalk kein Problem, die ist extra-
Komponente ist nur ein Teil en belegen.
vertiert.“ Wenn wir eine Persönlichkeitsein-
von dem, was die Extraversion Warum Glück und Gesel-
schätzung dieser Art von uns geben, weiß wohl
ausmacht. (Die Introversion ligkeit miteinander einherge-
kommt in der modernen Psy- jeder, was wir meinen. Aber ist uns wirklich klar, hen und gemeinsam extraver-
chologie meist nur als schwach wovon wir hier sprechen? tierte Menschen auszeichnen,
ausgeprägte Extraversion vor.) darüber streiten sich die Ge-
Extraversion ist viel mehr, als lehrten. Eine Theorie besagt:
sich die meisten unter dieser Eigenschaft ist aber nichts völlig Einheitliches. Wie Kern der Extraversion ist die Tendenz,
vorstellen. die anderen der Big Five besteht sie aus sich so zu verhalten, dass andere einem
Zunächst: Es heißt Extraversion, sogenannten Facetten. Das sind Eigen- ihre Aufmerksamkeit schenken. So
„nicht Extroversion!“, wie ein Lehrbuch schaften, die miteinander zusammen- könnten sich viele Kontakte zu anderen
aus gutem Grund betont. Die Deutschen hängen und gemeinsam die Extraversi- Menschen ergeben, die dann die Stim-
schreiben das Wort nämlich auch gerne on ausmachen. Aber nicht jede ist bei mung heben.
mit o, weil dieser Vokal halt in intro- jedem Extravertierten gleich stark aus- Eine andere Theorie geht noch weiter.
vertiert steht. Der Duden lässt „extro- geprägt. Die Facetten der Extraversion Ihr zufolge hat Extraversion erst einmal
vertiert“ sogar zu, aber Sinn macht das sind: gar nichts mit einer Vorliebe für andere
nicht. Umgekehrt geht „intravertiert“ Geselligkeit: Extravertierte sind kon- zu tun. Nach dieser Denkschule können
gar nicht, da spielt selbst der Duden nicht taktfreudig, unterhalten sich gern und Extravertierte ganz generell Angeneh-
mehr mit. verbringen viel Zeit mit anderen. mes besser genießen als Introvertierte.
Popularisiert hat das Begriffspaar der Durchsetzungsfähigkeit: Extravertier- Deshalb gibt ihnen auch die Nähe an-
Schweizer Psychoanalytiker Carl Gustav te sind energisch, entscheidungsfreudig derer Menschen mehr, weshalb sie sie
Jung im Jahr 1921. Ein Extravertierter und auch gerne dominant. eher suchen.
war für Jung ein Mensch, der sich vor Aktivität: Extravertierte sind lebhaft, Zumindest die erste Hälfte dieser
allem für handfeste Dinge interessiert bersten vor Energie und haben viele In- Theorie ist gut belegt: Extravertierte re-
und deshalb in der Welt vorankommt, teressen. agieren stärker auf positive Erfahrungen.
aber wenig zum Nachdenken neigt. Der Erlebnishunger: Extravertierte sind Ihr Gehirn zeigt stärkere Aktivität als
Introvertierte ist dagegen über solche abenteuerlustig, lieben Abwechslung so- das von Introvertierten, wenn beide Bil-
Äußerlichkeiten erhaben und widmet wie Aufregung und gehen Risiken ein. der von Sonnenuntergängen, Eiscreme
sich mehr der inneren Welt seiner Ge- Herzlichkeit: Extravertierte sind freund- oder Welpen zu sehen bekommen. Auch
danken. lich und zeigen anderen gerne ihre po- außerhalb des Hirnscanners zeigt sich:
Heute zählt die Extraversion zu den sitiven Gefühle für sie. Extravertierte verdanken ihr erhöhtes
Big Five. Sie gelten als die fünf zentralen Frohsinn: Extravertierte sind heiter, gut Glücksniveau nicht einfach schönen
Persönlichkeitseigenschaften des Men- gelaunt und sehen optimistisch in die Stunden in Gemeinschaft. Sie sind auch
schen (und einiger Tiere). Extraversion Zukunft. allein glücklicher als Introvertierte.
Themen & Trends Serie: Der psychologische Begriff 19
Deutschland
Nordsee
Kleine Auszeit –
Umgekehrt ist es nicht so, dass In- Den höchsten Umsatz erzielten Mit- große Wirkung
trovertierte Gesellschaft nicht genießen arbeiter, die weder besonders extraver-
können. Wenn sie sich denn mal unter tiert noch besonders introvertiert waren,
Leute begeben, sind sie glücklicher, als sondern in der Mitte lagen. Sie trugen
wenn sie allein zu Hause sitzen. Das stell- der Firma 24 Prozent mehr ein als die
te sich heraus, als William Fleeson von Introvertierten und sogar 32 Prozent Gehen Sie mit Wikinger Reisen auf
der Wake Forest University Studenten mehr als die Extravertierten. Wie kann ein 8-tägiges Gesundheitserlebnis:
alle paar Stunden festhalten ließ, was das sein? Grant vermutet: Diese „Am- · Vielfältiges Programm: Wanderungen,
sie gerade taten und wie sie sich fühlten. bivertierten“ bringen einerseits genug Rad fahren, Yoga und Wattwandern
Fleeson ging noch weiter. Vor einer Energie und Enthusiasmus auf, um das · Inkl. Übernachtungen, Halbpension,
kleinen Diskussionsrunde wurden man- Interesse des Angerufenen zu wecken. naturkundliche Führung, Schifffahrt
zu den Seehundbänken und Wikinger-
che Probanden angewiesen, sich beim Doch sie machen nicht den Fehler stark
Reiseleitung ab 950 €
Diskutieren extravertiert zu verhalten, Extravertierter, den potenziellen Kun-
andere sollten sich bis zur Lethargie in- den totzuquatschen und derart selbst-
trovertiert geben. Selbst diese erzwun- bewusst aufzutreten, dass der auf stur
gene Extraversion hob die Stimmung. schaltet.
Dabei spielte es überhaupt keine Rolle, Extravertierte galten auch lange als
ob die Leute von Natur aus extravertiert ideale Manager. Aber in den zugrunde
oder introvertiert waren. liegenden Untersuchungen wurden die
Die extravertierte Lebensweise hat Führungsqualitäten der Chefs subjektiv
also etwas für sich. Sie verlängert sogar beurteilt. Grant dagegen besorgte sich
das Erdendasein, wenn man einer Lang- bei einer Kette von US-Pizzerien die Ver-
zeituntersuchung mit gut 2000 Senioren kaufszahlen von 57 Filialen, in denen
aus Chicago glauben darf. Die stark Ex- ebenso viele Chefs wirkten. Die charis-
travertierten hatten ein 21 Prozent nied- matischen, zum Aktionismus neigenden
rigeres Risiko, innerhalb von sechs Jah- Extravertierten erwiesen sich nur als
ren zu sterben, als die stark Introver- besser, wenn sie es mit einer trägen Be-
tierten. Das kam teilweise daher, dass legschaft zu tun hatten. Dann fuhren
die Extravertierten sich körperlich, geis- sie einen deutlich höheren Gewinn ein
tig und sozial mehr betätigten. als die introvertierten Chefs. Doch wenn
Andererseits birgt es auch Risiken, die Untergebenen selbst Einsatz zeigten
extravertiert zu sein – eben weil Extra- und Ideen einbrachten, wurden sie von
vertierte eher Risiken eingehen. So brin- ihren energiegeladenen Bossen ausge-
gen sie zwar genauso viele Wunschkin- bremst. Dann erwirtschafteten die zu-
der auf die Welt, aber etwa zehn Prozent rückhaltenden introvertierten Oberbä-
mehr ungewollte Kinder. cker gut zwanzig Prozent mehr.
Auch im Beruf ist Extraversion nicht ■ Jochen Paulus
immer so hilfreich, wie die Forscher lan- Catharine Gale u. a.: Neuroticism and extraversion in
ge annahmen. Vor allem erfolgreiche youth predict mental wellbeing and life satisfaction 40
years later. Journal of Research in Personality, 47/6,
Verkäufer wurden als geradezu proto- 2013, 687–697
WIKINGER REISEN
UND WWF
DEUTSCHLAND

typische Extravertierte betrachtet. Es Adam Grant u. a.: Rethinking the extraverted sales
SIND PARTNER FÜR
NACHHALTIGERES
REISEN

leuchtet ja auch spontan ein, dass dieser ideal. The ambivert advantage. Psychological Science,
24/6, 2013, 1024–1030
kommunikationsfreudige Menschen-
William Fleeson u. a.: An intraindividual process ap-
schlag jedem alles andrehen können soll.
I L L U S T R AT I O N : S A B I N E K R A N Z

proach to the relationship between extraversion and


Doch wirklich belegen ließ sich diese positive affect. Is acting extraverted as “good” as being
Vermutung nie. Adam Grant von der extraverted? Journal of Personality and Social Psycho-
logy, 83/6, 2002, 1409–1422
University of Pennsylvania analysierte
daher vor kurzem die Verkaufszahlen IM NÄCHSTEN HEFT: VERDRÄNGUNG
von 340 Beschäftigten eines Callcenters. „Oh, das habe ich wohl verdrängt“, sagen wir, wenn
wir einen unangenehmen Termin vergessen haben.
Sie riefen pausenlos Leute an, um ihnen Doch was bedeutet „Verdrängung“ eigentlich? Und
etwas aufzuschwätzen. wie funktioniert das gezielte Vergessen? Infos und Katalog unter
Wikinger Reisen GmbH
Kölner Str. 20 · 58135 Hagen
P S YC H O L O G I E H E U T E Ap r il 2 0 1 4 www.wikinger.de oder 02331-9046
20 Titel

KÖR PER
SPRACHE
Was Sie ohne Worte
sagen und wie Sie Ihre
Wirkung auf andere
verbessern können
Der Händedruck, der Blickkontakt,
die Haltung – unsere Körpersprache
verrät mehr über uns als tausend
Worte. Wer einen guten Eindruck
machen will, sollte daher seine
nonverbale Wirkung kennen und
sie positiv einsetzen. Allerdings:
Körpersprache funktioniert
größtenteils unbewusst – ist es
dann überhaupt möglich, sie
gezielt zu beeinflussen?

■ Birgit Schönberger

PSYC H O LO G I E H EUTE A pri l 2014


Titel 21

A
m liebsten wäre sie vor Scham liner Kommunikationstrainerin Caro- tende Diskussion um die „Kanzlerin-
im Boden versunken. Als Sonja line Krüll, die gemeinsam mit Christi- nenraute“ gezeigt. Angela Merkels ty-
Kramer sich zum ersten Mal auf an Schmid-Egger mehrere Bücher über pische Handgeste wurde wahlweise als
einem Video sah, war sie entsetzt. Die Körpersprache veröffentlicht hat. „Kör- Ausdruck von Souveränität, Abwehr,
Frau mit der starren Mimik, war das persprache liefert uns wichtige und Aggression, großem innerem Druck oder
wirklich sie? Wo war ihre Lebendigkeit, nützliche Informationen über als Mudra, als Konzentrationsgeste aus
ihr Selbstbewusstsein, ihr Humor? Wie- uns selbst und andere. Leider dem Yoga gedeutet. Was wirk-
so wirkten ihre Gesichtszüge wie einge- nutzen wir dieses Wissen viel lich dahintersteckt, weiß ver-
froren? Sie hätte die Frau in dem Video zu wenig“, beklagt Krüll. mutlich nur sie selbst. Zwar
gerne geschüttelt und ihr gesagt: „Jetzt „Viele nehmen intuitiv schöpfen alle Menschen aus
bleib doch mal ruhig und fest stehen, die körpersprachli- demselben Reservoir an Signalen,
denk an etwas Schönes und entspann Gesten und Mimik, dennoch spricht
dein Gesicht.“ So befremdet war sie von jeder Körper seine eigene unver-
sich selbst. Der einzige Trost war, dass wechselbare Sprache. Die Festigkeit
es den anderen Teilnehmern des Kom- des Händedrucks, die Haltung, auf-
munikationsseminars nicht viel besser recht oder gebeugt, die Atmung, regel-
erging. mäßig oder hektisch, tief oder flach, die
„Die meisten Menschen sind über- Art der Bewegung, eckig, fließend, dy-
rascht, wenn sie sich auf einem Video namisch oder langsam, erzählen etwas
sehen“, sagt die Psychologin Monika von biografischen Prägungen, vergan-
Matschnig, die sich auf Körpersprache genen Erfahrungen, Konflikten, Begeg-
spezialisiert hat. „Vielen wird zum ers- nungen und Überlebensstrategien.
ten Mal bewusst, dass sie die Schultern Der amerikanische Psychologe und
nach vorne fallenlassen, ständig die Bril- Anthropologe Paul Ekman, der als einer
le hochschieben, sich hektisch am Arm der weltbesten Experten für nonverba-
reiben oder gar nicht gestikulieren und le Kommunikation gilt und auch als Lü-
dadurch sehr gehemmt wirken.“ Ob im genexperte für das FBI und die CIA ar-
Seminar, im Büro, bei der Geburtstags- beitet, unterscheidet in der Körperspra-
feier, beim ersten Date, im Mitarbeiter- che generell zwischen
gespräch oder bei einer öffentlichen Prä- – Illustratoren: Bewegungen, die die
sentation, unser Körper spricht immer, Sprache ergänzen und verdeutlichen.
auch wenn wir schweigen. Weit aufgerissene Augen beispielsweise
„Der Körper ist der Übersetzer der sind ein Zeichen für Überraschung.
Seele ins Sichtbare.“ Was Christian Mor- – Adaptoren: Erlernte Bewegungen, um
genstern poetisch ausgedrückt hat, über- eigene Bedürfnisse zu befriedigen, mit
setzt Monika Matschnig in Business- Emotionen umzugehen oder zwischen-
sprache. „Die Körpersprache ist unsere menschliche Kontakte aufzubauen. Da-
persönliche Visitenkarte.“ Der Körper zu gehören zum Beispiel Berührungen
verrät mehr über die Persönlichkeit als im Gesicht, Bewegungen zum anderen
I L L U S T R AT I O N E N : R O O M S E R V I CE , J U L I A T H E S E N F I T Z

tausend Worte. Wer im Job einen guten hin.


Eindruck machen und vorankommen – Emblemen: Gesten, die das gespro-
will, sollte sich daher mit seiner eigenen chen Signale ihres Gegenübers wahr, chene Wort ersetzen – der erhobene Zei-
Körpersprache und der anderer Men- haben aber verlernt, ihrer Intuition zu gefinger, der als Ersatz steht für „Ach-
schen beschäftigen, rät die Psychologin. vertrauen und lassen sich doch vom Ge- tung, nun hören Sie mir zu“, oder das
Obwohl es in den Buchhandlungen me- sagten verführen, obwohl sie vielleicht Tippen an die Schläfe für „Sie haben
terweise Ratgeberliteratur dazu gibt, spüren, dass etwas nicht stimmt und einen Vogel“.
werde das Thema Körpersprache als Er- Vorsicht geboten ist.“ – Regulatoren: nonverbale Zeichen, die
folgsfaktor immer noch unterschätzt Tatsächlich ist es nicht so leicht, Kör- den Gesprächsverlauf regulieren. Ein
und Fachkompetenz überschätzt. persprache zu deuten, ohne andere in Nicken, damit der Gesprächspartner
„Die Körpersprache ist die älteste eine falsche Schublade zu stecken. Dass fortfährt. Oder ein Rutschen auf der
Sprache der Welt, aber wir haben den sich auch die Experten nicht immer ei- Stuhlkante, das signalisiert, dass man
Kontakt zu ihr verloren“, meint die Ber- nig sind, hat die über Wochen anhal- gedanklich schon weg ist.

P S YC H O L O G I E H E U T E Ap r il 2 0 1 4
22 Titel

Weil Körpersprache so komplex ist, sol- „Man erfährt zum Beispiel, dass ver- det zwischen bewussten und unbewuss-
le man sich vor schematischen Deutun- schränkte Arme Abwehr bedeuten. Es ten Aspekten. An Haltung, Stand und
gen und vorschnellen Bewertungen hü- kann aber sein, dass dem anderen ein- Mimik könne man gut arbeiten. Schwie-
ten, meint der Dortmunder Sozialwis- fach nur kalt ist. Oder vielleicht hat er rig bis unmöglich sei es, vegetative Re-
senschaftler und Psychotherapeut Ul- schon lange mit herunterhängenden Ar- aktionen wie einen erhöhten Lidschlag
rich Sollmann, der sich seit Jahren mit men gestanden und will jetzt einfach oder vergrößerte Pupillen zu kontrol-
nonverbaler Kommunikation beschäf- mal die Position wechseln.“ Man müsse lieren, ebenso unbewusste Verlegen-
tigt und eine Einführung in Körperspra- jemanden länger kennen und beobach- heitsgesten wie das Reiben im Nacken
che und nonverbale Kommunikation ver- ten, um zu verstehen, wann er ange- oder am Ohrläppchen und kleine Ver-
öffentlicht hat. Sein Buch will er als An- spannt oder verunsichert ist. In seriö- änderungen im Gesicht, die Angst,
leitung zur Verunsicherung verstanden seren Ratgebern findet sich der Hinweis, Überraschung, Zorn, Freude oder an-
wissen. Sollmann misstraut den eindeu- dass Körpersprache nur im Kontext ge- dere Gefühle ausdrücken. In Seminaren
tigen Zuordnungen von Körpersignalen, deutet werden kann und ein Detail kei- arbeitet sie deshalb vor allem an dem
die in populärwissenschaftlichen Rat- nesfalls ausreicht, sich ein stimmiges Teil der Körpersprache, der sich am leich-
gebern propagiert werden. „Körperspra- Bild zu machen. Sollmann, der regel- testen verändern lässt. Bei den unbe-
che wird dort meist über Fotos vermit- mäßig Führungskräfte aus Wirtschaft wussten, schwer kontrollierbaren Signa-
telt. Ich schaue mir ein Bild an und glau- und Politik berät, versteht sich weniger len sei es hilfreich, sie zu verstehen, auch
be zu wissen, wie es dem Mann auf dem als Experte, der Tipps zu Haltung, Ges- wenn sie sich nicht leicht steuern ließen.
Foto geht und was er für eine Persön- tik und Mimik gibt, sondern eher als Ganz entscheidend für den berühm-
lichkeit hat. Dabei blende ich mich selbst Dialogpartner. Im Gespräch versucht er ten ersten Eindruck, für den es bekannt-
als Beobachter völlig aus. Körpersprache herauszufinden, welches Wertesystem lich keine zweite Chance gibt, ist die Kör-
ist aber keine Einbahnstraße, sondern sein Klient hat und welche Körperspra- perhaltung. „Sehr viele Menschen neh-
ein Beziehungsgeschehen.“ che in welcher Situation zu ihm passt men keinen festen Stand ein, wackeln von
Sollmann warnt davor, die Moment- und überzeugend wirkt. einem Bein auf das andere und strahlen
aufnahme mit dem Gesamtbild zu ver- Doch wenn Körpersprache größten- so, ohne es zu bemerken, Unsicherheit
wechseln. Vieles, was in Kommunika- teils unbewusst funktioniert, ist es dann aus. Im Job kann das fatal sein.“ Die Zeit-
tionsseminaren vermittelt wird, er- überhaupt möglich, sie gezielt zu beein- spanne, in der der erste Eindruck ent-
scheint ihm unzulässig vereinfacht. flussen? Monika Matschnig unterschei- steht, dauert zwischen 150 Millisekun-
den und 90 Sekunden. In diesem kurzen
Moment, in dem wir uns ein Bild von
DER WICHTIGE ERSTE EINDRUCK einer fremden Person machen, sind 100
In Bewerbungsgesprächen geht es zunächst weniger um die Frage der Kompetenz eines Milliarden Nervenzellen aktiv. Ein ein-
Bewerbers oder einer Bewerberin, als um die Frage, ob er oder sie sympathisch oder ziges Signal wie eine wippende Haltung
unsympathisch ist. Wer unsympathisch wirkt, dem wird nicht selten Inkompetenz unter- oder ein vermeidender Blickkontakt
stellt. Deshalb spielt Körpersprache hier eine so große Rolle.
kann unser Gegenüber dazu bringen, uns
danach zu beurteilen. Seminarteilneh-
mer, die unsicher wirken, weil sie mit
den Beinen hampeln, ermuntert Matsch-
– Lascher oder zu fester Händedruck + Angemessener Händedruck nig, sich auf ein Blatt Papier zu stellen.
+ Aufrechte Haltung, Brustbein anheben
„Automatisch nehmen sie einen festen
– Schlaffe Körperhaltung
Standpunkt ein, fühlen sich geerdet und
– Verschränkte Arme + Arme auf die Stuhllehne oder auf den Tisch
sicherer und strahlen das auch aus.“
– Ernste oder reglose Mimik + Lächeln Menschen, die sich unter Stress ge-
– Kein Blickkontakt + Angemessener Blickkontakt lähmt fühlen und sich gar nicht mehr
– Festklammern am Stuhl + Oberkörper an der Stuhllehne anlehnen trauen, sich zu bewegen, aus lauter
oder nach vorne neigen Angst, etwas falsch zu machen, emp-
– Die ganze Stuhlfläche einnehmen + Aktiv vorne sitzen und sich vorstellen, dass fiehlt sie, bewusst ihre Arme einzuset-
im Rücken und auf dem Schoß eine Katze zen, bevor sie anfangen zu sprechen. „Ich
Platz hat gebe ihnen gewissermaßen Flügel, viele
– Die kalte Schulter zeigen + Mit dem Oberkörper zum Personalentschei- sind dann überrascht, wie sie mit ganz
der sitzen und so Interesse signalisieren einfachen Mitteln eine positive Wirkung
erzielen.“

PSYC H O LO G I E H EUTE A pri l 2014


Titel 23

Die meisten Menschen schöpfen ihre volle Körpergröße nicht aus.


Sie machen sich unbewusst kleiner

Die Psychologin ist davon überzeugt,


dass jeder Mensch seine Wirkung pas-
send zu seinem Persönlichkeitstyp ver-
bessern und sich Macken, die er sich
irgendwann angewöhnt hat, wieder ab-
trainieren kann. Auch Caroline Krüll
hat die Erfahrung gemacht, dass Kör-
persprache sich teilweise gut trainieren
und verändern lässt. Entscheidend sei,
ein Bewusstsein für die eigene Wirkung
zu entwickeln und die blinden Flecken
kennenzulernen.
„Vielen ist nicht klar, dass sie im Job
abgebügelt oder nicht ernst genommen
werden, weil sie körpersprachlich
Schwäche signalisieren, indem sie nicht
aufrecht stehen. Neunzig Prozent der
Menschen, die ich treffe, schöpfen ihre
volle Körpergröße nicht aus und machen
sich kleiner.“ Aber wenn so viele zu die-
sem Muster neigen, wo ist dann das Pro-
blem? „Wer in der Hierarchie oben steht,
reagiert auf solche Signale und nimmt
jemanden, der sich nicht aufrichtet, ein-
fach nicht ernst. Diese Hierarchiespiele
laufen unbewusst ab. Darüber wird sehr
viel mehr gesteuert, als den meisten klar
ist.“ Vor allem von Frauen hört sie oft:
„Aber ich bin doch immer so nett und
hilfsbereit. Wieso komme ich nicht wei-
ter?“
„Genau deswegen“, antwortet Krüll
dann. „Weil Sie so nett sind, werden Sie
Ihren Job, der Ihnen zum Hals heraus-
hängt, auch die nächsten Jahre noch
weiter machen.“ Wer sich im Job klein-
macht, atmet flach, klingt leise und
knickt auch emotional ein. Der erste
Schritt sei deshalb, sich gerade hinzu-
stellen und den Brustkorb anzuheben.
„Natürlich ist es auch wichtig, an der
inneren Haltung und am Selbstbewusst-
sein zu arbeiten. Der Weg führt von in-

P S YC H O L O G I E H E U T E Ap r il 2 0 1 4
24 Titel

Frauen tun sich immer noch schwer, den Raum einzunehmen,


der ihnen zusteht. Kopf schief halten, lächeln, den Blick senken: Unterwerfungsgesten!

nen nach außen. Es nutzt nichts, Kör- schief, lächeln ständig, spielen an ihren täuschen, verraten sich oft durch kleine
persprache nur äußerlich zu trainieren“, Haaren herum, senken den Blick und Gesten oder Reaktionen im Gesicht –
sagt Caroline Krüll. schauen ihr Gegenüber aus dem Wim- eine Berührung am Hals, ein Stirnrun-
Frauen, die sich darüber beklagen, pernkranz heraus an. Wenn ein Chef zeln oder rote Flecken. Widersprüchli-
dass Kolleginnen die Arbeit bei ihnen ein Mäuschen als Mitarbeiterin haben che Signale kommen auch in anderen
abladen, legt die Trainerin im Seminar will, ist das natürlich prima, ansonsten Situationen nicht gut an. Caroline Krüll
einen Stapel Akten auf den Tisch und verhindert diese Form von Körperspra- erinnert sich an eine Veranstaltung, bei
verabschiedet sich dann mit dem Satz: che, dass ich als Frau ernst genommen der der Redner auf der Bühne sagte: „Wir
„Ich habe gleich ein heißes Date im Bier- werde.“ Im Bewerbungsgespräch könne müssen die Jugendlichen unterstützen.“
garten, da wollen Sie mir doch nicht im das die Chancen drastisch senken. Ein Dabei schlug er mit der rechten Faust
Wege stehen.“ Die meisten ließen sich gerader offener Blick, der auch mal ei- ständig nach unten und stampfte mit
das tatsächlich klaglos gefallen. „Ich sa- nen Moment des Abwartens oder dem Fuß auf. „Er war der Sprecher der
ge ihnen dann, dass sie so nicht weiter- Schweigens erträgt und nicht ständig Lehrlinge und hat ausgestrahlt, dass er
kommen. Und dann arbeiten wir zu- nach Bestätigung im Blick des anderen sie am liebsten zusammenstauchen wür-
nächst an der Haltung. Ich empfehle sucht, drückt Souveränität aus. de. Gesagt hat er das Gegenteil. Einen
ihnen, sich aufrecht hinzusetzen und ihr Doch nicht nur Unterwürfigkeit ist solch eklatanten Widerspruch spüren
Revier deutlich zu markieren.“ Wenn oft ein Hindernis – zu viel Dominanz- natürlich alle im Publikum. Die Wir-
die Kollegin erst mal die Grenze über- gehabe ist ebenfalls riskant. Männer kung ist fatal.“
schritten und den Ordner auf den können sich selbst aus dem Rennen wer- Gerade weil Körpersprache immer
Schreibtisch gelegt habe, werde es fen durch einen dominierenden Hand- Ausdruck unserer Emotionen ist, lässt
schwierig mit der Abgrenzung. „Wenn schlag, der die Hand des Gegenübers sie sich nie ganz kontrollieren. Und auch
das nichts hilft, müssen Sie aufstehen nach unten zwingt. Oder indem sie sich wenn eine überzeugende Körpersprache
und der Kollegin entgegengehen.“ Bei im Vorstellungsgespräch zurücklehnen, unbestritten ein wichtiger Erfolgsfaktor
Abgrenzung sei eine klare Körperspra- die Hände hinter dem Kopf verschrän- im Job ist, stellt sich doch grundsätzlich
che deutlich effektiver als der Satz: „Das ken und unbewusst eine Chefposition die Frage, ob die Energie in eine anstren-
ist mir jetzt zu viel.“ einnehmen oder mit dem Finger oder gende Anpassungsleistung fließen soll
Vor allem Frauen, glaubt Monika Stift auf ihr Gegenüber zeigen, was do- oder in einen stimmigen Selbstaus-
Matschnig, müssen sich ihre Stärken viel minant und unsympathisch wirkt. Und druck, der vielleicht nicht in allen Punk-
mehr bewusstmachen und sie auch kör- wer den Blick aufdringlich durch das ten businesskonform, aber dafür au-
persprachlich ausdrücken. Sie beobach- Chefzimmer schweifen lässt, wirkt nicht thentisch und unverwechselbar ist.
tet, dass sich die meisten Frauen immer vertrauenerweckend.
noch schwertun, den Raum einzuneh- Auch wenn es bei der Deutung von Literatur
men, der ihnen zusteht, und sich in Mee- Körpersprache trotz eindeutiger Emp- Monika Matschnig: Körpersprache im Beruf. Wie
tings zu behaupten. Die alten Stereoty- fehlungen reichlich Interpretations- Sie andere überzeugen und begeistern. Gräfe und
pe, wonach Männer mit raumgreifenden spielraum gibt, in einem Punkt sind sich Unzer, München 2012
Caroline Krüll, Christian Schmid-Egger: Körperspra-
Gesten ihr Terrain abstecken und durch alle Experten einig: Wenn die körper-
che – Das Trainingsbuch. C.H. Beck, München 2012
breitbeiniges Sitzen Macht demonstrie- sprachlichen Signale nicht zu den ge-
Ulrich Sollmann: Einführung in Körpersprache und
ren und Frauen sich durch mädchen- sprochenen Worten passen, schafft das nonverbale Kommunikation. Carl Auer, Heidelberg
hafte Gesten kleinmachen, sich weniger Verwirrung und wirkt unglaubwürdig. 2013
ausbreiten und anderen mehr Raum Deshalb achten erfahrene Personaler in Ulrich Sollmann: Sieh mal, wie der spricht – Körper-
lassen, sind weiterhin aktuell. „Viele Auswahlgesprächen auf Zeichen von In- sprache und nonverbale Kommunikation im Alltag.
Vortrag, gehalten am 21.2.2013 im Zeitgeschicht-
Frauen zeigen immer noch unbewusst kongruenz. Bewerber, die ihre Leistun- lichen Forum Leipzig. Auditorium Netzwerk, 1 DVD,
Unterwerfungsgesten, legen den Kopf gen schönfärben oder Erfahrungen vor- Laufzeit 98 Min.

PSYC H O LO G I E H EUTE A pri l 2014


Liebeskummer und andere
Ereignisse der Vergangenheit prägen unser Selbstbild.
Grund genug, den Erinnerungen mehr Aufmerksamkeit
zu schenken. Es
lohnt sich!

Das bewegt mich!

T Z T
JE !
NEU
www.psychologie-heute.de
26 Titel

Mächtiger wirken?
Mächtiger werden!
Hängende Schultern, gesenkter Blick, schlaffer Händedruck – solche nonverbalen
Signale verraten, wie es um uns bestellt ist. Doch wir können tatkräftiger wirken,
wenn wir unsere Körpersprache beeinflussen. Und das wiederum hat Einfluss auf
unser Fühlen und Denken

■ Klaus Wilhelm

D
ie Körpersprache stimmt“, be- zählt. Insofern lässt sich nach jüngsten dy arbeitet als Psychologin an der Har-
merken Sportreporter zuwei- Erkenntnissen der US-Psychologin Amy vard Business School in Boston. Wenn
len über einen Spieler, wenn Cuddy zum Beispiel ein zuversichtlicher, sie vor ihr Publikum tritt und über Kör-
beispielsweise ein Tennismatch auf die siegessicherer und dominanter Körper- perausdruck referiert, sind die Zuhörer
entscheidende Phase zusteuert. Und ausdruck offenbar mit geringem Auf- gebannt. Jüngst sprach Cuddy auch in
deuten damit an, dass der Körper des wand und erstaunlichem Effekt sogar den TEDTalks – einer Veranstaltungs-
Sportlers dessen Fitness zum Ausdruck vortäuschen. reihe, die via Internet wichtige Ideen in
bringt. Der Körper spricht oder drückt Dieser Ausdruck ist einer von weni- der Welt verbreiten will http://new.ted.
sich aus – und wir alle deuten gerne, was gen, die selbst weltweit gesehen immer com). Etliche Millionen Mal ist die Auf-
er sagen will. Manchmal wollen wir sei- gleich und offenbar angeboren meist zeichnung inzwischen angesteuert wor-
nen Ausdruck auch gezielt einsetzen, um richtig gedeutet werden. Das hat vor ei- den. Nicht zu Unrecht: Sie reißt mit,
im besten Licht zu erscheinen: bei einem nigen Jahren die Psychologin Jessica trotz üblicher Amerikanismen.
Vorstellungsgespräch, bei einem Date, Tracy von der University of British Co- „Mit dem Körperausdruck lassen
bei einer Präsentation. lumbia entdeckt. Sie analysierte die Fo- sich Macht und Dominanz äußern“, er-
Doch Körpersprache ist komplexer, tos von Judokämpfern im Moment nach klärt Cuddy. Schon Tiere nehmen mehr
I L L U S T R AT I O N E N : R O O M S E R V I CE , J U L I A T H E S E N F I T Z

als Laien und auch Experten bislang an- dem Sieg. Darunter waren auch Judoka, Raum ein, strecken und öffnen sich,
genommen haben. Meist „sollte man die seit ihrer Geburt erblindet waren und wenn sie anderen zeigen wollen, wo es
sich nicht zu sicher sein, was ein be- sich keine Gesten hatten abschauen kön- langgeht. Im Beruf erfolgreiche Men-
stimmter Körperausdruck bedeutet“, nen. Trotzdem rissen sie wie ihre sehen- schen ahmen das Gebaren ihrer tieri-
betont die Germanistin Christa Heil- den Kameraden die Arme nach dem Sieg schen Vorfahren nach. Dagegen „ma-
mann von der Universität Marburg. Ein in die Höhe und streckten die Brust nach chen wir uns klein, wenn wir weniger
und derselbe Körperausdruck kann ver- vorne. Die Botschaft: Stolz und Domi- erfolgreich sind“, erklärt die Harvard-
schiedene Botschaften vermitteln. Im nanz. Auch die Enttäuschung nach einer psychologin, „wir wollen uns abgrenzen
Grunde genommen, so die Essenz eini- Niederlage drückten sie ähnlich aus: von den Personen neben uns“. Wie Cud-
ger neuer Studien, kommt es nicht da- hängende Schultern, der Kopf gesenkt, dy und ihre Kollegen herausgefunden
rauf an, was der Körperausdruck wirk- der Körper zusammengesackt. haben, beeinflusst die Körperhaltung
lich über einen verrät – sondern was In ihren Vorträgen verweist Amy sogar den Hormonhaushalt: Wer sich
andere Leute meinen, was er ihnen er- Cuddy zuweilen auf Tracys Studie. Cud- wie die Judoka im Moment des Sieges

PSYC H O LO G I E H EUTE A pri l 2014


Titel 27
28 Titel

Körpersignale künden
nd
den von Führung
und Rückstand
Typische Siegerposen und die Gesten der Verlierer sind allgemein bekannt. Doch schon während
eines Wettkampfs verraten Mimik und Haltung
H ltt den
d aktuellen
kt ll Spielstand
S i l t d

Wer einen Wettkampf gewonnen hat, wirft sich in Unklar ist bisher, ob der ganze oder nur ein Teil
die Brust, drückt das Kreuz durch und reckt das des Körpers die Signale aussendet, zum Beispiel nur
Kinn, bisweilen auch den Arm – alles dazu angetan, das Gesicht, ein gesenkter Kopf oder hängende Schul-
den vermeintlich Allergrößten tatsächlich groß er- tern. Bislang deute „einiges darauf hin, dass der Kör-
scheinen zu lassen. Der Unterlegene hingegen lässt per aussagekräftiger ist als die Mimik“, meint Furley.
den Kopf hängen und wirkt niedergedrückt. Schließlich hätten wir gelernt, „unser Gesicht zu ma-
Doch schon zuvor, wenn der Sieg noch längst nicht nipulieren“.
feststeht, spricht der Körper Bände, wie Forscher der Worin aber könnte der evolutionsbiologische Sinn
Deutschen Sporthochschule Köln und der Univer- der Fähigkeit liegen, den Sieger oder den Verlierer
sität Heidelberg herausgefunden haben. Zuschauer eines Kampfes rechtzeitig zu erkennen – und zwar
eines sport- lichen Wettbewerbs für die Zuschauer wie auch für die Mitstreiter selbst?
können in- nerhalb kürzester Zeit Von nahen Affenverwandten des Menschen
mit be- achtlicher Trefferquote vor- ist bekannt, dass Unterwerfungsgesten wei-
her- sagen, welches Team oder wel- tere Attacken eines ohnehin überlegenen
cher Einzelspieler gerade führt Gegners abwenden oder abmildern können.
und wer zurückliegt. Umgekehrt lässt die Siegerpose den schwächeren
Bei ihren Tests haben der Sportwis- Gegner wahrscheinlich zusätzlich ermatten und
senschaftler Philip Furley und der Psycho- erspart beiden Seiten einen sinnlosen Zusatzauf-
loge Geoffrey Schweizer über 120 Versuchsper- wand an Energie, bei dem sich Sieger wie Verlierer
sonen Videos aus den Sportarten Basketball, Hand- obendrein gefährlich verletzen könnten.
ball und Tischtennis vorgeführt. In den zufällig aus- Evolutionsgeschichtlich sei es unter sozialen Le-
gewählten Kurzfilmen lagen die Sportler entweder bewesen wie dem Menschen jedenfalls „von äußers-
deutlich oder nur knapp zurück, führten sehr hoch ter Wichtigkeit“ im Kampf um Leben und Tod oder
oder waren lediglich hauchdünn in Führung. In man- um das Überleben der Gruppe, „die Körpersprache
chen Wettkämpfen stand es unentschieden. des Gegenübers zuverlässig zu deuten und das eige-
Mit einem Schieberegler konnten die Testteilneh- ne Verhalten darauf anzupassen“, urteilt Furley. Vor
mer den Spielstand einschätzen, was überraschend allem unter Primaten sei es höchst bedeutsam, Do-
gut gelang. „Unser genetisches Erbe sorgt dafür, dass minanz und Unterwürfigkeit unmissverständlich
wir unsere Mitmenschen anhand ihres nonverbalen zu vermitteln, damit potenziell lebensbedrohliche
Verhaltens ziemlich genau beurteilen können“, sagt Attacken unterbleiben können und der zum Sieg nö-
Furley. Selbst die jüngsten Probanden (Kin- tige Krafteinsatz minimal bleibt. Umso besser, wenn
der ab vier Jahren) erkannten den Stand auch (noch unbeteiligte) Zuschauer eines
der Dinge zuverlässig – wenn auch deut- Kampfes rechtzeitig ahnen, dass es
lich schlechter als Erwachsene bei ei- wohl besser ist, den Ball ihrerseits
nem Unentschieden oder knapper flach zu halten – und die Waffen
Führung. Es fehlt ihnen wohl an zu strecken, ehe es gefährlich wird.
Erfahrung. „Die Fähigkeit, kleins- ■ Walter Schmidt
te Unterschiede im nonverbalen
Verhalten der Mitmenschen wahr- P. Furley, G. Schweizer: The expression of
zunehmen, zum Beispiel Gesichts- victory and loss: Estimating who’s leading
or trailing from nonverbal cues in sports.
züge und Körperhaltungen zu Journal of Nonverbal Behavior, 2014. DOI:
deuten, entwickeln wir erst im 10.1007/s10919-013-0168-7
13-0168-7
Laufe unseres Lebens.“
Titel 29

Wer nur auf den Gesichtsausdruck achtet, liegt oft daneben.


Viel aussagekräftiger ist meist der Körperausdruck eines Menschen

größer macht, senkt den Wert seiner


Stresshormone um ein Viertel im Ver-
gleich zu Leuten, die sich kleiner ma-
chen. Das ist nicht trivial.
In einer Studie ging Cuddy der Frage
nach, ob man diese nonverbalen Signa-
le eine Zeitlang vortäuschen kann, um
mächtiger zu scheinen, bis man sich tat-
sächlich mächtiger fühlt. Man kann.
„Unsere Körpersprache beeinflusst un-
ser Denken und unser Bewusstsein“,
betont Cuddy. Die Forscher heuerten gut
40 Frauen und Männer für ein simpel
anmutendes Experiment an: Die Pro-
banden nahmen nur zwei Minuten lang
bestimmte Posen ein, die im Kern ent- tion von allen gleichkommt. Es stellte schon immer brennend interessiert, ob
weder Dominanz oder Unterwerfung sich heraus: Die Power-Poser agierten der Körperausdruck Lügen entlarvt. An-
ausdrücken. Dann wurde der Hormon- weitaus präsenter. „Es hat weniger mit hänger des neurolinguistischen Pro-
spiegel anhand von Speichelproben ge- dem zu tun, was sie sagen, sondern wie grammierens sind fest davon überzeugt,
messen. Zusätzlich wurde jeder Teilneh- sie es sagen“, stellt Cuddy fest. Sie sind dass Augenbewegungen nach rechts
mer gefragt: „Wie viel Macht fühlst du?“, leidenschaftlicher, enthusiastischer, ein- oben auf Lügen deuten. In seinem Labor
und anschließend zu einem Glücksspiel nehmender, angenehmer, authentischer, an der Universität im britischen Hatfield
gebeten. Dann ließen die Psychologen zuversichtlicher als jene, die sich klein- hat Richard Wisemann Probanden lü-
die Hormonwerte erneut bestimmen. machen, verstohlen auf ihren Handys gen lassen. Außerdem hat das Team des
Ergebnis: Nur im Körper der „Power- wischen oder sich verlegen am Nacken Psychologen Filmmaterial von Presse-
Poser“ zirkulierte mehr Testosteron – kratzen. Alles Verhaltensweisen, die konferenzen studiert, bei denen um Hil-
das männliche Geschlechtshormon, das man bei realen Bewerbern häufig beob- fe bei der Suche nach verschwundenen
aber auch Frauen in geringem Maße achten kann, meint Cuddy und emp- Personen gebeten wurde. Einige emoti-
produzieren – und weniger Kortisol. fiehlt: Vor Vorstellungsgesprächen, Vor- onale Bitten kamen dabei von Leuten,
Und: Die Power-Poser riskierten beim trägen oder ähnlichen Situationen ab in die, wie sich später herausstellte, am Ver-
Glücksspiel deutlich mehr als jene Pro- den Waschraum und sich starkmachen. schwinden der Vermissten beteiligt wa-
banden, die eine Unterwerfung ausdrü- „Diese kleinen Veränderungen des Kör- ren. In keiner der Studien blickten die
ckende Pose eingenommen hatten. perausdrucks bewirken Großes und Lügner öfter nach rechts als in irgend-
Was das in der Praxis bedeutet, erwies können Ihren Lebensweg entscheidend eine andere Richtung. Auch wenn man
sich in einer zweiten Studie. Wieder voll- beeinflussen“, ist die Psychologin über- sich an der Nase zupft oder sich kratzt
führten die Probanden zwei Minuten zeugt. oder herumzappelt, deutet das noch lan-
lang einen Ausdruck der Macht oder der Es dürfte klar sein, dass diese These ge nicht auf einen Lügner hin, wie eine
Unterwerfung, und zwar vor einem Vor- Eingang finden wird in die unzähligen Metaanalyse von über 100 einschlägigen
stellungsgespräch im Labor. Bei diesem Seminare und Selbsthilfebücher zum Studien ergab. Der Rat der Forscher:
fingierten Jobinterview verhielt sich das Thema Körpersprache. Der Markt ist Überhaupt nicht auf den Körperaus-
Gegenüber weitgehend stumm und re- riesig, und die mit dem Thema verbun- druck achten, sondern nur darauf, was
gungslos – was der schlimmsten Reak- denen Mythen sind zahlreich. So hat jemand wie sagt. Lügner reden oft mit

P S YC H O L O G I E H E U T E Ap r il 2 0 1 4
30 Titel

höherer Stimmlage, erzählen wenig de-


tailliert und wiederholen häufig viele
Wörter.
Einer der größten Mythen zum The-
ma Körpersprache basiert auf einer po-
pulären Fehlinterpretation einer eigent-
lich seriösen Studie über den Effekt des
Körperausdrucks. Vor gut 40 Jahren hat
der US-Kommunikationspsychologe
Albert Mehrabian die Resultate einer
Studie veröffentlicht, in der er eine eng
umfasste Frage untersucht hat: Wie ver-
ändert sich die Wirkung des Wortes
maybe (vielleicht), wenn man es unter-
schiedlich spricht – etwa mit einem po-
sitiven oder harschen Unterton – und
den Körperausdruck dabei variiert?
Er fand heraus: Der Effekt beruht zu
55 Prozent auf Körperausdruck, zu 38
Prozent auf der Stimme und nur zu sie-
ben Prozent auf dem sprachlichen In- Die Bewegungen des Körper aus- John Thoresen von der École polytech-
halt. Seitdem geistert die 7-38-55-Regel drucks hingegen – den der Laie meist nique fédérale de Lausanne weiß das
durch die Welt, die uns weismachen will, auch als Körpersprache bezeichnet – ziemlich gut. In seiner Doktorarbeit hat
wie entscheidend der Körperausdruck sind oft willkürlich und mindestens der Psychologe beleuchtet, wie Men-
für alle möglichen Kommunikationssi- zweideutig. „Glauben Sie den vielen Ex- schen den Gang eines Artgenossen deu-
tuationen ist. „Das ist natürlich blanker perten nicht, die sagen, dass bestimmte ten. Zunächst hat Thoresen etliche Men-
Unsinn“, stellt Christa Heilmann klar, Gesten spezifische Bedeutungen haben“, schen beim Gehen gefilmt und die lau-
„es kommt immer darauf an, in welcher meint die Marburger Germanistin. Neh- fenden Bilder so bearbeitet, dass die
Situation mir welche Botschaft übermit- men wir ein typisches Beispiel: Wenn Beine prominent dargestellt wurden
telt wird.“ Beispiel: Bei einer Vorlesung jemand die Arme verschränkt, meinen und die Signale des restlichen Körpers
interessiert die Studierenden der Kör- die meisten Leute, er oder sie wolle sich abgeschwächt auf den Betrachter wirk-
perausdruck des Dozenten in der Regel verschließen beziehungsweise sei defen- ten. Fast alle Zuschauer berichteten von
kaum: Es kommt auf die Inhalte an. siv eingestellt. Doch dieser Mensch kann identischen Eindrücken. Sie verbanden
„Wenn ich mir aber nicht sicher bin, ob auch einfach nur frieren und sich mit einen wiegenden, stolzierenden Gang
das stimmt, was jemand sagt, versuche seinen Armen wärmen. Oder er ist mü- mit einer abenteuerlustigen, extraver-
ich über den Körperausdruck heraus- de und stützt sich nur selbst. Oder er tierten, warmen und vertrauenswürdi-
zufinden, ob ich das glauben kann“, be- weiß einfach gerade nicht wohin mit gen Person. Wer hingegen langsam, trot-
tont die Professorin am Marburger In- seinen Armen. Oder er signalisiert alles tend und entspannt ging, wurde als ru-
stitut für Germanistische Sprachwissen- zusammen. Sitzt ein Mensch gekrümmt hige und unerschütterliche Persönlich-
schaft. Sie unterscheidet strikt zwischen und blickt zu Boden, signalisiert er wo- keit gedeutet. Beeindruckend, wie einig
Körpersprache und Körperausdruck. möglich, dass es ihm gerade nicht pri- sich die Betrachter waren. Man würde
Demnach kann Körpersprache die ge- ckelnd geht. Vielleicht will er aber auch davon ausgehen, dass sie auch richtig
sprochene Sprache ersetzen. „Wir ord- nur dem Sonnenlicht entgehen. lagen. Doch die Einschätzungen hatten
nen den entsprechenden Bewegungen „Ich sollte also meine intuitiven Ver- nur selten etwas mit der wahren Per-
im Kontext der Kommunikation zwei- mutungen bewusst hinterfragen“, emp- sönlichkeit zu tun, die Thoresen mit
felsfreie Bedeutungen zu“, erklärt Heil- fiehlt Heilmann. Wie hoch der Irrtums- gängigen Fragebögen ermittelt hatte.
mann. „Es ist unmöglich, den Körper faktor ist – oder umgekehrt: wie genau Noch weitaus mehr erstaunten jüngst
nicht als kommunikativ wahrzuneh- die Diagnose gerät –, hängt ab von der die Erkenntnisse eines Forscherteams
men.“ Beispiel: Ein Kopfschütteln be- individuellen Erfahrung, wie sensibel um Alexander Todorov von der Prince-
deutet im deutschen Sprachgebrauch man andere beobachtet und analysiert ton University, die ein Dogma der Psy-
„nein“. und von der Menschenkenntnis. chologie ankratzen und deshalb dem
Titel 31
Wussten Sie, dass lediglich 10% des
Gesagten über das gesprochene
Wort vermittelt werden? Viel mehr
Die Körpersprache beeinflusst Denken sagen Gestik, Mimik und Körper-
haltung über unsere Intentionen aus.
und Bewusstsein. Eine bewusst eingenommene In seinem unterhaltsamen und gut
verständlichen Vortrag – unterstützt
„Power-Pose“ setzt mehr Testosteron frei
durch zahlreiche Bilder – vermittelt
Ihnen der Kommunikationsexperte
Ulrich Sollmann die Grundlagen der
nonverbalen Kommunikation. Anhand
typischer Gesten bekannter Persön-
lichkeiten aus Gesellschaft und Politik
sensibilisiert er für den Umgang mit
der eigenen Körpersprache. Dabei gibt
renommierten Wissenschaftsmagazin wurde beispielsweise ein Gesicht im Mo- er viele hilfreiche Hinweise, worauf
Science eine Publikation wert waren. ment des Sieges auf einen Körper im man selbst bei Mimik, Gestik, Stimme
Konkret geht es um Gefühle größten Moment der Niederlage montiert. In und Körperausdruck achten kann.
Glücks und größer Enttäuschung. Der- diesen Fällen tippten die meisten Pro-
lei intensive Gefühle stehen einem buch- banden auf die Emotion, die der Kör-
stäblich ins Gesicht geschrieben – dach- perausdruck offenbarte. In einem wei- Ulrich Sollmann
ten Experten zumindest nach einer seit teren Versuch beurteilten Probanden
Jahrzehnten etablierten Theorie des
amerikanischen Psychologen Paul Ek-
etliche Gesichter, die in die sechs Kate-
gorien fielen, mit unterschiedlichen Er-
Sieh mal, wie
man. Doch eine der wenigen vermeint-
lichen Gewissheiten in Sachen Körper-
gebnissen. Zwei weitere Experimente
bestätigten den Eindruck: Zumindest
der spricht.
ausdruck steht auf der Kippe. bei intensiv erlebten Gefühlen liefert uns Körpersprache und nonverbale
Die Forscher benutzten Fotos von das Gesicht keine verlässlichen Anzei- Kommunikation im Alltag
Menschen, die in sechs Situationen chen dafür, in welchem emotionalen
Emotionen erlebten: Freude, Schmerz, Zustand sich ein anderer Mensch befin-
Niederlage, Sieg, Trauer und Lust. Im det. Man sollte also viel mehr dem Kör-
ersten Experiment betrachteten jeweils perausdruck trauen, wenn man sich für
15 Probanden den mit den Situationen die Gefühle seiner Mitmenschen inter-
und Gefühlen verbundenen Gesichts- essiert. PH
ausdruck, Körperausdruck oder beides.
Die stets gestellte Frage an die Versuchs-
teilnehmer: Was erleben und was emp-
finden die abgebildeten Menschen? Er- Literatur
gebnis: Probanden, die ausschließlich D. R. Carney, A. J. C. Cuddy, A. J. Yap: Power posing:
das Gesicht betrachteten, lagen nur zu Brief nonverbal displays affect neuroendocrine le-
50 Prozent richtig. Viel besser machten vels and risk tolerance. Psychological Science, 21,
2010, 1363–1368
es jene Versuchsteilnehmer, die aus-
H. Aviezer, Y. Trope, A. Todorov: Body cues, not
schließlich den Körper oder Körper und facial expressions, discriminate between intense
Gesicht gezeigt bekamen. positive and negative emotions.Science, 338, 2012,
Interessant dabei: Die meisten Be- 1225–1229
trachter merkten nicht, worauf genau J. Thoresen, Q. Vuong, A. Atkinson: First impres- dvd Live-Mitschnitt
sie achteten. 53 Prozent der Probanden, sions: Gait cues drive reliable trait judgements. ca. 100 Minuten
Cognition, 124, 2012, 261–271 Auditorium Netzwerk
die Körper und Gesicht auf den Fotos
Christa Heilmann: Körpersprache – richtig verste- Best. Nr. jok 3105 d
sahen, gaben an, sie würden sich vor- hen und einsetzen. Ernst Reinhardt, München 2011 6,99 Euro e
zugsweise auf das Gesicht verlassen. Der
tzw erk.d
m-ne
R. Wiseman u. a.: The eyes don’t have it: Lie detec-
toriu
Rest urteilte nach Gesichts- und Kör- tion and neuro-linguistic programming. PLOS ONE,
.audi
www
perparametern. Keiner deutete auch nur 7, 2012, e40259
an, dass einzig der Körper wegweisend
VIDEO
sein könnte. Wie wichtig der allerdings Vortrag von Amy Cuddy im Internet:
ist, zeigte das nächste Experiment: Die http://www.ted.com/talks/amy_cuddy_your_body_
Forscher manipulierten die Fotos. So language_shapes_who_you_are.html
Verlag für
audio-visuelle Medien
P S YC H O L O G I E H E U T E Ap r il 2 0 1 4
32 Kommunikation

Die schwierige Kunst


des Kritisierens:
„Wasch mir den Pelz …
Kommunikation 33

… aber mach mich nicht nass!“ Schwieriger als die Kunst des Kritisierens ist nur
noch, Kritik auszuhalten und anzunehmen. Der Kritiker und der Kritisierte be-
wegen sich in einem Minenfeld hochsensibler Gefühle. Aber: Ohne Kritik – oder
psychologisch: negatives Feedback – gäbe es keinen Fortschritt, nirgendwo
■ Karen Wright

H
ingerotzt und langweilig“, das Beziehungen aufbauen und aufrechter- gut damit umzugehen. Stattdessen fühlt
waren die genauen Worte, mit halten. Auch wenn uns das Wohlfühl- sich Kritik fast immer feindselig, grob
denen ein Literaturagent das mantra zahlreicher Selbsthilferatgeber oder überzogen an – manchmal sogar
Manuskript bewertete, das ich ihm zur in den Ohren klingt: Ein Großteil un- für die Person, die sie ausspricht. Ange-
Durchsicht geschickt hatte. Diese Kritik serer persönlichen Entwicklung wird stellte und Arbeitgeber erklären glei-
werde ich nie vergessen. Genauso wenig von Erfahrungen bestimmt, die sich eher chermaßen, dass sie Leistungsbewer-
wie die Worte einer Jugendliebe, die vor schlecht anfühlen. Deshalb ist Kritik tungen hassen, und Paare brauchen ei-
mehr als zwei Jahrzehnten mit mir eine geheiligte Institution in fast jedem nen Coach oder Therapeuten, damit sie
Schluss machte. Ich sei „viel zu über- Bereich menschlichen Denkens, Han- sich endlich schwierige Wahrheiten ins
schwänglich“, sagte er mir, außerdem delns und Strebens. Gesicht sagen können.
trüge ich zu wenig Make-up. Jeder Lernprozess hängt davon ab, Viele Eltern unterdrücken ihr Miss-
Wie jeder andere habe auch ich mei- Fehler überhaupt zu erkennen – und sie fallen lieber, als dass sie das Risiko ein-
ne verstörenden Erfahrungen mit nega- dann zu analysieren und zu beheben. gehen, ihr Kind durch Kritik „zu ver-
tivem Feedback gemacht. Ich habe dabei In der Schule und im Studium dreht sich unsichern“, „vor den Kopf zu stoßen“
eingesteckt, aber ich habe auch ausge- im Grunde alles darum, dass uns unse- – oder dessen ärgerliches Schmollen er-
teilt. Als ich vor Jahren einen Schreib- re Fehler in mehr oder minder raffinier- tragen zu müssen. Freunde und Lieb-
kurs an einer Universität leitete, bot mir ter Didaktik vor Augen geführt werden. haber reden um den heißen Brei herum.
eine der Teilnehmerinnen nach meiner Beim Sport schreien die Trainer wild Sie vermeiden jede Konfrontation, zu
Beurteilung ihrer Abschlussarbeit Ohr- gestikulierend ihr Ad-hoc-Feedback auf der eine kritische Bemerkung schnell
feigen an. Mein Feedback muss wohl das Spielfeld. In der Arbeitswelt sind ausarten könnte.
ziemlich heftig gewesen sein. Wer könn- Fehlerkorrekturen und Leistungsbewer- „In unserer Gesellschaft sind wir we-
te diese Reaktion nicht nachvollziehen? tungen ein fester Bestandteil des Vor- der gewöhnt zu kritisieren, noch kriti-
Kritik will im Grunde keiner hören, ankommens. Und selbst im Privatleben siert zu werden“, sagt Robert Sutton, ein
selbst wenn er das Gegenteil behauptet. geht es nicht ohne negatives Feedback: Organisationspsychologe von der Stan-
Im günstigsten Falle ist sie lästig, im Auch liebevolle Ehegatten werfen sich ford University, „wir sind bemerkenswert
schlimmsten Fall unterminiert sie un- oft genug wenig schmeichelhafte Kritik inkompetent darin, unsere Wirkung auf
I L L U S T R AT I O N E N : J A N B R Ä U M E R

sere Identität oder gefährdet sogar un- an den Kopf. Und das Eltern-Kind-Ver- andere einschätzen zu können. Folglich
sere Integrität. Gibt es überhaupt eine hältnis schließlich ähnelt über weite fällt es uns auch sehr, sehr schwer, ein
richtige Methode, andere zu kritisieren? Strecken einer Endlosschleife aus nega- negatives Feedback gut zu vermitteln.“
Dabei ist negatives Feedback, Kritik tivem Feedback. Wenn Sie sich jemals bewusst darauf
also, unverzichtbar. Es mag paradox Tatsächlich hängt so viel unseres Ler- vorbereitet haben, jemanden zu kriti-
klingen, aber nur Kritik hilft uns, das nens, Lebens und Liebens von kritischen sieren, sind Ihnen wahrscheinlich eini-
Leben zu bewältigen und zu ordnen. Rückmeldungen ab, dass man denken ge Standardregeln durch den Kopf ge-
Ohne Kritik könnten wir keine sozialen sollte, wir hätten mittlerweile gelernt, gangen: „Kritisiere die Sachlage, nicht

P S YC H O L O G I E H E U T E Ap r il 2 0 1 4
34 Kommunikation

Die Wurzel unserer Kritikempfindlichkeit ist die Angst vor Ausgrenzung.


Isolation oder Verbannung war einmal eine tödliche Gefahr

die Person! Benutze ‚Ich‘-Sätze! Sprich Bitte heraus. Ich habe meine Kursteil- getrimmt, Kritik und negative Rückmel-
mit ruhiger Stimme und versüße die nehmerin wirklich nicht besonders dungen in jeder Gestalt und in jeder
Kritik mit einer positiven Anmerkung!“ harsch kritisiert, als ich ihre Arbeit be- Verpackung zu wittern.
Also anstatt „Deine Raucherei treibt sprach. Und doch war sie tödlich belei- Und tatsächlich ist es dazu in der La-
mich noch in den Wahnsinn!“ sagt man digt. Menschen reagieren fast immer ge. Es ist nachgewiesen, dass bestimm-
besser: „Ich liebe dich, aber dass du jeden heftig auf Kritik, egal wie sie serviert te Hirnregionen sich mit negativen In-
Tag mehr rauchst, beunruhigt mich.“ wird. Herzrasen, Muskelanspannung, formationen auseinandersetzen und
Mal ganz ehrlich: Diese Abmilde- steigender Blutdruck: Ein alter Kämpf- dabei sehr viel sensibler reagieren als
rungstricks helfen nicht wirklich! Oder oder-stirb-Reflex meldet sich, ein archa- diejenigen, die sich mit positiver Reso-
jedenfalls nur selten. Wer Kritik verab- ischer Gruß unseres Nervensystems. Es nanz beschäftigen. Belege für diese Ne-
scheut, hört sie auch aus der sanftesten ist fast, als wäre unser Gehirn darauf gativausrichtung (negativity bias) tauch-
ten vor 15 Jahren zum ersten Mal in
Experimenten auf. Sie zeigten, dass
Menschen bei anderen die Fehler stärker
DELIKATE DISKUSSIONEN bewerten als deren positive Eigenschaf-
In einer Ehe Feedback zu geben kann eine delikate Angelegenheit sein. In modernen
ten. In gleicher Weise beeindrucken uns
Industriegesellschaften sehen sich Ehepartner in der Regel als ebenbürtig, mit glei-
Verluste bei finanziellen Spekulationen
chen Rechten, Privilegien und – ja – Autoritäten. Wenn also Max seiner Frau unauf-
gefordert Verbesserungsvorschläge zu ihrem Fahrstil gibt, erntet er Stirnrunzeln
stärker als Gewinne. John Cacioppo,
oder heftige Widerworte statt Dankbarkeit. Eltern werden sich bei Erziehungsfragen
Neuropsychologe an der Universität von
öfter in die Haare kriegen, während Ehegatten sich nur selten zu einem Thema strei- Chicago, konnte zeigen, dass elektrische
ten, in dem der eine ein beidseitig anerkannter Experte ist. Aktivitäten in unserem Gehirn bei ne-
Die wirklich schweren Diskussionen in einer Ehe oder Partnerschaft stehen für gativen Stimuli heftiger ausfallen als bei
gewöhnlich dort an, wo es um individuelle Wünsche oder Bedürfnisse geht, nicht ebenso starken positiven. „Die meisten
um Fakten oder Fachliches. Hier müssen Autorität und Kompetenz den subjektiven Menschen reagieren stärker auf Schlech-
Emotionen den Vortritt lassen. Teilt Ihr Lebenspartner Ihnen mit, dass er sich nicht tes als auf Gutes“, sagt Cacioppo.
ausreichend beachtet fühlt, ist das ein Problem, auch wenn Sie denken, dass Sie ihm Diese Negativausrichtung kann un-
genügend Beachtung schenken. sere Interpretation von kritischem Feed-
Das ist die Differenz zwischen Kritik, die sich auf Externes bezieht (wie Fahrstil,
back ernsthaft verzerren. Kurz nachdem
Erziehungsfragen, Finanzielles), und einem Feedback, das im Wesentlichen ein Aus-
ich einen neuen Job angetreten hatte,
druck von Gefühlen, Wünschen oder Frust über den Zustand in einer Beziehung ist.
In der Regel verbirgt sich dahinter eine Herzensangelegenheit: mehr Freiraum, mehr
schickte mir mein Chef eine Mail, in der
Intimität, mehr Sex oder mehr Sicherheit. „Du bist zu anhänglich“ heißt normaler-
er seine Unzufriedenheit mit meiner
weise: „Ich brauche mehr Zeit für mich selbst.“ Wenn sich die zwei Arten von Kritik Leistung zum Ausdruck brachte. Mir
vermengen, führt das zu unfairen und unproduktiven Auseinandersetzungen. Ein blieb diese Mail als böse Tirade in Er-
Zank darüber, wohin der Familienurlaub geht, kann in eine Grundsatzdiskussion es- innerung. Aber als ich sie nach Monaten
kalieren, ob einer der Ehegatten sich genug Zeit für die Familie nimmt. Um solche erneut las, war ich verblüfft, darin auch
Ausbrüche zu verhindern, ist es gut, wenn auch nicht einfach, sich selbst und seinem starken Zuspruch und Anerkennung
Partner klarzumachen, welche Art von Feedback man in diesem Moment verteilt meiner Fähigkeiten zu finden. Doch das
oder erhält. war fast egal: Die Mail schmerzte auch
Seien Sie sich bewusst, ob Sie nur die Art und Weise kritisieren, wie jemand etwas beim zweiten Lesen noch.
macht – oder stattdessen nicht doch einen fundamentalen Wunsch oder eine Angst
Wie Cacioppo erklärt, ist unser Ge-
ausdrücken. Und denken Sie daran: Egal ob rational oder nicht, die ursprüngliche
hirn ganz einfach so vernetzt, dass eine
Furcht vor einer Trennung lauert in jeder kritischen Diskussion. Das Gefühl von Zu-
gehörigkeit zu vermitteln kann reichen, um einen Disput zu entschärfen. ■ K.W.
Bitte nach mehr Informationen entwe-
der als gut oder schlecht ausgelegt wird
– und es wählt gewöhnlich die schlech-
Kommunikation 35

– lässt sich die Urangst beim Betroffenen


durch ein nichtpauschales, differenzier-
tes Feedback entschärfen.
Ein kritisches Gespräch mit einer Fra-
ge zu beginnen hilft dem Angesproche-
nen, Kritik entgegenzunehmen und sich
in dem anstehenden Prozess beteiligt
oder integriert zu fühlen. Wenn man
mit einem Studenten über dessen Leis-
tung spricht, könnte man zunächst fra-
gen: „Was sind deine Ziele für diesen
Kurs? Was möchtest du von mir lernen?
Wie glaubst du, kommst du bisher vo-
ran?“
Ein weiterer Schritt, dem anderen die
Angst vor dem sozialen Ausschluss zu
nehmen: Wer selbst nach Feedback fragt,
betont, dass der andere ein Partner in
dieser Konversation ist und nicht das
„Opfer“. „Als Chef kann man sagen: ‚Ist
das, was ich dir vermittle, nützlich für
dich?‘ Oder: ‚Was brauchst du noch von
mir?‘“, meint der Organisationspsycho-
tere Variante: „Wir vereinfachen die Was also am negativen Feedback am loge Samuel Culbert.
Welt, indem wir sie bipolar, schwarz oder meisten schmerzt, ist nicht so sehr der Angesichts der Tatsache, dass ein ne-
weiß sehen.“ offenkundige Inhalt der Botschaft, son- gatives Feedback immer spannungsge-
Die Wurzel unserer Kritikempfind- dern die für uns latente Gefahr des Aus- laden ist, erscheint es bemerkenswert,
lichkeit ist die Angst vor Ausgrenzung geschlossen- und Verlassenwerdens. Die wie gut es funktionieren kann, wenn es
oder dem Verlust von Zugehörigkeit, die Ächtung, die in der Botschaft mit- richtig vermittelt wird. Ich werde mei-
wiederum an die Angst um unser phy- schwingt, macht uns nervös. Meine ehr- nem Agenten ewig dankbar sein für sei-
sisches Überleben gekoppelt ist, wie Pe- geizige Studentin fürchtete wohl, dass ne unverblümte Kritik an meinem Ro-
ter Gray behauptet, Psychologe am Bos- meine kritische Kommentierung ihrer manmanuskript, das ich mit viel Herz-
ton College. Natürlich ist es auf den ers- Arbeit bedeuten könnte, sie werde nie blut geschrieben hatte. Tatsächlich war
ten Blick nicht wirklich lebensbedroh- den beruflichen Rang erreichen, den sie die Stimme des Erzählers, die ich aus-
lich, wenn wir bei der Arbeit einen sich ersehnte. Und auch wenn ich mir gesucht hatte, so gestelzt und unnatür-
Rüffel einstecken oder bei einem Fuß- die Worte meines Expartners nie so lich geraten, dass sie meinen an sich gu-
ballspiel nach drei Fehlpässen auf der wirklich zu Herzen nahm: Sie bedeute- ten Plot zunichte machte. Hätte mein
Ersatzbank Platz nehmen müssen. ten letztlich unverhohlen, dass unsere Agent seine Meinung vorsichtig in „Ich“-
Aber wir sollten uns vergegenwärti- Beziehung an ein Ende gekommen war. Sätze und positive Bestätigungen ver-
gen, dass der Einzelne außerhalb der Dieser Schock hat sich unauslöschlich packt, hätte ich wohl nie herausgefun-
Gemeinschaft von Jägern und Samm- in meinem Gehirn festgesetzt. den, was an dem verdammten Ding
lern einst tatsächlich nur schwer über- Wenn wir erkennen, dass die Angst schief und falsch war. Es half mir aber,
leben konnte. Das ist auch heute noch vor dem Nicht-mehr-Dazugehören das dass ich überhaupt nach seiner Meinung
tief in unseren Köpfen verankert. Isola- eigentlich Schreckliche an der Kritik ist, gefragt hatte – und ihn mehr oder we-
tion oder Verbannung war damals eine lernen wir möglicherweise, sie besser zu niger zur Ehrlichkeit drängte.
tödliche Gefahr – und sie ist es im Grun- kommunizieren. Beispielsweise können Peter Gray würde diesen Punkt un-
de auch heute noch. In einem sehr rea- wir Feedbackgespräche „inklusiv“ ge- terstreichen, denn er hat in seiner jahr-
len Sinn halten uns unsere sozialen Ver- stalten und nicht „exklusiv“, also mit zehntelangen Analyse von Bildungssys-
bindungen am Leben, auch wenn die dem Unterton: „Du bist raus!“ Und temen die Bedeutung des negativen
menschlichen Beziehungen in der Ge- selbst bei einer harten Kritik und einem Feedbacks in vielen unterschiedlichen
genwart eher übers Internet oder beim tatsächlichen, unvermeidbaren Aus- Kontexten beobachten können. Der
gemeinsamen Espresso geregelt werden. schluss – etwa aus einem Arbeitsteam konstruktivste Austausch, so berichtet

P S YC H O L O G I E H E U T E Ap r il 2 0 1 4
36 Kommunikation

er, sei immer der, der vom Lernenden


selbst angeregt wird, etwa wenn er einen
Lehrer, Mentor oder erfahreneren Stu-
dienkollegen um Rat und Hilfe bittet.
Kritik wird viel besser angenommen,
wenn sie ausdrücklich gefordert wird.
Es liegt wohl in der menschlichen Na-
tur, kein unverlangtes negatives Feed-
back, eigentlich überhaupt keine uner-
betenen Ratschläge erhalten zu wollen.
Wir wollen keine Kritik an uns hören,
es sei denn, wir sind ausdrücklich bereit
zuzuhören.
Nehmen wir den „hilfreichen“ Kol-
legen, der uns über die Schulter blickt
und uns Computertipps gibt, nach de-
nen wir nicht gefragt haben. Sie kennen
den Typ: „Ich habe gesehen, dass du für
diese Aufgabe zehn Klicks brauchst. Mit
einem Makro bräuchtest du nur zwei.
Soll ich’s dir zeigen?“ Auch wenn der beispielsweise so. Sie haben es schwer, geht es darum, mit anderen zu konkur-
Vorschlag Ihnen am Ende Zeit und Är- dieselbe Autorität wie der natürliche El- rieren und ihnen gegenüber den eigenen
ger erspart – selbst wenn der Besserwis- ternteil auszuüben, wenn es um Haus- Status zu festigen oder zu verbessern.
ser, verdammt noch mal, recht hat, wirkt aufgaben, Manieren oder den Umgang Die Kritik unter prinzipiell Gleichran-
sein guter Rat wie ein feindlicher Ein- mit Gleichaltrigen geht. Ein Kind mag gigen – seien es Kollegen, Freunde, Part-
griff. Denn zunächst korrigiert er eine die Bitten oder Zurechtweisungen der ner oder Geschwister – steht also immer
unserer Gewohnheiten, er wird über- eigenen Mutter akzeptierten, es rebel- unter Strom.
griffig. Für genau denselben Ratschlag liert aber bei den gleichen Korrektur- In allen Gesprächen, in denen es um
wären wir ihm ewig dankbar, wenn wir vorschlägen des Stiefvaters. Dieses ty- Kritik geht, sind intensive Gefühle der
darum gebeten hätten. pische Problem moderner Patchwork- Subtext. Mehrere Studien haben gezeigt,
Und es gibt ein weiteres verbreitetes familien kann in der Regel nur dann dass selbst positives Feedback von einem
Problem, das mit negativem Feedback gelöst werden, wenn der natürliche El- Vorgesetzten Unbehagen beim Empfän-
zusammenhängt: Es kommt oft von ternteil dem Partner seine Autorität leiht ger auslöst, wenn das Lob von „unpas-
Menschen, die wir gar nicht als quali- und ihm beispringt. sender“ Mimik begleitet wird, die Wut,
fiziert dafür ansehen. Fragen wir jeman- Bei der Arbeit stößt unerbetenes Feed- Ärger oder andere negative Emotionen
den nach seiner Meinung, schreiben wir back oft deshalb auf Ablehnung, weil signalisiert. Auf der anderen Seite kann
derjenigen Person explizit die Rolle des dem Kritiker unterstellt wird, er maße eine warme und optimistische Mimik
Experten zu – von dem wir uns notfalls sich eine Autorität an, die ihm nicht zu- negatives Feedback derart entschärfen,
auch kritisieren lassen. Wenn der Lehrer steht. Unverlangtes Feedback wird dann dass die Botschaft völlig verlorengeht.
seinen Schüler benotet und ermutigt, auch als eine Taktik im Machtspiel ver- Welcher ist also der richtige Ton, um
wenn der Trainer aufmuntert und über standen – was gerade unter gleichgestell- Kritik in einem Gespräch effektiv zu
den Fehlpass schimpft, wenn Eltern über ten Kollegen schnell zu Verstimmungen vermitteln?
die Schritte ihrer Kinder mit Sorge und führt. Selbst ein Kompliment kann dann Der Ausdruck von Enttäuschung
Zuwendung wachen – dann liegt alldem problematisch wirken, denn Lob auszu- beim Kritiker zieht den Empfänger der
das stillschweigende Einverständnis zu- sprechen ist in der Regel eine Sache von Botschaft am wahrscheinlichsten in ei-
grunde, dass Lob und kritische Korrek- Vorgesetzten oder Chefs. ne konstruktive Diskussion. Die Ent-
tur Teil der Beziehung sind. Besondere Sensibilität für Hierarchi- wicklungspsychologin Eveline Crone
Unerwünschtes Feedback kommt je- en und die Legitimität von Autorität ge- von der niederländischen Universität
doch oft von Menschen, denen wir we- hört zur evolutionären Grundausstat- Leiden bezieht sich bei dieser Einschät-
der Qualifikation noch Berechtigung tung der menschlichen Psyche. Auch zung auf Forschungsergebnisse, die zei-
zuschreiben. Vielen Stiefeltern ergeht es und gerade in der modernen Arbeitswelt gen, dass eine „wütende“ Konfrontation
Kommunikation 37 www.rowohlt.de

Ganz egal, wie Kritik serviert wird:


Verteidigung ist der erste Reflex. Holen Sie statt-
dessen tief Luft, lehnen Sie sich zurück – und lernen Sie

bei Menschen Selbstschutz und „Zuma- terliegen im Reifeprozess wichtigen


chen“ provoziert, wohingegen der Aus- strukturellen Veränderungen. Die jun-
druck von Enttäuschung die Konzent- gen Erwachsenen sind nun in der Lage,
ration auf den Sprecher oder die Grup- die komplexe Leistung zu erbringen, aus
pe lenkt. Fehlern zu lernen. Das ist ein kognitiver
Dieser empirische Befund ist ein gu- Drahtseilakt: „Man muss sich selbst ge-
tes Argument dafür, Kritik nicht vor- nau fragen können, was falsch lief und
zutragen, wenn man selbst (noch) ver- wie das passieren konnte.“
ärgert ist. Der Ärger treibt unvermeid- Ganz egal, wie Kritik serviert wird:
lich einen Keil zwischen Überbringer Verteidigung ist die natürliche erste Re-
und Zuhörer, unabhängig von Inhalten aktion auf negatives Feedback. Erwarten
oder Absichten. Sie von sich oder jeder anderen Person
Es hilft auch zu wissen, zu wem man keine Heldentaten. Wenn Sie der Emp-
spricht. Menschen reagieren sehr unter- fänger sind, holen Sie tief Luft, es wird
Wohin uns
schiedlich auf Kritik. Narzissten verste- vermutlich wehtun. Versuchen Sie, nicht unser Gehirn trägt
hen sogar die mildeste Kritik als per- zu viel zu reden. Lehnen Sie sich statt-
sönlichen Angriff. Bei unsicheren Men- dessen zurück, und lernen Sie. Feedback Michio Kaku über die Erforschung
schen hingegen kann das komplette „konfrontiert Sie mit sich selbst, weshalb unseres Bewusstseins
Selbstvertrauen verlorengehen. Es gibt es zugleich unglaublich unangenehm und den Fortschritt der Physik
aber auch einige wenige Individuen, die und außergewöhnlich wertvoll ist“,
bei Feedback jeglicher Art aufblühen. schreibt der Unternehmensberater Peter
Sie betrachten ihre Fähigkeiten prinzi- Bregman in der Harvard Business Re-
piell als verbesserbar und formbar und view. „Es kann ein immens wichtiges
sehen Feedback deshalb nicht als „Urteil Geschenk sein, ein Rezept dafür, wie wir
ohne Revision“, sondern als Chance, an in dieser Welt etwas bewirken können.“
sich zu arbeiten. „Hingerotzt und langweilig.“ Im Mo-
Sehr junge Menschen haben vermut- ment, als ich das gehört hatte, wusste
lich noch nicht die notwendigen neuro- ich, dass mein Agent recht hatte. Auch
logischen Voraussetzungen, um negati- mein Exfreund hatte recht: Ich bin we-
ves Feedback nutzen zu können. Eveline der sehr stilbewusst noch distanziert –
Crone hat mithilfe bildgebender Verfah- und war auch angesichts der schmerz-
Auch als
ren herausgefunden, dass Gehirnregio- haften Trennung nicht bereit, mich in E-Book
nen, die für das Lernen und die kogni- das coole Glamourgirl zu verwandeln, erhältlich

tive Kontrolle zuständig sind, bei Er- das er erwartete. Was die Abschlussar-
wachsenen nach negativer Kritik hoch- beit meiner Studentin angeht, so lag ich
aktiv sind. Bei Kindern zwischen acht völlig richtig: Sie benötigte wirklich
und neun Jahren war dies jedoch nur noch jede Menge Feinschliff, was sie spä-
© Dustin Cohen

nach positivem Feedback der Fall. ter bereitwillig zugab. Die Moral von
Die Gehirnregionen, die auf negatives der Geschicht’? Wenn Sie negatives
Feedback reagieren und für Leistungs- Feedback erhalten, gehen Sie davon aus,
anpassungen wesentlich sind, werden dass es angebracht sein könnte. Und
Aus dem Englischen von Monika Niehaus
erst im frühen Erwachsenenalter voll wenn Sie der Überbringer sind: Seien 544 Seiten. Gebunden
funktionsfähig. Diese Gehirnareale un- Sie bereit, sich zu ducken. PH € 24,95 (D) / € 25,70 (A) / sFr. 35,50 (UVP)

P S YC H O L O G I E H E U T E Ap r il 2 0 1 4
38 Interview

„Durch die Fixierung auf den Penis


schränken Männer ihre sexuelle
Erlebnisfähigkeit ein“
Der Mann ist der aktive Part in der Sexualität, die Frau zeigt ihr Begehren eher
indirekt. Solche traditionellen Vorstellungen sind noch immer verbreitet
und verhindern ein befriedigendes sexuelles Erleben. Die Psychoanalytikerin
Ilka Quindeau plädiert daher für ein weniger rollenkonformes Verhalten und
ermutigt vor allem Männer, ihre passiven Wünsche zuzulassen

Frau Quin-
P S YC H O L O G I E H E U T E Anatomie der Genitalien vorgegeben. chende Bedürfnisse und Regungen ver-
deau, schaffen wir in den westlichen Konkret heißt das, dass Penetration et- fügen. Häufig versuchen wir jedoch den
Kulturen gerade in sexueller Hinsicht wa keine reine Männersache ist. Sie ist Widerspruch aufzulösen und Eindeu-
die beiden Geschlechter ab? nicht an den Penis gebunden, sondern tigkeit herzustellen, indem wir die eine
I L K A Q U I N D E AU Abgeschafft werden andere Körperteile wie etwa Finger und der beiden Seiten dem jeweils anderen
die Geschlechter natürlich nicht, aber Hände können diese Funktion auch er- Geschlecht zuschreiben. Doch gibt es
die Geschlechterspannung ist in der Se- füllen. Das ist nun keine umwerfend bei beiden Geschlechtern den Anteil, der
xualität weniger auf Männer und Frau- neue Erkenntnis, sondern wird in den nach Unabhängigkeit und Macht strebt.
en verteilt, sondern spielt sich vielmehr Liebesspielen von Paaren schon immer Und es gibt jenen Anteil, der nach Un-
innerhalb jedes Mannes und jeder Frau praktiziert. Aber in der Theorie macht terwerfung verlangt. Auch heterosexu-
ab. Dies liegt daran, dass Männlichkeit man sich das oft zu wenig klar und kon- elle Männer haben ein Bedürfnis, pe-
und Weiblichkeit sich nicht so diamet- zipiert das Penetrieren als „männlich“ netriert zu werden, gestehen sich das
ral gegenüberstehen, wie es oft den An- und das Aufnehmen als „weiblich“, an- aber oft nicht ein, weil sie es für schwul
schein hat. Vielmehr finden sich in je- statt beides zusammen in jeder Person halten.
dem Menschen männliche und weibli- anzusiedeln. P H Und für eine Frau ist es schwer, ei-
che Anteile und damit ein ganzes Spek- P H Bei aufgeweichten Rollenmustern nem Mann zu signalisieren, dass sie die
trum an geschlechtlichen Identifizie- heißt das auch, dass jene Anteile in uns aktivere sein möchte, dass sie sexuell
rungen. aufscheinen, die traditionell dem ande- etwas will. „Ich bin geil“ oder „Heute
P H Heißt das, dass die Polarisierung ren Geschlecht zugeschrieben werden.
eines weiblichen und eines männlichen Männer tun sich beispielsweise schwer Ilka Quindeau ist Psychoanalytikerin in eige-
Geschlechts der Vielfalt sexuellen Erle- damit, eine passive, „weibliche“, neh- ner Praxis und Professorin für Klinische Psycho-
bens heute nicht mehr angemessen ist? mende Sexualität zu leben – das Bild logie und Psychoanalyse an der Fachhochschu-
le Frankfurt am Main. Aktuelle Veröffentlichun-
F OTOS : GA BY GER S T ER

Q U I N D E AU Genau. Die Lust- und Be- vom sexuellen Draufgänger erzeugt ge-
gen: Sexualität. Psychosozial, Gießen 2014. –
friedigungsmodalitäten lassen sich nicht rade für diese Männer viel inneren
Männlichkeiten. Wie weibliche und männliche
einfach entlang der Geschlechtergren- Druck. Psychoanalytiker Jungen und Männer behan-
zen aufteilen. In der Sexualität spielt die Q U I N D E AU Ich glaube, dass es schon deln (zusammen mit Frank Dammasch). Klett-
Fantasie eine zentrale Rolle, und die Be- viel Druck nähme, wenn wir anerken- Cotta, Stuttgart (erscheint im Mai 2014).
friedigungsformen sind nicht von der nen würden, dass wir über widerspre-

PSYCH O LO G I E H EUTE A pri l 2014


Interview 39
40 Interview

Sadomasochistische Fantasien gab es schon immer.


Neu ist lediglich die massenmediale Inszenierung

möchte ich dich gerne richtig ficken“ probieren. Durch die Geschlechternor- fehlen, sondern gerade umgekehrt
kommt wohl nur wenigen Frauen über men geraten wir schnell in eine Über- machten ihnen die passiven, rezeptiven
die Lippen. forderung. Und Überforderungsgefüh- Strebungen zu viel Angst. Häufig ist die-
Q U I N D E AU Das hat natürlich viel mit le schränken uns ein. Eine befriedigen- se Angst den Männern allerdings nicht
Rollenerwartungen zu tun. Aber es de Sexualität für beide braucht Zeit. Und bewusst. Sie kann traumatisch bedingt
stimmt, Frauen trauen sich das oft nicht. wer sich Zeit nimmt, kann das, was da sein oder auch mit frühen Beziehungs-
Ich kenne das aus vielen Therapien. kommen mag, sich erst einmal entwi- erfahrungen zusammenhängen. Beson-
Auch Frauen, die nicht den traditionel- ckeln lassen. So geht es in Therapien et- ders problematisch ist jedoch, dass die-
len Geschlechterrollen entsprechen und wa darum, die verpönten Anteile denk- se Abwehr von Rezeptivität und Passi-
etwa beruflich sehr erfolgreich sind und bar und aussprechbar zu machen. Bei vität genau den Geschlechternormen
in vielen Bereichen selbstsicher, haben Männern kann beispielsweise die ent- und dem männlichen Selbstverständnis
manchmal große Schwierigkeiten, ih- wertende und zugleich leidvolle Vorstel- entspricht. Dies macht die Bearbeitung
rem Partner gegenüber ihre Bedürfnis- lung bearbeitet werden, als Schwächling und Veränderung so schwierig. Pointiert
se zu formulieren. oder „Schwuler“ zu gelten, wenn er eher könnte man sagen, dass die Sexualität
P H Die Offenheit der Geschlechterrol- die passive Seite in der Sexualität sucht. von heterosexuellen Männern durch die
len macht also manchmal auch Angst, Das haben immer noch viele Männer Geschlechternormen gleichsam halbiert
zum Beispiel dabei, wie wir uns dem im Kopf. ist. Denn all unsere sexuellen Wünsche
anderen Geschlecht sexuell nähern sol- P H Sie plädieren ebenfalls dafür – und treten in einer aktiven und einer passi-
len. da stehen Sie konträr fast zur gesamten ven Variante auf. Während es den Frau-
Q U I N D E A U Die traditionellen Ge- psychoanalytischen Tradition –, thera- en in den letzten Jahrzehnten gelungen
schlechterrollen geben natürlich viel Si- peutisch bei Männern nicht etwa unter ist, auch ihre aktiven Bedürfnisse im
cherheit und Orientierung. Ich glaube, allen Umständen die aktiven, „aggres- Bett zu behaupten, steht es bei Männern
dass gerade im sexuellen Bereich die al- siven“ Anteile zu bekräftigen, sondern größtenteils noch aus, ihren passiven
ten Muster noch sehr stark dominieren. die passiven akzeptier- und damit lebbar Anteilen Raum zu geben.
Wir greifen auf sie zurück, weil wir den zu machen. P H Wünschen sich Frauen denn passi-
Wunsch haben, eine „richtige“ Frau oder Q U I N D E AU Ja, bis heute geht man da- ve Männer?
ein „richtiger“ Mann zu sein. Gerade in von aus, dass Erektionsstörungen, die Q U I N D E AU Das wäre ein ziemliches
diesem Punkt haben wir große Angst vor hundert Jahren noch einer der we- Missverständnis: Wenn man seinen pas-
zu versagen und verhalten uns rollen- sentlichsten Gründe waren, warum siven Wünschen Raum gibt, bedeutet
konformer als auf anderen Gebieten. Männer eine Psychoanalyse machten, dies keineswegs, sich passiv verhalten zu
Damit schränken wir jedoch die Mög- bedingt sind durch einen Mangel an müssen. Es geht vielmehr darum, das
lichkeiten des sexuellen Erlebens emp- Phallizität und Aggression. Ich glaube ganze Spektrum der eigenen sexuellen
findlich ein. nicht, dass das der Fall ist. Heute sind Wünsche zuzulassen und sich nicht auf
P H Sie ermuntern Männer und Frauen diese Störungen kaum noch ein Grund diejenigen zu beschränken, die mit den
eher zum Experimentieren jenseits der für die Aufnahme einer Psychotherapie, Geschlechternormen übereinstimmen.
Rollenklischees? da die betroffenen Männer eher Viagra Viele Männer glauben, dass ihr sexuel-
Q U I N D E AU Es geht erst mal darum, nehmen, aber das löst natürlich das Pro- les Erleben allein vom äußeren Teil des
die verschiedenen Seiten überhaupt in blem nicht. Doch gibt es immer wieder Penis abhängt, und machen sich zu we-
sich wahrzunehmen und zu enge Erwar- Analysen, in denen diese Problematik nig klar, dass er sich in den inneren
tungen dem anderen und sich selbst ge- erst mal beiläufig auftaucht. Und dabei Bauchraum hinein fortsetzt und mit
genüber zurückzunehmen. Bildlich ge- habe ich die Erfahrung gemacht, dass inneren Muskeln wie dem Beckenboden
sprochen ließe sich empfehlen, sich zu- es eben nicht die phallischen, aggressi- und Organen wie der Prostata verbun-
rückzulehnen, abzuwarten und auszu- ven Anteile sind, die diesen Männern den ist. Auch beim Genitale des Mannes
Interview 41

wird inzwischen nicht zuletzt für die


weltweite Zunahme von Depressionen
verantwortlich gemacht.
PH Massenmedial ist in den letzten Jah-
ren zu beobachten, dass Pornografie für
Frauen bis hin zur sadistischen Ausrich-
tung „salonfähig“ ist – ein reiner Me-
dieneffekt? Oder welche Bedürfnisse von
Frauen stehen dahinter?
Q U I N D E AU Nachdem der Erotikbest-
seller Shades of Grey nun auch verfilmt
wird, kann man wohl von einem großen
Interesse ausgehen. Es lässt sich daran
sehen, dass sich Frauen über diesen An-
teil der eigenen Sexualität bewusstwer-
den und sich damit jetzt auch in die Öf-
fentlichkeit trauen. Sadomasochistische
Fantasien gab es immer schon, neu ist
lediglich ihre massenmediale Inszenie-
rung.
Schaut man allerdings genauer hin,
muss man feststellen, dass viele dieser
Bücher oder Filme völlig konservativ
sind. Das traditionelle Geschlechterver-
hältnis steht nicht infrage, sondern wird
eher noch verfestigt. Das kommt alles
sehr liberal daher, aber Macht und Un-
„Shades of Grey? Das traditio- im Erleben. Das Verhalten
scheint dagegen doch zu-
terwerfung sind wie immer zwischen
Männern und Frauen verteilt. Es kommt
nelle Geschlechterverhältnis nehmend bunter zu wer- nicht einmal zu einer spielerischen Um-
den. Das heißt: Es wird im- kehrung.
wird eher noch verfestigt. Es mer „privater“, wie wir Se- P H Mit dem Internet wird die Bedeu-
xualität leben. Die Paare tung medialer Vermittlung von Sexua-
kommt nicht einmal zu einer legen das allein fest. lität noch präsenter. Bilder von Ge-
spielerischen Umkehr von Q U I N D E A U Nachdem schlechtsverkehr sind allzeit verfügbar
der Einfluss von traditio- – schon im Kinderzimmer.
Macht und Unterwerfung“ nell normsetzenden Ins- Q U I N D E AU Damit das nicht passiert,
tanzen wie der Religion in ist es dringend notwendig, die Kinder
verbinden sich also äußere und innere modernen Gesellschaften geschwunden mit dem Computer nicht allein zu las-
Strukturen. So gehen wie bei der Frau ist und sie die Sexualität nicht mehr für sen. Man sollte als Eltern sofort mit ih-
besonders intensive sexuelle Gefühle jeden Einzelnen festlegen, kann nun je- nen reden, wenn Kinder auf solche Sei-
auch vom Perineum, der Dammregion des Paar selbst entscheiden, was sexuell ten stoßen. Allerdings ohne Panik zu
– in diesem Fall zwischen Anus und Ho- passieren soll. Das ist auf der einen Sei- verbreiten, denn Kinder verstehen solche
den – aus. Häufig werden diese intensi- te ein großer Freiheitsgewinn, auf der Bilder – abhängig vom jeweiligen Ent-
ven Gefühle allerdings als bedrohlich anderen Seite stellt es aber auch eine ho- wicklungsstand ihrer infantilen Sexu-
erlebt, das erregende Körperinnere wird he Anforderung dar, weil alles ausge- alität – anders als die Erwachsenen mit
abgespalten und auf die Frau projiziert. handelt werden muss. Dieser permanen- ihrer genitalen Sexualität. Diese Diffe-
Es klingt vielleicht paradox, aber durch te Druck, verhandeln zu müssen und renz muss man sich bewusstmachen.
die Fixierung auf den Penis schränken Entscheidungen zu treffen, besteht mitt- Kennzeichnend für die kindliche Sexu-
viele Männer ihre sexuelle Erlebnisfä- lerweile in fast allen Lebensbereichen alität ist auch die sexuelle Neugier, die
higkeit ein. und kann auch zum Problem werden. man bisher von Doktorspielen kannte.
P H Diese Einschränkungen zeigen sich Die Überforderung, die daraus entsteht, Ein Teil dieser Neugier wird heute sicher

P S YC H O L O G I E H E U T E Ap r il 2 0 1 4
42 Interview

Die hohe Sexualisierung unserer Gesellschaft könnte zwei Folgen haben:


Sie weckt einerseits früh die Neugier, andererseits fördert sie auch Angst
und das Gefühl der Überforderung

auch im Netz befriedigt. Das lässt sich Während in den letzten Jahrzehnten die len, dass beide Formen mit der hohen
ab einem bestimmten Alter wohl kaum Ansicht vorherrschte, dass es keinen Zu- Sexualisierung unserer Gesellschaft zu
verhindern, und vermutlich wäre eine sammenhang zwischen der medialen tun haben. Sie weckt einerseits die Neu-
solche Kontrolle auch eher schädlich für Rezeption und der real verübten Gewalt gier, fördert andererseits aber auch Angst
die kindliche Entwicklung. Die Frage, gibt, wird gegenwärtig wieder das Ge- oder das Gefühl von Überforderung.
die sich allerdings dabei stellt, ist: Was genteil behauptet. Methodisch scheinen Gerade die frühen Erfahrungen zeigen,
bedeutet es für Kinder, wenn sie schon mir solche Wirkungsforschungen nicht dass eine rechtzeitige Aufklärung durch
wirklich überzeugend. Eltern und Schule nötig ist. Kinder und
Doch wird das Aggressi- Jugendliche dürfen damit nicht allein
„Es gibt keinerlei Zweifel onspotenzial mancher Ju- gelassen werden.
gendlicher nicht erst von PH Was sagen Sie zur Einbeziehung von
daran, dass sexuelle Übergriffe Filmen erzeugt, sondern Jugendlichen oder sogar Kindern in die
die kindliche Entwicklung tief- von den oft traumatischen
gewalttätigen Erfahrun-
Sexualität Erwachsener? Gerade die Psy-
choanalyse schreibt, etwa ausgehend von
greifend schädigen“ gen, denen sie im realen der Säuglingsforschung, Kindern schon
Leben in ihren Familien früh einen aktiven Part bei der Gestal-
oder durch Krieg und Ver- tung intimer Beziehungen zu Erwach-
vor der Adoleszenz solche Seherfahrun- folgung ausgesetzt waren. Das Problem senen zu, insbesondere natürlich den
gen machen? Was bedeutet dies für ih- ist also komplexer und lässt sich nicht Eltern gegenüber.
re späteren sexuellen Erfahrungen? auf die Gewaltpornografie im Netz re- Q U I N D E AU Während der sogenannte
Ich glaube, dass die meisten Jugend- duzieren. homologe Ansatz in den Sexualwissen-
lichen sehr schnell merken, dass ihre P H Wir können ja inzwischen eine Art schaften davon ausgeht, dass kindliche
eigenen Erfahrungen wenig mit dem vorgezogener Pubertät beobachten. Es Sexualität nicht grundsätzlich anders
im Netz Dargestellten gemeinsam ha- gibt eine kleine Gruppe Jugendlicher, abläuft als die von Erwachsenen, be-
ben. Diese Jugendlichen wissen sehr ge- die schon mit zwölf, dreizehn Jahren die gründet die Psychoanalyse einen hete-
nau, dass das, was sie mit den ersten Se- ersten sexuellen Erfahrungen machen, rologen Ansatz und betont, dass die Be-
xualpartnern tun, anders ablaufen wird bis hin zum Koitus. Bis vor wenigen deutungen der sexuellen Handlungen
als in den Filmen. Jede Generation lernt, Jahrzehnten war das beinahe völlig un- für Kinder und Erwachsene gravierende
differenziert mit dem Medienangebot denkbar. Unterschiede aufweisen. Was Sexualität
ihrer Zeit umzugehen, auch kritisch. Q U I N D E AU Wir haben es heute mit meint und ausmacht, ist jeweils abhän-
Dass da etwas stilisiert wird, ist den jun- sehr verschiedenen Gruppen von Ju- gig vom Entwicklungsstand. Und da
gen Menschen durchaus bewusst. Kaum gendlichen zu tun. Es gibt auf der einen Kinder auf den Schutz der Erwachsenen
jemand glaubt, etwas Gesehenes eins zu Seite jene, die Sie nennen, und es gibt angewiesen sind, verbietet es sich ganz
eins umsetzen zu müssen. auf der anderen Seite aber auch vermehrt von selbst, dass Erwachsene mit Kindern
P H Das ist eine optimistische Sichtweise. Jugendliche, die mit ihren ersten sexu- Sex haben. Es gibt keinerlei Zweifel da-
Q U I N D E AU Vielleicht. Es gibt sicher ellen Erfahrungen noch warten wollen. ran, dass sexuelle Übergriffe die kind-
einen, wenn auch sehr kleinen Anteil an Das heißt, manche Kinder und Jugend- liche Entwicklung tiefgreifend schädi-
gefährdeten Jugendlichen, für die Por- liche treten heute viel eher, einige aber gen. Die Grenzen zwischen den Gene-
nografie oder Gewaltdarstellungen sehr auch deutlich später in eine aktive part- rationen müssen stets gewahrt werden.
problematisch sind. In der Rezeptions- nerbezogene Sexualität ein als noch vor PH
forschung herrscht keine Einigkeit. einigen Jahren. Ich könnte mir vorstel- Mit Ilka Quindeau sprach Uwe Britten

PSYC H O LO G I E H EUTE A pri l 2014


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44 Schule

Die Herausforderung „Inklusion“


Das Bildungsthema Nummer eins in Deutschland heißt „Inklusion“. Behinderte
und nichtbehinderte Kinder sollen an allen Regelschulen gemeinsam lernen –
mit dem Ziel, Stigmatisierung zu verhindern und die Kinder zusammen zu fördern.
Kann das funktionieren?
■ Anne-Ev Ustorf

PSYC H O LO G I E H EUTE A pri l 2014


Schule 45

B
is vor kurzem war die Grund- sivem Bildungsangebot ein, um erste
schule Lämmersieth eine regulä- Erfahrungswerte zu sammeln. Eine flä-
re Grundschule in Hamburg- chendeckende Einführung soll dort erst
Dulsberg. Der von Klinkerbauten ge- im Schuljahr 2014/2015 in Kraft treten.
prägte Stadtteil im Hamburger Nord- Allerdings ist der Begriff „Behinde-
osten ist einer der ärmsten der Hanse- rung“ im Rahmen der schulischen In-
stadt, hier leben viele belastete Familien klusion irreführend. Denn auf Rollstüh-
und Migranten. Der Unterricht mit le oder visuelle Hilfen im Unterricht sind
Kindern aus diesen prekären Verhält- die meisten Schulen noch immer nicht
nissen ist also schon lange selbstver- vorbereitet. Viele körperbehinderte Kin-
ständlich an der Grundschule Lämmer- der besuchen weiterhin Spezialschulen,
sieth. Und auch Erfahrung mit Förder- weil kaum eine Regelschule Fahrstühle
kindern hatten die Lehrkräfte dort oder Treppenlifts installiert hat. Auch
schon immer. Doch jetzt hat sich etwas gehörlosen Kindern bietet der reguläre
verändert: Nun besuchen auch verhal- Schulbetrieb noch zu wenige Möglich-
tensgestörte und geistig behinderte Kin- keiten der Teilhabe. Diejenigen behin-
der, die zuvor auf Sonderschulen gegan- derten Kinder, die inkludiert werden,
gen wären, diese Schule. Das hat Folgen. haben zu 75 Prozent also ganz andere
Im Jahr 2009 trat die UN-Konventi- Probleme: Beeinträchtigungen des Ler-
on über die Rechte von Menschen mit nens (43,7 Prozent), der geistigen Ent-
Behinderungen in Kraft. Darin ist die wicklung (16 Prozent), der emotionalen
gleichberechtigte Teilhabe von behin- und sozialen Entwicklung (11,5 Prozent)
derten Menschen am gesellschaftlichen und der Sprache (10,6 Prozent). Nicht
Leben festgeschrieben – und auch das selten liegen ihren Schwierigkeiten so-
Recht auf gemeinsame schulische Bil- ziale Probleme zugrunde wie prekäre
dung. Alle Kinder sollen zukünftig ge- Lebensverhältnisse, bildungsferne El-
meinsam lernen können, wie es in Län- ternhäuser oder wenig Fürsorge. Des-
dern wie Schweden schon lange prakti- halb sind besonders in Brennpunkt-
ziert wird. Dabei ist Inklusion nicht In- stadtteilen viele Förderkinder mit Lern-
tegration, Behinderte sollen nicht behinderungen zu finden. „Lernbehin-
„integriert“ werden in eine Gesellschaft derte Kinder kommen häufig aus
„gesunder“ Menschen – stattdessen steht sogenannten anregungsarmen Eltern-
hinter der Inklusion die Idee, dass alle häusern“, sagt Bernd Ahrbeck, Professor
Menschen einzigartig und Behinderun- für Rehabilitationswissenschaften und
gen lediglich eine Facette der Individu- Verhaltensgestörtenpädagogik an der
alität sind. Humboldt-Universität Berlin. „Der Satz,
Inzwischen ist die Inklusion auch die Lernbehindertenschulen sind die
das Bildungsthema Nummer eins in Schulen der Armen, ist also nicht völlig
Deutschland, bundesweit wird in Be- falsch.“
hörden und Schulen mit Hochdruck Die Grundschule Lämmersieth hat
daran gearbeitet, dass möglichst viele sich intensiv auf ihre vielfältige Schüler-
Förderkinder Regelschulen besuchen schaft eingestellt. Viele großartige Ideen
können. Einige Bundesländer sind dabei und Projekte hat Direktorin Antje Kılıçlı
durchaus erfolgreich: In Schleswig-Hol- an der Schule realisiert, um möglichst
stein besuchen bereits 49,9 Prozent aller eng an die Lebenswelt der Kinder und
behinderten Schüler Regelschulen, in Eltern anknüpfen zu können: Jeder Jahr-
Berlin 43,9 Prozent und in Bremen 41,2 gang verfügt über einen deutsch-türki-
Prozent. Andere Länder gehen es etwas schen Zweig, es gibt ein kostenfreies
langsamer an: Baden-Württemberg Schülerfrühstück, einen Hort, ein El-
richtete im Schuljahr 2012/2013 vierzig terncafé, einen Schulgarten, Musikthe-
sogenannte Starterschulen als modell- rapie, family literacy-Projekte, viele Be-
hafte Gemeinschaftsschulen mit inklu- ratungsangebote für Eltern. Außerdem

P S YC H O L O G I E H E U T E Ap r il 2 0 1 4
46 Schule

„Wir werfen eine 200-jährige Tradition über Bord“


Andreas Hinz ist ein starker Befürworter der Inklusion. Der Professor leitet die Arbeitsbereiche Integrations-
pädagogik und Körperbehindertenpädagogik an der Universität Halle-Wittenberg und ist Mitherausgeber des
schulischen „Index für Inklusion“. Dieses Instrumentarium soll Schulen helfen, sich in eine inklusive Richtung
weiterzuentwickeln

Überrascht es Sie, dass die Debat-


P S YC H O L O G I E H E U T E Schulen in solchen Gegenden mehr Zuwendungen erhalten.
te um Inklusion an Schulen derzeit so leidenschaftlich ge- Und zwar nicht fallbezogen, sondern pauschal. So können
führt wird? die Lehrer vor Ort am besten entscheiden, wie die Ressour-
A N D R E A S H I N Z Nein, überhaupt nicht, weil wir ja gerade cen am effektivsten eingesetzt werden sollen. Da gibt es noch
eine 200-jährige Tradition der Segregation über Bord werfen große Entwicklungspotenziale.
müssen, auch was den Unterricht und didaktische Konzep- P H Viele Lehrer beschweren sich, dass mangels personeller
te angeht. Da werden Ängste mobilisiert. Und viele Menschen Ausstattung eine gute Arbeitsatmosphäre kaum herzustellen
sind verunsichert, ob Inklusion überhaupt funktionieren ist und gerade Schüler mit Förderbedarf so nicht genug Un-
kann. terstützung im Unterricht erhalten. Wie beurteilen Sie das?
P H Wie beurteilen Sie die Bemühungen der Schulen und H I N Z Das halte ich für ein schwieriges Thema. Die Ange-
Bildungsverwaltungen um Inklusion? messenheit von personeller Ausstattung hängt sehr davon
H I N Z Es gibt viele Schulen in Deutschland, die stark am ab, welche Unterrichtskonzepte die Kollegen haben. Ich war
Abbau von unbewussten Barrieren arbeiten – und das un- schon in Klassen mit 28 Kindern, die eine ganz tolle Ar-
beitsatmosphäre hatten und in denen die Kin-
der an verschiedenen Aufgaben mit unter-
„Der Abbau von Barrieren hat ja nicht nur schiedlichen Schwierigkeitsgraden arbeite-
mit zusätzlichen Geldern zu tun, sondern ten. Das ist um Himmels Willen keine Emp-
fehlung für große Klassen. Dennoch kann
vor allem mit Konzepten, Haltungen, sowie eine sehr gute personelle Ausstattung auch
dazu verführen, dass Kinder sich gegenseitig
inneren Strukturen und Praktiken“ weniger helfen, weil ständig ein Erwachsener
in der Nähe ist, der dann sofort springt. Ich
abhängig von den Bemühungen der Bildungsverwaltung um halte es allerdings für wichtig, dass mehrere pädagogisch
die Umsetzung der Behindertenrechtskonvention. Der Ab- ausgebildete Erwachsene für eine Lerngruppe zuständig sind
bau von Barrieren hat ja nicht nur mit zusätzlichen Geldern und sich über die Schüler und Situationen austauschen kön-
zu tun, sondern vor allem mit Konzepten, Haltungen sowie nen.
entsprechenden inneren Strukturen und Praktiken. Was die P H Viele Kinder mit dem Förderbereich geistige Entwick-
Bemühungen der Bildungsverwaltungen betrifft, habe ich lung oder Lernen schaffen erfahrungsgemäß keine Haupt-
gemischte Gefühle: An manchen Schulen machen wir gera- schulabschlüsse. Wie sollen sie im Rahmen der Inklusion
de wieder eine Rückwärtsrolle in Richtung Kategorisierung, auf weiterführenden Schulen zurechtkommen?
in Hamburg etwa werden Kinder mit Förderbedarf wieder H I N Z Das ist in der Tat schwieriger, denn im Grunde ge-
etikettiert als „Paragraf-12-Kinder“, die dann individuelle nommen widersprechen sich das Integrationsprinzip und
Ressourcen erhalten. Da sind wir wieder bei der Aufteilung das gegliederte Schulsystem. Bundesweit gibt es aber einige
von Menschen in zwei Gruppen gelandet, die „Behinderten“ Beispiele, wo aufgrund spezifischer Konstellationen Kinder
und die „Nichtbehinderten“. Gerade das wollen wir mit der mit massivem Unterstützungsbedarf Gymnasien besuchen,
Inklusion nicht mehr, weil man diese Trennlinie gar nicht beispielsweise in Jever, Bad Harzburg, Bad Segeberg oder
sinnvoll ziehen kann. Wyk auf Föhr. Aber das sind noch exotische Beispiele. Was
P H Wie sollte man die Zuwendungen für Kinder mit För- die Leistungsentwicklung angeht, gilt für die beiden Förder-
derbedarf stattdessen sicherstellen? schwerpunkte ohnehin der individuelle Maßstab. Dass Ju-
H I N Z Kinder mit Förderbedarf finden sich besonders häu- gendliche mit diesen Förderschwerpunkten nicht die Ziele
fig in Stadtteilen mit prekären Lebensverhältnissen, da gibt der Sekundarstufe I erreichen müssen – aber manchmal doch
es ja eine starke soziale Komponente. Ich finde es also abso- können –, kann Anlass dafür sein, diese standardisierten
lut notwendig und auch nur gerecht, dass Schulen in unglei- Erwartungen für alle zu hinterfragen.
chen Situationen ungleiche Ausstattungen bekommen, sprich ■ Mit Andreas Hinz sprach Anne-Ev Ustorf

PSYC H O LO G I E H EUTE A pri l 2014


Schule 47

Das System baut darauf, dass Lehrer nicht nur engagiert,


sondern überengagiert sind. Und oft werden sie dann krank

die preisgekrönte „Kunstetage“ im drit-


ten Stock der Schule, ein gemeinsam von
Hamburger Künstlern und Schülern ge-
schaffenes eindrucksvolles Fanta-
siereich. Und Schulklassen, in denen
Kinder mit ganz unterschiedlichen Stär-
ken und Schwächen gemeinsam lernen.
Auch in der Klasse 2c gibt es viele
Schüler mit Förderplänen. Farzin, ein
dunkelhaariger und kräftiger Junge, hat
den Förderschwerpunkt sozial-emotio-
nale Entwicklung. Es fällt ihm schwer,
mit den anderen Kindern zurechtzu-
kommen, er neigt zu aggressiven Im-
pulsdurchbrüchen. Damit umzugehen
ist nicht leicht: Viele Lehrerinnen möch-
ten die Klasse nicht allein unterrichten,
weil sie befürchten, Farzins Wutanfälle
nicht unter Kontrolle zu bekommen.
Auch nach dem Mathematikunterricht
ergibt sich eine kritische Situation. Frau
Akbaş, die Lehrerin, ist gerade weg, da
entzündet sich aus dem Nichts ein Streit
zwischen Farzin und Noah. Farzin
schlägt um sich und tritt Noah ins Ge- An der Grundschule Lämmersieth Ob Förderschulen oder Regelschulen
sicht. Die Sonderpädagogin Elke Brach- befinden sich die Pädagogen deshalb in für behinderte Kinder besser sind, da-
tendorf geht lautstark dazwischen, einem Dilemma. Sie befürworten die rüber streiten sich die Experten schon
trennt die Jungs und zieht sich mit Far- Reform und wollen die Inklusion un- lange. Eine Studie des Bildungsforschers
zin ins Besprechungszimmer zurück. terstützen. Und doch reicht die perso- Klaus Klemm für die Bertelsmann-Stif-
„In dieser Situation wäre es wirklich nelle Ausstattung hinten und vorne tung ergab, dass die Leistungen von För-
notwendig, noch eine Erzieherin an der nicht. „Uns sind in den letzten Jahren derschülern umso schlechter wurden,
Seite zu haben“, sagt sie. Vor der Inklu- viele Aufgaben zurückgegeben worden, je länger sie auf der Sonderschule waren.
sion waren Integrationsklassen in Grund- die früher die Jugendämter oder Son- Nur in den wenigsten Fällen schafften
schulen wie jener in Hamburg-Dulsberg derschulen innehatten“, sagt Elke Brach- die Förderschüler den Sprung auf die
durchgängig doppelt besetzt, mit einem tendorf. „Kinder testen zum Beispiel, Regelschule, mehr als drei Viertel ma-
Team aus Lehrkräften, Sonderpädago- das sollen wir jetzt selbst organisieren. chen nicht einmal einen Hauptschulab-
gen und Erziehern oder Sozialpädago- Schulbegleitungen beantragen – das schluss. „Wir brauchen sicher weniger
gen. Nun stellt die Behörde in Hamburg dauert bis zu einem Jahr. Eigentlich Behindertenschulen“, sagt auch Bernd
pro behindertes Kind für lediglich 3 1/2 bräuchten wir hier dringend Schulsozi- Ahrbeck. „Für viele lernbehinderte
Stunden in der Woche eine Tandembe- alpädagogen. Das System basiert darauf, Schüler ist der inklusive Weg bei ent-
setzung bereit. Eine Doppelbesetzung dass die Menschen, die hier arbeiten, sprechender Ausstattung besser, weil das
ist – je nachdem, wie viele Förderkinder nicht nur engagiert, sondern übermäßig Anregungsniveau an einer Regelschule
die Klasse besuchen – allenfalls stun- engagiert sind – und oft werden sie dann höher ist. Aber ich glaube nicht, dass
denweise möglich. krank.“ man auf spezielle Schulen ganz verzich-

P S YC H O L O G I E H E U T E Ap r il 2 0 1 4
48 Schule

Gerät Inklusion am Ende doch zur Sparnummer?


Um angemessene Qualität zu bieten, müssten 9300 zusätzliche Lehrkräfte eingestellt werden

Lehrer sollten also in der Lage sein, vor


dem Hintergrund der individuellen
Möglichkeiten der Schüler deren unter-
schiedliche Lernniveaus zu berücksich-
tigen. Dies macht vielen Lehrern in
Deutschland zu schaffen. Vor allem weil
sie gar nicht ausgebildet sind, um Klas-
sen mit Förderschülern im Spektrum
Lernstörungen, Asperger, schwerwie-
gende Verhaltensstörungen oder geisti-
ge Behinderung zu bewältigen. „Woher
soll ich wissen, was ein geistig behin-
dertes Kind leisten kann?“, fragt eine
junge Grundschullehrerin aus dem Sü-
den Hamburgs, die lieber anonym blei-
ben möchte. „Das war nicht Teil meiner
Ausbildung. Es ist alles Learning by
Doing, und manches klappt dann eben
auch nicht so gut.“
Es fehlt an umfassenden Weiterbil-
ten sollte. Es gibt unter den lernbehin- wird.“ Auch bei schwerstbehinderten dungsangeboten für Lehrkräfte. In
derten Kindern auch emotional sehr Kindern, die kaum eine Außenwahr- manchen Bundesländern gibt es kaum
bedürftige, die große Probleme haben, nehmung leisten können und auf basa- Fortbildungen, in Niedersachsen etwa
sich mit Lehrern oder Leistungsansprü- le Stimulierung angewiesen sind, hat die nur fünf Tage pro Jahr für die Inklusion.
chen zu identifizieren. Denen tut es sehr Inklusion im schulischen Bereich In Nordrhein-Westfalen hingegen wer-
gut, wenn sie einen Schonraum haben manchmal ihre Grenzen. Die meisten den derzeit 2500 Lehrer berufsbeglei-
und eine enge emotionale Bindung an Bundesländer werden sich deshalb auch tend an einem Tag in der Woche über
entsprechende Lehrer.“ weiterhin beide Strukturen leisten: in- anderthalb Jahre zum Sonderpädagogen
Komplexer gestaltet sich die Situation klusive Regelschulen und spezielle För- weitergebildet – neben dem Schulalltag,
bei massiv verhaltensgestörten Kindern, dersonderschulen. Eigentlich müssten ohne zusätzliches Studium. Auch die
die manchmal ein großes Unruhe- oder sich die Ausgaben für die Bildung be- chronisch klammen Universitäten ver-
Störpotenzial mitbringen und dadurch hinderter Kinder also verdoppeln. Doch suchen schon, aus der offensichtlichen
die Leistungsentwicklung der ganzen kein Bundesland kann oder will das be- Bildungslücke Profit zu schlagen. Seit
Klasse beeinträchtigen können. Auch an zahlen. neuestem bietet die Universität Hildes-
der Schule Lämmersieth ist das biswei- Folgt man den Argumenten der In- heim einen berufsbegleitenden Master
len ein Problem. „Trotz aller Bemühun- klusionsdogmatiker, dann setzt eine ge- „Inklusive Pädagogik und Kommuni-
gen geht die Inklusion von verhaltens- lingende Inklusion voraus, dass alle Kin- kation“ an, mit dem Ziel, „Lehrkräfte
gestörten Kindern bei uns manchmal der ihren eigenen hochgradig individu- zu stärken, damit sie die Potenziale aller
zulasten derjenigen Kinder, die vom alisierten Unterricht innerhalb einer Kinder besser erkennen“. Private Kos-
Verhalten her noch einigermaßen an- Schulklasse erhalten. Das kann bedeu- ten: 5340 Euro. Und noch eines: Alle
gepasst sind“, sagt Elke Brachtendorf. ten, dass manche Kinder in der dritten Fortbildungen sind freiwillig, kein Leh-
„Die müssen dann wieder und wieder Klasse schon flüssig Aufsätze schreiben rer kann verpflichtet werden, sie zu be-
warten, bis es im Raum endlich ruhig und andere noch mit dem Abc kämpfen. suchen.
Schule 49

Welcher
Gerät die Inklusion am Ende also
doch zur Sparnummer? Ist es für die
den 1960er Jahren gibt es in Finnland
bis zur neunten Klasse ausschließlich
Stress-Typ
Behörden mit ihren knappen Budgets Gemeinschaftsschulen – dennoch errei-
kostengünstiger, Kinder mit Förderbe-
darf in Regelklassen zu stecken – obwohl
chen 95 Prozent der finnischen Schüler
eine Hochschulzugangsberechtigung.
sind Sie?
die Lehrer noch nicht ausreichend wei- In Deutschland hingegen haben wir
tergebildet und die Schulen finanziell ein Schulsystem, das spätestens ab der
nicht ausgestattet sind, um eine gute vierten Klasse exkludiert und separiert.
personelle Besetzung zu garantieren? Mit dem Ergebnis, dass die Idee der In-
Um inklusiven Unterricht in angemes- klusion schon ab der weiterführenden
sener Qualität anzubieten, so der Bil- Schule hinfällig wird: Zu Zeiten der In-
dungsökonom Klaus Klemm von der tegration besuchten nur 54 der rund
Bertelsmann-Stiftung, müssten bun- 3500 Integrationsschüler in Hamburg
desweit 9 300 zusätzliche Lehrkräfte ein- ein Gymnasium, meist landeten die In-
gestellt werden. Eine lohnenswerte Idee tegrationsschüler auf den Stadtteilschu-
wie die Inklusion kann nicht auf Spar- len, wie die früheren Haupt- und Real-
flamme realisiert werden. Ohne zusätz- schulen heute genannt werden. Das wird
liche Gelder ist die Inklusion eine Mo- sich wohl auch bei der Inklusion nicht
gelpackung. Fehl am Platz sind auch anders entwickeln. „Wenn man sagt, die
allzu dogmatische Ansätze. Müssen Inklusion ist die Aufgabe aller, warum
durch die Bank alle Kinder auf Regel- sollen dann nur die Stadtteilschulen die
schulen gehen oder dauerhaft gemein- schwierigen Schüler aufnehmen und die
sam unterrichtet werden? Die individu- Gymnasien nicht?“, fragt sich auch
ellen Bedürfnisse von Kindern bleiben Bernd Ahrbeck. „Andererseits hätte ein
dabei auf der Strecke. Kind mit einer Lernbehinderung auf der
Da lohnt ein Blick nach Finnland. Im Stadtteilschule noch eine Chance, in
hierarchiefreien finnischen Schulsystem Richtung Hauptschulabschluss zu ge-
wird Inklusion schon lange auf eine hen. Auf dem Gymnasium wäre es völ-
pragmatische Weise praktiziert. In den lig fernab aller Lehrpläne.“
vergangenen dreißig Jahren hat Finn- Die Lösung kann also nur lauten:
land fast zwei Drittel seiner Sonderschu- Mehr Geld für Personal, mehr Weiter-
Paperback | 240 Seiten
len geschlossen. Stattdessen wird nun bildung für die Pädagogen und in letz- € 16,99 • SFr 24.50 • €(A) 17,50
in den Schulklassen gefördert: Bis Ende ter Konsequenz auch ein inklusiveres ISBN 978-3-451-61227-5
der neunten Klasse ist jeder zweite jun- Schulsystem. Doch selbst dann gäbe es Auch als ebook lieferbar
ge Finne irgendwann schon einmal För- – ob für behinderte oder nichtbehin-
derschüler gewesen – und keiner fühlt derte Kinder – keine reelle Chancen-
sich deshalb stigmatisiert. Gefördert gleichheit. „Auch wir wünschen uns ei- So unterschiedlich wir Menschen sind, so unter-
wird nicht nur im Klassenverband, son- ne Schule, in der alle Kinder mit allen schiedlich ist auch unser Umgang mit Stress.
dern auch in speziellen Räumen auf dem Fähigkeiten und Schwächen zusammen- Carien Karsten unterscheidet vier Stress-Typen:
Schulgelände, „Tupas“ genannt, Schutz- arbeiten können“, sagt Elke Brachten- den Turbo-Typ, den Crash-Typ, den hochsensiblen
hütten. Und: Die Klassenverbände sind dorf. „Aber das funktioniert schon des- Typ und den Boreout-Typ. Sie zeigt, wie jeder Typ
die für sich selbst besten Strategien gegen Stress
klein, im Schnitt unter zwanzig Kinder, halb nicht, weil die Stadtteile so unter-
findet und wirksam vorbeugt. Mit einem Fragebo-
dafür gibt es an jeder Schule Teams aus schiedlich sind. Chancengleichheit gäbe
gen zur Selbsterkennung und typenspezifischen
Lehrern, Sonderpädagogen, Sozialarbei- es nur, wenn man morgens Schulbusse Tipps zu den Themen Stress am Arbeitsplatz und
tern, Psychologen, Schulkranken- in alle Stadtteile schickt und die Schüler in der Partnerschaft.
schwestern, Laufbahnberatern und Po- durchmischt. Solche Szenarien denke
lizeibeamten. Die Finnen setzen also ich mir manchmal aus.“ PH
nicht auf dogmatische Ansätze, sondern
auf viel Personal und individuelle För- www.facebook.com/kreuzverlag
derung. Doch möglicherweise funktio- Literaturtipp
KREUZ

niert das finnische System auch deshalb Bernd Ahrbeck: Der Umgang mit Behinderung.
so gut, weil es per se inklusiv ist: Seit W. Kohlhammer, 2011
In allen Buchhandlungen oder
unter www.kreuz-verlag.de
P S YC H O L O G I E H E U T E Ap r il 2 0 1 4
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52

Gesundheit & Psyche


R E DA K T I O N : T H O M A S S A U M - A L D E H O F F

Die Angst
hinter
der Sucht
Menschen, die fürchten,
sich vor anderen zu
blamieren, trinken sich
oft Mut an

Einen Vortrag halten, Fremde um Hilfe


bitten, ja selbst in der Kantine zu Mittag
essen: Soziale Situationen lösen bei vie-
len Menschen die Sorge aus, sich vor
anderen zu blamieren. Eine Angst, die
sich bis ins Krankhafte steigern kann.
Doch auch in schwächerer Form stößt
soziale Angst nicht selten ein gravieren-
des Folgeproblem an: eine Sucht. For-
scher nehmen an, dass Furcht der Motor
für übermäßigen Alkoholkonsum sein
und auf diesem Weg in eine Abhängig-
keit münden kann.
Doch wie hängt die Angst vor sozia-
len Kontakten und Situationen mit dem
Trinken zusammen? International ge-
hen Psychologen und Mediziner dieser
Frage inzwischen vermehrt nach. Denn
die Antwort darauf könnte die Therapie
der Betroffenen verbessern. Ein Team
von belgischen und australischen For-
schern etwa bat 25 Alkoholabhängige,
ihre Sozialangst mithilfe eines Fragebo-
gens einzuschätzen. Tatsächlich stellte
sich heraus, dass die Suchtkranken an
ihr Auftreten in Gesellschaft besonders
hohe Standards anlegten. Verglichen mit
Gesundheit & Psyche 53

Menschen ohne Suchtproblem, bejahten nisation zufolge in riskantem Ausmaß. ten die Abhängigkeitssymptome auch
sie häufiger Aussagen wie „Ich sollte im- Darunter vor allem Männer, Gewohn- nach Jahren noch an.
mer etwas Interessantes zu sagen haben“ heitstrinker – und eben jene, die zur Inzwischen gibt es erste Bestrebun-
oder „Ich muss intelligent und originell Flasche griffen, um ihre sozialen Ängs- gen, die Ängste in der Behandlung von
wirken“. te zu bewältigen. Doch führte die Angst Alkoholproblemen stärker zu berück-
Den Forschern fallen mehrere Me- nicht generell zu mehr Konsum: Nicht sichtigen – mit Erfolg. Eine kleine Studie
chanismen ein, auf denen diese Verbin- alle Studenten mit vielen Angstsymp- an der University of Cincinnati zeigte,
dung zwischen sozialem Benehmen und dass eine kurze Intervention, die spezi-
Alkoholabhängigkeit beruhen könnte. SOZIALANGST ell auf sozialängstliche Trinker zuge-
So wäre es denkbar, dass die zu hohen schnitten wurde, erfolgreicher war als
Sozialängstliche Menschen fürchten
Erwartungen schlicht zu Stress führen, übliche Beratungssitzungen zu Alkohol-
sich vor Situationen, in denen sie mit un-
der mit Alkohol ertränkt wird. Eine wei- konsum. Die 41 Teilnehmer der Studie
bekannten Menschen konfrontiert wer-
tere Möglichkeit: Die Betroffenen glau- tranken im Durchschnitt 51 Gläser Al-
den oder in denen sie unter der Beob-
ben, dass sie durch Alkohol ihre sozialen kohol pro Monat. Ein Drittel erfüllte
achtung von anderen stehen könnten.
Fähigkeiten auf bessern können und die Diagnosekriterien für Alkoholmiss-
Die Vorstellung, sich zu blamieren,
nach mehreren Gläsern Wein lockerer brauch, rund ein Viertel für eine milde
steht dabei im Mittelpunkt ihrer Ängste.
und kommunikativer sind. Vielleicht ist bis moderate Abhängigkeit. Die jungen
Sie fürchten, etwas zu tun oder zu sagen,
der Alkohol aber auch der Auslöser der Teilnehmer wurden in zwei Gruppen
was sie vor den anderen bloßstellen oder
hohen Ansprüche: Wer getrunken hat, aufgeteilt: Die einen besprachen wäh-
lächerlich machen könnte.
hat Angst, sich danebenzubenehmen, rend der drei Therapietermine ihren
Die Folge ist Vermeidungsverhalten:
und versucht daher krampfhaft, vor den Alkoholkonsum und mögliche Strate-
Die Betreffenden gehen Situationen aus
anderen nichts falsch zu machen. gien zur Reduktion. Die anderen rede-
dem Weg, in denen sie die Aufmerksam-
Letztere Überlegung scheint jedoch ten während der Sitzungen auch über
keit anderer auf sich ziehen könnten.
eine Kölner Studie zu widerlegen. Die ihre sozialen Ängste – und das hatte Er-
Im Extremfall wird dadurch ihr Leben
Psychologen haben Trinkmotive von folg: Die Probanden der zweiten Grup-
stark eingeschränkt: Sie meiden berufli-
Angstpatienten mit denen von Men- pe konsumierten vier Monate nach den
che Herausforderungen, Partys und Ge-
schen ohne soziale Angststörung vergli- Sitzungen etwa 18 Drinks weniger als
selligkeit, ziehen sich zurück und verein-
chen. Die Angsterkrankten berichteten, vor der Intervention und tranken auch
samen. – Oder trinken sich Mut an und
aufgrund ihrer sozialen Ängste eher zum seltener als zuvor über den Durst. Auch
geraten in Suchtgefahr.
Alkohol zu greifen. Sie berichteten aber in der Gruppe mit der Standardinter-
nicht davon, mehr Angst zu empfinden, vention ging der Konsum zurück, jedoch
wenn sie getrunken haben. tomen tranken mehr. Nur wer in sozi- nicht so deutlich.
Eine weitere Untersuchung der Uni- alen Situationen starke Angst verspürte Erste Ergebnisse anderer Studien le-
versitäten in Gießen und Köln legt wie- und deshalb zum Alkohol griff, konsu- gen ebenfalls nahe, dass Alkoholgefähr-
derum nahe, dass soziale Ängste allein mierte auch generell zu viel. dete von einer Behandlung besonders
nicht den übermäßigen Alkoholkonsum Elf Forscher aus Nordamerika bestä- profitieren, wenn dort auch ihre Ängs-
bedingen – vielmehr ist das Antrinken tigten diesen Zusammenhang auch bei te mehr Beachtung erhalten.
gegen ihre Sozialangst nur für manche Erwachsenen aller Gesellschaftsschich- ■ Jana Hauschild
Betroffenen eine eingefahrene Strategie. ten: Sie werteten Daten von rund 43 000
Die Forscher befragten rund 260 Stu- US-Bürgern aus. Jene Studienteilneh-
P. Maurage u. a.: DOI: 10.1371/journal.pone.0058928
denten nach ihrem Alkoholkonsum in mer, die tranken, um ihre Angstsymp- R. Crum u. a.: DOI: 10.1002/da.22024
den vergangenen Monaten sowie nach tome zu reduzieren, zeigten eher Zeichen B. Cludius u.a.: DOI: 10.1037/a0032295
dem Ausmaß ihrer sozialen Ängste. Ein einer Alkoholabhängigkeit als jene, die R. Cooper u. a.: DOI: 10.1080/ 10615806.2013.823482
Viertel aller Studienteilnehmer trank nur aus Geselligkeit oder zum Genuss J. J. Black u. a.: DOI: 10.1016/j.addbeh.2011.10.004
den Kriterien der Weltgesundheitsorga- tranken. Bei manchen Probanden hiel- A. Baillie u. a.: DOI:10.1186/1471-244X-13-199

P S YC H O L O G I E H E U T E Ap r il 2 0 1 4
54 Gesundheit & Psyche

Kurzvisite
„Morgens zwei von den Weißen“
Beim Einnehmen ihrer Arzneien orientieren sich Patienten häufig an Form und Farbe der Pillen oder am Erscheinungs-
bild der Packung oder des Fläschchens. Der Name oder gar der Wirkstoff des Medikaments hingegen ist vielen nicht
geläufig. Ärzte können daher nicht automatisch davon ausgehen, dass Therapieplan und Dosierung korrekt befolgt
werden – zum Beispiel weil der Hersteller das Verpackungsdesign ändert oder der Apotheker ein Generikum mit glei-
chem Wirkstoff, aber ganz anderer Optik aushändigt. Das birgt Gefahren für den Krankheitsverlauf. Jennifer Lenahan
und ihre Kollegen von der Northwestern University in Chicago in-
terviewten Patienten mit dringend behandlungsbedürftigem Blut-
hochdruck. Es stellte sich heraus, dass jene Teilnehmer, die sich beim
Einnehmen ihrer Medikamente an deren Aussehen hielten, öfter
vom Therapieplan abwichen. Die Folge: Sie hatten ihren Blutdruck
weniger gut im Griff als andere Patienten und mussten häufiger
stationär in die Klinik eingewiesen werden. Besonders gefährdet
waren – wenig verwunderlich – Befragte, die ihre Medizin weder
am Produktnamen noch an ihrer Aufmachung wiedererkannten.
DOI: 10.1080/10810730.2013.82567

Die Gnade der Geburt


in guten Zeiten
Eine boomende Wirtschaft bei der Geburt erhöht die Chance, im
Man sollte es mit den Nahrungsergän- Alter geistig fit zu bleiben. Dies hat eine Studie am Rostocker Zentrum
zur Erforschung des Demografischen Wandels ergeben. Gabriele
zungsmitteln nicht übertreiben: Viele
Doblhammer und ihre Kollegen griffen dabei auf Daten von mehr als
ältere Menschen nehmen durch Vitamin- und Mine- 17 000 Frauen und Männern der Geburtsjahrgänge zwischen 1900
ralstoffpräparate deutlich zu viel Magnesium und Vi- und 1945 aus zehn europäischen Ländern zurück. Sie waren im Rah-
tamin E zu sich. Das ermittelten Wissenschaftler des men der Langzeitstudie SHARE befragt und getestet worden. Unter-
sucht wurden ihr zeitliches Orientierungsvermögen, ihr Kurzzeitge-
Helmholtz-Zentrums München in einer bevölke-
dächtnis, ihre Rechenfähigkeit sowie ihre sprachliche Gewandtheit.
rungsbasierten Studie. Ausgerechnet Vitamin D hin- Wie sich herausstellte, erreichten Teilnehmer, die in einem Jahr mit
gegen, das gegen brüchige Knochen empfohlen boomender Wirtschaft geboren worden waren, bei diesen Aufgaben
wird, wurde nur von wenigen der Befragten im eine um ein Viertel höhere Punktzahl als solche, die in einem Rezes-
sionsjahr zur Welt gekommen waren. Die Forscher vermuten, dass
Alter ab 65 eingenommen.
sowohl die Babys als auch deren Mütter in wirtschaftlich schwierigen
Zeiten schlechter ernährt und die Kinder häufiger krank gewesen
DOI : 10.1007/ S12603- 013- 0418-8
waren. Auch der Kindheitsstress aufgrund finanzieller Sorgen der
Eltern dürfte größer gewesen sein. DOI: 10.1371/journal.pone.0074915

Fit in 50 Jahren
Wann und wie werden im Laufe des Lebens die Weichen für ein gesundes Altwerden gestellt? Die-
ser Frage gingen die Psychologen Simone Dohle von der ETH Zürich und Brian Wansink von der
Cornell University in einer Studie mit dem Titel „Fit in 50 Jahren“ nach. Sie machten 712 amerikani-
sche Männer ausfindig, die während ihrer Einberufung zum Zweiten Weltkrieg medizinisch durch-
leuchtet worden waren. Fünfzig Jahre später waren diese Männer, mittlerweile im Durchschnittsal-
ter von 78 Jahren, noch einmal untersucht und befragt worden. Überraschendstes Resultat: Die
beste Voraussetzung, dass ein Mann im Alter gesund ist und nur selten den Arzt in Anspruch nehmen
muss, ist seine Mitgliedschaft in einer Sportmannschaft während der Schulzeit. Wie sich herausstell-
te, waren die Highschool-Sportler unter den Probanden auch ein halbes Jahrhundert später noch
immer sportlich aktiver. Offenbar hatten sie sich früh einen bewegungsreichen Lebensstil angewöhnt,
der ihnen in fortgeschrittenen Jahren gesundheitlich zugute kam. DOI: 10.1186/1471-2458-13-1100
Gesundheit & Psyche 55

Kraftquelle
Bürokratie schützt Leben Spiritualität
Jetzt in d
Von wegen „sinnloser bürokratischer Regulierungswahn“! Dieser Studienbefund wird An- er 2
JOLM&# . Aufl.
hängern eines „freiheitlichen“ Weltbildes so gar nicht in den Kram passen: Präventionsfor- PPL
scher der New York University haben herausgefunden, dass die Zahl der Verkehrstoten in
einem Bundesstaat umso geringer ist, je mehr Gesetze zum Verbessern der Verkehrssicher-
heit und zum Eindämmen des Alkoholkonsums dort in den letzten 30 Jahren verabschiedet
wurden. Staaten, die in dieser Zählung im obersten Viertel landeten, hatten – bezogen auf
ihre Bevölkerungszahl – 14,5 Prozent weniger tödliche Verkehrsunfälle als die Staaten im
untersten Viertel. Verfälschende Größen wie Bevölkerungsdichte oder Arbeitslosenquote

272 Seiten. Geb. € 34,95 D


ISBN 978-3-621-27932-1
hatten die Forscher um Diana
Silver dabei bereits herausge-
rechnet. Die Gesetze, die das
Fahren sicherer machten, reich-
Audio-Ratgeber, Laufzeit 78 Min.,
ten von Kindersitzvorschriften û %t*4#/
über Alkoholsteuern bis hin zu
verbindlichen Geldstrafen bei
Neu: spirituelle Psychotherapien,
Trunkenheit am Steuer.
Spiritualität und Positive Psycho-
DOI: 10.1016/j.puhe.2013.10.003
logie, Spiritualität in der Pflege

»Zu diesem Thema das beste Buch


überhaupt.« Gert Scobel, 3sat

www.beltz.de

Einen vielversprechenden „Hirnschalter“ bei Depressionen


haben israelische Forscher der Hebrew University entdeckt. Bei
Sabina Hankel-Hirtz
Mäusen, die chronisch unter Stress gesetzt wurden, waren die mindwind® Praxis für klinische
Hypnosetherapie & Körpertherapie
Mikrogliazellen des Gehirns zunächst überaktiv. Doch dann starben
Großer Glinder Berg 33, 21509 Glinde
viele dieser Zellen ab – begleitet von dem depressionstypischen info@mind-wind.de

apathischen Verhalten. Als Medikamente die Zellproduktion wieder


ankurbelten, schwand auch die Depression. Mikrogliazellen gelten
als Repräsentanten des Immunsystems im Gehirn.
Ich bin
DOI : 10.1038 / MP.2013.155 Mitglied
im VFP weil
... mich der VFP beim Aufbau meiner
Depression als Immunerkrankung Praxis in allen Fragen professionell
unterstützt hat
Zwischen Depressionen und dem Immunsystem besteht eine rätselhafte Verbindung. Neue
... die Supervisions-Hotline des VFP eine
Anhaltspunkte dafür präsentierte Georgia Hodes von der Icahn School of Medicine in New
super Einrichtung ist
York jüngst auf der Jahrestagung des American College of Neuropsychopharmacology.
... ich durch die berufsbegleitenden Fort-
Hodes‘ Team hatte beobachtet, dass Mäuse, die ein depressionsähnliches Verhalten zeig-
bildungen meine fachliche Kompetenz
ten, oft hohe Mengen des Immunbotenstoffes Interleukin-6 in ihrem Blut führten. Dass steigern kann
dabei tatsächlich das Interleukin der verursachende Faktor war, belegten die Forscher nun ... ich mich vom Verband einfach gut
mit einem Experiment: Sie entfernten Versuchstieren das Knochenmark und ersetzten es betreut und vertreten fühle
durch das von Spendertieren. Damit wurde faktisch das Immunsystem der Empfängertiere
Informationen über den VFP erhalten Sie hier:
ausgetauscht. Diese erhielten entweder das Mark von „depressionsanfälligen“ Mäusen, die Verband Freier Psychotherapeuten,
auf Stress mit einer starken Ausschüttung von Interleukin-6 reagierten, oder aber von Tie- Heilpraktiker für Psychotherapie
ren, die sich nicht so leicht stressen ließen. Das Resultat: Mäuse, die das Knochenmark von und Psychologischer Berater e.V.
„depressiven“ Spendertieren erhalten hatten, zeigten hernach selbst mehr depressionsar- Lister Str. 7, 30163 Hannover
tiges Verhalten. Depression versuchsweise als „Entzündungskrankheit des Körpers“ zu Telefon 05 11 / 3 88 64 24
betrachten, eröffne vielleicht neue Behandlungsperspektiven, hofft Hodes. www.vfp.de | info@vfp.de
www.eurekalert.org/pub_releases/2013-12/acon-pis120913.php VFP

P S YC H O L O G I E H E U T E Ap r il 2 0 1 4
56 Gesundheit & Psyche

Depression: ein Demenzrisiko


Eine schwere Depression geht meist auch mit kognitiven Beeinträchtigungen einher.
Bisher dachte man, das renke sich wieder ein. Doch leider scheint dem nicht so zu sein

schen oft übersehen oder als altersgemäß


„hingenommen“, bestätigt Katja Wer-
heid, Juniorprofessorin für Klinische
Gerontopsychologie am Institut für Psy-
chologie der Humboldt-Universität zu
Berlin. „Damit verpasst man Chancen.“
Depressionen galten früher aus-
schließlich als neurobiologische Begleit-
symptome einer Demenz und als eine
Reaktion auf die Belastung durch die
Krankheit. Deswegen habe man die Prä-
ventionsforschung lange vernachlässigt.
Epidemiologische und neurobiologi-
sche Befunde sprechen jedoch inzwi-
schen für eine Wechselwirkung zwi-
schen Depression und Demenz. In Stu-
dien an der Humboldt-Universität hat
sich eine kognitive Verhaltenstherapie
bei leichter Alzheimerdemenz als wirk-
sam gegen die Symptome der Depressi-
Der Schatten einer Depression kann bis ins Alter reichen on erwiesen. Das könnte nach Ansicht
der Forscher möglicherweise auch das
Konzentrationsstörungen, verlangsam- Frage, durchgeführt von der Arbeits- Fortschreiten der Demenz verzögern.
tes Denken und Vergesslichkeit sind ty- gruppe um Adina Zeki Al Hazzouri an Die jüngste amerikanische Längs-
pische Symptome einer Depression. der University of Carolina, hat man 7240 schnittstudie brachte nach Einschät-
Schwer depressiv Erkrankte sind oft ältere Frauen zwanzig Jahre lang alle zung von Werheid auch einen ermuti-
nicht einmal in der Lage, einfachste fünf Jahre auf Depressivität und kör- genden Befund: Bei jenen depressiv er-
Denksportaufgaben zu lösen. Sie sind perliche Erkrankungen untersucht. Am krankten Frauen, die sich über Jahre
klinisch von Demenzkranken kaum zu Ende wurden die Teilnehmerinnen mit hinweg gesund ernährten, ausreichend
unterscheiden. Man spricht von einer umfangreichen Tests und Fragebögen bewegten und regelmäßig soziale Kon-
„Pseudodemenz“. auch auf Demenz und kognitive Beein- takte pflegten, sei das Demenzrisiko im
Lange Zeit ging man davon aus, dass trächtigungen durchleuchtet. Wie sich Alter weit weniger stark erhöht gewesen
nach dem Abklingen oder Ausheilen der herausstellte, trat bei Probandinnen, die als bei den weniger gesundheitsbewuss-
Depression auch von den kognitiven Be- wiederholt unter einer Depression ge- ten depressiven Teilnehmerinnen. „Das
einträchtigungen nichts zurückbleibe. litten hatten, beides häufiger auf, bis hin heißt, man kann selbst dazu beitragen,
In den vergangenen Jahren lieferten je- zu einem etwa fünffach erhöhten De- durch eine aktive Lebensführung sein
doch mehrere Studien Hinweise, dass menzrisiko. Demenzrisiko zu senken.“
vor allem bei älteren und chronisch De- Als Konsequenz empfahlen die Stu- ■ Barbara Hübner
pressiven das Risiko, im Alter an einer dienleiter, ältere Menschen stärker als
Demenz zu erkranken, unter bestimm- bisher auf Depressionen zu untersuchen, Adina Zeki Al Hazzouri u. a.: Long-term cumulative
ten Umständen erhöht ist. um etwa durch eine frühzeitige Thera- depressive symptom burden and risk of cognitive de-
cline and dementia among very old women. Journals
In der bislang umfangreichsten pie ihr Demenzrisiko zu minimieren. of Gerontology, Series B, online vorab, 2013. DOI:
Längsschnittuntersuchung zu dieser Depressionen würden bei älteren Men- 10.1093/gerona/glt139

PSYC H O LO G I E H EUTE A pri l 2014


Gesundheit & Psyche 57

Eine zu fette und süße


Ernährung macht Kinder
emotional instabil

Waffelwut und Pizzapanik


Du bist, was du gegessen hast: Norwegische Forscher weisen nach, dass spätere Verhal-
tensauffälligkeiten mit ungesunder Ernährung im frühen Kindesalter zusammenhängen

Vernünftige Ernährung fängt schon im nährung zusammen. Der Volksmund here FHI-Studie aus dem Jahr 2009. Da-
Mutterleib an. Sie stellt die Weichen auch hat recht: „Man ist, was man isst“, be- mals fand man heraus, dass Mütter, die
für die mentale Entwicklung von Kin- stätigt der klinische Psychologe Eivind ihren Kindern eher fette oder zucker-
dern. Das haben norwegische und aust- Ystrøm von der norwegischen Gesund- haltige Produkte auftischen, selbst oft
ralische Forscher jetzt in einer Langzeit- heitsbehörde FHI in Oslo: „Kinder, die emotional instabil sind. Sie reagieren
studie herausgefunden, die sich unter früh in ihrem Leben mit ungesunder ängstlicher, trauriger, haben weniger
verschiedenen Aspekten mit dem Ver- Ernährung wie Fett und Zucker kon- Selbstbewusstsein und tendenziell eine
hältnis von Müttern und Kindern be- frontiert werden, zeigen mehr proble- negative Sicht auf die Welt. Diese Frau-
schäftigte. Dabei ging es auch um Ernäh- matische emotionale Symptome und en mit niedriger Stressschwelle geben
rungsmuster und ihre Auswirkungen. sind eher verhaltensauffällig. Verglichen bei Hindernissen eher auf und haben
In Norwegen wird generell jede mit anderen Kindern, sind sie unauf- das Gefühl, wenig Kontrolle über ihr
Schwangerschaft dem Gesundheitsamt merksamer, ihre Erregbarkeit ist erhöht, Kind zu haben.
gemeldet. Pro Jahr hat das Land rund und sie sind deutlich ängstlicher.“ „Paradoxerweise versuchen sie, ihre
60 000 Geburten. Alle werdenden Eltern In die Rubrik „ungesunde Kost“ fal- geringere Kontrolle gleichzeitig mit ver-
erhielten auf diese Weise Einladungen len für die norwegischen Wissenschaft- stärkter Kontrolle auszugleichen“, be-
zur „Mutter-und-Kind-Hauptstudie“, ler „Klassiker“ wie Pizza, Schokolade schreibt Eivind Ystrøm die Situation.
deren Daten zwischen 1999 und 2008 und Waffeln. Als „gesund“ hingegen Das kann etwa so aussehen, dass sie ihr
erhoben wurden. Letztendlich teilge- betrachten sie Fischprodukte, Gemüse Kind zwar immer wieder zum Verzehr
nommen hat davon ein gutes Drittel. sowie belegte Brote mit gekochtem kal- von Obst und Gemüse anhalten, aber
So auch bei der Einzelstudie zur Er- tem Aufschnitt. gleichzeitig Süßigkeiten in der Schub-
nährung. Inzwischen haben die Mütter Die Forscher der FHI planen weitere lade lagern. Diese Inkonsequenz ver-
mehrfach umfassende Fragebögen zum Befragungen. Auch um zu sehen, in wel- stärkt bei den Kindern erst recht den
Ess-, Trink- und sonstigen Verhalten ih- chem Umfang die festgestellten Auffäl- Wunsch nach Süßem. Wenn er nicht
rer Söhne und Töchter beantwortet – so ligkeiten tatsächlich direkt auf die Er- erfüllt wird, reagieren sie mit Wutan-
wie die Mütter seinerzeit über ihre ei- nährung zurückzuführen und zu wel- fällen – und weil die Mütter damit wie-
gene Ernährung Auskunft gegeben hat- chem Anteil sie angeboren oder erwor- derum nur schlecht umgehen können,
ten, angefangen mit der 22. Schwanger- ben sind. „Ungesunde Ernährung ist ein geben sie klein bei. ■ Andrea Tebart

schaftswoche. Puzzlestück im großen Ganzen“, erklärt Felice N. Jacka u. a.: Maternal and early postnatal nu-
Fazit der Forscher: Das spätere Ver- Ystrøm. Aber das Ernährungspuzzle trition and mental health of offspring by age of 5 years:
a prospective cohort study. Journal of the American
halten, sei es aggressiv oder depressiv, wird bereits kompletter, denn die neuen Academy of Child & Adolescent Psychiatry, 52/10,
hängt eng mit der frühkindlichen Er- Befunde werden ergänzt durch eine frü- 2013, 1038–1047. DOI: 10.1016/j.jaac.2013,07.002
58 Gesundheit & Psyche

Kurzvisite

Meditation dämpft Stressgene


Meditieren ist keineswegs nur eine luftige Akrobatennummer des Geistes, sondern greift tief in das
biologische Geschehen des Körpers ein. Ein Forscherteam aus Spanien, Frankreich und den USA hat
jetzt nachgewiesen, dass ein Tag voller achtsamkeitsbasierter Meditation sogar die Aktivität von Genen
verändert. „Interessanterweise wurden diese Veränderungen in Genen beobachtet, die Angriffspunkt
von entzündungs- und schmerzhemmenden Medikamenten sind“, kommentiert Erstautorin Perla
Kaliman vom Institut für Biomedizinische Forschung in Barcelona. Die Forscher untersuchten
eine Gruppe von erfahrenen Meditierenden nach acht Stunden „intensiver Achtsamkeitspra-
xis“. Als Kontrollgruppe dienten meditationsunerfahrene Probanden, die während der acht
Stunden nicht Versenkungsübungen, sondern einfach ruhigen Tätigkeiten nachgingen.
Während sich bei der Kontrollgruppe die Genregulation nicht veränderte, wurden bei den
Meditierenden mehrere Gene herunterreguliert, die bei Entzündungs- und Stressreaktio-
nen aktiv sind. Dies könnte einer der Mechanismen sein, über die Meditation ihre beruhi-
gende und gesundheitsfördernde Wirkung entfaltet, vermutet das Team, dem auch der
bekannte Meditationsforscher Richard Davidson angehörte. DOI: 10.1016/j.psyneuen.2013.11.004

Übergewichtige Kinder neigen


Erinnerungen fischen mit Musik
„Gib mir das Gefühl zurück“, wirbt der Radiosender hr1 für sein Musikprogramm, das
dazu, Lebensmittelwerbung vorwiegend auf Oldies setzt. Da ist was dran: Wir verknüpfen Musikstücke mit emoti-
unkritisch zu konsumieren. Dieses onsbeladenen Erinnerungen aus unserem Leben. Die Neuropsychologinnen Amee Baird
Resümee ziehen Julia Spielvogel und und Séverine Samson haben nun demonstriert, dass dieser Effekt bei der Arbeit mit
hirnverletzten Patienten gute Dienste leisten könnte. Die Australierin und die Französin
Ralf Terlutter von der Uni Klagenfurt
spielten fünf dieser Patienten und fünf gesunden Kontrollpersonen in zufälliger Reihen-
aus Interviews mit 249 sieben- bis folge Nummer-eins-Songs der Billboard-Hitparade aus unterschiedlichen Zeiten ihres
elfjährigen Kindern. Ihre Erklärung: Lebens vor, beginnend im Alter von fünf Jahren. Nur bei einem der Hirnverletzten weck-
Wer gern Ungesundes isst, muss auch ten die Songs keinerlei Erinnerungen. Die anderen vier Patienten hingegen fühlten sich
von den Stücken ebenso häufig in die Vergangenheit zurückversetzt wie die Gesunden.
der entsprechenden Werbung wohl-
Die Erlebnisse, die ihnen dazu einfielen, hatten fast immer mit liebgewonnenen Men-
wollend begegnen – sonst käme es schen und bedeutsamen Phasen in ihrem Leben zu tun und waren typischerweise mit
zu „kognitiver Dissonanz“. angenehmen Gefühlen verbunden. Baird und Samson empfehlen, Musik gezielt bei
Menschen einzusetzen, die an einer autobiografischen Amnesie leiden.
DOI: 10.1080/09602011.2013.858642

Eine Körperkarte der Gefühle


Emotionen dienen (auch) dazu, uns mit Leib und Seele auf die Anforderungen einzustimmen, die die
Welt uns momentan abverlangt. Gefühlszustände sind daher immer auch körperliche Zustände, und
das Wahrnehmen dieser Körperempfindungen spielt eine wichtige Rolle beim Bewusstwerden von
Emotionen. Angst zum Beispiel wird meist als Engegefühl im Brustkorb erlebt. Liebe hingegen ist
begleitet von warmen, angenehmen Empfindungen überall im Körper. Finnische Forscher der Aalto-
Universität bei Helsinki kamen jetzt auf die originelle Idee, körperliche
Landkarten für die wichtigsten unserer Gefühle zu erstellen. 700 Pro-
banden aus Finnland, Schweden und Taiwan hatten die Aufgabe, sich
in den betreffenden Gefühlszustand hineinzuversetzen. Dann sollten sie
auf einer Körperkarte am Computer farblich markieren, welche Areale
sie bei dieser Emotion intensiver und welche sie weniger intensiv emp-
fanden (siehe Abbildung). Lauri Nummenmaa und seine Mitforscher
entdeckten, dass diese Karten ziemlich universell waren, sich also von
Person zu Person und von Kultur zu Kultur nicht stark unterschieden.
DOI: 10.1073/pnas.1321664111
Gesundheit & Psyche 59

Es gilt das
gesprochene
Wort
Soundeffekte wie etwa das
Knarren einer Tür oder das Knir- NEU
schen von Schritten auf einem
Kiesweg werden in Hörspielen
und Filmen eingesetzt, um das
Publikum mit allen Sinnen in die
Geschichte zu ziehen. Es soll in
die fiktive Szenerie eintauchen und seine reale Umgebung vergessen. Normalerweise klappt
das auch ganz gut und hat den gewünschten Effekt. Mit einer Ausnahme, wie Forscher der Andreas Hillert
University of London jetzt in einem Experiment feststellten: Blinde und deutlich sehbehin-
derte Menschen lassen sich von der Lautuntermalung nicht beeindrucken – sie halten sich Burnout – Zeitbombe
beim Eintauchen in die Erzählung allein an das gesprochene Wort. 51 Probanden mit vollem oder Luftnummer?
und 22 mit eingeschränktem oder fehlendem Sehvermögen verfolgten drei Szenen aus Persönliche Strategien und betriebliches
einem Hörspiel. Doch der Hälfte der Teilnehmer wurde dabei die Geräuschatmosphäre un- Gesundheitsmanagement
terschlagen, etwa das Klappern des Essbestecks oder der ferne Klang von Schüssen. Ohne Differenziert geht Andreas Hillert auf die Grundla-
gen psychischer Gesundheit und die Kriterien see-
diesen Klangteppich, so zeigte sich, kam sehenden Probanden die Erzählwelt nicht ganz lischer Belastung ein. Mit Beispielen aus der Praxis
so authentisch und nah vor. Den sehbehinderten Teilnehmern hingegen brachten die Sound- zeigt er, wie sich arbeitsbezogene Gesundheits-
effekte keinen Glaubwürdigkeitsgewinn für ihr Kopfkino. Louise Fryer und ihre Mitforscher störungen äußern. Mit konstruktiven Konzepten
betrieblicher Gesundheitsförderung plädiert er für
erklären das so: Für normalsichtige Menschen sind visuelle Eindrücke von klein auf mit den eine „Rehumanisierung“ der Arbeitswelt – er zeigt
dazugehörigen Geräuschen assoziiert. Hören sie nur das Geräusch, stellt sich automatisch aber auch, was jeder Einzelne tun kann, um nicht
das entsprechende Vorstellungsbild ein. Sehbehinderte Menschen hingegen halten sich auszubrennen.
allein an die Geräusche selbst – und die dramaturgisch eingesetzten Laute in einem Hör- 2014. Ca. 144 Seiten, 9 Abb., kart.
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spiel sind wohl einfach nicht wirklichkeitsgetreu genug, um als brauchbare Orientierungs-
quelle herhalten zu können. DOI: 10.1027/1864-1105/a000084

Was gibt es Schöneres, als ständig mit seinen Freunden


und der Welt verbunden zu sein? Sollte man meinen.
Tatsächlich aber ergab eine Befragung von 500 Studieren-
den an der Kent State University: Je häufiger sie täglich NEU
von ihrem Smartphone Gebrauch machten, desto ängstli-
cher und weniger zufrieden waren sie – und desto schlech-
Otto F. Kernberg
ter fielen auch ihre Studienergebnisse aus.
Liebe und Aggression
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60 Gefühlsgeschichte

„Fragen Sie sich, ob Sie einem


Shampoo vertrauen können!“
Eine Kulturhistorikerin in einem psychologischen Forschungsinstitut? Für Ute
Frevert passt das sogar in doppelter Hinsicht. Erstens weil einer Psychologie ohne
Bezug zu Gegenwart und Vergangenheit eine zentrale Dimension fehlt. Und
zweitens weil die Konzepte der modernen Forschung eine oft erstaunliche und
erstaunlich lange Geschichte haben. Die Belege für ihre These findet die Direktorin
des Berliner Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung bei Hillary Clinton und
Wladimir Putin, bei Friedrich dem Großen und sogar bei Pippi Langstrumpf
Gefühlsgeschichte 61

Ute Frevert studierte Geschichte, Sozial- Pläne zu den Erwartungen der Kollegen? der Erfolg ihres Appells war nicht zu
und Politikwissenschaften in Münster, Bie- Werde ich den mir zugedachten Part übersehen. So funktioniert das mit der
lefeld und London, sie war Professorin an
der FU Berlin, in Konstanz und Bielefeld
auch zum Nutzen aller spielen können? Gefühlspolitik: Es geht nicht um eine
und hatte Gastprofessuren in Jerusalem, P H Liegt in Ihrer Berufung vielleicht Politik, die aus dem Gefühl heraus ge-
am Dartmouth College in New Hampshire, der Ausdruck für ein selbst wahrgenom- schieht, sondern eine, die Gefühle er-
in Wien und Paris. Sie ist Mitglied der British
Academy, der Berlin-Brandenburgischen
menes Defizit bei den Psychologen? Ir- kennt und aufnimmt, sie anspricht, in-
Akademie der Wissenschaften und der gendein Mensch muss doch festgestellt szeniert, erzeugt und in den Dienst
Deutschen Akademie der Naturforscher haben: Uns fehlt da etwas … nimmt.
Leopoldina. Für ihre wissenschaftliche Ar-
F R E V E R T Diesen Menschen kann man P H Eine Form der Manipulation …
beit wurde sie 1998 mit dem Leibnizpreis
ausgezeichnet. sehr genau benennen: Das war Paul Bal- F R E V E R T Auch. Kann sein. Aber zu-

Ihr wichtigstes Forschungsfeld ist die Ge-


tes. Bis zu seinem Tod im November nächst einmal, historisch betrachtet, ei-
schichte der Emotionen in der Moderne. 2006 war er Direktor dieses Instituts – ne spätestens seit dem 18. Jahrhundert,
Sie schrieb Bücher und Aufsätze über Ehre und im Jahr zuvor der Spiritus Rector seit dem aufgeklärten Absolutismus ei-
und Scham, Mannesstolz und Empathie,
das Duell in der bürgerlichen Gesellschaft,
hinter meiner Berufung. Der Soziologe nes Friedrich II. von Preußen bekannte
die Sprache des Politischen und die Ent- Karl Ulrich Mayer hatte das Haus ver- und verbreitete Strategie, die über dip-
wicklung von Geschlechterdifferenzen. In lassen, und die Frage war: Wer soll ihm lomatischen Erfolg, politische Bündnis-
Gefühlspolitik (Wallstein, 2012) analysiert
folgen? Wieder ein Soziologe? Oder viel- se, Wahlen oder Weltkriege entscheidet.
sie die Instrumentalisierung von Emotion
seit Friedrich dem Großen, in Vertrauens- leicht, damit es nun ganz homogen ist, Das kann Ihnen noch heute jeder Staats-
fragen (C. H. Beck 2013) den inflationären ein Psychologe? Da war Baltes derjenige, sekretär, Wahlkampfmanager oder spin
Gebrauch einer zutiefst zwischenmensch- der in seiner ausgreifenden und neugie- doctor bestätigen. Und Sie müssen nicht
lichen Gefühlshaltung in Werbung und
politischer Kommunikation.
rigen Art sagte: Leute, erkennt die Chan- einmal bis zu Leni Riefenstahl zurück-
ce, die sich uns da öffnet! Eine Kultur- gehen, bis in die Propaganda-Maschi-
historikerin oder ein Kulturhistoriker nerie der Nazis oder den Personenkult
– das könnte interessant sein. um den Diktator Stalin. Denken Sie an
P H Ihr Thema, das Forschungsziel Ih- die Umarmung, mit der Wladimir Pu-
rer ganzen Abteilung, ist die Geschich- tin nach dem Flugzeugunglück von
te der Gefühle. Sie haben etwa über Smolensk im April 2010 jeden Zweifel
männlichen Stolz geforscht, über die der Polen an der solidarischen Verbun-
Rollen von Mann und Frau im Lauf der denheit Russlands erstickte. Drei Tage
Zeiten, über Willy Brandts Kniefall vor zuvor hatte es noch deutliche Verstim-
den Opfern des Warschauer Ghettos und mung gegeben, weil die Russen sich wei-
über die Tränen von Hillary Clinton, gerten, Verantwortung für das Massaker
als sie Präsidentschaftskandidatin der der sowjetischen Armee an polnischen
amerikanischen Demokraten werden Offizieren 1940 in Katyn zu überneh-
wollte. Das sind Gesten, vielleicht men. Das nenne ich Gefühlsmanage-
Frau Profes-
P S YC H O L O G I E H E U T E menschliche Momente, schön. Aber Ge- ment! Und was stand auf den Plakaten,
sor Frevert, sind Sie immer noch ein Ri- fühle in der Politik – ist das nicht ein mit denen Angela Merkel zur Bundes-
siko? bisschen abseitig? tagswahl 2013 um Stimmen warb? Es
U T E F R E V E R T Warum sollte ich je ei- F R E V E R T Das war lange Zeit so etwas war ein Programm, das sich in einem
nes gewesen sein? wie ein konditionierter Reflex: Diese Wort zusammenfassen ließ …
P H Sie haben sich selbst so bezeichnet, vermeintlich durch und durch rational P H Da stand „Vertrauen“. Aber das ist
2008, als Sie Ihr Amt als Direktorin am strukturierte Welt – und dann so etwas kein Programm.
Max-Planck-Institut für Bildungsfor- wie Emotionen. Das passt doch nicht! F R E V E R T Natürlich nicht. Es war al-
schung in Berlin antraten. Im Gespräch Dabei haben Sie selbst ein paar sprechen- lenfalls die Suggestion eines Programms,
mit der Zeit nannten Sie sich damals de Beispiele dafür genannt, welche Be- tatsächlich aber nur ein Appell. Viel-
„eine riskante Berufung“. deutung Gefühle oder Gefühlsäußerun- leicht steckte auch ein vage formuliertes
F O T O S : S T E FA N B L U M E

F R E V E R T Nun ja, das war der neuen gen haben können. Immerhin hat Hil- Versprechen darin. Ich bin da in jedem
Situation geschuldet: eine Historikerin lary Clinton anschließend die Vorwahl Fall skeptisch. Und frage mich: Ist es
unter lauter Psychologen, Neurowissen- in New Hampshire gewonnen – zu spät wirklich Vertrauen, was die Politiker von
schaftlern und Bildungsforschern – da wohl, denn schließlich war es ihr Kon- uns wollen? Oder worauf sonst erheben
kommt anfangs schon eine gewisse Un- trahent Barack Obama, der Kandidat sie Anspruch?
sicherheit auf: Wie passen meine eigenen und dann auch Präsident wurde. Aber P H Vertrauensfragen sind das Thema

P S YC H O L O G I E H E U T E Ap r il 2 0 1 4
62 Gefühlsgeschichte

Ihres jüngsten Buches. Sie erörtern die PH Um beim Thema Gefühlsmanage- finden. Ich kann Hypothesen entwi-
eindrucksvolle Karriere des Begriffs – ment zu bleiben: Die Frage nach dem ckeln, Fragen aufwerfen, deren Antwor-
von Lohengrins Forderung „Nie sollst Risiko Ihrer Berufung haben Sie sehr ten wir gemeinsam finden – aber jeder
du mich befragen“ bis zu seiner Inflati- diplomatisch ins Positive gewendet – tut das auf seine Weise und an einem
on in Politik und Wirtschaft, bis zur nämlich in die Frage: Welche Chancen selbst gewählten Thema. Im Moment
„Bank Ihres Vertrauens“ oder dem ver- ergaben sich daraus? Aber gibt es nicht baue ich eine kleinere Forschungsgrup-
meintlichen Wahlprogramm einer vielleicht wirklich auch eine andere Sei- pe zu law and emotions auf, zu Recht
Kanzlerin, die ihrem Wahlvolk offenbar te? Waren Sie ein Risiko für Ihr Institut? und Gefühlen aus historischer Perspek-
nicht allzu viel Differenzierungsvermö- Oder für die Psychologie als Ganzes? tive. Ich habe Kollegen in der ganzen
gen zutraut. Wem können wir überhaupt F R E V E R T Da müssen Sie meine Kolle- Welt angesprochen und es im Internet
noch trauen? gen fragen. Tatsächlich arbeiten wir ja breit gestreut: Bewerbt euch! Und es mel-
F R E V E R T Vertrauen Sie Ihrem Sprach- schon ein paar Jahre erfolgreich zusam- den sich viele, die schon als Doktoranden
gefühl! Fragen Sie sich, ob Sie einem men. Ich habe längst damit begonnen, oder Postdoktoranden in der Rechtsge-
Shampoo vertrauen können. Einem Gü- Konzepte etwa aus der neurowissen- schichte unterwegs waren, ihre eigenen
tesiegel im Supermarkt. Einer Schweizer schaftlichen Forschung sehr ernst zu Spuren gelegt haben und nun versuchen,
Bank. Oder zehn Millionen Klicks auf nehmen, und ich glaube auch, dass die das unter mein Dach zu kriegen. Manch-
YouTube oder Google. Ich bin vorsichtig, Kollegen aus der Psychologie die Idee mal passt es – das sind wundervolle,
von Vertrauen zu reden, wenn damit einer historischen Dimension ihrer glückliche Momente! Und manchmal
etwas angesprochen wird, das über die Konzepte als Gewinn erkannt haben. ragt zu viel in den Regen hinaus. Dann
Aber natürlich ist es immer passt es eben nicht. Diese Situation, dass
riskant, wenn etwas Neues Leute mit einem Projekt oder einer Idee
„Ich bin vorsichtig, von anfängt. Man hat eine kommen, zwar bereit sind, das vielleicht
Vertrauen zu reden, wenn Menge Leidenschaft im noch mal neu zu perspektivieren, ande-
Bauch und Pläne im Kopf. re Akzente zu setzen, aber letztendlich
etwas angesprochen wird, Da kann es im Alltag eines doch an ihrem Strang, festhalten – das
Forschungsinstituts auch unterscheidet junge Historiker im Ins-
das über die unmittelbare mal haken und schram- titut von jungen Psychologen.
Beziehung zwischen men. Das beginnt bei dem P H Aber auch in Ihren Projekten, auch
Team, das man für die ge- in der historischen Forschung wird ko-
Menschen hinausgeht“ meinsame Arbeit zusam- operiert.
menstellt. Im Unterschied F R E V E R T Schon, aber wir haben an-
unmittelbare Beziehung zwischen Men- zu dem, was ich in der psychologischen dere Formate: Jede Person in diesem
schen hinausgeht. Mit dem Vertrauen, Forschung wahrnehme, arbeiten Histo- Forschungsbereich schreibt zunächst
von dem ich geneigt bin, es als solches riker extrem individualistisch, über- einmal ihr eigenes Buch. Das ist die
zu akzeptieren, hat das alles nichts zu haupt nicht arbeitsteilig. Ich könnte kei- grundlegende Währungseinheit für ei-
tun – also dem Vertrauen in einen mir ne Mitarbeiter für ein fest definiertes nen Historiker, und es gilt schon für die
bekannten Menschen, mit dem ich Din- Projekt finden und ihnen auftragen, Doktorarbeit oder für die Habilitation:
ge teile, einen selektiven, vorausset- diesen oder jenen Teil davon zu über- Das müssen Bücher sein.
zungsvollen, vielleicht folgenreichen nehmen. Da würde keiner kommen. Die P H Wie definiert sich ein Buch?
Umgang pflege. Und schon gar nichts würden sich alle in ihrer Ehre getroffen F R E V E R T Es sind nicht drei Papers, die
mit dem basic trust im Sinne von Erik fühlen, denn sie halten große Stücke auf zusammengebunden werden und einen
Erikson, dem Urvertrauen, das entsteht, Freiheit der Themenwahl und Selbst- Obertitel bekommen, sondern es ist ei-
wenn ein Kind erlebt, wie sich ihm pri- verantwortung in der Durchführung. ne richtig durchgeschriebene, aus einem
märe Bezugspersonen auf verlässliche P H Aber es geht doch darum, in einem konsistenten Argumentationsbogen
Weise zuwenden. Laut Erikson wächst Projekt mitzuarbeiten und Ergebnisse entwickelte Monografie. Dahinter steckt
in solcher Beziehung nicht nur ein zusammenzutragen: klassisches Team- ein eigenes Thema, eine spezifische Fra-
Grundvertrauen in diese Person oder work. gestellung, eine neue These, mit denen
Personen, sondern auch so etwas wie F R E V E R T Ja, aber anders. Ich kann ei- man entweder ein ganz neues Fass auf-
Selbstvertrauen. Kommerzielle oder ne große Thematik vorgeben wie eben macht oder die bisherige Forschung
ideologische Werbung um Vertrauen die Geschichte der Gefühle, kann ein grundlegend kritisiert und revidiert.
dagegen halte ich schlicht für Irrefüh- sehr breites Dach konstruieren, unter Jede Mitarbeiterin schreibt bei uns ihr
rung und Missbrauch. dem viele, gern auch wilde Köpfe Platz Buch, und alle diese Bücher, alle Pro-
Gefühlsgeschichte 63

Geben Kinderbücher Modelle dafür vor, wie mit Gefühlen


umzugehen ist? Reg dich nicht immer so auf! Hör den anderen erst mal zu!

jekte stehen unter dem Dach „Geschich- ten uns also, inwieweit Kinderbücher und Adaption einer fremden Kultur an-
te der Gefühle in der Moderne“. Dane- angelegt und genutzt wurden als Medi- gepasst wurden und woher neue Impul-
ben gibt es aber auch etwas, das wir en, die ihren Leserinnen und Lesern In- se kommen – wenn es beispielsweise
„kollaborative Projekte“ nennen. Wir formation darüber liefern, wie mit Ge- heißt: Nein, Schamgefühle sind nichts,
haben gerade eines abgeschlossen, in fühlen – den eigenen und denen von was in Kindern aufgebaut und gefördert
dem wir Kinderbücher des 19. und 20. anderen – umzugehen ist. Geben diese werden sollte. Es ist wohl kein Zufall,
Jahrhunderts darauf untersucht haben, Bücher Modelle vor, latent oder offensiv, dass Astrid Lindgren mit ihrer Figur der
wie sehr sie geeignet sind, daraus Ge- positiv oder negativ? Liefern sie auch ei- Pippi Langstrumpf 1945 gerade aus
fühle zu lernen. ne Moral von der Geschicht’? Reg dich Schweden kam. Von dort aus gelang es
P H Ein Beitrag der Geschichte zur Bil- nicht immer so auf, sei nicht so wütend, ihr, einen unglaublichen Befreiungs-
dungsforschung … hör doch den anderen erst mal zu. schlag gegenüber all diesen Verklemmt-
F R E V E R T Wenn Sie so wollen: genau Dämpfe deine negativen Emotionen – heiten und Verzagtheiten im restlichen
das, was von diesem Institut erwartet so in dem Stil. Europa zu führen.
wird. Wir haben Bücher ausgesucht, die P H Wobei der historische Bezug im P H Auf dem Kongress der Deutschen
sehr weit verbreitet sind oder waren, Zeitpunkt der Veröffentlichung liegt. Gesellschaft für Psychologie 2012 be-
möglichst auch viele Übersetzungen er- F R E V E R T Und im Ort, im Hinter- richtete der damalige DGPs-Präsident
fahren haben, Robinson Crusoe etwa grund, in den Zusammenhängen. Wir Peter Frensch, dass es erstmals gelungen
oder Pippi Langstrumpf, weil solche Bü- sind ja sehr international zusammen- sei, mehr als 10 000 Beiträge aus der For-
cher für die Gruppe der Adressaten – gesetzt in unserem Forschungsbereich; schung zu veröffentlichen …
also Kinder zwischen fünf und 16 Jahren hier arbeiten Wissenschaftler aus Groß- F R E V E R T Das schaffen wir Historiker
– einen ganz wichtigen Bildungs- und britannien, Kanada, Indien, Italien, der nicht!
Menschwerdungsfaktor darstellen. Im Türkei … – da konnten wir zugleich P H Wollten Sie es denn?
englischen Namen unseres Instituts auch erkunden, ob Muster übereinstim- F R E V E R T Wir pflegen nun mal eine
heißt das human development. Wir frag- men, wie weit sie durch Übersetzung andere Auffassung von wissenschaftli-

P S YC H O L O G I E H E U T E Ap r il 2 0 1 4
64 Gefühlsgeschichte

Psychologen arbeiten oft zu gegenwarts-


bezogen, zu monokulturell.
Getreu nach Lichtenberg: Wer nur Chemie versteht,
versteht auch diese nicht

Sie müssen es auch nicht, denn sie zählt bezahlt jeder, der sich nur in einem ein-
nicht. Es zählt immer nur das Allerneu- zigen Fach auskennt. Getreu nach Lich-
este, und das ist morgen schon passé. tenberg: Wer nur Chemie versteht, ver-
P H Mal dahingestellt, ob die Psycho- steht auch diese nicht. Das Resultat ist
logie die Quellen aus Literatur und Ge- eine Monokultur; von der Schule an
schichte leichtfertig oder gar mit Absicht wird man in eine Richtung gelenkt und
ignoriert, wie sehen Sie denn Ihre Posi- verliert den Blick für Zusammenhänge.
tion hier im Hause oder in der Bildungs- Oder historisch gesehen: für Wurzeln,
forschung allgemein: Sind Sie das Kor- Vorläufer, Ursachen. Ich rede hier nur
rektiv? Oder eine Herausforderung? von meiner eigenen Disziplin, ob Sie es
Sind Sie der kulturhistorische Schnörkel auf andere übertragen wollen, stelle ich
cher Produktivität und auch von Zu- für eine ansonsten eher fade Naturwis- anheim. Aber man kann einfach nicht
sammenarbeit. Vielleicht machen wir es senschaft? Oder so etwas wie der weib- nur Geschichte studieren; ein zweites
uns da ein bisschen schwerer – dafür liche Hecht im Karpfenteich? Fach ist notwendig, sei es Germanistik,
stellen die Produkte unserer Arbeit eher F R E V E R T Nein, aber ich bin auch nicht eine Sprache, manche Leute studieren
abgeschlossene, kompakt vermittelbare der Karpfen im Hechtteich. Es ist wich- sogar Physik. Sich selbst interdisziplinär
Einheiten dar. Nur schreibt ein Buch sich tig, die wissenschaftliche Auseinander- aufzustellen, in seinem eigenen Kopf –
nicht in einem Jahr. setzung auf Augenhöhe zu führen. Das das finde ich für human development
P H Slow science, um der Hektik des gelingt uns hier. Bevor ich ans Max- absolut zentral. Und man merkt es den
Wissenschaftsbetriebes so etwas wie Planck-Institut kam, kannte ich keine Leuten an, ob sie das können oder nicht.
Nachhaltigkeit entgegenzusetzen? Psychologen, tatsächlich nicht. Dafür P H Was fehlt denen?
F R E V E R T Ich könnte Ihnen eine ganze habe ich mein eigenes Fach, die Ge- F R E V E R T Die Fähigkeit, sich auszutau-
Reihe von berühmt gewordenen Histo- schichtswissenschaft, immer schon als schen. Die eigene Position zu reflektie-
rikern nennen, deren erstes Buch, also eine historische Sozialwissenschaft auf- ren und zu relativieren. Sich selbst in-
die Dissertation, immer noch Gültigkeit gefasst. Ich habe Soziologie und Politik frage zu stellen. Aber wenn Sie ein Sys-
besitzt. Meine psychologischen Kollegen studiert; die Fragestellungen von dort tem haben, das auf möglichst raschen
haben da vielleicht einen anderen An- sind auch meine in der Geschichte. Und Output auf einer vorgegebenen Strecke
satz: Alles, was älter ist als 15 Jahre, das noch ein paar andere dazu. Manches in abzielt, dann bleibt eben keine Zeit, mal
kennt man nicht mehr. den Sozialwissenschaften allerdings ist vom Wege abzuschweifen und sich dort
P H Kritisieren Sie da die Haltung der mir zu gegenwartsverhaftet, zu ge- zu bilden.
Psychologen? Oder das Fach selbst? schichtsfern und zu präsentistisch. Das P H Das klingt beinahe verbittert. Was
F R E V E R T Wie käme ich dazu? Wir ha- gilt erst recht für die empirisch und jetzt folgt daraus für Sie?
ben heute beim Mittagessen darüber auch sehr stark neurowissenschaftlich F R E V E R T Eine durchaus spürbare
gesprochen; solcher Austausch auf kur- orientierte Psychologie – das ist schon Schwierigkeit, die Konzepte meiner Dis-
zem Weg gehört ja zu den Vorzügen ei- eine eigene Welt. Da müssen Gräben ziplin zu vermitteln, sie auch nur zur
nes Max-Planck-Instituts. Ich kann also überwunden werden. Diskussion zu stellen. Wir haben hier
hier meine Direktorenkollegen zitieren, P H Immerhin arbeitet die wissen- am Institut einen Beirat, und als ich her-
die sagen: Psychologie ist eine ge- schaftliche Psychologie doch konzent- kam, war dieser Beirat hundertprozen-
schichtsvergessene Disziplin. Psycholo- riert und sehr produktiv. tig mit Psychologen besetzt. War ja auch
gen kennen ihre eigene Geschichte nicht. F R E V E R T Aber um welchen Preis? Den ein psychologisches Institut. Als ich
Gefühlsgeschichte 65
Selbstcoaching
und Selbstmanagement
dann mein Forschungsprogramm vor- gen über die Rolle der Kultur, der sozi-
stellte, merkte ich schon so etwas wie alen Schicht, der jeweiligen Institutionen
Skepsis auf vielen Gesichtern. Irgendje- und Räume, der Peergroups und des
mand hat es dann auch in Worte gefasst: Zeitgeists. Solche Variablen sind maß-
Das sei doch vollkommen abstrus, zu gebend für die Regulation von Gefühlen. E-Book ist
denken, dass Gefühle eine Geschichte Sie können die Rolle des Alters ganz an- inklusive!
hätten. Klar, der Ausdruck von Gefüh- ders definieren. Eigentlich lassen unse-
len könne sich vielleicht verändern, die re Einwände sich ganz einfach zusam-
Umstände, in denen man Gefühle äu- menfassen: Macht euer Bild komplexer!
ßert, der Anlass für Gefühlsäußerun- Die Welt ist nicht so, wie ihr sie euch im
gen. Das Fühlen aber, das sei immer sta- Labor oder im Experiment hinbastelt.
bil. Und ich habe nur gefragt: Wie kön- Aber komplex heißt natürlich auch un-
nen Sie das denn wissen? Verraten Ihnen scharf, schmutzig, spekulativ. Man kann
das die Blitze im MRT? manche Beobachtungen nicht mehr sau-
P H Vielleicht steckt ja auch eine Bedro- ber zuordnen. Nur: Was nützt mir alle
hung in Ihren Konzepten. Was bleibt Klarheit, wenn sie nicht der Lebenswirk- Silke
lk Heimes
denn von einer empirischen Psycholo- lichkeit und ihren Bedingtheiten ent- Schreiben als Selbstcoaching
gie, die Sie „präsentistisch“ genannt ha- spricht? 2014. 128 Seiten, mit 1 Abb., kartoniert
ben, die ihre Befunde also weitgehend P H Wie ist es dazu gekommen? Es gab € 14,99 D / € 15,50 A
mal eine Psychologie, die ein ISBN 978-3-525-40457-7
grundsätzlich anderes, facet- Ein praxisorientiertes Buch mit 123
„Psychologie ist eine ge- tenreicheres, humanistisches Schreibübungen, die helfen, sich selbst ein
Menschenbild hatte und sehr guter Begleiter und Berater zu werden. Sie
schichtsvergessene Disziplin. viel mehr Rücksicht nahm auf können klassisch handschriftlich schrei-
Es zählt immer nur das die Komplexität der Welt. ben oder digital im mitgelieferten E-Book.
F R E V E R T In meinen Augen
Allerneuste, und das ist ist es die Szientifizierung der
Psychologie, die Selbstdefini-
morgen schon passé“ tion als empirische Naturwis-
senschaft. Das nimmt ihr viel
im Labor ermittelt, losgelöst von mög- von ihren Möglichkeiten.
lichst jedem auch historischen Kontext? P H Als Gewinn winken größere Klar-
F R E V E R T Der Dialog darüber hat in- heit, größere Tiefe, vielleicht größere Über 100
zwischen begonnen. Wir stellen einan- Festigkeit der Resultate … konkrete
der kritische Gegenfragen. F R E V E R T Ich bin nicht aufgerufen, die Handlungs-
P H Die Psychologen den Historikern? Verluste gegen mögliche Gewinne auf- empfeh-
lungen
F R E V E R T Und umgekehrt. Vielleicht zurechnen. Das müssten die Fachver- begleiten
sogar häufiger in dieser Richtung. treter selbst tun. Was ich aber als His- auf dem Weg
P H Worum geht es? torikerin unter lauter Psychologen tun zu einem
F R E V E R T Eigentlich immer um Kon- kann, ist die Kontextabhängigkeit Leben ohne
text, Kontext, Kontext. Ich glaube, wir menschlicher Regungen und Erregun- Burnout.
sind schon verschrien deshalb. Men- gen zu betonen und mit der Wandelbar- Peter M. Wehmeier
schen sind ja in erster Linie soziale We- keit des Kontexts auch die Veränderung Erfolg ist, wenn es mir gut geht!
sen und damit abhängig von anderen in dessen ins Bewusstsein zu rufen, was
Burnout vermeiden
ihrer Umgebung. Eine Kollegin zum wir mit human development meinen. Ob
durch Selbstmanagement
Beispiel erforscht die emotionale Regu- und für wen das ein Risiko ist, wird man
2013. 171 Seiten, mit 3 Abb. und 7 Tab., kartoniert
lation im Verlauf des Lebens. Sie ver- sehen. Wahrscheinlich ist es ein Gewinn. € 14,99 D / € 15,50 A
gleicht Probanden unterschiedlichen PH ISBN 978-3-525-40449-2
Alters und stellt fest, dass ältere Men- ■ Mit Ute Frevert sprach E-Book: ISBN 978-3-647-40449-3
schen mit ihren negativen Affekten of- Martin Tschechne
fenbar besser umgehen können als jün-
gere. Da kommen eine Menge Nachfra-
Vandenhoeck & Ruprecht
P S YC H O L O G I E H E U T E Ap r il 2 0 1 4 www.v-r.de
66 Arbeit

Mehr
Respekt, bitte!
Kaum etwas vermissen Arbeitnehmer in
ihrem Betrieb so sehr wie Respekt, vor
allem vonseiten der Vorgesetzten.
Viele Führungskräfte verstehen es nicht,
Anerkennung zu zeigen und für ein
vertrauensvolles Miteinander zu sorgen.
Dabei ist das ein wichtiger Faktor – nicht
nur, aber auch für die Produktivität!

■ Sylvia Meise

A
llen Schnöseln Um Unternehmen zu Veränderungen
und Abkassie- anzuregen, entwickelten die Hamburger
rern zum Trotz: Forscher eine Art Respekttest, eine Lis-
W
Werte wie Ehrlichkeit, te mit zwölf Aussagen zum Verhalten
An
Anstand und Respekt des Vorgesetzten wie etwa „behandelt
sin
sind keinesfalls passé. mich fair“, „vertraut mir, dass ich eigen-
Für die meisten zählen
Fü ständig und selbstverantwortlich gute
sie heute gar mehr als Sta- Leistung bringe“, „erkennt mich als voll-
tus und
u Geld – und zwar wertiges Gegenüber an“, „geht offen und
nicht nur
n zu Hause, sondern ehrlich mit mir um“. Mehrere Studien
gerade da, w wo dergleichen oft als zu Voraussetzungen von Respekt am
Zusatzzucker
Zusatzzuckerl gilt: am Arbeitsplatz. Arbeitsplatz, zu Führungsbildern oder
Vor fünf Jahren
Jah zeigten Studiener- Wertevorstellungen von Geführten er-
gebnisse de des Hamburger For- härten seitdem die Erkenntnis: Ein re-
schungsproj
schungsprojekts RespectResearch- spektvolles Miteinander ist essenziell
Group, dass Respekt seitens des für eine gute Arbeit – zum Beispiel bei
Vorgesetzten an zweiter Stelle der Problemlösungen, die Kreativität erfor-
Dinge steht, die sich Arbeitnehmer dern, oder bei der Verzahnung der Ar-
wünschen (n (nur „interessante Auf- beit, etwa in multinationalen Teams.
gaben“ zähle
zählen mehr). Gleichzeitig Die Erkenntnisse der vergangenen
fehlte es ihren
ihre Antworten zufolge Jahre veranlassten Professor Niels Van
viel zu oft an Wertschätzung und Quaquebeke, der zu den Gründern der
Anerkennung.
Anerkennun Respektforschungsgruppe gehört, schon
Arbeit 67

in der Ausbildung neue Weichen zu stel- aber oben angekommen sind, lassen Dissertation: „Respektvolle Führung –
len. An den privaten Hochschulen Küh- plötzlich den Blick schweifen und mer- wie sie geht, was sie fördert und warum
ne Logistics University und Bucerius Law ken – oh, da gibt es ja noch mehr …“ sie sinnvoll ist“. Die bemerkenswertesten
School in Hamburg unterrichtet er so- Analysen der jährlichen Gallup-Umfra- Ergebnisse:
wohl Studenten als auch Führungskräf- gen zur Mitarbeiterzufriedenheit unter- • Selbst- und Fremdeinschätzung res-
te. Das größte Interesse seiner Kursteil- streichen seine Einschätzung. Schon seit pektvoller Führung können stark von-
nehmer sei zunächst instrumenteller langem monieren die Meinungsforscher, einander abweichen, sprich: Oft erle-
Art: Wie kriege ich den Mitarbeiter da- deutsche Unternehmen hätten vor allem ben die Mitarbeiter den Chef oder die
zu, etwas Bestimmtes zu machen? Der ein Problem: strategisch kurzsichtige, Chefin weit weniger respektvoll, als
Psychologe will jedoch erreichen, dass schlechte Führungskräfte – besonders diese sich selbst bewerten.
die Teilnehmer weiterdenken: „Viele in der Mitte der Karriereleiter –, die die • Persönlichkeit schlägt Werte: Entschei-
Führungsansätze sind effektiv, doch die leistungsbereiten guten Mitarbeiter ver- dend ist, was die Führungskraft von
Frage nach respektvoller Führung ist: graulten. innen her vorlebt. Dies hat deutlich
Was ist effektiv und kreiert gleichzeitig Was läuft hier falsch? Positiv formu- größeren Einfluss darauf, wie respekt-
ein langfristig gutes Arbeitsumfeld?“ liert: Welche Voraussetzungen braucht voll ihr Führungsverhalten von den
es für eine bessere Arbeitskultur? Der Mitarbeitern empfunden wird, als die
Wie wollen wir arbeiten? Wirtschaftswissenschaftler Jan Borkow- Werte, die sie vor sich herträgt.
Dabei vermisst er den Blick aufs Ganze, ski, der ebenfalls im Rahmen der Res- • Wie respektvoll in einem Unterneh-
sowohl bei Studenten als auch bei ge- pectResearchGroup forschte, machte die- men geführt wird, hängt auch von des-
standenen Führungskräften. Deshalb se Grundfrage 2011 zum Thema seiner sen Organisationskultur ab.
hakt er zwischendurch ein und stellt Fra- • „Von einer gestressten Führungskraft“,
gen wie: „Was werdet ihr hinterlassen? so Borkowski, „fühlen sich Mitarbeiter
Welche Arbeitsplätze wollt ihr – für euch, weniger respektvoll geführt.“
eure Mitarbeiter und auch für eure Kin- • „Respektvolle Führung wirkt sich di-
der?“ Die Reaktion? „Sie sind überrascht. rekt auf die Mitarbeiterleistung aus.“
Wir hatten eine Zeitperiode, in der wir
verlernt hatten, uns die großen Fragen Zu den erwartbaren Ergebnissen gehör-
zu stellen. Wir haben ausgeblendet, was te sicher, dass respektvolle Führungs-
für eine Gesellschaft wir kreie- kräfte eher Persönlichkeitsmerkmale
ren wollen und dass unsere aufweisen wie Verträglichkeit, Gewis-
Unternehmen und Organi- senhaftigkeit, emotionale Stabilität und
sationen ein maßgeblicher Offenheit für Erfahrungen. Hingegen
Teil dieser Gesellschaft sind. hatte Borkowski nicht damit gerechnet,
Aber mittlerweile erlebe ich dass Selbst- und Fremdeinschätzung re-
eine neue Generation an spektvoller Führung unabhängig von-
Studenten und Führungs- einander sind und sogar stark vonein-
kräften, für die eine kom- ander abweichen können.
plette Durchökonomisie- Verblüffend war für den Forscher
rung nicht die Antwort ist.“ auch die geringe Bedeutung der (propa-
Van Quaquebeke erin- gierten) Werte: „Vor dem Hintergrund
nert an das Bild der Karri- der Wertediskussion hat es mich über-
ereleiter und erklärt, wie rascht, dass die Persönlichkeit einer
sich beim Erklimmen die Führungskraft tiefer verankert ist und
Perspektive ändert: „Die einen größeren Einfluss auf den Grad
Jungen stehen davor. Sie ha- respektvoller Führung hat, als ihre Wer-
ben noch nicht die Erfah- te. Werte nämlich können sich ändern,
rung, aber eine Ahnung, wie die Persönlichkeit bleibt. Im Umkehr-
es sein sollte – sie haben noch alles im schluss bedeutet das, und das ist auch
Blick. Die auf der Leiter meinen, sich eine der Empfehlungen, die ich dazu
nicht mehr umschauen zu können. Sie gegeben habe: Wer in seinem Unterneh-
fokussieren darauf, die Sprossen mög- men respektvolle Führung fördern will,
lichst schnell hochzukommen. Die sollte die richtigen Persönlichkeiten aus-

P S YC H O L O G I E H E U T E Ap r il 2 0 1 4
68 Arbeit

Die Kollegen nehmen es sehr wohl wahr,


wenn jemand unhöflich behandelt wird.
Sie rechnen damit: „Das könnte mir auch passieren.“

wählen, anstatt seine Führungskräfte im Job. Einer ihrer Kunden hatte einen ge Vorfälle gab es wohl öfter, er fand
später über Werteschulungen auf Kurs massiven Konflikt mit seinem Team: nichts Außergewöhnliches daran. Herr
bringen zu wollen.“ „Sie haben ihrem Chef die Pistole auf Schneider sprach also darüber, was da
Die wohl wichtigste Eigenschaft, die die Brust gesetzt. Sein Führungsstil sei gerade vorgefallen war – und das verlieh
eine Führungskraft mitbringen und ein- autoritär und unkommunikativ – res- dem Treffen der Führungskräfte plötz-
üben sollte, ist die Bereitschaft, sich mit pektlos. Es lief fast auf eine Revolte hi- lich eine eigene Dramatik. An diesem
ihren Mitarbeitern zu verständigen und naus, sie forderten eine Aussprache.“ Tag redete Herr Schneider mit seinen
sie mit ins Boot zu nehmen, statt einsa- Dieser Chef, sie nennt ihn „Herrn Leuten über die Hintergründe seiner
me Entscheidungen zu treffen. Seit an- Schneider“, wollte Lienhart als Mode- Entscheidungen, über seinen Stress und
derthalb Jahren arbeitet Borkowski ratorin eines Teamtags buchen und bat gestand sogar ein, dass er sich bisher zu
selbst als Führungskraft in einem inter- sie, ihm dazu eine PowerPoint-Präsen- wenig um den Draht zu ihnen geküm-
nationalen Unternehmen. Er hat auch tation über Führungsstile vorzuberei- mert habe. Sie erlebten, dass der Mangel
dort die Erfahrung gemacht: „Kommu- ten. Das lehnte sie ab, denn der Mann an Kommunikation kein Misstrauen
nikation ist der Schlüssel zu respektvol- versuchte ganz offensichtlich, business war, sondern seine Vorstellung von Ef-
ler Führung.“ as usual zu machen – und die Konflikt- fizienz. „Sie waren positiv überrascht,
bereinigung an sie zu delegieren. „Er dass er den Mut hatte, seine Schwäche
Der Hang zu einsamen musste sich der Kritik stellen. Seine Füh- einzugestehen“, sagt Lienhart. Am Ende
Entscheidungen rungskräfte hatten es satt, dass er Ent- habe er Applaus bekommen.
In einem seiner Fallbeispiele beschreibt scheidungen über ihre Köpfe hinweg
er, wie die Vorgesetzte in einer Senio- traf, ohne auch nur einmal nach ihren „Management by decibel“
reneinrichtung den Pflegeplan ohne ih- Ideen oder ihrer Meinung zu fragen.“ „Immer wenn es um Konflikte geht, fällt
re Mitarbeiterinnen erstellte. Die Kon- Als Herr Schneider merkte, dass er irgendwann das Wort Respekt“, resü-
sequenz: Sie verlor deren Vertrauen in um diese Klausur nicht herumkommen miert Andrea Lienhart. Wie aber kann
ihre Führungskompetenz. Die Pflege- würde, stellte er sich zunächst Lienharts ein Chef respektvoll reagieren, der zu
schwestern sahen auf den ersten Blick, Fragen, dann einen Tag lang seinem Recht mit der Leistung von Mitarbeitern
was nicht funktionieren würde, da sie Führungsteam. Während dieses Tref- unzufrieden ist? „Höflich im Ton, klar
die Eigenheiten des Alltags besser kann- fens lief in einem Produktionswerk in in der Sache“, empfiehlt Jan Borkowski.
ten. Dass sie nicht gefragt worden waren, Übersee ein gekündigter Mitarbeiter „Es gibt ja Menschen, die machen ma-
empfanden sie als Missachtung ihres Amok und drohte, sich und das Werk nagement by decibel. Das halte ich nicht
Fachwissens. Sie fühlten sich zu Befehls- in die Luft zu sprengen. Via Handy ließ für angebracht. Eine Führungskraft soll-
empfängerinnen degradiert. Das Berich- Schneider dem Mann Geld und Straf- te berechenbar sein: Wenn man klar
tigen solcher Fehler kostet später mehr freiheit anbieten – und bekam so tat- sagt, welche Leistungen man erwartet,
Zeit, als eine gemeinsame Besprechung sächlich die Krisensituation in den Griff. kann man diese später auch einfordern.“
erfordert hätte. Seine Führungskräfte indes hatten kei- Respektvoller Umgang habe jedenfalls
Ein anderes Beispiel für das Knirsch- nen blassen Schimmer von dem Vorfall nichts mit Kuscheln zu tun. Er sei an-
potenzial durch Mangel an Respekt – er hatte sie nicht eingeweiht. strengend, denn er verlange, dass man
schildert die Unternehmensberaterin „Reden Sie darüber“, forderte die Be- die Perspektive des anderen einnimmt
Andrea Lienhart in ihrem Buch Respekt raterin ihn in einer Pause auf. Derarti- und versucht, ihn zu verstehen.
Arbeit 69

wahrgenommene Glaubwürdigkeit des


Managements, den Respekt, der den Mit-
arbeitern ihrer Auffassung nach entge-
gengebracht wird, und das Maß an Fair-
ness, mit der Mitarbeiter behandelt wer-
den möchten. Der Stolz und der Team-
geist, den die Mitarbeiter im Unterneh-
men erleben, sind weitere wesentliche
Faktoren einer ausgezeichneten Arbeits-
platzkultur.“
Nicht von ungefähr haben besonders
jene Unternehmen einen guten Ruf, die
ihre Mitarbeiter zu schätzen wissen. Por-
sche etwa nimmt bewusst 40 Prozent
Prinzipiell unterscheidet die Respekt- ganze Unternehmen aus, betont Decker, Auszubildende ohne Abitur und küm-
forschung zwei Kategorien: den verti- denn: „Die Kollegen nehmen es sehr mert sich dann auch darum, dass sie am
kalen oder Leistungsrespekt, der jeman- wohl wahr, wenn jemand unhöflich be- Ball bleiben. Der Unternehmer Claus
dem aufgrund von besonderen Leistun- handelt wird, und rechnen damit: Das Hipp, Chef und Namensgeber des Ba-
gen oder Fähigkeiten zukommt – sowie könnte mir auch passieren.“ Auch das bykostherstellers, schreibt in seinem
den horizontalen oder Anerkennungs- neue „Microcontrolling“, bei dem Ab- Buch Achtung Anstand!: „Wesentlicher
respekt, die Wertschätzung auf Augen- läufe bis auf die Sekunde vorgegeben und als ein angemessener Lohn ist, dass Mit-
höhe, die jedem aufgrund seiner Men- durchgetaktet sind, empfinden Arbeit- arbeiter wertgeschätzt und ihre Leistun-
schenwürde zusteht, ob von Chef zu nehmer als respektlos. Decker erinnert gen anerkannt werden.“ Daher sollten
Reinigungskraft oder umgekehrt. „Re- an das Grundbedürfnis nach Autono- Führungskräfte regelmäßig die Werks-
spekt ist, was beim andern ankommt, mie: „Wo das fehlt, stellen manche ein- halle besuchen und mit anpacken. Denn:
also sehr subjektiv, das macht es so fach auf stur, machen ‚Dienst nach Vor- „Nur wer die Leistung anerkennt, die
schwierig“, sagt Catharina Decker, die schrift‘. Eine Reaktion, die wir Reaktanz andere zum Erfolg beitragen, der ge-
zum Leitungsteam der RespectResearch- nennen.“ winnt eine durch nichts zu ersetzende
Group zählt. Die Psychologin sieht hier Die individuellen Folgen fehlenden Verbindung zu seinen Mitarbeitern.“
Parallelen zu Erziehungsstilen. Wie zwi- Respekts können nach aktuellem Wis- Unternehmensberaterin Andrea Lien-
schen Eltern und Kindern fördere auch sensstand sein: Schlaf- und Konzentra- hart ist überzeugt: „Eigentlich weiß je-
in der Beziehung zwischen Chef und tionsstörungen, weniger Leistungsmo- der genau, was respektvoll ist und was
Mitarbeitern der ausgewogene „autori- tivation und Kreativität, mehr Depres- nicht, man muss nur darauf hören.“ PH
tative“ Umgangsstil die emotionale Bin- sionen. Dem gegenzusteuern sollte ei-
dung und die Zufriedenheit am nach- gentlich im Interesse der Unternehmen Literatur
haltigsten. Wenig zielführend sind hin- selbst sein. Eine ganze Reihe von Betrie- Jan Borkowski: Respektvolle Führung. Wie sie geht,
gegen die Extreme autoritär und laissez ben habe das eingesehen und verstan- was sie fördert und warum sie sinnvoll ist. Gabler,
Wiesbaden 2011
faire, also starkes Kontrollieren bezie- den, worauf es ankommt, meint Van
Claus Hipp: Achtung Anstand! Vom Wert eines
hungsweise Laufenlassen. „Wenn – im Quaquebeke. Sie setzen Maßstäbe in der
respektvollen Miteinanders. Gräfe und Unzer, Mün-
Sinne von laissez faire – die Führungs- Unternehmenskultur. chen 2013
kraft zwar höflich, aber desinteressiert Andrea Lienhart: Respekt im Job. Strategien für
reagiert, ist das weniger schlimm, als Kein Vertrauen ohne Fairness
eine andere Unternehmenskultur. Kösel, München
wenn sie ihre Mitarbeiter anschreien Das in 45 Ländern vertretene For- 2011

oder beschimpfen würde, dennoch ist schungs- und Beratungsinstitut Great Niels Van Quaquebeke, Daan van Knippenberg:
Second generation leader categorization theory:
es respektlos.“ Place to Work etwa veranstaltet Wettbe-
How subordinates’ self- and typical leader percep-
Wenn der Chef es ihnen gegenüber werbe wie „Deutschlands beste Arbeit- tions moderate leader categorization effects. Jour-
an Respekt fehlen lasse, versuchten man- geber“ oder „Beste Arbeitgeber im Ge- nal of Applied Social Psychology, 42/6, 2012,
che Mitarbeiter, das auszublenden. Doch sundheitswesen“. In einer standardisier- 1293–1319

„andere gehen lieber. Allgemein ist bei ten Befragung bewerten Mitarbeiter die Niels Van Quaquebeke, Matthias M. Graf, Tilman
Eckloff: What do leaders have to live up to? Con-
respektlosen Chefs die Fluktuation sehr Kultur ihres Unternehmens. Vertrauen trasting the effects of central tendency- versus
hoch.“ Ein Mangel an Wertschätzung ist dabei eines der vier Hauptkriterien: ideal-based leader prototypes in leader categoriza-
und Anerkennung strahlt aber auch ins „Vertrauen wird geschaffen durch die tion processes. Leadership (im Druck)

P S YC H O L O G I E H E U T E Ap r il 2 0 1 4
70 Hirnforschung
Hirnforschung 71

Im Gehirn der Täter


Hat der Mensch einen freien Willen? Sind Verbrecher verantwortlich für ihre
Taten? Neurowissenschaftler bezweifeln dies zunehmend. Nicht nur Rechts-
experten, auch Psychologen und Hirnforscher debattieren deshalb den Einsatz
hirnbiologischer Diagnosen vor Gericht

■ Eva Tenzer

D
er Amerikaner Charles Whit- im Fachblatt Archives of Neurology den verursachen. Je mehr Hirnforscher über
man tötete bei einem Amok- Fall eines ihrer Patienten. Der Lehrer diese Zusammenhänge herausfinden,
lauf 17 Menschen. Bis zu die- zeigte plötzlich pädophile Neigungen. umso deutlicher wird, dass auch Hirn-
sem Tag war er völlig unbescholten Bis dahin ein unauffälliger Familienva- biologie und Delinquenz eng miteinan-
geblieben, allerdings hatte er einige Zeit ter, besuchte der 40-Jährige plötzlich der verknüpft sein können. „Der Rechts-
zuvor ungekannte aggressive Impulse kinderpornografische Seiten im Inter- staat wird künftig nicht mehr um die
an sich bemerkt. Da er beim Schuss- net, sammelte entsprechendes Material Erkenntnisse der Neurologie herum-
wechsel mit der Polizei getötet wurde, und belästigte seine Stieftochter sexuell. kommen“, konstatiert deshalb der ame-
konnten sich Forscher sein Gehirn ge- Nachdem ein Rehabilitationsprogramm rikanische Neurowissenschaftler David
nauer ansehen und entdeckten bei der gegen seine Sexsucht erfolglos geblieben Eagleman, Direktor der Forschungsin-
Autopsie einen Tumor. Der wucherte an war, musste der Mann ins Gefängnis. itiative Neuroscience and Law am Baylor
einer Struktur namens Amygdala, auch Doch bald darauf klagte er über starke College of Medicine in Houston, Texas.
Mandelkern genannt, die an der Regu- Kopfschmerzen und Gleichgewichts- Und auch sein deutscher Kollege Hans
lierung von Angst und Aggressivität probleme. Kernspinaufnahmen seines Markowitsch von der Universität Biele-
beteiligt ist. Eine Störung in diesem Gehirns zeigten einen Tumor im Stirn- feld, der als Gutachter vor Gericht auf-
wichtigen Zentrum kann massive Ver- hirn, einem Gebiet, das für die Impuls- tritt, ist überzeugt: „Diese Frage wird
änderungen des sozialen Verhaltens zur kontrolle und rationales Urteilen zu- zu einem markanten Kennzeichen der
I L L U S T R AT I O N E N : S T E FA N P F Ü R T N E R

Folge haben. Whitmans „Kurzschluss“, ständig ist. Nach Entfernung der Ge- Strafrechtsentwicklung im 21. Jahrhun-
seine plötzlichen und unbeherrschbaren schwulst verschwand die Pädophilie – so dert werden.“ Die Justiz wird auf die
Aggressionen waren damit erklärt. urplötzlich, wie sie gekommen war. immer präziseren Erkenntnisse der
Seither gab es immer wieder Fälle, Tumore, aber auch Hirnverletzungen, Hirnforscher reagieren müssen. Wie das
bei denen eine Schädigung des Gehirns seltene Formen von Demenz, ein aus allerdings im Detail passieren soll, ist
Neigungen zu Gewalt, Spielsucht, Dieb- dem Tritt geratener Hirnstoffwechsel zurzeit noch Gegenstand vieler Debatten
stählen oder sogar Pädophilie auslöste. und bestimmte Drogen oder Medika- und wissenschaftlicher Kongresse.
2003 veröffentlichten die US-Neurolo- mente wie etwa Antidepressiva können Wer ein Verbrechen begeht, muss da-
gen Jeffrey Burns und Russell Swerdlow gravierende Verhaltensveränderungen für geradestehen und bestraft werden,

P S YC H O L O G I E H E U T E Ap r il 2 0 1 4
72 Hirnforschung

darüber herrscht weitgehend Einigkeit. Das Problem eines angemessenen aufgewachsen ist, sein Verhalten. Kom-
Wo aber liegt die Verantwortung eines Umgangs mit Tätern wird immer viel- men dann noch angeborene oder im
über Jahrzehnte hinweg harmlosen Tä- schichtiger und vertrackter, je mehr man Laufe des Lebens erworbene Hirnschä-
ters, der, angestoßen durch einen krank- über den Einfluss der Hirnbiologie auf digungen hinzu, wird immer fraglicher,
haften Vorgang in seinem Gehirn, plötz- Straftaten weiß. Die Frage nämlich, ob wie viel an bewusster Kontrolle und
lich eine Straftat begeht? Niemand kann überhaupt und – wenn ja – wie weit der Entscheidungsspielräumen jemand zum
schließlich etwas für einen Tumor, der Mensch frei in seinen Entscheidungen Zeitpunkt seines Verbrechens hatte.
in seinem Kopf wächst und das mora- ist, ist unter Experten durchaus umstrit- Angeheizt wird diese Debatte durch
lische Empfinden, die Empathiefähig- ten und nicht abschließend beantwortet. den technischen Fortschritt, denn bild-
keit oder die Impulskontrolle in Mitlei- Manche bezweifeln, dass Menschen und gebende Verfahren können immer bes-
denschaft zieht. Könnte sich dieser Tä- damit eben auch Straftäter völlig frei ser Hirnanomalien und deren Auswir-
ter auch frei gegen die Tat entscheiden? entscheiden können, was sie tun und kungen auf das Verhalten zeigen. War
Wo ist hier eine Grenze zu ziehen, dies- lassen. Hier spielen unbewusste neuro- man hier früher auf Post-mortem-Un-
seits derer er gerade noch beziehungs- nale Prozesse hinein, überdies beeinflus- tersuchungen angewiesen, können heu-
weise jenseits derer er nicht mehr für sen genetische Faktoren und die Um- te verhaltensrelevante Schädigungen
seine Tat verantwortlich wäre? weltbedingungen, in denen ein Täter bereits am lebenden Patienten diagnos-

Vielleicht sind wir alle gefährlich


Bislang konnte die Wissenschaft noch nicht erklären, was einen Menschen zum Verbrecher macht,
meint der Neurophilosoph Stephan Schleim

Der amerikanische Hirnforscher Adrian Raine schlägt in seinem Sicherheit ist zwar ein berechtigtes Interesse der Menschen.
neuen Buch über die „Anatomie der Gewalt“ ein Programm zur Die übergroße Überzeugungskraft solcher Vorschläge aber ist
Erhöhung der öffentlichen Sicherheit vor: DNA- sowie Gehirntests Ausdruck eines Paradoxes. Denn obwohl wir bereits in sehr siche-
bei volljährigen Männern sollen diejenigen identifizieren, die in ren Gesellschaften leben, in denen weitaus höhere Risiken durch
Zukunft ein Verbrechen begehen werden, um sie bereits vorab den Straßenverkehr oder übertriebenen Konsum von Genussmit-
und unverrichteter Dinge in Sicherungsverwahrung zu nehmen. teln ausgehen, haben viele Menschen Angst vor Gewaltverbre-
Der Ethiker Julian Savulescu von der Universität Oxford setzt sogar chen und nehmen daher Einschränkungen ihrer Freiheit in Kauf.
noch einen Schritt früher an. Es sei rational, wenn man Embryo- Angesichts der propagierten biologischen „Lösungen“ verlieren
nen, die ein mit Kriminalität verbundenes Gen haben, bei einer wir schnell unseren sozialen Handlungsspielraum aus den Augen.
künstlichen Befruchtung nicht einpflanzt. Dabei sind viele Untaten auch gesellschaftlich oder durch die Le-
Was sonst den Stoff für Science-Fiction-Romane wie Brave benssituation bedingt. Und was in einer Situation verboten ist,
New World oder Minority Report liefert, wird inzwischen von das kann in einer anderen Situation das Überleben retten.
Forschern und Philosophen in einflussreichen Positionen vorge- Selbst wenn man der sozialen Perspektive keine Sympathie
schlagen. Dabei ist das Projekt der biologischen Kriminologie, das entgegenbringt, sollten einen die Vorschläge von Raine und Sa-
bereits vom Phrenologen Franz Joseph Gall (1758–1828) angedacht vulescu beunruhigen. Die Anzahl an Genen und Gehirnstrukturen,
wurde und damit schon lange zum Ideenrepertoire der Hirnfor- die man mit verschiedensten Verhaltensdispositionen in Zusam-
schung gehört, immer wieder gescheitert. Sei es unsere Kopfform, menhang bringt, wächst nämlich rapide. Das liegt an den verwen-
ein doppeltes Y-Chromosom oder Hormone, bisher konnte nichts deten statistischen Verfahren, die in großen Stichproben mehre-
davon erklären, was Menschen zu Verbrechern macht. rer Tausend Menschen auch kleinste Zusammenhänge aufspüren.
Auch Savulescu scheint bei seinem Vorschlag zu übersehen, Solche Effekte sind aber nur für einen Bruchteil derjenigen, die so
dass das für den Stoffwechsel im Gehirn so wichtige MAO-A-Gen, ein Gen- oder Gehirnmerkmal besitzen, repräsentativ. Es ist gut
auf das er sich bezieht, nur bei Opfern von Kindesmisshandlung möglich, dass sich bei uns allen ein sogenanntes gefährliches Gen
statistisch signifikant mit Gewalt in Zusammenhang stand. Weder und verdächtige Strukturen im Gehirn finden lassen.
haben alle Verbrecher die Risikovariante dieses Gens, noch bege-
hen alle Menschen mit diesem Genotyp ein Verbrechen. Dies gilt
Stephan Schleim ist Assistenzprofessor für Theorie und Geschichte der Psy-
für alles, was Genetik und Hirnforschung bisher zum Thema Kri- chologie an der Universität Groningen.
minalität ergründet haben.
Hirnforschung 73

War ein Tumor für pädosexuelle Neigungen verantwortlich?


Oder waren sie schon vorher da – und aufgrund des Tumors nicht mehr zu kontrollieren?

tiziert werden. Hirnscans decken den. So war etwa im Beispiel des


unter kontrollierten Laborbedin- pädophilen Lehrers gar nicht ein-
gungen sogar den Unterschied zwi- deutig, ob der Tumor die unkon-
schen erlogenen und echten Erin- trollierbaren sexuellen Neigungen
nerungen auf, können also Entschei- hervorrief. Hatte der Mann sie
dendes über die Glaubwürdigkeit von möglicherweise schon vorher und
Zeugen oder den Hergang von Verbre- konnte sie aufgrund des Tumors dann
chen aussagen. All das verheißt einzig- nur nicht mehr kontrollieren? Außer-
artige neue Möglichkeiten, um Strafta- dem kann es durchaus passieren, dass
ten auf die Spur zu kommen. ähnliche Hirnschädigungen zu völlig
Allerdings: Selbst für Wissenschaft- Schleim gibt unterschiedlichen Verhaltensänderun-
ler liegen diese Dinge nicht immer ganz zu bedenken: „Wenn gen führen.
so eindeutig auf der Hand, wie die Jus- andererseits jemand Hinzu kommt: Selbst mit der mo-
tiz sie eigentlich bräuchte und die Lai- überwiegend funk- dernsten Technik allein ist oft noch nicht
enöffentlichkeit sie oft gerne hätte. tioniert und dann viel gewonnen, dann nämlich, wenn sich
„Zum einen geht es hier um die Frage, plötzlich eine Straftat Psychologen, Psychiater und Justiz über
wie man einen kausalen Zusammen- begeht, dann stellt sich die Verwendung der Ergebnisse nicht
hang zwischen einer Störung der Hirn- natürlich die Frage, wa- einig sind. Was, wenn ein psychologi-
funktion und einer Straftat nachweist rum er mit diesem Hirn- scher Gutachter in seiner Einschätzung
– im strikten Sinne ist das unmöglich. zustand, etwa einem Tu- eines Täters zu einem anderen Ergebnis
Jemand, der so geisteskrank ist, dass er mor, so lange so gut funk- kommt als ein Neurologe anhand sei-
zu Straftaten ,gezwungen‘ wäre, dürfte tionieren konnte und dann ner Interpretation von Hirnbildern?
überhaupt nicht in der Gesellschaft plötzlich eine Tat beging Solche Abwägungen sind extrem
funktionieren. Man kann allenfalls und danach womöglich nicht kompliziert. Stephan Schleim mahnt
überzeugend argumentieren, dass je- mehr. Es ist unerlässlich, in deshalb zur Vorsicht: „Meines Er-
mand beispielsweise aufgrund einer Stö- solchen Fällen den Hirnbe- achtens ist keine Neurorevolution
rung über schlechtere Kontroll- oder fund gegen das abzuwägen, was in Sicht. Im Moment ist es noch
Gedächtnisfunktionen verfügt und da- wir über das Verhalten einer zu früh, neurowissenschaftliche
her ein bestimmtes Verhalten etwas Person generell wissen.“ Nur in Methoden anzuwenden, um die
wahrscheinlicher ist. Richterinnen und Einzelfällen nämlich verursacht individuelle Verantwortung oder
Richter in Deutschland sind aber völlig eine Hirnschädigung allein ein Gefährlichkeit eines Täters abschlie-
frei darin, solche Gutachten in ihre Ent- Verbrechen, meist bildet sie erst mit ßend einzuschätzen. Die Hirnforschung
scheidung einfließen zu lassen oder frühkindlichen Störungen und/oder kann die Rechtspraxis allenfalls auf lan-
nicht“, berichtet Stephan Schleim, As- psychosozialen Umständen das nötige ge Sicht und nur schrittweise verbessern.
sistenzprofessor für Theorie und Ge- explosive Gemisch. Es gibt sehr hohe Erwartungen, die von
schichte der Psychologie an der Univer- Um den Grad der Schuldfähigkeit manchen Hirnforschern weiter angefeu-
sität Groningen. Er forscht auch an ei- festzustellen, muss jeder Fall sehr genau ert werden. Wer aber in der Forschung
nem internationalen Projekt über mo- betrachtet und müssen auch andere tätig ist, macht auch die Erfahrung, dass
ralisches Entscheiden. mögliche Ursachen berücksichtigt wer- viele Methoden und Theorien noch vor-

P S YC H O L O G I E H E U T E Ap r il 2 0 1 4
74 Hirnforschung

Eine Neurorevolution im Strafrecht ist nicht in Sicht. Es ist noch viel zu früh,
die Verantwortlichkeit oder Gefährlichkeit eines Täters abschließend einzuschätzen

läufig sind und wir häufig lungen zuständigen


nur kleine Unterschiede auf präfrontalen Kor-
Gruppenniveau finden – tex trainieren. Sol-
diese lassen sich nicht ohne che neurobiologi-
weiteres auf den Einzelfall schen Therapien
übertragen.“ Und mit Blick wären ein weiteres
auf seine bisherigen Erfah- Gebiet, auf dem For-
rungen fügt er hinzu: „Nach scher der Justiz helfen
meiner Zusammenarbeit mit könnten. Ein anderes,
Rechtswissenschaftlern und freilich recht exotisch
Richtern kann ich sagen, dass ge- anmutendes künftiges Ein-
rade Juristen eher zurückhaltend und satzgebiet sieht Walter Sin-
vorsichtig sind, was die neuen Verfahren nott-Armstrong von der Duke
anbelangt – es sei denn natürlich, ein University: Im Falle einer Amnestie
Anwalt verspricht sich davon einen Vor- aufgrund überfüllter Gefängnisse könn-
teil für seinen Klienten.“ gert, würde das bedeuten, te das Neuroimaging eines Tages dazu
Die Ergebnisse der Neuroforscher dass Täter nicht mehr zur genutzt werden, diejenigen Verbrecher
könnten jedoch Auswirkungen auf den Rechenschaft gezogen wer- auszumachen, von denen – wahrschein-
Strafvollzug haben und auf die Frage, den, sobald die neurologi- lich – die geringste Gefahr ausgehen
was mit einem verurteilten Täter im An- schen Ursachen ihres Fehl- wird. Aber das ist noch reine Zukunfts-
schluss an sein Verfahren passieren soll. verhaltens beseitigt sind. musik. PH
Denn Richter haben nicht nur die Auf- Denn dann wäre der erzie-
gabe, die Umstände einer Straftat zu herische Nutzen einer Haft
klären und den Täter zu bestrafen, son- ja zumindest fragwür-
dern auch die Gesellschaft vor weiteren dig. Auch solche Fragen
Literatur
Verbrechen zu schützen und gleichzei- werden Rechtswissen-
tig über optimale Maßnahmen zur Re- schaftler gemeinsam mit David Eagleman: Inkognito. Die geheimen Eigenle-
ben unseres Gehirns. Campus, Frankfurt am Main
sozialisierung und Rehabilitierung von Hirnforschern zu klären haben. 2012
Inhaftierten zu entscheiden. Wie lehr- David Eagleman geht indes schon ei- Hans J. Markowitsch, Reinhard Merkel: Das Gehirn
und erfolgreich kann aber eine Haft sein, nen Schritt weiter und schlägt spezielle auf der Anklagebank. MaxPlanckForschung 2/2011,
solange beispielsweise ein Tumor im Tätertrainings mit hirnbiologischer 12–17
Gehirn des Täters verbleibt, der mögli- Zielrichtung vor, die etwa die Impuls- Hans J. Markowitsch, Werner Siefer: Tatort Gehirn.
cherweise zur Tat beigetragen hat? Und kontrolle und das Absehen der Folgen Auf der Suche nach dem Ursprung des Verbrechens.
Campus, Frankfurt am Main 2007
müsste dieser Täter nach Entfernung des von Handlungen stärken sollen, sofern
Stephan Schleim: Die Neurogesellschaft. Wie die
Tumors seine Strafe weiterhin verbüßen, diese Fähigkeiten bei einem Inhaftierten Hirnforschung Recht und Moral herausfordert. Hei-
obwohl wahrscheinlich keine Gefahr nachweislich gestört sind. Das Pro- se, Hannover 2010
mehr von ihm ausgeht, wie im Falle des gramm würde dann gezielt den für die Walter P. Sinnott-Armstrong: Neurolaw and con-
pädophilen Lehrers? Ins Extrem verlän- Einschätzung und Kontrolle von Hand- ciousness detection. Cortex, 47/2011, 1246–1247

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76 Literatur und Psyche

„Ich habe
richtige
Sehnsuchts-
gefühle
nach der
Psychiatrie“
Literatur und Psyche 77

I
Joachim Meyerhoff zählt ns Café am Heumarkt in Wien ver- tuell nur noch ein paar Ereignisse erin-
irren sich wohl nur selten Touristen. nern, sondern eher eine Fläche von Er-
zu den intensivsten Denn das traditionsreiche Kaffee- innerungen wieder auferstehen lassen.
haus am Rande der Innenstadt verfügt Und das Schreiben war dafür ein wun-
Charakterdarstellern der
weder über ein Schild, noch ist es an- derbares Werkzeug. Aber ich habe mir
deutschen Bühnenland- satzweise renoviert: Die Einrichtung lange nicht zugetraut, die Texte in Buch-
stammt aus den 1950er Jahren, auch die form herauszubringen. Deshalb habe ich
schaft. Doch seit einigen zwei einsamen alten Herren am Ecktisch sie ja auch zuerst auf die Bühne gehoben,
Jahren verfolgt der scheinen zum Mobiliar zu gehören. Da als durch Erzählungen ergänzte Lesun-
kommt mit Schwung Joachim Meyer- gen.
Theaterschauspieler hoff durch die Tür, groß, schlank, kahl, P H Sie haben Ihre Geschichten zu-
eine zweite künstlerische mit einer schwarzen Hornbrille auf der nächst als Soloabende in sechs Teilen
Nase. „Schön ruhig hier, oder?“, sagt er am Burgtheater gezeigt – ein Publi-
Karriere: Er schreibt zur Begrüßung in den leeren Raum. Am kumsrenner.
Romane über sein Leben. Akademietheater direkt gegenüber – ei- M E Y E R H O F F Ich wollte erst mal ler-
nem Spielort des Burgtheaters – steht nen, mit den Texten umzugehen. Und
Mit Psychologie Heute Meyerhoff oft auf der Bühne, aktuell als auf der Bühne fühlte ich mich viel ge-
sprach Meyerhoff über Tartuffe oder in der Rolle des Kommu- schützter, weil es eben eine Rolle war.
nenführers in Die Kommune, für die er Ein schöner Nebeneffekt war außerdem,
seine Kindheit als Sohn 2012 den Wiener Nestroypreis als bester dass ich durch die physische Erfahrung
eines „Psychiatriekönigs“ Schauspieler erhielt. Doch wir wollen des Erzählens viel mehr Erinnerungen
nicht übers Theater reden, sondern über wachrufen konnte, als wenn ich nur ge-
und die Lust, die Vergan- Joachim Meyerhoffs Bücher: Seine au- schrieben hätte. Und dann trat irgend-
tobiografischen Romane Alle Toten flie- wann der Verlag an mich heran. Meine
genheit neu zu erfinden
gen hoch (2011) und Wann wird es end- Geschichten sind also endlich da ange-
lich wieder so, wie es nie war (2013) sind kommen, wo sie sein sollten, in der Flä-
mittlerweile Bestseller. Darin erzählt der che des Romans. Wenn ich heute schrei-
Mitvierziger von einer verrückten Fa- be, ist das aber immer noch, als wenn
milie an einem verrückten Ort, von ich performe: Ich muss laut lesen und
einem Vater, der über 1500 Psychiatrie- erinnere mich dabei an die Reaktionen
patienten herrschte und ein heimliches der Zuschauer. Dann springt der Funke
Parallelleben führte, von einer tatkräf- über.
tigen und doch labilen Mutter, von ei- P H In Ihrem ersten Roman Alle Toten
nem Sohn, der Blutsbrüderschaft mit fliegen hoch schreiben Sie über Ihr sehr
seinem Hund zu schließen versucht. Es komisches Schüleraustauschjahr in den
geht um Freude und Verlust, um Sehn- USA. Doch es gibt auch viel Traurigkeit,
sucht und den Wahnsinn des Lebens. denn inmitten dieser Zeit stirbt einer
Meyerhoff bestellt sich einen kleinen Ihrer Brüder. Es ist also ein lustiges Buch
Braunen und legt los. mit tieftraurigen Momenten. Ihr zwei-
tes Buch Wann wird es endlich wieder so,
P S YC H O L O G I E H E U T EHerr Meyer- wie es nie war ist eher ein tieftrauriges
hoff, Sie haben vor einigen Jahren be- Buch mit vielen lustigen Momenten: Es
gonnen, Ihre Familiengeschichte nieder- handelt von Ihrer Kindheit auf dem Ge-
zuschreiben. Aktuell sitzen Sie am drit- lände einer großen Kinder- und Jugend-
ten Band ihrer höchst ungewöhnlichen psychiatrie, von der unglücklichen Ehe
Lebenserinnerungen. Woher kommt der Eltern, vom qualvollen Krebstod
diese Lust am Erinnern und Erzählen? Ihres Vaters. Traurigkeit und Lachen,
J OAC H I M M E Y E R H O F F Aus dem Un- gehört das für Sie zusammen?
glück. Mit Mitte dreißig merkte ich, dass M E Y E R H O F F Unbedingt. Meine Fa-
meine eigene Geschichte zu Anekdoten milie war ja ein komischer Zwitter: eine
zusammenschrumpft. Das fand ich glückliche und zugleich todunglückli-
schrecklich. Ich wollte nicht mehr punk- che Familie. Eine zerstörte Familie

P S YC H O L O G I E H E U T E Ap r il 2 0 1 4
78 Literatur und Psyche

„Bei uns gingen Patienten, Pfleger und Ärzte ein und aus.
Die Psychiatrie war für mich eine Art beglückende Extremwelt“

durch Verluste, durch das Unglück mei- Riesengebilde mit vielen schrecklichen Jahr einen speziellen Freund auf dem
ner Eltern, durch Betrug und Affären. Leidensgeschichten. Aber diese morali- Gelände. Mein Vater hat das immer ein
Andererseits eine total heile Familie mit schen Kriterien hat man ja nicht als bisschen zu lenken versucht: „Mit dem
einem ganz eigenen und verbindenden Kind. Ich habe es dort geliebt, für mich lieber nicht so nah, das ist nicht so un-
Humor. Es ist für mich eine befreiende war es ein paradiesischer Ort. Als ich gefährlich“. Es gab auch strenge Regeln,
Vorstellung, dass es eigentlich immer vor drei Jahren mal wieder da war, war als ich kleiner war, durfte ich nicht
zwei Wahrheiten gibt. Dass man trotz alles dezentralisiert. Und ich fühlte abends über das Psychiatriegelände lau-
schlimmster Verluste und Lebenskrisen mich, als ob ich eine Welt verloren habe. fen. Mir ist aber nie etwas passiert, es
immer noch die Chance des Lachens hat Obwohl es für die Patienten so natürlich ist ohnehin erstaunlich wenig passiert.
über das, was einem zustößt. Letztend- viel besser ist. Wenn, dann wurde ich vielleicht mal
lich bin ich wohl doch ein lebensfroher P H Was haben Sie daran geliebt? erschreckt oder angefasst.
Mensch. Dem Menschen ist aufgegeben, M E Y E R H O F F Das Klinikgelände war P H Haben Sie die Patienten als krank
etwas Lustvolles zu entdecken. Das für mich eine Art Hofstaat. Mein Vater wahrgenommen, oder war das für Sie
klingt zwar banal, muss man aber erst war der Direktor, meine Mutter Frau als Kind keine Kategorie?
mal lernen. Direktor und wir Kinder die Söhne des M E Y E R H O F F Ich habe die Welt dort
P H Es gelingt Ihnen ja immer wieder, Psychiatriekönigs. Wir lebten in einer als völlig gottgegeben angenommen. Na-
auch dem Leiden noch eine gute Anek- alten Villa im Zentrum des Geländes, türlich haben mich manche Dinge irri-
dote zu entringen. Der Ort Ihrer Kind- um uns herum ringförmig die Anstalts- tiert, aber nicht mehr, als mich manche
heit, die psychiatrische Heil- und Pfle- gebäude. Bei uns gingen Patienten, Pfle- Dinge an meinen Brüdern irritiert ha-
geanstalt Hesterberg in Schleswig mit ger und Ärzte ein und aus. Und natürlich ben. Als ich älter war, änderte sich das
1500 Patienten, mag in den 1970er Jah- war die Psychiatrie für mich auch eine natürlich ein bisschen. Da war mir dann
ren für viele ein Hort des Grauens ge- Art beglückende Extremwelt. Wenn je- die Übergriffigkeit vieler Patienten un-
wesen sein, doch Sie haben in Ihren Bü- mand auf ein Psychiatriedach klettert angenehm: Dieses häufige Umarmtwer-
chern viele skurrile Geschichten darüber und dort oben Kissen anzündet und den, die gelegentliche Nacktheit, die un-
zu erzählen. diese brennenden Kissen vom Dach vermittelte Nähe, die oft über einen he-
M E Y E R H O F F Damals hieß die Klinik wirft, überall brennende Federn, das reinbrach. Je älter ich wurde, desto mehr
noch Landeskrankenhaus für Kinder- vergisst man ja nicht, das sind wahn- wusste ich auch um die Stationen. Aber
und Jugendpsychiatrie, dort lebten aber sinnige Geschichten. Viele der Patienten dass ich die Patienten bestimmten Stö-
nicht nur psychisch kranke Kinder, son- waren zwar in ihr Drama gebannt, aber rungsbildern zuordnen konnte, das dau-
dern auch schwer körperbehinderte und eben in einer überbordenden Deutlich- erte lange.
lernbehinderte Kinder. Und viele er- keit oder Lebendigkeit. Nach dieser Le- P H Sie wussten zumindest früh über
wachsene Patienten, die dort aufgewach- bendigkeit sehne ich mich manchmal die Fachbegriffe Bescheid: Als Sie mit
sen waren und den Wechsel von einer heute noch. zwölf Jahren im Gruppenskiurlaub an
Kinder- und Jugendpsychiatrie in die P H Sie fanden als Kind ja auch Freun- Heimweh litten, erklärten Sie dem Rei-
Erwachsenenpsychiatrie nicht mitge- de unter den Patienten, zum Beispiel den seleiter, Sie hätten eine manische De-
macht hatten. Eigentlich war dieser Autisten Ferdinand, der bevorzugt Kat- pression entwickelt und müssten abge-
Kindheitsort tatsächlich ein schreckli- zen im Querschnitt zeichnete. Oder den holt werden.
cher Ort: In den 1970er Jahren gab es in riesenhaften „Glöckner“, auf dessen M E Y E R H O F F Das waren Begriffe, die
den Psychiatrien zwar schon viel Auf- Schultern Sie über das Anstaltsgelände immer herumschwirrten. Schon als
bruch und Zuwendung, aber auch noch galoppieren durften. Fünfjähriger kannte ich Wörter wie
unendlich viel Düsternis. Es war ein M E Y E R H O F F Ich hatte bestimmt jedes Neurose, Psychose, Schizophrenie, epi-
Literatur und Psyche 79

chen Vorgängen und eine starke Schutz-


losigkeit. Was daran schlimm sein soll,
kann ich nicht nachvollziehen. Und das
erinnert mich manchmal an diese Un-
einsichtigkeit von Patienten, die einfach
nicht begreifen, warum sie etwas anzie-
hen sollen, wen das denn um Gottes
willen stören soll. Ich glaube an Arbeit
und Wildheit auf der Bühne, an Drang
und Druck, an Lust, an ganz elementa-
re Zustände.
P H Für diese intensive Bühnenpräsenz
und Körperlichkeit werden Sie ja auch
gerühmt.
ME YERHOFF Obwohl sich das gegeben
hat. Ich mache diesen Beruf ja schon 25
Jahre und frage mich manchmal, ob ich
intensive Aufführungen wie den Me-
phisto am Hamburger Schauspielhaus
oder den Hamlet in Zürich noch so
schaffen würde. Damals war ich nach
den Vorführungen schon am Rand mei-
ner Kräfte. Und jetzt bin ich Mitte vier-
zig und spiele manchmal Vorstellungen,
nach denen ich nicht mal mehr duschen
muss. Da denke ich mir: Bin ich jetzt in
meinem Alterswerk angekommen?
P H In Ihren Romanen beschreiben Sie
sich als zappeliges Kind mit starken Kon-
zentrationsproblemen und unerklärli-
chen Wutausbrüchen. Ihre Brüder
nannten Sie „Die blonde Bombe“ und
machten sich einen Spaß daraus, Sie zur
Explosion zu bringen. Steckt hinter Ih-
rer Lebendigkeit auf der Bühne auch
P H Haben diese Erlebnisse, die diese große Unruhe?
„Jeder psychiatrische Fall exzessiven Gefühlsausdrücke M E Y E R H O F F Früher auf jeden Fall. Ich
hat, wenn man ihn einem und die „Theatralik“ dieses Or- habe jahrelang auf der Bühne unglaub-
tes Sie darin geprägt, Schauspie- lich ackern müssen, um dort etwas zu
Kind erzählt, auch etwas ler werden zu wollen? erleben. Ich bin kein feinsinniger
M E Y E R H O F F Es gibt sicherlich Mensch, ich musste immer schwer agie-
Märchenhaftes“ einige Überträge aus dieser Zeit. ren, damit sich etwas einstellt, das ich
Vielleicht die vielen inneren Bil- mir selbst glaube. Ich hatte ganz schnell
der und meine eigene Lust an Ex- das Gefühl, neben mir zu stehen und
leptischer Anfall, frei flottierend, Psy- tremsituationen. Ich habe zum Beispiel mich selbst zu beobachten. Und das
chopharmaka, Zwangseinweisung … überhaupt kein Problem mit Nacktheit hängt sicher mit der Kindheit zusam-
Das medizinische Gespräch war zu Hau- auf der Bühne, obwohl das ja nach wie men. Als Kind fühlte ich mich durch
se unser Kernthema. Und mein Vater vor ein großes Thema zu sein scheint. meinen Zorn und meine Dekonzentra-
war ein großer Erzähler. Jeder psychia- Momentan spiele ich am Burgtheater tion wie fremdbestimmt, ich war nie eins
trische Fall hat, wenn man ihn einem Robinson Crusoe, und natürlich sitzt mit mir. Ich habe immer irritiert von
Kind erzählt, ja auch etwas Märchen- der nackt auf der Insel. Darin sehe ich außen auf mich selbst geschaut und
haftes und Theatralisches. einfach eine Sehnsucht nach kreatürli- wusste oft dann nicht mehr, wer jetzt

P S YC H O L O G I E H E U T E Ap r il 2 0 1 4
80 Literatur und Psyche

„Die Vergänglichkeit hat doch etwas Gutes. Am Theater ist jede


Produktion eine Vergänglichkeitsfeier“

M E Y E R H O F F Er sah meine Schwierig- Kinder hat, ist das aber gar nicht so ein-
keiten nicht als zu therapierende Krank- fach, die brauchen ja Orientierung. Aber
heit, sondern als Aufgabe für die Fami- es geht. Erstaunlicherweise geht beides.
lie. Das war gut für mich. Vielleicht war P H In beiden Büchern erzählen Sie vie-
mein Vater aber auch schlichtweg nicht le lustige Geschichten über Ihre Familie:
bereit, seine Kinder mit Krankheiten zu Etwa wie der Vater der Mutter zu Weih-
stigmatisieren. nachten ein elektrisches Küchenmesser
P H Ihre Eltern verfielen auf interessan- schenkt und die Mutter damit aus Wut
te Therapiemethoden: Bei Ihren Wut- die rohen Pansen für den Hund zu zer-
anfällen setzte Ihre Mutter Sie auf die kleinern beginnt, woraufhin der Vater
wen beobachtet: Beobachte ich mich rüttelnde Waschmaschine. „Beruhi- seine Adalbert-Stifter-Gesamtausgabe
oder beobachte ich den, der mich beob- gungswaschgang“ nennen Sie das in Ih- zu zersägen beginnt. Aber auch äußerst
achtet? rem Buch. Haben Sie sich als Kind denn intime Details: Sie erzählen, wie Ihre
P H Da war es vermutlich entlastend, als „krank“ empfunden? Mutter die Habilitation des Vaters ver-
als Schauspieler in fremde Rollen zu M E Y E R H O F F Nie. Ich fühlte mich un- fasste, wie der Vater die Mutter syste-
schlüpfen? glaublich geborgen. Aber heute scheinen matisch betrog, wie die Mutter immer
M E Y E R H O F F Genau, im Theater ist Eltern sehr entlastet, dass es diese Dia- wieder in seelische Krisen glitt. Nun sind
das der ganz normale Arbeitsvorgang. gnose gibt. Weil etwas benannt werden Ihr Vater und Ihr mittlerer Bruder be-
Man ist körperlich da, man steht neben kann. Ob das für die Kinder gut ist, ist reits verstorben. Gab es nach der Pub-
sich, und man hat die Rolle. Dann ist eine andere Frage. Ich finde es schon likation dennoch Spannungen inner-
man also schon zu dritt. Und dann steht bedrückend, wie viel Ritalin heute ver- halb der Familie?
man noch neben der Rolle, dann ist man schrieben wird. Man kann ja noch gar M E Y E R H O F F Meine Mutter und mein
zu viert. Und das hat mich sehr ent- nicht abschätzen, welche Langzeitwir- Bruder sind über die Theaterabende ja
spannt. Ich fand es höchst entlastend, kungen das hat. langsam an die Bücher herangeführt
keine Einheit sein zu müssen. P H Es heißt, dass Kinder mit ADHS worden. Aber ich glaube schon, dass es
P H Würde man Ihren kindlichen Kon- dann gut lernen können, wenn sie Be- nicht leicht und manchmal vielleicht
zentrationsstörungen heute das Label geisterung für ein Thema verspüren. auch schmerzlich war. Für meine Mut-
ADHS geben? M E Y E R H O F F Das leuchtet ein. So ist ter ist das aber mittlerweile dreißig Jah-
M E Y E R H O F F Ich glaube schon. Ich es ja auch mit der Schauspielerei: Im re her, und sie hat seitdem so viel Leben
hatte wohl eine klassische ADHS-Dia- Moment, wo man die Verschmelzung gelebt, dass sie auch Distanz hat. Die
gnose. Diese unkontrollierbaren Zor- mit dem Charakter forciert, geht’s nicht. unmittelbare Nähe zu dem Eigenen, die
nesausbrüche, diese Schulprobleme, die- Es geht nur durch Entspanntheit, Lust ist ja manchmal gar nicht da. Man wä-
se Schwierigkeiten, mich zu konzentrie- oder Freude. Das ist geradezu ein bös- re so gern die Summe seiner Erfahrun-
ren. Mich hat es sehr unglücklich ge- artiges System. Aber meine Schwierig- gen, bleibt aber bisweilen merkwürdig
macht, wenn ich mich konzentrieren keiten legten sich schon viel früher, in unberührt vom eigenen Leben.
musste. Am Tisch zu sitzen und zu lesen Amerika. Als mein Bruder starb, hatte P H Ist das für Sie eine schmerzliche
war für mich eine reine Unglückssitu- ich das Gefühl, ab sofort Verantwortung Einsicht?
ation. Aber dadurch, dass es diese Dia- für meine Eltern tragen zu müssen. Da M E Y E R H O F F Nein, überhaupt nicht.
gnose noch nicht gab, gab es auch die ist mein Kindheitsgebäude eingestürzt. Die Vergänglichkeit hat doch etwas Gu-
Krankheit noch nicht. Noch heute werde ich allerdings nervös, tes. Es entsteht immer etwas Neues. So
P H Wie ist Ihr Vater als Direktor einer wenn das Leben zu normale Bahnen an- ist es auch am Theater, da ist jede Pro-
Kinder- und Jugendpsychiatrie damit nimmt. Ich suche eigentlich noch immer duktion eine Vergänglichkeitsfeier.
umgegangen? die Desorientierung. Wenn man selbst Schlimm finde ich stattdessen, wenn
Literatur und Psyche 81 WEGE ZURÜCK
INS LEBEN

man sich dauernd absichert. Das führt tige Sehnsuchtsgefühle nach der Psych-
zu einer emotionalen Enge. Wenn man iatrie. In Wien gibt es das berühmte
sich aber so verletzlich und zerbrechlich Otto-Wagner-Spital, die frühere Stein-
zeigt, wie man es im Leben halt ist, dann hof-Psychiatrie, ein fantastischer alter kate n. thieda

wird alles leichter. Jugendstilbau mit vergitterten Fenstern.


P H Wie viele Lebenserinnerungsroma- Da fahre ich oft hin, um zu schreiben. IC
C H B IN
N
ne planen Sie noch? Viele Erinnerungen habe ich dabei wie- A N D EII N E R
M E Y E R H O F F Derzeit schreibe ich am der hochgeholt: Es gibt eine Episode in SE
EITE Hilfen für

neu
Partner von
Menschen
dritten Teil, der handelt vom Leben mei- meinem Buch, da beschreibe ich, wie mit Ängsten

ner Großeltern. Die waren ein ziemlich die Patienten am Hesterberg dauernd
exzentrisches Paar: eine Schauspielerin vor den Gebäuden stehen und rauchen.
200 Seiten, Paperback, € 17,99 [D]
und ein Philosoph. Nach dem Reisero- Daran habe ich mich in Steinhof wieder ISBN 978-3-8436-0488-8
man und dem Heimatroman also ein erinnert: Auch da sitzen die Patienten Mit Ängsten leben zu müssen, belastet
historischer Roman. Der vierte und letz- immer auf Plastikstühlen vor den Sta- nicht nur den Betroffenen selbst,
te Teil dreht sich dann um meine un- tionseingängen und quarzen einfach die sondern auch den Partner. Frust, Hilf-
losigkeit und Wut bleiben bei allem
Zeit weg. Psychiatriepati- Mitgefühl und aller Liebe nicht aus.
enten haben eine ganz spe- Die Autorin unterstützt dabei, mit
„Die Schauspielerei und das zielle Art des Rauchens, sie diesen Gefühlen umzugehen und
gehen einerseits vollkom- zeigt, wie es gelingt, für den Partner da
Schreiben ermöglichen Dinge, men im Moment auf, wir- zu sein und gleichzeitig auf die eigenen
Bedürfnisse zu achten.
die man noch nicht so recht ken aber gleichzeitig un-
endlich verloren.
WO UNSERE
einschätzen kann“ P H Nun haben Sie 2013
SEELE EIN
nach sieben Jahren das
Burgtheater in Wien ver- ZUHAUSE FINDET
glücklichen Jahre als junger Schauspie- lassen, um als festes Ensemblemitglied eugen drewermann
ler in Orten wie Kassel und Bielefeld. nach Hamburg ans Deutsche Schau- michael albus
Quasi ein Künstlerroman. Danach ist spielhaus zu gehen. Warum zieht es Sie
Schluss. in den Norden zurück?
P H Warum eigentlich das Label „Ro- M E Y E R H O F F So ganz verstehe ich es
man“? Sie schreiben ja über ziemlich auch nicht. Wien ist die erste Stadt, in
konkrete Lebenserinnerungen.
M E Y E R H O F F Weil ich beim Schreiben
der ich mich vom ersten Tag an zu Hau-
se gefühlt habe. Ich bin richtig glücklich
WEGE
aus dem
entdeckt habe, dass ich meiner Vergan- in dieser Stadt. Aber ein Neuanfang an Niemandsland
d
oder:
genheit wehrlos gegenüberstehe, wenn einem Haus wie dem Deutschen Schau- Wo unsere
Seele ein
ich mich authentisch zu erinnern ver- spielhaus ist auch eine tolle Herausfor-
suche. Die Vergangenheit ist genauso derung. Die Schauspielerei und das
Zuhause
findet neu
unwegsam wie das, was noch vor einem Schreiben haben ja den Reiz, dass man
liegt. Wenn ich mich aber befugt fühle, sich Dinge ermöglichen kann, die man 224 Seiten, Hardcover, € 17,99 [D]
Dinge zu erfinden, wird das viel runder noch nicht so einschätzen kann. Und ISBN 978-3-8436-0482-6

und saftiger. Und erstaunlicherweise ich möchte nicht zum Verwalter der ei- In der Partnerschaft konkurrieren
die Bedürfnisse von »Ich« und »Du«
tauchen dabei lauter wahrhaftige Dinge genen Eindrücke werden, das wäre für
und die Sehnsucht nach Verschmel-
auf. Ich habe aus erinnerten Dialogen mich ein trauriger Zustand, weil man zung in der Liebe bleibt unerfüllt.
Geschichten geschrieben, aus räumli- dann so wenig riskiert. Aber vielleicht Vor lauter Pflichten kommen alle
chen Erinnerungen, aus erinnerten Ge- geht das auch voll nach hinten los. An- anderen Neigungen und Interessen
zu kurz. Die Autoren beschreiben
fühlszuständen – und dann erfinde ich scheinend gibt’s bei mir etwas, das mich
solche Gegensätze im Denken,
etwas dazu, und es fühlt sich stimmig gegen das eigene Glück vorantreibt. PH Fühlen und Handeln und zeigen
an. Für mich ist das ein Wunder. Danach ■ Mit Joachim Meyerhoff Auswege, damit die Seele wieder ein
wird man ein bisschen süchtig. sprach Anne-Ev Ustorf Zuhause findet.
P H Haben Sie noch heute eine Affinität VIDEO
Joachim Meyerhoff liest aus „Wann wird es endlich www.patmos.de
zu Psychiatrien? wieder so, wie es nie war“ www.facebook.de/lebegut
M E Y E R H O F F Absolut, ich habe rich- http://www.youtube.com/watch?v=8s47AC1ffHc

P S YC H O L O G I E H E U T E Ap r il 2 0 1 4
82

Buch & Kritik


R E DA K T I O N : K AT R I N B R E N N E R - B E CK E R

Urlaub
von der
Realität
Die Esoterik ist in der Mitte
der Gesellschaft angekom-
men. Zwei Autoren versu-
chen zu ergründen, worin
die Faszination esoterischer
Angebote liegt

Jährlich geben die Deutschen Milliarden


für Wahrsager, Geistheiler und Chan-
neling aus. Jeder Siebte ist ein „spiritu-
eller Sinnsucher“, jeder Vierte glaubt an
die Wiedergeburt.
Warum fallen so viele Menschen so-
gar auf die abstrusesten esoterischen
Angebote herein? Was fasziniert sie am
Pendeln und an Reinkarnationsreisen?
Wie schaffen es esoterische Anbieter,
selbst bodenständige Menschen so in
den Bann zu ziehen, dass sie ihr gesam-
tes Vermögen dafür ausgeben? Bernd
Kramer und Johannes Fischler gehen in
ihren Büchern diesen Fragen auf den gebliche Mönchsvergangenheit bei einer hen, bei dem Kramer erstaunliche Fä-
Grund – jeder auf seine Weise. Reinkarnationstherapeutin. Sehr an- higkeiten bei sich entdeckt. Gut gelun-
Mit journalistischer Neugier schleicht schaulich beschreibt er, wie diese ihn gen ist aber auch hier die Beschreibung
sich Bernd Kramer in die Szene ein, ei- zwei Stunden mit suggestiven Fragen der gruppendynamischen Prozesse, de-
ne Welt, vor der „ihm graut“. Auf einer immer mehr dazu treibt, eine passende nen sich der Autor nicht ganz entziehen
Esoterikmesse lässt er sich von einem Geschichte zu erfinden. Er merkt, wie kann.
„Heiler“ erklären, dass seine innere Un- er sich plötzlich mit der Mönchsfigur Neben Kramers persönlichen Erleb-
ruhe dem Gefühl der Machtlosigkeit identifiziert, sie schützen und heil aus nissen in der Esoterikszene liefert sein
entspringt, das er aus seinem früheren der Geschichte herausbringen will. Et- Buch Erleuchtung gefällig? auch Exkur-
Leben als Mönch mit sich herumtrage. was langatmig gerät die Beschreibung se zur Geschichte der Esoterik und ih-
Der Autor staunt und vertieft seine an- des Wochenendseminars zum Hellse- rem Verhältnis zur Religion. Denn im
Buch & Kritik 83

Bernd Kramer: Erleuchtung


gefällig? Ein esoterischer
Selbstversuch. Ch. Links,
Berlin 2013, 208 Seiten,
V 16,90

Johannes Fischler: New Cage.


Esoterik 2.0 – Wie sie die
Gegensatz zur Religion geht es bei Eso- Köpfe leert und die Kassen
füllt. Molden, Wien 2013,
terik immer um eine „vermeintliche Le- 288 Seiten, V 19,99
bensverbesserung“, was dem verbreite- LESEPROBE
ten Wunsch nach Selbstoptimierung
entgegenkommt. Anhand eines Fallbei-
spiels beschreibt der Autor den typi-
schen Weg einer Frau ins esoterische
Milieu: Schwierigkeiten im Job und in
der Familie und die Empfehlung einer Bei Johannes Fischlers Buch New derne Unternehmer, die auf die Erschlie-
Freundin hatten sie zu einer spirituellen Cage steht dagegen die knallharte Ana- ßung eines größtmöglichen Massen-
Lebensberaterin mit Kontakt zum lyse des Esoterikmarktes im Mittel- markts zielen. Wie Urlaubsclubs künst-
Geistwesen Seth geführt. Über das Buch punkt. Bei „Esoterik 2.0“ – so der Un- liche Reservate abseits der hyperkom-
verstreut – und damit leider etwas zer- tertitel – geht es längst nicht mehr um plexen Realität schaffen, so bieten Eso-
rissen –, wird ihre Geschichte immer sektenähnliche Zirkel alternativer Spin- teriker mit ihren spirituellen Weltent-
wieder aufgegriffen. Sie wird Mitglied ner, sondern um die Anwendung ausge- würfen einen „Urlaub von der Realität“.
einer Gruppe, die sich als Inkarnation feilter Werbe- und Geschäftsmethoden, Sie bauen Markenwelten mit Seminaren,
der zwölf Apostel sieht, sich gegenseitig wie man sie auch von großen Konzernen Büchern, CDs, Essenzen und Zertifika-
die Seele seziert und schließlich ihr ge- oder Kultmarken wie Apple kennt. Das ten und verkaufen selbst das passende
samtes Leben kontrolliert. Geschäft floriert dank ausgeklügelter Duschgel, mit dem man seine seelischen
Höhepunkt seiner Reise in die Welt Werbepsychologie, internationaler Ver- Blockaden einfach wegduschen kann.
des Übersinnlichen ist sein Auftritt auf triebsstrukturen und eines gut organi- Fischler, selbst Experte für Onlinemar-
einer Esoterikmesse, wo er mit einem sierten Onlinehandels. Doch das, warnt keting, liefert Informationen zum
zum Karma-Kamm umfunktionierten der Psychologe, ändere nichts daran, Marktvolumen und seziert die Marke-
Rückenkratzer eine Aura-Restrukturie- dass Esoterik nach wie vor für viele Men- tingmethoden des Esoterikmarkts.
rung anbietet. Man fiebert richtig mit, schen zu einem Gefängnis – dem New Sein Buch ist eine schonungslose Ab-
wie Kramer ständig darauf wartet, dass Cage – wird, aus dem sie sich nicht oder rechnung mit der Branche, die dank ih-
sein Unsinn auffliegt, und zunehmend nur unter großen persönlichen und fi- rer unheilvollen Wirkungsschleife auch
hilflos reagiert, als selbst dieser abstru- nanziellen Verlusten befreien können. weiter boomen dürfte: Die Anhänger
se Schwindel funktioniert. Auf der Su- Fischlers Buch ist persönlich moti- erniedrigen sich in der Hoffnung auf ein
che nach einer Erklärung für seine ver- viert. Hilflos musste der Psychologe mit- besseres Leben oder die Erleuchtung und
blüffenden Erfolge stößt er auf den Bar- erleben, wie ein Pärchen aus seinem Be- lassen dadurch die Anbieter in ihrem
num-Effekt: Man nutzt so vage Persön- kanntenkreis immer tiefer in die bizar- Glanz erstrahlen, was diese wiederum
lichkeitsbeschreibungen, dass sich jeder re Parallelwelt von Engeln abdriftete. noch attraktiver für ihre Anhänger
darin wiederfindet und glaubt, der an- „Mein Beweggrund war purer Leidens- macht und Sinnsuchende anzieht.
dere wisse alles über ihn. Als Kramer, druck“, gesteht er. Fischler begibt sich Auch wenn beide Autoren das Thema
der sich als Berater bei einer Astro-Hot- in die Welt der Engelvermarkter, besucht unterschiedlich angehen, gemeinsam
line eingeschlichen hat, das bewusst be- Engelfestivals und erkundet eine spiri- sind ihnen das Entsetzen und die Fas-
rücksichtigt, stößt er auf helle Begeiste- tuelle Kaderschmiede. sungslosigkeit, wie immer mehr Men-
rung bei seinen Kundinnen. Sein „eso- Für den Autor ist Esoterik längst eine schen für übersinnlichen Humbug be-
terischer Selbstversuch“ ist gut geschrie- Epidemie, die unsere gesamte Gesell- reitwillig ihre Freiheit aufgeben. Kramer
ben und liest sich amüsant. Kramer schaft durchdringt. „Esoterik hat was fasst das so zusammen: „Esoterik ist der
begibt sich in die Höhle des Löwen und von Modern Talking, jeder findet sie Weg des Menschen in die selbstverschul-
merkt, wie er selbst manchmal fast in dämlich, doch das Geschäft boomt trotz- dete Unmündigkeit.“
die Falle geht. dem.“ Spirituelle Führer sind heute mo- ■ Bärbel Schwertfeger

P S YC H O L O G I E H E U T E Ap r il 2 0 1 4
84 Buch & Kritik

„Die Lusthemmung ist


unser Gegner“
Ein amerikanisches Therapeutenpaar will Paaren zu mehr
Sex verhelfen, pathologisiert dabei aber seine Zielgruppe

Das Buch mit dem programmatischen Lebens- und Beziehungsdauer die sexu-
Titel Verlangen entfachen wurde von elle Aktivität generell abnimmt und die
Barry und Emily McCarthy geschrie- genital-sexuelle Aktivität bei den meis-
ben, einem Paar, das sich in der (angeb- ten Paaren oftmals nur selten oder pha-
lichen) Einheit von Leben und profes- senweise auch gar nicht stattfindet und
sioneller therapeutischer Arbeit „seit im höheren Alter (und manchmal auch
über 40 Jahren“ als Vorbild zu erken- schon deutlich früher) eingestellt wird.
nen gibt. Solche therapeutischen „Vor- All das kann ein großes Problem sein,
zeigepaare“ sind besonders in den USA das – sofern mindestens eine/r der bei-
populär, man denke etwa an das ame- den darunter deutlich leidet – einer Be-
rikanische Sexforscher-Ehepaar Mas- handlung bedarf. Es muss aber kein Pro-
ters und Johnson. In Europa dagegen blem sein, wenn das Paar auf andere
wird private Existenz und therapeuti- Weise Nähe und Intimität miteinander
sche Arbeit von Paartherapeuten weni- leben kann oder beide vielleicht gar nicht
ger vermischt. so viel Intimität wünschen oder aushal-
ten.
Barry McCarthy, Das Buch dünstet starken sexuellen
Emily McCarthy: Das Leistungsdruck aus und pathologisiert
Verlangen entfachen.
Hilfe für Paare, die
Millionen von Paare, die wenig oder kei-
wenig oder keinen nen Sex haben. In der therapeutischen
Sex haben. Aus dem
Englischen von Alain
Arbeit von McCarthy und McCarthy
Kleinschmied. Huber, gilt: „Die Lusthemmung ist unser ge-
Bern 2013, 270 S., meinsamer Gegner.“ Hier wird ein ge-
V 24,95
waltiger Markt geschaffen – laut den
Autoren gilt das für ein Drittel aller Ehe-
paare (angeblich haben 20 Prozent aller
Im ersten Teil des Buches geht es zu- Paare keinen und 15 Prozent wenig Sex,
nächst darum, warum „manchen Paa- definiert als seltener als alle zwei Wo-
ren das Begehren abhandenkommt“. chen – doch auch hierzu wird keine Li-
Und da werden viele kühne statistische teraturquelle genannt).
Thesen aufgestellt, die mit nichts unter- Das ist ökonomisch nützlich für Paar-
mauert werden, wie etwa die folgende und Sexualtherapeuten, aber es ist frag-
Behauptung: „Wenn es beim Sex aber lich, ob es Betroffenen hilft. Nützlich
Probleme gibt oder er gar nicht stattfin- dagegen sind viele Aspekte der klini-
det, wird sein Einfluss übermächtig; der schen Arbeit von McCarthy und Mc-
Mangel bestimmt die Beziehung zu 50 Carthy, die – ohne dass das explizit be-
bis 70 Prozent und nimmt der Paarbe- nannt würde! – geprägt zu sein scheint
ziehung Intimität und Vitalität.“ Sexu- von klassischer Masters-und-Johnson-
elle Inaktivität oder Lustlosigkeit wer- Sexualtherapie, der Bindungstheorie
den pathologisiert, unter völliger Miss- und der Emotion Focused Couple The-
achtung von empirischen Daten. Diese rapy sowie vielleicht auch einer kleinen
belegen nämlich, dass mit zunehmender Prise des Ansatzes von David Schnarch.
Buch & Kritik 85
ZZZORODVZHOWGH

VON FRUST ZU LUST?


Kein Toter sei so gut begraben wie eine erloschene Leidenschaft, beschied
die Dichterin Marie von Ebner-Eschenbach.
Stimmt nicht, ermutigt David Schnarch. Begehren lasse sich reanimieren
– allerdings nicht mit Sexspielzeug und Kamasutra. Seinen Bestseller Die
Psychologie sexueller Leidenschaft gibt es nun als CD. Entlang der therapeu-
tischen Begleitung eines Paares Ende 30 – er will mehr Sex, sie mehr Zu-
wendung – erläutert der renommierte US-Sexualtherapeut, woran die Li-
bido erkrankt und was sie gesunden lässt. Im (auch stimmlichen) Wechsel
von Fallbeispiel und Analyse mündet seine Diagnose von Blockaden in zu-
nächst enttäuschenden Vorschlägen: Küssen in Slow Motion, Umarmungen
zur Aufweichung des Körperpanzers, Augen auf beim Vorspiel und Akt! Als
stünde er mit Röntgenaugen am Liebeslager, schildert er, wie mustergültig
Joanne und Bill der Durchbruch von Frust zu Lust gelingt. Der Qualitäts-
sprung von Verweigerung zu Hingabe und von Testosteronzufuhr zu Zärt-
lichkeit erschließt sich jedoch nur partiell. Packender wird es, wenn Schnarch
die Ursache von Potenzstörungen und die Basis erfüllten Liebeslebens aus- Amelie Mahlstedt
lotet. Nicht Streben nach harmonischer Verschmelzung, sondern persönli- LOLAS VERRÜCKTE WELT
che Integrität und die Fähigkeit, Verschiedenheiten auszuhandeln und Tren- Diagnose: Down-Syndrom
nendes zu ertragen, seien das A und O glücklicher Beziehungen. Schnarchs 222 Seiten / Klappenbroschur
Verklärung des gemeinsamen Orgasmus zum fast religiösen ½ 17,99 (D) / ½ 18,50 (A) / CHF* 25,90
Erweckungserlebnis schüchtert eher ein und grenzt an Kitsch. ISBN 978-3-579-07063-6
Doch je mehr man über die Übungen nachdenkt, desto mehr
enthüllt sich ihr Sinn. ■ Bettina von Kleist Als Amelie Mahlstedt im Novem-
David Schnarch: Die Psychologie sexueller Leidenschaft. 3 Audio-CDs. ber 2007 ihre zweite Tochter Lola
Argon, Berlin 2013. Gesamtlaufzeit: 222 Min., V 16,95
zur Welt bringt, steht für sie die
Welt Kopf – Diagnose: Down-Syn-
drom. In diesem Buch erzählt sie
renommierter Wissenschaftsverlag wie
von den ersten drei Lebensjahren
Bedeutende Elemente wie etwa die
Analyse von „Störfaktoren“ wie Wut, Huber ein Buch in dieser Form über- ihrer Tochter. Vom Auf und Ab ihrer
Angst oder Scham, die „Gift für die Lust“ haupt druckt, da es elementare wissen- Gefühle, den täglichen Herausfor-
sein können, werden mit Fallbeispielen schaftliche Grundregeln missachtet: derungen und davon, wie sie durch
illustriert, durch praktische Übungen Empirische Belege für alle genannten ihre Tochter einen neuen Blick auf
ergänzt. Wichtig seien „nichtfordernde Thesen und Prozentangaben fehlen das Leben bekommen hat.
Zärtlichkeit“ und das „nichtfordernde komplett, und auch die theoretisch-kon-
Liebesspiel“, um „sich von dem kultu- zeptuellen Grundlagen der Arbeit wer-
rellen Imperativ ‚Nur Geschlechtsver- den überhaupt nicht genannt. Es scheint,
kehr ist echter Sex‘ zu lösen“. dass die Angaben auf seriösen Studien
Das Buch löst bei mir sehr gemisch- aufbauen, das ist aber überhaupt nicht
te Gefühle aus: Einerseits wurde es von überprüf bar, da die Literaturquellen
offenbar klinisch erfahrenen Praktikern nicht genannt werden. Das ist wissen-
geschrieben, die mit unterschiedlichen schaftlich unseriös – aber leicht lesbar
Paaren (jedoch offenbar häufig in einem und eventuell sogar besser verkäuflich.
religiös geprägten Kontext) und vielfäl- ■ Kirsten von Sydow »Anstatt in die Tiefe
tigen sexuellen Problemen gearbeitet
haben und vielen Betroffenen in allge- Dr. Kirsten von Sydow ist Professorin für Klinische zu stürzen, waren mir
Psychologie und Psychotherapie an der Psycholo-
meinverständlicher Sprache nützliche gischen Hochschule Berlin (PHB) und tätig in eige- Flügel gewachsen!«
Anregungen geben können. Anderer- ner Therapiepraxis in Hamburg.
seits bin ich erstaunt darüber, dass ein
GÜTERSLOHER
VERLAGSHAUS
P S YC H O L O G I E H E U T E Ap r il 2 0 1 4
www.gtvh.de *empf. Verkaufspreis
86 Buch & Kritik

NEU ERSCHIENEN
Rat und Lebenshilfe Bernhard Horwatitsch: Das Herz der Dings. Gunnila Wewetzer, Christoph Wewetzer: Ratge-
Geschichten über das Leben mit Demenz. ber Zwangsstörungen bei Kindern und
Anselm Grün: Schönheit. Eine neue Spirituali- Mabuse, 147 S., V 16,90 Jugendlichen. Informationen für Kinder, Ju-
tät der Lebensfreude. Vier Türme, 175 S., V 16,90 gendliche und Eltern. Hogrefe, 112 S., V 14,95
Rainer Bösel: Klugheit. Die sieben Säulen der
Sukadev Bretz, Ulrike Schöber: Der Königsweg Intelligenz. Schattauer, 248 S., V 19,99
zur Gelassenheit. Yoga-Psychologie für jeden
Tag. Kailash, 224 S., V 16,99 Michio Kaku: Die Physik des Bewusstseins. Schule und Bildung
Über die Zukunft des Geistes. Rowohlt, 544 S.,
Sigrid Sator: Angstfrei reden und präsentie- Gustav Keller: Professionelle Kommunikati-
V 24,95
ren. Ein Selbsthilfebuch. Huber, 200 S., V 19,95 on im Schulalltag. Praxishilfen für Lehrkräfte.
Hogrefe, 100 S., V 14,95
Verena Bentele: Kontrolle ist gut, Vertrauen
ist besser. Die eigenen Grenzen verschieben Frauen und Männer Andrea Micus, Günther Hoppe: Das Elternmit-
und Selbstvertrauen gewinnen. Kailash, 224 S., Petra Wüst: Sei frech, wild und wunderbar. machbuch. So geht Schule. Gütersloher Ver-
V 18,99 12 mutige Schritte für Frauen, die mehr wollen. lagshaus, 192 S., V 14,99
Jens Baum: Was im Alltag wirklich hilft. Orell Füssli, 224 S., V 14,95
Wege aus dem Labyrinth belastender Lebensge- Bascha Mika: Mutprobe. Frauen und das hölli- Arbeit und Beruf
fühle. Shaker Media, 124 S., V 12,90 sche Spiel mit dem Älterwerden. C. Bertelsmann,
Maria Schildknecht: Aspekte sozialer Grup-
Marlies Terstegge: Bring Flow in dein Leben. 320 S., V 17,99
penarbeit mit dementiell erkrankten
Der aktive Weg zum Glück. Patmos, 208 S., Veit Lindau: Liebe radikal. Wie wir unsere Be- Menschen. Akademiker, 136 S., V 36,90
V 16,99 ziehungen durch Hingabe neu erleben. Kailash,
Anja Förster, Peter Kreuz: Hört auf zu arbei-
Peter Krallmann, Ute Kottmann: Ein Fahrrad 304 S., V 16,99
ten! Eine Anstiftung, das zu tun, was wirklich
erzählt. 50 kurze Geschichten zum Vorlesen bei Daniel Bergner: Die versteckte Lust der zählt. Pantheon, 240 S., V 14,99
Demenz. Reinhardt, 107 S., V 9,90 Frauen. Ein Forschungsbericht. Knaus, 256 S.,
Gerhard Zarbock: Einladung zur Schemathe-
Christian Ehrig, Ulrich Voderholzer: Der gute V 16,99
rapie. Grundlagen, Konzepte, Anwendung.
und erholsame Schlaf. Huber, 200 S., V 19,95 Christian Thiel: Wieso Frauen immer Sex Beltz, 224 S., mit E-Book inside, V 29,95
Dorothea Mihm, Annette Bopp: Die sieben Ge- wollen und Männer immer Kopfschmer-
Sigrid Sator: Angstfrei reden und präsen-
heimnisse guten Sterbens. Erfahrungen ei- zen haben. Die populärsten Irrtümer über
tieren. Ein Selbsthilfebuch. Huber, 200 S.,
ner Palliativschwester. Kailash, 260 S., V 19,99 Beziehung und Liebe. Südwest, 224 S., V 14,99
V 19,95
Nina Deissler, Claudius Mach: Für immer ver-
Susanne Bender: Systemische Tanztherapie.
liebt. Was Paare wirklich glücklich macht.
Psychische Gesundheit Reinhardt, 366 S., V 39,90
Droemer Knaur, 256, V 12,99
Andreas Hillert: Burnout – Zeitbombe oder Rainer Mathias Dunkel: Glücklich ohne Ar-
Hanne Huntemann, Angela Joschko: Liebe auf
Luftnummer? Persönliche Strategien und be- beit. Durch Einbildungskraft zum Erfolg. Create-
den späten Blick. Partnersuche 60+. Rowohlt,
triebliches Gesundheitsmanagement. Schattauer, Space Independent Publishing Platform, 210 S.,
256 S., V 9,99
144 S., V 24,99 V 19,–
Ferran Rámon-Cortés: Stimmt die Chemie?
Karin Ackermann-Stoletzky, Hannelore Deußing: Hinnerk Polenski: In der Mitte liegt die
Worauf es in Beziehungen wirklich ankommt.
Halt geben! Menschen mit Demenz und ihre Kraft. Mit Zen gelassen bleiben in der Arbeits-
Huber, 161 S., V 19,95
Angehörigen begleiten. Brendow, 128 S., V 9,95 welt. Kamphausen, 240 S., V 14,95
Dietmar Hansch: Burnout. Mit Achtsamkeit und Bea Engelmann: Therapie-Tools Resilienz.
Flow aus der Stressfalle. Knaur MensSana, Kinder und Familie Mit E-Book inside und Arbeitsmaterial. Beltz,
208 S., V 12,99 Sandra Wieland (Hg.): Dissoziation bei trau- 192 S., V 36,95
Katja Geuenich: Krebs gemeinsam bewälti- matisierten Kindern und Jugendlichen.
gen. Wie Angehörige durch Achtsamkeit Res- Grundlagen, klinische Fälle und Strategien. Klett-
Kultur und Gesellschaft
sourcen stärken. Schattauer, 192 S., V 24,99 Cotta, 380 S., V 44,95
Naomi Schenck: Kann ich mal Ihre Wohnung
Lotte Kühn: Mutti allein zu Haus. Vom Leben
sehen? Homestories. Metrolit, 183 S., V 18,99
mit nestflüchtigen Kindern. Bastei Lübbe, 255 S.,
Denken, Fühlen, Handeln V 8,99 Norbert Peter: Mailbox voll, Akku leer. Müs-
Christoph Kreitmeir: Glaube an die Kraft der sen wir jetzt reden? Wie die digitale Revolution
Eckart Hammer: Unterschätzt. Männer in
Gedanken. Franziskanische Impulse zu einem die Gesellschaft verändert. Braumüller, 200 S.,
der Angehörigenpflege. Was sie leisten
neuen Lebensstil. Gütersloher Verlagshaus, V 19,90
und welche Unterstützung sie brauchen. Kreuz,
239 S., V 17,99 224 S., V 17,99 Michael Beetz, Michael Corsten, Hartmut Rosa,
Ludwig Briehl: Triebe und Bedürfnisse und Torsten Winkler: Was bewegt Deutschland?
Rita Steininger: Das Einmaleins des fairen
ihre Auswirkungen auf die menschliche Sozialmoralische Landkarten engagierter und dis-
Streitens. Wie Sie Konflikte mit Ihren Kindern
Motivation. Ein ganzheitliches Erklärungsmo- tanzierter Bürger in Ost- und Westdeutschland.
konstruktiv lösen. Patmos, 152 S., V 14,99
dell der Motivation und des menschlichen Verhal- Beltz, 393 S., V 29,95
tens. Verlag für Mitarbeiterentwicklung, 144 S., Anna Maria Kalcher, Karin Lauerman (Hg.): Vor-
Rob Hopkins: Einfach. Jetzt. Machen! Wie
V 24,95 bilder – Erziehen wohin? Anton Pustet,
wir unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen.
128 S., V 23,–
Frank Lisson: Humor. Warum wir lachen. Oekom, 192 S., V 12,95
Zu Klampen, 160 S., V 18,– Jan Weiler: Das Pubertier. Kindler, 128 S.,
Georg Felser: Konsumentenpsychologie.
V 12,–
Kurt Guss: Rubins Becher. Gestalttheoretisches Kohlhammer, 236 S., V 19,90
Propädeutikum. Ursula Guss, 157 S., V 24,80

PSYC H O LO G I E H EUTE A pri l 2014


Buch & Kritik 87

AUSSERDEM …
Eines wird klargestellt, noch bevor der Leser das Inhaltsverzeichnis erreicht
hat: „Es soll betont werden, dass die hier beschriebenen positiven Verwen-
dungsweisen von Marihuana keinesfalls als undifferenzierter Aufruf zum
Gebrauch von Marihuana gesehen werden sollten, vor allem nicht als Auf-
ruf zu illegalen Handlungen.“ Nachdem das geklärt ist, beginnt Sebastián
Marincolos Reise in die Welt des High (Tropen 2013, % 19,95). Der Philosoph
und Fotograf hat das „positive Potenzial von Marihuana“ im Blick, er fragt
nach dem medizinischen Nutzen von Marihuana, nach möglichen Effekten
auf das episodische Gedächtnis und das Spiegelneuronensystem. Marinco-
los kunstvolle Makrofotografien von Hanfpflanzen und -samen ergänzen
die ungewohnte Perspektive. Lester Grinspoon, einer der Pioniere der Er-
forschung des medizinischen Hanfs und Pro-
fessor an der Harvard Medical School, attes-
tiert in seinem Vorwort unserer Gesellschaft
eine „Cannabinophobie“. Er ist sicher, dass
Historiker unsere Epoche im Rückblick als ei-
nen weiteren Fall von Massenhysterie anse-
hen werden, vergleichbar mit dem Hexen-
wahn im ausgehenden Mittelalter.

Alles hinter sich lassen, aussteigen, noch mal von vorne be-
ginnen. Viele Menschen stellen sich an irgendeinem Punkt
in ihrem Leben die Frage, ob sie so weitermachen wollen
Kurz mal ausklinken aus dem be-
wie bisher. Das Phänomen „aussteigen und einsiedeln“ ist
triebsamen Alltag und einfach mal
keinesfalls neu, wie Iris Hammelmann in ihrem Buch Haltet
sein? Wir glauben, dass die schö-
die Welt an! (Gestenberg, % 24,95) zeigt. Frühchristliche
nen Dinge des Lebens käuflich
Mönche zogen sich in die Einsamkeit der Wüsten zurück,
sind, dass Spaß eine teure Sache
und Franz von Assisi, der berühmteste Aussteiger des Mit-
ist. Doch Tom Hodgkinson und
telalters, verließ seinen Orden, um in einer Felsnische auf
Dan Kieran treten den Gegenbe-
einem Berg zu leben. Dass die Sehnsucht nach einem al-
weis an: Das Buch der hundert
ternativen Leben ungebrochen ist, verdeutlichen Begriffe
Vergnügungen (Rogner & Bernhard, % 17,99) zeigt, dass
wie Downsizing, Cocooning und Sabbatical. Die Autorin
die besten Dinge im Leben kostenlos sind: auf dem Klo
beleuchtet in ihrer Kulturgeschichte des Aussteigens die
seinen Gedanken nachhängen, Steine übers Wasser hüp-
verschiedenen Facetten des Phänomens sehr umfassend:
fen lassen oder warten, dass der Tee zieht. Wem das zu
Sie erzählt von Misanthropen und
profan ist, könnte es damit versuchen, Luftpolsterfolie
Naturalisten, den Künstlerkoloni-
knallen zu lassen, Grabsteine zu lesen oder in alten Kirchen
en in Hiddensee und Ahrenshoop
herumzuwandern. Diese Einladung zum Müßiggang, ori-
sowie den Ziereremiten im 18. und
ginell illustriert von Stephanie F. Scholz, öffnet den Blick
19. Jahrhundert. Diese wurden
für die Kleinigkeiten des Alltags und hält für jeden etwas
von wohlhabenden Menschen –
bereit. Zumindest für denjenigen, der „auf elegante Wei-
tatsächlich gelegentlich auch per
se dem Gedränge und Gehetze der Welt des angestreng-
Zeitungsannonce – gesucht, um in
ten Schuftens und Shoppens“ entgehen will.
Hütten oder Grotten in deren
Landschaftsgärten den „Einsied-
ler zu mimen“ und sich von Besu-
chern bestaunen zu lassen.
88 Buch & Kritik

Das bewegt mich! „Sei offen!“ oder: Liebe 2.0


Liebe ist flüchtig, aber sie entsteht auch immer wieder neu

Arnold Retzer, Leiter eines Instituts für wechselseitig emotional öffnen, als eine
systemische Therapie in Heidelberg, hat Gegenmacht zu der ebenfalls angebo-
im Jahr 2012 in dem Buch Miese Stim- renen Kampf-Flucht-Reaktion.

Mobil
mung – Eine Streitschrift gegen positives Wer dieses Gefühl und die mit ihm
Denken den Zwang zur Verleugnung von verbundenen „Mikromomente“ fördert,
Trauer, Angst und Schmerz angegriffen. verbessere seine körperliche und seeli-
Positives Denken funktioniert nicht nur sche Gesundheit. Um diese Momente
sein gehört zu den Anfor- nicht – es ist die Ursache von Störungen, zu erreichen, empfiehlt Fredrickson vor
derungen unserer Zeit. Auf die es zu bekämpfen vorgibt. Der Zwang allem die im Buddhismus bekannten
einen wichtigen Begleiter zum Heldentum, zur Hoffnung, zur Meditationen zur „liebenden Achtsam-
Nulltoleranz für Fehler führt nicht zur keit“ und zur „Selbstliebe“.
müssen Sie ab sofort nicht Erlösung, sondern in die Erschöpfung. Ein wenig geht Fredrickson mit gu-
mehr verzichten: Jetzt kön- Die amerikanische Psychologiepro- tem Beispiel voran: Ihre Selbstliebe als
nen Sie über die Themen fessorin Barbara L. Fredrickson stimmt bahnbrechende Wissenschaftlerin, die
in dem jüngsten Werk über „Positivität“ sogar von seiner Heiligkeit dem Dalai-
Ihres Lebens auch unterwegs
als Grundlage von Lebens- und Liebes- Lama empfangen wird, wirkt ungebro-

lesen. glück nur an einer einzigen Stelle Retzers


Einwänden zu: „Manche Menschen, die

Barbara L. Fredrickson:
chen. Abgesehen von solchen Eitelkeiten
hat sie aber ein anschauliches und hilf-
reiches Buch geschrieben, das sich ge-
gen den normativen Perfektionismus
stemmt, mit dem sich viele Liebespaare
Die Macht der Liebe.
Ein neuer Blick auf das das Leben schwermachen.
größte Gefühl. Aus dem
Amerikanischen von
Liebe ist flüchtig, aber sie entsteht
Nicole Hölsken. Campus, auch immer wieder neu. Keine prinzi-
Frankfurt a. M. 2014, pielle Liebesdiskussion kann den liebe-
300 S., V 22,99
LESEPROBE
vollen Umgang miteinander ersetzen.
Liebe als positiver Mikromoment prägt
Zufallsbegegnungen, Kontakte am Ar-
beitsplatz so gut wie langjährige Bezie-
von der Wissenschaft positiver Emoti- hungen. Wo Menschen positiv und ver-
onen erfahren, glauben, dass sie nun den lässlich aneinander gebunden sind, kann
Leitsatz ,Sei positiv!‘ zu ihrem Lebens- (und sollte) Liebe immer wieder neu
motto machen sollten. Davon kann ich geschaffen werden.
nur ganz stark abraten. Wenn Sie nach Jede kleine Liebesgeste, jedes kurz
diesem Motto handeln, und sei es mit aufflackernde Gefühl, freundlich ver-
den besten Absichten, schaffen Sie wo- bunden zu sein, ist ein Teil der Liebes-
möglich unbeabsichtigt eine giftige Un- macht, wie sie Fredrickson versteht. Die-
aufrichtigkeit … Es ist, als ob Sie die se können wir auch durch Meditationen
schmutzige Realität des Menschseins üben. Das sind alte Weisheiten, doch
AL S
N EU mit einem einfachen gelben Smiley gelingt es Fredrickson gut, sie durch Hin-

A P P! übertapezieren wollten.“
Fredrickson schlägt vor, „Sei offen!“
weise auf Gehirnscans und Oxytozin-
messungen ins 21. Jahrhundert zu trans-
an die Stelle von „Sei positiv!“ zu setzen. ponieren. Das deutet auch der Titel des
Sie beschreibt Liebe als „Positivreso- amerikanischen Originals an: Love 2.0.
nanz“ zwischen Menschen, die sich ■ Wolfgang Schmidbauer

www.psychologie-heute.de
PSYC H O LO G I E H EUTE A pri l 2014
Buch & Kritik 89

Das
Schönste,
Träum doch, was du willst was es gibt
Jens Thiemann zeigt, wie man seine Träume bewusst auf der Welt
steuern kann

Für die meisten Menschen versteht es hervorzurufen und sie über längere Zeit-
sich von selbst, dass sie in ihre eigenen räume aufrechtzuerhalten. Um diese
Träume nicht eingreifen können und Techniken geht es im Wesentlichen in
dass sie allem hilflos ausgesetzt sind, was diesem Buch des Klartraum-Spezialis-
mit ihnen in ihren Träumen geschieht. ten Jens Thiemann.
Allerdings kommt es auch immer wieder Seine Träume kann man erst steuern,
vor, dass Menschen berichten, geträumt wenn man weiß, worin sich die eigenen
zu haben und sich dabei ihres Zustands Erfahrungen im Wachzustand von de-
vollkommen bewusst gewesen zu sein. nen im Traumzustand im Einzelnen
Solche sogenannten Klarträume sind unterscheiden. In Thiemanns Augen
bis vor kurzem von der Wissenschaft kommt man deswegen nicht darum he-
nicht ernst genommen worden. Doch rum, seine Traumerlebnisse regelmäßig
mittlerweile weiß man, dass es tatsäch- aufzuzeichnen und zu lernen, individu-
lich möglich ist, Träume mit wachem elle und generelle Traumzeichen aufzu-
Bewusstsein zu erleben und sie sogar bis spüren.
zu einem gewissen Grad zu steuern. Die Techniken, mit denen ein Klar- 240 Seiten | Paperback
Klarträumer können in ihr Unbe- traum ausgelöst werden kann, wirken € 9,99
wusstes eindringen und es für sich ein- auf zwei verschiedene Arten und Weisen. ISBN 978-3-451-06677-1
Entweder wird er direkt aus dem Wach-
zustand heraus herbeigeführt, wobei der
Freundschaften sind heute so
Jens Thiemann: Klar- Körper in eine Schlafstarre verfällt, der
wichtig wie nie zuvor. Weil Bin-
traum. Wie Sie Ihre Geist hingegen hellwach bleibt. Oder
Träume bewusst dungen zu Lebenspartnern oder
steuern können.
aber er kommt dadurch zustande, dass
Familien immer öfter zerbre-
Rowohlt, Reinbek 2013, der Träumende mitten im Traum an- chen, suchen wir vor allem in
156 S., V 8,99
hand aussagekräftiger Merkmale darauf der Freundschaft Sicherheit und
schließt, dass er sich gegenwärtig in ei- Beständigkeit. Wahre Freunde
ner Traumwelt befinden muss. machen das Leben schöner und
Darüber, wie Klarträume ausgelöst reicher, mehr als eine erfolgreiche
werden können, erfährt man viel aus Karriere. Doch worin besteht
spannen, traumatische Erlebnisse im diesem Buch, über sie selbst allerdings eigentlich »wahre Freundschaft«,
Schlaf verarbeiten und Albträume in sehr wenig. Außerdem ist Thiemanns wie findet man sie und vor allem:
eine andere Richtung lenken und sie da- unermüdlich wiederholte Behauptung Wie erhält man sie auch in schwie-
durch bewältigen. Klarträumer sind da- fragwürdig, Träume ließen sich ohne rigen Phasen? Martin Hecht gibt
rüber hinaus in der Lage, komplexe kör- weiteres weitgehend oder vollständig re- anschaulich und unterhaltsam
perliche Bewegungsabläufe zu simulie- konstruieren. Und er verkündet, dass es Antworten auf diese Fragen.
ren und so bestimmte motorische Fä- fast nichts gäbe, was nicht in Klarträu-
higkeiten systematisch zu trainieren. men und durch Klarträume erreicht
Und sie sind imstande, Traumphasen werden könnte. Neu in allen Buchhandlungen
dazu zu nutzen, Probleme zu lösen, mit Thiemanns Buch ist nicht frei von oder unter www.herder.de
denen sie sich tagsüber vergeblich abge- marktschreierischen Tönen. Trotzdem:
plagt haben. Nach seiner Lektüre weiß man gut da-
Klarträume entstehen mitunter ganz rüber Bescheid, was man unternehmen
von selbst. Man kann aber auch eine sollte, um hin und wieder einen Klar-
Reihe von Techniken anwenden, um sie traum zu erleben. ■ Frank Ufen
90 Buch & Kritik

Umfangreiche Buchauswahl
zu den aktuellen Themen von
Psychologie Heute Abschied vom Christentum
Mit ausführlichen Rezensionen Mit 83 Jahren outet sich der Philosophiehistoriker
Kurt Flasch als Agnostiker
Sofort und versandkostenfrei
per Post ins Haus
Das Thema, kein Christ zu sein, ist nicht gerecht auf und verlangt von seinem
originell. Bertrand Russell, der Begrün- Sohn ein grausames Selbstopfer.
Die Buchtipps des Monats
der der analytischen Philosophie, der Bei seiner Konsolidierung wollte das
wirkungsmächtigsten im 20. Jahrhun- Christentum die Welt richtig erklären.
Neuer Blick: dert, hielt 1927 unter demselben Titel Daher insistierte es auf der Wahrheit
einen Vortrag, der ihm kräftig den Ruf seiner Lehren, die für alle Menschen gel-
die Liebe 2.0
verdarb. Das wird dem renommierten ten sollen. Schon an den Anfängen hat-
Campus 2014 Mainzer Philosophieprofessor Kurt te es dabei Schwierigkeiten und konnte
304 Seiten
Gebunden Flasch heute kaum passieren. Denn der sich höchstens auf Zeugen berufen, von
ISBN 83-Jährige hat sich sein Leben lang mit denen wiederum Widersprüchliches be-
978-3-593-50002-7
der Philosophie des Mittelalters und der richtet wird. Die Welterklärungen – ob
€ 22,99 Antike beschäftigt.
Dass Flasch kein Christ sein will, liegt
die Position der Erde im All oder die
Schöpfungsgeschichte – haben sich als
folglich nicht an den neueren Skandalen obsolet erwiesen.
in der katholischen Kirche, auch nicht Seit der Aufklärung flüchten sich vie-
an deren Verbrechen wie der Inquisition. le Christen daher in die Ethik als dem
Weniger ist eigentlichen Sinn des Christentums.
mehr! Doch auch dieser Anspruch steht auf
oekom 2013 tönernen Füßen. Nicht dass Flasch das
144 Seiten Gebot der Nächstenliebe ablehnen wür-
Broschiert Kurt Flasch: Warum
ISBN ich kein Christ bin.
de. Aber sehr viele Forderungen – und
978-3-86581-426-5 Bericht und Argumen- gerade jene der Sexualethik – erweisen
tation. C.H. Beck, sich als fragwürdig: Wer kann schon die
€ 16,95 München 2013, 280 S.,
V 19,95 Feindesliebe praktizieren? Soll jeder
wirklich seine Eltern ehren, auch wenn
BESTELL- diese Verbrechen gegen die Menschlich-
HOTLINE: keit begangen haben? In der Bergpredigt
030 / 447 314-50
shop@ verlangt Jesus gar eine reine Gesin-
psychologie-
heute.de Flasch ist deshalb kein Christ, weil er nungsethik und Gehorsam.
die christlichen Lehren nicht zu teilen Aber haben das viele gläubige Men-
Gefühle neu vermag, was er durchaus überzeugend schen nicht längst erkannt und sich da-
vermittelt. rum bemüht, dem Christentum einen
entschlüsselt
Die Eckpfeiler der christlichen Dog- zeitgemäßen Sinn zu geben? So fordert
Hanser 2014 matik sind aus Flaschs Sicht entweder Ratzinger heute einen Sprung in den
384 Seiten
Gebunden
von vornherein fragwürdig oder längst Glauben, den der Gläubige als Abenteu-
ISBN unglaubwürdig geworden. Das beginnt er begreifen soll. Flasch sieht indes nicht
978-3-446-43876-7
schon mit der christlichen Gottesvor- ein, warum man sich auf ein solches
stellung. So behaupten Christen meis- Abenteuer einlassen soll. Wenn man
€ 21,90 tens, es handele sich um einen persön- vom Sprung in den Glauben spricht,
lichen Gott. Aber es sind ja erklärter- dann hat das Christentum jegliche
maßen drei, die doch nur einer sein sol- Selbstverständlichkeit verloren, weil es
len. Es soll ein liebender Gott sein, was seinen Anspruch auf Wahrheit nicht
in der Bibel kaum erwähnt wird. Au- mehr einzulösen vermag.
Jetzt bestellen ßerdem tritt er häufig zornig und un- ■ Hans-Martin Schönherr-Mann

www.shop-psychologie-heute.de
Buch & Kritik 91

Der Arzt
als Detektiv
„Immer etwas abseits“
Karl Abraham war Psychoanalytiker der ersten Stunde.
Freud war ihm jedoch nicht sonderlich zugetan

Er wollte der Musterschüler sein, höflich rettenden Formel wird für Zienert-Eilts
im Auftreten, strebsam in der Aneig- der Ausdruck „Ambivalenz“. In Freuds
nung des Stoffes, bereit, sein Leben ganz „ausgeprägter Ambivalenz“ sieht sie so
der Idee des von ihm verehrten Lehrers etwas wie die Basis aller ambivalenten
zu widmen: Karl Abraham. Urteile über Abraham. Aber lassen sich
Im Sommer 1907, da war er noch As- Freuds Äußerungen wirklich ambiva-
sistenzarzt am Burghölzli, nahm er Kon- lent verstehen? Zweifellos, er nannte ihn
takt mit Freud auf. Am 15. Dezember „integer“ und bezeichnete ihn als seinen
besuchte er den Meister in Wien. Kurz „rocher de bronze“ (ehernen Fels). Doch
zuvor hatte er sich in Berlin als erster gleich nach Abrahams Tod schrieb er
Psychoanalytiker Deutschlands selb- an Ernest Jones, er habe ihn nur „scherz-
ständig gemacht. haft“ so tituliert.
Freud nahm ihn in die junge Bewe- Der stets formell gekleidete Abraham,
gung auf, aber er mochte den Muster- der sich selbst im Sommerurlaub in Sils
schüler nicht wirklich. Darin war er sich Maria in Anzug und Krawatte präsen-
mit C. G. Jung einig, der Abraham 1907 tierte, wirkte steif und distanziert. Er
kam aus „kleinen Verhältnissen“: 1877 Taschenbuch. € (D) 9,99. Auch als Book erhältlich

wurde er in Bremen als Sohn eines jü-


dischen Kaufmanns geboren. Zeitlebens
Karin Zienert-Eilts: kämpfte er gegen ein Unterlegenheits- Manche Patienten machen Ärzte
Karl Abraham. Eine gefühl an. Freud schien das schon nach
Biografie im Kontext
ratlos. Dr. Ballwieser und Dr. Le Ker
der psychoanalyti- dem ersten Brief zu ahnen: „Interessant erzählen anhand von wahren Fall-
schen Bewegung. wäre es übrigens“, schrieb er an Jung, geschichten, warum der Weg zur
Psychosozial, Gießen
2013, 352 S., V 39,90 „die privaten Verhältnisse, aus denen richtigen Therapie oft kompliziert,
sich solch eine Reserve entwickelt, ken- aber manchmal erstaunlich simpel
nenzulernen.“ ist. Mit praktischen Tipps, wie Sie
Doch es gab auch widersprüchliche verhindern, selbst zu einem rätsel-
Strebungen: Zu Freuds Verdruss sym-
haften Patienten zu werden!
mit den Worten avisierte: „nicht ganz pathisierte Abraham mit dem einstmals
sympathisch“, „immer etwas abseits“, vergötterten und dann verstoßenen
„intelligent, aber nicht originell“. Freund Wilhelm Fließ. Zu den Merk-
Freud und Jung gaben den Ton vor, würdigkeiten gehört auch, dass er sich
in den dann viele einstimmten. Ist es – gegen den Willen Freuds – für den
nicht auch bezeichnend, dass es bislang Film Geheimnisse einer Seele starkmach-
keine umfassende Biografie über Abra- te. Dass schließlich ein Dandy wie der
ham gab? Karin Zienert-Eilts hat es nun Schriftsteller Oscar A. H. Schmitz sich
gewagt: Die Analytikerin trug zahlrei- von Abraham verstanden fühlte, passt
© Leo Leowald, Köln

che Dokumente zusammen, führte In- auch nicht so recht in das Bild des re-
terviews mit den Nichten Abrahams und servierten Menschen. Die Tragödie Ab-
durchkämmte die Forschungsliteratur. rahams war, dass er sich im Machtspiel
Sie möchte ein „mehrdimensionales“ dem „König“ verpf lichtet fühlte, er
Bild entwerfen, was nicht ganz einfach schützte ihn, bis er selbst „geschlagen“
ist, weil rundherum positive Äußerun- und aus dem Spiel genommen wurde.
gen über Abraham eher selten sind. Zur ■ Wolfgang Martynkewicz

P S YC H O L O G I E H E U T E Ap r il 2 0 1 4 www.spiegel.de www.kiwi-verlag.de
92 Buch & Kritik

Schön glücklich!
Manchmal führen Buchtitel geschickt schichte der Schönheit im Anhang des deutete. Die Kunst der rechten Lebens-
in die Irre. So geht es zwar bei Schön!, Buches. Schnell wird aber klar, dass der führung erfordert allerdings beharrli-
dem Buch von Rebekka Reinhard, auch Titel nur als Aufhänger für ein anderes ches Üben. Schön! ist ein verkappter
um Schönheit. Um den Zwang, schön großes Thema dient: Wie führen wir ein Glücksratgeber, einer von der besseren
zu sein und um die schrecklich-erhabe- schönes, sprich ein gutes und glückliches Sorte. Weil er klarstellt, dass Widersprü-
ne Seite des Schönen, die uns die Auto- Leben? Wir erreichen es, meint die Phi- che und Unglücksfälle zum Leben ge-
rin in einem Exkurs über die großen losophin Reinhard, vor allem durch die hören. Weil Reinhard zeigt, dass jeder
Stars wie Elvis Presley und Liz Taylor richtige geistige Einstellung. Helfen die Rezepte für ein gelungenes Leben in
vor Augen führt. Wir lernen die Grund- kann uns dabei die Kunst der Lebens- der Hand hat: Gelassenheit, innere Frei-
begriffe der Ästhetik kennen. Sehr ein- philosophie, wie sie unter anderem von heit, Unabhängigkeit von materiellen
prägsam ist die kurze Philosophiege- dem französischen Philosophen Mon- Gütern, Akzeptanz des Unabänderli-
taigne und den antiken Denkern ent- chen und Menschenliebe. Allerdings:
wickelt wurde. Nachdenken soll nicht Die dazu erforderliche philosophische
Rebekka Reinhard: Schön!
im universitären Elfenbeinturm betrie- Übungskultur existiert nicht mehr. Und
Schön sein, schön schei- ben werden, sondern im Alltag, im Ge- die Zeit und Muße, die man zum Üben
nen, schön leben – spräch mit Freunden und im Einüben benötigt, fehlt uns bekanntlich an allen
eine philosophische
Gebrauchsanweisung. der gewonnenen Erkenntnisse. Ganz im Ecken und Enden. ■ Angelika Friedl
Ludwig, München 2013, Sinne der alten Meister, für die Philo-
236 S., V 19,99
sophieren vor allem Leben lernen be-

Geheimnisvolle Beine
Tütensuppen, GPS, Internet … Klar, von „Emanzipation“ die Rede. „Ein Nacktheit wegen, auch Jackie Kennedy
vieles wurde zunächst fürs Militär er- nicht totzukriegendes Narrativ“, habe sie gezeigt. Irritiert habe vielmehr
funden, aber die Leggingmode? Kultur- schnaubt sie und erzählt die Geschich- die zur Schau gestellte Stärke: „Eine First
wissenschaftlerin Barbara Vinken liest te anders. Die „Entsagung der Männer“ Lady, die Liegestütze macht.“ Voller Es-
das Beinzeigen als überraschende Über- sei lediglich „Sublimierung“: Die Kon- prit eröffnet das Buch neue Perspektiven
nahme einer männlich-aggressiven kurrenz wurde vom Fleisch weg, hin zu auf das nie beliebige System Mode.
Kraftschau. Ihr Rückblick auf die Män- Geist und Geschäftssinn verlagert. Der ■ Sylvia Meise
nermode von vor 200 Jahren nämlich Anzug zur „ikonischsten und erfolg-
zeigt: Soldaten in langen bunten Strümp- reichsten“ – und männlichen – Uniform
fen. Die Stiefel mit Absätzen, die Frauen der Demokratien. Frauen gerieten zu
gern lässig zu Leggings tragen, wurden Vorzeigeobjekten. Moderne Vorreiterin-
für Reiter zum Schießen im Stehen er- nen wissen das – Angela Merkel sei in
funden. Im Rokoko dann gab es die bun- der Hosenrolle hervorragend, bemerkt Barbara Vinken: Ange-
testen Wämse, kürzesten Hosen und Vinken. Das Präsidentenpaar der USA zogen. Das Geheimnis
der Mode. Klett-Cotta,
Schuhe mit Schleifchen – für ihn. „Män- dient ihr gar als Spiegel der neuesten Stuttgart 2013, 255 S.,
ner waren das schöne Geschlecht“, be- Kleiderordnung: Barack stets dezent, die V 19,95
tont die Autorin. Deren Privileg des ero- stilsichere Michelle Obama präsentiere
tischen Zurschaustellens, „besser die exotische Weiblichkeit, ohne zum Püpp-
Bürde“, ging nach der Französischen chen zu verkommen: Ihre Oberarme
Revolution an die Frauen. Dabei sei oft waren Diskussionsstoff – nicht der
93
C ar toon

P S YC H O L O G I E H E U T E Ap r il 2 0 1 4
94

Im nächsten Heft
T I T E LT H E M A
Universität Internet
Wer heute auf akademischem Niveau et-
was über Psychologie erfahren will, muss
sich nicht mehr in einen Hörsaal bege-
ben. Dank Internet kann man bequem
von zu Hause aus studieren – und das
bei den besten Forschern der Welt. Ame-
rikanische Universitäten wie Harvard
und Stanford sind Vorreiter bei diesem
Trend, aber auch in Deutschland tut sich
was. Psychologie Heute stellt die besten
Angebote vor.

Gute Therapeuten,
schlechte Therapeuten
Psychotherapie ist hilfreich. In vielen, in
den meisten Fällen. Allerdings gibt es
deutliche Qualitätsunterschiede zwi-
schen den verschiedenen „Anbietern“.
Neben den erfolgreichen sind da – wie in
jedem anderen Beruf auch –, die eher
unfähigen, für ihre Klienten wenig hilf-
reichen. Wie kann man die einen von
den anderen unterscheiden? Was macht
Bindung – die sichere einen guten Therapeuten aus? Eines steht
fest: Entscheidend sind Eigenschaften,
Basis fürs Leben die sich nicht leicht lehren lassen.
Die ersten drei Jahre sind entscheidend: Ob wir selbstsicher und vertrau-
ensvoll durchs Leben gehen oder ob uns eher Zweifel und Unsicherheiten Wie Kunst hilft und heilt
plagen, hängt in großem Maße von unseren frühen Kindheitserfahrungen Kunstwerke können uns emotional sehr
ab. Bindungsforscher wissen inzwischen genau, wie psychische Sicherheit berühren, sie bringen unsere innere Welt
entsteht – und welche Folgen es hat, wenn ein Kind „unsicher gebunden“ in Bewegung, sie trösten oder beflügeln
heranwächst. Nicht nur die Psyche leidet, auch der Körper. Neueste uns. Deshalb sind sie eine wichtige psy-
Erkenntnisse belegen einen klaren Zusammenhang zwischen früher chische Ressource – gerade in Zeiten per-
Bindungsqualität und späteren chronischen Erkrankungen wie Rheuma, sönlicher Krisen und Nöte. Der Besuch
Fibromyalgie und anderen „unerklärlichen“ Beschwerden. Die gute eines Museums gleicht deshalb einer
Nachricht: Bindungsstile sind kein Schicksal. Selbstheilung – besonders, wenn dort
Landschaftsbilder eines bestimmten
Typs hängen …

Außerdem:
■ Das Erfolgsrezept Kooperation

■ Wie kreativ ist „Brainstorming“

wirklich?
■ Wie geht es dem Zeitgeist gerade?
D I E M A I AU SG A B E VON P S YCHOLOGIE HEUTE
ERSCHEINT AM 9. APRIL

PSYC H O LO G I E H EUTE A pri l 2014


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PSYCHOLOGIE HEUTE Seite 99 Therapie/Beratung

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PSYCHOLOGIE HEUTE April 2014 95


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96 PSYCHOLOGIE HEUTE April 2014


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Ltg.: Peter Fraenkel, Ph.D., Ackerman Institute New York
Systemisch beraten kompakt: 8 Module in 18 Tagen
17.-19.07., 19.-20.09., 06.-08.11.2014. Weitere Module in 2015
Ltg.: Gerd F. Müller, DP, PP
Info: http://www.mfk-fortbildung.de; mfk-service@web.de
Blutenburgstr. 57, 80636 München; 089 – 22 29 92

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3- und 5-jährige Ausbildungsgänge Weiterbildungen
Schwerpunkt Verhaltenstherapie
mit Abschluss Approbation - verhaltenstherapeutisch
orientierter Supervisor
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Kursbeginn: 10/2014 - Schematherapie
03. - 07.11.2014 (ST1 - ST3)
- Kinder-/Jugendlichenpsychotherapeut/in - Fortbildungstag
Kursbeginn: 10/2014 Körperpsychotherapie
28./29.03.2014
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PSYCHOLOGIE HEUTE April 2014 97


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98 PSYCHOLOGIE HEUTE April 2014


Verschiedenes • Therapie/Beratung
Verschiedenes

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PSYCHOLOGIE HEUTE April 2014 99


Therapie/Beratung

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