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Editorial
Liebe Leserinnen und Leser,
Jubiläen sind üblicherweise ein willkommener ein gegenseitiges Kennen lernen und Aufeinan- mals zwei Tage gefeiert. Das Kulturprogramm
Anlass zurückzublicken: die eigene Geschichte derzugehen zwischen hetero- und homosexuel- am Samstag garantiert dabei größtmögliche
reflektieren, Fortschritte erkennen, Fehler ana- len Beteiligten statt, eine Sensibilisierung für Vielfalt. Fast jede Musikrichtung ist vertreten,
lysieren usw. – um dann mit gestärkter Kraft unsere Geschichte und Situation, und ein äu- die Künstler sind nicht ausschliesslich aus der
und geschärftem Blick in die Zukunft zu se- ßerst konstruktiver gemeinsamer Umgang mit Community und der Frauenanteil ist diese Jahr
hen, sich weitere Ziele vorzunehmen und mit konkreten Fragen und Problemen. Fast schon besonders hoch, weil uns insbesondere die hohe
vereinten Kräften daran zu arbeiten, dass alles ein gesellschaftliches Pilotprojekt: raus aus Qualität der weiblichen Darbietungen überzeu-
immer noch besser wird. ghettoisierten Strukturen! gen konnte. Der Sonntag steht dann ganz im
Zeichen des Pumps Race das zum ersten Mal
Ein Teil dieser Reflektionen findet natürlich Mit dem allgemeinen Wachstum und dem grö- rund um die Mariensäule ausgetragen wird!
auch im vorliegenden Heft statt. Wir sind stolz ßer Werden der Community sind allerdings
darauf, Euch ein komplettes Magazin vorlegen auch Unterschiede und Vielfalt größer und Im Rathaus haben wir vereinzelt geäußerte Kri-
zu können, das gleichzeitig auch ein Programm- manchmal durchaus kontroverser geworden. tikpunkte aus dem letzten Jahr aufgegriffen und
führer für die Aktivitäten um den Münchner Ju- Gerade die Älteren unter uns beklagen oft den Konsequenzen daraus gezogen: es wird wieder
biläums-CSD am 9. und 10. Juli 2005 sein soll. Verlust des „Community-Feelings“... – aber ist ein kleines Live-Programm geben (im Sitzungs-
das nicht ein notwendiger Abschnitt? Es kann saal), einen Ballsaal mit klassischem Paartanz,
Aber auch wir möchten den Anlass nutzen, um ja nicht immer alles Friede-Freude-Eierkuchen einen Auftritt im Innenhof usw. usf.
ein wenig auf unsere eigene Arbeit zurückzu- sein - auch unterschiedliche Herangehenswei-
blicken und Euch einen kleinen Einblick in die sen, Haltungen und Lebensformen müssen Auch bei der Organisation der Rathausparty
Organisation der wichtigsten Feierlichkeit un- formuliert werden, diskutierbar und vor allem haben wir uns für einen neuen Schritt entschie-
serer queer community zu geben. Im nunmehr lebbar sein. den, der auf den ersten Blick möglicherweise
6. Jahr wird der Münchner CSD von den Ver- für Irritation sorgt: Im Gegensatz zum Straßen-
einen Münchner Aids-Hilfe, LeTra, Sub und Wir versuchen dieser Entwicklung in der Aus- fest auf Marienplatz und Rindermarkt, wo die
Rosa Liste organisiert. Wir haben damit eine gestaltung der Themen unseres Magazins und Plätze an einzelne Szenewirte vergeben wer-
Struktur geschaffen, die es ermöglicht, Festivi- bei den Programmpunkten auf dem Marienplatz den, haben wir beim Rathaus-Clubbing einen
täten UND Politik unter einen Hut zu bringen. insofern Rechnung zu tragen, als dass wir ver- großen externen Dienstleister - die Muffathalle
Wir denken, dass der Münchner CSD einer der stärkt das Augenmerk auf Lebensformen und - mit der Gesamt-Organisation beauftragt. Zum
politischsten Deutschlands ist – nicht nur aber Bedürfnisse richten, die auch in der schwul-les- einen, weil wir auf den wenigen zur Verfügung
auch nicht zuletzt deshalb, weil wir ganz sym- bischen Community eine Minderheit darstellen. stehenden Flächen keine unnötige Konkurrenz
bolträchtig sowohl VOR dem Rathaus als auch WENIGSTENS EINEN TAG IM JAHR sollten oder Neid erzeugen wollten, zum anderen weil
IM Rathaus feiern. wir uns füreinander interessieren und daraus uns dieses System hoffentlich ermöglicht, einen
wechselseitigen Respekt entwickeln und nicht größeren finanziellen Rücklauf in unsere Orga-
Der Christopher Street Day ist in den letzten den Druck der Mehrheit über uns an die Min- nisationskassen zu erzeugen, in denen es nach
Jahren mehr und mehr gewachsen: Besucher- derheit unter uns weitergeben. Denn das ist die wie vor keine Reserven gibt, die den Erhalt des
zahlen, Rahmenprogramm, Helfer/innen und Grundlage von Solidarität und gemeinsamer CSD in der jetzigen Form sichern könnten.
beteiligte Künstler/innen usw. Das ist besonders Stärke. Nur so können wir die vielen Dinge die
beachtlich in Zeiten, in denen städtischen Kas- noch vor uns liegen weiterentwickeln und ge- In diesem Zusammenhang ist auch ehrenamtli-
sen leer sind (und damit auch unsere Zuschüsse sellschaftlich so relevant werden, dass allfälli- ches Engagement ganz besonders wichtig, um
kleiner werden) und in denen sich immer weni- ge Forderungen nach echter Gleichstellung von unseren Festtag weiterhin so ausgelassen be-
ger Sponsoren für ein derartiges Großereignis gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, Adop- gehen zu können wie wir das derzeit tun. Im
finden lassen (da der schwul-lesbische Markt tionsrecht, Aufklärung über Homosexualität an letzten Jahr waren z.B. um die 100 ehrenamtli-
werbetechnisch „gesättigt“ zu sein scheint). den Schulen etc. durchsetzbar werden. che Helfer/innen beteiligt. Wenn Ihr also einen
Beitrag zum guten Gelingen des CSD leisten
Unsere flexible Struktur und Arbeitsweise hat Dass das keineswegs abstrakte Kategorien sind möchtet, dann würden wir uns über Rückmel-
uns bislang immer wieder erlaubt auf neue Ent- zeigt z.B. die Suizidrate, die bei homosexuellen dungen (per Mail an info@csd-munich.de) sehr
wicklungen zu reagieren. So haben wir letztes Jugendlichen viermal höher ist als bei gleichalt- freuen!
Jahr (in Zusammenarbeit mit den Organisatoren rigen Heteros. Und deshalb richten wir gerade Eine gute Stelle um uns bei allen zu bedanken,
der EuroGames) erstmalig ein komplett EIGE- zu unserem Jubiläumsgeburtstag den Blick auf die dieses Jahr schon mitgeholfen haben, insbe-
NES Magazin präsentieren können. die Situation der Jugend und haben das Mot- sondere bei den Journalistenschüler/innen und
Allein auf ehrenamtlichen Schultern ist so ein to „young & pride?“ gewählt (jaja, wir wis- den vielen weiteren ehrenamtlichen Helfer/in-
Projekt jedoch nur schwer zu stemmen. Wir sen, dass das grammatikalisch nicht korrekt ist nen, unseren Kooperationspartnern, Gastrono-
haben deshalb dieses Jahr zum ersten Mal – aber „pride“ im Sinne von „gay pride“ ist mit- men und Sponsoren. Und natürlich bei all den
mit Schülerinnen und Schülern der deutschen tlerweile ja fast schon ein stehender Begriff!). vielen Vereinen, Gruppen und Community-Un-
Journalistenschule zusammengearbeitet, in den Der Schwan auf dem CSD-Plakat soll dabei üb- ternehmen, die den CSD mit Ihren Infoständen,
gemeinsamen Redaktionssitzungen Themen rigens das Aufbäumen und den Stolz der (ins- Paradewagen und Veranstaltungen attraktiv,
festgelegt und dann mit der bestmöglichen Pro- besondere jungen) Community symbolisieren. bunt und vielfältig machen!
fessionalität recherchiert, interviewt und losge-
schrieben. Sogar die Fotos stammen teilweise Wir wünschen uns eine möglichst hohe Zahl Viel Spaß beim Lesen, Demonstrieren und Fei-
aus dem Umfeld unserer angehenden Berufsan- von Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei der ern wünschen im Namen der Redaktion und des
fänger/innen. CSD-Politparade und viel Phantasie und Krea- Organisationsteams
Für uns war diese Arbeit doppelt spannend: tivität bei Themen und Präsentationen.
schließlich fand in den gemeinsamen Sitzungen Auf dem Marienplatz wird zum Jubiläum erst- Thomas Lechner & Alexander Kluge

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Grußwort

Wie bitte? Der CSD München wird 25 Jahre Die Stadt bekennt sich deshalb mit Nachdruck
alt? Oder jung – pardon – „young & pride“? dazu, dass es in München keine Diskriminie-
So oder so: Es ist kaum zu glauben, dass er so rung, keine Ausgrenzung, auch keinen abfälli-
schnell in die Jahre gekommen ist. gen Spott und keine spießigen Vorurteile geben
Aber es ist wahr! Zur Erinnerung: Als 1980 die darf. Und sie geht hier auch selber mit gutem
erste CSD-Demo in München stattfand, war Beispiel voran, wie die Förderung schwul-les-
das noch eine kleine Ansammlung couragier- bischer Initiativen, die städtische Koordinie-
ter Leute, die ihren ganzen Mut zusammen- rungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebens-
nehmen mussten, um sich öffentlich zu ihrer weisen oder auch die Einladung zur großen
Eigenart und Lebensweise zu bekennen. Und CSD-Party im Münchner Rathaus zeigen.
so war es auch noch, als ich 1994 erstmals die
Schirmherrschaft übernahm. Danach wurde der Die schwul-lesbische Szene gehört zu einer auf-
CSD von Jahr zu Jahr in immer größerem Stil geklärten, weltoffenen und toleranten Großstadt
gefeiert. 1996, nach dem Einzug von Thomas wie München unabdingbar dazu, sie bedeutet
Niederbühl von der Rosa Liste ins Münchner für München nicht nur keine Beeinträchtigung,
Rathaus, etablierte er sich dann endgültig als sondern sogar eine Bereicherung. Die Euro-
„machtvolle Großdemonstration“ und fröh- Games im vergangenen Jahr mit rund 15.000
liches Straßenfest der Schwulen und Lesben fröhlichen und friedlichen Teilnehmerinnen
nicht nur der Münchner Community, sondern und Teilnehmern aus aller Welt waren dafür
weit darüber hinaus. der beste Beweis. Und der CSD unterstreicht es
Inzwischen ist der CSD München längst zum Jahr für Jahr aufs Neue, heuer sogar besonders
Ereignis geworden, das jährlich Zehntausende nachdrücklich, denn zur Feier des 25-jährigen
anzieht und regelmäßig auch in den Medien Jubiläums wird diesmal gleich zwei volle Tage
für Schlagzeilen sorgt. Die kleine, trotzige Pro- auf dem Marienplatz gefeiert.
testveranstaltung von einst hat sich zu einem
schrillen, schrägen, bunten und frechen Fest Gerne habe ich dafür wieder die Schirmherr-
entwickelt, das selbst altgedienten Münch- schaft übernommen und wünsche allen, die
ner Grantlern gelegentlich ein freundliches dieses große Fest im Zeichen des Regenbogens
Schmunzeln entlockt, wie ich an der Spitze des mitfeiern, viel Vergnügen. Den Veranstaltern
Zuges immer wieder feststellen kann. gratuliere ich sehr herzlich zur 25-jährigen Er-
folgsstory des CSD München und sage allen,
Bei allem Wandel ist der CSD aber immer auch die daran mitgeschrieben haben, herzlichen
eine bedeutende politische Kundgebung geblie- Dank.
ben. Und das ist auch gut so, weil es nach wie
vor notwendig ist, für die Rechte der schwul- Christian Ude
lesbischen Minderheit öffentlich einzutreten.
Auch in München gibt es sie leider immer noch,
die dumpfen Vorurteile, die Unbelehrbaren, die
die Forderung nach gesellschaftlicher Akzep-
tanz und rechtlicher Gleichstellung von Schwu-
len und Lesben als skandalös anprangern, von
der provinziellen Engstirnigkeit jenseits der
Stadtgrenzen ganz zu schweigen.

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Motto

Liebe Freundinnen und Freunde,

25 Jahre CSD München – das ist eine Erfolgs- wir eine wirkliche Gleichberechtigung, z.B.
geschichte, auf die wir stolz sein dürfen, die wir mit der Ehe oder im Adoptionsrecht, noch nicht
feiern müssen. erreicht. Die katholische Kirche hält unsere
Vor allem aber müssen wir den wirklich muti- Akzeptanz-Forderung für eine „Ideologie des
gen Frauen und Männern danken, die bereits in Bösen“. Die CSU klagt schon wieder in Karls-
den Anfängen, von den Medien, der Politik und ruhe, diesmal gegen die Stiefkind-Adoption.
der Öffentlichkeit weitgehend ignoriert, auf die Wir müssen uns gegen diese Abwertungen und
Strasse gingen. Sie mussten noch mit ernsthaf- Ausgrenzungen, die wir auch im Alltag erfah-
ten Schwierigkeiten bei Nachbarn, in der Fami- ren, immer noch wehren.
lie, am Arbeitsplatz rechnen. Deshalb richten wir in diesem Jahr auch un-
Erst mit Aids kamen Schwule und unsere Sze- seren Blick auf die Jugend. Mit dem Motto
ne dann, wenn auch sehr verzerrt und schräg, „young & pride?“ fragen wir zu Recht, wie
in die Medien. Mitte der 80er trieb das Aids- selbstverständlich „Gay Pride“ für die Jünge-
Geschehen zur Flucht, hat gelähmt, aber auch ren heute ist. Denn trotz aller Fortschritte ist
politisiert. Vor allem die Gauweiler-Politik mit das Coming Out für Jugendliche nicht wirk-
dem Bayerischen Massnahmenkatalog 1987 hat lich viel einfacher geworden. Keine 10% der
dann dazu geführt, dass nicht nur die Gruppen, schwul-lesbischen Jugendlichen leben wirklich
sondern auch viele aus der Community auf die offen. Sie leiden unter Einsamkeit und Schwie-
Strasse gingen. 1989 zum ersten Mal auf dem rigkeiten mit den Eltern, erleben Beschimpfun-
Marienplatz. Da waren wir schon ein paar Hun- gen und Kontaktabbrüche, flüchten in Alkohol
dert. Trotzdem haben wir noch Anfang der 90er und Drogen, und haben ein vier Mal höheres
den CSD als Fahrrad-Demo gemacht, damit es Suizidrisiko als andere Jugendliche. Das ist er-
nach mehr aussah. schreckend.
Der Münchner CSD ist dann auch dank Rosa Deshalb muss das Thema Homosexualität und
Liste erst in den 90ern wirklich groß geworden. die Gleichwertigkeit verschiedener Lebensfor-
1994 habe ich Oberbürgermeister Ude gefragt, men endlich an die Schule, in die Lehrpläne, in
ob er nicht namentlich die Schirmherrschaft die Fortbildung von Pädagogen. Deshalb müs-
für den Münchner CSD übernimmt, 1996 war sen Poster, Flyer, Infos dorthin, wo Jugendliche
er dann, nach unserem Wahlsieg, das erste Mal sind, um zu sensibilisieren, um Anlaufstellen
persönlich dabei und sprach mit mir vom Rat- und Jugendgruppen bekannt zu machen. Des-
hausbalkon. Und seit 2000 führen wir gemein- halb brauchen schwul-lesbische Jugendgrup-
sam die Parade an. Seit 1996 waren einzelne pen, wie bei Diversity, auch eigene Räume und
Politikerinnen und Politiker mit dabei, seit Treffpunkte, damit sie sich gegenseitig stützen,
2000 auch Parteien mit eigenen Wägen. unterstützen und sichtbar werden. Da ist noch
Die Tradition des CSD, wie wir ihn heute ken- eine ganze Menge zu tun. Da sind wir Ü25 auch
nen, ist also relativ spät entstanden. Rosa Liste für die U25 nach 25 Jahren CSD in der Pflicht.
hat dabei nicht nur den organisatorischen Rah- So gehen uns die Themen zum CSD längst noch
men mitgeprägt, sondern überhaupt erst mit nicht aus. Politik und Party gehören für uns ein-
unserer Politik und Präsenz das rot-grün-rosa fach zusammen, nicht nur beim CSD. Genug ist
Klima in der Stadt. Dieser rasante schwul-les- noch nicht genug.
bische Aufschwung spiegelt sich ganz deutlich
im CSD wieder. Euer
Selbstverständlich halten wir 2005 am Bewähr- Rosa Liste Stadtrat
ten fest. So wird jetzt zum dritten Mal das Rat- Thomas Niederbühl
haus-Clubbing stattfinden, das damit, nach an-
fänglichem Widerstand der CSU, etabliert ist.
Und wir werden das erste Mal zwei Tage auf
dem Marienplatz feiern. Damit zeigen wir nicht
nur die ganze Vielfalt unserer Community, son-
dern auch ganz kräftig, dass für uns Feiern und
Fordern zusammengehören. Schließlich haben

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1980 – Ein guter Jahrgang
Viele, die heute den Christopher Street Day in München feiern, waren 1980 noch nicht geboren. Sie
tanzen auf den Straßen, gehen auf Partys und clubben im Rathaus. Der CSD ist das Highlight der schwul-
lesbischen Gemeinschaft. In diesem Jahr wird er 25. Die 150 Geburtshelfer des Münchner CSD waren
1980 bereit, den ersten Schritt zu machen. Die Anfänge sind den meisten unbekannt. Wer 2005 zum
CSD geht, wird nicht von Passanten mit „Pfui Teufel“ beschimpft oder von Polizisten in Ledermänteln,
die sich mit Gummihandschuhen gegen „schwule Aids-Bomben“ schützen, begleitet. „Die Szene ist ge-
schichtsvergessen“, sagt Guido Vael, der damals das Eröffnungstransparent vorantrug. Eindrücke aus
den ersten 25 Jahren – gegen das Vergessen.
Er hat sich einen rosa Schal umgebunden und den Schritt.“ Als sich der Zug in Bewegung setzt, geht Odeonsplatz, über die Ludwigstraße bis zur Univer-
schwarzen Hut aufgesetzt. Tüll und Federn schmü- er mit Manfred Edinger voran. Zwischen ihnen ein sität. Ohne laut Forderungen zu skandieren, ohne
cken die breite Krempe. Der Mann ist unterwegs Transparent: „Schwul, na und?“. ausgelassen zu feiern. Eine Fahrspur dürfen die
zum Christopher Street Day. Eine große Sonnenbril- So selbstverständlich war diese Aussage 1980 nicht. Demonstranten benutzen. Autos fahren schnell an
le bedeckt seine Augen. Wegen des Wetters hat er Immer noch stellte der § 175 des Strafgesetzbuchs ihnen vorbei, ein Polizeimotorrad ist die einzige Es-
sie nicht aufgesetzt. Denn der Himmel war am 28. sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Stra- korte. An einer Ampel kreuzen Fußgänger den Zug,
Juni 1980 bedeckt. Dem Beamten im Bayerischen fe. Manche hatten Angst vor den Folgen ihrer Teil- als ob die Demonstration gar nicht existiere. Ein älte-
Finanzministerium ging es nur darum, nicht erkannt nahme am ersten CSD. Ein junger Mann mit Frauen- rer Passant empört sich über die Verletzung bürger-
zu werden. hut und Witwenschleier hielt ein Plakat in die Höhe: lichen Anstands: „Kaum ist das Wetter besser und
Immerhin wagte er mit 150 anderen, was sich in „Ich habe Angst, ich werde Lehrer“. Ein anderer Hellabrunn entlässt seine Tiere.“
München noch nie jemand getraut hatte: Homosexua- ragte aus der Gruppe der Wartenden am Sendlinger Erleichtert waren die Schwulen und Lesben erst,
lität öffentlich zu machen. Eine Demonstration mitten Tor hinaus. Trotz grüner Lockenperücke und rot-weiß als sie im Biergarten am chinesischen Turm zusam-
durch die Innenstadt. Verunsichert steht die Gruppe gestreiftem T-Shirt wirkte der weiß geschminkte mensaßen. Mit Maßkrügen konnten sie endlich an-
zu Beginn am Sendlinger Tor. Und das nicht nur, weil Clown, ein Erzieher aus Dachau, nicht lustig, sondern stoßen auf die Pioniertat. Ihre Transparente hatten
auf dem Plakat, das zum „Stone Wall“ einlud, zwar genauso unsicher wie die anderen. sie eingerollt. Nur eine scheue Umarmung zwischen
ein Datum, aber keine Uhrzeit stand. Einige rauchen, Sabine Holm erinnert sich nicht mehr genau, ob sie zwei Männern am Biertisch ließ erahnen, dass hier
die meisten haben ihre Hände in den Jackentaschen schon 1980 oder erst beim zweiten CSD dabei war. die Teilnehmer des ersten Münchner CSD saßen. Für
vergraben. Rainer Schilling vom Verein für sexuelle „Vielleicht habe ich mich vor dem ersten gedrückt, Guido Vael war die Demonstration eine „Befreiung“.
Gleichberechtigung (VSG) hatte die Demonstration weil ich Schiss hatte, mich öffentlich zu präsentie- Sabine Holm sagt im Rückblick: „Wir waren stolz,
organisiert. Mitstreiter des VSG und der Homose- ren. Es war die Übertretung eines ungeschriebenen dass wir mitgeholfen haben, den CSD in Deutsch-
xuellen Aktion München (HAM) waren bereit, mitzu- Tabus. Das war mit Herzflattern verbunden.“ land zu etablieren.“
gehen. „Brav und zurückhaltend“ empfand Guido Vael Begleitet von Polizisten in dunkelgrünen Ledermän-
damals die Atmosphäre. „Es ging uns um den ersten teln zieht die Gruppe durch die Innenstadt – zum

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Handschuhe gegen Virusschleudern Kreisverwaltungsreferat, gestützt auf „Sitte und Mo- deutsche schrieb im selben Jahr groß über den an-
ral“, waren streng: Sie durften keine Kondome ver- geblich „ersten CSD“. Mehr als 2000 Teilnehmer
Mitte der 80er Jahre begleiteten die bayerischen teilen und Jugendliche nicht direkt ansprechen. fuhren mit rosa und lila Luftballons auf Fahrrädern
Polizisten die Demonstration der Homosexuellen in Der gemeinsame Feind Gauweiler schweißte die und Rikschas zum St.-Jakobs-Platz. Dort warteten
Schutzhandschuhen aus Gummi. Sie hatten Angst vor Homosexuellen-Bewegung zusammen. „Das war da- die Bewohner des nahen Altenheims mit Kaffee und
Aids und Kreisverwaltungsreferent Peter Gauweiler mals eine Art Bürgerkrieg“, erinnert sich Niederbühl Kuchen auf sie. Als die Fahrrad-Demonstranten mit
schürte diese Vorbehalte. Niemand in Deutschland heute. „Bis 1987 war der CSD eine Kleinveranstal- ihren rosa Ballons auf der Bühne standen, war das
legte die neu geschaffenen Aids-Paragraphen des tung der politischen Gruppen, aber durch Gauweiler für Rolf Klaiber, der den Szene-Buchladen Max &
Bundesseuchengesetzes so rigide aus wie der CSU- kam es zu einer starken Einbindung der gesamten Milian führt, „ein kollektives Coming out. Wir ließen
Politiker mit seinem „Maßnahmenkatalog“. „Da gab Szene.“ Die Forderungen wurden selbstbewusster, uns nicht mehr ins Hinterstübchen schicken.“
es richtige Schwulenpest-Assoziationen“, sagt Tho- der CSD in München entwickelte sich zur Großde- Gentschy gründete in dieser Zeit mit anderen homo-
mas Niederbühl, Geschäftsführer der Aids-Hilfe. In monstration der schwul-lesbischen Gemeinschaft sexuellen Geschäftsleuten das Netzwerk „Schwung“.
einer Zeit, in der Guido Vael „drei bis vier Beerdigun- gegen eine gesetzlich sanktionierte Diskriminierung. Als sie 1994 den CSD organisierten, sollte es eine
gen pro Woche“ besuchen musste, führte Gauwei- große Party werden, so wie Gentschy es in den USA
lers Kurs dazu, dass sich die Szene politisierte. Im Er wird größer gesehen hatte. Von Menschen mit Sinn für´s Ge-
Maßnahmenkatalog wurden Schwule pauschal als schäft professionell organisiert. Rolf Klaiber sieht
Krankheits- und Ansteckungsverdächtige geführt. „Community“ – dieses Wort brachte Sergej-Macher dies als „Quantensprung auf Kosten der politischen
Ihre Kneipen galten als „Einrichtungen, welche die Michael Gentschy aus den USA mit. Schwule be- Ausrichtung“. Im Café Morizz wurde heftig darüber
Weiterverbreitung des HI-Virus begünstigen.“ In den schränkten sich dort nicht auf politische Forderungen, diskutiert, in welche Richtung sich der CSD entwi-
Saunen musste helles Licht brennen, um keine „Ge- sie feierten ihre Gemeinschaft mit Stolz und Selbst- ckeln sollte. „Man konnte es doch nicht mehr wie
legenheit zum Geschlechtsverkehr“ zu bieten. Es ge- bewusstsein. Das wollte Gentschy auch in München. eine studentische Demo aufziehen“, sagt Szene-
hörte Mut dazu, in dieser Zeit zum CSD zu gehen. An Er entwickelte die „Rosa Seiten“, die zeigten, wie Gastronom Horst Schreck, der damals überzeugt war,
den Info-Ständen mussten sich Thomas Niederbühl vielseitig das schwule Leben hier war. Die Münchner dass der CSD „locker 60.000 Mark Gewinn abwerfen
und andere als „Aids-Bomben“ und „Virusschleu- Presse spielte mit. 1993 berichtete die Abendzeitung würde“. Aber die Geschäftsidee, eine Bar-Tour mit
dern“ beschimpfen lassen. Die Auflagen aus dem von einem „Spektakel vom anderen Ufer“, die Süd- Gutscheinheften anzubieten, misslang.

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1980 - Ein guter Jahrgang
„Es war ein kleiner Höhenflug zu glauben, wenn Der symbolische Auftritt war für den schwulen In den Dimensionen des Oktoberfests
es ein Geschäftsmann macht, dann packen wir es Stadtrat ein bewegender Moment: „Wir gehören zur
besser an als die Studentengruppen.“ Gut erinnert sich Regierung - ein irres Gefühl.“ Mit Federboa und Sonnenbrille gehen auch heute
Schreck noch an den „kleinkarierten Gegenwind aus Das empfand auch Horst Schreck so: „Zwei Jahre Schwule und Lesben zum CSD. 25 Jahre nach dem
dem Kreisverwaltungsreferat“, als er das Straßen- vorher bekam ich von der Stadt noch nicht einmal ersten Schritt will sich dahinter aber niemand mehr
fest am Weißenburger Platz genehmigen lassen Parkplätze in der Metzstraße genehmigt und 1996 verstecken. Öffentlich homosexuell zu sein – für vie-
wollte. Nicht nur mit böswilligen Verwaltungsbe- standen wir auf dem Balkon.“ Der Triumph beflügel- le ist das normal geworden. Es sind nicht mehr 150
amten musste er sich herumschlagen, sondern auch te die Szene - die Zusammenarbeit wurde besser. Im Pioniere, sondern Zehntausende, die in München
mit Neo-Nazis, die drei Häuser weiter eine Kneipe Jahr 2000 organisierten die vier Vereine Rosa Liste, den Christopher Street Day feiern. „So selbstver-
hatten. Horst Schreck befürchtete Übergriffe und en- Münchner Aids-Hilfe, das Schwulenzentrum Sub und ständlich auf die Straße gehen zu können, ist eine
gagierte einen Sicherheitsdienst, der „zu 90 Prozent die Lesben-Beratungsstelle LeTra den CSD erstmals mehr als erfreuliche Entwicklung. Sie wurde mit viel
aus Lesben bestand“. Das Straßenfest ging mit 5000 gemeinsam. „Das hat der Community und der les- Engagement erkämpft“, sagt Marion Hölczl. „Aber es
Gästen weit über die homosexuelle Szene hinaus. bisch-schwulen Zusammenarbeit gut getan“, sagt gibt noch immer genügend Homosexuelle, die lieber
Zu viel für die Nazis. Sie machten nur einen kleinen Marion Hölczl. „Früher war der CSD für viele Les- Zuhause bleiben. Aus Angst, der Herr Papa könnte
Erkundungsgang in Zivil und zogen unverrichteter ben zu sehr eine Männerveranstaltung.“ Münchens sie dort entdecken.“
Dinge ab. Schwule und Lesben kamen sich näher. „Wir machen Damit sich das ändert, beharrt Thomas Niederbühl
Spätestens seit 1994 ist der CSD als Party etabliert, in Familie?“ hieß das treffende Motto des nächsten auf der Kundgebung: „Die Gruppen müssen dafür
auch wenn „Schwung“ das eigene Ziel verfehlt CSD – auch wenn damit eigentlich die Debatte um sorgen, dass Politik vorkommt. Die Parade darf nicht
hatte. Die Demonstration ist aber „das Herzstück Partnerschaft und Adoptionsrecht gemeint war. zur Promotion mit Nescafé-Wagen verkommen. Wir
geblieben“ und das ist Thomas Niederbühl sehr 2002 eroberten die Münchner Homosexuellen dann wollen in München den politischsten CSD behalten.“
wichtig. Ihn haben die politischen Forderungen bis das gesamte Rathaus. Um darin richtig zu feiern. Die Guido Vael hat die Entwicklung über mehr als zwei
ins Rathaus gebracht. Idee zum Rathausclubbing, inspiriert vom Wiener Jahrzehnte mitverfolgt: „Früher sah man selbstgehä-
„Life Ball“, hatte Thomas Lechner von Queerbeat; kelte Regenbogenhütchen. Die familiäre Atmosphä-
In Münchens guter Stube angekommen Stadtrat Niederbühl half mit, die Rathaustüren von re ist weg.“ Zum Kölner CSD fährt er schon gar nicht
innen zu öffnen. Lechner hat die große Party „mit der mehr: „Den veranstaltet doch inzwischen nur noch
Der Kandidat der „Rosa Liste“ schaffte es 1996 in Unterstützung von OB Ude gegen alle Widerstände, Jägermeister. Das ertrage ich nicht.“ Er warnt vor
den Stadtrat und auf den Balkon des Rathauses. Ge- vor allem aus der CSU, durchgeboxt“. Als sich ein dieser Kommerzialisierung, die mit dem Anwachsen
meinsam mit Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) älterer Mann bei ihm bedankte, dass er das noch des CSD zur Massenveranstaltung in den letzten sie-
stand Thomas Niederbühl mit seiner Amtskette vor miterleben dürfe, wurde Lechner klar, „wie viel wir ben Jahren droht. Dennoch gibt Guido Vael zu, dass
den jubelnden Teilnehmern des CSD, die den Mari- erreicht hatten.“ Draußen leuchtete die Rathausfas- ihn die Masse „sentimental“ macht. „Man kann den
enplatz füllten. „Die Szene feierte sich selbst. 1980 sade in den Regenbogenfarben. Kopf ausschalten und wird getragen.“ Es sei zwar ein
hätte das keiner von uns geglaubt. Wenn man sieht, „Riesenschritt, wenn OB Ude die Schirmherrschaft
wie wenig sichtbar wir damals waren.“

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1980 - Ein guter Jahrgang
übernimmt und den Marienplatz mit Regenbogen- manchen nicht. „Wenn der politische Charakter
fahnen beflaggt, aber das ersetzt die Inhalte nicht. scheinbar untergeht, ist das nicht die Schuld der
Welche Forderungen hat man heute?“ Lesben und Schwulen.Die Medien zeigen doch nur
Die hat Thomas Niederbühl für den CSD 2005 durch- Bilder von Drag Queens. Der wahre Anspruch geht
aus. Er will, dass Homosexualität endlich Teil des in der Berichterstattung total unter“, sagt Sabine
Unterrichts wird: „Information in den Schulen gehört Holm.
zur Anerkennung. Nicht nur für Jugendliche in der Vor 25 Jahren druckte die Abendzeitung ein Foto
sexuellen Orientierungsphase.“ des Bettlakens, das Guido Vael und Manfred Edin-
Dass es auch der Szene nicht nur ums Feiern geht, ger an der Spitze des Demonstrationszuges trugen:
zeigte das vergangene Jahr. Trotz heftigen Regens „Schwul, na und?“ Die Transparente mit kämpferi-
war der Marienplatz beim Auftakt voller Menschen. schen Forderungen wie „Weg mit § 175“ und „Macht
„Es gibt ein Bedürfnis nach Kundgebung. Das bestärkt Euer Schwulsein öffentlich“ sind verschwunden.
uns, wenn wir sehen, wie wichtig den Münchner Les- „Die Jungen wissen leider nicht mehr, wie schwer
ben und Schwulen ihr Fest- und Feiertag ist“, sagt es früher war“, sagt Guido Vael. „Es gibt kein Ge-
Niederbühl. „Wir dürfen nicht unterschätzen, was schichtsbewusstsein in der Szene.“ Horst Schreck
der CSD für die Jugend bewirkt. Er verändert nicht hingegen ist froh, dass heute ein solcher CSD exis-
die Welt, aber was wäre die Welt ohne ihn?“, fragt tiert: „Nach München gehört ein großer CSD – und
er. „Beim CSD spürt die Szene ihr Wir-Gefühl, alle wenn sich 150.000 in den Straßen stopfen. Von mir
können Energie tanken. Sichtbarkeit und Vielfalt der aus können wir ein schwules Oktoberfest im Som-
Homosexuellen würden ohne den CSD wegfallen.“ mer machen.“
Wie sie in der Öffentlichkeit sichtbar sind, gefällt Dorothee Schmidt und
Jan Bernd Schulze Wartenhorst

„Mein schönster CSD“ Rolf Klaiber (Max & Milian):


„Die Fahrraddemo beim CSD 1993
wir uns das erobert haben. Ein berau-
schendes Gefühl.“
Marion Hölczl (Rosa Liste): mündete in ein links-alternatives Stadt-
„Ich fand den CSD 2001 ungemein teilfest am Jakobsplatz. Auf der Tribü- Guido Vael (Sub):
selbstbewusst und solidarisch. Wir ne standen wir Schwulen mit den rosa „Meine beiden schönsten CSDs waren
hatten ein tolles Bühnenprogramm. Luftballons unserer Rädern. Die Leute 1993 und 1994 auf dem Jakobs- und
So wurde ein Querschnitt der vielfälti- aus dem Altenzentrum waren unten auf dem Weißenburger Platz. Auf dem
gen Arbeit der Münchner Szene sicht- auf dem Platz, wir Schwule wurden Marienplatz bin ich todunglücklich.
bar. Und erstmals wehten 2001 riesige aufgenommen und das Fest bekam Das ist nur noch Pflicht. Ich möchte
Regenbogenfahnen ganz offiziell auf eine rosa Komponente.“ mal wieder was Familiäres haben.“
dem Marienplatz - ein sehr bewegen-
des Bild.“ Thomas Niederbühl (Aids-Hilfe): Horst Schreck (Szene-Gastronom):
„Die Fahrrad-Demo 1993 war total gut „1994 war mein schönster CSD. Es
Thomas Lechner (Queerbeat): und witzig. Wir hatten tolles Wetter, ei- war ein tolles Straßenfest in Haidhau-
„Der schönste CSD war für mich im nige waren mit Rikschas unterwegs.“ sen, das über die schwule Szene hin-
Jahr 2000. Ich stand auf der Bühne. aus ging. Und mit 5000 Teilnehmern
Bei einem Quiz drehte ich die Musik Diana Horn (LeTra): war der CSD eine Nummer größer als
leise und der ganze Marienplatz sang „Es war total irre, als wir 2003 im früher.“
weiter: ‚Er gehört zu mir’. Mir liefen Rathaus, Münchens Allerheiligstem,
eiskalte Schauer über den Rücken. Ich feiern konnten. Das hatte eine große
hätte fast heulen können.“ politische Aussagekraft. Schön, dass

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Coming out

Wie eine lange Schwangerschaft


Schwule und Lesben feiern selbstbewusst den Christopher Street Day. Sie sind in der
Gesellschaft viel sichtbarer als vor 25 Jahren. Trotzdem ist der erste Schritt dorthin noch
genauso schwer wie früher. Das Coming Out kann auch heute noch eine Lebenskrise für
junge Menschen sein.

Rolf Klaibers Lebensgefährte träumte in den 80er Bis zum Stolz ist es ein langer Weg. Über die Hälfte „Das war die beste Erfahrung bisher“, meint Micha-
Jahren davon, Landarzt zu werden. Von einer eige- der weiblichen und knapp zwei Drittel der männli- el rückblickend. In der Schule haben die meisten ge-
nen Praxis. Einem Hund. Und einer Ehefrau. Trotzdem chen Jugendlichen benötigen mehrere Jahre für ihr ahnt, dass er schwul ist. Wer ihn danach fragte, dem
lebte er mit Rolf Klaiber in einer schwulen Beziehung inneres Coming out, also das Eingeständnis vor sich antwortete Michael mit ja. „Durch die fortlaufend
– aber nicht öffentlich. „Wir traten nur in meinem selbst, am eigenen Geschlecht interessiert zu sein. guten Erfahrungen hat sich mein Selbstbewusstsein
Freundeskreis als Paar auf.“ Die Partnerschaft zer- „Zu erkennen, dass du homosexuell bist, das ist die gesteigert. Es hat geholfen, selbstverständlich damit
brach schließlich. Heute ist Klaiber Inhaber des längste Schwangerschaft, die ein Mensch haben umzugehen.“ Sogar der heterosexuelle Junge, in
schwulen Buchladens Max & Milian in München. Vor kann“, sagte ein junger Schwuler der Soziologin den er damals verliebt war, hat sich nicht von ihm
kurzem traf Rolf Klaibers Schwester den ehemaligen Jeannine Reiher. abgewandt, als Michael ihm seine Liebe gestand.
Freund ihres Bruders zufällig bei einem Abendessen. „Vielleicht hatte ich besonderes Glück“, meint er.
Er hatte eine Arztpraxis und eine Frau. Nur der Hund Michael ist 21. Zwischen seinem inneren und äu- „Ich habe auch andere Geschichten gehört.“
fehlte. „Für ihn hatte damals das gesellschaftliche ßeren Coming out liegen vier Jahre. Dass er „in die
Umfeld als Arzt nicht gestimmt. Es fehlte die Akzep- andere Richtung tendiert“, wusste er mit 13. „Ich Über die Hälfte der lesbischen und schwulen Ju-
tanz, die er für seine Identität brauchte.“ fand die Backstreet Boys toll und an der Musik lag gendlichen, die in der Berliner Studie befragt wur-
das nicht.“ Das Schlüsselerlebnis für sein äußeres den, haben schon einmal darüber nachgedacht,
Ist es für junge Schwule und Lesben heute leichter Coming out vor einer Person seines Vertrauens war Selbstmord zu begehen. 18 Prozent haben es tat-
als vor 25 Jahren, vor sich selbst und der Welt einzu- ein Junge aus der Schul-Big-Band, in den er sich ver- sächlich versucht. Die Zahl liegt vier mal höher als
gestehen, dass sie gleichgeschlechtlich lieben? Die liebt hatte. „Solche Gefühle müssen etwas heißen.“ bei heterosexuellen Jugendlichen.
Organisatoren des Münchner Christopher Street Day Mit 17 Jahren offenbarte er sich einer sehr guten
bezweifeln das. Sie haben dieses Jahr das Motto Freundin. „Sie hat mich gelöchert, bis sie selbst dar- Auch die Mutter von Tobias, 18 Jahre, hatte solche
„young and pride?“ gewählt und es mit einem Fra- auf gekommen ist. Ich habe es nicht über die Lippen Befürchtungen. „Sie sagte, ich muss mir nichts antun,
gezeichen versehen. Grund zur Skepsis geben wis- gebracht“. Michael fühlte sich damals zittrig und un- ich sei noch immer ihr Kind.“ Nur durch Zufall wurde
senschaftliche Studien, die sich mit dem Prozess des wohl, „weil es jetzt nicht mehr nur in mir drin war. Tobias in seiner Familie geoutet. Ersten Kontakt zur
Coming Out und den Problemen junger Homosexu- Wenn sie es weitersagen würde, wäre es nicht mehr schwulen Szene fand er beim Chatten im Internet.
eller beschäftigt haben. „Sie liebt sie, er liebt ihn“, zu stoppen.“ Die gute Freundin reagierte locker, frag- „Ich teile einen Computer mit meiner Schwester und
eine Befragung des Berliner Senats unter jungen te nach, interessierte sich. durch die automatische Vervollständigung der Inter-
Lesben und Schwulen, kommt zu dem Ergebnis, dass net-Adressen landete sie in meiner Community und
für viele Jugendliche das Coming Out noch immer war sehr erstaunt, wer da mit ihr chatten wollte.“
eine problematische Phase ist. Über die Hälfte der Die Schwester sprach ihn darauf an. „Ich habe es zu-
jungen Schwulen und Lesben hat schon einmal ver- gegeben. Die Beweislage war überwältigend.“ Der
sucht, ihre homosexuellen Gefühle zu unterdrücken,
die meisten vor dem 18. Geburtstag. Drei Viertel der
weiblichen und 60 Prozent der männlichen Befragten
erlebten in der Zeit des Coming Out negative Reak-
tionen, jeder Zehnte sogar körperliche Gewalt. Eine
Studie des niedersächsischen Sozialministeriums
belegt, dass die Gewissheit, schwul zu sein, heute
mit der gleichen Unsicherheit und Furcht verbunden
ist wie vor 30 Jahren. Positive Gefühle wie Stolz und
Freude hätten aber vor allem bei jungen Männern
unter 20 Jahren zugenommen.

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Coming out

erste Gedanke seiner Mutter war, dass sie keine Über die Hälfte der schwulen Jugendlichen erleben zuklammern. „Totschweigen ist schwieriger für die
Enkel von ihm bekäme. Mit seinem Vater hat er nie üble Nachrede durch Gleichaltrige und bei 40 Prozent Mädchen als ein großer Streit, auf den Besserung
direkt gesprochen. „Ich frage mich, ob es ihm über- haben sich nach dem Coming Out Freunde zurück- folgt. Wo Reibung ist, da ist auch Wärme.“
haupt bewusst ist.“ gezogen. Ein Drittel sind in der Schule beschimpft
worden. Die Untersuchung des niedersächsischen Miriam Falkenberg sagt, das Coming Out ihrer Mäd-
42 Prozent der Söhne aus der Berliner Senatsstudie Sozialministeriums spricht von der Schule als „ho- chen gehe heute schneller und sei insgesamt einen
glauben oder wissen, dass ihr Vater Homosexualität mophobem Ort“: Schwule würden zu Zielscheiben Tick leichter, weil das Thema in der Gesellschaft
ablehnt. Relativ viele Jugendliche können die Frage von Witzen und Verachtung, ohne dass Lehrkräfte präsenter sei. „Junge Lesben finden heute schneller
nach der Einstellung ihres Vaters gar nicht beant- darauf angemessen reagierten. Gleichgesinnte in der Szene. Jede Woche kommen
worten. Homosexualität scheint also immer noch ein ein bis zwei neue Mädchen zu den JuLes. Aber die
Tabu-Thema in der Familie zu sein. Auch Michaels Miriam Falkenberg betreut junge Lesben der Gruppe Probleme in Milieu und Elternhaus sind nicht riesig
Verwandtschaft weiß noch nichts von seiner Homo- „JuLes“. Die Sozialpädagogin arbeitet im Münchner anders als früher. Die Mädchen sind nur besser ge-
sexualität. Als seine fast 90-Jährige Großmutter ihn Mädchentreff Ragazza und erzählt von einer der rüstet, damit umzugehen.“
in seiner Münchner Wohnung besuchte, verschwan- wenigen Lesben, die sich auch in der Schule offen
den die Männerfotos von der Wand und die DVDs im als homosexuell zu erkennen gibt. „Sie hat sich im Rolf Klaiber denkt, dass sein Freund, der sich für
Schrank. „Ich habe nicht das Selbstbewusstsein, es Religionsunterricht ihrer Hauptschule geoutet und Arztpraxis, Frau und Hund entschied, heute bessere
meiner Verwandtschaft zu sagen. Es fällt mir schwer, allein gegen die konservative Lehrerin und die Schü- Chancen hätte, sich zu seiner Homosexualität zu be-
weil sie mir so nahe stehen.“ ler anargumentiert. Für eine 16-Jährige ist das eine kennen. „Es könnte anders laufen. Das gesellschaft-
echte Leistung.“Miriam Falkenberg glaubt, dass liche Korsett ist nicht mehr so eng geschnürt wie frü-
Tobias findet, dass sich der Kontakt zu seinen Eltern es bei Mädchen fünf bis zehn Jahre dauert, bis sie her. Aber es gibt auch heute noch Leute, die parken
sogar verbessert hat, „dadurch, dass ich etwas sehr als Lesben etabliert sind. „Frauen haben anders als ihre Fahrräder beim nächsten Supermarkt statt vor
Persönliches offen gelegt habe.“ In der Schule hat er Männer kaum positive homosexuelle Vorbilder aus dem schwulen Buchladen und verlangen nach einer
sich noch nicht geoutet. „Ich bin nicht der Typ, der dem Fernsehen oder der Öffentlichkeit. Sie haben neutralen Tüte.“
sich damit vor die Klasse stellt.“ Er bezeichnet sich mehr zu kämpfen.“ Den Prozess des Coming Out
selbst noch nicht als schwul, sondern sagt, dass er macht sie stark vom Milieu abhängig. „Je ländlicher, Dorothee Schmidt
auf Jungs stehe. „Ich weiß, dass die Leute Vorurteile je traditioneller und je religiöser das Umfeld, desto
haben. Das Wort schwul ist durch die Jugendspra- enger ist die Sicht.“ Den Eltern junger Lesben wirft
che in Verruf geraten.“ sie vor, nicht an dem Thema zu arbeiten und es aus-

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Gastkommentar

Alles eine große Verkleidungsparty


Irgendwann im ernsten familiären Gespräch um Studium, Abschluss, Berufschan- Show bedeutet, sondern Selbstbehauptung in den Widrigkeiten des täglichen
cen und sexuelle Orientierung des jüngsten Sohnes deutete mein Vater auf die Lebens? Auf diese Weise beschwichtigend fügte ich mich fast nahtlos in den
rötlich-orangene Langhaarperücke, die dezent auf meinen Schrank drapiert war. Konsens der Gesellschaft ein, den ich eigentlich durchbrechen wollte. Denn, ohne
„Das da“, sagte er fingerzeigend, „das da ist es, womit ich noch etwas Probleme gleich mit Judith Butler und Gender-Theorie abschrecken zu müssen: Die politi-
habe.“ Und hier materialisierte – oder: verbifizierte sich ein weiteres Thema, das sche Dimension beginnt schon ganz einfach an der Stelle, an der ich so aussehe,
seit meinem ersten Drag-Auftritt vor knapp zwei Jahren oftmals unbehaglich in wie ich möchte, und andere Leute meinen, mir vorschreiben zu dürfen, dass das
der Luft gehangen hatte. Warum? Warum musst du dich denn als Frau verkleiden? so nicht ginge. Wenn ich als bisher männlich identifizierte Person Lust habe, mir
Bist du als Mann nicht zufrieden? – Mich brachte die Frage, obwohl eigentlich ein Kleid anzuziehen und ein schickes Rouge aufzulegen, wer in der Welt sollte
lang erwartet, in ein Dilemma: sollte ich beschwichtigen oder konfrontativ he- mir das Recht dazu absprechen dürfen? Wenn sich x-beliebige U-Bahngäste das
rausfordern? Die erste Reaktion war: Auf jeden Fall beschwichtigen. In ihrem Recht herausnehmen, mich aggressiv anzuzischen, nur weil sie mit meinem Äu-
Horrorbild sahen meine Eltern ihren Sohn den langsamen Weg in den Abgrund ßeren nicht umgehen können - soll ich mich dann verkriechen und brav die Haare
gehen, in zwanzig Jahren als gescheiterte Drag-Existenz in der Kneipe sitzen, scheiteln, wie sie es gern hätten? Was ist mit meiner Freiheit? Warum sollte ich
überschminkt und versoffen, frustriert und gescheitert, einsam. Meine erste Re- mich einschränken?
aktion also: Beschwichtigung. Appeasement. Zumal die bipolare Geschlechterweltsicht – es gibt Mann und Frau und beide
Naja, was heisst hier lieber Frau sein, sagte ich mit möglichst sonorer, vertrau- sind grundverschieden – eher ein Unterdrückungsinstrument ist. Wer von Ras-
enerweckender Stimme, das ist doch mehr wie Fasching oder Karneval. „Drag“ sen spricht, diskriminiert bereits, denn es gibt keine Aufspaltung in Kategorien
kommt aus dem Englischen und ist die Abkürzung für „Dressed as Girl.“ – dahinter ohne eine implizite Hierarchisierung. In Geschlechter zu teilen ist ähnlich dazu
steht also der Spaß am Verkleiden! Es ist lustig, mal ganz anders aufzutreten und die Grundvoraussetzung für Sexismus und Homophobie. Die Bipolarität des Ge-
so die Leute zu erschrecken. Ich gehe „als Frau“ auf die Bühne, tanze etwas, und schlechterbildes, die Annahme einer krassen Geschlechterdichotomie mit aus-
das Publikum findet es schön, dann gehe ich wieder hinter die Bühne und schmin- schließlichen Elementen ist sowieso der Realität nicht angemessen. Durch das
ke mich ab. Nichts dabei – die Lust an Verkleiden und Show, sonst gar nichts. Raster der biologischen Geschlechterzuweisungen fallen viel mehr Leute, als
An dieser Stelle wurde mir allerdings ziemlich unwohl. Wenn alles nur eine große gemeinhin angenommen wird. Es gibt verschiedene Arten, das Geschlecht eines
Verkleidungsparty ist (sic! Ist es auch, aber dazu unten mehr!), diskreditiere ich Menschen zu bestimmen: Sekundäre Geschlechtsmerkmale. Hormonspiegel. Erb-
dabei nicht vollkommen die politische Dimension dahinter bzw. diejenigen mei- gut. Bartwuchs. Zeugungs-/Gebärfähigkeit. Penis/ Vagina. Sexuelle Orientierung.
ner FreundInnen, für die ein „anderes“, unbestimmtes Geschlecht nicht Party und Kleidung. Haartracht. Und noch einige mehr. Der Anteil der Menschen, die sich
eindeutig in allen Kategorien als männlich oder weiblich klassifizieren lassen, ist
verschwindend gering. Grenzen zwischen den Geschlechtern sind auf den ersten
Blick manchmal vielleicht eindeutig auszumachen, auf den zweiten Blick existie-
ren sie jedoch nicht. Statt dessen entscheiden sich die meisten Leute täglich für
Da steckt mehr dahinter. eine Geschlechterrolle, die ihnen zugegebenermaßen ihr Leben lang vorexerziert
wurde. Insofern ist tatsächlich alles nur eine große Verkleidungsparty – jedoch
nicht nur die Drag-Show, sondern auch gerade das „tägliche Leben“.
Drag will genau das vor Augen führen. Manchmal wird der Vorwurf laut, Traves-
tie würde Geschlechterrollen durch ihre Nachahmung festschreiben und Grenzen
zwischen den Geschlechtern setzen. Ein Drag-King, der sich als Macho benimmt,
zeigt nur, dass alle Männer eigentlich Machos sind. Eine betont feminine Drag-
Queen verkörpert den Anspruch, dass alle Frauen feminin sein müssen (was auch
immer das bedeutet). Die Gefahr ist da, andererseits jedoch überspitzt Drag die
erwarteten Geschlechterrollenklischees und stellt sie in parodistischer Form dar,
LAMELLEN- führt auf diese Weise deren Konstruiertheit vor Augen und erweitert den Hori-
VORHÄNGE zont. Wenn ich heute Abend auf der Party als Person mit traditionell weiblich
klassifizierten Features durchgehe und mich „gut so“ fühle, warum sollte ich das
ROLLOS im „täglichen Leben“ nicht einfach übernehmen? Stichwort Verkleidungsparty.
MARKISEN Wie Du aussiehst, welche Rolle Du spielst, welche Identität Du annimmst, be-
stimmst Du zu einem großen Teil selber.
PLISSEES So weit kam ich in der Diskussion mit meinen Eltern jedoch gar nicht. Es blieb
JALOUSIEN nach kurzen angedeuteten Verweisen auf dahinterliegende Thematiken doch
beim Appeasement und dem (tatsächlich unsäglichen) Vergleich mit dem Kar-
BERATUNG neval der Kulturen. Doch nicht mal der Versuch, es auf der Ebene meiner Eltern
harmlos-erklären zu wollen, fruchtete. Meine Mutter: „Fasching habe ich auch
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noch nie gemocht.“
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Der Autor schreibt am liebsten für die Berliner Boulevardpresse oder seine eigene
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„Die Spur führt
ins Homo- Milieu“
Wie nach dem Moshammer-Mord Homo-
sexualität kriminalisiert wurde.
Während der Dreharbeiten zu „Basic Instinct“ protestierten in San Fransisco Les-
benverbände gegen die fortwährende Kriminalisierung homosexueller Charaktere
im Kino. Als der Thriller in die Kinos kam, verteilte man an die Zuschauer Flug-
blätter, auf denen der Schluss verraten wurde: „Catherine did it!“ Das war 1992.
Dreizehn Jahre später hat sich an der Art, wie Homosexualität in den Medien
behandelt wird, nicht viel geändert. Jüngstes Beispiel: Die Berichterstattung der
Bild-Zeitung über den Mord an Modemacher Rudolph Moshammer.

„Polizei fahndet im Homo-Milieu“ titelt die Bild am 15. Januar, dem Tag nach
dem Moshammer-Mord. Auf Seite 2 wird ein Vergleich bemüht: „Auch Sedlmayr
verkehrte im Stricher-Milieu“. Und unter der Schlagzeile „Ich war einer seiner
Sex-Jungen“ setzt Bild in derselben Ausgabe noch einen drauf: „Er riss mit elf
Jahren aus, stieg direkt in die Schwulen-Szene ein“, heißt es über „Francesco“,
der angeblich mit Moshammer Sex für Geld gehabt haben soll. Und ein paar Zei-
len weiter: „In München bieten täglich rund hundert Stricher ihre Dienste an.“
Homo-Milieu, Stricher-Milieu, Sex-Jungen, Schwulen-Szene. Meinen die Ausdrü-
cke alle dasselbe? Sind alle Schwulen Stricher? Gibt es ein „Heterosexuellen-Mi-
lieu“, und wenn ja, ist es gleichzusetzen mit der „Prostituierten-Szene“? „Die Be-
hauptung, dass im Homosexuellen-Milieu ermittelt würde, ist sprachlich völliger
Unsinn“, sagt Martin Rosenberg vom Bund Lesbischer und Schwuler JournalistIn-
nen (BLSJ). „Darüber hinaus zementierten solche Phrasen unbewusst Klischees
über Homosexuelle, die damit kollektiv verunglimpft werden.“
Die Bild legt an den Tagen nach dem Moshammer-Mord nach. „Wie erkennen sich
Schwule?“, fragt sie am 20. Januar unter der Schlagzeile „Die geheime schwule
Party-Welt“. Und fasst zusammen: „Der Fall Moshammer lässt uns in ein unbe-
kanntes Universum blicken.“ Wer hier mit „uns“ gemeint ist, lässt sich nur erah-
nen. Vermutlich hat Bild keine homosexuellen Leser.
„Trotz Homoehe und schwulen und lesbischen PolitikerInnen: Von Gleichberech-
tigung oder gar Gleichbehandlung sind Homosexuelle noch weit entfernt“, sagt
Ute Roos vom BLSJ. „Ebenso wie die Mehrzahl der Medien von einer fairen, neu-
tralen und vorurteilsfreien Berichterstattung jenseits von Klischees und Sensati-
onsgier.“
So sieht das auch ein Kolumnist im Internet. Unter der Überschrift „Heterror“
schreibt er über die Moshammer-Nachrufe: „Er durfte kein ganz normaler Geld-
sack sein, er durfte nicht den üblichen schlechten Geschmack der Münchner
Schickeria haben, denn Rudolph Moshammer war schwul. Moshammer ist der
‚Unverheiratete’, der ‚Alleinstehende’, manchmal auch der ‚Junggeselle’ – Begrif-
fe, die so schwulenfeindlich sind, wie die Rede von ‚Den Herren an der Ostküste’
antisemitisch.“
Michael Aust

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17

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Samstag 9.7.

CSD-Politparade
Politischer Auftakt Politischer Abschluss
Marienplatz - 11 Uhr Marienplatz - 15:30 Uhr

Kurz vor Redaktionsschluss platzte die Bombe: Zum Abschluss der Politparade erwarten wir
Bundestags-Neuwahlen im Herbst. Was für Schirmherrn Oberbürgermeister Christian Ude
Konsequenzen bringt dies für Lesben und und Rosa Liste Stadtrat Thomas Niederbühl auf
Schwule? Dazu wird u.a. die Vorsitzende von der Hauptbühne am Marienplatz.
Bündnis90/Die Grünen Claudia Roth Stellung
nehmen. Außerdem freuen wir uns auf Vertre-
ter/innen der Münchner Jugendgruppen, die Positionsauslosung
zum diesjährigen Motto „young & pride?“ und
der aktuellen Lebenssituation von jungen Les- Die Auslosung der Paradepositionen könnt
ben und Schwulen sprechen werden. Ihr live on air bei Radio LoRa 92,4 MHz
verfolgen. Am Donnerstag, den 16. Juni,
CSD-Politparade sendet Uferlos - das schwule Radiomaga-
Marienplatz - 12 Uhr zin ein Special. Von 21-22 Uhr dreht sich
auf der 92,4 MHz alles um den Münchner
Direkt nach dem „politischen Auftakt“ startet CSD. Höhepunkt ist die Live-Auslosung der
die Politparade. Wie immer mit Schirmherr Positionen der angemeldeten Teilnehmer.
Oberbürgermeister Christian Ude und Rosa Lis-
te Stadtrat Thomas Niederbühl an der Spitze.
Vom Marienplatz geht es über den Oberanger
zum Sendlinger Tor, von dort zum Stachus und
wieder zurück, weiter über Müllerstr., Klenzestr.
und Gärtnerplatz durch die Szene und dann ab-
schließend durch das Tal wieder zum Marien-
platz (Ankunft ca. 15 Uhr).

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Sa./ So. 9. /10.7.

CSD-Straßenfest 12.00-23.00h
Zum „25 Jahre Jubiläum“ feiern wir erstmals
zwei Tage auf dem Marienplatz.
An beiden Tagen steht die große Showbühne im Mittelpunkt; am Samstag er-
wartet Euch ein buntes Showprogramm (S.22/23), am Sonntag findet erstmals
hier das Pumps Race (S.28/29) statt.

Am Samstag gibt es zusätzlich Party pur am Rindermarkt rund um Münchens


schönsten Brunnen. Außerdem informieren zahlreiche Vereine, Gruppen und
Initiativen aus der Community über Ihre Arbeit. Deren Infostände findet ihr auf
dem Marienplatz sowie in der Rosenstrasse.

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21
Leistung aus Leidenschaft.

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Samstag 9.7.

CSD-Showprogramm/Marienplatz
Guildo Horn (Köln)
Aber bitte mit Schlag(hose)
„Der Retter der Zärtlichkeit“, wie ihn
seine Fans nennen, ist Musiker, Entertainer,
Diplompädagoge, offizieller WM Botschafter,
Musical- und Operettendarsteller, Multi-
instrumentalist. Ein Tausendsassa eben.
Kein Mensch, sondern ein Naturereignis.

Luci van Org (Berlin)


Mystic-Pop (Foto: Fin Porzner)
Es hat sich vieles geändert bei Luci,
seit sie nicht mehr Lucilectric heisst.
Doch eines ist geblieben: Ihre Fähigkeit Songs
zu schreiben, bei denen man einfach hinhören
muss. Mariachi goes Elektro goes Gitarre.
Die Popdiva kombiniert das scheinbar
Unmögliche miteinander.

Duotica (Köln)
macht schön - oder wahnsinnig...
Wann ist die Richtige die Falsche – und wann der Falsche
genau das, was man gerade braucht? Ein Universum aus
planetaren Anziehungskräften und Entliebungskuren,
Amadeus Bartoni (Bayern) entblößenden Affären und entstellter Liebe.
Weltmeister der Oktaven
Der Weltmeister der Oktaven (5 1/2) hat vor
ein paar Jahren mit der Klitschko-Hymne
„Emporio“ unter anderem beim Münchner
CSD bei Jung und Alt für grosses Aufsehen
gesorgt. Nun startet Amadeus Bartoni mit
neuen Klassik- und Pop-Arrangements von
Welthits wieder international durch. In einer
Welturaufführung (!!!) wird er eine neue
Single - die gelungene Klassik-Interpretation
eines Pop-Bestsellers - im Duett mit der
spanischen Sopranistin Lili Pereiro auf
dem Münchner CSD präsentieren.
Villaine (Köln)
Zu viel Adrenalin für den Grand Prix
Villaine (vilaine [franz.] unartiges Kind, böses
Kind) hat mit ihrer Single „Adrenalin“ ein
„persönliches, unkonventionelles Liebeslied“ Christophonic (Köln)
zum deutschen Vorentscheid des Grand Prix Futuristic Funky Pop
beigetragen. Ihre Stimme und ihre Musik, die Eingängig melodiöse Elektro-Dance-Musik bringen
sie selbst komponiert, sind der Grund Christophonic aus dem elektronischen Herzen
für ihre steile Karriere. Hamburgs nach München. Die Sounds gehen fix
in den Kopf - und genauso fix in die Beine.

22

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Cihangir Gümüstürkmen (Berlin)
One Görl how
Cihangir entführt sein Publikum auf eine
temperamentvolle Reise durch sein schillerndes
Leben zwischen den Kulturen und den sexuellen
Identitäten. Er wird zur sexy handtaschen-
jonglierenden Braut „Lale Lokum“ und macht
Karriere als einzige Türkin in Hollywood,
oder singt als lesbische Tante „Lesbo Süngü“
die Dorfdramen aus Anatolien und stellt die
Ehre der Familie wieder her. Barberries (München)
Barbershop aus München
Barbershop-Musik ist die wohl einmalige Mischung aus
Dixie, Rag und alten Schlagern aus den 20er bis 60er
Jahren. Die a capella Songs sind mal spritzig,
mal schmalzig und immer mit ein wenig
Choreographie vorgetragen.

Jockel Tschiersch (Berlin)


One-Man-Comedy (Foto: Anja Boelck)
Stellen Sie sich einfach mal vor, ein Autor hat
bei seinen besten Freunden abgeschrieben und
deren Leben zu einem Roman verwurstet. Und
nun stehen sie vor der Türe, diese Freunde,
die schon lange keine Freunde mehr sind...
High Heels (München) Da ist Ärger vorprogrammiert, sowohl
Comic Drags (Foto: Georg Thum) inhaltlich als auch formal.
Als krönender Abschluß wirbeln die hyperaktiven
Partydrags über die Bühne am Marienplatz und zeigen
eine überstylte Show auf schwindelerregendenen
Plateaus in farbenfrohen, avantgardistischen Outfits
zwischen Punk und Glamour. Die drei schrillen Comic
Drags nehmen den Zuschauer mit auf einen Kurztrip
durchs fabelschräge Dragqueenland. Royal Bavarian Cheers (München)
München Puschelt!
Wer im letzten Jahr bei den Eurogames den
Cheerleading-Wettbewerb verpasst hat, sollte sich
dieses grossartige Vergnügen auf keinen Fall entgehen
lassen: Das erste gemischte lesbisch-schwule Cheer-
leading-Team bietet eine Mischung aus Formationstanz
und Akrobatik, Klettern und Springen
- und natürlich Puscheln!

Timid Tiger (Köln)


Zeichentrickorchesterpop
Großartige Spielzeuglieder mit einem Hang
zum Mitsummen. Mal glücklich und leicht, wie Kingz of Berlin (Berlin)
eine Pusteblume aus Zuckerwatte an einem Drag King Performance (Foto: Jörg Klaus)
sonnigen Flokatiabend. Mal traurig und verlo- Berlins hottest Boyz haben vom charmanten Gentle-
ren, wie ein ins Weltall geworfenes Kistchen man über den schwulen Frisör bis zum muskulösen
aus Erinnerungen, das man viel lieber bei sich Matrosen so ziemlich alles im Programm. Die Drag
behalten hätte. Mit den Bösen und den Guten. Kingz schaffen es, mit jeder Menge Esprit, Spaß
Musik zum Küssen bis man nicht mehr kann. und Sexappeal, immer wieder neu zu überraschen.

23

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Samstag 9.7.

Rathausclubbing 22.00-05.00h
KartenVVK bei allen an München Ticket angeschlossenen Vorverkaufsstellen
sowie bei Max & Milian und in Lillemor‘s Frauenbuchladen

1
EG 1
Open Air Disco
Easy Listening
mit DJ Bernd Hartwich
(Soul City, K 41)

2
1.OG 2

5 3 Classic Ballroom
2.OG Eröffnung um 1.00 h
mit grossem Walzer,
danach Paartanz
3 4 von ChaCha bis Tango

5 4
Lounge
zum Sitzen, Chillen
und Plaudern
6

3.OG
7

6 6 7

24

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Samstag 9.7.

Liveprogramm 22.30-01.00h
Bitte auf die angegebenen Uhrzeiten achten
- keine Einlaßgarantie nach Beginn der einzelnen Programmpunkte

Ursula West (Südstaaten/Berlin)


A Legend In My Time (Foto: Fokke Hoeckmann)
Das neue Programm der aus den Südstaaten
stammende Countrysängerin feiert Ende Juni in
Berlin Premiere. Mit ihrer aufrichtigen, ländlichen Popette Betancor (Berlin)
Art bezaubert Ursula West ihr Publikum und & Special Guest Cora Frost (Berlin)
eroberte sich ein Fanpublikum auch unter denje- Meisterin des lakonischen Betrachtungswitzes und der mimi-
nigen, für die Countrymusik bisher ein rotes Tuch schen Spontanentgleisung wird sie genannt.
war. Es soll bis heute überzeugte Fans geben, die Erfinderin des ‚Kammer Pop‘. Minnesängerin der beschädigten
noch nicht gemerkt haben, daß sich hinter der Fas- Idylle. Deutschlands ungewöhnlichste Alleinunterhalterin gräbt
sade der anrührenden Countryfee Christoph Marti verschüttete Kleinode aus der Großstadt Berlin aus und prä-
von den Geschwistern Pfister verbirgt. sentiert sie uns spritzig, bissig und subtil. Um das ganze noch
0.15 Uhr im großen Sitzungssaal zu toppen, bekommt Popette tatkräftige Unterstützung von
Cora Frost, der Frau mit der Ausnahme-Stimme.
22.45 Uhr im großen Sitzungssaal

3
Das Live-Programm
findet im großen
Sitzungssaal (2.OG) statt.
Bitte pünktlich zu den
angegebenen Uhrzeiten
erscheinen!
Kommando Rothenberger (Köln)
„rössl.wolfgang.see“ (Foto: Frank Tusch)
Das 6-köpfige Ensemble wandelt auf dem schma- 1
len Grat zwischen kabarettistischer Persiflage und
kämpferischer Verteidigung eines vollkommen zu Überraschungsauftritt
Unrecht verkannten Genres - der Operette.
Mit stimmlicher Bravour und szenischem
um 22.30h im
Einfallsreichtum wird der Singspiel-Klassiker großen Innenhof
„Das weiße Rössl“ einer spektakulären Rettungs-
aktion unterzogen, die sich zwischen Alpenroman-
tik und rheinischem Humor einpendelt: rührend
und emotional, politisch unkorrekt, intellektuell
übersichtlich und trotzdem gut gemacht.
Vor allem aber: Sehr modern.
23.30 Uhr im großen Sitzungssaal
25

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Rahmenprogramm
HIV/AIDS Glaube Freitag, 8. Juli, ab 22 Uhr Sonntag, 10. Juli, 15-21 Uhr
Sergej-Party Golden Velvet Diversity-Café
Dienstag, 5. Juli, 19:30 Uhr Samstag, 9. Juli, 10 Uhr im Soul City am Maximiliansplatz in der Glockenbachwerkstatt (Blumen-
“Bareback, Supervirus, Superinfektion” Ökumenischer CSD-Gottesdienst Start der neuen Partyreihe mit str. 7) für alle bis 27 Jahre, mehr Infos
Podiumsdiskussion im Sub, Müllerstr. 43 in St. Lukas am Mariannenplatz Glamour, mehr Infos siehe Anzeige unter www.diversity-cafe.de.
Mitte Februar 2005 berichteten die „Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das auf Seite 45 oder unter
Medien über einen HIV-positiven Licht der Welt.“ www.sergej-magazin.de Sonntag, 10. Juli, ab 22 Uhr
schwulen Mann aus New York, der open end!
sich mit einem multiresistenten HIV- Beteiligte Gruppen: Freitag, 8. Juli, 24-1 Uhr Traditionelle CSD – Abschlussparty
Virusstamm infiziert hat. Er war regel- Evangelisch-lutherische Gemeinde CSD Warm Up “Midnight Sun“ im Oberanger Theater im Vollmarhaus,
mäßiger Besucher von Sexparties und St. Lukas, alt-katholische Gemeinde im Kraft@akt in der Thalkirchnerstr. 4 Eintritt frei! Mehr Infos unter
Saunen. St. Willibrord, evang.-reformierte Ge- Cocktails 4,90 €, speziell zu 25 Jahren www.oberanger-theater.de
meinde, anglican-episcopal church of CSD München wird ein neuer Cocktail
• Was ist dran am neuen „Super-Vi- the ascension, katholischer Gottes- kreiert!
rus“, oder „Killer-Virus“? dienst für Lesben, Schwule und Queers Upcoming Events
• Handelt es sich hier um einen Einzel- (ehemals Queergottesdienst). Samstag, 9.Juli, ab 22 Uhr
fall, oder ist zu befürchten, dass diese Mehr Infos unter: Bluemoon-Party im Oberanger Theater Freitag, 15. Juli
Virusvariante auch bald in Deutsch- www.csd-gottesdienste.de im Vollmarhaus (open end!) 10 Jahre BAU! BAU, Müllerstr. 41
land auftritt? mit DJ Bobby - direkt nach dem CSD- Große Geburtstagsparty mit vielen
• Und was ist dran an der Superinfek- Straßenfest, Erdbeerlimes für 1€ Überraschungen, mehr Infos unter
tion? Kann man sich als HIV-positiver Party Mehr Infos unter: www.bau-munich.de.
erneut mit einem anderen Virusstamm www.bluemoon-dancenight.de Der CSD wünscht alles Gute zum Ju-
infizieren? Sonntag, 3. Juli Eintritt: 5 € biläum!
• Wie gefährlich sind Barebackpar- Schlagertrauma im BAU
ties? Müllerstr. 41 Samstag, 9. Juli, 21-3 Uhr Samstag, 20. August,
Moderation: Dr. Günter Reisbeck. Es Schlagersahne pur, geil gemixt von Euro Late Night im Kraft@akt Schwules Hans-Sachs-Straßenfest
werden diskutieren: Dr. Helmut Lies „Hillary“. Mitsingen erwünscht. in der Thalkirchnerstr. 4 Das Straßenfest-Highlight im August!
(HIV-Behandler); Robert Höpfner (Mr. Mehr Infos unter: 0,5 Helles nur 2 Euro, Partynacht mit Dabeisein wenn Münchens schwules
Bavarian Leather 2004), Engelbert www.bau-munich.de. Gogos & Früchte Boys Kommunikations- und Kulturzentrum
Zankl (HIV-Therapie-Hotline) und an- (Sub e.V.) seinen Geburtstag feiert!
dere. Mittwoch, 6. Juli, 19-23 Uhr Samstag, 9. Juli, ab 22 Uhr Mehr Infos unter www.subonline.org
Euro Night im Kraft@akt „Alle wollen Liebe“-Disko auf 3 Floors
Lesben in der Thalkirchnerstr. 4 im Soul City am Maximiliansplatz Samstag, 10. Sept., ab 14 Uhr
Jedes Fassbier für 1 Euro,hier wird die „25 Jahre CSD-Party Special“ Queerbeet-Day auf der BUGA05
Freitag, 8. Juli, 18:45 - ca. 22:30 Uhr Gay Happy Hour zur Party! Club: DJ Jens Poenitsch & Bernd Ja- Das schwul-lesbische Kulturfest u.a.
„Junge Energie und späte Hitze“ kopic (blauephase/glashausdisse), mit Melodiva, Philhomoniker, Lila-
- offene Gruppe für Lesben um die 50 Donnerstag, 7. Juli, ab 22 Uhr Elektro Glamour & vocals munde Lesbenvocal, der einzigartigen
und älter 10 Jahre Easy Listening! Café: DJ James, Love is lifting you... Georgette Dee und vielen anderen!
im LeTRa, Angertorstr. 3(U-Bahn Send- im Soul City am Maximiliansplatz Dance, Charts, black Mehr Infos unter www.buga2005.de
linger Tor)18.45 - ca.22.30 Uhr Disco: DJ Bernd Hartwich & DJ Roland Separee: DJ-Battle von Münchener
Wald: 60´s to 80´s. Szene-DJs, Worldsound vs. House vs. Sonntag, 18. September
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den und Jungbleiben austauschen und selbstverständlich Fruchtbowle Sonntag, 10. Juli, 10-16 Uhr des Münchner Löwenclubs,
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Da es sich dabei um einen Einblick in no-difference!
die Darstellung von Lesben in zeitge- Doppeldecker-Partybus & U27-Party
schichtlichem Rückblick handelt, ist Einstieg um 20 Uhr an der Blumen-
dieser Abend auch für jüngere Lesben strasse 7 (Ecke Corneliusstr.).
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Sonntag 10.6

Pumps-Race / Marienplatz

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Wenn erwachsene Männer in High Heels
und schrägem Outfit um die Wette stöckeln
und dabei verschiedene Hindernisse über-
winden müssen, dann kann das nur
das Pumps-Race sein...
Am Sonntag den 10.07.2005 des CSD-Wochenendes wird dieser sportlich-schrille
Wettkampf erstmals auf dem Marienplatz präsentiert. Schon beim ersten Event (1997)
stellte das Pumps-Race den krönenden Abschluss des CSD dar. Seitdem avancierte
es zu einem traditionellen, festen Bestandteil des Münchener CSD und ist in ein
Straßenfest für Jung und Alt eingebettet.

Das Pumps-Race wird wieder vom Spitzen-Duo Bernd von Fehrn und Matthias Brandebusemeyer
moderiert. Sie werden Läufer und Publikum frech und peppig anfeuern. Der Wettlauf als Höhepunkt
des Straßenfestes startet gegen 18 Uhr. Gaudi garantieren wieder die schrillen Sonderaufgaben, welche
die Organisatoren für die Stöckelathleten zur sportlichen und künstlerischen Wertung vorbereitet haben!
Die Preisverleihung und Siegerehrung des „Mr. High Heels“ ist für etwa 20 Uhr geplant.

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Generationen „Round Table“
mit Theo Kempf (57) und
John Dambrowski (51) von

Konflikt?!
Gay and Gray • Silas Schmo-
rell (22) von den J.U.N.G.S. •
Basti Frietinger (20) und Cor-
nelia Bumes (22) von Diversity

Vorspann: Unsere Gesellschaft Silas: Es geht nicht immer ums Alter. sen. Das ist problematisch für die, die Aber das Angebot an Clubs und Knei-
wird immer älter, das Thema Se- Entweder finde ich jemanden sympa- älter sind. Vielen wird zum ersten Mal pen ist für Ältere doch größer.
nioren immer wichtiger, aber alle thisch oder nicht. Wenn einer nur denkt, bewusst: Ich gehöre nicht mehr zur
wollen jünger sein und vor allem „Hey, der wär was für heute Nacht“, Jugend. Basti: Ja, ich denke, das überwiegt.
eines: bloß nicht alt. In der schwu- muss er auch verstehen, wenn Jünge- Wenn ich die Absicht habe, jemanden
len Szene ist dieses Problem an- re sagen: „Mit den Alten wollen wir Für Diversity zu alt, für Gay and Gray kennen zu lernen, sind für mich dort
geblich besonders groß und die nichts zu tun haben, die wollen uns noch zu jung? die Leute zu alt. Jeder hat halt seine
Kluft zwischen Jungen und Alten nur abschleppen.“ Kneipen – es gibt welche mit älterem,
kaum zu überwinden. Wirklich? Basti: Da gibt es definitiv eine Versor- welche mit jüngerem Publikum.
Basti: Viele Jüngere haben das Vor- gungslücke. Es gibt die U27-Partys und
Wie steht es mit der Kluft zwischen urteil: Älter ist immer gleich aufdring- die Ü30-Partys... Und dazwischen? Aber es ist doch auffällig, dass sich die
den Generationen? Ist die wirklich so lich. ältere Szene in so viele unterschiedli-
groß? Existiert in der Lesben-Szene auch che Typen teilt, die es bei den Jungen
Theo: Vorurteile gibt es auf beiden so eine Kluft oder ist es da harmoni- so gar nicht gibt.
Cornelia: Das Problem ist in der Seiten. Wir haben Leute in der Grup- scher?
schwulen Szene auf jeden Fall aus- pe, die seit 25 Jahren nicht mehr in Basti: In dem Alter macht man sich
geprägter als bei den Lesben. Ältere der Szene waren. Auch die brauchen noch keine großen Gedanken und legt
Lesben versuchen nicht so sehr, jünger einen geschützten Raum. Das Problem sich eben nicht fest.
auszusehen. haben wir im Sub. Dort haben die
Gruppen wenig Möglichkeiten, sich John: Ein Ledermann wird ja nicht
Basti: Es gibt wenig Vermischung zurückzuziehen. Auf der einen Seite ist als Ledermann geboren, das entwi-
zwischen den Generationen. Bei Diver- man froh, dass die Älteren jetzt auch ckelt sich im Lauf der Zeit. Ich finde
sity ist die Altersgrenze auf Veranstal- ins Sub gehen. Sind sie aber da, heißt es schrecklich, in diesen Fetischen
tungen 27. Das bedeutet nicht, dass es, „da gehen wir nicht mehr hin, da zu denken – schon an meinem Outfit
wir mit Älteren nichts zu tun haben hängen so viele Alte rum“. Im Sub ist zu signalisieren, wo meine sexuellen
wollen. Wir wollen einen geschützten es echt schwierig, die Generationen Vorlieben sind.
Rahmen bieten für Jugendliche, die zusammenzubringen.
zum ersten Mal in der schwulen Szene Es fällt auf, dass die ältere Szene sehr
sind. Basti: Ich glaube, dass die jüngere Cornelia: Dass Ältere Jüngere an- viel mehr auf Männlichkeit setzt und
Szene sehr von Schönheitsidealen baggern, kenne ich nicht. Aber es die junge Szene sich femininer gibt.
Silas: Wenn wir auch Ältere rein las- geprägt ist und deshalb viele mit Äl- findet auch nicht sehr viel Austausch
sen, kommen die Jungen nicht. Das teren nichts zu tun haben wollen.Viele statt.
liegt oft an den Erfahrungen Einzel- denken nur an das Hier und Jetzt. Die
ner, die von Älteren bedrängt wurden. wollen jetzt Party machen und nicht an Basti: Oder gibt es gar nicht so viele
Dann wird pauschalisiert und es heißt: die Zukunft denken. ältere Lesben? Ziehen die sich zurück
„Mit den Alten wollen wir nichts zu aus der Szene?
tun haben“. John: Ich finde das in Ordnung. Wa-
rum sollen sie darüber nachdenken, Cornelia: Gerade ältere Lesben sind
wie ihr Leben aussehen wird, wenn nicht sichtbar. Ich kenne wenige, und
sie 40 sind? Das haben wir auch nicht keine davon ist über 60. Im Café Glück,
gemacht. Irgendwann findet man sei- im Lesben-Café, sieht man auch keine
nen Platz im Leben. Darauf setze ich. älteren Frauen.

Cornelia: Klar, 40 oder 50 ist zu weit Ist es generell für ältere Schwule und Basti: Das hat auch was mit Entwick-
weg. Aber wenn ich 30 bin? Will ich Lesben in der Szene schwieriger? lung zu tun. Wenn man jung ist, will
Kinder? Wenn ja, wie will ich zu denen man auch mehr auffallen, alles mög-
kommen? Wie will ich mich beruflich Theo: In Saunen oder Dark Rooms er- liche mal probieren. Wenn man älter
entwickeln? Wie will ich das alles un- lebt man schon eine gewisse Ausgren- ist, entwickelt man sich mehr in eine
ter einen Hut bringen? Das beschäftigt zung. Oft auch in den Kneipen, da ha- Richtung und sagt, das passt mir jetzt
mich natürlich. ben es Ältere oft schwer ins Gespräch so, so möchte ich das, das gefällt mir.
Theo: Passiert das öfter, dass Ältere zu kommen. Die Kneipen müssen das
Jüngere anbaggern? Silas: Viele haben schon das Problem: richtige Ambiente schaffen, damit die Körperkult und Jugendwahn – wie
Was passiert, wenn ich über 27 bin? Älteren sich wohl fühlen. geht Ihr damit um?
Basti: Bei uns im Café nicht, aber in Ich sehe das im Diversity Café, wo
der Szene ... wir bewusst nur Leute bis 27 reinlas-

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Basti: In der Szene, ob jung oder alt, Ragazza – im offenen Lesben-Treff Theo: Leider denken viele: „Es hat helfen uns gegenseitig. Aber manche
wird auf Äußerlichkeiten und Ober- – habe ich schon oft Mädels erlebt, mir beim ersten Mal nicht gefallen, da suchen auch einfach nur einen Freund.
flächlichkeiten einfach mehr geachtet. die zuerst lange Haare hatten und nach geh ich nicht mehr hin“. Man wartet Das klappt meistens nicht.
ein paar Wochen ihren Stil radikal ver- nicht ab, ob es beim nächsten Mal
Theo: Wenn man sich mit den Schwu- ändert haben: extrem kurze Haare, besser wird. Also gibt es doch Gemeinsamkeiten,
len identifizieren will, muss man auch männlicherer Kleidungsstil. Da frage gilt das auch für’s Coming Out?
die gleichen Klamotten anziehen. Tra- ich mich: kommt das aus ihnen her-
ge ich eine Lederhose und dazu San- aus? Sagen sie: „So bin ich einfach, Silas: Auch die Älteren hatten alle mal
dalen, sagen gleich alle: „wie siehst ich fühle mich nicht wohl in weibli- das Coming Out, nicht nur wir. Es gibt
du denn aus?“. Das stinkt mir. chen Sachen“, oder ist es der Druck, so viele unbegründete Ängste. Leute
sich anzupassen? meinen, nicht akzeptiert zu werden.
Setzt das einen nicht unter Druck? Bei den meisten war es dann nie so
Wäre es wichtig, mehr aufeinander schlimm, wie sie dachten.
Silas: Mit der Zeit hat es mich wirk- zuzugehen?
lich geärgert, dass ich mich so anpas- Theo: Oft habe ich den Eindruck, dass
se. Früher war es mir egal, was die Silas: Das ist schwierig. Die viele Ältere geradezu an diesen Ängs-
Leute von mir hielten, denn ich musste J.U.N.G.S. hatten früher ab und zu ten kleben, sie nicht loslassen wollen.
den Mädchen nicht gefallen. Jetzt Treffen mit Gay and Gray. Das wird Wenn sie loslassen würden, wären sie
überlege ich ewig, passt das Hemd nicht mehr gewünscht, schade. Silas: Guter Punkt, das kenne ich von nichts mehr.
zu der Hose oder nicht ... Durch das Leuten, die neu in die Szene kommen.
Szene-Leben achte ich einfach mehr Theo: Ich glaube, wir waren alle ein Es ist unheimlich wichtig, sie gut zu Basti: Es gibt natürlich einen großen
darauf, weil ich nicht akzeptiert wer- bisschen überfordert. Wir haben uns integrieren, sonst sieht man sie nie Unterschied zwischen einem Coming
de, wenn ich es nicht tue. ohne Vorbereitung getroffen und wa- wieder. Dieser Schritt in die Szene ist Out mit 16 oder mit 60.
ren nicht in der Lage, miteinander zu für junge Schwule schwierig.
Basti: Ich finde das nicht so schlimm. reden. John: Diese „alten“ Coming Outs
Ich lege nicht extremen Wert darauf, Theo: Das, was du da sagst, läuft bei sind besonders tragisch. Da fehlen
ständig neue Klamotten zu kaufen uns in der Gruppe auch oft ab. vier oder fünf Jahrzehnte Selbstver-
und alle zwei Wochen zum Friseur zu Neue kommen und sitzen alleine da, ständnis und Selbsterfahrung. Viele
gehen. Aber es gibt viele Leute die oder es kommt kaum ein Gespräch glauben, dass sie für immer etwas
sich nur über ihr Äußeres definieren. auf. Vielleicht kommen sie noch ein versäumt haben.
Genauso wie sich die Jungen wenig zweites Mal, doch dann bleiben sie
Gedanken über die Zukunft machen, weg. Basti: Das sind vielleicht auch Er-
gehört es vielleicht auch dazu, mehr fahrungen, die man nur als Junger
Wert auf Äußerlichkeiten zu legen. Silas: Leute, die sich dann gleich an machen kann.
die Neuen ranmachen, machen es na-
John: Mit dem Alter findet man ja türlich nicht einfacher. Nadja Katzenberger
auch seinen Stil, seinen Geschmack.
Und zieht sich, unbeeinflusst von Mo- Theo: Deshalb betone ich immer, dass www.diversity-muenchen.de
den und Trends, eben das an, was ei- John: Ich finde das nicht schlimm. Ich wir in erster Linie eine Freizeitgruppe www.gayandgray.subonline.org
nem passt und gefällt. bin bei Gay and Gray, weil ich Meines- sind. Wir gehen zusammen weg, wir
gleichen suche.
Wenn der Großteil sich so anpasst - Foto (von links): Theo Kempf, Cornelia Bumes, John Dambrowski, Basti Frietinger und Silas Schmorell
wird es dann zum Gruppenzwang? Basti: Vieles kann man nicht erzwin-
gen, die Leute sollen ja freiwillig mit-
Theo: Es bringt auch ein Gemein- machen. Das ist mit den Angeboten
schaftsgefühl. von Diversity genauso, bei manchen
Sachen machen viele mit, dann wie-
Cornelia: Ich hatte nie das Gefühl, der kaum einer. Das hat gar nichts mit
mich anpassen zu müssen. Aber im Gay and Gray zu tun.

Sendlinger Strasse 13 • 80331 München


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31

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können sich junge Lesben kennenlernen, austau-

Wohin mit 16 ?
schen, zusammen kochen, Gesellschaftsspiele
spielen oder einfach gemeinsam Spaß haben.
Außerdem gibt es die Möglichkeit, kostenlos im
Internet zu surfen und sich Bücher, CDs, Videos
der Blumenstr.7) verwirklicht, wo sich jeden oder DVDs auszuleihen. Mindestens einmal im
Sonntag von 15.00 bis 21.00 Uhr Jugendliche Monat findet ein besonderer Abend statt, wie
bis 27 Jahre begegnen können. Hier besteht die z.B. eine Videonacht, ein Generationentreffen
Möglichkeit zwanglos Gleichgesinnte zu treffen mit älteren Lesben, ein Diskussionsabend oder
und schnell und unkompliziert Anschluss an die das Mitwirken bei einer Radiosendung. Die ak-
verschiedenen Gruppen zu finden. Das Café tuellen Termine und Veranstaltungen stehen
wird rein ehrenamtlich betrieben und kann so auf der obengenannten Homepage .
auch taschengeldfreundliche Preise bieten.
J.U.N.G.S. • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • •
Diversity gibt jedem die Möglichkeit eigene www.jungs-muenchen.de
Ideen und Projekte zu verwirklichen. Einerseits
bestehen bereits zahlreiche Projekte, denen Das Projekt für junge schwule und bisexuelle
man sich nur anzuschließen braucht, anderer- Männer unter 27 heißt J.U.N.G.S. Diese Grup-
seits kann jede/r auch neue Projekte anstoßen. pe trifft sich jeden Freitag ab 19:30 im 1. Stock
im SUB (Müllerstr. 43) und bietet ein abwechs-
Seit 2003 bietet Diversity mit dem Diversity lungsreiches Programm aus Unterhaltung,
-Mittwoch im Englischen Garten neben dem Kultur, Sport und Geselligkeit. Egal ob Kino,
Cafébetrieb am Sonntag und den Gruppen Ju- Theater, Billiard, Essen gehen oder gemeinsa-
Les und J.U.N.G.S auch in der Wochenmitte me Kneipenbesuche: bei J.U.N.G.S kann man
eine Plattform zum Treffen und gegenseitigen sich in lockerer Atmosphäre mit Gleichgesinn-
Kennenlernen. Der Termin findet seit Mai wie- ten unterhalten und jede Menge unternehmen.
der mittwochs ab 15:30, allerdings nur bei Tem- Mehr Informationen, sowie das derzeitige
peraturen über 20°, statt. Öffentlich fährt man Programm gibt es im Internet oder telefonisch
dorthin mit der U3/U6 bis zur Haltestelle Uni- bei Wolfgang (0177/6508876) und Antonis
versität. Danach geht man die Veterinärstraße (0160/5232284).
entlang in den Englischen Garten und biegt kurz
Die Auswahl an LesBiSchwulen Veran- vor der ersten Brücke über den Eisbach nach
staltungen, Beratungsstellen und anderer Rechts in Richtung „Eierwiese“ ab. Der Treff-
zielgruppengerechter Angeboten ist mitt- punkt befindet sich dann linkerhand am Eis-
lerweile riesengroß. Von der schwulen bach. Eine Wegbeschreibung gibt es auch unter
Aquarellgruppe über den Fetischladen bis www.diversity-muenchen.de.
hin zu den lesbischen Katholikinnen gibt
es für die Community eine enorme Vielfalt Desweiteren gibt es bei Diversity noch das
an Möglichkeiten. Doch wo können jun- Aufklärungs-Projekt; eine Gruppe von Les-
ge Schwule, Lesben und Bisexuelle sich ben, Schwulen und Bisexuellen, die in Schulen
treffen, die gerade dabei sind den Einstieg und Jugendzentren Diskussionsveranstaltun-
in die Szene zu finden und erstmal lieber gen mit Schülern und Schülerinnen durchfüh-
unter Gleichaltrigen bleiben oder denen ren. Außerdem bietet es auch Fortbildungen „no difference!“-Party • • • • • • • • • • •
viele der Lokale und Clubs schlicht und für Pädagoginnen und Pädagogen zu Themen www.diversity-cafe.de
einfach zu teuer sind? wie Coming Out und Identitätsentwicklung,
Klischees und Stereotypen über Homosexuelle, Natürlich kommt bei all der Beratung und den
Hier ein Überblick der Projekte und Ver- Leben als Minderheit oder Geschlechterrollen verschiedenen Aktivitäten auch das Feiern nicht
anstaltungen, die sich gezielt an ein jün- in der Gesellschaft. Informationen dazu gibt es zu kurz: Mit der „no difference!“ Party zeigen
geres Publikum richten: online unter www.aufklaerungsprojekt.de oder die LesBiSchwulen Jugendgruppen Münchens,
schriftlich unter der Adresse: diversity Mün- was der Name der Party schon sagt: egal ob
Dachverband Diversity • • • • • • • • • • • chen, Aufklärungsprojekt, c/o Glockenbach- schwul, lesbisch, bisexuell... oder hetero - es
www.diversity-muenchen.de werkstatt, Blumenstr. 7, 80331 München. gibt keinen Unterschied. Und wie könnte man
das besser beweisen, als gemeinsam zu feiern?
Der Dachverband Diversity ist eine von Jugend- JuLes im Ragazza • • • • • • • • • • • • • • • Als am 26.01.2002 der Startschuss zur ersten
lichen selbst gestaltete und verwaltete Initiati- www.imma.de/ragazza/lesbenprogramm „no difference!“-Party fiel, strömten bereits
ve zur Schaffung eines eigenen LesBiSchwulen etwa 250 junge Schwule, Lesben und deren
Jugendzentrums. Ein erster Schritt ist bereits in JuLes im Ragazza ist das Projekt, das sich gezielt Freunde und Freundinnen in die Glockenbach-
Kooperation mit der Glockenbachwerkstatt (in an junge, lesbische Frauen bis 25 richtet. Hier werkstatt. Seit 2002 findet die „no-difference“-

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Party vier mal im Jahr statt. Zum nächsten
Termin wird am 08.07.2005 ein CSD-Party-
Bus organisiert, dessen Endstation zur U27
führt (siehe unten).

U27 -Party ••••••••••••••••••••


www.u27.net

Neben den genannten nicht kommerziel-


len Veranstaltungen von Diversity, die sich
Öko-Freak
gezielt an ein jüngeres Publikum wenden,
hat sich auch eine andere regelmäßig statt-
findende Party für Jugendliche seit einiger
Zeit etabliert: U27, mittlerweile die größte
LesBiSchwule Jugendparty Süddeutsch-
lands, findet jeden 2. Freitag im Monat in
Orangehouse und Sunny Red (Hansastr. 41)
statt. Musikalisch wird alles von 80er, 90er,
Charts, Black, RnB, HipHop und ein wenig
Techno und House geboten. Der Clubabend
richtet sich gezielt an alle, die unter 27
sind. Nach 24 Uhr müssen die Gäste nach-
weisen können, dass sie über 18 sind. Des-
halb immer einen gültigen Ausweis oder
Führerschein mitnehmen. Für Unter-18-Jäh-
rige gibt es jedoch die Möglichkeit in Be-
gleitung einer volljährigen, „erziehungsbe-
auftragten“ Person auch noch nach 24 Uhr
zu bleiben. Das heißt, dass die jeweiligen
„Personensorgeberechtigten“ (in der Regel
die Eltern) jemanden für die Aufsicht für die
U27-Party bestimmen dürfen („Übertragung
der Erziehungsbeauftragung“). Das Formu-
lar dazu kann auf der U27-Webseite herun-
tergeladen werden.
Martin Stummer

Die innere Einstellung eines Menschen sieht


man heute nicht mehr an Äußerlichkeiten.
Wer sich gesund ernähren und unbelastet
leben will, muss sich nicht dem Latzhosen-
Klischee unterwerfen. Besser es dominiert
eine ausgewogene Ernährung ohne syntheti-
sche Farb- und Zusatzstoffe. Der frische Bio-Supermarkt,
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33

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Neue Bücher

fen einen schrägen Blick auf die schwule


Szene. „Mein Name ist Baby Neumann,
und ich bin kein Schriftsteller. Aber ich
schreibe trotzdem, weil das schwule Leben
so seltsam ist, dass ich es zu Papier bringen
muss.“ Selbstironisch beschreibt Neumann
in seinen Geschichten wie er und sein Mit-
bewohner Karl ihren Alltag meistern. Und
der ist meist vollgepackt mit Absurditäten:
Es geht um Porno-Partys und Trümmer-
Transen, Barbra Streisand und Dolph Lund-
Alison Bechdel: gren. Auch Telefonsex und Intimschmuck,
Lesben und andere Lebens- Gruppensex und Homo-Haustiere spielen
formen auf Kohlenstoffbasis. eine Rolle. Baby Neumann lässt nichts
unversucht. Wer so schön im Plauderton
Krug und Schadenberg 2005. 154 S. über alles (wirklich alles!) schreiben kann,
12,90 dem gelingen zuweilen schöne Sätze wie
dieser in „Mit Mutti auf der CSD-Demo“:
„Wenn ich mir einen Bruce-Willis-Film „In diesem Moment springen laut grunzend
anschauen kann, kann Otto Hetero wohl drei fast nackte Männer, verkleidet als eine
auch einen Lesbencomic lesen“, schreibt Art Neandertaler, auf meine Mutter zu.“ Holde-Barbara Ulrich und Axel Schock und Karin-
Alison Bechdel im Vorwort ihres neuen Unbedingt lesen! Thomas Karsten (Fotos): Schupp: Out-Takes.
Comicbands. Seit zwanzig Jahren zeichnet Messer im Traum. Das lesbisch-schwule
die Amerikanerin lesbisches Leben und Lie- Transsexuelle in Deutsch- Lexikon des unnützen
ben in einer Comicreihe nach. Nun liegt ihr
siebter Band „Lesben und andere Lebens- land. Wissens.
formen auf Kohlenstoffbasis“ auf Deutsch Konkursbuch Verlag 1994. 171 S. Querverlag 2005. 259 S. 14,90
vor. Die versammelten Zwei-Seiten-Stories 19,80
drehen sich alle um dieselbe Clique: Die Schräge Wörterbücher sind derzeit en
griesgrämige Mo, die im Frauen-Buchladen Als Junge nannte er sein Geschlechtsteil vogue. Jetzt haben Karin Schupp und Axel
der dicken Jezanna arbeitet. Ihre Ex Claris „NzP“ – nur zum Pinkeln. Inzwischen ist Schock ein schwul-lesbisches Lexikon des
sowie ihre alte Freundin Sparrow, die als der NzP nicht mehr Teil von ihm, und seit unnützen Wissens geschrieben und allerlei
radikallesbische Feministin ein Kind von der Operation nennt er sich Anita. Die Ge- Unwichtiges über Promis, Sex und Alltag
ihrem Freund will. Nicht zu vergessen Mos schichte von Anita ist eines von dreizehn zusammengetragen. So erfährt man unter
beste Freundin Lois, die lieber Louis heißen intimen, teils verstörenden Porträts, die „Doppel-Whopper“, dass die französische
und eine Geschlechtsangleichung machen Holde-Barbara Ulrich über Transsexuelle in Sprache für Bisexualität das schöne Wort-
will. Uneingeweihte und „Otto Hetero“ Deutschland geschrieben hat. Da ist David, paar „voile et vapeur“ (zu Deutsch: Segel-
müssen sich zunächst im Figurengestrüpp der nach überstandener Geschlechtsum- schiff und Dampfer) besitzt, was meint, dass
zurechtfinden. Ist das geschafft, gibt’s zum wandlung für sich selbst eine Geburtsan- jemand über beide „Antriebsarten“ verfügt.
Lohn eine Menge witziger Geschichten, in zeige aufgibt: „David Paul ist da! Neugebo- Unter „Samenbank“ ist nachzulesen, dass
denen obskure Theorien über Lesben genau ren am 3. April 1992, 166 Zentimeter groß, der Boxer John Gonzales 2002 in London
so aufs Korn genommen werden wie die 68.800 Gramm schwer.“ Und da ist Nadja, die weltweit erste Internet-Samenbank für
amerikanische Politik. früher ein dicklicher Junge, der sich mit elf Lesben gründete. Außerdem finden sich
umbringen wollte, dann seine Vorliebe für „Informatiönchen“ wie die, dass es in Bay-
weibliche Kleidung entdeckt und in einem ern ein Dorf namens Tuntenhausen gibt und
Buch über das „dritte Geschlecht“ liest. die Firma Mattel ihren batteriebetriebenen
Axel Krämer: Heute hat Nadja Brüste und einen Penis Harry-Potter-Besen vom Markt nahm, weil
und leitet ein Theaterprojekt über die Pro- er vielen Käufer(inne)n als Sextoy diente.
Grenzen der Sehnsucht. bleme Transsexueller. Was Barbara Ulrichs Wer solche Smalltalk-Häppchen mag, für
Eine schwule Heimatkunde. – stellenweise sehr ausschweifende – Tex- den ist „Out-Takes“ ganz nützlich. Wie
Querverlag 2005. 290 S. 14,90 te an Prägnanz vermissen lassen, gleichen schrieb einst Oscar Wilde? „Es ist höchst
die kunstvollen Fotografien von Thomas bedauerlich, dass man heutzutage so we-
„Wie schwul ist Deutschland?“fragte die Karsten wieder aus. Gestochen scharfe Bil- nig unnütze Neuigkeiten erfährt.“
Bild-Zeitung im vergangenen Jahr. Der der, auf denen die Grenzen von „männlich“ vorgestellt von Michael Aust
Journalist Axel Krämer nahm die Frage zum und „weiblich“ verschwimmen.
Anlass, quer durch Deutschland zu reisen
und sich mit schwulen Männer über ihre
Heimatgefühle, Hoffnungen und Ängste zu
unterhalten. Ergebnis der Recherche ist
„Grenzen der Sehnsucht“, eine Bestands-
aufnahme schwulen Lebens zwischen Mün-
chen und Sylt, der Eifel und Neubranden-
burg. Krämer war in Großstädten und in der Frauenbuchladen und Galerie
Provinz unterwegs: In Uffing am Staffelsee
traf er sich mit Sepp Stückl, dem Gründer
Baby Neumann: der Münchner „Schwuhplattler”. In Berlin
Nicht zu fassen! Alles (aber sprach er mit Kay Stromberg, der einen
wirklich alles!) von Baby Stammtisch für russischsprachige Schwule Barer Straße 70, 80798 München
ins Leben gerufen hat. Und in einer Kölner
Neumann. Kneipe hatte er ein Date mit Klaus Regel Tel. 089/272 12 05, Fax 089/272 09 98
Querverlag 2005. 361 S. 14,90 alias „Weltmeister Petz“, dem amtieren- e-mail Lillemors@Frauenliteratur.de
den „International Mister Bear“. Krämers
Sie heißen „Reise zum Planeten Porno“, unterhaltsame Porträts zeigen, wie befreit Mo-Fr. 10.00-18.30 Uhr · Sa 10.00 - 14.00 Uhr
„Der Girosachbearbeiter in der Lederbar“ und bieder, politisch und provinziell, schrill Infos und Katalog: www.frauenliteratur.de
oder „Der strippende Metzger“. Die 64 und immer noch schwierig schwules Leben
Kurzgeschichten von Baby Neumann, nun in Deutschland heute ist. Eine lehrreiche
erstmals in einem Band versammelt, wer Heimatkunde, nicht nur für Schwule. Bücher, Zeitschriften, Videos, CD’s, Bestellungen + Versand

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Wissenschaft

Warum schwul?
eine kurze Übersicht über wissenschaftliche Theorien zur Homosexualität
- die genauen Ursachen sind nach wie vor unbekannt
Homosexualität gab es zu allen Zeiten und in allen Kulturen. Der amerikanische Gen, sondern das Zusamenwirken von genetischen und psychosozialen Einflüssen
Sexualwissenschaftler Alfred C. Kinsey schätzte, daß rund vier Prozent der Män- für die männliche Homosexualität verantwortlich ist.
ner und zwei Prozent der Frauen homosexuell sind. Laut Kinsey sind über 90 Ungeklärt ist bislang auch, warum Männer mit mehreren älteren Brüder statis-
Prozent der Bevölkerung mehr oder weniger bisexuell. Die Ursachen der Homo- tisch gesehen häufiger homosexuell sind als Männer, die keine älteren Bruder
sexualität sind weitgehend unklar - ebenso wie die Frage, ob sie einen Nutzen haben. Forscher vermuten, dass eine Immunreaktion der Mutter auf das Y-Chrom-
für die Evolution hat oder einfach eine Laune der Natur ist. Die verschiedenen som des ungeborenen Sohnes dessen sexuelle Orientierung beeinflusst. Diese
Theorien liefern für sich allein allerdings keine umfassende Erklärung. Neuere Reaktion wird bei jedem weiteren Jungen stärker. Die weibliche Homosexualität
Forschungsansätze gehen deshalb davon aus, daß sich Homosexualität nur aus ist dagegen kaum erforscht. Eventuell hängt sie mit einem erhöhten Anteil an
dem Zusammenspiel von genetischen, hormonellen und soziologischen Faktoren Androgenen, an männlichen Hormonen, zusammen.
erklären läßt. Als gesichert gilt die Annahme, daß die menschliche Sexualität breit gefächert
Die Schwulen- und Lesbenbewegung kritisierte an einigen Forschern, daß sie nur ist. Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse, ging davon aus, daß alle
nach der Bestätigung von Vorurteilen suchen, zum Beispiel, daß Homosexualität Menschen bisexuell geboren werden und sich die hetero- bzw. homosexuelle
therapiert werden müsse. Diese These hat sich lange in der Wissenschaftswelt Orientierung erst später entwickeln würde. Der erste deutsche Sexualforscher,
gehalten, und die Weltgesundheitsorganisation WHO strich Homosexualität erst Magnus Hirschfeld, entwickelte die Theorie eines „Dritten Geschlechts“, einer
1993 aus ihrem Krankheiten-Katalog. Längst widerlegt ist auch die Theorie, daß Zwischenstufe zwischen Mann und Frau. Alfred C. Kinsey, der tausende Männer
bei Homosexuellen die Geschlechtsrolle verdreht sei, daß Schwule automatisch und Frauen zu ihrem homosexuellen Verhalten befragt hatte, erstellte 1948 sie-
feminin und Lesben maskulin seien. ben Kategorien, die von heterosexuellem über fünf Zwischenstufen bis zu homo-
Im Jahr 1993 sorgte die Entdeckung des sog. „Schwulen-Gens“ für Aufsehen. Der sexuellem Verhalten reichte.
amerikanische Forscher Dean Hamer identifizierte ein Gen auf dem X-Chromsom, Heutzutage setzen sich mehr und mehr sog. „gender studies“ durch, die psychoso-
das eine entscheidende Rolle bei der Homosexualität von Männern spielen sollte. ziale Zusammenhänge in Geschlechterfragen stärker berücksichtigen, und verein-
Er stellte fest, daß homosexuelle eineiige Zwillingsbrüder, die diesen Chromo- zelt sogar an Universitäten (z.B. in Hamburg) gelehrt werden. Der Begriff „queer“
somenabschnitt trugen, beide schwul waren. Bei Untersuchungen im Jahr 1999 fasst dabei die verschiedenen nicht-heterosexuellen Lebensformen zusammen.
stellte sich jedoch heraus, daß der Zusammenhang zwischen den Genab-
schnitten und männlicher Homosexualität geringer war als zunächst vermu- Elke Brunner
tet. Selbst Dean Hamer geht mittlerweile davon aus, daß nicht ein einzelnes

Latest News
Worldpride in Jerusalem verschoben
Der für Ende August in Jerusalem geplante World Pride wird um ein Jahr ver- rade sorgte schon seit Monaten für Proteste von Gläubigen. So hatte der israe-
schoben. Das Jerusalem Open House, welches die Veranstaltung organisiert, hat lische Oberrabbiner Schlomo Amar geäußert, Homosexuelle fügten ihren Eltern
kurzfristig aus „innenpolitischen Gründen“ die Notbremse gezogen: die Parade viel Schmerzen zu. Auch in einer Demokratie dürfe nicht alles erlaubt sein. Der
wäre mit dem gerade erst für Mitte August angesetzten Teilrückzug der Israelis lateinische Patriarch Michel Sabbah sagte, man respektiere die Freiheit der An-
aus dem Gaza-Streifen zusammengefallen. deren, „aber diese müssen wiederum unsere religiösen Gefühle respektieren“. Es
„Toleranz, Pluralismus und Gleichheit sind die Grundprinzipien des World Pride“, gebe „genug Spannungen in der Stadt“. Der armenische Patriarch von Jerusalem,
erklärt Noa Sattath, Sprecherin des Jerusalem Open House. „Den World Pride Torkom Manoogian, betonte, Gott habe die Einwohner von Sodom und Gomorrha
während des Gaza-Abzugs zu veranstalten, würde diesen Prinzipien nicht gerecht für ihre Homosexualität bestraft. Und Scheich Abdel Asis Buchari warnte, Gott
werden. Wir haben die Entscheidung in Erwartung des extrem schwierigen politi- werde die heilige Stadt bestrafen, sollten die religiösen Führer der Weltreligionen
schen Klimas getroffen, das Israel im August beherrschen wird.“ Sattath fürchtet, nicht gemeinsam die Veranstaltung verhindern. Auch der päpstliche Gesandte in
dass der Rückzug aus dem Gaza-Streifen zu Unruhen führen könne und die Sicher- Israel, Erzbischof Pietro Sambi, hatte sich dieser Ansicht angeschlossen. Selbst
heit der Teilnehmer am World Pride nicht gewährt sei. der israelische Vizepremier und Vorsitzende der Arbeiterpartei, Simon Peres sag-
Auch der israelische Filmproduzent Gal Uchovsky („Yossi und Jagger“, „Walking te, ein solches Ereignis „könne gegen die Sensibilität von religiösen Menschen
on Water“) meint: „Ein Großteil der hetero- wie homosexuellen Israelis ist der auf der ganzen Welt verstoßen“.
Meinung, dass der Rückzug viel wichtiger für unser Leben ist als diese Parade.“
Gleichzeitig kritisiert er jedoch die fehlende Einbindung von Palästinensern: „Die Mit der „Verletzung von religiösen Gefühlen“ hatten CSU und kirchliche Würden-
Offenheit [des World Pride] ist doch nur Pose. Die palästinensische Kultur ist noch träger auch im letzten Jahr argumentiert, um die erstmalige Ausrichtung eines
nicht so weit, es gibt dort keine Schwulen oder Lesben im westlichen Wortsinn, Christopher Street Days in Altötting zu verhindern. Es ist ihnen nicht gelungen
es gibt kaum Leute, die offen zu ihrer Homosexualität stehen. In den World Pride – nicht zuletzt deswegen, weil Schwule und Lesben aus anderen Städten zur Un-
involviert sind nur zwei Schwule aus der Türkei.“ terstützung kamen. Der World Pride in Jerusalem nächstes Jahr bedarf zahlrei-
Dass Toleranz und Pluralismus in Jerusalem ohnehin nicht weit verbreitet sind, cher und tatkräftiger Solidarität - Schwule und Lesben sollten gemeinsam deut-
war bereits im Vorfeld der geplanten Veranstaltung deutlich geworden. Bei einer lich machen, dass auch ihre Gefühle eine gewisse Sensibilität voraussetzen!
gemeinsamen Pressekonferenz im März hatten sich jüdische, christliche und is-
lamische Würdenträger erstmals vereint gegen das Schwulenfest in der heiligen Thomas Lechner
Stadt ausgesprochen und seine Absage gefordert. Die zehntägige Veranstaltung
mit einem Filmfestival, Gottesdiensten, Workshops, Straßenmarkt und einer Pa- Weitere Infos unter: www.worldpride.net

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Sprachglosse
Kein Mensch ist heute noch homosexuell!
Sagt ein Schwuler zum anderen: „Hi, ich bin fröhlich. Wollen wir ins Dun-
kelzimmer?“ Sagt der andere: „Oh, ich weiß nicht. Ich bin zwar auch selt-
sam, aber ich habe noch nicht meinen ersten öffentlichen Auftritt gehabt.“
Wie zu beweisen war, ist Schwulsein ohne fortgeschrittene Englischkennt-
nisse kaum mehr möglich. Denn wer ist heute schon noch homosexuell?
Dieses uncoole Überbleibsel aus Altgriechisch und Latein? Da noch lieber
als Hete ausgeben. Queer, Dark Room, Gay, Coming-Out – so spricht die
moderne Tunte.
Die schwule Sprache hierzulande hat einen weiten Weg hinter sich, seit
Karl-Maria Kertbeny vor fast 140 Jahren den Begriff Homosexualität er-
fand. Damals war Griechisch noch total hip: Schwule wurden auch Pygisten

S
genannt, abgeleitet vom griechischen Pyge, zu deutsch Gesäß. Analverkehr

S
war Pygismus. Lesben hießen Tribaden. Von tribein: reiben. Wenn auch zum
Teil abwertend gebraucht, waren das schöne Worte. Und das wohl schöns- KAFFEE
TACHER AS
te war ein deutsches: Schärmgeschäch, die jugendliche Geliebte einer Les-
be. Niemand weiß, woher es kam, aber verführerisch muss es geklungen
haben: „Hallo, Schärmgeschäch. Ich bin tribadisch. Pygismus fällt ja aus,
aber wie wär’s, wenn wir uns ein bisschen reiben?“
Soviel zu Vergangenheit und Gegenwart. Die Zukunft der schwulen Spra- ÜBERM STACHUS
che werden drei Regionen prägen: China, die arabische Welt und Ungarn.
Chinesen neigen traditionell zu einer bildhaften Sprache, auch schwule Karlsplatz 8 (neben Gloria Kino) · Täglich ab 10.00 Uhr
Chinesen machen da glücklicherweise keine Ausnahme: Sie nennen gleich-
geschlechtliche Liebe fentao – den Pfirsich teilen. Im Arabischen heißt der
Schwule Loti. Wie süß! Wechselnde Happy-Hour
Die Ungarn hatten dafür bis vor kurzem überhaupt kein Wort. Jetzt setzt z.B. Montags von 19-23 Uhr Caipitag, jeder Caipi 3,33 x
sich langsam Buzi durch. Das ist eigentlich ein Fluch, den man immer dann Samstags von 19-23 Uhr Coladatag, jeder Colada 3,55x
benutzt, wenn etwas schief läuft. Die sexuelle Neigung zum Beispiel. Aber www.stacherias.de
auch Buzi klingt so niedlich, dass man sich wünscht, auch deutsche Schwu-
le würden sich künftig damit ansprechen.

Eine moderne Anmache könnte sich dann so anhören: „Hallo Buzi, ich bin
Loti. Wollen wir den Pfirsich teilen?“ Das mag auf Kuschelsex hinauslau-
fen, ist dafür aber um einiges fantasievoller als: „Na? Wie wärs mit uns
beiden?“
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Die unerträgliche Schwierigkeit des Seins
Katka und Henrik fühlten sich viele Jahre im falschen Körper gefangen
bis sie den Mut zu einem radikalen Schnitt fanden
Die blondierten Haare fallen wild über das rosa T- schlechts unterscheiden. Anfangs war Georgia ein „Hühnertitte“, weil er einen leichten Brustansatz hat.
Shirt. Katka hat sich in Fahrt geredet, sie erzählt von sehr wildes Kind: klaute ihrem Bruder die Autos, Die Schule ist schlimm, zweimal fällt er durch. Be-
ihrer neuen Frauengruppe. Dabei wird ihre Stimme brachte im Kindergarten alles durcheinander. „Die sonders hasst er den Sportunterricht, in dem immer
lauter – und damit auch ein bisschen tiefer. Das hasst Erzieherinnen haben immer hinter mir herräumen nur Fußball gespielt wird. „Am Ende habe ich einen
sie. „Deshalb rede ich meistens ziemlich leise“, sagt müssen“, erinnert sich Henrik heute, wo er nicht auf Künstler gemacht“. Ein Rückzug in Nebenwelten.
sie und ihre schmalen Lippen lächeln. Verlegen um- mehr Georgia sein muss. Katka saß dagegen als Roland malt Comics mit mystischen Zwitterwesen,
fasst sie den Runenstein um ihren Hals. kleiner Roland lieber in der Puppenecke als mit den probiert heimlich abgelegte Kleider der Großmutter.
Henrik nickt und nimmt die Hand seiner Freundin. anderen Jungs zu spielen und zu raufen. Roland Doch in der Öffentlichkeit gibt er sich männlich. Er
Er trägt keinen mystischen Schmuck, keine schrillen hasste es, sich dreckig zu machen: „Ich hatte einen beginnt Karate, ist darin auch ganz gut – aber für die
Farben, Henrik mag es lieber unauffällig. Über dem richtigen Sauberkeitswahn.“ In den ersten Jahren ist besten Gürtel reicht es nicht, weil er lieber Schatten-
Bauch wölbt sich ein dunkles T-Shirt, dazu hat er das kein großes Problem. Er ist das einzige Kind der kämpfe mag als harten Körperkontakt.
eine weite Jeans an. Praktisch, bequem, männlich Eltern, zwei Geschwister werden tot geboren. „Mei- Auch Georgia eckt an. Die fröhliche Wildheit des
eben. Auf seinem jungenhaften Gesicht sprießen ein ne Eltern haben mich sogar eine Zeit lang wie ein Kindergartens endet schlagartig mit dem ersten
paar Stoppeln, man sieht ihm seine 34 Jahre nicht Mädchen angezogen, mit Schleife im Haar“, weiß Schultag. „Da war auf einmal alles weg, ich war
an. „Dumm, dass ich blond bin, sonst sähe man den Katka noch. „Mein Vater hatte im Krieg sehr gelitten, total schüchtern und brav“, erinnert sich Henrik.
Bart viel deutlicher“, sagt er. Er liebt Bärte. Schon deshalb hat er sich immer ein Mädchen gewünscht Vielleicht liegt es daran, dass die Mutter selbst Leh-
als kleines Kind hat er seinem Vater neidisch beim – weil die nicht zum Militär mussten.“ rerin an der Schule ist, jedenfalls ist Georgia von da
Rasieren zugesehen und sich gewünscht, das später an still, zurückhaltend und meistens allein. Mit den
auch einmal zu machen. anderen Mädchen kann sie nicht viel anfangen, die
Katka und Henrik, ein ganz normales Paar. Könnte Ohrfeigen vom Opa Jungs weisen sie zurück. Auch am vierzig Kilometer
man denken. Aber als Katka vor 55 Jahren zur Welt entfernten Mädchengymnasium bleibt Georgia die
kam, hieß sie noch Roland. Henrik wurde 21 Jahre Doch je älter Roland wird, desto weniger darf er sei- Außenseiterin. Sie will keine Röcke tragen, findet
später geboren – als Georgia. Beide stammen aus ne feminine Seite zeigen. Die Onkel und Tanten beäu- den Sportunterricht ebenfalls blöd. Allerdings aus
kleinen Orten in Bayerisch-Schwaben, beide haben gen ihn misstrauisch, der Opa verpasst ihm bei jedem anderen Gründen als Katka: „Sei doch froh, dass Ihr
sehr christliche Familien, beide merken schon früh, Besuch erst mal eine Ohrfeige, „damit aus dem noch Ballspielen konntet, wir mussten immer so eine Art
dass sie sich von den anderen Kindern ihres Ge- ein richtiger Junge wird“. Seine Mitschüler rufen ihn Schwangerschaftsgymnastik machen“, neckt Henrik

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seine Freundin. „Das hätte mir viel besser gefallen“, zu studieren. Befreit vom konservativen Elternhaus sie ihn, vorerst nicht mehr vorbeizukommen. Ganz
lächelt sie zurück. traut sie sich langsam an neue Gedanken heran: anders sein Vater, zu dem er seit Jahren kaum noch
So kultivieren die beiden Geschlechterklischees. Muss sie wirklich ein Leben lang in diesem Körper Kontakt hat: Er zeigt viel Verständnis, die Beziehung
Katka liebt stundenlanges Schwatzen mit den Ar- bleiben, der einfach der falsche für sie ist? wird wieder besser. Auch im Bekanntenkreis über-
beitskolleginnen, über Gesundheit, Geld und Mode. Im Frühjahr 1997 schaltet sie eine Kontaktanzeige wiegt das Mitgefühl die Ablehnung, nur ein bis dahin
Henrik schätzt dagegen Männergesellschaft: „Die im Stadtmagazin Prinz: „Suche Bi-Mann mit Inter- guter Freund schlägt eine Ersatzbehandlung vor: „Du
sind geradliniger, nicht so hintenrum wie Frauen.“ esse an S/M und Taoismus“. Georgias Idee dabei: gehörst mal richtig gefickt!“
Ihre Rollen sind jedoch nicht so klassisch verteilt: Die Sollte sie tatsächlich einmal das Geschlecht ändern, Nachdem der Alltagstest gut geklappt hat, bekommt
Hausarbeit ist vor allem Männersache, Henrik geht könnte sie dennoch den Partner behalten. Sie kriegt Georgia Testosteron. Bald hat sie keine Regelblutung
dabei mit Kochlöffel und Backblech ebenso geschickt über 30 Antworten, manche sind sehr unverblümt, mehr, die Stimme wird tiefer, Barthaare sprießen.
um wie mit Werkzeugkoffer und Bohrmaschine. „Nur andere stilvoll auf Seidenpapier geschrieben. Auch Außerdem wecken die Hormone geradezu tierische
das Bügeln habe ich mittlerweile abgestellt“, sagt er Roland liest die Anzeige und ist sofort neugierig. Für Gelüste. „Wir waren mindestens zweimal die Wo-
und grinst breit. asiatische Philosophie interessiert er sich sehr, se- che im Steak-Haus“, erzählt Henrik, „ich wollte nur
xuell offen ist er auch, und das „Bi“ interpretiert er Fleisch, Fleisch, Fleisch, die Beilagen habe ich meis-
als „sehr feminin“. Das erste Rendezvous ernüchtert tens liegen lassen“. Am Ende steht die so genann-
Bi-Mann gesucht Roland zunächst. „Sie war nicht so superweiblich, te „geschlechtsanpassende Operation“: Aus der
wie ich gedacht hatte, überall standen Autos rum weiblichen Brust wird eine männliche; Gebärmutter,
Der Weg zu dieser Gelassenheit ist jedoch lang und und dann hatte sie auch noch so komische Videos.“ Eierstöcke und Eileiter werden entfernt. Auf einen
mühsam. Davor liegen Jahre der Unsicherheit und Henrik lacht: „Sag’ doch, wie es war: lauter Schwu- Kunstpenis, ein „Penoid“, verzichtet Henrik wie die
Feindseligkeit gegenüber dem eigenen Körper. Ro- lenvideos!“ meisten Transmänner. Denn die Operation ist sehr
land weiß schon als Jugendlicher, was er nicht ist: Trotzdem funkt es schnell zwischen den beiden, kompliziert, der Penoid wird aus Unterarmgewebe
Ein „richtiger Mann“! „Ich habe immer meinen Penis schon nach dem zweiten Treffen übernachtet Geor- oder Bauchmuskeln geformt, was riesige Narben
abgedeckt, damit ich ihn nicht sehen musste. Und gia bei Roland. „Ab da habe ich nie wieder in meiner hinterlässt. Eine Erektion lässt sich nur über einen
ich habe oft vor dem Spiegel gestanden und mich Studentenbude geschlafen“, sagt Henrik, „wir waren komplizierten Pumpmechanismus erreichen. „Und
selbst angespuckt“. Aber was ist er dann? Schwul uns nach zwei Wochen schon so vertraut wie ein al- trotzdem kommst du damit nie an einen echten Penis
ist er nicht, er fühlt sich auch sexuell zu Frauen hin- tes Ehepaar“. Auch die Eltern schätzen die Beziehung. ran“, sagt Henrik.
gezogen, besonders zu solchen, die seine weibliche „Meine Mutter hat schon ihre Enkelkinder gesehen.“ Roland kommt durch die Pläne seiner Freundin selbst
Seite schätzen. Er ist ein sanfter Liebhaber, trägt Da- Doch dazu kommt es nicht. Georgia wälzt sich nachts ins Grübeln. Bisher gab es in seinem Kopf nur das
menunterwäsche, hat die ganze Wohnung mit Kalen- hin und her, schläft nur noch zwei bis drei Stunden. Bild seiner Kalenderfotos – unerreichbar schöne
derfotos von Transsexuellen tapeziert. Doch es bleibt Zunächst macht sie Rolands Schnarchen verantwort- Transsexuelle wie die Sängerin Gloria Gray. Er dach-
bei Travestie-Spielchen. Irgendwann spricht ihn der lich. Doch in Wahrheit verzweifelt sie immer mehr an te immer: Bloß wer so perfekt aussieht, kann sich
Vater an: „Solange Du Frauen nur imitierst, wirst du ihrem Frau-Sein. Schließlich geht sie 1999 zu einem operieren lassen. Nun lernt er über Georgia andere
nicht richtig leben.“ Aber Roland kann nicht weiter Therapeuten, einem Spezialisten für Geschlechter- Transfrauen kennen. „Die waren auch keine Gloria
gehen. Es ist eine Zeit, in der es noch keine nachmit- fragen. Sie ist erleichtert, endlich versteht sie je- Grays“, sagt Katka, „mit denen habe ich mich schnell
täglichen Talkshows gibt, die jedes gesellschaftliche mand. „Ich war mir schon zu 98 Prozent sicher, dass eins gefühlt“. Während Georgia im Krankenhaus
Tabu öffentlich entsorgen. ich transsexuell bin“, sagt Henrik, „die letzten zwei darauf wartet, endlich Henrik sein zu dürfen, fasst
Auch Georgia ist in ihrer Jugend sehr unglücklich: Prozent haben wir zusammen erarbeitet“. Aber diese Roland seinen Entschluss: Ich werde eine Frau.
Periode, Fettpolster, Körbchengröße C – lauter Din- zwei Prozent waren entscheidend, denn jetzt steht
ge, die sie niemals haben wollte. Immerhin kann für Georgia fest: Ich werde ein Mann.
eine Frau leichter in die Männerrolle schlüpfen als Doch das Geschlecht kann man nicht austauschen Zwei Stunden für ein kleines Pils
umgekehrt. Georgias Kleiderschrank sieht bald aus wie einen alten Staubsauger. Georgia muss vie-
wie der eines Jungen: stapelweise Pullover, T-Shirts, le Stufen erklimmen: Ein Jahr Psychotherapie ist Als Henrik davon hört, ist er erstmal geschockt,
Jeans, die paar verbliebenen Frauenklamotten liegen Pflicht, sonst zahlt die Krankenkasse nicht. Parallel schließlich steht er weiterhin auf Männer. „Ich habe
unten in der Ecke. Sie hört Heavy Metal, schaut sich beginnt sie mit dem so genannten Alltagstest, dem schon überlegt: Kannst du dir eine eigene Wohnung
jedes Formel-1-Rennen im Fernsehen an. Nach der öffentlichen Auftreten als Mann. Das ist nicht so ein- leisten? Aber dafür war meine Videosammlung zu
Schule geht Georgia nach München, um Japanologie fach. Als Henrik seiner Mutter davon erzählt, bittet groß!“ scherzt der Komödienfan, der über 2000 Kas-

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setten besitzt. „Außerdem kann ich Katka ja nicht telang völlig taub. Sie nimmt das in Kauf. Viel mehr muss man nur nachweisen, dass man seit mindes-
verwehren, was ich selber will“, sagt Henrik. Sie frustriert sie, dass sie keinen größeren Busen hat. tens drei Jahren zum anderen Geschlecht gehören
arrangieren sich neu, gewähren einander sexuelle „Die Haut ist zu dünn, wenn die Ärzte mehr Silikon will und sich dieses Gefühl wohl nicht mehr ändern
Freiheiten. Und so kommt es, dass er heute nicht reinstecken, sieht man das“, sagt sie traurig. wird. Für die große Lösung, die so genannte Perso-
mit einem Bi-Mann, sondern einer lesbischen Frau Immerhin kann sie jetzt überall aufs Damenklo. „Als nenstandsänderung, muss man sich auch äußerlich
zusammenlebt. Statt Kindern haben sie vier Katzen meine Haare kurz waren und die Brust noch kleiner, dem anderen Geschlecht angenähert haben und darf
– von denen zwei ebenfalls gleichgeschlechtlich habe ich mich manchmal nicht getraut“, erinnert sich nicht mehr zeugungsfähig sein. Doch dafür müsste
orientiert sind. „Aber die Mausi bespringt immer die Katka. Trotzdem ist der Mann in ihr, über Jahrzehnte sich Henrik wieder von Gutachtern untersuchen las-
Mimi, nie umgekehrt“, sagt Katka. „Wir sind eben gewachsen, nicht so einfach auszutreiben. sen, und darauf hat er keine Lust mehr. Also sagt
keine ganz normale Familie“, ergänzt Henrik, „das Henrik bei der Arbeit lieber: „Da hat der Computer
versuche ich meiner Mutter auch immer zu erklären“. wieder Mist gemacht“, wenn ein Brief an Frau Haas
Normal ist wirklich nicht viel im Leben der beiden. Eine Art drittes Geschlecht kommt.
Kaum hat Georgia ihre Metamorphose abgeschlos- Auch sein Körper verhält sich nicht immer wie er
sen, beginnt Roland mit der Therapie. Er erhält Ihre Stimmbänder werden auch durch noch so viele soll. Schaudernd erinnert sich Henrik, wie kurz vor
hochdosierte Östrogene, die die Brust größer und die Hormone nicht auf Sopran eingestellt. Die Schultern der Operation sein Hormonspiegel verrückt spielte
Haut jünger machen. Und eine zweite Pubertät bricht bleiben breit, die Hände groß. Und der Bart muss und der Arzt das Testosteron reduzierte. „Da habe
an. Katka holt die Jugend nach, die Roland nie hatte. Haar für Haar entfernt werden. Henrik hilft ihr viel ich dann meine Tage wieder gekriegt – nachdem
Im Rock zieht sie bis morgens durch die Münchner bei der Entdeckungsreise in das neue Geschlecht. Er zwei Jahre Ruhe war“, Henrik ist immer noch ent-
Clubs, schläft kaum noch, fühlt sich neu geboren. korrigiert Katka, wenn sie zu große Schritte macht, setzt. Plötzlich musste er wieder zum Gynäkologen.
Auch andere Dinge ändern sich: Früher trank sie findet immer die richtige Bluse, baut sie auf, wenn „Saublöd“ sei er sich da vorgekommen, alleine als
gern vier Halbe am Abend, heute braucht sie für ein sie an ihrem Aussehen zweifelt. „Du hast dich doch Mann mit tiefer Stimme und Bartansatz. Doch der
kleines Pils zwei Stunden. Und manchmal will Katka gut gehalten“, tröstet er sie mit Blick auf die „Bio- Arzt freute sich, er hatte früher selbst bei Operatio-
mitten in der Nacht saure Gurken essen: „Als wäre Frauen“, die von Geburt an im richtigen Körper ste- nen von Transsexuellen assistiert.
ich schwanger“, sagt sie. cken. „Viele von denen sehen in deinem Alter viel In vielen Fragen wirbeln Transsexuelle das gewohnte
Der Preis für die neue Identität ist hoch. Besonders grauslicher aus“. Weltbild durcheinander. Zum Beispiel wenn es um
für die Neovagina. Sie wird aus der Penishaut ge- Ihn selbst plagen andere Sorgen. „Die Post von der die sexuelle Orientierung geht. Ist Henrik schwul,
macht, die Eichel dient als Klitorisersatz, aus dem Personalstelle ist immer noch an ,Frau Henrik Haas’ weil er nach wie vor Männer mag? Ist Katka les-
Hodensack formen die Ärzte Schamlippen. Dabei adressiert“, klagt er. Er hat zwar einen neuen Vorna- bisch, obwohl sie nur weiter tut, was sie schon vor
werden unweigerlich Nervenbahnen durchtrennt, men, aber offiziell ist er immer noch weiblich. Kleine der Geschlechtsänderung mochte? Was bedeutet es,
nach der Operation ist Katkas Genitalbereich mona- Lösung heißt das im Transsexuellengesetz. Dafür dass sie sich vorstellen kann, etwas mit einem Mann

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anzufangen? Und sind die beiden jetzt überhaupt nicht alles perfekt.“ Deshalb arbeitet sie mit Henrik ihren Körpern genau das, wonach der andere sich
etwas anderes als vor ihrer Operation? Schließlich viel in der VIVA TS, der Münchner Selbsthilfegruppe sehnte. Und beide gaben das für neue Körper auf, die
haben sie schon Jahre vorher erkannt, dass sie keine für Transsexuelle. Hier gibt es ein breites Angebot, nicht so sind, wie sie sie sich erträumten. Doch wenn
„typischen“ Männer und Frauen sind und sich Ni- von Schminktipps über Lebensberatung bis zum An- Henrik zuhause auf dem Bett liegt und Katka ihm lie-
schen geschaffen – als männliche Frau und weibli- gehörigentreffen. Denn auf dem Lebensweg eines bevoll den Rücken massiert, wenn sie Hand in Hand
cher Mann, als eine Art drittes Geschlecht. Transsexuellen liegen viele Stolpersteine. So kennt mit ihm durch den Park spaziert, wenn die beiden
Deshalb reden manche lieber von Transidentität die VIVA eine Reihe von Medizinern und Therapeu- aneinander geschmiegt die Krimiserie „Mit Schirm,
oder Transgender. Das soll zeigen, dass es weniger ten, in deren Praxis Henrik nicht befürchten muss, Charme und Melone“ anschauen – dann sieht es so
um das körperliche als das soziale Geschlecht geht. mit „Frau Haas, bitte“ aufgerufen zu werden. aus, als hätte dieses Stück ein Happy End.
Henrik hat aber auch schon Transsexuelle getroffen, Die Geschichte von Henrik und Katka wirkt wie ein
die radikal alle ablehnen, die keine vollständige Stück aus dem absurden Theater: Beide hassten an Jan Schlieter (Fotos: Sebastian Widmann)
körperliche Umwandlung machen wollen. „Das hat
mich total geschockt. Für die gibt es nur Männlein
oder Weiblein, alle dazwischen sind Halbfertige und Viva und TransMann – zwei Selbsthilfevereine für Transgender in München
Verrückte.“ Dabei sieht er viele Graustufen zwischen
Die Viva TS Selbsthilfe und der TransMann bie- Viva TS Selbsthilfe München e.V.
Mann und Frau. „Und jede Stufe hat ihre Berechti-
ten Kontakt und Beratung für Transgender an. Der Baumgartnerstr. 15, 81373 München
gung, ich bin ja selbst so ein Zwischendings.“
persönliche Kontakt ist für Transgender besonders Tel. jeden Freitag 19 - 22 h: 089 - 89 19 79 81
Katka hat sich für das volle Umwandlungsprogramm
wichtig, da in den Medien keine oder verzerrte Gruppentreffen: jeden Freitag 19-22 Uhr
entschieden. Sie bereut die Entscheidung bis heute
Vorbilder existieren. Informationen werden haupt- www.vivats.de
keine Sekunde, sagt sie – nur, dass sie die nicht viel
sächlich bei den Gruppentreffen, aber auch über
früher getroffen habe. Gespannt beobachtet sie die
die beiden vereinseigenen Hefte und das Internet TransMann e.V.
Veränderungen an sich: die neuen Fettpölsterchen,
gegeben. c/o Henrik Haas
die plötzlichen Stimmungsschwankungen, die zu-
Palmstr. 10 , 80469 München
rückgehende Körperbehaarung. Vor kurzem habe sie
Die Viva TS Selbsthilfe ist für alle Transgender Tel.: 089 - 201 53 14
das erste Mal einen „weiblichen“ Orgasmus gespürt,
offen; der TransMann ausschließlich für Frau-zu- Gruppentreffen jeden 1. und 3. Samstag im
richtige Wellen, viel intensiver und schöner als frü-
Mann-Transgender. In beiden Vereinen sind auch Monat, ab 16 Uhr, in den Räumen der Viva TS
her sei der gewesen.
Angehörige und Interessierte herzlich willkommen. in der Baumgartnerstr. 15
Trotzdem betrachtet sich Katka weiterhin als trans-
www.transmann.de
sexuell. „Das bist du ein Leben lang“, erklärt sie,
„nur weil du es optisch geschafft hast, ist noch lange

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CSD Veranstalter Eine Übersicht von Matthias Braun

Münchener Aids-Hilfe
Die Münchener Aids-Hilfe in der Lindwurmstraße ist die älteste regionale angestiegen ist“ sagt Tappe. „Viele schwule Männer gehen Infektions-
Aidshilfe in Deutschland. Inzwischen besteht sie seit 21 Jahren. risiken ein, weil sie glauben, sie sind nicht infiziert und somit bestehe
für ihren Partner kein Risiko. An sich selber denken sie dabei oft nicht.“
„Die Aids-Hilfe bietet Rat, Information und Aufklärung zu allen Frage- Leider bedeutet glauben nicht wissen. Oftmals kommt es in diesen Situa-
stellungen, die sich im Bezug auf HIV ergeben“, sagt Michael Tappe, der tionen zu einer Infektion, die dann von dem Neu-Infizierten ebenso unge-
Leiter der Beratungsstelle. Sozialpädagogen und Psychologen stehen wollt und unwissentlich weiter gegeben wird. Die Aids-Hilfe will diesen
Betroffenen, aber auch deren Angehörigen oder Freunden für persönli- Kreislauf durchbrechen und hat daher beim letzten CSD eine Kampagne
che und telefonische Gespräche zur Verfügung. „Angefangen bei Aufklä- gestartet und schwule Männer ermutigt, den HIV-Test zu machen. „Wir
rungsarbeit, über Beratung und Betreuung von Betroffenen bis hin zur gehen davon aus, dass jemand der weiß, dass er positiv ist, sich anders
Sterbebegleitung kann man bei uns alles bekommen“, sagt Tappe. verhält, als jemand der glaubt, er sei negativ.“, sagt Tappe. Die Aids-
„Wir sind aus der schwulen Szene entstanden und Schwule sind auch Hilfe wird in diesem Jahr sogar noch einen Schritt weiter gehen und zu-
weiterhin die wichtigste Zielgruppe der Aids-Hilfe. Nach wie vor findet sammen mit dem dem Sub und dem Gesundheitsreferat den HIV-Test an
die Hälfte der Neuinfektionen unter schwulen Männern statt. Das heißt einem Abend im Sub anbieten. Ausführliche Informationen zur Aids-Hilfe
aber nicht, dass wir die anderen Gruppen vernachlässigen“, sagt Tappe. und ihrem Angebot gibt es unter www.muenchner-aidshilfe.de.
Die Arbeit der Aids-Hilfe richtet sich an alle Menschen, die Fragen zu HIV
und Aids haben. Vor allem aber an die Infizierten, an ihre Angehörigen, an Münchner Aids-Hilfe e.V.
schwule Männer, an Drogenkonsumenten und an Migranten. Lindwurmstraße 71, 80337 München
Die Angst und damit gleichzeitig der Schutz vor HIV und Aids hat in der Tel.: (089) 544647-0, Fax: (089) 544647-11
jüngeren Vergangenheit nachgelassen. „Wir sehen, dass die Risikobe- info@muenchner-aidshilfe.de
reitschaft in den letzten Jahren, gerade bei schwulen Männern, wieder www.muenchner-aidshilfe.de

Lesben Traum Beratungsstelle


des Lesbentelefons
Lesben Traum, kurz LeTRa, ist eine Beratungsstelle, an die sich Lesben „lesbisch sein und Migration“ aufmerksam zu machen. Es ist keine weiße
bei allen Fragen rund um das Thema lesbische Identität wenden können. Mehrheitsdekadenz lesbisch zu sein“, sagt Rita Braaz. Ziel von LeTRa ist
„Das kann sehr unterschiedlich sein“, sagt Rita Braaz von LeTRa. „Da es, dass auch Lesben mit verschiedenen kulturellen Hintergründen ih-
gibt es auch Probleme, die Heterosexuelle genauso haben wie Lesben: ren Platz in der Communitiy einnehmen können. Den sollen auch ältere
zum Beispiel Beziehungs- oder Trennungsprobleme. Bei LeTRa kann ich Lesben finden. „Denn ältere Menschen vereinsamen schneller, weil die
mich aber konkret an lesbische Beraterinnen wenden und brauche keine sozialen Kontakte schwieriger werden“, sagt Rita Braaz. „Deshalb haben
Diskriminierung oder Unwissenheit zu befürchten.“ Gerade bei Fragen, wir bei LeTRa eine offene Gruppe für Lesben ab 50. Die wollen wir, wenn
die speziell zum homosexuellen Leben gehören, wie etwa dem Coming unsere finanziellen Mittel es erlauben, auch kontinuierlich anbieten. Es
Out, ist diese spezielle Beratung notwendig. So gibt es beispielsweise geht uns darum, die Vielfalt von menschlichen Lebensweisen zu unter-
Workshops zum Thema Coming Out am Arbeitsplatz. Drei Frauen arbei- stützen und Vorurteile zu beseitigen.“
ten derzeit bei LeTRa: Zwei Sozialpädagoginnen beraten die Frauen, Rita
Braaz ist für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich. LeTra Lesbentelefon e.V.
Die umfasst auch die Aufklärungsarbeit bei Schulklassen. „Ich merke Angertorstraße 3, 80469 München
immer mehr, dass wieder sehr viel Abwertung und Hass, aber auch Ge- Tel./ Fax: (089) 725 42 72
waltbereitschaft, vor allem gegenüber Jugendlichen vorhanden ist, die letra@arcor.de, www.letra.de
vom heterosexuellen Normenweg abweichen“, sagt Rita Braaz. Dieser
Gewaltbereitschaft will LeTRa mit der so genannten Anti-Gewalt-Arbeit
entgegentreten. Die Jugendlichen sollen sich gegen die Diskriminierung
wehren. Ein weiteres wichtiges Thema ist Gewalt in der Beziehung. Wie
in jeder anderen Partnerschaft, kann es auch in lesbischen Beziehungen
Gewalt geben. „Wir wollen uns dem Thema stellen und für eine gewalt-
freie Kultur sorgen. Außerdem ist es uns auch wichtig, auf das Thema

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CSD Veranstalter

Rosa Liste
Die Rosa Liste ist eine schwul-lesbische Wählerinitiative in München. selbstverständlich ist wie mit einem Stadionbau oder der Verlängerung
Seit 1996 sitzt Thomas Niederbühl als Abgeordneter der Rosa Liste im einer U-Bahn.“ Dass es bis dahin aber wohl noch einige Zeit dauern wird,
Münchener Stadtrat. zeigt beispielsweise das Verhalten der Opposition. „So richtig bekämpft
Damit ist München die einzige Stadt in Europa, in der ein Abgeordneter die CSU uns Schwule und Lesben seit ein paar Jahren nicht mehr. Aber
einer schwul-lesbischen Wählergemeinschaft in einem Stadtparlament sie wirft uns Knüppel zwischen die Beine“, sagt Miklosy. „Im Bezirksau-
sitzt. „Bei der Wahl 2002 sind wir nur ganz knapp an einem zweiten Man- schuss bin ich aber von der CSU mit zum Vorsitzenden gewählt worden.
dat gescheitert“, sagt Alexander Miklosy von der Rosa Liste. Thomas Nie- Das war ein landesweites Zeichen, dass es Kräfte auch innerhalb der
derbühl bildet mit den Abgeordneten von Bündnis 90/ Die Grünen eine CSU gibt, die sich den Belangen von Schwulen und Lesben öffnen“, sagt
Fraktionsgemeinschaft. Zusammen mit den Stimmen der SPD und der von Miklosy. Sein Ziel und auch das der Rosa Liste ist es, dass die Belange
Oberbürgermeister Christian Ude stellt diese Fraktionsgemeinschaft die der Schwulen und Lesben innerhalb der Gesellschaft selbstverständlich
regierende Mehrheit im Münchener Rathaus. werden. „Wir sind auf dem richtigen Weg dorthin, allerdings ist der Weg
„Die sichtbarste Auswirkung ist, dass unser Oberbürgermeister seit noch äußerst mühsam, steinig, hart und verschlungen“, sagt Miklosy.
vielen Jahren zusammen mit seiner Frau und Thomas Niederbühl den Ausführliche Informationen zur Rosa Liste gibt es unter www.rosaliste.de.
Demonstrationszug des CSD anführt. Aber auch andere Entscheidungen
wie zum Beispiel die Förderung von Sub oder LeTRa fallen schwulen- und schwul-lesbische wählerInnen-initiative,
lesbenfreundlicher aus, wenn man in der Regierungsverantwortung ist“, rosa liste e.V.
sagt Alexander Miklosy, der für die Rosa Liste in einem Bezirksauschuss Klenzestraße 43, 80469 München
sitzt. Für die Zukunft hat er sogar noch weiterreichendere Ziele. Tel./Fax: (089) 201 65 34
„Mein Ziel wäre es, dass sich die Rosa Liste auflöst, weil sie nicht mehr rosaliste@rosaliste.de, www.rosaliste.de
notwendig ist, weil der Umgang mit schwul-lesbischen Themen genauso

Sub e.V.- – das schwule Kommunika-


tions- und Kulturzentrum Münchens
Wer als Schwuler in München lebt und wissen will, was ihm die Stadt munikations- und Kulturzentrum. „Wir haben auch wichtige soziale Auf-
bietet, geht seit jeher ins Sub. Das Sub ist das schwule Kommunikations- gaben“, sagt Sub-Vorstand Fischlmaier. So steht das Projekt Prävention
und Kulturzentrum Münchens und hat seinen Sitz in der Müllerstraße und Gesundheitsförderung schwulen Männern bei allen Fragen zu Safer
43. „Das Sub ist die erste Anlaufstelle für Schwule“, sagt Vorstand Gün- Sex, Aids und Geschlechtskrankheiten zur Seite. Seit Jahren arbeitet das
ther Fischlmaier, „Für Münchner und Gäste aus aller Welt.“ Hier findet Sub hier eng mit der Münchner Aids-Hilfe zusammen. Auf Bundesebene
mann alle Informationen über das schwule Leben in München: was man ist das Projekt in der Arbeitsgemeinschaft Aids vertreten.
sich unbedingt ansehen muss, wo man abends ausgehen kann und wo Außerdem betreibt der Verein eine Beratungsstelle. Sie ist 1988 aus
in München die besten Partys stattfinden. Spezielle Angebote hat der dem Projekt Prävention und Gesundheitsförderung hervorgegangen und
Verein für Schwule, die neu in München sind. Wer Leute kennenlernen hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebensbedingungen schwuler Männer in
will, besucht den Infodienst im Sub. Die Infotheke ist täglich von 19 bis München zu verbessern. Aus diesem Grund wird die Beratungsstelle seit
22 Uhr besetzt. Jahren von Ärzten, Rechtsanwälten und Psychotherapeuten unterstützt.
Daneben organisiert das Sub selbst zahlreiche Freizeitaktivitäten. Die Die Einrichtung berät individuell und auf Wunsch anonym, wenn es ums
Gruppe J.U.N.G.S. zum Beispiel richtet sich an junge Schwule unter 27, Coming-Out oder Themen wie Gewalt, Alkoholismus, Existenz- und Le-
die gemeinsam ihre Freizeit gestalten wollen. Wer älter ist, kann mit der bensängste, Drogensucht oder Jobverlust geht.
Ausgehgruppe die Münchner Szene erkunden. Schwulen über 40 bietet Ausführliche Informationen zum Sub und seinem Programm finden sich
die Gruppe Gay & Gray ein Forum. Gay & Gray setzt sich für eine bessere unter www.subonline.org. Dort listet zum Beispiel ein Terminplan die
Integration älterer Schwuler in der Szene ein. Darüber hinaus beherbergt wichtigsten Veranstaltungen der Woche auf.
das Sub eine Spiele- und Schachtruppe, verschiedene Sprachgruppen,
eine Bibliothek, ein Archiv und vieles mehr. Sub e.V.
Das Sub gibt es seit 1986. Seit damals betreibt der Verein das Sub-Café, Müllerstraße 43, 80469 München
das Getränke und Snacks zu moderaten Preisen verkauft, und regelmäßig Büro: Tel.: (089) 260 228 19, Fax: (089) 260 87 90
junge Künstler in seine Räume holt. Doch ist das Sub nicht nur ein Kom info@subonline.org, www.subonline.org

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Das Hinterletzte

Nachstehend Schwuchtel genannt...


Wer sich eine Wohnung kauft, sprach Korschmann, die Beurkundung noch einmal gericht München auf Schmerzensgeld in Höhe von
muss zum Notar. Denn der be- vorzunehmen. Zwei Wochen später hatte Fritz Rau- 2.500 Euro. „Es ging uns um das Schuldeingeständ-
urkundet den Eigentumserwerb. le wieder Post vom Notar. Empört sagt er: „Da kam nis“, sagt Raule. Er erinnert sich genau an den zu-
Ein ganz normaler Vorgang – eine Mahnung von denen. Weil wir die Urkunde nicht ständigen Richter: „Man hat die ganze Zeit gemerkt,
es sei denn, zwei Homosexuel- bezahlt hatten. Die wollten für den Mist auch noch dass der gedacht hat ‚Was, die Schwuchteln weh-
le sind die Käufer. Geld von uns.“ Als er von der Mahnung erfuhr, platz- ren sich auch noch? Da kriegen sie gleich noch eins
te dem Juristen Mertens der Kragen. Er zeigte Dr. drauf’.“ Die Klage wurde selbstverständlich abge-
Korschmann wegen Beleidigung an. Die Münchner wiesen – mit der Begründung, dass „dieses Wort“,
Fritz Raule (47)* glaubte im ersten Moment an einen Staatsanwaltschaft musste nun ermitteln. Raule und um das sich Richter und Gegenseite permanent
„saublöden Scherz“. Die per Post geschickte Urkun- Mertens schütteln sich heute noch, wenn sie an die herumdrückten, das Büro Korschmann ja niemals
de mit dem bayerischen Notarssiegel sah echt aus, schriftliche Aussage des Notars denken: Im Büro verlassen sollte und ausschließlich zum „internen
aber das, was unter Ziffer acht auf Seite fünf der sei eine neue EDV installiert worden. Ein Mitarbei- Gebrauch“ vorgesehen war. In der Berufung vor dem
Grundschuldbestellung zu lesen war, konnte einfach ter habe die Urkunde zu Übungszwecken unter dem Landgericht, die Mertens sofort eingelegt hatte, kam
nicht wahr sein. Raule schüttelt den Kopf, fängt an zu Dateinamen „SCHWUCHTELN.doc“ abgespeichert es wenigstens zu einem Vergleich. Dr. Korschmann
husten. Er hat sich an seinem Milchcafé verschluckt. und nachher vergessen, das fehlerhafte Dokument sollte 1.000 Euro an Raule und Mertens zahlen. Die
Sein Lebenspartner, der Rechtsanwalt Christoph zu löschen. Korschmann gab weiter zu Protokoll, das vereinbarte Summe wurde dann aber nicht vom No-
Mertens (44)*, erzählt weiter: „Fritz rief mich aufge- Wort „Schwuchtel“ gehöre für ihn zum „normalen tar selbst, sondern von seinem Büro-Angestellten,
regt im Büro an. Ich habe ihm gesagt, er soll mir erst Sprachgebrauch“; er könne daher ohnehin keine der für den vermeintlichen „Fehler“ bei der EDV-Ein-
mal vorlesen, was auf der Seite steht“. Es raschelte Beleidigung erkennen. Immerhin: Die Staatsanwalt- weisung verantwortlich war, auf Raules Konto über-
kurz am Telefon, dann hatte Fritz Raule die Stelle schaft sah das anders, verdonnerte den renitenten wiesen. Offensichtlich auf Druck des Arbeitgebers.
wiedergefunden. „Die Schwuchteln Fritz Raule und Notar zur Zahlung von 1.500 Euro an den Deutschen Inzwischen haben die zwei „Schwuchteln“ Chris-
Christoph Mertens – nachstehend Käufer genannt Kinderschutzbund und stellte das Verfahren ein. Eine toph Mertens und Fritz Raule eine zweite Wohnung
– haben den Pfandbesitz an der Wohnung mit Urkun- Überweisung zugunsten schwuler Vereine wurde in München gekauft. Die Urkunden wurden diesmal
de des beurkundenden Notars von der Firma Hahnel verworfen. übrigens nicht von Dr. Korschmann ausgefertigt.
Objekt GmbH & Co K.G.* – nachstehend Verkäufer Für Raule und Mertens war der Fall damit jedoch
genannt – erworben.“ Am Ende des Dokuments der nicht abgeschlossen. Sie klagten vor dem Amts- Von Jan Bernd Schulze Wartenhorst
amtliche Stempel mit dem Vermerk „Vorgelesen und
von den Beteiligten genehmigt“.
Genehmigt hatten Mertens und Raule diesen Inhalt
natürlich nicht. Sie waren nur einmal bei dem No-
tar Dr. Korschmann* in dessen Büro im Herzen der
Münchner Innenstadt gewesen. Für beide war die
Urkunde, in der eine Grundschuld zugunsten ihrer
Bank bestellt wurde, eine bloße Formalie. Korsch-
mann wirkte korrekt, er war ihnen vom Verkäufer,
der Immobilienfirma Hahnel, empfohlen worden.
Außerdem sollte der Kauf der 150.000 Euro teu-
ren Wohnung im Stadtteil Harlaching endlich über
die Bühne gehen. Schon lange hatte sich das Paar,
das mittlerweile seit 14 Jahren zusammen ist, eine
gemeinsame Bleibe fürs Wochenende gewünscht.
Denn Anwalt Mertens arbeitet unter der Woche
in Frankfurt, der Verwaltungsangestellte Raule in
München. Die Passage auf Seite fünf des amtlichen
Schriftstücks traf sie unerwartet und machte ihnen
ziemliche Sorgen. Raule sagt: „Gut geschlafen habe
ich in der Zeit nicht“. Schließlich waren beglaubigte
Abschriften der Urkunde schon an die Bank, die den
Kredit bereitgestellt hatte, und an das Münchner
Grundbuchamt gegangen. Christoph Mertens erin-
nert sich noch genau an den Anruf bei seinem Kol-
legen Dr. Korschmann: „Außer Ausflüchten wie ‚Das
kann ich mir gar nicht erklären’ kam nichts“. Mertens
vermutet, dass dem Notar ein „Fehler“ unterlaufen
ist: „Wahrscheinlich hat er beim Diktat gesagt ‚So,
Fräulein Müller, unter Ziffer acht setzen Sie jetzt die
Namen der zwei Schwuchteln vom Anfang ein’. Und
irgendeine Bauerntussi, die in seinem Büro arbeitet,
kannte das Wort nicht und hat es beim Abtippen der
Urkunde in den Text übernommen.“ Wenigstens ver- *Namen geändert

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Münchener Ansichten

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