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Lehrkompetenz und

Videoreflexion im
Kontext der Fahrlehrer-
ausbildung

Forschungsnotiz Nr. 7

Tamara Ranner

Forschungsnotizen an der Professur für


Lehren und Lernen mit Medien sind als
„Extended Abstracts“ zu verstehen.
Diese sollen einen prägnanten Über-
blick über aktuelle Forschungsarbeiten
geben und können als Grundlage für
längere Buch- oder Zeitschriftenbeiträ-
ge dienen.

Universität der Bundeswehr München


Fakultät für Pädagogik
Professur für Lehren und Lernen mit Medien
Werner-Heisenberg-Weg 39
85579 Neubiberg
URL: http://lernen-unibw.de

Redaktionelle Betreuung: Silvia Sippel


Forschungsnotiz Nr. 7: Lehrkompetenz und Videoreflexion im Kontext der Fahrlehrerausbildung -1-

1. Problemstellung: 2. Forschungskontext:
Lehrkompetenz von Fahrlehrern Internetgestützte Videoreflexion in der
Qualität in der beruflichen Bildung spielt in fast
Fahrlehrerausbildung
allen Branchen eine zunehmend wichtige Rolle. Bereits seit Jahrzehnten werden Unterrichtsvideos
Vorhandene Standards, die sich bewährt haben, in der Fahrlehrerausbildung genutzt, ihr Einsatz ist
müssen sichergestellt werden. Eine bloße Qualitäts- an sich nichts Neues. Sie dienen allerdings vorwie-
sicherung reicht jedoch nicht aus. Es müssen auch gend als Demonstrationsmaterial in Präsenzsitzun-
neue Erkenntnisse genutzt werden, um ausgehend gen. Eine aktiv-konstruktive Auseinandersetzung
von den Good Practices neue Standards zu entwer- mit Unterrichtsvideos erfolgt nur selten. Die Tech-
fen und damit eine Qualitätsentwicklung voranzu- nologien sind also vorhanden, jedoch werden sie bis
treiben. Immerhin ist Qualität ein permanenter dato nur spärlich eingesetzt und vor allem kaum mit
Prozess und eine kontinuierliche Weiterentwick- den neuen Möglichkeiten des Online-Lernens ver-
lung findet in nahezu allen Berufen – so auch im knüpft.2 Internet- und Videotechnologien können
Fahrlehrerberuf – statt (Bartl, 2006). aber eine geeignete Möglichkeit darstellen, um die
Gerade die Berufsgruppe der Fahrlehrerinnen und angesprochene Professionalisierung der Fahrlehrer-
Fahrlehrer1 hatte in den vergangenen Jahren eine ausbildung zu unterstützen und eine Verbesserung
starke Ausweitung des Anforderungsprofils zu der Fahrfähigkeiten sowie die Lehrkompetenz bei
verzeichnen, die unter anderem auf den Technolo- zukünftigen Fahrlehrern zu fördern.
giefortschritt, die gestiegene Verkehrsdichte sowie Innerhalb des EU-Projektes Driver Instructor Edu-
die heterogenen Zielgruppen zurückzuführen ist cation 2.03 werden daher im Moment Internet- und
(Weißmann, 2008). Im beruflichen Alltag müssen Videotechnologien an zwei Fahrlehrerausbildungs-
Fahrlehrer in der Lage sein, Fahrschülern einerseits stätten4 und vier Ausbildungsfahrschulen5 in
Fertigkeiten zum Führen eines Fahrzeugs und ande- Deutschland, Österreich, Belgien und Italien in der
rerseits Wissen, Können und Einstellungen für ein Fahrlehrerausbildung erprobt. Ausgewählte Unter-
sicheres, verantwortungsvolles und umweltbewuss- richtsstunden von Fahrlehreranwärtern im Auto
tes Fahren zu vermitteln (Bartl, 2006). Fahrlehrer (praktischer Fahrunterricht) oder im Seminarraum
sind demnach mit hohen pädagogisch-didaktischen (Theorieunterricht in der Fahrschule) werden auf-
Anforderungen konfrontiert und benötigen eine gezeichnet. Die Ausbilder6 laden diese Videoauf-
entsprechende Lehrkompetenz (vgl. Reinmann, in nahmen in eine geschlossene Online-Umgebung
Druck), die situiert in komplexen Situationen unter (edubreak®Campus7) hoch, weisen die Videos den
Beweis gestellt werden muss (Friedrich, 2005). jeweiligen Fahrlehreranwärtern zu und formulieren
Die zentrale Aufgabe der Fahrlehrerausbildung ist eine spezielle Beobachtungs- und Reflexionsaufga-
es somit, neben der Vermittlung von wissenschaft- be.
lich-technologischem Fachwissen eine Verbesse- Sobald die Videos in die Online-Umgebung hoch-
rung der Fahrfähigkeiten sowie vor allem ein hohes geladen worden sind, können die angehenden Fahr-
Maß an Lehrkompetenz bei den angehenden Fahr- lehrer sie im edubreak®Videoplayer anschauen und
lehrern zu fördern. Dazu ist in Deutschland 1999 gemäß der Aufgabenstellung bearbeiten. Dazu
eine überarbeitete Fahrlehrer-Ausbildungsordnung können sie das Video an einer beliebigen Stelle
(FahrlAusbO) in Kraft getreten, welche die pädago- anhalten und dort zeitmarkenbasiert (auf Millise-
gische Ausbildung von Fahrlehreranwärtern stärker kunden genau) einen Kommentar verfassen. Neben
betont (vgl. Bouska & May, 2009). Jedoch sind Text stehen ihnen dazu weitere Möglichkeiten zur
hierzulande nach wie vor kaum praxistaugliche Verfügung, wie Zeichenwerkzeuge oder eine Am-
Standards für die Förderung von Lehrkompetenz pelbewertung, mit der sie die jeweilige Situation als
vorhanden. Ähnlich ist die Situation in anderen
Ländern der Europäischen Union (EU) (vgl.
DFA/EFA, 2009; Bartl et al., 2005): Es gibt kaum 2
Diese Erkenntnisse stammen aus Gesprächen mit Ausbildern
Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen den an im nachfolgend beschriebenen EU-Projekt.
der Fahrlehrerausbildung beteiligten Einrichtungen. 3
Driver Instructor Education 2.0, Laufzeit Oktober 2009 bis
Eine Professionalisierung der Fahrlehrerausbildung März 2011. URL: http://driver-instructor-education.org/de.
durch die Entwicklung gemeinsamer Standards 4
In Fahrlehrerausbildungsstätten findet vorrangig die theoreti-
findet somit derzeit nicht statt. sche Ausbildung von Fahrlehrern statt.
5
Ausbildungsfahrschulen sind „normale“ Fahrschulen, die
vorrangig zum praktischen Teil der Fahrlehrerausbildung beitra-
gen, indem sie Fahrlehrer als Praktikanten aufnehmen.
6
1 Als Ausbilder werden im Folgenden die Lehrkräfte bezeichnet,
Ausschließlich aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im die für die Ausbildung angehender Fahrlehrer zuständig sind.
Folgenden durchgehend die männliche Form verwendet. Es sind
7
jedoch in der Regel und, wenn nicht explizit anders angegeben, Entwickelt und bereitgestellt von der Ghostthinker GmbH.
sowohl männliche wie auch weibliche Personen gemeint. URL: http://www.ghostthinker.de/.
Forschungsnotiz Nr. 7: Lehrkompetenz und Videoreflexion im Kontext der Fahrlehrerausbildung -2-

kritisch (rot), unklar (gelb) oder gut gelungen Die Einsatzmöglichkeiten von Unterrichtsvideos
(grün) kategorisieren können (siehe Abbildung 1). sind aber mit dem bloßen Rezipieren noch nicht
Durch diese Art der Videobearbeitung sollen zu- erschöpft. Um eine aktive Auseinandersetzung der
künftige Fahrlehrer lernen, ihr eigenes Unterrichts- angehenden Lehrpersonen mit ihrem Unterrichts-
handeln zu analysieren und zu reflektieren. handeln anzuregen, können passend zum Video
Wenn es die gestellte Aufgabe vorsieht, können in Aufgaben formuliert werden (Reusser, 2005), die
einem weiteren Schritt die bearbeiteten Videos von festlegen, aus welchem Blickwinkel und unter wel-
anderen Fahrlehreranwärtern kommentiert werden. chen Gesichtspunkten die Videos betrachtet werden
Auf diese Weise wird eine kollaborative Videobe- sollen (Krammer, Schnetzler, Pauli, Ratzka & Lip-
arbeitung möglich. Am Ende kann der Ausbilder owsky, 2009). Die Aufgabe der Ausbilder ist es, die
jedem Fahrlehreranwärter in der Online-Umgebung angehenden Lehrpersonen bei der Reflexion und
ein Feedback auf seine Aufgabenbearbeitung ge- der Analyse der Videos anzuleiten und zu unterstüt-
ben. Der Ausbilder kann aber auch einzelne Video- zen. Eine wichtige Rolle spielt auch das Feedback
kommentare herausgreifen und darauf eine Rück- auf die Videoreflexion, sowohl von Peers als auch
meldung direkt im Video verfassen. vom Ausbilder. Indem man Unterrichtssituationen
mit anderen diskutiert, unterschiedliche Perspekti-
ven miteinander vergleicht und seine eigene Mei-
nung dazu begründet, lernt man aus den Erfahrun-
gen der anderen und erweitert sein eigenes Wissen
(Krammer & Reusser, 2005).
Durch technologische Entwicklungen können Un-
terrichtsvideos inzwischen auch netzbasiert einge-
setzt und dadurch zeit- und ortsunabhängig reflek-
tiert und mit anderen diskutiert werden (Krammer
& Hugener, 2005; vgl. auch Abschnitt 2, edu-
break®Videoplayer). Auf diese Weise werden die
Abbildung 1: Im edubreak®Videoplayer können zeitmarkenba- didaktischen Möglichkeiten für die Aus- und Wei-
sierte Kommentare in einem Video verfasst werden.
terbildung von Lehrpersonen noch einmal erweitert:
Durch den Einsatz digitaler Werkzeuge wird eine
3. Theoretische Verortung: aktiv-produktive Bearbeitung der Videos möglich,
Unterrichtsreflexion mittels Videoanno- mit denen man z.B. Ausschnitte bilden, kommentie-
tation ren oder Schlagworte vergeben (taggen) kann (Voh-
In der Unterrichtsforschung bzw. in der Lehrerbil- le & Reinmann, in Druck). Eine solche Möglichkeit
dung werden Unterrichtsvideos seit einigen Jahren stellt die Annotation dar, mit der zusätzliche Infor-
vor allem als Mittel zur Analyse und Reflexion von mationen im Video in Form von Text, Bild oder
Lehrkompetenz eingesetzt (vgl. Brophy, 2004; Hyperlinks eingefügt werden können (Meixner,
Reusser, 2005; Krammer & Reusser, 2005). Unter- Siegel, Hölbling, Kosch & Lehner, 2009, S. 14).
richtsprozesse sind flüchtig und bedürfen der Re- Durch die Videoannotation wird eine aktive Refle-
flexion. Dafür eignen sich Unterrichtsvideos beson- xion begünstigt: Die Lehrpersonen denken nicht nur
ders gut, weil sie mit geringem Aufwand eine er- „still“ über ihr Unterrichtsverhalten nach, sondern
gebnisorientierte Selbstreflexion8 fördern können: können es auch artikulieren und an den entspre-
Unterrichtsvideos ermöglichen es, das eigene Un- chenden Stellen im Video (zeitmarkenbasiert) in
terrichtshandeln im Nachhinein und ohne Hand- (Text-)Kommentare fassen. Dadurch trainieren sie
lungsdruck zu beobachten und zu analysieren, ein- ihre sprachliche Ausdrucksfähigkeit und lernen,
geschliffene Routinen zu erkennen und schließlich ihre Anleitung des Lernenden zu explizieren und zu
nach alternativen Handlungsmöglichkeiten zu su- versprachlichen (Reinmann & Vohle, in Druck).
chen (Reusser, 2005). Eine Reflexion über die
Handlung („reflection-on-action“, Schön, 1983) 4. Methodisches Vorgehen:
wird auf diese Weise unterstützt.9 Embedded multiple-case design
Der Einsatz der internetgestützten Videoreflexion in
der Fahrlehrerausbildung im Rahmen des EU-
8
Projektes wird in einer Fallstudie empirisch unter-
Greif (2008) bezeichnet die Selbstreflexion als ergebnisorien-
sucht. Das Vorgehen entspricht nach Yin (2008)
tiert, „wenn die Person dabei Folgerungen für künftige Handlun-
gen oder Selbstreflexionen entwickelt“ (Greif, 2008, S. 40). einem embedded multiple-case design. Dabei wer-
den die sechs teilnehmenden Fahrlehrerausbil-
9
Prinzipiell ist auch eine Reflexion in der Handlung („reflection-
in-action“, Schön, 1983) möglich, jedoch erfordert diese viel dungsstätten bzw. Ausbildungsfahrschulen aus
Erfahrungswissen. Deshalb ist diese Art der Reflexion vor allem Belgien, Deutschland, Italien und Österreich als
für Experten, aber nicht für Novizen geeignet (Vohle & Rein- einzelne Fälle betrachtet, weil sich die Fahrlehrer-
mann, in Druck).
Forschungsnotiz Nr. 7: Lehrkompetenz und Videoreflexion im Kontext der Fahrlehrerausbildung -3-

ausbildung und damit der Kontext des Einsatzes in total gut empfunden. Das hat mir sehr viel gebracht,
diesen vier Ländern stark voneinander unterschei- weil ich jetzt gewisse Dinge anders mache.“
den (vgl. DFA/EFA, 2009). Durch die vertiefte Weiterhin wird deutlich, dass die gestellten Aufga-
Analyse jedes einzelnen Falls kann untersucht wer- ben eine zentrale Rolle bei der internetgestützten
den, wie sich das Konzept zum Einsatz der inter- Videoreflexion übernehmen: Sie sind entscheidend
netgestützten Videoreflexion in verschiedenen dafür, wie gut das Konzept von den Teilnehmern
Kontexten (z.B. Ausbildungsfahrschulen, Fahrleh- angenommen wird. Die Entwicklung von Aufgaben
rerausbildungsstätten, unterschiedliche Länder) benötigt allerdings viel Zeit und Erfahrung auf
einbinden lässt. Durch einen Fallvergleich (vgl. Seiten der Ausbilder und stellt diese vor besondere
Kelle & Kluge, 2010) sollen Gemeinsamkeiten, Herausforderungen, wie sie in den Interviews be-
Unterschiede und Besonderheiten der einzelnen richten: So sollen die Aufgaben einen Bezug zum
Fälle herausgearbeitet werden. Lehrplan aufweisen, auf die Lehrziele abgestimmt
Die Datenerhebung für die geplante Fallstudie soll sein, einen klaren Beobachtungsschwerpunkt haben
mittels verschiedener Methoden erfolgen. Der Ein- und inhaltlich zum gedrehten Video passen. Die
satz der internetgestützten Videoreflexion in der Ausbilder müssen bei der Aufgabengestaltung also
Fahrlehrerausbildung wird im Projektverlauf sys- unterschiedliche Aspekte berücksichtigen. Trotz
tematisch dokumentiert: Dafür werden zum einen dieser Schwierigkeiten haben sie im Projektverlauf
Feldnotizen zu Prozessen und Ergebnissen aus der verschiedene Aufgabentypen entsprechend ihrer
Interaktion mit den Projektpartnern angefertigt Bedürfnisse entwickelt und optimiert. Dadurch ist
(Prozessdokumentation). Zum anderen werden in der Online-Umgebung ein Pool an verschiedenen
Daten aus der Online-Umgebung wie die Anzahl Aufgaben, Videos und Einsatzszenarien entstanden.
und der Umfang von Videos und Kommentaren Dieser kann einen Ausgangspunkt für einen Erfah-
oder die Häufigkeit und die Art der Nutzung ver- rungs- und Wissensaustausch über örtliche und
schiedener Funktionalitäten erhoben. Neben diesen zeitliche Grenzen hinweg bilden.
non-reaktiven Verfahren werden in der Mitte der Es gibt jedoch Hindernisse für den Erfahrungs- und
Projektlaufzeit (September 2010) und am Ende Wissensaustausch zwischen den beteiligten Län-
(Februar 2011) die am Projekt beteiligten Ausbilder dern, die darauf beruhen, dass die Fahrlehrerausbil-
und Fahrlehreranwärter interviewt. Das soll einen dung sehr unterschiedlich geregelt ist: So gibt es
genauen Einblick ermöglichen, wie die internetge- z.B. in Deutschland klare gesetzliche Vorgaben und
stützte Videoreflexion in verschiedenen Kontexten Strukturen, während in Belgien nur wenige Vorga-
der Fahrlehrerausbildung im Verlauf der Zeit inte- ben vorhanden sind (vgl. DFA/EFA, 2009; Bartl et
griert wird. al., 2005). Die Aufgabenstellungen müssen von den
Ausbildern somit an die jeweiligen Ausbildungs-
5. Exemplarische Ergebnisse: systeme angepasst werden und können nicht ohne
Chancen und Grenzen für einen Erfah- weiteres in einem anderen Kontext übernommen
rungsaustausch werden (siehe dazu auch Abschnitt 3, Fallanalyse).
Aber nur wenn sich die Aufgaben in verschiedenen
Die ersten Daten innerhalb des EU-Projekts sind im Kontexten bewähren, können aus ihnen länderüber-
September 2010 erhoben worden, eine abschließen- greifende praxistaugliche Standards entstehen.
de Auswertung steht aber noch aus. Daher sind die Immerhin können Ausbilder bei der Formulierung
nachfolgenden Erkenntnisse rein deskriptiv. Es und bei der Struktur der Aufgaben Anregungen von
zeigt sich etwa, dass in den ersten sechs Monaten Kollegen anderer Länder erhalten. Ein erster Erfah-
des Einsatzes 12 Ausbilder und 54 Fahrlehreran- rungs- und Wissensaustausch über Landesgrenzen
wärter die Online-Umgebung genutzt haben. In hinweg findet somit statt. Eine Entwicklung von
dieser Zeit wurden ca. 300 Videos hochgeladen und länderübergreifenden Standards für die Förderung
ca. 850 Kommentare verfasst. Neben Text haben der Fahrfähigkeiten und der Lehrkompetenz von
die Teilnehmer auch die anderen Kommentarmög- Fahrlehreranwärtern durch den Einsatz der internet-
lichkeiten wie die Ampelbewertung (616 Mal) und gestützten Videoreflexion scheint im Moment al-
die Zeichenwerkzeuge (147 Mal) eingesetzt. Diese lerdings nicht möglich zu sein.
Daten weisen darauf hin dass der Einsatz der Vide-
oreflexion zur Verbesserung der eigenen Fahrfähig-
6. Ausblick:
keiten und der Lehrkompetenz von den Fahrlehrer-
anwärtern angenommen wird. Auch erste Ergebnis-
Standards durch Entwurfsmuster
se aus den Interviews deuten darauf hin, dass die Um die Qualität der Fahrlehrerausbildung zu ver-
Fahrlehreranwärter den Mehrwert der Videoreflexi- bessern, müssen Standards angestrebt werden.
on erkennen. Das unterstreicht exemplarisch die Durch den gesetzlich klar geregelten Ausbildungs-
Aussage eines Teilnehmers aus Österreich: „Also
ich habe das [die Videoreflexion, Anm. T.R.] als
Forschungsnotiz Nr. 7: Lehrkompetenz und Videoreflexion im Kontext der Fahrlehrerausbildung -4-

verlauf10 gibt es zumindest in Deutschland gute for Driving Instructor Training. Final Re-
Voraussetzungen dafür. Bislang findet aber hierzu- port. Wien: Institut Gute Fahrt. URL:
lande kaum ein Erfahrungs- und Wissensaustausch www.cieca.be/download/MERITFinaReport
zwischen Fahrlehrerausbildungsstätten sowie Aus- En.pdf
bildungsfahrschulen statt. Die Erfahrungen der
Bouska, W. & May, R. (2009). Fahrlehrer Recht.
Ausbilder sowie eigens entwickelte Ausbildungs-
Erläuterungen des Fahrlehrer Gesetzes und
materialien werden selten standortübergreifend
aller einschlägigen Verordnungen. Mün-
ausgetauscht und kaum gemeinsam weiterentwi-
chen: Vogel.
ckelt.
Die vorgestellte Online-Umgebung stellt einen Brophy, J. (Hrsg.). (2004). Using video in teacher
Lösungsansatz dar, wie man den Wissens- und education. Advances in Research on Teach-
Erfahrungsaustausch innerhalb Deutschlands unter- ing (Band 10). Amsterdam: Elsevier JAI.
stützen kann: Dort können sich Ausbilder miteinan- De Witt, C. & Czerwionka, T. (2009). Neue Medi-
der vernetzen und ihre Aufgaben für die Videore- en und individuelle Leistungsdarstellung.
flexion, die eine Verbesserung der Lehrkompetenz Möglichkeiten und Grenzen von ePortfolios
angehender Fahrlehrer zum Ziel haben, sammeln, und eAssessement. Medienpädagogik, 19.
anderen zugänglich machen und mit ihnen diskutie- URL:
ren. http://www.medienpaed.com/zs/content/blog
Die Sammlung verschiedener Aufgaben kann einen category/44/72/.
Ausgangspunkt für die Entwicklung von Qualitäts-
DFA/EFA (2009). Anforderungen an den Fahrleh-
standards bilden: Die Ausbilder bereiten gute und
rerberuf in Europa. URL:
erfolgreich erprobte Aufgaben aus der Ausbil-
http://www.deutsche-fahrlehrer-
dungspraxis auf und generieren dadurch gemeinsam
akademie.de/2-
(primär erfahrungsbasiertes) Aufgabenwissen, auf
Publikationen/Datensammlung-Details.pdf
das andere zurückgreifen können, wenn sie Video-
reflexion zur Förderung der Lehrkompetenz in der Greif. S. (2008). Coaching und ergebnisorientierte
Fahrlehrerausbildung einsetzen möchten. Je nach Selbstreflexion. Göttingen: Hogrefe.
Lehrziel können sie sich aus dem entstandenen
Friedrich, A. (2005). Pädagogische Kompetenz von
Fundus an selbst-generierten mediengestützten
Fahrlehreranwärtern: Eine Feldstudie. Dis-
Maßnahmen zur Lehrkompetenzentwicklung eine
sertation, Universität Erfurt.
passende Aufgabe aussuchen und müssen nicht erst
selbst eine geeignete Aufgabenstellung entwickeln. Kelle, U., & Kluge, S. (2010). Vom Einzelfall zum
Wenn sich solche Aufgaben in der Praxis bewäh- Typus: Fallvergleich und Fallkontrastierung
ren, können aus ihnen später Standards für die vi- in der qualitativen Sozialforschung. Wies-
deogestützte Förderung von Lehrkompetenz entste- baden: VS.
hen und die Qualität der Fahrlehrerausbildung auf
Kohls, C. (2009). E-Learning-Patterns. Nutzen und
diese Weise verbessert werden. Einen möglichen
Hürden des Entwurfsmuster-Ansatzes. In N.
Lösungsweg können hierbei didaktische Entwurfs-
Apostolopoulos, H. Hoffmann, V. Mans-
muster darstellen (vgl. Kohl, 2009; Sippel, 2010).
mann & A. Schwill (Hrsg.), E-Learning
2009. Lernen im digitalen Zeitalter (S. 61-
Literatur 72). Münster: Waxmann.
Bartl, G. (2006). Anforderungen an den Fahrlehrer Krammer, K., & Hugener, I. (2005). Netzbasierte
der Zukunft. 44. Deutscher Verkehrsge- Reflexion von Unterrichtsvideos in der Aus-
richtstag, Arbeitskreis IV, Reform des Fahr- bildung von Lehrpersonen – eine Explorati-
lehrerrechts, Goslar. URL: http://www.alles- onsstudie. Beiträge zur Lehrerbildung,
fuehrer- 23(1), 51-61.
schein.at/dokumente/presDVGTinternet%20
01%202006.pdf Krammer, K., & Reusser, K. (2005). Unterrichtsvi-
deos als Medium der Aus- und Weiterbil-
Bartl, G., Gregersen, N-P., Sanders, N., von Bres- dung von Lehrpersonen. Beiträge zur Lehr-
sensdorf, G., Gunnarson, L., Walsh, D., Vis- erbildung, 23(1), 35-50.
sers, J., Heiler, G. & Torsmyr, K. (2005).
EU MERIT Project: Minimum Requirements Krammer, K., Schnetzler, C. L., Pauli, C., Ratzka,
N. & Lipowsky, F. (2009). Kooperatives
10
Hier erfolgt die Fahrlehrerausbildung in zwei Stufen: In einer netzgestütztes Lernen mit Unterrichtsvideos.
ersten Phase absolvieren die Fahrlehreranwärter eine fünfmona- In K. Maag Merki (Hrsg.), Kooperation und
tige Fachausbildung in einer amtlich anerkannten Fahrlehreraus- Netzwerkbildung: Strategien zur Qualitäts-
bildungsstätte. In einer zweiten Phase leisten sie anschließend
ein Praktikum von viereinhalb Monaten Dauer in einer Aus- entwicklung in Schulen (S. 40-52). Seelze-
bildungsfahrschule ab (vgl. Bouska & May, 2009). Velber: Klett, Kallmeyer.
Forschungsnotiz Nr. 7: Lehrkompetenz und Videoreflexion im Kontext der Fahrlehrerausbildung -5-

Meixner, B., Siegel, B., Hölbling, G., Kosch, H. &


Lehner, F. (2009). SIVA Suite - Konzeption
eines Frameworks zur Erstellung von inter-
aktiven Videos. In M. Eibl, J. Kürsten & M.
Ritter (Hrsg.), Workshop Audiovisuelle Me-
dien WAM 2009 (S. 13-20). Aus der Reihe
Chemnitzer Informatik-Berichte. Chemnitz.
Reinmann, G. (in Druck). Kompetenz – Qualität –
Assessment. Hintergrundfolie für das tech-
nologiebasierte Lernen. Erscheint in M.
Mühlhäuser, W. Sesink & A. Kaminski
(Hrsg.), Interdisziplinäre Zugänge zu tech-
nologiegestütztem Lernen. Münster:
Waxmann.
Reinmann, G. & Vohle, F. (in Druck). Lehren ler-
nen mit Web 2.0. In: F. Siepmann & . P.
Müller (Hrsg.), Jahrbuch eLearning und
Wissensmanagement 2011. Bildung in Zeiten
von Web 2.0 (S. 18-23). Albstedt: Siepmann
Media.
Reusser, K. (2005). Situiertes Lernen mit Unter-
richtsvideos - Unterrichtsvideografie als
Medium des situierten Lernens. Journal für
Lehrerinnen- und Lehrerbildung, 2, 8-18.
Sippel, S. (2010). Das Rad nicht neu erfinden:
Didaktische Patterns zur Verbesserung der
Assessment-Praxis (Forschungsnotiz). Mün-
chen: Universität der Bundeswehr München.
URL: http://lernen-
unibw.de/sites/default/files/forschungsnotiz_
2010_06.pdf
Vohle, F. & Reinmann, G. (in Druck). Förderung
professioneller Unterrichtskompetenz mit
digitalen Medien: Lehren lernen durch Vi-
deoannotation. Erscheint in R. Schulz-
Zander & B. Eickelmann (Hrsg.), Jahrbuch
Medienpädagogik. Wiesbaden: VS.
Weißmann, W. (2008). Der Fahrlehrerberuf als
erwachsenenbildnerische Profession. Hil-
gertshausen: Mobil-Verlag.
Yin, R. K. (2008). Case Study Research: Design
and Methods. Los Angeles: Sage Publica-
tions.